Guten Abend allerseits,
Wie sicherlich schon einige von euch gesehen haben, wurde heute als kleines Special eine Reportage über die "Cobra Composer" in Form einer News veröffentlicht. Vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit Nik Reich und Jaro Messerschmidt in ihrem Studio zu besuchen und habe dort einen sehr tollen und informativen Nachmittag verbringen können.
Ich hoffe, euch gefällt die Reportage. Interesse dürfte ja bestehen, da die Soundtrack Releases ja generell hier im Fanclub schon immer gut angekommen sind und die beiden Namen eigentlich jedem ein Begriff sein sollten.
Nik und Jaro sind super nett und sympathisch und waren richtig überrascht und begeistert, wie viele Leute es doch tatsächlich gibt, die sich für ihre Musik interessieren. Bisher sind sie sich dessen noch nie so richtig bewusst gewesen. Aktuell arbeiten sie schon seit einigen Wochen auf Hochtouren für die neue Staffel. ![]()
Special: Zu Gast bei den Filmkomponisten von „Alarm für Cobra 11“
„Musik: Jaro Messerschmidt, Nik Reich“, liest der aufmerksame „Cobra 11“ - Zuschauer seit 2006 sporadisch und seit 2014 fast jeden Donnerstag kurz nach dem Vorspann. Der offizielle Fanclub hat die beiden sympathischen Musiker in ihrem Studio in Augsburg besucht. Ein Bericht über Nik Reich und Jaro Messerschmidt.
Es war kurz nach dem Jahrtausendwechsel, als die Augsburger Musiker Nik Reich und Jaro Messerschmidt, damals noch komplett neu in der Fernsehbranche, an einem Pitch zu einer neuen RTL-Show namens „Outback“ teilnahmen und ihn gewannen. „Unser erster großer TV Job“, blickt Nik Reich zurück. Nur den Spielfilm „Ein Leben in Dunkelheit“ vertonten die beiden sympathischen Augsburger schon zuvor. Dass sie fast 15 Jahre später die Main Composer von Deutschlands erfolgreichster Actionserie „Alarm für Cobra 11“ sein werden und schon für Kinoerfolge wie "Wickie auf großer Fahrt" und "Whoami" verantwortlich gewesen sind, hätten sie sich damals wohl noch nicht in ihren kühnsten Träumen vorstellen können. Als „einen 6er im Lotto“ beschreiben sie ihren aktuellen Job für „Cobra 11“.
Dabei liegt die erste Berührung mit der Actionserie schon eine sehr lange Zeit zurück. Denn schon 2002 vertonten Nik und Jaro den Pilotfilm „Countdown auf der Todesbrücke“ der ersten Staffel des Spin-offs „Einsatz für Team 2“. 2005 folgten mit der zweiten Staffel sechs weitere Episoden. Eine lange Zeit ist seitdem vergangen. Vergleicht man die Musik von damals mit ihren aktuellen Kompositionen, so fällt ein großer Unterschied in der Musikrichtung und im Stil auf. „Vor allem was das Technische betrifft, gibt es heutzutage natürlich viele andere Möglichkeiten. Aber erwachsener geworden sind wir selbst in unserer Musik natürlich auch.“, stellen Nik und Jaro fest, die zwischen 2007 und 2013 als Backup für Kay Skerra (später für Daniel Freundlieb) fungierten und seit der ersten Staffel mit Vinzenz Kiefer die Hauptkomponisten der Serie sind.
Die Musikrichtung von Nik und Jaro
Ihren eigenen aktuellen Stil würden Nik und Jaro als cineastisch, emotional und mit poppigem Einschlag beschreiben. Ein wichtiges Stilelement ist zudem die Ruhe. „Ein Ding, wo wir sehr viel für kämpfen. Dramaturgie funktioniert unserer Meinung nach besser wenn du mal Ruhe hast. Und dann kommst du mit einem Einsatz, der funktioniert und dich mitnimmt, anstatt immer nur durch zu plätschern.“, erklärt uns Nik. Mit einem echten Orchester konnten sie für „Alarm für Cobra 11“ bisher leider noch nie aufnehmen, auch wenn dies ein großer Wunsch der beiden wäre. Dennoch versuchen sie so oft wie möglich mit echten Instrumenten zu arbeiten und nicht nur zum Synthesizer zu greifen. So hat das Duo beispielsweise erst vor kurzem für den neuen, teils in Albanien gedrehten Pilotfilm „Vendetta“, eine Reihe an neuen Musikinstrumenten aus dem Orient gekauft. Neben einer persischen Harfe wird auch ein Dulcimer (auch bekannt als Hackbrett) im Pilotfilm der kommenden Herbststaffel zu hören sein.
Dass Nik und Jaro „eigentlich bis auf Jazz in allen Stilen zuhause“ sind, merkt der Zuschauer auch an einer Folge wie „1983“. Für diese besondere Folge hatten sich die beiden gemeinsam mit Frederik Wiedmann, mit dem sie sporadisch zusammenarbeiten (u.a. auch für „Rhein in Flammen“, „Für das Leben eines Freundes“, „Familienfest“, „Tote kehren nicht zurück“), dafür eingesetzt die einzigartige und komplett neuartige Atmosphäre in der Folge stellenweise mit einer Duduk, ein auch von Hans Zimmer oft verwendetes ethnisches Instrument, vertonen zu können.
Die Arbeit an einer Folge von „Alarm für Cobra 11“
Das Komponieren der Filmmusik ist eine der letzten Phasen bei der Entwicklung eines Films, denn im Anschluss daran folgt nur noch die Mischung des Sounddesigners. Nachdem eine „Cobra 11“- Folge fertig geschnitten ist und diverse andere Abteilungen der Postproduktion durchlaufen hat, ist es etwa 1-2 Monate nach Beginn der Postproduktion die Aufgabe von Nik und Jaro eine Folge musikalisch zu untermalen. Der Cutter hat dabei bereits die komplette Folge mit sogenannter Temp Music unterlegt. „Die knallen da irgendwas von Batman drauf oder aus irgendwelchen aktuellen Actionfilmen.“ Diese temporäre Musik, die testweise an einen Film angelegt wird um die unterschiedliche Wirkung der Musik/Bild- Kombination zu testen, dient als Richtlinie für die Stimmung und Atmosphäre, die der Regisseur in einer jeweiligen Szene anpeilt.
Wie aber kann man sich die Arbeit von Nik und Jaro vorstellen? Bevor das Duo mit der Arbeit zu einer Folge beginnt, gibt es zur jeder Folge eine Video-Konferenz, an der neben den beiden Komponisten der jeweilige Regisseur der Folge, Producer Heiko Schmidt, RTL Redakteur Nico Grein, RTL Musikberater Reinhard Scheuregger und Sounddesigner Christoph Hundt teilnehmen. Gemeinsam schaut man sich die Folge an und bespricht jeden Musikeinsatz. Welche Musik sollte es sein? Wo ist sie besonders wichtig? Eine ebenso oft heiß diskutierte Frage: An welcher Stelle werden bekannte Songs eingespielt? Und welche? Oft müssen Nik und Jaro 6-7 verschiedene Vorschläge einreichen, bevor sowohl der Regisseur als auch der Sender zufrieden sind. Ein hervorragendes Beispiel bietet da die Opern-Szene aus dem vergangenen Pilotfilm „Die dunkle Seite“. Es war die Idee von Nik und Jaro in diesen Szenen nicht zwischen Oper und Actionmusik zu wechseln, sondern die Opernmusik richtig wirken zu lassen und die Geschichte so auf eine neue Ebene zu setzen. „Cineastischer wird man dann, wenn man mit der Musik einen längeren Bogen spannt, der vielleicht auch mal über eine Szene drüber geht und dem Bild nicht sklavisch folgt. Wir hatten da Wagner drin, Mozart und so weiter. Die zentrale Frage war: Funktioniert die Opernmusik über der Action? Und wo setzt unsere Musik ein?“ Entschieden haben sie sich am Ende für Zbigniew Preisners modernes Requiem „Lacrimosa“. Das Ergebnis: einzigartig und völlig neu!
Im Anschluss an die gemeinsame Besprechung haben Nik und Jaro drei Wochen Zeit, um eine 45 minütige Folge, die im Regelfall ca. 38-40 Minuten mit Musik beinhaltet, zu vertonen. Nach zwei Wochen müssen dabei bereits erste Ergebnisse geliefert werden, damit zum Ende hin noch Zeit für Änderungen bleibt. Zu ihrer Vorgehensweise erklärt uns Jaro: „Wir arbeiten jeder alleine an seinen Stücken, teilen uns die Folge auf und arbeiten Themen aus. Manchmal übernimmt aber auch der eine ein Thema vom Anderen wenn es an einer bestimmten Stelle gerade gut hinein passt. Wir arbeiten zwar alleine, aber natürlich findet immer ein reger Austausch statt.“ Obwohl sich die beiden musikalisch sehr nah sind, haben sie doch unterschiedliche Herangehensweisen. „Ich bin eher der Typ, der zumindest in letzter Zeit lieber zur Gitarre gegriffen hat, während Jaro vielleicht lieber zum Synthesizer gegriffen hat“, erzählt Nik.
Privat sind sowohl Nik, als auch Jaro natürlich große Filmmusik Fans und bewundern auch selbst die großen Filmkomponisten aus Hollywood. Auf die Frage, welche großen Komponisten immer ihre Vorbilder gewesen seien, reagieren beide recht unentschlossen. „Frag mich heute und ich nenne dir den einen, frag mich morgen und ich nenne dir einen anderen. Aber Namen wie Jerry Goldsmith oder John Williams stehen natürlich immer ganz weit vorne“, sind sich Nik und Jaro einig. Bei ihrer eigenen Arbeit sind Nik und Jaro zumeist relativ selbstkritisch. „Was ganz oft passiert, ist, dass man unzufrieden ist mit dem, was man macht. Man hat immer irgendeine Idee. Irgendwas machen, dazu sind wir schon zu lange dabei, das können wir immer. Aber dazu stehen, und es am Ende auch selbst gut zu finden, ist die andere Sache.“ Umso mehr freut es aber sowohl Nik als auch Jaro, dass ihre Musik für unsere Serie „da draußen scheinbar doch recht gut ankommt. Und das freut uns natürlich immer sehr zu hören.“ Und uns freut es, auch im Herbst viele tolle neue Musikthemen der beiden Herzblut- Musiker in den neuen Folgen der wohl besten Zeiten von "Alarm für Cobra 11" hören zu können!