Die ehrenwerte Gesellschaft

  • Kapitel 1.
    Familie über alles



    Nico Fiancelli saß in seiner Wohnung am Rheinufer und zupfte auf seiner Gitarre. Monoton fiel der Regen gegen die Fensterscheiben, doch Nico ließ sich davon nicht in seiner ruhigen Art in eine Melancholie hinunterziehen. Schweigend zupfte er an den Gitarrenseiten und beobachtete das bunte Treiben auf den Straßen. Menschen gingen in ihre Regenmäntel und Jacken gehüllt durch den strömenden Regen. Nico sah ab und zu durch seine Fenster nach draußen. Er schüttelte nur den Kopf. „Es muss schon heute etwas dringendes zu erledigen sein, dass ich mich da raus traue.“, murmelte er und holte sich eine Cola aus seinem Kühlschrank.


    Wieder ging er zu seinem Instrument, das auf der ausgesessenen Ledercouch lag, doch das Klingeln seines Handys lenkte ihn zu seinem Esstisch. „Ciao, hier Nico.“, meldete er sich. „Hallo, Ben hier.“, meldete sich Ben Jäger. „Ah Ben, was gibt es? Sonst rufst du doch immer an, wenn du was auf dem Herzen hast.“, lachte der Italiener, der vor einigen Jahren erst nach Deutschland gekommen war. „Keine Bange Nico, ich werde dich heute nicht mit meinem Liebesleben nerven.“, erwiderte Ben am anderen Ende der Leitung und lachte laut los. „Was hast du denn nun wirklich?“, wollte Nico wissen. „Pass auf, die Jungs und ich treffen uns nachher in unserem Probenraum. Kommst du auch zur Bandprobe?“, wollte Ben wissen. „Klar, um nichts in der Welt lass ich mir eure Katzenmusik entgehen.“, erwiderte der Italiener und lachte laut los. „Ha ha, so schlecht spielen wir ja wohl nicht.“, murrte Ben. „Schon klar... nein, ich komme. Wieder um die gleiche Zeit wie letztens?“ „19 Uhr. Okay, bis später.“, verabschiedete sich Ben. Nico lachte nur und legte sein Handy dann ebenfalls weg. „Was für ein verrückter Kerl.“, dachte er laut.


    Luciano Fiancelli saß in seinem Auto vor der Wohnung seines Vetters und spielte mit seinem Handy in der Hand herum. Er wusste, was seine Einstellung seinem Vetter Nico zu seiner Familie in Italien hatte. Hier in Deutschland umschrieb man sie fast vornehm mit den Worten „ehrenwerte Gesellschaft“. Nico wollte von dieser Familie nichts wissen, war deshalb nach Deutschland geflüchtet. Doch das Familienoberhaupt, ihr Großvater in Italien, in einer abgeschiedenen Villa in der Nähe von Rom, verlangte den Zusammenhalt der Familie. Zumal Nico der Nachfolger seines Vaters werden sollte, der mit einer schweren Krankheit zu kämpfen hatte, und in die „ehrenwerte Gesellschaft“ eingegliedert werden. Das war die Aufgabe von Luciano. Er stieg aus und ging auf das Haus zu, wo sein Vetter seine Wohnung hatte. Er wollte mit ihm persönlich sprechen. Sollte er sich weigern, mit ihm nach Italien kommen, hatte er vom Großvater schon entsprechende Anweisung erhalten. Dazu genoss er die volle Unterstützung der hier ansässigen Mafiabosse.


    Semir und Andrea saßen auf ihrer Terrasse. Semir hatte sich für heute frei genommen um mit Andrea die Versöhnung nach dem vergessenen Urlaub zu feiern. „Ich war echt ein Esel. Ach Andrea… wieso ist das denn so schwer ein paar Termine zu merken. Ich meine… okay… ich bin beruflich sehr angespannt und habe ne Menge Dinge im Kopf. Nur das was wirklich wichtig ist, das vergesse ich…“, erklärte er. Andrea sah ihn an. „Semir… dein Problem ist dass es für dich eigentlich nur den Job gibt. Du musst abschalten. Wenn Feierabend ist, dann ist Schluss mit dem Job. Dann zählen nur ich und Aida. Das musst du dir angewöhnen. Feierabend heißt entspannen. Solange du das nicht kannst, dann wirst du immer Termine vergessen. Aber nun genug von dem Thema. Was hältst du davon, wenn wir heute Abend grillen? Wir laden Ben ein und machen uns einen schönen Abend. Susanne könnte ja auch kommen. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass da zwischen Ben und Susanne was laufen kann.“, schlug Andrea vor. Semir nickte begeistert. „Hast du das Wetter bemerkt? Auch wenn es nicht kalt ist, aber es schüttet aus Kübeln. Was meinst du wie schnell die Stimmung den Bach runter geht?“, stöhnte Semir. „Ja aber es ist nicht kalt und wir haben einen Elektrogrill. Da können wir dann auch im Wohnzimmer oder hier auf der Terrasse grillen. Egal bei welchem Wetter. Das wäre auch Ben und Susanne egal…“, grinste Andrea. Semir hob die Hände. „Ich will mich nicht mit dir streiten! Also gut… dann werde ich mich jetzt in den Wasserfall dort stürzen und einkaufen gehen….“, stöhnte er gekonnt. Andrea sah ihn strafend an. „Du hast doch ein Auto… darin wirst du schon nicht nass werden. Also… wir brauchen Würstchen, Rippchen, Koteletts, Salate, Ketschup, Majo, Tzaziki und Getränke… Bier, Limonade, Cola, Wasser…“, zählte sie auf. „Alles klar…!“, grinste Semir und erhob sich schwerfällig.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • da ich das WE nicht da bin und nicht weiß, wie ich es morgen schaffe, hier der Teil für Freitag
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    Susanne legte den abgearbeiteten Ordner zur Seite als das Telefon klingelte. „Autobahnpolizei König!“, meldete sie sich. „Hallo Susanne… Andrea hier. Sag mal hättest du Lust heute Abend zu uns zu kommen? Wir wollen grillen und einen schönen lustigen Abend machen.“, hörte sie ihre Freundin. Susanne sah aus dem Fenster. „Grillen? Bei dem Wasserfall draußen?“, harkte Susanne nach. Andrea lachte leise. „Genau das gleiche hat Semir auch gesagt. Aber wir haben doch eine große überdachte Terrasse und notfalls gehen wir ins Wohnzimmer. Mit dem Elektrogrill, den Semir letztes Jahr bekommen hat ist es sehr einfach. Also kommst du?“, wollte Andrea wissen. Susanne dachte kurz nach. „Ja sicher… ist mal ne Abwechslung. Wann soll ich denn da sein?“, stimmte sie zu. „Komm einfach direkt nach Feierabend her. Ich lade noch Ben ein und dann kann dieser Abend nur schön werden.“, lachte Andrea. „Also gut… bis später dann. Soll ich noch etwas mitbringen?“, wollte Susanne wissen. „Nein… wir haben alles zusammen. Bring einfach nur gute Laune mit.“, kam von Andrea.


    Ben nahm sein Handy in die Hand als es klingelte. Semir stand im Display. „Hey…. Ich dachte du hast genau wie ich frei?“, meldete er sich. „Ja hab ich auch. Hör mal… Andrea hat die dumme Idee zu grillen. Heute Abend. Wie wäre es wenn du auch kommst?“, hörte er seinen Partner. „Oh… heute… das ist schlecht. Wir haben heute Probe. Die Jungs und ich spielen ein wenig bei uns im Keller. Das wird sicher ne Weile dauern.“, lehnte Ben ab. „Na… dann probt doch bei uns…. Ich meine dann ist die Sache mit der Musik für heute Abend auch für uns erledigt und ihr seid doch gut. Platz ist genug und der Nachbarschaft ist es ziemlich egal. Also… pack die Jungs und komm zu uns. Probenmusik ist auch was Feines.“, schlug Semir vor. Ben musste lachen. „Das ist sehr improvisiert. Aber ihr wisst schon, dass es regnet oder?“, wollte Ben wissen. „Ja ich weiß… aber bei eurer Musik ist es egal. Bitte… Susanne kommt auch und so allein zwischen drei Frauen… ich brauche Unterstützung… Bitte Ben…lass mich nicht allein…“, flehte Semir lachend. „Okay, ich ruf die Jungs an und sag ihnen Bescheid. Aber nicht, dass die Nachbarn doch die Polizei rufen.“, erwiderte Ben lachend und legte auf. Schnell rief er seine Bandmitglieder an und teilte ihnen mit, dass sie sich heute Abend woanders treffen würden. Nur Nico erreicht er nicht. „Hallo? Bist du nicht zu Hause?“, fragte Ben sein Telefon, als er das dritte Mal bei seinem Kumpel anrief und immer nur die mit italienischem Akzent sprechende Mailbox ranging. „Och man ey.“, fluchte Ben, nahm dann wieder sein Handy in die Hand und wählte die Festnetznummer von Nico an.


    „Luciano, was willst du hier?“, fauchte der junge Deutschitaliener, als er seinen Vetter vor seiner Tür stehen sah. Sofort merkte Luciano, dass er nicht erwünscht war. „Warum so aggressiv, Cousin? Ich wollte nur mit dir reden.“, meinte er lässig und schob sich an Nico vorbei in die Wohnung. „Nette Hütte.“, meinte er nur und stellte, während er sich umsah, das Handy auf dem Tisch schnell aus. Er wollte mit Nico ungestört reden können. „Ich habe mit dir und unserer Familie nichts zu schaffen.“, zischte Nico und baute sich vor Luciano auf. „Hey, es ist unsere Familie. Großvater möchte aber, dass du zurück kommst und die Stelle deines Vaters einnimmst.“ „Vergiss es. Ich werde euch nicht bei euren Mafiageschäften helfen.“, stellte sich Nico quer. „Mafiageschäfte?“, lachte Luciano auf und schlug mit der Hand auf Nicos Schulter. „Wir helfen unserem Land. Ohne uns würde dort unten das Chaos herrschen.“, erklärte er. „Klar.“, meinte Nico verächtlich. „Ich hab gesehen wie Großvater dem Land helfen will. Er hat eine ganze Familie in ihrem Haus angezündet.“ „Verräter! Sie haben den falschen Leuten geholfen und unsere Gelder, unser Eigentum, den Sizilianern in den Rachen geworfen.“, verteidigte er sich. In seiner Heimat galten andere Regeln. Wie sollte das einer wie Nico verstehen. „Verschwinde.“, schrie Nico und schnappte sich eines der scharfen Küchenmesser, die vor ihm lagen. Luciano wich zurück. „Wow, ruhig Cousin. Ich will doch nur, dass du wieder mit mir nach Italien kommst.“, versuchte er, seinen aufgebrachten Gegenüber zu beruhigen. „Hau ab und sag diesem alten Drecksack... eher schneid ich mir die Kehle durch, als dass ich seinen Platz einnehme.“, schrie Nico und stieß seinen Cousin zur Tür hinaus. „Das werden wir ja sehen.“, lachte Luciano und ging zu seinem Wagen zurück.


    Nico ließ die Schultern sinken. Seine Vergangenheit hatte ihn wieder eingeholt. Erschöpft ging er in die Küche und schmiss das Messer aufs Brett, wo er noch am vorherigen Abend Paprika drauf geschnitten hatte. Er rutschte an seinen Schrank auf den Boden runter und lehnte den Kopf dagegen. Was sollte er nur tun? Ganz sicher würde er nicht mit diesem kleine Gangster zurück nach „Bella Italia“ gehen. Das stand für ihn fest. Die Gedanken zogen durch seinen Kopf und beinahe hätte er nicht gemerkt, wie das Telefon klingelte. „Hallo?“, fragte er vorsichtig, als er sich erhoben hatte. „Nico, endlich. Sag mal, was ist denn los? Drei Mal habe ich auf dein Handy angerufen und du meldest dich nicht.“, murrte Ben. Nico ging zu seinem Tisch und sah, dass sein Handy ausgestellt war. „Shit.“, stieß er aus. „Was ist?“, wollte Ben wissen. „Nichts, es war ausgestellt.“, erwiderte Nico. „Ist auch unwichtig. Hör mal, wir treffen uns heute Abend nicht im Probenraum. Mein Kollege hat uns eingeladen, dass wir bei ihm üben können.“ „Klasse. Hör mal, könntest du mir einen Gefallen tun?“, fragte Nico. „Klar, worum geht’s?“, fragte Ben. „Kannst du mich heute abholen? Mein Wagen ist irgendwie mal wieder am Streiken.“, log Nico. „Kein Problem.“


    ...

  • Semir fuhr wieder die häusliche Auffahrt rauf und lud den Wagen aus. „Wow, wer soll denn das alles essen?“, fragte Andrea, als sie die Unmengen an Fleisch, Wurst und Rippchen sah. „Ich habe Ben eingeladen und er kommt mit seiner ganzen Band. Deswegen habe ich noch mehr gekauft ... vorsichtshalber.“, erklärte Semir und hievte die beiden Bierkästen aus dem Wagen. „Oh, dann reicht wohl ein Salat gar nicht, was?“, meinte Andrea laut überlegend. „Wie wäre es, wenn du deinen exzellenten Kartoffelsalat machst?“, fragte Semir und strich sich mit der Zunge über die Oberlippe. „Würde ich gern... wenn du Kartoffeln gekauft hast?“, fragte sie und sofort hielt ihr Semir einen Sack Kartoffeln entgegen. „Ich schäle sie sogar.“, meinte er bettelnd und mit Dackelblick. Andrea lachte kurz auf und nickte zustimmend. „Okay, dann gleich ab in die Küche.“, befahl sie. Semir grinste und salutierte vor seiner Frau. „Jawohl!“, sagte er lachend. Andrea schüttelte nur den Kopf und trug gemeinsam mit ihm die Einkäufe rein. „Was ist mit Susanne?“, wollte Semir wissen. „Sie kommt direkt nach Feierabend. Ist für sie auch mal ne Abwechslung. Denkst du zwischen ihr und Ben könnte was laufen?“ dachte Andrea laut nach. Semir nahm sie in den Arm. „Wenn du es willst und es geschickt einfädelst… wer weiß? Aber ich denke nicht dass die Beiden zueinander finden. Zu mindest nicht auf Bestellung.“, grinste Semir und machte sich daran die Kartoffeln zu waschen. Andrea sah ihm dabei wohlwollend zu.


    Susanne sah auf die Uhr. Es war kurz vor fünf und sie hatte Feierabend. Schnell räumte sie ihren Schreibtisch auf und verabschiedete sich. Dann fuhr sie ohne Umwege zu Semir und Andrea. Vor der Tür bekam sie einen Parkplatz und klingelte kurz darauf. Nur wenig später öffnete Andrea mit Aida auf dem Arm die Tür. „Ach wie schön… Komm rein….“, begrüßte Andrea ihre Freundin. „Ja… ich freu mich auch schon. Kann ich dir noch etwas helfen? Salate herrichten, oder so?“, bot Susanne sich an. Andrea nickte. „Ja das kannst du… Semir kämpft gerade mit den Pellkartoffeln für den Salat…. Und ich glaube die Kartoffeln gewinnen…“, lachte Andrea und genau in diesem Augenblick schrie Semir in der Küche auf. Andrea rannte sofort hin und sah ihren Mann an. „Was ist denn?“, wollte sie wissen. „Ich hab mich geschnitten!“, fauchte Semir wütend. Andrea und auch Susanne mussten lachen. „Der Held in der Küche ist ein anstrengender Job… viel schlimmer auf der Autobahn.“, verhöhnte Andrea ihren Mann. „Ha… du kannst es selbst machen. Ich kümmere mich um den Grill.“, fauchte Semir beleidigt und warf das Geschirrtuch auf die Spüle. Nur wenig später hantierte er am Grill und es klappte auf Anhieb. „Das ist Männerarbeit…“, sagte er stolz. Die Frauen schüttelten nur den Kopf.


    Ben holte Nico um halb sieben ab. Als sein Freund einstieg fühlte Ben, dass etwas nicht stimmte. Nico sah sich aufmerksam um bevor er ins Auto kam. „Was ist?“, wollte Ben wissen. „Nichts… bin halt nur etwas vorsichtig.“, murmelte Nico abweisend. Ben akzeptierte diese Nachricht und fuhr los. Er bemerkte nicht, dass ihm ein Wagen folgte. „Was liegt denn an?“, fragte Nico. „OH… mein Kollege und seine Frau grillen. Auch wenn es regnet. Sie haben eine riesige Terrasse und da ist genug Platz. Außerdem ist mein Partner sehr sparsam und hat mich und die Jungs eingeladen dort bei ihm auf der Party zu spielen. Hoffe nur, dass wir nicht auch noch den Grill stellen müssen.“, lachte Ben. Nico verstand den Witz nicht. Er sah gedankenverloren auf die Straße. „Also gut… du hast was. Wenn ich dir helfen kann dann tu ich das. Ist es was Finanzielles?“, wollte Ben wissen. Nico schüttelte den Kopf. „Nein… familiär. Aber ich will nicht darüber reden, okay?“, bat er. „Okay… akzeptiert. Du hast bisher nie etwas über deine Familie erzählt. Außer dass sie alle in Italien sind. So… wir sind da.“, gab Ben an und lenkte seinen Flitzer in die Parklücke. „Ich hab noch ein paar Knabbersachen im Kofferraum. Hilf mir die Dinger mal rein zu bringen… es riecht schon verdammt gut… ich hab Hunger.“, grinste Ben und nahm Salzstangen, Chips und anderes aus dem Kofferraum. „Wer soll das denn essen?“ staunte Nico. „Mein Partner … der kann das….“, lachte Ben nur.

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  • „Ah… da bist du ja. Wo sind denn die Jungs?“, wollte Semir wissen, als Ben eintrat. „Die kommen gleich. Holen nur die Sachen aus dem Probenraum. Wo stellen wir uns hin?“, harkte Ben um sich sehend nach. „Ich dachte vielleicht zum Schutz der Nachbarschaft in den Keller…Nein… hier… im Wohnzimmer ist genug Platz.“ Ben nickte und suchte sich die Ecke aus. Er stellte seine Gitarre hin und sah wie Susanne und Andrea in der Küche herumwuselten. „Oh… Susanne ist auch schon da. Bin gleich zurück. Ach so… das ist Nico. Ein guter Freund. Nico… Semir Gerkhan… auch ein guter Freund.“, stellte Ben sie Männer vor. Semir reichte Nico die Hand. „Schön Sie kennen zu lernen.“, sagte Semir dabei. „Du… ich finde wir sollten uns duzen. Für das Sie bin ich nie so richtig gewesen.“, schlug Nico vor. „Gut… Semir…“, lachte der Hausherr. „Setz dich doch. Ein Bier?“, bot Semir an. Nico nickte und nahm das Kölsch in die Hand.


    In den nächsten dreißig Minuten trafen auch die anderen Bandmitglieder ein und bauten sich schon im Wohnzimmer mit ihren Instrumenten auf. Aida, die auf der Couch saß, verfolgte das Treiben gespannt mit ihren großen Augen. „Benben.“, rief sie aus und streckte ihre Arme nach dem großen Mann aus. „Na Mäuschen.“, erwiderte er, hob sie hoch und drückte ihr einen kurzen Kuss auf die Wange. Das Mädchen gluckste und kicherte, weil sie Bens Bartstoppeln gepiekst hatten. „Na Ben, hast wohl eine neue Freundin gefunden?“, stichelte Paul, der Keyboarder. „Sehr witzig Paul.“, kommentierte Ben nur. „Was denn? Lass ihn doch. Du hast doch selbst keine, oder?“, erwiderte Martin, der schon an seinem Schlagzeug saß. Nur Nico saß schweigend vor seiner Bassgitarre und sah auf die Terrasse hinaus. Ben bemerkte dies. „Hey, was ist los mit dir?“, fragte er und setzte Aida wieder auf die Couch zurück. „Nichts.“, meinte dieser nur. Ben ließ es dabei bewenden und ging dann zu seiner Gitarre, legte sie sich um und zählte an.


    Die Musik erfüllte das Haus, drang hinaus bis auf die Straße. Luciano und Marco saßen in ihrem Wagen und warteten vor dem Haus. „Was machen wir eigentlich hier? Warum holen wir uns den Jungen nicht einfach und bringen ihn zum Don?“, fragte Marco und sah zu Luciano hinüber, der nachdenklich zum Haus hinübersah. „Nein, ich will, dass er freiwillig zu uns kommt.“, erwiderte der Italiener. „Und wie?“, wollte Marco wissen. „Keine Sorge, da hab ich schon einen Plan.“, lachte Luciano. „Außerdem sollst du mich nur unterstützen. Schließlich seid ihr nur unsere Mittelsmänner hier.“, fauchte Luciano seinen deutschen Mafia-Kameraden an. „Wir haben euch hier nur die Geschäfte in unserem Namen überlassen. Ihr seid uns was schuldig.“ „Ist ja schon gut. Weißt du aber überhaupt, mit wem du es dort drüben zu tun hast?“, fragte Marco und deutete auf den BMW. „Erzähl schon und jag mir richtig Angst ein.“, forderte Luciano lachend. „Da drüben wohnt einer unserer Gegenspieler ... Semir Gerkhan. Er hat uns mit seinen Kollegen schon einige Deals versaut.“, erklärte Marco. „Ohh... etwa solche, bei denen ihr unser Geld verloren habt.“, zischte Luciano. „Hey, wir haben es euch wieder gegeben., oder?“, stammelte Marco. „Ja, schon gut. Beobachte einfach das Haus und sag mir, wann sie aus dem Haus kommen. Ich mach die Augen zu.“, gähnte Luciano und lehnte sich im Sitz nach hinten.


    Semir schwang die Grillzange und drehte ein Fleischstück oder Würstchen nach dem anderen herum. „Wird es heute noch mal was?“, rief Ben auf die Terrasse raus. „Du, ich kann auch dein Stück Fleisch dem Nachbarhund rüberwerfen. Der freut sich bestimmt.“, erwiderte Semir leicht erbost. „Das wagst du doch nicht.“, lachte Ben und sah dann nur, wie ein Stück Fleisch über den Zaun flog. Im nächsten Moment hörte er ein Gebelle und dann nur ein lautes Schmatzen. „Hey, das war mein Fleisch.“, schrie Ben erbost. „Du hast doch gesagt, ich würde es nicht wagen.“, meinte Semir und sah ihn unschuldig grinsend an. „Soll ich deine Rippchen auch rüberwerfen?“, fragte Ben und griff danach, als Semir ihm mit der Zange auf die Hand schlug. „Finger weg.“ „Jungs, beruhigt euch. Seid friedlich.“, rief Andrea mahnend nach draußen. „Tschuldigung.“, riefen Beide im Chor. Alle am großen Tisch mussten lachen, doch nur Nico lächelt kurz auf. Mit seinen Gedanken war er schon wieder ganz woanders. Ben und Semir sahen dies mit ihrem ermittlerischen Scharfsinn. „Was hat er denn? Er ist den ganzen Abend schon so still.“, fragte Semir. „Es geht wohl um seine Familie, aber er erzählt mir ja nichts.“, erwiderte Ben.


    ...

  • „Er ist Italiener?“, harkte Semir nach. Ben nickte. „Ja und er scheint Probleme mit der Familie zu haben. Ich weiß, dass sie der Mafia angehören und ich denke, dass er deshalb unter Druck gesetzt wird. Von wem, weiß ich nicht genau. Er spricht nicht darüber.“, kam kauend von Ben. „Nun, es muss ja nichts heißen. Übrigens… ich erwarte morgen neue Informationen über die Bande mit den Drogen. Es ist nämlich tatsächlich so, dass ein gewisser Marco Degusso dahinter steckt. Und der gehört auch der Mafia an. Zumindest sagen das die Buschtrommeln…“, kam von Semir. Ben grinste. „Was sagen die Buschtrommeln denn noch?“, wollte er wissen. „Nein… Semir, Ben… ihr habt Feierabend und ich will jetzt nichts über die Fälle hören, ist das klar?“, verbot Andrea ihrem Mann das Wort. Sofort schwiegen die Beiden und sahen sich nur an. „Die Chefin hat gesprochen…“, flüsterte Semir zu ihm. Andrea bekam das natürlich mit und gab ihm einen kleinen Hieb an den Hinterkopf. „Wenn dann bitte der Meister oder die Meisterin, klar?“, lachte sie. Semir nickte nur.
    Luciano schlug die Augen zwei Stunden später wieder auf. „Und?“, fragte er verschlafen. „Nichts… dieser Gerkhan nervt mich ohnehin. Wieso hauen wir keine Bombe in das Haus und wir sind alle Sorgen los.“, maulte er. Luciano schüttelte den Kopf. „Kein Bullenmord. Die deutsche Polizei ist sehr gründlich und geht sehr empfindlich damit um, wenn jemand aus ihren eigenen Reihen umkommt. Du hast den Fehler gemacht, dich erwischen zu lassen. Sei froh, dass der Don es nicht ahndet. Du weißt doch, wie brutal er sein kann. Aber wir können ihnen einen kleinen Schrecken einjagen.“, schlug Luciano vor. „Ja und wie?“, wollte Marco wissen. „Nun ganz einfach. Die Familie Gerkhan wird nicht angerührt… noch nicht. Sobald Nico rauskommt und mit seinem Freund losfährt, werden wir uns anhängen. Mal sehen wie gut der Mann fahren kann. Vor allem wenn die Reifen platt sind. Hast du deine Waffe dabei?“, fragte Luciano. Marco nickte. „Gut… dann hoffe ich dass du zielen kannst.“, grinste Luciano


    Am frühen Morgen wurde die Party beendet. Genauer gegen drei Uhr morgens. „So… ich bin dann weg…“, murmelte Ben etwas müde vom Bier. „Kannst du noch fahren?“, wollte Semir wissen. „Ja sicher… hab doch nur zwei Bier getrunken…“, wiegelte er ab. „Ja sicher aber du kannst auch hier schlafen…“, bot Semir an. „Ja sicher… aber ich muss Nico noch heim bringen..“, kam von Ben. „Für den finden wir auch noch einen Schlafplatz.“, lachte Semir. „Nein.. ich muss nach hause… es ist besser für alle hier…“, mischte sich nun Nico ein. Semir nickte. „Also gut… dann fahr bitte vorsichtig, okay… nicht das dich die Kollegen von der Stadt anhalten. Das könnte der Krüger nämlich gar nicht gefallen…“, ermahnte Semir seinen Partner noch. Dann verabschiedeten sich die Männer. Semir ging zu Andrea die bereits seit einigen Stunden schlief und legte sich für die nächsten sechs Stunden ebenfalls hin. Er musste erst gegen Mittag zum Dienst erscheinen. Noch ahnte er nicht, dass sein Schlaf nicht lange anhalten wird.


    Ben fuhr los. „So und nun erzählst du mir mal was hier los ist. Und komm mir nicht mit ich hab nichts und dergleichen.“, forderte er seinen Freund auf. „Ben… es ist besser wenn du es nicht weißt. Glaub mir.. ich habe zwar Probleme aber ich schaffe es auch gut allein.“, redete Nico sich raus. „Okay… dann vermute ich jetzt mal… also ich vermute, dass dein Vater dich nach Italien zurück holen will…. Hast du was mit seiner Machenschaft zu tun?“, fragte Ben. Nico schwieg. „Versteh doch… ich will dir helfen.“, erklärte Ben. Er sah durch Zufall in den Rückspiegel und bemerkte den Wagen. Noch war es nicht bedrohlich doch irgendwas warnte Ben vor diesem Wagen oder besser vor den Insassen. Sie erreichten die Landstraße die sie für den Nachhauseweg befahren mussten. Hier fuhr selten ein Wagen und so lebte bei Ben die größere Aufmerksamkeit auf. Immer wieder sah er in den Rückspiegel. Nico bemerkte es und drehte sich ebenfalls um. „Verdammt!!! Das ist Luciano…!“, stieß er aus. In der Stimme lag Angst und Ben erkannte es sofort. „Wer ist das?“, harkte er nach. „Mein Cousin… er will mich zurück holen. Ben… bitte gibt Gas!!“, flehte Nico. Ben ließ es sich nicht zweimal sagen, doch der Lamborghini ließ sich nicht so einfach abhängen. Und dann sah Ben wie der Beifahrer mit der Waffe auf den Wagen zielte. „Deckung!!“, schrie er und duckte sich weg. Nico kroch regelrecht in den Fußraum und fing sogar an zu beten.

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  • Marco zielte und drückte ab. Er traf nur die Karosserie. „Noch mal du Idiot!! Auf den Reifen!!“, fauchte Luciano ihn an. „Ja ist ja gut… aber er hält nicht einfach still!“, knurrte Marco zurück. Er schoss noch einmal. Diesmal traf er den Hinterreifen und der Wagen fing an zu schlingern, Doch der Fahrer verlor nicht die Herrschaft über Wagen. „Der kann verdammt gut fahren.“, lobte Luciano ihn. „Los, schieß noch mal.“, forderte der Italiener und blieb dicht hinter dem Mercedes. Marco legte erneute an und schoss, doch wieder traf er nur die Straße. Grimmig zischte Luciano ihn an. „Mach es ordentlich, oder ich stoß dich aus dem Auto.“ Wieder zielte Marco und dieses Mal traf er den zweiten Hinterreifen. Das Auto vor ihnen schlingerte mehr und mehr und hatte in der Kurve Mühe, sich auf der Spur zu halten. „Pass auf, jetzt schieben wir ihn von der Straße.“, meinte Luciano und setzte zum Überholen an.


    „Verdammt Ben, lass ihn nicht an uns vorbei.“, schrie Nico fast panisch auf und klammerte sich an Bens rechtem Arm fest. Dieser stieß ihn weg. „Hör auf, ich kann sonst den Wagen nicht lenken.“, schrie er zurück und sah immer wieder in den Rückspiegel. Die Verfolger kamen immer wieder gefährlich dicht an ihn heran und rammten den Wagen im Heck. Bens Mercedes machte einen Satz nach vorne. „Wow.“, stieß er aus und hielt den Wagen schnell wieder auf der Strecke, doch die beiden zerschossenen Reifen machte das Unterfangen mehr als schwierig. Dann kam eine scharfe Linkskurve, wo es an beiden Seiten einen steilen Hang hinunterging.


    „Los, ramm ihn.“, stieß Marco fast triumphierend aus und hielt sich am Armaturenbrett fest. „Festhalten.“, rief Luciano aus und beschleunigte wieder den Lamborghini. Er setzte sich schräg hinter Bens Wagen und wartete auf den richtigen Augenblick. Da war die Kurve und der Wagen lehnte sich elegant hinein. Da schlug Luciano zu. Er zog rüber und traf genau am Heck. Der Mercedes schlidderte in den Seitenhang hinein und schoss einige Meter hinunter, bis er gegen einen Baumstumpf schlug und dort liegen blieb. „Okay, warte hier, ich sehe kurz nach unserem Freund.“, lachte Luciano, nahm Marcos Waffe an sich und stieg den Hang zum Mercedes hinunter.


    „Ohhh.“, stöhnte Nico, als er langsam wieder zu sich kam. Sein linkes Auge brannte, irgendeine Flüssigkeit lief hinein. Mit der Hand fasste er sich an die Schläfe. Blut. Sein Blut. Eine dicke Wunde zierte ihn nun. Dann fiel sein Blick zu Ben. „Shit, Ben. Wach auf.“, stieß Nico aus, als er seinen Freund bewusstlos auf dem Lenkrad liegen sah. Doch Ben rührte sich nicht. Scheinbar hatte ihn der Aufprall schwerer erwischt, als Nico. „Ben, bitte wach auf.“, meinte er nur und schüttelte den großen Polizisten hin und her. Endlich kam ein kurzes Stöhnen von ihm. „Mhhhm.“, hörte Nico plötzlich und war erleichtert, doch dieses Gefühl verflog sofort, als die verbeulte Tür neben ihm mit einem kraftvollen Ruck aufgerissen wurde und er in den Lauf einer Waffe blickte.„Ganz ruhig, Cousin.“, zischte Luciano und lachte teuflisch, als er Nico mit hartem Griff aus dem Auto zerrte und ihn auf den Boden stieß. „Ich werde nicht mit dir mitkommen. Also los, erschieß mich.“, fauchte Nico und richtete sich ein wenig auf. „Oh, das werde ich nicht.“, lachte Luciano. „Du wirst von alleine zu uns kommen. Egal, wohin du gehst, du wirst immer einen Schatten haben und kannst niemals sicher sein, dass du allein bist. Auch deine Freunde und deren Familie werden ihre Schatten haben.“ „Lass meine Freunde in Ruhe.“, zischte Nico und kam nun richtig in Wut, doch die auf ihn gerichtete Pistole ließ ihn auf den Boden liegen bleiben. „Du hast die Wahl... in ein paar Tagen wirst du wieder von mir hören. Bis dahin... sei dir sicher, dass du und deine Bullenfreunde keine Sicherheit vor uns haben werdet.“, drohte Luciano und ging langsam vom Wagen zurück.


    ...

  • „Verdammt.“, stieß Nico aus und widmete sich dann wieder dem langsam zu sich kommenden Ben. „Ben, wie geht es dir?“, fragte Nico besorgt und fasste den Polizisten vorsichtig auf die Schulter. „Mein Arm... ich kann ihn nicht bewegen.”, flüsterte Ben vor Schmerzen. „Bleib ganz ruhig. Ich hole Hilfe.“, erwiderte Nico und suchte nach Bens Handy. Mit zitternden Händen rief Nico zunächst die Rettung an. „Ruf Semir an… er soll herkommen…“, stieß Ben mit schmerzerfüllter Stimme. „Ja… mach ich.“, gab Nico von sich und durchsuchte das Telefonbuch. Nur wenig später hatte er den Freund von Ben am Telefon. „Nico hier… Ben und ich… wir hatten einen Unfall… wir… Ben ist verletzt…“, erklärte er umständlich. „Wo?“, hörte er Semir fragen und gab den Straßennamen durch. „Ich bin gleich da!“, mehr kam nicht. Nico sah auf Ben. „Was ist mit deinem Arm?“, wollte er wissen. „Keine Ahnung. Ich habe nur Schmerzen.“, stöhnte Ben leise. „Zeig mal…“, bat Nico. „Bist du Arzt oder was?“, lachte Ben. „Nein… aber ich habe erste Hilfe gelernt… vielleicht kann ich doch…“, kam kleinlaut von Nico. „Wenn ich diese Mistkerle kriege, dann gnade ihnen Gott… das schwöre ich dir. Weißt du wer sie waren?“, wollte Ben wissen. Nico zuckte zusammen. „Nein.. ich weiß es nicht…“, log er doch er sah Ben nicht an. Zu tief saß der Schock, dass sein Cousin ihm sagte, dass seine Freunde auch darunter zu leiden haben, wenn er nicht zurückkehren würde.


    Semir zog sich schnell an. Andrea sah ihn erschrocken zu. „Was tust du denn da?“, wollte sie wissen. „Nico hat mich angerufen… Er und Ben hatten einen Unfall. Ben ist verletzt … ich fahre hin!“, gab er von sich und rannte raus. Andrea sah ihm nur nach. Semir stieg in seinen Wagen und raste los. Obwohl es schon sehr spät war und die Straßen frei, kam er für seinen Geschmack nicht schnell genug voran. „Verdammt… wo sind die nur?“, fragte er sich, als er die Landstraße endlich erreicht hatte. Ein Wagen kam ihm entgegen und blendete ihn. „Mann… mach das Licht aus!!“, fauchte er wütend und tatsächlich veränderte sich das Lichtverhältnis. Doch der Wagen kam direkt auf Semir zu und es hätte nicht viel gefehlt bis sie sich streiften. „Verdammter Idiot!!“, schrie Semir, doch er wollte sich nicht damit aufhalten. Ben hatte Vorrang. Endlich erreichte er die Unfallstelle. Die Kollegen und der Notarzt waren bereits vor Ort. „BEN!!“, rief Semir laut. „Hier…!“, kam aus dem RTW. „Gott…wie ist das denn passiert? Wie geht es dir?“, wollte Semir wissen und sah seinen Partner prüfend an. „Ganz gut soweit. Nur der Arm hat was abbekommen. Ist ausgekugelt…“, gab Ben zurück. „Wie konnte das passieren?“, harkte Semir weiter. „Erst wurde aus einem Wagen auf uns geschossen und dann haben sie uns abgedrängt. Tja… dann ist mein Wagen da unten gelandet und ich hab erst einmal die Engel singen hören. Als ich wieder wach wurde waren Nico und ich allein.“, erzählte Ben. „Hast du das Kennzeichen?“, wollte Semir wissen. „Nein… ich war voll und ganz mit dem Fahren beschäftigt. Ist gar nicht so einfach mit zwei zerschossenen Reifen.“, grinste Ben. „Ach soll ich dich jetzt dafür loben oder was?“, lachte Semir zurück. Er war erleichtert, dass es zum Glück nur bei einem leichten Personenschaden geblieben ist.


    Nico saß etwas abseits. Er kämpfte mit den Tränen. Warum konnte seine Familie ihn nicht einfach in Ruhe lassen. Er wollte einfach nichts mit ihnen zu tun haben und hat deshalb schon Italien verlassen. Ist ins kalte Deutschland gezogen um dem Ärger aus dem Weg zu gehen. Aber selbst hier versuchten ihn die Familienmitglieder zurück zu holen. Was sollte er noch tun? Das er was tun musste war klar, denn sonst würde es nicht nur ihn betreffen. Er wollte nicht, dass Ben oder Semir und seiner Familie etwas passierte. Das musste er irgendwie verhindern. Nico stand auf und wollte sich vom Unfallort entfernen, doch Semir stellte sich ihm in den Weg. „Nico, wo willst du hin?“, wollte der kleine Polizist wissen. „Nach Hause. Ich bin fertig für heute.“, log er und sah dem Ermittler nicht in die Augen. „Sieh mich an!“, forderte Semir mit harscher Stimme. Nico, erschrocken über diesen harschen Ton, drehte sich zu Semir um und sah in das entschlossene Gesicht des kleinen Mannes. „Los, jetzt sag mir, was du weißt, oder ich werde richtig wütend.“, zischte der Polizist. Nico ließ seine Schultern hängen und atmete schwer aus. „Okay, hör zu.“, meinte er und ließ sich auf einen Baumstumpf nieder, vergrub dabei sein Gesicht in den Händen. „Hör zu, meine Familie will mich mit Gewalt nach Italien zurückholen. Der Angriff von vorhin galt eigentlich mir.“, fing Nico an und sah Semir an, der mit in Falten geschlagener Stirn dastand und ihm zuhörte. „Mein Großvater herrscht über Mittelitalien wie der Papst über den Vatikan und ich soll den Platz meines Vaters übernehmen. Aber ich weigerte mich und ich will das nicht. Ich bin Musiker, kein eiskalter Gangster.“, fauchte er und knetete seine Hände. „Aber warum hast du nicht schon längst mit uns geredet? Wir hätten dir helfen können.“, meinte Semir und kniete sich neben den Musiker hin. „Meine Familie würde mich überall finden. Deshalb bin ich vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen, doch selbst hier hat mich mein Cousin gefunden. Er ist skrupellos und schreckt vor nichts zurück.“, erzählte Nico und sah zu Semir auf. „Nico, ich kann dir dennoch helfen. Wenn du willst, kannst du für eine Weile bei uns wohnen.“, bot Semir an, doch nach diesem Angebot schüttelte Nico heftig den Kopf. „Ich will dich und deine Familie nicht in Gefahr bringen. Das kann ich nicht mit meinem Gewissen verantworten.“, meinte er nur. „Versteh doch, Luciano würde alles tun, um mich zu finden und mich zur Rückkehr zwingen.“, erklärte Nico.

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    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Luciano und Marco standen etwas abseits der Unfallstelle und beobachteten das ganze Treiben mit ihren Nachtsichtgeräten. „Luciano, wieso haben wir ihn uns nicht geschnappt, als dieser Bulle bewusstlos war?“, fragte Marco und sah zu seinem Kompagnon hinüber. „Nein, du weißt doch, was ich vorhabe. Morgen werden wir diesem Gerkhan einen Besuch abstatten und einige Fotos seiner Familie machen. Dann werden wir sie an Nico schicken und ihn damit drohen, wenn er nicht will, dass den Dreien etwas passiert, er mit uns nach Italien kommen soll.“, erwiderte Luciano und grinste teuflisch. „Was ist mit dem Deal vom Don? Ich wette, die Bullen haben schon ihre Informanten befragt. Diese Ladung muss aber durchkommen.“, entgegnete Marco. „Mein Gott, dann werden wir der Familie einen nächtlichen Besuch abstatten und dem Bullen klar machen, dass er sich einige Tage ruhig verhalten soll, wenn er sein Familienleben noch lange erleben will.“ Luciano war wirklich ein Teufel und skrupellos in solchen Dingen. Er kannte nichts anderes, als die harte Tour. In Italien ging es nur mit Einschüchterung und Drohgebärden gegen die kleinen und großen Ladenbesitzer. Auch dieser Bulle und seine Familie würden bald erfahren, was es hieß, sich den Clan der Fiancellis zu widersetzen.



    2. Kapitel:
    Auf offener Straße


    Nico saß in seiner Wohnung und hatte eines seiner alten Stofftiere, einen kleinen Grauesel, das einzige Andenken an die Heimat, in der Hand. Mit der Hand wischte er immer wieder über den Kopf des kleinen Esels. Wenn er sich vorstellte, dieses Land, wo er so viele neue Freunde gefunden hatte, zu verlassen, um in seiner ihm jetzt noch mehr verhassten Heimat als einer dieser Drogenschieber und Waffenexporteure den Leuten Angst einzujagen, spürte er einen Brechreiz in sich aufkommen. Was sollte er tun? Er brauchte jetzt Gesellschaft, doch wohin sollte er? Ben war sicherlich noch im Krankenhaus und einen anderen Freund hatte er nicht. Semir, schoss es ihm durch den Kopf. Wieso sollte er nicht zu Semir gehen? Aber was war mit Luciano? Er wusste, dass er wie ein Wolf dort draußen auf seine Beute lauerte. Doch, wenn er ganz vorsichtig war, vielleicht gelang es ihm dann, den Wolf ein Schnippchen zu schlagen. Immerhin war er auch Italiener und kannte diese Stadt besser, als sein Cousin. So schnappte er sich seine Jacke und sein Handy und verschwand hinten raus, denn vorne würde sicherlich Luciano auf ihn warten.


    Semir sah Ben fragend an, als er aus dem Krankenhaus kam. „Nico sitzt wirklich in der Klemme. Wir sollten mit der Chefin reden, ob wie ihn nicht in Schutzhaft nehmen können. Zeugenschutzprogramm. Wenn wir es nicht machen, dann ist der gute Junge bald tot.“, murmelte er. Ben nicke. „Du hast doch gehört… er will sich nicht helfen lassen.“, stieß er aus und zog sich mit schmerzverzerrtem Gesicht seine Jacke an.. „Was ist mit dem Arm?“, wollte Semir wissen. „ Er schmerzt… Fahr mich nach Hause…bitte…“, kam von Ben. Semir nickte und lud seinen Partner in seinen Wagen. Die Fahrt verlief ohne jedes Problem. Anschließend fuhr er selbst nach Hause. Doch als er das Haus erreicht hatte und ausstieg wurde er plötzlich von zwei Männern angegangen. Bevor er etwas tun konnte spürte er eine Waffenmündung in der Seite. „Nur keine Aufregung…. Dann passiert niemanden etwas, klar?“, warnte ihn der Mann zu seiner Rechten. Semir nickte und hob langsam die Hände. „Was soll das?“, fragte er heiser. „Wir wollen uns nur unterhalten. Okay... wir werden jetzt gemeinsam in dein Haus gehen. Du wirst ganz brav sein und nichts unternehmen, ist das klar? Wenn nicht, dann werden mein Freund und ich sehr böse und das ist gar nicht gut für deine Frau und deine Tochter. War das deutlich?“, wollte der zu seiner Linken wissen. Wieder nickte Semir. „Klar und deutlich…“, gab er leise zu.


    ...

  • Ben ließ sich auf sein Bett sinken. Sein Arm schmerzte und auch der Kopf schien etwas abbekommen zu haben. Er zog sich mühsam aus und legte sich hin. Doch die Ruhe dauerte nicht lang, denn Übelkeit überkam ihn. Er stand schwankend auf und rannte zur Toilette. Nur kurz darauf hörte man das Würgen. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, wenn er wie der Arzt verlangte im Krankenhaus geblieben wäre, aber Ben hatte seinen Dickkopf durchgesetzt und sich nach Hause bringen lassen. Gehirnerschütterung und ausgekugelte Schulter… mehr hatte er durch den Unfall nicht erlitten. Ein Wunder, wenn man bedachte wie der Wagen aussah. Nico schien überhaupt nicht verletzt worden zu sein. Oder gab er es einfach nicht zu? Ben schwor sich, ihn gleich morgen Früh anzurufen und nachzufragen, wie es ihm ging. Dann legte er sich wieder hin. Nur wenige Augenblicke später wirkten die Tabletten die ihm der Arzt gegeben hatte. Ben fiel in einen tiefen Schlaf.


    Nico lief nervös auf und ab. Ständig hatte er die Worte seines Cousins im Ohr, der ihn schwor dass er wieder nach Italien ging. Nico wusste genau, dass es keine leere Drohung war. Luciano war keiner der nur bellte… er biss auch zu. „Okay… wenn du den Kampf willst, dann sollst du ihn haben.“, sagte er leise zu sich. Dann rief er sich ein Taxi. Er wollte Semir alles erzählen, denn ohne Hilfe konnte er nichts machen. Er brauchte sehr viel Hilfe. Die Mafia ließ nicht mit sich spielen. Das Taxi ließ auf sich warten oder kam es ihm nur so vor? Vielleicht war er nur zu nervös. Er sah auf die Uhr. Es war schon fast vier Uhr. Die Nacht war also um. Semir dürfte auch schon schlafen. Endlich kam das Taxi an. Nico dachte kurz nach und schickte es dann mit einem entschuldigenden Lächeln wieder weg. Er ging zurück in seine Wohnung und legte sich schlafen. Morgen würde er Semir und Ben alles erzählen. Sie sollten ihm helfen, Ruhe vor der Familie zu finden.


    „Los, setz dich.“, fauchte ihn der Mann hinter ihm an und stieß Semir auf das Sofa zu. „Und die Hände bleiben auf den Knien.“, zischte der Mann mit italienischem Akzent. Semir sah die Beiden mit gemischten Gefühlen an. „Was wollen sie?“, fragte Semir erneut und sah zu den beiden Italienern hoch, doch einen erkannte er sofort. Der mit der Waffe war doch Marco Degusso, den Kerl, den Semir verhaftet hatte. „So sieht man sich wieder, Bulle.“, stieß dieser aus und schlug mit dem Griff seiner Waffe Semir gegen die Schläfe. Benommen ging der Polizist zur Seite. „Hör auf.“, zischte Luciano und richtete Semir wieder auf, kniete sich dann vor den Deutschtürken und packte ihn am Hals. Semir röchelte und sah den Mann mit weit aufgerissenen Augen an. „Hör zu Bulle, mein Freund hier und dessen Freunde erwarten in den nächsten Tagen ein sehr wichtiges Geschäft. Wenn du und deine Familie noch weiter leben wollt, sorgst du besser dafür, dass ihr uns nicht in die Quere kommt.“ „Oder sonst?“, fragte Semir röchelnd und spürte dann, wie der Druck fester wurde. Er musste seinen Kopf weiter nach hinten lehnen, um überhaupt noch atmen zu können. „Willst du das wirklich wissen? Soll ich mich mal nach oben gegeben und es dir an deiner Frau demonstrieren?“, fragte der Italiener gefährlich leise. „Lassen sie meine Familie in Ruhe.“, zischte Semir, soweit es seine Luftreserven zuließen. „Wirst du dann die Füße still halten?“, wollte Marco dann wissen und hielt immer noch die Waffe dicht an Semirs Kopf. Dieser nickte. Was blieb ihm in diesem Moment auch anderes übrig. „Gut, und ich will für dich hoffen, dass du dein Wort hältst, sonst kommen wir wieder.“, meinte Luciano und ließ vom Deutschtürken ab. Dieser lehnte sich sofort nach vorne und schnappte nach Luft. Als er einen Blick riskierte, schlug ihn Marco erneut mit dem Knauf seiner Waffe nieder und dieses Mal blieb Semir regungslos liegen. Sein Gegner hatte ihn an der Schläfe getroffen und die Wunde war aufgeplatzt, Semir außer Gefecht gesetzt. Vom dem Trubel, der unten im Wohnzimmer herrschte, bekam Andrea nicht viel mit, auch Aida schlief tief und fest.

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  • Nico wachte mit heftigen Kopf- und Rückenschmerzen auf. „Ooooh.“, stieß er aus, als er sah, wo er lag. Scheinbar war er so müde, dass er es nicht mehr ins Bett geschafft und sich in seinen Lieblingssessel gekuschelt hatte und hier eingeschlafen war. „Au verflucht, wie spät ist das denn?“, fragte er sich selbst und sah auf die neben ihn liegende Armbanduhr. „Verdammt, schon halb zehn.“, fluchte er und schwang sich aus seinem „Bett“. Er wollte doch gleich früh zu Semir und Ben, um mit ihnen zu sprechen. Schnell ging er in sein Schlafzimmer und nahm sich aus seinem Schrank frische Klamotten und warf dann einen Blick aus seinem Fenster, dass zur Straße raus lag. Kein auffälliger Wagen zu sehen. „Hast du aufgegeben, du Schwein?“, fragte Nico in sich hinein murmelnd. „Oder wartest du da irgendwo auf mich?“ Dann ließ er vom Fenster ab und widmete sich seiner Morgentoilette. Schnell hatte er sich ein frisches T-Shirt angezogen, nachdem er ausgiebig geduscht hatte. Schnell ein Frühstück in den Mund geschoben und mit Kaffee hinterhergespült und dann nahm er wieder sein Handy und seine Jacke und schlich sich sicherheitshalber wieder hinten raus. Über den Hof führten mehrere Wege zu mehreren Straßen. Schnell war er bei einem Taxistand und stieg in den erstbesten Wagen ein, nannte die Adresse, wo er hinwollte und schon brauste das gelbe Gefährt los.


    Ben wachte mit einem Schwindelgefühl auf, das er nicht mehr kannte, seit er mit Semir einen durchzechten Abend verbracht hatte. Wieder war sie da, diese Übelkeit, doch er musste sich nicht übergeben. Er konzentrierte sich auf einen festen Punkt und nach wenigen Minuten war auch das Schwindelgefühl weg. Nur sein Arm fühlte sich an, als ob er nicht vorhanden war. Überprüfend sah er an sich hinunter. Beide waren noch da. Langsam trottete er in Richtung Badezimmer und gönnte sich erstmal eine heiße Dusche. Als dies erledigt und er sich abgetrocknet und angezogen hatte, wollte er sich gerade an den Frühstückstisch setzen, als es an der Tür klingelte. „Wer auch immer das ist, der kann jetzt was erleben.“, fauchte Ben und ging schnaubend zur Tür. „Nico?“, stieß er aus, als er seinen Musikerfreund erblickte, nachdem er die Tür geöffnet hatte. „Ben, ich muss mit dir und Semir unbedingt reden. Geht das?“, fragte er leicht außer Atem und sah Ben mit flehendem Gesicht an. „Na komm rein.“, meinte der Polizist nur und führte den Italiener ins Wohnzimmer. „Willst du einen Kaffee oder lieber einen Orangensaft?“, fragte Ben. „Kaffee und schön stark bitte.“, erwiderte Nico und sah sich immer wieder hastig um. Ben konnte sich das Verhalten einfach nicht erklären. Nachdem er mit einer weiteren Tasse und einem Löffel aus der Küche wiederkam und es vor Nico abgestellt hatte, setzte er sich ihn gegenüber. „So, und jetzt will ich alles wissen.“, forderte Ben. „Was ist mir dir los?“


    Andrea wachte auf und war überrascht, dass das Bett neben ihr leer war. „Semir?“, fragte sie etwas verschlafen. Doch er war nicht da. Sie richtete sich auf. „Semir?“, wiederholte sie. Keine Antwort. Leicht verwundert schüttelte sie den Kopf und zog sich schnell den Morgenmantel über. Sie ging die Treppen runter und vermutete, das Semir bereits duschte. Doch auch im Bad war es ruhig. Dann fiel ihr Blick ins Wohnzimmer. Dort lag er auf der Couch. „Hey… was ist denn los?“, fragte sie und weckte ihn. Erst jetzt bemerkte sie das Blut an der Schläfe. „SEMR!! Was ist passiert?“, fragte sie entsetzt. Semir sah sie an. „Aua…. Andrea… seid ihr okay?“, stellte er die Gegenfrage und fasste sich an die Schläfe. „Ja sicher.. was ist los?“, wollte sie wissen. „Wir hatten etwas unangenehmen Besuch…“, stöhnte er. „Wer? Soll ich Ben anrufen?“, harkte sie nach. Semir nickte. „Ja…aber er kann auch nicht Autofahren…“, gab Semir zurück und erzählte von dem Unfall. Nur wenig später hatte er Ben am Telefon. „Semir? Bist du okay? Hast du jemanden erkannt?“, kam sofort von Ben, als Andrea diesem erzählt hatte, was passiert war. „Ja…der eine war Marco Degusso…“, stieß Semir aus. Sein Kopf dröhnte extrem. „Okay… ich bin gleich bei dir und ich bringe Nico mit. Er hat uns einiges zu erzählen…“, erklärte Ben und legte auf. Andrea versorgte ihn vorsichtig und behandelte die Wunde. „AUA!!!“, stieß er aus. „Semir…. Das muss genäht werden.“, gab sie zu verstehen. „Ja… ich lass mich nachher ins Krankenhaus fahren.“, versprach er.


    ...

  • Ben legte auf und sah Nico an. „Also gut… du wirst mir alles erzählen. Das war Semir… er wurde heute Nacht bedrängt und niedergeschlagen. Von einem sehr guten Bekannten. Kennst du Marco Degusso?“, wollte er von Nico wissen. Nico schloss die Augen und nickte. „Ja… er ist ein Freund von meinem Cousin. Ben… was ist mit Semir?“, harkte nun Nico nach. „Werden wir gleich feststellen. Du wirst mit mir dorthin fahren. Und dann werden wir Tacheles reden!“, grollte Ben wütend. Nico nickte nur und griff zum Autoschlüssel.Wenig später waren sie bei Semir. „Verdammt… was wollten sie von dir?“, harkte Ben nach, als er Semir auf dem Sofa liegen sah. „Sie wollen, dass ich die Füße still halte, ansonsten würde meine Familie darunter zu leiden haben. Tja, und Marco Degusso fand es natürlich lustig mich zu schlagen. Der Andere sagte mir gar nichts. Er fand es wiederum lustig mich zu würgen. Ich hab erst einmal klein beigegeben, um Andrea und Aida zu schützen. Aber die stelle ich sofort unter Schutz.“, erklärte Semir dann den Vorfall vom Vorabend.Andrea hörte schweigend zu. Sie hatte Aida auf dem Schoss und fütterte sie. Also war es wieder einmal soweit..., dachte sie. Personenschutz, weil irgendwelche Verbrecher sie wieder einmal bedrohte. Wie sollte denn Aida so verstehen, was ein normales Leben war. „Semir…“, fing sie an. „Andrea… die Kerle waren von der Mafia. Die spielen nicht. Ich werde kein Risiko eingehen. Du und Aida werdet ab sofort unter Polizeischutz gestellt. Ende der Debatte. Ich will nicht das dir oder ihr etwas passiert.“, sagte er sofort. Andrea nickte. Sie hatte gelernt auf ihn zu hören. Denn er hatte meistens Recht. Warum konnten diese Verbrecher nicht einfach…sie schüttelte den Kopf. Wie naiv dachte sie denn…? tadelte sie sich selbst.


    Nachdem Andrea und Aida von den Kollegen in eine sichere Wohnung gebracht wurden und Semir sich selbst notdürftig mit Pflaster versorgt hatte, standen er und Ben wie erschlagende Statuen vor Nico und sahen abwartend auf ihn runter. „So Nico, nun mal los. Was wollen diese Typen von meiner Familie und vor allem, was soll das Ganze?“, fragte Semir und schien durch diese Ereignisse sehr gereizt zu sein, denn seine Stimme entsprach eher der eines bissigen Rottweilers. Nico sah zu beiden hinauf und merkte, dass er nicht mehr anders konnte, als alles zu erzählen. „Mein Name ist Nico Fiancelli, mein Großvater ist der gefürchtetste Mafiapate in Mittel- und Oberitalien. Mein Vater kontrolliert für ihn die Toskana und Rom. Ich soll sein Nachfolger werden, doch ich floh... heimlich, mit dem nächsten Nachtzug aus Rom nach München und von dort aus weiter bis nach Köln.“, erzählte Nico und sah dabei auf die leere Spieldecke von Aida, die immer noch im Wohnzimmer lag. Ben sah Semir erschrocken an, denn bisher hatte Nico nie über seine Vergangenheit geschweige denn seine Familie so offen geredet. „Meine Familie ist grausam... gegen sich selbst und andere Menschen. Und mein Cousin ist einer der Grausamsten. Ich habe mit ansehen müssen, wie er eine ganze Familie in ihrem eigenen Haus einsperrte, es mit Benzin übergoss und anzündete, nur weil sie kein Schutzgeld für ihre Pension zahlen wollten.“, fuhr Nico fort und zitterte bei den Gedanken sofort wieder am ganzen Körper. Das Bild und die Schreie der vier Menschen konnte und würde er niemals vergessen. Er musste schlucken, um die Tränen zu unterdrücken, die sich wieder in ihm aufbauten.


    Semir sah, wie bestürzt und nervlich fertig der Junge war. Er setzte sich neben ihm und sah ihn von der Seite an. „Aber was wollen die Kerle von uns?“, fragte er dann. „Luciano soll mich zurückbringen. Als Ben und ich den Unfall hatten... das war sein Werk... er ... er hat mir gedroht, sollte ich nicht freiwillig mitkommen, würden meine Freunde von ihnen so lange terrorisiert werden, bis ich mit ihnen nach Italien gehe... Semir, Ben, ich will euch nicht in Schwierigkeiten bringen. Aber ich will auch nicht nach Italien zurück.“, flehte er regelrecht und sah immer wieder zwischen den Beiden hin und her. Ben kniete sich vorsichtig vor ihn und packte seine gesunde Hand auf die Schulter seines Freundes. „Nico, keine Sorge, jetzt können wir dir helfen. Wir werden dafür sorgen, dass sie dich nicht kriegen werden.“, meinte der junge Hauptkommissar. „Aber... aber sie werden euch nicht in Ruhe lassen, bis sie das haben, was sie wollen.“, erwiderte Nico. „Keine Sorge,“, kam es von Semir. „Wir haben schon ganz andere Dinge durchgestanden.“, meinte er mit einem kurzen Zwinkern, doch innerlich wusste er, dass dies ein harter Kampf werden würde. Sie hatten ja schon mit den deutschen Mafiabossen zu kämpfen und die Italiener waren einfach ein anderes Schwergewicht, mit dem sie sich da anlegten.


    Don Antonio saß in seinem prachtvollen Haus in einer abgeschiedenen Ecke von Duisburg und rauchte eine seiner teuren Zigarren. Der weißhaarige Mann sah auf, als Luciano und Marco in den Wintergarten traten und sich vor ihm aufstellten. „Und? Hat er die Warnung verstanden?“, wollte der Pate gleich wissen. „Si Signore, aber ich glaube kaum, dass er es bereitwillig tun wird.“, meinte Marco mit leichter Nervosität in der Stimme. „Es sollte besser für dich sein, dass er sich daran hält. Ansonsten wirst du meine nächste Jagdtrophäe sein.“, zischte der Mann und deutete auf die Geweihe an der Wand, die er in all den Jahren geschossen und erlegt hatte. Marco schluckte und verschwand dann. Luciano blieb vor dem Mann stehen, vor dem er keine Angst hatte. Wie auch, war er doch mit ihm verwandt. „Und Luciano? Hat sich Nico zur Rückkehr zu meinem Bruder und meinem Enkel entschlossen?“, fragte Don Antonio. „Nein Großvater, noch nicht.“, lachte er. „Aber bald wird er das tun. Ich werde mir heute Nacht diesen anderen Polizisten vornehmen, mit dem er zusammen seine alberne Musik macht und gleich werde ich in Nicos Wohnung gehen und dort mal ein bisschen umräumen.“ „Gut... sehr gut. Lass ihn wissen, dass wir ihn ständig beobachten und dass die Familie über alles geht.“, meinte der Don und schickte seinen Verwandten wieder fort.

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  • Ben sah zu Semir. „Wir können ihn nur schützen, wenn er bei uns ist. Entweder bei dir oder bei mir.“, schlug er vor. „Bei mir waren sie schon. Aber es ist ja gut möglich, dass sie nicht wissen, wo du wohnst. Ich meine, bei dir ist es doch genial zu wohnen. Nachdem ich aufgeräumt habe…“, grinste Semir und verzog dabei sein Gesicht. „Alles in Ordnung?“, wollte Ben wissen. „Ja sicher… ich habe nur ein wenig Kopfschmerzen. Aber gut, dass Andrea und Aida in Sicherheit sind. Und diesen Marco werde ich mir auch noch vornehmen. Auf meine ganz besondere Art und Weise…“, drohte Semir. Ben nickte nur. „Wir sollten uns erst einmal wirklich zurück halten. So tun, als würden wir die Bedingungen erfüllen.“, dachte er laut nach. „Du meinst, die geben sich damit zufrieden. Ich denke nicht. Ben… ich glaube, da haben wir uns verdammt viel aufgehalst…“, stöhnte Semir und ahnte nicht wie Recht er behalten sollte.


    Zwei Stunden später fuhr Ben mit Nico zu sich nach Hause. Ständig ging sein Blick in den Rückspiegel ob er einen Verfolger entdecken konnte. Doch nichts war auszumachen. „Vielleicht hat er aufgegeben.“, meinte Ben zu Nico. Dieser schüttelte den Kopf. „Die Familie gibt nicht auf. Nur dann, wenn ich zurückgekehrt oder tot bin …“, erklärte er leise. Es klang sehr resigniert. „Nico… du wirst nicht zurückgehen. Du wirst nicht in dein Verderben rennen.“, kam leicht wütend und tröstend zugleich von Ben. „Danke… ich meine, ich weiß genau, wie groß die Gefahr für dich und Semir ist. Seid bloß vorsichtig. Ich geh kurz rauf und hol ein paar Sachen. Willst du mit oder wartest du hier?“, wollte Nico wissen. Ben entschied sich zu warten. Nico nickte und stieg aus. Es dauerte keine halbe Stunde und er war wieder da. „Ist ja nicht gerade viel…“, gab Ben zu bedenken. „Es wird ausreichen…“, gab Nico von sich. Ben fuhr zu sich. Wieder ging ein Blick in den Rückspiegel. Kein Verfolger… das war sehr gut.


    Ben wusste nicht, dass Luciano und Marco bereits in seiner Wohnung waren und auf ihn warteten. „Wow… der Junge scheint in Geld zu schwimmen…“, murmelte Luciano als er die Einrichtung sah. „Der hat wirklich einen tollen Geschmack…“, grinste Marco zustimmend und öffnete die Flasche Whiskey aus der Bar. „Sauf nicht! Er kann jeden Augenblick hier sein. Ich brauche dich bei wachem Verstand! Denk daran, dass er ein Bulle ist!“, fauchte Luciano ihn an. „Mann… was will der uns denn tun? Er ist nur ein Bulle… genau wie Gerkhan… und der war auch lammfromm….“, lachte Marco. Luciano ging zu ihm, nahm die Flasche aus dessen Hand und griff mit der freien zu seinem Kinn. „Wenn du denkst, dass du sie unterschätzen kannst, dann hast du dich geirrt. Ich kenne diese Art von Bullen… die geben nicht auf. Gerkhan war nur so friedlich, weil er deine Waffe am Schädel hatte. Sollte mein Plan deinetwegen nicht funktionieren, dann töte ich dich eigenhändig… und ich schwöre dir, vorher wirst du so richtig leiden klar?“, drohte er ihm. Marco sah dass er es ernst meinte. In diesem Augenblick hörten sie den Schlüssel im Schloss. Luciano sah Marco warnend an, der sofort zu seiner Waffe griff.


    Luciano stellte sich hinter die Tür und bereitete sich vor, die Beiden zu überfallen. Als er den ersten Arm sah ergriff er ihn und schleuderte die Person weit in den Raum hinein. Ben wusste nicht, wie ihm geschah. Er flog in sein Wohnzimmer, über die Couch und landete hart auf den Boden. Nico stand in der Tür und wollte Ben zu Hilfe eilen. „Versuchs erst gar nicht.“, zischte Marco und drückte dem Jungen die Waffe in die Seite. Nico blieb wie eine Eissäule stehen, sah auf Ben, der sich völlig überrumpelt wieder aufrichtete, aber von Luciano bei den Haaren gepackt und hochgezogen wurde. „Ahhh.“, stieß Ben aus. „Halts Maul.“, zischte Luciano und sah ihn funkelnd an. „So, ich denke mal, mein Cousin hat dir schon von mir erzählt, oder?“, fragte er und sah Ben in seine Augen. „Verschwinde, du Pizzafresser.“, stieß Ben nur aus und kassierte dafür einen Schlag ins Gesicht. Stöhnend hing er im Griff des Mafiosos und sah ihn dann wieder an. „Lass ihn in Ruhe, Luciano.“, schrie Nico und wollte zu Ben, doch Marco hielt ihn fest. „Sei ruhig.“, schrie dieser und holte mit der Waffe aus. „Hey, lass ihn.“, rief Luciano und ließ einen Moment von Ben ab.


    ...

  • Das nutzte der Kommissar sofort und sprang den Kerl an, warf ihn auf die Couch, bekam ihm am Hals zu fassen und drückte ihm die Kehle ab. „Sag ihm, er soll die Waffe weglegen oder ich bring dich um.“, zischte Ben und sah zu Marco. Luciano war so überrascht, dass er dem Angriff nichts entgegen zu setzen hatte. „Na los.“, fauchte Ben und drückte weiter zu. „Tu, was er sagt.“, röchelte Luciano, aber wenigstens hörbar. Marco sah ihn an. „Na los.“, kam es als nächstes von ihm. Marco ließ den Arm sinken und warf die Waffe vor sich zu Boden. Sofort hob Nico die Waffe auf und richtete sie auf Marco. Ben ließ von Luciano ab, zog ihn hoch und stieß ihn zu Marco. „Und jetzt, werde ich meine Kollegen anrufen.“, zischte Ben und griff zum Telefon. Nico sah zu ihm und war einen Moment unaufmerksam. Das registrierte Luciano sofort und schlug seinem Cousin die Waffe aus der Hand, nahm sie an sich und drückte sie Nico in die Seite. „Finger weg vom Telefon, Bulle.“, schrie Luciano und schoss in Bens Richtung. Dieser ließ das Telefon fallen, als er den heftigen Schlag in der Bauchgegend verspürte. Schreiend ging er zu Boden und hielt sich an der Schulter. „Ben!!!“, stieß Nico aus. „Halts Maul. Mir reicht es jetzt. Du kommst mit mir nach Hause...nach Italien.“, schrie Luciano und zerrte seinen Cousin zur Wohnung raus. „Was ist mit dem Bullen?“, fragte Marco. „Lass ihn hier verrecken.“, zischte der Italiener zurück und schloss die Tür hinter sich.


    Luciano stieß Nico in den Kofferraum des Lamborghinis in der Tiefgarage. „Und halt ja die Klappe.“, schrie er und schlug auf die Kofferklappe. Marco sah ihn an. „Okay, warum hast du mich nicht den Bullen erledigen lassen?“, fragte er und sah Luciano an, der mit schnellen Schritten auf ihn zukam. „Nein... nicht hier.“, meinte Luciano und sah seinen Kompagnon mit feurigen Augen an. „Wo dann und wann?“ „Wenn ich dieses Pack richtig einschätze, dann werden sie alles versuchen, um den da...“, er deutete auf den Kofferraum, „zurück zu holen. Hier in Deutschland haben wir die halbe Polizei auf den Hals, wenn wir sie beide kalt machen. Aber in Italien... da sind sie auf unserem Grund und Boden ... da werden wir es ihnen zeigen.“, lachte er und zeigte auf den Wagen. „Los, einsteigen. Wir fahren.“, meinte Luciano und stieg selbst in den Lamborghini. Marco stieg ebenfalls ein und fuhr mit den Beiden aus der Tiefgarage mit quietschenden Reifen ab.Ben stöhnte auf, wandte sich in seinen Schmerzen. Er presste seine Hand auf die Wunde und sah sich um. Das Telefon lag nicht weit von ihm entfernt. Er musste nur hingelangen. Mit all seiner letzten Kraft zog er sich hoch und griff mit seinen blutverschmierten Händen nach dem Telefon. „Semir? Sie haben Nico.“, hauchte Ben in den Hörer. „Bitte...komm schnell... ich... ich.“, dann wurde er ohnmächtig und geräuschvoll knallte das Telefon auf den Boden.


    Semir horchte auf, als das Telefon klingelte. „Gerkhan?“, meldete er sich und horchte sofort, dass Ben verletzt war. „Semir? Sie haben Nico.“, hörte er die schwache Stimme durchs Telefon. „Ben, was ist mit dir? Bitte antworte mir.“, forderte Semir. „Bitte... komm schnell... ich ... ich.“, dann ein dumpfer Schlag und er hörte nichts mehr. „Ben...Ben!!!“, schrie der Deutschtürke ins Telefon, doch keine Antwort. „Scheiße.“, stieß Semir aus und schnellte vom Sofa hoch, doch das war keine gute Idee. Denn sofort machten sich heftige Kopfschmerzen und ein Übelkeitsgefühl in ihm breit. Dennoch nahm er sich zusammen, schnappte sich seine Autoschlüssel und sein Handy, wählte die Nummer von der Zentrale. „Hotte, Dieter... fahrt sofort zu Bens Wohnung und ruft vorsichtshalber ein Krankenwagen.“, forderte er durchs Telefon. „Semir, ist was passiert?“, fragte der beleibte Polizist. „Fragt bitte nicht, macht es einfach.“, erwiderte Semir und legte auf. Mit eingeschaltetem Blaulicht fuhr er quer durch die Stadt und kam noch vor Dieter und Hotte bei Ben an. Schnell hatte er den Wagen geparkt und hastete die Treppen hinauf, wobei er zwei Stufen mit einmal nahm.

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    Einstein ist tot
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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „BEN!!!“, schrie er und trat die Tür auf. Ihm war es egal ob dieser zerbrach… sein Partner war wichtiger. Im Wohnzimmer sah er Ben auf dem Boden liegen. Eine Blutlache hatte sich gebildet. „BEN!! NEIN!!“, schrie Semir erneut und warf sich vor seinem Partner auf den Boden. Vorsichtig drehte er ihn um und sah die Wunde im Bauchbereich… „Ben.. hey.. sag was… halt bitte durch… bitte… Hilfe ist schon unterwegs…“, redete er auf ihn ein. „Ben… hey.. bitte…“, wiederholte er und zog das Shirt von Ben vorsichtig hoch. Nun war die Überraschung perfekt. „Ben?“, fragte er unsicher, denn er konnte keine Wunde sehen. Lediglich ein blauer Fleck im Rippenbereich zeichnete sich ab. „OH…verdammt…“, stieß Ben in diesem Augenblick aus. Langsam öffnete er die Augen. „Ben…verdammt was hast du mir für ein Schrecken eingejagt? Wie kannst du das tun?“, fauchte Semir ihn wütend und doch glücklich an. „Semir... Sie haben Nico….aua….“, kam leise von Ben. „Was zum Teufel ist passiert?“, wollte Semir wissen. „Nico und ich sind hier in der Wohnung erwartet worden. Die Kerle haben mich geschnappt und ich bin erst mal auf Kurzreise durchs Wohnzimmer gestartet. Dann hab ich versucht den Cousin zu überwältigen. Klappte auch sehr gut und dann…ich glaub Nico hat nicht richtig aufgepasst. Auf jeden Fall…ich hab den Einschlag gespürt… die haben auf mich geschossen…“, erklärte Ben. „Wieso bin ich nicht tot?“, wollte er plötzlich irritiert wissen.


    Nico saß im Wagen von Luciano und starrte nur vor sich hin. „Hey.. es war lediglich ein Bulle. Vergiss ihn einfach Cousinchen…“, lachte er. Nico reagierte nicht. Wieder musste er mit ansehen, wie Luciano einen Mord begann. Ben war tot. Bauchschuss… er wusste genau, dass es tödlich war. Er ahnte es. Ben würde sterben, weil er sein Freund war. „Du bist ein Schwein… glaubst du wirklich, dass ich deswegen zurück komme?“, fragte er bitter. „Nun… sagen wir mal so… Bulle 1 ist erledigt. Der Schuss saß und Bulle 2 wird auch noch dran glauben, wenn du nicht spurst“, lachte Marco vom Steuer her. Weder er noch Nico sahen wie Luciano grinste. Sein Plan war perfekt gewesen. „Nun Nico… es ist ganz einfach. Du kannst deinem Freund Gerkhan das Leben retten. Du wirst mit mir nach Italien zurückkehren und er darf leben. Dann kann er sich um das Grab seines Partners kümmern. Es wäre doch wirklich schade, wenn seine Familie auch noch daran leiden muss, dass du so stur bist, siehst du das nicht genauso?“, fragte er höhnisch und sah Nico an. Nico antwortete nicht. Er war in seinen Gedanken versunken und dachte an die Zeit, die er mit Ben verbringen durfte. Vorbei…Aus und Vorbei… Ben war tot…Nico wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Luciano sah das natürlich. „Weißt du was… ich finde es gar nicht gut, dass du so groß die Gefühle zeigst. Wir werden jetzt einen Abstecher zu Don Antonio fahren. Er freut sich schon auf unseren Besuch.“, lachte Luciano


    Nur wenig später waren sie angekommen. „Nico… schön dass du dich entschlossen hast, zu uns zurück zu kehren…. Sehr schön. Ich bin Stolz auf dich!“, sagte der alte Mafioso und umarmte seinen Neffen. Dieser verzog keine Miene. „Na was ist denn?“, fragte Antonio erstaunt. „Ich werde nicht mitkommen. Lasst mich endlich in Ruhe… Luciano hat schon meinen Freund umgebracht. Ich will nichts mit euch zu tun haben.“, fauchte Nico los. Antonio sah Luciano an. „Hey.. war doch nur ein Bulle…“, lachte er und machte seinem Vater ein Zeichen mit ihm allein zu sprechen. „Marco! Bring Nico in sein Zimmer!“, befahl der Don und wartete bis der Befehl ausgeführt wurde. „Luciano? Ich sagte keinen Polizistenmord! Warum hältst du dich nicht an meine Anweisung?“, wollte er wissen. Luciano lachte leise. „Keine Sorge, ich habe ihn nicht umgebracht.“, meinte der junge Italiener. „Ich habe die neuen Gummigeschosse an ihm ausprobiert. Ich wollte, dass Nico denkt, ich habe ihn erschossen.“, lachte er und sah, wie Don Antonio erleichtert aufatmete. „Gut, bring ihn morgen nach Italien. Sein Vater wartet schon auf ihn.“, lachte der weißhaarige Mann leise. „Gut, ich bereite alles vor.“, entgegnete Luciano und verließ das Zimmer.


    Semir sah Ben erschrocken an, dieser sah an sich hinunter und konnte nicht glauben, dass er nicht tot war. „Was ... was war das?“, fragte er und sah sich um. Dann entdeckte er ein kleines, unscheinbares, schwarzes Kügelchen auf den Boden. Semir hob es auf. „Ein Gummigeschoss?“, fragte Ben, als Semir ihm das kleine Ding zeigte. Er wollte aufstehen, doch Semir hielt ihn fest. „Ben, bleib sitzen und erhol dich erstmal.“ „Semir... diese Schweine haben Nico und werden weiß Gott was mit ihm anstellen.“, fauchte Ben und hievte sich an seiner Couch hoch. „Was sollen wir aber nun machen?“, fragte er dann und sah zu Semir hinüber. „Ben...wir werden ihn finden.“ „Ja, aber wo sollen wir suchen? Ich meine, wie viele Mafiaverstecke kennen wir offiziell?“, fragte er. Semir überlegte kurz. „Wir wissen von drei Villen, die der Familie von Don Antonio gehören. Aber leider wissen nur die BKA-Leute mit ihren V-Männern von anderen Verstecken und ich glaube kaum, dass sie uns helfen werden.“, meinte Semir etwas niedergeschlagen. „Das ist mir egal. Wir müssen Nico finden und wenn ich alle drei Häuser einzeln auseinandernehmen muss.“, zischte Ben und stapfte mit den Füßen auf. „Ben ... bitte, beruhig dich.“, bat Semir und hörte dann Schritte im Treppenhaus. „Semir... Ben... seid ihr in Ordnung?“, hörten sie die Stimme von Hotte. „Hier hinten.“, rief Semir aus. Schnell waren die beiden Streifenbeamten bei ihnen und sahen den blauen Fleck an Bens Rippen. „Gott sei Dank, dir ist nichts passiert, Junge.“, stieß Dieter aus und steckte erleichtert seine Waffe wieder ein. „Schon okay, Jungs. Mir geht es gut.“, erwiderte Ben, als beide über ihn mit ihren liebevollen Gesten herfielen. „Lasst uns in die Station fahren.“, meinte Semir dann.


    ...

  • Nico saß in seinem Zimmer auf dem Bett und überlegte, wie er von hier entwischen konnte. Immer wieder ging er zum Fenster und sah in den Garten hinaus. Da liefen zwei Wachen hin und her und kamen erst nach etwa sieben Minuten wieder. Wenn Nico es geschickt anstellte, dann könnte er den richtigen Augenblick abpassen und ... Mensch, sein Handy ... wieso hatte er nicht vorher daran gedacht. Luciano hatte es ihm doch nicht abgenommen. Noch nicht. Doch bald würde er diesen Fehler sicher bemerken. Nico hatte nur eine Chance. Semir, ja er musste ihm helfen. Schnell sah er sich um, horchte an der Tür und wählte die Nummer des Deutschtürken. „Gerkhan?“, meldete sich der Hauptkommissar. „Semir? Nico hier.“, flüsterte der Italiener. „Nico, wo zum Teufel steckst du?“, kam es von Semir. „Bei Don Antonio... Semir, sie wollen mich nach Italien bringen.”, flüsterte Nico und hörte dann Schritte auf der Treppe. „Ich muss Schluss machen.“, meinte er und schaltete sein Handy aus, ließ es dann in der Tasche seiner Strickjacke verschwinden. Plötzlich stand Luciano vor ihm. „Los, her damit.“, forderte der Italiener und streckte die Hand aus. „Was denn?“, fragte Nico und tat unschuldig. „Das Handy. Los her damit.“, erwiderte er und schlug Nico mit der flachen Hand ins Gesicht. Sofort ging dieser zu Boden und spürte, wie Blut aus seiner Lippe floss. „Also los.“, forderte er nochmals und stieß seinen Cousin den Fuß in die Seite. Nico schrie kurz auf, krümmte sich dabei. Luciano reichte es. Er zog Nico hoch und fummelte in dessen Taschen herum, bis er das Handy fand. „Soll ich mal nachsehen, wen du angerufen hast?“, fragte er nur und drückte schon die Wahlwiederholung.


    Semir sah Ben erschrocken an. „Das war Nico ... er ist bei Don Antonio im Haus.“, erzählte Semir. Sofort wendete Ben den Wagen und trat das Pedal bis zum Anschlag durch. „Cobra 11 an Zentrale ... erbitten dringend Verstärkung und SEK. Sind auf dem Weg zum Haus von Don Antonio im Westteil von Duisburg ... Ende.“, gab Semir durch und sah dann zu Ben rüber. Dieser sah mit wutentbranntem Gesicht auf die Straße. Er wollte Nico unter allen Umständen aus den Klauen dieser Männer holen. „Den schnapp ich mir jetzt!“, fauchte Ben wütend. Semir hielt ihn fest. „Wir warten auf das SEK.“, sagte er. „Semir! Bis das SEK da ist, sind die weg! Verstehst du es nicht, die wollen ihn nach Italien bringen! Was wenn die jetzt in diesem Augenblick abhauen? Was machen wir dann? Nach Italien reisen und dort mitmischen?“, fauchte Ben seine Fragen heraus. Semir sah ihn warnend an. „Ben.. wenn du dich nicht in den Griff kriegst, dann werden wir den Fall abgeben müssen. Und ja… wenn sie Nico raus bringen, dann fahren wir nach Italien… muss ja keiner wissen was wir dort machen.“, grinste er. Ben stieß verächtlich Luft durch die Nase aus. „Semir.. das wird die Chefin nie zulassen…“, gab er zu bedenken.


    Nico sah Luciano an. „Du hast also deinen Bullenfreund angerufen. Reichte es nicht, dass einer tot ist? War es wirklich notwendig? Du hast einen weiteren Mord auf dein Gewissen.“, lachte Luciano. „Ich habe nie einen Menschen ermordet. Du warst derjenige der es getan hat! Du hast es getan!! Du hast Ben ermordet!! Lass Semir in Ruhe!!“, schrie Nico. Luciano lachte nur. „Komm… Don Antonio wird es sicher gern wissen, dass er gleich sehr viel Besuch bekommt.“ Luciano zog Nico brutal hinter sich her bis zum Arbeitszimmer des Onkels. „Don!!“, rief Luciano schon vorher sehr aufgeregt. Antonio sah ihn an. „Was gibt es Luciano?“, wollte dieser wissen und sah von den Papieren auf. „Nico hat den Bullen informiert ,wo er sich befindet, nehme ich an. Wir müssen damit rechnen, dass hier gleich die Hölle los geht.“, gab Luciano zu bedenken. Antonio wandte seinen Blick zu Nico. „Warum tust du das? Nico... was habe ich dir getan? Warum bist du so anders?“, kam von dem Don mit einem vorwürflichen Ton. „Ich will nichts mit der Familie zu tun haben! Warum lasst ihr mich nicht mein Leben leben?“, stellte Nico die Gegenfrage. „Das werden wir später besprechen. Okay... Luciano bringe ihn zum Privatflugplatz und dann verlassen wir Deutschland. Sollen die Bullen doch hier alles auf den Kopf stellen. Sie werden nichts finden. Gar nichts. Nur einen Haufen Asche…“, sagte Antonio leise.

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  • Nico wurde von Luciano aus dem Haus gezerrt. Von Weitem hörte man bereits die Sirenen. „Sehr nett, dass deine Freunde uns warnen. Sie kommen wie immer zu spät.“, lachte Luciano und zwängte Nico in den großen Wagen. Die Fahrt ging los. Nico saß auf der Ladefläche des Lieferwagens. Er konnte nichts machen. Luciano würde ihn nie laufen lassen. Nie… er würde sein Leben in Italien verlieren. Wenn er nicht frei sein konnte, dann wollte er nicht mehr. Völlig in Gedanken versunken merkte er gar nicht dass die Fahrt zu Ende ging. „Los Raus!!“, blaffte Luciano ihn an und half mit Zerren nach. Nico stolperte hinter ihm her. Das Flugzeug stand bereits startklar da. Nico wurde hineingestoßen. Er wehrte sich nicht. Es wäre eh sinnlos gewesen. Luciano würde ihm nicht töten. Er hatte den Befehl seinen Cousin nach Italien zu bringen und das würde er ausführen. Wenn er, Nico, einen Fluchtversuch unternehmen würde, dann würde Luciano ihn höchstens Fluchtunfähig machen. Doch genau darauf hatte Nico keine Lust. Entweder tot oder gar nicht… eine andere Option gab er sich nicht.


    „Halt.“, rief Semir aus und zeigte auf einen wegfahrenden Lieferwagen, der vom Gelände fuhr. „Schau mal dort.“, meinte er zu Ben. „Ich wette, da fährt Nico.“, fauchte Ben und drückte das Gaspedal durch. Mit quietschenden Reifen folgte er dem Wagen der Mafiosos, doch der Wagen hatte einen zu weiten Vorsprung und einen ebenso starken Motor wie Bens Wagen. „Verdammt Semir, der Waldweg ist nicht gerade gut für meine Stoßdämpfer.“, murrte Ben. „Er ist auch nicht gerade gut für meinen Kopf.“, kam es von Semir, der durch die Ruckelei fast an das Wagendach stieß und sich am Haltegriff festhielt. „Warte Nico, gleich sind wir bei dir.“, dachte Ben laut und ließ seinen Wagen weiter über den unebenen Waldweg fahren. Doch, als sie um die nächste Biegung fuhren, war der Wagen allerdings weg. „Verdammt, wo sind die hin?“, fragte Semir und sah sich um. Auch Ben ließ seine Blicke hin und herwandern. „Da... da... der Lichtkegel.“, rief Ben plötzlich aus und riss das Lenkrad wieder rum, sodass sich Semir festhalten musste. Und tatsächlich, auf einem alten, verwaisten Flugplatz der ehemaligen Besatzungstruppen stand ein Privatjet. „Nico.“, stieß Ben aus, als er sah, wie sein Freund von Luciano in den Innenraum gezerrt wurde. Beide Polizisten stiegen aus und schossen auf die Mafiosos, die vor und neben dem Flugzeug standen.


    „Schifezza, die sind schneller, als gedacht.“, stieß Don Antonio aus, zog seine Waffe und erwiderte das Feuer. „Los, steig ein.“, fauchte Luciano und stieß Nico in das Flugzeug. Don Antonio folgte, packte Nico am Kragen und hielt ihn fest, damit Luciano die Stelle des Piloten einnehmen konnte. „Ben, die wollen abhauen.“, schrie Semir seinem Partner zu, als er die Turbinengeräusche vernahm. Doch das Feuer der drei anderen Gangster hielt sie davon ab, sich dem Flugzeug weiter zu nähern. Ben musste hilflos mit ansehen, wie diese Gangster mit seinem Freund in Richtung Italien abflogen. „Nico.“, schrie Ben aus und verließ fast seine Deckung, wenn Semir ihn nicht wieder hinunterzog. „Ben, bleib hier.“, zischte der Deutschtürke und schoss auf die drei Gangster, endlich traf er einen und verletzte einen zweiten. Der Dritte gab dann von alleine auf. Als sich die Lage beruhigt hatte und Ben und Semir zum Haus von Don Antonio, wo das SEK die Situation vollkommen unter Kontrolle hatte. „Verdammt Semir, wir müssen hinterher. Ich will nicht wissen, was Nico durchmachen muss und was sie ihm antun werden.“, meinte Ben und wischte sich nervös und völlig fertig durch sein Haar. „Ben... die werden ihm nichts tun. Du weißt doch, sie werden ihn brauchen.“, meinte Semir und legte seine hand auf die Schulter seines Partners. Dieser sah den Deutschtürken an. „Steht dein Angebot noch?“, fragte er dann. Semir sah ihn etwas verwirrt an. „Welches?“ „Dass wir nach Italien fliegen und ihn dort wieder raus holen.“, erinnerte Ben Semir daran. „Ich stehe zu meinem Wort.“, meinte er und packte seine Hand symbolisch an sein Herz. „Nur, wie wir das unserer liebreizenden Chefin beibringen.“, fügte er lächelnd hinzu. „Was wollen sie mir beibringen?“, kam es auf einmal von einer den Kommissaren wohl bekannten Stimme. Beide drehten sich um und sahen in das strenge Gesicht von Kim Krüger. „Meine Herren ... was haben sie sich dabei gedacht?“, fauchte sie und baute sich vor den Beiden auf. „Frau Krüger... wir haben nur einen Gangster vertrieben.“, meinte Semir und rollte wieder mal genervt mit den Augen, weil er genau wusste, dass gleich eine ihrer berühmten Standpauken folgen würde.


    ...

  • Das Flugzeug stieg höher und höher und war mit direktem Kurs auf den Weg nach Italien. „So, jetzt kannst du uns nicht mehr entkommen.“, lachte Don Antonio und ließ Nico los, der sofort aufstand und zum Fenster ging. „Meinst du, das macht mich glücklich?“, fauchte er. „Nico, mein Junge, was ist los mit dir? Warum wendest du dich gegen die Familie?“, wollte Don Antonio wissen. „Meine Familie... meine Familie ist eine Bande von menschenverachtenden Verbrechern, die nur an ihren Profit denkt und ihn mit Gewalt zu vergrößern versucht.“, zischte er. „Ihr seid nichts anderes als reißende Wölfe, die des Blutes wegen töten.“ Diese Worte kamen Antonio jedoch als Kränkung seiner Ehre vor. Er sprang von seinem Sitz auf und schlug Nico mit der flachen Hand ins Gesicht, wobei dieser durch die Wucht in seinen Sitz zurückgeworfen wurde. „Nie wieder ... hörst du ... nie wieder. Die Familie ist heilig.“, schrie Antonio und sah Nico mit funkelnden, wütendem Blick an. Dieser wischte sich das Blut von der Lippe und wünschte sich, er wäre tot.


    „Einen Gangster? Es sieht aus, als ob hier eine Horde wild gewordener Elefanten durchgelaufen ist!! Wenn Sie dafür keinen sehr guten Grund haben dann werden Sie in kürze den Verkehr an einer Kreuzung regeln. Also wer fängt an?“, fauchte Kim wütend und sah Semir an. „Er kann nichts dafür… es ist meine Schuld.“, gestand Ben. „Quatsch! Meine ist es!“, widersprach Semir. Kims Blicke wanderten hin und her. „Schön… Sie sind sich also einig das Sie beide Schuld haben… sehe ich genauso. Was zum Teufel hat Sie geritten? Und kommen Sie mir bitte nicht damit, dass Sie hier nur Ihren Job machen!! Denken Sie eigentlich einmal an die Kosten die der Steuerzahler dafür hinblättern muss? Wissen Sie was es kostet wenn Sie hier wie Bescheuert in der Gegend herumballern?“, schrie Kim wütend. Semir sah zu Ben und zuckte die Schultern. „Ich…“, fing er an. Doch Kims Blick sagte ihm, es wäre besser nichts zu sagen.


    Nico hing seinen Gedanken nach. Was sollte nun aus ihm werden. Wie konnte man ihm nur helfen? Ben und Semir waren die einzigen, die es hätten schaffen können. Aber Ben…Moment… am Flughafen… er meinte Bens Stimme gehört zu haben, aber war das möglich? War das wirklich Ben? Er war tot… er hat doch gesehen, das Luciano ihn erschossen hatte. Er sah Ben auf dem Boden liegen. Tot…Ben ist Tot… er muss tot sein., irrten seine Gedanken umher. Doch was wenn nicht. Er sah Luciano an, der die Augen geschlossen hatte. Nico entschloss sich ins Blaue zu schießen und er hoffte das Luciano wirklich so von sich überzeugt war, dass er sich mit seiner Tat brüstete. „Das war Ben am Flughafen! Du hast ihn nicht umgebracht! Du hat mich gelinkt!“ fauchte er wütend. Luciano sah ihn grinsend an. „Bingo… aber er kann dir nicht helfen. Wir sind bald in Italien und dort wirst du nach unserer Pfeife tanzen.“ Lachte Luciano siegessicher. Nico schloss die Augen. Noch war nicht alles verloren… er lebte und er kannte Ben… Ben würde nicht aufgeben. Er konnte ihn retten. Er war nicht verloren.


    „Semir! Ben! Es ist absolut unmöglich. Der Hausbesitzer hat sich über Ihre Art und Weise beschwert und ich bin so ziemlich sauer um nicht zu sagen stinksauer! Was dachten Sie denn dabei? SEK? Dann die Villa von Don Antonio!“, stieß Kim wütend aus, als sie im Büro saßen. „Chefin… ich habe einen Anruf eines Freundes erhalten, der entführt wurde! Ben hatte mich vorher angerufen, dass er …“, erklärte Semir und unterdrückte die in ihm aufsteigende Wut. „Das ist mir völlig egal. Don Antonio hat gefordert Sie beide rechtmäßig zu bestrafen und das werde ich tun! Sie sind beide bis auf Weiteres vom Dienst suspendiert!“, gab Kim bekannt. „Lassen Sie mich doch erst einmal ausreden! Es ist sehr wichtig, denn der Mann wurde nach Italien entführt. Er gehört einer Mafiabande an und wollte mit der Gesellschaft nichts zu tun haben. Sie wollten ihn zwingen und haben auf Ben geschossen. Dann haben sie ihn entführt um ihn gefügig zu machen! Wenn Sie uns jetzt suspendieren, dann können wir ihm nicht helfen!“ schrie nun auch Semir wütend. Kim sah ihn an. „Herr Gerkhan… Sie und Ben sind bis auf weiteres suspendiert…“, wiederholte sie fest entschlossen. Semir sah zu Ben. Er war tief enttäuscht und hatte eigentlich gehofft, dass Kim Krüger einmal den Boss vergessen würde, aber es schien nicht so. Er stand auf und nickte. „Na dann… werde ich mal nach Hause fahren.“, sagte er. Kim sah ihn an. „Sie werden erst dann gehen, wenn ich die Sitzung für beendet befinde! Ich war noch nicht fertig…. Wie gesagt… Sie sind suspendiert. Das ist ja Urlaub für Sie… und was Sie im Urlaub machen… nun ja… dass kann ich Ihnen nicht vorschreiben.“, endete sie. Semir stutzte. Er dachte dass Anna vor ihm saß. „Aber….?“, fing er an.

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  • „Kein Aber ... Semir, sie und Ben werden suspendiert.“, meinte Kim und drehte ihren Kommissaren dann den Rücken zu. Ben und Semir sahen ihr nach. „Hab ich das gerade richtig verstanden?“, fragte Ben und sah in Semir verduztes Gesicht. „Sie hat uns suspendiert, damit wir nach Italien fahren können?“ „Es hat den Anschein.“, entgegnete Semir. Ben fing an zu lächeln. „Okay, dann machen wir uns gleich morgen nach Italien auf.“, beschloss er. „Wow wow wow... ganz langsam. Wir wissen doch gar nicht, wo wir hin sollen.“, meinte Semir und wollte Ben zur Vernunft bringen. „Er hat uns doch erzählt, dass sie in der Nähe von Rom wohnen. Wir fliegen morgen hin und holen uns Nico wieder. Ganz einfach.“, meinte Ben. „Wenn du dich da mal nicht irrst.“, murmelte Semir vor sich her.



    Kapitel 3
    Auf nach Bella Italia


    Semir kam in sein leeres Haus und zog sogleich den großen Reisetrolli unter seinem Bett hervor. Als er das Ding aufs Bett packte und den Reißverschluss aufzog, fiel sein Blick auf das Bild von Andrea, Aida und ihn. Er ging hin, nahm das Bild in seine Hand und strich mit seinen Fingern über die abgedruckten Gesichter seiner beiden Frauen. Sollte er ... ja er musste mit Andrea darüber reden. Schließlich ging es hier nicht um einen einfachen Undercover-Einsatz sondern war eine heikle, gefährliche Angelegenheit, die ihn vielleicht das Leben kosten konnte. Er nahm sein Handy in die Hand und wählte das Handy seiner Frau an, obwohl er wusste, dass es spät und sehr gefährlich war.


    „Ja?“, meldete sich eine schwache Stimme am anderen Ende der Leitung. „Andrea... ich bin es. Wie geht es dir?“, wollte Semir wissen und lief zwischen Schrank und Koffer hin und her und packte verschiedene Kleidungsstücke und andere Reiseutensilien hinein. „Semir bitte ... hol uns schnell wieder nach Hause.“, bat sie. „Ich vermisse dich so sehr.“, fügte sie hinzu. „Ich dich auch... aber es wird noch dauern.“, meinte Semir und erzählte ihr, dass er mit Ben nach Italien fahren musste. „Semir, das ist nicht dein Ernst? Du willst nach Italien fahren ... ohne mich? Du wolltest nie mit mir nach Venedig fahren, aber der Herr fährt jetzt auf einmal doch nach Italien.“, machte sie ihrem Liebsten eine Szene. „Aber Liebes... ich muss nach Italien. Ben und ich wollen Nico retten ... er ist von seinen Verwandten nach Italien verschleppt worden und wir müssen ihn befreien.“, erwiderte Semir, doch er schien dabei auf taube Ohren zu treffen. „Semir... wenn du nach Italien fährst, dann .... dann .... dann spreche ich kein Wort mehr mit dir.“, zischte sie und legte auf. „Andrea .... ANDREA?“, rief Semir ins Telefon, doch es war nur noch das stille Tuten der toten Leitung zu hören. „Verdammt, da bringt mir mal wieder nur Schwierigkeiten ein.“, murrte er und legte seine Jeans in den Koffer.


    ...

  • Ben stand ebenfalls bei sich in der Wohnung und hatte die Flugkarten für die nächste Maschine nach Italien gebucht. „Erste Klasse ... man muss ja nicht übertreiben ... auch, wenn ich es nicht als Dienstreise absetzen kann.“, lachte er in sich hinein. Immer wieder ging er zu seinem Schrank, nahm ein Kleidungsstück und legte es in den Koffer hinein. Immer wieder schweiften seine Gedanken zu Nico, der jetzt bestimmt schon bei seiner Familie saß und von ihr zu irgendwelchen kriminellen Handlungen anstiftete, wenn sie ihn nicht sogar vorher einer Gehirnwäsche unterzogen. Er sah auf seine Gitarre. Wie oft hatten er und Nico stundenlang nach Ende der Probe noch im Probenraum gesessen und über die Saiten ihrer jeweiligen Gitarren gezupft. Wie war noch mal sein Lieblingslied? Ben ging auf sein Instrument zu, nahm es in die Hand und zupfte auf den Saiten herum. Er suchte in seinen Gedanken nach den Noten und zupfte immer wieder und wieder auf seiner Gitarre herum.


    Nico merkte, wie das Flugzeug landete und langsamer wurde, schließlich voll und ganz zum Stehen kam. „Los, dein Vater und Großvater wartet schon auf dich.“, lachte Luciano und packte seinen Cousin am Arm. „Fass mich nicht an.“, zischte dieser und wehrte sich, doch der Griff Lucianos war fest und Nico konnte sich nicht befreien. „Zier dich nicht so.“, lachte der Italiener und stieß Nico aus dem Flugzeug direkt in die Arme seines Großvaters. „Hallo, mein Enkel... schön, dich zu sehen.“, lächelte er nur mit teuflischem Grinsen.


    „Was soll das? Ich will hier nicht sein. Ihr lasst mich entführen und …“, brauste Nico aus. „Aber, aber…. Mein lieber Nico… du bist hier, weil ich mit dir reden muss. Es hat in den letzten Monaten seit du weg bist sich sehr viel zugetragen. Wir brauchen dich. Dein Vater liegt im Sterben und du bist auserwählt an seiner Stelle zu treten. Hat dir Luciano das nicht gesagt?“, wollte der Alte wissen. Nico sah in die Runde. „Er hat….! Aber ich will nicht! Ich bin keiner von euch! Ich will auch keiner sein oder werden. Das einzige was euch mit mir verbindet ist, das wir verwandt sind!! Mehr nicht!!“, schrie Nico sich seine Wut weg. Der Alte lächelte. „Aber Nico…. Beruhige dich doch… du bist unser Fleisch und Blut und als solcher hast du eine Verpflichtung. Und die wirst du erfüllen.“, drohte der Alte. Nico sah ihn erstaunt an. „Was willst du damit sagen?“ wollte er wissen. „Nun…ich bin über alles informiert und ich weiß auch, dass du neue Freunde gefunden hast. Freunde die meine Freunde sehr übel mitspielen. Semir Gerkhan und Ben Jäger. Klingelt es?“, stellte der Alte die Gegenfrage. Nico schloss die Augen. „Lasst sie in Ruhe… Ben ist Tot und Semir… er hat doch Familie…er…“, flehte Nico. „Oh Ben Jäger ist nicht tot… auch das weiß ich. Und dieser Gerkhan hat zwar Familie aber an die wollen wir auch gar nicht ran. Wenn du dich nicht bei uns einreihst, dann werden die Beiden sicher nicht mehr lange leben…“


    Semir und Ben standen am Flughafen und checkten ein. „Dass ich mal erster Klasse fliege, hab ich auch nicht gedacht.“, grinste Semir. „Nun ja… geht ja nicht als Spesen. Und du weißt ich schau nicht so drauf. So… aber nun… wie wollen wir weitermachen? Ich meine wenn wir in Rom sind, erst ein Hotel, das ist klar. Nur wo sollen wir Nico suchen? Wir können ja nicht einfach zum Einwohnermeldeamt gehen und fragen wo die ehrenwerte Gesellschaft wohnt oder?“, fragte Ben zweifelnd. Aber wir könnten im Hotel sagen dass wir Freunde der ehrenwerten sind und die Adresse vergessen haben. Du wirst sehen, dass bringt uns ein ganz großes Stück nahe…“, meinte Semir nur. Ben dachte kurz darüber nach. „Das ist eine sehr gute Idee.“, nickte er. Die Beiden ahnten nicht, dass die Mafia wirklich sehr groß gefächert war und überall ihre Leute hatten. Der Flug war ruhig und nur zwei Stunden später landeten sie im sonnigen Rom. Man spürte direkt dass man am Mittelmeer war, denn es war wunderbar warm. „Wo wollen wir einchecken?“, fragte Semir als er die Hotelmenge bereits in der Nähe des Flughafens waren. „Nun auf jeden Fall hier im Bereich. Immerhin ist es gut wenn wir Nico direkt zum Flughafen bringen können. Und da bieten sich diese Hotels an. Ich würde sagen wir nehmen das da…!“, schlug Ben vor und zeigte auf eines der großen Häuser, die einen sehr noblen Eindruck machten. Die beiden „Urlauber“ betraten die helle Eingangshalle des Hotels und sahen sich staunend um. Es war riesig und schien sehr teuer zu sein. „Ben, ich glaube, wir sollten uns ein etwas billigeres Haus suchen.“, warf Semir seine Bedenken ein. „Ach was, lass uns wenigstens etwas Gutes aus dieser Sache gewinnen... wann sind wir schon das nächste Mal in Rom.“, meinte Ben nur und ging auf die Rezeption zu, wo ein junger, hochgewachsener Mann am Telefon hing und sich scheinbar wild destingulierend auf Italienisch mit seinem Gesprächspartner am anderen Ende unterhielt.

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  • Stefano Rigusso, Azubi im letzten Lehrjahr, hörte seinem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung genau zu. „Okay Stefano, sollten die Beiden bei euch auftauchen, rufst du mich sofort an, klar?“, fragte ein Mann mit einer tiefen Stimme am anderen Ende und hatte dabei einen fast drohenden Unterton. „Wie soll ich sie denn erkennen? Schick mir ein Bild oder so etwas... Aber eins sag ich dir, das ist mein letzter Job für euch.“, zischte er und löste damit am anderen Ende ein höhnisches Lachen aus. „Du willst aussteigen? Glaubst du allen ernstes, dass wir dir deine Ausbildung finanziert haben ohne Hintergedanken? Du wirst uns jegliche Informationen über eure Gäste besorgen, die wir brauchen. Wir wissen nämlich, dass unsere Freunde von der Polizei und Staatsanwaltschaft in eurem Konferenzraum gerne über uns sprechen. Du wirst uns weiterhin über diese Treffen informieren und sie für uns aufnehmen... Ansonsten muss ich dir ja nicht sagen, wer dann für dein Versagen zu Schaden kommen wird.“, lachte der Man mit gehässiger Stimme. „Lasst Felicia in Ruhe oder ich bringe euch alle um.“, schrie Stefano auf Italienisch. Was für ein Glück, dass ihn nicht so viele der Gäste verstanden. „Dann mach, was wir dir sagen, dann passiert ihr auch nichts. Ich schicke dir sofort das Bild rüber.“, damit endete das Gespräch.


    Ben und Semir nahmen ihre Taschen und gingen direkt auf die Rezeption zu, wo der junge Mann, den sie beim Telefonieren beobachtet hatten, etwas geistesabwesend auf das Telefon starrte. „Entschuldigung... wir hätten gerne zwei Zimmer.“, sprach Ben den jungen Mann auf Englisch an. Dieser reagierte nicht sofort, also schlug Semir kurz auf die Glocke, woraufhin der Mann erschrocken die beiden Herren ansah. „Bitte?“, fragte er nun noch einmal und sah die beiden neuen Gäste an. „Wir hätten gerne zwei Zimmer.“, wiederholte Ben mit einem Lächeln. Der Mann sah in seinen Computer tippte ein paar Mal herum. „Und wie lange wollen die Herren in Rom bleiben?“, wollte er dann wissen. „Je nach Lust und Laune ... und wie unsere Geschäfte hier laufen.“, meinte Ben und sah zu Semir, der nur zustimmend nickte. „Tut mir Leid, wir haben nur noch ein großes Doppelzimmer ... alle Einzelzimmer sind schon mit anderen Gästen belegt.“ „Was? Aber, warum haben sie denn keine zwei Einzelzimmer mehr?“ „Tja, sehen sie, es ist Messewoche in Rom ... viele Leute sind in der Stadt, um zum Vatikan zu gehen.“, erwiderte Stefano. „Gut, wir nehmen das Doppelzimmer.“, murrte Ben und sah dann zu Semir, der nur auffallend grinste.


    Nur wenig später standen sie in einem recht großen Raum. „Hier ist das Bad! Und dort das Schlafzimmer. Die Betten sind getrennt…es wäre schön, wenn sie die Dinger so stehen lassen könnten… die sind nämlich schwer..“, erklärte der Page. Ben nickte und gab dem Pagen ein großzügiges Trinkgeld. Der Junge bedankte sich überschwänglich und versprach für die Beiden alles zu erledigen, was es gab. „Danke… ich werde sicher darauf zurück kommen. Wie heißen Sie?“, wollte Semir wissen. „Mario…Fragen Sie einfach nach Mario..“, strahlte der Junge. „Danke Mario…“, nickte Ben und schob den Jungen zur Tür hinaus. Als sie allein waren ließ Ben sich auf das linke Bett fallen. „Wie gut, dass sie getrennt sind.“, grinste er Semir an. „Wieso? Ich hätte nichts gegen Kuscheln…“, lachte er zurück. Ben tippte sich nur an die Stirn. „Na los… lass uns auspacken… Andrea ist übrigens stinksauer, dass sie nicht mit durfte. Die wird mir das nie verzeihen. Mach dich schon mal darauf bereit, dass ich wieder bei dir einziehe..“, kam leise von Semir während er seine Sachen in den Schrank räumte. Ben sah ihm dabei zu und bemerkte wieder die Ordnungsliebe seines Partners. „Nee… das vergiss mal ganz schnell. Das mache ich nur einmal mit…“, drohte er lachend.


    ...