Der Junge und ich

  • So, liebe Leute. Dann mal auf in die neue Story. Wir versprechen noch mehr Spaß, Action und Herz wie bei den anderen Storys. Aber wir freuen uns auch über eure Feeds, deshalb haut dann mal kräftig in die Tasten. Viel Spaß beim Lesen.







    "Oliver, komm, du musst los.", rief Katerina in das Zimmer ihres Sohnes. Oliver, gerade mal 12 Jahre alt, schnappte sich seine Umhängetasche, in denen seine Notenblätter verstaut waren. Seit dem Unfalltod seines Vaters, den der Junge miterlebt hatte, sprach er kein merkliches Wort mehr, verkroch sich immer mehr in seine eigene Welt. Nur noch die Musik machte ihn lebensfroh. Oliver spielte leidenschaftlich gerne Klavier, er liebte dieses Instrument mit dem man jegliche Melodie nachspielen konnte. "Oliver, los, ich muss doch auch weg.", rief seine Mutter durch die Wohnung. Sie war Krankenschwester und somit im Schichtdienst eingesetzt, kam manchmal erst sehr spät, manches Mal auch in der Nacht, nach Hause. Seitdem ihr Mann durch einen Autobrand ums Leben kam, nachdem er ihren Sohn gerettet hatte, war sie mit der Situation und den finanziellen Möglichkeiten überfordert. Doch sie liebte ihren Sohn, war er doch das letzte, was sie an ihren verstorbenen Mann erinnerte. "Hast du alles?", wollte sie vor der Wohnungstür wissen. Der Junge nickte mit hängendem Kopf. "Dann wünsch ich dir einen schönen Tag und ärgere Frau Tchaikovski nicht zu sehr.", meinte sie und gab ihrem Oliver einen Kuss auf die Stirn, bevor sie zum Bus ging.



    "Du dreckiges Stück Leichtmetall.", fauchte Ben, als er unter der Motorhaube seines Wagens lag. "Wenn man einmal pünktlich sein will." Der junge Kommissar trat wütend gegen die Felge. "AU Verflucht.", stieß er aus und humpelte leicht. "Und das Motorrad ist natürlich auch in der Werkstatt.", flüsterte Ben. "Naja, dann nehmen wir halt den Bus." So machte er sich zur nahegelegenen Bushaltestelle auf. Auf dem Weg dorthin fiel ihm ein kleiner Junge auf, der sich ein Schaufenster neben einer Seitengasse ansah. Ben ging weiter, lächelte nur.



    "Karl, was soll das? Wir haben doch, was wir wollten.", hörte Oliver es plötzlich aus der Gasse rufen. Die Stimme klang verzweifelt, flehend. Da Kinder von Hause aus Neugierig sind, zog es auch Oliver in die schummrige Gasse. "Das stimmt, wir haben, was wir wollten. Aber ich teile nicht gerne.", erwiderte Karl, zog ein Messer und rammte es seinem Gegenüber mehrmals in den Oberkörper. Oliver riss seinen Mund auf, wollte schreien, doch es kam kein Ton. Er wankte nach hinten und stieß dabei an einen metallischen Müllcontainer, auf dem ein Behälter mit Flaschen stand, der scheppernd auf den Boden fiel. Sofort war der Blick von Karl auf den unliebsamen Zeugen gerichtet.



    ...

  • Wie per Schalter umgelegt, spürte Oliver auf einmal seine Beine wieder und rannte los. Er musste weg, einfach weg von dem Kerl. Was immer auch gemacht hatte, Oliver hatte es schon hundert Mal im Fernsehen gesehen und er wusste, dass dies nicht gut war. Die Luft brannte in seinen Lungen und seine Arme pumpten kräftig mit. "Lauf", sagte eine innere Stimme immer wieder, "lauf Oliver lauf!" Und Oliver lief. Er lief zu der Bushaltestelle und sah einen jungen Mann, der entnervt immer wieder auf die Strasse und auf seine Armbanduhr sah. Anscheinend war er zu spät dran. Der Mann war gross. Bestimmt über 1.80 und schien sich auch wehren zu können. Dort musste er hin. Mit letzter Kraft ging er auf ihn zu und versteckte sich hinter ihm. Der Mann staunte nicht schlecht. "Wow langsam!" Die Stimme war tief und angenehm. Aber nicht wütend. Oliver klammerte sich immer härter an ihn und liess sich nicht abbringen. Der Mann schien zu sehen, dass er Angst hatte, denn er kniete sich zu ihm runter. "Alles in Ordnung?" fragte er besorgt und Oliver schüttelte heftig mit dem Kopf. Nichts war in Ordnung! Er hatte einen Mord beobachtet, aber wie sollte er das beibringen, ohne Sprache? Er deutete auf seinem Hals und kreuzte darüber. "Kannst du nicht sprechen?" Oliver nickte, der Mann schien anscheinend schnell zu begreifen. Gut für ihn! Doch dann hörte er etwas im Hintergrund, etwas - das ihm gar nicht gefiel.


    Ben sah auf. Auch er hatte das seltsame Geräusch gehört doch in dem Moment war es schon zu spät. Ein Kleintransporter, raste Richtung Bushaltestellekabine und das ohne zu Halten. Ben packte den Jungen und konnte im letzten Moment noch aus der Kabine springen, bevor diese in tausend Teile zerberste. Menschengeschrei war zu hören, als Ben unsanft auf den rauen Beton landete. Auf dem Rücken, um den Jungen nicht zu verletzten. Er gab einen leisen Ächzer von sich, als die Wucht die Lungen wie zu zerdrücken erschienen. Zitternd richtete er sich auf. Der Kleinstransporter war zum Stehen gekommen. Ein Passant hatte ihn angehalten - stiess aber einen spitzen Schrei aus, als er in die Kabine sah. Er wollte zum Handy greiffen, doch Ben hob den Jungen sanft auf den Arm. Durch seine rechte Seite zog ein grauenhafter, stechender Schmerz und er verzog kurz das Gesicht. Er nahm seine Dienstmarke mit Mühe hervor. "Ich bin Polizist!", beruhigte er den Mann. "Jäger, Kripo Autobahn." Der Mann wies mit zitternden Armen zur Kabine und Ben sah das Übel. Der Passant hatte einen Stein vom Gas gezogen, die Handbremse wieder befestigt und den Motor ausgeschaltet. Erst nun schien er bemerkt zu haben, dass der Fahrer gar nicht mehr am Leben war. Aus der Brust strömte Blut in rauen Mengen. Ben schluckte. "Könnten Sie kurz", bat er und der Mann nahm den Jungen an sich.


    Bens ganzer Körper fühlte sich wie blei an. Trotzdem nahm er sein Handy aus der Tasche und versuchte, nicht wehleidig oder gar krank zu klingen. Irgendwas in seiner rechten Seite wurde bei dem Aufprall in Mitleidenschaft gezogen, das spürte er. Es klingelte ein paar Mal, dann wurde abgenommen. "Mensch Ben wo bleibst du?" begrüsste Semir ihn schroff und Ben atmete tief durch. Mit stockenden Sätzen, auch er stand unter Schock, erzählte er was geschehen war. "Wo bist du?" fragte Semir nun besorgt und im Hintergrund war schon leise das Heulen eines Krankenwagens zu vernehmen. Ben nannte die Adresse. "Bleib wo du bist. Ich werde mit den Anderen gleich da sein!" Es wurde aufgehängt. Mit den Anderen meinte Semir wohl Dieter und Hotte. Wen auch sonst.
    Der Mann blickte zum Jungen, er war ohnmächtig. Vor lauter Angst muss der Körper wohl nur diesen Ausweg gefunden haben. "Er zittert", meinte der Mann besorgt und sah, wie Ben sich quälte. "Ich werde ihn noch eine Weile halten. Ich weiss, dass sie ihn noch vernehmen wollen. Mein Vater war Kommissar bei der Mordkomission!" Ben nickte dankend und ging wieder zu der Fahrerkabine. Was hatte der Junge bloss gesehen?

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Schon nach wenigen Minuten waren die Kollegen der Rettung und der Kölner Kripo vor Ort. Auch Semir, Dieter und Hotte waren dazu gestoßen. "Hey Ben, kann man dich nicht einmal alleine lassen?", meinte Semir schnippisch. "Witzig.", erwiderte dieser nur und stieß einen kurzen Stöhner aus, als ihn der Notarzt in seine rechte Seite fasste. "Tja, sieht mir nach einem Rippenbruch aus.", meinte der Arzt nur. "Hätten sie das auch vorsichtiger feststellen können?", fauchte Ben und rieb sich die Seite. "Sie müssen auf jeden Fall mit ins Krankenhaus. Das muss geröngt werden.", bat der Arzt. "Muss das sein?", fragte Ben genervt. "Ja, das muss sein.", fauchte dann Semir und sein Partner sah ihn erschrocken an. "Semir, der Junge hat vor irgendwas Angst gehabt. Er hat sich regelrecht an mich geklammert.", argumentierte der Verletzte. "Nu mach dir mal keine Sorgen, ich kümmere mich schon um den kleinen Mann.", meinte Semir und ging dann, bevor Ben ein Wort erwidern konnte, zum leitenden Kripo-Beamten vor Ort.
    "Junge, wenn du mir nicht sagst, was passiert ist, dann kann ich doch meine Arbeit nicht machen und den Täter finden.", meinte der große, stämmige Mann und hatte Oliver dabei sichtlich an der Schulter gepackt. Doch wie sollte Oliver denn was sagen. Immer wieder deutete er auf seinen Hals und verkreuzte davor seine Hände. Der dicke Mann vor ihm schien nicht zu kapieren, dass er nicht sprechen konnte. "Man, mach endlich den Mund auf.", verlor der Kommissar die Geduld. "Na Kollege Berthold, gibt es Schwierigkeiten hier?", fragte Semir schnippisch. "Gerkhan, was machen sie denn hier?", wollte der Kölner Kripobeamte mit erboster Stimme wissen. "Mich nach meinem Kollegen erkundigen und...", weiter kam Semir nicht, denn er merkte, dass sich Oliver hinter ihn gestellt hatte. "Sie gehen ja wirklich gut mit ihren Zeugen um.", mahnte Semir und kniete sich zum Jungen runter.
    "Was ist passiert, Kleiner?", fragte er sanft, wurde jedoch gleich von seinem Kollegen unterbrochen. "Können sie vergessen.", meinte Berthold. "Der will entweder nichts sagen oder er kann nicht." Bei dem letzten Satz nickte Oliver heftig und zeigte immer wieder auf seinen Hals, durchkreuzte ihn mit seinen Händen. "Wie auch, Berthold. Anscheinend ist der kleine Mann hier stumm.", erkannte Semir und bekam von Oliver eine zustimmende Geste. "Na wunderbar. Ein stummer Zeuge.", fauchte Berthold und ging dann zum Wagen, wo der Gerichtsmediziner noch mit der Leiche beschäftigt war.


    "Und Doktor, haben sie schon was für mich?", fragte der Kriminale den Pathologen. Dieser sah aus der Kabine zu Berthold, verzog keine Miene, erst als Semir auftauchte, lächelte er kurz. "Ich zähle insgesamt acht Messerstiche. Alle mit brachialer Wucht ausgeführt. Hier dieser und dieser", er deutete auf zwei Stiche in der Nähe von Herz und Lunge, "waren die beiden tödlichen Stiche.", erklärte der Mediziner. "Ist er hier gestorben?", wollte Semir dann wissen und sofort drehte sich Berthold zu ihm um. "Wollten sie nicht nur nach ihrem Kollegen sehen?" "Ja, aber ich bin von Hause aus neugierig.", erwiderte Semir mit schnippischem Grinsen. Auch der Pathologe grinste. "Nein, dafür ist viel zu wenig Blut im Wagen. Er muss wo anders ermordet worden sein.", erwiderte der Mediziner, kletterte aus dem Wagen, stieß dabei Berthold die Fahrertür an seinen Bauch und streifte sich seine Handschuhe ab. "Aber alles weitere später.", verabschiedete er sich.


    Oliver stand immer noch da und sein Blick streifte durch die Schaulustigen. Da entdeckte er den Mann, den er vorhin in der Gasse gesehen hatte. Sein starrer Blick fixierte den Jungen und er machte eine deutliche Bewegung um den Hals herum. "Wenn du was sagst, bist du tot.", diese Geste kannte der Junge aus sämtlichen Kriminalfilmen, die sich seine Mutter meist mit ihm ansah. Sofort stieg wieder die Angst in ihm hoch und er sah sich nach dem großen Mann von vorhin um. Schnell lief er zu ihm und sprang in den Krankenwagen, ergriff Bens Arm und klammerte sich daran fest.


    ...

  • Ben stöhnte kurz vor Schmerz und sah den Jungen dann an. Die Augen weit aufgerissen und der Körper zitterte sichtlich. "Wilst du mich begleiten?" fragte Ben sanft und der Junge nickte. Hauptsache weg von hier, dachte er und hatte in Ben eine Art Schutz gefunden. Ben wartete auf die Reaktion des Notarztes ab. "Meinetwegen", murmelte dieser, "Sie stehen ja nicht unter Lebensgefahr." Aber der Junge, schoss Ben durch den Kopf, anders konnte er sich diese Reaktionen nicht erklären. "Ich weiss ja nicht mal wie du heisst", versuchte Ben ein Gespräch zu starten, wissend, dass der Junge nicht reden konnte. Oliver sah sich um. Etwas zu schreiben! Er brauchte etwas zu schreiben! Ben griff, mit verzogenem Gesicht, in seine Jackentasche und gab dem Jungen einen kleinen Notizblock und Stift in die Hand. Oliver kritzelte schnell seinen Namen hin und zeigte dies dann Ben. "Oliver. Schöner Name!" Der Junge zog eine Augenbraue hoch und schrieb hin: Ich hasse ihn! Ich kann Olli nicht ausstehen! Ben musste Grinsen. "Wie du meinst!" Der Krankenwagen bog in die Einfahrt und Ben ging, leicht gebeugt, zusammen mit Oliver in den Untersuchungsraum, der eine Röntgenmaschine besass. "Machen Sie sich bitte oben frei Herr Jäger", bat der Notarzt und Ben nickte. Er zog sich die Jeansjacke ab und streifte den Pullover ab. Und Oliver erstarrte. Bens rechte Seite hatte teilweise eine bläuliche Färbung angenommen. Besonders an einer Stelle, schien die Farbe beinahe schon in ein violet zu gleiten. Seine Augen rissen sich weit auf. "Es sieht schlimmer aus als es ist", versuchte Ben den Jungen zu beruhigen, wurde dann aber vom Arzt an die Platte gebeten, vor die sich Ben stellen sollte.
    "Und bitte still halten, Kleiner, du schaust besser weg, wegen den Strahlen!" Oliver nickte und drehte sich um. Es blitze drei Mal und der Arzt tippte ihn an. "So, der Spuk ist vorbei. Bitte setzten Sie sich Herr Jäger, ich werde dann mit den Bildern wieder kommen!"


    Ben betrachtete sich selbst im Spiegel. Schön sah das wirklich nicht aus. Die nächste Zeit über, konnte er den Ausgang in die Disco schon mal vergessen. Oliver setzte sich neben ihn und nahm Den Block wieder hervor. Es tut mir so leid, schrieb er und hielt dies Ben hin. "Wegen dem?" Ben zeigte auf das Dilema. Der Junge nickte. "Herrgott. Mach dir deswegen keine Sorgen! Lieber das, als dass ich dich hätte sterben lassen. Das hätte ich mir nicht verziehen!" Der Junge lächelte leicht und Ben sah ihn an. "Du solltest deine Mutter benachrichtigen!" Der Junge nickte, nahm sein Handy hervor und sah sich um. Kein Arzt in Sicht. Er tippte schnell eine SMS und sendete sie. "Aller Achtung!" Ben war über das Tipptempo erstaunt. Selbst er, ein regelmässiger SMSschreiber, war nicht so schnell. Oliver zuckte mit den Achseln. Für ihn, schien es nicht so besonders zu sein. "Oliver?" Er sah Ben an. "Du musst mir alles erzählen! Du musst doch was gesehen haben!" Oliver nickte leicht. Als er schreiben wollte, kam der Arzt mit den Röntgenbilder herein. "Es ist sogar schlimmer, als ich befürchtet habe", murmelte er und hängte die Bilder an das Licht. "Fünfte Rippe definitiv gebrochen, die sechste angebrochen!" Oliver verzog mitleidend das Gesicht. Ben müsste sich ein Lächeln ab. "Ich werde Ihnen einen Stützverband anlegen. Sie werden zirka drei Wochen schmerzen haben, das lässt sich nicht verhindern. Allerdings werde ich Ihnen ein schmerzhemmendes Mittel verschreiben." Ben nickte dankend und der Mann schritt zur Tat.


    In diesem Moment klopfte Semir an die Türe und der Arzt bat den Besucher herein. "Ah Herr Gerkhan", begrüsste der Arzt den Deutschtürken freundlich und Semir nickte zu Ben. "Wie steht's?" fragte er besorgt und der Arzt zuckte mit den Achseln. Er wiederholte die Diagnose und Semir seufzte. Oliver sah ihn an. "Das ist im übrigen Oli...AUA!" steiss Ben hervor und der Arzt hob entschuldigend die Arme. "Sorry, mein Fehler", fügte er seiner Geste hinzu und Semir ging auf den Jungen zu. "Du hast aber einen komischen Namen", scherzte er und Oliver lachte zum ersten Mal. Ein stilles Lachen, doch die Mundwinkel waren bis zu den Ohren hochgezogen. "Ich nehme an mein Partner wollte Oliver sagen", stellte Semir fest und Oliver nickte. "Er ist ein bisschen wehleidig weisst du." "Überhaupt nicht!" verteidigte sich Ben und Oliver konnte das Grinsen nicht mehr vom Gesicht kriegen. "Hast du deine Eltern benachrichtigt?" fragte Semir und Oliver kritzelte auf den Block, dass er seiner Mutter eine SMS geschrieben habe. "Sehr gut." Ben sah Semir nun mit dunklem Blick an. "Berthold?" fragte er nur knapp und Semir rollte mit den Augen. "Mürrisch und nervend wie immer! Der Doc hat ihm die Autotüre in den Bauch gejagt!" Ben grinste. "Is' nich'?" fragte er und Semir nickte.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "So, Herr Jäger, eien Schwester wird ihnen jetzt noch ihr Medikament bringen und dann sind sie entlassen. Aber für die nächsten Wochen lasse ich sie krank schreiben.", meinte der Arzt mit bestimmendem Ton. Ben rollte genervt mit den Augen und sah Semir abwartend an. "Nein, erwarte keine Hilfe von mir.", entgegnete sein Partner bloß. "Was soll ich den drei Wochen ohne den da machen?", fragte er und deutete auf Semir. Der Arzt setzte ein überlegendes Gesicht auf. "Ausspannen. Kurieren sie sich aus. Vor allem, belasten sie die Rippen nicht allzu sehr.", erwiderte der Mediziner und ging.
    "Wird mir mal ganz gut tun, drei Wochen ohne dich wandelnde Müllmaschine im Büro zu sitzen.", scherzte Semir und lachte. Oliver konnte nicht mehr, obwohl seine Stimme fehlte, kein erkennbarer Laut aus seinem Mund kam, hielt er sich seinen Bauch. "Haha, sehr witzig. So viel Unordnung mache ich doch gar nicht.", widersprach Ben und Semir lachte einmal kurz auf. "Hast du dir in letzter Zeit mal deinen Schreibtisch angesehen? Dass ich da deine Berichte noch finde, ist ein Wunder.", entgegnete der Deutschtürke. "Aber du findest sie.", konterte Ben mit frechem Gesicht. "Ja, okay. Hat dir Oliver schon erzählt, was er gesehen hat?", wollte Semir dann wissen. "Noch nicht. Immer kommt ja wer dazwischen.", meinte Ben und sah dann zur Tür, die plötzlich aufgeschoben wurde.


    "So Herr Jäger, hier ist ihr...", die Schwester hielt kurz inne, als sie den kleinen Jungen sah. "Oli, was machst du denn hier?", fragte Katerina. Ihr Sohn kam auf sie zu und erzählte ihr schnell in Gebärdensprache, was passiert war. Semir und Ben sahen dem Gefummel der kleinen, rasanten Finger mit größtem Staunen und hoher Achtung zu. Dann trat Semir an die Frau heran. Ihr brünettes Haar war zu einem Pferdezopf gebunden und ihre großen Augen sahen zum Hauptkommissar auf. Beide waren etwa gleich groß. "Sie sind seine Mutter?", fragte Semir nochmal zur Bestätigung. "Ja, Katerina Hoffmann. Was ist denn passiert? Sie sind doch von der Polizei, oder?", sprudelten die Fragen aus ihr heraus. Semir sah zu Ben hinüber. "Kripo Autobahn, mein Name ist Semir Gerkhan und der Krüppel dort ist mein Partner Ben Jäger.", scherzte Semir, was ihm ein wütenden Blick und einen kleinen Seitenhieb seitens Ben einbrachte. "Frau Hoffmann, ihr Sohn lief meinem Kollegen vorhin in die Arme. Es sah so aus, als ob er vor irgendwas Angst hatte." "Mein Sohn kann nicht sprechen. Er hat mir gerade erzählt, dass er einen Mann dabei beobachtet hatte, wie er einen anderen Mann niederstach." Sofort waren die kriminalistischen Ohren auf Empfang gestellt.


    "Deswegen der Lieferwagen.", meinte Ben und Semir nickte nur. "Frau Hoffmann, könnten sie und ihr Sohn uns aufs Revier begleiten. Wenn er den Mann gesehen hat, können wir ein Phantombild anfertigen.", bat Semir die Krankenschwester. "Natürlich, ich sag nur schnell der Oberschwester Bescheid.", erwiderte sie und verschwand. Ben sah den Jungen nachdenklich an. Wenn er wirklich den Mann gesehen hatte, dann würde der Täter alles versuchen, um Oliver zum Schweigen zu bringen. Wirklich alles. Der Lieferwagen war ja der erste Versuch. Bei seiner Mutter war er auf Dauer nicht sicher. Bens Hirn grübelte über eine Lösung nach.


    ...

  • Ben begleitete Semir und die Familie ins Präsidium, immer noch in leicht gebückter Haltung. Die Schmerzen waren ins Unerträgliche gestiegen. Er wollte, nun einsichtig, der Krüger das Arztzeugnis bringen und zugleich sehen, was Semir nun vorhatte.
    "Das geschah als sie den Jungen beschützen wollte?" fragte Krüger mit hochgezogener Augenbraue und Ben wies aprubt zur Tür, was er aber schnell wieder bereute. Nun sah auch die skeptische Krüger den Schmerz in den Augen. "Schon gut ich glaube es! Herr Gerkhan wird sich die Sache mit Bonrath und Herzberger ansehen. Sie bleiben Zuhause, ist das klar!" Ben nickte. Die Schmerzen reichten ihm als Belehrung. "Frau Krüger, ich habe noch eine Idee bezüglich des Jungen!" Die Chefin setzte sich vornehm auf ihren Stuhl und kreuzte die Beine. Sie schwieg. "Der Junge ist in grosser Gefahr. Er hat die Tat gesehen und die Tatsache dass er stumm ist und der Täter brutal ist, lässt mich aufhorchen!" Krüger zog eine Augenbraue hoch, liess aber jeglichen Kommentar im Raum stehen. "Die arme Frau ist alleinerziehend, total am Finanzminimum und übermüdet. Mir kam die Idee, dass ich solange für den Jungen sorge. Die Frau müssen wir in Sicherheit bringen. Getrennt ist sicher!" Krügers Gesicht wurde auf einmal ernst. Ein gutes Zeichen bei ihr. Sie dachte ernsthaft über die Idee nach.


    "Das machst du gut Oliver", lobte Semir den Jungen und Oliver "sprach" immer wieder mit seiner Mutter per Zeichensprache. Ein klares Bild wurde deutlich. Aber leider, ein Allerweltsgesicht. "Herr Gerkhan?" Semir sah Frau Hoffmann an. "Ist mein Sohn denn jetzt nicht in Gefahr?" Ihre Stimme zitterte und ängstlich. Semir konnte nur nicken. In diesem Moment kam Ben herein. Den letzten Teil hatte er noch mitgekriegt. In seiner Begleitung, die Frau Krüger. Sie teilte Bens Idee den Anderen mit. Und obwohl Hoffmann ihren Sohn umklammerte, nickte sie. "Was meinst du Oliver?" fragte sie und Oliver sah zu Ben. Wieder fuchtelten seine Hände und Hoffmann atmete tief durch, dann musste sie kurz lachen. Ben sah sie verwirrt an. "Er fragt ob Sie ein Klavier haben!" Ben nickte immer noch irritiert. "Dann ist es in Ordnung, so schwer es mir auch fällt aber", sie lächelte Oliver an, "ich glaube, er hat in Ihnen eine Vertrauensperson gefunden! Sie haben ihn beschützt Herr Jäger. Ich vertraue Ihnen!" Ben nickte dankend und Semir sah ihn mit Bedenken an. "Bist du sicher dass du es schaffst?" Ben rollte mit den Augen. "Semir ich habe zwar 'ne kaputte Seite aber ich bin nicht tot!" meinte Ben etwas forsch und Semir seufzte. "Sollte aber was sein, ruf mich bitte an!" Ben nickte lächelnd. "Ja Paps", scherzte Ben und sah Frau Hoffmann an. "Wollen wir?" Sie nickte und ging mit Ben aus dem Büro. Semir folgte ihnen. Irgendjemand musste ja auch noch auf Frau Hoffmann aufpassen.


    Sie fuhr mit ihnen zusammen in ihre Wohnung, wo sie für Oliver das nötigste einpackten. Ben liess sich informieren, ob Oliver gegen irgendetwas allergisch war. Hoffmann schüttelte mit dem Kopf. "Seine einzige Schwäche ist wirklich seine Stummheit." "Das können wir wirklich regeln, nicht wahr?" Oliver nickte heftig auf Bens Kommentar. Bei ihm fühlte er sich sicher. Alles würde gut werden.
    "Dann trennen wir uns", meinte Semir nun und sah Ben eindringend an. "Bitte pass auf den Jungen und auf dich auf!" Da diesmal keinen Jux in der Stimme war, nickte Ben stumm und nahm den Jungen bei der Hand. "So, ich hoffe du magst Pasta!" Oliver nickte und zusammen gingen sie zu Bens Dienstwagen, da ja seiner streikte. Sie fuhren zu Bens Arpartement. "Okay, du kannst dir, bis ich alles eingerichtet habe, einen Cartoon reinziehen. Du findest entweder sicher was im TV, oder ich habe eine ganze Roadrunnerreihe!" Oliver nickte begeistert und rannte Bens Finger nach in das Wohnzimmer. Kinder - egal wie anders sie waren, bewegte Bilder, alles war vergessen!
    Ben ging in das Gästezimmer und suchte eine einigermassen Kinderfreundliche Bettdecke und einen Bettbezug heraus. Alles langsam, da das Mittel noch nicht begonnen hatte zu wirken. Er wollte noch die Decke aufschütteln. Eine falsche Bewegung. Er stiess einen spitzen Schrei und beugte sich nach vorne. "Scheisse", stiess er hervor und hörte ein rasches Getrampel.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Oliver kam aufgeregt ins Zimmer gerannt und sah, dass sich Ben geknickt nach vorne beugte und langsam versuchte, wieder in eine aufrechte Position zu kommen. Er spürte die kleine Hand, die sich vorsichtig auf seinen Rücken legte. "Schon okay.", meinte Ben nur und richtete sich allmählich auf. "Ist doch schmerzhafter, als ich gedacht habe.", versuchte Ben zu scherzen, doch Oliver sah ihn mit besorgten Augen an. "Geht schon wieder.", meinte Ben dann und ging mit Oliver ins Wohnzimmer und ließ sich auf der Couch nieder. Oliver erblickte den schwarzen Flügel, der an der großen Fensterfront stand. Wow, ein wirklich schönes Stück, staunte der Junge und sah das schwarze Instrument mit großen Augen an. "Willst du spielen?", fragte Ben und sah wie der Junge heftig nickte. "Na dann los.", meinte Ben, stemmte sich unter Schmerzen hoch und ging an den Flügel. Oliver folgte ihm, ließ sich neben seinem Beschützer nieder und fuhr über die Tasten. Sauber und klangvoll erhellte der Klang des Flügels die Wohnung. Oliver ließ das schöne Stück von Mozarts "Türkischem Marsch" erklingen und huschte mit seinen Fingern nur so über die Tasten, dass Ben aus dem Staunen kaum rauskam.


    "Wow, du bist gut.", lobte Ben seinen kleinen Gast und dieser sah ihn nur mit seinen großen Augen an. "Komm, wir spielen was zusammen.", meinte Ben und holte eines der vielen Notenblätter aus seiner Sammlung. Er legte es in den Notenständer und knackte kurz seine Finger. Ein Verzerrren von Olivers Gesicht ließ ihn merken, dass der Kunge das Geräusch hasste. "Tschuldige." Und dann ging es los. Ben fing an und Oliver setzte ein. Ohne sich zu behindern, huschten ihre Finger über die Tasten und freudig lächelte der kleine Mann Ben an.


    Karl hatte das Haus des kleinen Jungen genau beobachtet. Er hatte mitbekommen, wie zwei Typen, ein kleiner Südländer und ein großer mit Wuschelhaaren, den Jungen aus der Wohnung geholt hatten. Er musste den Zeugen loswerden. Zu sehr war er sowieso schon unter Druck, seit dem er das wertvolle Stück aus dem Museum zusammen mit seinen jetzt toten Partner gestohlen hatte. Beethovens Originalmanuskript seines Liebesstückes "Für Elise". Das alte Ding sollte ihm satte drei Millionen einbringen. Und er hatte auch schon einen Käufer. Ein leidenschaftlicher Musiksammler aus Luxemburg war brennend am Original interessiert. Doch bevor der Junge nicht zum Schweigen gebracht worden war, konnte er es nicht verkaufen.
    Nachdem die Beiden weg waren, stieg Karl aus und verschaffte sich Zugang zu der Wohnung. Alles durchwühlen. Ein Foto des Jungen musste er kriegen und alles andere durchwühlen. Psychischen Terror verbreiten. Zeigen, dass der Junge in Gefahr ist und er dicht auf den Fersen des Zeugen. Irgendwann, so hoffte er, würden die Bullen einen Fehler machen und dann hatte er seine Chance.


    "Puuh, du bist gut, Oli. Ich darf dich doch so nennen?", fragte Ben und schüttelte seine Hände aus. Er merkte halt doch, dass er viel öfters spielen sollte. Oli nickte kurz. "Du hast Talent, Junge. Willst du später Musiker werden?", wollte Ben aus reiner Neugier wissen. Oli überlegte und schrieb dann etwas auf den Notizblock, den er immer noch von Ben hatte. "Mein Papa hat mir das Spielen beigebracht. Er war der beste Konzertpianist. Ich will auch Pinaist werden", las Ben. "Was ist mit deinem Papa passiert?", wollte er wissen, doch das schien eine sehr wunde Stelle beim Jungen zu sein. Er schlug sich schlagartig die Hände vor den Augen und schüttelte heftig den Kopf. Nicht diese Bilder. Nicht wieder diese Bilder in seinem Kopf.



    ...

    Edited once, last by Christopher007 ().

  • Oliver begann bitterlich zu weinen und schüttelte immer wieder mit dem Kopf. Bitte, flehte er, bitte, ich will diese Bilder nicht mehr in meinem Kopf haben! Ben sah, wie der Junge immer wieder mit dem Kopf schüttelte und packte seine Hände. "Ist gut", versuchte er mit ruhiger Stimme doch Oliver beruhigte sich nur langsam. "Oli, bitte." Der Junge atmete kurz durch und sah Ben tief in die Augen. Dann schüttelte er noch einmal mit dem Kopf. Ich kann es dir noch nicht sagen, wollte er damit zeigen und Ben schien zu begreifen. "Schon gut, tut mir leid wenn ich dich gedrängt haben sollte." Oliver winkte ab und nahm seinen Schreibblock. "Spiel mir was von Beethoven vor!" schrieb er darauf und Ben sah ihn fragend an. "Mein Vater hasste Beethoven!" schrieb Oliver erklärend und Ben zuckte mit den Achseln. "Ich kann dir höchstens die Mondscheinsonate den ersten Part vorspielen." Ehrlich gab Ben zu, dass er schon lange keine Klassik mehr auf dem Klavier gespielt habe. Oliver nickte begeistert. Mondscheinsonate ist toll! Bitte, Ben , bitte spiel!
    Ben lockerte noch einmal die Finger und mit einer gar Leichtigkeit berührten die Finger die Tasten. Die traurigen Klänge des Stückes erreichten Olivers Ohren und er konnte nicht anders. Er musste sich an Ben lehnen. Die Bewegungen mitbekommen. Und Ben liess in Gewähren. Er mochte den Kleinen. Er wusste nicht warum - aber er tat es einfach. Bens Finger hoben sich kaum von den Tasten. Er war beinahe eins mit dem Klavier geworden. Schon lange hatte er dieses Stück nicht gespielt, da es mit grauenhaften Erinnerungen verbunden war. Er musste es als frisch Erwachsener an der Beerdigung seiner Mutter spielen. Doch nun, als Oliver neben ihm sass, waren diese Erinnerungen wie gelöscht.
    Als Ben fertig war, klatschte Oliver begeistert in die Hände. Er lächelte breit, vermied es aber, Ben zu umarmen da er Angst hatte, dem Mann noch mehr Schmerzen zuzufügen. "Hast du Hunger?" fragte Ben und Oliver rieb sich den Bauch. Und wie! Ben bereitete Pasta mit Tomatensosse vor. Das mochte jedes Kind und Oliver bestätigte dies. Ben richtete seinen Esstisch her und sah Oliver neugierig an. "Du kannst die Gebärdensprache oder?" Oliver nickte und ahnte, was auf ihn zu kam. "Du ahnst sicher was ich meine, wie zeigt man "ich heisse Ben"?" Oliver richtete sich auf und deutete Ben an, dass er es nun zeigen würde.


    Ich = auf sich zeigen
    heisse= Mit gestrecktem Zeigefinger und Daumen über die Brust streichen
    B= Eine vier Zeigen
    E= eine lockere Faust bilden und die Fingerseite zeigen
    N= Mit ausgestreckten Mitterl und Zeigefinger nach unten zeigen


    Ben machte es begeistert nach. "So?" fragte er und Oliver klatschte mit den Händen. "Wie lange hattest du gebraucht das zu lernen?" Oliver zuckte mit den Achseln und zeigte eine zwei. "Zwei Jahre?" Er nickte. Ben pfiff erstaunt. "Habe ich schon gedacht", meinte er dann jedoch und lächelte. "Na ja, zwei Jahre werden wir hier nicht zusammen verbringen. Für mich ist es wichtig, dass du mich noch hören kannst!" Oliver packte seinen Notizblock und schrieb: Für mich besonders! Damit ich dein schönes Klavierspiel hören kann! Ben errötete. "So gut bin ich nun auch wieder nicht. In deinem Alter, war ich viel schlechter weil ich zu faul zum üben war." Oliver zog eine Augenbraue hoch. Das kann ich nicht glauben, wollte er damit zeigen und Ben lächelte. "Du kannst es mir aber glauben! Ich war ein faules Stück! Wirklich faul! Mein Vater wollte schon mit dem Massstab auf mich los!" Olivers Augen rissen sich auf. "War ein Scherz", meinte Ben dann und hielt sich kurz an der Seite. "Du solltest dich hinlegen", schrieb Oliver und wies auf die Couch. "Lieb aber ich muss noch die Küche machen", sagte Ben leise und wies auf das dreckige Geschirr. Oliver protzte mit seinen dünnen Kinderarmen. Ich kann das auch!, deutete er damit an, sprang vom Stuhl und sammelte die Teller ein. Mit einem belehrendem Blick wies er auf die Couch. "Okay okay Chef, ich leg mich ja hin!" lachte Ben und tat wie ihm befohlen.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Semir hatte Kerstin Hoffmann in einer der Schutzwohnungen des LKAs untergebracht. Da sie ganz in der Nähe seines Hauses lag, konnte er ab und zu selbst nach ihr sehen und so Hotte und Dieter für eine Zeit ablösen, doch im Moment war er auf dem Weg zu ihrer eigentlichen Wohnung. Herr Gerkhan, würde es ihnen etwas ausmachen, mir aus meiner Wohnung zwei für mich sehr wichtige Gegenstände noch hierher zu bringen? Ich hatte sie in der Eile vergessen. Natürlich machte es Semir nichts aus. Das eine war das Familienfoto aus dem Flur und das andere eine kleine Spieluhr, die Kerstin von ihrem Mann zum fünften Hochzeitstag bekommen hatte. Zog man sie auf, erklang das Liebeslied Habanera aus "Carmen". Wie sehr sie es geliebt hatte, wenn ihr Mann es ihr mit seiner sanften Stimme vorsang. Er war Pianist gewesen, konnte aber auch verdammt gut singen.
    Semir wusste nur zu gut, wie wichtig solche Gegenstände eines geliebten Menschen, der für immer verloren war, waren. So fuhr er nochmals zur Wohnung von Frau Hoffmann, stellte seinen Wagen ab und ging mit flinken Schritten die Treppen hinauf. Ein kurzer Griff in seine Tasche förderte den Wohnungsschlüssel mit einem Notenanhänger zutage. Plötzlich fiel sein Blick jedoch starr auf das angebrochene Türschloss.


    Sofort war der Griff an seiner Waffe, entsicherte sie und stieß vorsichtig die Tür auf. Mit der anderen Hand zog er sein Handy hervor und wählte die Nummer der Zentrale. "Ja Susanne, schick mir mal bitte ein paar Kollegen zu Frau Hoffmann. Ihre Wohnung ist aufgebrochen worden.", meldete er durchs Telefon. "Okay Semir, ich schick die Kollegen sofort los.", erwiderte Susanne, während Semir immer weiter in die Wohnung schritt und jeden Raum durchsuchte. Sein Herz schien im Schnelltempo zu rasen und der Atem wurde auch immer schneller. Hinter jeder Tür konnte der Eindringling lauern. Dem war aber nicht so. Scheinbar war alles leer.
    Durchatmend steckte Semir seine Waffe wieder weg und sah dann das Chaos in Wohnzimmer, Kinderzimmer und Flur genauer. Bilder waren auf den Boden geschmissen worden, Schränke und Schubladen durchwühlt und ausgeräumt. Kopfschüttelnd ging er vorsichtig durch das Chaos und hob das zum Glück unbeschädigte Foto der kleinen Familie auf. Alle auf dem Foto lachten in den Apperat, sie schienen an einem See zu sein, besonders Oliver umarmte seine Eltern herzlich und lachte wie die Sonne. Als Semir den Mann sah, musste er unweigerlich an Tom denken. Schmerzhaft krampfte sich sein Herz zusammen. Der Mann auf dem Foto hatte, abgesehen von den schwarzen Haaren und einem etwas fülligeren Gesicht frappierende Ähnlichkeit mit Semirs bestem Freund und Partner.
    Er nahm das Foto an sich und ging dann, nachdem er auch die Spieluhr unversehrt vorfand, ins Kinderzimmer. Hier sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Für ein Kind von Olivers Alter normal, dachte sich Semir, doch sein Blick fiel dann aufs Bett. Die Matratze war mit einem Messer aufgeschlitzt worden, ebenso Kissen und Bettdecke. An der Wand hing ein mit einem Messer durchstochenes Bild von Oliver. Das sprach eindeutig Bände. Der Junge war in größter Gefahr und der Täter, wenn er sich selbst in die Wohnung wagte und so ein Chaos hinterließ, zu allem entschlossen. Semir musste Ben davon in Kenntnis setzen. Zum Glück kamen auch gerade die Kollegen und die Spurensicherung, als er gehen wollte. "Okay, ich will alles haben. Jeden Fingerabdruck, den ihr finden könnt. Einfach alles.", befahl Semir und ließ die Kollegen dann alleine.


    Derweil war Oliver mit dem Abwasch fertig und ging dann wieder zu Ben ins Wohnzimmer, der wirklich zu schlafen schien. Dass Schmerzmittel schläfrig machten, war ja bekannt. Olivers Blick fiel dann auf ein Foto von Ben und einer hübschen Frau. Es war scheinbar auf einer Hochzeit aufgenommen worden, denn Ben und die Frau lagen sich glücklich in den Armen und er küsste ihren Hals, während sie in den Apperat grinste. Neugierig betrachtete der Jugne das Foto und merkte dabei nicht, wie sich Ben langsam wach wurde und streckte.


    ...

  • Oliver drehte das Foto um und las die Schrift. Mit schöner Schrift wurde dahinten geschrieben: Annelie & Ich an Joshuas Hochzeit. Also war seine Vermutung richtig. Aber es war nicht Bens Hochzeit. Sie schien entweder eine gute, oder seine derzeitige Freundin zu sein. "Du bist ein neugieriger, kleiner Fuchs", hörte er von hinten und sah, wie Ben noch immer auf dem Sofa lag. Die Augen jedoch aufgeschlagen und ein Lächeln auf dem Gesicht. Mit verständlicher Zeichensprache fragte Oliver Ben, ob dies seine Freundin sei. Ben nickte und setzte sich mit verzogenem Gesicht auf. "Bring mir doch mal das dünne, weisse Fotoalbum im Bücherregal." Oliver tat wie ihm befohlen und zog das Buch aus dem Regal. Mit leichten Schritten ging er auf Ben zu und gab es ihm in die Hand. Ben zeigte ihm die Frontseite. Ein Gruppenfoto von der Hochzeit. "Also", er wies auf das Brautpaar, "der jünglich aussehende Typ mit dem langen Haar ist Joshua. Die Frau mit dem blondem Haar und den asiatischen Gesichtszügen ist seine Frau, Yao." Oliver konnte jedoch den Blick nicht von Annelie nehmen. Die Frau hatte langes, schwarzes, fransiges Haar mit blonden Strähnen, eine sportliche Figur und ein breites Lächeln. Sie wirkte tough, aber gleichzeitig nett und hilfsbereit. Er sah sich im Raum um, nichts deutete darauf hin, dass hier auch eine Frau lebte. "Wir leben nicht zusammen", sagte Ben und lächelte, als Oliver ihn mit hochrotem Kopf ansah, "sie wohnt zurzeit noch in der Schweiz. Sie muss ihre Wohnung kündigen und alte Arbeiten erledigen. Dann zieht sie nach Bonn." Oliver lächelte und formte mit seinen Finger ein grosses Herz. "Ja ich habe sie wirklich lieb", bestätigte Ben und beide sahen auf, als sein Telefon klingelte.


    Semir wartete und schliesslich wurde abgenommen. "Semir, was gibt's?" fragte Ben direkt und Semir holte tief Luft. "Es wurde eingebrochen, in Olivers Wohnung!" Ben sah zu Oliver, der wieder zum Fernseher tappste und sich Roadrunner ansah. "Irgendwelche Spuren?" fragte er nach doch Semir lachte auf. "Auf den Täter nicht. Aber ich weiss was er vorhat!" Bedrückt sah er auf das zerstochene Bild von Oliver. "Er will den Kleinen! Für dich wird's zu gefährlich Ben! Du bist angeschlagen! Ich lasse Oliver in eine geheime Wohnung bringen!" Ben brauchte keine zwei Minuten über seine Antwort nachzudenken. "Nein Semir. Ich habe gesagt ich passe auf den Jungen auf! Und ich halte mich daran! Hartmut hat das schliesslich auch geschafft!" Es wurde aufgehängt. Semir zischte kurz und verstaute das Handy wieder in die Tasche. Er hätte es eigentlich wissen sollte. Was Ben anfängt, führt er auch zuende! Ansonsten hätte er schliesslich nicht zu Semir gehalten, als sie Kalvus jagten.
    "Ich hoffe, du weisst was du tust Ben!" flüsterte Semir nur leise und ging auf seinen BMW zu.


    Karl befand sich in einem Gebäude, das sich gegenüber dem Appartementhaus befand, wo Ben wohnte. Gespannt beobachtete er die Beiden. Anscheinend war der Bulle angeschlagen. Er hatte Mühe, sich zu bewegen. Und das konnte sein Vorteil sein. Es musste die Gelegenheit der Nacht nutzen, um sich den Jungen schnappen zu können. Es musste einfach passieren, das Kind war ein Dorn im Auge. Jedesmal wenn er es erblickte, sah er den geschockten Gesichtsausdruck. Ein Kind konnte noch nicht fassen, wieso man einen Menschen tötete. Es wusste nicht, wie ihn das mit Freude erfüllt hatte. Und das würde ihm wieder geschehen, wenn er den Jungen erledigen würde. Zusammen mit diesem Bulle, der ihm in die Quere kam.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Der stämmige Mann sah weiterhin aus dem Fenster, als sein Augenmerk auf sein Handy gezogen wurde, was in seiner Jackentasche klingelte. "Ja, was gibts?", meldete er sich und sah weiterhin zu der Wohnung des Bullen hinüber. "Hast du es?", fragte eine Stimme am anderen Ende der Leitung. "Ja, aber es gibt da ein kleines Problem.", erwiderte Karl mit leicht zitternder Stimme. "Es gab bei der Beseitigung leider einen Zeugen. Einen kleinen Jungen. ", erklärte er. Einige Minuten war es still am anderen Ende. "Wo ist er jetzt?", kam dann die Frage. "Bei einem Bullen in der Wohnung.", erwiderte Karl und wieder war es still am anderen Ende. "Hören sie, ich krieg das hin. Es ist nur eine Frage von Minuten und ich bin das Problem los.", erklärte Karl, als immer noch keine Antwort kam. Langsam wurde er nervös, wollte schon auflegen, als er plötzlich wieder die Stimme hörte. "Bring mir beide.", befahl die Stimme. "Ich soll was?", Karl verstand nicht ganz warum er dies tun sollte. "Ist das nicht ein zu großes Risiko?" "Kümmer dich nicht darum. Bring mir einfach beide, dann kriegst du einen saftigen Zuschlag.", fauchte die Stimme, dann war ein beendendes Tuten in der Leitung zu hören. Karl ließ resigniert das Telefon sinken. Warum wollte sein Auftraggeber plötzlich den Zeugen und den Bullen haben? Ihm sollte es egal sein, wenn es dafür mehr Geld gab. So brauchte er sich nicht noch einmal die Hände schmutzig machen.


    Draußen dämmerte es schon. Langsam hüllte sich die Stadt in tiefste Dunkelheit. Oliver stand am großen Handwaschbecken und sah sich im großen Spiegel genau an. Während er sich die Zähne putzte, schloss Ben die Wohnungstür ab und schob die Kette vor. "Sicher ist sicher.", dachte er bei sich und legte seine Dienstwaffe dicht neben sich. Er hoffte, dass er sie nicht brauchen würde, doch er konnte ja nicht ahnen, wie nahe das Böse schon lauerte.
    Oliver kam in seinem gestreiften Schlafanzug aus dem Bad und ging langsam in das Gästezimmer. Seine Augen kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, als er das große, geräumige Bett sah. "Gefällt es dir?", fragte Ben plötzlich hinter ihm. Der Junge nickte nur heftig und sprang mit einem Satz in seine Koje. "Möchtest du noch etwas?", fragte Ben dann und Oliver deutete mit wenigen Zeichen an, dass er gerne noch ein Glas Wasser hätte. Ben erfüllte ihm den Wunsch und stellte das Glas dann auf Olis Nachttisch. "Okay, dann schlaf mal gut.", meinte Ben und breitete vorsichtig die Decke über den kleinen Jungen aus. Dieser erhob sich noch einmal kurz und drückte Ben kurz an sich ohne ihn dabei weh zu tun. In Ben kam ein Gefühl auf, was er noch nie gehabt hatte. Sollten das versteckte Vatergefühle sein? Er mochte den Jungen schon nach kurzer Zeit. Aber das der Junge in ihm eine Art Vaterersatz sah, hätte er niemals gedacht. Ben lächelte und strich Oli dann durch sein Haar. Er löschte das Licht und lehnte die Tür nur an. Sein Schlafzimmer war nur eine Tür weiter und er wollte hören, wenn irgendwas war. Langsam begab sich Ben auch zu Bett, konnte aber nicht sofort einschlafen. Noch immer war er über die Geste des Jungen am nachdenken. Darüber jedoch fielen ihm alsbald die Augen zu.


    Schlagartig schreckte er auf und sah sich ängstlich um. Draußen tobte ein heftiges Unwetter mit Platzregen, Blitzen und Donnern. Immer wieder blitzte und donnerte es. Wie er dies hasste, riefen sie in ihm die schlimmsten Bilder hervor. Oli war wach, zitternd blickte er durch die große Fensterfront nach draußen, sah wie der Regen an die Scheiben prasselte, als wenn er sie zum Einsturz bringen wollte, und die Blitzlichter des Gewitters die Nacht erhellten. Er saß aufrecht, die Beine angewinkelt und die Bettdecke bis zu seine Nasenspitze gezogen. Plötzlich dreht er sich zur Tür. War da ein Geräusch an der Wohnungstür gewesen?


    ...

  • Auch Ben sass aufrecht in seinem Bett da er, vor lauter Schmerzen, nicht schlafen konnte und sich so notgedrungen in eine Lektüre vertieft hatte. Er nahm seine Waffe und ging an Olivers Zimmer vorbei, und hielt einen Zeigefinger vor dem Mund, als Oliver aufspringen wollte. "Du bleibst hier", flüsterte Ben und Oliver nickte brav. Er setzte sich wieder aufs Bett und zog die Beine an die Brust.
    Ben lief den langen Gang entlang und stellte sich neben seine Wohnungstür. Jemand machte sich an seinem Schloss zu schaffen, das hörte er genau. Seine Hände spannten sich und der Finger glitt zum Abzug. War es vielleicht der Kerl, der auch in die Wohnung eingebrochen war? Wenn ja, wusste dieser sicher auch, wie man eine Tür aufbrach und zwar im grossen Stil, so dass die Kette auch zerbersten würde. Und das machte ihm Angst. "Komm schon", hörte er eine dunkle Stimme und tatsächlich. Die Tür öffnete sich einen Spalt und Ben wich ein wenig von der Tür zurück. Er zog sein Handy hervor und schrieb im Eiltempo Semir eine SMS. Wenn ihm jemand helfen könnte, dann er.
    Die Tür war einen Spalt weit offen, als die Kette ihren Dienst verrichtete. "Scheisse", stiess die dunkle Stimme hervor und Ben hörte wie sie ausholte. Nun war es soweit, nun würde er kommen! Ben hielt die Waffe in Anschlag. Ein schrecklicher Schmerz durchzog seine Seite doch Ben versuchte sie zu ignorieren. Einfach ignorieren, der Junge war wichtiger! Er musste ihn beschützen.


    Die Tür brach auf, das Glied der Kette zerbrochen. Ein stämmiger Mann stand vor Ben und sah ihn mit grossen Augen an. "Sieh' mal einer an", grummelte er und Ben hielt die Waffe bereit. "Raus", stiess er nur hervor doch der Mann lächelte. "Damit machen Sie mir keine Angst", sagte er arrogant und Ben stand dagegen. "Sollten Sie aber. Mit dem kann ich nämlich sehr gut umgehen. Ein paar vor ihnen haben es schon ausprobiert, wollen Sie sie besuchen gehen? Ist nur um die Ecke, bei den Würmern!" Doch anstatt entrüstet zu reagieren hob der Mann nur die Schultern. "Wie Sie meinen." Ben sah nicht, wie der Mann einen Glasaschenbecher, seit Ben mit Annelie zusammen war hatte er einen bereit, packte und warf. Das Accesoir traf Ben direkt in die Seite und dieser schrie auf. Seine Beine knickten ein und er fiel zu Boden. Die Waffe glitt aus den Händen und rutschte ein-zwei Meter von Ben weg. Er wollte, zitternd und voller Pein, zu der Pistole rüberrobben, als der Mann ihm das Knie an die Stirn donnerte. Ben wurde schwarz vor Augen. Das letzte was er sah waren zwei kleine nackte Füsse, dann hörte er einen Schuss, Semirs Schrei und Getrampel. "Verdammte Scheisse!" Semir sah nur noch wie der Mann wegrannte. Er sah aber auch, wie Oliver sich über Ben beugte und zu weinen begann. "Ben!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Semir ließ von der Verfolgung des Mannes ab, wendete sich an seinen am Boden liegenden Kollegen. "Ben! Komm, wach auf.", flehte Semir, klatschte ihm leicht auf die Wangen und fühlte den Puls seines Kollegen. "Junge, komm schon.", mahnte Semir und sah dann zu seiner Erleichterung, wie Ben die Augen aufschlug. "Semir, du tust mir weh.", grummelte er und versuchte aufzustehen, doch er schaffte es nicht alleine. "Warte, ich helfe dir.", sagte Semir und stützte seinen Partner. Oliver sah seinen großen Freund mit weinenden Augen. "Hey, nicht weinen.", meinte Ben leicht mit einem gequälten Lächeln und wischte ihm die Tränen von der Wange. Oliver sah ihn nur mit leidendem Gesicht an. "Ben, du musst ins Krankenhaus.", meinte Semir und griff zu seinem Handy. "Und wer bleibt bei Oliver?", fragte der junge Hauptkommissar mit verzogenem Gesicht. "Ich denke, das kriege ich noch hin. Falls du dich erinnerst, ich habe eine Tochter.", scherzte Semir und rief die Ambulanz. Doch Oliver ging zu Ben und nahm seinen Arm. "Was denn? Sag jetzt nicht, dass du bei Ben bleiben willst?", fragte Semir leicht enttäuscht. Oliver bejahte dies mit einem intensiven Nicken. "Tja, jetzt weißt du, wen von uns er lieber mag.", scherzte Ben und streckte Semir die Zunge entgegen. "Bist du wieder witzig."


    Nur wenige Minuten später sah Karl von seinem Versteck, hinter den nahegelegenen Müllcontainern des Wohnblocks gegenüber, wie der Bulle in den Krankenwagen geschoben und dieser dann mit lautem Getöse davonfuhr. "Verdammt, wie konnte ich den Kleinen nur verfehlen?", fragte er sich. Wenn dieser Türke nicht dazwischen gekommen wäre, hätte er den Jungen gehabt. Egal, er musste es noch mal versuchen. Doch nicht mehr heute Nacht. Das würde nicht mehr klappen. Die Bullen waren jetzt wachsam und da hatte er keine Chance. Er würde sein Glück wieder versuchen, doch jetzt hieß es beobachten und abwarten.


    "Tja, Herr Jäger.", fing dann der Arzt an, der Ben schon bei der ersten Untersuchung betreut hatte, er stellte sich als Dr. Henning vor. "Nun, ich habe sie ja hier nicht so schnell wieder erwartet." "Ging mir genauso, aber einer wollte partout nicht aus meiner Wohnung verschwinden. Er warf einen Aschenbecher nach mir.", erklärte Ben leicht gequält und sah dann zu Oliver, der auf einem Stuhl neben ihm saß. "Also, wie ich schon beim letzten Mal sagte, fünfte und sechste Rippe gebrochen, siebte geprellt und eine leichte Quetschung.", erklärte Dr. Henning dann. "Und was heißt das jetzt?", fragte Ben. "Normalerweise würde ich sie eine Woche hier behalten,", fing er an, sah dann aber Bens erschrockenes Gesicht, "aber, so wie ich sie einschätze, wollen sie gleich nach Hause.", endete er dann und Ben nickte nur heftig. "Okay, ich gebe ihnen dann was gegen die Schmerzen, sie machen sich bitte kalte Umschläge und halten drei Wochen lang strickte Ruhe.", mahnte der Arzt und entließ dann die Beiden wieder.


    Semir half Ben dabei, sich auf die Couch zu setzen. Oliver setzte sich ans Klavier und beobachtete die Beiden. "So, was hat denn der Arzt gesagt?", wollte Semir sofort wissen. "Ich soll mich drei Wochen lang ausruhen, aber Semir, wie soll ich mich dann um den Jungen kümmern?", fragte Ben und sah zu Oliver, der wie in Tranche das Klavier aufklappte. Seine kleinen Finger berührten die Tasten und er spielte eines seiner schön traurigen Lieblingslieder "My Way". Ben und Semir hörten dem Song aufmerksam zu und sahen, wie konzentriert der kleine Junge war und wie ihm dabei Tränen nur so über die Wange liefen. Sie wussten ja nicht, dass dies das erste Lied war, dass Olivers Vater seinem Sohn, als er noch ein kleines Baby war, auf dem Klavier vorgespielt hatte und ihm dann später beibrachte. Ben konnte nicht anders. Leise, langsam sang er den Text mit und ging dabei, nachdem er sich mühsam von der Couch erhoben hatte, auf Oliver zu. Der Kleine sah ihn mit verweinten Augen an, Ben wischte sie ihm vorsichtig ab. Semir beobachtete mit gemischten Gefühlen die Szenerie. Dann als das Stück zu Ende war, fiel Oliver seinem Beschützer weinend in die Arme und verharrte dort lange Zeit.


    ...

  • Semir seufzte. Der Junge würde sich niemals von Ben lösen. Da er ja seine Mutter nicht mehr hatte, für den Moment, hatte er in Ben eine Vertrauensperson gefunden. Hitzig dachte er nach, wie er die Beiden zusammen beschützen konnte und dabei weiterermitteln können. Ein Ding der Unmöglichkeit. Er packte das Handy und wählte eine Nummer. "Susanne? Ich brauche Hotte und Dieter! Sie sollen jeden Zeugen verhören und mir dann die Ergebnisse mitteilen! Und bitte das LKA, für drei Personen eine Schutzwohnung zu engagieren! Ja genau, für Ben, den Jungen und mich!" Semir hängte auf und Ben sah ihn fassunglos an. "Aber Andrea..." "...wird es verstehen! Sie wollte sowieso mit Aida zu ihren Grosseltern fahren! Da braucht sie mich nicht!" Ben atmete erleichtert aus. Oliver, war in seinen Armen eingeschlafen. "Ich mache das alles unter einer Bedingung!" Du schonst dich Ben! Du bist blass und abgekämpft! Nun sind zwei deiner Rippen definitiv gebrochen und die eine geprellt! Dazu noch eine leichte Quetschung! Ein noch grösseres Risiko, will ich nicht eingehen!" Ben konnte Semir begreifen. Zudem sah er wieder diese väterliche Sorge in Semirs Augen. Und da konnte er nur noch aufgeben. "Ich werde alles tun was du verlangst", erwiderte er mit einem müden Lächeln und Semir atmete erleichtert aus. "Semir, hast du Susanne gesagt, sie soll eine Wohnung mit Klavier bestellen?" Semir schüttelte mit dem Kopf. "Tut mir leid", meinte er dann ein wenig verwirrt und Ben winkte ab. "Ich habe noch ein Keyboard! Der Kleine sollte nicht so wählerisch sein!" Semir begann dann, Taschen zu packen. "Wir werden wohl oder übel noch zu mir gehen. Ich rufe Andrea an und erkläre ihr die Sachlage, sie wird mir sicher etwas zusammenstellen!" Ben nickte und blieb fest auf dem Sessel sitzen, er wollte nicht, dass Oliver aufwacht.


    Die Wohnung, die Susanne noch beim LKa beorden konnte, war klein und schmal, doch für drei Personen geeignet. Semir hatte das Gepäck in den Händen und die Tasche mit dem Keyboard um die Schulter geworfen. Oliver hielt eisern Bens Hand und war immer wieder den Tränen nahe, wenn Ben das Gesicht verzog. Er musste höllische Schmerzen haben. Ach, hätte er doch einfach das Maul gehalten. Dann wäre das alles nicht passiert. Und wäre er doch nicht weggelaufen, oder zumindest nicht zu der Bushaltestelle! Sein ganzer Kopf war mit Schuldgefühlen gefüllt und liessen ihn einfach nicht los.
    "So, niemand, ausser Susanne, Hotte und Dieter wissen, dass wir hier sind! Das sollte eigentlich auch so bleiben!" Ben nickte und setzte sich sofort auf die bequem aussehende Couch. "Du solltest dich hinlegen!", empfahl Semir besorgt und Ben nickte. "Also Oliver", begann er stockend und wies auf die längliche Tasche, die Semir immer noch trug, "dort drin ist mein Keyboard. Du kannst damit spielen, so oft du willst. Semir hat genügend Batterien eingepackt!" Semir hielt, zum Beweis, eine Plastiktüten mit den Energiegebern auf. "Und wenn du für dich alleine spielen willst, haben wir einen Kopfhörer noch eingepackt!" Oliver nickte dankend und Ben richtete sich zitternd auf, nahm seine Tasche und verschwand in dem Zimmer.


    Semir legte die Taschen ab und Oliver begann zu schluchzen. Die dicken Tränen kullerten über seine Wangen. Semir setzte sich neben ihn und legte einen Arm um den Jungen. Er liess ihn gewähren. "Du machst dir Vorwürfe nicht wahr?" Oliver nickte heftig und schniefte laut. "Das ist doch nicht deine Schuld Kleiner, du hast das Richtige getan!" Olivers Augen funkelte. Er nahm seinen Block hervor und schrieb schnell was darauf. "Na sicher! Deshalb hat Ben nun so schmerzen!" Semir nahm sanft den Block und legte ihn auf den Tisch. "Ben ist ein loyaler Kerl Oliver", begann Semir mit sanfter Stimme und drückte den Jungen an sich, "wenn Ben mal jemanden gern hat, lässt er ihn niemals alleine! So kurz die Zeit auch sein mag, in der man sich kennt!" Oliver schmiegte sich an Semir. Ben vertraute diesem Deutschtürken, also konnte er ihm auch vertrauen. Er zeigte zum Zimmer, wo Ben war, dann auf sich und formte dann ein Herz. "Ja, ich denke er mag dich! Glaub' mir!" Oliver lächelte leicht. Ach hätte er doch seine Stimme wieder. "Wollen wir mal sehen, wie's ihm geht?" Oliver sprang auf, rannte zu Bens Zimmer und sah seinen Freund im Bett liegen. Ben hatte eine Sporthose und ein T-shirt an. Die Decke war kaum über den Körper geworfen. "Ich wusste doch dass er K.O. ist!" grummelte Semir und sah, wie Oliver auf das Bett zuging, Ben richtig zudeckte und ihm einen Kuss auf die Wange gab.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Semirs Handy klingelte. Um Ben nicht zu wecken, verzog er sich schnell in sein Zimmer. "Hotte, was gibts?", fragte der Deutschtürke durchs Telefon. "Semir, wir haben die Identität von unserem Toten. Er heißt Andreas Mahler, ein Gelegenheitsarbeiter. Zuletzt hatte er in Bonn im Beethovenmuseum als Wachmann gearbeitet.", erwiderte der Polizist. "Aha, findet doch mal raus, wie sein Arbeitsverhältnis so war und ob irgendwas in der Zeit vorgefallen ist. Wer ist eigentlich bei Frau Hoffmann?", wollte Semir nach seinen Anweisungen wissen. "Dieter ist momentan noch bei ihr.", entgegnete Hotte. "Gut, nimm dir Siggi noch mit und fahr dann sofort wieder zu Dieter, wenn du alles erledigt hast.", wies Semir seinen Kollegen an. "Alles klar, Semir.", beendete Hotte dann das Gespräch und machte sich sogleich auf den Weg nach Bonn.
    Semir kam wieder ins Wohnzimmer und sah, wie Oliver das große, schwere Keyboard aufbaute. "Warte Kleiner, ich helfe dir.", meinte Semir und fasste mit an. Das Ding war wirklich sehr schwer. Oliver baute die Stelzen an das Musikinstrument ran und Semir stellte es dann auf. Sofort hatte sich der Junge einen Stuhl gekrallt, setzte sich an den Klavierersatz, für ihn war es so, üben musste er zuhause auch auf so einem kleinen Teil, er vermisste jetzt schon Bens Flügel, und ließ wieder seine kleinen Finger über die Tasten huschen. Ein bekanntes Lied erklang aus den Lautsprechern des Keyboards. Semir kannte es gut, war es doch eines seiner Lieblingslieder. We are the champions von Queen. Konzentriert streiften die Finger die schwarzen und weißen Tasten und Semir hörte einfach gebannt zu. Für seine 12 Jahre war er ein höchst begabter Junge. Semir sah ihm nur beim Spielen zu. Er würde diesen kleinen Genius unter Einsatz seines Lebens beschützen. Was er nicht wusste, es würde sehr bald nötig sein.


    Karl war zu seinem Auftraggeber bestellt worden. Eine luxoriös aussehende Villa am Rande von Luxemburg, umgeben von einer roten Backsteinmauer. Seine Schritte durch den großen Garten wurden von mindestens drei Kameras verfolgt, soviel konnte er feststellen. Dann wurde er von einem Mann in den Wintergarten geführt, wo ein älterer Mann mit schneeweißem Haar vor einem Klavier saß und Beethovens Neunte spielte. Der Mann, der Karl hergebracht hatte, deutete ihm an, dass er still warten sollte, bis sein Chef mit Spielen fertig war.
    Nach wenigen Minuten, in denen er den Mann intensiv beobachtete, stand dieser auf und sah Karl. "Nun, wo ist mein Notenblatt und der Junge?", fragte er und klappte ehrfurchtsvoll den Tastenschutz runter. "Es gab leider einige Schwierigkeiten. Der Partner des Bullen ist mir in die Quere gekommen.", erwiderte Karl mit nervöser Stimme. "Das ist schlecht, sehr schlecht. Und zwar für dich.", meinte der Mann. "Hören sie, Monsieur van Vaarten. ich weiß gar nicht, warum sie sich mit den Jungen belasten wollen." "Wie alt ist dieser Junge? Elf, höchstens zwölf, Kinder in diesem Alter sind leicht beeinflussbar. Ich werde ihm ohne jegliche Gewalt die Erinnerung nehmen.", meinte er und ging zu einer seiner vielen Pflanzen, die neben dem Klavier standen. "Diese Engelstrompeten sind erstaunlich. Ihr Saft wirkt auf den Menschen halluzinierend und löscht Erinnerungen aus.", sinnierte van Vaarten, wandte sich wieder an Karl. "Bring mir den Jungen.", wies er Karl an und ließ ihn aus seinem Haus bringen. "Wie soll ich das machen? Sie haben ihn in eine andere Wohnung gesteckt?" "Ich habe Kontakte in Köln. Meine Leute werden das schon herausfinden."


    Inzwischen war Oliver auch hundemüde. Der Tag war anstrengend genug. Der Kleine legte sich schlafen und Semir ging alle Stunde nach ihm und Ben sehen. Beide schliefen tief und fest. Lächelnd zog er sich auf die Couch zurück, wo er sein Nachtlager hatte, direkt gegen über der Eingangstür und neben den großen Fenstern. Seine Dienstwaffe lag unter seinem Kopfkissen. Gerade wollte er sich hinlegen, als sein Handy neben ihm vibrierte. "Semir, ich bin's, Hotte.", meldete sich Semirs Kollege. "Hotte, was gibts?", wollte Semir wissen. "Also Andreas Mahler schien nicht sonderlich arbeitssam zu sein. Die wollten ihm heute sogar kündigen, weil er im Verdacht stand, mit dem Einbruch was zu tun zu haben.", erzählte Hotte. "Was für ein Einbruch?" "Vor drei Tagen wurde aus dem Museum die Erstveröffentlichung eines Beethoven-Liedblattes gestohlen. Der Direktor meint, dass dahinter nur ein leidenschaftlicher Sammler stecken kann. Erpressung schließt er aus.", erklärte Hotte. "Gut danke, fahr jetzt zur Mutter zurück. Ich meld mich wieder.", beendete Semir das Gespräch.


    ...

  • Oliver erwachte als Erster. Er tappste nach vorne ins Wohnzimmer und ging zum Keyboard. Er stöpselte den Kopfhörer in den Anschluss und drückte sich die Knöpfe ins Ohr. Er spielte ein Klavierstück Silbermond. "Das Beste". Eigentlich mochte er solche Weibermusik nicht, aber der Text dieses Liedes hatte ihn tief berührt. So konnte er es innert kurzer Zeit auswendig spielen. Dieses Lied erinnerte ihn an seinen Vater. Seinen gutherzigen Vater. Dieser dumme Autounfall. Wieso musste dies nur geschehen? Wieso hatte Gott diese Ungerechtigkeit zugelassen? Er konnte es nicht begreifen. Doch allmählich waren die Tränen versiegt. Sein Vater war nun lange tot. Im Himmel, wo er es sicher gut hatte.
    Die Finger kreisten über die Tastatur und die Musik erfüllte sein Ohr. Er war selbst von seinem Talent überzeugt. Einer der wenigen Dinge die er sich sicher war war, dass er Klavier spielen konnte. Und das er Ben Jäger mochte. Dieser Mann hatte ihm nun schon zwei Mal das Leben gerettet. Jedesmal musste er dafür Schmerzen ertragen. So viel Mut hatte er noch nie erlebt! Doch so etwas schien wahre Freundschaft zu beweisen. Doch, mochte Ben ihn denn genau so wie er ihn? Irgendwie wollte er nicht drüber nachdenken! Hauptsache er mochte ihn. Und das reichte ihm für diesen Moment vollkommen!


    Semir war gerade auf der Toilette, als der Junge nach vorne schlich. Er wusch sich einmal das Gesicht und ging dann hinaus. Oliver sass vor dem Keyboard und sein Körper sauste hin und her. Er spielte wieder. Semir schien es beinahe so, als das Klavierspiel diesen Jungen am Leben erhielt. Also wollte er ihn nicht stören. Er wollte lieber mal sehen, wie es Ben geht, da dieser aschfahl war, als er schlief. Semir schob die Türe langsam auf und sah, wie die Sonne bereits schon durch die Vorhänge ins Zimmer schien. "Gib' dir keine Mühe, man hört dich sofort!" Semir ging auf Ben zu und sah, wie dieser immer noch in der gleichen Stellung lag, wie sie ihn verlassen hatten. "Wie geht's dir?" fragte Semir besorgt und Ben bewegte sich nicht. "Nicht so gut", gestand er und verzog das Gesicht. "Ich kann mich kaum bewegen..." Semir nickte langsam und ging zum Fenster, um die Vorhänge zu öffnen. Ben kniff kurz die Augen zusammen und öffnete sie dann wieder. Langsam gewöhnte er sich an das Licht. Semir kniete sich neben ihn. "Schaffst du es aufzustehen?" Ben lächelte leicht. "Wenn ein gutes Frühstück winkt", entgegnete er dann uns Semir grinste. "Kommt darauf an. Wenn du Spiegelei und Speck magst!" Ben nickte. "Gib' mir ein paar Minuten!" Semir ging aus dem Zimmer.


    Ben richtete sich langsam auf und blickte auf das Glas Wasser, dass sich auf dem Nachttisch befand. Daneben die Schachtel Schmerzmittel, die ihm der Arzt verschrieben hatte. Er drückte eine der Pille aus der Packung und schluckte sie mit einigen Schlucken Wasser herunter. Sofort machte sich ein bitterer Geschmack in seinem Mund breit. "Igitt!" stiess er hervor und stand langsam auf. Er zog sich noch ein paar Socken an, da der Boden eiskalt war. Fliessen! Wie zuhause! Doch wenigstens in seinem Schlafzimmer hatte er noch einen Teppichboden, was hier nicht der Fall war. Langsam ging er nach vorne, wo Semir schon dabei war, das Frühstück vorzubereiten. Oliver sass am Keyboard und spielte immer noch. Ben schlich sich hinter ihn und zog langsam die Kopfhörer aus dem Ohr. Sofort drehte sich der Kleine um. "Hab' ich dich erschreckt?" fragte Ben mit einem Lächeln doch Oliver schüttelte mit dem Kopf. Er sprang vom Stuhl und umarmte Ben dort, wo er keine Schmerzen hatte.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Ben erwiderte die Umarmung so gut er konnte. Dann langsam und vorsichtig löste er sich und ging zum Keyboard. "Komm, während Semir Frühstück macht, spielen wir was zusammen.", meinte Ben und sofort war Oliver begeistert. Schnell hatte er sich neben Ben gesetzt und verfolgte aufmerksam, was für Noten sein großer Freund in den Notenständer heftete. Durch eine zustimmende Bewegung mit dem Kopf gefiel Oliver die Auswahl von Ben. "Yesterday" ein so wunderbar trauriges Lied, wie Oliver fand. Beide leießen wieder ihre Finger über die Tasten huschen ohne sich zu berühren oder zu behindern. Ben sah, wie Oliver zu lächeln anfing und so musste er auch unweigerlich lächeln.
    "Frühstück!", rief Semir ins Wohnzimmer und hörte zwei Sekunden später schnelle, kleine und große Schritte auf dem Flur, die wie eine Horde Wildpferde in die Küche drangen und sich über das Frühstück hermachten. Oli schlang sein Spiegelei fast mit einem Male hinunter. "Hey, langsam, sonst verschluckst du dich noch.", meinte Ben fürsorglich und Semir sah ihn mit wundernden Augen an. "Was ist?", fragte er. "Gerade du sagst dem Jungen, er soll nicht so schlingen, wo du doch der größte Staubsauger bist, den ich kenne.", feixte Semir und biss in seinen Toast. "Sagt der, der beim Apfelessen immer schmatzen muss.", konterte Ben mit vollem Mund. Oli konnte nur grinsen über diese unterschiedliche Partnerschaft.


    Karl wartete auf den alles entscheidenden Anruf. Ungeduldig steckte er sich eine Zigarette nach der anderen an. Dann endlich kam das erlösende Klingeln. "Ja?", meldete er sich. "Sie sind in der Alfred-Dunkel-Straße in Düsseldorf. Eine Drei-Zimmer-Wohnung. Bring mir den Jungen.", kam vom anderen Ende der Leitung. "Ja, und wie soll ich die Bullen ausknipsen?", fragte Karl dann. "Lass dir was einfallen. Du hast dir doch selbst die Suppe eingebrockt. Wenn die Bullen im Weg sind, lenk sie irgendwie ab.", wies die Stimme an. "Okay, was ist mit meinem Geld?", wollte Karl dann wissen. "Sobald du den Jungen hier hergebracht hast, kriegst du, was dir zusteht.", erwiderte van Vaarten und legte dann auf.
    Ablenken? Wie sollte man Bullen ablenken, die den Jungen beschützen, als wäre es kostbares Juwel? Da kam ihm die Idee. Er musste doch nur im Haus Feuer legen. Bei dem allgemeinen Durcheinander würde er sich dann den Jungen holen. Ja, das war ein guter Plan.


    Ben hatte sich im Wohnzimmer auf die Couch gesetzt und schlief ein wenig, Oliver saß am Fenster und beobachtete den nahegelegenen Spiel- und Freizeitplatz. Jungen in seinem Alter spielten dort Tischtennis, Basketball oder saßen in Cliquen zusammen auf den Bänken rum. Oliver hatte nur sehr wenige Freunde, wie sollte er auch mit ihnen beim Fußball kommunizieren? Wie beim Basketball verständigen, wenn er einen Mann deckte? Für andere war Sprache selbstverständlich, doch wenn sie fehlte, merkte man erst, wie sehr man sie braucht. Semir sah das trübe Gesicht des kleinen Jungen und er ging zu ihm.


    ...

  • "Wie würdest du es finden", begann er und Oliver sah Semir an, "wenn wir mal zusammen spielen würden. Du, ich und Ben. Wenn das alles vorbei ist!" Mit leuchtenden Augen nickte Oliver begeistert und klatschte sich in die Hände. "Wusste ich doch, dass dies gefallen würde. Aber nimm dich in Acht! Vor dir steht ein ehemaliger Juniorenmeister!" Semirs, absichtliches, Gepralle brachte Oliver zum Lachen und der Deutschtürke grinste erleichtert. Wenn ihm etwas das Herz zeriss, dann traurige Kinder.
    Semirs Handy klingelte und er nahm ab. "Hartmut?" Der Rothaarige lachte. "Morgen Semir! Ich habe den Bericht des Gerichtsmediziners gelesen. Todesursache waren eindeutig die Einstiche. Keine sonstigen Verletzungen. Der Typ muss so platt gewesen sein, dass er sich nicht gewehrt hat!" Semir rollte mit den Augen. "Ich möchte dich sehen, wenn man dir acht Messerstiche verpasst!" Hartmut schien dies nicht zu beindrucken. "Am Tatort habe ich kein Messer gefunden. Der Täter muss es anscheinend mitgenommen haben. Der Kleintransporter, oh du wirst dich wundern war..."
    "...gestohlen!", vollendete Semir den satz und wieder lachte Hartmut. "Wie bist du nur da drauf gekommen!", scherzte er und Semir gab ein, "jahrelange Erfahrung", zurück bevor er auflegte. Er hörte, wie Ben sich aufrichtete, aber sich nicht wagte, sich zu strecken. "War das Hartmut?" fragte er und Semir berichtete Hartmuts Ergebnise. "Viel ist das ja nicht", grummelte Ben und lehnte sich gegen die Rückenlehne des Sofas. "Glaubst du, der Typ wird uns finden?" Semir sah, wie Ben besorgt zu Oliver blickte, der wieder die Kinder begutachtete. "Keine Ahnung", gestand der Deutschtürke ehrlich und seufzte, "Ben, du magst den Kleinen nicht wahr?" Semirs Stimme war auf einmal leise und düster geworden. Ben winkte ab. "Nur so, wie ein Beschützer sein Bündel mag", erwiderte er und Semir seufzte.


    Karl hatte sich einen Kanister Benzin geholt und verteilte den Kraftstoff im Keller. Die Dämpfe stiegen bereits in die Höhe und Karl zog ein Feuerzeug hervor. Schnell entfachte er es und schmiss es inmitten der Benzindämpfe. Bevor er die Tür schloss, konnte er noch die Stichflamme sehen. Nun musste er abwarten. Da dieses Wohnhaus schon alt war, hatte es keine Feuermelder und die Leute mussten sich auf ihre Intuition verlassen. Perfekt für seinen Plan. Er ging in das Erdgeschoss und konnte sich zurücklehnen.
    Es dauerte nicht lange, bis das Feuer sich schon die Treppen hinauf züngelte. "Oh mein Gott", schauspielerte Karl und schrie, "FEUER! Es brennt!" Er betätigte den Alarmknopf und es heulte erbärmlich! Leute kamen aus ihren Wohnungen und packten ihre Kinder. Sie rannten hinaus und der beissende Rauch begann sich, im ganzen Gebäude breit zu machen!


    Oliver roch den starken Geruch und sah nach draussen. Er sah die züngelnden Flammen, die aus dem Fenster kamen. Semir und Ben gesellten sich zu ihm. "Verdammte Scheisse!" stiess Semir hervor und rannte nach draussen, um sich zu vergewissern, ob noch jemand da war. Und tatsächlich, eine alte Frau, bestimmt über 80, nur 1.30 gross, hatte Mühe, die Treppen hinunter zu gehen. "Ben, nimm du den Kleinen!" Ben beugte sich mit verzogendem Gesicht zu Oliver und hielt ihm die Hand hin. "Lass' uns verschwinden!" Nichts lieber als das!, drückten Olivers Augen aus und sie gingen aus der Wohnung. Oliver widmete noch einen kurzen Blick dem Keyboard. Semir hatte die Frau auf die Arme genommen. "Wir müssen hier raus!" stiess er hervor, da der Rauch in seiner Kehle brannte. Ein unerträglicher Schmerz. Je weiter runter sie kamen, desto stärker wurde der Rauch und die Menschenmenge. Ben konnte kaum noch was sehen und spürte nur, wie Olivers Arm seinen umklammerte. Doch dann näherte sich etwas von hinten, stiess in Bens Seite und er schrie auf. Er wurde zu Boden gestossen und merkte, wie ihm Oliver aus dem Arm gerissen wurde. "Scheisse, nein! OLIVER!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Ben versuchte aufzustehen, doch er kam nur sehr langsam hoch. Der Rauch nahm ihm Sicht und den Sauerstoff. "Mach jetzt nur nicht schlapp. Denk an den Jungen, er hat dich gern.", fauchte sein Gewissen und weckte den Kampfgeist im jungen Hauptkommissar. Humpelnd lief er die Treppen hinunter und suchte sich seinen Weg durch den Rauch. Hustend und humpelnd gelang der Kommissar ins Freie und blickte sich schnell um. Wo war dieser Angreifer mit Oliver? Verdammt, er hatte den Jungen im Stich gelassen. Wild sah er sich um, konnte dennoch niemanden entdecken. Doch da sah er Olivers roten Pullover vorschimmern, der gerade unter wilder Gegenwehr in einen Kleinbus geworfen wurde.
    Mit letzter Kraft rannte Ben los. Die Schmerzen versuchte er, so gut es ging zu ignorieren, und näherte sich dem Fahrzeug. Er packte den Mann an der Schulter und drehte ihn zu sich um. Erschrocken sah Ben in die Augen des Mannes, der ihn schon mit dem Aschenbecher attackiert hatte. "Du schon wieder.", fauchte er nur und im nächsten Moment sah Ben nur noch, wie eine Faust auf ihn zu kam.


    Semri brachte die alte Dame zu einem der schon eingetroffenen Notärzte und sah sich dann um. Ben stand an einem Kleinbus und schien mit jemanden zu sprechen. Doch plötzlich ging er in die Knie und wurde mit dem Kopf gegen die Tür geschlagen. "Ben!", rief Semir und rannte los. Der Deutschtürke sah nur noch, wie Ben in den Bus geworfen wurde, die Tür zuschlug und der Fahrer wegfuhr. "Ben!", schrie Semir hinterher und entdeckte dann ein offenen Notarztwagen. "Ich borg mir den mal kurz.", rief er dem Arzt daneben zu und zeigte ihm seinen Dienstausweis. Mit heulendem Motor startete Semir die Verfolgung. Schon nach wenigen Querstraßen hatte er das Fahrzeug eingeholt.


    "Verdammt, der auch noch.", fluchte Karl und riss das Steuer in eine kleine Straße rum. Der Wagen schwenkte so sehr aus, dass Oliver mit der Stirn an die Wand knallte und sich eine kleine Platzwunde bildete. Doch die meiste Sorge des Jungen galt Ben. Sein Freund war immer noch ohne Bewusstsein und Blut lief durch die Haare auf die Stirn hinab. Ben, wach auf. Bitte, lass mich nicht schon wieder alleine! Dem Jungen kamen unweigerlich die Bilder seines Vaters wieder hoch, wie er nach dem schweren Unfall da lag und sich nicht mehr regte.


    Ein klarer Frühlingsnachmittag. Oliver und sein Vater waren auf dem Weg zu ihrem gemeinsamen Campingausflug. Sie hatten an einem kleinen See ein beschauliches Plätzchen gefunden, wo sie ungestört ihre Musik zusammen spielen und Angeln konnten. Sie lachten und sangen die Songs aus dem Radio mit. Oliver, gerade sieben Jahre alt geworden, lag in seinem Sitz und schlief. Sein Vater sah ihn mit lächelnder Miene an. Leise erreichten sie den See und Oliver wurde sanft von seinem Vater geweckt. Sie luden die Angeln aus und wollten dann ein kleines Feuer machen. Dabei passierte es. Der Wind trieb die fliegende Glut mitten auf die Markise, die über dem Eingang des Wohnmobils hing, und unter der die beiden saßen. Beherzt griff Olivers Vater seinen Sohn, brachte ihn in Sicherheit und versuchte das schnell ausbreitende Feuer zu löschen. Doch die brennende Markise stürzte, mitsamt der metallischen Konstruktion auf den Mann hinunter und begrub ihn. Oliver schrie sich die Seele aus dem Leib, wollte hinrennen, seinem Vater helfen, doch das Feuer, was sich rasch ins Wohnmobil ausbreitete, war zu heftig. Er musste mit ansehen, wie sein Papa von den Flammen getötet wurde.


    ...

  • Musste Ben nicht schon genug ertragen?, fragte Oliver sich und die Tränen liefen über seine Wangen. Er nahm eines der Papiertaschentücher hervor, dass er mitgenommen hatte und suchte Bens Kopf nach der Wunde ab. Und tatsächlich, eine kleine Offene Wunde nahe dem Haarschopf. Oliver wunderte sich immer wieder dass es die kleinsten Wunden waren, die so bluteten. Er drückte das Tuch auf die Wunde und legte seine Kopf auf Bens Brust. Das Herz schlug. Ein Glück! Ben lebte. Wach doch bitte auf, wollte er ihm sagen doch wie ohne Stimme. Jedes andere Kind hatte einen Schock ohne Nachwirkungen überwunden, doch er musste seine Stimme aufgeben, um wieder leben zu können. Erst jetzt, regte ihn diese Ungerechtigkeit auf.
    Karl sah nach hinten in den Rückspiegel. Der Junge weinte ohne einen Ton von sich zu geben. War er stumm? Wenn ja, wieso machte er sich dann überhaupt sorgen? Doch sein Boss hatte es ihm befohlen, weg mit den Zeugen. Weg mit allem, was auf ihn hinweisen würde. Mit einem diabolischen Lächeln sah er zu dem Rettungswagen, der ihn verfolgte. Der Bulle traute sich allen Anschein nach nicht, auf ihn zu schiessen. Zu gross war die Angst um seinen Partner und um den Jungen. Aber irgendwas hatte der Deutschtürke im Sinn. Das Gesicht zeigte Selbstsicherheit, und das gefiel ihm überhaupt nicht!
    Bens Lider flackerten und langsam öffnete er die Augen. Sein ganzer Körper bestand nur noch aus Blei. Er konnte sich nicht mehr bewegen. Er hörte etwas schnaufen. Oliver. Der Junge hatte sich über ihn gebeugt und biss sich auf die Unterlippe. Ben musste sich überwinden, er musste sich aufrichten. Immer wieder unterdückte er spitze Schreie und wollte sich das Husten verkneifen. Seine Lungen brannten unerbitterlich. Er nahm Oliver in den Arm und drückte ihn an sich. "Alles wird gut Oli..." flüsterte er mit sanfter Stimme.


    Semir sah, wie der Mann in die Autobahneinfahrt bog. Seine Chance. Nun hatte sich der Kerl in vertrautes Revier geschlichen und dort würde er zuschlagen. "Du entkommst mir nicht Freundchen!", sprach er sich selbst Mut zu und drückte aufs Gaspedal, während er seine Pistole hervorzog und einmal kreisen liess. Sein Ritual. Er würde sie rausholen, wollte er sich mit seiner Geste zeigen. Du kannst das Semir, Ben vertraut dir!
    Er befand sich neben dem Wagen und Karl liess die Scheibe herunter, zielte mit seiner Waffe auf Semir und schoss. Doch traff er nicht. Einhändig zu lenken und gleichzeitig schiessen, war für einen unerfahrenen Typen schwierig. Und Karl, schien so einer zu sein. "Pech gehabt!" murmelte Semir, öffnete sein Fenster und zielte auf die Reifen. Und er traf. Der Wagen drehte sich ein paar Mal und kam dann, glücklicherweise zum Stehen. Auf dem Pannenstreifen. Semir fuhr darauf zu und hielt an. Karl musste handeln. Den Jungen konnte er nicht nehmen, davon würde sich der Bulle weniger beeindrucken lassen. Also packte er sich Ben. Oliver wollte sich wehren doch dann drückte Karl dem Polizisten die Waffe an die Schläfe und Oliver war alt genug um zu wissen, was dies bedeutete. "EIne falsche Bewegung Kleiner und dein Freund stirbt!" Oliver sah, dass Ben zu schwach war um sich zu wehren. "Wenn du den Jungen tötest, bring ich dich um!" drohte Ben trotzdem und wurde von Karl aus dem Auto gezogen. Semir kam, mit der Waffe im Anschlag, auf die Beiden zu.


    "Waffe fallen lassen Kanake!", stiess Karl hervor und drückte Ben die Waffe noch dichter an den Kopf. Semir zuckte leicht bei der Beschimpfung, rührte sich aber nicht. "Tu ja nicht was er sagt Semir!", mahnte Ben und bekam als Belohnung einen kurzen Schlag auf die kaputten Rippen. Ben musste sich konzentrieren! Er durfte nun nicht den Halt verlieren. "Lassen Sie ihn los! Es hat doch keinen Zweck!" Karl begann spürbar zu zittern. Er hatte Angst, Angst um sein Leben. Sein Finger krümmte sich um den Abzug. "Wenn du nicht gehen willst", begann er und wollte schiessen, als Ben mit letzter Kraft den Arm packte, ihn nach unten drückte und den Abzug so betätigen konnte, dass Karl sich selbst in den Fuss schoss. Sofort strömte aus dem Schuh Blut und der Angreifer fiel nach hinten. Ben sackte zusammen und Oliver rannte auf ihn zu. Hielt ihn fest und begann, stumme Schreie auszustossen. Ben nahm seinen Schützling zitternd in die Arme während er zusah, wie Semir dem Mann Handschellen anlegte und die Verstärkung verständigte. Oliver begann bitterlich zu weinen. Nun kam alles zusammen. Ben drückte ihn noch fester an sich. Ignorierte jeden Schmerz, den ihn durchzog. "Alles wir gut Oliver", flüsterte er mit krächzender Stimme, noch immer schmerzten seine Lungen, in Olivers Ohr, "es ist vorbei!" Doch Ben wusste noch nicht, dass dies erst der Anfang war. Denn Karl war nur ein Handlager. Von einem viel gefährlicheren Gegner.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!