Auf der anderen Seite



  • Prolog


    „Komm schon, was ist es? Was ist es?“ Ben sah Semir mit einer hochgezogenen Augenbraue an. „Zum letzten Mal, ich sage dir nicht, was ich dir schenke! Eine Geburtstagsüberraschung sollte eine Geburtstagsüberraschung sein!“, zischte er und Semir zog einen Schmollmund. Sie sassen gemeinsam in Semirs BMW und fuhren Streife. Es war eine der stürmischeren Tage im Kölner Gebiet. Es regnete stark und deshalb fuhren die ganzen Autos im Schneckentempo. Es herrschte dicker Novembernebel und obwohl bereits Mittag war hatte Semir das Gefühl in tiefer Nacht zu fahren.
    Ben bemerkte den Blick und schüttelte mit dem Kopf Dabei lächelte er. „Du könntest den süssesten Hundeblick haben, du kriegst mich nicht rum!“, sagte er bestimmt und Semir gab seufzend auf. Fürs erste zumindest. „In diesen Momenten hasse ich deinen Dickkopf!“, grummelte und Ben grinste breit. „Kann ich mir vorstellen“, gab er zurück und zückte sein Handy hervor als es klingelte. Er blickte kurz auf den Display und nahm ab. „Chefin was gibt’s?“, begrüsste er seine Anruferin und Semir zog auf den Namen „Krüger“ die Mundwinkel nach unten. Dabei schüttelte er sich und symbolisierte so den Schauer, der über sein Körper ging. „Bitte nicht…“, murmelte er für sich leise und schüttelte mit dem Kopf. „Ja…alles läuft wie geplant…alles ist ruhig…“ Dann sagte Ben für eine Weile nichts mehr, sondern nickte nur, was Semir stutzig machte. „Gut…ich wünsche Ihnen auch einen schönen Tag…“ Mit diesen Worten hängte Ben auf. „Was sollte das denn gerade?“, fragte Semir neugierig und Ben steckte sein Handy wieder in die Jackentasche. „Was sollte was gerade?“, fragte dieser frech zurück und Semir liess seine Wimpern klimper. „Ich wünsche Ihnen auch einen guten Tag…sag mal, hat dir jemand ins Gehirn geschissen, oder hast du dich heimlich gegen mich verschworen?“ Ben lachte. „Man darf doch mal nett sein oder?“ Semir rollte mit den Augen. „Sicher – vor allem wenn es die Krüger ist!“ Ben konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und legte die Hände hinter den Kopf. „Denk was du willst…“, sagte er noch knapp und summte vergnügt ein Lied vor sich hin. Semir traute dem Braten nicht – irgendwas war doch faul.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Hakan Yanar fühlte, wie sich alles vor Angst in ihm zusammenzog. Er fuhr mit seinem silbernen Audi durch den dichten Verkehr der Autobahn mit überhöhter Geschwindigkeit. Sein Tempo war höchstkriminell. Er musste sein Ziel erreichen, ansonsten wäre es um ihn geschehen. Immer wieder hupte er heftig und die Fahrer der anderen Autos machten ihm auch tatsächlich Platz. Allerdings wurde er immer mit einem Hupkonzert verabschiedet. Einmal glaubte er sogar, einen Mittelfinger zu sehen. Bestimmt würde die Fahrer in ihren Autos schimpfen, mit Wörtern an die er gar nicht denken wollte, doch er musste es tun. Unter seinem Sitz befand sich eine Bombe. Ein Behälter voller Nitroglyzerin, an dem ein Zeitzünder angebracht wurde. Er sass direkt auf der Waffe, die seinen Tod bedeuten konnte. Schneller, immer schneller, drängte sein Kopf und sein Fuss drückte immer mehr aufs Gaspedal. Dabei merkte er nicht, wie er einen silbernen BMW überholte.


    „Sag mal geht’s dem noch?“, fragte Semir und zeigte auf das Auto. Ben schaltete sofort die Sirenen ein. „Na los hinterer du Hengst!“, forderte er und Semir trat aufs Gaspedal. Sie fuhren dem silbernen Audi hinterher. Ben holte die Kelle aus dem Handschuhfach und hob sie aus dem Fenster. Durch den Wind zerzauste seine Frisur. Doch der Audi beschleunigte noch mehr. „Ich liebe es ja wenn sie mich ignorieren…“, grummelte Ben, zog seine Hand wieder zurück und Semir nahm ebenso mehr an Tempo an. „Wär‘ doch gelacht wenn ich den nicht einhole. Übrigens, mal was von kämmen gehört?“ Ben schloss das Fenster und sah sein gespiegeltes Ich. „Ich lach mich tot“, erwiderte er dann und Semir schaffte es, auf Höhe des Fahrerfensters des Audi zu fahren. Er liess sein Fenster runter und der Fahrer des Audis tat es ihm gleich. In dem Moment glaubte Semir, dass ihm die Luft wegblieb. „Hakan?“, stockte er hervor. „Semir, alter Freund, hilf mir!“, schrie dieser panisch und Semir sah ihn entsetzt an. „Bist du wahnsinnig mit dieser Geschwindigkeit hier rumzufahren?“ Hakan zitterte und war kreidebleich. „Ich kennt euch?“, fragte Ben verwundert und Semir winkte ab. „Ich habe keine andere Wahl Semir, bitte du musst mir glauben! Mu…Mura…ich habe eine Bombe unter meinem Sitz wenn ich nicht…“ In diesem Moment ging Hakans Wagen in Flammen auf, der laute Knall hallte Semir in den Ohren und die Druckwelle der Explosion erreichte seinen Wagen, der durch die Luft geschleudert wurde.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Semir und Ben schrien panisch und hielten sich irgendwo fest. Der Deutschtürke umklammerte dass Steuer, bis seine Fingerknöchel weiss hervortraten und Ben krallte sich an seinen Sitz fest. Der Wagen prallte auf den Boden und überschlug sich noch ein paar Mal bis er stehen blieb. „Semir…alles okay?“, fragte Ben keuchend, der sich kopfüber wieder fand und spürte, dass das Blut in seinen Kopf floss. Er löste seinen Gurt und prallte unsanft auf das Wagendach. „Ja ich leb noch…“, murmelte Semir und tat es ihm gleich. Jedoch richtete er sich in Windeseile auf und rannte sofort los. Er ignorierte den Massenunfall, der sich um ihn herum abspielte und lief sofort auf den brennenden Audi zu. Ben bemerkte dies und sprintete sofort hinterher. Bevor Semir das in Flammen lodernde Wrack erreichen konnte, schaffte Ben es noch, ihn unter den Armen zu packen. „Semir das hat keinen Sinn!“, mahnte er, doch Semir versuchte sich loszureissen. „Lass mich los, Hakan ist noch da drin!“


    Ben hatte grosse Mühe ihn zu halten. Doch er wollte Semir nicht gehen lassen. Es war sowieso zu spät „Semir du kannst ihm nicht mehr helfen!“ „Nein, nein er ist noch da drin, ich muss ihm helfen! HAKAN!“ Semir schrie aus voller Kehle, wollte sich immer wieder losreissen, doch Ben gab nicht nach. „Semir es hat keinen Sinn mehr“, appellierte er nochmals an seinen Freund und Partner und dieser sank danach in die Knie. Seine Augen starr, sein Atem schwer. Der ganze Körper zitterte. Ben zog sein Handy hervor, wählte eine Nummer, drückte das Gerät an sein Ohr und kniete zu Semir. „Susanne?“, begrüsste er die Kriminalbeamtin, die sich am anderen Ende anmeldete. „Hör zu wir brauchen Verstärkung…und zwar auf der Autobahn Richtung Bonn…genau, ebenso die Feuerwehr und die Ambulanz…es eilt! Es gab eine Explosion, ab besten rufst du auch gleich noch Hartmut an. Wir befürchten, dass es ein Anschlag oder etwas dergleichen war. Ich danke dir…“ Er hängte auf und steckte sein Handy wieder an die gewohnte Stelle zurück. Er legte seinen Arm um Semir und spürte, wie dieser zitterte. „Scheisse verdammt noch mal…“, zischte der Deutschtürke und schlug mit der geballten Faust auf den, vom Russ bedeckten, Asphalt.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Semir…wer war dieser Hakan…?“ Bens Satz war langsam und bedacht ausgesprochen. Er wollte seinen Partner nicht drängen, doch die Neugier war einfach zu gross. „Ein Freund aus Kindertagen…noch bevor ich zum Autoknacker wurde…“, begann Semir stockend und wusch sich den Dreck aus dem Gesicht, „wir haben uns lange Zeit nicht gesehen gehabt, bis vor kurzem…und nun das…wir wollten uns noch treffen Ben…mal über das Quatschen, was wir in der Zeit erlebt haben, in der wir uns aus den Augen verloren hatten.“ Ben spürte die Bedrücktheit, die Semir umklammert hatte und versuchte sie, aus ihm herauszukriegen, indem er ihm über den Rücken strich. Danach stand er auf. „Jedenfalls, wird er uns nicht mehr sagen können…was los war…und wir sollten froh sein, so brutal das auch klingt, dass es uns nicht erwischt hat.“ Semir tat es Ben gleich und schloss für einen kurzen Moment die Augen. „Er sagte es sei eine Bombe unter seinem Sitz gewesen…“, sagte Semir leise und Ben sah ihn geschockt an. „Erklärt die Explosion…aber…wie kann jemand nur so grausam sein? Heilige Scheisse… Jedenfalls müssen wir warten, bis hier alles behoben ist…“ Er blickte über das Chaos. „Wir sollten den Verletzten helfen…mehr können mir im Moment nicht tun“ Semir richtete sich auf und nickte. „Du hast Recht…“, stammelte er hervor und lief langsam voraus, während Ben ihm hinterher blickte. Er hatte ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Was immer da auch geschehen war, so einfach war dies nicht zu beheben. Semir hatte gerade einen Freund aus Kindertagen verloren. Ben hatte bereits schon so eine ähnliche Erfahrung gemacht gehabt und er wusste genau, wie schlimm dies war. Er beschloss Semir mit all‘ seinen Kräften zu helfen. Was immer auch auf sie zukommen würde.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Die Feuerwehr hatte sichtliche Mühe, das gewaltige Feuer zu löschen. Immer wieder mussten sie neuen Flammen ausweichen und sich in Sicherheit bringen. Sanitäter nahmen sich den Verletzten an und brachten sie zu den Krankenwagen. Ben stemmte die Hände in die Hüfte und seufzte schwer. Er uns Semir hatten sich, nachdem die Ambulanz eingetroffen war zurückgezogen und sich auf den Hügel gestellt, um niemanden im Weg zu stehen. Während Ben stehen blieb, um einen Überblick über das Ganze zu haben, hatte sich Semir hingesetzt und die Augen geschlossen. Immer wieder holten ihn Kindheitserinnerungen ein, wie er mit Hakan spielte und sie genüsslich auf genau so einem Hügel sassen und ein Eis assen.
    „Ben…“ Der Angesprochene sah Semir an. „Ich will dieses Schwein finden…!“, sagte er bestimmt. „Natürlich und ich werde dir dabei helfen Partner!“, erwiderte er und hielt ihm seine Hand zum Einschlag hin. Semir packte sie und wurde von Ben direkt hochgezogen. In diesem Moment konnten sie ein erleichterndes Jubeln der Feuerwehr hören, der Brand war gelöscht. Ben und Semir liefen nach unten zu ihnen und erkundigten sich. Ein junger Feuerwehrmann, nahm sich ihnen an. „Das Feuer war heftig, wir hatten unsere liebliche Mühe, es zu bändigen“, gestand er und wies auf eine verkohlte Leiche, von der nur noch das Skelet und ein paar verbrannte Haut- und Kleiderfetzen übrig waren. „Leider konnten wir ihn nicht mehr retten…“ Semir schluckte schwer und auch Ben war für einen kurzen Moment wegen des Anblickes erstarrt gewesen. Er hatte sich kurz die Hand vor den Mund gehalten um die aufkommende Übelkeit zu unterdrücken. „Wir danken Ihnen trotzdem“, sagte er dann und schüttelte dem Feuerwehrmann die saubere Hand. Dieser wies seinen Chef an, dass er fertig wäre und sie zogen ab. Man wollte nicht unnötige Spuren verwischen.
    Die Notärzte, auf die Semir und Ben danach zugegangen waren, gaben den Beiden je ein paar Handschuhe. Diese zogen sie an und begannen, den Wagen zu untersuchen. „Hoffentlich finden wir was!“, murmelte Semir und Ben stimmte ihm zu. Während Semir versuchte, den Kofferraum zu öffnen, begab sich Ben zur Leiche. Er rümpfte die Nase und versuchte, noch was zu finden, doch hoffnungslos.




    Ben erschrak, als Semir einen spitzen Schrei ausstiess und schoss in einer solchen Geschwindigkeit hoch, dass er seinen Kopf heftig am rostigen, verkohlten Wagengebäude anstiess. „AUA!“, zischte er und sah zu seinem Partner. „Man, Semir was sollte das denn?“, fragte er ein wenig gereizt und rieb sich die schmerzende Stelle. Er sah, wie Semir sich die Hand hielt und Blut seinen Handschuh benetzte.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Verdammte Scheisse“, fluchte der Deutschtürke, „ich habe mich an einem spitzen Wrackteil geschnitten!“ Ben zog seine dreckigen Handschuhe aus und ging auf seinen Partner zu. „Zeig‘ mal“, forderte er und der Deutschtürke streckte seine Hand aus. Eine tiefe Schnittwunde erstreckte sich über der Handfläche. Das Blut sammelte sich auf dem Latex des Handschuhs. „Das muss sofort genäht werden…“, murmelte Ben und nahm ein sauberes Papiertaschentuch aus seiner Hosentasche. „Nimm‘ mal den Handschuh weg…“
    „Wer ist hier eigentlich der Papa von wem?“, fragte Semir zurück und als Ben in das Gesicht seines Partners sah, erblickte er ein Lächeln. „Handschuh ausziehen!“, forderte Ben nochmals, dieses Mal aber nicht mehr mit so ernster Stimme.


    Semir tat wie ihm befohlen und zog seinen Handschuh aus. Nun sah man den tiefen Schnitt noch deutlicher und Ben legte das Taschentuch als provisorischen Verband drauf. „So…am besten, wir gehen damit zum Notarzt…denn ein Krankenwagen ist noch da…“ Semir nickte auf Bens Vorschlag und auf dem Weg zum Krankenwagen, hielt Hartmut sie kurz auf. „Autsch, Semir sag‘ mal was hast du denn gemacht? Hast du dich geschnitten?“, fragte er in seinem typischen Tonfall und wies auf Semirs blutende Hand. „Nein, ich bin Vampir und lebe von Eigenanbau…sag mal was denkst du, natürlich hab‘ ich mich geschnitten!“ Ben konnte sich ein Prusten nicht verkneifen, drehte deshalb den Kopf weg und Hartmut zog bloss eine Augenbraue hoch. „Wo ist das Auto?“, fragte er dann leicht genervt und die beiden Autobahnpolizisten zeigten ihm den Weg. „Danke“, grummelte er noch zum Abschied und verschwand dann.
    „Doch noch zu Scherzen aufgelegt.“ Semir sah Ben an, der lächelte und ihm auf den Rücken klopfte. „Dumme Fragen erfordern dumme Antworten.“, erwiderte Semir und gemeinsam gingen sie zum Krankenwagen, wo gerade ein Sanitäter den Wagen zu machen wollte, als die Beiden auf ihn zukamen. „Anscheinend werden wir doch noch gebraucht“, begrüsste er die Beiden mit einem Lächeln und Semir streckte ihm die Hand hin. „Können Sie das hier für mich nähen?“ Der Sanitäter begutachtete die Wunde und nickte dann. „Das sollte kein Problem sein. Wollen Sie danach weiterarbeiten?“ Semir bejahte dies. „Gut, dann werde ich Ihnen einen besseren Verband geben der etwas aushält.“ Semir nickte dankend und stieg zu dem Sanitäter in den Wagen. Ben blieb draussen und ging die Sache nochmals durch. Ein Freund von Semir mit einer Bombe unter dem Sitz. „Muss ein grausamer Tod sein“, dachte er laut. „Tag Ben…“ Ben sah auf und erblickte seine Kollegen Bonrath und Herzberger. „Tag Leute…solltet ihr nicht beim Wrack sein?“
    „Waren wir auch“, begann Dieter, „aber da haben wir euch nicht gefunden und da haben wir uns gefragt wo ihr seid und sind euch suchen gegangen.“ Ben legte den Kopf schief und grinste. „Ach nein…lasst mich raten, hat euch die Krüger geschickt?“ Hotte verschränkte die Arme. „Ganz bestimmt nicht! Hör‘ mal, wir haben euer Auto gesehen, da macht man sich schon Sorgen!“ Bens stand auf und klopfte sich den letzten Rest Staub von seiner Kleidung. „Hört mal, wann ist uns schon mal was ernsthaftes passiert?“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Bisher noch nicht“, ergriff nun Hotte das Wort, hob aber väterlich den Zeigefinger, „aber eines Tages Junge…pass‘ lieber auf dich auf!“ Ben nickte. „Zurück an die Arbeit“, befahl er dann lächelnd und die beiden uniformierten Polizisten zogen ab. Er hörte ein kurzes und spitzes, „Aua!“ und drehte sich um. Der Sanitäter war gerade dabei, Semirs Wunde zu nähen. Semir verzog dabei immer wieder sein Gesicht und atmete dann erleichtert aus, als es vorbei war und der Sanitäter den Verband anlegte. „So, dass sollte halten“, sagte er abschliessend und Semir nickte dankend. „Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben“, sagte auch Ben und der Sanitäter winkte ab. „Wofür sind wir denn da?“ Er winkte zum Abschied, schloss den Wagen und dieser fuhr davon.



    Semir ballte seine Hand zur Faust und öffnete sie dann wieder um zu prüfen, ob er noch alles bewegen konnte. Und er konnte es. „Gehen wir zurück zum Wrack?“, fragte er Ben und dieser schüttelte mit dem Kopf. „Hartmut und unsere beiden Oldies sind schon dort – ich denke es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Doc kommt.“ Semir rieb sich kurz über die Stirn. „Gut…dann habe ich eine Bitte an dich…“
    „Klar, was immer du willst“, erwiderte Ben und Semir nahm sein Handy hervor. „Ich habe die Adresse von Hakans Familie eingespeichert. Ich möchte sofort dort hin und seine Frau informieren.“ Ben zuckte mit den Achseln. „Natürlich, nur…mit welchem Auto fahren wir?“, fragte er und Semir sah wehleidig auf seinen BMW, der nur noch Schrott war. „Ich höre die Krüger schon wieder innerlich…“, murmelte er und machte ein angeekeltes Gesicht. Ben grinste. „Da müssen wir durch Kumpel. Also, ich gehe schnell einen Kollegen fragen ob sie ein Auto für uns hätten ok?“ Semir bedankte sich und Ben lief im Eilschritt davon. Semir sah ihm mit einem Lächeln nach. Er erinnerte sich an die erste Begegnung mit seinem jüngeren Partner. Wie er ihn mit der Waffe gedroht hatte weil er Angst hatte, dass Ben auf der anderen Seite wäre, doch das war nicht so. Und nun waren sie die besten Freunde. Er wollte es sich manchmal nicht eingestehen aber, nach Tom hatte er bei keinem Partner mehr dieses Gefühl mehr gehabt – das Gefühl, in seinem Partner einen Freund und Bruder gefunden zu haben.
    Nach einer Weile kam Ben in einem Polizeiauto vorgefahren und öffnete Semir die Beifahrertüre. „Ging ja schneller als ich gedacht habe“, meinte der Deutschtürke und stieg ein, „hast du den Polizisten bestochen?“ Ben zog eine Augenbraue hoch und startete den Motor. „Na klar“, erwiderte er nur kurz und fuhr los. Semir tippte auf den Tasten seines Handys rum und drückte den Apparat danach ans Ohr. Er wartete eine Weile, bis jemand abnahm. „Selam Aisha, nasılsın? bir şey söylemek gerekir…Sana vermem…evet…Kadar...yakın". Ben verstand überhaupt nichts und konzentrierte sich lieber auf den Verkehr. Als Semir aufhängte, bemerkte dieser, dass Ben sich fragte, was er wohl gesagt hatte.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Ich hab‘ ihr gesagt, dass ich bei ihr vorbeikäme und ihr was zu sagen hätte…“, übersetzte er und Ben nickte dankend. „Soll‘ ich unten warten?“, fragte er und Semir schüttelte mit dem Kopf. „Nein…es wäre mir lieber wenn du mitkommst…“ Ben klopfte mit einer Hand Semir auf die Schulter, die Andere hielt er auf dem Lenkrad. „Wir schaffen das Kumpel…“, sagte er und Semir atmete tief durch.
    Ben parkte vor einem kleinen Haus am Stadtrand und Beide stiegen sie aus. „Dann mal los“, spornte Semir sich an und schritt voran. Ben lief ihm hinterher. Der Deutschtürke betätigte die Klingel und eine Frau in seinem Alter von zarter Statur und engelsgleicher Schönheit öffnete ihm die Türe. Ihr schwarzes Haar ging bis zu den Schultern und war offen. „Semir!“ Sie lächelte, blickte aber verwirrt zu Ben. „Aischa…darf ich dir Ben vorstellen? Er ist mein Partner bei der Autobahnpolizei.“ Sie nickte und gab Ben die Hand. „Freut mich sehr dich kennenzulernen“, sagte sie in einem akzentfreiem Deutsch und Ben nickte. „Freut mich ebenfalls“, erwiderte er und Aischa sah danach neugierig zu Semir. „Also, was soll dieser plötzlicher Besuch. Besonders, wenn du mit deinem Partner kommst?“ Semir sah kurz zu Ben und dieser nickte aufmunternd. „Aischa…es geht um Hakan…“


    Aischa schüttelte mit dem Kopf. Sie kannte diesen Satz aus vielen Kriminalfilmen und er bedeutete nie etwas Gutes. „Hayır ...“,stiess sie hervor was „Nein…“, bedeutete und schlug die Hände vor den Mund. Tränen begannen über ihre Wangen zu laufen. „Es tut mir leid Aischa…er ist verstorben…“, sagte Semir und sie fiel ihm in die Arme, begann bitterlich zu weinen. Semir strich ihr über den Rücken und liess sie gewähren. „Mein Hakan…mein Hakan…“, wiederholte sie immer wieder wimmernd und schluchzte dabei heftig. „Wo sind deine Kinder Aischa?“, fragte Semir und Aischa richtete sich auf, atmete durch und versuchte die Tränen aus den Augen zu streichen, doch es folgten immer wieder neue. „In der Schule…sie haben noch Nachmittagsnachhilfeunterricht…“, antwortete sie und schüttelte kurz mit dem Kopf: „Was sind das für Manieren?“, beschimpfte sie sich selbst und trat zur Seite. „Kommt bitte rein…“ Semir und Ben betraten den Hausflur und sahen, dass Aischa Pantoffel trug, auch wirkte der Boden gerade frisch gewischt. Also zogen die beiden Autobahnpolizisten ihre Schuhe aus, da sie von der Explosion noch voller Russ waren und betraten die Wohnung. Semir sah auf Bens schwarze Socken. „Hey, mal kein Loch drin…“, flüsterte er lobend und Ben sah hinunter. Aber mehr als ein kurzes Lächeln, hatte er dafür nicht übrig.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Sie folgten Aida ins Wohnzimmer, wo sie sich auf die Couch setzte und den Beiden einen Platz auf den Sesseln anbot. Sie nickten dankend. „Wie ist das passiert?“, fragte sie direkt und Semir strich sich kurz über den Kopf. Welche Worte würde er nun benutzen. „Aischa…wir befürchten, dass es ein Anschlag war…“ Die Trauer wich aus Aischas Gesicht und die Augen weiteten sich ins Unermessliche. Sie begann auf einem Nagel zu kauen. „Aischa?“, fragte Semir, der dieses nervöse Verhalten sofort auffiel. „Ich hatte ihm gesagt es war eine schlechte Idee…“, flüsterte sie und blickte die Beiden dann erschrocken an. „Tut mir leid Semir…ich muss euch bitten zu gehen…“ Sie stand auf und der Deutschtürke sah sie verwirrt an.


    „Was? Aber…“ Aischa wies zur Türe. „Bitte…bitte Semir!“ Ben stand auf und zog Semir mit sich. „Komm‘“, sagte er kurz und leise, zog sich die Schuhe an und Semir tat es ihm gleich. Ohne eine Verabschiedung schloss Aischa, als die Beiden aus dem Haus waren, die Türe hinter sich zu. „Was war das denn gerade?“, fragte Semir und Ben stemmte die Hände in die Hüfte. „Ich will ja nicht voreilig sein aber…was, wenn dein Sandkastenfreund und seine schöne Frau was angestellt haben?“ Semir sah Ben entsetzt an, konnte diesen Gedanken aber auch nicht abwenden. „Ihr Verhalten sprach Bände…“ Der Satz des Deutschtürken war langsam und bedacht ausgesprochen gewesen. Jedenfalls machte er sich darüber Gedanken und Ben war deswegen sehr erleichtert. „Und nun?“ Semir sah zum Wagen. „Fahren wir zur PAST und sehen dann, was wir tun können…“ Ben nickte. Gemeinsam liefen sie auf das Gefährt zu und stiegen ein. „Vorher noch ein Kaffee?“, fragte Ben und Semir schüttelte mit dem Kopf. „Wir können naher in die Caféteria, ist sowieso besser!“ Ben zuckte mit den Achseln und startete den Motor. Er fuhr Richtung Viertelausfahrt und Beide bemerkten nicht, wie sie von Aischa vom Fenster aus beobachtet wurden.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Die Cafeteria war leer, als Ben und Semir sie betraten und sich bei den Automaten eine Kaffee holten. „Seltsam, normalerweise ist hier um die Zeit doch die Hölle los…“, murmelte Semir und sah auf seine Armbanduhr. „Nun ja, viele sind ja wegen einer Grippewelle zuhause geblieben – andere waren wahrscheinlich schon da“, erwiderte Ben und setzte sich mit Semir an einen Tisch. Der Deutschtürke wirkte leer und abwesend, was Ben nicht entfiel. „Semir…?“, begann er vorsichtig und der Angesprochene reagierte auch. Er sah seinen Partner an. „Alles in Ordnung?“, fragte Ben nochmals und Semir wippte mit dem Kopf hin und her. „Ben, ein alter Kollege von mir ist gestorben und seine Frau macht mir nicht gerade einen unverdächtigen Eindruck…ich weiss nicht wie’s mir geht und was ich von dem allen halten soll…“, gestand er ehrlich und genehmigte sich einen Schluck seines Kaffees. Ben atmete tief durch. „Wir werden die Wahrheit finden Semir…wann haben wir das jemals nicht getan?“ Semir lächelte leicht. Da hatte sein Partner schon recht. Ben erwiderte das Lächeln und trank seinen Kaffee aus. Danach klopfte er sich auf die Oberschenkel. „So…dann machen wir uns mal an die Arbeit!“ Semir stimmte ihm zu. Sie standen auf, gaben die leeren Tassen in die Spülmaschine der Cafeteria und gingen zurück ins Büro, wo Susanne bereits auf sie wartete. „Da seid ihr ja endlich“, sagte sie und Ben setzte ein verführerisches Grinsen auf. „Wieso, hast du uns vermisst?“, erwiderte und die blonde Kriminalbeamtin verdrehte die Augen. „Witzig“, kommentierte sie knapp und reichte Semir eine Mappe. „Hier ist alles über Hakan Yanar…“, begann sie nun mit ernster Stimme, „ich denke…es wird dir nicht gefallen!“ Der Deutschtürke nahm, ein wenig verwirrt, die Mappe entgegen. Susanne verabschiedete sich und gab Ben nochmals einen ziemlich eindeutigen Blick, so dass dessen Lächeln aus dem Gesicht verschwand. Er schloss die Türe hinter ihr zu und drehte sich zu Semir. „Und?“, fragte er neugierig und sah, wie sein Partner sich mit dunkler Miene das Gesicht massierte. „Oh-oh, den Blick kenn‘ ich“, begann Ben und Semir richtete seine Aufmerksamkeit auf ihn, „der Weltberühmte, „Wie konnte ich mich nur so täuschen“-Blick.“


    „Leider…“, murmelte Semir und reichte Ben die Mappe, „aber schau selber!“ Ben nahm die Mappe in die Hand und lass sich das Register von Hakan Yanar durch. Es wirkte zunächst recht angenehm. Ein – zwei Mal wurde er wegen zu schnellen Fahrens zu einer Busse verurteilt, doch dann sah Ben eine Notiz der LKA. „Hakan Yanar wird verdächtigt, als ehemaliger Spion für den Drogenbaron Günther Stromer fungiert zu haben. Jedoch konnten bisher keine Beweise gefunden werden“, las er sich laut vor und hörte ein lautes Seufzen seines Partners. „Ich kenne Stromer…Ben…“, begann er und der Jüngere sah Semir erstaunt an, „und er hat mir in meiner bisherigen Karriere am meisten Angst gemacht…“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Inwiefern?", fragte Ben neugierig nach und Semir seufzte schwer. "Es war noch bevor ich hier bei der Autobahnpolizei angefangen habe und JA", er hob einen Finger und richtete ihn gegen Ben, "es IST eine Ewigkeit her!" Ben zuckte mit den Achseln, konnte sich aber ein Lächeln nicht verkneifen. "Hör auf meine Gedanken zu lesen!" Auch Semir lächelte leicht, fuhr dann aber fort. "Jedenfalls, ist das meine erste Narbe von vielen auf meinem Körper. Ich war allein...wollte ihn aber unbedingt kriegen und ehe ich mich versehen hatte, hatte ich ein Messer im Bauch...ich spüre es immer noch wenn ich ihn in meinen Gedanken hören sage: "Du wirst mich nochmals sehen Gerkhan..." Denn...obwohl ich schwerz verletzt wurde konnte mein Partner ihn verhaften und ich denke...Stromer hatte es zu diesem Zeitpunkt gewusst..." Ben setzte sich an seinen Schreibtisch und sah, wie Semir mit der Fassung kämpfte. Und er kannte diesen Blick. "Du bist danach nochmals auf Stromer getroffen, nicht wahr?" Semir nickte. "Bei der Gerichtsverhandlung...drehte Stromer durch und erstach meinen damaligen Partner mit dem Brieföffner seines Verteidigers..." Ben lehnte sich nach hinten und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. "Scheisse...das ist hart...", murmelte er und Semir nickte. "Ja das ist es...", murmelte er und sah Ben an. "Er war dir sehr ähnlich...", begann er dann und Ben legte den Kopf schief, "...wir waren beide ungemeinde Hitzköpfe, aber deswegen konnten wir es so gut miteinander...bis auf die Tatsache, dass wenn er gesungen hatte selbst die Katzen tot umfielen, war er dir wirklich ähnlich!" Ben verstand die Andeutung. "Semir...noch wissen wir gar nichts, vielleicht irrt sich das LKA...und wenn nicht, vielleicht hat Stromer mit dem Ganzen gar nicht zu tun..." In diesem Moment ging die Türe auf und Kim Krüger trat herein. "Doch hat er...", mischte sie sich in Bens Satz ein und die Beiden Männer sahen sie verwirrt an. Kim schloss die Türe hinter sich zu. "Susanne hat mich informiert. Ich bin der Sache nachgegangen. Ausserdem hat Hartmut angerufen. Er konnte im Wrack einen USB-Stick finden und ein paar Dateien wiederherstellen. Einige davon sind verschlüsselte Mails die er wiederherstellen konnte. Es sind Mails, die an Stromer im Gefängnis gerichtet sind..."


    Ben sah Semir an und dieser atmete schwer und zitterte leicht. "Dann hat Hakan Yanar für Stromer die weiteren Drogengeschäfte verrichtet?", fragte Ben und Kim nickte. "Das befürchte ich...", murmelte sie und sah zu Semir, da sie von Hotte und Dieter darüber informiert wurden, dass Semir den Toten kannte. "Vielleicht sollte ich Sie...", begann sie und Semir winkte ab. "Bitte nicht Chefin...ich habe mich in Hakan gettäuscht und ich werde dafür sorgen, dass alle die Verantwortlichen hinter Gitter kommen..." Kim verschränkte die Arme. "Sind Sie sich sicher?", fragte sie nochmals nach und Semir nickte.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Chefin...es geht mir nicht darum, dass Hakan ein solcher Verräter war, mir geht es um seine Kinder, denn wir haben den dringenden Verdacht...", er verstummte und Ben ergriff das Wort, "wir vermuten dass seine Frau Aischa...ebenfalls mit drin steckt, jedenfalls ihrer Reaktion zufolge...wir waren drum bei ihr um sie über den Tod ihres Mannes zu informieren..." Kim Krüger verschränkte die Arme. "Jedenfalls, sollte eine kleine Missachtung Ihrerseits folgen Herr Gerkhan..." Semir nickte verstanden. "Schon klar...ich werde mich hüten", erwiderte er und die Chefin verliess das Büro.
    "Gut...wir haben einen toten Freund von dir...seine verdrehte Frau und einen alten Feind von dir der mit deinem alten Freund was zu tun hatte richtig?" "Richtig", bestätigte Semir und zog eine Augenbraue hoch. "Worauf willst du hinaus Ben...?", fragte er da er den Tonfall kannte und der Jüngere zuckte mit den Achseln. "Ich weiss ja nicht, aber wenn man bedenkt dass die Alle mit dir irgendwie was zu tun haben..." Semir stand auf und begab sich zum Fenster, er sah durch die Jalousinen auf den Parkplatz. Es begann zu regnen. "Du hast ja recht...", gab der Deutschtürke dann zu und setzte sich danach wieder. "Also, was schlägst du vor?" Ben sah ebenfalls kurz aus dem Fenster. "Ich sage, wir warten den Bericht des Gerichtsmediziners und der KTU ab. Danach können wir entscheiden!" Semir nickte. "Ok...", sagte er dann knapp und in dem Moment konnte man, selbst durch die geschlossenen Türen, die Stimme Kim Krügers hören, dazu noch eine weitere, weit unsympatischere Frauenstimme. "Aber Frau Staatsanwältin ich bitte Sie..." In dem Moment knallte die Bürotüre auf und Frau Strahtmann, zusammen mit zwei bulligen Polizisten, stand auf der Türschwelle. Ihr Blick war verächtlich auf Semir und Ben gerichtet. "Meine Herren, bitte nehmen SIe Semir Gerkhan fest!", zischte sie und die Männer wollten auf ihn zu.


    Ben stellte sich dazwischen. "Wow...warum so eilig Frau Staatsanwältin...was haben Sie Semir eigentlich vorzuwerfen?" Schrankmann zeigte auf Semir. "Herr Gerkhan hat Hakan Yanar getötet. Auf der Bombe, fanden sich seine Fingerabdrücke!" Ben drehte sich zu Semir um, doch dieser schüttelte energisch mit dem Kopf. "Nein...ich habe ihn nicht umgebracht", stotterte er hervor und Kim mischte sich ein. "Frau Staatsanwältin da muss ein Irrtum vorliegen...", wollte sie ansetzten doch wurde prompt unterbrochen. "Nichts, der Haftbefehl ist erlassen...", zischte sie verächtlich und dabei geriet Spucke an Kims Gesicht, welche sie angeekelt aus dem Gesicht nahm. Die bulligen Polizisten liessen ihre Handschellen klimpern.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Kim schritt ein. "Dann lassen Sie mich wenigstens mit ihm reden!" Schrankmann sah sie mit giftigem Blick an. "Gut...", sagte sie aber danach leise und die Chefin nickte Semir und Ben zu. Diese gingen mit ihr aus dem Büro und liefen an Hotte vorbei. "Herr Herzberger, bitte bringen Sie unserer Besucherin und ihrer Begleitung eine Tasse Kaffee..." Hotte nickte und begab sich zu dem Trio, dass auf ihn zukam. Kim zog ihre Männer mit in den Verhörraum. Diesen schloss sie ab und zog die Jalousinen zu. Sie bat Semir sich zu setzten und sie tat es ihm gleich. Und zwar ihm gegenüber. Ben lehnte sich in einer Ecke an die Wand und verschränkte die Arme. "Bitte, Chefin...Sie müssen mir glauben...", setzte Semir an doch Kim hob die Hand. "Ich weiss...", begann sie, kramte in ihrer Tasche rum und zog einen Autoschlüssel hervor. Sie bat Ben zu sich und überreichte ihn ihm. "Kennen Sie ein gutes Versteck?", fragte sie den Jüngeren direkt und dieser konnte seinen Mund vor Schock beinahe nicht schliessen. "Ehm...der Bandraum eher nicht, weil die Schrankmann den kennt aber...mein Vater hat eine alte Wohnung in einem Blockgebäude, die er gerade renovieren lässt um sie danach zu vermieten...", erzählte er und Kim nickte. "Sehr gut. Das ist der Schlüssel zu meinem Wagen...ich werde Ihnen ein wenig Zeit verschaffen..." Sie bat Semir, aufzustehen. "Ich werde Herzberger an Jägers Seite stellen. Sie halten die Füsse still klar?" Semir nickte und wollte eine Hand auf Kims Schulter legen, zögerte aber. So ergriff sie die Initiative und packte ihn an den Schultern. "Passen Sie auf sich auf klar?" "Natürlich...", erwiderte Semir und lief gemeinsam mit Ben Richtung Ausgang. Sie öffneten die Türe. "Und Jäger?" Ben sah zu ihr. "Ich möchte meinen Wagen zurück. "Natürlich Chefin...wie Sie wünschen!", sagte er mit einem Lächeln und gemeinsam schlichen sich die Beiden aus dem Raum. Sie konnten umbemerkt hinauskommen. Kim lief inzwischen wieder zurück. Bevor sie das Büro betrat, zerzauste sie ihre Haare leicht und riss ein wenig an ihrem T-Shirt. Danach ging sie wieder hinein, wo die Schrankmann sie entsetzt ansah.


    Ben und Semir fuhren zu der Wohnung. Die ganze Fahrt lang schwiegen sie. Als sie angekommen waren, stiegen sie aus und liefen zum Eingang der Wohnung. Ben hob einen der leeren Blumentöpfe, zog einen Schlüssel hervor und öffnete die Türe. Sie gingen hinein. Alte Möbel standen darin. Sie waren abgedeckt. "Da wären wir...", murmelte Ben und zog die Abdeckung von der Couch ab. Semir nickte langsam. "Ben...du..." Der Jüngere sah Semir fragend an. "Du musst mir glauben...ich habe..." "Semir das weiss ich doch! Du könntest alles. Autobahnen zersprengen, Ferraris schrotten...doch du könntest nie jemanden mit purer Mordeslust töten. Dafür kenne ich dich zu gut." Er ging zum Kühlschrank, der leise surrte. "Sehr gut. Es hat sogar noch was zu essen, von den Bauarbeitern. Ich werde meinem Vater sagen, er solle die Arbeiten stoppen...wenn zumindest vorübergehend." Semir ging auf Ben zu und umarmte ihn. "Danke...", flüsterte er leise.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Ben erwiderte die Umarmung und löste sich danach von seinem Partner. „Ich gehe nun zurück, die Krüger von der Schrankmann befreien, am Abend komm ich wieder zu dir okay? Ruf‘ du in der Zwischenzeit Andrea an. Ich werde für sie und die Kleinen eine Schutzwohnung beantragen lassen, wenn das die Krüger nicht schon längst getan hat…“ Semir nickte. „Pass bitte auf dich auf okay?“, bat der Deutschtürke und Ben klopfte auf sich. „Ey…Unkraut vergeht nicht Kumpel, das solltest du am besten wissen. Na dann“, er begab sich zur Tür und drehte sich nochmals zu Semir um, „sonra arkadaşım kadar“, verabschiedete er ihn auf Türkisch, jedenfalls mit den wenigen Brocken, die er dank Semir soweit schon konnte. Es bedeutete so viel wie „Bis später mein Freund!“ Semir nickte lächelnd und als die Türe sich schloss murmelte er leise. „Sei bitte vorsichtig Partner…“
    Ben stieg in Kim Krügers Wagen und startete den Motor, als er losfuhr klingelte in diesem Moment sein Handy. Er sah auf den Display – es war die Chefin. Er nahm ab. „Und hat’s geklappt?“, fragte sie ohne eine Begrüssung und Ben bestätigte dies. „Was haben Sie der Schrankmann für ‚ne Lügengeschichte aufgetischt, wenn ich so unverschämt fragen darf?“ Ein Seufzen war zu hören. „Dass Herr Gerkhan von zwielichtigen Typen hier in der PAST entführt wurde und Sie wurden mitgeschleift. Also verdrecken Sie irgendwie Ihre Klamotten oder kleben Sie sich ein falsches Pflaster auf. Die Schrankmann glaubt mir sowieso nicht und kommt in drei Stunden wieder…"
    „Gut…irgendwas wird mir einfallen…“ In diesem Moment fuhr Ben an dem Unfallort vorbei wo Hakan Yanar sein Leben verloren hatte. Ein paar Polizisten regelten noch den Verkehr, ansonsten war alles beinahe schon aufgelöst worden. Hartmut hatte also wieder in Lichtgeschwindigkeit gearbeitet gehabt. „Frau Krüger…ich wollte mich noch bei Ihnen, auch im Namen von Semir, bedanken…“ Ein kleines Räuspern am anderen Ende war zu hören. „Wir wissen Beide dass Herr Gerkhan vorsätzlich niemals einen Menschen töten würde. Wir müssen es nun einfach beweisen!“ Ben grinste und in dem Moment rammte ihn ein Wagen von der Überholspur. Vor Schreck liess er sein Handy fallen, dass unter den Rücksitz rutschte.


    Er konnte die Fahrer des Autos nicht erkennen. Zu dunkel war noch immer die Umgebung und er musste sich auf seinen Fahrstil konzentrieren. Denn durch den vielen Nebel und den noch immer fallenden Regen, war die Autobahn ziemlich glatt geworden. Die Reifen fanden keinen Halt und als Ben noch einen Schuss hörte, wusste er, dass er den Wagen nicht mehr kontrollieren konnte. Denn die Kugel hatte seinen rechten Vorderreifen getroffen gehabt. Mit voller Wucht raste Ben gegen einen Lastwagen, wurde von der Wucht zurückgeschleudert bis sich der Wagen überschlug und auf dem Dach liegen blieb. Der Gurt hatte sich gelöst und Ben lag auf dem Dach. Sein ganzer Körper schmerzte. Bevor er sich der Schwärze der Ohnmacht hergab hörte er noch seine Chefin, vom Handy aus, knisternd und die Lautstärkeregelung funktionierte nicht mehr. „Jäger…JÄGER!“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Wie von der Tarantel gestochen, rannte Kim aus ihrem Büro und rannte zu Hotte. Dieter selbst war mit seinem Sohn im Urlaub, um sich wieder näher zu kommen: der beleibte Polizist war nun der Mann, der sie brauchte. „Kommen Sie bitte mit mir mit Herr Herzberger“, bat sie hektisch und Hotte nickte verwirrt er zog sich eine Jacke über. Kim lief währenddessen zu Susanne. „Frau König, ich brauche die GPS-Daten von Herrn Jäger, schnell! Oder schauen Sie nach, ob es gerade irgendwo einen Unfall gab, bitte!“ Susanne sah ihre Chefin leicht verängstigt an. „Ist was mit Ben?“, fragte sie leise und Kim Krüger zuckte mit den Achseln. „Das weiss ich noch nicht, aber bitte, beeilen Sie sich!“ Sie nickte Hotte zu sich und gemeinsam, verliessen Sie das Büro. Hotte lief auf seinen Porsche zu und hielt, förmlich Frau Krüger die Türe offen, diese bedankte sich und setzte sich auf den Beifahrersitz. Hotte hingegen begab sich ans Steuer, schnallte sich an und startete den Motor. „Was ist eigentlich genau passiert?“, fragte er verwirrt. „Herr Gerkhan steht unter dringendem Mordverdacht…Jäger und ich habe ihn aus der PAST geschmuggelt…und dieser hatte mir gerade angerufen dass alles wie am Schnürchen gegangen sei, doch danach hörte ich es laut krachen und dann war alles still…“ In diesem Moment klingelte ihr Handy, es war Susanne. „Ich konnte ihn finden, er ist ziemlich nahe des Ortes, wo Hakan Yanar verstarb. Das GPS-Signal war schwach, aber es ging noch eine Meldung eines Unfalls ein. Er muss dort sein.“ „Verstanden, vielen Dank Frau König!“ Kim Krüger hängte auf und informierte Hotte über die Adresse. Dieser bog sofort in die Autobahneinfahrt ein und fuhr im erhöhten Tempo über die Strassen, bis sie zu einem abgesperrten Gebiet kamen. Stau hatte sich bereits gebildet. Kim Krüger stieg aus dem Wagen aus und rannte, gefolgt von Hotte, zwischen den Lücken des Staus durch und erblickte ihren Wagen, der nur noch Schrott war – doch das zählte für sie nicht. Sie sah wie ein Mann, ungefähr in ihrem Alter, und eine jüngere Begleitung zum Wagen gingen. Kim rannte an ihnen vorbei und erblickte Ben, bewusstlos, noch immer im Wagen. Auf Seiner Stirn klaffte eine Platzwunde – mehr konnte sie noch nicht sehen. Sie beugte sich über ihn, während Hotte den beiden Helfenden erklärte, wer sie waren.
    „Jäger!“, sagte sie und gab Ben immer wieder kleine Klapse auf die Wangen, was tatsächlich half. Denn der Kopf des jungen Kommissaren windete sich und die Augen öffneten sich langsam.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Gott sei Dank...", stiess Kim aus und Ben sah sie fragend an. "Was denn, bin ich schon in der Hölle gelandet?", fragte er knirschend und sie verdrehte die Augen. "Witzig", erwiderte sie und Ben stiess einen kurzen, spitzen Schrei aus. "Alles okay?", frage Kim besorgt. "Mein Bein...mein rechtes Bein..." Die Chefin der Autobahnpolizei krabbelte in die Fahrerkabine. Dabei riss sie ihren Strumpf auf. "Na klasse, mein Auto, mein Strumpf...", zischte sie und begab sich zu dem Körperteil, das Ben genannt hatte. Und sie musste schlucken. Vom Knie aus bis zum Unterschenkel, auf der Seite, erstreckte sich eine grässliche Schnittwunde aus der eine Menge Blut floss. Sie kroch wieder zurück und von weitem, konnte sie einen Krankenwagen hören. "Kommen Sie Jäger, Sie müssen aus dem Wrack raus...", befahl sie und bot ihre Arme an. Ben verstand, packte sie und konnte sich mit Kims Hilfe hinausziehen. Ben richtete danach seinen Oberkörper auf und sah auf das Wrack, das einst Kim Krügers Auto war. "Chefin...ich....", stiess er hervor und sie schüttelte mit dem Kopf. "Der war sowieso schon alt...sollte mir mal einen neuen kaufen!" Ben sah sich sein Bein an und wurde bleich im Gesicht. "Au man...", sagte er bloss und hielt sich am Kopf. "Das gibt 'ne schöne Narbe...", murmelte die Chefin und in dem Moment kam Hotte auf die Beiden zu. "Ich hab dir doch gesagt, dass mal etwas geschehen wird!", sagte er mit väterlicher Stimme und Ben rollte mit den Augen. "Ja danke...jedenfalls wollte jemand, das ich den Überschlag mit dem Wagen mache...", zischte er und die Hände wanderten vom Kopf zum Bein. "Konnten Sie etwas sehen?" Ben schüttelte mit dem Kopf. "Nein, aufgrund des dichten Nebels, überhaupt nichts...die hatten eiskalt die Reifen zerschossen, da verlor ich die Kontrolle..." Kim nickte. "Verständlich..." In dem Moment fuhr der Krankenwagen vor und der Notarzt stieg aus. "Gibt es Verletzte?", fragte er direkt und Hotte wies, zusammen mit Kim, auf Ben. Dieser spürte, wie das feuerheisse Blut durch seine Fingerritzen lief. "Gut..." Der Notarzt lief auf Ben zu und sah sich die Wunden an. "Sieht schlimmer aus, als das es ist. Ich würde gerne die Beinwunde im Krankenhaus nähen lassen, die Wunde am Kopf tapen wir, das sollte reichen!"


    "Super Idee...je schneller ich wieder zurück an die Arbeit kann, desto besser", grummelte Ben und Hotte bot sich an, ihn zu stützen. Der beleibte Polizist half seinem Kollegen, zum Krankenwagen zu gelangen. "Bist du sicher Ben?", fragte er besorgt und der Angesprochene nickte. "Das sollte eine Warnung sein Hotte! Wer immer auch dafür verantwortlich ist, will Semir hinter Gitter sehen! Und das werde ich nicht zulassen! Die Typen werden mich noch von einer ganz anderen Seite sehen!" In dem Moment gesellte sich Kim dazu und half ebenfalls, Ben zu stützen. "Tun Sie einfach bitte nichts unüberlegtes, ich will Gerkhan auch nicht hinter schwedischen Gardinen sehen, aber wenn Sie tot sind, hilft ihm das überhaupt nicht...Herzberger, helfen Sie ihm?" Hotte nickte. "Aber natürlich Chefin!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Es dauerte bis zum Abend, bis Bens Verletzungen versorgt werden konnte. Als er endlich aus dem Ärztezimmer entlassen wurde, wartete Hotte bereits auf ihn auf der Wartebank. Wegen seines kaputten Knies musste Ben eine Schiene um das Gelenk tragen. Die Wunde am Kopf, wurde mit einem Pflaster abgeklebt. „Alles klar?“, fragte Hotte und Ben nickte. „Klar, die haben mich entlassen.“ Ben humpelte, ohne eine Krücke, voraus und Hotte schritt hinter ihm her. „Also, was hast du nun vor?“, wollte der beleibte Polizist wissen und Ben sah seinen Kollegen an. „Als allererstes will ich zu Semir. Irgendwas ist da im Busch und ich will mich vergewissern, dass es ihm gut geht. Obwohl ich mir wieder denken kann, dass er total geschockt ist, wenn er mich so sieht!“ „Er macht sich halt Sorgen um dich“, meinte Hotte gütig und Ben lächelte. „Ich weiss, nun ja, was macht die Chefin?“ Hotte zuckte mit den Achseln. „Die ist zurückgegangen, da die Schrankmann bald kommt. Sie hat deine Wunden dokumentiert und kann somit ihre fadenscheinige Ausrede beweisen!“ „Ja, mir ist aus Versehen die beste Ausrede eingefallen…“, grummelte Ben und gemeinsam verliessen sie das Krankenhaus. Besonders bei der Treppe hatte Ben Mühe und verzog immer wieder das Gesicht. Jedoch schaffte er es, ohne Hilfe, hinunter zu kommen und ging, zusammen mit Hotte, zum Porsche des beleibten Polizisten und stieg ein. „Du musst mich einfach lotsen Ben. Ich habe keine Ahnung wo das ist!“ Ben nickte. „Klar doch!“ Hotte fuhr los und mit Bens Hilfe, konnte er das Gebäude erreichen, wo Semir, in der Wohnung von Bens Vater versteckt wurde. „Konntest du deinen Vater erreichen?“ Ben nickte. „Ich hatte mich mit dem Anruf von den Fäden abgelenkt, die dieser komische Quacksalber in mein Bein verarbeitet hatte. Er war nicht begeistert, da Semir aber bei der Hochzeit meiner Schwester treu an meiner Seite war, konnte er schlecht nein sagen! Ausserdem konnte ich noch eine Schutzwohnung für Andrea beantragen, das LKA kümmert sich gerade um sie.“ Ben nahm den Schlüssel hervor und gemeinsam gingen sie zu der Wohnung. Als Ben die Tür öffnete hörte er leise Schritte. „Wir sind’s“, kündigte er sich an und Semir kam aus seinem Versteck. „Ben…“, stiess er geschockt aus und kam eiligen Schrittes auf ihn zu. „Was ist passiert? Wie geht’s dir? Oh mein Gott…“ Ben packte Semir an den Armen.



    „Alles in Ordnung mein Freund, es ist schlimmer als es aussieht…irgend so ein Vollidiot hat mich gestossen und ich habe mich mit dem Wagen überschlagen.“ Ben bemerkte, dass Semir dies nicht reichte. Der Blick war immer noch sorg voll. „Semir, wirklich. Es tut schon weh aber ich werde nicht daran sterben! Glaub‘ mir…ausserdem gibt es nun wichtigere Dinge zu tun…“ Semir sah zu Hotte und begrüsste ihn mit einem Nicken. „Unser, Falschlistenschreiber hilft mir, da Bonrath ja nach der Tatortinspizierung mit seinem Sohn in den Urlaub gefahren ist…und nun setzt dich doch!“ Semir tat wie ihm befohlen und Ben gesellte sich neben ihn. Dabei streckte er sein verletztes Bein aus und gab ein kleines, knirschendes „Au“, von sich. „Konntest du Andrea erreichen?“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Semir nickte. „Sie ist stark…wie immer“, sagte er leise und schloss die Augen. Ben legte eine Hand auf Semirs Schultern. „Alles kommt wieder in Ordnung, dass verspreche ich dir Kumpel! Ich lasse nicht zu, dass du unschuldig in den Knast wanderst!“ Der Deutschtürke blickte in Bens Gesicht, wo ein riesen Lächeln zierte, dass ansteckend war. „Was würde ich nur ohne dich machen?“ Ben zuckte auf Semirs Frage mit den Achseln. „Keine Ahnung…nun ja auch ich habe eine Menge Scheisse gebaut Semir…das ist bei uns wie eine Wage…jetzt bist du einfach mal wieder dran!“ Semir rollte auf diese Antwort mit den Augen. „Super…jedenfalls, Ben pass‘ bitte auf dich auf ja? Auch wenn’s angeblich nicht so schlimm ist wie’s aussieht…Schmerzen musst du ja wirklich haben…“ „Kein Wunder, bei einer zehn Zentimeter langen Schnittwunde…“, grummelte Hotte und klinkte sich so ins Gespräch ein. Er hatte sich etwas zu trinken geholt gehabt. „Wie viel?“, fragte Semir entsetzt und starrte Ben mit offenem Mund an. „Herrgott…zehn Zentimeter…was sind schon zehn Zentimeter?“ Semir stöhnte auf Bens Erwiderung hin und klatschte sich mit der freien Hand an die Stirn. „Gott…wie kann man nur so stur köpfig sein?“ Ben grinste. „Wieso fragst du den Typen da oben? Frag‘ doch mich direkt!“ Semir konnte sich, auf diesen flachen Kalauer, kein Lächeln abgewinnen. „Was wirst du nun tun?“ Ben sah zu Hotte. „Hotte und ich werden Morgen nochmals zu Aischa fahren. Irgendwas verheimlicht sie uns und ich will wissen, was es ist! Danach, hoffe ich, dass ich mit der Chefin reden kann, wenn die Schrankmann sie nicht schon mitgenommen hat…“ Hotte schüttelte mit dem Kopf. „Das bezweifle ich. Wir haben ja deine Verletzungen dokumentiert Ben. Mit denen, kann sie ihre Theorie untermauern. Und die Schrankmann kann nichts erwidern, bis sie einen Gegenbeweis hat.“ Semir verschränkte die Arme. „Die wird sie haben…irgendwann, die Frau ist schlimmer als die Pest, die Cholera oder Bens Unordnung…“


    „Das ist keine Unordnung, sondern ein wohlgepflegtes, gehütetes Chaos mit System!“ Semir blickte zu Ben. „Bring solche Sätze ja nie meinen Töchtern bei, sonst hau ich dir eine!“ Ben hob die Arme. „Ich werde mich hüten, mich in deine Erziehungskünste einzumischen, mein türkischer Hengst!“ Semir lächelte, schwach, aber er lächelte. Hotte sah auf die Uhr. „Wir sollten uns alle in die Falle hauen…“ Ben nickte. „Geh‘ nach Hause…ich bleibe hier bei Semir. Und morgen, erwarten wir ein schönes Frühstück klar?“ Hotte nickte, stand auf und umarmte Semir freundschaftlich. „Pass‘ auf dich auf…“, murmelte der beleibte Polizist und Semir nickte. Ben, nickte er zu und danach verschwand er.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Semir lächelte als er sah, wie Ben auf der Couch eingeschlafen war. Unter den tausenden Plastikplanen und Laken, suchte er eine Decke und fand auch eine. Hustend klopfte er den Staub ab und legte sie Ben über. Es war ein anstrengender Tag gewesen. Und dieser machte sich nun bemerkbar. Semir schüttelte lächelnd den Kopf und ging zum Kühlschrank, um sich ein wenig Wasser zu holen. Seine Kehle war staubtrocken. Er beugte sich zu dem kleinen Kühlschrank und nahm sich eine kleine Wasserflasche hervor. Als er sich wieder aufrichtete und aus dem Fenster blicken wollte, dass sich in der Küche befand, blickte er direkt in das Gesicht entdeckt er das eiskalte Gesicht Stromers. "Hallo Gerkhan...", zischte er und Semir wollte schreien, als Stromer ihm die Hand vor den Mund hielt. Auch als er nach seiner Waffe im Halfter greifen wollte, war der Drogenhändler wieder schneller und nahm sie Semir ab. "Lange her nicht wahr...du hast dich verändert...älter bist du geworden!" Semir zitterte am ganzen Leibe. Plötzlich fühlte er sich wieder wie der Frischling, der von genau diesem Mann, brutalst niedergestochen wurde. "Ich werde nun die Hand wegziehen, aber an deiner Stelle würde ich nichts falsches tun!" Mit der freien Hand schnippste Stromer und ein anderer Mann kam vom Flur her. In seiner Gewalt - Ben. Dieser versuchte sich zu wehren, zerrte mit aller Kraft, doch der Kerl trat gegen das verletzte Bein des jungen Kommissares und Ben schrie auf, was Semir zusammenzucken liess. Langsam, zog Stromer seine Hand weg. "Sie mieses Schwein...", zischte Semir und Stromer wippte mit dem Zeigefinger hin und her. "Semir...was sind denn das für Worte...die hattest du früher nicht in den Mund genommen. Ausserdem habe ich dir geraten lieb zu sein, ansonsten..." Er nickte seinem Gehilfen zu und dieser trat nocheinmal auf Ben verletztes Bein. Danach drückte er Semirs Partner auf den Boden und drückte das Knie zwischen die Schulterblätter von Ben. "Verdammt was soll das? Sie haben doch schon einen Mordverdacht auf mich gelenkt? Was wollen Sie noch?" Stromer grinste. "Ach, das hast du schon herausgefunden? Kluger Junge! Aber du bist nur halbwegs geflüchtet, dass enttäuscht mich..."


    "Worauf wollen Sie hinaus?", fragte Semir noch einmal und Stromer zuckte mit den Achseln. "Komm einfach mit mir. Was dir geschehen wird, kann ich dir nicht sagen. Aber...es wäre eine bessere Idee." Mit der Hand wies Stromer auf Ben, der schweissüberströmt am Boden lag, noch immer das Knie des Gehilfen zwischen den Schulterblättern. So gut wie er konnte, schüttelte er mit dem Kopf und wollte Semir so zu verstehen geben, dass er Stromer auf keinem Fall, Folge leisten sollte. "Sie müssen mir aber versprechen, dass meinem Partner, und meiner Familie nichts passiert...", meinte Semir leise und Stromer nickte. "Natürlich, ich bin ein Ehemann, also kommen Sie..." Semir folgte Stromer und sah Ben mit einem entschuldigenden Blick zum Abschluss nach. Danach sah er, wie Stromers Gehilfe Ben bewusstlos schlug und ihnen hinterherrannte. "Stromer Sie Arschloch!", schrie Semir und als er zurückrennen wollte, wurde auch er an der Schläfe getroffen und zuckte zusammen.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Es ging die Sonne auf, als Hotte Herzberger in die Richtung der Wohnung fuhr, wo Semir von Ben vor der Staatsanwältin Schrankmann versteckt wurde. Er ging die Treppen hinauf und klopfte dann an der Tür. Doch niemand öffnete. "Ben..?", fragte er, doch wieder nichts. "Da stimmt doch was nicht...", murmelte Hotte und blickte durch den Türspion, konnte jedoch nichts erkennen. "Was sein muss, muss sein", murmelte der beleibte Polizist und drückte die Türfalle hinunter, sofort ging die Türe auf. "Das ist nicht gut..." Hotte nahm seine Waffe in den beidhändigen Anschlag und schlich langsam in die Wohnung. Auf dem Boden fand er fremde Abdrücke von Stiefeln. "Das ist gar nicht gut!" Er lief weiter und hörte ein leises Stöhnen. Er folgte dem Geräusch und fand dann Ben, alleine, sich langsam aufrichtend auf dem Boden. "Scheisse...Junge...!" Hotte steckte seine Waffe wieder ein und konnte Ben im rechten Moment noch auffangen, bevor Ben wieder einknickte. "Semir...Semir...", murmelte Ben benommen doch Hotte konnte deutlich die Angst in der Stimme seines jüngeren Kollegen hören. Ben sah sich um. "Scheisse...", wimmerte er und Hotte strich Ben ein paar fettige, verschwitzte Haarsträhnen aus dem Gesicht. An der Schläfe wurde rötlich, blauer Fleck sichtbar. "Sie haben Semir Hotte...wer immer die auch waren...!" Hotte nickte und nahm sein Handy. Er rief sofort Kim an. "Ja Chefin, Semir ist weg...ich werde noch einen Arzt rufen...und..." Ben packte das Handy und drückte es an sein Ohr. "Frau Krüger...irgendwas ist da passiert. Die Kerle konnten einfach so reinkommen! Irgendjemand muss geplaudert haben, wo Semir ist. Die konnten das nicht einfach so herausfinden!" "Ich werde sofort kommen Ben...was immer auch passiert ist, bitte, bitte hören Sie auf Herrn Herzberger!" Mit diesen Worten hängte sie auf. Ben überreichte Hotte das Handy und versuchte nochmals, sich aufzurichten, was dieses Mal, mit Hottes Hilfe, auch gelang. "Ich sollte einen Arzt rufen..." Ben löste sich aus Hottes Haltung und schüttelte mit dem Kopf. "Mir geht es gut!", knurrte er und als er auf seinem Bein abstehen wollte, knickte er wieder, unter einem lauten Schmerzschrei wieder ein. "Ben bitte...!", flehte Hotte ihn an und kniete zu ihm herunter.


    "Semir...Semir...?" Semir windete seinen Kopf hin und her und öffnete dann langsam seine Augen. Seine Arme brannten heftig und er hatte insgesamt das Gefühl, dass sein Körper aus Blei war. Als sich langsam der Schleicher vor seinen Augen lichtete, erblickte Semir direkt das Gesicht Stromers. Dieses schleimige, dicke Grinsen, wie er es hasste. Semir wollte sich bewegen, doch in diesem Moment bemerkte er es. Er war gefesselt. Die Arme nach oben gezogen. Er war angekettet. "Nicht so voreilig mein Guter! Sei ein braver Junge!" Nach diesem Satz lachte Stromer und hielt seine Hand in die Dunkelheit, da der Raum schwach beleuchtet war. "Komm mein Schatz. Sieh' mal, was ich für dich habe!" Eine Person trat in das Licht und Semir glaubte, dass ihm die Luft aus den Lungen gezogen wurde. "Aischa...?"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!