Schuldgefühle

  • Schuldgefühle




    Prolog



    Köln September 1997


    Der Wind wehte sehr stark und langsam begannen, einige Regentropfen zu fallen. Es war stürmisches Wetter in Köln und die Leute hatten sich alle in ihre Häuser verzogen. Alle Leute? Nein! Ein 13-jähriger Junge befand sich im Kölner Grossfriedhof und stand vor einem gerade erst zugeschütteten Grab. Die Kränze wirkten lächerlich und zu bunt, für einen solch traurigen Anlass. In seiner Hand eine Rose, deren Dornen in seine Finger stachen. Doch er ignorierte den Schmerz und sah durch den beinah undurchdringlichen Schleier, der die Tränen in seinen Augen gebildet hatte. Wie sollte er nun alleine auskommen? Die Aussicht dass sich seine Mutter um ihn kümmern konnte, war gleich null. Sie würde arbeiten müssen, um ihn bei sich behalten und unterhalten zu können. Allein der Gedanke liess ihn wieder in einen Weinkrampf verfallen. Er beugte sich über das Grab, bettete die Rose vor den Grabstein und vergrub das Gesicht in seinen Händen. Seine Schultern zuckte immer wieder auf und ab.




    Er wusste nicht, dass hinter ihm sich ein junger Mann befand. Sein Haar war länger und sein Gesicht wirkte beinahe ein wenig kindlich. Er war nicht gross. Das war er noch nie. Und er schämte sich nicht dafür. Doch er schämte sich, dem Jungen nicht geholfen haben zu können. Er und sein Partner kamen zu spät. Das erste Mal, dass er richtig versagte. Das Gefühl im Bauch war unerträglich. Er musste zu ihm! Er musste sich entschuldigen. „Bist du sicher, dass du das tun willst Semir?“ fragte eine Männerstimme hinter ihm und er drehte sich um. Ein Mann mit Dreitagebart, kurzem Haar und kantigem Gesicht blickte ihn an. „Du bist es André!“ keuchte Semir erschrocken und hielt sich symbolisch die Hand auf die Brust. „Er ist immerhin noch ein Kind!“ Andrés Gesicht war beinah vorwurfsvoll. Sein junger Partner sollte sich verdammt noch mal nicht solche Sorgen machen! „Ich gehe zu ihm André. Koste, was es wolle!“




    „Lukas?“ Der Junge drehte sich um und sah das Gesicht des Kommissars, den er vor kurzem erst kennengelernt hatte. „Herr Gerkhan“, schluchzte er hervor und versuchte, mit dem Handrücken, die Tränen fortzuwischen. Doch der Kommissar nahm sanft seine Hand und schüttelte mit dem Kopf. „Du musst dich nicht dafür schämen“, flüsterte er und strich einmal über die Hand. „Lukas…es tut mir so leid…“ Der Junge schüttelte mit dem Kopf. „Sie haben alles für ihn getan“, begann er mit Vernunft in der Stimme und versuchte zu lächeln, „sie haben immerhin meine Mutter gerettet! Ich bin immerhin nicht alleine!“ Semirs Kloss im Hals verstärkte sich bei diesem Satz nur, als dass er sich verbesserte. „Lukas…“ Der Junge schüttelte mit dem Kopf. „Versprechen Sie mir nur eines Herr Gerkhan…besuchen Sie mich jedes Jahr mindestens einmal. Und zwar immer am 13. Februar. Das ist der Geburtstag meines Vaters. Bitte besuchen Sie mich immer und sorgen Sie dafür, dass dieser Tag für mich beinahe schöner ist, als jeder Andere. Ich habe Sie wirklich gern gewonnen.“ Semir blickte nach hinten und sah André, an einem Baum lehnend. „Willst du das wirklich?“ fragte er und der Junge nickte. „Dann soll es so sein. Ich und André werden dich immer am 13. Februar besuchen!“ Doch zu diesem Zeitpunkt wusste Semir nicht, dass André nur noch für zwei Februare sein Begleiter sein wird.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

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  • 1.


    13. Februar 2009


    Semir Finger huschten flink über die Tastatur des Mobiltelefons. Ben, der am Steuer sass, sah ihn verwundert an. „Sag‘ mir doch endlich, wo wir hingehen!“ drängte er und der Deutschtürke schüttelte mit dem Kopf. „Du wirst es sehen! Ich sage dir nur, dass heute ein Jahrestag ist!“ Ben zog eine Augenbraue hoch. „Also, verheiratet sind wir nicht, weder du und ich haben Geburtstag…hey! Hast du ein uneheliches Kind von dem ich nichts weiss?“ Doch anstatt sich ärgern zu lassen, lächelte Semir nur und antwortete: „So ähnlich“, schmunzelte er und Ben war noch verwirrter als vorher. Es war warm, für diesen gewohnten kalten Winter. Die Temperaturen stiegen seit langem wieder über null und die dicke Winterjacke konnte man zuhause lassen. Der Schnee auf den Strassen begann zu schmelzen und da es in der Nacht noch ziemlich kalt war, wurden die Strassen ziemlich eisig. Doch Ben und Semir hatten Glück, in der Zeit in denen sie unterwegs waren, schmolz das Eis bereits wieder. „So, hier musst du dann links abbiegen!“ Ben nickte und drehte das Steuer in die richtige Richtung.


    Ben erblickte ein schönes Haus im eher ländlichen Teil Kölns. Ein schönes, kleines, weisses Haus inmitten einer schönen Landschaft. „Schick!“ pfiff Ben und ging auf dem Kiesboden Semir hinterher. „Allerdings, er hat mir geschrieben dass sie nun ein schönes Häuschen haben aber gleich so schön!“ „Jetzt hör auf, mich auf die Folter zu spannen! Wer ist „er“?“ Semir betätigte die Klingel und sah eine Rampe, die sich über einen kleinen Teil der Treppe erstreckte. Sein Blick wurde trüb. „Ist dein Bekannter Vater geworden?“ Semir zuckte mit den Achseln. „Einen Moment!“ schrie eine helle Mannsstimme und Ben sah Semir an. „Ist er das?“ fragte er und Semir nickte. „Nur keine Eile Lukas!“ rief Semir und es wurde sofort erwidert: „Erschrick einfach bitte nicht!“ Ben und Semir sahen sich an. „Haste ‚ne Schönheitsmaske auf oder was ist los?“ Die Tür öffnete sich, doch niemand stand davor. „Komm nur rein!“ hallte es aus einem der Zimmer hervor und ein Kopf blickte aus einem der Zimmer. Es war ein junger Mann. Sicher keine Mitte 20. Semir ahnte, wozu die Rampe war, wieso er die Türe von innen öffnete und dass er sie warnte. „Lukas…“ Der junge Mann sah anscheinend, dass Semir einen Verdacht hatte. „Dumm gelaufen“, begann er knapp und ging in den Gang. Nun ja, ging war vielleicht das falsche Wort.


    Ben meinte, dass ihm der Atem stehen blieb. Dieser gutaussehende, freundlich wirkende junge Mann, sass im Rollstuhl. Die Hände waren an den Rädern und die Miene wirkte traurig. „Wie ist das passiert?“ fragte Semir entsetzt und kniete sich vor Lukas. „Arbeitsunfall“, murmelte er und sah zu Ben. „Wieder ein neuer Partner?“ Ben nickte und ging auf ihn zu. „Ben“, stellte er sich vor und schüttelte dem jungen die Hand. „Freut mich. Ich bin Lukas.“ Er wies in das Zimmer. „Kommt doch herein. Ich kann euch sicher etwas bringen.“ Semir und Ben nickten dankend und setzten sich auf eine bequem aussehende Couch. Semir wirkte wie versteinert. Ben sah ihn sorgenvoll an. „Alles okay?“ Semir zuckte mit den Achseln. „Warum hat er mir nichts gesagt?“ flüsterte er entsetzt und sah, wie Lukas in die benachbarte Küche fuhr. „So geschwind wie er mit dem Rollstuhl unterwegs ist, muss er ja schon länger gelähmt sein.“„Letztes Jahr stand er noch auf den Füssen!“ zischte Semir und Ben hob die Hände. „Nur die Ruhe Grauer!“ In diesem Moment fuhr Lukas an den kleinen Tisch und stellte ein Tablett ab. „Ich hoffe du magst Cola?“ fragte er Ben und dieser nickte. „Wer mag es nicht?“ gab er zurück und Lukas verdrehte die Augen. „Meine Mutter. Sie sagt das sei Chemie in Perfektion“, maulte er und schenkte „die Chemie in Perfektion“, in drei Gläser. Dann gab er sie den Besuchern.


    „Also“, begann Luka und bemerkte Semirs starren Blick auf den Rollstuhl. „ich erzähl dir wie’s passiert ist okay? Dann beruhigst du dich aber bitte wieder!“ Semir fühlte sich ertappt und lief leicht rot an. Er nickte stumm und Ben nahm ein Schluck seiner Cola. „Soll ich gehen?“ fragte er und Lukas winkte ab. „Ach was! Das ist nichts, worüber man sich schämen muss. Also Semir, wie du weisst, war ich Kommissar bei der Kriminalpolizei.“ Semir stimmte zu. „Nun ja, da ging bei einer Verfolgungsjagd ziemlich was in die Hose. Meine Kollegen, viel älter als ich, wollten nicht, dass ich dem Kerl hinterher gehe. Doch ich konnte nicht anders. Der Mann hatte einen Serienmord begannen und in meinem jugendlichen Übermut, wollte ich ihn einfach schnappen!“ Semir nickte und sah Ben dabei an. Dieser wusste, wofür der Blick war. „Nun ja, dann stiess er mich vom Dach. Danach weiss ich nichts mehr, ausser dass man mir sagte, dass ich von der Hüfte ab gelähmt bin und ich nie wieder gehen werden könne.“Ben schluckte. Was, wenn er bei seinem Einzeltrip letztens, keine Schussweste angehabt hätte, er wäre nun tot. „Warum hast du mich nie angerufen?“ Lukas zuckte mit den Achseln. „Du hast inzwischen Familie Semir. Ausserdem bin ich kein kleines Kind mehr. Inzwischen bin ich auch 25 und erwachsen. Ich wollte dir schreiben aber die Therapie im Paraplegiezentrum hat mich ziemlich geschwächt. Jetzt weisst du es ja.“ Semir gab einen kleinen Seufzer von sich. „Semir, ich denke nicht, dass Lukas das Böse gemeint hat“, verteidigte Ben den Jungen und sah ihn mit einem Lächeln an. „Ich weiss, also Lukas, was für ein Wunsch kann ich dir dieses Jahr erfühlen?“ Der Mann im Rollstuhl lächelte verstohlen und sah die Autobahnpolizisten an.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 2.


    Lukas rollte die Rampe hinunter und erblickte den Mercedes von Ben. „Ist ja scharf!“ kommentierte er den Wagen und Ben grinste. „Hast wohl stets nur den BMW von Semir gesehen was?“ Lukas nickte zustimmend und öffnete die Türe. „Kann mir schnell jemand helfen?“ bat er und die beiden Polizisten nickten. „Wer hebt und wer versorgt den Rollstuhl?“ Lukas grinste. „Ich denke dein Partner mag mich besser heben Semir. Ich bin keine 1.50 mehr.“ In der Tat. Lukas hatte etwa Bens Grösse und war so auch einen Kopf höher als Semir. Erstaunlich, wie schnell Kinder erwachsen werden. Sie taten wie befohlen. Ben half Lukas in den Wagen und Semir klappte den Rollstuhl zusammen. "Geht's?" fragte Ben und Lukas nickte. "Danke." Semir stieg hinten bei Lukas ein und Ben setzte sich ans Steuer. "Also, willst du einfach auf der Streife dabei sein." Lukas nickte. "Wenn man im Rollstuhl sitzt, ist die Streife doch das Beste, um wieder mal in die Zeit des Polizeidienstes zu geniessen." Ben nickte zustimmend und startete den Motor. "Aber erzähl mal Semir. Wie geht's Andrea? Und der kleinen Aida?" Semir konnte nur erzählen, wie gut es den Beiden ging. Natürlich erwähnte er, seinem Vertrauten, die Geschichte mit der Leibwächterin. Lukas aber, schien nicht entsetzt zu sein. Im Gegenteil, er grinste frech. "Das hat wohl neuen Schwung in die Ehe gebracht was?" scherzte er und bekam von Semir eine Faust in die Schulter.


    "Oje, kaum losgefahren, schon das Problem am Hals", murmelte Ben und deutete auf einen Unfall. Zwei junge Frauen standen auf dem Pannenstreifen und krächzten sich an und fauchten wie zwei wilde Katzen. "Zickenkrieg!" stöhnte Semir und sah zu Lukas. "Du entschuldigst uns?" Der junge Mann nickte. Ben steuerte den Wagen auf den Pannenstreifen, hielt an und stieg mit Semir aus. "Aber, aber meine Damen!" funkte sich Semir an und die beiden Frauen sahen ihn mit giftigem Blick an. "Wer sind sie?" keifte die Blonde und Ben zog zusammen mit seinem Partner den Ausweis hervor. "Kripo Autobahn. Was ist denn vorgefallen?" Semir konnte Bens Flirtblick entdecken. War ja klar. Zwei Frauen in seinem Alter, wohl geformt und angriffslustig. Das Raubtier in Ben war erwacht. "Die Kuh hat mir diese Delle im Wagen verpasst!" zischte dann die Braunhaarige und zeigte mit ausgestrecktem Finger auf die Blondine. "Seht sie euch nur an! Sie ist Blond!" Die Blonde schlug den Finger weg und spuckte der Frau ins Gesicht. Ben und Semir zogen sie auseinander. "Nun mal mit der Ruhe!" mahnte Semir mit starker Stimme und sah sich den Twingo der Braunhaarigen an. Und tatsächlich. Eine riesige Delle im Heck. Aber da war noch was anderes. Kleine rote Spritzer, die sich über das Heck erstreckten. "Ähm Fräulein?" Die Braunhaarige sah Semirs Blick und stiess Ben von sich. Sie zog eine Waffe hervor und zielte auf ihn. "Weg vom Wagen!" befahl sie und Semir hob die Hände. "Wow! Beruhigen sie sich Lady!" Auf Bens Kommentar hin schoss sie und der junge Polizist konnte mit einem Hechtsprung sich retten. Dabei zog er die Blonde mit auf den Boden und sah sie an. "Gehen Sie sofort zum Revier der Autobahnpolizei und machen Sie eine Aussage!"


    Die Frau stieg in ihren Twingo und fuhr los. Ben und Semir stiegen in den Wagen. "Heimlige Scheisse", keuchte Lukas und sah dem Wagen hinterher. "Tut mir leid Lukas, aber wir müssen hinterher!" entschuldigte sich Ben und fuhr los. "Hast du dich angeschnallt?" fragte Semir und zog seine Waffe. "Immer doch!" erwiderte Lukas und sah zu der Frau. "Was hat die denn am Rad?""Spuren von Blut an ihrem Wagen, da ist sie durchgeknallt! Willkommen in meiner Welt!" Semir öffnete das Fenster und lehnte sich heraus. In diesem Moment vermisste Lukas seine Arbeit. Was würde er dafür geben, wieder laufen zu können.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 3.


    Semir schoss und traf die Reifen. Die Frau konnte sich noch auf den Pannenstreifen retten, bevor sie zum Stehen kann. Semir und Ben stiegen aus. Semir rief Lukas noch ein "Du bleibst hier!" zu und der ehemalige Polizist nickte. Die Frau stieg aus und wankte leicht, anscheinend hatte sie sich beim Lenkmanöver verletzt. In ihren Händen, ein Schrotgewehr. Sie zielte auf die Polizisten. "Waffe runter!" befahl sie doch Semir und Ben dachten nicht daran. Nie im Leben! Sie waren zu zweit! "Ich sagte, die Waffe runter!" zischte sie noch einmal doch Ben spannte den Finger nur mehr um den Abzug. "Nichts da Schätzchen", begann er und zeigte mit der Waffe auf den Boden. "Waffe runter! Oder wir müssten deinen Prachtkörper verschandeln, ohne es zu wollen!" Ohne dass DU es willst, dachte Semir und rollte innerlich mit den Augen. Ben und schöne Frauen - es war zum Verzweifeln. "Los! Macht schon!" "Sonst was?" fragte Semir und richtete die Waffe auf ihr Bein. Bloss nicht töten. Sie blickte zu einem schwarzen Mann, der hinter Semir und Ben auftauchte. Sie, bemerkten ihn nicht. Doch Lukas sah ihn, er öffnete die Tür und schrie: "Ben, Semir!" Doch zu spät. Der Hühne packte Ben von hinten, schlug ihm die Waffe aus der Hand und hielt ihm seine Pistole an die Schläfe. "Keine Bewegung Zwerg!" mahnte er Semir und drückte fester zu. Ben, total schockiert, klammerte sich an die Kleidung des Typen, um sich befreien zu können. Doch hoffnungslos. "Oder soll ich deinen Freund auch noch umbringen." Er liess die Waffe von Ben ab und richtete sie auf Lukas. "Nein!" schrie Semir entsetzt und legte die Waffe auf den Boden. "Lassen Sie Ben einfach gehen! Bitte!" Doch der Mann entfernte sich, mit Ben im Schwitzkasten. Dieser sah, wie sich der Finger um den Abzug krümmte. "Lauf Semir!" kreischte er und versuchte sich zu befreien, doch je mehr er sich wehrte, umso stärker wurde der Druck um den Hals. "LAUF!" krächzte er.


    Semir rollte auf den Boden und konnte gerade einem Schuss entgehen. Er packte seine Waffe und wollte zielen als er sah, wie Ben brutal in einen schwarzen Audi gedrängt wurde. Der Mann schoss noch zwei Mal in Semirs Richtung, bevor er losfuhr. Und das in einem enormen Tempo. Noch bevor Semir in den Wagen steigen konnte, war der Wagen im Getummel verschwunden. "Scheisse!" fluchte Semir und ging zu Lukas. "Ich hab mir das Kennzeichen gemerkt!" sagte dieser dann und sah, wie Semir zitterte. "Das war unterste Schublade", murmelte der Deutschtürke und Lukas sah zu ihm auf. "Das stimmt nicht! Du kannst Ben retten! Und ich werde dir helfen!" sagte er bestimmt und Semir zog eine Augenbraue hoch. "Du bist im Rollstuhl!" bemerkte er ein wenig schroff und Lukas grinste schelmisch. "Das ist ein Grund, aber kein Hinderniss. Du hast mir so viel geholfen Semir. Und nun wird es Zeit, dass ich dir ein wenig davon zurückgeben kann." Semir dachte nach, dann nahm er das Handy hervor und wählte eine Kurznummer. "Dieter! Bereite sofort unsere Computer vor und ruf Hartmut! Ben ist entführt worden! Alle Massnahmen einleiten! Ich werde mit meinem Kollegen kommen!" Semir sah Lukas an. "Lass uns die Schweine finden!"



    Als Semir und Lukas in der PAST ankamen, spürte der junge Mann die verwunderten Blicke. Nur Hotte, kam auf ihn zu. "Na sieh' mal einer an", jauchzte der leibliche, liebenswerte Polizist und schüttelte Lukas die Hand. "Das hätte ich mir denken können! Is ja Februar!" Lukas nickte und blickte zu Semir, der zum Büro wies. "Partner?" fragte er und Lukas folgte ihm. Sie gingen ins Büro, wo Susanne stand. Sie wirkte ängstlich. "Susanne? Such bitte den Besitzer dieses Wagens!" Semir übergab ihr einen Zettel und sie nickte. "Also", begann Lukas und faltete die Hände. "Du hast also Blutspritzer am Wagen der Frau gefunden?" Semir nickte. "Das heisst, sie hat entweder jemanden angefahren und hat Fahrerflucht begannen oder..."
    "...da lag jemand im Kofferaum", ergänzte Semir Lukas Denkvorgang und dieser stimmte ihn zu. "Wenn zweites eintrifft, steht es schlecht er um Ben. Dann kennen die nämlich keine Gnade."


    Das Telefon klingelte und Semir nahm ab. "Hartmut? Und? Eine Leiche im Kofferraum, weiblich! Hast du schon? Danke!"



    Ben spürte, wie ihm Klebeband um die Handgelenke gebunden wurde und sofort füllten sich seine Hände mit Taubheit. "Klebe ihm noch den Mund zu", befahl die Frau, die das Steuer übernommen hatte, "man weiss nie, ob die Bullen doch noch was im Schilde führen!" Er nickte und knebelte Ben. Dieser blickte nach hinten. Durch Ritze zwischen den Sitzen, konnte er nach hinten sehen. In den Kofferaum. Er sah zwei leere Augen, die ihn nur so anstarrten und er zuckte kurz zurück. "Sieh mal einer an!" Der Hühne beugte sich zu ihm runter. "Du hast wohl Jacky entdeckt. Nun ja, der und seine Freundin waren nicht so kooperativ wie dein Freund. Und sollte dieser auch noch sich einmischen wollen..." Er zog mit dem Zeigefinger über Bens Hals und machte das Geräusch eines schneidenden Messers.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 4.



    Semir bat den Potraitzeichner zu sich, damit er eine genaue Beschreibung der Beiden herausgeben konnte. Lukas war inzwischen mit Susanne und schäckerte, heimlich natürlich, mit ihr. Sie hatte das Autokennzeichen gefunden. "Wurde der Wagen als gestohlen gemeldet?" fragte er und Susanne nickte mit einem Seufzen. "Leider Gottes ja. Wäre auch zu einfach gewesen." Lukas sah sie an. "Hast du die Nummer des eigentlichen Besitzers des Audi?" Sie nickte und schrieb die Nummer vom Bildschirm auf einen Zettel ab. Sie übergab ihn Lukas. "Man dankt!" Mit diesen Worten begab er sich wieder ins Büro. Dort war der Zeichner gerade fertig. "Hurtig", lobte der junge Mann und der Zeichner zwinkerte ihm zu. "Ich arbeite nicht umsonst schon zehn Jahre hier", scherzte er und übergab Semir die Zeichnungen. "Du bist ein Held, danke!" Er winkte ab und sah Semir ernst an. "Finde Ben einfach. Der Junge hat schon so viel durchgemacht! Ich möchte nicht wieder hören, dass du ihn aus einem Sarg fischen musstest." Mit diesen Worten verliess er das Büro. Lukas sah Semir mit grossen Augen an. Semir erklärte, zusammengefasst, die Geschichte von Ben im Sarg. Und der junge Mann schluckte. "Das ist heftig", kommentierte er mit schwerer Stimme und rollte auf Semir zu. "Kann ich mal das Telefon gebrauchen?" Semir nickte und wies auf den Apparat. Lukas wählte die Nummer des Besitzers und wartete.



    Ben merkte, dass der Wagen anhielt und die Beiden ausstiegen. Der Hühne kam sofort zu ihm und half ihm raus. Die Frau, entfernte sich und ging in Richtung eines Gebäudes. Sie befanden sich im Wald. Das stand fest. Abgelegen von Köln. "Nun ganz brav sein", sagte der Hühne heiser doch Ben dachte gar nicht daran. Das Adrenalin, die Wut stieg in ihm hoch und begannen, ihn zu beherrschen. Er trat, da die Beine nicht gefesselt waren, dem Mann in die Leisten, drehte sich zum Audi und schnitt sich die Fesseln mit dem Spoiler des Audis auf. Der Hühne gab einen kleinen Piep von sich und Ben rannte davon. Ohne Waffe kam es ihm gar nicht in den Sinn, den Kerlen was anzutun. Er rannte in den dichten Wald. In einem ungeachteten Moment, er sah nach hinten nachdem er die Stimme des Hühnen schreien hörte, übersah er einen Abhang und rutschte aus. Sein rechtes Bein knallte auf einen Stein und er hörte den Knochen knacken. Gebrochen! Ein grauenhafter Schmerz schoss durch sein Knie und Ben schrie auf. Er rollte den Abhang zu Boden. Noch einmal schlug sein Bein auf, dieses Mal aber, riss die Hose an der fast selben Stelle und Ben fühlte das Blut, das aus der Schürfwunde schoss. Verdreckt von der Erde und bedeckt von totem Laub, blieb er am Fusse des Hanges liegen. "Scheisse", wimmerte er und versuchte aufzustehen. Doch sein Bein gab sofort der Last wieder nach und er ging zu Boden.
    "So ein böser Junge!" hörte er dumpf eine Stimme, bevor er durch einen Schlag auf die Schläfe das Bewusstsein verlor.



    "Sandro Klemper?" meldete sich eine hohe Stimme und Lukas atmete auf. "Herr Klemper? Hier Lukas Steiner Autobahnpolizei."
    "Haben Sie mein Auto gefunden?" Lukas bestätigte dies mit einem lauten Aber und erklärte Klemper die Situation. "Haben Sie gesehen, wie Ihr Auto gestohlen wurde?" Klemper bejahte dies und erzählte, wie es dazu gekommen war. "Sie wurden also brutal zu Boden geschlagen, nachdem Sie nach einer Party nach Hause fahren wollte?" Ein kleines Ja. "Können Sie den Angreifer beschreiben?" Das Ja war lauter. Klempers Beschreibung passte genau auf den farbigen Hühnen, der Ben entführt hatte. "Sie sind es!" flüsterte er Semir zu und dieser nickte mit dunkler Miene. "Der Mann war auf der Party?" Nun hob sich auch Lukas sonst so ruhige Stimme und er nahm Papier und Bleistift hervor. "Man konnte nur herein mit Einladung? Haben Sie die Nummer des Organisators?" Der Bleistift schwebte nur so übers Papier. "Sie waren uns eine grosse Hilfe!" Lukas hängte auf und übergab Semir den Zettel. "Lass uns fahren!" sagte dieser voller Enthusiasmus und Lukas fuhr im Eiltempo hinterher.



    Als Ben wieder zu sich kam, fand er sich in einer Lagerhalle, angebunden an einem Pfeiler. Sofort schoss wieder der übelkeiterregende Schmerz durch sein Bein und er biss sich auf die Zähne. Er sah hinunter. Die Jeans war am Knie gerissen und seitlich befand sich eine grässliche Schnittwunde, wo sich schon eine leichte Blutkruste gebildet hatte. Das Knie selbst sah total performiert aus und Ben wusste genau, dass dieser Knochen nur noch Müsli war. "Verdammte Scheisse", fluchte er und bemerkte nun erst, dass ihm die Jacke ausgezogen wurde. Und er wusste, was die Kerle vorhatten. Dass er sich verletzt hatte, kam ihnen nur recht. Sie wollten ihn elendlich verrecken lassen. Er versuchte die Fesseln zu lösen - hoffnungslos. Denn je mehr er zog, desto mehr zogen sich die Stricke zu. Sein linkes Auge brannte. War Blut hineingelangt? Dem Schlag des Typen zufolge schon. Er versuchte, das Bein möglichst komfortabel zu lagern. "Semir wird dich retten", sprach er sich selbst Mut zu, "er hat es schon einmal geschafft Ben Jäger, wieso sollte er es kein zweites Mal schaffen?" Dann begann er zu Lachen. "Genial, ich rede schon mit mir selbst!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 5.




    Lukas stieg langsam in seinen Rollstuhl und schlug dann die Autotüre zu. Sie näherten sich einem edlen Appartementhaus. Semir ging zur Klingel und betätigte diese, während Lukas sich neben ihm gesellte. "Ja?" fragte eine tiefe Stimme durch den Lautsprecher und Semir holte Luft. "Herr Menziani? Gerkhan Kripo Autobahn und Lukas Steiner. Wir hätten ein paar Fragen an Sie." Ein lautes Krächzen und Semir konnte die Tür aufschieben. Er hielt sie für Lukas offen und dieser dankte es ihm mit einem Lächeln. Sie bewegten sich zum Lift und fuhren mit Eiltempo in den höchsten Stock. Dort stand schon ein gutaussehender Mann an der Tür und winkte sie höflich hinein. "Bitte, setzten Sie sich." Semir tat wie ihm befohlen und Lukas platzierte sich dicht neben dem Sofa. "Geht es um Sandros Audi?" fragte Menziani direkt und Semir antwortete prompt. "Indirekt. Herr Klempers Auto wurde für eine Entführung eines Polizeibeamten benutzt. Wir konnten zwei Täterprofile erstellen." Lukas reichte Semir die beiden Bilder und Semir überreichte sie Menziani. Dessen Blick blieb besonders am Bild der Frau haften. "Das ist Maria Senner", antwortete er mit leicht betrübter Stimme und Semir sah ihn an. "Sie war zur Party eingeladen. Sie muss irgendwie diesen Typ mit reingeschleppt haben. Maria ist eigentlich ein nettes Mädchen. Aber ihr Herz ist einfach anfällig für solche Sachen. Sie kam erst gerade vor einem Monat aus dem Gefägnis. Nach über neun Jahren. Totschlag." Semir schluckte. "Wir befürchten, dass Frau Senner mit ihrem Partner einen Doppelmord begannen hat." Menziani schüttelte fassungslos mit dem Kopf.




    Ben hörte, wie die Lagerhalle aufging und der Hühne hereintrat. "Wie geht's uns denn so?" fragte er mit einer solchen Leichtigkeit in der Stimme, dass Ben beinahe schlecht wurde. Er antwortete nicht. Er sah, wie der Hühne einen Laptop in seinen Händen hatte und ihn vor Ben abstellte. Nicht schon wieder, dachte er sich, bitte nicht schon wieder die Kameranummer. Doch er konnte keinen Webcameingang finden. Was sollte dies dann? Der Hühne richtete sich wieder auf und verschwand.
    Ben versuchte noch ein letztes Mal, die Fesseln zu lösen. Doch hoffnungslos. Die Tür öffnete sich erneut. Dieses Mal kam die Frau. Mit einer langen Eisenkette und einer Handschelle, die daran befestigt war. Sie legte die Handschelle an Bens linkes Handgelenk und befestigte die Kette an einer dicken Eisenstange. Sie kniete zu Ben hinunter. "Keine Sorge mein Kleiner. Wir sind nicht Böse, wir wollen der Welt nur mitteilen, wer wir sind." Ben sah, wie der Hühne mit dem Toten hineinkam und ihn zu Boden legte. Die leeren Augen starrten Ben an und dieser schluckte. "Und du wirst dass für uns erledigen." Sie schaltete den Laptop an und es erschien ein Internetblog. "Die Unbarmherzigen" - stand in grosser Schrift auf einem satanistischem Logo. Ben spürte, wie sich die Fesseln lösten und er konnte die Hände frei bewegen. Doch er war gefangen. Das wusste er. Ausserdem kam er mit diesem Bein nicht weit. Und er fror. Es hatte sich schon Gänsehaut gebildet. "Sehr gut, du wirst nun schreiben, was wir getan haben. Alles in der "Wir-Perspektive" wenn ich so grammatikalisch frech reinreden dürfte." Ben konnte nur leicht nicken. Er liess kurz die Finger knacken und begann dann zu schreiben.




    "Sie gehört zu einer seltsamen Sekte an. Sie nennen sich die "Unbarmherzigen" und glauben an die Erlösung durch den Teufel!" Semir und Lukas sahen sich an. Das kam ihnen doch bekannt vor. Besonders aus Lukas Gesicht wich jegliche Farbe und der junge Mann sah Menziani ernst an. "Wie lange ist sie schon in dieser Gruppe dabei?" fragte er mit zitternder Stimme und Menziani dachte nach. "Hm...sie ist 35...zehn Jahre Gefägnis...seit rund 15 Jahren nun!" Semir stand auf und gab Menziani seine Visitenkarte. "Sie waren uns eine grosse Hilfe, sollte Ihnen noch was einfallen..."
    "Selbstverständlich", funkte Menziani Semir ins Wort und stand auf, um ihm die Hand zu schütteln. "Nur eine Frage hätte ich noch." Semir sah Menziani erwartungsvoll an. "Wieso haben Sie einen Partner im Rollstuhl?" fragte er und Lukas konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Im Fernseh gibt es doch blinde Polizisten, verkrüppelte Doktoren, Leute die Geister sehen können. Wieso dann nicht einen Ermittler im Rollstuhl für die Realität?" scherzte er und Menziani lächelte. "Das genügt mir", sagte er und hielt seinen Besuchern die Türe auf. Die Beide gingen aus der Wohnung und blieben dann im Treppenhaus. "Semir...das sind die Typen die meinen Vater getötet haben!" Lukas Vater war Professor gewesen und hatte die geheimnissvolle Sekte entdeckt. Nach einem schrecklichen Autounfall, eines der Opfer war Angehöriger der Sekte und hatte ebenfalls einen Toten im Kofferraum, klärte Lukas Vater André und Semir darüber auf. Und bezahlte mit dem Leben. "Ben ist in grosser Gefahr Semir! Wir müssen ihn finden, ehe es zu spät ist!" Semir sah Lukas an, die Angst war dem jungen Mann buchstäblich ins Gesicht geschrieben und er zitterte auch leicht. "Du hast recht! Ich geb' Susanne Bescheid, die soll alles nach dieser Sekte durchsuchen!" Sie gingen im Eiltempo zum Lift.


    Bens Finger lösten sich von der Tastatur und er überblickte sein literarisches Werk. Er hatte ein paar Versteckte Begriffe eingebaut in der Hoffnung, dass seine Leute sie finden würden. Aus Neugier, klickte er auf den Link «unsere Opfer» und was er da sah, liess ihm das Blut in den Adern gefrieren. Diese Organisation hatte bereits gut ein Dutzend Opfer auf den Gewissen. Darunter auch einen Mann, der Lukas sehr ähnlich sah. Sein Vater. "Heillige Scheisse", stiess Ben hervor und ging sofort auf die Startseite zurück. Nun hatte er nicht nur Angst um sein Leben, sondern auch um dieses von Semir und Lukas. Wie er Semir kannte, würde dieser sicher Lukas Hilfe beanspruchen. Und wenn diese Typen herausfanden, dass der Junge damit drin steckte, würden sie ihn töten. Sofort öffnete er einen neuen Eintrag. Eine Warnung musste her! Egal wie!
    Während er schrieb, begann sein Hals zu kratzen und immer wieder musste er husten. Es begann also schon. Er erkältete sich. Die Zeit drängte. Doch im Moment war ihm sein Leben egal. Er musste seine Freunde warnen. Egal wie! Er versuchte den Schmerz in seinem Bein zu ignorieren. Ihm wurde davon immer wieder übel doch er schluckte. Keine Schwäche zeigen! Kämpfen!

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 6.



    Als Semir und Lukas im Büro ankamen, empfing sie Susanne schon. "Da seit ihr. Kommt sofort in den Konferenzraum! Dieter und Hotte sind auch dort. Das müsst ihr euch ansehen!" Im Eiltempo folgten sie der Kriminalbeamtin und sahen, dass der Raum abgedunkelt war. Sie hatten eine Webseite per Beamer auf die Leinwand erscheinen lassen. "Die haben einen Internetblog und schreiben sogar dreist rein, dass sie wieder zwei Menschen auf dem Gewissen haben."
    "Wobei eines bei unserem Gerichtsmediziner liegt", murmelte Semir und blickte auf das Geschriebene. "Mir ist aber was aufgefallen", begann Dieter mit ziemlich ungewohnt düsterer und besorgter Stimme, er nahm den Laser und zeigte auf einen Abschnitt, "lies dir das mal durch Semir." Semir tat wie ihm befohlen. Auch Lukas strengte seine Augen an. Es waren zwei besondere Abschnitte. Sie glichen nicht den vorherigen und wirkten auch in der Schreibweise anders. "Semir!" Lukas rollte zu der Leinwand und wies auf einen bestimmten Satz. "Wir haben wieder zwei Opfer zur Strecke gebracht", las er vor und fuhr fort, "schon verrückt wie schnell Menschen sterben, wenn sie sich verletzt haben. Nur ein kleiner Beinbruch und schon kann dies zum Ende führen." Semir sah Lukas an. "Also haben sie noch ein zweites Opfer. Aber was soll dies mit dem Beinbruch? Leichtsinnigkeit?" Hotte mischte sich ein. "Was, wenn sich der Schreiber nicht auf die Toten, sondern auf das lebende Opfer beziehen?"
    "Es geht noch weiter!" sagte Lukas und wies auf einen weiteren Eintrag. "Unsere Opfer sind Menschen, die den Tod verdient haben. Gläubige, Gerechte und Professoren. Besonders bei letzteren ziehen wir unsere Fehde bis zur Brut weiter." Beim letzten Teil des Satzes verlangsamte sich Lukas Stimme und er drehte sich zu Semir um. "Semir das hat keiner der Gruppe geschrieben!" sagte er bestimmt und wies auf den letzten Absatz. "Mit Professoren ist mein Vater gemeint. Unsere Fehde zieht sich bis zur Brut weiter, damit bin ich, sein Sohn gemeint...das ist eine Warnung! Die ist von Ben! Er wird gezwungen dies zu schreiben! Und er will mich dadurch warnen!" Semir ging zu der Leinwand. "Das heisst, dass er noch lebt!" versuchte Susanne den besorgten Kommissar aufzumuntern und Ben drehte sich um. "Gib' das sofort zu Hartmut. Er soll Die Quelle herausfinden!" Susanne nickte und rannte aus dem Büro.



    "Aber was meinte Ben mit Beinbruch und Sterben?" Lukas blickte zu Semir. "Ich denke", begann er mit düsterer Stimme und verschränkte die Arme, "er meint sich selber. Was wenn er einen Fluchtversuch unternommen hat? Und dann sich verletzt hat? Sollte er eine offene Wunde haben, bei dieser Kälte, kann sich diese doch leicht entzünden. Ausserdem besteht das Risiko einer Blutvergiftung." Semir war erstaunt über die Kombinationsgabe seines "Ziehsohns" und konnte sich, trotz der prekären Situation, ein Lächeln nicht verkneifen. Er verspürte Stolz und zugleich Wehmut. Der Junge sass im Rollstuhl und Ben war sonst wo. Nur, weil er die Typen nicht entgültig zerstören konnte. "Jedenfalls müssen wir Ben schnell finden. Ich hab' Angst um ihn und ausserdem will ich nicht Schuld sein, wenn du dir schon wieder einen neuen Partner suchen musst." Semir nickte und winkte Lukas in sein Büro. "Ich hab' noch was für dich", kündigte er an und öffnete seine Schreibtischschublade. Er zog eine Waffe heraus und übergab sie Lukas, samt Halfter. "Bist du verrückt?" zischte der Junge und blickte sich um. "Wenn das die Chefin herausfindet? Ich bin nicht mehr im Dienst!"
    "Im Moment habe ich hier das sagen! Jedenfalls bis die Chefin wieder da ist! Also, ich brauch dich nun Lukas! Du bist talentiert und hast du nicht gesagt, es sollte auch einen Ermittler im Rollstuhl geben?" Lukas lächelte und zog sich den Halfter an, um dann die Waffe einstecken zu können. "Ich werde dich nicht enttäuschen!"




    Ben hörte erneut die Lagertüre und sah wieder die Frau hineinlaufen. Sie hatte ein Skalpell und eine Flasche Alkohol dabei. Zuerst ging sie zu der Leiche und kehrte sie auf den Rücken. Dann hob sie den Pullover und begann, unter Gesang, etwas in die Haut zu ritzen. Ben traute seinen Augen kaum. Die Frau machte dies mit einer solchen Leichtigkeit, wie er es zuvor nur bei einem Chirurgen oder Gerichtsmediziner gesehen hatte. Er spürte, wie er sein Maul kaum zukriegen konnte. Sie sah ihn lächelnd an. "Schöner Eintrag hast du da geschrieben", sagte sie mit melodischer Stimme und Ben fragte sich, ob der Eintrag wirklich so gut war, oder ob sie einfach nur ein bisschen benebelt war. Sie vollendete ihr Werk und ging dann mit der Flasche Alkohol zu Ben. "Wir wollen dann doch nicht so sein", flüsterte sie und schlug ihm kurz einmal auf die Wange. Dann verschwand sie. Ben wusste genau, wozu der Wodka gedacht war. Er öffnete die Flasche, führte sie zu der Wunde und goss das hochalkoholische Getränkt darüber. Er musste sich auf die Unterlippe beissen, um nicht vor Schmerz schreien zu müssen. Doch Alkohol desinfizierte. Und das war nun wichtig.


    Seine Hände zitterten dabei. Die Hand, die die Flasche hielt und die Hand, die die Hosenstelle hielt. "So eine Scheisse", knurrte er mit erhöter Stimme und verfing sich in einen trockenen Hustenanfall.



    "Was hast du eigentlich vor?" fragte der Hüne seine Schöne und sah sie an. Sie befanden sich in einem Holzhaus, nicht weit vom Lagerhaus entfernt. "Du weisst doch sicher, dass der Typ versteckte Nachrichten in den Blog schreibt. Was ist dein Plan?" Sie lächelte und faltete die Hände. "Mein lieber Freund", begann sie mit säuselnder Stimme und zeichnete Kreise auf die Tischplatte, "überleg doch mal. Wir wollen den jungen Steiner. Und der Partner unserer Geisel ist gut mit ihm befreundet. Er wird ihm helfen ihn zu suchen. Doch nun ist er gelähmt und kann sich nicht mehr wehren! Wir haben ihn so gut wie in der Tasche. Und dann kann unser kleiner Feldzug weitergehen. Unser Boss wird sehr zufrieden sein. Du wirst sehen." Der farbige Kerl ging zu einer Kühlbox und sah dann seine Freundin an. "Wo ist denn der Wodka hin?" fragte er verwirrt und sie lächelte. "Den musste ich für die erste Hilfe opfern. Wir wollen doch, dass unsere Geisel noch ein wenig am Leben bleibt."

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 7.




    Semir und Lukas fuhren zum Gerichtsmediziner, der sie schon an der Türe erwartete. Er wies sie galant zu einem der Tische und hatte ihn extra für Lukas gesengt. Denn Semir hatte ihn angerufen und ihm mitgeteilt, dass Lukas nun mit ihm ermittelte. Und auch der Doc kannte Lukas sehr gut.
    "Tut mir leid für die Umstände", sagte Lukas und der Mediziner winkte ab. "Ach was", begann er und wies auf die Leiche, "was fällt dir an ihr auf?" Semir sah den Arzt mit einer hochgezogenen Augenbraue an. "Ausser dass du sie auf den Bauch gedreht hast?" fragte er mit ein wenig Sarkasmus und Lukas tippte Semir an. "Sieh' die genau gleichen Einritzungen im Rücken. Semir beugte sich, selbst für ihn war der Tisch nun zu tief, über die Leiche und sah die noch blutige Schrift. "Und wieder die genau gleichen Zahlen. 666." Lukas nickte zustimmend und fragte den Gerichtsmediziner nach Einweghandschuhe. Dieser überreichte ihm sofort welche und Lukas bedankte sich. Er zog sich diese an und hob langsam die Augenlider. "Die Pupillen starren nach oben und sind verkrampft", murmelte er und der Doc sah Semir mit grossen Augen an. Dieser konnte nur mit den Achseln zucken. "Sie wurde vergiftet, richtig?" Der Arzt nickte mit einem Lächeln und nahm eine Akte hervor. "Was für ein Gift?" fragte er nun neugierig und Lukas beugte sich zum Mund der Toten. "Leichter Mandelduft. Ich tippe auf Zyankali", antwortete Lukas und Semir lächelte zufrieden, da er auf den Bericht blicken konnte. "Sehr gut. Sie wurde wirklich mit Zyankali vergiftet. Sie war binnert Sekunden tot." Lukas sah zu Semir. "Meinst du sie haben das gleiche mit Ben vor?" Der Deutschtürke verschränkte die Arme und schüttelte mit dem Kopf. "Ich denke nicht. Wie du sagtest, er schickt uns Warnungen...aber die Typen müssen dass doch bemerken...nein, ich denke die haben was ganz anderes im Sinn..."





    Ben konnte seinen Blick nicht von der Leiche abwenden. Er musste sich ablenken. Egal wie. Denn sein Bein begann zu zittern und die Kälte die seinen Körper beherrschte, war beinahe unerträglich. Zudem kam dieser gar chronisch stechende Schmerz im Knie und die trockenden, lästigen Hustenanfälle und die Angst. Die Angst um Semir, Lukas und um sich selbst. Ben lehnte sich an die Wand und blickte zum Dach. Durch ein kleines Fenster konnte er in den Himmel sehen. Langsam begann die Dämmerung einzusetzten. Der Himmel hatte schon eine dunkelblaue Farbe angenommen und man konnte die Röte der untergehenden Sonne sehen. Er blickte auf den Bildschirm des Laptops. Die Internetverbindung wurde unterbrochen. Das erkannte er, weil die Seite nicht mehr angezeigt wurde, sondern nur noch weisser Hintergrund. Ben schlug seine Arme um sich und versuchte sich warmzureiben. Doch seine Hände spürten nur die Eiseskälte seiner Haut und er gab schnell auf. Ausserdem plagte ihn der Hunger. Seinen Durst hatte er, notgedrungen, mit einem Schluck des Wodkas gestillt. Die Tür öffnete sich und der Hüne kam herein. Er hatte ein Laib Brot in seiner Hand und eine Flasche Cola. "Wir wollen ja nicht so sein", sagte er, als er die Lebensmittel neben Ben stellte und ihn dann ansah. "Keine Sorge, wir tun dir nichts. Hättest du nicht deinen fürchterlichen Fluchtversuch unternommen, hättest du körperlich keine Probleme!" Er begann hämisch zu lachen und verschwand. "Wart nur ab, wenn ich dir in deinen dicken Hintern trete", krächzte Ben und brach ein Stück des Laibes ab und ass es langsam. Sogar das Kauen bereitete ihm schon Schmerzen und er fragte sich langsam, ob nicht bald jede Sehne seines Körpers eine feuerheisse, wehtuende Stelle war.
    Er blickte zu seiner Wunde. Das Blut war bereits getrocknet und um das Knie hatte sich ein bläulicher Schimmer gebildet. Ben schniefte kurz und wusch sich den Schweiss von der Stirn. Seine Augen brannten und fühlten sich wie zwei feuerheisse Murmeln an. Er legte sich auf den kalten Boden. Die Müdigkeit war stärker als die Vernunft. Und schliesslich fielen ihm die Augen zu.




    "Und?" fragte sie, als er hineinkam und sah ihn an. "Wie geht's unserer Geisel?" Der Hüne zuckte mit den Achseln. "Ich glaub der hat Fieber. Die Augen sehen auf jedenfall unheimlich aus." Sie zeichtete wieder Kreise auf den Tisch. "Er ist ja selbst schuld", begann sie mit Gleichgültigkeit in der Stimme und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, "von uns fliehen zu wollen. Vor allen in diesem gefährlichen Waldgebiet. Der Typ ist doch lebensmüde!" Der Hüne setzte sich und trommelte mit den Fingern. "Meinst du nicht, wir sollten ihm wenigstens einen schönen und schnellen Tod bereiten? Wie bei den Anderen? Wenn das so weiter geht. Verendet er elendlich binnert Tagen." Sie lächelte und zog ihren Partner an sich. "Aber das ist doch das Schöne daran mein Mausebäckchen. Ausserdem, wenn er tot ist, ist er nutzlos. Er muss doch noch verraten wo wir sind! Sei mal so gnädig, und bring ihm 'ne Decke. Wir wollen ja nicht so sein." Er tat wie befohlen, ging zu einer Kiste und zog eine Wolldecke hervor. Er drehte sich noch einmal um und sah, wie sie ihm eine Kusshand zuwarf. Er lächelte sie an und verschwand.
    Vom Haus bis zur Lagerhalle waren es keine zehn Minuten. Er ging hinein und sah den Kerl am Boden liegen. Schnell hastete er zu ihm und fühlte den Puls. Er war da, klar und deutlich. Der Atem war ruhig und regelmässig. Er schlief also. Er warf die Decke über den Körper und ging wieder.



    Semir und Lukas verliessen die Gerichtsmedizin und sahen, wie der Abend die Menscheit begrüsste. Die ersten Sterne begannen sich am Himmel zu bilden und der Mond begann die Sonne zu verdängen. "Ben wo steckst du nur?" fragte sich Semir innerlich und sah wehmütig in den Himmel. Er hatte Angst. Ziemliche Angst. Diese Gruppe war unbarmherzig und gemein. Schliesslich hatten sie Lukas Vater auf dem Gewissen und hatten diesen und seine Mutter ebenfalls beinahe umgebracht. Sie kannten keine Gnade - eigentlich. Deshalb war er verwundert, dass sie Ben am Leben liessen. Doch ihm war dies mehr als Recht. "Wollen wir zurück?" zog ihn Lukas aus der Trance und wies zum BMW. "Ich werde sonst im Büro noch nach Hinweisen suchen, geh du doch zu Andrea." Semir schüttelte mit dem Kopf. "Ich denke, dieses Mal wird sie es verstehen. Schliesslich geht es um Ben und um dich. Ich kann euch nicht alleine lassen." Lukas seufzte. "Du gibst dir immer noch die Schuld? Seit über 12 Jahren fühlst du dich schuldig? Semir, das kann doch nicht dein Ernst sein!" Semir schluckte und antwortete nicht. Natürlich gab er sich die Schuld. Er war doch damals wie Ben. Jung und übermotiviert. Und das, so glaubte er immer noch, hatte zum Tod von Professor Steiner geführt.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 8.


    Als Ben erwachte, kitzelte ihn bereits die Morgensonne. Seine Augen, traute er sich trotzdem nicht aufzumachen. Er wollte nicht aus der schönen Traumwelt erwachen. Ausserdem brannten die Augen wie Feuer und waren sicher bereits blutunerlaufen. Sein Bein war nur noch ein tauber Anhang und der ganzer Körper war blei. Jedoch konnte er nicht anders und öffnete die Augen letztendlich doch. Die Halle war hell. Doch die Leiche befand sich noch immer in der Mitte und gab langsam einen ungesunden Duft von sich. Noch immer starrte sie ihn an und Ben schluckte. Seine Kehle fühlte sich wie Sandpapier an und jeder Schluck war ein Streichholz, dass dagegen rieb. Ihm war kalt und er zitterte.
    Erst jetzt bemerkte er die Decke über seinem Körper. Er drückte sie fest an sich und blieb liegen. Bloss keine heftigen Bewegungen - flehte sein Körper ihn an. Er blickte zum Laptop. Der Bildschirm war immer noch schneeweiss. Hoffentlich hatten Lukas und Semir seine Nachrichten verstanden. Er wollte sie nicht in Gefahr bringen. Es war einfach zu riskant. Um nichts in der Welt wollte er seinen Partner in Gefahr bringen, dafür mochte er ihn inzwischen zu sehr. Doch er kannte Semir. Er würde ihn retten. Schliesslich hat er es beim letzten Mal auch getan - und das machte ihm Angst.


    Semir lag mit dem Oberkörper auf dem Schreibtisch und schlief, während Lukas wie taufrisch an Bens Computer hockte und aufhorchte, als das Telefon klingelte. Er nahm ab. "Hartmut?" fragte er und der KTU-Spezialist begrüsste ihn. Natürlich kannte auch er den jungen Mann. Er erzählte ihm seine Ergebnisse und Lukas nickte dankend. Er hängte auf und rollte zu Semir. Mit sanften Bewegungen weckte er ihn auf. Semir rieb sich die Augen und dann weiteten sich diese. "Ach du Schreck!" stiess er hervor und blickte zu Lukas. "Ich bin eingeschlafen!" Lukas grinste und winkte ab. "Hartmut hat gerade angerufen. Er konnte die IP-Adresse auf einen gewissen Radius verfolgen, bis sie abrach. Jedoch konnte er an der Kleidung des Opfers eine Pflanze entdecken, die nur bei einer Halle wächst, die im Radius der Adresse liegt! Ben muss dort sein!" Semir packte sofort den Hörer seines Telefons. "Dann werden wir ihn dort rausholen!" sagte er bestimmt und Lukas nickte.


    "Was meinst du, werden sie uns finden?" fragte der Hüne und sie lächelte. "Bestimmt", antwortete sie und blickte auf ihre Armbanduhr. "Es sind bereits über 26 Stunden vergangen. Sie sollten sich langsam beeilen. Denn unser guter Kollege hat sich bestimmt eine Infektion eingefangen. Da macht er es sonst nicht mehr lange!" Der Hüne grinste. "Was mir nur recht wäre."



    Bens Herz raste und er richtete sich auf, als ein Hustenanfall ihn übermannte. Er hielt sich die Hand vor den Mund und verzog das Gesicht vor Schmerz. Es wurde immer schlimmer. In dieser kurzen Zeitperiode hatte sich sein Zustand derarts verschlechtert. Er spürte, wie seine Hand benetzt wurde und wusste, dass dies nicht blosser Speichel war. Als er die Hand wegzog, sah er kleine rote Punkte. "Scheisse", zischte er und hatte Mühe, sich abzustützen. Blut - frisches Blut. Eine Lungenentzündung! Schliesslich war jeder wegen diesem kalten Winter leicht angeschlagen und nun zahlte er dafür den Preis. Als junger, sportlicher Mann hatte er natürlich die grösseren Überlebenchancen aber, was zählte dies nun?

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 9.


    Semir parkte vor der Lagerhalle und sah zu Lukas. "Du bleibst hier!" befahl er schroff und Lukas nickte brav. Eine andere Wahl hatte er ja nicht.
    Er sah, wie die SEK-Leute ausstiegen und mit Semir zu sprechen begannen. "Okay, Teilen Sie Ihre Leute auf, ich werde reingehen. Sollte irgendwas auffälliges sein, greifen Sie sofort ein!" Der Kommandant der Gruppe nickte und wies seine Leute den Gegenden zu. Semir selbst, hielt die Waffe auf Anschlag und öffnete langsam die Türe. Zunächst war nichts zu sehen. "Ben?" fragte Semir, doch zunächst nichts. Er sah einen Laptop und eine Leiche. Ein leichter, beissender Gestank erfüllte den Raum und Semir wusste genau, dass dies von der Leiche kam. Doch dann sah er jemand zweites. Er ging langsam darauf zu. "Ben?" Er drehte die Person um. Tatsächlich! Ben! Doch er sah grauenhaft aus. Seine Augen waren geschlossen und die Lider waren feuerrot. Die Gesichshaut war weiss und die Lippen hatte eine seltsame Farbe angenommen. Semir fühlte die Stirn. Sie war feuerheiss. Dann hob er die Decke. Das eine Bein war verletzt. Das Knie war blau und um eine Schürfwunde hatten sich komische rote Flecken gebildet. Semir drückte auf den Funksender. "Lukas? Ruf' sofort einen Krankenwagen!" Dann brach er den Kontakt ab. "Ben, um Himmels Willen!" Semir fühlte den Puls. Er lief auf Hochturen.


    "Und jetzt?" fragte der Hüne und wies auf die SEK-Beamten. "Das ist viel zu gefährlich!" Die Frau nickte. "Wir werden nicht hier zuschlagen! Wir werden ihnen unauffällig folgen! Sie werden den Typen bestimmt ins Krankenhaus bringen. Und wenn Lukas dann alleine ist, packen wir ihn!" Der Hüne nickte und küsste die Frau sanft auf die Wange. Sie gingen zurück in die Hütte und beseitigten jegliche Spuren.


    "Hier ist nichts", teilte ein Beamter Semir durch Funk mit und er er befahl, dass sie Stellung halten sollten. "Semir?" knackte es durch den Hörer und Semir nahm an. "Ich habe den Krankenwagen angerufen. Sie werden bald hier sein!" Semir sah, wie Bens Augen flackerten und sich einen Spalt weit öffneten. "Semir!" krächzte Ben und Semir lächelte. "Hey Partner", flüsterte Semir und strich Ben eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Ihr dürftet nicht hier sein...Lukas...er!"
    "Wir haben deine Nachrichten verstanden Ben! Lukas wird beschützt und ich bin auch gut bepanzert!" Er schlug symbolisch auf die Schussweste. "Was zum Teufel hast du nur mit dir gemacht?" Ben lächelte gequält. "Manchmal sind Fluchtideen wirklich scheisse!" sagte er und dabei wurde seine Stimme immer leiser. Sein Kopf sackte zur Seite und er wurde bewusstlos. In diesem Moment fuhr ein Krankenwagen an die Lagerhalle und Sanitäter sprangen heraus. Sie gingen in die Halle und baten Semir, zur Seite zu gehen. Dieser entfernte sich und ging zu Lukas, im Moment konnte er für Ben nichts tun!"


    "Wie geht es ihm?" fragte der junge Mann besorgt und Semir atmete tief durch. "Er sah furchtbar aus! Hoffentlich hält er durch!" Lukas rutschte zu ihm rüber. Sie befanden sich auf der Rückbank des BMWs. Lukas nahm Semir in den Arm. "Er wird es schaffen! Da bin ich mir sicher!" sagte er entschlossen und sie erschracken, als hinter ihnen es klackte. Die Sanitäter kamen mit einer Trage. Ben wurde eine Nasenkanüle gelegt und sein Bein wurde geschient. Sie verfrachteten ihn in den Wagen und Semir robbte sofort zum Fahrersitz. Er sah, wie Hartmut ankam und seine Leute anwies. Doch ihm war im Moment Ben wichtiger. Also startete er den Motor und fuhr dem Krankenwagen hinterher. Im Unbewussten, dass dies erst der Anfang war.


    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 10.


    Nervös lief Semir im Wartesaal auf und ab. Lukas konnte diesen Anblick kaum ertragen, erstens weil er Semir nicht traurig sehen wollte und zweitens, weil ihn dieses Hin und Hergelaufe beinahe selbt zur Weissglut brachte. "Semir bitte!" sagte er ein wenig schroff und der Deutschtürke sah ihn an. "Entschuldige, ist mir rausgerutscht!" Semir atmete einmal tief ein und aus und setzte sich dann neben Lukas, der seinen Rollstuhl direkt neben der Wartebank "geparkt" hatte. "Schon in Ordnung", begann Semir und sah zum Operationssaal, "er sah einfach so furchtbar aus Lukas! Die Augen blutunterlaufen! Die Haut schneeweiss!" Lukas klopfte Semir auf die Schulter. "Er ist eine Kämpfernatur Kumpel! Er wird das schaffen!" Genau in diesem Moment ging der Operationssaal auf und ein Arzt der älteren Generation kam heraus. "Herr Gerkhan?" Semir nickte und stand auf. Die Hände wurden geschüttelt. "Wie geht es ihm?"
    "Er hat eine Lungenentzündung. Ausgelöst durch eine Infektion der Wunde. Sein Kniegelenk war gebrochen, wir haben es nun geschient. Die roten Pünktchen die sie erwähnt hatten, waren Vorboten einer Blutvergiftung. Ein paar Stunden mehr und wir hätten ihrem Kollegen nicht mehr helfen können!" Semirs Augen waren weit aufgerissen und er brachte kein Wort heraus.
    "Können wir zu ihm?" fragte Lukas und der Arzt nickte. "Aber erwarten Sie bitte nicht zu viel. Er ist noch betäubt. Ausserdem, keine Aufregung. Die Lungenentzündung ist zwar nicht gravierend, schwächt ihn jedoch sehr." Lukas nickte und nahm Semir bei der Hand. "Komm, komm Semir!"


    Semir öffnete, wieder einigermassen bei Sinnen, die Türe und lies Lukas ins Zimmer. Dieser nickte dankend und blieb kurz stehen, als er Ben erblickte. Noch immer war der Kommissar schneeweiss und die Augen hatten diesen rötlichen Schimmer. Um Ben die Atmung zu erleichtern, hatte man ihm einen Schlauch in das eine Nasenloch gelegt, dass mit Tapes an der Haut befestigt wurde. Das Haar hing schlaff hinunter und einige Strähnen waren wild im Gesicht. Der Mund war leicht geöffnet.
    Semir stand wie versteinert da, während Lukas ans Bett fuhr. Er fühlte dem Kommissaren die Stirn. "Er ist noch immer feuerheiss", sagte er traurig und Semir konnte sich langsam wieder bewegen. "Allerdings geht sein Atem ruhig, ein gutes Zeichen." Semir seufzte und schüttelte mit dem Kopf. "Hätte ich dich nicht gehabt Lukas..." wollte er sich wieder Vorwürfe machen doch der Jüngere unterbrach ihn sofort. "Semir nein! Nicht schon wieder! Du kannst nichts dafür! Ausserdem hättest du es gut ohne mich geschafft! Wenn sich einer die Schuld geben sollte, dann ich! Ich könnte jetzt auch damit kommen, "hätte ich euch nicht überredet, Streife zu fahren!" aber damit komme ich garantiert nicht!" Semir sah Lukas geschockt an - dessen Gesicht vor Wut einen rötlichen Schimmer angenommen hatte. Ausserdem standem ihm die Tränen in den Augen und der Deutschtürke bemerkte erst jetzt, wie weh es Lukas tat, dass Semir sich immer noch Vorwürfe machte. "Wir haben doch Ben gerettet..." Semir kniete zu Lukas und umarmte ihn. "Du hast recht, dass haben wir!" flüsterte er Lukas ins Ohr und widmete sich dann wieder Ben. Er fuhr ihm kurz durchs Haar und lächelte. "Du kommst wieder auf die Beine Kumpel...das schwör ich dir!"



    Der Hüne und die Schönheit warteten vor dem Krankenhaus und beide steckten sich eine Zigarette in den Mund. "Hoffentlich geht dein Plan auf!" murmelte der Hünde und sie lächelte. Mit einem leichten "Tipp" auf die Zigarette, nahm sie die Asche. "Du scheinst, nach über 12 Jahren, noch immer Zweifel an mir zu hegen was?" fragte sie ein wenig schnippisch und er gab ihr als Entschuldigung direkt einen Kuss. "Verzeih' meine Schöne", flüsterte er ihr ins Ohr und sie kicherte. "Wie könnte ich dir nur nicht verzeihen."



    Semir ging hinaus, um sich einen Kaffee zu holen. Lukas blieb im Zimmer und blickte auf einen Streifenpolizisten, der ihn nun bewachte. So konnte er seine Aufmerksamkeit Ben widmen. "Semir ist eigentlich schon ein übervorsichtiger Kerl. Aber, wäre er mein Partner gewesen...als ich vom Dach gestossen wurde, wäre mir das nicht passiert. Wir zwei haben etwas gemeinsam Ben, wir sind übermotiviert. Und Semir ist unser Dämpfer. Wir sollten dafür dankbar sein." Lukas nahm Bens Hand, schon in dieser kurzen Zeit hatte er ein grosses Sympathiegefühl für Semirs Partner empfunden. Er schreckte auf, als sich der Druck erwiderte. Doch Bens Augen waren geschlossen. "Bist du wach?" fragte Lukas vorsichtig und Ben nickte leicht - was eher einem Zucken glich.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 11.


    Ben fuhr sich langsam über den Hals. "Kannst du nicht sprechen?" fragte Lukas besorgt und Ben nickte wieder schwach. "Keine Sorge, muss von der Narkose kommen. Das wird wieder." Nun öffneten sich Bens Augen allmählich. Noch immer sahen sie aus wie überdimensionale Glasmurmeln, doch inzwischen war wieder ein wenig Leben darin zu sehen. "Ich glaube den Kommentar "du siehst gut aus", erspare ich dir", scherzte Lukas und Bens Mundwinkel zuckten leicht nach oben. Dann sah er sich um. "Suchst du Semir?" Wieder nicken. "Der ist schnell Kaffee holen gegangen." Bens Augen weiteten sich und er zeigte auf Lukas. "Keine Sorge, ich werde bewacht!" Er wies auf den Streifenpolizisten am Eingang. "Die Idee mit den Nachrichten war wirklich gut. Aller Achtung!" Ben blieb einfach ruhig liegen. Sein Körperinneres fühlte sich an wie Brei und auch sonst war alles noch verschwommen. Lukas bemerkte dies. "Ruh' dich aus Kumpel. Es ist das Beste für dich." Ben nickte leicht und schloss die Augen. Lukas erinnerte sich an seine Zeit im Krankenhaus zurück. Wie er erfahren musste, dass er wahrscheinlich nie wieder gehen könne. Doch er gab nicht auf, so sehr er schon den Umgang mit dem Rollstuhl gelernt hatte, wollte wieder gehen können. Da eine Möglichkeit nicht ausgeschlossen wurde, hatte man ihn vorerst nur suspendiert.
    Zudem spürte er seine Beine manchmal wieder. So ausgeschlossen war es also nicht. An die weisse Fahne, dachte er noch lange nicht.


    Er schrack auf als Semir hereintrat und ihm einen warmen Tee brachte. "Du magst ja keinen Kaffee", sagte er und Lukas nickte dankend. Der Duft von Waldfrüchten drang ihm in die Nase. "Er ist kurze Zeit aufgewacht", verkündete der Jüngere leise und Semir atmete auf. "Allerdings habe ich ihm gesagt, dass er sich Ruhe gönnen solle!" "Was auch richtig ist!" bestärkte Semir ihn und dann sah der Deutschtürke auf die Uhr. "Wir müssen langsam gehen. Ist deine Mutter zuhause?" Lukas schüttelte mit dem Kopf. "Sie ist auf einer Tagung in China. Sie hat sich ja inzwischen richtig als Geschäftsfrau gemausert!" Semir nickte und nahm einen Schluck seines Kaffees. "Dann komme ich zu dir. Wir lassen uns überwachen - Sicher ist Sicher!" Lukas erwiderte nichts. Ihm war richtig wohl bei dem Gedanken, dass Semir bei ihm war. Denn insgeheim, hatte er Angst. Der kleine Junge von damals verstärkte sich in seinem Inneren. Semir ging zu Ben und strich seinem Partner ein paar Mal über die Schulter. "Werd' ja schnell wieder gesund!" Mit diesen Worten ging er zu Tür und verliess mit Luka das Zimmer. "Beordern Sie ein paar Beamten zu dieser Adresse", befahl Semir dem Streifenbeamten und nannte ihm Lukas Wohnort. "Sie bleiben hier und bewachen meinen Partner. Lassen Sie sich aber auch ablösen!" Der Beamte nickte und sah den Beiden hinterher.


    Im Auto herrschte eine gedrückte Stimmung. Lukas hatte wieder einer seiner Glücksmomente und konnte mit Stütze, selbst ins Auto steigen. Semir war darüber erstaunt und Lukas berichtete ihm von seinen Eindrücken. Der Deutschtürke sprach ihm Mut zu - ab da herrschte Stille.
    Lukas sah hinaus. Es dämmerte und wenige Vögel flogen noch ihre Kreise. Ein schwacher Wind wehte durch die spärlichen Bäume am Strassenrand und ein paar Jugendliche begaben sich auf die Zeche. Lukas seufzte. Wie gerne würde auch er wieder dorthingehen. Doch seit er gelähmt war, hatten sich jegliche Freunde distanziert. Nur Semir war nun geblieben. "Was hälst du davon", begann Semir und lenkte so die Aufmerksamkeit auf sich, "wenn wir noch ein wenig Fussball gucken? Ich habe gehört, Köln hat heute ein Freundschaftsspiel gegen den ersten FC Bayern München." Lukas lächelte. "Klingt gut. Ich habe noch Mikrowellenpopcorn und 'ne riesen Flasche Coca Cola. Die sollten dringends mal verputzt werden!" Danach zwickte er sich in seinem Bein und er gab ein kleines «Aua!» von sich. "Was ist?" fragte Semir besorgt und Lukas lächelte. "Nichts, nur dass ich Schmerzen in meinem Bein verspüren kann!"



    Die Beiden bemerkten nicht, wie sie verfolgt wurden. Er sass am Steuer und sah stets auf die Strasse. "Was denkst du", begann er und blickte auf den silbernen BMW, "werden die sich bewachen lassen?" Sie nickte. "Bestimmt, aber jede Bewachung hat seine Schwächen ich denke, die werden wir ohne Probleme finden!" Sie griff nach hinten. "Willst du den Deutschtürken ebenfalls mitnehmen?" Sie schüttelte mit dem Kopf und nahm einen hölzernen Baseballschläger hervor. "Der ist nutzlos. Und Nutzloses behandeln wir auf bestimmte Art und weise." Sie klopfte mit dem Schläger auf die Flache hand und begann hämisch zu lachen.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 12.



    "Ich will etwas ausprobieren Semir!" sagte Lukas als sie auf der Couch sassen und sich das Spiel ansahen. "Was denn?" fragte Semir neugierig und Lukas lächelte. "Komm einfach her, damit ich mich an dich festhalten kann." Semir tat wie ihm befohlen und behutsam setzte Lukas den ersten Fuss auf den Boden. "Is' ja geil!" stiess der junge Mann aus und Semir sah ihn an. "Was denn?" Lukas sah zu Semir. "Ich hab' Gefühl in den Beinen. Ich kann den Boden fühlen Semir!" jauchzte Lukas und Semir sah ihn an. Er krallte sich an Lukas Kleidung, damit dieser nicht umfiel. "Bitte, ich will versuchen zu laufen!" Semir zog eine Augenbraue hoch. "Ich weiss nicht, dass du deine Beine fühlst ist wirklich wunderbar aber, übertreib bitte nicht!" Lukas sah Semir mit Hundeaugen an. "Oh nein", begann Semir und hob einen Zeigefinger. "Oh nein oh nein! Vergiss es!" Doch Lukas gab nicht nach, im Gegenteil! Seine Augen wurden noch grösser. "Aus, sitz Hundeplatz!" versuchte Semir ihn davon abzubringen doch schlussendlich stöhnte der Türke. "Okay, okay!" Langsam und zitternd hob sich Lukas Bein und er tat einen Schritt. "Ich kann laufen Semir ich kann..." Da Lukas so überwältigt war, vergass er, dass Semir ihn noch stützte. Als er den Halt verlor, plumpste Beide zu Boden und blieben dort liegen. Der junge Mann begann lauthals zu lachen und Semir stimmte mit ein. Endlich eine Auflockerung! Endlich wieder ein Lachen. "Du bist schon 'ne Marke Kleiner!" stockte Semir hervor und Lukas umarmte Semir leicht. Eine freundschaftliche Geste. "Das Kompliment kann ich zurückgeben", sagte er dann und Semir half ihm hoch. ""Ich glaube das hörst du nie wieder von einem Menschen aber, ich bin so glücklich dass meine Beine schmerzen!" Aus Lukas Augen begannen die Tränen zu fliessen und Semir nahm seinen "Ziehsohn" in den Arm.




    "Bremer? Hier Senner bitte kommen!" funkte ein Beamter, der am Eingang des Hauses stand. Sein Kollege antwortete nicht. "Bremer? Verdammt das ist nicht lustig!" Wieder nichts. Der Beamte wollte sich gerade umsehen, als ein gewaltiger Schlag ihn auf den Boden sinken liess. "Alles klar", flüsterte der Hüne und knackte das Schloss. "Gehen wir!" Sie gingen den Gang entlang und sahen in das Wohnzimmer. Nichts. "Das gibt's doch nicht! Vor kurzem waren die doch noch drin!" zischte sie und erschrak, als hinter ihr jemand stöhnte. Ihr Freund ging zu Boden und hinter ihm stand Semir, in fertiger Kampfhaltung. Sie holte mit dem Baseballschläger aus und Semir konnte mit einer Armabwehr den Schlag aufhalten. Er begann, mit der Frau einen erbitterten Kampf auszutragen. Es klirrte immer wieder, wenn sie gegen Bilderrahmen knallten und die Scherben sammelten sich auf dem Boden. Als sie von Semir geschlagen wurde, fiel sie um und schnitt sich die Handinnenfläche auf. "Du widerlicher Bastard!" schrie sie und holte aus doch Semir verpasste ihr den finalen KO.


    Was der Deutschtürke nicht bemerkte, wie der Hüne hinter ihm erschien und mit einer Waffe ihn erschiessen wollte. Es knallte und Semirs Augen weiteten sich. Knapp neben seiner linken Wange, schoss eine Kugel vorbei und etwas Feuerheisses spritzte an seinen Hals. Als er sich umdrehte, sah er den Hünen auf den Boden. Zwischen seinen Augen klaffte ein Loch. Hinter ihm, stand Lukas, auf wackeligen Beinen. Die Waffe, die ihm Semir gab, in seiner Hand. Aus der Mündung qualmte es noch leicht. Lukas Augen waren weit aufgerissen und er sah zu Semir. Semir konnte es kaum glauben. Zumal Lukas auf eigenen Füssen stand und dass er seinetwegen jemanden erschossen hat. "Er wollte dich umbringen…" keuchte Lukas und sank in die Knie. Die Waffe in seinen Händen. Semir ging zu Lukas und beugte sich zu ihm. "Ich weiss…" Er drückte Lukas kurz an sich und nahm dann die Frau mit Handschellen fest. Die Türe öffnete sich und ein Beamter, mit blutüberströmtem Kopf, torkelte herein. "Ein Angriff", stammelte er hervor und fiel dann zu Boden. Lukas robbte zu ihm, da die geschwächten Beine keine Kraft mehr hatten. "Sieht schlimmer aus als es ist", sagte er zu Semir und der Deutschtürke sah noch immer, den Schock in Lukas Augen. " Lukas versuchte aufzustehen. Semir wollte ihm helfen, als er abwinkte. "Ich schaff das schon, vorhin ging es ja auch!" Er zog sich am Treppengeländer hoch und lief mit langsamen, behutsamen Schritten auf ein Schränkchen zu. Dort holte er Mullbinde und Salbe hervor. Semir sah Lukas mit grossen Augen an.
    Die Frau erwachte und erblickte ihren toten Geliebten. "Ihr Schweine!" begann sie zu schreien und ging auf den Knien zu ihrem Freund. "Ihr habt ihn umgebracht! Ihr habt ihn umgebracht!" sie wirkte hysterisch und gekränkt. "Wenn ich nicht gefesselt wäre, könntet ihr was erleben! Aber ich bin nicht allein!" Lukas ging auf die Frau zu und verpasste ihr eine. "Ich sag Ihnen mal was Lady", begann er entnervt und die Frau schien erstaunt zu sein, dass Lukas langsam wieder halt auf den Füssen fand, "Sie haben meinen Vater umgebracht! Wollten vor 12 Jahren Semir und seinen Partner zur Strecke bringen. Nun im 2009 haben Sie es beinahe mit seinem jetzigen Partner gemacht! Wer sind hier die Mörder!" Seine Stimme überschlug sich am Schluss und Semir konnte deutlich erkennen, wie Tränen über die Wangen liefen. Der verletzte Polizist sah Semir an. "Es tut mir leid", brachte er hervor und Semir sah ihn ernst an. "Sollten Sie wieder gehen können, nehmen Sie die Frau ins Revier, stecken Sie sie in Untersuchungshaft. Dann verstärken Sie die Wachen am Besten dreifach!" Der Mann nickte und schoss hoch. Ohne zu schwanken nahm er die Frau und stiess sie nach draussen. Lukas sass auf dem Boden. Seine Schultern zuckten heftig auf und ab. Semir wusste genau was er tat - er weinte. Deutlich waren auch die Schluchzer zu hören. Der Deutschtürke ging auf ihn zu, setzte sich neben ihn und drückte seinen Kopf an seine Brust, während er mit der anderen Hand über das beinah schwarze Haar strich. Nun war es beinahe so, wie vor zwölf Jahren. Nur regnete es nicht, es war nicht September, sie befanden sich nicht am Friedhof und Lukas hatte keinen Menschen getötet. Vieles hatte sich verändert.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 13.



    Lukas klammerte sich an Semirs Kleidung und sah auf den toten Körper des Hünen. Die Tür öffnete sich und Hartmut trat herein. "Hey Leute", sagte er leise und kam auf Semir zu. "Alles in Ordnung?" fragte er besorgt und Semir zuckte mit den Achseln. "Hey Lukas", begrüsste der Rothaarige Lukas und dieser nickte als Begrüsssung. "Meine Leute kommen gleich. Am besten ist es, ihr verzieht euch nach oben. Dort habt ihr Ruhe von uns!" Hartmut klang auf einmal ganz anders. Besorgt, ängstlich und sanft. Semir kannte diesen Ton in Hartmuts Stimme gar nicht, bedankte sich aber und half Lukas auf. Arm in Arm, liefen sie die Treppe hinauf. Sie gingen in Lukas Schlafzimmer und der junge Mann legte sich dort hin. Semir legte die Decke über ihn. "Ich habe noch nie einen Menschen erschossen", flüsterte Lukas und strich sich die Tränen aus den Augen. Semir setzte sich ans Bett. "Das erste Mal ist immer beschissen", erwiderte er und strich Lukas über die Schulter. "Versuch' zu schlafen. Ich weiss es klingt abgebrüht aber, gönn' deinem Körper ein bisschen Ruhe. Morgen werden wir die dumme Kuh von vorhin verhören, dann Ben besuchen und dann siehst du zu dass du wieder rennen kannst. Das Laufen scheint ja zu klappen!" Lukas nickte. "Als ich den Typen sah, wie er die Waffe auf dich zielte, war es so, als hätte ich meine Beine immer gespürt. Ich schoss hoch, zog die Waffe und...Peng!" Semir nickte. "Soll ich dir was zur Beruhigung geben?" fragte er, nachdem er spürte, wie Lukas bebte. Der junge Mann schüttelte mit dem Kopf. "Ich denke, es wird so gehen", murmelte er und zog die Decke dicht an seinen Körper. "Erzähl mir von Aida Semir. Wie macht sie sich?" Der stolze Vater lächelte und begann begeistert von seiner Tochter zu erzählen, bis die Nacht einbrach und Lukas schlussendlich einschlief.



    Beide verletzten Polizisten wurden zur Sicherheit ins Krankenhaus gebracht. Man ersetzte die Streife durch SEK-Beamte. Man wollte auf Nummer sichergehen. Die Organisation war deutschlandweit bekannt. Vielen gefiel es nicht, dass sich nun die Autobahnpolizei darum kümmerte. Das LKA beschwerte sich - wie immer. Doch Hotte verteidigte den Fall eisern und teilte dies Semir in der Nacht mit. Der Deutschtürke konnte nicht schlafen. Zu gross war die Sorge um Ben. Während er bei Lukas wieder Hoffnung schöpfte, hatte er bei Ben grosse Angst. Mit einer Lungenentzündung war nicht zu spassen.
    Semir sass auf dem Fenstersims und sah in die tiefe Nacht. Es war klar und der Vollmond schien hell am Zenit. Die Sterne schienen schwach und waren nur eine billige Dekoration. Semir rieb sich die Oberarme. Unten hörte er noch immer Hartmut und seine Leute. Der Rothaarige machte seinen Job gut - auf ihn konnte man sich verlassen. Semir stützte seinen Kopf mit der Hand ab und schlief schlussendlich doch ein.




    Als der Wecker sieben Uhr klingelte, erwachte Lukas und schob sich mit den Beinen die Decke vom Körper. Von dieser Bewegung erschrocken, tat er es noch einmal. Tatsächlich. Die Beine schoben mit aller Kraft die Decke weg. Sie fühlten sich zwar noch ein wenig an wie Fremdkörper, aber es ging. Er schwang sie aus dem Bett und begann sie zu belasten. Am Anfang noch zittrig, dann aber sicher, schritt er die Treppen hinunter. Die Leiche wurde entsorgt, das Blut gereinigt und die Spuren des Eindringen beseitigt. Doch Lukas sah noch immer den toten Hünen vor sich. Liess sich aber dann von dem wohltuhenden Duft von frischgebackenen Brot ablenken. Er ging zum Esszimmer, wo Semir am Tisch sass und die Zeitung las. "Semir, sieh mal!" verkündete Lukas stolz und der Deutschtürke ging auf seinen Schützling zu. "Das ist ja fantastisch!" jauchzte Semir und die beiden Männer umarmten sich vor Freude. "Können wir zuerst zu Ben! Ich will ihm das unbedingt zeigen!" Semir nickte und so assen sie schnell das Frühstück, zogen sich was an und waren punkt um halb Neun im Krankenhaus. Sie gingen zum Empfang. "Entschuldigen Sie?" fragte Lukas und die Krankenschwester sah ihn an. "Na sieh mal einer an! Der Steiner!" sagte sie und stand auf. "Das ist ja nicht zu fassen!" sagte sie und sah ihn mit einem Lächeln an. "Na da gratuliert man doch herzlich!" Lukas lächelte und winkte ab. "Wie geht es Ben Jäger?" Die Ärztin setzte sich an den Computer und sah nach. "Besser, heute morgen ist er aufgewacht und konnte sogar leichte Nahrung zu sich nehmen. Allerdings muss er noch beatmet werden. Eine Lungenentzündung verschwindet nicht einfach so! Er ist also ansprechbar! Ihr könnt zu ihm!" Semir rannte beinahe vor Erleichterung und Lukas hatte noch seine Mühe hinterherzukommen, schaffte es aber doch noch, ihn zu erwischen.




    Ben sah auf als es klopfte und er gab ein schwaches «herein» von sich. Er erblickte Semir und hinter ihm - Lukas! Stehend! Er konnte es kaum glauben. Er musste sich aufrichten, wenn auch mit zitternden Armen. "Lukas...du!" Der junge Mann grinste und lief ans Bett. "Ein Schockmoment, kann auch seine guten Seiten haben!" Ben sah Semir verwirrt an und so begannen er und Lukas, von dem Ereignis zu erzählen. Schonend wohlgemerkt. "Und heute wollt ihr sie verhören?" Semir nickte auf Bens Frage. Und war erleichtert. Ben hatte mehr Farbe im Gesicht. Zwar noch nicht viel - aber er sah nicht wie der Inhalt einer Milchtüte aus. "Das würde ich zu gerne sehen." Lukas lächelte und setzte sich auf einen Stuhl. Seine Beine schmerzten. "Das wirst du noch frühstens im Gericht sehen. Zuerst wirst du einmal gesund! Dann sehen wir weiter!"


    "Man merkt, unter welchen Fittichen du stehst!" grummelte Ben und sah dabei zu Semir. "Das stehen wir beide!", scherzte Lukas und Semir zog eine Augenbraue hoch. "Kommt ihr heute Abend noch mal?" fragte Ben und hatte dabei einen grossen Dackelblick aufgesetzt. "Natürlich!" versprach Lukas und Beide verabschiedeten sich vom Patienten.




    Als sie aus dem Krankenhaus gingen, wurden sie von einem Arzt aufgehalten. "Doktor Bremheimer!" sagte Lukas erstaunt und der Mann mittleren Alters sah sich Lukas genau an. "Unglaublich!" sagte er und der Angesprochene lächelte. "Nicht schlecht oder?" Bremheimer nickte und sah auf die Beine. "Verspüren sie Schmerzen?" Lukas nickte. "Wie bei einem Muskelkater", beschrieb er den Schmerz und der Arzt lächelte. "Dass ist klar. Ihre Beine haben fast sechs Monate lang keine sportliche Betätigung gehabt. Das wird öfters vorkommen. Viel mehr erstaunt mich, dass sie schon so fest auf den Füssen stehen und einen sicheren Gang haben!"
    "So lange war ich nun auch nicht gelähmt!" stöhnte Lukas und Semir musste grinsen. "Nun gut", räusperte sich der Arzt und gab Lukas seine Visitenkarte, "sollten doch Komplikationen auftreten, rufen Sie mich bitte an!" "Natürlich", versichterte Lukas und steckte die Karte in seine Jackentasche.
    "Also dann", forderte Semir auf und sie liefen zum BMW, "zeigen wir dieser Krähe wo es lang geht!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 14.


    Maria sass im Verhörraum und blickte auf, als Lukas und Semir das Zimmer betraten. Sie lächelte sie diabolisch an. „Sieh‘ mal einer an, unser Söhnchen kann laufen“, zischte sie und leckte sich über die Zähne. „Ihre Jokernummer beeindruckt mich überhaupt nicht“, meinte Lukas trocken und schmiss eine Akte auf den Tisch. „Wir haben Ihre Akte gefunden, aller Achtung, ein Telefonbuch ist ein leichtes Schmankerl dagegen!“ Semir wollte Lukas das Verhör überlassen, er wollte nämlich testen, ob sich sein „Ziehsohn“ von seinen Gefühlen leiten liess, oder ob er die Kontenance behielt. „Einbruch, Körperverletzung, versuchter Mord“, las der junge Mann hinunter und sie schien sich überhaupt nicht darum zu kümmern. Im Gegenteil, sie sah sich den Raum an und ihr Blick haftete dann an Semir. Lukas schnipste mit den Fingern vor ihren Augen. „Hier spielt die Musik!“ mahnte er und sah sie ernst an. Semir war erstaunt, wie kühl Lukas zu sein schien. „Maria, ich nenne Sie mal Maria“, sie zuckte mit den Achseln, „aufgrund einer psychologischen Untersuchung, könnten Sie eine Strafmilderung hervorholen. Wollen Sie sich dazu bereit erklären?“ Sie schüttelte mit dem Kopf und sah ihn auf einmal ernst und vorwurfsvoll an. „Ich brauche keinen Psychologen um zu wissen, wie mies es mir geht! Schliesslich wurde mein langjähriger Freund umgebracht!“ Jetzt passiert‘s - dachte Semir und wollte schon eingreifen, doch Luka blieb ruhig. „Es ist Ihre Ansicht der Sache Maria, meine Ansicht und die des Gesetztes, ist eindeutig Notwehr!“ Maria zerrte am Stuhl, da sie daran gefesselt war, und Tränen schossen in ihre Augen. „Sie haben keine Ahnung“, schrie sie und Semir wollte sie zurückhalten, doch sie schlug mit dem Kopf nach rechts und biss ihm in den Arm. So tief, dass es zu bluten begann. Der Deutschtürke stiess einen spitzen Schrei aus und hielt sich an der Stelle. „Das reicht!“ schrie Lukas und ging zur Tür, er bat ein paar Streifenpolizisten, sie wieder abzuführen. Lukas ging zu Semir und sah sich die Wunde an. „Bis auf’s Blut hat mich die Schlampe gebissen!“ zischte er und Lukas war überrascht, über den harten Ton seines Freundes.


    Sie gingen aus dem Raum, wo Susanne sie erwartete. „Was ist denn dir passiert?“ fragte sie und Semir winkte ab. Er hielt sich ein Taschentuch auf die Wunde und blickte auf eine Akte, die sie in der Hand hielt. „Euer Toter. Juanes Abderhalden. Halb Afroamerikaner halb Deutscher.“ Lukas nahm die Akte entgegen und lächelte Susanne dabei an. Sie kicherte verlegen und ging wieder zu ihrem Platz. „Sag‘ mal, schäkerst du mit meiner guten Seele?“ fragte Semir mit einem Grinsen im Gesicht. „Ein bisschen flirten schadet nie!“ erwiderte Lukas und sie gingen ins Büro. Semirs Freund setzte sich an Bens Schreibtisch und schlug die Akte auf. „Aller Achtung. Auch er ist nicht ohne; Körperverletzung, Drogenhandel - verschwand vor vier Jahren spurlos!“ Semir beugte sich über Lukas und sah das Foto, des Toten an. Der Gerichtsmediziner hatte es geschossen. „Dein Schuss hat ihn getötet - dass hätte er nun wirklich nicht erwähnen müssen!“ Lukas zuckte mit den Achseln. „Er macht nur seinen Job!“ sagte er ein wenig abwesend - der Blick noch immer auf dem Foto. Semir schlug die Akte zu. „Egal, wir müssen die Kerle finden, ehe es noch weitere Opfer fordert!“ Lukas nickte und ging über Bens Computer ins Internet. Er suchte den Block hervor. „Du willst sehen“, begann Semir und sah Lukas flinke Finger, „ob sie seit Bens Einträgen wieder was reingeschrieben haben!“ Lukas nickte und die Seite erschien. „Tatsächlich. Sieh‘ dir das an!“


    Werte Anhänger!Wir müssen den Verlust zweier Mitglieder betrauen. Unser Juanes, wurde Opfer der Justiz und liegt nun in der Gerichtsmedizin in Hamburg. Unser Maria, muss in der U-Haft verweilen und weint um ihren Gatten! Es ist tragisch! Wir müssen handeln und wenigstens einen Verlust wieder beheben! Versammelt euch an unserem Ort! Wir werden sehen, was wir machen können! Mörder unseres Juanes ist der Sohn von Professor Steiner - Lukas Steiner. Solltet ihr in sehen oder finden, wird eine Prämie von 50‘000 Euro ausgezahlt. Wir wollen ihn lebendig!


    Lukas schluckte und sah Semir an. „Dir das Leben zu retten ist echt beschissen!“ versuchte er zu scherzen aber dieser Schuss ging nach hinten los. Semir blickte ernst auf den Bildschirm und dann zu Lukas. „Willst du weitermachen?“ Lukas nickte verwirrt. „Lass uns die Kerle Semir!“ sagte er entschlossen. „Für Ben! Schliesslich ist er, um mich zu schützen, beinahe gestorben!“ Semir lächelte und sie gaben sich den Handschlag. „Für Ben!“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 15.


    "Allerdings müssen wir vorsichtig vorgehen!", wand Semir ein und Lukas sah ihn fragend an. "Ich möchte nicht, dass wir wieder einen leeren Sarg beerdigen müssen, da die Leiche deines Vaters nie gefunden wurde." Lukas nickte betrübt. "Da gebe ich dir recht", sagte er leise und zog ein Tigerauge, eine Steinart, aus der Tasche und begann sie zwischen den Fingern hin und her zu kreisen. "Am besten ist es, wir fahren zu Hartmut. Vielleicht hat der was für uns!" So wollten die Beiden aus dem Büro, doch Susanne hielt sie auf. "Semir?" Der Deutschtürke drehte sich um. "Da ist was für dich gekommen!" Sie überreichte ihrem Kollegen einen Umschlaf und Semir drehte diesen hin und her. "Kein Absender!" murmelte er und Lukas sah ihn ernst an. "Am besten ist es, wir bringen ihn direkt zu Hartmut. Man weiss ja nie", empfahl er dann und Susanne konnte ihm nur zustimmen. Der Deutschtürke drehte sich um und lief Richtung Ausgang. "Danke Susanne", rief er noch und die Kriminalbeamtin zuckte mit den Achseln. "Was für ein Wirr Warr!" sagte sie verwirrt und machte sich wieder an ihren Platz.


    Im Labor war es still und beinahe unheimlich. "Hartmut?" schrie Semir doch keine Antwort. "Komisch", murmelte Lukas und dann sah er auf den Boden. Seine Augen weiteten sich. "Semir!" zischte er und wies auf eine kleine Blutspur. Sofort nahm der Deutschtürke seine Waffe auf Anschlag und Lukas tat es ihm gleich. Sie schlichen durch die Gänge und sahen sich stets wieder um. Die Stille war unerträglich. Hartmuts Art fehlte. "Hartmut?" schrie Semir noch einmal und dann war ein leises Röcheln zu hören. Semir lief dem Geräusch entlang und sah ihn dann. Hartmut. Mit einer Platzwunde am Kopf lag er auf dem Boden und begann sich langsam zu regen. "Hartmut!" Lukas folgte Semirs spitzen Schrei und kniete zu ihm herunter. "Es geht schon!" stiess der Rothaarige hervor und sah Semir mit müden Augen an. "Die Kerle wollten die Beweise klauen", begann er zu erzählen und wies auf eine Tischkante, auf der Blut war, "als ich mich gewehrt habe, haben die mich voll auf die Tischkante geknallt! Bevor ich das Bewusstsein verlor", er griff in seine Tasche und zog eine Plastiktüte hervor, "konnte ich das noch retten!" Semir und Lukas sahen einen Zettel mit einer Telefonnummer drauf. "Wahrscheinlich ihr Boss! Ihr könnt ihn erwischen!"
    "Später!" sagte Semir besorgt und sah sich die Wunde an. "Ist dir noch schwindlig?" fragte Lukas und Hartmut verneinte. "Ich fühle mich einfach nur wie nach einer langen Saufnacht!" Semir musste lächeln. "Wurde sonst noch jemand verletzt?" Wieder verneinte Hartmut.


    Semir und Lukas halfem dem KTU-Beamten auf und Lukas ging zum erste Hilfekasten. "Setzt dich", forderte Semir und Hartmut tat wie ihm befohlen. Lukas öffnete den Kasten und nahm Pflaster, Salbe und Watte hervor. Er ging zu Hartmut und begann die Wunde zu versorgen. "Nett waren die Typen jedenfalls nicht!" murmelte der Rothaarige und Semir sah ihn ernst an. "Könntest du deine Angreifer beschreiben!" "Selbstverständlich!" erwiderte Hartmut bewusst und Lukas musste grinsen. "Gut, dann gehst du naher zu uns ins Revier! Deine Kollegen werden dies hier untersuchen!"
    Nachdem Lukas fertig war, tat Hartmut wie ihm befohlen. Der Jüngere, der beiden Polizisten, sah bedrückt auf die Nummer. "Wer ruft an?" fragte er und Semir wies galant auf den Zettel. "Dir gebühre die Ehre!" Lukas hob das Kinn. "Wie nobel von dir", scherzte er und nahm sein Handy hervor. Sie liefen auf den Parkplatz und Lukas betätigte den grünen Anrufknopf. Als jemand abnahm, rissen sich seine Augen weit auf und Semir sah seinen Kumpel verängstigt an. Lukas schaltete sofort sein Mobiltelefon ab und lehnte sich an das Heck des Wagens. "Was ist los?" fragte Semir besorgt und Lukas begann sichtlich zu zittern.


    "Das kann nicht sein", murmelte Lukas und begann sich die Arme warm zu reiben. "Was ist los?" drängte Semir noch einmal und Lukas sah Semir mit tränenerfüllten Augen an. Als er die Augen zusammenkniff, flossen einige über die Wange. "Das am Telefon....das am Telefon war..." stiess er hervor und Semir packte seinen Freund ein wenig unsanft am Arm. "Lukas verdammt wer war das?" schrie er beinahe und dies schien Wirkung zu zeigen. Lukas vergrub sein Gesicht in den Händen. "Mein Vater!" stiess er hervor und Semir glaubte, den Boden unter den Füssen zu verlieren.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 16.


    "Bitte?" fragte Semir nochmals entsetzt nach und Lukas fuhr sich durch die Haare. "Bist du dir sicher?" "Semir! Ich werde doch wohl noch die Stimme meines Vaters kennen!" erwiderte der Junge ein wenig scharf und Semir zuckte ein wenig. "'Tschuldigung." Semir setzte sich neben Lukas und verschränkte die Arme. "Das kann nicht sein! Ich habe gesehen, wie sie ihn erschossen und fortgeschleift haben! Ich habe das Blut auf dem Boden gesehen. Auch wenn ich gefangen war! Es musste doch..." Dann kam ihm ein grauenhafter Gedanke! "Oh Gott!" stiess er hervor und Lukas sah ihn an. "Mein Vater hat uns alle verarscht!" sagte er schroff und schlug mit der Faust auf den BMW. "Er war nicht das Opfer, er war der Übeltäter!" Lukas Stimme überschlug sich und er kickte an die Reifen. "Dieser Arsch! Dieser Penner, dieser gottverdammte Bastard!" Semir packte Lukas und verpasste ihm eine Ohrfeige. Der junge Polizist sah ihn entsetzt an und hielt sich die gerötete Stelle. "Reiss' dich zusammen!" mahnte Semir und wies auf sich. "Ich bin auch total wütend glaub' mir! Aber das hilft weder Ben, weder dir noch mir! Wir müssen nun seriös handeln Lukas! Ansonsten können wir den Fall dem LKA abgeben, sei dir das Gewiss!" Lukas atmete tief durch und die Wutesröte verschwand allmählich aus dem Gesicht. "Tut mir leid", stiess er peinlich berührt hervor und Semir seufzte. "Schon gut! Wir müssen den Leuten vom KTU-Bescheid sagen. Sie sollen die Nummer zurückverfolgen. Morgen, schlagen wir dann mit vollem Einsatzkommando zu. Heute ist es zu spät!" Semir sah in den Himmel, wo der Abend langsam zu dämmern begann. "Wir gehen noch zu Ben! Wie versprochen. Allerdings sollten wir ihm nicht alles sagen. Er ist noch sehr schwach!" Lukas nickte zustimmend und sie stiegen in den Wagen.


    Ein Streifenpolizist überwachte Bens Zimmer als sie ankamen und forderte Vorbildsmässig die Ausweise. Er liess sie hinein und Ben richtete sich leicht auf, als er seine Freunde sah. Noch immer war er sehr bleich und wirkte ausgelaugt. Doch der dicklich Aussehende Schlauch in der Nase, wurde durch ein viel dünneres Exemplar ersetzt. Ben lag in aufrechter Position und in seinen Händen befand sich die Tageszeitung. "Da seit ihr ja", krächzte er und legte die Zeitung weg. Semir und Lukas nahmen sich einen Stuhl und setzten sich ans Bett. "Wie geht's dir?" fragte Semir und Ben zuckte leicht mit den Achseln. "Wie gerädert!" antwortete er ehrlich und wies auf ein Tablett, auf dem sich ein kaum gegessenes Gericht befand. "Nicht mal Hunger habe ich! Dabei haben die Schwestern so was leckeres gebracht!" Ben lächelte, doch er konnte die Betrübtheit in Lukas Augen sehen. "Was ist los?" Lukas sah auf Bens Frage auf und lächelte gequält. "Nichts - ich bin nur ein wenig müde!" Bens zog eine Augenbraue hoch und sah Lukas eindringlich mit den geröteten Augen an. "Hör mal, ich bin nicht sterbenskrank!" Dabei sah er auch vorwurfsvoll zu Semir. "Ich möchte wirklich über den Fall informiert sein! Ich mach mir nämlich echt sorgen um dich!" Ben wurde von einem Husteanfall geplagt und wies auf die Papiertaschentücher. Semir packte sofort die Box und gab Ben ein paar Blätter. Sein Partner hielt sich die Tücher vor den Mund und hustete so stark, dass es selbst dem Deutschtürken wehtat, zuzusehen. Klar wurde deutlich, dass der Auswurf blutig war und der Lebenssaft benetzte die schneeweissen Tücher. Lukas flüsterte Semir ein paar Worte zu und dieser nickte. Lukas verliess das Zimmer und bat den Polizisten, mitzukommen. Er wollte sich etwas zu trinken holen. Ausserdem ertrug er den Anblick des leidenden Bens nicht da er nun wusste, wer höchstwahrscheinlich dahinter steckte.


    "Geht's?" fragte Semir besorgt und Ben nickte. "Geht schon!" keuchte er und warf die zerknüllten Tücher, nachdem er sich den Mund abgewischt hatte, in den Papierkorb. "Ist das denn noch normal?" Ben nickte und deutete auf den Nasenschlauch. "Oder warum meinst du, brauche ich den?" Semir konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Zur Hirndurchlüftung?" scherzte er, doch dann wurde das Gesicht wieder ernst. "Willst du wirklich wissen, was wir herausgefunden haben?" fragte er dann und Ben nickte. "Sicher! Lukas scheint es ja ziemlich mitzunehmen! Ich stehe zwar unter Medikamentenrausch, doch so high bin ich widerum nicht!" Semir atmete tief durch und begann zu erzählen. Er berichtete über Hartmuts Angriff, der Verhörung - wo er auf die Bisswunde am Arm deutete- und der Erkenntnis mit Lukas Vater. Ben sah auf seine Decke. "Heillige Scheisse!" stiess er hervor und Semir konnte nur zustimmen. "Er ist total fertig", flüsterte Semir und vergrub sein Gesicht in den Händen. "Kein Wort hat er bis vorhin mit mir gesprochen. So habe ich ihn schon lange nicht mehr erlebt." Ben beugte sich, unter grossen Schmerzen - denn das verletzte Bein bewegte sich ja mit-, zu Semir und legte ihm beide Hände auf die Schulter. "Es wird alles wieder gut Kumpel!" sprach er sanft und Semir sah ihn mit müden Augen an. "Deinen Optimismus in allen Ehren Ben aber...ich habe es vor Zwölf Jahren nicht geschafft...wieso nun?"


    Lukas stand am Kaffeeautomaten und blickte zum Polizisten, der ihn streng bewachte. In der Cafeteria des Krankenhauses herrschte hochbetrieb. Besucher assen mit den Patienten zu Abend und berichteten über ihre letzten Ereignisse. Lukas seufzte. Er lehnte sich gegen den Automaten und atmete tief durch. Er zuckte auf, als sein Handy vibrierte. Himmel - er hatte es vergessen auszuschalten! Schnell nahm er den Kaffeebecher, winkte den Polizisten zu sich und Beide gingen hinaus. Lukas nahm ab. "Steiner?" begrüsste er den Anrufer. "Luke mein Bester!" "Vater!" zischte Lukas und umklammerte sein Handy heftiger. "Du erinnerst dich an mich? 12 lange Jahre. Ein hübscher Mann bist du geworden! Du kommst ganz nach deiner Mutter!" Lukas sah sich um. Doch sah er niemanden mit einem Handy. "Ja ich sehe dich mein Sohn! Aber du siehst mich nicht! Glaube mir, der Zeitpunkt kommt noch früh genug!" "Warum hast du das getan?" fragte Lukas und spürte schon wieder die Tränen in die Augen steigen. "Macht, mein Sohn, Macht! Sie kann so vieles übersteigen!"
    "Du bist ein verdammter Satanist!" schrie Lukas ins Telefon und in diesem Moment wurde aufgehängt.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • 17.


    Semir kam aus dem Krankenhaus, nachdem die Schwester verkündet hatte das die Besuchszeit um war und sah Lukas auf dem Bordstein sitzen. Doch er wirkte nicht wütend, nicht traurig, nicht verzweifelt - nein, er dachte nach! "Lukas?" Der Angesprochene sah zu Semir und lächelte. "Ich habe eine Idee Semir! Vielleicht mag sie im ersten Moment komisch klingen, aber so könnten wir meinen Vater aus der Reserve locken!" Semir setzte sich neben Lukas und grinste. "Schiess' los. Für verrückte Ideen bin ich immer zu haben!" Lukas beugte sich zu Semir und flüsterte ihm seinen Plan ins Ohr. Doch anstatt entrüstet zu reagieren, sah ihn Semir ausdruckslos an. "Und?" fragte Lukas ein wenig verwirrt und Semir lächelte. "Nicht schlecht. Machen wir das so! Ich denke, die vom KTU werden uns da helfen können. Besonders Hartmut, der hat nämlich so manche Kontakte!" Lukas lächelte. "Also gehen wir nach Hause. Für morgen müssen wir ausgeschlafen sein!" Semir stimmte zu und sie gingen zum Wagen. Zuhause angekommen machten sie sich fertig zum Schlafen. Semir hatte zuvor noch Andrea angerufen und diese war geschockt über die drastische Wendung, der Ereignisse. Sie wünschte Lukas alles gute und reichte dem jungen Polizisten noch Aida an den Hörer.
    Als Semir schlief ging Lukas ins Wohnzimmer und wählte die Nummer. Wieder nahm jemand ab. "Lukas!" jauchzte die Stimme am anderen Ende und der junge Polizist musste sich wieder bemühen, sich nicht zu übergeben! "Ich werde morgen zu dir kommen", begann Lukas und am anderen Ende der Leitung wurde es still, "wo muss ich hin? Ich werde alleine kommen! Du willst mich tot sehen? Das sollst du haben!"


    Früh morgens, schlich sich Lukas aus dem Haus und fuhr davon. Semir stand an der Treppe und neben ihn gesellte sich Hartmut - immer noch ein riesiges Pflaster auf der Stirn. "Also dann, viel Glück Semir! Die Leute sind schon dort, wie du es angewiesen hast!" Semir hob den Daumen und klopfte Hartmut auf die Schulter. "Gut gemacht", sagte er und stieg in den Wagen. Hartmut hielt sich an der Schulter. Ein gut gemacht! Von Semir! Er musste träumen. Also zwickte er sich kurz und als es weh tat, fühlte er sich wie im siebten Himmel.
    Lukas stieg bei einem Parkplatz aus und fand sich vor einem riesigen Bürogebäude vor. Er begab sich zu einem Aufzug und fuhr in den Keller, wo ein Mann in den frühen sechzigern, stand. Das silberne Haar war kurzgeschnitten, die Haut aschfahl und über den Knochen gespannt. Auch wenn er gealtert war erkannte Lukas seinen Vater wieder. "Schön dass du es einrichten konntest!" sagte der ältere Herr mit Arroganz in der Stimme und Lukas ging auf ihn zu. Doch dann zog dieser eine Waffe hervor. "Langsam Freundchen!" begann er mit nun zischender Stimme und Lukas hob langsam die Hände. "Schon erstaunlich", begann er dann und sah seinen Vater eindringlich an, "wie die Zeit Menschen verändern kann!" "Das stimmt", pflichtete Steiner bei und der Finger begann sich um den Abzug zu krümmen. "Es tut mir leid Lukas, du bist ein Dorn im Auge. So ein kluger Junge und dann auf der falschen Seite." Ein Schuss erklang und aus Lukas Brust schoss Blut. Der junge Mann brach auf dem Boden zusammen. "Tut mir leid mein Junge, aber so ist nun mal das Schicksal. Die Leute haben mich so ihrem Chef erkoren. Ich musste meinen Tod vortäuschen, um mich von euch trennen zu können." Er fuhr sanft dem Toten über den Haarschopf, als er plötzlich in die Mündung einer Waffe blickte.


    "Schluss mit Lustig!" keuchte Lukas und richtete sich auf. "Waffe fallen lassen und dann die Hände hinter den Kopf!" Total perplex tat Lukas Vater wie ihm befohlen. Der Jüngere packte die Hände und fesselte ihn mit Handschellen. "Wie?" fragte Steiner und Lukas öffnete sein Hemd. Eine dünne Schussweste, mit einer Packung Kunstblut, war zu sehen. "Du hast recht. Ich bin ein kluger Mensch geworden. Durch eine gute Erziehung!" Steiner sah, wie hinter ihm Semir auftauchte. "Meine Männer werden schon kommen!" zischte Steiner und Semir beugte sich zu ihm runter. "Sind Sie da wirklich sicher?" fragte er und Steiner konnte schmerzhaftes Gestöhne hören und erblickte seine Männer. Alle verhaftet von SEK-Beamten. "Sie wollten uns schon einmal für dumm verkaufen Steiner. Doch ein zweites Mal klappt das nicht!" sagte der Deutschtürke schroff und gab ein lautes, "Schafft ihn weg", von sich. Die SEK-Beamten taten wie befohlen und Lukas sank auf den Boden. Die Tränen flossen ihm über die Wangen. Er schniefte immer wieder und riss sich die Schussweste vom Leibe. "Wie konnte ich nur so naiv sein?" flüsterte er und Semir kniete sich zu ihm hinunter. "Wir waren alle naiv Lukas." Lukas sah auf und lächelte gequält. "Wahrscheinlich", seufzte er und richtete sich wieder auf. "Die Kollegen vom LKA haben sich noch eingeschaltet. Sie werden den Rest nun übernehmen. Das Hauptquartier wurde, während wir hier Steiner verhafteten, geplündert. Es dauert nicht mehr lange!"


    Als sie hinausgingen wollte einer der SEK-Beamten Steiner in den Wagen setzten, als dieser sich die Arme ausrenkte und die Waffe schnappte. Dabei gab er dem SEK-Beamten einen gezielten Tritt in den Magen. "Das werden Sie büssen Gerkhan!" schrie er und wollte schiessen, als ihn drei Kugeln in die Brust zur Strecke brachte. Lukas stand neben Semir, die Waffe auf Anschlag. Die Tränen waren verschwunden und er ging auf den schwer atmeten Mann zu. "Deinen eigenen Vater, wie dreist!" stiess Steiner hervor und Lukas beugte sich zu ihm runter. "Ich habe einen Vater! Sein Name ist Semir Gerkhan!" sagte er bestimmt und Steiners Augen weiteten sich. "Natürlich! Wie dumm von mir", flüsterte er und sein Kopf sank zur Seite. Er war tot. Semir ging auf Lukas zu und legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Wird es langsam zur Gewonheit", begann er mit trauriger Stimme, "dass du mir das Leben rettest?" Lukas sah auf die Leiche seines Vaters. "Vielleicht", murmelte er und stand auf. "Ich brauch jetzte in Bier Semir! Dringend!" Der Deutschtürke lächelte.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Epilog







    Köln, drei Wochen später



    Ben grinste als er seine Jacke anzog und die Krücken packte. Er durfte raus! Endlich raus! Er grinste breit und sah, wie Lukas ins Zimmer trat. "Kannst du nicht warten?" fragte der junge Mann ein wenig beleidigt und Ben grinste. "Ich will raus! Raus!" sagte er voller Enthusiasmus und Lukas zog eine Augenbraue hoch. "Das sehe ich!" sagte er mit einem Lächeln und Ben konnte die Waffe im Halfter sehen. "Na sieh' mal einer an", begann er und sah Lukas an, "du bist wieder offiziell im Dienst!" Lukas grinste. "Ja, aber nicht mehr bei der Kripo von vorher!" sagte er mit einem breiten Grinsen und in diesem Moment kam Semir hinein. "Du bist mal wieder übereifrig Ben!" zischte der Deutschtürke und Ben zuckte mit den Achseln. "Ich kann wieder atmen, mein Bein ist wieder einigermassen hergestellt! Ich kann dieses sterile weiss nicht mehr aushalten!!!" beschwerte er sich und Lukas grinste. "Okay, okay, ist ja schon gut!" In diesem Moment kam eine Frau hinein. Ihr Fuchsblick war streng und sie wirkte auch ein wenig hart. "Herr Jäger?" fragte sie und Ben nickte. "Frau Krüger mein Name! Ich werde in Kürze den Dienst als Chefin antreten!" Sie schüttelten sich die Hand. "Ich bin hier, um eine Ankündigung zu machen!" sagte sie und blickte zu Lukas. "Wir haben jemanden gefunden!" sagte sie und Lukas lächelte. "Das freut mich!" erwiderte er und Ben zog eine verwirrte Miene. "Hast du mir eben gerade nicht zugehört?" fragte Lukas ein wenig beleidigt und Ben schüttelte mit dem Kopf. "Ich bin nicht mehr bei meiner alten Kripotruppe mein Freund!" Ben, noch irritierter, zuckte mit den Achseln. "Mensch Ben", sagte Semir und klopfte seinem Schützling auf die Schultern. "Denk mal nach. Nicht mehr alte Kripotruppe? Frau Krüger? Klingelt's?"







    Nun klickte es. "Was?" Ben ging mit einem Grinsen auf Lukas zu. "Du bist bei uns im Team?" Lukas nickte und grinste über beide Ohren breit. "Hauptkommissar Lukas Steiner wird in Kürze mit Hauptkommissarin Thao Jaenicke den Dienst als 2. Team der Cobra 11 aufnehmen, da Susannah von Landitz und Frank Trapper geheiratet und gekündigt haben. Sie werden die Nachfolge antreten!" Lukas errötete leicht und Krüger legte eine Hand auf seine Schulter. "Ich wünsche Ihnen viel Glück dabei. Und Herr Jäger? Werden Sie schnell wieder gesund!" Was zwar nach einer Aufmunterung klang, war in ihrem Tonfall gar eine Aufforderung und Ben salutierte. Mit diesen Worten verschwand die zukünftige Direktorin. "Mensch Lukas! Das ist ja genial!" jauchzte Ben und umarmte den jungen Mann zärtlich. In diesen drei Wochen, hatten sie sich sehr ans Herz geschlossen. Semir und Lukas besuchten Ben jeden Tag und erzählten ihm auch die Ereignisse mit Lukas Vater. Die Mutter, erfuhr von dem allen doch nichts. Es wurde nichts in den Nachrichten berichtet und für sie war ihr Mann schon lange tot. Heimlich konnte man die Leiche in den leeren Sarg bergen und so war das Grab nun komplett. Lukas wollte das Bild, dass seine Mutter von ihrem verstorbenen Mann hatte, nicht zerstören. Der Schmerz sass bei ihm schon zu tief.








    "Ich rate dir nur eins! Mach nicht so viel kaputt wie Semir!" Der Angesprochene verpasste Ben eine Kopfnuss und Lukas grinste. "Ich habe eine Frau als Partnerin", begann Lukas und wies auf seine Kleidung, "ich werde wahrscheinlich bis aufs Blut überwacht! Sie soll nämlich eine knallharte Ermittlerin sein!" Ben zuckte mit den Achseln. "Ich war auch ein LKA-Abgänger! Und nun sieh' mich an! Ich werde noch so enden wie Semir! Alt und tattergreisig werde ich noch Autoraser verfolgen!"
    "Willst du dir noch eine einfangen?" drohte Semir mit geballter Faust und Ben winkte ab. "Lass' mal. Ist schon gut!" Lukas verschränkte die Arme. "Sind Andrea und Aida schon unten im Wagen?" Semir nickte und Ben sah Lukas an. "Wieso sind sie denn auch hier?" Lukas zwinkerte mit einem Auge. "Ich dachte, deine Entlassung und meine Versetzung sollte man feiern! Ich kenne einen tollen Italiener hier in Köln und ich habe gedacht, ich lade euch ein!" Ben hob das Kinn. "Kommt nicht in Frage!" sagte er bestimmend und winkte ab. "Ich werde zahlen! Ich hab' mehr Geld und ich finde, ich bin der Entlassene, also zahle ich." Lukas rollte mit den Augen. "Teilen wir okay?" fragte er und Ben zuckte geschlagen mit den Achseln. "Meinetwegen!" gab er nach und Lukas grinste.








    Als sie das Krankenhaus verlassen hatten, erblickte Ben Aida und diese tappste begeistert auf ihn zu. "Benbenbenben!" sang sie und Semir hob die Kleine zu Ben. "Na Süsse?" fragte Ben und bekam sofort einen Kuss auf die Wange. Andrea kam auf die Gruppe zu. "Ein Happy End würde ich sagen oder?" Alle nickte zustimmend und Andrea wies zum Wagen. "Lasst uns schlemmen!" Lukas ging langsam hinterher und blickte in den blauen Märzhimmel. Sein Vater - aus purer Machtlust übernahm er eine schreckliche Sekte und musste dafür mit dem Tod büssen. Wahrscheinlich würde er lange daran zu knabbern haben. Doch daran mochte er nicht denken. Er wollte nach vorne schauen und sich nun auf den Dienst freuen. Er konnte gehen, er konnte wieder arbeiten! Er hatte einen neuen Freund gefunden.
    "Lukas kommst du?" hörte er Andrea rufen und er nickte. Lächelnd ging er auf die Gruppe zu.






    Ende





    So Liebe Leute hier habe ich zwei Ankündigungen zu machen. Die erste betrifft noch diese Geschichte.
    Ich werde eine Art Fortsetzung schreiben, wo es wirklich um das "Team 2" sprich Lukas und Thao gehen wird. Elvira hatte mich freundlich gebeten, diese Story in einem anderen Forum zu veröffentlichen, da es hier um das "Kernteam" also Sprich Semir und seine Partner, geht. Das kann ich vollkommen verstehen und so werde ich die Story auf Fanfiktion.de veröffentlichen. Wenn ihr Interesse daran habt sie zu lesen, schreibt mir doch bitte eine Kurz - oder einfach eine Nachricht wo ihr eben ankündigt, das ihr gerne über den Start der Geschichte informiert werden würdet. Dann werde ich euch dass schreiben. Nochmals ein Danke an Elvira für die Information.





    Also die Story wird:








    Heissen und dort wird eben der erste Fall von Thao und Lukas beschrieben. Unsere Freunde Ben und Semir, werden auch auftauchen, wenn auch eben nebenbei! Ich würde mich freuen, wenn ich da wieder eine Menge leser hätte. Denn das Feedback könnt ihr auch unangemeldet in diesem Forum hinterlassen!





    Dann wird es hier auch wieder natürlich eine neue Story geben. Sie hat den Titel:






    Und handelt mal von Bens Vergangenheit, ja ich bin auch auf's Zugpferd aufgesprungen! :) Ihr lernt Adriano Scolari, ein Schul- und Abifreund von Ben kennen. Dieser ist Kriminalpsychologe und spezialisiert auf Geiselnahmen. Wie und wieso Semir auf ihn stossen wird. Werdet ihr sehen!

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

    Edited once, last by jenni ().