Und morgen kommt der neue Tag

  • So, nach meiner ersten, ja nicht ganz so gelungenen Story, habe ich mich dann doch entschlossen eine Zweite zu schreiben ;)
    Wenn sie euch gefällt kann ich ja weiter schreiben, ansonsten: Vergesst sie einfach :P


    Viel Spaß beim lesen:











    Und morgen kommt der neue Tag








    Prolog




    Er zitterte am ganzen Köper und ihm war schwindelig. Seine
    Haut brannte wie Feuer und sein Schädel dröhnte von der tiefen Wunde am
    Hinterkopf.
    Er wollte, dass es aufhörte.
    Wollte nicht mehr.
    Konnte nicht mehr.
    Er versuchte so flach wie möglich zu atmen. Konnte aber
    nicht verhindern, dass ihn erneut ein heftiger Hustenanfall schüttelte. Seine
    Brust schmerzte als würde sie jeden Moment bersten und ihm wurde Schwarz vor
    Augen.
    Er war am Ende. Das musste er wohl oder Übel einsehen.
    Erneut legte sich dieser graue Schleier über ihn.
    Kriegte man es mit wenn man starb? Tausende fragen schossen
    ihm durch den Kopf, der dadurch nur noch mehr schmerzte.
    Vielleicht war es an der Zeit aufzugeben…
    'Nein’ er zwang
    sich die Augen wieder zu öffnen.
    Die Schmerzen, das Fieber.
    Alles in ihm war dabei aufzugeben, nur sein Wille hielt ihn
    wach…







    Kapitel 1



    Es war ein sonniger Tag, Mitte Juni. Tagelang hatte es geregnet, doch nun schien endlich wieder die
    Sonne. Bis auf die paar Pfützen die noch von den Vortagen übrig waren, konnte
    man nicht mehr erahnen welches regnerische Wetter hier vor ein paar Tagen
    geherrscht hatte. Die Bäume schimmerten grün im Sonnenlicht und man konnte ein
    leises Rascheln hören, wenn der Wind leise durch die Blätter der Bäume wehte.
    Das Thermometer neben der Einganstür der
    PAST zeigte 35 Grad und alles wirkte friedlich. Sogar der Lärm der Autos auf
    der Autobahn schien heute nicht besonders
    laut zu sein. Alle schienen diesen Tag zu genießen. Es gab nicht viel zu
    tun und alle Beamten waren froh ihre Mittagspause nun endlich wieder im Freien
    verbringen zu können.



    ***

  • und weiter gehts...





    „Was ist los mit dir Tom?“ fragte Semir erstaunt, als Tom
    pünktlich zu Dienstbeginn das gemeinsame Büro betrat. Tom sah ihm lächelt entgegen
    „Ach, Petra wollte eben pünktlich da sein“ Er schloss die Tür hinter sich,
    setzte sich an seinen Schreibtisch und begann, immer noch grinsend, die
    Berichte durch zu gehen. Semir sah immer noch zu Tom. „Muss ja dieses Mal was
    richtig ernstes sein oder?“ fragte er ohne den Blick von seinem Partner
    abzuwenden „Was?!“ Tom sah aus den Berichten auf in Semirs fragendes Gesicht
    und Semir konnte sehen, dass seine Augen vor Freude leuchteten. „Na mit Petra!“
    Semir musterte Tom genau. Er wollte seine Reaktion genau beobachten und
    tatsächlich, als Semir den Namen von Toms Freundin aussprach schien sein
    Lächeln noch breiter zu werden. Er lachte kurz und glücklich auf, setzte seine
    Unterschrift unter einen letzten Bericht und stand auf. „Komm lass uns lieber
    noch etwas Streife fahren, hier ist es eh schon heiß wie im Gewächshaus!“ „Ach
    und im Auto ist es kälter oder was?“ Semir stand ebenfalls auf und verließ
    hinter Tom das Büro „Da haben wir wenigstens eine Klimeanlage:“ konterte Tom
    geschickt. Während Tom redete sah er zu Petra, die ebenfalls aufgesehen hatte
    und ihn nun verliebt ansah. Auch noch als Tom weiter ging, wendete er seinen
    Blick nicht von Petra ab. Deshalb übersah er auch den Schuh, der Mitten auf dem
    Gang lag und stolperte darüber. Er konnte sich gerade noch mit einer Hand an
    Hottes Schreibtisch abstützen. Hotte begann zu grinsen und warf Bonrath einen
    viel sagenden Blick zu. Auch dieser verkniff sich ein Lachen. Tom warf den
    beiden einen bösen Blick zu und merkte, dass fast alle Leute sich zu ihm umgedreht
    hatten und sich nun, als er seinen Blick durch die PAST schweifen ließ,
    schleunigst wieder ihrer Arbeit zuwandten „Komm lass uns gehen!“ meinte Tom
    knapp. „Also Tom…“ setze Semir an, als beide nebeneinander die PAST verließen.
    Er konnte sich nur mühsam das Lachen verkneifen. Tom warf ihm einen warnenden
    Blick zu „Sag es nicht!“ raunte er ihm zu als sie an seinem BMW ankamen „Ich
    hab doch gar nichts gesagt!“ verteidigte sich Semir in gespieltem Ernst „Dann
    denk es nicht“ einen Moment lang war es still, dann stieß Semir hervor: „Zu
    spät!“ und er prustete los. Nun musste auch Tom lachen. Wie froh war er Semir
    als Partner und natürlich besten Freund zu haben. Man konnte mit ihm nicht nur
    über alles reden und ihm alles anvertrauen, sondern auch mit ihm Lachen. Als er
    an der Beifahrerseite in den BMW einstieg und Semir das Auto startete, war er
    plötzlich wieder glücklich. Über was konnte er sich denn beschweren? Im Moment
    war das Leben für ihn schon fast zu schön um wahr zu seine. Er wusste noch
    nicht, dass sich das alles bald ändern würde, aber vielleicht war es sogar
    besser so…



    ***

  • Danke für euren netten Feeds :)
    Dann gehts mal weiter...






    Er saß in seinem Zimmer und dachte nach. Dachte über das
    nach, was sie ihm angetan hatte. Im Zimmer direkt unter dem Dach herrschte eine
    brütende Hitze. Die Sonne schien seit Stunden auf das Dach und hatte es im
    Laufe des Tages aufgeheizt. Trotz alle dem war es kalt in ihm drin. Kalt,
    empfindungslos. Das einzige was er spürte war der Schmerz. Er strich immer noch
    über das Foto in seiner Hand. Sah zuerst in das lächelnde Gesicht seiner
    Tochter, dann in das seiner Frau. Zum Schluss in sein eigenes. Dann drehte er
    das Bild um und sah auf das Datum 12.06.2004 stand dort. Er drehte das Foto in
    den Händen und eine einsame Träne bahnten sich ihren Weg über sein Gesicht. Wie
    gerne würde er die Zeit zurückdrehen. Er wollte wieder, wie auf dem Bild in
    seiner Hand, mit seiner kleinen Familie am
    Strand in Italien sitzen und sich einfach nur am Leben erfreuen, doch er
    wusste, dass dies nie, nie wieder eintreffen würde. Das Alles hatte er verloren,
    nur wegen ihnen und deshalb schwor er sich Rache. Rache, für seine Familie.
    Rache für die verlorene Lebensfreude. Rache, für ihn selbst.
    Entschlossen stand er auf. Sorgfältig verstaute er das Foto
    in der Innentasche seiner Jeansjacke und verlies über die schmale Leiter den
    Dachboden. „Ich kriege euch“ sagte er zu sich selbst. Er merkte, dass seine
    Stimme vor Wut bebte, aber das machte ihm nichts „einen nach dem anderen und
    wenn ich dafür bis ans Ende der Welt gehen muss!“ Unten angekommen ging er sofort
    zu der großen Vitrine die im Wohnzimmer stand. Er öffnete die Tür und holte
    vorsichtig sein Jagdgewehr heraus. Zärtlich strich er mit den Fingern über den
    Lauf der Waffe. So stand er ein paar Minuten. Stand einfach nur da und dachte
    über seine Rachepläne nach, bis er sich schließlich einen Ruck gab und das Haus
    verließ.


  • Kapitel 2



    Auf der Autobahn war es still und friedlich. Es schien, als
    ob an diesem wunderschönen Tag keine Autoschieber, Mörder oder Erpresser
    unterwegs wären. Semir und Tom waren jetzt schon fast drei Stunden auf der
    Autobahn, ohne dass sie auch nur einen Raser anhalten mussten. Beide waren in
    Gedanken versunken und so erschraken sie sich umso mehr, als plötzlich der Funk knackte: „Zentrale an alle
    Einheiten: Schüsse auf dem Rastplatz Eifeltor. Ich wiederhole: Es wurden
    Schüsse am Rastplatz Eifeltor gemeldet!“ Tom sah zu Semir, der schon während
    des Knackens vom Funkgerät, den Blinker gesetzt hatte und nun auf der
    Überholspur Gaß gab.
    Etwa ein viertel Stunde später kamen sie am Rastplatz an.
    Das Erste, das ihnen auffiel waren die fünf Streifenwagen, die schon dort
    waren. „Hättest wohl ein bisschen schneller fahren sollen, was?!“ neckte Tom
    Semir, der ihm darauf hin nur bösen Blick zuwarf „Ach Tom, dann geh doch das
    nächste Mal einfach zu Fuß!“ erwiderte dieser schnippisch und stieg aus. Tom
    folgte ihm.
    „Und wie sieht’s
    aus?“ fragte Tom den Beamten, der ihm am nächsten stand „Die Joggerin dort hat
    ihn gefunden.“ er deutete mit dem Finger
    auf eine Frau, die ziemlich verängstigt auf einer Bank saß und die Semir gerade
    befragte „Wen?!“ fragte Tom sichtlich verwirrt „Einen Mann, Mitte dreißig. Er
    ist schon auf dem Weg in die Gerichtsmedizin. Die Spurensicherung hat dort
    hinten Gewehrmunition gefunden und außerdem frische Reifenspuren. Tom nickte
    und ging zu Hartmut, der gerade die Reifenspuren auf der Erde mit Gips ausgoss.
    „Und kannst du schon was zum Fahrzeug sagen?“ „Was?!“ Hartmut wirbelte herum.
    Er war so in seine Arbeit vertieft gewesen, dass er Tom gar nicht bemerkt hatte „Das Fahrzeug, Hartmut“
    erwiderte Tom ungeduldig „Achso, ja natürlich, also da habe ich noch gar keine
    Ahnung. Von der Breite her würde ich auf einen Geländewagen, einen Landrover
    oder Ähnliches tippen. Genaueres weiß ich erst später!“ Er hatte sich wieder
    einigermaßen gefangen und sah Tom nun erwartungsvoll an, aber anstatt noch
    irgendetwas zu erwidern, nickte dieser nur, drehte sich um und ging zu BMW
    zurück. An dessen Tür lehnte Semir und hatte das Funkgerät in der Hand. „Ja
    Petra, wir wissen im Moment noch gar nichts über das Opfer. Außer, dass er
    Männlich und Mitte 30 war. Er ist im Moment in der Gerichtsmedizin und die
    geben uns dann bescheid wenn sie wissen wer er ist und woran er gestorben ist.
    Wir haben weder seinen Ausweis, noch irgendetwas Persönliches bei ihm gefunden.
    Das einzige, das die Spusi entdeckt hat, sind Reifenspuren und Gewehrmunition.
    Die Zeugin steht noch unter Schock. Sie meint sie hätte Schüsse gehört und als
    sie dann am Rastplatz ankam wäre der Täter schon weg gewesen. “ „Ok. Dann fahrt
    doch noch mal bitte in der Gerichtsmedizin vorbei. Vielleicht haben die ihn ja
    schon identifiziert. Auf dem Rastplatz könnt ihr jetzt eh nichts mehr machen.“
    hörte Tom Petra Stimme aus dem Funk, im näher kommen. „In Ordnung machen wir!
    Semir hängte das Funkgerät wieder ein und stieg in den Wagen „Was ist, können
    wir?“



    ***

  • Er war wieder auf dem Dachboden und stolz auf sich selbst. 3
    lange Jahre war er alleine gewesen. Alleine im Gefängnis und hatte zu allem
    Überfluss noch seine Familie verloren.
    Alleine hatte er Jahre lang einen Plan geschmiedet, wie er sich an ihnen
    allen rächen würde und es hatte funktioniert. Alle in der JVA hatten ihn für
    verrückt gehalten. Denn er hatte nicht wie all die anderen wahrlos mit Rache
    gedroht oder war rebellisch geworden. Er hatte nie versucht in einer geeigneten
    Situation die Flucht zu ergreifen, weil er wusste dass es eh nicht
    funktionieren würde. Nein, er war immer ganz anders gewesen. Hatte sich
    zurückgezogen, war nie durch etwas aufgefallen. Fast so als wäre er überhaupt
    nicht da. Hatte einfach nur seine Strafe abgesessen und keinen an sich
    herangelassen. Keiner hätte damals auch nur erahnen können, was er in seinem
    Innersten gefühlt hatte…
    „Wenn die nur
    wüssten!“ sagte er leise zu sich selbst. Er würde seinen Plan durchziehen. Ihm
    war es ganz egal welche Konsequenzen das für ihn haben konnte aber in einem war
    er sich ganz sicher: das er genial war! Zu genial, als dass die Polizei ihn
    jemals kriegen könnte. Dieser Gedanke machte ihn auf einmal glücklich und er
    musste lächeln.
    Dieses Gefühl hatte
    er lange nicht mehr gehabt. Ihm schien es als hätte er das Lachen verlernt in
    den letzten, für ihn sehr schwierigen, trostlosen Jahren Er würde sie leiden
    sehen, alle die, die ihn damals in Gefängnis gebracht hatten und vor allem
    diese zwei Verräter.
    Er drehte das Foto wie schon so oft in den Händen.
    Doch dann musste er
    wieder an seine Familie denken. Unwillkürlich wich ihm das Lächeln aus dem
    Gesicht und er spürte wieder diese zentnerschwere Last, die ihn seit damals
    quälte.
    Aufhören! Nicht weiterdenken.
    Mache Tage überlebte er nur dadurch, dass er jede Erinnerung
    an damals verdrängte. Dadurch, dass er seinen Kopf leer machte und keinen
    Gedanken zuließ, der ihn beunruhigen konnte. Manchmal klappte das, doch an
    anderen Tagen wiederum schien ihn alles an die Vergangenheit zu erinnern. Das
    leere Haus, die lachenden Kinder, die auf den Straßen spielten, sein Ehering,
    den er seit damals nicht vom Finger genommen hatte…
    Dann hatte er wieder das Gefühl, als seien dicke Eisenbänder
    um seine Brust geschlungen, die ihn einengten und ihm die Luft zum Atmen
    nahmen. Dann sah er wieder das lächelnde Gesicht seiner Tochter vor sich und
    sah in die liebevollen Augen seiner Frau. Dann überkam ihm dieses Gefühl der
    Leere und Kälte, der Trauer, aber vor allem das von Hass und Rache.
    Heute war so ein Tag.
    Er brauchte etwas um zu begreifen, dass inzwischen schon
    eine Stunde vergangen war, in der er nur das Foto angestarrt hatte. Ein paar
    mal atmete er tief durch, dann faltete er das Bild wieder ordentlich zusammen
    und verstaute es sorgfältig in der Jackentasche. Als er aufstand durchfuhr ein
    stechender Schmerz seinen ganzen Körper. Sein Rücken tat höllisch weh und er
    konnte sich kaum auf den Beinen halten. Kein Wunder, denn er hatte in den
    letzten Tagen kein Auge mehr zugetan.
    Er brauchte Ruhe. Und Schlaf. Damit er aufhören konnte mit
    diesen Gedanken, die ihn seit damals quälten.
    Damals. Als alles aufgehört hatte.



    ***

  • „Ach ihr kommt bestimmt wegen dem Toten von heute morgen,
    richtig?“ begrüßte der Doc sie „Und hast du schon etwas raus gefunden“ Semir
    und Tom streckten ihm die Hand zur Begrüßung ihn, doch er ignorierte dies. Es
    war kein Geheimnis, dass er die Beiden nicht leiden konnte, doch das beruhte
    auf Gegenseitigkeit. Semir und Tom beachteten dies jedoch nicht weiter,
    tauschten viel sagende Blicke aus und folgten ihm in sein Büro. „Allerdings!
    Der Tote hieß Tim Niehaus und wurde aus ca 20 Metern Entfernung durch einen gezielten Kopfschuss erschossen.
    Der Tod ist direkt eingetreten. Wenigstens hatte der arme Mann dadurch nicht
    all zu viel Schmerzen. Die Kugel habe ich schon zu ihrem Kollegen in die KTU
    bringe lassen.“ nach fast ununterbrochenem Reden holte er nun, tief Luft und
    sah sie Beifall heischend an. „Wie sagten sie noch mal heißt der Tote?“ fragte
    Semir nun, während er Zettel und Kulli aus seiner Jackentasche kramte. „Tim
    Niehaus“ sagte der Doc knapp. Nun hatte er ihnen seine Ergebnisse auf dem
    Silber-Tablett serviert und sie lobten ihn noch nicht einmal! Typisch! Diese
    Männer änderten sich wohl nie! „Wenn sie sonst keine Fragen mehr haben…Ich habe
    nämlich noch viel zu tun!“ nun merkte man deutlich, dass er sauer war, doch Tom
    lies sich von dieser schroffen Art nicht beirren „Gab es schon Ähnliche Fälle
    in den letzten Wochen bei ihnen? Ich meine, Opfer die durch einen Kopfschuss..“
    „Nein, nicht das ich wüsste“ unterbrach der Doc ihn sauer. Tom zog nur die
    Augenbraue hoch und sah zu Semir herüber, der dem Doc schon die Hand reichte
    „Ihnen auch noch einen schönen Tag“
    Als sich die Tür des Büros hinter ihnen schoss sahen sich
    beide kurz an und lachten dann los.“ „Der erwartet auch für alles ein Lob“
    stieß Semir hervor „und wenn der das nicht kriegt ist er direkt eingeschnappt!“
    lachte Tom „Wenigstens wissen wir jetzt
    wie der Tote heißt“ „Und wie er gestorben ist“ „Na, dann hat sich das doch
    wenigstens schon einmal gelohnt!“







    Kapitel 3



    Er saß da und beobachtete sein nächstes Opfer. Er war ihm
    und seiner Frau bis hier hin in das italienische Restaurant gefolgt. Natürlich
    so unauffällig, dass sie ihn nicht bemerkten. Ihm standen Schweißperlen auf der
    Stirn. Aber dies nicht nur von den 35 Grad im Schatten! Er wollte und durfte
    keinen Fehler machen und setzte sich selbst so unter maßlosen Druck. Die
    Polizei durfte ihm nicht auf die Spur kommen. Nicht jetzt, wo er so kurz vor
    seinem Racheziel war. Wenn sie ihn jetzt kriegen würden wäre alles aus. Er
    hatte sich all die Jahre lang bedeckt gehalten. Wollte nie auffallen und es war
    ihm auch gelungen. Wenn sie ihn kriegten wäre die ganze harte Arbeit um sonst
    gewesen. Außerdem war er sich ja bewusst, dass er kein Mörder war. Er handelte
    doch nur aus Rache und das konnte ihm keiner übel nehmen. `Wenn es diese
    Menschen so wie ich erlebt hätten, hätten sie nicht anders gehandelt`, dachte
    er immer und immer wieder. Vielleicht auch nur um sein Gewissen zu beruhigen.
    Das Leben dieser Leute sollte so zerstört werden, wie sie
    seines zerstört hatten. Das war allein eine Sache zwischen ihm und ihnen,
    deshalb wollte er auch die Frau von diesem Seichmann nicht töten, denn diese
    hatte ja mit der ganzen Sache nichts zu tun. Nein, er würde warten. Warten,
    dass Seichmann allein war, dann würde er zuschlagen und sich rächen und er
    würde es genießen.





    ***



    wollt ihr noch ein Stück???

  • für die fleißigen Feedbacker...





    Tino Seichmann ging nicht wie erhofft zur Toilette oder
    irgendwo anders hin, wo er ihn hätte schnappen können. Doch er wollte seine
    Frau auf gar keinen Fall mit umbringen, denn er war kein Mörder. Nie würde er
    morden wenn es nicht nötig war. Es war so zu sagen Notwehr. Er wollte doch nur
    Rache für sein verlorenes Leben und das konnte er nun mal nur so erreichen. Was
    sollte er denn sonst tun? War es denn falsch das Leben dieser Leute so zu
    zerstören wie diese seines zerstört hatten? Ihm kamen Zweifel, doch so schnell
    wie sie gekommen waren, verschwanden sie wieder. Er war im Recht und war sich
    dessen wohl bewusst! Er war kein Verbrecher und so war er Jahre seines Lebens
    behandelt worden. Gut, er hatte mit Drogen gedealt, aber das war doch schon
    Jahre her.


    Als Jugendlicher hatte er sich damit ab und zu etwas Taschengeld dazu verdient. Seine Eltern hatten eh nie
    Zeit gehabt. Doch dann hatte er Maja getroffen und für sie hatte er beschlossen
    ganz aus dieser Szene herauszukommen. Sie war stolz auf ihn gewesen, denn er
    hatte es durchgezogen. Sie hatten eine wunderschöne Tochter gekriegt und waren
    gute Leute gewesen. Sie hatten sich eine kleine Wohnung gekauft, die nicht
    besonders groß gewesen war, doch sie hatten sie geliebt, weil sie dort
    gemeinsam lebten. Sie hatten Urlaub in Italien in einem kleinen Ferienhaus
    gemacht, doch dann kamen die schlechten Zeiten.
    Die Firma in der er arbeitete wurde geschlossen. Maja wurde ebenfalls gekündigt. Sie fanden keine
    neue Arbeit und lebten mehr und mehr von Hartz4. Die Schulden wurden immer
    größer und ihre Tochter wurde in der Schule schon ausgelacht, weil sie nur
    Hochwasser-Hosen und kaum Geld mehr für anständige Kleider, geschweige denn
    Urlaub hatten. Es schien keinen Ausweg mehr zu geben, als ihm plötzlich eines
    morgens sein alter „Freund“ Tim auf der Straße begegnete. Er erzählte ihm von
    einem Drogendeal der in ein paar Tagen über die Bühne gehen sollte und dass er
    noch einen zuverlässigen Kurier brauchte.
    Bei dem Gedanken an Tim Niehaus ballte er augenblicklich die Hände zu Fäusten. Wenn er damals nicht
    aufgetaucht wäre, wären sie vielleicht irgendwie anders aus dieser Sache
    herausgekommen. Er hatte ihn doch nur benutzt um sein dämliches Drogengeschäft
    machen zu können. Warum hatte er sich von diesem miesen Schwein überhaupt mit
    reinziehen lassen? Doch es war passiert. Man konnte es nicht mehr ändern.
    Niehaus hatte bereits die Konsequenzen für sein Handeln gespürt. Den Tod!

  • so, nach laaaaanger Pause noch ein Teil ^^




    Er hatte Niehaus Angebot zwar zuerst sofort abgelehnt, weil er seine Frau nicht hintergehen
    wollte, doch dann hatte dieser miese Drecksack ihm mit einem Bündel 500
    Euroscheinen vor der Nase herumgewedelt. Er hatte ihm versprochen, dass seine
    Frau nie etwas davon erfahren würde. Hatte ihm versprochen, er würde es dieses
    eine Mal noch machen und ihn dann nie wieder sehen. Hatte ihm versprochen, dass
    er schon bald wieder mit seiner Familie Urlaub in Italien machen könnte. So
    hatte er also das Angebot angenommen. Hatte seiner Frau schweren Herzens alles
    verschwiegen und fand sich selber dreckig. Er hatte sich immer noch damit
    getröstet, dass es das richtige für ihre Familie sei und dann kam der
    verhängnisvolle Tag. Er hatte eine Woche zuvor zwei nette Männer kennen
    gelernt, die ihm als Alexander Berthold und Michael Lang vorgestellt wurden. Er
    hatte sich ihnen anvertraut und sich mit ihnen zusammen am vereinbarten
    Treffpunkt getroffen. Der Abnehmer für die Drogen war auch schon eingetroffen, als auf einmal
    die Bullen auftauchten. Er versuchte zu flüchten und da er auch ganz hinten in
    der Lagerhalle stand, wäre es ihm wahrscheinlich auch gelungen, doch er wollte
    seine Freunde Alexander und Michael warnen. Er konnte sie doch nicht einfach so
    zurücklassen! Dies erwies sich allerdings später als verhängnisvoller Fehler.
    Er lief der Polizei so zusagen direkt in die Arme und wurde festgenommen. Das
    erste was ihm auffiel als sie ihn in einen der Polizeiwagen stießen war, dass Alex
    und Michael ganz in der Nähe standen, keine Handschellen trugen und ihnen die
    Beamten auf die Schultern klopften. Er versuchte verzweifelt sich los zu
    reißen. Er wollte wissen was los war, war verwirrt, allein und verloren. Doch
    sie hatten kein Erbamen mit ihm und er wurde abgeführt.
    Ein paar Tage später dann sollte seine Verhandlung
    stattfinden. Zwei Kronzeugen sollten gegen ihn und die Anderen Drogendealer
    aussagen. Ihm blieb fast das Herz stehen als er sie Polizisten, die als Markus
    Förster und Tom Kranich aufgerufen wurden, in den Raum kamen. Es waren seine
    alten „Freunde“ Michael und Alex, für die er sein Leben riskiert und
    schließlich verloren hatte. Er hatte ihnen vertraut und sie hatten ihn belogen
    und dass machte ihn noch wütender als irgendetwas zu vor!
    Er hatte seine Wut jedoch unterdrückt und so getan als würde
    ihm das alles nichts mehr ausmachen. Die Bullen hatten ihm das damals
    abgekauft. Diese Leichtgläubigen hatten tatsächlich gedacht dass er innen drin
    so ruhig schien wie es von außen aussah, doch da hatten sie sich schwer vertan.
    Er schwor innerlich Rache. Er schwor sich das er diese zwei Kronzeugen, von
    denen er dachte dass sie seine Freunde seien, den Richter, der sein Urteil
    herzlos, schadenfroh und stolz den anderen verkündet hatte, Niehhaus, der ihn
    mit rein gezogen hatte und seinem „Anwalt“, der ohne Widerworte der Haftstrafe zustimmte,
    umzubringen.
    Das war nämlich das einzige was diese Bullen-Schweine ihm
    gegönnt hatten: Seichmann, ein lausiger Anwalt, er hatte nicht einmal richtig
    versucht ihn zu verteidigen. Er hatte eine kürzere Haftstrafe verlangt, aber
    als der Richter ihm noch einmal die Anschuldigungen darlegte, hatte er kurzer
    hand das Handtuch geworfen und ihn lediglich mit einem „Tut mir leid, aber die
    Beweislage ist erdrückend, da kann man nichts machen!“ verabschiedet. Dafür
    würde er bezahlen, genau so wie Niehaus
    bezahlt hatte!



    Er war so in Gedanken, dass er gar nicht gemerkt hatte wie
    weit er den Beiden gefolgt war. Erst das zuschlagen ihrer Haustür brachte ihn
    wieder auf den grausamen Boden der Tatsachen zurück Er erschrak vor sich selbst. Was wäre wenn
    sie auf ihn aufmerksam geworden wären.
    Er war so in Gedanken gewesen, dass er gar nicht kontrolliert hatte in welchem
    Abstand er ihnen gefolgt war! So etwas durfte nicht wieder passieren. Et musste
    nach seinem professionellen Plan weiter vorgehen und durfte sich von nichts
    ablenken lassen. Viel zu gefährlich war es jetzt einen Fehler zu machen. Dann
    würde er lebenslänglich kriegen und das wäre es dann mit seiner Rache.
    Er beschloss, sich ein paar Häuser weiter auf eine Treppe zu
    setzten und auf den nächsten Morgen zu warten. Es war ohnehin schon nach zwei
    Uhr nachts. So würde er nicht lange warten müssen und zu dem war es angenehm
    warm draußen. „Genieße die paar letzten Stunden deines Lebens!“ sagte er leise
    zu sich selbst und beobachtet das Haus in dem Seichmann gerade mit seiner Frau
    verschwunden war. Er beobachtete wie das Licht im ersten Stock erlosch und
    augenblicklich die ganze Straße in Dunkelheit hüllte. Lediglich eine weit
    entfernte Straßenlaterne flimmerte ab und zu auf und spendete spärliches Licht.
    Irgendwo bellte ein Hund. Dann war es wieder still. Totenstill…

  • Kapitel 4



    Inzwischen war es wieder morgen und Semir und Tom wieder auf der PAST angekommen.
    Sie wollten einmal nachschauen ob Tim Niehaus eventuelle Feinde gehabt hatte.
    Gerade hatten sie sich an ihren Schreibtischen niedergelassen als die Chefin hereinkam.
    „Und was wissen wir bis jetzt?“ „Wir wissen nur wie der Tote heißt: Tim Niehaus. Petra checkt gerade ob er im
    Computer verzeichnet ist.“ klärte Tom sie auf und Semir fuhr fort: „Außerdem
    waren wir noch in der KTU. Hartmut meint, dass diese Reifenspuren, die am
    Tatort gefunden wurden, mit ziemlicher Sicherheit zu einem Landrover Discovery TDV6
    gehören. Er ist sich aber nicht hundertprozentig sicher, weil es nur ein
    Teilabdruck war.“ Engelhard wollte gerade etwas erwidern, doch da kam Petra
    herein. „Kommt ihr mal kurz rüber? Ich habe euren Niehaus im Computer gefunden
    und er ist auf jeden Fall kein unbeschriebenes Blatt!“
    Sie folgten Petra zu ihrem Schreibtisch. Alle waren erstaunt
    über Tim Niehaus, der ihnen doch wie ein normaler Bürger vorgekommen war.
    „Mehrfach verhaftet wegen Drogenschmuggel und schwerer Körperverletzung. Wurde
    bis jetzt sogar noch von der Polizei gesucht. Er hat bei einem Drogendeal vor
    drei Wochen einen Kollegen erschossen und ist dann geflohen.“ „Mannohmann“
    stieß Tom nur aus und fragte gleich darauf: „Wie hieß denn der Tote“ „Warte…“
    Petra tippte etwas in ihre Tastatur ein und gleich darauf erschienen ein Bild
    und ein Name auf dem Bildschirm. „Jürgen Bauer vom BKA. Es gab aber wohl keinen
    der im Rache geschworen oder ihn sonst irgendwie bedroht hat“ erklärte sie
    jetzt zu Semir gewand, der schon zu dieser Frage ansetzten wollte. Mit einem
    zufriedenen Lächeln sah sie in sein erstauntes Gesicht. „Naja, dass heißt aber
    noch nichts!“ holte die Chefin Semir aus dieser Situation. “Es kann natürlich
    auch sein, dass der Mörder sich zu diesem Zeitpunkt verdeckt gehalten hat um
    kein Aufsehen zu erregen und dann erst im günstigen Moment zu geschlagen hat.
    Also an die Arbeit meine Herren. Ich schlage vor sie nehmen sich alle Leute aus
    der Familie dieses Niehaus vor und alle die im nahe standen und so ein Motiv
    hätten.“
    Semir stöhnte auf, doch Engelhard beachtete dies nicht
    weiter und ging in ihr Büro zurück „Sagen sie mir, wenn sie etwas brauchbares
    gefunden haben!“ rief sie ihnen noch zu, dann fiel die Tür ihres Büros hinter
    ihr ins Schloss.
    „Na toll!“ Semir war
    sauer. Es kam ihm im Moment so vor, als würden alle alles daran setzen ihn und
    Tom im Büro festzunageln. Er hatte sich gestern Morgen richtig gefreut endlich
    wieder Streifen fahren zu können. Stundenlang musste er mit Tom Berichte
    schreiben und Akten durcharbeiten. Und jetzt, wo sie eigentlich damit fertig
    waren, wieder die dämliche Büroarbeit. Wie viele Freunde, Bekannte und
    Familienangehörige dieser Niehaus wohl hatte? Bestimmt genug um sie einige
    Stunden oder vielleicht sogar Tage zu beschäftigen. Bei dem Gedanken darüber
    verzog er unwillkürlich das Gesicht. Wie oft hatte er sich beschwert wenn die
    vielen Raser auf der Autobahn Chaos veranstalteten und sie dann den Ärger für
    den riesigen Unfall gekriegt hatten, der eigentlich der Flüchtige verbockt
    hatte, doch nun wünschte er sich nichts mehr als wieder auf der Autobahn zu
    sein…
    „Hey mach nicht so ein Gesicht Semir!“ Tom hatte sich
    mittlerweile von Petra mit einem zärtlichen Kuss verabschiedet und sah ihn fast
    schon etwas belustigt an „Hää, was?!“ fragte Semir erwirrt: „Ach egal…Geh schon
    mal vor ins Büro ich komm gleich nach!“ „Was“ Semir hatte sich nun wieder
    gefangen und sah ihn verärgert an „Nene mein Lieber, das machen wir schön
    zusammen!“ Tom lachte auf „Mensch Semir! Ich hol mir nur schnell nen Kaffee,
    ok?!“ „Achso, sag das doch…Wie kannst du nur bei 35Grad im Schatten heißen
    Kaffe trinken?“ „Er hilft mir beim Nachdenken!“ erwiderte Tom grinsend, worauf
    Semir nur die Augenbraue hochzog und kurz darauf im Büro verschwand.




    ***

  • Zum Glück wohnte Seichmann mit seiner Frau in einem eher
    abgelegenen Gebiet in der Stadt.
    So fiel es nicht auf, dass ein verwahrlost aussehender Mann,
    Mitte dreißig mit schütterem blondem Haar schon seit Stunden vor dem Haus stand
    und es beobachtete.
    Offenbar hatte er nicht einen sehr guten Ruf als Anwalt, was
    ihn nicht sehr verwunderte, sonst hätte er mehr Geld und würde wahrscheinlich
    direkt umziehen.
    Er selbst würde für kein Geld der Welt hier wohnen wollen.
    Hier gab es lediglich alte kleine Häuser, von denen der Putz abbröckelte. Jedes
    dieser winzigen Häuser schien gleich auszusehen und sie verloren sich in einem
    endlosen Labyrinth aus lauter engen Gassen. Es stank fürchterlich nach
    verdorbenem Essen und Wäscheleinen spannten sich von Haus zu Haus. Nein, er
    selbst brauchte die Freiheit und die Helligkeit um sich herum. Er hatte den
    Eindruck hier zwischen diesen hohen Häusern in der engen Gasse erdrückt zu
    werden. Er brauchte frische Luft zum Atmen und die Sonne die ihm auf den Kopf
    schien. Außerdem erinnerte ihn diese enge Gasse sehr stark an seine
    schreckliche Zeit im Gefängnis. Es war eine Tortur für ihn gewesen, denn er
    hasste es eingesperrt zu sein. Er wünschte sich nichts mehr als endlich diese
    miese Gegend verlassen zu können, doch dafür musste er erst einmal seine
    Mission erfüllen.
    Nach 5 Stunden endlosen Wartens wurde er endlich belohnt.
    Seichmann stand in der Tür. Er nahm keine Notiz von dem stämmigen Mann der im
    Schatten der Mülltonnen lauerte und ihn beobachtete. Er verschloss wie
    selbstverständlich die Haustür hinter sich, nicht ahnend, dass er dies das
    letzte Mal in seinem Leben tuhen würde. Nahm seinen Aktenkoffer und begann
    pfeifend den Weg zwischen den Häusern entlang zu schlendern. Er war auf dem Weg
    zur Arbeit und da er kein Auto besaß ging er jeden morgen zu Fuß. Er bemerkte
    nicht, dass ihm in einigem Abstand ein Mann folgte. Dieser hatte ein Gewehr in
    der Hand und sah sich immer wieder um, doch dies war nicht im Geringsten nötig.
    Weit und breit war niemand zu sehen. Es herrschte eine totenstille. Sogar die
    Vögel schienen einen Moment inne in ihrem Gesang zu halten.
    Tino Seichmann war es gewöhnt in dieser Stille zur Arbeit zu
    gehen, deshalb pfiff er immer vor sich hin. Umso erstaunter war er als er
    hinter sich ein knistern hörte, so als ob jemand auf eine Plastiktüte getreten
    wäre. Verwundert drehte er sich um und sah einen Mann vor sich stehen. Er
    glaubte dieses Gesicht irgendwo schon einmal gesehen zu haben. Sein Gegenüber
    starrte ihn einige Sekunden nur stumm an. Seichmann wusste nicht was er tun
    sollte. Dieser Mann sah ihn mit einer so eiskalten, entschlossenen Miene an,
    dass er sich am liebsten umgedreht und davon gelaufen wäre. Doch irgendetwas in
    der Miene dieses Mann lies ihn erstarren. Ließ ihm einen eiskalten Schauer über
    den Rücken laufen. Er war unfähig sich zu rühren. Auch noch als der unbekannte
    ein Gewehr auf ihn richtete und zielte. „Du hast mein Leben zerstört und jetzt
    werde ich deines zerstören“ hörte er seine raue Stimme. Er sah wie der Mann die
    Waffe entsicherte. Und dann wurde ihm plötzlich klar woher er diesen eiskalten
    Blick kannte. Es war der Blick eines seiner Mandanten. Ein Drogendealer, der
    dadurch dass er nicht eingegriffen hatte zu 9 Jahren Haft verurteilt wurde. Er
    hörte noch das Klicken als der Mann den Abzug zog. Hörte Sekundenbruchteile
    später das donnernde Geräusch der Kugel, die ihn aus ca 20 Metern Entfernung
    traf. Spürte den Einschlag im Kopf direkt zwischen den Augen und den
    unertragbahren Schmerz. Dann wurde alles um ihn herum schwarz und
    empfindungslos. Noch bevor sein Körper auf dem Boden aufkam war er bereits
    tot.





    ***




    „Na toll, die Chefin hat leicht Reden! Überprüft alle die
    diesem Jürgen Bauer nahe standen.“ äffte Semir Engelhart nach. Seit drei
    Stunden saßen sie jetzt schon im Büro und versuchten irgendeinen Zusammenhang
    zwischen dem Mord an Niehaus und einem Angehörigen von Bauer zu finden. Sie
    hatten zwar sehr, sehr viele Leute gefunden, die tatverdächtig waren, aber wo
    sollten sie ansetzten? Sollten sie denn Allen einen Besuch abstatten? Selbst
    wenn einer von diesen 20 Leuten, die sie gefunden hatten, der Mörder wäre
    würden sie ihn bestimmt nicht erkennen! „Wie stellt die sich das den vor?
    Sollen wir alle 20 Leute befragen oder was?!“ meinte Semir wütend „Nein“ Tom
    schrieb einen weiteren Namen auf die Liste „Ich würde mal sagen alle 21! Ich
    habe noch jemanden gefunden. Seinen Cousin.“ Semir stöhnte auf. In diesem
    Moment kam Hotte herein. „Ich habe ne neue Leiche für euch „Hotte, das können
    wir gerne erledigen, aber erst mal haben wir mit diesem Fall zu tun!“ Tom klang
    genervt, doch Hotte lies sich nicht beeindrucken „Dieser Fall wird euch mit
    Sicherheit interessieren! Das Opfer wurde nämlich aus ca 20 Metern Entfernung
    mit einer 9mm durch einen Kopfschuss getötet. “Was??? Mensch, sag das doch!
    Wo?“ Semir war aufgestanden und auch Tom stand schon in der Tür. Hotte drückte
    ihm einen Zettel mit der Adresse in die Hand „Spusi müsste schon vor Ort sein!“
    rief er ihnen noch hinter her, aber sie waren schon aus der Tür hinaus.

  • So, bevor ich jetzt für eine Woche in den Urlaub verschwinde, gibt es hier ein gaaaaaaaanz langes Stück :P
    Bis dann....
    :whistling:







    Kapitel 5



    Endlich war er nach langem Laufen wieder an seinem Landrover
    angekommen. Ihm war am Vortag gar nicht aufgefallen wie lange und wie weit er
    Seichmann und seiner Frau gefolgt war. Er schloss die Tür seines Wagens auf,
    setzte sich auf den Fahrersitz und atmete ein paar Mal tief durch. Er hatte nur
    noch sehr wenig Kondition von seiner langen Gefängniszeit, in der er kein Sport
    treiben konnte, und nahm sich vor daran zu arbeiten sobald er Zeit hatte.
    Hier in seinem Landrover mit den verspiegelten Scheiben
    konnte er alles beobachten ohne gesehen zu werden. Hier fühlte er sich nach wie
    vor wohl. Hier war, mit dem Dachboden, der einzige Platz an dem er ungestört
    und allein war. Ja, allein. Früher mochte er es nicht gerne allein zu sein. War
    eher ein geselliger Mensch gewesen, doch nun… Die Zeit im Gefängnis hatte ihn verändert.
    Hatte ihn geprägt und seinem ganzen Leben eine Wendung gegeben. Er war nicht
    mehr der Mann der er früher einmal war. Er hatte nun keine Lebensfreude mehr,
    war nachdenklich geworden, traurig, aber
    wer konnte ihm das schon übel nehmen nach dem was er alles Schreckliches erlebt
    hatte?
    Nach einer Weile gab er sich einen Ruck, startete den Wagen
    und fuhr los. Er wusste nicht genau wo er hin wollte. Also fuhr er einfach
    etwas in der Gegend herum.
    Er hielt sein Auto an einer roten Ampel. Und seine Gedanken
    schweiften erneut ab.
    Er sah wieder in die trüben Augen von Seichmann, wie heute
    morgen. Seichmann hatte weder probiert wegzulaufen noch hatte er um sein Leben
    gefleht. Er schien gewusst zu haben, dass er die Schult trug und nichts anderes
    verdient hatte.
    Nachdem er ihn erschossen hatte war er noch ein paar Minuten
    an der gleichen Stelle stehen geblieben. Hatte sich nicht vom Fleck gerührt.
    Dann hatte er endlich das Gewehr sinken lassen und war mit langsamen Schritten
    auf den leblosen Körper zugegangen. Tino Seichmann hatte auf den Rücken gelegen
    und in seinen Augen stand die Furcht. Furcht vor dem was kommen würde und
    gekommen war. So hatte er noch lange bei Seichmann gestanden und von oben herab
    in seine milchigen Augen geschaut. Er hatte ein Gefühl gespürt, das ihm
    ungewohnt fremd erschien, welches er aber gerne willkommen hieß und vor allem
    genoss: Macht.
    Erst als er Schritte gehört hatte war ihm wieder klar
    geworden, dass er schnellstens weg musste und so war er losgelaufen. Er war
    gelaufen und gelaufen, immer weiter bis er endlich das endlose Häuserlabyrinth
    weit hinter sich gelassen hatte. Er hatte sich an eine Hauswand gelehnt und
    schwer geatmet. Als er an dieser kalten Wand lehnte war auf einmal die ganze
    bedrückte Stimmung, die er eben noch verspürt hatte von ihm abgefallen. Er
    hatte in den Himmel gesehen und die Sonne hatte ihm auf das schweißnasse
    Gesicht geschienen. Ihre Wärme hatte seinen kalten Körper vom Kopf bis hin in
    die Zehenspitzen gewärmt und er hatte sich endlich wieder wohler Gefühlt. Hatte
    einen letzten Blick hinter sich geworfen, auf die heruntergekommenen Häuser,
    zwischen denen irgendwo in einer engen Gasse Seichmanns Leiche lag. Zufrieden
    war er langsam schlendernd den Rückweg angetreten und…
    Das klopfen an seiner Scheibe riss ihn aus seinen Gedanken
    „Hallo?!“ hörte er eine verärgerte Stimme von draußen. Er ließ das Fenster
    herunter und sah einem Mann entgegen der ihn wütend anschnauzte. „Hätten sie
    vielleicht die Güte weiterzufahren!“ erst jetzt wurde ihm wieder bewusst, dass er
    immer noch an der Ampel stand. Ohne etwas zu erwidern trat er aufs Gaspedal und sauste davon, als die Ampel
    gerade gelb zeigte. Er hörte noch wie der Mann ihm wütend nachschrie, doch das
    kümmerte ihn herzlich wenig. Im Fahren strich ihm der warme Sommerwind durch
    die Haare und über das Gesicht und nun fiel endgültig alle Anspannung von ihm
    ab.




    ***



    „Also, der Tote heißt Tino Seichmann. Er war Anwalt und wie
    es scheint gerade auf dem Weg zur Arbeit“ Hartmut deutete auf den Aktenkoffer
    der neben dem Toten lag „ Es sieht nicht nach einem Raubüberfall aus. Seine
    Brieftasche, sein Handy, seine Uhr, alles ist noch da. Mir scheint es, als
    hätten wir es mit einem Serienmörder zu tun“ „Na toll. Noch besser!“ man konnte
    Semir deutlich anmerken, dass er nicht sehr begeistert war „Vielleicht finden
    wir ja eine Verbindung zwischen den beiden Toten. Das könnte uns dann
    wenigstens die Suche des Täters vereinfachen.“ Doch auch Tom schien nicht sehr
    überzeugt „Wann ist denn der Todeszeitpunkt?“ „Der Doc meint es ist noch nicht
    lange her. Vielleicht 3 oder 4 Stunden.“ antwortete Hartmut. „Und was machen
    wir jetzt hier noch?“ fragte Tom und drehte sich ratlos einmal im Kreis. Der
    Doc und seine Assistenten hatten den Leichensack im Auto verstaut und fuhren
    gerade ab. Die Spusi hatte den Aktenkoffer und die Patronen Hülse
    sichergestellt und die Kollegen hatten schon die Zeugin befragt. Es war eine dicke Frau mit fettigen,
    ungepflegten Haaren und in Schürze. Sie schien nicht unter Schock zu stehen.
    Viel eher schien sie von den Fragen der Polizisten genervt und beteuerte immer
    wieder sie habe nur die Schüsse gehört und als sie hier ankam war keine Spur
    mehr von dem Täter zu sehen gewesen.
    Semir zuckte mit den Schultern „wieder ins Büro?“ fragte er
    wenig begeistert. Tom sog hörbar Luft ein „was sonst?!“ missmutig stiegen beide
    wieder in den BMW und fuhren zur PAST zurück.



    ***



    Jetzt fehlten ihm nur noch dieser Richter, Köster, und die
    zwei Bullen Kranich und Förster, aber die würde er auch noch kriegen.
    Er ging schon seit einer geschlagenen halben Stunde auf dem
    Dachboden auf und ab. Er wusste von einer zuverlässigen Quelle, dass
    Köster morgen einen Termin beim Gericht
    hatte. Da würde er ihn kriegen, dessen war er sich sicher, doch bis dahin
    musste er sich wohl oder übel noch gedulden. Zu riskant wäre es jetzt
    zuzuschlagen. Aber was sollte er bis dahin noch tun? Auf jeden Fall konnte er
    nicht bis morgen früh hier auf und ab laufen, dachte er sich,. und so lehnte er
    sich gegen die Wand am Dachboden und lies sich langsam daran herunter rutschen.
    Erst jetzt bemerkte er wie geschafft er war und wie ihn die Strapazen der letzten Tage mitgenommen
    hatten. Er musste sich ausruhen, wenn morgen alles glatt gehen sollte. Er zog
    erneut das Familienfoto aus seiner Jackentasche und fuhr sanft mit dem Finger
    darüber. Er hatte sich schon so oft vorgestellt wie es wäre wenn er Zeit
    zurückdrehen könnte. Wie es wäre wenn seine Familie nach da wäre.
    Wie es wäre mit ihr, so glücklich wie auf diesem Bild, am
    Strand zu sitzen und sich einfach nur am Leben zu erfreuen.
    Unwillkürlich traten ihm bei diesem Gedanken Tränen in die
    Augen. Sie waren tot, alle beide, und würden nie wieder zurückkommen.
    So saß er noch lange Zeit da. Allein. Mit dem Foto in der
    Hand. Bis schließlich die Müdigkeit über ihn hereinbrach und er in einen tiefen
    unruhigen Schlaf fiel.







    Kapitel 6



    „Nichts! Sie haben keine gemeinsamen Feinde, jedenfalls
    keine die hier verzeichnet wären. Haben beide keine Drohungen erhalten…. Rein
    gar nichts!!“ Semir knallte wütend die Faust auf den Tisch. Zu fest, wie sich
    kurz darauf herausstellte: Seine Kaffeetasse kippte um und der gesamte Kaffe
    ergoss sich nun über die ellenlange
    Liste der verdächtigen. „Mist verdammter!“ rief Semir wütend aus „Mensch,
    kannst du nicht mal ein bisschen aufpassen!“ Tom kramte ein Taschentuch aus der
    Hosentasche und reichte es Semir, der daraufhin versuchte das Blatt wieder
    notdürftig zu trocknen. „In letzter Zeit geht aber auch alles schief!“
    „Ach komm sieh’s positiv“ versuchte Tom ihn aufzumuntern
    „Warum sollte ich das alles positiv sehen???“ „Ist nur so’n Spruch!“ Tom hatte
    es wieder einmal geschafft Semir trotz seiner schlechten Laune zum Lachen zu
    bringen und das tat beiden sichtlich gut.
    Beide beschlossen für diesen Tag früher Schluss zu machen
    und noch auf ein Bier in Frankies bar zu gehen.
    Sie tranken ein Bier nach dem anderen und wurden allmählich
    fröhlicher.
    Nach einer Weile setzte sich Frankie noch zu ihnen und sie
    erzählten und lachten zusammen. So merkten sie nicht wie schnell die Zeit
    verging. Weit nach Mitternacht verabschiedeten sich die Beiden ‚leicht
    angetrunken’. Sie hatten so viel Spaß gehabt wie schon lange nicht mehr. Sie
    wussten noch nicht, dass sich das alles bald ändern würde…



    ***



    Die Dunkelheit der Nacht wirkte wie ein dunkler Schleier der
    sich über die Stadt gelegt hatte.
    Überall herrschte eine schwüle drückende Luft und es waren
    kaum Geräusche zu hören. Die Straßen waren menschenleer und die wenigen Fenster
    der Häuser die noch erleuchtet waren wirkten wie gelbe Augen. Der Blick dieser
    Augen war kühl und unbeteiligt.
    Keiner nahm Notiz von dem schwarzen Landrover, der in der
    Humbaldstraße stand. Die Dunkelheit hatte ihn fast verschluckt. Keinem fiel
    auf, dass hinter der verspiegelten Scheibe ein Mann saß, der aufmerksam eines
    der Häuser beobachtete. Er saß da, dunkel und still hinter den getönten
    Scheiben, reglos wie aus Stein. Und weil ihn niemand bemerkte war es als wäre
    er überhaupt nicht da.

  • Bin wieder gut gelaunt und braun gebrannt zurück 8)
    wenn ihr wollt,
    noch ein Stück:






    Der nächste Tag war angebrochen. Das Thermometer zeigte
    wieder 36 Grad und die Vögel sangen ihr Morgenlied.
    Tom kam natürlich zu spät (was nach dieser Nacht ja auch
    kein wunder war). Semir dagegen war pünktlich zu Dienstbeginn da gewesen. Er
    hatte höllische Kopfschmerzen und packte bereits die dritte Aspirintablette aus
    als Tom endlich auftauchte „Morgen“ sagte er nur knapp und lies sich auf einen
    Stuhl fallen. Auch ihm war deutlich anzusehen, dass er gerne länger geschlafen
    hätte.
    Den beiden blieb nicht viel Zeit zum ausruhen, denn Petra
    betrat den Raum Sie begrüßte erst Semir und dann Tom indem sie ihn zärtlich
    küsste. Semir sah wie immer demonstrativ weg. Natürlich nicht ohne sich ein
    Lächeln zu verkneifen.
    „Ich hab was für euch und zwar die Liste aller Leute die,
    hier in NRW, so einen Landrover Discovery
    fahren.“ erklärte sie ohne ihren Blick von Tom abzuwenden der sie immer
    noch verliebt ansah. Petra lächelte ihm zu und sah dann wieder auf den Zettel,
    den sie in der Hand hielt. „Außerdem kamen eben zwei Meldungen von den Kollegen
    rein. Sie haben einen Landrover in der Oraniengasse und einen anderen in der
    Humbaldstr. Gesichtet. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich das einer davon…!“
    weiter kam sie nicht, denn sie wurde von Semir unterbrochen, der endlich wieder
    einen Vorwand hatte aus der stickigen PAST zu kommen „Wie waren noch mal die Adressen?“
    „Oraniengasse und Humbaldstr.“ Tom war ebenfalls aufgestanden und wollte sich
    gerade von Petra verabschieden als ihn Semir am Arm packte und raus zog. „Komm
    turteln kannste später!“ Petra hatte sich inzwischen wieder an ihren
    Schreibtisch gesetzt „Habe ich doch gern
    gemacht, keine Ursache!“ sagte sie gespielt sauer zu sich selbst. Jetzt wusste
    sie wie dich Hartmut immer fühlen musste.




    ***




    Inzwischen waren Tom und Semir an der am nächsten gelegenen
    Adresse angekommen. Die Humbaldstr. wirkte wie ausgestorben nur Autos standen
    massenhaft am Straßenrand. Tom steuerte
    den Benz langsam an der Häuserreihe entlang und da entdeckten sie ihn. Der
    Landrover stand reglos vor der Haus Nummer 7. Ob jemand drinnen saß konnten sie
    nicht erkennen. „Na dann werde ich doch mal nachschauen ob jemand zu Hause
    ist!“ Semir stieg an der Beifahrerseite aus und ging den kurzen weg zu dem
    wuchtigen schwarzen Auto. Dort angekommen klopfte er an die getönte Scheibe.
    Zuerst dachte er keiner wäre darin und wollte sich schon umdrehen als jemand
    die Scheibe runter lies. Semir sah in das Gesicht eines etwa 40 Jährigen Mannes
    mit dunkelblondem halblangen Haaren. Die Augen konnte er wegen der großen,
    schwarzen Sonnenbrille nicht erkennen. Er sah verwahrlost aus. Das zeigte ihm
    nicht nur die ungepflegten struppigen Haare sondern auch das unrasierte Kinn.
    „Ja, was ist?“ fragte der Mann verwirrt.
    „Entschuldigen sie bitte, Kripo Autobahn, mein Name ist…“
    weiter kam Semir nicht, denn schon bei seinen ersten Worten hatte der Mann im
    Auto das Gaßpedal durchgetreten. Die Reifen quietschten und Semir konnte gerade
    noch zur Seite springen. Dennoch traf ihn der Seitenspiegel des Wagens hart an
    der Schulter. Semir stöhnte, hatte aber dennoch Sekunden Bruchteile später
    seine Waffe in der Hand und gab mehrere Schüsse auf den Wagen ab. Schon war der
    Benz neben ihm. „Semir alles ok?“ fluchend sprang Semir, sich immer noch die
    schmerzende Schulter haltend, neben Tom ins Auto und sie nahmen die Verfolgung
    auf.
    „Na, die Schüsse eben waren doch total unnötig!“ Tom konnte
    sich eine spöttische Bemerkung nicht verkneifen „Als ob du noch getroffen
    hättest!“ „Klar habe ich getroffen!“ erwiderte Semir empört „hast du nicht die
    Scheibe splittern gesehen?“ „Als ob….“ Tom riss das Lenkrad herum, als der
    Flüchtige in eine Seitenstraße abbog.
    Hier in der Stadt erwieß es sich allerdings nicht als sehr
    leicht den Schlangenlinien des Landrovers zu folgen. Immer wieder musste Tom
    stark bremsen wenn ein ausparkendes Auto ihnen den Weg blockierte. Semir, der
    bei jeder weiteren scharfen Kurve mit seiner verletzten Schulter gegen die Tür
    geschleudert wurde hatte es inzwischen satt „Tom könntest du bitte etwas
    vorsichtiger fahren??“ Tom hob für einen kurzen Moment beide Hände vom Lenkrad
    „Bitte willst du fahren?!“ „Vorsicht!“ Tom sah wieder nach vorn und griff
    gerade noch rechtzeitig ins Lenkrad, sonst wären sie wahrscheinlich in einen
    roten Golf gekracht, der gerade aus einer Seitenstraße kam „Könntest du dich
    bitte wieder aufs Fahren konzentrieren? Ich würde gerne noch ein bisschen
    weiter leben!“
    Der Abstand verringerte sich immer mehr und Tom hatte schon
    zum Überhohlen angesetzt als plötzlich eine Autobahnauffahrt begann. Der Wagen
    vor ihnen Beschleunigte und raste davon. Der blaue Mercedes hinterher.
    „Zentrale für Cobra 11 verfolgen flüchtiges Fahrzeug auf der A3 Kilometer 87.
    Kennzeichen K MS 87.“
    Tom holte erneut auf und war nun mit dem Landrover fast
    gleich auf, doch ihr Gegner erkannte die Gefahr. Er zog auf die Überholspur und
    rammte einen blauen BMW, der neben ihm fuhr in die Seite. Der Fahrer des BMWs
    verzog erschrocken das Lenkrad und stellte sich quer. Reifen quietschten und
    splitterndes Glas und ein dumpfer Knall war zu hören als zwei weitere Fahrzeuge
    in den querstehenden BMW krachten.
    Tom ging in die Eisen und der CLK kam keinen halben Meter
    vor den vier ineinander verkeilten Autos zum stehen.
    Die Beiden wollten schon aufatmen als plötzlich hinter ihnen ein Ohren betäubendes Krachen zu hören war...

  • Ja Navar, da hast du Recht :D





    Keine drei Autos hinter ihnen war ein Audi in einen
    Wohnwagen gekracht, der bei der Wucht des Aufpralls zersplitterte. Der Audi
    flog über drei Autos hinweg und bleib Sekunden Bruchteile in der Luft, bis er
    sich schließlich wieder dem Boden näherte. „RAUUUUS!“ schrie Semir, und Tom und
    er stürztem aus dem Mercedes. Keine Sekunde zu früh! Kaum waren sie aus dem
    Auto gesprungen landete Der Audi mit einem lauten Krachen Mitten auf dem Dach
    des Mercedes. Die Scheiben splitterten und das Dach verbog sich. Ein paar mal
    wippte der Audi noch auf dem Dach auf und ab bis er schließlich zum Stillstand
    kam.
    Tom und Semir die bei der Flucht aus dem Wagen schützend die
    Hände über ihren Kopf gehalten hatten, drehten sich nun um und starrten
    schockiert zu dem völlig zerdrückten Wagen, indem sie vor ein paar Sekunden
    noch gesessen hatten.
    „Der war gerade frisch aus der Werkstatt!“ meinte Tom leise und zugleich fassungslos.
    In der Ferne waren nur noch schwach die Rücklichter des
    Landrovers zuerkennen.





    Kapitel 7



    Noch einmal sah er in den Rückspiegel, bevor er erleichtert
    Luft ausstieß. ‚Puh, das war gerade noch mal gut gegangen. Woher wusste die
    Polizei, dass er den Mord an Köster
    geplant hatte? Eigentlich hatte er
    gedacht, dass dies länger dauern würde. Wenn die Bullen jetzt schon
    davon erfahren hatten musste er sich ranhalten. Waren sie vielleicht doch nicht
    so dumm wie er gedacht hatte?
    Er musste in Zukunft besser aufpassen. Vielleicht war er ja
    wirklich beobachtet worden und es war ihm gar nicht aufgefallen…
    Er sah für einen kurzen Moment auf seinen linken Oberarm.
    Sein Jacke war an dieser Stelle Blut durchtränkt. Fluchend schaute er wieder
    auf die Straße. Was bildete sich dieser kleine Bulle ein? Das er einfach so
    aufkreuzen konnte und seine jahrelang geschmiedeten Pläne einfach so
    durchkreuzen konnte? Den würde er sich auch noch schnappen, aber zuerst musste
    er seinen Namen erfahren… dann fiel es ihm ein ‚Kripo Autobahn’ ja, genau, das
    hatte er gesagt! Kranich war auch bei der Autobahnpolizei. Der würde das
    wissen!
    Mal rechts mal links überholend schlängelte er sich durch
    den Verkehr ohne sein Tempo nennenswert zu verringern, immer begleitet von
    einem lauten Hupkonzert. Tausend Gedanken schossen ihm dabei durch den Kopf.
    Weg. Nur schnell weg von hier.

  • ***



    „Nein, nicht so! Die Nase war irgendwie krumm und
    vorne….so’n bisschen flach…“ Semir saß jetzt schon seit einer geschlagenen
    Stunde mit dem Phantomzeichner im Büro, der langsam aber sicher die Nerven
    verlor „So Besser?“ Der Versuch freundlich zu klingen gelang ihm nicht so ganz.
    „Ja so ist sie gut!“ rief Semir aus und sofort hörte er eine spöttische und
    gleichzeitig belustigt klingende Stimme
    hinter sich: „Laber keinen Quatsch Semir, so war sie am Anfang auch und da
    meintest du noch sie wäre viel zu krumm!“ Tom hatte sich hinter Semir auf die
    Schrankkante gesetzt und biss nun herzhaft in einen Apfel. „Dann versuch du mal
    ein Gesicht zu beschreiben, dass du für kaum drei Sekunden gesehen hast und das
    auch noch eine Sonnebrille auf hat!“ erwiderte Semir sauer. „Das hat doch alles
    keinen Sinn.“ Schaltete sich nun der Phantomzeichner ein. Er tippte noch etwas
    auf seiner Tastatur ein, klappte dann seinen Laptop zu und ging zum Drucker.
    „Hier!“ sagte er knapp, während er Semir das frisch gedruckte Phantombild in
    die Hand drückte. „Mehr kann ich auch nicht für sie tuhen.“ Und er verließ,
    geräuschvoll hinter sich die Tür schließend aus ihrem Büro. Einen völlig
    perplex dreinschauenden Semir hinter sich zurücklassend.
    Ein Glucksen hinter ihm, ließ Semir aus seiner Starre
    auftauen. „Ja, ja! Und du findest das alles wieder witzig!“ Tom war gerade
    grinsend aufgestanden und zum Mülleimer gegangen um seinen Apfelkitsch
    wegzuschmeißen, als Petra den Raum betrat.
    „Falls es euch interessiert: Ich habe für euch Mal die
    Halterin des Wagens überprüft. Er ist auf eine gewisse Maja Streiber zugelassen!“
    „Hast du auch die…“ „…Adresse?“ beendete Petra den Satz für Tom und klebte ihm
    lächelnd den gelben Notizzettel, den sie
    in der Hand hatte, vorne ans Jacked. „Deshalb liebe ich dich so.“ Tom hauchte
    ihr sanft einen Kuss auf die Wange und folgte dann Semir, der schon halb aus
    der Tür war.




    ***

  • Kaum eine viertel Stunde später waren sie an der genannten
    Adresse angekommen. Es war ein kleines herunter gekommenes Haus, von dem man
    nur noch erahnen konnte, dass es früher einmal, wie die anderen in dieser Straße,
    weiß gestrichen sein musste. Nun sah es grau aus. Grau und trostlos. Der Garten
    wucherte nur vor sich hin. Er bestand zum größten Teil aus Unkraut, mit
    Ausnahme eines alten, knorrigen Baumes, von dem sowieso schon die meisten
    morschen Äste abgebrochen waren und langsam auf dem Boden verendeten. Daneben
    stand eine halb verrostete Kinderschaukel, die in der leichten Sommerbriese hin
    und herschaukelte.
    „Eigentlich könnten wir uns doch ne Hausdurchsuchung sparen,
    oder?“ fragte Tom Semir als sie langsam den Weg zum Haus entlang gingen. „Nein,
    glaub ich nicht.“ Sie waren inzwischen an der Haustür angekommen und Semir
    deutete auf das Schloss. Es sah neu aus und passte so gar nicht zum Rest des
    Hauses. Tom sah Semir an, der sich gerade am Schloss der Tür zu schaffen machte
    „Warum nehmen wir nicht einfach mal den normalen Dienstweg, klingeln nett oder
    holen und einen Durchsuchungsbefehl?“ fragte Tom belustigt „Na ganz einfach!“
    Die Tür sprang einen Spalt breit auf und die Beiden zogen nun ihre Waffen „Weil
    der normale Dienstweg zu viele Kurven hat!“
    Semir grinste und sprang als Erster ins Innere des Hauses. Tom folgte
    ihm und sie arbeiteten sich langsam, Raum für Raum, im Haus durch. „Leer.“
    hörte Tom nach fünf Minuten die Stimme seines Partners aus dem Nebenzimmer. Tom
    gesellte sich zu ihm „Hier auch. Wer immer hier war ist wohl ausgeflogen!“
    Gedankenverloren sah er aus dem Fenster. „Semir was macht
    der Typ da draußen an deinem Auto.“ Erstaunt drehte sich Semir um und sah einen
    Jugendlichen der neben seinem BMW kniete und sich daran zu schaffen machte.
    Schon stürzten Beide hinaus und sprinteten den Weg zurück,
    den sie vor kaum fünf Minuten gekommen waren. Doch der Junge hatte sie bereits
    bemerkt und rannte davon, Tom hinterher. Semir besah sich mittlerweile den
    kleinen schwarzen Kasten, den der Junge bei seiner hastigen Flucht fallen
    gelassen hatte. Durch seine Jahrelange Polizeierfahrung wusste er nur zu gut
    was das war.
    Dann sah er ihn. Der schwarze Landrover mit dem Kennzeichen
    K MS 87 bog gerade in eine benachbarte
    Straße ein und verschwand aus seinem Blickfeld.
    Ein aufheulender Motor lies ihn zusammenzucken und als er
    aufsah konnte er gerade noch einen weißen Van an ihm vorbeirauschen sehen.
    „Mensch Semir wo bleibst du?!“ Tom, der mit dem Wagen natürlich nicht Schritt halten
    konnte kam nun zurück zum BMW gerannt. Hastig stieg Semir ebenfalls an der
    Fahrerseite in den Wagen und nahm die Verfolgung auf.
    Sie verfolgten den Wagen bis auf die nächste Autobahn und
    forderten schon zum zweiten Mal an diesem Tag Verstärkung an. Tom legte gerade
    wieder das Mikro weg, als der Van vor ihm einen scharfen Schlenker fuhr, so
    dass sich hinter ihm mehrere Autos querstellten.
    „Das passt, das passt…“
    „Mensch Semir, BREMS!“
    Semir streifte bei seinem Ausweichmanöver die Leitplanke.
    Mit einem lauten Knacksen verabschiedete sich der Seitenspiegel.
    Sie holten immer mehr auf und waren vielleicht noch 10 Meter
    vom Van entfernt, als sich Tom abschnallte „So, mir reicht’s! Fahr näher
    ran!“ „Tom, nein!“ Semir versuchte
    seinen Partner noch festzuhalten, doch vergebens. Er hatte schon das
    Schiebedach geöffnet und war aufs Dach des BMWs geklettert. „Näher ran!“ schrie
    Tom gegen den Fahrtwind an. Semir war
    jetzt neben dem Van. Der Fahrer schien nicht mitbekommen zu haben, was seine
    Verfolger planten. Für ihn galt es jetzt nur, den silbernen BMW ab zuschütteln.
    Als der BMW direkt neben ihm war rammte er ihn mit voller Wucht in die Seite.
    Das nutzte Tom aus und er sprang im günstigsten Moment ab. Mit allen Vieren
    landete er auf dem Dach des Vans und klammerte sich krampfhaft an dessen
    Dachträger fest.
    Semir hatte derweil seine ganz eigenen Probleme. Mühsam
    versuchte er den Wagen in der Spur zu halten, was bei dieser Geschwindigkeit
    nicht ganz einfach war. Endlich hatte er es geschafft und setzte sich nun hinter
    das flüchtige Fahrzeug.
    Mittlerweile hatte der Fahrer auch registriert, dass einer
    der Bullen nun auf seinem Wagen sein musste. Er setzte alles daran ihn
    loszuwerden: Fuhr Schlangenlinien und zog scharf nach links und nach rechts.
    Der Bulle auf dem Dach ließ sich nicht abschütteln. Langsam aber sicher
    hangelte er sich weiter nach vorn…
    Für Tom wurde es immer schwieriger sich am Dachträger des Vans
    festzuhalten. Immer wieder verlor er in den scharfen Kurven das Gleichgewicht
    und konnte sich gerade noch mit einer Hand festklammern. Dann zog der Wagen
    erneut auf den Standstreifen. Tom hatte gerade wieder einigermaßen das
    Gleichgewicht gefunden, als es passierte: Ohne Vorwarnung legte der Wagen unter
    ihm eine Vollbremsung hin. Tom strauchelte und wurde schließlich nach vorne auf
    die Motorhaube geschleudert, als der Wagen wieder beschleunigte

  • hier die Erlösung :P





    Erschrocken riss er die Augen weit auf und sah durch die
    Frontscheibe des Wagens in das völlig verängstigte Gesicht eines Jungendlichen
    von etwa 18 Jahren. „HALT AN, DU BIST VERHAFTET!“ brüllte Tom, immer noch auf
    der Motorhaube liegend wütend. Wie er es sich jedoch gedacht hatte zeigte
    dies keinerlei Wirkung.
    Als der Van vor ihm scharf bremste, gelang es Semir gerade
    noch rechtzeitig ebenfalls auf die Bremse zu steigen. Ihm blieb fast das Herz
    stehen als sah wie Tom vom Dach geschleudert wurde und auf der Motorhaube
    liegen blieb.
    Da lag er nun. Bei einem Tempo von 180kmh auf einem Auto, an
    dessen Scheibenwischern er sich verzweifelt festzuhalten versuchte. Langsam,
    aber sicher begann er abzurutschen…
    “Halt dich fest Junge! Halt dich fest!“ sagte Semir
    beschwörerisch zu sich selbst. Am liebsten hätte er den Wagen vor sich
    ausgebremst oder auf die Reifen geschossen. Irgendetwas getan um ihn
    anzuhalten, aber es ging nicht. Mit einer solchen Aktion hätte er nur Tom in
    Gefahr gebracht. ‚Verdammter Dickschädel’
    Tom hatte es inzwischen geschafft mit seiner rechten Hand an
    die Waffe zu kommen. Sich mit der Linken immer noch festhaltend, richtete er
    sie nun auf den Jungen im Auto
    "HALT ENDLICH AN DU VERDAMMTER IDOT! DU MACHST DOCH ALLES
    NUR NOCH SCHLIMMER!!!“
    Er war sich zwar nicht sicher ob er ihn im Inneren des
    Wagens hören konnte, aber er sah deutlich wie sich die Miene des Jungens beim
    Anblick der Waffe veränderte. Er sah nun
    verzweifelt aus und man konnte erkennen wie er nach irgendeinem Ausweg suchte.
    Endlich geschah das, worauf Semir und Tom gehofft hatten.
    Der Wagen wurde langsamer und kam schließlich auf dem Standstreifen zum stehen.
    Der silberne BMW hielt sofort mit quietschenden Reifen hinter ihm und Semir
    stürzte aus dem Wagen.
    „Mannohmann Tom! Das wäre doch nun echt nicht nötig
    gewesen.“ rief er seinem Partner zu, der gerade von der Motorhaube rutschte.
    „Hat doch geklappt.“ erwiderte dieser grinsend, doch ihm war
    selbst auch noch der Schock, des eben Geschehenen anzusehen. Er besah sich
    seine aufgescheuerten, roten Hände und strich sich durch die Haare, die durch
    den starken Gegenwind nun in alle Himmelsrichtungen abstanden.
    Der Jungendliche hatte inzwischen die Tür des Vans
    aufgestoßen und kam heraus. Semir drehte ihn sofort grob um.
    „Hände auf’s Dach und Beine auseinander!“ Er durchsuchte den
    Jungen nach einer Waffe, aber er hatte nichts bei sich.

  • Kapitel 8



    Tom und Semir hatten nicht bemerkt, dass ihnen aus einigem
    Abstand ein schwarzer Landrover gefolgt war.
    Der Wagen war nur kurz langsamer geworden, als er die zwei
    Autos auf dem Standstreifen entdeckt hatte.
    Der Mann im Inneren des Wagens hatte der ganzen Situation
    nur einen kurzen, abschätzenden Blick gewidmet. Das hatte gereicht. Er sah,
    dass der Junge aufgegeben hatte. Einer der zwei Bullen legte ihm gerade
    Handschellen an, während Kranich sich ihnen langsam humpelnd näherte.
    „Jetzt habe ich sie genau da, wo ich sie haben will…l“ lachte
    er leise und zufrieden und beschleunigte wieder. Bis jetzt hatte alles sehr gut
    funktioniert, bis auf die Sache vor dem Gericht, als ihn die Bullen fast
    geschnappt hatten. Einerseits war es natürlich schlecht gewesen, weil er
    dadurch seinen Plan etwas ändern musste, was ihm so gar nicht gefiel. Doch
    andererseits… Es hatte ihm wieder Mut gemacht. Es war eine gute Erfahrung
    gewesen erneut bestätigt zu bekommen, dass er der Klügere war und ihn die
    Polizei niemals erwischen konnte. Nie. Er war einfach zu genial, zu
    intelligent. Und mit dieser Intelligenz würde er alle seine Opfer erledigen.
    Früher oder später…




    ***




    „Jetzt sag mir endlich was diese Aktion eben sollte!“ wütend
    knallte Semir die Faust auf den Tisch, sodass der Jugendliche auf dem Stuhl
    zusammen zuckte. „Du hast probiert an meinem Wagen eine Bombe anzubringen und
    meinen Partner und mich damit zu töten! Das ist versuchter Mord, ist dir das
    klar??!!“
    Semir verlor so langsam die Geduld. Seit einer knappen
    Stunde versuchten Tom und er ein Wort aus dem Jungen herauszukriegen, der
    verängstigt im Verhörraum saß. Das einzige, das sie bis jetzt wussten war wie
    der Junge hieß. Dennis Reithner. Er war wegen Sachbeschädigung schon mehrmals
    verwarnt worden, aber noch nie war er
    wegen größeren Delikten aufgefallen. Er wirkte erschrocken und geschockt
    darüber, was er den beiden Polizisten um ein Haar angetan hätte.
    „Ich…ich habe das doch alles nicht gewollt.“ stotterte der
    Junge nach einer halben Ewigkeit „Ich habe nur das Geld genommen und nicht
    hingesehen. Ehrlich! Das müssen sie mir glauben!“ hoffnungsvoll sah er Semir an
    der wie ein Tiger im Käfig im Raum auf und ablief „Welches Geld?“ fragte jetzt
    Tom, der Dennis gegenüber saß.
    „Da war so ein Mann, der hat mir Geld angeboten, wenn ich
    sie unter ihrem Wagen anbringe. Er meinte er will nur jemandem eine Lektion
    erteilen und niemandem würde etwas geschehen.“ wandte er sich nun an Tom.
    Flehen sah er ihn an
    „Das ist die Wahrheit! Ich hätte da doch nicht mitgemacht
    wenn ich gewusst hätte, dass…“ „Die Bombe hätte uns getötet!“
    Abermals zuckte der Junge zusammen als ihn Semir, hinter ihm
    stehend, laut stark unterbrach „Wie sah der Mann denn aus?“ fragte Tom und warf
    Semir einen warnenden Blick zu „Der…der hatte so eine Sonnenbrille und ne Kapuze auf.“
    „Na toll…“Seufzend stand Tom auf und war schon an der Tür
    als der Junge weiter redete „Und der hatte so ne total komische Nase. Die war
    irgendwie so krumm und vorne flach oder so und…“ Semir stoppte in der Bewegung
    und richtete seinen Blick auf Dennis. Dann kramte er in seiner Hosentasche und
    zog die grobe Phantomzeichnung vom Mittag aus der Tasche. „Sah er vielleicht so
    aus?“ Dennis schob den Kopf vor um das
    Bild besser erkennen zu können. Dann sah er zu Semir auf.
    „Das ist er!“ meinte er entschlossen „Ganz sicher!“
    Triumphierend blickte Semir nun zu Tom, der mit der Hand auf
    dem Türgriff da stand.




    ***

  • Ein bisschen mehr Feedback wäre nett... :whistling:






    „Also heißt das im Klartext: Der Junge weiß auch nicht wie
    unser Mr. X aussieht.“ Anna Engelhard, die das ganze Verhör durch die
    verspiegelte Scheibe verfolgt hatte, stand
    nun mit verschränkten Armen vor ihren beiden Mitarbeitern. Semir hielt
    ihr jetzt begeistert das Phantombild unter die Nase.
    „Aber Chefin, wir wissen jetzt, dass der Mann den Tom und
    ich verfolgt haben der gleiche war, der diesen Jungen dazu angestiftet hat uns
    mit einer Autobombe umzubringen!“ „Gerkan, sie wollen mir doch nicht ernsthaft
    Weißmachen, dass sie anhand dieses lächerlichen Bildes sagen können ob es der
    gleiche Mann war!“
    Anna versuchte belustigt zu klingen, was ihr allerdings nicht
    ganz gelang.
    „Soll ich jetzt etwa einen Mann mit Sonnenbrille, Kapuze und
    einer irgendwie krummen Nase zur
    Fahndung ausschreiben oder wie stellen sie sich das vor?“
    Semir, der eben noch gestrahlt hatte, aus Freude darüber
    endlich einen Anhaltspunkt gefunden zu haben, lies nun enttäuscht das
    Phantombild sinken und stand da wie ein begossener Pudel.
    „Geben sie mir etwas Handfestes und ich werde sehen was ich
    tun kann.“
    Mit diesen Worten ging sie an ihnen vorbei zur Tür „Und
    gehen sie noch einmal gründlich die Listen durch!“ rief sie im Weggehen.
    Nun war Semirs Laune endgültig im Keller.
    „Du warst mir ja mal wieder eine tolle Unterstützung“
    fauchte er Tom an, der die ganze Zeit stumm hinter ihm gestanden hatte.
    „Du warst nur mal wieder zu viel mit Reden
    beschäftigt.“
    „Was soll ich denn auch machen wenn…“
    „Hehe, komm mal wieder runter“ versuchte Tom seinen Partner
    zu beschwichtigen und hob abwehrend die Hände.
    „Vielleicht sollten wir für heute Schluss machen. Wir haben
    eh schon nach Acht.“
    Semir seufzte und nickte dann ergeben. „Und der da?“
    Er nickte mit dem Kopf Richtung des 18 Jährigen im
    Verhörraum, der den Kopf in die Hände gestützt hatte und einen ziemlich
    verlorenen Eindruck machte.
    „Aus dem kriegen wir eh nichts mehr raus. Schau den dir doch
    mal an. Der ist völlig fertig!“



    ***

  • für Littlegitti... :P





    Schon seit 3 Stunden saßen Semir und Tom wieder im Büro und
    gingen Listen, alte Akten von ungelösten Fällen, Personalien, etc pp durch.
    Langsam aber sicher waren beide genervt, denn außer der Tatsache, dass Tim
    Niehaus und Tino Seichmann auf die gleiche Art und mit der gleichen Waffe aus
    gleicher Entfernung erschossen wurden, hatten sie noch rein gar nichts
    herausgefunden.
    Mit einem leisen Stöhnen klappte Semir einen weiteren Ordner zu und lehnte sich in seinem Stuhl
    zurück
    „Meine Güte dieser Fall macht mich fertig! Wenn wir nicht
    endlich irgendeinen Anhaltspunkt finden drehe ich durch!“
    Tom tat es ihm nach und warf ebenfalls die Liste, die er
    durchgegangen war auf den Aktenberg.
    „Tun wir mal so als wüssten wir gar nichts…“ schlug er
    nachdenklich vor.
    „Na, das fällt uns ja nicht besonders schwer!“
    Beide schauen sich an und prusteten dann los.
    „Ne jetzt mal im Ernst.“ Tom hatte sich als erster wieder
    gefangen „Das bringt doch nichts sich hier weiter durch die Akten zu wälzen.
    Hartmut wollte zwar anrufen, aber trotzdem… Lass uns doch trotzdem noch mal bei
    der KTU vorbeifahren, vielleicht hat er ja schon was.“
    „Hast Recht! Welchen Wagen nehmen wir?“
    Tom zog die Augenbraue hoch „Deinen“ antwortete er knapp.
    „Seit wann lässt du mich denn freiwillig fahren?“
    „Mein Wagen ist in
    der Werkstatt, du Dummkopf! Weißt du nicht mehr?? Totalschaden!“ murrte Tom.
    „Ok, dann nehmen wir meinen.“ meinte Semir grinsend.
    Kaum eine Viertelstunde später waren sie in der KTU.





    Kapitel 9



    „Hartmut?!“ rief Semir hoffnungsvoll in die Halle hinein,
    doch keiner antwortete ihm mit Ausnahme des Radios, das durch die ganze Halle
    dröhnte. Tom kämpfte sich durch das Chaos aus Schrauben und Metallteilen zu dem
    Regal durch, auf dem es stand und schaffte es schließlich es auszuschalten.
    „Hartmut!“ rief nun Tom, lauter als Semir zuvor. „Wwwas???“ Hartmut der an seinem heißgeliebten Wagen, Lucy, hantiert hatte, schreckte nun auf
    und entdeckte Semir und Tom, die einträchtig nebeneinander, erwartungsvoll in
    der Tür standen.
    „Hast du schon was für uns?“ Hartmut brauchte anscheinend
    etwas um sich wieder in die Realität zurückzufinden, denn ein paar Augenblicke
    lang starrte er sie nur verwirrt an, bis auch bei ihm endlich der Groschen
    fiel.
    „Ach, ihr wollt mit Sicherheit wissen, was das Ding war, was
    der Junge da an eurem Wagen anbringen wollte, oder?! Das ist nämlich was ganz
    Spannendes! Und zwar war das eine…“
    „Eine Bombe. Wissen wir!“ wurde er schon von dem ungeduldigen Semir
    unterbrochen. Hartmut schaute verwirrt
    erst zu Semir und dann zu Tom. Dann erwiderte er schließlich: „Es war
    keine Bombe, sondern nur eine Attrappe.“
    „Was?“ Jetzt war es an Tom und Semir verständnislos
    dreinzuschauen.
    „Mit einer Attrappe bezeichnet man eine Sache oder einen
    Gegenstand, der nur vorgibt das zu sein, was er zu sein scheint. In
    Wirklichkeit ist es dann aber…“
    „Mensch Hartmut!“ fuhr ihm Tom ins Wort „Wir wissen was eine
    Attrappe ist!“
    „Achso ich dachte nur…“
    „Ist ja schon gut.
    Danke für die Info.“ Dann sah Semir wieder zu Tom.
    „Also, wenn die Engelhart das nicht als Handfest bezeichnet,
    dann weiß ich auch nicht!“



    ***

  • und weiter... 8o





    „Und was hat das bitte zu bedeuten?“ Anna Engelhard hatte gerade ihre, wie sie
    fand, wohl verdiente Mittagspause machen wollen, als Tom und Semir in die PAST
    stürmten.
    „Der Typ verarscht uns!“
    „Semir, wer?“
    „Na, dieser Typ! Sie wissen doch: Der mit der krummen Nase,
    und der Kapuze und so, der, den Tom und ich auf der Autobahn verfolgt haben!“
    „Was hat der denn jetzt mit der Bomben-Attrappe unter ihrem
    BWM zutun?“
    Engelhard holte eine Tasse aus dem Schrank und goss sich
    etwas Kaffee hinein.
    „Als wir vor dem Haus standen habe ich seinen schwarzen
    Landrover in einer Seitenstraße verschwinden sehen. Ich sag ihnen, der
    verarscht uns! Erst diese Aktion mit der Massenkarambolage auf der Autobahn,
    die Reifenspuren an den Tatorten und jetzt diese Attrappe…“
    „Davon hast du mir ja gar nichts erzählt“ schaltete sich nun
    Tom ein und sah seinen Partner fragend an, der daraufhin nur entschuldigend mit
    den Schultern zuckte.
    „Da war so viel los und da hab ich das eben vergessen…“
    meinte er nur kleinlaut und war froh als die Chefin wieder das Wort ergriff
    „Aber sie haben den Mann doch nicht im Auto gesehen oder
    Gerkan? Sie meinten doch, die Scheiben wären verspiegelt gewesen.“
    „Ja…Nein…also ich meine, ich habe ihn nicht gesehen. Aber
    ich mir ganz sicher, dass…“
    Anna hatte ihre Tasse gefüllt und ging nun langsam in
    Richtung ihres Büros, Tom und Semir im Schlepptau.
    „Semir, Tom sie müssten doch eigentlich am besten wissen,
    dass ich bei so einer Sache nichts machen kann. Klar sie wissen jetzt sicher,
    das jemand diesen Jungen, Dennis Reithner, dazu benutzt hat, sie auf die
    falsche Fährte zu locken.“ erwiderte sie anstatt Semir, der schon den Mund zu
    Widerworten geöffnet hatte, zu Wort kommen zu lassen „Warum auch immer!
    Vielleicht will sich der jenige Zeit verschaffen oder tatsächlich mit ihnen
    spielen, aber im Moment wissen wir nichts Konkretes. Weder wie der Mann
    aussieht, noch sonst irgendwas.“
    Die drei hatten inzwischen ihr Büro erreicht und sie stellte
    die Tasse auf ihrem Schreibtisch ab.
    „Ich würde ihnen wirklich gerne helfen und ich glaube auch,
    dass dieser Mann unser Serienmörder ist, aber solange wir nichts Handfestes
    haben, sind mir die Hände gebunden.“
    Sie nahm einen Schluck Kaffee und sah die beiden über den
    Rand ihrer Tasse entschuldigend an. Semir seufze nur und sah zu seinem Partner.
    Dieser erwiderte seinen Blick.
    Beide waren schon im Begriff das Büro zu verlassen als
    Engelhard ihnen noch nachrief.
    „Ach, und Tom.“ dieser drehte sich um.„Ihr neuer Dienstwagen. Neu und ohne Kratzer. Sorgen sie
    dafür, dass das auch so bleibt!“
    Sie warf ihm die Schlüssel zu, die er dankbar auffing.




    ***




    Schon seit geraumer Zeit saß Tom wieder an seinem
    Schreibtisch und Semir warf fast ununterbrochen Pfeile auf die Dartscheibe in
    ihrem Büro.
    „Was ist eigentlich mit dieser Wagenzulassung?“ fragte Tom gedankenverloren nach einer halben Ewigkeit.„Was soll damit sein?“Semir warf wieder zwei Pfeile auf die Dartscheibe. Einer
    davon blieb in der weißen Wand stecken und hinterließ ein schwarzes Loch.
    „Ich meine nur dieser Wagen, der ist ja nicht auf einen Mann
    zugelassen, sondern auf eine Frau. Und du warst dir doch sicher, dass der Typ
    im Landrover ein Typ war und keine Frau oder?“
    Semir fuhr mit dem Finger über die Stelle in der Wand, in
    der eben noch der Pfeil gesteckt hatte.
    „Ja, ganz sicher. Aber worauf willst du hinaus?“Er nahm seinen Kaugummi aus dem Mund und drückte ihn in das Loch.„Passt doch perfekt!“ meinte er nur grinsend, doch sein
    Partner beachtete ihn nicht weiter.
    „Wenn der Typ den Wagen gefahren hat, heißt das ja
    vielleicht, dass die Besitzerin seine Frau ist, oder seine Schwester oder
    irgendeine Verwandte, oder?“
    Semir begutachtete sein Werk noch ein letztes Mal, zog die
    restlichen Pfeile aus der Dartscheibe und begann sie wieder von neuem zu
    werfen.
    „Mhmmm…“ meinte er nur wenig interessierte. Im Moment
    konnten sie doch sowieso nichts tun, außer hoffen, dass der Täter wieder einen
    Fehler machte und er ihn dann identifizieren konnte.
    „Mensch Semir, jetzt
    haben wir mal einen Anhaltspunkt und du kannst nicht anderes als Dart spielen!“
    „Hast du mal nen Kaugummi?“„Hallo? Erde an Semir. Hörst du mir überhaupt noch zu?“„Klar hör ich dir zu! Was hast du gesagt?“Tom stöhnte verärgert.„Also ich frag dann mal Petra ob die das was rausfinden
    kann.“
    Semir sah erst wieder verwirrt auf, als die Bürotür hinter
    seinem Partner lauter als sonst ins Schloss fiel.