Gut Holz

  • Hallo Leute,
    jetzt bekommt ihr was ganz besonderes zu lesen. Im Juni haben Elli und ich uns zusammengesetzt und angefangen Storys miteinander zu schreiben. Mittlerweile sind wir bei 8 gelandet. Hier könnt ihr nun unsere Premiere, unsere erste Story lesen. Wir hoffen auf ganz viele Feeds von euch und freuen uns, wenn sie gefällt.
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    „Guten Morgen, Andrea…“, murmelte Semir als er in die Küche kam. „Morgen…“, kam fröhlich zurück. „Ich nehme heute nur einen Kaffee. Ben kommt gleich und holt mich ab…“, meinte Semir und biss in sein Brötchen. Andrea nickte nur. Sie stellte ihrem Mann den Kaffee hin. Sie sah ihn erwartungsvoll an. „Ist was?“, fragte er kauend. Ein Funkeln in Andreas Augen war zu sehen, aber Semir bemerkte es nicht. „Was hast du denn heute noch vor?“, wollte sie beiläufig wissen. „Heute Abend bin ich mit Ben verabredet. Wir wollen uns mit einem der Fälle wegen dem Unfall von letzter Woche. Also da, wo dieses Kind umgekommen ist… Ich hab dir doch davon erzählt oder?“, harkte Semir nach. Andrea nickte. „Ja sicher… ich glaub schon…“, antwortete sie leise. Sie schien immer noch auf etwas zu warten. Aber von Semir kam nichts. Als er das Haus verlassen und ihr vorher einen Kuss geben wollte, drehte sie den Kopf weg. Etwas irritiert stieg Semir in das Auto von Ben, welcher bereits vor der Tür wartete.


    Ben sah Andrea kurz vor der Tür und hob die Hand. Doch von ihr kam nichts. „Oh… ist die First Lady nicht gut gelaunt?“, wollte er wissen .Semir zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht… vielleicht hat sie ihre Tage oder Migräne… keine Ahnung. Mach dir nichts draus… wird schon wieder.“, murmelte Semir nur. Ben fuhr los. Eine Stunde brauchten sie für die Fahrt, als Semir eine SMS bekam. „Ach… sieh mal an… eine Erinnerungsmail…“, grinste Semir. „Oh… ist es schon soweit. Vergisst du irgendwas?“, lachte Ben. „Scheiße…!“, stieß Semir aus. Ben sah ihn erschrocken an. „Was ist denn los?“, wollte er wissen. „Ich bin ein solcher Idiot…. Ich weiß warum Andrea wütend ist…“, stöhnte Semir. „Willst du jetzt reden oder nicht?“, kam genervt von Ben. „Ich habe ihren Geburtstag vergessen… deshalb… sie ist deshalb so sauer…. Das kann ich nie wieder gut machen… nie wieder…“, prophezeite Semir ihm. Ben lachte laut los. „Ach komm, du kaufst ihr ein Geschenk und tust so, als ob du es extra so gemacht hast. Das klappt schon. Diamantring ist immer gut…“, schlug Ben zur Lösung vor. Semir stöhnte auf. „1. Du kennst Andrea nicht… und 2. Ich kann keinen Diamantring kaufen….“, sagte er leise. Ben nahm es ziemlich leicht auf die Schulter.


    Nur wenig später in der PAST sah Susanne ihn an. „Semir…. Du tust mir Leid…“, sagte sie. „Nein… sie hat dich doch nicht angerufen oder?... Doch… sie hat… Susanne.. .bitte hilf mir…“, flehte Semir regelrecht. Susanne schüttelte den Kopf. „Tut mir Leid… da musst du durch. Andrea hat mir allerdings schon gesagt, dass deine Koffer gepackt sind.“, gab Susanne bekannt. Semirs Kinn klappte runter. „Wie bitte? Wegen so einer Kleinigkeit? Das kann sie doch nicht tun… ich rufe sie sofort an…“, sagte er und rannte ins Büro. Ben kam langsam hinterher getrottet. „Nein… Andrea… ich hab … was? Nein… ich hab… hör mir doch mal zu…Ich habe deinen Geburtstag nicht vergessen… wirklich… ich…hallo? Hallo?“, Semir ließ den Hörer sinken. „Sie hat einfach aufgelegt….“, kam völlig perplex von ihm. Ben sah ihn nur mitleidig an.


    ...

  • Sie fuhren mit Vorschriftsmäßig die Autobahn entlang. „Nur kein Aufsehen erregen.“, hatte ihnen ihr Chef eingebläut und daran hielten sie sich auch. Sie wollten kein Ärger, sie wussten was er mit Versagern anstellte. Und sie brauchten das Geld. Es war gute Ware, was sie dort hinten auf dem Laster hatten. Gute, beste Ware, die an den Meistbietenden versteigert werden. Da würde sicherlich wieder eine Menge Geld für sie abfallen. Doch erstmal mussten sie sicher am Ziel ankommen. Doch darin sahen sie keine Gefahr. Sie hörten den Polizeifunk ab und wussten, wo kontrolliert werden würde. Leonard sah immer wieder nervös in alle Spiegel, während er seinen großen Neunzigtonner über die Autobahn steuerte. „Mensch Leon, mach dir keine Sorgen. Konzentrier dich lieber auf die Straße.“, kam es ruhig von Ole. „Ole, ich habe so ein komisches Gefühl, als wenn uns dieser Wagen dort schon seit dem letzten Rastplatz verfolgt. Ich meine, er könnte überholen, tut es aber nicht.“, erklärte der Fahrer nervös. Ole winkte nur gelassen ab. „Sicher einer dieser selten gewordenen Autofahrer, die es nicht eilig haben.“, meinte er und schloss wieder die Augen. „Nein, das ist mir zu verdächtig.“, erwiderte Leonard und sah immer wieder in den Rückspiegel.


    „Falke 12 an Zentrale.“, meinte der zivile Zollbeamte Wolfgang Kreisler. „Zentrale hört.“, kam es erwidernd durch den Funk. „Haben hier Laster mit einer Ladung Holz in Richtung niederländische Grenze vor uns. Ist bei euch ein Holztransport gemeldet?“, wollte er wissen und wartete gespannt auf die Antwort. Karen, die in der Zollzentrale saß, blätterte in den Seiten des Computers nach, doch es war kein entsprechender Eintrag vorgesehen. Bevor sie jedoch dies der Streife melden konnte, kam Zollkommissar Thorsten Müller auf sie zu und sah, dass sie etwas suchte. „Ist irgendwas, Frau Mehring?“, wollte er wissen. Sie drehte sich erschrocken um, fing sich aber schnell wieder. „Ja, Falke 12 hat gerade einen Holztransport gemeldet, der sich auf die Grenze zu bewegt, aber ich finde keine Autorisierung eines solchen Transportes im Computer.“, meinte sie. „Oh, dann muss ich vergessen haben, ihn einzutragen.“, sagte er und griff ihrer statt an das Funkgerät. „Zentrale an Falke 12 ... Holztransport ist in Ordnung. Setzen sie ihre Streife fort.“, kam es erklärend aus dem Funkgerät. Wolfgang hob erstaunt seine Augenbrauen in die Luft und schlug die Stirn in Falten. So recht konnte er das nicht glauben, aber Vorschrift war Vorschrift. „Verstanden Zentrale, setzen Streife fort. Ende.“, verabschiedete er sich und überholte dann den LKW mit schnellem Tempo.


    „Siehst du, jetzt hat er auch die Nase voll von deinem Geschleiche.“, meinte Ole lachend und klopfe Leonard auf die Schulter. „Mag sein, dass ich mich geirrt hab. Der Job heute ist nur sehr wichtig für mich.“, erklärte er mit niedergeschlagener Stimme. „Geht es deiner Tochter wieder schlechter?“, fragte Ole besorgt. „Ja leider, wenn sie nicht bald eine vernünftige Behandlung bekommt, wird sie dieses Jahr nicht überleben.“, kam es traurig von Leonard zurück, dessen Augen sich mittlerweile mit Tränen gefüllt hatten. „Das Geld habe ich beinahe zusammen. Nur noch zwei Aufträge und sie wird wieder gesund. Ich bete dafür.“, fügte er hinzu und fuhr dann von der Autobahn ab.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Währenddessen versuchte Semir immer noch, sich mit Andrea auszusprechen, doch immer wieder ging entweder nur der Anrufbeantworter oder die Mailbox ran. „Das gibt es doch nicht.“, zischte er verzweifelt und warf das Handy auf seine Aktenablage. „Sie weiß, dass ich anrufe. Dennoch nimmt sie nicht ab.“, kam es gedrückt von Semir. Ben lächelte kurz, klopfte seinem Partner dann aber aufmunternd auf die Schulter. „Weißt du was, du solltest heute früher Feierabend machen, kaufst deiner Traumfrau ein Geschenk, ein Duzend Rosen, fährst nach Hause und bittest sie mit deinem Dackelblick um Verzeihung.“, schlug er vor. „Da kann sie bestimmt nicht widerstehen.“ „Denkst du?“, kam es zweifelnd von Semir. „Bestimmt.“, meinte Ben aufmunternd und ließ Semir wieder neuen Mut schöpfen.


    Semir machte kurz darauf wirklich Feierabend und fuhr noch schnell zur Tankstelle. Er kaufte dort einen Blumenstrauß, der sicher schon bessere Tage gesehen hatte, doch genau diesen hielt er für den Richtigen. Vor der Tür sah er, dass Andrea im Wohnzimmer saß. Er nahm den Strauß und steckte den Schlüssel ins Schloss. Als er die Tür öffnete, sah er zwei Koffer auf dem Flur stehen. Es waren seine. „Andrea… meine Schatz…“, säuselte er und kniete sich vor seiner Frau hin, die auf dem Sofa saß und ihm keines Blickes würdigte. „Es tut mir Leid… ich habe deinen Geburtstag nicht vergessen… wirklich… ich schwöre… Alles … alles Gute zum Geburtstag.“, sagte er sanft und reichte ihr die Blumen. Es schien, als ließ Andrea sich erweichen. Ein Blick fiel auf den Strauß. Die Blumen ließen bereits die Köpfe hängen und das gab Andrea direkt wieder Zunder. „Hast du die Blumen von einem Grab gestohlen?“, fauchte sie ihn an. Semir verstand nicht. „Was? Nein… ich hab sie für dich gekauft…. Andrea… bitte…“, versuchte er erneut. Andrea sah ihn kühl an. „Semir… du hast nicht nur meinen Geburtstag vergessen. Letzte Woche hast du unseren Hochzeitstag vergessen. Und davor… da hast du den Geburtstag von meiner Mutter vergessen. Von Aidas ganz zu schweigen!!“, schrie Andrea. „Ja aber…“, fing Semir an. „Nein… Du wirst sofort deine Koffer nehmen und im Auto übernachten. Oder richte dir die Garage ein, aber hier im Haus… ist erst einmal kein Platz für dich. Solange bis du dir im Klaren bist, dass es auch anderes gibt als deine Arbeit. Es gibt deine Familie und die ist wichtiger! Sollte sie wenigstens sein. Für dich gibt es nur Arbeit… Arbeit… Arbeit… und dann? Wo bin ich denn in deinem Leben? Wo ist Aida?“, schrie Andrea wütend. Semir stand wie ein begossener Pudel im Wohnzimmer und sah seine Frau an. Er setzte den traurigsten Blick auf, denn er drauf hatte. Doch Andrea blieb hart. Sie wies ihm den Weg aus dem Haus. „Aber Andrea….“, versuchte er es erneut als er draußen stand. Andrea ließ die Tür ins Schloss fallen. „Na super…“, stöhnte Semir und packte seine Koffer ins Auto. Wo sollte er nun hin? Ben… ja…. Ben muss mir helfen…, dachte er nur und stieg ins Auto.


    Ben saß gerade gemütlich auf dem Sofa und sah fern, als es klingelte. Erstaunt sah er auf die Uhr. Er erwartete keinen Besuch mehr. Mit einem Seufzer stand er auf und öffnete. „Semir?“, fragte er erstaunt, als er sah, wer die Treppen rauf kam. „Was wird das denn?“, wollte Ben wissen, als Semir seine Koffer in die Wohnung schleppte. „Du bist Schuld…“, meinte Semir nur. „Was? Wieso?“, harkte Ben völlig verwirrt nach. „Du hast mir doch geraten, ihr Blumen zu kaufen und dann mit Dackelblick um Verzeihung bitten…. Das hab ich nun davon…Sie hat mich raus geworfen!!“, fauchte Semir und ließ sich in den Sessel fallen. „Ja okay… was hat sie denn zu den Blumen gesagt? Hast du ihr rote Rosen gekauft?“, fragte Ben. „Rote Rosen? Ich habe Blumen gekauft… an der Tanke… aber die waren ihr wohl nicht gut genug…“, fauchte Semir wütend und dachte an Andrea. Ben ließ einen Seufzer los. „Semir…. Du bist ein Idiot…“, gab er von sich. „Was? Wieso denn? Du hast gesagt, ich soll ihr Blumen kaufen!“, begehrte Semir auf. „Ja… aber doch nicht an der Tankstelle. Ich dachte an einen Blumenladen. Ganz frische Blumen, verstehst du… keine, die schon zwei Tage alt sind…“, erklärte Ben. „Ja, aber woher soll ich denn…?“, stammelte Semir völlig verzweifelt. „Ja… sag mal, wie oft kaufst du deiner Frau Blumen?“, wollte Ben verwundert wissen. „Ein…zweimal im Jahr…warum?“, harkte nun Semir nach. Ben schloss die Augen. „Dann war das ja wohl klar. Semir… du hast ein Problem.“, stöhnte Ben gekonnt.

  • 2. Kapitel:
    Spießer und Putzfraujunkie


    „Kann ich bei dir wohnen?“ fragte Semir kleinlaut. Ben lachte. „Es ist also tatsächlich so, dass sie dich rausgeworfen hat. Deine Frau ist wirklich sehr gut… bewundernswert…“ grinste er. „Also gut… du kannst dich hier für eine Weile aufhalten. Aber …. Kein Wort über meine Lebensgewohnheiten, ist das klar?“ legte Ben fest. Semir nickte. „Ja sicher… Wo ist das Gästezimmer?“ harkte er sofort nach. „Da hinten…. Aber… das Zimmer ist schon lange nicht mehr benutzt worden. Also… es ist nicht sauber, wenn du weißt was ich meine…“ erklärte Ben leicht grinsend. Semir nickte. „Ich kann ja Ordnung schaffen…“ stöhnte er, schnappte seine Koffer und betrat sein „Domizil“. Als er das Licht anmachte bekam er große Augen. „Hat hier der Dritte Weltkrieg stattgefunden?“, fragte Semir und wagte es nicht, sich zu bewegen. Vor ihm lagen Berge von Wäsche auf dem Boden, das Bettzeug hing benutzt aus dem Bett heraus und Semir war sich nicht sicher, aber seinem Gefühl nach bewegte sich was unter der Wäsche. „Ben!“, rief er ins Wohnzimmer und sofort glitt Ben auf seinen Socken zu seinen Partner und nun auch noch Mitbewohner hin. „Jo?“, fragte er und Semir deutete nur ins Zimmer rein. „Oh.“, kam es von Ben. „Oh? Mehr nicht.“, zischte der Kleine und zog die Augenbrauen hoch. „Ja, ich bin nicht auf Gäste eingestellt.“, entschuldigte sich Ben und sah das Chaos gelassener, als es Semir tat.


    „Das sieht man.“, kam es von ihm und sofort fing er an, die Kleiderstücke aufzuheben und seinem Partner ins Gesicht zu werfen. „Wenn ich hier drin schon schlafen soll, will ich wenigstens treten können und nicht Angst haben, hier auf einen Hamster zu treten, der die Wäsche hier als Winterquartier benutzt hat.“, maulte Semir nur. Ben drehte genervt mit den Augen und brachte die Sachen zur Waschmaschine. Warum hatte er das eigentlich nicht gleich gemacht? Ach ja, immer kam ihm etwas dazwischen. Meist war es die wenige Zeit, die er morgens hatte oder die fehlende Lust, die er abends nach einem langen Dienst nicht mehr aufbrachte. „Mein Gott, wie das hier riecht.“, hörte er Semir fluchen. Schon bereute Ben wieder seine Gutmütigkeit. „Das kann ja was werden.“, dachte er und setzte eine große Maschine an.


    Semir brauchte nicht lange, bis er die Sachen aus dem Zimmer geräumt hatte. Als er noch Single war, hatte er für so was immer ein Händchen und war darin sehr schnell. Während Andreas Schwangerschaft hatte er ja auch, neben der Arbeit, den ganzen Haushalt geschmissen. So verwunderte es keinen, dass das Zimmer nach einer guten Stunde bewohnbar und das Bett frisch bezogen war.„Wow, wozu brauche ich eigentlich eine Putzfrau, wenn ich dich habe?“, meinte Ben scherzend, als er das saubere Zimmer sah. „Sehr witzig.“, stieß Semir aus, der wegen der Sache mit Andrea nicht gerade zu scherzen aufgelegt war. „Komm schon, nimm dir die Sache nicht so zu Herzen.“, versuchte Ben seinen Freund aufzumuntern und legte ihm in Freundschaft den Arm um die Schultern und knuffte ihn kurz. Semir sah ihn zweifelnd mit seinen braunen Augen an. „Du wirst sehen, morgen sieht die Welt schon viel besser aus. Wenn sie erstmal eine Nacht ohne ihre menschliche Wärmflasche verbracht hat, wird der Streit schnell vergessen sein.“, sagte Ben vorher. „Ha, Madame Benjamina die Wahrsagerin.“, kam es sarkastisch von Semir. „Nein, ich glaube, so leicht ist Andrea dieses Mal nicht zu besänftigen.“ Niedergeschlagen saß Semir auf dem Bett und betrachtete seinen Ehering, den er mit seinen Fingern hin- und herdrehte. Irgendwie kam ihm dieser Spruch bei der Hochzeit „Lieben und ehren, bis das der Tod sie scheidet“ nicht mehr so selbstverständlich vor. In ihm regten sich ernste Zweifel, ob Andrea ihm jemals verzeihen würde. Ben spürte die seelische Angespanntheit seines Kollegen. „Na komm, ich mach uns erstmal was zu essen und dann machen wir einen Männerabend. Wirst sehen, morgen ist ein neuer Tag.“, meinte er lächelnd und stieß Semir an, der nur nickte und ihm dann in die Küche folgte.

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    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „Ähm…. Hier willst du kochen?“, fragte Semir skeptisch. Ben nickte. „Ja sicher… wieso?“, wollte er wissen. „Na hier steht ja noch das Essen von gestern rum…“, maulte Semir. „Semir… der Kühlschrank ist voll. Such dir was aus und gut ist. Ich mache uns ne Pasta okay?“, bot Ben an. Semir nickte und sah skeptisch in den Kühlschrank. Er öffnete das Eisfach. „Boah… nee… Sag mal… das Eis fängt ja an von selbst weg zu laufen…“ stöhnte Semir und holte eine etwas undefinierbare Sache heraus. „Ach sieh mal an… das hab ich völlig vergessen…“ grinste Ben und machte das Eis auf. „Das willst du doch jetzt wohl nicht essen oder?“, empörte sich Semir. Ben sah sich das Etwas an. „Nee… hast Recht… sieht nicht mehr ganz frisch aus.“ Er warf das Ding ins Waschbecken. „Wann hast du das Kühlfach denn zum letzten Mal abgetaut? Da ist ja mehr Eis drin, als in einer Tiefkühltruhe…“, moserte Semir weiter und fing an den Kühlschrank auszuräumen. Ben sah ihn an. „Was machst du denn da?“ wollte Ben wissen und wies auf die Sachen. „Na ich mach das Ding mal sauber. Das ist ja absolut unhygienisch…“ erklärte Semir und nahm sich eine Flasche Essig aus dem Schrank und einen neuen Lappen. Ben stieß einen undefinierbaren Laut aus. „Ja fang du schon mal an zu kochen… das hier dauert nicht lang.“, versprach Semir und fing an zu putzen. Ben fing an zu kochen. Nur eine halbe Stunde später war der Kühlschrank sauber und die Pasta fertig. Doch wenn Ben gedacht hatte jetzt Ruhe zu bekommen war er falsch gewickelt. Semir war scheinbar in einem wahren Putzwahn.


    Während Ben und Semir sich einrichteten besuchte Susanne Andrea. „Was hat er denn so vom Stapel gelassen?“ wollte Andrea wissen. Susanne lachte leise. „Der ist völlig fertig. Er hat mich sogar gebeten ihm zu helfen. Aber ich hab natürlich abgelehnt. Ist es denn wirklich so schlimm?“ fragte Susanne. Andrea nickte. „Weißt du er vergisst jeden Termin. Er vergisst unseren Hochzeitstag, Aidas Geburtstag, den meiner Mutter und jetzt auch noch meinen. Aber wenn ich nicht an seinen denke, dann ist er beleidigt. Also muss ich ihm mal zeigen, dass ich nicht so einfach mit mir spielen lasse. Er muss begreifen dass es in der Ehe zwei Leute gibt und nicht nur er…“ beklagte Andrea sich. Susanne nickte und hielt ihre Hände. „Was müsste Semir denn tun, damit du ihm verzeihst?“ harkte sie nach. Andrea beäugte sie. „Hat er dich doch geschickt?“ wollte sie sofort wissen. „Nein…. Er wohnt derzeit bei Ben. Nur irgendwie tut er mir sehr Leid. Der Arme weiß ja gar nicht wie der das wieder gutmachen kann… Und ich befürchte, das die Wohngemeinschaft Ben und Semir nicht lange von Dauer sein kann.“ Gab Susanne zu bedenken. Andrea musste lachen. „Oh ich befürchte, es gibt eine Katastrophe. Semir ist ein sehr ordnungsliebender Mensch und Ben… ein Chaot. Wenn Semir seinen Wahn bekommt, dann erkennt Ben seine Wohnung nicht wieder.“ gab Andrea zu bedenken. Susanne lachte ebenfalls. „Wer ist nun mehr zu bedauern. Semir… oder Ben?“ wollte sie wissen. Andrea sah sie an. „Du hast mich gefragt, was er tun muss, damit ich ihm verzeihe… Ich glaube er müsste mir nur einfach mal wieder sagen, dass er mich liebt. Er sagt es einfach viel zu selten. Die Blumen… das war die Krönung. Er hat mir Blumen besorgt. Die waren halb verwelkt. Das ist doch kein Geschenk…“ beklagte Andrea sich bei ihrer Freundin.


    In der Zwischenzeit waren Leonard und Ole in einem stillgelegten Sägewerk, nahe der Grenze angelangt. Normalerweise wagte sich keiner hier her. Nicht einmal Kinder. Doch für ein stillgelegtes Werk standen hier ziemlich viele Autos herum, die alle mit unterschiedlichen Kennzeichen, manche sogar mit ausländischen Buchstaben, versehen waren.„Ah, da seid ihr ja endlich.“, zischte Laurence und ging auf den Truck zu. „Tschuldige Boss, aber wir wollten um keinen Preis vom Zoll abgefangen werden.“, entschuldigte sich Leonard und stieg aus dem Fahrzeug aus. „Schon gut. Fangen wir mit der Versteigerung an. Hat euch jemand beim Aufladen gesehen?“, wollte der Boss wissen und Ole schüttelte nur mit dem Kopf. „Wir sind keine Anfänger mehr, Boss.“, lachte er. „Das will ich für euch hoffen.“, fauchte der hochgewachsene Mann, offensichtlich nicht deutscher Herkunft, da er mit einem leichten irischen Akzent sprach. „Gute Qualität.“ Dann begann die Versteigerung. „Okay Gentlemen, eine Ladung bestes Mahagoni-Holz, unbearbeitet und fertig verladen. Den Truck gibt es dazu. Das Anfangsgebot liegt bei 450.000 Euro.“, verkündete er und sah dann sofort, wie einige Hände in die Höhe schnellten und mit ihnen das Gebot für eine einfache Holzladung. Leonard und Ole bekamen leuchtende Augen, wussten sie zwar, dass der Boss den Löwenanteil bekam, sie aber immer noch mit je fünfundzwanzig Prozent am Raubzug beteiligt wurden. „Das Abschlussgebot liegt bei 1.750.000 Euro ... Zum Ersten ... zum Zweiten ... und zum Dritten ... Verkauft an den Herrn aus Österreich.“, verkündete Laurence und ließ den Hammer zum Finalschlag auf das Pult niedersausen. Die anderen Herren der mittleren und hohen Unterwelt zogen grummelnd wieder ab und nur der Österreicher blieb mit strahlendem Gesicht zurück, überreichte Laurence einen Koffer mit dem geforderten Geld. Er nahm 250.000 Euro wieder an sich und fuhr dann mit seinem Wagen hinter dem Truck her, den dann sein Mitarbeiter fuhr. „Das hat sich ja wieder mal gelohnt, Boss.“, meinte Ole erstaunt und auch Leonard sah mit gierigen Augen auf die Geldbündel. Endlich konnte er die Operation seiner Tochter bezahlen und hatte sogar noch Geld übrig. „Okay, hier sind eure Anteile. Für jeden 437.500 Euro und für mich den Rest natürlich.“, meinte er lachend und ging zu seinem Wagen. Ole sah Leonard mit einem verstohlenen Blick an. „Na, wollen wir noch was trinken gehen und unseren Erfolg feiern?“, fragte er und hatte dabei einen teuflischen Hintergedanken. Doch Leonard war nicht dumm. Er ahnte, was Ole wollte. „Nein, lass mal. Ich werde zu meiner Familie fahren und gleich das Geld zu ihnen bringen.“ Doch so leicht ließ sich dieser Mann nicht abwimmeln.


    ...

  • Währenddessen hatten sich Semir und Ben über die Pasta hergemacht. Semir genoss es wenigstens, dass Ben, wenn er auch ein Ordnungsfeindlicher Chaot erster Klasse war, doch ein Talent beim Kochen hatte. Doch Ben dachte derweil über andere Dinge nach. Was sollte das erst werden, wenn Semir weiter in diesem Putzrausch durch seine Wohnung und sein Leben fuhr? Ob das auf Dauer gut gehen würde? Ben war sich dieser Sache nicht sonderlich sicher, doch vorerst würde er es einfach genießen, nicht aufräumen zu müssen. „Sag mal, ist irgendwas?“, unterbrach Semir seinen Gedankengang. „Was?“ „Na, du wirkst so nachdenklich.“, präzisierte der Deutschtürke seine Aussage etwas. „Och nichts, es ist nichts.“, meinte Ben abwiegelnd und aß den letzten Kanten vom Baguette. Semir jedoch ahnte, dass seinen Kollegen etwas im Kopf rum ging, doch er wollte ihn nicht dazu drängen. „Komm, lass uns ins Wohnzimmer gehen. Im Fernsehen läuft gerade ein Boxkampf, den sollten wir uns ansehen.“, meinte Ben und stand auf, doch Semir sah ihn nur schief an. „Und was ist damit?“, er zeigte auf den Esstisch und das Geschirr. „Was soll damit sein?“, fragte Ben und zuckte mit den Schultern. „Ben, das kann doch hier nicht so liegen bleiben.“ „Warum nicht?“, protestierte Ben. „Geh, schau Boxen. Ich komme gleich. Bring nur schnell das Geschirr in die Spüle.“, meinte Semir und schnappte sich die Teller. Äußerlich ruhig, ballte Ben innerlich die Fäuste. Dass dieser Rauswurf von Semir auch für ihn Folgen hatte, hätte er nicht gedacht. Doch es sollte noch schlimmer werden.


    Der Holztransporter fuhr in Richtung Köln. „Ja… ich hab die Ladung. Aber es war ganz schön teuer… 2 Millionen…. Ich finde dass Laurence etwas übertreibt. Es muss doch ne Möglichkeit geben billiger an Holz zu kommen..“ meinte Roland ins Telefon. Er hörte eine Weile zu. „Ja… natürlich ist es erste Qualität. Wie wäre es wenn wir anfangen unser eigenes Süppchen zu kochen? Es gibt doch genug Holz in Deutschland….“ Gab er durch. Wieder musste er hören. „Illegal? Was ist denn daran illegal? Wir holen uns das Holz aus dem Wald, aus nem Park ist doch völlig egal…. Ich wäre dabei. Jetzt haben wir einen Transporter und können dabei sehr viel Geld sparen.“ lachte Roland. „Also gut… wir reden später. Ja… der Transporter ist direkt vor mir. Wir sind in drei Stunden da.“ gab er durch. Er beendete das Gespräch und grinste. Er fand seinen Plan in den deutschen Wäldern zu holzen viel angenehmer. Das er damit direkt einen Krieg anzettelte für den er einen hohen Tribut zahlen sollte. Er grinste leicht. Sein Boss wusste ja nicht, dass er 250.000 Euro für sich behielt. Die Fahrt ging langsam vor sich hin. Der Transporter durfte nicht auffallen. Auch wenn es recht selten passierte, das Holz in Deutschland transportiert wurde, welches noch nicht als Schrank oder im Papier verarbeitet war, so musste man die Bullen nicht wecken. Sollten die ruhig schlafen, dachte er bei sich.


    „So… alles fertig. Wer gewinnt?“ wollte Semir wissen, als er aus der Küche kam. „Was? Ach so… nun ja… Vitali Klitschko liegt an Punkten vor. Ich denke mal, dass er seinen Gegner bald auf die Bretter schickt. Semir…. Willst du Andrea nicht anrufen und fragen, ob sie dir verzeiht?“ fragte Ben zaghaft. „Hab ich schon versucht. Als ich in der Küche war. Sobald ich sie anrufe, drückt sie mich weg. Ich hab es auch auf Festnetz versucht. Sie legt auf, sobald sie meine Stimme hört. Sie ist richtig wütend auf mich. Und das Schlimmste ist, das ich es auch noch verstehen kann…“ murmelte Semir. „Willst du ein Bier?“ fragte Ben und ging in die Küche. „Ja bitte…“ stöhnte Semir. Ben stand in seiner Küche und staunte. Wenn die Flächen vor Sauberkeit strahlen könnten, würde er vermutlich sehr viel Strom sparen, dachte er bei sich. Er nahm das Bier aus dem Kühlschrank und ging zu Semir zurück.
    Dieser saß völlig in Gedanken versunken im Sessel. „Hey… es wird wieder. Ich kann ja mal versuchen mit Andrea zu reden. Sie wird mir sicher zuhören.“ Schlug Ben vor. Semir sah ihn an. „Ich weiß nicht… vielleicht beruhigt sie sich ja von selbst. Schon allein wegen Aida.“ Kam leise von Semir. Er nahm einen Schluck. „Ich bin müde. Morgen ist früh Tag.“ stieß er nach der Flasche aus und verschwand im Bad. „Oh nee…“ hörte Ben kurz darauf. Er rollte mit den Augen. Was war denn nun schon wieder. Semir kam zurück. Ich hab keine Zahnbürste…“ erklärte er. Ben musste lachen. „Ich hab noch eine im Schrank…. Sie gehört dir…“ gab er bekannt. „Danke….“ kam von Semir und schon ging er wieder ins Bad. Nur eine halbe Stunde später kam Ruhe in die Männergemeinschaft. Zumindest hoffte Ben das, doch als er endlich einschlief hörte er ein leises Knurren, oder war das Rauschen? Nein… es war… „OH nein….!“ stieß er aus. „Jetzt sägt der auch noch….“ Hängte er an, als er dem Geräusch nachging. Die Tür zu Semirs Zimmer stand auf und man hörte sehr deutlich, dass der Mann schlief. Ben schloss die Tür und schlurfte in sein Zimmer zurück. Auch hier schloss er die Tür. Endlich war Ruhe und er konnte auch schlafen.

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  • Am nächsten Morgen stand Semir schon um fünf auf. Er machte Kaffee und deckte den Frühstückstisch. Eine halbe Stunde später stand er frisch geduscht an der Tür von Ben und klopfte. „BEN!! AUFSTEHEN!!“ rief er. „Mhhmmmm…“ kam als Antwort. „Hey… unser Dienst fängt in zwei Stunden an… komm frühstücken!!“ forderte Semir laut. „Ja….man….“ stöhnte Ben wütend. „Hey… wenn du ein Morgenmuffel bist, dann treibe ich dir das noch aus, solange ich hier bin. Komm jetzt!“ befahl Semir. Die Tür öffnete sich. „Semir… du nervst!“ stieß Ben wütend aus und schlurfte ins Bad. Semir hörte wie er duschte und fing an zu frühstücken. Nur wenig später war auch Ben da. „Hey… das ist viel zu früh… ich frühstücke sonst auch nicht.“ maulte Ben immer noch ziemlich verschlafen. „Das Frühstück ist das Wichtigste des Tages. Das verachten manche das ein ausgewogenes Frühstück einen sehr guten aus frischen Start in den Tag gibt. Dein Gehirn fängt schon früh an auf Hochtouren zu gehen und…“ erklärte Semir. “SEMIR!!! Halt die Klappe!!!“ schrie Ben ihn an. „Ich bin noch nicht wach und ich hab keinen Nerv für einen Vortrag!!“ erklärte er schnell bevor Semir nun auch auf ihn wütend war.


    3. Kapitel:
    Holzwürmer

    „Okay, ihr wisst, was zu tun ist?“, fragte Roland seine drei Mitarbeiter. „Ja Chef. Aber wird das nicht Stunden brauchen, bis wir das Holz geschlagen haben?“, fragte Karl. „Keine Sorge, das hier ist ein ziemlich abgelegenes Waldstück. Und der Förster macht hier nur alle drei Tage seine Runde. Also los. Ich will heute noch mit dem Holz nach Österreich zurück.“, zischte Roland und setzte sich wieder in seinen Wagen, während seine Männer mit Kettensägen und schwerem Gerät, dass sie vorher gestohlen hatten, anfingen die Bäume abzuholzen. „Okay, das sieht schon sehr gut aus. Der Boss wird mit euch zufrieden sein.“, lachte Roland und wusste noch nicht, dass sie bald mächtigen Ärger kriegen sollten, der ihnen einen regelrechten Krieg aufzwingen sollte.


    Ole fuhr Leonard nach Hause. Im Wagen herrschte bedrücktes Schweigen. Beide belauerten sich wie hungrige Wölfe, die nur darauf warteten, dass der andere unaufmerksam wurde und er sich dann die Beute schnappen konnte. „Fahr mal auf den Rastplatz da vorne.“, meinte Leonard plötzlich und bekam von Ole einen verwunderten Blick. „Ja, ich muss mal austreten.“, erklärte er auf den Blick hin. In seinen Gedanken arbeitete Ole einen Plan aus, wie er seinen Partner loswerden und sich dann dessen Anteil einverleiben konnte. Während Leonard im Klo war, würde Ole einfach hinterher schleichen, ihm sein Messer in den Bauch rammen und ein paar Euro-Scheine auf den Boden legen, damit es nach Raubmord aussah. Grinsend setzte Ole den Blinker. Doch auch Leonard schien die Gedanken seines „Partners“ zu erahnen. Zum Glück hatte er früher Selbstverteidigung gelernt und beherrschte noch jeden Handgriff, auch wie man einen bewaffneten Gegner tötete. Als Lastfahrer konnte man ja nicht vorsichtig genug sein. „Okay, ich mach schnell.“, sagte er zu Ole und griff nach seinen Koffer. „Willst du das Geld nicht hier im Wagen lassen?“, fragte Ole scheinheilig. Doch Leonard erwiderte nichts und ging mit dem Koffer in das WC-Häuschen. „Shit.“, stieß Ole aus, doch er würde seinen Plan durchziehen. Aus dem Handschubfach nahm er sein Jagdmesser hervor und stieg aus. Da es noch recht früh am Morgen war, war kaum Betrieb und der Rastplatz noch wie leer gefegt.


    ...

  • Leonard stellte sich in die Nische hinter der Tür und hatte seinen Koffer dicht an seinen Körper gepresst. Er wusste, dass dieser Mann, den er erst seit dem ersten Transport kannte, geldgierig war und auch nicht vor Mord zurückschrecken würde. Er hörte, wie die Tür aufging und am Schatten der morgendlichen Sonne sah er die Silhouette von Ole mit einem Gegenstand in der Hand, der nach einem Messer oder ähnliches aussah. Leonards Atem ging stoßweise, er hörte die quietschenden Schritte auf dem Fliesenboden und sah, wie Ole immer weiter in das Innere des Häuschens trat. „Jetzt.“, dachte er nur, holte mit dem Koffer aus und schlug seinem Partner mitten ins Gesicht. Einen kurzen Schrei ausstoßend ließ Ole das Messer fallen und fasste sich an seine Nase, aus der sofort Blut strömte. Dann stand Leonard vor ihm, packte ihn am Arm und schleuderte ihn über seine Schulter zu Boden. Ole blieb benommen liegen, rappelte sich dann aber wieder auf und stellte sich Leonard. Doch dieser holte noch einmal aus und schlug derart kräftig zu, dass Ole mit seinem Kopf gegen das Waschbecken stieß. Ein lautes Knacken war zu hören, das Genick war gebrochen. „Tut mir Leid, aber ich habe eine Familie, die mich und das Geld braucht.“, zischte Leonard und durchsuchte den Toten nach den Wagenschlüsseln. Nachdem er sie gefunden hatte, fuhr er mit seinem und Oles Anteil zu seiner Familie.


    Laurence saß in seinem Büro und zählte das bei den Versteigerungen erwirtschaftete Geld. „Was doch so ein wenig Holz für Mäuse einbringen kann.“, lachte er. Just in diesem Moment kam Mattes reingestürmt und stemmte sich aufgeregt auf den Tisch seines Bosses. „Chef, ich habe gerade erfahren, dass da jemand in unserem Revier unsere Ware fällt.“, kam es heftig atmend von ihm. Sofort ließ Laurence die Scheine fallen. „Was? Wer? Kennst du die?“, wollte er wissen. „Allem Anschein nach, einer der österreichischen Kunden, die bei der letzten Versteigerung waren.“, erwiderte Mattes. Laurence dachte angestrengt nach. Dann machte es Klick bei ihm. „Die wollen sich ihr Holz jetzt wohl billiger verschaffen.“, dachte er laut. „Nimm dir sofort vier Männer und die beiden Jeeps, beobachte sie und fangt sie ab, wenn sie auf der Autobahn sind. Lasst den Laster mitsamt der Fracht hochgehen. Als Warnung für jeden, der sich mit Laurence O'Reilly anlegt.“, befahl er und sofort machte sich Mattes mit seinen Leuten auf den Weg.


    Um sich etwas von ihren Gedanken an Semir abzulenken, ging Andrea am nächsten Morgen zu Corinna. Sie hatte eine Tochter im Alter von Aida und die beiden Kinder spielten sehr oft zusammen, das heißt sofern es der kleinen Celine gut ging. Die Kleine litt an einer sehr seltenen Krankheit, die in Deutschland nicht behandelt werden konnte. Die beiden Frauen hatten sich in der Schwangerschaftsgymnastikstunde kennen gelernt. Und noch mehr… sie waren fast Nachbarn. Corinna und ihre Familie, das war ihr Mann Leonard und die kleine Celine, wohnte in einem der anonymen Hochhäuser in der näheren Umgebung. Andrea bekam fast regelmäßig mit, wie Celine immer mehr abbaute. Dennoch ging sie mit Aida möglichst oft zu ihnen, damit die Kinder spielen konnten. Aida verstand es natürlich nicht, wenn ihre Freundin im Bett lag und schlief. Doch an diesem Morgen schien etwas anders zu sein.

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  • Als Andrea an der Tür schellte und Corinna öffnete sah sie sofort, das Corinna geweint hatte. „Was ist passiert?“ fragte sie und nahm ihre Freundin in den Arm. „Leo…. Er … er hat das Geld bekommen. Andrea… wir können Celine endlich behandeln…“ strahlte sie. Andrea bemerkte nun dass es Freudentränen war. Dennoch war sie sehr skeptisch. „Corinna… bist du sicher, dass du das richtige tust? Ich meine was wenn es dort drüben Scharlatane sind? Was wenn sie nur auf Geld aus sind und Celine nicht helfen können? Hast du an diese Möglichkeit gedacht?“ fragte Andrea nach. „Ich habe daran gedacht. Aber Andrea… ich muss jede Möglichkeit… jede Gelegenheit nutzen, um Celine zu helfen. Du würdest es doch für Aida auch machen, oder etwa nicht?“ stellte Corinna die Gegenfrage. Andrea nickte. „Sicher würde ich alles für sie tun. Aber… ich weiß auch, dass wenn eine Krankheit, so wie die von Celine nicht bekannt ist, oder in Deutschland nicht behandelt werden kann… dann ist es vielleicht auch gar nicht möglich… Aber ich würde dich auf jeden Fall unterstützen. Wie geht es denn nun weiter?“ wollte Andrea wissen.


    „Wir fliegen morgen Abend in die USA und sind dann am späten Mittag in Ohio. Dort ist die Klinik und ich denke ich tue das richtige. Wie geht es denn Semir?“ fragte Corinna dagegen. „Semir? Ich denke dem geht es gut.“, kam von Andrea. “Oh… ihr habt Krach…hat der deinen Geburtstag doch vergessen?“ wollte Corinna wissen. Andrea nickte. „Ich habe ihn rausgeworfen. Und werde ihn solange nicht aufnehmen, bis er sich entsprechend entschuldigt hat.“ prophezeite Andrea. Sie sah kurz zu ihrer Tochter, die mit Celine spielte. Die kleine Celine lag in ihrem Bettchen. Sie war nicht fähig zu sitzen, weil sie so schwach war. „Ich wünsche dir und ihr wirklich alles Gute. Bitte informiere mich, wenn sich etwas tut, okay?“ bat Andrea. Corinna versprach es. „Ich muss…. Außerdem denke ich hast du sicher noch sehr viel vorzubereiten. Ich finde es gut, das die Bank dir den Kredit oder besser gesagt, Leo den Kredit gewährt hat. Alles, alles Gute…“ Andrea nahm ihre Freundin in die Arme.


    „Na wieder beruhigt?“ fragte Semir an, als sie im Auto saßen und zur PAST fuhren. „Ja sicher. Hör mal… die Idee, dass du bei mir wohnen kannst, bis du und Andrea wieder …also bis sie dir wieder verziehen hat, ist vielleicht doch etwas vorschnell gekommen. Nicht das du denkst ich werfe dich raus. Aber wir müssen uns einigen. Du bist Gast bei mir und ich liebe mein Chaos. Nicht das ich was gegen die Ordnung habe, aber du übertreibst einfach. Können wir uns da bitte einigen?“ wollte Ben wissen. „Na gut… und wie hast du dir das vorgestellt? Ich meine bis Andrea sich da beruhigt hat, können schon noch ein paar Tage vergehen.“ gab Semir an. „Ja ich weiß. Aber es geht so nicht. Also… fangen wir direkt damit an, dass du alles hinter mir herräumst. Das muss nicht sein. Ich kann das sehr gut alleine und wenn ich es nicht mache, dann steckt da auch System hinter. Und dann das Wecken. Ich stehe eine halbe Stunde vor Dienstbeginn auf und frühstücke nicht. Das respektiere bitte.“ forderte Ben. Semir nickte. „Aber ich darf in dem Zimmer aufräumen, wo ich wohne ja?“ fauchte er. Irgendwie verstand er nicht, warum Ben seine Fürsorge nicht haben wollte. „Okay… dann wäre noch da das Bad… es ist wirklich sehr nett, dass du den Schrank aufgeräumt hast. Aber ich finde gar nichts mehr wieder. Du hast alles umgestellt und dabei war da auch System drin….“ moserte Ben. Semir nickte erneut. „—und der Kühlschrank. Er ist sauber, sehr gut, aber nur weil das MHD auf der Wurst um zwei Tage abgelaufen ist, muss sie nicht schlecht sein. Ich esse sie trotzdem…“ kam weiter von Ben. „Ben… das MHD war nicht nur zwei Tage abgelaufen, sondern drei Monate. Die Wurst war nicht mehr genießbar. Du kannst dir doch leisten, täglich frische Wurst zu kaufen, was regst du dich dann auf, dass ich diese Leberwurst weg geworfen habe?“ wollte Semir wissen. „Das war keine Leberwurst, das war Blutwurst.“ erklärte Ben. Semir zog eine Braue hoch. „Blutwurst? Dann war sie aber verdammt blutarm..“ lachte er als er daran dachte wie er die trockne Wurst in den Müll geworfen hatte. „Also gut… ich räume nicht mehr auf. Außer den Raum den ich bewohne. Ich bin sehr Ordnungsliebend und habe keinen Bock in einem Müllhaufen zu wohnen.“ gab er zu. Ben nicke. „Nun dann ist doch schon mal der Anfang gemacht. Nun muss du nur noch aufhören zu schnarchen und wir können wunderbar zusammen wohnen.“ stöhnte Ben grinsend. „Ich? Ich schnarche doch gar nicht…. das hätte Andrea mir längst gesagt..“ erboste Semir sich. „Ach ja… du hast sicher nicht ein Auge heute Nacht zugemacht was?“ lachte Ben. „Ja ganz genau. Ich habe mir die ganze Nacht Gedanken darüber gemacht, wie ich Andrea wieder milde stimmen kann.“ erklärte Semir. Ben lachte laut auf. „Ja… das habe ich sehr deutlich gehört.“ gab er zu.


    ..

  • Als die Beiden einige Kilometer weiter fuhren, sahen sie vor sich zwei Laster mit Holz beladen. Ben sah an den langen Dingern empor, als Semir sich hinter die Wagen hängte und gemütlich die Geschwindigkeit hielt. Angestrengt sah Ben zu seinem Partner, der teilnahmslos auf die Autobahn sah. „Sag mal, ist dir denn gar nichts aufgefallen?“, fragte der junge Hauptkommissar seinen Partner, der nur stirnrunzelnd zu Ben hinübersah. „Ne, was denn?“, fragte Semir. „Die Stämme waren nicht markiert.“, meinte der junge Mann dann. „Ach, die werden schon markiert sein.“ „Semir, die sind aber nicht markiert. Alle beiden Ladungen nicht.“, erklärte Ben, als sie am zweiten Laster vorbei waren.


    Mattes und seine Mitarbeiter brausten auf der linken Spur immer dichter an die beiden Lastwagen heran. „Okay, ihr wisst, was zu tun ist?“, fragte Mattes seine Kompagnons über Funk und bekam jeweils eine zustimmende Antwort. „Gut, dann nehmt ihr die Räder unter Beschuss und werft die Molotowcocktails auf die Ladeflächen. Sie sollen sehen, dass sich niemand ungestraft in unsere Geschäfte mischt.“, meinte Mattes und zündete den Cocktail an, öffnete schon das Fenster.


    „Was macht der denn da?“, fragte Semir und zeigte auf den schwarzen Geländewagen neben den Lastern. Plötzlich brach auf beiden Hängern Feuer aus und Schüsse zerfetzten die Reifen der großen Ungetüme. „Verdammte Scheiße.“, schrie Ben aus und suchte in seinem Fußraum Deckung, als die schweren, brennenden Holzstämme auf die Autobahn und nach hinten wegrutschten. Semir riss die Augen auf und das Steuer rum. „Verdammt noch mal.“, stieß Semir aus und schwenkte das Steuer dermaßen rum, das Ben mit dem Kopf an das Schubfach schlug. „Oh man, kannst du nicht aufpassen.“, zischte Ben hervor. „Entschuldige, ich sehe nur Bäume.“, schrie Semir und steuerte gegen die schwankenden Hänger mit dem brennenden Holz. „Jetzt oder nie.“, dachte er und beschleunigte seinen BMW. Er musste an diesen Beiden vorbei. So trat er das Pedal durch und schaffte es wirklich am ersten Laster vorbei. „Sind wir vorbei?“, kam es fragend aus Bens Versteck. „Noch nicht ganz.“, erwiderte Semir und war auf halber Höhe des zweiten Lasters. Doch da sah er nur noch, wie einige der Stämme zur Seite rutschten und auf den BMW hinunterfielen. „Unten bleiben.“, schrie Semir und ging selbst in Deckung, lenkte seinen Wagen unter den Hänger durch. Das Metall knirschte und wurde wie ein Streichholz weggebogen. Die Scheibe zerbarst und einige brennende Holzteile fielen in den Wagen hinunter. „Shit.“, stieß Semir erschrocken aus. Der BMW schrammte an der Leitplanke entlang, durchbrach sie nach einigen Metern des Mitgeschleiftwerdens und raste die Böschung hinunter. Nach einigen hundert Metern kam er zum Stehen und zwei leicht verkohlte Köpfe kamen aus dem Innern des Wracks zum Vorschein. „Verdammt, warum müssen Montage immer so beschissen anfangen?“, fluchte Ben und schüttelte sich den Staub aus den Haaren. Semir sortierte ihm die leicht angekokelten Holzspäne aus den Haaren und von der Schulter. „Tja, Berufsrisiko.“, meinte Semir und hustete kurz. Plötzlich explodierten die beiden Lastwagen und die großen, schweren Baumstämme schlugen um den Wagen herum ein.

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  • Semir und Ben ließen sich einfach fallen und hielten schützend ihre Arme über die Köpfe. Dann war nur noch das Knistern des Feuers zu hören. „Den werde ich mir jetzt krallen und erzählen, was ich von dem halte!“ fauchte Ben und sah auf. „Ich denke das kannst du dir sparen… die haben einen verdammt heißen Abgang hingelegt...“, gab Semir zu verstehen. Ben sah zu den Fahrzeugen, dessen Führerhaus in hellen Flammen stand. Das da keiner überlebte war nicht zu übersehen. „Hast du dir das Kennzeichen von dem Wagen gemerkt?“ wollte er von Semir wissen. „Ich hatte was Anderes zu tun, als darauf zu achten. Ich weiß nur, dass es ein schwarzer Geländewagen war. Ob der Kennzeichen hatte, weiß ich gar nicht. Würde mich nur interessieren, was dahinter steckt.“, knurrte Ben. Semir kramte sein Handy aus der Tasche und rief zunächst die Feuerwehr und die Kollegen. „Wir sollten uns mal diese Holzstämme ansehen.“, schlug Ben vor. Semir lachte. „Wie du siehst ist dort Feuer… Bäume sind aus Holz, wenn ich mich nicht irre und Holz und Feuer… vertragen sich überhaupt nicht. Da ist nicht viel von übrig.“, gab er bekannt. „Idiot!“ fauchte Ben nur, doch dann lachte er auch. „Stimmt aber… irgendwie war das eine blöde Bemerkung.“ Semir nickte nur und sah sich um. „Vielleicht aber auch nicht… Sieh mal.. ein Stamm hat sich scheinbar vor dem Feuer gerettet.“ sagte er und zeigte zu der Stelle wo der Wagen von ihm und Ben zum Stehen gekommen war. Unter dem Wagen war ein Baumstamm verkeilt. Ben stieg zum Wagen runter und besah sich den Stamm. „Siehst du…! Ich hab doch gesagt, die sind nicht gekennzeichnet..!“ gab er freudig bekannt.


    „Was ist mit diesen Typen?“ wollte Laurence wissen. „Geschichte..“ gab Mattes nur bekannt. „Sehr gut… weißt du genau, dass es der Österreicher war?“ harkte Laurence nach. „Nein… also eigentlich schon. Der Typ, der den Wagen fuhr, hat auch den des Österreichers gefahren. Nun ist er tot. Und sein Kumpan auch.“ kam als Antwort. Laurence war zufrieden. „Das wird dem Österreicher zeigen, dass wir uns nicht so einfach betrügen lassen.“ Er lehnte sich zurück. „Ich werde heute Abend mal mit Kuno sprechen…. Mal hören wie er sich herausreden will. Du wirst ab sofort Wachen aufstellen, die unsere Gebiete durchsuchen. Noch einen solchen Raub werde ich nicht durchgehen lassen.“, gab er bekannt. Wieder nickte sein Mann. „Gut… dann sieh zu. Ich will nicht noch einmal so einen Zwischenfall haben. Hat jemand etwas von dem „Unfall“ mitbekommen?“, wollte Laurence wissen. „Wir waren zwar nicht allein auf der Straße, aber ich denke nicht.“, gab der Mann zurück. Laurence war zufrieden. Er wartete noch bis der Mann raus war und griff dann zum Telefon. „Hallo hier ist der gute alte Lauri…Kuno… ich habe da etwas zu Ohren bekommen, was ich gar nicht gut finde. Wolltest du nicht mehr mit mir Geschäfte machen?“ fragte er als er den Mann am Telefon hatte. „Was? Wie kommst du denn darauf?“ wollte sein Gesprächspartner wissen. „Weil ich heute zwei deiner Männer aus meinem Gebiet vertrieben habe. Du weißt dass ich in solchen Sachen sehr empfindlich reagiere. Leider ist mein Mann etwas zu weit gegangen. Du solltest dir neue Männer suchen.“ gab Laurence kalt von sich. „Was willst du damit sagen? Hast du…sie töten lassen?“ kam erschrocken von Kuno. „Es gab einen kleinen Unfall. Allerdings ist er für deine Leute tödlich ausgegangen. Das ist alles.“, lächelte Laurence. „Gott verdammt. Ich schwöre dir, mir war davon nichts bekannt. Ich weiß doch wie…“ erklärte Kuno. „Sehr gut… ich ahnte schon, dass du dich raus redest. Aber gut… da ich keine Beweise habe, glaube ich dir. Die nächste Ladung wird für dich allerdings etwas teurer ausfallen. Deine Leute haben immerhin einiges mitgenommen und das liegt jetzt irgendwo an der Autobahn. Und wenn ich die deutsche Polizei richtig einschätze dann sind sie auch vor Ort.“


    ...

  • „Und Sie waren mittendrin?“ fragte Kim Krüger erstaunt, als Semir und Ben in der PAST waren. „Ja… das sah ziemlich gigantisch aus, diese Baumstämme… ich meine als die auf den Wagen gefallen sind,…. Da konnte Semir gar nichts tun…“, erklärte er. Semir sah ihn warnend an. „Der Wagen hat was abbekommen?“, wollte Kim sofort wissen. „Nein… ja… also nicht viel… nur ein paar Schrammen…“, erklärte Semir sofort. Kim nickte. „Sie meinen so wie immer?“, harkte sie nach. Semir zuckte mit den Schultern und setzte seinen „Entschuldigung… nicht meine Schuld“- Blick auf. Kim stöhnte auf. „Haben wir irgendwas von den Insassen?“, kam von ihr. „Nein… die LKWs sind in der KTU und wir hoffen, das wir dann wenigstens den Besitzer herausfinden. Der muss ja wissen, warum es zu einem solchen Anschlag gekommen ist.“, meinte Ben nur. Kim nickte. „Also gut… Sie bleiben bitte am Ball und informieren mich, sobald Sie was wissen.“, befahl sie. Semir und Ben verließen das Büro und gingen in das angrenzende Büro welches sie zusammen nutzten. „Hoffentlich findet Hartmut noch etwas.“, meinte Ben und sah, dass Semir ihm ein stinkiges Gesicht machte. „Was?“, fragte er nur. „Musstest du der Krüger erzählen, dass der Wagen schon wieder hinüber ist.“, fauchte Semir seinem Partner zu. „Äh entschuldige, aber sie hätte es sowieso herausbekommen. Wie du weißt, hat sich ein Stamm direkt in die Motorhaube gebohrt.“, erwiderte Ben und sah seinen Partner eindringlich an. „Ach, Hartmut hätte das schon wieder hingekriegt.“, murrte Semir. Just in diesem Moment klingelte das Telefon. „Gerkhan?“, meldete sich Semir. „Ah Hartmut, wir haben gerade von dir gesprochen.“, meinte der Deutschtürke. „Du hast was gefunden? Gut, wir kommen.“ „Er hat was? Ein guter Spürhund.“, meinte Ben und zog sich seine Jacke wieder an.


    Hartmut stand an den Überresten des einen LKWs und sah sich die Überreste des Fahrtenschreibers an. Zum Glück war dieser hier schon digitalisiert und so hoffte Hartmut, dass er etwas über den letzten Aufenthaltsort herausfand. „Hallo Hartmut.“, hörte er schon die Stimmen seiner beiden befreundeten Quälgeister. „Hier Jungs.“, erwiderte er und sah in die Richtung der Tür, die das Labor von der Werkstatt trennte. Im gleichen Moment schritten die beiden Kommissare durch die Tür und sahen Hartmut am Tisch stehen. „Wie geht’s Leute?“, fragte er. „Geht so.“, erwiderte Ben. „Was hast du gefunden, Hartmut?“, wollte Semir sofort wissen. „Die Nummernschilder hier ...“, meinte er und hielt eines der wenig verkohlten Schilder in die Luft. „Sie sind aus Österreich. Die LKWs stammen aus Österreich.“, erklärte Hartmut. „Moment, warum klauen unsere Nachbarn unser Holz? Die haben doch genauso viel Holz.“, murrte Ben und sah seinen Partner fragend an. „Ich hab keine Ahnung, Ben, aber das finden wir schon heraus.“, meinte Semir und sah dann zu Hartmut. „Sonst noch etwas?“ „Ja, ich habe den Fahrtenschreiber hier und kann ihn vielleicht rekonstruieren. Das gibt uns zwar nur einen wagen Hinweis auf den letzten Ort, aber immerhin.“, erwiderte Hartmut und warf das Teil vorsichtig auf seine Werkzeugbank. „Gut. Du meldest dich dann?“ „Klar.“, erwiderte Hartmut und die Beiden machten sich wieder auf den Weg zur PASt.

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  • Andrea ging mit Aida auf dem Arm durchs Haus und erledigte verschiedene Dinge. „Wo ist Papa?“, fragte Aida und zog leicht an den Haaren ihrer Mutter. Andrea musste passen. Wie sollte sie ihrem Kind erklären, dass sie ihren Mann, den sie, trotzt seiner Fehler, über alles liebte, vor die Tür gesetzt hatte. „Weißt du, mein Schatz, der Papa muss einige Zeit bei Ben wohnen, weil er sich schlecht benommen hat.“, erklärte Andrea und hoffte, dass ihre Tochter es verstehen würde. „Papa böse gewesen?“, fragte Aida irritiert, weil sie sich das mit ihrem kindlichen Gemüt nicht vorstellen konnte. „Ja, so in etwa.“, meinte Andrea und ging dann mit ihrer Tochter in ihr Zimmer, da es Zeit für Aidas Mittagsschlaf war. Doch Semir schaffte es meist, dass sie schlief. Wenn er Spätschicht hatte, legte er sich immer zu ihr, las Aida was vor und brachte sie so zum Einschlafen. Ob Andrea das auch hinkriegen würde?


    Leonard betrat die Wohnung und sofort stürmte seine Frau auf ihn zu. „Hallo Corinna.“, rief er freudig aus, umarmte und küsste seine Frau zärtlich. „Wie geht es Celine?“, fragte er und ging mit seiner Frau im Arm ins Wohnzimmer. „Sie hat heute schon nach dir gefragt und vorhin war auch der Arzt hier.“, erzählte sie mit schweren Herzen. „Was hat er gesagt?“, wollte Leonard wissen und stellte den Koffer auf den Tisch. „Sie muss dringend operiert werden.“, erwiderte Corinna nur und sah dann neugierig auf den Koffer. „Das können wir jetzt.“, meinte Leonard stolz und öffnete den Koffer. „Das Geld von der Bank. Endlich können wir mit unserem Goldschatz in die Staaten und sie darf leben. Endlich leben.“, erklärte er und hatte Tränen in den Augen. Dass er dafür einen Menschen umgebracht hatte, war in diesem Moment Nebensache. Hier zählten nur seine Tochter und das Glück seiner Familie. Auch wenn man ihn dafür zur Verantwortung ziehen würde, er wusste dann, dass es seiner Familie gut gehen würde. Den Rest des Geldes hatte er zu diesem Zweck in ein Versteck gebracht, dass nur er kannte und es seiner Frau im Falle der Verhaftung schon mitteilen würde. Doch diese Gedanken schob er weit weg. Seine Tochter war jetzt wichtiger, als alles andere.


    Corinna starrte auf die Geldmenge. „Die Bank hat dir das alles in bar gegeben?“ fragte sie erstaunt. „Ja sicher... Weißt du was das heißt... wir können morgen schon fliegen. Telefoniere mit dem Krankenhaus dort und kündige uns an. Jeder Tag zählt... jede Stunde. Bald ist unser Engel ein ganz normales Kind und kann spielen wie jedes Andere...“ strahlte Leonard. Corinna konnte es nicht fassen. Sie weinte vor Freude und fiel ihrem Mann um den Hals. „Ich liebe dich so sehr...“ weinte sie. Leonard löste sich sanft. „Pack schnell ein paar Sachen und dann fliegen wir.“ sagte er sanft. Corinna nickte und ging ins Schlafzimmer. Sie war so glücklich, dass sie bald ihre Tochter die noch das ganze Leben vor sich hatte, retten konnte. Celine darf nicht sterben und wird es dank der Bank endlich verhindert. Leonard ging zu seiner Tochter die im Bettchen lag. Die Maschine war bereits angeschlossen worden, damit es in der Nacht zu keinen Problemen kam. Das kleine Mädchen schlief bereits. Die Schlafmittel die sie nehmen musste um nicht selbst die Schläuche zu entfernen waren mit Sicherheit nicht gut. „Mein kleiner Engel. Bald wirst wie alle anderen Kinder spielen und toben können. Ich würde für dich mein Leben geben..“ sagte er leise und streichelte seiner kleinen Tochter über das Gesicht.


    ...

  • Semir und Ben fuhren ebenfalls nach Hause. „Du kochst heute!“ bestimmte Ben. Semir sah ihn an. „Wie bitte?“ fragte er nach. „Du kochst... ich hab keinen Bock auf deine Nörgelei das wieder alles daneben fällt.“ Erklärte Ben ruhig. „Na gut... ich kann Nudeln mit ner leckeren Ketschupsoße, oder tief gefrorene Pizza...“ kam von Semir. Ben schloss die Augen. „Wie kann es eigentlich sein, dass so ein penibler und spießiger Mensch wie du, dauernd nur ungesunde Sachen isst? Was sagt deine Frau... oh Sorry... “ hängte Ben schnell an. „Schon gut... ich bestelle uns chinesisch...“ knurrte Semir und sah aus dem Fenster. „Hey... ich hab das nicht so gemeint. Ich vergesse einfach immer nur, das du derzeit nicht... vergessen wir es. Okay... wir gehen essen und ich lade dich ein.“ schlug Ben vor um sich für die Äußerung zu entschuldigen. Semir ließ es sich natürlich nicht zweimal sagen. „Das ist gut... unsere Küche bleibt sauber und ich hab trotzdem den Bauch voll...“ grinste er. „Okay... Pizza und Currywurst?“ kam von Ben. Semir zog die Schultern hoch. „Warum nicht...“ meinte er nur.


    Doch nicht nur Semir dachte an seine Frau. Es war auch umgekehrt. Andrea war gerade dabei die Küche zu putzen, als sie auf eine der Armbanduhren stieß, die Semir gehörte. Sie streichelte sie sanft. „Verdammter Mistkerl… ich liebe dich..“ sagte sie leise und legte die Uhr wieder weg. Sie dachte sogar daran, bei Ben anzurufen und Semir nach Hause zurück zu holen, doch dann gewann der Sturkopf in ihr. „Oh… nein… so einfach mache ich es ihm nicht. Eine vernünftige Entschuldigung sollte schon drin sein.“ gab sie sich selbst die Antwort. Sie verließ die Küche und ging ins Wohnzimmer und zappte sich durch das Fernsehprogramm, um festzustellen, dass nichts lief was ihr gefiel. So ging sie gegen zehn ins Bett. Neben ihr auf dem Bett lag ein Shirt von Semir. Sie nahm es und roch daran. Wieder kam die Sehnsucht nach ihm durch. Doch Andrea besiegte den inneren Schweinehund und blieb stur.


    Kapitel 4:
    Die Leiche in der Toilette


    Der Rastplatz war verlassen in der Dunkelheit, nur noch einzelne Reisende liefen den klein und unscheinbar wirkenden Platz an. So auch Winfried Hohlbaum, Geschäftsmann aus Münster. Schon seit einigen Stunden war er unterwegs und nun meldete sich ein dringendes Bedürfnis bei ihm an. „Gut, dass hier gleich ein Rastplatz ist.“, dachte er und bog mit seinem eleganten Oldie, einen Mercedes W110, ein gut gepflegtes und fahrtüchtiges Modell, als ehemaliger Jura-Professor konnte er sich so etwas leisten, auf den Rastplatz ein, stieg aus und ging schnellen Schrittes auf die Herrentoilette zu. Schnell erledigte er sein Bedürfnis mit einiger Erleichterung, noch immer trank er Kaffee in rauen Mengen, was sich bei einer langen Autofahrt etwas negativ auf die Zeiteffizienz schlug, und ging dann zum Bereich mit den Waschbecken. Doch dann wich er schlagartig zurück, als er den leblosen Körper eines jungen Mannes dort liegen fand. Warum hatte er ihn nicht schon beim Reingehen gesehen? Egal, er wusste sofort, was zu tun war. Mit zittrigen Händen griff er in seine Westentasche und holte sein Mobiltelefon hervor, wählte den Notruf und erklärte mit klaren, deutlichen Worten, was passiert war.

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  • Ben lag halb schlafend auf der Couch, die Füße von sich gestreckt und tief atmend, während Semir im Sessel saß und seine Füße auf den kleinen Schemel gelegt hatte. Nur noch schemenhaft verfolgte er die Spätnachrichten. Danach wollte er ins Bett gehen und Ben das Gleiche raten. Doch dazu kam es nicht. Sein Handy klingelte und hüpfte durch die Vibration auf dem Glastisch herum. „Ja hallo?“, meldete er sich müde und war sofort wieder wach, als Susanne ihm sagte, was passiert sei. „Okay, und wo?“, wollte er dann noch wissen und nickte einige Male. „Gut, ja, wir sind schon auf dem Weg.“, beendete er das Gespräch und stand dann auf. Ben schlief noch immer. „Hey Ben, es gibt Arbeit.“, meinte Semir etwas lauter und zog die Beine seines Partners unsanft von der Couch. „Was soll das?“, grummelte dieser nur verschlafen und wollte sich wieder in seine vorherige Position legen, als Semir ihn ganz hochzog. „Hey.“, stieß er wütend aus und sah den Deutschtürken scharf an. „Komm, wir haben einen Leichenfund.“ „Und deswegen weckst du mich so brutal?“, schnaubte Ben vor Wut. Wenn er eins nicht ausstehen konnte, war es, unsanft geweckt zu werden. „Hallo? Schon vergessen? Es ist unser Job.“, meinte Semir und zog sich Jacke und Schuhe an. „Ich hasse meinen Job.“, kam es gedämpft aus dem Wohnzimmer. „Was ist?“, fragte Semir laut. „Nichts, ich liebe meinen Job.“, rief Ben in den Flur. Doch grummelnd schwor er sich, dass er Semir umbringen würde, wenn er das noch einmal macht. Es wurde Zeit, dass er wieder zu Andrea zurückkommt, dachte er leise und verließ dann mit seinem Partner das Haus.


    Durch das Blaulicht vorangetrieben, kamen die Kommissare nach einer halben Stunde Fahrt am Tatort an und begaben sich sofort ins Toilettenhäuschen, wo schon der Gerichtsmediziner mit der Leiche zugegen war. „Guten Abend, die Herren.“, meinte er nur und sah kurz auf, widmete sich jedoch sofort wieder seinem „Patienten“. „Hallo Doc.“, meinte Semir und streifte sich die weißen Handschuhe über, kniete sich neben die Leiche. Abwartend sah er auf den Gerichtsmediziner. „Was ist?“, wollte dieser wissen, da er sich sichtlich beobachtet fühlte. „Das übliche: Name, Alter, Todesart und Todeszeitpunkt.“, meinte Semir fordernd, aber mit einem Lächeln auf den Lippen. „Der Name des Opfers ist Ole Weigert, 35 Jahre alt.“, las Ben den Personalausweis vor. „Todesart Genickbruch, vor etwa vier bis fünf Stunden, schätze ich.“, kam der Doc dazwischen. Semir sah zwischen den Beiden hin und her. „Vier bis fünf Stunden? Warum hat ihn dann noch keiner eher gefunden?“, wollte er wissen. „Das ist ein relativ kleiner Rastplatz, kaum bei den Durchreisenden bekannt.“, meinte Ben und schlug dann sein Block zu. Semir richtete sich auf. „Wer hat denn überhaupt die Leiche gefunden?“, wollte er von einem der Polizisten wissen. Dieser deutete auf einen Mann, der zitternd in seinem Oldtimer saß und an einem Becher Wasser nippte.


    Semir ging zu dem Mann. „Gerkhan, Kripo Autobahn. Sie haben den Fund gemacht?“ fragte er und sah ihn an. „Ja… grausam… ich … so was hab ich noch nie gesehen…“ stammelte Winfried Hohlbaum. Semir nickte. „Verstehe ich. Haben Sie etwas am Tatort verändert… Herr….?“ Semir sah ihn fragen an. „Nein… Hohlbaum… Winfried Hohlbaum… Ich habe direkt die Polizei gerufen. Alles wie es dort war… so wie ich es gefunden habe… grausam….“ Schüttelte der Mann den Kopf. Semir sah, dass es keinen Sinn hatte den Mann zu befragen. Er stand unter Schock. „Herr Hohlbaum… hier ist meine Karte. Wenn es Ihnen besser geht und Ihnen noch etwas einfällt, dann rufen Sie mich bitte an…okay?“ bat Semir. „ja sicher… mach ich… grausam… es ist einfach nur schrecklich…“ gab der Mann von sich. Semir sah besorgt zu dem Notarzt der sich gerade um den Mann kümmern wollte. Semir ging zu Ben zurück. „Der ist völlig fertig..“ meinte er nur. „Ja sicher… man findet nicht jeden Tag ne Leiche. Die Frage ist nur, was der Kerl hier getan hat, dass man ihm einen Genickbruch beibringt. Nun gut… vielleicht kann Susanne was mit dem Namen anfangen.“ kam von Ben. „Na aber dann erst morgen… ich bin müde…“ gab Semir zu. Ben stimmte ein. „Ja ich auch… okay… morgen früh lassen wir die Identität prüfen. Bis dahin haben wir auch den Obduktionsbericht vorliegen, hat der Doc versprochen.“ Grinste Ben und sah den Gerichtsmediziner an. „Ja sicher… ihr geht schlafen und ich arbeite…“ kam von diesem kopfschüttelnd zurück. Die Beiden fuhren zu Ben zurück.


    ...

  • Der Wecker von Andrea klingelte um sieben. Sie drehte sich um und ließ ihren Arm auf die Seite fallen, wo Semir eigentlich schläft. Doch es war leer. Die Sehnsucht nach diesem Mann… nein Chaoten… war unglaublich. Sie ertappte sich wie sie sich nach ihm sehnte. „Nein… er hat seine Strafe verdient. Er ruft ja nicht einmal an. Wenigstens das hätte er tun können. Aber er bettelt ja nicht einmal um Vergebung… Und was Susanne erzählt geht es ihm verdammt gut, bei Ben. Wut kam auf. Wenn er nicht anruft, dann brauche ich das auch nicht tun…. dachte sie stur bei sich und weckte Aida. „Mama…. Papa gehen…“ kam von dem quirligen Mädchen. „Papa ist schon arbeiten…mein Schatz. Wir können ja nachher mal zur PAST fahren und ihn besuchen. Mal sehen wie es ihm geht und was er sagt, wenn wir da auftauchen…“ sprach sie sanft mir ihrer Tochter. „Aber jetzt geht es erst einmal Frühstücken und dann in die Krabbelgruppe, mein Schatz. Dann muss die Mama noch was arbeiten und dann fahren wir zu Papa… „ versprach sie und zog Aida an. Nur eine Stunde später war sie im Jugendhaus und kümmerte sich dort um die Jugendlichen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Für Andrea war dies auch eine Möglichkeit nicht an Semir zu denken.


    Laurence sah Mattes an. „Und? Wie weit ist das nächste Geschäft?“ wollte er wissen. „Tja... da gibt es derzeit wohl ein Problem. Die Bullen sind durch den Unfall sehr aufmerksam geworden. Es scheint so, als würden sich die Untertanen unseres Kunden gegenseitig umbringen. Ich würde dir raten, erst einmal die Füße still zu halten. Wir können die ersten Bäume frühestens in zwei Wochen wieder verkaufen. Solange muss der Kunde halt warten.“ Gab Mattes von sich. „Mir kommen die Bullen sicher nicht in die Quere. Ich will am Samstag das nächste Geschäft machen. Also sieh zu, dass du das Holz zusammen bekommst!“ fauchte Laurence zurück. „Und was machen wir denn die Bullen dazwischen kommen?“ wollte Mattes wissen. „Dann leg sie um! So einfach ist das. Wenn du erst mal einen abknallst, dann halten die Anderen schon still. Ansonsten zwingen wir sie dazu.“ Empfahl Laurence und steckte sich eine seiner Havannas an.


    Leonard brachte seine Frau und die kleine Tochter zum Flughafen, überreichte ihr die Tasche mit dem Geld, das für die Operation benötigt wurde, und küsste sie zum Abschied mit voller Leidenschaftlich. „Kommt mir gesund wieder.“, schluchzte er und umarmte seine beiden Liebsten, als wäre es das letzte Mal, dass er sie sehen würde. „Ich lieb dich so sehr.“, hauchte Corinna und küsste ihren Mann auf die Wange, bevor sie in der Menschenmenge verschwand und in den Flieger stieg, der sie in die Vereinigten Staaten brachte. Schweren Herzens sah Leonard, wie der Flieger in den Himmel stieg. „Hoffentlich kommt ihr bald wieder.“, meinte er nur und verließ dann auch den Flughafen. Gerade als er das Gebäude verlassen hatte, klingelte sein Handy. „Leonard hier.“, meldete er sich. „Hier ist Mattes. Wir brauchen dich wieder. Laurence will das nächste Geschäft abwickeln und er will, dass du die Ladung aus dem Wald wieder zum Sägewerk bringst. Da Ole verschwunden zu sein scheint, bekommst du seinen Anteil ausgezahlt.“, kam die Stimme von Mattes aus dem Telefon. Leonard verdrehte seine Augen. Noch einmal würde er das nicht machen, obwohl, die doppelte Summe klang schon verlockend. Doch er hatte, was er wollte. „Vergiss es Mattes. Ich will nicht mehr. Meine Familie ist wichtiger, als die Geschäfte eines dahergelaufenen Iren.“, zischte der Mann in sein Handy und war schon im Begriff aufzulegen. „Du weißt, was Laurence dann mit dir macht. Er hasst es, sich um Quertreiber kümmern zu müssen.“, drohte Mattes. „Ha, das machst du doch und du hast doch auch noch Spaß daran.“, zischte Leonard zurück, überlegte aber dann kurz und intensiv. „Okay, ich mach’s. Sag mir nur wieder wann und wo.“ „Braver Junge.“, höhnte Mattes und nannte ihn Treffpunkt und Uhrzeit.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Andrea betrat mit Aida auf dem Arm die PAST und fragte sich, ob ihr Mann und Ben schon dort waren. „Hallo Susanne, sind die beiden Chaoten schon hier?“, wollte sie wissen und küsste ihre Freundin kurz auf die Wange. „Hy Süße.“, erwiderte die Sekretärin und strich Aida über den Kopf. Die Kleine gluckste vergnügt, sah sich dann aber nach ihrem Papa um, der jedoch nirgends zu sehen war. „Die Beiden waren schon hier, aber Semir ist kurz mal austreten. Ben, ist aber im...“, weiter kam sie nicht. „Hallo Andrea, kann ich dich unter vier Augen sprechen.“, kam es von Ben, der hinter ihr aufgetaucht war. Sofort wollte Aida auf dessen Arm, strampelte auf Andreas Armen hin und her. „Na komm her.“, meinte Ben mit freundlichem Lächeln und nahm die Kleine auf seine Arme. Sie gingen ins Büro und der junge Kommissar schloss die Tür. „Andrea, bitte nimm ihn zurück oder ich dreh ihm den Hals um.“, flehte Ben regelrecht Semirs Frau an, die verwundert zu dem Kollegen ihres Mannes sah. „So schlimm?“, fragte sie leicht lächelnd. „Weißt du, was er gestern nach Feierabend gemacht hat? Er hat mein Gewürzregal sortiert und zwar nach Alphabet. Ich meine, welcher normale Mensch tut denn so was?“, regte sich Ben auf. Jetzt musste die Frau vollends lachen. Ja, so war nur ihr Semir. Penibel und ordentlich im Haushalt, aber chaotisch im Eheleben, wenn es um wichtige Daten ging. „Bitte, rede mit ihm.“, bat Ben und sah, wie Andrea wirklich darüber nachdachte, ihren Mann wieder bei sich aufzunehmen. Gerade in diesem Moment kam Semir durch die Tür gebraust, stoppte, als er Andrea und Aida erblickte. „Andrea?“, stammelte er und sah dann leicht zu Boden, fing sich aber wieder. „Semir, ich...“, fing sie an, wurde aber von ihrem Mann jäh unterbrochen. „Ich weiß, was du sagen willst und ich akzeptiere deine Entschuldigung.“, meinte er selbstsicher. Ben klatschte sich sofort an die Stirn, denn er ahnte, wie Andrea darauf reagieren würde. Waren doch beide solche Sturköpfe. „Was war das?“, sofort war wieder der Zorn in Andreas Stimme zu hören. „Nun, du wolltest dich doch bei mir dafür entschuldigen, dass du mich rausgeworfen hast.“, meinte Semir selbstsicher, doch damit förderte er nur die Wut von Andrea auf ihn. „Weißt du, was? Du bist ein solcher Pascha. Ich weiß gar nicht, warum ich dich geheiratet habe.“, schrie sie mit schriller Stimme durch das Büro, dass auch die Kollegen im großen Vorraum was davon mitbekamen und sofort ihre Köpfe umdrehten. „Entschuldige mal, aber du liebst mich.“, kam es laut von Semir als Antwort. „Manchmal frage ich mich, ob mein Vater nicht doch recht hatte.“, fauchte Andrea, nahm Aida wieder von Bens Arm und stapfte aus dem Büro, drehte sich aber noch einmal um. „Und noch etwas. Du kannst dich bei Ben schon mal für die nächsten Monate häuslich einrichten, denn bei mir brauchst du nicht betteln zu kommen.“, schrie sie und ließ einen völlig perplexen Semir und einen Ben zurück, der nur mit seiner Hand seine Augen verdeckte und ergeben den Kopf schüttelte. „Semir, Semir, Semir.“, klagte Ben nur und schüttelte immer wieder den Kopf. „Was denn?“, fragte dieser und begriff gar nicht erst, was gerade passiert ist.


    „Komm Aida… wir fahren nach Hause… Dein Vater scheint seinen Verstand irgendwo liegen gelassen zu haben.“ fauchte Andrea wütend und schnallte Aida in ihrem Sitz fest. Susanne kam hinterher. „Hey..“ sagte sie leise. Andrea warf ihr einen wütenden Blick zu. „Ich fass es nicht… dieser verdammte Idiot. Was denkt er eigentlich wer er ist?“ fragte sie fauchend. Susanne lächelte leicht. „Er ist Semir. Er ist der Mann den du liebst. Ben ist richtig verzweifelt. Er hat mir erzählt was Semir nach Feierabend macht. Ich kann ihn verstehen, so einen Mann im Haus zu haben, ist nicht einfach.“ lachte Susanne. Auch Andrea musste schmunzeln. „Nun ja… ich liebe seine Korrektheit. Aber sie nervt manchmal schon. Weißt du… ich wollte ihn heute fragen, ob er sich nicht entschuldigen möchte. Ich wollte nur mal hören, dass er mich liebt und was macht er? Steht da wie ein Prinz und wartet auf seine Sklavin. Mehr bin ich nicht für ihn. Er liebt mich überhaupt nicht.“ beklagte Andrea und wischte sich eine Träne weg. „Das denke ich nicht. Er hat sogar gefleht, dass ich ein gutes Wort bei dir für ihn einlege. Aber ich finde er muss es einfach mal lernen. Ben tut mir echt Leid.“ kam von Susanne. Andrea nickte. „Ja… er hätte Semir ja nicht aufnehmen müssen. Nun lernt er auch eine andere Seite an seinem Partner kennen.“ gab Andrea nun kühl von sich. Sie stieg ein und kurbelte das Fenster runter. „Pass mir ein wenig auf ihn auf, ja?“ bat sie ihre Freundin und die wusste genau, was Andrea damit meinte. Susanne versprach es und verschwand wieder im Büro. Andrea und Aida fuhren heim.


    ...

  • 5. Kapitel:
    ein neues Problem


    „Du bist so ein Idiot!! Ich fass es nicht. Du bekommst eine einmalige Chance deine Frau um Vergebung zu bitten und was tust du?“ fauchte Ben wütend. „Ja was? Ich habe doch gesagt, dass ich ihre Entschuldigung annehme. Was ist denn daran verkehrt?“ wollte Semir wissen. „Nicht sie muss sich entschuldigen, sondern du!! Du bist doch der, der ihren Geburtstag vergessen hatte! Du bist es doch, der …ach bei dir hat das eh keinen Sinn. Aber eins sag ich dir. Wenn du dich nicht so langsam meinem Lebensstil anpasst, dann fliegst du bei mir auch raus!“ erklärte Ben. Semir ließ sich auf seinen Stuhl sinken. „Du willst mich auch raus werfen? Aber ich tun doch gar nichts. Ich bringe dir doch Ordnung in die Wohnung…“ kam völlig verständnislos von ihm. „Ja genau das ist es doch! Du räumst auf. Du veränderst meine Schränke und ich finde kaum noch etwas. Hey… Gewürze nach Alphabet ordnen. Das ist so hirnrissig. Meinst du denn das Muskatnuss fühlt sich wohler, wenn es neben dem Pfeffer steht und nicht neben dem Basilikum?“ wollte Ben wissen. Semir zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht….“ gab er zu. „Versuch mit Andrea ins Reine zu kommen, sonst gehe ich vor die Hunde. Dein Sauberkeitsfimmel geht mir gewaltig gegen den Strich!“ gab Ben bekannt. Semir stand auf und öffnete die Tür. Er sah Ben traurig an. „Was willst du jetzt?“ wollte Ben wissen. „Ich fahre zu dir und packe meine Sachen….“ erklärte Semir und war raus. Ben rannte hinterher, doch er sah nur noch das Heck des BMWs um die Ecke verschwinden. „Och Mensch… du verdammte Mimose…“ stöhnte er und steig in seinen Wagen um Semir vor seiner Wohnung abzufangen.


    Ben schaffte es tatsächlich vor dem BMW an seiner Wohnung zu sein. Keine Minute später kam Semir um die Ecke gebogen und stoppte vor Bens Wagen. Semir lief ohne ein Wort zu sagen, an ihm vorbei und stand vor der Tür. „Semir, jetzt komm schon. Ich hab nicht gesagt, dass ich dich rauswerfe.“, meinte Ben und versperrte Semir den Weg. Dieser sah zu seinen Partner mit aufgesetzt gequältem Gesichtsausdruck auf. „Ich hab verstanden, was du gesagt hast und ich werde dir nicht weiter auf den Wecker fallen.“, entgegnete Semir mit ernster Miene und wollte vorbei, doch Ben versperrte ihm immer noch den Zugang zum Haus. „Wo willst du denn hin?“, fragte er dann und war fast geneigt, den Weg freizugeben. „Ich find schon was. Notfalls nehm ich eine Brücke.“, kam es energisch von Semir. Doch da lachte Ben nur schallend. „Na komm, ich mach uns einen Kaffee.“, meinte Ben und drückte Semir an seine Schulter. Nun musste auch Semir lächeln. Er wollte nun wirklich nicht aus dieser Wohnung verschwinden. Doch Ben hatte seinen Standpunkt klar gemacht. Er liebte sein Chaos und das hatte Semir zu achten, ansonsten würde er seine Drohung wahr machen und das wollte er partout nicht.


    Leonard kam am Treffpunkt an und sah sich um. Es war Mittagszeit und der Platz dementsprechend gefüllt. Das war immer die beste Zeit für ihr Treffen. Keiner würde hier jemanden vermuten, der sich in verbrecherischem Getuschel verstrickte. Einige Minuten später kam ein schwarzer Geländewagen auf den Platz gefahren und parkte neben dem kleinen Familienwagen von Leonard. Mattes stieg aus und gesellte sich neben den Familienvater auf die Bank. „Hier, der Vorschuss für die nächste Fahrt.“, meinte er und hielt ihm einen Umschlag hin. „Wann geht es los?“, wollte er wissen. „Sofort. Ich bring dich in zur Schlagstelle und dann wartest du, bis alles erledigt ist.“, wies Mattes den Fahrer an und wollte dann gehen. „Ach, und pass auf die Fracht auf. Heute wollten uns einige Konkurrenten beklauen. Sie könnten es wieder tun.“, warnte er und hielt dann die Tür seines Wagens auf. Mit mulmigem Gefühl im Bauch stieg er in den Wagen ein. Der Wagen fuhr quietschend vom Rastplatz und bog am nächsten Waldweg ein.

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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Kuno saß in seinem Wiener Appartement und überlegte intensiv. Karlo kam zu ihm. „Was sollen wir jetzt machen? Vier unserer Leute sind tot und die Ladung ist auch hin.“, meinte er missmutig. „Lass mich nachdenken, okay?“, fauchte Kuno und schlug mit seiner Faust auf den Tisch. „Wir werden uns das Holz wiederholen, verlass dich drauf. Wenn Laurence Krieg will, soll er den haben.“, zischte der Wiener Dunkelmann. „Ruf all unsere Leute zusammen. Wir fahren nach Deutschland. Ich hab dort noch ein Waldhaus, das können wir als Hauptquartier nehmen. Jetzt holen wir uns das Holz wieder und rächen unsere Freunde.“, drohte er und schlug erneut auf den Tisch. „Gut, ich sag allen Bescheid, aber wie sollen wir unsere Waffen durch den Zoll kriegen?“, wollte Karlo wissen. „Keine Sorge, da fällt mir schon etwas ein.“, erwiderte Kuno und winkte seinen Helfer dann raus, nahm seine Zeitung und faltete sie erbost auseinander, das sie beinahe entzweiriss. Er war mehr als wütend. Gutes Holz aus Deutschland war bei seinen Geschäftspartnern im fernen Korea, Japan und der Mongolei mehr als beliebt. Möbel aus diesem Holz gingen weg wie die frischen Schrippen der besten Wiener Bäckermeister. Laurence war zwar ein guter Geschäftspartner, aber er wurde zu gierig und zu mächtig. Man musste ihm die Flügel stutzen.


    Laurence saß in seinem Büro und zog an seiner kubanischen Zigarre. Freudig malte er sich in Gedanken aus, wer dieses Mal das illegal geschlagene Holz kaufen wollte. Es war eigentlich alles zu einfach. Seine Leute schlugen das Holz, das sie aus den besten Waldabschnitten holten, und verkauften es an die Assgeier, die nur darauf warteten, ihm ihr Geld in den Rachen zu werfen. Eine geniale Idee wie er fand und dafür brauchte er nur die richtigen Bäume zu fällen. Sein Spezi beim Sägewerk wusste genau, welche Bäume begehrt waren und welche nicht. Dann klingelte das Telefon. „Mattes, was gibt es?“, wollte Laurence wissen. „Wir sind jetzt im Wald und fangen mit der Beladung an.“, meldete sein Handlanger. „Gut, habt ihr überall Wachen aufgestellt?“ „Ja, sollen wir das Holz dann wieder in das alte Sägewerk bringen?“, wollte Mattes wissen. „Nein, wir lagern es erst einmal irgendwo zwischen. Warten wir ab, was die Polizei unternimmt. Sollten sie uns in die Quere kommen, schalten wir sie aus. Hast du verstanden?“ „Ja okay.“, damit endete das Gespräch.


    Ben ließ die Kaffeemaschine laufen. Semir saß wie ein Häufchen Elend im Wohnzimmer und dachte nach. „Ich hab alles falsch gemacht, was Mann nur falsch machen kann. Ich dachte wirklich, dass Andrea sich entschuldigen wollte, dabei hat sie darauf gewartet, dass ich mich entschuldige. Warum sind Frauen so schwer zu verstehen?“, fragte Semir und sah ihn an. Ben zog die Schultern hoch. „Ich weiß nicht… ich finde sie eigentlich nicht kompliziert. Aber ich habe ja auch nicht Andrea als Ehefrau. Ihr seid wie zwei Magneten. Sie ist ein Pluspol und du auch… auf der einen Seite findet ihr euch sehr anziehend, aber ihr stößt euch so gewaltig ab, das…vergiss es… ist ein blöder Vergleich…“, grinste Ben. Semir nickte und nahm die Kaffeetasse, die Ben eben aus der Küche brachte. Er nahm einen Schluck und verzog das Gesicht… „Boah…. Nee ungenießbar…“, stieß er aus. Ben sah ihn an. „Wie bitte? Der ist gut… stark und schwarz. Genau wie ich ihn mag.“, antwortete er und trank genüsslich. Semir nickte. „Ja genau…. Hast du eigentlich auch was Stärkeres da? Ich dachte an etwas wie Whiskey, oder Cognac oder… so…?“, wollte Semir wissen. Ben sah ihn an. „Semir! Wir haben es gerade mal fünf am Nachmittag….“, kam etwas erstaunt von Ben. „Na und? Ich bin in einem seelischen Tief. Da kann ich was Hartes gebrauchen.“, maulte Semir. Ben stand auf und ging zu seiner Bar. Doch die gab nicht mehr viel her. „Tja… sieht nicht so aus. Ich habe hier noch Pflaumenwein. Ist zwar ein Aperitif, aber schmeckt sehr gut. Und Jägermeister hab ich auch noch… der haut rein, wenn du genügend davon säufst…“, zählte Ben auf. „Ich nehme alles!“, teilte Semir mit und kam ebenfalls zur Bar, öffnete die Flasche Jägermeister, prostete Ben zu und setzte die Flasche an. Ben staunte nicht schlecht, denn so hatte er Semir noch nie gesehen.


    ...

  • Kim Krüger saß in ihrem Büro. „Susanne… wo sind Ben und Semir?“, wollte sie von ihrer Sekretärin wissen. „Die haben für heute wohl Feierabend gemacht…“, gab diese bekannt. „Ach… so früh? Haben die sonst nichts zu tun? Wie sieht die Sache mit Semir und seiner Frau aus?“, harkte Kim nach, der es natürlich nicht verborgen blieb, dass bei Familie Gerkhan der Haussegen schief hing. „Nun ja…. Sie können Semir mit einem Elefanten im Porzellanladen vergleichen. Wo er hintritt, scheppert es…“, lächelte Susanne. Kim nickte wissend. „Ja…. So ein Pascha hat es sehr schwer… Ich hoffe nur Frau Gerkhan lässt ihn lang genug zappeln.“, gab sie kühl zurück. Susanne sah sie an. „Wieso das denn?“ wollte sie wissen. Kim lächelte. „Nun… so kann sie ihm mal beibringen, dass es auch noch andere Menschen gibt, außer Semir Gerkhan“, erklärte Kim. „Ach so… ja… das stimmt. Obwohl beide leiden darunter. Nur keiner macht den ersten Schritt. Niemand von denen sieht den eigenen Fehler ein.“, meinte Susanne leise. „Ja… es ist schwer, wenn so viele Eigenschaften übereinstimmen. Aber egal… die Arbeit muss getan werden. Und da ist immer noch der ungeklärte Fall mit dem Holz und dem Toten.“, sagte Kim. Susanne nickte. „Ich kam sie ja anrufen…“, schlug Susanne vor. „Nein… lassen Sie die beiden für heute. Morgen müssen sie auf jeden Fall ran.“ Kim verschwand in ihr Büro.


    Nur kurz vor Mitternacht war in der Wohnung von Ben nichts mehr von Semirs Ordnungswahn zu erkennen. „Du hast vollko… hicks… kommen…Recht…Benni…ich bin ein…Esel…“, lallte Semir und nahm einen weiteren Schluck Bier. Ben nickte. „Ja… aber du musst nich…also..hicks….du musst es Andre…Anda…Andrea sagen…nicht mir …hicks..“, kam von Ben, der ebenfalls betrunken war. „Ich werde mich bessern….morgen…“, versprach Semir und legte sich zurück. „Boah….dieer Meisterdins…hat das aber in sich…hicks…ich bin…bla…bla….balu…blau…“, kam von ihm. Er schloss die Augen und fühlte sich im Karussell. „Oh ja… und der Plum…Plaumwein….auch….“, bestätigte Ben. Vor ihnen standen einige Flaschen Bier. Auf dem Boden lagen die geleerten Flaschen Pflaumenwein und Jägermeister. Semir stand schwankend auf. „Wo … illlst …du hin?“, fragte Ben lallend. „ich…nur im Bad…. Ich muss was lllooos werden…“, gab Semir zurück und ging mit sehr unsicheren Schritten in Richtung Toilette. Ben legte sich auf dem Sofa lang hin und war binnen Sekunden eingeschlafen. Auch Semir schien die Toilette mit dem Bett zu verwechseln, denn er kam erst gar nicht wieder raus. Doch Ben bekam nichts davon mit. Das am nächsten Morgen die Rache für ihr Saufgelage kommen würde, war beiden egal.


    Kim betrat am nächsten Morgen die Dienststelle und schritt gleich in ihr Büro, kam dabei aber zwangsläufig am Büro ihrer beiden Chaoten vorbei, das leer zu sein schien. Die Stühle standen ordnungsgemäß dicht am Tisch, Monitore waren noch aus und alles hatte sich dort nicht verändert. „Susanne, waren unsere beiden WG-Bewohner schon hier?“, wollte sie wissen, doch die Sekretärin schüttelte resigniert den Kopf. „Keiner der Beiden war heute schon hier, Chefin.“, meinte sie. „Dann rufen sie umgehend bei den Beiden an, ich will sie in einer halben Stunde in meinem Büro sprechen.“, knurrte sie und verschwand in ihrem Raum. Susanne nahm den Hörer in die Hand und drückte kurz die Schnellwahltaste, unter der sie Semirs Handy eingespeichert hatte.

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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D