Beiträge von Eye

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    Also wenn ich ganz ehrlich bin...

    ... dann hat mich die zweite Folge echt positiv überrascht! Während ich die erste noch mit einer gewissen Neutralität und Gleichgültigkeit geschaut habe, festigt die zweite die Figuren, verleiht dem Love Interest, der Schulleiterin und sogar dem Kollegium mehr Farbe, bietet einen zwar keineswegs neuen, aber sehr gelungen in Szene gesetzten Fall der Woche und vor allem gab es bei mir wieder so Mitfieber-Momente, wo ich aktiv vor dem Bildschirm "Nein, bitte nicht" gefleht habe. Ja, das Ende ist natürlich wieder so ein erzwungenes Feelgood-Ende, aber es ging. Auf dem Niveau würde ich mir durchaus noch weitere Folgen gefallen lassen.

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    Habe bislang erst die erste Folge gesehen, verstehe aber absolut, was du meinst. Mir ist der neue Cast ziemlich suspekt und überzeichnet. Ich verstehe zwar, dass man versucht, etwas Neues zu machen - das muss man ja irgendwie auch, gerade weil man wirklich keine halbe Stunde braucht, um das Love Interest-Fass wieder weit aufzureißen - und daher geht der Fokus jetzt halt mehr auf die Schüler und Stefans Privatleben und weniger auf das Zusammenspiel mit dem Kollegium. Das ist sehr mutig, aber im Moment halt noch sehr fremd. Barbara, Karl, Karin, Michael, Günther und Frau Cornelius fehlen und man merkt der ersten Folge bereits an, dass auch ein Hendrik Duryn nicht jünger wird. Ja, gerade in seinen Dialogen erkennt man den alten Lehrer immer noch sehr gut, das wirkt vertraut. Das Zusammenspiel mit Frida holt mich dagegen noch nicht so ab und ich empfand die 6-jährige Version in Staffel 8 als wesentlich quirliger und angenehmer.
    Die Geschichte selber ist auf gewohntem Lehrer-Niveau, wenngleich ich die Authentizität bei der Einsicht-Phase in den früheren Staffeln irgendwie immer stärker fand. Schon Stefans letzte Klasse nach Karins Tod hatte das nicht mehr drauf und hier find ich es ähnlich schwierig, aber vielleicht gibt sich das ja noch.
    Schade, dass sich kein Autor die Mühe machen will, ein wenig näher zu beleuchten, wie Stefan die Kids denn letztlich auf seine Seite zieht, das wird nur grob in Bildern skizziert. Gerade das ist doch eigentlich der interessante Part. Es kommt so rüber, als würde seine bloße Anwesenheit und ein lockeres Experiment zum Start genügen. Dann darf zwischendurch mal jemand sagen "Und Sie wissen jetzt, was gut für uns ist, oder was?" - dann ist aber auch ganz schnell wieder die Welt in Ordnung.
    Dass der Vorspann quasi fehlt, wundert mich ehrlich gesagt null und sollte den Machern selber zu denken geben, denn wen will man denn im Vorspann zeigen? Die Schulleiterin, die nicht den Eindruck macht, als könnte sie innerhalb der sechs Folgen noch mega sympathisch werden, die Stefan aber natürlich trotzdem weiter beschäftigt, nachdem er eine ganze Klasse zum Sitzenbleiben animiert hat? Die komische Kollegin, die Stefan hinterherschaut? Das Love Interest? Der Praktikant? Tja, und das ist schon das Problem.
    Ja sicher, in 45 Minuten bereits sämtliche Charaktere durchpsychologisiert zu haben UND daneben einen Fall der Woche zu behandeln - das funktioniert sehr wahrscheinlich nicht. Trotzdem bilde ich mir ein, dass es in Staffel 2 noch irgendwie besser geklappt hat.
    Auch scheint Stefan neuerdings Fan von Fritze Merz zu sein, lässt er die Schüler doch offenbar auch samstags und sonntags antanzen - oder er geht extra nur zum Ausbessern der Zahl an der Tafel am Wochenende in die Schule, das kann natürlich auch sein :D
    Ich werde dran bleiben, solange es mich nicht anödet und ich immer noch ein paar Lacher serviert bekomme. Allein auf Jessica Ginkels Gastauftritt in Folge 5 bin ich mega gespannt. Ich verstehe auch, warum Duryn diese Fortsetzung unbedingt wollte. Ihm muss aber bewusst sein, dass das Fernsehgeschäft heute noch gnadenloser ist als es vor zehn Jahren schon war. RTL ist mit der Mammutprogrammierung extrem mutig und ich bin mir nicht ganz sicher, ob man von der Idee wirklich überzeugt ist oder ob man die Sache intern schon wieder zu den Akten gelegt hat. Es könnte ganz schnell wieder vorbei sein, wenn man nicht schleunigst einen Cast entwickelt, an den man sein Herz hängen möchte.
    Momentan kann ich weder "Gefällt mir" noch "Gefällt mir nicht" sagen - ich bin noch unentschlossen. Mal sehen, wohin die Reise noch so geht.

    @Chloe Bei allem Verständnis, aber du bist seit Tagen dauerhaft in diesem Thread online, sogar nachts. Ist das nicht ein bisschen übertrieben? Das Forum ist keine Filesharing-Börse. An anderen Aspekten des Forums hast du kein Interesse?

    Ich kann mich da auch relativ kurz fassen. Ich fand die meisten Filme sehenswert, aber es war eben nicht mehr so ganz unsere Cobra, es war eine neue Cobra und solange man die Filme unter dem alten Serientitel vermarktet, wird man damit bei RTL nur schwer Erfolge einheimsen, dafür war die Serie zu lange für Anderes bekannt.

    Auch wenn die Filme erzählerisch und regietechnisch bspw. den Piloten der Ben-Ära oft das Wasser abgraben konnten, hatten sie doch immer wieder Probleme, die man damals nicht hatte: Längen, ein zu reduziertes Erzähltempo, mangelnde Action. Es ist ein schmaler Drahtseilakt und nach den letzten vier Filmen schwanke ich sehr zwischen "Es ist schon okay, wenn jetzt Ende ist" und "Nochmal drei solche Streifen mit interessanten Themen, das würde mir schon gefallen".

    Die Autobahn verliert man auch zusehends aus dem Fokus, in manchen Filmen spielt sie gar keine Rolle. Dabei könnte man hier mit Steinewerfern, Echtzeitkrimis im Stau oder Sekundenschlaf-Thematiken noch einiges machen. Man müsste halt wollen.

    Der einzige Faktor der Filme, der für mich noch mehr durchfällt als die Action, ist der Score, der mich wirklich komplett enttäuscht. Ich hab außerhalb des Themes nur den Endfight aus "Schutzlos" in meine Playlist aufgenommen, das war's. Das letzte Titelthema von Scheuregger gefiel mir aber ganz gut.

    Ein überragender Film war für mich nicht dabei, ein Totalausfall dagegen leider schon und ehrlich gesagt bin ich immer noch nicht so richtig über "Kein Kinderspiel" hinweg, die für mich in jeder Hinsicht einfach nur kollektives Komplettversagen war - ich weiß nicht, ob ich dem Film jetzt nach vier neuen Filmen innerhalb weniger Tage doch nochmal ne Chance geben will. Mal sehen.

    Ich beziehe in mein Ranking die Filme von 2022 mit ein, da sie für mich dazugehören.

    1. 381 – Schutzlos (8,5/10)
    2. 387 – Sterbensschön (8,5/10)
    3. 383 – Hoffnung (8/10)
    4. 384 – Blutsbande (8/10)
    5. 380 – Machtlos (8/10)
    6. 386 – Bedingungslos (7,5/10)
    7. 379 – Unversöhnlich (6/10)
    8. 385 – Die Jägerin (5,5/10)
    9. 382 – Kein Kinderspiel (0/10)

    ... und der Traum von einer 388 als Big Revival-Folge lebt weiter :)

    Schwierig… sehr schwierig.

    Preisfrage: Wie nennt man nach „HetzJAGD“ und „Die GeJAGTen“ den dritten Aufguss von „Semir und Partner unter Korruptionsverdacht“? Jupp, genau, „Die JÄGERIN“. Ein Hoch auf diese Kontinuität, die dem Film allerdings dummerweise mehr schadet als nützt – aber dazu später mehr.

    Zunächst mal ist es – das lässt sich schwer übersehen – wohl der Streifen mit dem geringsten Budget. Da hat Frederike Heß wirklich extremes Pech gehabt, dass sie gleich zwei Mal so abgespeist wurde, während ein Franco Tozza – im Rahmen der neuen Möglichkeiten – die Sau rauslassen durfte.

    Meiner Ansicht nach macht sie aber noch das Beste aus dem, was sie vorgesetzt bekommt, auf inszenatorischer Ebene ist dem Streifen nicht allzu viel anzulasten, auch wenn mir dieses „offensichtliche Sabotieren von Bärenfänger und Rauhbach / offensichtliches Verräter-Sein des IT-Nerds“ ebenfalls ziemlich gegen den Strich ging, das war so plakativ. Ja, zumindest was den ITler angeht, wollte das Buch es natürlich auch so… geschenkt. Schlimmer ist da diese grausige Szene in „Kein Kinderspiel“-Manier vor der Staatsanwaltschaft. Die ersten dreißig Sekunden gingen noch, dann wurde es richtig übel. Weiß auch nicht, was man da versucht hat. Abgesehen davon fand ich den Humor größtenteils gar nicht mal so übel. Max mit seiner Hündchen-Ansprache gefiel mir und der Teewagen mit den Akten über Semir war ja mal das Geilste überhaupt :D Man hätte hier auch gut einen augenzwinkernden Schlenker Richtung entschärfte Atombomben in der Ben-Ära machen können. Ich mein, nur wegen Semir Gerkhan steht Köln noch ;)

    Der Plot ist ungefähr so verbraucht wie der Kampf gegen Waffen- und Drogenschmuggler, trotzdem hat mich die Inszenierung eine ganze Zeit lang abgeholt, weil die Dynamik zwischen Semir und Vicky hier dann doch eine ganz andere ist als zwischen Semir und Tom / Ben. Der absolute Höhepunkt der Folge ist für mich das – leider von Pia Stutzenstein etwas zu gewollt bockig abgeschlossene – Streitgespräch in der Mitte der Folge. Ja, man fährt das Tempo hier vollends gegen die Wand, aber dieser Moment ist überwiegend so, so stark und wäre mit einem Paul Renner nie möglich gewesen. Das Duo Atalay/Stutzenstein hatte es ja nun wirklich nicht leicht. Komplette Neuausrichtung, komplett neues Team, Reduzierung des Stabs, der Action, dann noch Drehen während Corona, dann ständig monatelange Ungewissheit, kommt noch was, kommt nichts mehr… und in dieser Szene zeigt sich exzellent, dass beide trotzdem zusammen funktionieren, sonst wäre dieser Dialog nichts wert. Chapeau, find ich klasse. Da steckt so viel richtig gut platzierte Kritik am „alten weißen Mann“ drin der die Frauen, die ihm was bedeuten, in erster Linie beschützen will und sie dabei übergeht (TKKG lässt grüßen!). Das alles, ohne Semir komplett zu zerstören oder mit dem Holzhammer zu prügeln. Das Thema wurde ja auch schon in der Paul-Ära mit Dana und ihrem Praktikum aufgemacht (siehe „Vaterfreuden“), nur dass die Meinung von Paul damals verständlicherweise für Semir völlig egal war. Vicky war exakt der richtige Charakter für diesen Dialog und ich find’s super, dass man das so umgesetzt hat. Schade nur, dass es nichts hilft, denn in „Sterbensschön“ macht Semir direkt wieder die Rolle rückwärts…

    Die titelgebende Jägerin Remagen wurde in den ersten Minuten eigentlich stabil aufgebaut, nur leider reichten die 90 Minuten dann wohl doch nicht aus, um diese Ansätze auch weiterzuverfolgen. Irgendwann droppt Vicky random Remagens Vergangenheit mit dem tragischen Partnerverlust (wie innovativ!) und brüllt heraus, dass sie ja auf der selben Seite stünden, nachdem sie sie fünf Minuten vorher noch angeschnauzt hat, dass sie da mit drinstecken würde.

    Remagens Figur wird einfach sehr widersprüchlich und inkonsequent erzählt und bleibt die erzählerische Tiefe 80 Minuten lang schuldig, bis es dann zu spät ist. Und wenn ein Film sogar nach so einer Figur benannt wird, fällt das noch mehr auf. Sie behandelt ihr Team völlig kalt, will es dann aber wiederum so gut kennen, dass sie den Verräter darin nicht sehen mag. Ja, vermutlich wollte man damit vor allem sagen, dass sie sich ihre eigenen Fehler nicht eingestehen wollte, trotzdem… in den letzten Minuten fällt sie dann urplötzlich komplett in sich zusammen, nachdem Max ihr einen „Wir vermuten“-Vortrag gehalten hat. Vier Minuten vor Schluss nochmal ein bisschen Ballerei und ein hastiges „Sorry“ mitsamt Schlussgag – als wäre Heß aufgefallen, dass sie die 88 Minuten nicht überziehen darf.

    Im Buch passiert vieles um der Autoren Willen, aber nicht, weil es Sinn ergibt:
    1. Semir und Vicky werden auf die eigene Dienststelle gebracht, weil die interne Ermittlung keine eigenen Räume hat. Warum? Na, damit Rauhbach rumsabotieren kann.
    2. Semir und Vicky werden trotz unterschiedlichen Geschlechts im selben Transporter zur selben JVA gefahren. Unrealistisch hoch 1000, aber halt nötig für den Plot. Klar, dass man das nicht wie die beiden Vorgängerfolgen in dieser Kategorie erzählen kann, wo es für Semir und Partner ja tatsächlich in denselben Knast geht.
    3. Vicky kommt mal so eben im Büro des Staatsanwalts an seine Mails.
    4. Die Frau mit dem Handy feilscht mit zwei mutmaßlichen Mördern, anstatt die Beine in die Hand zu nehmen.
    5. Semir checkt nicht, dass man ihn orten will und labert ne halbe Minute rum, anstatt aufzulegen.
    6. Die Polizei verteilt sich im Hotel, aber unten steht niemand.
    7. Semir sagt der Friseurin, dass ihr Freund tot ist, aber er nichts damit zu tun hat. Sie senkt daraufhin die Waffe. Irgendwie schlechtes Timing.
    8. Vicky wird angeschossen und „muss dringend zum Arzt“, aber das juckt irgendwie keinen. Lieber setzt man sie mit blutigem Shirt in den Verhörraum und lässt sie dort allein. 10 Minuten später die Wunderheilung und Ballern im Casino.
    9. Die ganze Schose entsteht nur, weil ein ITler sagt, dass das Video echt ist. Früher wäre so ein Konstrukt instant in sich zusammengefallen, Krüger hätte Hartmut das Video gegeben und fertig. Das funktioniert fast 90 Minuten lang nur, weil das Team keinen Nerd mehr hat. Das wird dann auch von keiner Instanz nochmal vorher geprüft, nein, man fährt natürlich gleich das SEK auf. Später wird dann das Original „anhand der Metadaten“ rekonstruiert, ging natürlich nicht früher. Wenn man wenigstens auf das Thema Deepfake eingehen würde, aber nein, es muss natürlich um irgendeine albanische Mafia gehen, schon x Mal gesehen und für den Zuschauer überhaupt keine greifbare Thematik im Gegensatz zu Deepfakes.
    10. Semir drückt der Friseuse am Ende einfach mal eine Waffe in die Hand und stiftet sie an, die Mafia abzuknallen. Kann man mal machen.

    Man kann hier viel finden, sicher auch noch mehr. In „Sterbensschön“ funktionierte die reduzierte Action für mich sehr gut, hier sind die wenigen Actionparts, in denen es einfach nie ordentlich knallt und kein Auto zu Schrott gefahren wird, insgesamt bewusst in die Länge gezogen, damit der adrenalinsüchtige Zuschauer wenigstens nicht ganz so schnell wieder die Lust verliert, aber es kommt nix dabei rum. Ein zerplatzter Reifen, eine zu Bruch gegangene Scheibe in 90 Minuten und das ist das, was man heute in Deutschland Actionserie nennt. Die Amis würden sich kringelig lachen. Am besten ist hier die Flucht von Semir und der Friseuse am Ende, wo es beim SFX ordentlich klirrt und scheppert, man aber nix davon sieht. Optisch sehen die Szenen aber immerhin nach was aus. Sehr viel mehr kannst du mit den begrenzten Mitteln wohl nicht mehr machen.

    Die erste Hälfte mochte ich insgesamt trotz der vielen Plotholes noch ganz gerne, in der zweiten sackte es dann aber deutlich ab und ich hab sehr aufs Ende geschielt, weil es sich irgendwann einfach zog. Die 90 Minuten für einen 0815-Plot ergeben für mich in dem Moment Sinn, in dem man sie nutzt, Charaktere zu vertiefen, ihnen Dreidimensionalität zu verleihen – und das schaffte man hier nicht. Nicht beim IT-Nerd („Mir ist nicht gut, ich geh nach Hause“), nicht bei Remagens Partner („Ich versuch’s zu Fuß“) und leider vor allem nicht bei Remagen selbst. Die Figur wird für den Zuschauer einfach nicht greifbar. Dass man anfangs versuchte, den Verdacht gezielt auf das „Schoßhündchen“ zu lenken, machte direkt offensichtlich, dass es der IT-Nerd sein muss. Ein bisschen weniger plakativ darf es schon sein.

    Dass das Team so zusammenhielt und auch Dana mal wieder eingebunden wurde (ich konnte dem Charakter nie viel abgewinnen, aber ich hab sie in den anderen Filmen doch ein wenig als Konstante vermisst), war an und für sich schön, wenngleich mich ihr Handeln auch ein wenig irritiert hat, sie machte überhaupt nicht den Eindruck einer sich um ihren Vater sorgenden Tochter, sondern spielte total neutral, fast gelangweilt.
    Leider wirkten Rauhbach und Bärenfänger auch hier wie „stets bemüht“ und fehl am Platz, sehr unbeholfen. Erst in „Sterbensschön“ klappt es besser. Zumindest der Gag mit der Kaffeetasse war beim ersten Mal noch ganz witzig, leider zog sich das dann unnötigerweise ein wenig durch.
    Max fand ich insgesamt eher enttäuschend, er ließ sich extrem schnell die Butter vom Brot nehmen, das hätte man mit Engelhardt und Krüger so nicht gehabt.

    Wenigstens Mark Zak wertet die Folge mit seinem Spiel noch ein wenig auf, sein schachspielartiges Vorgehen wurde solide in Szene gesetzt, auch wenn da sicher noch mehr drin gewesen wäre. So richtig nahbar bekam man auch diese Figur nicht. Ich war mir eigentlich auch sicher, ihn schon mal in einer prägnanten Rolle bei der Cobra gesehen zu haben, Wunschliste spuckte mir aber nur drei selten geschaute Folgen aus, hm...

    Insgesamt eine Folge, deren Buch sehr stark hätte überarbeitet werden müssen, es hapert einfach an zu vielen Stellen und auch wenn das Duo Semir/Vicky sich Mühe gibt, dies wettzumachen, reicht das nicht für die vollen 90 Minuten. Kein Totalausfall – nur ein Buch, das definitiv noch in der Entwurfsphase steckte.

    5,5/10

    Total dumm, eigentlich müsste ich drauf kommen, aber ich tu's leider nicht. Ich suche eine Folge, die ich in der Tom- oder Jan-Ära verorte. Semir geht ohne Partner zu einem Typen, der Gangstern etwas verkauft hat (Sprengstoff oder so ähnlich). Der Typ macht illegale Pferdewetten und hält Semir zunächst für einen Kunden, dem er was andrehen kann. Semir sagt dann, dass ihn die illegalen Pferdewetten nicht interessieren, sondern er nur wissen will, an wen er damals verkauft hat.

    Ich find die Folge einfach nicht, wer weiß mehr?

    Es ist total schön zu sehen, dass sich die Drehbuchautoren nicht beirren lassen, trotz der klammen Mittel ausgelutschte 0815-Plots nicht so dahingerotzt zu erzählen, sondern sich wirklich die Zeit nehmen, Charaktere zu vertiefen und auch ab und zu mal zu überraschen.

    Anders als bei den meisten anderen Filmen dauert es hier erstmal ein Weilchen, bis klar wird, wohin es storytechnisch denn dieses Mal gehen wird - nicht nur, weil man erneut zwei Handlungsstränge aufeinander zulaufen lässt, sondern weil man in der ersten Viertelstunde ganz klar auf Action setzt. Und woah, SO holt man alles raus, wenn nicht mehr 20 Autos durch die Luft fliegen dürfen. Das ist optisch und inszenatorisch so, so geil und knüpft nahtlos an die stärksten Actionmomente von "Blutsbande" an. Vicky eingeklemmt, Semir verletzt, ein Unbekannter am Ballern, dazu die beiden Frauen, das hat einfach richtig mitgerissen.

    Dass Semir nach "Blutsbande" hier direkt wieder notdürftig zusammengeflickt werden muss, passierte sicherlich auch außerhalb der Kessler-Story nicht gänzlich ohne Hintergedanken. Wieder schwebt da dieses "Der Held ist alt geworden" als unsichtbares, aber doch spürbares Wasserzeichen drüber. Vielleicht will man sich sogar ein Hintertürchen für ein Spin-off offenhalten, wo Semir wirklich nur noch als Background-Mentor fungiert.
    Es ist so schade, dass man die Gelegenheit erneut nicht nutzt, Andrea bei dieser Storyline ins Spiel zu bringen, denn genau deshalb hat sie ihn mal verlassen (ja gut... und kam ironischerweise genau deshalb auch wieder mit ihm zusammen). Muss doch kein ellenlanger Bezug sein, ein paar Rückblenden + Gedanken von Semir dazu gegenüber Vicky reichen doch. Semir Gerkhan hatte auch schon vor Folge 365 ein Leben...

    Der Hauptplot ist solide und glänzt mehr durch seine Erzählweise als durch Tiefgang. Ich hab die Medikamente gefälscht, weil ich halt Geld machen wollte, Punkt. Das ist schade, denn selbst in einer von Comedy dominierten Folge wie "Katerstimmung" konnte Simon Licht seinem Charakter mehr Tiefe verleihen. Ich sehe ihn super gerne als Antagonist, er gehört für mich neben Uwe Bohm, Alexander Beyer und Tonio Arango zu den prägendsten wiederkehrenden Bösewichts-Darstellern bei der Cobra, aber ein bisschen mehr Tiefe bei der Charakterzeichnung wäre schön gewesen.

    Diese Tiefe bekommt - in sehr ambivalenter Form - die Figur von Michael Lott als 60-jähriger Ex-Polizist und Ja-Nein-Doch-Vielleicht-Ich-tue-alles-für-meinen-Sohn-Killer. Selbst in der Ben- und in der Paul-Ära, wo die Charaktere nun wirklich keine Aushängeschilder des Formats waren, ist mir selten eine so dermaßen widersprüchlich gezeichnete Figur untergekommen, die für mich größter Plus- und Minuspunkt des Films zugleich ist.

    Am schwierigsten ist hier im Grunde vor allem die Szene, wo er Licht an die Gurgel geht, weil er "eine Frau angeschossen hat, die es vielleicht nicht schafft", was ihn nicht kaltlässt. Kaum ein halbes Stündchen später ballert er die nächste Frau über den Haufen, im weiteren Verlauf randaliert er im Krankenhaus, entführt gewaltsam eine Ärztin (sehr schöner indirekter Querverweis auf „Wo ist Semir?“ an dieser Stelle mit dem Pager) und schleppt sie sinnloserweise zum Auftraggeber, obwohl es nur darum geht, sie auszuschalten, was er auch direkt im Krankenhaus hätte erledigen können. Dort prügelt er sich dann mit Semir und nimmt in Kauf, dass dieser sich grausam erhängt, während er völlig gleichgültig davongeht. Alles für den Sohn, der das irgendwie gar nicht will. Gut, natürlich soll die Sekundenschlaf-Geschichte mit der toten Mutter dieses sprunghafte Verhalten erklären, aber dann hätte man mindestens mal die Szene weglassen müssen, wo er Licht mit der Waffe bedroht.
    Dazu checke ich auch den Part vor dem Finale nicht so ganz. Licht legt dem Sohn eine Waffe hin, weil sein Vater versagt habe, im Krankenhaus taucht dann aber doch der Vater auf und der Sohn ist wiederum Geisel. Was fehlte denn da?

    Abgesehen von diesen erzählerischen Schwächen macht der Film auch ohne die große Action viel richtig, bleibt immer interessant und die meisten Motive der Charaktere sind soweit nachvollziehbar. Ich fands auch gut, dass man Emily am Ende nicht auch noch sterben ließ und Semirs Move mit dem Ring war schön. Dass man die Kessler-Story bis zuletzt nicht rund erzählt bekommen hat, lässt sich natürlich als Schwäche auslegen, aber im Grunde kann man hier "Es ist kompliziert" drüberschreiben und ganz ehrlich: Es passt doch irgendwie, vor allem zur Figur Semir Gerkhan. Man denke an das jahrelange On-Off-Gedöns mit Andrea damals zu Tom-Zeiten. Das Ende lässt bewusst offen, was da noch geht und es ist unter den gegebenen Umständen doch irgendwie die bestmögliche Lösung. Mir hätte eine Verlobung / Hochzeit überhaupt nicht zugesagt und so wie es jetzt gelöst wurde, werden sie wohl "Freunde plus" bleiben. Im Grunde ist das doch gut so.

    Übrigens: Unterlagen kann man kopieren oder abfotografieren. So richtig viel Sinn macht eine Erpressung mit bedrucktem Papier eigentlich nicht mehr. Auch stelle ich mir schon die Frage, ob es wirklich genügt hätte, Kessler auszuschalten. Es ist schon recht unglaubwürdig, dass diese Meldung nur an das Pharmaunternehmen rausging und Emilys Freund hätte sicher auch zur Lösung des Falles beitragen können. Insofern hätte Kesslers Tod dem Bösen lediglich mehr Zeit verschafft, Semir und Vicky hatten ihn eh schon auf dem Kieker.

    Am Ende ist es für mich ein grundsolider Streifen, der hauptsächlich an der inkonsequenten Figurenzeichnung von Lotts Vaterfigur und dem fehlenden Tiefgang beim Fake-Medikamente-Thema zu knabbern hat. Der Rest ist unterhaltsam, wunderbar anzusehen, schauspielerisch auf sehr gutem Niveau (wobei mich die Darstellerin der Lani ehrlich gesagt mit ihrem nervösen Spiel eher etwas irritiert hat, bin mir nicht ganz sicher, ob das so sollte), hatte immer wieder kleine Schlenker und ein versöhnliches Ende. Trotz der richtig geilen Anfangs-Action und dem starken Bild des strangulierten Semir bin ich nicht restlos überzeugt und fand "Blutsbande" und "Sterbensschön" beide etwas besser.

    Nichtsdestotrotz kann sich auch diese Folge absolut sehen lassen und jetzt bin ich doch ein wenig traurig, dass ich nur noch "Die Jägerin" vor mir habe, der ja offensichtlich mit Abstand der schwächste der Filme sein soll ("Kein Kinderspiel" wird allerdings schwer zu unterbieten sein, ich bin da ganz entspannt). Auf dem Niveau von "Blutsbande", "Bedingungslos" und "Sterbensschön" würde ich mir tatsächlich noch drei weitere Filme gefallen lassen (muss aber auch nicht :) ).

    7,5/10

    Habe den Film gestern noch im Bett angefangen, weil ich nach "Blutsbande" tatsächlich noch Lust auf einen zweiten Film hatte. Nach etwas über der Hälfte war dann doch die Müdigkeit stärker und der Rest folgte dann heute.

    Ich hätte NIE gedacht, dass es mich mal so wenig stören würde, einen nahezu actionfrei erzählten Cobra 11-Spielfilm zu bekommen. Frederike Heß erzählt das Thema respektvoll und ernst, gleichzeitig aber auch mit einer erfrischenden Leichtigkeit und Kurzweile, die "Blutsbande" so nicht hatte. Ich hab bei beiden Filmen ungefähr um Minute 34 herum zum ersten Mal auf die Laufzeit geguckt, bei "Blutsbande" dachte ich "Oh, erst so wenig Zeit rum?", bei "Sterbensschön" hingegen "Woah, das ging jetzt aber schnell". Warum? Weil man sich hier nicht in endlosen Darstellungen von deprimierten Menschen verliert. Man zeigt Gefühle, aber man beweist auch ein Gespür dafür, ab wann sich das zieht. Hier fand ich dann auch die Teamchemie sehr gelungen und Rauhbach und Bärenfänger waren für mich erstmals keine Fremdkörper mehr. Dass über Hotte und Dieter nichts geht, brauchen wir nicht zu diskutieren, aber meiner Meinung nach versuchen die beiden auch nicht mehr, das zu sein.

    Der Plot selber ist bei der Cobra jetzt nicht allzu verbraucht und ich fand es etwas schade, dass der Film sich in der zweiten Hälfte dann eher um die Darknet-Sache dreht und die Schönheits-Geschichte insgesamt etwas oberflächlich angefasst wurde. Letztlich war es ja nur der Aufhänger für eine Story, die dem Format auf den Leib geschrieben wurde.
    Mir fällt auch auf, dass ich die Filme favorisiere, deren tragende Figuren eher Menschen wie Du und Ich sind und keine superbösen Mafiosi-Kampfhunde mit MP in der Hand. Das gefiel mir auch bei "Hoffnung" so gut. Wenn Figuren spannend sind, der Fall undurchsichtig und wendungsreich, dann sehe ich über die mangelnde Action auch gerne mal hinweg. Und ich fand die Geschichte sehr stringent und nachvollziehbar erzählt.

    Natürlich lässt man hier die beiden Extreme zu Wort kommen: Schönheits-OPs nein danke und auf der anderen Seite die Mutter, die ihrer Tochter aufzwingt, ihren Traum zu leben und sie bedingungslos unterstützt - und natürlich bei allem zuerst an den Ruf denkt. Es ist fast erstaunlich, dass man das nicht vertieft und die blonde Schminkkasten-Explosion nicht irgendwann weinend zusammenbricht und gesteht, dass sie eigentlich gar keinen Bock auf den ganzen Kram hat. Find ich aber gar nicht so schlimm, dass nicht komplett in die Schema F-Kiste gegriffen wird.

    Deutlich mehr Beachtung findet mit Ulli die Mutter der Toten samt ihren beiden Kindern und diese Momente sind wirklich sehr gelungen, auch die Kinder spielen toll. Auch wenn es irgendwann absehbar war, hab ich bis zuletzt gehofft, dass Gesa nicht schuldig ist und leider ist das Buch diesen Weg dann doch gegangen. Dramaturgisch mag das sicher sinnvoll gewesen sein, aber ich hätte mir echt gewünscht, dass es anders kommt.

    Dass es mit der Glaubwürdigkeit öfter mal hapert, ist unübersehbar. Alleine der Darknet-Shop ist dermaßen unrealistisch präsentiert und vor allem das "Gib mal den Namen des Shops ein" - ähh, so funktioniert das Darknet nicht... Auch das Ballern auf einen erstmal vermutlich unbewaffneten Flüchtigen am Anfang und dann dieser ultraschnelle Gedankengang von Semir auf der Autobahn, das hätte man wirklich etwas besser rausarbeiten können, indem man vorher ein Detail einbaut, durch das die Zusammenhänge schlüssiger hergeleitet werden können. Das war schon seeehr abenteuerlich. Und dass die Sicherheitsfirma, die Tag und Nacht in der Aservatenkammer abhängt, einfach mal unbemerkt Sachen vertickt... joa, war mal was Anderes, ein bisschen reißerisch, aber gut, da hat die Cobra in der Vergangenheit sicher schon größere Böcke präsentiert.
    Dafür fand ich dann das Finale in der Aservatenkammer sehr stark und hier war ich erleichtert, dass Ulli am Ende nicht schoss, wenngleich sich diese Sequenz natürlich längst abgenutzt hat.

    Der Humor war 1A! Vicky, die Semirs Verabschiedung am Telefon auf die Schippe nimmt, dann das wirklich richtig geil rüberkommende Ende mit dem Wagen, der "nur in die Waschstraße muss" und diese fantastische Szene, als die Influencerin einfach unbeirrt ihren Stream weiterdrehen will und dann von Vicky abgewürgt wird. Das hatte man hier wirklich top drauf und ich musste jedes Mal lachen. Hut ab!

    Und dann ist da ja natürlich noch der Gastauftritt von Ayda, die entgegen meiner Erwartungen erstmal über eine Stunde durch Abwesenheit glänzt und eben nicht der Kernpunkt der Episode ist - und auch nicht später als Undercover-Agentin herhalten muss. Damit überrascht der Film eigentlich ziemlich positiv - aber gerade, weil es hier jemand ist, den man als zahlreichen vorherigen Folgen kennt, findet ein Teil von mir das auch etwas schade. Mehr als zwei Szenen hat sie nicht und das ist nach der turbulenten Zeit, in der sie und ihre Familie jahrelang nicht zu sehen waren, dann doch ein wenig enttäuschend. Immerhin wird aber Andrea erwähnt. Pauletta Pollmann ist ja mittlerweile sogar schon 25, was man ihr nicht unbedingt ansieht, als 16-Jährige wäre sie hier auch noch durchgegangen. Musste schmunzeln, als man sah, dass sie sogar kleiner ist als ihr Vater. Die Szenen zwischen den beiden waren natürlich astreiner Fanservice. Hier verpasst man erneut einen Verweis, denn das Ganze erinnert natürlich sehr an die Dana-Story, die wird in diesem Kontext aber leider überhaupt nicht erwähnt. Dafür die Drogengeschichte mit Semirs Mutter, die es erst in der Vicky-Ära gab... mir scheint so ein bisschen, dass man sich auch nur noch auf diese Ära beziehen darf, warum auch immer.

    Der Max-Plot wurde ebenfalls gut eingebettet, am Ende vielleicht etwas zügig durchgehechelt, aber ich finde, man hat das schön gestaltet, auch dieses Ende auf dem Revier, das sicher nicht ohne Hintergedanken so gedreht wurde. Man sorgt mal wieder vor, falls es dieses Mal wirklich zu Ende ist. Gut gemacht.

    Über den Score will ich mich gar nicht mehr groß auslassen. Bin gespannt, ob es in den anderen beiden Filmen wenigstens ein gutes Stück gibt. Ansonsten fällt mir nur der Endfight von "Schutzlos" ein.

    Am Ende war das für mich sehr kurzweilige, gute Unterhaltung, die fehlende Action wurde mit einer starken, ohne viele Längen erzählten Geschichte aufgefangen, tatsächlich hab ich die fliegenden Autos hier so gut wie gar nicht vermisst. Thematisch fehlt ein bisschen der Tiefgang und die Logik wird ab und zu ein wenig zu stark strapaziert. Wenn man damit zurechtkommt, wird man mit diesem Ende nach dem Ende nach dem Ende zufrieden sein. Und wenn ihr wirklich noch eine Ehrenrunde drehen wollt, dann fragt verdammt nochmal die alten Hasen dafür an!

    8,5/10

    Woran merkt man, dass man es nicht mehr fühlt?

    Richtig: Man lässt zwei nach einer langen Wartezeit erscheinende Cobra-Folgen einen Monat lang links liegen und jagt lieber selber am Computer was in die Luft, anstatt sich anzugucken, was mit den paar Kröten gemacht wurde, die RTL nicht an Stefan Raab gegeben hat (ich kann euch gar nicht sagen, wie schadenfroh ich bin, dass der Deal komplett in die Hose gegangen ist).

    Gestern Abend war's dann endlich mal so weit und ich habe mit dem ersten der vier neuen Filme angefangen.

    Und ich muss zuallererst mal sagen: Das war eine Folge, die mir unironisch gut gefallen hat und die in der Eventfilmreihe sicherlich mit zu den besten Folgen zählt.

    Die Geschichte war beileibe nichts Neues, war aus zig vergangenen Folgen irgendwie zusammengesetzt und hätte auch auf 45 Minuten noch funktioniert. Trotzdem war es nicht verkehrt, sie auf 90 Minuten auszubreiten, die das Drehbuch spürbar nutzte, um die Charakterentwicklungen besser darstellen zu können. Der Anfang war für mich persönlich etwas sperrig, weil ich mit Pias Schockstarre-und-ich-bin-jetzt-apathisch-Schauspiel mittlerweile nichts mehr anfangen kann. Ich war echt froh, als wir mit der ersten Viertelstunde dann durch waren und man sich auf die Ermittlungen konzentrierte, weil es ehrlich gesagt bei diesem Bild, wo Vicky nur teilnahmslos neben ihrem Vater hockt und die Hand auf den Bauch hält, schon fast wieder vorbei war. Auch wenn es später erklärt wurde, das war mir too much.

    Das Drehbuch liefert aber auch gut verpackte Kritik an der Serie selbst, als von den Figuren sehr überrascht aufgenommen wird, dass Vicky eine Schwester und sogar einen Vater hat. Gleichzeitig ist das so ein Punkt, den man heutzutage besser drauf haben müsste, dieses "Ich zaubere für eine Folge verschollene Familienmitglieder aus dem Hut, die keiner kannte" war 2003 vielleicht noch okay, zwanzig Jahre später fragt man sich eher, ob Semir Vickys Akte überhaupt mal angelesen hat, wenn man so an den Rassismus-Skandal denkt. Die Folge hätte mich auch noch viel mehr gepackt, wäre der Konflikt nicht neu gewesen, sondern schon mal angeteasert worden.

    Was mir wieder so leichte "Kein Kinderspiel"-Vibes gab, war der "Zu alt für die Scheiße"-Semir, der das hier ein Mal zu viel sagen darf. Ein Mal hätte gereicht. Mag sein, dass das bewusst gemacht wurde, um auch dem begriffsstutzigsten Fan klarzumachen, dass es ausläuft, aber ich seh das immer auch mit einem weinenden Auge. Nicht wegen des Serienendes an sich, sondern weil es zeigt, dass es die Figur Semir Gerkhan schon zu lange gibt und sie ihren Zenit überschritten hat. Den Anfangscrash hätte er früher jedenfalls locker weggesteckt.

    Das Drehbuch spielte mehrfach auf alte Folgen an, nutzte diese Verweise aber kaum. Referenzen an "Wer Wind sät" (Semir äußert sich zu der moralischen Zwickmühle von Lennart Reisinger), "Auferstehung" (Die Mafiapatin richtet einen ihrer Leute beim Essen hin), "Happy Birthday" (Semirs eigener Familienkonflikt) und "Vaterfreuden" (Semir muss dieses Mal wirklich humpelnd den Dienst fortsetzen) waren vorhanden, aber leider glänzte man dabei nicht mit einer klaren Anspielung, die ich zumindest beim ersten und dritten Punkt erwartet hätte.
    Im Gegenteil, Semirs Äußerungen hier zu seinem vermuteten Vorgehen nach einem Fehler seines Partners im Dienst standen im krassen Gegensatz zu dem, was er in Wer Wind sät gesagt hat. Dass Semir in den Actionparts zurückstecken musste, war natürlich realistisch und man kann sagen, dass hier im Vergleich zur früheren Unverwundbarkeit etwas "richtig" gemacht wurde. Aber nach über 380 Folgen, in denen jede Explosion mit ein bisschen Ruß im Gesicht so hingenommen wurde, wirkt das irgendwie eher ein bisschen tragikomisch und fast so, als wolle man damit erklären, warum nicht mehr so viele Autos geschrottet werden dürfen - die Helden sind halt älter geworden.

    Dass das Drehbuch die Geschichte von mehreren Seiten aufgemacht hat, hat definitiv geholfen, denn so blieb es lange dabei, dass immer noch hier und da eine Frage offen war und man bis zum Schluss dranbleiben wollte. Am Ende war es dann doch ein Faden zu viel, die Figur der Mafiapatin blieb weit unter ihren Möglichkeiten und dieser harte Cut zwischen der Lennart-Handlung und ihrer Mutterrolle mit anschließendem Hinrichtungs-Kontrast und dann zurück zur Semir und Vicky-Perspektive war irgendwie ein wenig unglücklich platziert. Auch die Szene am Esstisch selbst war mir einfach zu kalkuliert, vom Dialogbuch her schwach geschrieben und sehr aufgesetzt gespielt. Ich bin eine Frau, guckt mal, was ich kann - zack. Da war Auferstehung mit Tonio Arango aber meilenweit drüber.

    Abgesehen davon hab ich mich nach den ersten 20 Minuten nicht mehr gelangweilt. Witzig fand ich, dass man gleich zwei Mal das Gebäude vom Zollamt untertiteln musste, damit der Zuschauer auch ja nicht vergisst, wo man sich gerade befindet. Das fiel halt vor allem dadurch auf, dass man das bei anderen Schauplätzen nicht gemacht hat.

    Die Dynamik zusammen mit Vickys taffer Schwester gefiel mir sehr, da wirkte viel stimmig herausgearbeitet und das waren auch die Momente, die Pia Stutzenstein sehr gut hinbekommen hat. Diese Charakterentwicklung hin dazu, dass sie ihrem Vater doch noch hinterhertrauert, hätte man in 90 Minuten kaum besser herausarbeiten können. Mich persönlich hat das auch an meine eigene Familiengeschichte erinnert, glücklicherweise nicht bzgl. der Eltern, aber bzgl. der Geschwister meiner Mutter, da hat der Alkohol viel zerstört. Deshalb fand ich auch die Szene, in der Sandra ihren Vater rechtfertigt, unglaublich stark.

    Die Verräterin hab ich recht früh enttarnt, das war für mich am Ende keine große Überraschung mehr. Man hat sich so darauf versteift, den Vorgesetzten als potentiellen Verräter darzustellen, dass es verwundert hätte, wäre er es wirklich gewesen. Ich fand es aber gut, dass man den "Ich erschieß dich jetzt, aber vorher laber ich noch die ganze Schose runter"-Moment dieses Mal glaubwürdig inszeniert hat, weil die Beate das ja eigentlich gar nicht wollte. Klar fragt man sich irgendwo, warum sie dann überhaupt die Seiten gewechselt hat, aber geschenkt... Sandra war ja nicht irgendwer für sie.

    Ein ganz großer Pluspunkt des Films ist die für heutige Maßstäbe überdurchschnittlich gute Action, die der ausgelutschte Plot auch braucht und die hervorragend in die Geschichte eingebettet wurde, wenngleich das Ende mit den ballernden Libanesen natürlich ein bisschen gewollt und zum genau richtigen Zeitpunkt war, aber Holy Shit, Franco, DAS war ein Finale, das sich optisch sehen lassen konnte! Fast noch besser gefiel mir Pias überragender Bodyfight in der Wohnung, während Semir draußen versucht, die Tür aufzuschießen. Woah, da kamen wieder richtig Gefühle in mir hoch, die ich lange vermisst habe. Die Szene mit dem Feuerlöscher, die Erdogan Atalays Verletzung hervorrief, wirkte in dem Kontext mehr wie fantastische Comedy an einer eigentlich unmöglichen Stelle und weniger wie grottenschlecht vertont, denn ganz ehrlich, so wie der da mit dem Feuerlöscher zaghaft an die Tür anklopft und die sich dann auch noch öffnet, das war extrem komisch, dazu als Kontrast Vicky, die ordentlich Prügel bezieht - ich glaube, ich hab in den bisherigen Eventfilmen noch keine bessere Szene gesehen. Auf so vielen Ebenen grandios und hervorragend abgeschlossen - "Musstest du ihn gleich abknallen?" :D

    Vielleicht irre ich mich, vielleicht liegt's auch daran, dass ich mich heute eher als "Altfan" bezeichnen würde, aber irgendwie war mir Francos Stil in diesem Film oft fremd. Mir fehlten so geile filmische Momente wie die 360-Grad-Treppe in "Unversöhnlich", so Einzelbilder, die richtig hängen bleiben. In den Actionmomenten war er stark wie eh und je, ansonsten hab ich das zB von seinem Kompagnon Christian Paschmann, aber auch von dem von mir oft kritisierten Nico Zavelberg schon besser gesehen.
    Es könnte aber auch daran liegen, dass der Score mittlerweile ein schlechter Witz ist. Es gibt noch so viel geile, unveröffentlichte Musik bei der Cobra und dieses Plastikgedudel wird sofort rausgehauen. Wer will sich das denn noch anhören? Da blieb nix hängen. Nik und Jaro müssen mittlerweile echt mies bezahlt werden. Ob das mit Suno erzeugt wird oder ob echte Komponisten das drunter legen, das macht mittlerweile keinen Unterschied mehr.

    Nun hab ich zu einem neuen Cobra-Film doch wieder deutlich mehr geschrieben als ich wollte, nun ja, vielleicht hab ich doch noch ein bisschen mehr Herzblut für die Serie übrig, als ich mir selbst weismachen will. Immerhin hatte ich gestern nach "Blutsbande" noch Lust darauf, in "Sterbensschön" reinzugucken und bin dort deutlich weiter gekommen, als ich gedacht hätte. Dazu dann heute Abend mehr :)

    8/10

    Der Move mit Disney+ kommt sehr überraschend. Vielleicht eine kleine Chance auf eine Fortsetzung?

    Das ist meine Hoffnung.....

    Aber warum... Ein Abschlussfilm mit ehemaligen Darstellern, okay. Hätt ich Bock drauf. Aber ansonsten ist die Serie tot. Ich weiß, das wurde schon oft gesagt. Aber es war nie wahrer als heute. Als wenn Disney bei den Spritpreisen da genug Kohle für anständige Action reinhaut. Im Leben nicht.

    Muss ja gestehen, dass mir die Auflösung der Stick-Sache nicht wirklich fehlt, weil es dazu keine Gesichter gab. Man hätte später jeden x-beliebigen Kriminalfall erzählen können und dann im Off noch sagen können "Das waren übrigens dieselben, die Andrés Familie getötet haben". Wär auch Thema erledigt gewesen, aber nichts Besonderes draus geworden. Diese Rachefeldzüge hat die Serie in den letzten 30 Jahren ja nun weiß Gott oft genug erzählt. Denkt man sich halt irgendwo ne kleine Randnotiz hin. Und wie wir in "Vendetta" gesehen haben, kann so ne Nummer in Spielfilmlänge auch ganz schnell der letzte Quatsch werden.

    Ist irgendwie merkwürdig, dass die Cobra in ihrem jetzigen Zustand immer noch so viel teurer sein soll als andere Tödlicher Dienst-Tag-Formate. Verschlingt Erdogan die Hälfte des Budgets? So viel fliegt ja nun nicht mehr in die Luft. Ich hatte ja immer eher die Hoffnung, dass die Reduzierung der Folgenanzahl dazu führt, dass man wieder 2, 3 mehr Stunts pro Film bekommt. Immerhin hat man zeitweise 20 Folgen im Jahr rausgehauen und brauchte dafür 20x einen neuen Episodenrollen-Cast und ein Team für 40-50 Stunts. Jetzt brauchte man den Cast in zwei, drei Jahren nur neun Mal. Hat wohl trotzdem nicht gereicht.

    Der Veranstalter behält sich das Recht vor, das Gewinnspiel inklusive aller damit ggf. verbundenen Aktionen jederzeit, auch ohne vorherige Ankündigung und ohne Mitteilung von Gründen zu beenden.

    Da mir das in letzter Zeit häufiger über den Weg läuft, möchte ich mal ganz kurz anmerken, dass das rechtlich nicht abgedeckt ist. Ich kann nicht ein Gewinnspiel veranstalten, um meine Reichweite zu steigern und dieses dann einfach vorzeitig ohne Begründung abblasen, ohne Gewinner auszulosen. Das ist in Deutschland nicht zulässig. Bitte also durchziehen oder gleich bleiben lassen.

    Ich seh es ähnlich. Die Vicky-Ära war rückblickend betrachtet ein Fehler. Sie war qualitativ alles andere als schlecht, aber sie war eben nicht mehr die Cobra, die man kannte. Dabei war Vicky als erste Partnerin das kleinste "Problem" - die Chemie war besser als mit Roesner. Aber das bringt halt nichts, wenn der Rest nicht mehr passt. Eine Gizem Emre kann niemals den Verlust des gesamten Haupt- und Nebencasts bis auf Semir auffangen. Dass man hier zum Schluss nochmal neue Kollegen eingeführt hat, die einen auf Dieter und Hotte machen sollten, war blanker Hohn. Die Drehbuchautoren wussten ja gar nicht, wohin mit so was. Warum nicht Schröder oder Mareike wieder aus der Versenkung holen? DAS waren prägende, gute Nebenfiguren! Man hat hier auch zu gewollt versucht, näher an die Amis ranzurücken und dabei übersehen, dass kein Mensch in einem komplett dunklen Büro arbeiten würde, ohne irgendwann depressiv zu werden.

    Der alte Cast ist allerdings zumindest im Fall von Katja Woywood gegangen worden, die im Interview auch sehr klar ihre Enttäuschung hervorgebracht hat, weil sie bis zuletzt davon ausgegangen war, Teil des Reboots zu sein.

    Ja, man hat den Moment verpasst, wo man es hätte beenden sollen und müssen. Zuerst Ende 2006, dann Ende 2015, dann nochmal Ende 2019.

    Ich musste gerade aber ein bisschen lachen, als ich Marcos "Kinnlade auf den Boden fallen" gelesen habe. Hier nehmen einige die Serie ungefähr 100x wichtiger, als RTL es noch tut. Wem ernsthaft noch die Kinnlade runterfällt, weil RTL das Zugpferd, um das man sich seit sechs Jahren (Alter, so lange ist Pia Stutzenstein jetzt schon im Dienst und hat trotzdem gerade mal Chris Ritter eingeholt... merkt ihr selber, nech) nicht mehr kümmert und behandelt wie den letzten Dreck, kommentarlos absetzt, ohne vorher eine riesige Jubiläumsparty zu schmeißen, der ist einfach naiv.

    Übrigens hätte man den Prozess selbst dann nicht aufhalten können, wenn Tom Beck über 2013 hinaus als Partner geblieben wäre, denn auch seine späteren Staffeln erreichten die Spitzenwerte nicht mehr. Die Serie hat sich einfach toterzählt. Ja, es war irgendwo mutig, den Vicky-Schritt nochmal zu wagen, aber es war am Ende einer zu viel - man hätte ein Spin-off mit neuem Titel und internationaler Vermarktbarkeit draus machen müssen, dann hätte keiner was gesagt.

    Es ist eh ein Wunder, dass die Cobra damals die lange Zeit, die man in den Seilen hing, noch überlebt hat. Man hat von Herbst 2015 bis einschließlich Frühjahr 2018 sechs Sendestaffeln gezeigt, die qualitativ in jeder Hinsicht dem Anspruch der Cobra hinterherliefen. Erst dann kam man wieder in die Spur. Und jetzt nennt mir mal einer eine einzige Serie, bei der du sechs Staffeln lang schludern kannst, ohne dass sie abgesetzt wird. Alleine DAS zeigt für mich, wie krass die Zeit davor war, wie unglaublich die Fanbase der Cobra war, wie geil eine Actionserie in Deutschland über zwei Jahrzehnte funktionieren kann.

    Ausgelöst durch den offiziellen YouTube-Kanal der Serie schaue ich momentan wieder öfter alte Folgen an (die Jan-Ära ist so underrated, ganz nebenbei), natürlich bevorzugt in 4:3 ohne abgeschnittene Köpfe und schätze diese Produktionen heute noch mehr als vor zehn Jahren, als ich noch wirklich Fan war. Irgendwie hab ich das damals immer als selbstverständlich und kein großes Ding angesehen, dass in jeder Folge die halbe Autobahn in Schutt und Asche gelegt wurde (jaja, die FTL, aber auch die will präpariert, mit Leben gefüllt und hinterher wieder aufgeräumt werden). Wenn ich mir ansehe, was die Serie heute noch so zustande bringt, dann weiß ich: Es war ein sehr, sehr großes Ding. Ein Ding, das seinen Zenit humortechnisch in der zweiten Tom-Ära, actiontechnisch in der Ben-Ära und erzähltechnisch in der Alex-Ära hatte. Alle diese Ären sind vorbei. Und was daraus folgt, ist: Die Cobra ist vorbei. Eine Firma kann nicht jahrelang auf den nächsten großen Auftrag warten. Wer das glaubt, hat keine Ahnung von Marktwirtschaft.

    Ich denke aber, selbst die letzten Hardcore-Fans hatten Zeit genug, das zu realisieren.
    Ich hoffe nur irgendwie, dass der Fanclub noch ein paar Jahre erhalten bleibt, auch wenn er sicherlich laufende Kosten verursacht. Vielleicht lässt sich ja sogar eine letzte Aktion im Forum organisieren, bei der jede Woche ein bis drei Folgen chronologisch zusammen geguckt und anschließend in den Meinungsthreads rezensiert werden. Mir fehlen selbst immer noch hier und da ein paar Frank-, André- und Chris-Folgen, die ich nur wenig oder gar nicht kenne. Ich hab immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt, die Serie chronologisch durchzuboxen und zu bewerten und wenn nicht jetzt, wann dann... Wenn drei, vier Leute mitmachen würden, würde mir das enorm helfen :)

    Oh je, wenn ich so die bisherigen Meinungen lese, wird das wohl wieder nichts für mich sein. Ich gehöre ja zu denjenigen, die „Kein Kinderspiel“ komplett verrissen haben und die eigentlich hoffen, dass es nach Ausstrahlung der letzten Filme tatsächlich zu Ende ist, weil man sich wirklich nur noch quält und halt auch kaum noch was zu erzählen hat. Hetzjagd / Die Gejagten reloaded und mal wieder Stress mit Familienmitgliedern, die nie zuvor erwähnt wurden und auch nie wieder eine Rolle spielen werden… ich bin irgendwie müde, hab meinen Fan-Status mittlerweile auch ziemlich eingebüßt, was ich alleine daran gemerkt habe, dass ich’s mit dem Schauen nicht mehr eilig hab. Vielleicht schaff ich einen Film am Wochenende, aber wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm. Ich hätte zum Abschluss einfach nochmal gerne „Engel des Todes“ reloaded mit Tom Beck, mit Schröder, mit Andrea, Anna Engelhardt, Hartmut, Jenny und Susanne - einfach die, die keinen Serientod gestorben sind.
    Dass das ein Wunschtraum bleiben wird, ist mir klar. Ich hab lange genug die Augen verdreht, wenn sich irgendwelche Fangirls Beck mit Herzchensmileys zurückgewünscht haben. Heute wünsche ich ihn mir für den endgültigen Abschluss selbst zurück. Man kann über seine Folgen denken, was man will, aber Ben Jäger war nun mal einer der stärksten Charaktere, die die Cobra je hatte. Daran gibt es für mich auch nichts zu rütteln.