Gebrochenes Herz




  • So Leute, dass ist unsere 9.te Story sprich, noch eine und wir feiern Jubiläum. Doch keine Angst. Auch in dieser Story werden wir wieder alles geben. Ein "totgeglaubter" Charakter bekommt einen "Neustart" in dieser Story, von einem Charakter müssen wir uns verabschieden aber dafür wieder einen altbekannten begrüssen. Ihr seht, es wird wieder alles dabei sein.
    Lieber Gruss
    Jenni und Christopher


    Prolog



    “Bitte Semir!“, flehte Ben Jäger und der Deutschtürke schüttelte, eisern, mit dem Kopf. „Ich habe gesagt nein!“Ben klopfte auf seine Oberschenkel. „Semir ich weiß, dass ihr was plant! Also sag schon was!“ „Ich habe dir gesagt, ich werde eisern meine Klappe halten! Und wenn ich eisern sage, dann meine ich eisern!“ Ben seufzte. „Hey es ist mein Geburtstag! Also darf ich doch wohl erfahren, was los ist! Ich werde bloß 31!“ Semir zuckte mit den Achseln. „Und?“, fragte er verschmitzt und Ben verschränkte die Arme. „Ich werde nicht aufgeben zu fragen!“ „Und ich werde nicht aufgeben auf stur zu schalten!“, erwiderte Semir und Ben stöhnte. Er griff in seine Hosentasche, nachdem er sein Handy klingeln hörte. Er nahm ab, ohne auf den Display zu achten. „Ja?“, fragte er grummelnd und hörte ein lautes Kichern. „Hör auf Semir zu ärgern!“ Annelie! Seine Lebensgefährtin. Die längste Beziehung die er je hatte. Bald feierten sie einjähriges. Aber zuvor stand Bens Geburtstag an. Und dazu hatten Semir und Annelie eine Geburtstagsparty geplant. Weihten Ben jedoch nicht ein. „Ich höre erst auf ihn zu ärgern, wenn er mehr Details gibt!“ „Er wird dir keine Details geben“, Ben machte Annelies Satz mit lächerlichen Bewegungen nach, „und hör auf mich nachzuäffen!“ Ertappt sah Ben sich um. Nach links, nach rechts, doch sah er nichts. „Hinter dir du Maulwurf!“ Wie auf Befehl sah er nach hinten und erblickte einen schwarzen Audi A8. Am Steuer saß Emanuel, Annelies Partner und auf dem Beifahrersitz die Frau am Telefon selbst. Sie hatte ihr aufklappbares Handy ans Ohr gedrückt und winkte mit einem Grinsen. „Wieso seit ihr in Köln?“, fragte Ben. „Weil wir verhindern wollen, dass du Semir noch zu einem Verräter machst! Ausserdem seit ihr schon nahe der Bonner Grenze!“ Semir hörte Annelie quirlige Stimme durch das Telefon und blickte nach oben. Tatsächlich dauerte es nicht mehr lange, bis sie Köln verlassen hatten.



    „Hey kommt schon das ist unfair!“ Emanuel fuhr neben die Beiden her und Beide des Audis winkten ihnen zu. „Solltest du wirklich weiter drängen, komme ich rüber!“, hörte er Emanuel sagen und er zog eine Augenbraue hoch. „Sicherlich! Während der Fahrt!“ Emanuel und Ben hatten sich ein gutes Verhältnis aufgebaut, sie waren keine besten Freunde, aber sie kamen miteinander gut aus. „Du weisst gar nicht wozu ich fähig bin“, scherzte Emanuel mit einer rauen, tiefen Stimme und Ben konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Halten wir an der Tankstelle? Ich habe noch nichts gegessen!“ Alle nickten auf Annelies Vorschlag und beide Wägen hielten an dem Parkplatz des Rasthauses. Ein kleines Cafe, das aber durch seine Qualität in aller Munde war. Die Toiletten waren blitz blank und die Bedienung war freundlich. Ganz zu schweigen von dem köstlichen Frühstücksbuffet.Alle stiegen sie aus und Semir schrie schon wieder ein genervtes „Nein!“. Annelie ging zu ihrem Freund und tippte ihm auf die Brust. „Hörst du nun auf?“, fragte sie genervt und er schüttelte mit dem Kopf. „Niemals! Ich gebe niemals auf und das werdet ihr zu spüren bekommen!“ Emanuel verdrehte die Augen. „Das befürchte ich“, antwortete er und winkte alle zu dem liebevoll gebauten Haus. „Lasst uns was speisen!“ Alle nickten und folgten ihm.Konrad Lendner fuhr mit seinem alten VW Golf die Autobahn entlang und erblickte das kleine Cafe. Dort sollte er hinkommen. Wieso, wusste er auch nicht. Er hatte diesen Zettel in seinem Fach gefunden gehabt und leistete folge. Vielleicht brauchte jemand seine Hilfe und deshalb misstraute er dieser Notiz nicht. Er hielt an und verharrte im Wagen. Nochmals sah er auf die Notiz. „Helfen Sie mir!“ stand grossgeschrieben mit schwarzem Filzstift drauf. „Ich werde dir helfen, wer immer du bist“, dachte er laut und hörte dabei das Piepen unter seinem Wagen nicht.


    „Och bitte!“, flehte Ben bevor er in sein Hühnerschnitzelsandwich biss und seine Freundin mit großen Augen ansah. „Vergiss es!“, zischte diese unter ihrer Tasse Kaffee hervor und genehmigte sich einen Schluck. „Der gibt wohl nie auf!“, flüsterte Emanuel Semir ins Ohr und dieser nickte mit einem verzweifelten Blick. „Es müsste schon ein Wunder geschehen, dass er sich von dem Ablenken lässt!“ Emanuels Blick widmete sich Annelies Tasche, aus der ein paar Zeitschriften mit Babys und Kinderzimmereinrichtungen hervor lugten. „Wofür sind die denn?“, fragte er neugierig und Annelie sah auf ihre Tasche. Das war die Idee! Das war der geniale Plan! Sie sah Ben mit einem warme, natürlich geschauspielerten Blick an, und lächelte verschmitzt. „Weißt du Emanuel, ich plane vielleicht meine Zukunft!“ Ben, der gerade ein Schluck seines O-Saftes nahm, verschluckte sich und begann kräftig zu husten. Semir und Emanuel sahen, nicht minder erstaunt, Annelie mit großen Augen an, während der Deutschtürke noch kräftig auf Bens Rücken schlug. „Bitte?“, fragte er verwundert und Annelie zwinkerte ihm zu. Da verstand er. Ben jedoch kriegte sich nicht ein. Seine Augen tränten und sein Hals begann zu schmerzen. Ganz im Unwissenden, dass dies alles ein Schwindel war. Doch bevor er etwas sagten konnte, erfüllte ein lauter Knall die Ohren aller und die Fenster zitterten unter der starken Druckwelle. Das starke Leuchten blendete ihre Augen. Die Polizisten rannten aus dem Cafe, Ben legte noch einen fünfzig Euroschein hin, und erblickten das brennende Wrack eines Autos, in dessen Licht die dunkle Silhouette einer Leiche zu sehen war.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • So liebe Leser,
    vor dem neuen Teil eine Ankündigung. Jenni und ich wollen euch eine ganz besondere Ehre zuteil kommen lassen. Per PN könnt ihr uns in Interviewformen Fragen zukommen lassen über uns, unsere Storys und was euch sonst noch so einfällt und an uns interessiert. Wir freuen uns auf eure Fragen.
    _______________________________________________________________________________________


    Kapitel 1 – Der Lehrer



    Ben, Semir und die anderen rannten sofort raus. Der Feuerball erhellte den gesamten Parkplatz. „Verdammt...“, stieß Semir aus und rannte zum Auto und holte den Feuerlöscher, doch das Feuer war zu stark. „Doch mit gemeinsamer Kraft schafften sie es, das Feuer zu löschen. „Oh, das sieht ja nicht sehr lecker aus.“, meinte Annelie und sah zu Emanuel, der etwas angewidert auf die Leiche starrte. „Ist dir nicht gut?“, fragte Ben stichelnd. Emanuel drehte sich weg und telefonierte mit einem schweren Schlucken in der Stimme. „Der Doc ist unterwegs.“, meinte er und sah sich dann die verkohlte Leiche an. „Tja, das war's wohl mit dem schönen Frühstück.“, murrte Semir und zog sich seine weißen Handschuhe über. Der Inhalt des Autos war verbrannt und dennoch hoffte er, etwas über das Opfer herauszufinden. Mit einem akribischen Blick machte er sich an die Arbeit.


    Wenig später trafen die Mediziner und die Feuerwehr ein. Die Leiche wurde aus dem Wagen geborgen und der Doc begann mit seiner Arbeit. „Hm... also, was wollt ihr hören?“, fragte der Doc und sah zu den vier Kommissaren auf. „Wie wäre es, wenn du es einfach machst.“, forderte Ben nur. „Oh... sind wir auf dem falschen Fuß aufgestanden?“, fragte der Doc und lachte. „Nee, mit allen beiden zugleich.“, konterte Ben und wurde dann aber von Annelie gestoßen. „Was denn?“, fragte er nur. Semir verdrehte die Augen. „Okay Doc, was hast du schon?“, forderte der Deutschtürke und sah den Pathologen an. „Er ist gestorben.“ „Ach, darauf wäre ich jetzt nicht gekommen.“, stöhnte Annelie. „Hör mal, ich kann so was auf den ersten Blick nichts sagen. Ich muss den Kerl untersuchen. Ich weiß nur, dass er verbrannt ist. Ob er vor der Explosion schon tot war, kann ich noch nichts sagen.“, erwiderte der Mediziner und packte sein Zeug zusammen. Ben kam zu der Gruppe zurück. „Ich habe gerade die Kennzeichen überprüft. Sind ja das einzige, was vom Auto übrig blieb.“, meinte er und hob die Schilder hoch. Er hatte die Schilder etwas weiter in der Wiese gefunden. „Und, wer ist unser Kunde?“, wollte Emanuel wissen. „Karl Fischer... Susanne schickt uns noch die Einzelheiten.“, erwiderte Ben und sah auf, als Hartmut auf die Kommissare zukam und einen kleinen verrußten Kasten in der Hand hielt.


    „Semir, ich hab hier die Ursache für die Explosion.“, meinte Hartmut. „Was ist das?“, wollte der Deutschtürke wissen. „Ein Unterbrecher mit einem Sprengstoffgemisch. Es funktioniert folgendermaßen. Wenn du ein Auto, wie das da, sprengen willst, legst du es auf den Motorblock, verbindest es mit der Batterie und wartest. Die Batterie setzt den Mechanismus in Gang. Je nach Einstellung explodiert dann der Motor und du gleich mit.“, erklärte der Techniker und Semir sah ihn mit erschrockenen Gesichtsausdruck an. „Kann das ein Profi bauen?“, fragte nur Emanuel, der hinter Semir stand und ihm über die Schultern sah. Hartmut jedoch schüttelte den Kopf. „Das kann schon der kleinste Physik- oder Chemieschüler basteln. Brauchst nur eine Anleitung aus dem Internet.“, meinte der rothaarige Techniker und verließ dann den Tatort. „Das wird ein ziemlich komplizierte Fall.“, prophezeite Emanuel und Semir nickte. Keiner wusste, wie recht doch der Portugiese hatte.


    ...

  • Kapitel 2 - Zusammenarbeit


    Kim Krüger sah auf, als an ihrer Tür geklopft wurde und diese sich öffnete. Ein Mann in den fünfzigern stand an der Türschwelle. Das volle, kurze Haar war kurz geschnitten. Die Kleidung war elegant und die Haltung stramm. "Frau Krüger?" Sie nickte und stand auf. Danach gab sie dem Unbekannten die Hand. "Mit wem habe ich das Vergnügen?", fragte sie mit kühlem und misstrauischem Ton und er zog einen Ausweis hervor. "Rainhard Decker. Autobahnpolizei Bonn. Ich komme wegen der Explosion eines Wagens in dem unsere Beiden Teams involviert sind." Sie nickte und wies auf einen Stuhl. Decker setzte sich. "Danke - es geht einfach darum, dass ich einer Zusammenarbeit nicht abgeneigt bin aber, ich muss noch ihre Meinung wissen..." Krüger faltete die Hände. "Herr Decker ich bin einer Zusammenarbeit ebenfalls nicht abgeneigt. Ausserdem, denke ich dass Emanuel ein sehr seriöser Typ ist. Er wird den Chaostrupp in Schacht halten!" Decker nickte und verschränkte die Arme. "Dann bin ich froh. Annelie und Emanuel sind sturr." Kim Krüger lächelte. "So sind meine ebenfalls. Wir sind wohl gestrafft immer die zweite Geige spielen zu müssen!"


    Es war Mittag und während die Anderen sich zu Hartmut machten, schlich sich Ben mit der Ausrede davon, dass er das Mitagessen zusammensuchen würde, dabei hatte er was anderes vor. Er wollte annelie ein wunderschönes Abendessen kochen. Italienisch. Das mochte sie so sehr und das konnte er herausstellen, nachdem sie von ihren Trips nach Italien erzählt hatte. Ben machte sich auf zu einem kleinen, italienischen Laden wo eine kleine Frau diesen leitete und amüsiert dabei zusah, wie er versuchte, die Zutaten zusammen zu kriegen. Die Klingel tat sich und die Frau lachte lauthals. "Hallo Adriano!" Ben wurde hellhörig. Adriano? Doch nicht etwa. "Du bist immer noch so verfressen wie früher!" Ben grinste und drehte sich um. "Adriano Scolari!" Die Beiden umarmten sich. "Wie schön! Lange ist's her!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Kapitel 3 - Eine außergewöhnliche Entscheidung



    Adriano löste sich und sah Ben von oben bis unten an. "Gut siehst du aus, Junge.", meinte er bewundernd. "Nicht mehr so mager, wie das letzte Mal, wo wir uns sahen.", lachte er und Ben verzog nur leicht die Mundwinkel. "Danke, ich esse auch viel mehr, als früher.", erwiderte er. Adriano zog seine Augenbrauen hoch. "Das kann doch nur eins bedeuten bei dir.", lachte er. Adriano kannte Ben schon sein ganzes Leben lang. Seit der Schule waren die Beiden unzertrennliche Freunde gewesen. Adriano war drei Jahre älter, als Ben, aber er liebte ihn, als wäre es sein eigener Bruder. Die Freundschaft zwischen den beiden war tief, tiefer als, die zwischen Semir und Ben, jedoch genauso stark. "Du hast eine Freundin, oder?", fragte der Deutschitaliener und sah seinen Freund mit einem breiten Grinsen an. Bens Blick ging kurz zu Boden, doch dann wurde sein Grinsen so breit, dass es bis zu den Ohren reichte. "Ja, und ich will sie heute Abend bekochen.", meinte er und deutete auf den Einkaufskorb vor sich. Adriano blickte hinein. "Du willst für sie italienisch kochen?", fragte er ungläubig. "Warum denn nicht?", fragte Ben und spielte den Beleidigten. Adriano sah seinen Freund grinsend an. "Und was willst du ihr auftischen?", wollte er wissen. Ben blieb die Luft weg. Ehrlich gesagt, hatte er keine Ahnung, was er seiner Geliebten kochen sollte. Adriano sah die Zweifel in Bens Gesicht und klopfte ihm auf die Schulter. "Komm, ich helfe dir. Wie in guten alten Zeiten.", meinte der Deutschitaliener und ging mit seinem Freund einkaufen.


    Derweil saßen Annelie, Emanuel und Semir im Büro und schmiedeten Pläne. "Also, jetzt erzähl mal... Du bist doch nicht wirklich schwanger.", fragte Semir und reichte Bens Freundin einen Kaffeebecher. "Natürlich nicht, aber Ben soll es denken. Es lenkt ihn dann wenigstens von seiner Geburtstagsneugier ab.", lachte sie und grinste sich einen bei der Vorstellung, Ben benimmt sich wie ein werdender Vater. "Oh Gott, der arme Kerl.", meinte Emanuel nur. "Hey, wie oft hat Ben uns denn schon Streiche gespielt? Jetzt ist er mal dran.", lachte sie und sofort war Semir dabei. "Okay, ich bin dabei.", meinte er. "Aber zurück zum Fall. Susanne hat hier einiges über das Mordopfer herausgesucht...", meinte Semir und griff sich eine Akte, die obenauf auf seinem Stapel lag. "Karl Fischer ... 42 Jahre alt, Sportlehrer am Gymnasium Albert Einstein in Köln.", las er vor. "Ein Lehrer? Was macht ein Lehrer mitten am hellichten Tag auf der Autobahn?", wollte Emanuel wissen. "Normalerweise müsste er doch in der Schule sein." "Müsste, aber was wäre, wenn...", Annelie stockte, ging zum Telefon und wählte Hartmuts Nummer an. "Was ist? Was hast du für eine Idee?", wollte Semir wissen. Doch Annelie legte ihm nur den Zeigefinger auf die Lippen. "Ja Hartmut, Annelie hier... War das Handy des Toten noch in einem Stück?", wollte sie wissen. Dann eine kurze Pause, in der sie sich vielsagend auf die Lippen biss. "Aha, konntest du wenigstens die Anrufe und SMSen sicherstellen?", kam die nächste Frage. Und wieder eine kurze Pause. "Klasse, schickst du sie mir bitte zu Semir.", forderte sie und legte dann auf. "Annelie, was ist?", wollte Semir wissen.


    Adriano und Ben kamen derweil in Bens und Annelies gemeinsamer Wohnung an. "Wow, hier wohnt ihr also. Ganz schöne Gegend und super Wohnung.", staunte er. "Na komm, ich wette, du wohnst immer noch in der Villa deiner Eltern mit dieser Haushälterin.... wie war nochmal ihr Name?", fragte Ben schnippisch und nahm Adriano die Jacke ab. "Maria... und sie muss bei mir leben. So oft, wie ich im Jahr auf Reisen bin.", erwiderte er und sah sich um. "Bist du immer noch einer der gefragtesten Polizeipsychologen auf diesen Planeten?", lachte Ben. "Klingt da der Neid mit?", erwiderte Adriano lachend. "Also, wo ist die Küche?"


    ...

  • Kapitel 4 - Vergangenheit und Zukunft



    "Jemand hat dem Lehrer eine SMS geschrieben. Und zwar mit unterdrückter Nummer. In dieser beordert der mysteriöser Schreiber ihn zu der Tankstelle, wo schliesslich der Wagen explodiert ist." Semir nickte. "Du meinst, der Täter könnte in der Schule zu finden sein?", fragte Emanuel nochmals nach und die Deutschschweizerin nickte. "Ich denke es nicht nur, ich glaube es sogar." In diesem Moment kam Kim Krüger mit Reinhard Decker in den Raum. "Sie arbeiten schon zusammen wie ein altes Ehepaar...", murmelte die Chefin der Kölner Autobahnpolizei und Annelie verschränkte die Arme. Mit dieser Frau konnte sie nun überhaupt nichts anfangen. Doch die Kontaktaufnahme der Zwei hatte auch schon schlecht begonnen gehabt. "Wir sind nur gekommen, um die Zusammenarbeit offiziel zu bestätigen", lenkte Decker dann ab und ein erleichterndes Seufzen ging durch die Runden. "In diesem Falle komme ich gerade mit einem Anliegen", begann Semir und stand auf. Er erzählte von ihrer These und Kim Krüger nickte immer wieder. "Ich denke ich weiss worauf Sie hinauswollen Herr Gerkhan. Aber dieses Mal gibt es keinen Ferrari!" Semir nickte lächelnd. "Das habe ich mir schon fast gedacht!", fügte er mit einem Lächeln hinzu. "Wo ist eigentlich Jäger?", fragte sie dann verwirrt und Annelie zuckte mit den Achseln. "Das wüsste ich auch gerne."
    "Gut, wir treffen uns alle morgen hier im Büro. Dann besprechen wir alles. Im Moment können wir nur die genauen Ergebnisse von der KTU und dem Gerichtsmediziner abwarten. Deshalb, gehen Sie nach Hause. Morgen fangen wir richtig an!"


    Ben sah gespannt den Fingerfertigkeiten seines besten Freundes zu. "Das Talent zu Kochen, hast du eindeutig von deiner Mutter!" Adriano lächelte und bereitete frisch zubereitete Bruschettas vor. Kleine Brotscheiben mit einer italienischen Köstlichkeit. "Du kanntest ja auch nur das Fertiggemachte auf dem goldenen Löffel!" Ben verdrehte die Augen. "Fang' du nicht auch noch an! Es reicht wenn mir Semir schon den Vorwurf macht, reich zu sein!" Adriano legte etwas von der zubereiteten Masse auf die Scheibe Brot. "Also bist du wirklich bei der Autobahnpolizei geblieben. Ich dachte, das wäre nur dein Sprungbrett zur Karriere!" Ben lachte. "Das Sprungbrett hat eine kaputte Feder. Und an der ist Semir Schuld!" "Aber nicht nur Semir", erwiderte Adriano und Ben errötete. "Ja nicht nur Semir", gab er kleinlaut zu. "Wieso bist du eigentlich wieder zurück in Köln?" Adriano machte sich an das Risotto. Selbstverständlich bereitete er dies auch handgemacht zu. "Ich gebe an einer Schule ein Training für jede Klasse, was passiert wenn ein Amoklauf geschieht!" "Ist im Moment auch wichtig", stimmte Ben mit betrübter Stimme zu. "Deshalb bin ich wieder hier! Ausserdem habe ich das viele Reisen auch manchmal satt. Und ich wollte dich selbstverständlich auch wieder sehen!"


    Die Zeit verging und Adriano war fertig mit seiner Arbeit. "Du bist ein Held!", jauchzte Ben und gab Adriano einen Handschlag. "Noch immer bist du auf mich angewiesen! Ist das nicht traurig?" Ben stemmte die Hände in die Hüfte. "Oh, hahaha!", gab er zurück und in diesem Moment war ein leichtes Kratzen im Schloss zu vernehmen. "Annelie kommt nach Hause!", stiess Ben hervor und sah Adriano entsetzt an. Dieser begriff. "Gibt es irgendwo eine Feuerleiter?" Ben nickte und wies auf ein Fenster. "Das wirst du noch bereuen!", drohte der Deutschitaliener, öffnete das Fenster und stieg hinaus. In diesem Moment öffnete sich die Türe und Annelie sah erstaunt in die Küche. "Wow, was ist denn hier passiert?"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Kapitel 5 - Liebe und andere Katastrophen


    Annelie kam in die Küche und sah das viele Essen, was teils in den Töpfen und teil schon auf den Platten und Tellern bereit war. "Boah, riecht das gut.", verkündete sie und sah in das grinsende Gesicht ihres Freundes. "Hast du das alles etwa gekocht?", wollte sie erstaunt wissen und nahm eines der kleinen Brötchen in die Hand und biss herzhaft hinein. Es schmeckte einfach himmlisch gut. "Hey, das ist die Vorspeise.", grinste Ben und wollte ihr es wieder aus der Hand nehmen, doch sie stieß sie nur weg. "Lass mich... es riecht so gut.", meinte Annelie und biss wieder in das kleine Häppchen hinein. Ben grinste. "Ich wusste gar nicht, dass du sowas kannst.", kam dann von ihr, der Blick wanderte zum Fenster. War da was? Sie dachte, sie hätte etwas gesehen? "Annelie? Alles in Ordnung?", wollte Ben auf einmal wissen. Annelie sah ihren Freund an. "Ben, ich dachte... ich dachte, da hat gerade jemand in unsere Wohnung geschaut.", kam es vollkommen anders von ihr. Ben ging zum Fenster, sah durch, doch alles, was er sah, war Adriano, der sich noch einmal nach oben umsah. Der Kommissar grinste, ließ sich aber dann nichts anmerken. "Die Katze vom Nachbarn.", meinte Ben nur und kümmerte sich dann weiter ums Essen, während Annelie ihre Arme von hinten um seinen Körper schlang und einfach ihre Haare gegen seine Schultern drückte, die Wärme von ihm genoss.


    Hannes sah zum Fenster auf. Dort war sie. Seine Geliebte. Die Auserwählte, die er jeden Tag wieder aufs Neue sah, doch sie sah ihn nicht. Svenja sah ihn einfach nicht. Immer nur hing sie mit ihrer Mädchenclique ab, schwärmte dem Fußballspielern der Schule hinterher, nie beachtete sie ihn. Doch das sollte sich schon bald ändern. Hannes war nicht bereit, die Liebe seines Lebens zu verlieren, an andere zu verlieren. Nein, nicht noch einmal, so hatte er es sich geschworen. Schnell schlich sich Hannes wieder zurück. Zurück nach Hause... zu Hause. Was war das schon? Ein saufender Vater, der ihn dauernd anschrie und zuschlug, wenn er Widerworte gab und eine Mutter, die nie für ihn da war. "Wo warst du Streuner schon wieder?", fauchte sein Vater, als Hannes die Tür langsam ins Schloss brachte. Man merkte sofort, dass er getrunken hatte, denn er konnte nur noch mit Hilfe des Türrahmens stehen. Hannes antwortete nicht, drehte sich einfach um, ging in sein Zimmer und schloss ab. "Hey, ich rede mit dir.", schrie der Mann und hämmerte gegen die Tür, doch Hannes öffnete nicht. Er saß auf seinem Bett, die Beine angewinkelt und hielt ein Bild von seiner Svenja in der Hand. Liebevoll strich er mit dem Daumen über ihre Wangen und kleine Tränen benetzten die Fotografie. Wenn er nicht hier wohnen müsste, vielleicht... vielleicht würde sie dann von ihm Notiz nehmen. Irgendwie musste er doch ihre Aufmerksamkeit kriegen. Da kam ihm ein Gedanke.


    Semir und Andrea genossen den Abend. Beide saßen auf der Couch und liebkosten sich gegenseitig. Aida war bereits in ihrem Zimmer und schlief, so nahmen sie an. Doch plötzlich weinte die Kleine ganz furchtbar. "Oh nein.", kam es von Semir, der sich von Andrea löste und schnell die Treppen nach oben stieg. Er öffnete die Tür zum Kinderzimmer und schaltete das Licht an. Seine Tochter weinte bitterlich und wälzte sich in ihrem Bett hin und her. "Sssssht, Aida, was ist denn?", fragte er mit ruhiger Stimme und hob seine Tochter auf den Arm. Dann merkte er, dass sie ganz heiß und ihr Gesicht errötet war. Ihr Hals war ganz geschwollen und die Wangen wirkten wie kleine Schwämme. Erschrocken sah Semir seine Tochter an. "Andrea, ruf den Kinderarzt an. Mit Aida stimmt irgendwas nicht.", rief er runter und sofort war Andrea am Telefon.


    ...

  • Kapitel 6 - Der Beginn


    Ben und Annelie fuhren mit dem Motorrad zur PAST und die Frau stieg als Erstes ab. "Das war einfach wunderschön gestern", lobte sie nochmals und gab Ben einen Kuss. "Für meine Schöne ist mir nichts zu teuer", säuselte Ben ihr dann ins Ohr und Annelie kicherte wie ein Teenager. Sie gingen ins Gebäude, wo im Konferenzraum bereits Kim Krüger, Reinhard Decker und Emanuel sassen. "Wo ist Semir?", fragte Ben verwundert. "Herr Gerkhan wird gleich kommen. Er hat noch einen Termin beim Kinderarzt wegen seiner Tochter", antwortete Kim und wies die Beiden auf, sich zu setzten. "Was ist denn mit Aida?", fragte Annelie besorgt. "Das wissen sie eben noch nicht genau. Wenn er da ist, wird er es Ihnen bestimmt sagen können." Der Ton in der Stimme der Chefin war leicht mit Gift bespritzt. Annelie führte dies darauf zurück, dass Ben, bevor sie sich kennengelernt und lieben hatten, es auf die Chefin abgesehen hatte, aber das Ruder wechselte. Vielleicht fühlte sich Kim Krüger in ihrem Ego verletzt. Aber Annelie war dies egal. "Sie planen also einen Undercovereinsatz an dieser Schule?", unterbrach Decker die Stimme und Emanuel nickte. "Wir dachten, dass Ben und Semir den Einsatz durchziehen würden, während Annelie und ich in der Sache weiterermitteln."


    In diesem Moment ging die Türe auf und Semir kam herein. Sein Gesicht war betrübt und besorgt. Er setzte sich neben Ben. "Fahren Sie einfach fort", sagte der Deutschtürke dann und Emanuel schilderte den beiden Chefs den Vorgang noch genauer. "Was ist mit Aida?", fragte Ben und Semir seufzte. "Sie hat Mumps!", antwortete Semir mit weinerlicher Stimme. "Ich dachte, dass kriegen nur die Jungs." "Nicht unbedingt", verbesserte Annelie ihren Freund, "ich hatte als Klein auch Mumps, und sehe ich in deinen Augen aus wie ein Kerl?" Ben grinste. "Wenn dem so wäre, wärst du die geilste Transe auf der Welt!", flüsterte er ihr ins Ohr und sie zog die Mundwinkel hoch. "Frau Zaugg, Herr Jäger", mahnte die Chefin und Annelie räusperte sich kurz. "Entschuldigung", sagte sie dann. "Ich bin mit diesem Vorgehen einverstanden, wie geht es Ihrer Tochter?" Semir schilderte die Krankheit den beiden Chefs nochmals genau. "Soll jemand anderes Ihren Undercovereinsatz übernehmen?" Er schüttelte mit dem Kopf. "Im Moment muss Aida nur stillliegen. Und zur Not, ist auch noch meine Schwiegermutter an Bord da meine Frau schwanger ist." Die Chefs nickten und widmeten sich wieder Emanuel. Annelie tippte Semir an. "Hör' mal, sonst helfe ich auch noch aus!", schlug sie vor.


    "In deinem Zustand?", fragte Ben besorgt und sie lächelte. "Ich schaff das schon!", antwortete sie und musste aufpassen, sich nicht zu verraten. "Nun gut, dann machen wir das so. Wir müssen zwei Profile erstellen. Herr Gerkhan und Herr Jäger werden als Lehrer an die Schule gehen. Nun müssen wir Fächer für Sie nehmen, in denen Sie auch wirklich unterricht geben können!" Ben verschränkte die Arme. "Ich kann Musik geben...gegebenfalls noch Mathe. In den Fächern war ich nicht schlecht an der Schule." "Sport und Physik", schlug Semir für sich vor. "Könnte hinhauen. Wir werden noch Kleidung und nötige Accessoirs aussuchen. Emanuel, Annelie?" Die Beiden sahen ihren Chef an. "Ihr geht zum Bruder des Opfers." Er reichte ihnen eine Akte. "Vielleicht weiss er etwas."

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Kapitel 7 - der Zwilling


    Während Annelie und Emanuel nach Köln zum Bruder des Opfers fuhren, wurden Ben und Semir von Kim zur Ankleide gebracht. Die Chefin wollte dieses Mal sichergehen, dass alles klappte und dazu brauchten die beiden eine perfekte Tarnung. Außerdem war sie extrem neugierig darauf, wie sich ihre Männer wohl als Pädagogen machen würden. "So, meine Herren, dann suchen sie sich doch mal ihre Kleidung aus.", meinte Kim, als sie in der Kleiderkammer des Präsidiums standen. Sofort suchten sich Ben und Semir die passende Kleidung. Ben wollte sich ganz und gar verändern. Er hatte sich ein schwarz-weiß gestreiftes Hemd, dass er lässig aus der Hose hängen ließ, und eine schwarze Weste ausgesucht, dazu eine runde Harry-Potter-Brille. Seine Haare ließ er sich nach hinten kämen und band sie zu einem kleinen Zopf zusammen. Semir dagegen bevorzugte ein strengeres Aussehen, dazu nahm er einfach seine jetzigen Klamotten mit dem Poloshirt und der Lederjacke und der blauen Jeans. Er setzte seinen strengsten Blick auf und probte ihn immer wieder vor dem Spiegel. Ben sah ihm dabei zu. "Denkst du, dass du so die Schüler einschüchtern kannst?", lachte er. "Die lachen da eher. Angst bekommen die nicht." "Tja, das wird sich ändern. Jetzt kann ich mich für das rächen, was mir meine Lehrer angetan haben.", kam es mit fast wahnsinniger Stimme vom Deutschtürken. "Semir, vergiss nicht, wir sollen diese jungen Leute aufs Leben vorbereiten und nicht zu Tode erschrecken.", mahnte Ben. "Das kommt manchmal aufs Selbe hinaus.", erwiderte er lapidar und ging zu Kim vor.
    "Man, und so wollen sie also unsere Zukunft unterrichten?", fragte sie und sah beide mit skeptischem Blick an. "Natürlich Frau Krüger, außerdem können wir nur so etwas über das Opfer erfahren.", meinte Semir und Kim nickte. "Hier sind die Unterlagen, die sie brauchen werden. Die Lehrpläne sozusagen. Mit dem Direktor ist alles schon abgesprochen. Sie fangen morgen an.", erklärte sie.


    Annelie und Emanuel fuhren nach Köln-Mühlheim und hielten vor der Wohnung von Manfred Fischer, dem Bruder von Karl Fischer. "Hm, sehr gute Wohngegend.", meinte Emanuel nur und sah sich um. Annelie konnte ihm nur zustimmen. Sie klingelten und hörten auf einmal ein lautes Poltern. "Was...", doch weiter kam Annelie nicht, denn im nächsten Moment trat Emanuel die Tür der Wohnung ein und sofort sahen sie das Unglück. Im Wohnzimmer lag eine Leiter und von der Decke baumelten zwei Füße hinunter. "Shit.", stieß die Kommissarin aus, während Emanuel versuchte, den Mann hochzuhalten, um nicht das Genick brechen zu lassen. "Schneid das Seil durch.", schrie er und Annelie schnellte auf die Leiter, zerschnitt mit ihrem Messer das Hanfseil. Der Mann fiel Emanuel direkt auf die Schulter. Vorsichtig legte er ihn auf den Boden ab, löste den Knoten um den Hals und führte dem Mann per Mund-zu-Mund-Beatmung Luft zu. "Verdammt, warum hat er sich aufhängen wollen?", stieß Emanuel aus, doch Annelie entdeckte etwas, was einen Zweifel an einem Selbstmord hervorbrachte. "Ich glaube nicht, das er sich das Leben nehmen wollte.", meinte sie und hielt ihrem Kollegen einen kleinen Lappen hin. "Was ist das?", wollte dieser wissen und sah zu Annelie auf.


    ...

  • Kapitel 8 - Nichts ist's wie es scheint



    "Ein Lappen?", wiederholte Annelie und Emanuel zog eine Augenbraue hoch. "Lustig", sagte dieser mit hochgezogener Augenbraue. Emanuel fühlte den Puls. "Jedenfalls ist's zu spät. Ich rufe den Doc von Köln an." Gesagt getan. Danach widmete er sich wieder seiner Partnerin. "Was ist nun so besonders an dem Lappen?" Annelie hielt ihm das Stück Tuch vor die Nase und er wich zurück. "Chloroform!", stiess er aus und rieb sich das Riechorgan. "Allerdings, und ich habe noch nie einen Selbstmörder gesehen, der sich freiwillig noch Chloroform gewaltsam ins Gesicht drückt." Sie wies auf Rötungen an der Nase und am Mund. "Tatsächlich. Wir müssen auf den Gerichtsmediziner warten. Sehen wir uns mal um!" Annelie begab sich zu einem hölzernen Sekretär und durchsuchte ihn.
    "Alte Teste, Zeugnisse...langweillig....", murmelte sie und setzte sich auf den Boden. Immer wieder sah sie sich die Schriftstücke an. Emanuel setzte sich zu ihr. "Meinst du nicht dein Witz geht zu weit...wegen Ben?" Annelie sah Emanuel ein wenig perplex an. "Wieso? So ist er abgelenkt!" Emanuel wippte mit dem Kopf hin und her. "Nun ja, aber du kennst ihn. Er ist dann in seiner Art übervorsichtig. Du kannst keinen Schritt mehr gehen ohne dass er dich beobachtet." Annelie zuckte mit den Achseln. "Risiko. Willst du, dass er uns wieder wegen der Party nervt?" Emanuel hob die Arme.


    "Gott bewahre, dass nun nicht!" Sie nickte. "Eben, was willst du dann tun? Wir können Ben nicht ja Tagelang einsperren!" Emanuel seufzte. "Der Mann hat rein gar nichts was man brauchen könnte!" Annelie stand auf und sah aus dem Fenster und dachte über ihren Streich nach. War sie wirklich zu weit gegangen? In diesem Moment klingelte es und der Gerichtsmediziner trat herein.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Kapitel 9 - die Neuen


    "Wo ist der Kunde?", wollte Martin Beer, der neue Kollege aus Hamburg wissen und sah die beiden Kommissare an. Annelie blickte ihn an. "Nanu, sie sind wohl der Neue, oder?", lachte sie und reichte ihm die Hand, doch sie wurde nicht erwidert. Verwunder sah Annelie ihn an. "Entschuldigung, aber sie haben noch ihre Handschuhe an.", meinte er smart lächelnd und Annelie dachte, das Lächeln irgendwo schon einmal gesehen zu haben. Emanuel kam zu den beiden und zog seine Augenbraue hoch. Sie streifte die Handschuhe ab und reichte ihm erneut die Hand. Diesesmal erwiderte er den Handschlag und machte sich dann an seine Arbeit. Martin sah zur Leiche auf. "Hm, lange kann er hier noch nicht hängen. Die Leichenstarre ist noch nicht eingetreten.", meinte er und sah zu den Hauptkommissaren. Emanuel sah ihn nur skeptisch an. "Wir hätten ihn noch lebend finden können, aber die Tür war blockiert.", erwiderte der Portugiese und sah dann auf den Teppich. Er ging in die Knie und fuhr mit dem Finger darüber. "Das ist Wasser. Der Teppich ist nass." Annelie sah ihn skeptisch an. "Was?", kam es nur von ihr. Martin sah beide an. "Ich glaube, ich weiß, was hier passiert ist.", fing er an und Emanuel lachte auf. "Oh Mr. Monk... dann schieß doch mal los.", forderte er und sah den Gerichtsmediziner an, während Annelie schmunzelnd daneben stand.
    "Man hat den Mann hier mit Chloroform betäubt, ihn auf den Stuhl gestellt und ein Bein abgeschraubt. Das fehlende Bein hat man dann durch einen Eisblock ersetzt und die Heizung aufgedreht. Merkt ihr nicht, wie warm es hier drin ist?", wollte er wissen und erst jetzt fiel es den beiden Kommissaren auf, obwohl es draußen schon die Jahreszeit war, um zu heizen, war es hier extrem war drin. "So ist es passiert.", endete er. "Wow, fehlt nur noch, dass sie uns sagen, wer der Täter ist.", knurrte Emanuel.


    Die Schulglocke klingelte und alle rannten aus den Klassenzimmern. Endlich... Freiheit.... Schulende. Hannes lehnte an seinem Spint und wartete auf seine große Liebe. In seiner Hand hatte er einen kleinen Umschlag und wollte ihn Svenja geben. Da... da kam sie, doch sie war nicht allein. Von Zehntklässlern umringt, kam sie den Gang entlang und beachtete ihn nicht einmal. Er hielt den Umschlag fest, wollte ihn ihr gerade reichen, als er am Kragen gepackt und gegen den Spint geschleudert wurde. "Was los, Gurkengesicht? Was hast du da?", fauchte Enno und riss Hannes den Briefumschlag aus der Hand. "Gib mir das her. Sofort.", versuchte er, doch Basti, Ennos rechte Hand drückte ihn zurück an den Spint. "Ach nee? Bist wohl verliebt, was? Alle mah herhören....", rief er und las dann den Brief der ganzen Schule vor. Hannes versank vor Scham und Pein im Boden. Das Gelächter, dieses tödliche Lachen durchdrang seinen Körper. Er wollte hier weg, doch Basti ließ ihn nicht. Er musste das ganze Lachen über sich ergehen lassen. Innerlich schwor er sich Rache... tödliche Rache würde er nehmen.


    ...

  • Kapitel 10 - Ein neuer Tag


    Semir stieg aus dem Wagen und sah sich Ben nochmals an. Allerdings konnte er dies nicht, ohne ein Grinsen auf den Lippen zu haben. "Was ist?", fragte der Jüngere und Semir winkte ab. Gemeinsam betraten sie das Schulgebäude. Es war sieben Uhr morgens. Der Direktor hatte sie persönlich ins Büro beordert. Ben gähnte lauthals. "Das ist definitiv nicht meine Uhrzeit", knurrte er und lief mit Semir die Treppen hinauf. "Könnte schlimmer sein, überleg dir mal wann du aufstehen müsstest, wenn das Opfer ein Bäcker gewesen wäre!" Ben rollte mit den Augen. "Deine Aufmunterungen beginnen zu hinken", erwiderte er leicht gereizt. "Schlechte Nacht gehabt?" Ben seufzte ausf Semirs Frage. "Semir ich könnte vielleicht Vater werden! Hattest du da keine schlechten Nächte?" Semir sagte nichts. Er durfte sich nicht verraten. "Sieh' es doch mal positiv. Wäre es nicht schön, einen kleinen Ben im Flur herumspringen zu sehen?" Ben grunzte. "Sicher, der mir jede Nacht den Schlaf raubt, kreischt und an meinen Haaren zerrt, oja! Ich bin absolut scharf drauf!"
    Sie erreichten das Büro des Direktors und klopften an. "Herein", vernahmen sie eine tiefe, Bassstimme und taten, wie ihnen befohlen.
    Der Direktor glich vom Aussehen her dem Weihnachtsmann. Dicklich, einen weissen, gestutzten Bart und zuletzt noch das schneeweisse Haar. "Herr Jäger, Herr Gerkhan, gut dass Sie sich noch die Zeit genommen haben", er wies auf zwei leere Stühle, "bitte, setzten Sie sich!"


    "Ich habe Sie noch hergebeten, weil ich Sie um absolute Diskretion bitten wollte. Diese Schule hat aufgrund Ihrer vielen Mobbingfälle schon einen schlechten Ruf!"
    "Sie meinen, das gegenseitige Quälen von Schülern ist bei Ihnen Gang und Gäbe?" Der Direktor nickte mit betrübten Gesicht. "Leider ja! Die Lehrer erleiden immer mehr Burnouts und unsere Psychologin kämpft beinahe wöchentlich mit einem Schüler, oder einer Schülerin, die einen Amoklauf androhen! Die heutige Zeit ist für die Kinder und Jugendlichen sehr schwer. Besonders für die Aussenseiter, der Machtkampf gerät ausser Kontrolle!" Semir nickte. "Was in unseren Klassen nicht geschehen wird! Jedenfalls nicht, solange ich hier bin!" Er zeigte entschlossen auf sich. Der Direktor lächelte. "Ach, dass habe ich jeden Lehrer sagen hören", seufzte er und Ben grinste. "Mag ja sein", begann er, "aber im Gegensatz zu Ihren sonstigen Angestellten, sind wir Polizisten." Der Direktor nickte. "Jedenfalls, bitte erhalten Sie ihre Tarnung gut!" Er ging auf die Türe zu und öffnete sie. "Dann will ich Ihnen nun Ihre Klassenräume zeigen!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Kapitel 11 - unerwartete Überraschungen


    Semir ging mit den Büchern und den gemachten Vorbereitungen in seine erste Stunde. Etwas aufgeregt stand er vor der Tür, sah sich nochmals um und ging dann in die Klasse hinein. "Morgen.", gab er freudig von sich und sah dann in misstrauische Gesichter, die ihn allesamt beäugten. "Morgen", hallte es von der Klasse wieder und Semir sah erst jetzt, dass alle weiße Kittel und Schutzbrillen aufhatten. Chemie, dachte er nur und sah sich in diesen Reihen vor vielen, vielen Jahren sitzen. Sein größtes Horrorfach. Er durfte sich aber nicht verraten. War er nur in der falschen Klasse? Unauffällig sah er in seinen Stundenplan... Nein, hier war er richtig. Na dann, dachte er, machen wir das Beste draus. "So, sie sind also die Vertretung für Herrn Fischer?", kam es aus der ersten Reihe von einem cool in seinem Stuhl sitzenden Schüler, der provokant mit den Füßen auf dem Tisch dasaß. Semir ahnte schon, dass hier eine Kraftprobe bevorstand... er oder die Klasse. Das war hier die Frage. Klar nach Shakespeare würde Semir sicher nicht handeln. Leicht grinsend ging er um das Podest herum und näherte sich diesem aufmüpfigem Schüler. Mit einem schnellen Ruck zog er dessen Beine vom Tisch, sodass dieser fast mit dem Kopf auf die Tischkante schlug. "Basecap ab.", knurrte Semir und entriss es ihm, hängte es dann demonstrativ an den Haken zu den Jacken. "So und nun können wir uns der Chemie widmen.", meinte er mit ruhiger Stimme. Er ahnte noch nicht, dass diese Aktion nicht ohne Folgen bleiben sollte.


    Ben ging in die große Aula. Dort hatte sich schon seine Musikklasse zusammengefunden. So hoffte er jedenfalls. Er zog die große Schwenktür auf und schon erlosch das eben noch starke Gemurmel und Getuschel. Alle Augen richteten sich auf ihn, besonders die Mädchen schienen ihn mit ihren Blicken zu durchdringen. Er sah aber auch aus. Die kleine Rundbrille auf der Nase, dazu das Haar nach hinten gekämmt und die schüchtern wirkende Kleidung. Die Notenblätter schienen ihm fast unter dem Arm entfliehen zu wollen, als er einen Schritt nach vorne machte. "So, ihr seid also das Schulorchester...", begrüßte er die ganzen jungen Leute. Sie nickten alle, die Mädels fingen sofort zu tuscheln an, als er die Blätter auf die Pulte verteilte. "Was habt ihr denn zuletzt geübt?", wollte er wissen. Ein Mädchen, Svenja, meldete sich und sah ihn mit ihren blitzenden Augen an. Hannes, der in den Reihen der Violinen vollkommen untergetaucht zu sein schien, sah auf und bemerkte den Blick seiner Angebeteten. Sofort regten sich Eifersuchtsgefühle in ihm. "Die Ouvertüre zu Figaros Hochzeit.", erklärte sie mit einem verliebt herausforderndem Unterton. "Gut, dann... auf eure Plätze und Achtung...", Ben hob den Taktstock, hatte die Noten vor sich liegen. Wie gut, dass er das Stück kannte, war es doch das Lieblingsstück von Adriano. "Eins... zwei und los...", stieß er aus und schwang das Stöckchen hin und her. Die Schüler folgten ihm mit seinen Instrumenten, wenn auch nicht, wie große Philarmoniker, aber doch recht gut. Nur einer war mit seinen Gedanken vollkommen woanders. Eine tickende Bombe?


    ...

  • Kapitel 12 - Prügeleien


    Hannes ging aus dem Raum. Sein Instrument hatte er lieblos im Rucksack verstaut gehabt. Enno hatte auf ihn in einem kleinen Zwischengang gewartet. "Hey, Liebelchen!", schrie er und Hannes wollte sich nicht umdrehen. Er ging weiter. "Hörst du auf mich zu ignorieren!", schrie Enno und packte den Jungen an der Schulter. Hannes wurde brutal umgerissen und fiel auf den Boden. Sein Rucksack öffnete sich und alle Utensilien wurden auf dem Boden verteilt. Zitternd, sammelte Hannes all die Dinge wieder auf. Enno stand ihm mit voller Wucht auf die Finger. Hannes schrie auf und glaubte sogar, einige Finger knacken zu hören. "Du bist so ein Weichei!", giftete Enno und kickte die Dinge durch den Raum.
    Ben ging gerade aus seinem Klassenraum und warf sich die Umhängetasche um, als er die Schreie des Jungen hörte. Er rannte und folgte den Geräuschen. Zu seinem Entsetzten musste er feststellen, dass sich einer seiner Schüler prutal gequält wurde. "Hey!", forderte er auf doch der Schüler gab keine Ruhe. Weiter zog er an den Haaren und spuckte dem Opfer ins Gesicht. "Das reicht!", schrie Ben und packte den Angreifer am Arm, um ihn von dem Jungen wegzuziehen. "Dafür kommst du zum Rektor!", drohte er und sah gerade, wie Semir aus dem qualmenden Chemieraum kam. "Was ist denn mit dir passiert?" fragte er verwundert.


    "Nun ja", räusperte sich Semir, "ein Versuch der schief ging, deshalb hat die Klasse frei!" Ben zog eine Augenbraue hoch. "Dann kannst du diesen Wicht ja zum Rektor bringen, der hat den armen hier verprügelt!" Semir nickte und nahm Ben den Jungen ab. Mit ihm verschwand er. Ben sah, wie der Kleine sich aufrichtete und die Sachen hektisch einsammelte. "Warte ich helf' dir!", sagte Ben und ordnete die Sachen. Hannes sagte nichts. Sondern biss sich vor lauter Schmerz in den Fingern auf die Unterlippe. Er erschrak als er spürte, wie jemand seine Hand hob. "Du musst sofort zu einem Arzt!" Hannes sagte wieder nichts. "Hast du eine Freistunde?" Hannes nickte zögerlich. "Ich auch, also komm! Ich fahre dich zum Arzt!" Ben half ihm, aufzustehen und lächelte aufmunternd. "Das wird schon wieder!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Kapitel 13 - Freitag der 13.



    Während Ben mit Hannes zum Arzt fuhr, überlegte sich dieser einen perfiden Racheplan. Lange würde er diese Behandlung nicht mehr über sich ergehen lassen. Nein, jetzt würde seine Stunde schlagen. Jetzt würde er sich an allen rächen, die ihn jemals gehänselt haben. "Bist ja so still...", kam es plötzlich von Ben. Erschrocken fuhr Hannes zusammen und drehte seinen Kopf in die Richtung des Musiklehrers. Ben lächelte durch seinen Stoppelbart und konzentrierte sich dann auf den Verkehr wieder. Hannes sah ihn dennoch weiter an. Er fragte sich, was dieser Typ hatte, dass sich seine geliebte Svenja, sein Herzblatt so in ihn verguckt hatte. Auch er würde sich noch wundern. Hannes würde heute sicher nicht in seine Schule zurückkehren, sondern alle Vorbereitungen für seine Rache treffen.
    Beide saßen still schweigend nebeneinander im Wartezimmer und immer wieder warf Ben einen verstohlenen Blick aus den Augenwinkeln auf Hannes. "Dich scheint etwas zu beschäftigen..." Hannes ruckte erschrocken rum. Hatte er sich jetzt verraten. "Willst du mir nicht erzählen, was es ist?", bat Ben den Jungen und versuchte, eine Vertrauensbasis zu seinem vorrübergehenden Schützling aufzubauen.


    Annelie und Emanuel gönnten sich eine heiße Schokolade und rekapitulierten den Fall. "Okay, zwei Brüder, beide Lehrer, der eine an der Schule, der andere Nachhilfelehrer.... Beide tot. Wo ist das Motiv?", wollte Emanuel wissen und rührte missmutig in seiner Tasse. Annelie sah ihn nur an. "Es muss auf alle Fälle etwas sein, was beide verbunden hat. Vielleicht sollten wir uns einfach mal bei den Nachbarn umhören.", meinte die Kommissarin und trank ihre Schokolade in einem Zuge aus, ließ nur einen kleinen Sahneklecks in der Tasse zurück. Ihr Partner tat es ihr gleich. Sie verabredeten sich die jeweiligen Nachbarn der Opfer zu verhören und sich dann wieder in zwei Stunden im Café zu treffen.
    Emanuel war der erste, der wieder am Tisch saß und sich einen starken Espresso bestellt hatte, als die Tür aufging und Annelie zur Tür reinkam. "Ich habs, Emanuel, das Motiv ist klar.", stieß sie erfreut aus und bestellte sich einen Latte Macchiato. "Und?", wollte der Portugiese erstaunt wissen. Doch Annelie grinste nur, wollte es nicht verraten. "Nun komm schon oder soll ich raten?", knurrte er nur. "Okay, unser erstes Mordopfer hatte immer wieder Besuch von jungen Mädchen in ihren Wohnungen und eine der Nachbarin ist sich sicher, dass in letzter Zeit immer das gleiche Mädchen kam.", erklärte sie. Emaunel schaute erstaunt auf. "Sieh an, meine berichteten nur, dass der Bruder immer schnell und überstürzt das Haus verließ." "Ich weiß auch, wieso.", meinte Annelie und erklärte es Emanuel hinter vorgehaltener Hand. "Boah, wie ekelig... du meinst, die haben ein Mädchen immer abwechselnd...", stieß er angeekelt aus. "Da legt sich doch Rache als Motiv sehr nahe.", meinte sie.


    ...

  • Kapitel 14 - Furchtbare Erkentnis



    "Trotzdem, wer ist schon dazu fähig?" Annelie zog auf Emanuels Frage die Augenbraue hoch. "Wir hatten in letzter Zeit doch lauter solche Fälle in den Zeitungen. Emanuel, das ist zurzeit ein grosses Problem in der Menschheit. Auch mich ekelt es an!" Emanuel trank ein wenig aus der Tasse. "Ich finde das einfach nur abstossend. Ich weiss nicht, ob ich innerlich noch das Opfer als Opfer sehen kann." Annelie seufzte. "Weisst du, dass ist immer schwierig, aber Mord ist keine Lösung..." Sie hob mit dem Löffel den Milchschaum von ihrem Latte und leckte ihn ab. "Mag sein..." Emanuel atmete tief durch und lehnte sich zurück. "Hör mal, wir sollten Frau Krüger Bericht geben. Schliesslich hat sich der Mord hier in Köln geeignet." Emanuel nickte und rief die Kellnerin zu sich. "Ich zahle heute", sagte er bestimmend und Annelie nickte. "Ich habe nichts dagegen!", erwiderte sie mit einem zwinkernden Auge und nach dem Bezahlen gingen sie.


    Hannes schwieg. Die ganze Fahrt lang. Er wollte nichts sagen. Nicht vor diesem Womanizer. Diesem arroganten Typen der die Blicke aller Schülerinnen auf sich zieht. Ihm wurde einfach schlecht bei dem Gedanken.
    Als sie beim Arzt waren, machte dieser Typ den Eindruck, als würde er sich wirklich um ihn sorgen. Doch Hannes kannte solche hinterlistigen Typen. Sie machten einen auf Nett und schwupps! im nächsten Moment hatten sie dir die Freundin geklaut. Nein, auf diesen Kerl würder er sich nicht einlassen. Kein Wort würde er ihm schenken. Ben setzte ihn an der Schule wieder ab. "Willst du wirklich nicht, dass ich dich nach Hause fahre?" Hannes antwortete nicht. "Na gut...soltest du aber Probleme haben, kannst du immer zu mir kommen." Mit diesen Worten war er weg.


    Hannes überkam ein Schauder. Igitt! Solche Typen konnte er einfach nicht ausstehen. Er lief zu seinem Fahrrad und fuhr nach Hause. Wo ihm, wie immer, keiner Beachtung schenkte. Er ging in sein Zimmer und kramte eine Tasche hervor. Maske, Militärkleidung und das wichtigste. Aus einem Tuch zog er eine Glock hervor. Eine überaus gefährliche Waffe mit hoher Durschlagekraft. Damit würde er es allen zeigen. Morgen sollte es soweit sein. Morgen, sollten alle bezahlen. Dieser Lehrer, die Schüler, das Personal. Alle! Alle würden bezahlen!



    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Kapitel 15 - Der Alptraum beginnt



    Hannes ließ sich ermattet auf sein Schlafsofa sinken. Wie oft hatte er sich das vorgestellt, dass er endlich diese ganze Klasse loswerden würde. Morgen... morgen würde alles vorbei sein. Nur noch eine Nacht seines verpfutschten Lebens ertragen. Dann war alles aus. Wie viel Munition hatte er? Achtzig Schuss und eine Granate... Das dürfte wohl reichen. Morgen, nur noch morgen. Alles war vorbereitet. Morgen früh, die erste Stunde würden alle in der Aula sein. Dann würde er zuschlagen. Die Schule begann um acht. Nach 8.15 Uhr war keiner mehr auf den Gängen. Das war das einzig gute... alle waren so überpünktlich. Er sah seine Hände an. Sie fingen an, zu zittern bei dem Gedanken, dass er morgen töten musste. Aber er würde es tun. Sein Leben war doch nur noch ein einziger Trümmerhaufen. Seine Eltern nahmen ihn gar nicht mehr wahr, sein Bruder war in seinem Auslandsstudium und seine Schwester schlief doch mit allem, was sie auf der Straße auflas. Nein, bei solch einer Familie wollte er nicht leben oder überhaupt noch leben.


    Semir kam wie gefaltet nach Hause. So einen anstrengenden Tag hatte er schon lange nicht mehr. Erschöpft stolperte er zur Tür rein und hielt seine Nase in die Luft. Hm, was war das für ein leckerer Duft? Kochte etwa Andrea sein Lieblingsessen? Wie konnte er das jetzt gebrauchen. Eine der ihn verwöhnte, das war es, was er nach diesem harten Tag brauchte. "Andrea... ich bins.", rief er durch große Haus. "Ah, schön, dass du da bist. Wir haben Besuch bekommen.", erwiderte Andrea und saß auf dem Sofa im Wohnzimmer. Erstaunt blickte Semir seine Frau an. "Nanu? Du kochst nicht? Aber... aber wer ist dann in unserer Küche?", wollte er wissen und hielt noch immer seine Nase in die zu ihm ziehenden Duftwolken. "Wie ich schon sagte, wir haben Besuch. Geh doch einfach in die Küche und sieh nach, wer da ist.", meinte sie und deutete mit ihrem Buch Richtung Küche. Semir zuckte nur mit den Schultern und ging dann Richtung Küche. "Hallo Semir.", begrüßte ihn Annelie und warf die Pfanne kurz hoch. Die darin schmorenden Pilze und das angedickte Rührei machten einen kurzen Satz und landeten dann wieder in der Pfanne. "Hey, was führt dich denn her? Wo hast du Ben denn gelassen?", wollte Semir wissen und gab ihr einen Kuss auf die Wange.
    "Ben? Der macht heute einen Herrenabend mit Adriano. Deswegen bin ich auch hier. Ich will mit euch über unsere Ergebnisse und, was für mich viel wichtiger ist, Bens Geburtstag reden.", grinste sie und füllte die fertige Portionen auf drei Teller. Semir schnupperte genüsslich über den Tellern her, brachte zwei ins Wohnzimmer. Alle gesellten sich um den Tisch. "Also, was wollen wir jetzt mit Ben machen?", fragte Annelie. Semir grinste nur und schob sich die erste Portion in den Mund. "Ich glaube, ich hab da eine Idee."


    Der nächste Tag brach an und Semir und Ben fanden sich mit ihren Klassen in der Aula ein. Sie hatten vom Direktor die Aufgabe bekommen, die Aula für eine Veranstaltung herzurichten. Doch so weit sollte es nicht kommen...

  • Kapitel 16 - Amok



    Mit Spass und Freude koordinierten sie die Kinder und halfen auch fleissig mit. Ben kümmerte sich mit seiner Klasse um die Dekoration und Semir richtete mit seinen Schülern die Tische her. Alle sahen auf, als es an der Türe klopfte. Ben sah auf und lächelte. "Adriano!", jauchzte er und ging auf ihn zu. "Kann ich helfen?", fragte er neugierig und fragte Ben nach seinem Decknamen. Als Kriminalpsychologe begriff er sofort, wieso Ben verkleidet hier rum sass. "Natürlich, wir sind um jede Hilfe dankbar Herr Scolari!", sagte eine Schülerin. "Ihr Vortrag über die Amokläufe waren super! Wirklich interessant", lobte eine Andere und Adriano kratzte sich verlegen an der Wange. "Oh...danke vielmals, also, wo kann ich helfen?" Semir ging auf ihn zu und wies auf einen der leeren Tische. "Packen Sie sich ein paar meine Schüler und decken Sie mit ihnen die Tische!" Adriano nickte und zwei Schülerinnen liefen sofort freiwillig mit ihm mit. Semir ging auf Ben zu. "Wer ist denn das?", fragte er verwundert und Ben grinste. "Das ist Adriano Scolari, ein alter Schulkamerade von mir! Netter Typ, wenn das alles vorbei ist, sollten wir drei Mal zusammen mal einen Trinken gehen. Du wirst ihn mögen!" Semir zuckte mit den Achseln. "Wenn du ihn magst...", erwiderte er knapp und gab Ben einen Klapps auf die Schulter. "Danke Partner..." Niemand ahnte, dass dieser Tag, nicht so werden sollte, wie er war.


    Hannes stand in der Toilette und legte seinen Rucksack ab. Niemand hatte ihn beachtet, wie immer. Aber alles sollte nun anders werden. Er griff in seine Tasche und zog seine Waffe hervor. Kein Schalldämpfer. Alle sollten hören, was für einen Radau er machte. Er legte sich eine Maske an, zog sich Handschuhe über und ging aus der Toilette. Enno stand am Waschbecken und erblickte den Maskierten mit grossen Augen an. Besonders, als er die Waffe zog. Doch er erkannte diese Statur. Er kannte sie genau. Doch bevor er Hannes Namen aussprechen konnte, hatte dieser ihm eine Kugel in den Schädel gejagt.


    Die Kinder erschracken ab dem Krach und Semir sah Ben sofort an. "Oh mein Gott...", stiess er hervor und Ben nickte. Die Kinder schrien und Adriano rannte sofort auf den Aulaeingang zu, um ihn zu schliessen. "Versammelt euch Kids! Und versucht leise zu bleiben!", befahl er und alle taten wie ihm befohlen. Ben und Semir gingen in die Knie, hoben das Hosenbein an und zogen ihre Waffen hervor, die sie mit einem Halfter festgemacht hatte. Die Kinder sahen die Beiden erstaunt an. "Keine Sorgen, wir sind Polizisten", sie zeigten Beide ihre Ausweise und alle atmeten durch. Sie gingen zum Eingang und blickten durch die runden Fenster. "Adriano, zu den Kindern!" Der Deutschitaliener nickte und setzte sich zu den Kindern, die vor Angst angefangen hatten zu weinen, denn inzwischen waren weitere Schüsse zu hören. Todesschreie und das Einschlagen von Kugeln. Das Rennen der Leute und der Feueralarm. Doch als Polizisten und Schulpsychologe wussten Adriano, Ben und Semir, wie gefährlich es war, herzumzulaufen. Amokläufer hatten einen Tunnelblick. Ihr Ziel, Menschen zu töten.
    Die Schüsse näherten sich und die Kinder begannen immer mehr zu zittern. Semir und Ben entsicherten ihre Waffen. "Hoffentlich kommt bald die Verstärkung. Das klingt nicht gut!" Ben näherte sich der Türe und Semir schreckte auf, als aus Bens Schulter ein Schwall Blut floss und er kurz aufschrie. "Ben!", schrie er und sein junger Partner ging zu Boden.


    Annelie und Emanuel sassen in Ben und Semirs Büro, damit sie enger mit der Kölner Polizei zusammenarbeiten konnten. Durch Andrea hatte Annelie schon Susanne und Dieter sowie Hotte gekannt. "Wir kommen keinen Schritt weiter", murmelte Emanuel und schüttelte mit dem Kopf. "Jetzt sei nicht so, es gibt immer ein Licht am Ende des Tunnels!" In diesem Moment schlug die Türe auf und Kim Krüger, mit erbleichtem Gesicht, stand am Türrahmen. "Sie müssen sofort zur Schule! Ein SEK-Team ist schon vor Ort!" Annelie stand auf. "Was ist denn passiert?", fragte sie ruhig. "In der Schule herrscht ein Amoklauf!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Kapitel 17 - keine Chance



    Semir robbte zu seinem Partner hin, der sich die kaputte Schulter hielt. "Verdammt Semir, wir sitzen in der Falle. Wenn der hier reinkommt, dann...", doch seine Worte verstummten, als er eine schwarz gekleidete Person mit Skimaske und einer zu großen Pistole vor sich sah. "Shit.", stieß Semir aus und ließ die Waffe schnell unter einen Schrank gleiten, in der Hoffnung, später noch einmal ranzukommen. "Los, rüber zu den anderen.", befahl die Gestalt und stieß den Deutschtürken von Ben weg. "Schon gut.", knurrte der Deutschtürke nur und versuchte, seine Klasse zu beruhigen. Sein Blick fiel unweigerlich auf Adriano, dessen ganze Statur zu beben begann, als er das Bild sah, wie Ben mit durchschossener Schulter auf dem Boden lag und von diesem Schüler, das war offensichtlich, bedroht wurde. "Hey, was hast du vor?", flüsterte Semir, als der Deutschitaliener einen Schritt auf die Beiden zu machte. "Ich...ich muss ihm helfen. Er verblutet doch sonst.", stieß Adriano aus und ging vorsichtig, aber sich bemerkbar machend, auf den Angreifer zu. "Was willst du?", zischte er. "Meinem Freund helfen... darf ich das?", fragte er vorsichtig. "Dein Freund wird gleich krepieren... Er braucht deine Hilfe nicht.", lachte die Gestalt, drehte sich zu Ben und schoss. Der Knall hallte noch Sekunden nach. "NEIN....", schrien Adriano und Semir aus vollem Hals...


    Annelie und Emanuel kamen vor der Schule an, wo sich schon diverse Einsatzkräfte der Polizei und der Rettung versammelt hatten. Unter SEK-Begleitung gingen Ärzte in das Gebäude, andere kamen mit schwerverletzten Personen auf Tragbaren wieder hinaus, einzelne Schüler kamen vollkommen gebrochen und aufgelöst aus dem Gebäude und wurden sogleich von uniformierten, mit Schutzweste ausgestatteten Kräften in Sicherheit gebracht. "Kriminalkommissasin Zaugg, mein Kollege Sanchez... können sie mir schon was über die Situation vor Ort sagen?", wollte sie von einem stämmigen, kahköpfigen und mit kalten, stechenden Augen sie anblickenden Polizisten des SEKs wissen. Abfällig mussterte er die kleine, zierlicher Person in den Jeans und Turnschuhen. "SEK-Leiter Schlachter... meine Männer sind in Position und konnten feststellen, dass gegen 8.15 Uhr eine vermummte Person durch die Gänge der Schule ging und wahllos auf Schüler und Lehrer schoss, durch verschlossene Türen schoss und dann in die Aula eindrang. Nach Angaben einiger zurechnungsfähiger Schüler hat er sich da mit zwei Klassen samt Lehrern und Schulpsychologen verschanzt. Meine Leute sind schon auf dem Weg zum gegenüber liegenden Dach. Sobald wir freies Schussfeld haben, werden wir die Person unschädlich machen.", erklärte er mit kühlen, eisblockartigen Worten.
    Annelie dachte, sie hört nicht richtig. "Sie...sie wollen stürmen? Ja, denken sie denn gar nicht an die Schüler und Lehrer in der Aula?" "Gerade deshalb muss er so schnell wie möglich ausgeschaltet werden. So hart es auch klingt, aber der Kerl hat schon acht Menschen erschossen. Wollen sie, dass er noch weitere Leben auf dem Gewissen hat?" Bevor Annelie etwas erwidern konnte, drang ein erneuter Knall auf die Straße. "Das war Nummer neun. Der Typ ist zur Jagd freigegeben.", knurrte Schlachter und ging zu seinen bereitstehenden Scharfschützen. Ben...unweigerlich dachte Annelie in diesem Moment an Ben. War er in der Aula oder war er schon einer der Toten?


    ...

  • Kapitel 18 - Bluff und Wahnsinn



    "Bitte was?", fragte Annelie entsetzt und stellte sich vor Schlachter. "Sie wollen einen Jungen erschiessen?" Ihre Stimme war hoch und man konnte deutlich die Fassungslosigkeit darinter hören. "Natürlich, so kann das nicht mehr weitergehen!", erwiderte Schlachter emotionslos und Annelie wurde rot im gesicht. Rot vor Wut. "SIE ARSCHLOCH! Das ist noch ein KIND!" Sie wollte auf ihn losgehen, doch Emanuel hielt sie zurück. "Annelie bitte!", zischte er und reichte ihr eine kugelsichere Weste. "Wenn es nicht anders geht, müssen wir es tun!" "Du nicht auch noch", sagte sie leise und Emanuel seufzte. "Annelie, entweder sein Leben oder das von Dutzend anderen. So ist unser Beruf manchmal!" "Unser Beruf ist es, Leute zu beschützen und ALLE zu retten?" Emanuel schüttelte mit dem Kopf. "Du siehst das zu idealistisch", sagte er und entfernte sich. Annelie schüttelte immer wieder mit dem Kopf. "Nein...nein SEHE ICH NICHT!", schrie sie und trat gegen eine leere Aludose, die auf dem Boden lag. Vor Wut stiegen ihr die Tränen in die Augen. Ein Kind! Ein Kind erschiessen! Denen ging es wohl nicht gut! Definitiv nicht gut! Annelie lehnte sich an die Wand und schniefte. Sie wusch sich die Tränen aus den Augen und presste die Lippen zusammen. Sie kam einfach nicht damit klar. Man sollte doch kein Kind erschiessen. Er war doch noch ein Kind. Sie liess sich zu Boden gleiten und legte sich die Westean. Vielleicht konnte sie es noch verhindern. Sie musste es verhindern! Sie entsicherte ihre Waffe, nahm sie in Anschlag und stand auf, sie schlich sich an den Personen vorbei und benutzte den Vordereingang. Sie wollte, dass keiner mehr sterben muss!


    Semir und Adriano öffnete ihre Augen und sahen, dass die Kugel knapp neben Ben am Boden eingedrungen war. Ben sah den Jungen an. "Das ist dafür,dass du mich im Wagen vollgequatscht hast, du Casanova!" Ben zitterte. Vor Angst. Todesangst. Die Kugel war knapp neben seiner Schläfe in den Boden gedrungen. "Hannes?", fragte er stockend und der Maskierte drehte sich um. "Du!", sagte er und zeigte auf Semir. "Versorg den Typen! Aber schnell!" "Ich will ihm helfen!", mischte sich Adriano ein und der Maskierte seufzte. "Meinetwegen." Er entfernte sich und richtete die Waffe auf die Gruppe. "Aber eine falsche Bewegung, und eines der Kinder stirbt!" Adriano und Semir nickten synchron und gingen auf Ben zu. "Ben...", flüsterte Semir besorgt und half ihm sich aufzurichten. Ben lehnte sich mit dem Oberkörper an die Wand und hielt sich die Schulter. Adriano hob Bens Hand und sah sich die Wunde an. "Ein glatter Durchschuss", sagte er und zog sein Jacket aus, um es zu zerreisen. Er drückte die Stoffetzen auf die Wunden. "Wir haben ein echtes Problem", knirschte Ben hervor und sah auf den Jungen.


    Emanuel sah sich nach Annelie um und fand sie nicht. Anscheinend war sie gegangen, dachte er und machte sein Scharfschützengewehr bereit. "Sie gehen auf das gegenüberliegende Gebäude", befahl Schlachter, "von dort, haben Sie einen perfekten Blick in die Halle!" Emanuel nickte und rannte los. Natürlich gefiel ihm der Gedanke nicht, was passieren würde, aber sie mussten es tun. Er begab sich zum Dach und legte die Waffe an. "Na dann, legen wir los", murmelte er und entsicherte das Gewehr.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Kapitel 19 - Schluss mit Lustig



    "Was meinst du damit?", wollte Adriano wissen und presste den Stoff immer weiter auf die Wunde. Ben knirschte schmerzerfüllt mit den Zähnen. "Ich...ich kenne den Kerl. Es ist ein Junge von dieser Schule und gerademal 14 oder 15 Jahre alt.", meinte Ben leise und nickte kurz in die Richtung des Kerls. Adriano sah sich um. "Bist du dir da ganz sicher?", wollte er wissen. Ein kurzes, kaum merkliches Nicken kam von Ben zurück. "Okay, dann lass uns was unternehmen, um ihn hier lebend rauszubringen.", erklärte Adriano und wolllte schon etwas unternehmen, doch Ben hielt ihn zurück. "Spinnst du? Wenn der das merkt, dann haben wir hier das reinste Blutbad...", knurrte er nur und hielt seinen Freund am Arm fest. Dieser sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. "Bitte tu das nicht...", wiederholte Ben nur und ließ dann den Arm Adrianos wieder los. "Okay, aber wir müssen was machen. Immerhin sind hier vierzig Kinder drin. Was, wenn er wirklich durchdreht?", wollte der Psychologe wissen. Doch Ben konnte nur hoffen, dass ihm einer seiner oder Semirs Tricks einfiel, mit dem er den Jungen zur Aufgabe überzeugen konnte.


    Hannes ging mit der Pistole ganz dicht an eines der Mädchen ran. Der kleine Blondschopf wich erschrocken zurück, umklammerte fest ihre Beine und riss ihre Augen weit auf. "So Svenja, nun... du liebst doch die starken Machos oder? Jetzt bin ich einer davon... gefall ich dir?", fauchte der Mann, den sie nicht erkannte. Doch dann konzentrierte sich ihr Blick. "Hannes?", stieß sie leise aus. Zornig zog er sich die Maske vom Gesicht. "Ja...ja, ich bin es. Und? Liebst du mich jetzt oder hältst du mich immer noch für einen Waschlappen, einen harmlosen Unsichtbaren und ein...", ihm stockte der Atem. Er sah zu den anderen, die um Svenja herum platziert waren. "Was ist? Warum starrt ihr mich so an? Ja, jahrelang habt ihr mich gemobbt, mich herumgestoßen und verprügelt, aber jetzt...jetzt habe ich die Macht über euch und eure Leben. Ich werde euch alle für das, was ihr mir angetan habt, bestrafen...", zischte er und zog mit der Spitze seiner Waffe einen Kreis. Erschrocken und kurz aufschreiend zuckten die Kinder zusammen, krochen noch dichter aneinander. Jetzt war es Semir, der aufstand und einige Schritte auf Hannes zutat. "Junge, mach doch keine Dummheiten.", kam es beschwichtigend von Semir, doch im nächsten Moment durchzog ein Schuss die Stille, Glas klirrte und menschliche Schreie durchzogen die Luft. Alle sahen sich um. Was war passiert?


    Annelie hielt inne, als sie im Treppenhaus stand. Nein, stieß sie in Gedanken aus. Nein, das haben sie jetzt nicht getan, oder? Sie haben jetzt nicht wirklich geschossen. Langsam nahm sie ihren Schritt wieder auf, schnellte, nein rannte die letzten Stufen hinauf und stand dann vor der Aula. Was würde sie dahinter erwarten? Es war so still da drin. Ein ungutes Zeichen?


    ...

    Edited once, last by Christopher007 ().