Interview mit Mathias Herrmann

  • Im Rahmen einer speziellen Woche bei welcher es sich nur um Mathias Herrmann, den Darsteller von Oberstaatsanwalt Sander, dreht, durfte ich für meine Fanseite ein exklusives Interview mit ihm führen. Dieses würde ich gerne auch mit euch teilen. Ich würde mich außerdem über eine Rückmeldung zum Interview freuen :)


    Herr Herrmann, seit der Episode „Ausgelöscht (2)“ sind Sie als Oberstaatsanwalt Thomas Sander in Deutschlands erfolgreichster Actionserie zu sehen. Eine Ehre für jeden deutschen Schauspieler, oder?

    "Glücksfall" trifft es wohl eher. Eigentlich hatte ich vergangenen Herbst gar keine Zeit zu drehen, da ich auf Theatertournee war. Die Produzenten von Action Concept waren sich ihrer Sache aber sehr sicher und haben alles möglich gemacht, mich zu gewinnen. Also wurde jede freie Minute genutzt, damit ich in Köln vor der Kamera stehen konnte. Manchmal bin ich sogar nachts nach der Vorstellung noch auf die Autobahn oder den Zug, um in der Früh in Sander zu schlüpfen; am Abend stand ich wieder auf der Bühne. Aber eine Rolle, die eine so faszinierende Entwicklung nehmen darf, bekommt man ja auch nicht alle Tage angeboten. Es gab also kein großes Zaudern.

    Vor nunmehr fast 10 Jahren waren Sie in der Episode „Flashback“ in einer anderen Rolle schon einmal bei „Alarm für Cobra 11“ zu sehen. Können Sie sich noch an diese Folge und an Ihre Rolle erinnern?

    Ja, ist lange her. 2005 war das, damals noch mit René Steinke – den kannte ich schon aus vorausgegangener Zusammenarbeit, genau wie die Regisseurin der Folge, Carmen Kurz. Beide waren mir in bester Erinnerung, deswegen hatte ich mich auf die Arbeit gefreut. Erdogan durfte ich während „Flashback“ erst kennenlernen. Ich weiß noch, wie wir uns in den Drehpausen über Vorzüge und Schattenseiten von Serienhauptrollen ausgetauscht haben. Ich durfte bei „Ein Fall für Zwei“ ja meine eigenen Erfahrungen sammeln. Ansonsten sehe ich uns noch für die Folge durch den Wald rennen, immer und immer wieder (lacht). Wir sind ein bisschen ins Schwitzen geraten. Als die Dreharbeiten beendet waren, erreichte mich ein aufgeregter Anruf: Filmaufnahmen waren kaputt gegangen oder aus irgendeinem technischen Grund unbrauchbar. Es musste also nachgedreht werden. Die Firma hat mich dafür aus Kanada einfliegen lassen müssen, weil ich mich damals bereits zu Dreharbeiten in Calgary befand.

    Genau wie damals führt Ihre Rolle auch diesmal Übles im Schilde. Wussten Sie von Anfang an, dass sich Oberstaatsanwalt Sander im Staffelfinale als der „wahre Bösewicht“ der Staffel herausstellt?

    Ja, das war schon vor Beginn der Dreharbeiten so angedacht und besprochen und auch ein Grund für mich diese Figur spielen zu wollen. Die grobe Storyline stand fest. Details wurden natürlich noch ausgearbeitet, hinzugefügt, verbessert. Es ist ja ein Arbeitsprozess. Unterschiedliche Einflüsse kommen zusammen und bereichern sich im besten Fall gegenseitig. Was mich angeht, einen so fruchtbaren inhaltlichen Austausch über die Bücher, Szenen und Dialoge habe ich selten erlebt. Mit Heiko Schmidt, dem Produzenten würde ich jederzeit wieder ein Abenteuer wagen.

    Was war Ihr erster Eindruck als Sie das Drehbuch zum Staffelfinale „Tag der Abrechnung“ gelesen hatten?

    Dass es eine ungewöhnliche aber sehr reizvolle Struktur hat. Eine Geschichte aus vier verschiedenen Perspektiven zu erzählen, kann man, innerhalb einer Serienfolge, durchaus als gewagt bezeichnen. Es ist nämlich schwierig in der Kürze der Zeit den Figuren und Situationen gerecht zu werden. Aber unserem Regisseur, Franco Tozza, ist das gemeinsam mit seinem Cutter ganz prima gelungen. Franco hat eine diebische Freude entwickelt, selbst in Wiederholungen von Momenten, die jeweilige Perspektive des Erzählers zu berücksichtigen. Das war ein enormer Mehraufwand beim Drehen und die Tage, bzw. Nächte waren sehr lang und kalt so kurz vor Weihnachten, aber es hat sich gelohnt. Die Zuschauer sind, glaube ich, auf ihre Kosten gekommen. Und das ist schön, denn für die machen wir’s ja.

    Für seine Karriere geht Oberstaatsanwalt Sander regelrecht über Leichen. Wie würden Sie dieses Verhalten beurteilen?

    Na, privat finde ich das natürlich abstoßend, furchtbar, absolut nicht zu tolerieren und ich bin der Überzeugung, dass man dem Einhalt gebieten muss. Jemand wie Sander gehört unter allen Umständen zur Rechenschaft gezogen. Trotzdem ist die Aufgabe einem solchen Charakter Leben einzuhauchen überaus spannend und dankbar. Als Schauspieler bin ich der Anwalt meiner Figur, ich verurteile sie nicht.

    Sie spielen Ihre Rolle sehr überzeugend und strahlen eine hohe Autorität aus, großes Kompliment an dieser Stelle. Was genau ist eigentlich die Herausforderung an Ihrer Rolle?

    Vielen Dank. Das freut mich sehr. Die Herausforderung bei der Darstellung jeder Rolle ist vor allem, sie glaubhaft erscheinen zu lassen. Wie man das anstellt, ist das Geheimnis eines jeden Schauspielers. Die Wege der Annäherung an einen Charakter sind unterschiedlich und in meinem Fall oft auch von Figur zu Figur verschieden. Bei Thomas Sander war von Beginn an klar, dass ‚Macht‘ im weitesten Sinn ein zentrales Thema ist. Also: wie übe ich die z. B. aus? Und zwar schon im ganz Kleinen. Da muss man ein Gespür entwickeln für Körperlichkeit, für Blicke, Haltungen und Pausen, für Sprache und deren Modulation, etc. Und dann muss man das einsetzen, in jeder Szene, in jedem Moment. Manchmal muss man es verstecken, aber man spielt damit und zwar möglichst lustvoll. Unter anderem das habe ich versucht. Was entsteht hat im besten Fall ein Charisma, dem sich die anderen Figuren und hoffentlich auch die Zuschauer nicht entziehen können.

    Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit am Set der Cobra von sonstigen Produktionen und was macht sie zu etwas besonderem?

    Die Arbeitstage sind verdammt lang (lacht). Unter 14 Stunden geht nie was. Aber im Ernst, die Arbeit unterscheidet sich nicht. Man steht sehr früh auf und bereitet sich vor, macht Körper und Stimme wach. Dann wird man abgeholt und zum Set chauffiert. Frühstück, Maske, Garderobe. Es kommt zur ersten Probe und anschließend zum Drehen. So geht das weiter, bis irgendwann alles im Kasten ist. Dazwischen liegt eine Mittagspause und hin und wieder viel Wartezeit. Das klingt alles sehr banal aber genau so ist es. Die Kunst für uns Schauspieler besteht lediglich darin, uns so zu disponieren, dass wir in dem Moment, wo die Klappe geschlagen wird, zu 150% da, konzentriert und in der Figur sind. Aber bei Cobra 11 gibt es natürlich auch den hohen Anteil an Stunts. Das zeichnet die Serie ja unter anderem aus. Der Schauwert an einigen Drehtagen war auch für mich hoch. Wenn ein Stuntdouble 60 Meter in die Tiefe rauscht und auf einem Luftkissen landet, das von oben wie eine Briefmarke anmutet, stockt einem schon mal der Atem. Wir sind, was Stunts angeht, ja alle verwöhnt von der amerikanischen Filmindustrie mit deren horrenden Budgets. Ich kann nur sagen, dass ich den Hut ziehe vor dem, was die Stuntcrew bei Cobra 11 leistet. Das ist alles hoch professionell und sieht sehr stark aus.

    Haben Sie sich die vergangenen Episoden von „Alarm für Cobra 11“ eigentlich selbst angesehen?

    Sie meinen, die Folgen in denen ich dabei sein durfte? Selbstverständlich. Ich muss doch überprüfen, ob das aufgegangen ist, was ich versucht habe darzustellen. Die Wahrnehmung während des Spiels, kann nämlich trügen. Außerdem ist man als Schauspieler beim Film auch nur ein Rädchen im Getriebe und von vielem abhängig. Ich kann großartig spielen, aber, wenn z. B. der Kameramann mich schlecht ins Bild setzt, bleibt davon eher wenig übrig. Gar nichts mehr, wenn der Cutter mich rausschneidet, etc. Ein Film ist also immer das Produkt unterschiedlicher Gewerke. Und je besser die ineinandergreifen, harmonieren und für die Geschichte an einem Strang ziehen, desto besser wird der Film. Das kann man aber erst beurteilen, wenn man das Resultat sieht. Also habe ich die Folgen auf DVD gesehen.

    Wir sind gespannt wie es mit Oberstaatsanwalt Sander weitergeht. Ein paar Worte an die „Cobra 11“-Fans im Hinblick auf die kommende Staffel?

    Mit meinem Vertrag habe ich eine Schweigeklausel unterschrieben. Wäre ja auch blöd, wenn ich jetzt schon Interna ausplauderte. Nur so viel: wer meint, wir hätten mit dem Staffelfinale schon den Höhepunkt erreicht, täuscht sich gewaltig! Zu viele Fragen sind offen und bei deren Klärung ist Hochspannung angesagt, das kann ich garantieren. Also unbedingt EINSCHALTEN! Eine Achterbahn der Gefühle erwartet Euch. Viel Vergnügen…

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  • Sehr interessantes Interview! Vielen Dank, dass du es mit uns teilst, Andy!


    Und ich muss sagen, die Rolle des Sander spielt der Herr Herrmann wirklich überzeugend!

    Am Ende gibt es nur zwei Möglichkeiten, aufgeben oder weitermachen.

  • Ein tolles Interview, wie ich finde. Mein Dank geht an Mathias Herrmann dafür, dass er die Fragen so ausführlich beantwortet hat. Für den Sander die perfekte Besetzung!

    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

  • Gutes Interview, vielen Dank dafür!

    Wenn Engel hassen

    Stürzen sie wie Steine aus dem Himmelszelt

    Wenn Engel hassen

    Fliegen sie als dunkle Vögel in die Welt

    Wenn Engel hassen

    Landen sie als schwarzer Schatten der uns quält

    Und nehmen Rache an den Menschen, die gefallen sind

    Wie sie.


    Subway to Sally - Wenn Engel hassen


    <3

  • Vielen Dank, Andreas, dass du dir so viel Mühe gegeben hast, diesen charismatischen Schauspieler zu interviewen! Und ich finde es auch sehr schön, dass er dir und damit uns so ausführlich von seiner Arbeit erzählt hat-war mega interessant!

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