Gefallener Engel






  • 1.





    Es war morgens um acht, als Ben auf dem Motorrad Richtung PAST fuhr. In seinen Ohren, die Stöpsel seines I-Pods. Nickelbacks, "Animals" dröhnte auf lautester Lautstärke. Er fuhr wieder einem Stil, bei dem Semir es wieder die Nackenhaare aufgestellt hätte. Doch Semir war nicht da und das war sein Vorteil. Semir hatte Urlaub, wollte ihn mit seiner Familie verbringen. Einen alten Freund besuchen, hiess es. Ben war es egal. So gute Freunde sie geworden sind, in so privaten Sachen, schnüffelte der junge Hauptkommissar noch nicht nach. Für das, war ihre Freundschaft noch in einer zu starken "Anfangsphase". Auch wenn es weibisch klang, war es so. Semir fragte ja auch nicht nach, wenn er mal wieder mit gutgelauntem Gesicht, nach dem Wochenende, ins Büro kam. Okay, Ben dachte da aber manchmal auch, dass dies wirklich niemanden interessierte. Selbst Hartmut nicht.
    Ben bog in die Kurve ein, die zur PAST führte und parkte sein Motorrad. Mit einer schnellen Fussbewegung hatte er den Ständer hervorgeholt und sorgte so dafür, dass sein Motorrad stehen blieb. Gekonnt zog er seinen Helm ab und legte diesen auf den Sitz. Er begrüsste einen vorbeilaufenden Polizisten und lief ihm hinterher. Ben musste sich also auf eine ganze Woche ohne Semir einstellen. Hotte hatte ihm angeboten, mit ihm Streife zu fahren. Ben war es egal. Auf was er sich einfach freute war, dass Hotte genau so unordentlich und verfressen war wie er.
    Ben betrat den Hauptraum der Autobahnpolizei wo ihn Susanne mit einem kecken Lächeln begrüsste. "Na, wie war es, ohne Semir hierher zu fahren!" Ben hob die Schultern. "Entspannend!", scherzte er und ging in sein Büro, wo sich etwas auf seinem Schreibtisch befand. Ein sogenannter "Handsauger". Auf der Front ein Post-Itzettel. "Damit dein Mercedes nicht versauert!", in Grossbuchstaben geschrieben und darunter ein Smiley. "Ha, ha, zu komisch!" kommentierte Ben und konnte sich trotzdem ein Lächeln nicht verkneifen.





    Er hängte seine Jacke auf und blickte nach draussen. Ein schöner Frühlingstag. Wolkenloser Himmel. Wie er sich auf die Streife am Nachmittag freute. "I'm walking on sunshine!", sang er begeistert und versteinerte, als Kim Krüger ins Büro trat. "Oh, Winnetou Kovslovski bei seinem Regentanz?" fragte sie mit neckischer Stimme und liess ihre Zähne blecken. Das Lächeln, reichte beinahe bis zu den Ohren. Ben räusperte sich und stellte sich aufrecht. "Was kann ich für Sie tun Frau Krüger?", fragte er mit verstellter Stimme und die Chefin hielt einen Plan auf. "Ich wollte Sie nur loben, Sie haben schon den Einsatzplan für diese Woche bearbeitet. Ich sehe, Sie gehen mit Herzberger auf Streife." Ben lächelte verlegen. "Das ist gut! Da kann wenigstens nichts passieren! Richten Sie sich erstmal ein. Guter Start in die Woche!" Sie ging hinaus und Ben konnte ihr noch ein knappes "Ebenso", hinterherrufen.
    Ben startete seinen Computer und musste nachdenken, was sagte Semir nochmal, war sein Passwort. "Goldhamster!" jauchzte er und gab es ein. Ohne Probleme lud das System hoch und der Hintergrund wurde erkennbar. Ben und Semir in einer Kölner Kneipe. Fussballspiel, dass sie mit Hotte und Dieter angesehen hatten.
    Er sah sich die E-Mails an. Nichts. Und nichts - war gut! Also weniger Arbeit, früher Feierabend.




    In diesem Moment war ein Gerufe im Büro und jemand stampfte zu seinem Büro zu. "Was machst du denn hier?" hörte Ben hotte sagen, doch niemand antwortete. Nur weiteres Gestampfe. Ben stand langsam auf. Er wollte die Türe aufmachen, als diese ihm gegen die Nase schlug und Ben zurückwich. "Aua verdammt!" rief er aus und die Türe schloss sich. "Entschuldigung!" sagte eine helle Männerstimme und Ben erblickte einen Mann, ein bisschen kleiner wie er, das Haar kurz und nach oben gegelt. "Schon okay! Im früheren Leben mal ein Taifun gewesen?" fragte Ben mit Sarkasmus in der Stimme doch der Mann verzog keine Miene. "Sind Sie Ben Jäger?" fragte er und Ben nickte. "Steht doch draussen an der Tür", erwiderte er bockig, doch wieder nichts. "Mein Name ist Jan Richter", stellte sich der Mann vor. "Ich, brauche Ihre Hilfe!" Ben zog eine Augenbraue hoch. "Und wobei?" fragte er aus reiner Neugier und nun zeigte das Gesicht des Manner Regung. Eine wehleidige, schmerzende Miene. "Es geht um Semir Gerkhan!" Nun begann sich Bens Magen zu verkrampfen. "Was ist mit ihm!" Ben war selbst über seinen harrschen Ton erschrocken. "Er ist im Gefahr! Ein grosser Irrtum! Er wurde verhaftet!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 2.


    „Bitte?“ fragte Ben verwirrt und dieser Jan Richter setzte sich auf Semirs Schreibtischstuhl. Unbewusst. Anscheinend. „Semir sitzt im Knast, um genau zu sein!“ Nun konnte sich Ben nicht mehr irren. Er hatte sich nicht verhört! „Aber wieso?“ fragte er entsetzt und lehnte sich gegen die Wand. Als er hörte, wie Krüger ins Büro kommen wollte, schloss er ab. Jan sah ihn dankend an. „Es ist skurril Herr Jäger“, „Ben“, mischte sich der Angesprochene ein und Jan winkte ab, „Ben. Also, hör zu. Semir kam mit seiner Familie zu mir nach Berlin, um mich endlich Aida vorzustellen. Da mein Leben nach einem Undercovereinsatz ziemlich aus den Fugen geraten war, liess ich mich zur Mordkommission nach Berlin versetzten, weil mein Bruder dort lebt! Jedenfalls“, er holte tief Luft, „kamen plötzlich uniformierte Polizisten in den Raum. Die hatten mir einfach die Türe aufgebrochen. Sie verhafteten Semir und schleppten ihn weg. Mir mussten hinterherfahren. Hier nach Köln. Da nannte Semir, bevor man ihn mitnahm, ihren Namen.“ Ben verschränkte die Arme und zog eine Augenbraue hoch. „Was wird ihm zur Last gelegt?“ fragte er ruhig. Äusserlich schien er es zumindest aber innerlich explodierter ein reiner Vulkan der Wut. „Mord. Eine Abiturientin wurde hier in Köln, versenkt im Fluss. Ein furchtbares Ende. Sie war bereits völlig aufgeweicht. Mindestens drei Tage vor Semirs Besuch bei mir, wurde sie ins Wasser geworfen.“ Ben wollte zum Sprechen ansetzten als Krüger gegen die Tür klopfte. „Jäger, machen Sie die Türe auf!“ schrie sie doch Ben reagierte nicht. Auch Jan liess sich davon nicht ablenken. „Beweise?“ Nun zeigte Jan Regung. Seine Hände zitterten und er seufzte schwer. „Zu deutliche. Leider. Man fand DNA-Spuren von Semir an ihr. Ausserdem fand man das Messer, mit dem sie, bevor sie versenkt wurde, erstochen wurde. Semirs Fingerabdrücke waren drauf!“


    Ben schlug mit den flachen Hand auf den Tisch. Deutlichere Beweise gingen wohl gar nicht. „Ist er schon im Gefängnis?“ Jan nickte auf Bens Frage und seufzte. Seit 12 Stunden. Ich musste Andrea noch beruhigen und sie zu ihren Eltern fahren, die Situation erklären. Dann musste ich noch beim BKA melden, wo ich bin!“ Ben packte seine Jacke und steckte die Waffe in den Schulterhalfter. „Hast du deine Waffe dabei?“ fragte er Jan und dieser nickte. „Ich bin mit meinem Wagen hier!“ verkündete er noch dazu. „Sehr gut! Ich bin nämlich mit meinem Motorrad hier!“ Ben schloss die Türe auf und verabschiedete sich von Krüger mit einem, „Erklärungen später!“ Und rannte mit Jan zum Wagen. Sie konnten nur ein lautes, „Jäger, bleiben sie Stehen!“, von Krüger vernehmen, dann sassen sie bereits in Jans Wagen. Ein Audi A8. „Das Mädchen ist in der Gerichtsmedizin, die Dinge bei Hartmut!“ Ben sah Jan mit grossen Augen an. „Du kennst Hartmut?“ fragte er verwirrt und Jan nickte. „Er ging zu der KTU, als ich Semirs Partner war!“ So war das also! Jan war nicht nur ein alter Freund von Semir, sondern auch noch der ehemalige Partner, von dem er immer sprach. Der Einzige, der noch lebte. „Hartmut habe ich als Erster kontaktiert, obwohl er immer sonst regelverfressen ist, hat er sofort versprochen, mich zu informieren. Wir sollen immer abends, zu ihm kommen, kurz bevor er geht!“Ben nickte. Sein Magen verkrampfte sich immer mehr, je näher sie sich dem städtischen Kölner Gefängnis kamen. Semir im Gefängnis! Ein unvorstellbarer Gedanke für Ben. Auch wenn er es nicht gerne zugab, war Semir doch wie eine Art Mentor für ihn geworden. Sein Lehrer.


    Jan hielt vor dem Schalter, der neben dem riesigen Eisentore stand. Ein junger, engagierter Polizist fragte nach den Dienstausweisen. Ben und Jan zogen ihre Kärtchen hervor. „Sehr gut. Bitte füllen Sie diese Badgets aus und befestigen Sie sie visuell an Ihrer Kleidung!“ Ben und Jan nickte, füllten sie aus und hefteten sie an die Jacken. Der Polizist sah noch einmal darauf. „Zu Herrn Semir Gerkhan?“ Jan und Ben nickten. „Okay, ich werde Ihnen eine Verhörzelle für Sie reservieren!“ Mit diesen Worten öffnete er die Türe und sie schob sich nach rechts. Jan startete den Motor und parkte den Wagen auf den Platz vor dem Gebäude. Ben schluckte, als sie die langen Gänge entlang gingen, von einem Wärter geführt. Sie befanden sich vor einer grossen Türe und der Wärter öffnete sie. „Herr Gerkhan erwartet sie bereits!“ Ben erblickte Semir und erschrak. Semir wirkte blass und eingefallen. Die Augen verweint. Für einen Vater gab es nichts schlimmeres, als für den Mord an einem Jugendlichen angeklagt zu sein.Als er Ben sah, sprang er auf, rannte auf ihn zu und umarmte ihn. Um dem einten Handgelenk, das Bändchen mit den Daten darauf. Semir hatte einen orangefarbenen Anzug an. „Gott sei Dank!“ stiess er hervor und drückte sich an Ben. Dieser erwiderte die Umarmung. „Du konntest ihn holen!“ stiess Semir erleichtert aus und Jan nickte. „Weiss die Chefin schon...?“ Ben schüttelte mit dem Kopf. „Wir sind Hals über Kopf losgerannt. Semir, kanntest du das Mädchen?“ fragte er direkt und Semir schüttelte mit dem Kopf. „Ich habe es noch nie gesehen! Bei Gott. Ich kannte es nicht! Mir wurden vor vier Stunden die Fotos gezeigt! Die Beweise vorgelegt!“ Niedergeschlagen setzte sich Semir wieder auf den Sessel. „Ich sitze knietief in der Scheisse!“ Ben erkannte Semirs Stimme nicht mehr. Sie war wehleidig, leise und krank. Jan setzte sich neben ihn und strich ihm über den Rücken. Ben und ich werden dich da rausholen, versprochen!“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 3.


    Semir nickte langsam. Er schien sich nicht sicher. Die Beweise waren eindeutig. Zu eindeutig. "Ich zähle auf euch Jungs", flüsterte er jedoch leise und schniefte kurz. "Schon jetzt vermisse ich meine Familie. Nichts ist erdrückender wie diese Dunkelheit in der Zelle!" Ben atmete tief durch, als sein Handy klingelte und die Chefin dran war. Sie wollte sofort zur Standpauke ansetzten, doch Ben schnitt ihr das Wort ab und begann im, ungewohnt ruhigen, Ton alles zu erklären. Auf einmal wurde es still, an der anderen Leitung. Nur noch ein leiser Atem, war zu hören. "Frau Krüger", fragte Ben nach und die Chefin holte Luft. "Wie geht es ihm?" fragte sie mit sanfter Stimme, so sanft, dass Ben zuerst glaubte, sich verhört zu haben. "Nicht sonderlich gut", antwortete Ben ehrlich und kniff sich kurz die Augen zusammen. Er konnte dieses Bild von Semir beinahe nicht ertragen. Doch sein Partner hatte auch ihn in unangenehmen Situationen gesehen und ihm das Gefühl gegeben, sich deswegen nicht zu schämen. Er musste es also genauso tun.
    "Ich werde mich mit der Mordkomission in Verbindung setzten", begann Krüger mit wütender Stimme, "Herr Gerkhan mag zwar ein Automörder sein, doch er ist kein Killer! Und das werden wir beweisen! Vorne durch weiss ich natürlich nichts!" Das war klar, dachte Ben und rollte mit den Augen. So sehr sie auch bei Krüger imponiert haben, die Dienstvorschrift und ihr Ansehen, waren ihr noch wichtiger. "Natürlich! Machen Sie sich keine Sorgen, ich schweige wie ein Grab", versprach er und hängte auf.
    "War das die Chefin?" fragte Semir und Ben nickte. "Wir haben ihre Unterstützung. Im Hintergrund natürlich. Vorne durch, weiss sie nichts!" Semir nickte, auch wenn Anna Engelhardt ebenfalls zu ihren Jungs stand, sie "wusste" ebenfalls nie etwas von den Machenschaften ihrer Angestellten. "Meine Herren?" Ben und Jan sahen zu dem Wächter, der die Türe geöffnet hatte und sie ansah. "Herr Gerkhan muss zu einer Vernehmung, ich bitte Sie, zu gehen!" Jan drückte Semir nochmals an sich. Ohne Worte. Ben ging zu seinem Partner und umarmte ihn. "Ich hol' dich da raus", flüsterte er ihm ins Ohr, "versprochen!" Semir nickte dankend.


    Jan und Ben gingen aus dem Gefängnis und liefen zu Jans Wagen zu. "Er sah fürchterlich aus", murmelte Jan als er mit automatischem Öffner den Wagen aufschloss. Ben konnte nur zustimmen. "Als erstes fahren wir zu dem Tatort", begann der Ältere als sie sich in den Wagen setzten und er den Schlüssel steckte, "vielleicht finden wir was!" Ben war skeptisch. So wie er dies alles aufnahm, war alles perfekt geplant. Semir schien bereits nach wenigen Stunden das weisse Tuch geworfen zu haben und genau das machte Ben Sorgen. Er hatte Semir noch nie so niedergeschlagen gesehen. Selbst bei ihrer ersten Begegnung, bei der sie gegen Kalvus antraten, schien er nicht so bedrückt und traurig gewesen zu sein.
    "Ben?" Der Angesprochene sah Jan an. "Alles in Ordnung?" Ben sah die Sorge in Jans Augen. Auch er schien sich Gedanken darüber zu machen. "Klar, ich war nur in Gedanken", winkte Ben ab und sah, wie Jan vor einem kleinen Gehweg, neben der Elbe haltete. "Hier wurde das Mädchen gefunden", murmelte er und gurtete sich ab, Ben tat es ihm gleich. Sie stiegen aus und liefen auf das abgesperrte Gebiet zu. Niemand überwachte ihn. "Anscheinend sind die sich ihrer Sache wirklich sicher", dachte Ben laut und Jan zuckte mit den Schultern. "Sie wurde hier angespült, zwei Passanten hatten sie frühmorgens gefunden. Sie war schon ziemlich durchgeweicht!" Ben verschränkte die Arme. "Also lag sie schon lange im Wasser!" Jan nickte. "In den letzten Tagen war der Strom, durch Schneeschmelze, schneller gewesen und der Wasserpegel angehoben. Vielleicht nicht ganz unwichtig bei der Sache!" Ben sah die Markierungen der KTU. Noch nicht abgeräumt. Eine kleine Hilfe von Hartmut?


    "Blut wird wohl nicht mehr zu finden sein!", stellte Ben überflüssigerweise fest und Jan liess nur einen kleinen, undefinierbaren, Laut von sich geben. "Toller Start in die Woche", meinte er dann und lief den Rhein ein Stück lang weiter. "Jedenfalls können wir uns über Langeweille nicht beschweren!", versuchte Ben zu scherzen doch Jan konnte über diesen flauen Versuch nicht lachen. "Wieso Semir? Das begreife ich nicht!" Ben ging zu Jan und hob die Schultern. "Ich weiss es nicht", gestand er und seufzte. "Jedenfalls wird er ohne unsere Hilfe da nicht rauskommen! Er zählt auf uns und wir müssen ihm beweisen, dass wir es schaffen! Ausserdem sind wir ihm einiges schuldig! Oder besser, ich bin ihm einiges schuldig!" Jan lachte leise. "Glaub' mir, mit dem Wir lagst du nicht falsch", erwiderte er traurig und spürte, wie sein Inneres verrückt spielte. Ein schreckliches Gefühl. Der Gedanke, dass Semir im Gefängnis sass, machte Beiden zu schaffen. Beide hatten ihm vieles zu verdanken.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 4.


    Semir sah auf, als sich seine Zelle öffnete. Doch anstatt in die Augen eines Wächters, sah er in die funkelnden, glasigen Augen von Kalvus. Chris' Mörder. "Hätte nie gedacht", begann er schnippisch und schloss die Zelle hinter sich zu, "dass ich Sie mal hier sehen werde!" Semir sprang auf und lehnte sich an die Wand. "Wagen Sie es nicht!" zischte er voller Hass und ging in Kampfstellung. "Gute Güte", sagte Kalvus mit einem diabolischen Lächeln und setzte sich auf Semirs Zellenbett, "ich will nicht kämpfen Herr Gerkhan. Sie kennen mich doch! Ich bin der Mann der Verhandlungen!" Er klopfte auf den Platz neben sich. Semir blieb stehen. "Wie Sie wollen", winkte Kalvus ab und nahm Luft. "Sie wissen schon, dass Sie in einem riesigen Schlamassel stecken!" Semir lachte auf. Es klang falsch und voller Hohn. "Wie schnell Sie darauf gekommen sind!" zischte er giftig. Doch Kalvus zeigte keine Regung. "Hören Sie, dass mit ihrem ehemaligen Partner ist geschehen. Ich kann es nicht rückkängig machen." Semir glaubte in Kalvus Stimme so was wie Reue zu hören. Konnte das sein? "Ich bin seit kurzem in psycholigischer Behandlung. Für meine Tochter! Als Vater wissen Sie ja bestimmt, dass es nichts mehr gibt, als die eigene Tochter." Zögernd nickte Semir. "Es mag seltsam klingen Herr Gerkhan aber, ich weiss wirklich nicht was für ein Mensch ich damals war. So kalt und durchtrieben. Der Hass schien mich anscheinend so zu treiben, dass ich mein altes Ich vergass." In Kalvus Augen waren Tränen festzustellen. Semir konnte es kaum fassen. Dieses Ereignis glich für ihm dem einen, als würde ein Hahn ein Ei legen. Völlig unmöglich!
    Langsam setzte sich Semir neben Kalvus und blieb doch in Abwehrstellung. "Ich habe mich ein bisschen rumgehört", begann Kalvus nun wieder gefasst und sah Semir ernst an. "Sie sollten niemals irgendwo alleine sein Herr Gerkhan. Hier gelten nun die Regeln der Inhaftierten."


    Semir schluckte. "Hier hört man nicht auf einen Polizisten und schon gar nicht auf einen, der selbst Inhaftiert ist. Ausserdem haben Sie ein junges Mädchen getötet!" Semir schoss auf. "Ich habe es nicht umgebracht! Ich sitze unschuldig hier drin!" Kalvus packte Semir doch dieser riss sich sofort los. "Das weiss ich doch!" stiess Kalvus hervor und ging auf einmal nah zu Semir. "Ich habe einen gewissen Verdacht Herr Gerkhan, sagt Ihnen der Name "Taifun" etwas?" Semirs Augen rissen sich ins unermessliche. Taifun - sein Jugendfreund, bevor er gegen ihn aussagte. "Aber der sitzt hier doch ebenfalls!" Kalvus lachte auf. "Na und?" fragte er ohne Emotion nach. "Herr Gerkhan Sie sollten es doch besser wissen. Ein Einzeltäter hat hier wirklich keine Chance. Aber ein Mann wie Taifun, der seine Anhänger hat, kann locker durch diese Wände handeln!" Semir schluckte. Kalvus hatte recht. Als ehemaliger Leiter einer Bande, sollte er es am Besten wissen. "In seinen Augen bin ich sowieso ein "hain"." Kalvus zog eine Augenbraue hoch. "Wie auch immer. Ich rate Ihnen, niemals die Zellen alleine zu verlassen. Es könnte zu gefährlich werden!" Mit diesen Worten ging Kalvus aus der Zelle und schlich sich davon, bevor ein Wärter die Türe wieder schloss. Semirs Gedanken waren wirr. Wieso warnte ihn einer seiner grössten Feinde? Hatte die Liebe zu seiner Tochter ihn wirklich geändert?


    Er legte sich auf sein Bett und sah hinaus. Die grellen Sonnenstrahlen konnten sich nur einzeln in Semirs Raum wiedergeben. Über seine Wangen liefen Tränen. Er füllte sich leer, hilflos, matt. Langsam drehte er sich zur Seite und atmete tief ein. Jegliches Organ in seinem Körper war taub und wollte nicht funktionieren. Ihm war schlecht, schwindlig, heiss und kalt zugleich. Zudem kam noch der psychische Stress, der der Körper nun durchmachte. Es war einfach nur furchtbar. Was sollte er nun tun? Er musste auf Jan und Ben hoffen. Bei Jan fühlte er noch immer einen leichten Hass, da er einfach ohne Absprache verschwand. Und dies wollte er eigentlich mit ihm ausdiskutieren. Doch sein ehemaliger Partner schien bei diesem Thema auf Durchzug zu schalten. Keine Chance.
    Bei Ben hatte er da schon mehr vertrauen. Schliesslich hatte er schon gewisse Einblicke in die Familie und seine Vergangenheit gewährt. Aber auch Ben vertraute ihm einige Dinge an, er durfte zu Julias Hochzeit mitkommen und Ben vertraute bei deren Entführungsfall seinem Partner. Ja, zumindest Ben würde für ihn kämpfen, dass war klar.


    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 5.



    Hartmut sah auf, als in der späten Abenddämmerung Jan und Ben zusammen das Hauptgebäude der KTU kamen und sein Büro betraten. Es herrschte eine bedrückende Stille, die die dickliche Luft im Raum noch verstärkte. Hartmut nahm eine grosse Beweiskiste hervor und stellte sie auf seinem Schreibtisch. „Danke dass du uns hilfst“, durchbrach Ben als Erster das Schweigen. Es klang kühl und emotionslos, doch Hartmut schätzte die Worte sehr. Er wusste, dass sein junger Kollege versuchte, jegliche Emotion abzuschalten um sein feuriges Temperament nicht zu Semir Verhängnis zu machen. „Ist doch selbstverständlich! Wir reden von Semir. Dem loyalsten und aufopferndsten Kollegen den ich kenne. Auch wenn er mich manchmal ignoriert, aber er steht immer zu einem. Egal was für einen Mist man baut. Und so einer soll eine junge Frau getötet haben?“ Jan zuckte mit den Achseln. „Berthold behauptet es“, erwiderte er und Hartmut stöhnte. „Berthold! Der Typ hat keine Ahnung. Wenn der mit seiner Behauptung richtig liegt, ziehe ich BH und Tanga an und renne so durch die KTU!“ Ben rümpfte die Nase und wies auf die Beweisebox. „Hast du was gefunden?“ Hartmut seufzte und hob den Deckel ab. „Nichts Brauchbares! Aber etwas kommt mir suspekt vor.“ Er holte aus der Box eine Beweistüte mit dem Messer. „Den Fingerabdrücken, die eindeutig von Semir stammen, zufolge, soll Semir mit links zugestochen haben.“ Jan zog ein verwirrtes Gesicht, wollte zum Sprechen ansetzten doch Ben kam ihm zuvor. „Semir ist Rechtshänder!“ sagte er enthusiastisch und wollte schon Hoffnung keimen, als Hartmut ihn wieder auf den harten Boden der Tatsache zurückholte. „Ich habe mit dem zuständigen Staatsanwalt, der Semir ebenfalls kennt, gesprochen. Vor dem Gericht prallt diese Tatsache ab. Semir hätte sich ja umschulen lassen können!“ Niedergeschlagen musste Ben zustimmen. Er verschränkte die Arme und pustete sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Sonst noch?“ Hartmuts Mundwinkel zogen bei Jans Kommentar nach unten. „Rein gar nichts! Das ist es ja! Ich habe alles durchsucht, einen auf Speedy Gonzales gemacht aber, ich stiess nur gegen eine unendlich, hohe Steinmauer!“ Jan legte eine Hand auf Hartmuts Schulter. „Du schaffst das, wir vertrauen dir!“ Hartmut nickte dankend und griff in seine Schreibtischschublade. „Es ist zwar super verboten aber, der Doc hat mir Kopien seiner Untersuchung geschickt!“ Er überreichte Ben das Papier.


    Ben las es durch. „Todesursache war ganz klar in die Brust. Sie war schon tot, als sie in den Rhein gestossen wurde.“ Jan erhaschte einen kurzen Blick. „Keine Abwehrverletzungen. Jedoch schwache Spuren von Chloroform gefunden!“ Seine Augen weiteten sich. „Sie schlief, als sie getötet wurde!“, sprach Hartmut Jans Gedanken aus und dieser nickte. „Kurz, ein direkter Stich ins Herz, sie hat vielleicht schon nicht mehr den Stich gespürt!“ Jan seufzte. „Ben, da ist noch was“, bei Hartmuts dunkler Stimme verkrampfte sich Bens Magen, „Tayfun ist in der selben Zellengemeinschaft wie Semir. Sein „Zimmer“ befindet sich nur drei Zellen weiter!“ Bens Augen weiteten sich. „Ach du Scheisse.“ Jan blickte die Beiden abwechselnd an. „Kann mir mal jemand sagen, wer Tayfun ist?“ Ben begann Jan zu erzählen, was genau geschehen war. Tayfun war Anführer einer Gang im Kölner Kiez, tötete einen Verräter und wollte Semir das Leben zur Hölle machen. Doch schliesslich war es der Deutschtürke selbst, der Tayfun vor dem Tod rettete. „Das ist wirklich ein Problem“, murmelte Jan und Ben pfiff kurz durch die Nase. „Und zwar ein Grosses!“ Hartmut traute sich kaum, doch tat er es dann doch. „Kalvus ist auch dort drin!“ „Bitte?“ Bens Stimme überschlug sich fast und Jan musste sich die Ohren zuhalten, um nicht einen Hörsturz zu erleiden. „Scheisse, dass ist gar nicht gut! Chris Mörder! Der wird Semir die Hölle heiss machen!“ Wieder erzählte er Jan, wer die Person genau war. „Wir sollten im Gefängnis anrufen!“ Hartmut winkte ab. „Hab‘ ich versucht! Keine Chance. In den Augen der Wächter ist Semir nur noch ein Gefangener, der seine Suppe selber auslöffeln soll.“


    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 6.


    Semir stand auf dem Basketballparkplatz und hatte sich mit jungen Straftätern ein wenig angefreundet. Es waren insgesamt drei in der Zahl. Markus, ein Mann von 20 Jahren, hatte aus Verzweiflung und Geldnot eine Tankstelle überfallen. Inzwischen machte er aber ein Fernstudium und war in psycholigischer Behandlung. Der Zweite war Steffen, 25 Jahre alt. Hatte in Notwehr seine Freundin erschossen. Der letzte hiess Simon, 23 Jahre alt. Ein kleiner Räuber, der eine kleine Tochter hatte.
    Mit ihnen zusammen spielte Semir eine Runde Baskeltball, nachdem man sich ausgetauscht hatte. Die Jungs waren froh, jemand vernünftiges gefunden zu haben, da andere ihre Meinung nicht akzeptierten. Sie waren sich ihrer Tat reuig. Und jeder zeigte dies auf seine andere Art.
    Das Spiel war eine Freude, Semir konnte für kurze Zeit seine Sorgen vergessen. Doch dann kam er. Tayfun! In seinem Gesicht ein diabolisches Lächeln. Semir hatte den Jungs von Tayfun erzählt, so stellten sich diese schützend vor ihm, da alle eine beachtliche Grösse über 1.90 hatten. "Keinen Schritt weiter!", mahnte Markus mit seiner tiefen Stimme und verschränkte die Arme. "Was denn?" fragte Tayfun gespielt beleidigt. "Ich möchte nur mit meinem alten Jugendfreund ein paar Worte ausstauschen!" Semir drängte sich zwischen den Jungs durch. "Ich mach das schon!" beruhigte er sie und lächelte gequält. "Lass mich einfach bitte in Ruhe okay?" versuchte er friedlich und Tayfun lächelte. "Ich soll dich in Ruhe lassen?" wiederholte er und Semir nickte. "Mir ist die Situation genau so unangenehm wie mir!" Tayfun packte Semir und dieser Spürte, wie etwas spitzes in seine Seite eindrang. "Du hast keine Ahnung Semir Gerkhan! Mein geliebter Hain!"


    Semir spürte das feuerheisse Blut von der Brustseite über den Bauch zu den Beinen fliessen. Seine Knie gaben nach und er fiel zu Boden. Markus schrie sofort nach Hilfe und die Anderen Beiden hatten sich Tayfun und sein Begleiter gekrallt. Semir presste seine Hand auf die Wunde und biss auf die Zähne. Wächter rannten auf Tayfun zu und nahmen ihn fest. "Ab in die Zelle mit dir! Dein Richter wird sich freuen!" Doch anstatt entrüstet zu reagieren, drehte sich Tayfun noch einmal um und grinste Semir an. "Welcome in hell!" sagte er noch bevor er verschwand. "Semir zeig her!" befahl Markus und Semir beugte sich nach hinten. Tayfun hatte ihn nicht lebensgefährlich verletzt. Aber schwer. Er sollte leiden. "Komm' ich bring dich in die Krankenstation!" Da Semir um einiges leichter und kleiner war, konnte Markus ihn leicht heben und auf dem Arm in die Krankenstation bringen. Der Arzt sah Semir an und fragte ihn, wie dies geschehen war. "Eindeutig ein Messerstich", teilte Markus noch mit und schlug gegen die Wand. "Das hätte ich sehen sollen!" Semir schüttelte mit dem Kopf und musste sich auf Befehl des Arztes auf das Bett legen. Als er die Wunde berührte schrie der Deutschtürke kurz auf. "Ich werde bitten, Sie zu Markus Zellenabteilung zu bringen. Noch sind Sie in Untersuchungshaft Herr Gerkhan! Und kein Schwerverbrecher!" Markus nickte zustimmend. "Ich werde dafür sorgen, dass Tayfun oder sonst noch wer dich angreifen werden kann!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 7.


    Jan und Hartmut blickten zu Ben, als dessen Handy klingelte und er abnahm. Sein Gesicht verdunkelte sich immer mehr und er umklammerte sein Handy so fest, dass die Fingerknöchel weiss hervortraten. "Wie geht es ihm nun?" fragte er und Jan wusste sofort wovon sein jüngerer Kollege sprach. Irgendetwas musste mit Semir geschehen sein. "Wir kommen sofort!" Ben hängte auf. Er verspürte den Drang, sein Handy vor lauter Wut einfach wegzuschmeissen. "Was ist passiert?" fragte Jan mit ruhiger Stimme und Ben atmete einmal tief durch. "Das war ein Mithäftling von Semir. Er hat meine Nummer von ihm erhalten bekommen. Semir", wieder musste Ben nach Luft schnappen, "wurde von Tayfun schwer verletzt. Messerstich in die Seite!" Hartmut schlucke und glaubte sogar, einen kleinen Stich in seine Seite zu spüren.
    Es war inzwischen dunkel geworden. "Geht zu ihm", begann Hartmut und lächelte, "er braucht euch nun! Sollte ich was finden, erfährt ihr es zuerst!" Jan nickte dankend und ging zusammen mit Ben zu seinem Wagen. "Also doch Tayfun?" dachte Ben laut doch Jan gebat Einhalt. "Vielleicht ist Tayfun auch nur eine "Mörderpuppe". Was wenn Kalvus ihn angestiftet hat?" Ben konnte nur stumm zustimmen. Irgendetwas stimmte wirklich nicht. Ihm war das alles suspekt.
    Jan startete den Motor und fuhr los. Es war still im Auto. Und diese Stille erdrückte den impulsiven Ben beinahe. Innerlich schien er zu platzen. Ausserdem plagte ihn die Sorge zu Semir.


    Markus konnte es sogar so einrichten, dass Semir das leere Bett in seiner Zelle erhielt. Der Deutschtürke schlief unruhig und erwähnte im Schlaf immer wieder die Namen seiner Frau und seiner Tochter. Markus roch einen Verbrecher auf hundert Meter, dass hatte er sich im Knast beigebracht. Aber, bei diesem Mann spürte er - nichts! Absolut nichts! Ausserdem konnte er sich nicht vorstellen, dass dieser nette Kerl ein Mädchen umgebracht haben sollte. Nein - jeder, doch nicht Semir Gerkhan. Das konnte er nicht glauben.
    Als der Deutschtürke seine Augen öffnete, sah er sich verwirrt um. "Wo bin ich?" stiess er hervor und Markus nahm beruhigend seine Hand. "Keine Sorge, du bist bei mir!" Semir schoss hoch, zuckte aber zusammen und liess sich wieder aufs Bett sinken. "Tayfun wurde in eine geschlossene Einzelzelle gesperrt! Der Typ hat das auch nicht anders verdient! So ein Arschloch!" Semir sah, wie Markus bebte und lächelte. "Danke..." flüsterte er leise und Markus lächelte. "Kein Ding!"


    Ein Wärter kam herbei und in seiner Begleitung waren Jan und Ben. Semir richtete sich zitternd auf und Ben rannte sofort auf ihn zu und umarmte ihn sanft. "Du siehst furchtbar aus!" Semir zog eine Augenbraue hoch. "Danke, ich freu mich auch dich zu sehen", feixte er und Ben sah dann zu Markus. "Sie müssen mich angerufen haben." Markus nickte. "Markus Bräuer mein Name. Ich habe dafür gesorgt, dass Semir zu mir kommen kann! Und keine Sorge, ich bin geläutert! Ausserdem habe ich noch niemanden gekillt!" Ben nickte langsam und liess Semir dann los, um Jan Platz zu machen. "Was ist genau passiert?" Semir und Markus schilderten abwechselnd, was geschehen war. "Tayfun ist schon für seine Hitzigkeit bekannt", begann Ben und eine tiefe Falte bildete sich auf seiner Stin, "aber gleich so?"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

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  • 8.


    Jan beschloss, bei Semir zu bleiben, während Ben sich von einem Wärter zu Tayfuns Zelle lotsen liess. Der Türke stand vor den Gittern und grinste den Polizisten an. "Ben, wie schön dich zu sehen!" Bens Augen wurden kleine, gehässige Schlitze. "Jäger, wenn ich bitten darf!" mahnte er.
    "Oho, sind wir immer noch so heissblütig?"
    "Das musst du gerade sagen!"
    "Glaub mir Kumpel, das war erst der Anfang!"
    Ben ballte eine Hand zur Faust. Jedoch begutachtete er Tayfun genau. Er wirkte ruhig und gelassen. Und das gefiel Ben überhaupt nicht. "Los, frag' mich doch. Dazu bist du doch hier!" Ben atmete einmal tief durch. "So eine hitzige Aktion passt gar nicht zu dir Tayfun!" Der Türke hob die Schultern. "Wenn ich Semir sehe, schaltet bei mir halt der Verstand aus." Ben reichte es, er packte Tayfun durch die Gitterstäbe durch und drückte ihn fest an die Metallstangen. "Verarsch mich nicht Tayfun!" zischte er gehässig und der Wächter wollte schon eingreifen. "Ist schon gut", wehrte Tayfun ab und sein diabolisches Lächeln trat schnell wieder in sein Gesicht. "Ben, ich kann dir nichts sagen, aber ich sage dir soviel, ich bin nur der Anfang euer Probleme! Mach dich auf was gefasst! Such dir schon mal einen neuen Partner! Du wirst einen brauchen!" Ben liess Tayfun los, allerdings mit einem harten Schubser so dass der Türke nach hinten fiel und mit dem Gesäss aufprallte. "Bereite du dich lieber vor", zischte Ben und seine Halsschlagader spannte sich sichtlich, "nie wieder von hier wegzukommen!" Mit diesen Worten ging er.


    Jan verabschiedete sich von Semir und wollte zum Ausgang, als Ben ihm entgegenkam. "O-oh!" stiess der Ältere nur hervor da er solche Gesichtsausdrücke von Semir her gut kannte. "Dieses Arschloch mach ich fertig", fluchte Ben und stiess die Ausgangstüre mit so einer Wucht auf, dass sie gegen die Wand knallte. Jan zuckte kurz zusammen. "Dieser Penner! Dieser verf..." Jan hielt ihm die Hand vor den Mund. "Mit lautem Gefluche, kommst du nicht weit!", mahnte er und Ben atmete kurz durch. "'Tschuldige!", meinte er dann reuig und Jan winkte ab. "Wir schaffen das Ben, ganz sicher! So aussichtslos die Lage nun scheint aber, Semir hat uns auch aus solchen befreit, wieso sollten es wir dann nicht schaffen?" Ben dachte unweigerlich an seine Gefangenschaft im Sarg nach. Als das Wasser schon seine Lungen zu füllen begann, packte ihn Semir noch und drückte ihn an sich. Noch nie hatte jemand so einen Freundschaftsdienst erwiesen.
    "Du hast ja recht." Jan lächelte und stieg in den Wagen. "Wir sollten ins Büro. Die Krüger informieren!" Ben nickte und als er eingestiegen war, fuhr Jan los.


    Es war schon 22.00 als sie in der PAST ankamen. Trotzdem sass noch jeder an seinem Schreibtisch. Hotte, Dieter, Susanne und die Krüger. Sie hatte sich neben Hotte platziert und hatte die Hände gefaltet. "Wie geht es Herr Gerkhan?" Ben schilderte die Ereignisse und Krügers Gesicht verdunkelte sich immer mehr. "Tayfun...Sie glauben also nicht, dass er dies alleine getan hat?" Jan schüttelte mit dem Kopf. "Irgendwie steuern Kalvus und Tayfun vom Gefängnis her die Lage. Es passt einfach nicht zusammen!" Krüger konnte nur nicken. "Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um Herrn Gerkhan herauszuholen!" Ben spürte eine Art Erleichterung in seinem Körper aufkommen. Wenn die Krüger so entschlossen war, schaffte sie dies auch. Eine der ersten Eigenschaften, die Ben an ihr erkannt hatte. "Geben Sie mir einen halben Tag! Es entspricht nicht ganz den Dienstvorschriften aber..."
    "...Frau Krüger", begann Jan ruhig und hatte ein müdes Lächeln auf dem Gesicht, "alles was wir tun, entspricht nicht den Dienstvorschriften!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

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  • 9.


    Am nächsten Tag fuhren Jan und Ben frühmorgens in die KTU, da Hartmut sie angerufen hatte. "Ich hab was gefunden, dass euch interessieren könnte!" Er nahm ein Blatt Papier mit lauter biologischen und chemischen Daten darauf. "Ich habe die Fingerabdrücke auf der Waffe noch einmal deutlich kontrolliert!" Seine Stimme überschlug sich beinahe vor Enthusiasmus und Freude. "Ich konnte keine DNA von Semir daran feststellen. Nur Latex!" Jan sah Hartmut mit grossen Augen an. "Könnte jemand Semirs Fingerabdrücke gescannt und auf eine Latexhand eingraviert haben?" Hartmut nickte. "Und noch was, die gefundene DNA am Opfer waren Spermien an der Scheide jedoch", Hartmut zog ein weiteres Blatt hervor, "waren diese schon längst tot!" Ben nickte. "Jemand könnte die von Semir irgendwie abgenommen haben und sie dann der Frau eingeflösst haben!" Hartmut zog wieder einen Wisch hervor. "Und ich habe auch schon einen Verdacht", verkündete er stolz und die beiden Polizisten waren baff. "Wundert euch nicht ich bin im Koffeeinrausch! 20 Redbull und eine schlaflose Nacht!" "Das merkt man", erwiderte Jan und Ben lächelte leicht. "Hakan Abakay. Arzt. Jugendfreund von Semir und..."
    "...Tayfun", vollendete Ben mit einem grossen Grinsen im Gesicht den Satz und Hartmut nickte. "Man musste nur ein wenig bohren! Ausserdem wollte Berthold die Sache doch eh nur schnell zu den Akten bringen!" Ben schlug auf den Tisch. "Dann verhören wir den Typen. Deine Ergebnisse sollten der Krüger reichen, Semir da rauszuholen!" Hartmut nickte. "Ich hab' sie schon informiert. Semir wird ins Krankenhaus gebracht. Darf Andrea und Aida sehen. Allerdings alles natürlich unter Bewachung!" Jan atmete erleichtert aus. "Wenigstens etwas!"


    Im Krankenhaus roch es stark nach Medikamenten. Wie immer. Ben verabscheute diesen Geruch. Liess es sich jedoch nicht nehmen, zusammen mit Jan, Semir noch besuchen zu gehen. Dieser lag im Bett und hatte seine Aida im Arm, so fest, als wolle er sie nicht mehr hergeben. Andrea sass neben dem Bett auf einem Stuhl. Die Erleichterung, war ihr ins Gesicht gemeisselt. "Hey", begrüsste Ben sie und Semir sah auf. "Gute Arbeit", lobte er und Jan winkte ab. "Dein Dank gebührt im Moment Hartmut. Wegen dir hat er zwar einen Koffeeinschock, sieht aber recht glücklich aus!" Semir grinse und seufzte zugleich. "Den Rest schaffen wir schon Semir", beruhigte Ben ihn und Semir nickte zuversichtlich. Er wirkte nicht mehr lethargisch, wie noch vor einem Tag. "Davon bin ich überzeugt", fügte er noch seiner Geste hinzu. "Semir", begann Jan ernst, "sagt dir der Name Hakan Abakay was?" Semir nickte. "Sicher, er ist ein ehemaliger Jugendfreund und mein heutiger Hausarzt." Ben und Jan sahen sich an. "Musstest du dich vor kurzem Tests unterziehen?" Verwirrt bestätigte Semir dies. "Blut, Urin, Samen - das ganze Programm!", sagte er noch und Jan klatschte mit den Händen. "Na bitte!" stiess er hervor und schilderte Semir seinen und Bens Verdacht. Semir liess Aida los und verschränkte die Arme. "Hakan also..."


    Jan und Ben gingen nach dem Besuch wieder zum Wagen. "Zwanzig Euro, dass der schon abgehauen ist", meinte Ben und Jan schüttelte mit dem Kopf. "Quatsch! Der denkt doch sicher, dass wir noch nicht so weit sind!" Ben streckte die Hand aus. "Top?" fragte er und Jan schlug ein. "Top!" stimmte er zu und sie fuhren los. Auf dem Weg begann Ben geistesabwesend auf die Oberschenkel im Rythmus zu klopfen und sang dazu. "Das klingt richtig gut", lobte Jan und Ben lächelte. "Danke." Ben zeigte auf ein kleines, weisses Haus. "Da ist die Praxis", kündigte er an und Jan bog in die Einfahrt. Sie stiegen aus, gingen zur Türe und klopften an. Klingelten sogar, denn eigentlich hätte Abakay da sein sollen. Doch nichts. Ben zog seine Tasche mit den Dietrichen hervor und öffnete die Türe. Sofort konnte man erkennen, dass jemand hastig geflüchtet war. "Ich krieg zwanzig Euro von dir." Jan sah die ausgestreckte Hand Bens und drückte den Schein in die Hand.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 10.


    Ben und Jan begannen die Wohnung durchzusuchen. Der Jüngere der Beiden nahm sich die Praxis, der Ältere die Wohnung oberhalb vor. Ben ging zum Büro, dass noch ordentlich eingerichtet war. Er öffnete mit seinen Dietrichen die Schubladen und durchsuchten die Akten. Da fand er sie. «Semir Gerkhan», stand mit handgeschriebener Schrift auf dem Etikett und Ben öffnete die Akte. "Das ist ja allerhand!", dachte er laut und nahm sein Handy hervor. Fingerabdrücke, diverse Sachen die ein Arzt nicht brauchen sollte, fand er darin. Er fotografierte die Notizen und schüttelte mit dem Kopf. "Das war alles eiskalt geplant", flüsterte er fassungslos und sah nach oben, als er Jan nach sich rufen hörte. Er ging die Treppen hinauf und sah, dass Jan vor dem Fernseher stand. "Diese Aufnahme wurde gestern gemacht." Es war ein Video dass zeigte, wie Semir mit dem Krankenwagen ins Marienkrankenhaus transportiert wurde. "Verdammte scheisse", stiess Ben hervor und rannte aus dem Haus. Jan folgte ihm. "Andrea und Aida sind auch dort", schrie Jan Ben hinterher und dieser setzte sich an das Steuer des Audis. Erstaunt setzte sich Jan neben ihn. "Die Autoschlüssel", befahl Ben etwas schroff und Jan händigte sie ihm aus. Der Jüngere steckte den Schlüssel und startete den Motor.


    Hakan lief die langen Gänge des Krankenhauses entlang und hielt die Waffe fest, die er unter seinem Mantel versteckt hatte. Es war ihm egal, was Tayfun oder dieser Kalvus sagte, er wollte Semir loswerden. Dieser «Hain» sollte vernichtet werden! Egal wie, aber hier und jetzt! Ausserdem waren seine Frau und seine Tochter hier. Er hatte ihn also in der Hand. Eine Schwester traff ihn. "Kann ich Ihnen helfen?", fragte sie freundlich und Hakan lächelte. "Ich suche das Zimmer von Herrn Semir Gerkhan!" Sie nickte. "Natürlich. Zimmer 190. Sie können es nicht verfehlen!"


    Ben drückte das Gaspedal durch und die Reifen quietschten unter der Belastung. Jan hatte Angst um seinen Wagen, denn er kannte den Fahrstil von Autobahnpolizisten, er war ja selber einer. Doch die Furcht um Semir war grösser, also liess er diesen jungen Spunt gewähren. Der schien nämlich einiges auf dem Kasten zu haben und allmählich begriff er, warum Semir in den höchsten Tönen von ihm lobte. Dieser junge Mann wurde schon lebendig begraben, und hatte Semir nicht verlassen. Er jedoch, verliess ihn schon nach einem Undercoverauftrag. Schuldgefühle kamen in ihm hoch, jedoch bereute er seine Entscheidung nicht.
    Nun galt es, Semir zu retten!

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Mit diesem Teil leite ich langsam das Finale ein.
    Aber vorsicht, es geht traurig weiter!
    Die grosse Erlösung kommt noch nicht!


    11.


    Semir und Andrea sahen zur Türe, als es klopfte und die Tür aufging. Hakan! Semir drückte Aida an sich und sah seinen ehemaligen Jugendkollegen mit grossen Augen an. "Du!", zischte er und Hakan zog aus seinem Mantel die Pistole hervor. "Anscheinend weisst du Bescheid", begann Hakan und sah zu Andrea, "dann brauche ich dir ja gar nicht zusagen, wie sehr ich mich freue, dir deinen Weg ins Jenseits zu bescheren! Keine Sorge, du bist nicht alleine!" Semir begriff sofort und seine Augen funkelten. "Ich weiss nicht warum oder wieso aber, lass' meine Familie aus dem Spiel!" Hakan lachte laut und zielte mit der Waffe auf Andrea. "Aber dann wärst du ja ganz alleine in der Hölle und mein Aufwand wäre für nichts gewesen. Wieso ich das tue Semir? Ich tu's für Geld! Meine Praxis steht kurz vor dem Ruin! Du warst noch mein einziger Patient! Kalvus und Tayfun, haben sich zusammengeschlossen um eine Organisation im Gefängnis zu gründen! Sie wollen mir viel Geld zahlen, wenn sie von deinem Tod erfahren!" Semirs Magen krampfte zusammen und der Deutschtürke schüttelte mit dem Kopf. Dann hörte er schnelle Schritte. Diese Gangart. Er kannte sie. Ben!


    Ben und Jan rannten die Gänge des Krankenhauses entlang. Besonders Ben pumpte mit den Armen kräftig mit. Sein Herz schlug heftig gegen den Brustkorb und er hängte Jan beinahe ab. Er öffnete die Türe und sah, wie Hakan Aida als Geisel genommen hatte und Andrea Bewusstlos geschlagen. "Sie Schwein!", zischte Ben und hob die Waffe, doch Hakan drückte seine Pistole an Aidas Schläfe. Das Mädchen kreischte und weinte vor Angst. "Waffe runter Bulle oder du wirst es bereuen!" Ben riskierte einen kurzen Blick zu Semir, der heftig mit dem Kopf schüttelte. Doch Ben hob die Waffe, kniete zu Boden und warf sie, gesichtert, fort. "Okay, lassen Sie das Mädchen gehen. Sie haben mich, dass ist viel besser!", versuchte Ben einen Handel hervorzuholen doch sinnlos. Hakan setzte Aida bei Semir ab. Das Mädchen klammerte sich sofort an ihren Vater und Semir hatte auch nicht vor, sie loszulassen. Hakan stand vor Ben und drückte die Waffe auf die Stirn. "Ich mag keine Zeugen!", zischte er gehässig und krümmte den Finger um den Abzug.


    Jan hatte sich hinter der Türe versteckt. Die Waffe in Anschlag. Schussbereit. Nun hing alles von ihm ab. Er erblickte die Position. Alles war perfekt. "Auf Wiedersehen, Ben Jäger!" Doch dann sah Hakan, wie sich die Türe öffnete und er hob die Waffe als er schoss. Jan wurde getroffen und eine Fontäne Blut schoss aus seiner Brust. Ben stand sofort auf, packte Hakans Arm und versetzte ihm einen Kinnhaken. Der Mann ging sofort zu Boden und Semir sah mit aufgerissenen Augen auf den schwerverletzten Jan. "Nein! Jan! Jan!" schrie er immer wieder und Ben ging keuchend zu ihm. Aus Jans Mundwinkel floss ein kleiner Rinnsal Blut. Ben erkannte sofort, dass er tödlich getroffen wurde. Jans Augen waren geschlossen. Ein schneller Tod. "Scheisse", stiess er hervor und fühlte zur Sicherheit den Puls. Doch nichts. Hakan hatte Jan direkt ins Herz getroffen. Ben drehte sich zu Semir um, den ihn hoffnungsvoll ansah. Doch zur seiner Enttäuschung, schüttelte Ben mit zusammengekniffenen Augen den Kopf. "Nein! NEIN!" schrie Semir immer wieder. Ben fesselte Hakan mit Handschellen und sah wie Ärzte auf das Geschehen zukamen.


    "Nehmen Sie den Kerl und untersuchen Sie ihn!" Einer der Ärzte nickte, während sich die Anderen um Andrea kümmerten. Sie wurde auf eine Trage gelegt und wegtransportiert. Semir sass wie vom Körper verlassen auf dem Bett. Aus seinen Augen flossen Tränen. Aida stupste ihren Vater immer wieder an, doch nichts. Ben begriff. Im Moment konnte er nichts für seinen Partner tun. "Komm' Kleines", murmelte er Aida zu und nahm sie auf den Arm, "wir gehen fragen wie's Mama geht!" Bens Herz war nur eine bleierne, undefinierbare Masse. Ein nichts. Er ging mit Aida aus dem Zimmer während er sah, wie Kim Krüger neben der Trage stand, wo Jan bereits in einen Leichensack gehievt worden war. Sie seufzte schwer und sah zu Ben, der sie mit wässerigen Augen ansah. Es war nicht die Trauer um Jan - sondern die Wut über sein Eigenverschulden. Hätte er doch bloss nicht so impulsiv reagiert.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 12.


    Es vergingen zwei Tage. Andrea konnte nach der Untersuchung sofort wieder entlassen werden. Sie trug von dem Schlag keine bleibenden Schäden davon.
    Jedoch war es nun ihre Aufgabe, Semir wieder in die Realität zurückzuholen, während Ben sich um Aida kümmerte. Mit ihr zusammen, sass er in seinem Büro und las ihr aus dem Bilderbuch "Lauras Stern" vor. Krüger klopfte und schloss, nachdem sie hereingekommen war, direkt die Türe hinter sich zu. "Er hat gestanden", sagte sie knapp und setzte sich an Semirs Platz. Ben drückte Aida an sich und seufzte. "Er, Kalvus und Tayfun kommen vor Gericht. Es ist vorbei!" Ben schüttelte mit dem Kopf. "Für Semir noch lange nicht", erwiderte er heiser und küsste Aida auf den Haarschopf. "Herr Jäger, es trifft Sie keine Schuld an dem Tod Jan Richters!" Ben biss sich auf die Unterlippe. "Ach nein?" Seine Stimme war schwach und müde. Unter seinen Augen hatten sich dicke Augenringe gebildet. "Haben Sie überhaupt mal geschlafen in den letzten Tagen?" Ben beantwortete Krügers Frage nicht. Er setzte Aida ab, zog sich die Jacke an und hob dann Semirs Tochter wieder auf den Arm. "Frau Krüger, ich danke Ihnen sehr, dass sie das nun persönlich erledigen aber...", Krügers Kopf hob sich, "es gibt Dinge, die können selbst Sie nicht heilen!" Mit diesen Worten ging er aus dem Büro.


    Im Krankenhaus angekommen, traff er die Eltern von Jan Richter, die gerade den Leichnam abholen liessen. Sie erblickten Ben und erkannten Aida, die mit ihnen schon Bekanntschaft machen durften. "Sind Sie Semir Gerkhans Partner?" fragte Jans Vater, ein bärtiger Mann mittlerer Grösse. Ben nickte. "Es tut mir so leid", flüsterte er und spürte eine zarte Hand auf seine Schultern. "Bitte geben Sie sich keine Schuld. Herr Gerkhan hat uns heute Morgen alles erzählt. Jan konnte eine Familie so retten!" Die Hand von Jans Mutter glitt von Bens Schulter zu Aidas Wange. "Sorgen Sie sich um Herr Gerkhan." Ben nickte und umarmte die Beiden. Ein schwarzer Holzsarg wurde über den Gang in einen Leichenwagen gebracht. Ben schüttelte kurz seinen Kopf und ging mit Aida zu Semirs Zimmer. Er klopfte kurz und wurde hereingebeten.


    Semir sass auf dem Bett. Bleich, verweinte Augen, aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht. "Andrea, würdest du bitte Aida mitnehmen?" Andrea, die mit einem Pflaster auf der Stirn, an Semirs Bett sass, nickte und nahm Ben Aida ab und verliess mit einem aufmunternden Lächeln dass Ben galt das Zimmer. Ben setzte sich auf Andreas Stuhl und atmtete tief durch. "Du siehst nicht gut aus", begann Semir das Gespräch und Ben lächelte schwach. "Das Kompliment gebe ich gerne zurück!" Semir nahm Bens Hand. "Kumpel, es tut mir so leid mit Jan", sprudelte es aus Ben heraus, "hätte ich nicht so übereifrig reagiert dann... " "...hätte Hakan mich und meine Familie umgebracht", kam es mit einer warmen Stimme von Semir und Ben sah seinem Partner tief in die Augen. "Ben dich trifft keine Schuld! Ich habe es Jans Eltern erklärt. Sie haben sich damit abgefunden, dass ihr Sohn durch seinen Tod, vier Menschen gerettet hat." Obwohl Semirs Stimme ruhig war, sammelten sich Tränen in seinen Augen und Ben setzte sich auf den Bett rand. "Komm her Kumpel", flüsterte er leise, öffnete die Arme und liess Semir gewähren. Der Deutschtürke begann bitterlich zu weinen. "Du lässt mich nicht im Stich Ben oder?", schluchzte er und Ben schüttelte mit dem Kopf. "Niemals Partner, niemals."



    Ende

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!