Blutgeld


  • Tja Liebe Leutz
    Vielen werden sich jetz sicher denken "noch 'ne Geschichte? Die hat doch schon ein paar am Laufen!" *Zu Chris rüber schiel* :D Kleiner Scherz. Diese Story ist für euch gewidmet, weil ich euch immer so lange warten lasse. Als Dank für eure Geduld mit einer solch schwierigen Person wie mir. Ich hoffe, ich kriege meine Probleme in den Griff und das will ich beginnen, in dem ich wieder mehr schreibe und nun versuche, wöchentlich zu jeder Geschichte einen Teil zu posten. Ich hoffe es gelingt mir.
    An dieser Stelle ein grosser Dank an Christopher, der mir Tipps zur Entwicklung der Geschichte beigetragen hat. Ich hoffe, dir gefällt die Geschichte.
    Inspiriert wurde ich ein wenig durch einen "Tatort" der neulich lief. Erkennt einer die Parallelen?


    Viel Spass wünsche ich euch.
    Gruss
    Jenni


    Prolog


    Mit einem lauten Gähnen schielte Ben Jäger auf die Uhr des Autoradios und seufzte. Es war ein Uhr nachts. Er und sein Partner, Semir Gerkhan, mussten die Nachtschicht übernehmen. Aus den Lautsprechern erklang nur Schlager und Ben rollte die Augen. "Hast du keine CD dabei?", fragte er genervt und Semir schüttelte mit dem Kopf. "Sei doch froh", begann der Deutschtürke dann, "die Musik ist so schlecht, da kann man nur wach bleiben!" Ben grinste. "Ich fürchte, da hilft nicht mal Marianne und Michael", kommentierte er die Langeweille und rieb sich die Augen. "Sieh es doch so, es könnte schlimmer sein! Wenigstens herrscht Ruhe!" Ben konnte Semir nur Recht geben. Er klappte seinen Stuhl nach hinten und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. "Wenigstens müssen wir Morgen nicht so früh raus." Semir nickte und blickte auf die Strasse wo vielleicht alle zehn Minuten mal ein Auto vorbeifuhr. Alle im angemessenen Tempo. "Und nun kommen wir zu einem Superhit von Florian Silbereisen." Ben schoss hoch. "Oh ne!", stiess er genervt aus und schlug sich die Hände an den Kopf. "Da muss es doch noch was anderes geben!" Wie bessesen drehte er am Regler des Radios und Semir sah ihm dabei mit einer hochgezogenen Augenbraue zu. "Ben du übertreibst", murmelte er in den Bart und sah auf, als das laute Raunen eines zu schnell fahrenden Autos zu hören war. Ein blauer Porsche fuhr mit geschätzten 190 km/h über die leere Autobahn. "Also das geht gar nicht!", meinte Semir und schielt die Blinklichter am Fenster an und startete den Motor seines 3er BMWs. Er drückte aufs Gaspedal und fuhr hinterher. Ben nickte zum Funkgerät. "Soll ich Verstärkung rufen?" Semir schüttelte mit dem Kopf. "Ich werde doch noch einen Porsche schnappen!" Ben sah zu den Beinen. "Wenn dich die Athritis nicht zu sehr behindert", scherzte er und erntete ein grummliges "Ha, ha" von Semir. "Jetzt kannst du was von dem Alten lernen!" Er drückte aufs Gaspedal und fuhr hinterher.


    Die Verfolgungsjagd dauerte bis in die Stadt. Der Fahrer des Porsches schien jegliche Gesetzte zu ignorieren. Es wurden rote Ampeln überfahren, Passanten mussten zur Seite springen und beinahe wurde eine Laterne umgefahren. "Was für ein Rowdie", kommentierte Ben den Fahrstil und hielt sich am Armaturenbrett fest. "Allerdings, und das mitten in der Nacht!", stimmte Semir zu und war dicht am Porsche dran. Dieser hielt an einem Wohnblock. Eine Gestalt stieg aus. Sie wirkte zart. "Eine Frau", stellte Ben erstaunt fest und zog seine Waffe. Semir tat es ihm gleich. Beide stiegen aus dem Wagen aus und rannten hinterher. Die Waffen im Anschlag. Semirs silberne Pistole leuchtete leicht im Mondlicht. Sie gingen durch den Eingang und hörten die Schritte, die die Treppen hinaufgingen. "Sie trägt High-Heels!", bemerkte Ben und Semir rollte mit den Augen. "Sowas entgeht dir natürlich nicht!", kommentierte er keuchend und sah eine offene Tür. Im obersten Stock. Als Ben und Semir hereintraten, brannte Licht. Die Wohnung war zweistöckig. Semir wies Ben nach oben und dieser nickte. Er ging die Treppen hinauf. Semir hingegen, lief weiter. Die Waffe fest umklammert. Die Wohnung war schick eingerichtet. Alles nur vom besten und vom teuersten. "Muss eine Menge Kohle haben", murmelte er leise und sah sich immer weiter um. Bis das Knallen von zwei Schüssen ihn erschreckten.


    Anschliessend hörte er ein Klirren und ein greller Schrei einer Frau. "BEN!", schrie Semir doch keine Antwort. Die Waffe noch immer im Anschlag. Er schwitzte. Sein Herz begann auf einmal fest gegen den Brustkorb zu schlagen. So fest, dass es schmerzte. "Ben antworte mir!" Wieder nichts. Die Angst stieg. Was war bloss los? Wieso antwortete Ben ihm nicht. Er rannte die Treppe hinauf. Das Fenster war zerbrochen. Wind blies leise durch den Raum. Ben lag vor einem gewaltigen Bett. Bäuchlings. Auf der Seite, wo er mit dem Arm lag, floss Blut, was sich sofort in den weissen Teppich sog. Am der Stirn, nahe der linken Schläfe, fand sich eine riesige Platzwunde. "BEN!", schrie Semir entsetzt und kniete zu ihm herunter. Sein Partner war bewusstlos. Die Augen waren fest verschlossen. Jedoch atmete sein Partner schwer und Semir befürchtete das Schlimmste. Jedoch war Ben gerade in einer perfekten Seitenlage und Semir liess ihn so. Er nahm sein Handy hervor und rief einen Krankenwagen. Danach sah er kurz aus dem Fenster und sah die Frau auf dem Boden. Die Augen weit aufgerissen, in den Himmel starrend. Sie war tot. Brutal auf dem Boden aufgeschlagen.
    Semir wieder zu seinem Partner. "Halte durch Kumpel", flüsterte er leise und schüttelte fassungslos mit dem Kopf. "So viel zum ruhigen Abend!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 1.




    "Auf drei", murmelte einer der Sanitäter und seine Kollegen nickten. Er zählte hinunter und allehoben das Tuch an, worauf Ben lag um ihn auf die Trage zu befördern. Ein schwächlich aussehender Sanitäter, hielt eine Infusion die in Bens linke Armbeuge verlief. Auf die Platzwunde war ein grosses Pflaster gelegt worden und das austretende Blut kam von einer Schusswunde im rechten Oberarm. Diese wurde mit einem Verband provisorisch verarztet worden. Doch bildete sich bereits ein roter Fleck auf dem weissen Verband. Der Notarzt hob mit einem Finger Bens Augenlid und leuchtete mit einer kleinen Taschenlampe direkt in die Pupille. Diese zitterte und bewegte sich, obwohl Ben bewusstlos war. "Eine Reaktion, also hat das Sehzentrum bei dem Schlag auf dem Kopf keinen Schaden genommen", teilte er Semir mit, der hinter der Gruppe stand und ihn nervös ansah. Neben ihm befand sich Kim Krüger, die die Arme verschränkt hatte. Sie hatte geschlafen, als der Anruf aus der Zentrale sie erreichte. Deshalb wirkte sie leicht ungepflegt und das Haar fiel schlaff auf die Schultern. Semir hatte ihr den Vorfall erklärt. Mit hastiger und sorgvoller Stimme. Sie beschloss, dass Hotte und Dieter zusammen mit Hartmut den "Tatort" und das Auto untersuchen sollten. "Sie werden mitgehen Herr Gerkhan. Und erstatten sie mir Bericht!" Semir nickte und sah, wie die Sanitäter Ben Richtung Krankenwagen transportierte. Er folgte ihnen und stieg mit in den Wagen ein. Im Wagen, der mit Affenzahn über die Strassen fuhr, rief er Andrea an und erzählte ihr was geschehen war. Sie verstand sofort und versicherte ihm, dass es in Ordnung seie, dass er nun zu Ben gehe, er bräuche ihn dringender.


    Der Sanitäter tippte Semir an und dieser beendete das Gespräch. "Steckt die Kugel noch in seinem Arm?", wollte der Deutschtürke wissen, nachdem sie aus dem Krankenwagen stiegen. "Nein, es ist ein glatter Durchschuss. Deshalb wird die Operation nicht so lange dauern." Während Ben in den Notfalleingang transportiert wurde, nahmen der Sanitäter und Semir den Haupteingang. Es war ruhig. Keine Besucher. Die Cafeteria war geschlossen und auch sonst war das Licht nur auf das Nötigste beschränkt. "Da hinten", der Sanitäter wies auf einen grossen Kasten, "wäre sonst ein Kaffeeautomat. Ich werde sie selbst holen, wenn die Operation vorbei ist. Sie können sich es dann im grossen Aufenthaltssaal gemütlich machen!" Semir nickte dankend und sah, wie der Sanitäter sich entfernte. Ein grosses Unwohlsein machte sich breit. Die Stille, die Angst um Ben, die Müdigkeit und die Kälte von draussen, machten Semir zu schaffen. Mit kurzen und hastigen Schritten, machte er sich auf zum Automat und liess sich einen schwarzen Kaffee machen. Er zog den heissen Becher heraus, setzte sich und lehnte sich nach hinten. Er sah auf die Uhr. Zehn nach Zwei. Ungefähr in zwanzig Minuten hätte ihre Schicht aufgehört gehabt. Doch nun sass er im Marienkrankenhaus und fürchtete, trotz der beruhigenden Worte der Sanitäter, um das Leben seines Partners.


    Semir schreckte auf, als er ein lustiges Gebrabbel hörte und sah auf. Andrea, mit Aida im Arm, kam auf ihn zu. "Aber...?", begann Semir verwundert und Andrea winkte sofort ab. "Hotte hat mir gesagt wo du bist. Meinst du etwa, ich lasse dich in einer solchen Situation alleine? Aida kann sowieso nicht schlafen." Semir nahm mit einem matten Lächeln Andrea Aida ab und bettete sie auf den Schoss. "Was hat der Arzt gesagt?", fragte Andrea neugierig und setzte sich neben ihren Mann. "Eine Platzwunde am Kopf und eine Schusswunde im rechten Oberarm." Symbolisch kniff sie die Augen zusammen. "Es sei ein glatter Durchschuss und so würde die Operation nicht lange dauern." Andrea zog auf Semirs Satz hin eine Augenbraue hoch. "Du klingst aber nicht gerade optimistisch", bemerkte sie und Semir zuckte mit den Achseln. "Ben muss mit der Schläfe gegen die Bettkannte gestossen sein. Denn an dieser befand sich Blut. Wenn er wirklich im vollen Fall darauf geknallt ist, mache ich mir wirklich Sorgen." Andrea konnte ihrem Mann nur beipflichten.


    Hartmut nahm den Schlüssel des Porsches aus der Hosentaschen der Toten. Selbstverständlich trug er Handschuhe. Dieter und Hotte klärten mit dem Gerichtsmediziner die Einzelheiten ab. Dass es Selbstmord war, war so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber warum war die Frau geflohen und hatte sich umgebracht? Wegen einem Knöllchen? Das konnte sich niemand wirklich vorstellen.
    Hartmut steckte den Schlüssel und machte den Kofferraum auf. Sofort drang der metallische Geruch von Blut in seine Nase. "Hotte, Dieter, ich weiss warum die Frau geflohen ist", stockte er hervor und die beiden Polizisten näherten sich ihm.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 2.


    Es dauerte eine weitere Stunde, bis einer der "Götter in Weiss" in den Wartesaal kam und zu Semir ging. Es war keine Kunst zu wissen, dass er auf Ben wartete, denn er war der Einzige der mit Andrea im Saal sass. "Herr Gerkhan?" Semir nickte und stand auf, um den Arzt die Hand zu geben. Sein Herz klopfte heftig gegen den Brustkorb und der Schweiss lief ihm über die Stirn. "Wie geht es meinem Partner?", fragte er mit leiser und sorgvoller Stimme. Der Arzt lächelte beruhigend. "Ihr Partner ist ein robuster Kerl. Die Kugel hat den Oberarm durchdrungen, jedoch nichts wichtiges verletzt. Jedoch wäre es nicht schlecht, wenn er diesen Arm schonen würde. Das Gehirn hat keinen Schaden genommen. Er hätte wirklich Glück. Er ist in der Aufstation, wenn Sie also zu ihm wollen?" Semir sah fragend zu Andrea die mit einem Lächeln nickte und Andrea auf den Arm nahm. Sie ging auf ihn zu und küsste ihn zärtlich. "Ich warte zuhause auf dich", flüsterte sie ihm ins Ohr und ging.
    Semir sah zum Arzt, und nickte. Dieser führte ihn zu einem Zimmer. Dort hielt er ihn auf. "Herr Jäger ist bei Bewusstsein, aber ist wirklich erst gerade zu sich gekommen." Semir nickte verstanden. Er atmete tief durch, klopfte kurz an und ging ins Zimmer. Ben lag in einem zu grossen Bett, gekleidet in Trainingshosen und Unterhemd. Sein verletzter Arm war mit Verband verarztet worden. Um die Stirn befand sich ebenfalls ein Verband, dieser wurde aber perfekt durch die Haare versteckt. Die Augenlider waren rot, was Semir gut erkennen konnte, da Ben die Augen geschlossen hatte, aber doch lächelte. "Sag bloss nicht du hast die ganze Zeit im Wartezimmer gesessen?", fragte er mit rauer Stimme und dies ziemlich leise.



    Semir setzte sich an das Bett und legte seine Hand auf die Bens. "Wie geht's dir Partner?", fragte Semir zurück um nicht zugeben zu müssen, dass Bens Vermutung wirklich wahr war. "Ich fühl mich wie gerädert, aber ich leb noch!" Nun öffneten sich Bens Augen einen Spalt weit und er sah Semir an. "Was ist mit der Frau passiert?" Semir atmete tief durch. "Die hat einen Freiflugschein genommen", antwortete knapp und Ben seufzte. "Ben, darf ich dich fragen was passiert ist?" Ben lächelte leicht. "Wieso solltest du nicht?", fragte er zurück und Semir schüttelte mit dem Kopf. Und Ben begann zu erzählen.


    Ich schlich die Treppe hinauf und hatte die Waffe im Anschlag. Da hörte ich ein Geräusch. Die Frau stand an einem Sekretär und schrieb etwas auf, als sie mich gehört haben musste, drehte sie sich um und ich spürte einen Schlag. Vor lauter Schmerz liess ich die Waffen fallen und presste die rechte Hand auf die Wunde. Ich spürte, wie das Blut durch die Fingerritzen lief. Die Frau sah mich Tränen überströmt an. Sie weinte bitterlich und flüsterte mit den Lippen das Wort "Vergebung" und dann als ich zu schwanken begann, sagte sie dass sie das nicht wollte. Ich verlor das Bewusstsein und musste mit meinem Kopf irgendwo aufgeprallt sein.


    Hotte, Hartmut und Dieter sahen direkt in die weiten Augen eines Mannes. In seiner Brust, eine Schusswunde. Der Boden des Kofferraums, hatte den Lebenssaft aufgesogen. Jedoch glitzerte dieser noch im Mondlicht und so wusste Hartmut sofort, dass das Blut noch nicht vollständig getrocknet war. "kein Wunder war sie geflohen", murmelte Dieter. Hartmut berührte die Leiche. "Er ist noch warm. Wahrscheinlich nicht mal vier Stunden tot...", murmelte er und Hotte wies auf ein paar Packungen mit weissem Inhalt. "Und das wollte sie wahrscheinlich an sich nehmen!" Die Anderen stimmten ihn zu. "In was sind Semir und Ben da wieder reingeraten?"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 3.


    Semir stieg am Morgen danach aus seinem BMW und schlug die Türe zu. Von Ben hatte er seit seinem Verlassen aus dem Krankenhaus nichts gehört. Und das bereitete ihm sorgen. Er ging schnurstracks in die PAST und stampfte in Kim Krügers Büro. Diese starrte ihn leicht irritiert an. "Herr Gerkhan?", fragte sie verwundert. "Haben Sie was von Ben gehört?" Sie schüttelte mit dem Kopf. "Nein, sollte ich?" Semir stemmte die Hände in die Hüfte. "Herr Gerkhan, Herr Jäger wurde verletzt, vielleicht liegt er Zuhause und hat vergessen sich abzumelden." Semir nickte. Beruhigen, konnte ihn dieser Kommentar jedoch nicht. "Was ist mit dem Fall?", fragte er ablenkend und Kim Krüger schlug die Akte auf, die bereits auf dem Schreibtisch lag. "Ihre Springerin hatte eine Leiche im Kofferraum zudem noch eine Menge an Drogen. Die Leiche ist in der Gerichtsmedizin zusammen mit der anderen Toten. Die Drogen sind bei Hartmut!" Sie schlug die Akte zu und übergab sie Semir. "Ich habe die Schwester der Toten ausfindig gemacht. Ich möchte, dass Sie sie befragen. Um Herr Jäger werde ich mich kümmern!" Sie stand auf und begleitete Semir zum Büro, wo dieser die Türe aufmachte. Beide konnten ihren Blick nicht trauen.


    Ben stand an seinem Schreibtisch und machte sich bereit. Er steckte seine Waffe in den Schulterhalfter und verzog dabei das Gesicht. Der dicke Verband wurde geschickt unter dem schwarzen Hemd versteckt, dass er trug. Seine Wunde an der Stirn wurde mit einem gigantischen Pflaster überklebt. Er sah sie an. "Was?" Kim Krüger verschränkte die Arme. "Hat der Arzt nicht gesagt Sie sollen sich schonen?" Ben rollte mit dem Augen. "Herrgott. Ich bin nicht tot!" "Du hättest es aber sein können!", mahnte Semir entrüstet. "Ich bin fit. Es war zwar ein Durchschuss, jedoch wurde nichts wichtiges verletzt." Kim Krüger zog ihre Augenbraue hoch. "Na gut", gab sie auf und wendete sich an Semir, "sollte jedoch..." Er nickte und sie verliess das Büro. "Also", sagte Ben enthusiastisch, "was steht an!" Semir wiederholte Kim Krügers Befehl und er lächelte. "Sehr gut." Semir zog seinen Autoschlüssel hervor. "Aber ich fahre!"


    Ben setzte sich in den Wagen und versuchte sich den Gurt anzulegen. Jedoch hinterte ihn seine Wunde zu sehr und er verzog wieder das Gesicht. Sein Oberarm brannte fürchterlich und der Schmerz zog sich durch das ganze Körperteil. Semir sah dies. "Na komm!", sagte er und legte den Gurt an. "Danke Papa", erwiderte Ben genervt und schmollte wie ein kleines Kind. "Nun sei kein Frosch", mahnte Semir und setzte sich neben ihn. "Wieso bist du wieder hier?" Ben zuckte mit den Achseln. "Mir war langweilig, ausserdem hasse ich es, zuhause rumzusitzen!" Semir seufzte. "Also, fahr los, wir haben einen Fall zu klären!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 4.


    Die Schwester der Toten hörte auf den Namen Isolde Renniger und war eine Frau in Semirs Alter. Durch ihr hellbraunes Haar zogen sich bereits graue Strähnen und ihre Augen wirkten müde. Sie blickte auf den Ausweis, den Semir ihr hinhielt. "Gerkhan und Jäger, Kripo Autobahn!" Sie nickte mit einem Schluchzen. "Kommen Sie herein", stiess sie hervor und führte ihre Begleiter in die Wohnung. Sie verwies sie auf die braune Ledercouch im Wohnzimmer. Alles wirkte wie wahllos zusammengekauft, in diesem Lebensraum war kein System zu finden. Semir und Ben vernahmen das laute Rauschen einer Kaffeemaschine. Renniger näherte sich mit drei Tassen Kaffee und sah ihre Besucher an. "Milch und Zucker?" Während Ben dankend nickte verneinte Semir und nahm sein Koffeeingetränk schwarz zu sich. Eine der wenigen Anzeichen seiner türkischen Herkunft. "Ihre Chefin hatte mich benachrichtigt...", begann Renniger und zog aus ihrer Hosentasche ein Taschentuch mit Karomuster hervor, "ich befürchtete, dass dieser Tag einmal kommen würde aber..." Semir hob die Hand. "Wie meinen Sie das?", fragte er genau und nahm einen weiteren Schluck. "Sie müssen wissen, unsere Familie war schon ärmlich, als wir hineingeboren wurden. Während ich damit sehr gut klarkam, nun glücklich verheiratet bin und Kind habe, lebte meine Schwester in einer Traumwelt. Jeanine war sich sicher, nicht zu uns zu gehören. Sie fiel in die schlimmsten Kreise. Drogen, Alkohol..." Ben setzte seine Tasse ab. "Ihre Schwester hatte Drogen im Kofferraum, dazu noch eine Leiche...war Sie in einer Beziehung?" Renniger schüttelte mit dem Kopf. "Nein...aber Sie hatte, wie ich, ein Kind. Eine kleine Tochter...! Lisa Renniger..." Semir und Ben sahen sich entsetzt an. "Ist das Kind bei Ihnen?", fragte Semir mit hektischer Stimme und mit grossen Augen schüttelte Renniger mit dem Kopf.


    Ben zückte sofort sein Handy hervor und begab sich zum Hausflur. "Susanne? Ja ich bins...hör zu ich habe keine Zeit für lange Erklärungen, warum ich wieder arbeite...aber du musst eine Suchmeldung aufgeben und zwar nach einem Mädchen, Lisa Renniger!" Ben suchte ein Bild und fand prompt ein Portrait der Beiden Schwestern mit ihren Kindern. Er fotografierte es kurz und schickte es an Susanne. "Das kleine Mädchen genau! Es eilt bitte!" Mit diesen Worten hängte er auf und hörte den verzweifelten Schrei Rennigers. Jetzt musste sie nicht nur mit dem Tod ihrer Schwester, sondern auch mit dem Verschwinden ihrer Nichte klarkommen. Ben seufzte und begab sich wieder zurück. "Frau Renniger, das muss noch gar nichts heissen...", versuchte Semir sie zu beruhigen, "wir haben sie nicht in der Wohnung Ihrer Schwester gefunden, jedoch kann sie bei einem Bekannten sein!" Renniger schluchzte. Sie sah zu Ben und der Blick war auf seinem Pflaster an der Stirn fokusiert. "Hat Sie Ihnen das angetan?", fragte sie und Ben sah hilfesuchend zu Semir. Inzwischen hatte Ben auch seine Hemdärmel hochgekrempelt gehabt so das der Verband leicht zu sehen war. "Was hat Sie Ihnen angetan Herr Jäger?" Semir holte Luft. "Ihre Schwester muss verzweifelt gewesen sein Frau Renniger. Und mein Partner hatte eine Waffe in der Hand und da hatte ihr..." Doch bevor er weiterreden konnte, funkte Renniger ihm ins Wort. "Sie hat auf Sie geschossen?" Ben nickte leicht und Renniger stand auf und ging ans Fenster. "Das ist ein Alptraum!" In diesem Moment ging die Türe auf und ein helles Stimmchen rief nach seiner Mutter. "Mama ich bin wieder da!" Panisch sah sie zu Ben. Sie wollte anscheinend, dass ihr Sohn sie nicht so sieht. Er reagierte sofort.


    Er ging zum Flur und sah einen Jungen von etwa sechs Jahren mit einem grossen Scoutrucksack, die er schon selbst trug, als er in die Schule ging. Der Junge sah ihn fragend an. "Wer sind Sie!" Ben zeigte seinen Ausweis. "Mein Name ist Ben. Ich bin von der Polizei!" Mit glänzenden Augen, nahm der Junge den Ausweis entgegen. "Polizei, wie mein Papa?" Verwundert neigte Ben den Kopf zur Seite, was der Junge bemerkte. "Wissen Sie, mein Papa ist kein richtiger Polizist, aber Kaufhausdetektiv. Er jagd die bösen Ladendiebe!" Ben lächelte. "Die sind natürlich genauso wichtig wie wir!" Der Junge legte seinen Schulranzen ab und zog die Gummistiefel aus, da es draussen begonnen hatte zu regnen. "Ich heisse Jonas!", stellte er sich vor und gab Ben manierlich die Hand. "Aber all meine Freunde nennen mich Jo! Willst du mein Zimmer sehen?" Direkt, dachte Ben und nickte. Er folgte dem Jungen und sah, wie Semir ihm dankend zunickte. Er winkte mit der Hand ab und ging ins Zimmer, das wie ein typisches Jungenzimmer aussah. Autobahnteppich am Boden, Postern von Fussballspielern an der Wand und Teddys auf dem Bett. Doch einer dieser Plüschtiere kam Ben verdächtig vor. Es wirkte zu aufgedunsen. "Du hast aber hübsche Teddys", gebrauchte er als Vorwand und lief auf sie zu. Er nahm das verdächtige Ding in die Hand und drückte leicht zu. Es knisterte leicht.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 5.


    Er zog sein Taschenmesser aus der Hosentasche. "Könntest du mir was zu trinken holen Jo?" Der Junge nickte manierlich und ging aus dem Zimmer. Bens Gelegenheit. Er rammt das Messer in die Naht und schnitt sie auf. Sofort erblickte er lauter 100 Euronoten. "Heillige Scheisse", stiess er hervor und stand auf. Jo kam herein und sah Ben erstaunt an. "Woher haben Sie das Geld?", fragte er und Ben kniete zu dem Jungen. "Das ist in deinem Teddy", sagte er direkt und Jo weitete seine Augen, "weisst du, woher dies kommt?" Jo schüttelte mit dem Kopf. "Nein, der hat mir Tante Jeanine geschenkt. Ich habe mich nie darüber gewundert...hätte ich das tun sollen?" Ben schüttelte mit dem Kopf und blickte auf ein Glas Orangensaft. "Die Vitamine sorgen dafür, dass ihre Verletzungen schneller verheilen!" Ben lächelte und nahm das Glas entgegen. "Sehr gut Jo. Danke, damit werde ich schnell wieder gesund!" Ben nahm einen Schluck und setzte sich mit Jo aufs Bett. "Was ist denn los? Wieso sind Sie eigentlich hier? Ist was mit Tante Jeanine?" Ben stellte sein Glas auf einer der Bettpfosten und nickte. "Hatte Sie einen Unfall? Ist Sie im Himmel?" Ben wusste nicht wie antworten. Zweiteres stimmte aber wie sollte er erklären, dass seine Tante den Freitod gewählt hatte? "Sie ist im Himmel Jo...", sagte er dann und Jo verzog keine Miene was Ben verwunderte. "Meine Mama hat gesagt dass sie irgendwann so enden wird. Natürlich hatte sie mir das nie ins Gesicht gesagt aber...immer wenn sie mit Papa streitet wird dies ein grosses Thema!"


    "Frau Renniger, Ihre Schwester muss in einer verzweifelten Lage gewesen sein. Sie wollte meinem Partner nichts antun und geriet wegen dem Anblick der Waffe in Panik. Wenn Sie meinem Partner wirklich hätte was antun wollen, würde er jetzt sicher nicht mehr neben Ihrem Sohn sitzen!" Renniger atmete tief durch und wusch sich mit dem Handrücken neu entstandene Tränen aus den Augen. "Hatte Sie sich danach in den Tod gestürzt?" Semir nickte. "Was immer meine Schwester getan hat, es musste sie wirklich aus dem Konzept gebracht haben. Wenn Sie nämlich mal wieder das Gesetz brach, so brach sie es mit System." Semir schnalzte mit der Zunge. Also wurde die These mit dem entführten Kind immer realistischer. Vielleicht wurde es als Druckmittel gebraucht, sollte dies aber stimmen, so wäre das Kind in Lebensgefahr. "Frau Renniger, hatte ihre Schwester in letzter Zeit mit Ihnen Kontakt?" Sie nickte. "Sie brachte meinem Sohn einen Teddy zum Geburtstag. Wieso fragen Sie?" Semir winkte ab und horchte auf, als er Schritte vernahm.


    Ben stand an der Türschwelle mit dem Teddy in der Hand und zeigte den Beiden den offenen Rücken. "Mein gott!", stiess Renniger hervor und hielt sich eine Hand vor den Mund. "Das lag auf Jo's Bett!" Er warf Semir den Teddy zu und schaffte es, keinen Schein zu verlieren. Semir seufzte. "Ihre Schwester hatte definitiv Dreck am Stecken", sagte er direkt und Renniger nickte. "Ich bin nicht überrascht, aber dass sie nun auch noch meinen Sohn da mitreinzieht geht definitiv zu weit!" Ihr Gesicht wurde feuerrot und die Tränen die nun liefen entstanden nicht mehr aus Traurigkeit, sondern als blanker Wut. "Anscheinend wollte sie das Geld verstecken. Wir nehmen das als Beweisstück mit!" Renniger stimmte zu und winkte ab. "Ich will dieses Ding nicht mehr sehen!" Sie brach in einen Weinanfall aus und ihr Sohn rannte ins Zimmer. "Mami?", fragte er und Semir legt eine Hand auf ihre Schulter. "Frau Renniger, falls Ihnen noch was einfällt..." Er streckte seine Visitenkarte hin und Jo nahm sie entgegen. Semir stand auf, ging zu Ben und zog ihn mit. Sie verliessen die Wohnung und begaben sich zum Parkplatz. "Die arme Familie", murmelte Ben und schüttelte mit dem Kopf. Er stieg ein und ein feuerheisser Schmerz durchzog seinen Arm. "Scheisse", zischte er und Semir sah ihn besorgt an. "Alles okay?" Ben nickte. "Ja...muss in der PAST nur meine Tabletten nehmen dann geht's wieder. Semir hegte sichtliche Zweifel daran, erwiderte aber nichts und fuhr los.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 6.


    Zurück im Büro tat Ben dies, was er angekündigt hatte. Er drückte zwei Tabletten aus einer Packung und legte sie vor sich hin, um ein Trinkglas mit Wasser füllen zu können. Angewidert sah er die Medikamente an. Semir bemerkte dies und wusste, dass Ben damit haderte, diese wirklich zu schlucken. "Runter damit!", befahl er im scharfen Ton und Ben zuckte. "Schon gut", erwiderte er mit entsetztem Ton und warf sich die Pillen in den Mund und spülte sie mit Wasser herunter. Dabei verzog er das Gesicht. Als er den letzten Schluck getrunken hatte, stellte er das Glas wieder auf den Tisch und streckte die Zunge raus. "Die schmecken wie Oma unter'm Arm!" Semir zog eine Augenbraue hoch. "Seit wann weisst du, wie eine Oma unter'm Arm schmeckt?" Ben zog eine Schnute. "Hahaha, ich lach mich tot!" Beide blickten zur Türe als diese sich öffnete und Susanne hereintrat. "Ich habe die Ergebnisse des Gerichtsmediziners!" Sie übergab sie Semir und sah Ben mit einem vorwurfsvollen Blick an. "Solltest du dich nicht schonen?", fragte sie mit einer bissigen Stimme und Ben wich leicht zurück. "Du klingst wie Semir!", entgegnete er und der Deutschtürke rollte mit den Augen. Susanne erwiderte nichts und ging hinaus. "Wollen alle heute meine Mutter spielen?" Semir schlug die Akte auf und vertiefte sich in diese.


    "Wir machen uns nur Sorgen um dich", murmelte hinter der Akte hervor und Ben stöhnte. "Ich wurde zwar angeschossen, aber ich bin nicht tot!" Semir schlug die Akte auf den Tisch. "Ich wiederhole es gerne nochmal, du hättest es sein können!" Ben stützte sein Gesicht auf der gesunden Hand ab und atmete tief durch. "Ich weiss dass ich es hätte sein können, deshalb muss man es mir nicht unter die Nase reiben!" Semir schnalzte mit der Zunge und las nochmals den Bericht durch. "Gemäss unseres Docs, ist der Mann im Kofferraum an der Schusswunde in der Brust gestorben. Sie durchschlug sofort das Herz. Ein schneller Tod!" Ben lehnte sich nach hinten. "Meinst du Jeanine hat ihn umgebracht?" Semir zuckte mit den Achseln. "Wieso hatte sie aber dann bei dir Bedenken?" Ben verschänkte die Arme. "Keine Ahnung...meinst du, er wurde von jemand anderem umgebracht?" Semir nickte und sah Ben streng an. "Was, wenn sie den Mord beobachtet hat? Und sie ihn dann beseitigen musste."


    Ben schien von diesem Gedanken nicht abgeneigt zu sein. Er hatte ja gesehen, wie verzweifelt die Frau gewesen war. "Das kann gut sein. Sie hatte gezittert, als sie auf mich geschossen hatte...nun ja, an den Rest kann mich leider nicht mehr erinnern!" Er deutete mit seinem Finger auf das Pflaster. Semir nickte. "Danach muss sie gesprungen sein. Aber, wenn ihre Tochter verschwunden ist, wie du glaubst..." "...ich habe eine Suchmeldung bei Susanne aufgegeben!", funkte Ben Semir ins Wort. "Okay, wieso bringt sie sich um wenn ihre Tochter noch in Gefahr ist?" Ben massierte sich die Augenlider. "Ich habe keine Ahnung. Aber wir sollten es herausfinden!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 7.


    Sie sah sich die Rechnung an. 400 Euro. Wie sollte sie diese enormen Arztkosten je bezahlen können? Als alleinerziehende Mutter hatte sie dieses Geld nicht. Sie blickte auf das Bettende, wo ihre kleine Tochter mit ihrem Teddy spielte und ihn immer wieder in die Luft hob. Über das kahle Haupt war ein Tuch gebunden worden, doch konnte man sehen, dass dieses Kind schwer krank war. Ihr stiegen die Tränen in die Augen und sie ging in den Flur ihrer kleinen zwei Zimmerwohnung. Was sollte sie nur tun? Sie hatte einfach kein Geld und ihre Tochter brauchte die Behandlungen? Sollte sie einfach die Flinte ins Korn werfen? Ihre Tochter sterben lassen? Das konnte sie doch nicht tun! Sie war doch keine Killermutter. Sie liebte ihre Tochter, auch wenn sie ungewollt gewesen war.
    Sie setzte sich auf den Hocker im Flur und lehnte sich an die Wand. Die Verzweiflung wuchs in ihr hoch. Jeden Abend dachte sie schon daran, den ganzen Medizinvorrat zu schlucken und so diesem Leben zu entfliehen, doch ihre Tochter hielt sie im Leben fest.


    Sie erschrak, als es klingelte. Sie ging auf die Türe zu und öffnete sie. Ein magerer Mann anfangs vierzig stand vor ihr. Er hob seinen kleinen Hut zur Begrüssung. "Frau Seiler?", fragte er unscheniert und sie nickte. "Ich bin über ihr Problem informiert und möchte Ihnen helfen!" Sie zog eine Augenbraue hoch. "Ich weiss nicht wovon Sie reden." Sie wollte die Türe zuschliessen, doch er ging mit dem Fuss dazwischen. "Sie wissen genau wovon ich rede. Ich rede von Ihrer Tochter die an Leukämie leidet! Sie haben das Geld für die Chemotherapie nicht - ich schon!" Sie öffnete die Tür und liess ihn herein. Sie bat ihn in die Küche und offerierte ihm ein Kaffee. "Ich bin ein Handelfreier Mann Frau Seiler und habe keine Transportmöglichkeiten", begann er seine Erklärung, "deshalb bräuchte ich eine Frau, die manchmal verfügbar ist, sagen wir, wenn ihr Kind im Krankenhaus sich wieder einer Therapie unterzieht." Sie nickte und bat, weiter zu reden. "Dies würde einmal pro Woche passieren. Ich zahle Ihnen pro Transport 200'000 Euro!" Sie verschluckte sich beinahe und sah ihn mit grossen Augen an. "200'000 Euro?", wiederholte sie und er nickte. "Und wenn Sie Ihre Arbeit korrekt erledigen, kann der Preis sogar steigen!"


    Sie wusste genau, dass dies eine Finte sein konnte. Oder ein Zweifelhaftes Angebot. Aber sie brauchte das Geld dringend. "Meinetwegen! Ich werde Ihre Aufträge erledigen! Und sollte ich mich wirklich gut anstellen, bestehe ich auf diese Gehaltserhöhung!" Er nickte heftig und die Mütze rutschte auf dem Kopf hin und her. "Natürlich! Deal?" Er streckte die Hand hin. Sie nickte. "Deal!" Sie schlug ein und er lächelte. Er überreichte ihr einen Chek mit der genannten Summe. "Sehr gut! Ich hoffe sie enttäuschen mich nicht. Meine letzte Arbeiterin war nämlich nicht sehr hilfreich!" Sie zog eine Augenbraue hoch. "Was ist mit ihr passiert?" Er zuckte mit den Achseln. "Sagen wir's so. Sie ist wortwörtlich abgesprungen!" Mit diesen Worten verliess er die Wohnung und liess sie verdutzt zurück. Mit grossen Augen sah sie auf den Betrag. 200'000 Euro. Ihre Tochter war so gut wie gerettet - aber zu welchem Preis?

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 8.


    Ben und Semir sahen auf als es klopfte und Hotte hereinstürmte. "Man hat euer Mädchen gefunden!", keuchte er und die beiden Autobahnpolizisten schossen hoch. "Bitte?", fragte Ben nochmals nach und der rundliche uniformierte Polizist nickte. "Auf der Strasse, es irrte umher und weinte. Sie schrie immer nach ihrer Mutter! Sie wird hierhergebracht!" Ben und Semir sahen sich mit grossen Augen an. "Gut", ergriff Semir das Wort, "empfang du die Kleine, wir kümmern uns dann so sie." Hotte nickte und entfernte sich. Ben setzte sich. "Mitten auf der Strasse?", fragte er entsetzt und Semirs Blick war dunkel. "Sie war nicht mehr von wert...", dachte er laut und in diesem Moment hörten beide Hottes Stimme.


    "Na mein Kleines, komm, ich bringe dich zu zwei ganz lieben Polizisten..." Noch immer war ein Schluchzen zu vernehmen. Die Tür öffnete sich und Hotte stand mit einem kleinen Mädchen an der Türschwelle, sie war ein perfektes Ebenbild ihrer Mutter. Sie sah Ben und Semir mit grossen Augen an. Sie war nicht älter als fünf. Die Augen waren feuerrot und noch immer kullerten grosse Tränen über ihre Wangen. Semir zog den Stuhl zu sich und half dem Mädchen, sich da rauf zu setzten. "Seit ihr wirklich Polizisten?" Ben nickte. "Ja genau, und wir hatten dich gesucht!" Sie schniefte. "Der Mann hatte mich fortgeschickt..."


    "Was für ein Mann?", fragte Semir mit sanfter Stimme und sie zuckte mit den Achseln. "Ich hatte ihn nie gesehen. Er trug so einen Michael Jackson-Hut und Sonnenbrille!" Sie sah sich um. "Wo ist meine Mama?" Die Stimme brach. Sie begann wieder zu weinen. Ben erblickte die Wickie-Tasche, die sie in den Händen hatte und lächelte. Er ging zu seiner Gitarre, nahm sie, schob seinen Schreibtischstuhl zu ihr und setzte sich. Er begann die Akkorde des Titellieds der Wikinger-Trickfilmserie zu spielen und das Mädchen sah auf. Ben lächelte. Für ein Täuschungsmanöver reichte es vollkommen. Das Kind lachte und klatschte mit.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 9.


    Andrea Gerkhan kam in das Grossbüro der PAST und ging direkt auf ihren Mann zu, der sich an Susannes Schreibtisch gelehnt hatte. "Du hast mich angerufen?", fragte sie ihren Mann und dieser begrüsste sie mit einem dicken Kuss. "Erstmal Hallo", sagte er und strich über den leicht gewölbten Bauch seiner Frau. "Ich brauche deine Hilfe als Betreuerin!" Verwundert sah sie Semir an und legte den Kopf schief. Er erzählte ihr von den Ereignissen und sie hörte gespannt zu. "Verstehe", sagte sie dann, "du hast nichts über ihre Mutter gesagt oder?" Semir schüttelte mit dem Kopf. "Sie ist erst fünf." Andrea verschränkte die Arme. "Okay, ich werde mir ein paar Tage freinehmen und wir können sie zu uns nehmen. Läuft aber die Suche nach einer Pflegefamilie?" Semir bestätigte dies. "Ich wollte eigentlich, dass die Schwester der Toten das Mädchen an sich nimmt, doch sie befindet sich einfach in einer zu seelisch schlechten Verfassung!" Andrea sah sich um. "Wo ist die Kleine!" Nun huschte ein Lächeln über Semirs Lippen. "Sieh's dir an. Sonst glaubst du es mir nie!" Er klappte die Jalousine ein wenig auf und Andrea blickte durch den Schlitz. Ben sass an seinem Schreibtisch. Das Mädchen sass auf seinem Schoss und spielte mit ihm ein Kartenspiel mit Spongebobaufdrucken. Das Lächeln des jungen Kommissaren war warm und das Mädchen grinste breit. "Unglaublich!", stiess Andrea aus, "Er ist wirklich ein geeigneter Patenonkel!"


    Sie gingen ins Büro und Ben sah auf. "Na Lisa?", fragte er und das Mädchen sah Andrea mit grossen Augen an. Diese ging in die Knie. Sofort hüpfte das Mädchen von Ben ab dem Schoss und lief auf sie zu. "Bist du die Frau die auf mich aufpassen wird?" Andrea nickte mit einem Lächeln. "Ben hat gesagt, dass du eine liebe Frau bist!" Andrea sah Ben amüsiert an und dieser zuckte mit den Achseln. "Na dann werde ich dich mal mit nach Hause nehmen. Aida freut sich schon auf ihre Spielgefährtin!" Lisa legte den Kopf schief. "Wer ist Aida?" "Meine kleine Tochter", antwortete Andrea, richtete sich wieder auf und nahm sie bei der Hand. Sie gab Semir noch einen Abschiedskuss und diese flüsterte in ihr Ohr: "Du bist die Beste!" Danach war sie verschwunden. Semir schmachtete noch kurz und widmete sich dann wieder Ben, der die Karten zusammensammelte. "Woher hattest du die eigentlich?" Ben grinste. "Ein guter Kumpel von mir ist so Fan von der kindischen Serie. Deshalb wollte ich ihm die eigentlich zum Geburtstag schenken. War gar keine schlechte Idee von mir!" Semir setzte sich und faltete die Hände. "So, die Kleine hätten wir untergebracht. Danke im Übrigen, dass du so schnell gehandelt hast!" Ben lächelte. "Weisst du, manchmal hilft es halt doch, dass ich ein wenig mit der Gitarre herumklampfen kann!"


    Semir tippte mit den Fingern auf den Tisch. "Wir haben einen Wagen voller Drogen und einer Leiche. Eine Frau die sich aus Verzweiflung in den Tod stürzt, und ein junges Mädchen, dass mitten in der Stadt ausgesetzt wird und nach ihrer Mutter weint...Ben, die Pointe?"
    "Wir haben keine Ahnung wieso?"
    "Wir haben keine Ahnung wieso", wiederholte Semir und betete die Arme auf den Tisch. "Fängt schon Mal gut an. Wir wissen gar nichts! Die Aussage des Mädchens brachte uns auch nicht grossartig weiter. Nur dass sie ein Mann abgesetzt hatte. Wer es war, konnte sie nicht erkennen!" Ben lehte sich nach hinten und atmete tief durch. "Du hast recht. Aber was sollen wir machen?" Semir wusste keine Antwort.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 10.





    Die Nacht des Auftrags war gekommen. Ihre Stunde. Ihr Einsatz für die 200‘000 Euro. Sie würde diesem Typen zeigen dass es sich gelohnt hatte, ihr zu vertrauen. Ihre 13-Jährige Tochter hatte sie Zuhause gelassen. Von der Leukämie geschwächt, schlief diese sowieso und eine Nachbarin hatte versprochen, hin und wieder nach ihr zu sehen.
    Also hatte sie freie Bahn. Sie lief auf den vereinbarten Parkplatz wo er bereits war. Angelehnt an einem Ford Mustang GT in schwarzer Farbe. In seinem Mundwinkel eine Zigarette dessen leuchtendes, kirschrotes Ende seinen Standpunkt verriet. Sie lief auf ihn zu. „Pünktlich. Eine Eigenschaft die ich an einer Person sehr schätze“, sagte er mit heiterer Stimme und kam ihr entgegen. „Also, ich bin hier. Was ist der nächste Schritt?“ Der Mann zog die Zigarette aus dem Mund, warf sie auf den Boden und zertrat das Ende. „Der nächste Schritt besteht darin“, begann er nun mit düsterer Stimme, „die Ware zu meinem Empfänger zu bringen. Sie werden nicht nachsehen! Ansonsten werden Sie das bereuen!“ Sie nickte langsam. Er übergab ihr ein Handy. „Mit diesem Telefon können Sie mich die ganze Zeit erreichen. Im Auto befindet sich ein Navigationsgerät. In diesem sind die Daten Ihres Auftrages gespeichert. Sollten Sie Erfolg haben, bekommen Sie nochmals 50‘000 Euro als „Bonus“ sozusagen!“ Nun klopfte ihr Herz wie wild. Nochmals so viel Geld. Damit wäre ihre Tochter definitiv gerettet. „Gut. Sie werden nicht enttäuscht sein!“ Er gab ihr den Schlüssel und das Telefon in die Hand. Sie verabschiedeten sich mit einem Nicken und sie stieg in den Wagen ein.


    Ben sah in die dunkle Nacht hinaus. Noch immer sassen Semir und er im Büro. Letzterer hing am Telefon und versuchte Andrea zu beruhigen. Doch hoffnungslos. Ben ergriff die Initiative, packte Semirs Hörer und drückte ihn sich ans Ohr. „Andrea? Ja ich bin’s“, begann er und hob die Hand als Semir, leicht entrüstet, aufstehen wollte, „keine Sorge Semir ist gleich bei dir! Wir machen für heute Schluss!“ Mit diesen Worten hängte er auf, ging zur Garderobe und warf Semir seine Jacke zu. „Aber“, wollte dieser erwidern und Ben winkte ab. „Ich weiss wir hätten noch genug zu tun! Ich bleibe noch hier! Andrea ist schwanger Semir. Auch wenn sie findet dass wir uns zu viele Sorgen machen, braucht sie einen starken Mann an ihrer Seite. Na ja, sie hat zwar dich an der Backe, aber du solltest nach Hause!“ Semir ignorierte den Kommentar und seufzte. „Und was ist mit dir? Du solltest dich doch auch mal ausruhen!“ Er deutete auf Bens verbundene und zugeklebten Wunden und er lächelte. „Keine Sorge“, er blickte auf die Wanduhr, Zehn Uhr abends, „spätestens in einer Stunde bin ich auch Zuhause! Also, verpiss dich!“ Semir nickte dankend und ging aus dem Büro. Ben setzte sich wieder an seinen Schreibtisch und massierte sich das müde Gesicht. Sein Arm schmerzte und in seinem Kopf pochte es unerträglich. Doch er kannte Semir. Er wäre nicht nach Hause gegangen wenn er gesehen hätte, wie schlecht es ihm ging. Doch Ben hatte selbst am eigenen Leibe erfahren wie schwer es ist, wenn der eigene Vater nicht Zuhause war. Also wollte er nicht, dass Aida und ihr zukünftiges Geschwisterchen dies auch durchmachen mussten.


    Sie folgte dem Navigationssystem und fand sich an einer alten Scheune am Stadtrand wieder. Dort stand bereits ein junger Mann, keine zwanzig Jahre alt. Sein Gesicht war aschfahl, die Wangenknochen standen weit hervor und die Augenringe reichten beinahe bis zu der Brust. Er zitterte und sah sie erwartungsvoll an. Sie öffnete den Kofferraum. Ging nicht hinaus. Dies war ihr einfach zu gefährlich. Der Typ war ihr suspekt. Durch den Rückspiegel sah sie, wie er die Kofferaumklappe hochklappte und etwas hinauszog. Ein Päckchen mit weissem Inhalt. Als ihre Blicke sich kreuzten, sah sie sofort wieder geradeaus. Drogen! Sie hatte Drogen an einen Junkie geliefert! Natürlich wusste sie, dass dieser Auftrag nicht ganz reine war, aber gleich eine Drogenhändlerin zu spielen? Sofort fiel ihr wieder ihre Tochter ein. Ihre, überalles geliebte, Tochter. Ihre arme, kranke Maus. Da war es doch egal, wenn sie was illegales tat. Hauptsache, ihre Tochter wäre gerettet. Der Mann entfernte sich wieder in die Scheune und sie fuhr los. Als sie auf die Autobahn kam, klingelte das Telefon sie nahm ab. „Ja?“ „Sehr gute Arbeit! Ich denke, ich kann Sie wirklich gebrauchen!“ Ihr Herz verkrampfte sich. „Man tut was man kann“, antwortete sie mit tiefer Stimme und hatte Mühe, richtig zu atmen. „Kommen Sie zu Ihrem Wohnblock, dort erfolgen weitere Anweisungen!“


    Sie tat wie ihr befohlen und parkte den Wagen vor ihrem Zuhause. Er stand auf einem Motorrad, erneut eine Zigarette im Mundwinkel. Er gab ihr das Zeichen, das Beifahrerfenster hinunterzulassen. Als sie dies getan hatte, parkte er sein Motorrad und ging auf den Wagen zu. Keck, lehnte er sich mit einem Arm an der Türe. „Super Job! Wissen Sie…ich bin Arzt. Ich heile Leute!“ Mit Drogen, dachte sie und versuchte, den ekelerregenden Schauer wegzubekommen. „Und ich will Ihnen was sagen. Ihre Tochter, hat keine Leukämie. Ich weiss nicht, bei welchen Kurpfuschern Sie waren aber. Sie sollten dies alleine herausfinden! Die hatten Sie nämlich angelogen!“ Er gab ihr ein Papier in die Hand. Auf diesem waren Werte ihrer Tochter zu finden. Als sie aufsah war er verschwunden.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 11.


    Semir parkte seinen Wagen und stieg aus. Mit der rechten Hand umklammerte er die Henkeln einer Plastiktüte, die voll mit Brötchen, Fleisch und Käse war. Zudem jonglierte er in der anderen Hand ein Karton mit zwei Kaffeebecher darin. Er wusste es genau. Ben war sicherlich nicht Zuhause. Schliesslich hatte er geklingelt und hatte ihn abholen wollen. Aber er war nicht da. Also besorgte er diese Dinge, um ihn wieder wachzukriegen. Obwohl er im ersten Moment wütend war, wurde ihm im Nachhinein klar, dass er es für ihn getan hatte. Trotz Schmerzen hatte er ihn nach Hause zu seiner Frau geschickt, damit er sich um sie, Aida und die kleine Lisa kümmern konnte. Es war acht Uhr morgens. Im Büro befanden sich zunächst bloss Hotte und Dieter. Susanne hatte sich an diesem Tage freigenommen gehabt, weil ihre Schwester heiratete und Kim Krüger befand sich an einer Sitzung mit dem Polizeipräsidenten. Wahrscheinlich wurden mal wieder die hohen Kosten der Autobahnpolizei diskutiert. Die beiden Polizisten der älteren Generation begrüssten ihren Kollegen freundlich und deuteten an, dass Ben im Büro schlafen würde. Wie Semir vermutet hatte. Hotte zeigte auch, dass er den „Jungen“, wie er Ben immer nannte, mit der Jacke zugedeckt hatte. Semir hob den Daumen und ging ins Büro. Tatsächlich lag Ben mit dem Oberkörper auf dem Schreibtisch. Die Arme hinter einem Aktenstapel verschränkt und den Kopf darauf gebettet. Neben dem Aktenstapel stand eine geöffnete Dose mit Red Bull. Semir stellte die Sachen auf seinem Schreibtisch und hing seine Jacke an den Garderobenständer. Aus einer Jackentasche, holte er einen falschen, weissen Bart. Mit einem Grinsen zog er sich diesen an, setzte sich an seinen Schreibtisch und haute mit der Faust darauf. Ben schreckte auf und sah sich um.


    „Die heutige Jugend“, begann Semir mit krächzender und alter Stimme, „lassen einen warten bis man alt und grau ist!“ Ben zog eine Augenbraue hoch, lachte aber und beugte sich über den Schreibtisch. Mit einem Ruck zog er Semir den falschen Bart ab. „Der ist so alt wie du Opa Semir“, sagte er mit einem Gähnen und legte den Bart beiseite. „Ich hatte gedacht du wolltest nach Hause.“ Ben sah auf die Uhr. „Muss wohl eingeschlafen sein“, murmelte er und versuchte sich zu strecken, wobei er seinen verletzten Arm kaum heben konnte, ohne das Gesicht zu verziehen. Semir zog einen Becher aus der Halterung und übergab ihn Ben. „Wie du ihn magst!“ Dankend nahm der Jüngere den Muntermacher entgegen und trank sofort einen Schluck davon. „Konntest du was erreichen?“ Ben wedelte mit einem gefaxten Durchsuchungsbefehl. „Wir dürfen in die Wohnung unserer Springerin. Hatte mir der Richter gestern noch geschickt.“ Semir klatschte in die Hände. „Sehr gut!“ Ben gähnte nochmals. „Ausserdem habe ich Hartmut eine Mail geschrieben. Er sollte eigentlich schon dort sein und auf uns warten.“ Semir holte eines der Brötchen hervor und warf es Ben, der es mit Müh und Not mit der linken Hand fangen konnte. „Erst Mal wird gegessen!“, mahnte er und so teilten sie sich ein genüssliches Frühstück.


    Sie sass auf der Couch und begutachtete das Ergebnis. Woher hatte dieser Mann das her? Es zeigte tatsächlich, dass ihre Tochter keine Leukämie hatte, sondern an einem unbekannten Virus litt. In ihrem Kopf überschlugen sich die Ereignisse. Konnte sie nun wirklich noch einem Arzt trauen? Immerhin hatte ihr dieser Mann 250‘000 Euro gegeben und hielt seine Versprechen. Er war nun ihr Arbeitgeber und zu diesen sollte man ein grosses Vertrauen haben. An diesem Tage, hätte sie ein Termin beim Arzt gehabt. Doch, ihre Naivität, die sie schon zur armen Frau gemacht hatte, schlug wieder zu und sie hatte den Termin abgesagt. In diesem Moment, als sie das Telefon wieder auf die Station gelegt hatte, kam ihre Tochter aus dem Zimmer und stand auf der Türschwelle. „Mama? Wieso hast du den Termin abgesagt?“, fragte sie verwundert und sie drehte sich um. „Mein Schatz, ein guter Freund ist Arzt und hat mir erklärt, dass du nicht diese Krankheit hast!“ Ihre Tochter zog skeptisch eine Augenbraue hoch. „Die Ärzte waren sich doch aber sicher das…“„…diesen Kurpfuschern können wir nicht mehr vertrauen!“, sagte sie mit leicht bissiger Stimme und strich ihrer Tochter über den Oberarm. „Wir müssen nun selbst herausfinden was du hast! Ich werde alles tun, damit du wieder gesund wirst!“ Noch immer konnte die Tochter nicht glauben, was ihre Mutter da sagte. „Und was gedenkst du zu tun?“, fragte sie neugierig und doch mit Angst in der Stimme. „Ich werde uns Medikamente besorgen. Irgendwas davon wird dich heilen! Versprochen!“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 12.


    Hartmut stand im Wohnzimmer eines Appartements und lächelte, als er Semir und Ben erblickt hatte. „Da seid ihr ja, ich habe schon auf euch gewartet!“ Er hatte einen Stapel Papiere in der Hand und bat Semir und Ben, sich auf die Couch zu setzten. Er überreichte Semir den Stapel und dieser sah ihn sich an. „Bankauszüge?“, fragte er verwundert und zog eine Augenbraue hoch. „Sieh‘ dir doch mal die Auszüge der letzten zwei Monate an!“ Er tat, wie es ihm Hartmut befohlen hatte. Und ihm blieb beinahe die Spucke weg. „Ben, sieh‘ dir das an!“ Auch dem Jüngeren fehlten die Worte. Eine beachtliche Summe von 1‘500‘000 Euro hatte das Opfer sich in den letzten Tagen zusammengekratzt. „Spendest du heimlich armen Müttern dein Geld?“ Ben zog auf diesen lauen Witz eine Augenbraue hoch. „Das würde erklären, wieso sie Drogen lieferte. Da sie Geldprobleme hatte, war dieses Angebot sehr lukrativ!“ Ben nickte zustimmend. „Hast du sonst noch was gefunden Hartmut?“ Der Rothaarige zog aus einer Kiste eine Aservatentüte. „Ein kleines Päckchen mit Drogen. Ich werde davon Fingerabdrücke nehmen und sollte ich was haben, seit ihr die Ersten, die davon erfahren!“ Semir nickte dankend und stand auf. In diesem Moment klingelte sein Handy. Er blickte auf den Display und nahm ab. „Andrea? Was ist denn los?“



    „Lisa weint ununterbrochen. Sie vermisst ein Plüschtier. Eine kleine, weisse Robbe. So wie sie erklärt hat, ist es von der Firma „Steiff“. Es sollte ein Knopf im Schwanz haben!“


    „Ich werde es für dich suchen. Soll ich…“


    „…nein ich werde es selbst holen. Wollte sowieso noch mit den Kindern ein bisschen in den Park. Danke Schatz!“ Mit diesen Worten hängte sie auf und Semir ging ins Kinderzimmer. Ben blieb bei Hartmut um das weitere Vorgehen zu besprechen. Auf dem Kinderbett lag die kleine Robbe. Tatsächlich hatte sie ein Knopf und die berühmte Etikette der Firma am Schwanz geheftet und er nahm sie mit sich. Ben kam ihm entgegen. „Ist das für…“ Semir nickte und gemeinsam gingen sie hinaus. „Können wir naher noch zur Apotheke?“, fragte Ben und Semir stimmte zu.



    Sie packte eine Tasche zusammen und ging zu ihrer Tochter, die es ihr gleich tat. Wenn doch mit weit langsameren Bewegungen. Sie hatte ihr vorgegaukelt, wegen des Jobs in einem Motel schlafen zu müssen. Dabei wollte der Auftraggeber, der sie vor kurzem angerufen hatte, nur sie dorthin quartieren, damit die Polizei ihr nicht auf die Spur kam. Sie gingen gemeinsam zum Wagen und das Mädchen stieg auf der Beifahrerseite ein. „Wir fahren noch schnell zur Apotheke okay?“ Dem Mädchen fiel auf, wie ihre Mutter leicht zitterte und sie sich nicht wagte, sich nach hinten zu lehnen. „Hast du Schmerzen im Rücken?“, fragte sie besorgt und die Mutter nickte. „Ein bisschen“, log sie. Denn in Wirklichkeit befand sich dort eine Pistole, die sie im Briefkasten gefunden hatte. „Also, lass‘ uns fahren.“ Sie startete den Motor und fuhr los. Die Apotheke befand sich in der Vorstadt. Sie bat ihre Tochter, im Wagen zu warten und ging hinein. In diesem Moment, parkte an der anderen Strassenseite, ein silberner BMW.



    „Ich brauche nicht lange“, sagte Ben und stieg aus. Er ging in die Apotheke und ging direkt zum Tresen. Dort gab er sein Rezept ab und die Apothekerin bat ihm um Geduld, da sie die Medizin erst suchen sollte. Ben nickte und sah sich, während er wartete, um. Er erblickte eine Frau in seinem Alter. Sie schlich sich in die Kammer der Apotheke. In diesem Teil, wo sich die rezeptpflichtigen Medikamente befanden. Als sie sich leicht beugte, um die Tür aufzuziehen, erblickte er den Lauf einer Waffe. Nun konnte er nicht mehr anders. Er folgte ihr. Unauffällig. Hinter einem Regal beobachtete er sie, wie sie Medikamente in einen Rucksack stopfte und sich immer wieder umsah. Es waren wirklich hochgefährliche Medikamente dabei, die wirklich nur auf Rezept ausgestellt wurden. Ben dachte zunächst auf die nette Tour zu kommen. Also kroch er aus seinem Versteck und zog seinen Ausweis hervor. Doch die Frau war verschwunden. Er ahnte nicht, dass sie sich von hinten angeschlichen hatte und ihm die Waffe in den Rücken bohrte, er schreckte auf. „Keinen Mucks!“, drohte sie und schob Ben nach vorne. Dieser lief langsam weiter und sie führte ihm durch einen kleinen Geheimgang zum Wagen. Dort befahl sie ihm, sich neben seiner Tochter zu setzten und verlangte seine Waffe. Ihre Tochter riss die Augen auf. „Mama was?“ Diese hob einen Zeigefinger vor dem Mund und sie schwieg. Die Waffe in den Händen ihrer Mutter waren furchterregend.


    „Was sie da tun ist ein Fehler!“, sagte Ben und sah, dass das Mädchen krank war. Ein Tuch war um den kahlen Schädel gebunden worden und auch die Augenbrauen fehlten. Die Haut war schneeweiss und die Augen hatten eine rötliche Farbe. „Halten Sie die Klappe!“, drohte sie und sah sich um. Niemand zu sehen. „Wir können Ihnen helfen!“, sagte er noch immer ruhig und sah, wie ihre Hand zitterte. „Ich brauche Ihre Hilfe nicht!“, erwiderte sie gehässig. „Geben Sie mir…“ In diesem Moment schlug sie mit der Waffe auf seine Wunde und Ben verlor sofort das Bewusstsein. Das Mädchen wollte schreien, doch die Mutter hielt selbst ihr die Waffen entgegen. Und sie liess es bleiben. Die Mutter stieg ein und fuhr los. Ihre Tochter begriff gar nichts mehr. Was war mit ihrer Mutter geschehen?

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

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  • 13.



    Semir sah auf die Uhr. Schon über eine halbe Stunde war Ben nun in dieser Apotheke. Er stieg aus und betrat das Geschäft. Am Tresen stand die Apothekerin und schien leicht entrüstet zu sein. „Haben Sie meinen Partner gesehen?“ Sie sah ihn an. „Meinen Sie diesen unverschämten Jungen mit dem zerzausten Haar und dem Dreitagebart?“ Semir nickte. „Der ist einfach abgehauen. Ich stehe mir die Beine in den Bauch um sein Medikament zu finden und er geht einfach!“ Semirs Augen weiteten sich. „Er ist weg?“, fragte er nochmals und sie nickte. Er stürmte aus dem Laden und sah sich um. Schrie nach seinem Kollegen. Doch nichts. Eine alte Dame kam auf ihn zu. „Suchen Sie jemanden junger Mann?“ Er nickte und beschrieb Ben. Die Dame nickte. „Er ist mit einer Frau in einen schwarzen Wagen eingestiegen und sie sind davongefahren. Wo und was für ein Kennzeichen, weiss ich leider nicht mehr!“ Semir bedankte sich hastig und rannte zu seinem Wagen. Er zog sein Handy hervor. „Hotte? Hier ist Semir! Versuche sofort Bens Handy zu orten, es eilt!“ Der Polizist tat wie ihm befohlen. „Ich kann nichts finden, was ist denn?“ Semir hängte auf. Sein Herz raste und schlug heftig gegen den Brustkorb. „Ben, wo bist du?“ Er stieg in den Wagen und fuhr sofort in die PAST. Dort kamen ihm Hotte und Dieter entgegen. „Was ist denn passiert?“ „Ben ist verschwunden!“, antwortete Semir keuchend. „Bist du dir sicher?“ Semir nickte. „Irgendwas muss in der Apotheke passiert sein! Wir müssen sofort eine Beschreibung von ihm herausgeben! Irgendwer ausser der alten Dame, muss ihn gesehen haben!“



    Das Mädchen sass in dem Motelzimmer, dass ihre Mutter hermetisch abgeriegelt hatte. Aus dem Rucksack zog sie die Medikamente hervor. „Mama was hast du vor?“, fragte sie ängstlich. „Ich mache dich wieder gesund Schatz!“, antwortete sie knapp und stellte die Dosen und Spritzen in einer Reihe auf. „Mama, die Ärzte haben gesagt ich habe Leukämie! Da brauche ich keine Medikamente, sondern eine Knochenma…“„…das sind alles Kurpfuscher!“, sagte sie und legte den leeren Rucksack auf den Boden. Ben lag auf dem Bett und kam langsam wieder zu sich. Er richtete sich auf und das Mädchen sah ihn an. Er sah sich um. „Lady Sie machen einen grossen Fehler…“ Auf dem Nachttisch sah er sein Handy, zertrümmert. Eine Ortung war somit nicht mehr möglich. Hatte Semir sein Fehlen schon bemerkt?„Das entscheide immer noch ich.“ Ben und das Mädchen sahen, dass die Mutter eine Spritze aufzog. „Nun komm‘ wir testen dieses Medikament aus.“ Das Mädchen schüttelte energisch mit dem Kopf, als es die Spritze sah. „Nein, niemals! Mama ich habe Krebs!“ Doch die Mutter ignorierte den Kommentar. Ben erblickte die Etikette. Er erkannte das Mittel. Da seine Mutter Ärztin gewesen war, kannte er einige Medikamente sofort. Und dieses, war gefährlich. „Schatz, du hast kein Krebs! Glaube mir. Nun mach deinen Arm frei!“ Wieder schüttelte sie mit dem Kopf. „MACH DEINEN ARM FREI!“, schrie sie und rannte auf sie zu. Sie holte mit der Spritze aus und stach zu.



    Kim Krüger kam ins Büro. Der Anruf hatte sie mitten in der Sitzung erreicht gehabt. Sie stürmte hinaus, doch nicht, ohne sich bevor beim Präsidenten zu entschuldigen. Sie sah einen besorgten Semir. „Und?“, fragte sie und Semir zuckte verzweifelt mit den Achseln. „Ich hätte ihn nicht alleine in die Apotheke gehen lassen sollen. Er ist doch verletzt!“ Die Chefin legte eine Hand auf seine Schulter und drückte zu. „Darüber können wir später diskutieren. Nun zählt es, Ben zu finden!“ Semir nickte. In diesem Moment kam Andrea ins Büro. Sie sah den besorgten Gesichtsausdruck ihres Mannes. Aida und Lisa liefen auf je einer Seite neben ihr und Lisa ging zu Hotte, der das Plüschtier auf seinem Schreibtisch hatte. „Semir was ist los?“ fragte Andrea. „Ben ist verschwunden!“, antwortete er ehrlich und erzählte, was geschehen war. „Und seitdem ist er spurlos verschwunden?“ Er nickte. „Und Susanne ist nicht da…wir kommen nicht hinterher!“ Andre krempelte ihre Ärmel hoch. „Aida Schatz?“ Das Mädchen sah ihre Mutter an. „Gehst du mit Lisa in Papas Büro?“ Sie reichte ihr ein Spiel, das sie eben gekauft hatte. Aida nickte und zog Lisa mit sich in Semirs Büro. „Andrea was…?“, fragte Semir verwundert, als seine Frau sich an den Schreibtisch setzte. Sie schaltete den Computer an und sah Kim Krüger ins Gesicht. Diese nickte. „Ich werde euch helfen! Ich will auch, dass Ben der Patenonkel unseres zweiten Kindes wird! Also, zurück zu den Anfängen!“



    Das Mädchen schrie, doch nicht aus Schmerz, sondern aus Angst. Die Nadel hatte sich in Bens Unterarm gebohrt und die Frau hatte das ganze Mittel in seine Adern gespritzt. Ben sank auf die Knie und begann bitterlich zu zittern. Die Frau wich zurück. „Das Mittel“, begann Ben wimmernd, „was Sie Ihrer Tochter geben wollten, regt die Muskeln an und ist für schwache Menschen gedacht. Menschen mit gesunden Muskeln, erleben einen furchtbaren…“, er schrie auf und krümmte sich, „Schmerz…da die Muskeln angeregt werden…die gesund sind.“ Die Frau schmiss das Mittel in den Abfalleimer. „Wenn Sie so schlau sind, können Sie doch das Versuchskaninchen spielen. Dann weiss ich, was meine Tochter heilen wird.“ Sie packte die Medikamente wieder in den Rucksack. Sie ging auf ihre Tochter zu und wollte ihr einen Kuss geben, doch diese wich zurück. Mit Tränen in den Augen schüttelte sie mit dem Kopf. „Ich habe einen Auftrag. Bin bald wieder zurück mein Schatz.“ Das Mädchen wollte fliehen um Hilfe zu holen, doch die Mutter schloss wieder alles zu. Sie war mit Ben in einem Gefängnis. Ein Gefängnis, dass ihre Mutter eigens für sie eingerichtet hatte. Um sie wie eine Versuchsratte zu behandeln.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 14.



    Ben zitterte. Jeder einzelne Muskel brannte und schmerzte ungemein. Immer wieder wimmerte und biss sich auf die Unterlippe. Besonders seine Wunden quälten ihn. Das Mädchen sah sich um. Wie konnte sie dem armen Mann helfen? Wärme! Das hatten sie doch in der Schule! Wärme beruhigt Muskeln. Sie zog die Decke vom Bett und wickelte sie um Ben. Sie hatte Angst. Angst vor ihrer Mutter, Angst, dass der Mann wegen ihr litt. Sie kniete zu ihm hinunter. „Bitte halten Sie durch!“ Sie merkte, wie er noch immer Schmerzen hatte und umarmte ihn, um zusätzliche Wärme zu geben. Ben versuchte, dass Zittern zu unterdrücken, doch die Muskeln arbeiteten auf Hochtouren. Sie drückte, mit der kleinen Kraft die sie noch hatte, ihn an sich. Für eine 13-Jährige war sie klein. Keine 1.50. „Kyle“, wurde sie deswegen scherzhaft immer auf der Schule von den Jungs genannt. Weil sie so klein und auch hübsch wie die australische Sängerin war. Bevor sie krank wurde.„Sie müssen sich hinlegen! Schaffen Sie das?“ Ben nickte. „Ich werde dich garantiert nicht noch mit meinem Gewicht belasten“, antwortete er mit zerknirschter Stimme und versuchte aufzustehen. Doch immer wieder sackte er wieder in die Knie und sie half ihm. Sie half ihm, mit ihren letzten Kräften, ihn aufs Bett zu legen und deckte ihn wieder richtig zu. „Wie ist dein Name?“, fragte Ben leise und sie seufzte. „Viktoria. Ich heisse Viktoria…bitte entschuldigen Sie. Meine Mutter ist nicht so“, Tränen sammelten sich in ihren Augen, „ich weiss nicht, was los ist. Seit heute Morgen ist sie so durch geknallt! Bitte verzeihen Sie ihr Herr…“„…Ben…einfach nur Ben…“, erwiderte er und wurde von einer nächsten Schmerzwelle überrollt.



    Andrea erblickte das Telefon, als sie nickte und nahm ab. „Hartmut? Fragen kannst du später!“ Sie hörte aufmerksam zu und spürte die Blicke aller in ihrem Nacken. „Verstehe“, ihre Stimme klang enttäuscht. „Ja ich sage es. Danke.“ Sie hängte auf. „Und?“, fragte Semir ungeduldig. „Die Fingerabdrücke stammen alle von der Toten. Leider.“ Semir stöhnte und strich sich mit den Händen übers kurze Haar. Krüger kam aus ihrem Büro. „Ich habe eine Suchmeldung aufgeben lassen. Das LKA sucht nun mit. Hoffentlich sind sie uns dieses Mal eine Hilfe!“ Semir sah sie skeptisch an. „Es ist eine Lösung Herr Gerkhan. Und im Moment haben wir nichts besseres!“ Er nickte leicht. Immer wieder machte er sich Vorwürfe. Schwere Vorwürfe. Hätte er es bloss nicht getan. Hätte er Ben doch nicht einfach alleine gehen lassen. Wieso hatte er einen solchen Fehler begannen? Nervös lief er auf und ab. „Du wirst noch seekrank!“, mahnte Andrea und sah auf, als eine Beamtin der KTU auf sie zukam. „Hier noch einige Sachen aus der Wohnung“, sagte sie ohne Umschweife, „Hartmut sagte mir, sie könnten es brauchen!“ Andrea nickte dankend und nahm sie entgegen. Sie stellte die Dinge auf den Schreibtisch. Und verabschiedete sich von der Beamtin. Semir öffnete die Schachtel und suchte die Dinge hervor. Geldbörse, leere Notizblöcke, Schmuck. Andrea nahm sich der Blöcke an und fuhr mit dem Finger über sie. „Semir!“ Er sah sie an. Seine Frau zog ein Bleistift hervor und fuhr darüber. Leserlich, kam eine Nummer zum Vorschein. „Sieh‘ mal einer an!“, sagte sie.



    Langsam beruhigte es sich. Ben konnte sich wieder aufrichten und atmete tief durch. Viktoria setzte sich neben ihm und hatte ein Glas Wasser in der Hand. „Danke“, flüsterte Ben und gönnte sich einen Schluck. „Ich weiss wirklich nicht was mit ihr los ist. Das ist einfach nicht meiner Mutter! Es ist sie einfach nicht!“ Sie schlug die Hände an den kahlen Kopf und begann bitterlich zu weinen. Ben nahm sie in den Arm. „Mein bester Freund ist wie ich, Polizist, er wird uns helfen können!“ Sie sah ihn an. „Sie sind Bulle?“ Er nickte. „Polizist um genau zu sein. Bullen sind faule Säcke. Wir sind die, die arbeiten.“ Sie seufzte. „Sie werden meine Mutter verhaften nicht wahr?“ Ben wusste nicht was antworten. Doch sie konnte genau in seinem Gesicht ablesen, dass es stimmte. „Sollte sie wirklich so weitermachen…dann muss es sein!“ Er sah sie erstaunt an. „Was sie da tut ist versuchter Mord Herr Jäger! Ich bin 13! Der Vater meiner beste Freundin ist Richter! Ich kenne mich aus!“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 15.



    „Das könnte aber auch eine gewöhnliche Nummer sein. Von einer Verwandten…“ Andrea zwickte ihren Mann kurz. „Nun sei mal nicht so pessimistisch!“ Sie gab die Nummer ein und der Suchmodus wurde gestartet. „Na also. Die Nummer wurde auf eine gefälschte Identität hergestellt. Das Foto könnte zwar nicht das Richtige sein, aber wer schon mit einem gefälschten Ausweis ein Handy kauft, kann doch nicht ganz koscher sein!“ Semir nickte zustimmend und nahm sein Handy hervor. „Hartmut? Ich brauche deine Hilfe. Komm‘ sofort her. Wir versuchen, einen Anruf zu verfolgen. Ich selbst werde am Telefon sein!“ Hartmut versprach, sich zu beeilen. Obwohl er nicht wusste, warum und wieso er dies tun sollte. „Du willst selbst anrufen?“, fragte Andrea ein wenig besorgt und Semir nickte. „Ich muss, wenn es dem Zweck dient, Ben zu helfen, müssen wir dies tun!“ Sie atmete tief durch und nickte. „Meinetwegen“, sagte sie dann und sah zum Büro, woher ein lautes Glucksen der Kinder kam. Jedoch mit einem lauten Lacher einer Frau. „Das kann doch nicht…“ Semir klappte die Jalousien ein wenig auf. Er erblickte Kim Krüger, wie sie Aida auf dem Schoss hielt und mit ihr „Hoppe-Reiter“ spielte. Lisa hatte ihr Plüschtier in der Hand und quiekte vergnügt mit. Der sonst so seriösen Chefin störte das nicht, dass Aida an ihrem Haar zupfte und dass Lisa immer wieder über das Ziehen am Anzug auch auf ihren Schoss wollte. „Unglaublich“, stiess Semir hervor und widmete sich wieder Andrea. „Was ist?“ Semir winkte ab. „Nichts, hoffen wir, dass Hartmut bald kommt, ich habe wirklich ein ungutes Gefühl…“


    Ben und Viktoria schraken auf, als die Türe aufging und Viktorias Mutter wieder hereintrat. Sie schloss alles erneut hermetisch ab und legte den Rucksack auf den kleinen Kleiderschrank. „Mama“, versuchte Viktoria nochmals, an ihre Mutter zu appellieren, „bitte hör auf damit!“ Doch ihre Mama, ignorierte sie komplett. „Bitte“, begann nun auch Ben und stand auf, er schwankte noch leicht auf den Beinen, „so helfen Sie Ihrer Tochter nicht!“ Im selben Moment hatte er die Mündung der Waffe im Gesicht. „Was gut für meine Tochter ist, entscheide ich noch immer selbst!“ Viktoria kämpfte bereits wieder mit den Tränen, doch sie hatte ihre körperliche Kraft bereits verbraucht. Sie lag einfach auf ihrem Bett und krallte sich an ein Kissen, in das sie ihr Gesicht drückte um ihre Schreie aufzufangen. „Eben nicht“, erwiderte Ben leise und wies auf das Mädchen, „oder meinen Sie, Sie tun Viktoria mit dem allen einen gefallen! Ich bin Polizist, ich werde dafür sorgen, dass Viktoria in ein gutes Programm kommt, wo man was gegen ihre Leukämieerkrankung tun kann!“ Sie holte aus und schlug mit der Mündung Ben an die Wange und da die Muskeln noch geschwächt waren, ging er gezwungen in die Knie. „Sie halten die Klappe! Ich weiss genau was ich tu! Und nun, können Sie entscheiden, entweder, Sie nehmen das nächste Mittel zu sich, oder ich verabreiche es meiner Tochter!“ „Tu’s nicht!“, schrie Viktoria und Ben sah, wie Viktorias Mutter wieder eine Spritze aufzog. „Ich werde sowieso sterben Ben! Ich werde es ausprobieren!“ Ben stand auf und näherte sich ihr. „Was ist es für ein Mittel?“ „Nein!“, kreischte Viktoria, schaffte es aber nicht aufzustehen. „Naproxen!“, las die Mama vom Etikett ab und Bens Augen weiteten sich. „Das ist nicht Ihr ernst!“ Sie sah ihn ein wenig perplex an. „Dieses Mittel ist zwar gut um das Fieber zu senken, aber es ist gleichzeitig ein Antibiotika! Wenn Sie das Ihrer Tochter gegeben hätten…“ Ben sah, wie die Frau auf ihrer Tochter zuging. Sie wollte sich nichts anhören. Ben ging auf sie zu und riss ihr die Spritze aus der Hand, drückte seinen Hosenbund leicht nach unten und spritzte sich das Mittel in die Hüfte. Mit einem Ruck zog er die Nadel wieder aus seinem Körper. Jedoch blieb er stehen. „Sieht doch gut aus!“, sagte sie mit einer Lockerheit in der Stimme, die ihrer Tochter Angst machte. „Sie haben keine Ahnung“, zischte Ben und atmete tief durch. „Naproxen lindert Fieber und Schmerzen…aber hat eine grosse Nebenwirkung.“ Sie wollte ihrer Tochter über den Kopf streichen, doch diese wich zurück. „Welche?“, fragte sie dann uninteressiert. „In ein paar Stunden, werden meine Nieren versagen!“


    Hartmut näherte sich mit seinem Team und stellte alles so auf, dass Andres Telefon verzapft wurde. „Ben wurde wirklich entführt?“, fragte der Rotschopf entsetzt. „Nein, du bist hier bei „Verstehen Sie Spass?““, erwiderte Semir leicht giftig und erntete von seiner Frau dafür einen Puffer in die Seite. „Okay, wir haben alles verlegt. Wenn ich dir ein Zeichen gebe, wählst du die Nummer und ich versuche…“ Hartmut spürte Semirs Blick. „…werde ich die Nummer zurückverfolgen.“ Er setzte sich an Hottes Schreibtisch und klappte den Laptop auf. „Okay, ich bin drin. Das Programm ist gestartet!“ Er nickte Semir zu und dieser hob den Hörer. Er wählte die Nummer und wartete ab. „Hallo?“, meldete sich eine seltsame Stimme. „Mit wem spreche ich hier?“, fragte Semir und es kam keine Antwort. Lange hing er einfach in der Leitung und Hartmut nickte. „Ich hab‘ ihn!“ „Sind Sie von den Bullen?“ In diesem Moment hängte Semir auf. „Wo finde ich ihn?“ Hartmut schrieb Semir die Adresse auf den Zettel und übergab ihn dem Deutschtürken. „Hotte, Dieter, ihr kommt mit!“ Die beiden uniformierten Polizisten nickten und rannten ihm hinterher.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
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    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 16.




    „Guter Scherz“, sagte sie und steckte das Mittel zurück in die Tasche. Ben schnaubte. „Glauben Sie mir“, begann er, „wenn ich im Moment zu etwas nicht aufgelegt bin, dann ist das zu scherzen!“ Ben glaubte, eine leichte Erstauntheit aus ihren Augen hervor nehmen zu können. „Wieso nehmen Sie es dann?“ Ben sah zu Viktoria. „Ich weiss ja nicht wie es Ihnen geht, aber ich werde bestimmt nicht das Leben eines jungen Mädchens gefährden.“ Sie lachte laut auf. „Mein Guter, ihr Leben ist schon gefährdet, weil die Ärzte gepfuscht haben und ich werde meine Tochter heilen!“ Ben glaubte immer noch nicht, was er da hörte. „Sind Sie wirklich von allen guten Geistern verlassen? Ihre Tochter hat Leukämie - Blutkrebs! Was sie braucht ist eine…“
    „…SIE HAT KEINE LEUKÄMIE!“, schrie sie ihn an und hielt wie ein Kind die Ohren zu. Mit Tränen in den Augen rannte sie hinaus und schloss wieder die Riegel. Viktoria kam hinter dem Kissen hervor. „Sie ist wahnsinnig“, schluchzte sie, „einfach nur wahnsinnig!“ Ben ging langsam auf sie zu, setzte sich neben sie und nahm sie in den Arm. „Und sie sind es genauso! Warum haben Sie das nur getan?“ Über Bens Lippen, huschte ein Lächeln. „Weil ich weiss, dass mein Freund uns rechtzeitig finden wird. Er hat es schon mehrmals geschafft, mich vor dem Tod zu bewahren, er wird es auch dieses Mal schaffen!“ Viktoria schmiegte sich an den stattlichen Oberkörper dieses Mannes und liess ihren Tränen freien Lauf.


    Semir, Hotte und Dieter standen, mit den Waffen im Anschlag, vor der Wohnung. Semir legte seinen Kopf an die Türe und hörte, wie jemand eilig etwas durchwühlte. Er nickte und trat die Türe direkt auf. „Polizei stehen bleiben!“, schrie er und ein hagerer Mann stand im Flur. In seinen Händen, ein Gewehr. „Kommen Sie nicht näher“, zischte er gehässig, „ich werde schiessen!“ Semir zog eine Augenbraue hoch. „Und ich bin Brad Pitt“, erwiderte er cool und zeigte mit der Waffe auf das Gewehr. „Sie können mich erschiessen, aber dann werden meine Männer erbarmungslos auf sie feuern!“ Der Mann biss sich auf die Unterlippe. Der Finger, der sich um den Abzug krümmte, zitterte. „Was wollen Sie?“, fragte er langsam. „Die Wahrheit über Frau Renniger und den Aufenthaltsort meines Partners!“ Der Mann legte das Gewehr auf den Boden und hob seine Arme nach oben. „Frau Renniger sollte den Mann entsorgen, den ich mir vom Leibe geschafft hatte, stattdessen stürzt sich dieses ignorante Miststück in den Tod. Da musste mich einen Ersatz suchen!“ Semir hielt die Waffe gespannt im Anschlag. „Wo ist sie?“ Er lächelte. „Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, ansonsten tun Sie der Kleinen weh. Das arme Ding hat Leukämie. Da mir dies aber zu langweilig war, habe ich einen Test gefälscht. Als Arzt, kommt man überall hin. Aber die Löhne sind echt mickrig, ich musste mir einen Nebenverdienst überlegen…“
    „…in dem Sie armen Frauen die am Existenzminimum stehen, falsche Hoffnungen machen!“ Er nickte mit einem diabolischen Grinsen. „Nun muss ich Sie verlassen, meine Herren!“ Er zuckte kurz mit seinem rechten Arm. Eine kleine Handfeuerwaffe kam zum Vorschein und bevor Semir und die Anderen reagieren konnte, hatte sich der Mann in den Kopf geschossen. Semir rannte auf ihn zu und fühlte den Puls. „Verdammt“, zischte er und schlug mit der Faust auf den Boden. „Hört ihr das auch?“, fragte Dieter und ging an Semir vorbei. Der Deutschtürke und Hotte folgten ihm.



    Ben und Viktoria sahen auf, als die Türe aufging und Viktorias Mutter erneut den Raum betrat. In ihren Händen, ein neues Handy. „Wir müssen gehen!“, sagte sie und packte ihre Sachen zusammen. Ben zögerte. Doch bevor er handeln konnte, zeigte sie bereits wieder mit der Waffe auf ihn. „Aufstehen!“, drohte sie und Ben tat wie befohlen. Jedoch fühlte er sich müde und matt. Jede einzelne Bewegung schmerzte. „Du auch Schatz“, sagte sie nun im sanfteren Ton doch Viktoria schaffte es nicht. Die Anstrengung, die sich bei der Hilfe für Ben hatte, war zu hoch gewesen. Ihre Kraftreserven waren aufgebraucht. Sie zitterte. Ben wickelte sie in die Decke ein und nahm sie auf den Arm. Solange er noch konnte. Er folgte ihr und drückte Viktoria an sich. Diese sah müde zu Ben. „Sie wirken schwach“, flüsterte sie und schniefte wieder. „Alles wird gut Viktoria, dass verspreche ich!“ Ben sah, wie die Frau sich auf das Personal achtete und immer erst dann weiterging, wenn ihr der Rücken zugedreht wurde. Als sie auf dem verlassenen Parkplatz des Motels waren, befahl sie Ben, Viktoria auf den Rücksitz zu legen. Unter grosser Anstrengung tat Ben dies und ihm wurde übel. Er zog seinen Kopf sofort aus dem Wagen und erbrach Galle auf den Asphalt. Doch die Frau störte das wenig. Sie reichte Ben mit gerümpfter Nase ein Taschentuch. Er wusch sich den Mund. „Einsteigen!“, befahl sie knapp. Ben tat, wie ihm befohlen. Seit er das Mittel eingenommen hatte, war eine Stunde vergangen und ihn ereilte bereits die Übelkeit er erblickte seine Haut, die noch eine normale Hautfarbe hatte. Sollte diese doch eine gelbliche Farbe annehmen. War es nur noch eine Frage von Minuten, bis seine Nieren aufgeben würden.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
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    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 17.



    Semir, Hotte und Dieter standen vor einem Computer, auf dessen Bild auf Englisch stand: „All Files are deleted!“ Obwohl Semir des Englisches nicht gerade mächtig war, wusste er genau, was das hiess. „Scheisse!“, zischte er und fasste sich an den Kopf. „Er wusste, dass wir kommen würden…“, murmelte Hotte und blickte auf den toten Körper. „Vielleicht kann Hartmut noch was retten“, schlug Dieter vor und rief auf Semirs Nicken hin den KTU-Spezialisten an. Semir erblickte auf dem Schreibtisch eine Packung mit weissen Latexhandschuhen. Er nahm sich ein Paar und streifte es sich über. „Was hast du vor?“, fragte Hotte erstaunt und sah, wie Semir in der Tasche der Leiche zu suchen begann. „Bis der Gerichtsmediziner da ist, vergeht zu viel Zeit und die hat Ben nicht. Du hast doch den Typen gehört! Er hatte eine weitere, hilflose Frau angeheuert. Dessen Kind krank ist und er hatte ihr glauben gemacht, dass die Kleine keine Leukämie hätte! Was, wenn die Mutter und Ben in der Apotheke aufeinander gestossen sind?“ Hotte konnte nur mit einem Nicken zustimmen und half Semir dabei. In der Gesässtasche, wurde der Deutschtürke schliesslich fündig. Ein silbernes Handy. Semir durchsuchte es und fand eine gesendete Nachricht. „Flüchte an den Ort, den wir vereinbart haben. Ich bin aufgeflogen…“, las er vor und sah die Nummer. „Wann wird Hartmut da sein?“, fragte er Dieter und dieser zuckte mit den Achseln. „In zehn Minuten, hat er geschätzt!“ Semir zog sein Handy hervor und wählte die Nummer von Susannes Telefon. Andrea nahm ab. „Schatz, du musst mir eine Handynummer orten!“ Er las sie vor und sie bestätigte. „In fünf Minuten weisst du, wo deine Nummer gerade hausiert!“


    Ben sah, wie die Frau in Richtung eines alten Lagerhauses am Pier fuhr und direkt in die Halle steuerte. Sie stieg aus und schloss die Türe. Ben fühlte sich immer schlechter. Sein Körper funktionierte nicht mehr richtig. Er zitterte am ganzen Leibe. Als die Beifahrertüre aufging, schreckte er auf und die Frau wies mit der Waffe nach draussen. „Aussteigen“, befahl sie forsch und Ben konnte sich nur mit langsamen Bewegungen erheben. Seine Verletzungen schmerzten ungemein. Seine Augen brannten furchtbar und in der Beckengegend fühlte sich alles taub an. Er sank sofort in die Knie. „Mama, bitte hör auf damit! Ben wird sterben!“, kam es aus dem Wagen und Viktoria sah, wie ihre Mutter, vom Wahnsinn getrieben, lächelte. „Ben also ja? Schöner Name…im Gegensatz zu ihrem Aussehen im Moment!“ Viktoria sah, wie Ben immer blasser wurde. Seine Augenlider waren weinrot. „Bald ist es vorbei. Ich habe nur noch ein Mittel. Vielleicht geht es Ihnen dann besser!“ Sie legte den Rucksack ab und zog ein Fläschchen hervor. „Paracetamol, das sollte doch helfen!“


    „Okay, ich konnte deine Handynummer am Pier ausfindig machen! Ziemlich nahe am Rhein! Mehr kann ich dich leider nicht sagen!“ Semir bedankte sich bei seiner Frau und hängte auf. Anschliessend rief er Frau Krüger an und verlangte nach einem SEK-Trupp. Er nannte ihr den Standort und sie versprach, sich zu beeilen.„Hotte, Dieter, ihr bleibt hier. Versucht Hartmut zu helfen!“ Er rannte los und hörte wie Dieter noch fragte: „Und du?“ „Ich rette Ben“, murmelte er und lief das Treppenhaus hinunter, stieg in seinen BMW und fuhr los. Sein Herz klopfte wie wild und der Brustkorb begann zu schmerzen. „Halt bitte durch Ben, was immer auch mit dir ist! Ich lasse dich nicht im Stich!“ Seine Finger umklammerten das Lenkrad so fest, dass die Fingerknöcheln weiss hervortraten. Die Fingernägel bohrten sich in die Handfläche, doch Semir war dies egal.


    „Paracetamol?“, hörte sie ihre Tochter und sah sie an. Sie schüttelte mit dem Kopf. „Mama, das Mittel ist höchstgefährlich! Das hat Michael Jackson umgebracht, weisst du nicht mehr?“ Viktoria fühlte, dass ihre Mutter zwar so tat, als würde sie zuhören, doch sie tat es nicht. „Hören Sie“, presste Ben hervor, „noch können Sie dieses kranke Spiel beenden! Noch ist es nicht zu spät!“ Sie lachte. „Es ist schon längst zu spät, Ben. Wenn Sie mich entschuldigen.“ Sie hielt die Waffe noch immer gegen Ben und zog mit einer Hand die Spritze auf. Sie ging auf Ben zu, drückte sie ihm in die Hand und rollte mit einer Gewalt den Hemdärmel hoch. Und das an Bens verletzten Arm. Er zuckte auf und stiess einen spitzen Schmerzschrei aus. „Und nun, stechen Sie zu!“ Ben schüttelte mit dem Kopf. „Das kann ich nicht“, flüsterte er, dabei sah er auf seine Armbeuge, wo die beinah weisse Haut, einen gelblichen Schimmer bekam.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
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  • 18.



    Als Semir am Pier ankam, stand das SEK-Team schon in den Startlöchern. Der Leiter, reichte ihm eine Schussweste, die er dankend annahm. „Also“, begann Semir, „in einem dieser Lagerhallen, befindet sich eine Frau, ihr Kind und mit höchster Wahrscheinlichkeit ein Polizist. Ich will, dass niemand zu Schaden kommt, verstanden?“ Die vermummten Gestalten nickten. „Kein Problem“, murmelte der Anführer. „Also, Wir teilen uns in drei Teams auf. Eine übernimmt die Lagerhalle zu unseren rechten, die andere zu der linken und ich gehen schliesslich mit einem Team zu der Lagerhalle die sich direkt am Rhein befinden!“ „Jawohl!“, kam es synchron und man teilte sich auf. Semir besprach mit seinem Team nochmals genau, was er verlangte. Da man sich schon von früheren Einsätzen kannte, gab es keine Widerworte. Nur ein jüngerer SEK-Beamte fragte nochmals alles nach, doch die vielsagenden Blicke seiner Kollegen liessen ihn verstummen. „Alles klar, nochmals, niemand soll zu Schaden kommen!“ Semir gab das „Go“-Zeichen und die Waffen wurden entladen.



    „Ich werde es an meiner Tochter testen, wenn Sie es nicht tun!“, drohte Viktorias Mutter. Sie näherte sich mit der Pistole. „Oder ich werde Ihnen die Sache erleichtern!“ Ben hatte die Spritze umfasst. Seine Hände zitterten und er spürte, wie schwerer es ihm fiel, sich aufrecht zu halten. Er schnaufte und hob die Spritze an. „Ich kann nicht“, wiederholte er flehend. „Mama hör auf!“, schrie Viktoria und ihr Ruf hallte durch die ganze Lagerhalle. „Mama ist gleich fertig Schätzchen!“ Viktoria konnte es einfach nicht fassen. „Ich bin keine Zwei mehr! Ich weiss genau was du tust Mama! Und das ist unrecht! Du begehst den grössten Fehler meines Lebens!“ Die Mutter begann zu zittern. Doch die Hand, mit der sie die Waffe hielt, blieb ruhig. „Der grösste Fehler war, dass ich diesen Ignoranten von Quacksalbern geglaubt habe, dass du Krebst hast.“„Ich HABE Krebs!“, erwiderte Viktoria und begann bitterlich zu weinen. „Es ist so, Ben hat doch gesagt er kann mir helfen!“ Die Mutter ging auf ihre Tochter zu, die Waffe aber immer noch auf Ben gerichtet und schlug zu. Viktorias Kopf zuckte nach hinten und das Mädchen sank bewusstlos auf den Rücksitz des Wagens. „Tut mir leid mein Schatz“, schluchzte die Mutter, „aber es muss sein!“ Ben hatte sich, mit aller Kraft, umgedreht und seine Augen waren weit aufgerissen. „Sind Sie des Wahnsinns?“, fragte er entsetzt. Die Mutter widmete sich wieder ihm zu. „Ich habe gesagt, Sie sollen sich das Mittel spritzen! Wird’s bald?“ Ben schüttelte erneut mit dem Kopf. „Ich kann nicht“, sagte er noch einmal. Er erinnerte sich, wie Semir ihm das Ultraschallbild seines Patenkindes zeigte. Er konnte sich doch nun nicht in den Tod spritzen! „Dem kann ich dann wenigstens eine Carrera-Bahn schenken“, hörte er sich in seinem Kopf selbst sagen und das laute Lachen von Semir erfüllte seine Ohren. „Wenn Sie es nicht tun, werden Sie auf der Stelle sterben!“



    In Bens Augen sammelten sich die Tränen. Die Angst vor dem Tod und die Schwäche übermannten ihn. „Bitte, sehen Sie denn nicht, was Sie sich und Ihrer Tochter antun? Mit wem soll Ihre Tochter diese schlimme Zeit durchstehen!“, versuchte er nochmals an sie zu appellieren. Doch sie schaltete auf Stur. Die Verzweiflung hatte sie wahnsinnig gemacht. „Spritzen Sie sich endlich das Mittel!“, drängte sie ungeduldig. Bens Hand zitterte. Er konnte nicht. Er konnte es einfach nicht. „Gut“, sagte sie und richtete die Waffe auf ihre Tochter. „Nein!“, schrie Ben mit all seiner Kraft. „Dann machen Sie endlich!“ Kapitulierend, hob er die Spritze an und hob sie über seine Armbeuge. „Ich zähle bis drei. Wenn Sie sich dann das Mittel nicht endlich injiziert haben, schiesse ich.“ Ben zweifelte zwar daran, doch in ihrem Zustand fürchtete er jedoch auch, dass sie es wirklich tun könnte. Getrieben von einem Wahn, den er nicht verstehen konnte, war sie sogar bereit, ihre Tochter zu töten, der sie eigentlich einst helfen wollte. „1…“, zählte sie an und Ben hob schloss die Augen. Feuerheisse Tränen liefen über sein Gesicht. „2…“, ihre Stimme wurde lauter. „Vergib‘ mir Semir“, flüsterte er schluchzend und sie nannte die Drei. Er wollte ausholen, doch in dem Moment hörte er einen spitzen Schrei. Er öffnete seine Augen und aus der Schulter der Frau floss Blut. Die Waffe war zu Boden gefallen. „Polizei, auf den Boden!“, hörte er eine unbekannte Person rufen. Die Frau sah gehässig auf das Licht einer Taschenlampe, regte sich jedoch nicht. „Ben!“ Diese Stimme kannte der Angesprochene nun. Kaum war sein Name ausgesprochen worden, kniete sich Semir neben ihn. „Das Mädchen“, stockte er hervor, „das Mädchen im Wagen. Es hat Leukämie…wurde geschlagen…bitte.“ Semir wies ein paar Männer zum Auto. Semir sah sich seinen Freund an. Er sah furchtbar aus. Die Haut hatte einen gelben Schimmer, die Augenlider und die Haut darum waren rot. Sein Partner zitterte am ganzen Leibe. „Ben was ist los?“ Und in diesem Moment schloss Ben die Augen und fiel nach hinten. Semir konnte ihn noch im letzten Moment auffangen. „Ben! Um Himmels Willen! Rede mit mir!“ Er gab seinem Freund immer wieder leichte Schläge auf die Wange. Doch nichts. „Wir brauchen sofort einen Krankenwagen!“, schrie Semir panisch.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 19.

    Hotte hastete durch die Gänge des Marienkrankenhauses und blickte immer auf die Hinweisschilder. Er hatte vor kurzem gerade Viktoria verhört gehabt. Ihr Zustand war stabil. Der Schlag auf den Kopf hatte keine Schäden davongetragen. Mit tränenerstickter Stimme hatte sie ihm erzählt gehabt, was geschehen war. Dass Ben die Mittel genommen hatte, um sie zu retten. Ihre Mutter war wahnsinnig in ihren Augen. Sie wollte nichts mehr mit ihr zu tun haben. Denn als Hotte sie fragte, ob sie mit ihr sprechen wollte, hatte sie energisch mit dem Kopf geschüttelt. Und Hotte konnte sie verstehen. Für eine Dreizehnjährige war dies ein grosser Schock.
    Als er endlich den Wartesaal zum OP erreicht hatte, erblickte er Semir als Einziger auf einen der Sessel. Den Kopf auf die gefalteten Hände gebetet. Die Ellbogen waren auf den Knien abgestützt. Der Anruf hatte Hotte erreicht, als er mit Hartmut und Dieter noch am Tatort war. Sofort war er hergeeilt.
    „Semir?“ Der Angesprochene sah auf und bemühte sich zu lächeln, schaffte es aber nicht. „Danke dass du sofort gekommen bist!“ Hotte winkte ab und setzte sich neben ihn. „Was hat die Kleine gesagt?“
    „Sie war sehr tapfer“, lobte Hotte, „Ben war so schwach, weil die Frau Medikamente an ihrer leukämiekranken Tochter testen wollte. Er griff ein und verabreichte sich diese selbst. Eines war ein muskelanregendes Medikament, das andere war gegen Schmerzen und führt zu…“
    „…Nierenversagen…das erklärt seine gelbliche Hautfarbe…“, funkte Semir ihm ins Wort.


    „Was ist mit der Täterin?“ Hotte zuckte mit den Achseln. „Die Chefin selbst kümmert sich um sie. Sie wollte nämlich, dass Dieter beim Tatort bleibt.“ Hotte sah, wie Semir seufzte und wie das rechte Bein des Deutschtürken auf und ab wippte. „Er wird es schaffen Semir…“, sagte er beruhigend und legte ihm eine Hand auf den Rücken. „Andrea ist im Büro geblieben bei den Kindern. Jedoch wünscht sie, dass du sie über Bens Zustand informierst!“ Semir nickte. „Natürlich…“, fügte er seiner Geste hinzu. „Hotte er sah furchtbar aus. Du hättest ihn…nein besser du hast es nicht…“ Hotte klopfte Semir auf den Rücken. Es waren bereits zwei Stunden vergangen. Semir war nicht von Bens Seite gewichen. Mit einer Atemmaske wurde er auf der Trage abtransportiert. Genau, wie vor ein paar Tagen. Doch dieses Mal, war die Sorge viel grösser gewesen.
    Eine Frau im Kittel betrat den Wartesaal. „Herr Gerkhan?“, fragte sie und Semir stand auf. „Ich bin Doktor Schwab, ich habe…“ „Wie geht es meinem Partner?“, fragte er direkt. „Das Mittel dass die Muskel angeregt hatte, war beinahe abgebaut. Jedoch hat das Naproxen bereits die Nieren angegriffen gehabt.“ Semirs Augen weiteten sich. „Und was bedeutet das?“, fragte er mit zitternder Stimme. Die Ärztin lächelte. „Nun gucken Sie nicht wie ein Auto“, sagte sie, „der Schaden ist zum Glück gering. Eine Woche an der Dialyse und Herr Jäger ist so gut wie neu. Jedoch muss er wirklich die Woche durchziehen!“
    „Dafür sorge ich!“, versprach Semir, „Darf ich zu ihm?“ Die Ärztin nickte. „Jedoch ist er noch narkotisiert. Deshalb machen Sie sich keine Hoffnungen, dass er heute noch aufwacht. Es ist sowieso besser für ihn! Und…im ersten Moment mag er noch erschreckend aussehen, dass kommt noch vom unreinen Blut. Er liegt im Zimmer 306.“ Sie gaben sich zum Abschied nochmals die Hand. „Ich warte hier auf dich“, sagte Hotte und Semir nickte dankend.
    Der Gang zu Bens Zimmer war schwer. Trotzdem schaffte es Semir und trat hinein.


    Ben lag, kreidebleich und noch immer mit diesem gelben Schimmer, im einzigen Bett im Zimmer. An seinen Armen waren Schläuche für die Dialyse angebracht worden. Sie leiteten Bens Blut zum Gerät, das das Blut reinigte, um den Nieren zu helfen, sich zu heilen. Unter dem weiß, schwarzgepunkteten Krankenhaushemd konnte Semir die Kabel zu EKG-Pats erkennen. Auch das Piepen des Herzaufnahmegerätes war laut zu vernehmen.
    Semir atmete tief durch und begab sich zum Bett. Er wollte sich nicht setzten. Er stand am Bettkopf und legte eine Hand auf Bens Haar. Die Brust seines Partners hob sich regelmässig. „Ach Ben, wieso hast du das gemacht?“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!