Bens letzter Fall

  • Vernehmung 1


    Alex und Ben saßen sich im Vernehmungszimmer gegenüber, jeder an einer langen Seite des Tisches. An der kurzen Seite hatte Paul Friedrich Platz genommen und schaute auf die Tischplatte. Ben begann mit den Personalien des Festgenommenen. „Sie heißen Paul Friedrich?“ – „Wenn Sie es sagen!“ – „Geboren am 20.10.1981 in Bonn, wohnhaft in Köln, Mühlenstr. 14?“ – „Sie lesen aus meinen Papieren vor? Dann wird es wohl stimmen“ – „Gut, dann kommen wir zum heutigen Tag. Sie befanden sich heute in einem VW Touareg mit dem amtlichen Kennzeichen BG HM 78 auf der Tankstelle Bedburger Land, ist das korrekt?“ – „Wenn Sie das sagen!“ – „Wer war noch mit Ihnen im Auto? Wer ist den Wagen gefahren?“ Paul schwieg. Ben legte nach: „Sie haben den Überfall beobachtet und dann einen Polizeibeamten und einen Augenzeugen verfolgt, gerammt und angegriffen!“ Paul schwieg wieder. „Beantworten Sie meine Frage!“ – „Ich habe keine Frage gehört“ – „OK, dann im Einzelnen: Waren Sie heute auf der Tankstelle Bedburger Land?“ – „Heißt die so? Wir waren an einer Tankstelle an der A 61, den Namen weiß ich nicht“ – Haben Sie die Tankstelle über den Wirtschaftsweg verlassen?“ – „Wir sind gefahren, ja, das ist doch wohl nicht verboten“ – „Wer ist ‚Wir‘?“, versuchte Ben jetzt den Namen zu erfahren. „Finden Sie es selber raus!“ – „Das werden wir! Versprochen!“


    Alex übernahm jetzt die fragende Rolle: „Haben Sie den Wagen unseres Kollegen von der Straße gedrängt?“ Paul schwieg erneut. „Nachdem Sie den Wagen gerammt haben, haben Sie die Insassen mit Pfefferspray lahmgelegt und mit einem Revolver versucht, sie zu töten. Ist das richtig?“ Paul sagte nichts mehr.
    Ben stand auf, öffnete die Tür und rief: „Siggi, Herr Friedrich bleibt noch eine Nacht unser Gast, bringst du ihn bitte weg!“ Siggi führte Paul zurück in die Zelle, und Ben nahm wieder Platz. „Wir machen morgen weiter, vielleicht ist er dann gesprächiger. Der Haftrichter wird ihn nicht laufen lassen. Mordversuch an einem Polizisten mit zwei Polizisten als Augenzeugen, das wiegt zu schwer“.


    König Drosselbart


    ‚Was für ein Glück, dass solche Veranstaltungen nie pünktlich beginnen‘, dachte Semir und betrat die Aula durch die noch offen stehende Tür. Die Plätze waren schon gut gefüllt. Überall standen Gruppen von Eltern, Lehrern und Kindern.


    Semir ließ seine Augen durch den Raum wandern und entdeckte Andrea und Lilly in der dritten Reihe, wo sie zwei Plätze in der Mitte der Sitzreihe ergattert hatten. Er zwängte sich an den Sitznachbarn vorbei, einige standen auch auf, begrüßte kurz einen Bekannten, dessen Tochter mit Ayda befreundet ist und erreichte endlich seine Familie.


    Semir begrüßte Andrea mit einem Kuss, ging vor seiner Tochter in die Knie, nahm sie auf den Arm setzte sich auf den jetzt freien Platz und nahm Lilly auf den Schoß. „Was ist passiert?“, lautete die erste Frage von Andrea, als sie das Pflaster in seinem Gesicht und den mittlerweile deutlich blauen Fleck nebst Beule entdeckte. „Nichts weiter, alles gut“, wiegelte er ab. „Hat Papa Aua?“, fragte jetzt auch Lilly. „Nein, da ist doch ein Pflaster drauf, dann tut es doch nicht mehr weh.“ Einzelheiten zu dem Vorfall am Morgen und insbesondere der knapp verhinderte Angriff auf sein Leben, würde er später Andrea in Ruhe erzählen. „Wie ist dein neuer Partner?“, erkundigte sich jetzt Andrea. Gelegenheit, eine Antwort zu geben, bekam Semir nicht, denn das Licht wurde gedimmt und die Direktorin der Schule trat vor den Vorhang, um das Publikum willkommen zu heißen. „Später“, flüsterte er deshalb nur und schaute nach vorne zur Bühne.


    Nachdem die Schulleiterin die Anwesenden begrüßt, das Engagement freiwilliger Helfer, zum großen Teil aus der Elternschaft, hervorgehoben hatte und kurz auf das Programm und dessen Vorbereitung eingegangen war, begann die Schulaufführung mit dem Schulorchester und dem Chor. Da Ayda das Gesangstalent ihres Vaters geerbt hat, gehörte sie dem Schulchor nicht an, sondern nahm an einer kindgerechten Inszenierung des Märchens „König Drosselbart“ teil. Hier hatte sie sogar die Hauptrolle der Königstochter ergattert.


    Als Lilly ihre Schwester auf der Bühne erkannte, rief sie: „Da Ayda!“ und zeigte mit ihrem Finger auf die Königstochter. Die Reaktion der 3-Jährigen ließ die Zuschauer in ihrer Umgebung kurz auflachen und wurde auch auf der Bühne gehört. Ayda schaute kurz zu ihr hin, stellte zufrieden die Anwesenheit ihres Vaters fest, dessen Ankunft sie nicht mitbekommen hatte, weil sie schon hinter der Bühne beim Umziehen und Schminken war. Die Schwestern lächelten sich an. Dann konzentrierte sich Ayda aber wieder auf das Spiel, und es wurde eine schöne Aufführung.


    Semir ergriff die Hand seiner Frau und lächelte sie an. Er war stolz auf Ayda und fühlte sich endlich mal wieder nur als Vater und Ehemann. Für zwei Stunden konnte er vergessen, dass er heute nur mit Hilfe von Alex und Ben in letzter Sekunde mit dem Leben davon gekommen war.


    Nach Abschluss der Aufführungen, nach dem Märchen kamen noch Artisten, Jongleure und Tänzer, gab es tosenden und lang anhaltenden Applaus. Dann waren Semir und Andrea mit ihren Kindern alleine an einem Tisch in der Schulhalle, wo es noch einen kleinen Imbiss für alle gab. Jetzt fand Semir den richtigen Zeitpunkt für gekommen, holte das kleine Geschenk aus seiner Jacke und überreichte es Ayda mit den Worten: „Das hast du heute so großartig gemacht, und wir finden deine Premiere als Schauspielerin ist schon ein kleines Geschenk wert. Los, pack aus.“ Das ließ Ayda sich nicht zweimal sagen und öffnete das unerwartete Geschenk. In einem kleinen Kasten befand sich eine Lederkette mit einem silbernen Anhänger, einer Platte in Schmetterlingsform, in der ihr Nameeingraviert war und zwei kleine Kristalle eingelassen waren. Sie freute sich sehr und fiel ihrem Vater strahlend um den Hals. „Und was ist mit mir?“, spielte Andrea die Beleidigte und erntete von Ayda eine ebenso stürmische Umarmung. Sie ließ sich die Kette gleich von ihrer Mutter um den Hals legen.


    „Wie ist denn nun dein neuer Partner“, wiederholte Andrea ihre Frage vom Nachmittag während der Autofahrt nach Hause. Semir versicherte sich zunächst, dass die Kinder auf der Rücksitzbank mit sich beschäftigt waren und antwortete dann leise: „Er hat mir heute das Leben gerettet, noch bevor er sich vorstellen konnte.“ Andrea war sprachlos und sah ihrem Mann in die Augen, als sie verkehrsbedingt anhalten musste. „Im Ernst, Andrea, wenn er nicht gewesen wäre, wäre ich jetzt nicht hier.“


    Andrea brauchte noch einen Augenblick, um Semirs Worte zu begreifen, dann sagte sie: „Ich glaube, ich brauche ihn gar nicht mehr kennen zu lernen, dein neuer Partner gefällt mir schon jetzt.“


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    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

  • Entsorgung


    Klaus Bertramm und Ralf (Ralle) Hunkers saßen in ihrem Versteck, einer kleinen Holzhütte am Rande des Königsdorfer Forsts, als der schwarze VW Touareg ihrer Kumpel vorfuhr. Matthias (Matze) Friedrich betrat alleine den Raum. „Wo ist Paul?“, war die erste Frage, die ihm entgegenschlug. „Wo ward ihr mit euren Gedanken? Wie konntet ihr die Masken vor der Flucht runternehmen? Paul hat die Polizei einkassiert. Es kann nicht lange dauern, dann haben die Bullen ihn weichgekocht und wir sind enttarnt.“, konterte Matze hitzig – „Dein Bruder wird schweigen, da bin ich ganz sicher“, versuchte Klaus Matthias zu beschwichtigen. „Und der Zeuge? Wenn der euch bei der Aktion erkannt hat, dann Prost Mahlzeit. Jetzt lasst uns die Wagen verschwinden lassen, danach müssen wir untertauchen. Wir werden uns fürs erste trennen“, bestimmt Matze, der der Kopf dieser kleinen Bande zu sein schien, „die Kennzeichen habt ihr schon ausgetauscht, habe ich gesehen, das ist gut. Wir machen folgendes ….“


    Er unterbreitete seinen beiden Kumpels den Plan.


    Klaus und Ralle fuhren den blauen Sanitärwagen über einen einsamen Waldweg zu einem kleinen Fischteich. Nachdem sie sich sicher waren nicht beobachtet zu werden, schoben sie ihn in das Wasser und sahen zu, wie er versank. Schnell breiteten sich die Seerosenblätter wieder auf der Wasseroberfläche aus. Nichts deutete mehr auf das versunkene Auto hin. Anschließend wanderten sie zurück zu einem einsam gelegenen Parkplatz an der nächsten Straße und entwendeten dort einen dunkelgrünen Opel Corsa, mit dem sie sich schnell vom Ort des Geschehens entfernten. Sie fuhren nach Mönchengladbach, ließen den Wagen auf einem Supermarktparkplatz stehen und fuhren mit der Bahn zurück nach Köln.


    Matthias fuhr mit dem Touareg in eine kleine Werkstatt, um den Schaden am rechten Kotflügel reparieren zu lassen. Er gab den Wagen unter falschem Namen ab, und hatte nicht vor, ihn jemals wieder abzuholen. Dann ließ er sich von einem Taxi nach Hause fahren.


    Montag, 17:30 Uhr


    Anruf


    Das Handy von Karsten Schultz klingelte in der Kunststofftüte, die auf Bens Schreibtisch lag. Alex und er schauten erst sich an, dann auf das Handy. Alex holte das Telefon aus der Tüte, es war kein Name auf dem Display nur eine Kölner Rufnummer. Er ging ran: „Ja? Mit wem spreche ich bitte?“ – „Hier ist das Polizei-Innenstadtrevier von Köln, Jens Jensen am Apparat, spreche ich mit Kalle?“ – „Nein“, antwortete Alex, „hier ist Alex Brandt von der Kripo Autobahn. Warum haben Sie dieses Handy angerufen, Herr Jensen?“


    Die nächsten Minuten schwieg Alex und hörte seinem Kollegen zu. Dann beendete er das Gespräch und legte das Handy langsam zurück zu den anderen Sachen. „Nun sag schon, Alex, wer war das?“, drängte Ben. „Jetzt halt dich fest! Karsten Schultz ist Rauschgift-Zwischenhändler und versorgt die Kleindealer, die die Drogen an Schulen verkaufen“ – „Womit die Frage nach Nebeneinkünften wohl geklärt wäre“, stellte Ben fest.


    Aktenstudium


    Da die Vernehmung von Paul Friedrich, der erste Eindruck der noblen Wohnung und schlussendlich der Anruf der Kollegen vom Innenstadtrevier den Verdacht hinterließen, Karsten Schultz könnte kein reines Zufallsopfer eines Tankstellenüberfalls gewesen sein, sondern ein Mordopfer, welches durch einen Tankstellenüberfall getarnt werden sollte, widmeten sich Alex und Ben den restlichen Nachmittag und frühen Abend dem gründlichen Studium der aus der Wohnung mitgenommenen Akten.


    Gegen 20:00 Uhr beendeten Alex und Ben das Studium der Akten, ergänzt durch Aussagen von Einwohnermeldeamt und Banken und von Recherchen am Polizeicomputer. Wichtige Daten hatten sie auf kleinen Zetteln an ihre Büroscheibe geklebt. Karsten Schultz, das Opfer eines Tankstellenüberfalls, war hier auf die Schlagwörter Leben, Familie, Hobbys, Wohnung, Auto, Rothe Security, Freunde, Rauschgift und Konten reduziert.




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    Vom papierlosen Büro scheinen unsere Helden wohl noch weit entfernt zu sein, dabei kann ein Computer doch alles ersetzen, oder?


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    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

  • Bruder


    Susanne steckte ihren Kopf in das Büro der beiden Hauptkommissare und teilte ihnen mit: „Ich habe etwas gefunden!“ Sie gab Ben einen Papierausdruck und fuhr fort: „Matthias Friedrich, genannt Matze, der Bruder von Paul. Er ist polizeilich bekannt, saß schon wegen Einbruch, Diebstahl und mehrerer Drogendelike in der JVA Düsseldorf. Der Rest der Familie scheint sauber zu sein, soweit ich bislang ermitteln konnte.“


    „Hast du eine Adresse für uns?“ – „Die steht auf dem Ausdruck, Hauptstraße 23 in Langenfeld. Ob die allerdings aktuell ist ….“ – „… werden wir jetzt rausfinden“, fiel Ben der Sekretärin ins Wort, „Danke Susanne, du solltest dann jetzt auch Feierabend machen. Wir sind auch gleich weg.“


    Susanne verließ das Büro, schaltete ihren Rechner aus, nahm ihre Jacke, verabschiedete sich von Siggi, der Nachtschicht hatte, und verließ die PAST.


    „Auf nach Langenfeld“, bestimmte Alex. „Ich rufe Semir aus dem Auto aus an. Er wird sicher schon sehnsüchtig auf Informationen warten. Das spart uns morgen früh auch Zeit.“, meinte Ben, griff sich seine Lederjacke und verließ mit Alex die Dienststelle. Mit Hilfe der Fernbedienung öffnete er die Türen des Mercedes. „Moment!“, sagte Alex plötzlich, „wenn Matthias Friedrich wirklich der Fahrer des Touareg ist, dann kennt er deinen Wagen. Es wäre ungeschickt, damit vor seiner Wohnung aufzukreuzen.“ Ben nickte. Alex hatte Recht, daran hatte er selbst gar nicht gedacht. „Wir nehmen mein Auto, der ist unauffällig“, sprach Alex weiter und ging bereits auf einen schwarzen Ford Focus mit Münsteraner Kennzeichen zu. „Du hast ihn noch nicht umgemeldet?“; fragte Ben mit Blick auf das Nummernschild MS – AB 128. „Wie du siehst …“, bestätigte Alex und fügte hinzu: „ich bin auch noch auf Wohnungssuche“


    Ben kramte sein Handy hervor und wählte die Kurzwahltaste, um seinen Partner anzurufen.


    Montag, 20:00 Uhr


    Zusammenfassung


    Nach sehnsüchtigem Warten auf Informationen sah es bei Semir nicht aus. Er lag auf der Couch und hatte seinen Kopf auf den Schoß seiner Frau gebettet, mit geschlossenen Augen war er dem Einschlafen nah. Die Kinder waren im Bett und schliefen, jetzt wollte er noch den gemeinsamen Abend mit Andrea genießen. Das Telefon klingelte, zwar nicht unerwartet, aber trotzdem unpassend. Semir kam langsam zu sich, rappelte sich in eine sitzende Position auf und griff zu seinem Handy, das auf dem Couchtisch lag.


    „Ja, Gerkan“, meldete sich Semir müde und ging mit dem Handy am Ohr zur Terrassentür. „Hallo Partner, wie war dein Familientag?“ – „Bis jetzt gut, Ben, ich glaube, das mache ich jetzt jeden Tag“ – „Ich werde dich morgen daran erinnern“, versprach Ben, kam dann aber zur Sache „Ich wollte dir nur noch kurz mitteilen, was wir herausgefunden haben.“ – „Dann lass dich nicht aufhalten, Ben, schieß los“.


    Ben holte tief Luft und fasste zusammen:


    „Also, der Pfeffersprayer heißt Paul Friedrich, bislang ein unbeschriebenes Blatt, ist nicht im Computer gespeichert. Er behauptet, er wäre zu deinem Wagen gelaufen, um Erste Hilfe zu leisten. Eine Behauptung, die wir schnell widerlegen konnten, schließlich hat er eine ganze Dose Pfefferspray entleert und gab noch einen Schuss aus seinem Revolver ab. Ach übrigens, wie geht es deinen Augen, alles wieder klar?“


    „Ja, alles gut, mein Kopf brummt etwas, aber nicht der Rede wert, weiter, was hat er noch gesagt?“


    „Ansonsten hat er sich ausgeschwiegen und kein Wort mehr mit uns gesprochen. Susanne hat seine Familie überprüft. Und ist eben fündig geworden. Paul hat einen Bruder, Matthias, zwei Jahre älter als Paul, der hat schon in der JVA Düsseldorf gesessen wegen mehrerer Delikte. In den letzten drei Jahren sauber. Wir sind auf dem Weg zu seiner letzten Adresse. Vielleicht ist er der Fahrer des Touareg. Der und auch der Sanitärwagen sind übrigens noch nicht wieder aufgetaucht“


    „Soll ich mitkommen?“, fragte Semir, „braucht ihr Unterstützung?“ – „Nein, wir sind ja zu zweit“ – „Aber du rufst an, wenn du Hilfe brauchst“ Es gefiel Semir gar nicht, sich aus dem Fall heraushalten zu sollen. „Ich bin mir sicher, dass heute nicht viel passiert. War er an der Tat beteiligt, wäre es schön doof von ihm, zuhause zu sitzen, jetzt, wo wir seinen Bruder hier haben, und ist er nicht beteiligt, ist unser Besuch harmlos. Aber wir werden ihn etwas beschatten. Bleib du lieber bei Andrea“ – „Na gut, das bekommt ihr wohl hin. Was gibt es sonst? Ist schon ein Phantombild aus dem Krankenhaus gekommen?“


    „Nein, Peter Wiese war bislang noch nicht in der Lage, viel zu erzählen, er hat wohl doch schwerere Verletzungen als zunächst angenommen. Der Zeichner wird ihn morgen früh noch mal aufsuchen.“


    „Habt ihr die Unterlagen von Karsten Schultz durchgearbeitet? Habt ihr was herausgefunden?“


    „Ja, er ist am 29.01.1979 in Bremen geboren, Vater vor drei Jahren verstorben, Mutter lebt noch da. Susanne hat sie ausfindig machen können und unsere Kollegen aus Bremen hingeschickt. Sie hatte wohl zuletzt Weihnachten vor zwei Jahren Kontakt zu ihrem Sohn. Die Nachricht hat sie recht gefasst aufgenommen, sie wird noch im Laufe dieser Woche herkommen und sich um Beerdigung und Nachlass kümmern. Eine eigene Familie hatte Schultz nicht. Die Wohnung ist übrigens seine eigene, fast abbezahlt, er hat jetzt nur noch eine monatliche Rate in Höhe von 790 Euro zu bezahlen und hätte nächstes Jahr die letzte Rateentrichtet. Neben dem dunkelblauen Astra, der mittlerweile in der KTU ist, gehört ihm auch noch ein Porsche, der in der Tiefgarage steht. Die Arbeit bei Rothe Security ist wohl der eigentliche Nebenjob. Schultz handelt mit Rauschgift und versorgt die Kleindealer vor den Schulen. Das haben wir durch einen Zufall erfahren. Einer seiner Abnehmer ist heute in der Innenstadt geschnappt worden und hat Schultz‘ Handynummer als Lieferant angegeben. So haben die Kollegen uns angerufen, da das Handy ja bei mir auf dem Schreibtisch lag. Schultz hat mehrere Konten, unter anderem ein Sparkonto mit einem aktuellen Bestand von 80.000 Euro.“


    „Da ward ihr ja richtig fleißig. Ich bin beeindruckt! Holst du mich morgen früh ab? Du weißt, ich bin gerade nicht so richtig motorisiert“ – „Geht klar, Um 8:00 Uhr stehe ich vor der Tür, lass dich noch gut pflegen, damit du fit bist, ich habe das Gefühl, wir bekommen eine Menge Arbeit.“ – „Mach ich, Ciao Ciao“.


    Semir ging zurück zum Couchtisch, legte das Handy auf die Glasfläche und sich selbst wieder auf das Sofa. Nachdem er seinen verlassenen Platz wieder eingenommen hatte, murmelte er leise lächelnd: „Ich muss wohl leider heute hierbleiben“ und schloss wieder seine Augen.

    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

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  • Montag, 21:00 Uhr


    Langenfeld


    Alex und Ben waren an der angegebenen Adresse in Langenfeld angekommen. Sie fanden sich vor einem dreistöckigen Wohnblock wieder, der sechs Wohneinheiten beherbergte. Sie parkten Alex‘ Wagen und näherten sich dem Gebäude. Ein Blick auf das Klingelschild verriet ihnen, dass ein „M. Friedrich“ im Erdgeschoss rechts wohnte. Sie nickten sich zu. Alex gab Ben mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er sich auf die Rückseite des Mietshauses begeben wolle, um mögliche Fluchtwege zu erkennen.


    Ben klingelte bei einer Bewohnerin der obersten Etage, deren Stimme kurz darauf über die Wechselsprechanlage zu hören war: „Ja? Wer ist da?“ – „Jäger. Kriminalpolizei“, meldete sich Ben leise aber bestimmt, „Öffnen Sie mir bitte die Haustür und bleiben Sie in Ihrer Wohnung. Das ist ein Polizeieinsatz!“ Es knackte in der Leitung, dann ertönte der Türsummer und Ben stand im Treppenhaus. Er ging leise die drei Stufen zu den Wohnungseingängen des Erdgeschosses hoch und wandte sich der rechten Wohnungstür zu. Auch hier stand „M. Friedrich“ in derselben Schrift, wie außen auf den Klingelknöpfen. Ben lauschte und hörte Geräusche aus der Wohnung. Ein Mann schien zu telefonieren, verstehen konnte Ben kein Wort, aber die Redepausen schlossen die Anwesenheit eines Gesprächspartners aus. Er lockerte für alle Fälle seine Waffe im Holster und betätigte den Klingelknopf.


    Alex umrundete die Hausecke und stand vor der hinteren Hauswand des Wohnblocks. Zu jeder Wohnung gehörte ein Balkon, der des Erdgeschosses befand sich etwa einen Meter über dem Rasen. Umgeben war der Balkon von einer Brüstung aus Edelstahl, diese etwa 80 cm hoch. In der Wohnung von Matthias Friedrich brannte Licht. Alex konnte einen großen, dunkelhaarigen Mann sportlichen Körperbaus erkennen, der im Zimmer hin und her ging und sich dabei ein Telefon ans Ohr hielt. Plötzlich hielt dieser inne und blieb stehen. Er kehrte der Balkontür den Rücken zu und blickte in seine Wohnung hinein, dorthin, wo sich Flur und Wohnungstür befanden.


    Ben wiederholte den Klingelvorgang, diesmal unterstützt durch kräftiges Klopfen an der Tür. „Polizei! Machen Sie die Tür auf. Wir wissen, dass Sie da sind!“, forderte er. Er hörte ein Poltern wie von einem umgestürzten Möbelstück und entschied sich zum Handeln. Zwei Schritte rückwärts, dann ein Vorschnellen und ein gezielter Tritt – die Tür prallte an der Wand des Flurs ab und wäre wieder zugefallen, hätte Ben nicht mittlerweile die Türöffnung durchschritten.


    Alex sah, wie Leben in den für einige Sekunden reglos dastehenden Mann kam, dieser drehte sich um, stieß einen Stuhl zur Seite, der gegen den Wohnzimmerschrank fiel und bewegte sich auf die Balkontür zu. Die Brüstung hatte er schon überklettert und war auf den Rasen gesprungen, als Alex auch Ben in der Wohnung erblickte. Während dieser den Balkon mit einem eleganten Sprung verließ und sich auf dem Rasen abrollte, lief Matthias Friedrich direkt auf Alex zu, der hinter dem Betonbehälter für die Mülltonnen im Dunkeln lauerte.


    Jetzt trat er mit gezogener Waffe hervor und warnte den Flüchtenden: „Stehen bleiben! Polizei!“ Unbeeindruckt von diesem Befehl lief dieser weiter in Richtung der Büsche, die das Grundstück zum dahinter liegenden Park abgrenzten. Alex gab einen Warnschuss ab und wiederholte seinen Befehl, während Ben und er den Wegrennenden verfolgten. Plötzlich drehte sich Friedrich um und schoss nun seinerseits mehrfach auf die Verfolger. „Aaahhh, verdammt!“, fluchte Alex, als er merkte, dass eine Kugel seinen Oberarm streifte. Ben war nur kurze Zeit abgelenkt, als er zu seinem Kollegen sah, der sich den linken Arm hielt, aber dieser Augenblick reichte Friedrich zur Flucht. In der Dunkelheit des Parks war keine Menschenseele mehr auszumachen. Ben kümmerte sich um Alex. „Nur ein Streifschuss“, teilte dieser ihm mit. Blut hatte sich bereits den Weg bis zu seiner Hand gebahnt und tropfte auf seine Jeans.


    „Wir brechen ab“, bestimmte Ben und holte sein Handy hervor. „Siggi, Hallo? Gibst du bitte eine Fahndung raus nach Matthias Friedrich, 1,90 m groß, schlank, sportlich, dunkelhaarig, wohnhaft in Langenfeld, Hauptstr. 23, er ist uns entkommen. Und dann schick doch bitte ein Observierungsteam zu dieser Adresse, sie sollen die Wohnung im Auge behalten – Ja, wir warten hier und machen dann für heute Schluss“, gab er kurze Instruktionen an die Dienststelle durch.


    Nachdem sie das Observierungsteam in Empfang genommen und den Kollegen kurz erzählt hatten, was vorgefallen war, fuhr Ben mit Alex in das nächstgelegene Krankenhaus, um dessen Wunde versorgen zu lassen. Anschließend brachte Alex Ben zur PAST zurück, wo der Mercedes stand, und fuhr selbst in seine Wohnung in Köln Ehrenfeld.


    Alex


    Was für ein Tag! Von wegen Geschwindigkeitskontrollen, Routineüberprüfungen, stundenlanges Nebeneinanderherfahren mit anschließendem Berichtsmarathon, wie seine Kollegen in Münster ihm gerne seine Entscheidung für die Autobahnpolizei haben madig machen wollen. Stattdessen fand er sich schon an seinem ersten Arbeitstag mitten in einem Kriminalfall wieder, der von Raub, Mord, Mordversuch bis zur Flucht eines Verdächtigen alles bot, und angeschossen wurde er auch. In den letzten 14 Stunden ist mehr passiert als in Münster im ganzen letzten Monat.


    Alex betrat den kleinen Gästetrakt in seinem Elternhaus durch einen Seiteneingang, ging in die Küche und öffnete den Kühlschrank. „Oh Mist!“, war seine Reaktion, als ihn gähnende Leere erwartete, „ich habe vergessen einzukaufen“ Er überlegte nicht lange und bestellte sich eine Pizza und zwei Bier bei einem Lieferdienst. Morgen früh würde er einkaufen gehen, noch vor Dienstbeginn, denn wie lange der Tag würde, ließ sich nun wirklich nicht vorhersagen.


    Die Lieferzeit verbrachte er auf dem Sofa und dachte an seine neuen Kollegen, die er heute kennenlernen durfte.


    Die Chefin Kim Krüger, freundlich aber auch etwas unnahbar und nach so kurzer Zeit überhaupt noch nicht einzuschätzen, Susanne, kompetent, was die Ermittlung am Computer betraf, Ben, sein heutiger Partner, der nur noch bis Donnerstag dabei sein würde, mit ihm hätte der Job Alex auch gefallen und Semir, heute mehr Familienvater als Polizist. Semir und Ben waren ein eingespieltes Team, das konnte er heute spüren, beide passten aufeinander auf. Alex nahm sich vor, ein guter Nachfolger von Ben zu werden und Semir das Gefühl zu geben, sich auch auf ihn verlassen zu können. Ob der Umstand, dass er heute Morgen gerade noch rechtzeitig vor Ort war, um Paul Friedrich davon abzuhalten, seinen zukünftigen Partner zu erschießen, ihm dabei behilflich war?


    Es klingelte an der Tür, die Pizzalieferung brachte Alex aus seinen Gedanken. Nach dem Essen, es war mittlerweile fast Mitternacht, legte er sich ins Bett und stellte seinen Wecker auf 6:30 Uhr.

    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

  • Dienstag, 07:40 Uhr


    Chocolate


    Semir saß alleine am Frühstückstisch und schenkte sich noch einen Becher Kaffee ein, als es an der Tür klingelte. Er blickte auf die Armbanduhr, zwanzig vor acht. „Du bist zu früh, Ben“, begrüßte er seinen Freund, „komm rein und trink noch einen Kaffee. Bist du aus dem Bett gefallen?“ Semir ging zurück in die Küche, gefolgt von Ben. „Oder wolltest du noch einen letzten positiven Eindruck hinterlassen?“


    „Matthias Friedrich ist uns gestern Abend noch entwischt, und er hat Alex angeschossen. Keine Sorge, ist nur ein Streifschuss. Das ist wohl der Beweis, dass er in der Sache mit drinsteckt. Was ich mich nur die ganze Zeit über frage, ist: Wo ist das Motiv? Warum musste Karsten Schultz sterben? Warum nehmen die Täter den Tod von Zeugen und Polizisten in Kauf?“, fasste Ben kurz seine Gedanken zusammen, während er sich einen Becher aus dem Küchenschrank fischte und mit Kaffee füllte.


    „Sind Andrea und die Prinzessinnen schon aus dem Haus?“ – „Ja, gerade eben. Zwischen halb acht und acht ist die einzige halbe Stunde am Tag, die ich mit mir alleine sein kann.“ – „Und jetzt unterbreche ich diese Routine mit meiner Unpünktlichkeit, Sorry dafür. Nächstes Mal bin ich lieber wieder zu spät.“ – „Wird es denn ein nächstes Mal geben?“


    Diese Frage ließen beide im Raum hängen. Dann stand Semir auf, stellte die Becher in die Spülmaschine, zog seine Stiefel und Jacke an und verließ mit Ben das Haus, um zur PAST zu fahren.


    Alex saß bereits in ihrem Büro und beschäftigte sich noch einmal mit den Akten von Karsten Schultz, irgendwo musste es doch eine Verbindung der Beteiligten geben. Er sah auf, als die Hauptkommissare eintraten. „Guten Morgen, Alex, wie geht es deinem Arm?“, begrüßte Semir seinen neuen Partner. „Tut kaum weh, wenn ich den Arm nicht berühre, ich glaube, ich werde es überleben“ – „Heute schon was entdeckt?“, fragte Ben mit einem Seitenblick auf die Akten. „Nein, habe aber auch gerade erst angefangen. Warum haben die Karsten Schultz erschossen? Gut, er handelte mit Drogen, da können sich Motive verbergen. Wir wissen einfach noch zu wenig über Matze und Paul Friedrich“, sagte Alex.
    „Den Paul werde ich mir gleich noch vorknöpfen, wann kommt der Haftrichter?“, mischte sich nun Semir ein, „es kann nicht sein, dass der sich hier ausschweigt“


    „Semir, kommst du mal kurz?“, ein grinsender Dieter schaute durch die Bürotür, „und ihr anderen auch. Kurz auf den Hof?“ – „Was ist denn, Dieter? Wir haben keine Zeit für deine Späße“ – „Das solltet ihr euch aber ansehen.“ Die Kollegen gingen gemeinsam auf den Parkplatz und standen von einem wunderschönen BMW X1 in BRAUN. „Oh nein, wer kommt denn auf die Idee, so einen schönen Wagen in dieser Farbe zu lackieren?“, war die einhellige Meinung der Polizisten. „Der Hersteller nennt die Farbe chocolate“, erklärte Dieter Bonrath. „Na, da fällt mir aber spontan eine ganz andere Bezeichnung ein“, reagierte Semir lachend. „Und da sich die Bestellung deines neuen Dienstwagens aufgrund des anstehenden Modellwechsels noch etwas hinziehen wird, Semir“, fuhr Dieter fort, „wirst du die Ehre haben, dieses schicke Modell in der Zwischenzeit fahren zu dürfen“ Er überreichte seinem sprachlosen Kollegen, dem jetzt nicht mehr zum Lachen zumute war,einen Autoschlüssel. „Das, das“, stotterte dieser, „ist nicht dein Ernst, das ist doch sch…“– „…okoladig…“, setzte Ben Semirs Satz fort. Dieter, Ben und Alex konnten ihre Schadenfreude nicht verbergen.


    Auf dem Weg zurück in das Gebäude der PAST, sagte Semir, an Ben gewandt: „Ich werde diesen Wagen ganz sicher nicht schonen!“


    Aufgetaucht


    Spaziergängern fiel als erstes der Ölfilm auf, der den kleinen Fischteich bedeckte. Das ältere Ehepaar ging hier jeden Tag mit seinem Hund spazieren und verweilte vor dem Teich, auf dessen Oberfläche sich das Sonnenlicht in alle Regenbogenfarben brach. „Da hat doch jemand Altöl entsorgt“, lautete der Verdacht des Mannes, und er alarmierte die Polizei.


    Eine knappe Stunde später zog ein Kran den blauen Kastenwagen mit der großen Aufschrift „Sanitär und mehr“, in kleinen Buchstaben einer anderen Schriftart darunter „Kleine& Co – kein Griff ins Klo“, aus dem Fischteich.


    Schnell konnte die Verbindung zum aktuellen Fall der Kripo Autobahn hergestellt werden, und der Wagen wurde in die KTU gebracht, wo Hartmut sich auf Spurensuche begab.

    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

  • Vernehmung 2


    Semir betrat den Vernehmungsraum, in dem Paul Friedrich bereits auf demselben Platz saß wie am Vortag und setzte sich ihm gegenüber an den Tisch. Minutenlang blickte er ihn an, was Paul sichtlich verunsicherte. „Wissen Sie, was ich lieber täte, als mich mit Ihnen zu unterhalten?“, begann Semir, „Sie können von Glück reden, dass Sie durch die Strafgesetze geschützt werden“ Paul zuckte mit den Schultern.


    „Sie haben gestern in der ersten Vernehmung wenig gesagt, stattdessen viel geschwiegen. Haben Sie sich über Nacht überlegt, heute mehr zu sagen?“ Paul schüttelte mit dem Kopf. „In zwei Stunden kommen Sie vor den Haftrichter. Ihr Schweigen werten wir als Zustimmung. Unsere Vorwürfe entsprechen also den Tatsachen. Sie werden die nächsten Jahre hinter Gittern verbringen. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass der Richter es anerkennen würde, wären Sie geständig und lieferten uns vollständige Angaben und Namen.“, versuchte Semir ihn zu einer Aussage zu bewegen. Paul schien seine Möglichkeiten abzuwägen. „Wie könnte diese Anerkennung aussehen?“, fragteer nach. „Hmm, Hafterleichterung, vielleicht Freigang bis zur Verhandlung, da gibt es so einiges, hängt natürlich von Ihrer Kooperation ab. Wir würden mit dem Staatsanwalt sprechen“


    Paul grübelte. Sollte er Matze, Klaus und Ralf verraten? Vielleicht sogar den Boss nennen? Er entschloss sich, die Fragen abzuwarten. „Fragen Sie!“


    „Wollen Sie einen Anwalt? Gestern hatten Sie verneint“ – „Nein, auch heute nicht“ – „OK, ist Matthias Ihr Bruder?“ – „Woher …?“ – „Beantworten Sie bitte meine Fragen nicht mit einer Gegenfrage. Ist Matthias Ihr Bruder?“ – „Ja, Matze ist mein Bruder“ – „Wissen Sie, wo wir ihn finden können?“ Paul zuckte mit seinen Schultern. „Ich höre“, drängte Semir. „Ist er gestern den Touareg gefahren?“ – „Ja“, kam es leise von Paul. „Wo finden wir Ihren Bruder, Herr Friedrich?“ – „Ich weiß es wirklich nicht, in seiner Wohnung?“ – „Sonstige Möglichkeiten? Arbeitsstelle?“ – „Matze geht nicht arbeiten.“ – „Wer hat Karsten Schultz getötet?“ – „Das möchte ich nicht sagen“


    „Ist der Mörder oder der Auftraggeber es wert, dass Sie ihn decken?“, fragte Semir. „Mein Leben ist nichts mehr wert, wenn ich ihn verrate“ Paul stand die Angst im Gesicht. „Wir können Sie schützen, wenn Sie uns die Namen sagen“ – „Glauben Sie mir, Herr Gerkan, vor ihm können Sie und der ganze Polizeiapparat mich nicht schützen.“


    Dienstag, 11:00 Uhr


    Fingerabdrücke


    Ben war nach dem ersten Klingeln am Telefon. „Hartmut, was hast du für uns?“, fragteer den Kriminaltechniker, als er dessen Namen auf dem Display las. „Ben, ich habe den Sanitärwagen überprüft und mehrere Fingerabdrücke nehmen können. Zwei sind in unserer Kartei gespeichert, ich schicke dir die Daten rüber.“ – „Danke Hartmut“, sagte Ben und legte auf. Er öffnete die Dateien, die Hartmut ihm geschickte hatte.


    Nummer 1: Ralf Hunkers, 02.03.1978, wohnhaft in Köln, schwere Körperverletzung, Handel mit Rauschgift, räuberische Erpressung, derzeit auf Bewährung


    Nummer 2: Klaus Bertramm, 15.06.1980, wohnhaft in Brühl, Körperverletzung mit Todesfolge, Einbruchdiebstahl, seit 4 Monaten auf freiem Fuß


    „Gut, ergänzen wir Paul und Matthias Friedrich, dann haben wir jetzt vier Namen“, erklärte Ben. „Vier Verbrecher, eine Beute von 1.600 Euro, ein Mord, ich bitte dich Ben, da muss mehr hinter stecken. Das kann nicht alles sein“, entgegnete Alex.


    Ben druckte die Dateien aus und wollte sie gerade Semir in das Vernehmungszimmer bringen, da erschien Thomas Schuhmann in seinem und Alex‘ Büro. Unterm Arm den Laptop. „Ich komme gerade aus dem Krankenhaus. Peter Wiese hat eindeutig einen Täter auf einem Foto erkannt und den anderen ganz passabel beschrieben, hier …“, er klappte den Laptop auf und das Foto von Ralf Hunkers erschien, dann zeigteer Ben und Alex das angefertigte Phantombild. Die Ähnlichkeit mit dem Foto von Klaus Bertramm war zwar nicht verblüffend, aber die Beamten waren sich einig, nun die Tankstellenräuber und Wachmannmörder zu kennen.


    „Und Herr Bonrath und Frau Dorn möchten gerne abgelöst werde, sie haben die ganze Nacht im Krankenhaus verbracht und nur wenig Schlaf bekommen, soll ich ausrichten“ – „Alles klar, ich schicke Erik wieder hin.“


    Die Namen der Typen hatten sie, jetzt mussten sie sie nur noch finden.


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    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

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  • Konfrontation


    Konfrontiert mit den Fotos und Namen seiner Komplizen, knickte Paul Friedrich ein. Er sah keine Möglichkeit, sich aus der Geschichte rauszureden. „Sie müssen mir versprechen, dass ich hierbleiben kann, bis Sie auch den Petersen haben.“, sagte er Semir ins Gesicht. „Wer ist Petersen? Erzählen Sie und lassen Sie nichts aus.“


    Ben und Alex hatten jetzt auch Platz genommen. Paul Friedrich sortierte im Geiste seine Sätze und begann zu erzählen:


    „Markus Petersen ist einer der größten Autoimporteure Deutschlands, das ist bekannt. Was aber wohl keiner weiß, ist, dass er neben Autos auch Drogen aus Afghanistan, Südamerika und der Karibik ins Land holt. Wieer das genau macht, weiß ist nicht, nur sind die Autos, Neuwagen aus Japan, wenn sie hier entladen werden teilweise gut gefüllt mit Rauschgift, Kokain, Heroin, Ecstasy, alles was auf dem Markt gefragt ist. Er verkauft den Stoff weiter an ein kompliziertes Netz von Zwischenhändlern, dabei macht er etwa 30 Millionen Euro Gewinn pro Jahr. Für ihn arbeitet ein Dutzend Typen, die auch vor Mord nicht zurückschrecken, so hält er seine Firma sauber. Einer davon ist mein Bruder. Einer der größeren Abnehmer war Karsten Schultz. Von ihm bekamen Kleindealer Nachschub, um ihn in Diskotheken, vor Schulen usw. an die Endabnehmer zu verkaufen, Klaus und Ralle sind solche Kleindealer.“


    „Und Andreas Hohwacht auch?“ – „Ja, woher kennen Sie den?“ – „Kommissar Zufall, er ist gestern in der Innenstadt festgenommen worden und hat Karsten Schultz als Lieferanten genannt. Jetzt erzählen Sie weiter.“ Paul räusperte sich und fuhr fort:


    „Karsten Schultz hat vor einiger Zeitein Telefonat von Markus Petersen mit seinem Geschäftspartner in Kolumbien belauscht. Er hat selbst Kontakt zu diesem aufgenommen und ihm günstigere Konditionen geboten, wenn er ihn direkt beliefern würde. Das hat natürlich Petersen nicht gefallen, als er dahinter kam. Er lässt sich nicht seine Lieferanten wegnehmen. So hat er meinen Bruder beauftragt, Karsten Schultz zu liquidieren und dessen Position als Zwischenhändler neu zu besetzen. Matze hat die Aufgabe an Klaus und Ralle gegeben, sie sollten Karsten Schultz aus dem Weg räumen und selber an dessen Stelle gesetzt werden. Das hätte eine deutliche Umsatzsteigerung für die beiden bedeutet, auch wenn sie sich diese zu zweit hätten teilen müssen, außerdem sollte jeder von ihnen 50.000 Euro erhalten, wenn die Beseitigung gelänge, ohne dass die Polizei im Drogenmilieu herumschnüffelt. Scheitern war für ihn keine Option.“


    „Auf die 50.000 Euro werden Klaus Bertramm und Ralf Hunkers jetzt wohl verzichten müssen“, stellte Ben trocken fest, „und wie passen Sie in diese Geschichte?“


    „Ich helfe meinem Bruder ab und zu. Als Verkäufer verdiene ich nicht viel, da bin froh, wenn ich für kleinere Dienste etwas dazuverdienen kann.“


    „Als ‚kleinen Dienst‘ würde ich einen Doppelmord nun nicht gerade bezeichnen. Was hätten Sie dafür bekommen, wenn er Ihnen gelungen wäre?“, wollte Semir wissen und schüttelte sich innerlich bei der Erinnerung an der beinahe letzten Minute seines Lebens. „Keine Ahnung, das war ja nicht geplant“ - „Jetzt verraten Sie uns noch, wo wir die Typen und Ihren Bruder finden. Markus Petersen werden wir suchen und finden“


    „Klaus und Ralle haben eine Waldhütte im Königsdorfer Forst, ich kann Ihnen den Ort auf einer Karte zeigen, Adresse weiß ich nicht. Wo Matze ist, weiß ich nicht, vielleicht ist er auch dort?“


    Markus Petersen


    Susanne bekam den Auftrag, alles Mögliche über Markus Petersen herauszufinden und machte sich gleich an die Arbeit. Sie versprach, sich sofort bei den Kommissaren zu melden, sobald sie etwas gefunden hätte.

    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

  • Dienstag, 14:00


    Königsdorfer Forst


    Anhand der von Paul Friedrich eingezeichneten Stelle auf der Karte fuhren Ben, Alex und Semir mit zwei Wagen in den Königsdorfer Forst. Dabei fuhr Alex den „schokoladenbraunen“ BMW, während Semir die Karte auf dem Schoß prüfte und ihn über die schmalen Landstraßen dirigierte. Ben folgte ihnen in seinem Mercedes.


    Sie stellten die Wagen in sicherer Entfernung zur Waldhütte, dem mutmaßlichen Versteck der Tankstellenräuber und Mörder, ab und schlichen in einem großen Bogen um das Häuschen herum, um sich von der Waldseite dem Gebäude zu nähern.


    Hinter dem Haus stand ein dunkelroter VW Golf älteren Baujahres, durch zwei Fenster schien Licht aus der Hütte nach draußen, selbst zu dieser Tageszeit lag diese Seite aufgrund der Nähe zum Wald in einem Halbdunkel, welches Beleuchtung im Inneren erforderlich machte.


    Semir deutete mit einer Handbewegung an, sich dem Haus nähern zu wollen. So rannten sie geduckt zur hinteren Hauswand. Ben stand links neben dem linken, Semir und Alex rechts und links neben dem rechten Fenster. Mit dem Rücken an die Wand gepresst, warteten sie etwa eine halbe Minute ab, ob ihre Annäherung unbemerkt geblieben war. Leise Geräusche und Gesprächsfetzen drangen nach draußen, eine Änderung in Lautstärke oder Rhythmus war aber nicht auszumachen. Niemand schien den Auftritt der Polizisten bemerkt zu haben.
    Blitzschnell schaute Semir durch das Fenster und duckte sich wieder zurück. Das war notwendig, um einen Überblick über die Situation in der Waldhütte zu erhalten, aber auch riskant, hätte doch einer der Bewohner in dem Moment seine Augen Richtung Fenster wenden können. Dann wären sie bemerkt worden. Aber die zwei, die drinnen am Tisch saßen und aßen, schauten lediglich auf ihre Teller und waren augenscheinlich in ein Gespräch vertieft. Semir formte mit seinen Lippen, zu Ben und Alex gewandt, ein lautloses „Zwei!“, unterstützt durch zwei gehobene Finger und erhielt ein Nicken der beiden als Antwort.


    Das sollte für drei ausgebildete Polizeibeamten kein größeres Problem darstellen, war doch der Überraschungsmoment immer noch auf ihrer Seite. Sie schlichen an den Seitenwänden weiter in Richtung Eingang. Dann geschah das Unfassbare. Alex hatte sich umgedreht, um seinen Rücken zu sichern, ging dabei einige Schritte rückwärts und stieß mit dem Fuß gegen einen Aluminium-Eimer, der an der Hauswand stand und in dem sich einige Gartengeräte befanden.


    Das scheppernde Geräusch, welches das Metall verursachte, ließ Klaus und Ralle von ihrem Essen aufschrecken. Im Nu waren sie vom Tisch aufgestanden und hatten ihre Waffen in den Händen. Klaus schritt zum Fenster und öffnete es, hinter dem Haus war niemand zu sehen. „Vorne“, flüsterte er seinem Kumpel zu und deutete in Richtung Tür. Ralle ging zur Eingangstür und riss diese auf, um im selben Moment von Ben umgerannt zu werden, der gerade die Tür mit einem beherzten Fußtritt auftreten wollte. Ben kam kurz ins Straucheln, fing sich aber gleich wieder und stürzte sich auf Ralle. Ein Zweikampf begann, Ralle wehrte sich.


    Alex und Semir, die kurz hinter Ben in die Hütte stürmten, sahen noch Klaus durch das Fenster verschwinden und auf den Golf zu rennen. Alex sprang hinterher, während Semir Ben half, Ralle zu überwältigen und mit den Handschellen zu fesseln. Er dachte noch, was sie bloß für Anfänger wären, bei drei Leuten hätte auch einer hinter dem Haus bleiben und die Fenster im Auge behalten können.


    Klaus startete den Golf, Alex konnte gerade noch zur Seite springen und so verhindern von dem Wagen erfasst zu werden. ‚Hätten wir die Autos bloß nicht so weit weg geparkt‘, dachte er noch, als er zum Spurt in Richtung der Dienstwagen ansetzte. Als er mit dem BMW zurückkam, standen Ben und Semir bereits mit dem Festgenommenen vor der Waldhütte. Ben nickte Semir kurz zu, auch ohne Worte verstanden sich die beiden langjährigen Partner. Semir stieg zu Alex in den BMW und nahm gemeinsam mit diesem die Verfolgung des VW Golf auf, Ben würde Ralle in seinen Mercedes verfrachten und zur PAST bringen.


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  • Autoverfolgung


    Von der Waldhütte bis zur nächsten Hauptstraße gab es nur einen Weg. Es galt, auf diesen acht Kilometern dem Entflohenen so nahe zu kommen, dass sie zumindest die Richtung erfahren würden, in die Klaus abbog. So gab Alex Gas. Der schlechte Zustand der Straße führte dazu, dass Semir und er mächtig durchgeschüttelt wurden.


    Endlich kamen die Bremsleuchten des Golfs in Sicht, und sie näherten sich dem Flüchtenden. Ein Überholen war auf diesem schmalen Weg keine Option und so blieben sieeinfach hinter ihm. Durch das Schütteln war auch das Schießen auf die Reifen ein aussichtsloses Unterfangen, so sparte Semir seine Munition und steckte seine schon gezogene Waffe wieder weg.


    An der Hauptstraße bog der Golf ohne Rücksicht auf den vorfahrtsberechtigten Verkehr nach links ab. Nur Vollbremsungen anderer Verkehrsteilnehmer sorgten dafür, dass kein Unfall geschah. Als die Einfahrt frei war, bog Alex ebenfalls nach links ab, überholte schnell einen von dem Beinah-Unfall noch sichtlich geschockten Rentner in einem japanischen Kleinwagen und raste dem Golf hinterher. Dieser erhöhte jetzt das Tempo, schaffte es aber nicht, viel Platz zwischen sich und dem BMW zu bringen. Sie waren ihm dicht auf den Fersen, es gelang ihnen aber nicht, den Golf zu stoppen. Die nächste Ortschaft war schon in Sicht.


    Klaus lenkte seinen Wagen durch die kleinen Gassen, um seine Verfolger abzuhängen, was ihm aber nicht glückte. Alex war ein guter Autofahrer und kam ständig näher. Klaus wusste, er war ihnen im Auto unterlegen, er konnte nur sehen, dass er zu Fuß entkam und sich irgendwo verstecken konnte. So entschied er sich dafür, eine Industrieruine anzusteuern, an die er sich erinnern konnte und lenkte sein Auto in das Gewerbegebiet.


    Er durchbrach die Schranke, die das Gelände vor unberechtigten Zufahrten schützen sollte und fuhr an den Hallen entlang. Ein zweistöckiger Ziegelbau, im Erdgeschoss eine Halle und im oberen Stockwerk Büros, erschien ihm am geeignetsten zu sein, und er fuhr durch das offene Tor, hielt seinen Wagen an und stürzte in dem Moment aus dem Auto und auf die Eisentreppe zu, die nach oben führte, als Alex mit dem BMW ebenfalls in die Halle preschte.


    KURZE PAUSE


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    Fußverfolgung


    Semir war schon ausgestiegen, bevor Alex den Wagen ganz zum Stehen gebracht hatte, und hechtete Klaus hinterher die Treppe hinauf. „Bertramm!“, schrie er, „bleiben Sie stehen! Sie haben keine Chance!“ Als Antwort peitschten erste Schüsse dicht an seinem Kopf vorbei und er suchte in einer Türöffnung Deckung. Als er mit gezogener Waffe wieder um die Ecke lugte, war Klaus verschwunden. Alex untersuchte indes einen hinteren Ausgang der Halle, um außen einen möglichen Fluchtweg zu erkunden und Klaus diesen abzuschneiden. Aber Klaus war nicht zu sehen, auch Minuten später nicht. Er musste noch in den oberen Räumen sein.


    Alex lief zurück zur Eisentreppe nach oben, schaute auch kurz die Betontreppe runter, die in einen Keller zu führen schien, entschied sich aber, Semir nach oben zu folgen und dort zu unterstützen.


    Dieser ging jetzt von Raum zu Raum, da er aufgrund der Deckung vor den Schüssen nicht mitbekommen hatte, in welchem sich Klaus aufhielt. Zu zweit sicherten sie die Räumlichkeiten, kein Klaus. Er musste irgendwie entkommen sein.


    Augenblicke später hörten sie eine schwere Maschine sich dem Haus nähern und wussten plötzlich, was Klaus gelungen war. Er musste aus einem Fenster geklettert sein, hatte einen Abrissbagger kurzgeschlossen und näherte sich mit diesem nun dem eh schon einsturzgefährdeten Gebäude.


    „Wir müssen hier raus!“, rief Semir Alex zu, der schon den Weg zur Treppe geschafft hatte und auf dieser in das Erdgeschoss lief. Als Semir gerade am oberen Treppenabsatz angekommen war, ging ein Zittern durch das Haus und die Treppe geriet ins Schwanken. Erste Betonbrocken lösten sich von der Decke und fielen in das Erdgeschoss und auf die abgestellten Autos. Semir verlor den Halt und stürzte schreiend die Eisentreppe hinunter. Unten blieb er bewegungslos liegen. Alex erschrak: „Semir! Steh auf!“ Dann war er bei ihm. „Scheiße, Semir! Was ist? Hast du Schmerzen? Wir müssen uns beeilen!“ – „Mein Bein! Ich glaube, es ist gebrochen, ich kann mich nicht bewegen“ Klaus nahm draußen erneut Anlauf und rammte das Gebäude. „Los, wir müssen in den Keller, hier kommen wir nicht mehr raus.“, Alex zog Semir, dem aufgrund der Schmerzen schwarz vor Augen zu werden drohte, die Kellertreppe runter und um eine Ecke, als im selben Moment die Halle einstürzte und das halbe Erdgeschoss mitsamt den Wagen unter sich begrub. Wo eben noch Semir nach seinem Treppensturz lag, ruhte jetzt ein schweres Betonelement, und auch die Kellertreppe war mit Schutt aufgefüllt.


    Semir lag halb auf dem Bauch, hustete und atmete schwer. Die Luft war vom Einsturz der Mauer und der Decke staubverhangen und brannte in den Lungen und Augen. „Geht es?“, fragte Alex ihn hustend und erhielt zur Antwort: „Wenn ich mich nicht bewege, dann geht es…“ – „Dann… beweg dich nicht“, sprach Alex und kramte sein Handy hervor. „Mist, ich habe hier kein Empfang, wo ist dein Handy?“ – „Im Auto! Akku war leer.“ Alex setzte sich neben Semir und lehnte sich an die Wand. „Dann müssen wir wohl warten, bis sie uns vermissen, können die unseren Wagen orten?“ – „Sollten sie“, war alles, was Semir erwidern konnte. Er versuchte sich auf alle Körperteile zu konzentrieren und diese nacheinander zu bewegen. Er stützte sich auf dem linken Arm ab und drehte sich in Rückenlage, unterstützt von Alex, der ihm seine Jacke zu einem Kopfkissen zusammenfaltete. Das linke Bein schmerzte knieabwärts, sein rechtes Bein war anscheinend in Ordnung. Das Abtasten seines Oberkörpers war schmerzhaft, Rippen scheinen auch verletzt zu sein und seine rechte Hand tat weh, ließ sich aber bewegen, wahrscheinlich war sie verstaucht. Blut lief ihm aus der noch nicht ganz verheilten, jetzt wieder aufgeplatzten Wunde über das Gesicht. Semir schloss die Augen und versuchte ruhig zu atmen, um die Schmerzen auszuhalten.

    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

  • Dienstag, 18:00


    Vermisst


    Semir und Alex wurden etwa eine Stunde nach der gelungenen Festnahme von Ralf Hunkers und der vorerst gelungenen Flucht von Klaus Bertramm in der Dienststelle vermisst. Sie waren nicht mehr per Handy zu erreichen und meldeten sich auch über Funk nicht. Ben schwante Böses. Hatten seine Partner einen Unfall? Es gab aber keine Meldung, die seine Vorahnungen bestätigten.


    „Susanne“, bat er die Sekretärin, „kannst du bitte Semirs Auto oder Handy orten?“ Susanne nickte und machte sich gleich an die Arbeit.
    Die erste Anhörung von Ralf Hunkers führte zu keinem Ergebnis, er nannte keinen Ort, an dem sich Klaus Bertramm versteckt halten könnte und wo Ben mit der Suche nach seinen Kollegen hätte beginnen können.


    Susanne meldete sich nach 15 Minuten. „Semirs Handy ist ausgeschaltet oder hat keinen Empfang, das gleiche mit Alex‘, aber den Wagen konnten wir orten, Er müsste sich auf dem Gelände der alten Fabrik in Lövenich befinden. Sie reichte Ben einen Computerausdruck eines Geländeplans, auf dem sie ein „X“ eingezeichnet hatte. „Ich bin unterwegs“, rief Ben beim Verlassen der PAST.


    Verschüttet


    Bei dem Keller, in dem Alex und Semir lagen, handelte es sich um einen fensterlosen Lagerraum, der lediglich über die nun unzugängliche Treppe erreicht werden konnte. Er war jetzt stockdunkel.


    „Alex?“ Fast eine Stunde lang hatte keiner der beiden Verschütteten ein Wort gesagt. Jetzt unterbrach Semir die Stille. „Ist dir in Münster eigentlich auch gelegentlich die Decke auf den Kopf gefallen?“ Alex musste lachen. „Meinst du das jetzt im realen oder im übertragenen Sinn?“, antwortete er mit einer Gegenfrage, erhielt aber keine Antwort von Semir. Sie schwiegen erneut mehrere Minuten lang.


    „Ich hatte mich übrigens mit Ben über die Dienstwagen unterhalten, weil mir aufgefallen war, dass eure noch ganz neu sind. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ich mich schon am zweiten Tag eurem Niveau anpassen würde und einen Wagen schrotte“, erzählte Alex und bekam von Semir die Antwort: „Hast du doch gar nicht, war doch das Haus, das versteht die Krüger bestimmt. Um den Wagen ist doch auch nicht schade, hast du dir mal die Farbe angesehen?“


    Wieder trat Stille ein, keinem war nach einem Gespräch oder einem weiteren Scherz zumute. Alex versuchte noch mehrfach, mit seinem Handy Empfang zu bekommen und die Dienststelle anzurufen, aber es gelang ihm nicht.


    „Danke übrigens!“ – „Wofür?“ – „Dafür, dass du mir nun schon zum zweiten Mal das Leben gerettet hast. Du müsstest dich eigentlich fragen, wie ich ohne dich über 16 Jahre bei der Autobahnpolizei überleben konnte“ – „Das ist mir allerdings wirklich ein Rätsel“, schloss Alex diesen Dialog.


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  • Dienstag, 19:00


    Suche


    Ben bog ab auf das Industriegelände und näherte sich den Gebäuden, unter denen sich auch das von Susanne markierte Haus befand. Dann stand Ben vor dem Schutthaufen, öffnete die Autotür in Zeitlupe und stieg ebenso langsam aus seinem Mercedes aus. Er sah auf den Bagger, der direkt an der zusammengefallenen Wand stand. ‚Das glaube ich nicht‘, dachte er bei sich, dann stieg Panik in ihm auf. „SEMIR! ALEX! „Er lief auf den Schuttberg zu und versuchte irgendwo einen Blick ins Innere des Gebäudes zu werfen. Von dieser Seite hatte er keine Chance, er umrundete das Haus. Auf der Vorderseite stand die Wand noch und die Fensteröffnungen gaben den Blick nach innen frei. Die gesamte Grundfläche war von der Decke und den Zwischenwänden der ersten Stocks bedeckt, aber er konnte etwas zwischen den Steinen und Betonbrocken ausmachen: ein Rücklicht und ein Teil Blech in … schokoladenbraun.


    Ben wusste, dass es unvernünftig war, aber er stieg durch die Fensteröffnung und ging näher an das verschüttete Auto heran. „SEMIR! ALEX!“, wiederholte er seine Rufe von eben, „Seid ihr hier irgendwo?“ – Keine Antwort. Ben verließ die Halle, um zu telefonieren. Sein Handy hatte auch hier draußen sehr wenig Empfang, funktionierte aber. „Susanne? Pass auf, ich habe den Wagen entdeckt, ich brauche hier schweres Bergungsgerät, THW, Feuerwehr, RTW auf Verdacht, das ganze Paket. Das Gebäude ist hier eingestürzt, der Wagen ist verschüttet und Semir und Alex wahrscheinlich auch. Beeil dich!“


    Semir meinte etwas gehört zu haben, ein Ruf vielleicht, und lauschte noch angestrengter. Alex rührte sich nicht. Als der Ruf sich aber nicht wiederholte, meinte er schon, es sich nur eingebildet zu haben.


    Ben wartete auf die Rettungskräfte, das Haus konnte jederzeit vollends einstürzen, es war zu gefährlich alleine weiterzusuchen. ‚Hoffentlich haben die beiden ein sicheres Loch gefunden‘, hoffte Ben, als mit lautem Martinshorn die Einsatzwageneintrafen.


    Ein Feuerwehrmann besah sich das eingestürzte Gebäude. „Guten Abend, Horst Pfeifer mein Name, ich bin hier der Einsatzleiter. Konnten Sie die Verschütteten schon aufspüren?“ Ben schüttelte mit dem Kopf. „Wir beginnen mit dem Auto“, entschied der Feuerwehrmann.


    Inzwischen war auch Kim Krüger vor Ort eingetroffen und gesellte sich zu Ben. Auch ihr stand die Angst um ihre Kollegen ins Gesicht geschrieben. Zur Untätigkeit verbannt, standen die beiden vor dem Abrisshaus.


    Pfeifer beriet sich mit seinen Kameraden von der Feuerwehr und dem THW. Gemeinsam entschieden Sie, den Wagen per Winde aus dem Haus zu ziehen und vorher einige Stützen anzubringen, um das Haus notdürftig vor dem völligen Einsturz zu bewahren und die Decke über dem BMW soweit anzuheben, dass der Wagen herausgezogen werden konnte.
    Semir und Alex bekamen die Aktion mit, konnten sich aber aufgrund der lauten Maschinen nicht bemerkbar machen. Aber sie waren sich jetzt sicher, dass man nach ihnen suchte und sie retten würde.


    Alle hielten den Atem an, als die Winde mit der Arbeit begann und den Dienstwagen aus seinem Gefängnis befreite und kreischend nach draußen zog. Keiner traute sich an den zusammengedrückten BMW heran, bis Pfeifer tief durchatmete, an die Seite des Autos trat und durch einen Spalt in der Tür hineinsah. Er schaute Ben und Kim Krüger an und schüttelte mit dem Kopf. Der Wagen war leer.


    Bens Handy klingelte. Er schaute auf das Display „Andrea“ stand dort, ‚Scheiße, was soll ich ihr bloß sagen? ‘, fragte er sich und ging ran. „Hallo Andrea“, sagte er tonlos, er konnte seine schlechte Stimmung nicht unterdrücken. „Hallo Ben, ist Semir in der Nähe und kannst du ihn mir mal geben?“ – „Ja und Nein“ Ben entfernte sich etwas vom Bergungsort, um besser hören zu können. „Was soll das heißen? Ben?“, fragte Andrea besorgt. „Ich gehe davon aus, dass Semir in der Nähe ist, aber ich kann ihn nicht dir nicht geben.“ Ben wusste, dass Andrea nachhaken würde, also entschied er sich, ihr gleich zu erzählen, in welcher Situation sich ihr Mann gerade befand und dass sie derzeit nur hoffen konnten, ihn und Alex lebend zu finden. „Andrea, es tut mir leid, ich melde mich, sobald ich mehr weiß“ Er wählte Susannes Anschluss: „Susanne, kannst du bitte sofort zu Andrea fahren, sie sollte jetzt nicht alleine sein“ Ben lehnte sich an einem THW und fuhr sich mit seinen Händen übers Gesicht.


    Die Bergungsaktion zog sich hin. Als die Maschinen kurz ruhig waren, machten sich Semir und Alex durch Rufe bemerkbar „Hier! Hier sind wir, im Keller!“ Es war oben kaum zu hören, aber ein junger Feuerwehrmann machte Horst Pfeifer auf die Geräusche aufmerksam. „Im Keller, sagst du?“, fragte dieser und fügte, als sein junger Kamerad bejahte, hinzu „Jungs! Wir bilden eine Kette und räumen die Kellertreppe leer, sie sind da unten!“


    Ben konnte nicht mehr untätig herumstehen und half mit, die Kellertreppe Stein um Stein, Brocken um Brocken leer zu räumen und den Weg in den Kellerraum zu ebnen. Die Arbeit zog sich noch fast zwei Stunden hin.

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  • Dienstag, 21:30


    Befreit


    Gestützt von Ben und einem Feuerwehrmann verließ Semir den Kellerraum, er konnte auf seinem rechten Bein nur unter großen Schmerzen auftreten und wurde daher zum RTW mehr getragen als gestützt. Alex ging auf eigenen Beinen hinterher. Sie wurden in warme Decken gehüllt und mit heißem Tee versorgt, während das THW und die Feuerwehr den Einsatzort aufräumten, um ihn wieder verlassen zu können.


    Ben liefen Tränen der Erleichterung übers Gesicht, er hielt Semir sein Handy hin: „Ruf Andrea an. Sie macht sich Sorgen.“ Gesagt getan. „Ben, sag, dass ihr sie gefunden habt!“, meldete Andrea sich. „Andrea, Schatz, das hat er. Ich bin draußen“ Der Stein, der ihr vom Herzen fiel, wog schwer und war selbst durch das Telefon zu hören. Er erzählte ihr kurz, was geschehen war und dass er jetzt auf dem Weg ins Krankenhaus sei. Sie versprach dorthin zu kommen, um ihn hoffentlich nach einer ambulanten Behandlung wieder mitnehmen zu können.


    Kim Krüger näherte sich dem RTW und ihren Untergebenen und warf einen Seitenblick auf den geborgenen Dienstwagen. „Sieht so aus, als hätten Sie mit Ihrem Übergangsdienstwagenkein Glück gehabt.“ „Nicht nur ‚Kein Glück‘, Chefin“, antwortete Semir, „heute kam da auch noch etwas Pech dazu.“


    Die Untersuchung Semirs im Krankenhaus ergab ein angebrochenes Wadenbein, das mit einem Gipsverband versorgt wurde, ein verstauchtes Handgelenk und Rippenprellungen, hier konnte glücklicherweise kein Bruch festgestellt werden. Die Platzwunde wurde jetzt mit zwei Stichen genäht und mit einem neuen Pflaster versorgt. Da Semir sich weigerte, im Krankenhaus zu bleiben, wurde er auf eigene Verantwortung nach Hause entlassen und nur gebeten, das Bein in der nächsten Zeit nicht zu belasten und nach drei Wochen zur Kontrolle wieder zu kommen. Das Gehen auf Krücken wurde zwar durch die verstauchte Hand erschwert, aber Semir wollte nach Hause und biss die Zähne zusammen. So fuhr Andrea ihn heim.


    Alex konnte das Krankenhaus nach Säuberung und Behandlung einiger kleinerer Schürfwunden verlassen und ließ sich von Ben in seine Wohnung bringen.


    Mittwoch, 08:00


    Zuhause bleiben?


    Semir lag im Wohnzimmer auf der Couch. Andrea und die Kinder hatten das Haus gerade vor 30 Minuten verlassen, und ihm war jetzt schon langweiliger grübelte. Wo könnten sich Klaus und Matze aufhalten? Sie würden sicher nicht den Fehler begehen, in die Waldhütte oder die Wohnung in Langenfeld zurückzukehren. Hat Klaus eigentlich eine Wohnung? Er überlegte. Dann hielt er es nicht mehr aus und wählte die Nummer der PAST. „Autobahnpolizei König, was kann ich für Sie tun?“, meldete sich Susanne. „Semir hier, Guten Morgen Susanne, ich habe mal eine Frage“ – „Du bist doch krankgeschrieben!“ – „Mein Körper ist vielleicht außer Dienst, mein Kopf arbeitet weiter. Sag mal, in den ganzen Unterlagen, sind da auch Adressen von Klaus Bertramms und Ralf Hunkers‘ Wohnung? Und wenn ja, warum haben wir uns die noch nicht angesehen?“ – „Ja, die Adressen habe ich hier, und gestern Nachmittag hattet ihr irgendwie was anderes vor, kann ich mich dunkel erinnern.“ – „Schickst du Einheiten in beide Wohnungen? Sie sollen alles, was sie finden ins Büro bringen, vor allem Papiere und Unterlagen. Ich werde sie mir persönlich ansehen.“ – „Semir, ich …“ Doch Semir hatte schon aufgelegt. Susanne schüttelte mit dem Kopf und legte auf, dann tat sie, worum Semir sie gebeten hatte.

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  • Mittwoch, 10:00


    Sachstand


    Ben und Alex trafen sich im Büro und trugen den Sachstand zusammen:


    Ralf Hunkers und Paul Friedrich waren also gefasst.


    Der Haftrichter ließ Paul Friedrich, der sich nun seit Montagvormittag bereits in der Zelle in der PAST befand, zur Untersuchungshaft in die JVA überführen.


    Der Aufenthaltsort von Klaus Bertramm und Matthias Friedrich war noch unklar, hier hoffte das Team der Autobahnpolizei auf das Observierungsteam, welches die Wohnung in Langenfeld und seit gestern auch die Waldhütte im Königsdorfer Forst in mehreren Schichten unter Beobachtung hatte und auf die laufende Fahndung mit Hilfe von Fotos, die an jeden Streifenwagen ausgegeben worden waren. Auch von Ralf Hunkers‘ Aussage, den sie am Vortag festnehmen konnten und heute erneut vernehmen wollten, erhofften sie sich einiges.


    Alex und Ben staunten nicht schlecht, als Semir in der Tür zum Büro der Hauptkommissare stand. „Was machst du denn hier? Ich dachte, du wärst krank?“ – „Rumsitzen und Lesen kann ich auch hier“, war Semirs Antwort. Alex stand auf und machte Semirs Platz frei, der sich gleich auf seinem Schreibtischstuhl hinsetzte und sein verletztes Bein auf einem eilig von Ben herbeigebrachten Besucherstuhl platzierte. „Habt ihr Ralf Hunkers schon vernommen? Gebt mir doch bitte mal alle Akten zum Fall, ich mache mich jetzt auf die Suche nach Klaus Bertramm und Matthias Friedrich. Ich habe übrigens veranlasst, dass die Wohnungen Klaus und Ralle aufgesucht werden, es sind zwei Einheiten unterwegs, die zeitgleich zuschlagen sollen. Mit viel Glück, finden wir sie dort, ich denke aber eher, sie rechnen mit unserem Besuch und sind ausgeflogen.“ Ben legte einen Stapel mit Akten auf Semirs Schreibtisch. Semir schlug die erste Mappe auf und begann mit dem Lesen.


    Eine halbe Stunde später rief Peter Wiese aus dem Krankenhaus an und sagte Bescheid, dass er heute Morgen entlassen und gerne später in der PAST vorbeischauen würde, um seine Zeugenaussage zu Protokoll zu geben. Semir sagte ihm, die PAST wäre rund um die Uhr besetzt, Peter Wiese solle sich Zeit lassen.


    Ralf Hunkers


    Ralf Hunkers war auch nicht gesprächiger als Paul Friedrichs in seiner ersten Vernehmung. Er gab seine Beteiligung an den Taten aber schließlich zu. Auf die Frage nach einem möglichen Aufenthaltsort seiner Komplizen, nannte er zwei Kneipen, in denen sie häufiger verkehrten. Er wollte nicht alleine seinen Kopf für die Taten hinhalten. „Der Goldene Hirsch und Zum Anker, da könnten sie sein, nur eine Vermutung, vielleicht haben sie auch kalte Füße bekommen und sind schon weg im Ausland oder sonst wo untergetaucht“, war seine abschließende Bemerkung im Verhör.


    Mittwoch, 11:30


    Planung


    Durch einen Anruf in dem Restaurant Goldener Hirscherfuhr Ben, dass die Gaststätte ab 12:00 geöffnet hat, der Wirt der Kneipe Zum Anker teilte ihm mit, sie hätten rund um die Uhr geöffnet. Da alle drei Kripobeamten den Flüchtenden mittlerweile bekannt waren, berieten sie sich.


    Dann weihten sie ihre Chefin in den Planerin, die schließlich ihre Zustimmung gab und ihre Unterstützung zusagte und riefen Dieter, Jenny und Erik zu sich ins Büro. Kim Krüger telefonierte mit dem Innenstadtrevier, der dortige Leiter sagte die Hilfe seiner Streifenbesatzungen zu, sobald der Einsatzbefehl von Ben oder Alex kam.


    „Jenny, wir haben einen Spezialauftrag für dich, geh doch bitte mit Erik und in zivil in der Gaststätte Goldener Hirsch Mittagessen und halte die Augen offen nach den Gesuchten, sollten sie auftauchen, verlasst ihr das Restaurant, wartet im Auto und sagt uns Bescheid, bekommt ihr das hin? Ihr versucht nicht, sie alleine festzunehmen, die sind gefährlich“, erklärte Ben seinen jungen Kollegen ihre Aufgabe, „und du Dieter gehst in die Kneipe Zum Anker und hältst dich dort auf, falls du die Gesuchten siehst, tust du das gleiche wie Jenny, raus, warten und Bescheid sagen, alles klar? Du kannst auch jemanden mitnehmen, spielt Karten oder knobelt, Hauptsache, ihr fallt nicht auf.“.


    „Ihr bleibt solange vor Ort, bis wir euch Bescheid sagen, dass ihr Feierabend machen könnt“, fügte Semir hinzu. „Und was macht ihr?“, fragte Dieter. „Wir warten jeweils in unseren Autos in der Nähe. Die Typen kennen uns und die Wagen, also kommen wir erst, nachdem ihr uns alarmiert habt“, antwortete Alex, „mit etwas Glück haben wir sie heute Abend in der Zelle. Jetzt los!“ Alex und Ben wandten sich mit Jenny, Erik und Dieter zur Tür.


    „Wartet!“, rief Semir hinterher, „ich komme mit!“ Ben drehte sich um. „Semir, nein, du kannst keine drei Schritte gehen.“ Semir senkte seinen Blick und sah Ben in die Augen. „Semir, guck mich nicht so an, der Blick zieht vielleicht bei Andrea, nicht bei mir, Semir, du bleibst hier! OK, aber du bleibst im Auto“. Semirs Gesicht erhellte sich, und er humpelte an seinen Krücken hinter seinen Partnern her.

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  • Mittwoch, 12:00 – 21:30


    Goldener Hirsch


    Nachdem Jenny Dorn und Erik Johannsen ihre Uniform gegen Zivilkleidung getauscht hatten, fuhren sie in die Stadt und gingen in die gutbürgerliche Gaststätte Goldener Hirsch. Den Gastraum dominierte ein riesiger, massiver Tresen, beleuchtet von mehreren Messingleuchten. Das Regal an der Rückwand war vollgestellt mit Gläsern und Flaschen. Eine Schwingtür führte zur Küche und je eine Treppe in den Keller zu den Sanitärräumen und nach oben zum Saal, diese war an diesem Tag mit einer armdicken Kordel abgesperrt. Eine weitere Tür hatte die Aufschrift „PRIVAT“. Die ganze Gaststätte bestand nur aus dem einzigen Raum. An der Fensterfront standen sieben Esstische mit jeweils 2 Sitzbänken. Jenny und Erik nahmen am letzten Tisch Platz.


    Sie waren die einzigen Gäste. Der Wirt brachte ihnen die Karte. „Mittagstisch ist heute Rinderbraten oder Hühnerfrikassee, mit Salat vorweg und Eis zum Nachtisch für € 7,50, ansonsten alles was auf der Karte steht, außer Fisch, den haben wir heute leider nicht im Programm. Schon was zu trinken?“ Jenny bestellte ein Mineralwasser und Erik ein alkoholfreies Bier. Sie ließen ihre Blicke durch die Gaststätte wandern. Hier sollten sie den ganzen Nachmittag und den Abend verbringen? Wie hatte Ben sich das gedacht?
    Die Getränke kamen. „Schon gewählt?“ – „Ich nehme das Hühnerfrikassee vom Mittagstisch“, orderte Jenny, „und ich das Bauernfrühstück“, fügte Erik hinzu.


    Sie unterhielten sich über belanglose Dinge, Urlaubspläne, Hobbys, stets bemüht ihre Arbeit und insbesondere ihren heutigen Auftrag auszuklammern, um keinen Verdacht zu erregen.


    Zum Essen kamen auch andere Gäste in das Restaurant, Bedienstete der umliegenden Büros, Banken und Versicherungen, der Kleidung nach zu urteilen. Keine Spur von Klaus und Matze. „Ich geh mal kurz raus, telefonieren und eine rauchen“, meinte Erik.


    Jenny sah durch das Fenster, wie Erik sich auf der Straße eine Zigarette anzündete und sein Handy hervorkramte. „Ja, Semir hier!“, meldete sich sein Kollege nach dem zweiten Klingeln. „Erik hier. Bislang ist noch keiner aufgetaucht. Gibt es schon was von Dieter?“ – „Noch nicht, wie sieht es bei euch aus?“ – „Wir haben gut gegessen und trinken jetzt gleich noch einen Kaffee, uns geht bald der Gesprächsstoff aus und es ist erst 14:00 Uhr“ – „Erik, da müsst ihr durch, wir sitzen hier auch nur rum“ Erik warf seine Zigarette auf den Boden und trat sie aus, dann ging er wieder in die Gaststätte zu Jenny.


    Zum Anker


    Dieter Bonrath hatte seinen alten Schulfreund Herbert angerufen und gefragt, ob er Lust hätte, den Nachmittag mit ihm zu verbringen. Herbert war Frührentner und freute sich auf die Abwechslung. Er steckte ein Kartenblatt und seine Fotos vom letzten Urlaub ein und fuhr zum Anker. Er wusste von Dieter, dass es um eine Überwachung ging, ansonsten wäre diese Kneipe sicher nicht seine erste Wahl für ein Treffen gewesen.


    Spielautomaten unterbrachen in regelmäßigen Abständen die Stille im kleinen Kneipenraum und versuchten Spieler anzulocken, um mit Münzen gefüttert zu werden. Dieter saß mit dem Rücken zur Wand und hatte den gesamten Raum und vor allem die Eingangstür im Blick. Als Herbert den Raum betrat, stand er auf und begrüßte seinen Freund herzlich mit einer kurzen Umarmung. Sie nahmen Platz und bestellten 2 Coke.


    „Jetzt zeig deine Bilder. Wie war es denn in Spanien?“, fragte Dieter. Seine Neugier war nur zum Teil gespielt, der gerade beendete Urlaub seines Freundes interessierte ihn wirklich
    und kam ihm heute zusätzlich sehr gelegen, würden die Fotos sie doch mindestens eine Stunde lang beschäftigen.


    Dieter und Herbert unterhielten sich stundenlang über Urlaubsreisen und beschlossen, im nächsten Jahr zusammen zu verreisen. Sie spielten mehrere Partien Bauernskat, tranken einige Coke, Herbert auch mal ein Bierchen, fütterten zwischendurch den Spielautomaten mit Kleingeld. Für sie verging der Nachmittag deutlich schneller als für Jenny und Erik um Goldenen Hirsch.


    Zugriff


    Gegen 19:00 Uhr ging dann alles ganz schnell. Ben wollte gerade die nächste Rätselfrage stellen: „Ich sehe etwas, was du nicht siehst, und das …“, da erstarrte er, warf sich schnell zur Seite und zog Semir auch nach unten, was dieser mit einem gequälten „Aua“ quittierte. „…und das sind Klaus und Matze. Scheiße, warum gehen die ausgerechnet hier lang?“


    In der Tat: Klaus Bertramm und Matthias Friedrich schlenderten die Straße hinauf. Sie nahmen keine Notiz von den umherstehenden Autos und gingen einfach an Bens Mercedes vorbei. Ihr Ziel war der Anker. Alex hatte die Situation über Funk mitbekommen und war schon auf dem Weg zu Ben und Semir. Die bereitstehenden Streifenwagen des Innenstadtreviers waren schnell alarmiert und näherten sich langsam der Kneipe aus unterschiedlichen Richtungen, sie warteten nur auf den Einsatzbefehl. Ben fuhr an und hielt einen Hausblock hinter der Kneipe wieder an.


    Dann kam der Anruf von Dieter: „Sie sind jetzt da, haben Essen und Bier bestellt.“ Ben meldete sich über Funk bei den anderen Polizisten: „Wir warten noch 5 Minuten, dann stürmen wir die Kneipe, aber wartet auf meinen Befehl!“ Die Spannung stieg. Ben machte sich startklar, holte die kugelsichere Weste vom Rücksitz und zog diese über, überprüfte seine Waffe und das Ersatzmagazin. Dann gab er den Einsatzbefehl. „Du bleibst im Auto!“, wiederholte er seinen Befehl vom Mittag. Semir nickte ergeben.


    Zwei Beamte hielten die Rückfront des Ankers unter Bewachung, hier waren das Küchenfenster und ein Hinterausgang. Dieter, Ben und Alex stürmten mit zwei weiteren Streifenbeamten die Kneipe durch den Haupteingang. Matthias Friedrich und Klaus Bertramm sprangen überrascht auf und versuchten zu entkommen.


    Matze lief dabei Ben direkt in die Arme, der ihn schnell überwältigen konnte, „Du entkommst mir kein zweites Mal“, musste Matze sich von dem Hauptkommissar anhören, dann klickten die Handschellen.


    Klaus schlug Dieter ins Gesicht, der kurz benommen in die Knie ging und nutzte die Verwirrung, um über den Tresen zum Hinterausgang zu hechten. Den dortigen Beamten gelang es nicht, ihn festzuhalten, wie ein frisch gefangener Fisch rutschte er ihnen durch die Hände. Dann zog Klaus auch noch seine Waffe und schoss auf einen der Beamten, woraufhin sich der andere ergab und ihn laufen ließ. Er kümmerte sich um seinen Kollegen, der am Boden lag. Zum Glück war die Kugel von der Schutzweste aufgehalten worden und der Polizist kam gerade wieder zu sich. Alex, der nur Sekunden hinter Klaus den Anker durch die Hintertür verließ, fragte: „Alles klar? Wo lang?“ und bekam eine schnelle Antwort: „Nach rechts! Wir sind in Ordnung“, also rannte Alex um die Hausecke nach rechts.

    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

  • Keine Zukunft


    Semir saß unruhig auf dem Beifahrersitz und ließ im Rückspiegel den Anker keine Sekunde lang aus den Augen, als die Beamten die Kneipe stürmten. Er wäre zu gerne dabei gewesen, aber er sah auch ein, dass er mit seinem Beinbruch und der verstauchten Hand keine wirkliche Hilfe gewesen wäre.


    Dann sah er plötzlich, wie Klaus Bertramm auf ihn zulief, er muss durch eine Hintertür oder ein Fenster entkommen sein und einen Beamten überwältigt haben, der sich ihm in den Weg gestellt hatte. Aber mit Semir hatte er nicht gerechnet, der in dem Auto saß, auf das er zu rannte, gefolgt von Alex. „Keine Zukunft!“, sagte Semir grinsend, wartete auf den passenden Moment und stieß dann seine Autotür auf. Klaus prallte in vollem Lauf dagegen, fiel hin und hatte im selben Augenblick Semir auf seinem Rücken sitzen, der sich aus dem Auto hat fallen lassen und jetzt Klaus‘ Arme nach hinten riss und die Handschellen zuschnappen ließ. Alex hatte ihn inzwischen erreicht und half ihm und dem Festgenommenen auf die Beine. „Auch eine Autotür kann eine Abrissbirne sein, merk dir das“, sagte Semir Klaus verächtlich ins Gesicht, als dieser von Alex auf die Rücksitzbank verfrachtet wurde.


    Ben und Dieter führten inzwischen Matthias Friedrich zu einem Streifenwagen. Der Zugriff hatte geklappt. Die Täter waren geschnappt und sie konnten zurück zur Dienststelle.


    Donnerstag, 09:00 Uhr


    Abschluss


    Alle vier Täter waren gefasst und schließlich auch geständig. Die Stimmung war entsprechend gut an diesem Morgen. Die Vernehmungen waren zunächst abgeschlossen, der Haftrichter für den Nachmittag bestellt. Die papiermäßige Nacharbeit müsste Alex alleine übernehmen, denn Semir hatte beschlossen, die nächste Zeit wirklich krank zuhause zu bleiben und seine Verletzungen auszukurieren, obwohl, so ganz außer Gefecht gesetzt war er ja eigentlich nicht, wie sein Beitrag zu Klaus Bertramms Verhaftung bewiesen hatte.

    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

  • Ausstand


    Ben hatte einen Catering-Service beauftragt, ein Frühstücks-Büffet für zwanzig Personen in die PAST zu liefern. Er hatte alle Bediensteten eingeladen, außerdem Andrea, die dieser Einladung nur allzu gern Folge leistete, kannte sie doch die meisten Beschäftigten der Autobahnpolizei noch aus der Zeit ihrer Sekretärinnen-Tätigkeit in der Dienststelle.


    Der Dienst an diesem Morgen war ruhig und alle hofften, das würde für ein paar Stunden auch so bleiben. Bei Kaffee, Bier (alkoholfrei) und belegten Brötchen bildeten sich schnell Gesprächsgruppen.


    Ben bestätigte zum gefühlt hundertsten Mal, dass er durchaus überzeugt war, zukünftig von seiner Musik leben zu können und lud alle Kollegen zu seinem nächsten Konzert ein, welches in drei Wochen in Köln stattfinden sollte.


    Semir saß mit Andrea und hochgelegtem Bein an einem der Tische. Er war für mindestens sechs Wochen krankgeschrieben, und da der Fall nun abgeschlossen war, würde er diese Zeit auch zuhause verbringen und anschließend noch drei Wochen Urlaub mit seiner Familie anhängen. „Und ob du es glaubst oder nicht, das war Semirs eigene Idee“, sagte Andrea einem verblüfft dreinblickenden Alex, der sich zu ihnen gesellt hatte und sein Glas auf dem Tisch abstellte. „Und ich habe dich schon mit Gipsbein auf Verfolgungsjagd gesehen“, meinte dieser zu Semir. „Nein, Nein, die Zeiten sind vorbei“, bekam er zur Antwort, „es tut mir zwar leid, Alex, dich schon nach deiner ersten Woche alleine den Gefahren der Autobahn auszusetzen, aber nicht jede Woche wird so gefährlich wie die vergangene“ - „Semir, der einzige, der in dieser Woche in Gefahr war, bist du gewesen, und du bist jetzt ja erst einmal aus der Schusslinie. Was soll also passieren?“


    Alle drei lachten und stießen mit ihrem Bier an. Semir war zufrieden. Zwar würde Ben die Autobahnpolizei verlassen, und er würde seinen Freund bei der Arbeit schmerzlich vermissen, hatte aber gleichzeitig in Alex einen guten neuen Partner gefunden. Vielleicht wird sich daraus auch eine ähnlich gute Freundschaft entwickeln?


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    Abspann


    In meiner Geschichte gibt es einige lose Enden und offene Fragen, deren Auflösung ich euch nicht vorenthalten möchte:


    Jenny und Erik


    Jenny und Erik mussten noch bis nach 22:00 Uhr im Goldenen Hirsch ausharren, denn niemand hatte daran gedacht, sie über die gelungene Verhaftung zu unterrichten, bis zu dem Zeitpunkt, wo in der PAST Ruheeingekehrt war und Dieter fragte: „Wo ist eigentlich Jenny?“ und ein grinsender Ben ihm antwortete: „Wollte Jenny nicht heute endlich mal mit Erik essen gehen?“


    Markus Petersen


    Markus Petersen war bislang polizeilich ein unbeschriebenes Blatt, lediglich die Zollfahndung war schon in der Vergangenheit öfters bei ihm, konnte ihm aber nichts nachweisen, es blieb beim Verdacht der Steuerhinterziehung. Er betreibt mehrere Autohäuser in Nordrhein-Westfalen, handelte zum einen mit japanischen Klein-, Kompakt- und Mittelklassewagen der unterschiedlichsten Marken und zum anderen mit amerikanischen Modellen, Hummer, Chevrolet, Chrysler usw. Verbindungen zum organisierten Verbrechen, zur Mafia oder zu bekannten Rauschgiftkreisen waren ihm ebenfalls nicht nachzuweisen.
    Obwohl die Festgenommenen einhellig gegen Petersen aussagten, konnte ihm die Mittäterschaft oder gar die Auftraggeber-Rolle noch nicht bewiesen werden. Die Ermittlungen halten noch an. Die Polizei und Staatsanwaltschaft sind aber zuversichtlich, den Drogenimporteur doch noch überführen zu können. Ob Markus Petersen wirklich so gefährlich ist, wie Paul Friedrich in seiner Vernehmung andeutete, wird sich zeigen. Die vier Verbrecher meiner Geschichte haben aber bestimmt die nächsten Jahre nichts zu befürchten.


    Regina Maier


    Die Kassiererin nahm nach zwei Wochen den Dienst an der Tankstelle Bedburger Land wieder auf. Dank intensiver, noch immer anhaltender Betreuung gewinnt sie mehr und mehr Abstand zu dem Vorfall an jenem Montagmorgen und ist sich sicher, den Überfall bald ganz überwunden zu haben.


    Peter Wiese


    Peter Wiese kam am Mittwochnachmittag in die PAST, um seine Zeugenaussage zu Protokoll zu geben und zu unterschreiben. Er traf in der PAST lediglich Kim Krüger und Susanne an, da alle anderen zur Verhaftung der beiden Flüchtigen ausgeflogen waren. Er bedankte sich noch für die Bewachung im Krankenhaus, die zum Glück nicht gegen einen möglichen Angriff auf ihn vorgehen musste. Den Auftrag in Karlsruhe konnte er trotz des Zwischenfalls für seine Firma sichern.


    Gerd Funke


    Der LKW-Fahrer, der in das Stauende gerast war, ist bis zum heutigen Tag nicht wieder LKW gefahren und hat einen neuen Job als Lagerarbeiter angenommen. Er sieht immer noch dem Gerichtsverfahren aufgrund des von ihm verursachten Unfalls entgegen.
    Den habe ich übrigens nur in die Geschichteeingebaut, weil ich eine Vollsperrung beider Fahrtrichtungen auf der Autobahn brauchte. Sonst hätte die Szene auf der Landstraße nicht stattfinden können. Wäre Hotte noch im Dienst (), ich hätte ihn nur allzu gerne auf Schweinejagd geschickt.


    VW Touareg


    Der VW Touareg wurde, wie von Matthias Friedrich beauftragt, in der Werkstatt repariert, dort aber nicht abgeholt. Der Werkstattbesitzer konnte den Auftraggeber nicht in Erfahrung bringen, Name und Adresse waren ja falsch, und wandte sich schließlich an die Polizei. So konnte der Wagen seinem rechtmäßigen Besitzer, der anhand der Fahrgestellnummer ausfindig gemacht werden konnte, zurückgegeben werden. Auf die Begleichung der Reparaturkosten wartet der Werkstattbesitzer allerdings bis heute.


    Wohnungen Klaus und Ralf


    Semir hatte am Mittwochmorgen die Durchsuchung der Wohnungen von Klaus Bertramm und Ralf Hunkers in Auftrag gegeben. Die dort gefundenen Unterlagen wurden in sein Büro gebracht und in den nächsten Tagen von Alex und Susanne durchgeforstet, vornehmlich auf der Suche nach einer Verbindung zu Markus Petersen.


    Nachlass Karsten Schultz


    Die Mutter des Mordopfers, Erika Schultz, reiste aus Bremen an und kümmerte sich um den Nachlass und die Überführung der Leiche ihres Sohnes zur Beerdigung nach Bremen. Nachdem sie erfahren hatte, dass nahezu das gesamte Vermögen von Karsten aus Rauschgiftgeschäften stammte, veranlasste sie den Verkauf sämtlicher Wertgegenstände, einschließlich der Wohnung und Autos und die anschließende Überschreibung des Erlöses an eine gemeinnützige Stiftung, die sich der Hilfe jugendlicher Rauschgiftsüchtiger und der Suchtprävention verschrieben hat.


    Das Abbruchhaus


    Das Haus, in dem Semir und Alex sich im Keller vor den herabstürzenden Betonteilen hatten retten können, ist nach ihrer Bergung notdürftig gegen unbefugtes Betreten abgesichert worden und wurde einige Tage später vollständig abgerissen.


    Alex Brandt


    Alex Brandt hat seinen Wechsel zur Autobahnpolizei bis jetzt keinen Tag bereut. Er wurde in die PAST-Familie aufgenommen und fühlt sich dort sehr wohl. Drei Wochen nach seinem ersten Tag fand er eine Wohnung in der Kölner Neustadt und beschloss, nicht nur beruflich, sondern auch privat angekommen zu sein.


    Semir Gerkan


    Wie angekündigt ließ sich Semir zehn Wochen lang nicht in der PAST blicken, startete aber dann voll durch mit seinem neuen Partner Alex Brandt. Es war ein anderes Arbeiten als mit Ben, aber nicht weniger unterhaltsam und erfolgreich. Sein neuer Dienstwagen stand nach seiner Lieferung mehrere Wochen unberührt auf dem Parkplatz der Dienststelle und wartete auf Semirs Rückkehr. Die erste Fahrt sollte ihm vorbehalten bleiben.


    Ben Jäger


    Ben startete mit seiner Band durch. Er gab bereits einige erfolgreiche Konzerte, nahm ein Album auf und befindet sich zurzeit auf Tour durch Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ist er in Köln, besucht er regelmäßig Semir und dessen Familie. Diese Freundschaft wird auch nie abbrechen. Seine Beurlaubung hat er bis heute noch nicht bedauert, und er ist sich sicher, die für ihn und sein zukünftiges Leben richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sicher, die Arbeit bei der Autobahnpolizei und vor allem die gemeinsame Zeit mit Semir wird er vermissen, aber in den letzten Wochen und Monaten vor seinem Abschied hatte er sich bereits so mit seinen neuen Aufgaben angefreundet, dass dieser ihm nicht allzu schwer gefallen ist.



    Und alle, die aufgrund des Ausstiegs von Ben Trost brauchen, ein Song quasi als erste Therapiemaßnahme „Why worry“:


    http://www.youtube.com/watch?v=7no9Ak2uSrQ
    “There should be laughter after pain - There should be sunshine after rain”


    ** Ende **

    "Ich will mit Alex arbeiten - oder gar nicht!"

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