Back to Hell ... [Fortsetzung zu "Duch die Hölle ..."]

  • Ihr lieben, wie versprochen hier endlich der Anfang zum zweiten Teil unserer MSG! :rolleyes:



    Back to Hell...


    Es war noch früh am Tage. Der Mond war bereist untergegangen und auch die Sterne waren kaum mehr zu erkennen. Der Himmel färbte sich schon stählern und ein bläuliches Licht lag über der Stadt. Nur ein schmaler Silberstreif wo Himmel und Erde sich zu berühren schienen, wies darauf hin, dass es nur noch eine Frage von wenigen Augenblicken sein konnte, bis die Sonne über den Horizont steigen und mit ihr die Geschäftigkeit des Tages hereinbrechen würde. Tom genoss diesen kurzen Moment knapp vor Tagesanbruch. Die Geräusche der Nacht waren verklungen, jene des Tages noch nicht erwacht. Für einen Wimpernschlag legte sich eine tiefe Stille über die Stadt. Es war, als hole sie noch einmal Atmen, bevor sie sich in das übliche Tagesgeschäft stürzte.
    Tom stand am geöffneten Schlafzimmerfenster und ließ seinen Blick über die erwachende Stadt schweifen. Die kühle Morgenluft strich ihm über den bloßen Oberkörper und jagte ihm einen wohligen Schauer über den Rücken. Tief holte er Atem und ließ die kalte Luft in seine Lungen strömen. Heute war es also so weit, heute sollte sein erster Arbeitstag bei der Autobahnpolizei sein – zum zweiten Mal. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Noch vor einigen Wochen hatte er seinem Leben voller Verzweiflung ein Ende bereiten wollen und nun stand er hier und bereitete sich auf den Dienst vor. Nein, wenn ihm das damals jemand gesagt hätte, dann hätte er diesen Jemand wohl für völlig verrückt erklärt. Aber jetzt, kaum sechs Wochen später war das alles so weit weg, so fern, als gehöre das gar nicht mehr zu seinem Leben.
    Nun, irgendwie war dem auch so. Er hatte ein neues Leben begonnen. Vom der Schadensersatz für die zu Unrecht erlittenen Haftzeit, hatte er sich eine wunderschöne Dachgeschosswohnung gekauft, fast ein kleines Penthouse, mit vielen Fenstern und großer Dachterrasse. Vielleicht war das doch noch eine Erinnerung an den Knast. Er brauchte Fenster, brauchte Aussicht, möglichst ungehindert und weit. Räume mit kleinen und wenig Fenstern, herabgelassenen Rollläden und ähnliches lösten noch immer starke Beklemmungsgefühle aus. Er fühlte sich eingesperrt, wollte flüchten. Vielleicht war deshalb diese Wohnung so perfekt. Hoch oben über den Dächern der Stadt, mit einem Blick bis auf die andere Rheinseite. Hier konnte man leben und auch Niki hatte es sofort gefallen.
    Ja, auch das war ein großer Schritt in ein neues Leben gewesen. Er hatte endlich wieder eine Frau an seiner Seite. Niki, die kleine Lernschwester, die sich von seinen Launen im Krankenhaus nicht hatte abschrecken lassen, die an seine Unschuld geglaubt hatte, ohne ihn zu kennen, die in so vielen dunklen Stunden bei ihm gewesen war, die noch einmal die ganze Verhandlung mit ihm durchgestanden hatte. Damals, nach Elenas schrecklichem Tod hatte er geglaubt, dass er nie wieder in der Lage wäre, so etwas zu fühlen. Mit jedem Menschen, der ihm näher gekommen war, hatte ihn eine lähmende Angst erfasst, die Angst wieder einen geliebten Menschen so grausam zu verlieren. So hatte er sie in den letzten drei Jahren immer alles auf Distanz gehalten, hatte er sich von Frau zu Frau treiben lassen. Auf unzählige Flirts und Affären hatte er sich eingelassen, oft auch mehrere gleichzeitig. Oft genug hatte er morgens selbst nicht mehr in den Spiegel schauen gemocht, so sehr hatte er sich vor sich selbst geekelt.
    Langsam wandte Tom sich vom Fenster ab und drehte sich zu Niki herum, die noch immer in seinem Bett lag und seelenruhig schlief. Sie hatte sie tief in die Decke gekuschelt, nur ihr langes rotes Haar, das wie Flammen über das Kopfkissen ausgebreite war und die Fingerspitzen ihrer rechten Hand waren zu sehen. Die Angst war noch da, wenn er tief in sich hineinhorchte, dann konnte er sie noch immer spüren, doch zum ersten mal seit langem lähmte sie ihn nicht, sondern erfüllte ihn mit Entschlossenheit. Ja, er liebt diese junge Frau und er würde sich das von niemandem kaputt machen lassen. Ein warmes Lächeln schlich auf Tom Gesicht. Nur zu wissen, dass Niki da war, bereitete ihm ein wohliges Kribbeln im Magen und für einen Moment wusste er nicht wo hin, so glücklich fühlte er sich.
    Doch dann fiel sein Blick auf die Uhr. Es wurde wirklich langsam Zeit, dass er sich zum Dienst fertig machte. Er atmete noch einmal tief durch, dann schloss er das Fenster und streifte sein Hemd über. Vielleicht sollte er wenigsten an seinem ersten Tag im neuen, alten Job pünktlich sein. Es war ja immerhin auch schon der zweite Versuch. Er griff nach seinen Gürtel. Bedächtig zog er ihn durch die Gürtelschlaufen und hängte das Holster samt Dienstwaffe ein. Dann schlüpfte er in sein Jackett und griff als letztes nach seinem neuen Dienstausweis. Gedankenverloren drehte er ihn in den Händen. Die Nummer war die gleiche geblieben, nur das Foto war ein Neues. Ja, er war endlich wieder Bulle, nach drei Jahren und einem langen steinigen Weg durch finsterste Tiefen hatte er endlich zurück nach Hause gefunden. Gestern war er auf der Dienststelle gewesen und hatte sich seine Ausrüstung abgeholt und heute würde er endlich seinen Dienst antreten. Eigentlich hätte es schon vor fünf Wochen so weit sein sollen, aber dann hatte Semir, der sich natürlich mal wieder viel zu schnell selbst aus dem Krankenhaus entlassen hatte noch einen schweren Rückfall erlitten. Eine Narbe war wieder aufgebrochen und er wäre fast verblutet. Und dann war im Polizeipräsidium plötzlich doch noch jemand auf die Idee gekommen, dass man ihn einer psychologischen Untersuchung unterziehen müsste, ob er denn nach allem was passiert war auch wirklich Diensttauglich war. Da die Auswertung des Gutachtens sich ziemlich hingezogen hatte, hatten er und Semir schließlich entschieden den Dienst gemeinsam wieder anzutreten und so hatte Tom die Zeit, die Semir noch in Reha war damit verbracht eine neue Wohnung zu suchen, sich neu ein zurichten und einfach ein paar entspannte Tage mit Niki zu verbringen. Doch so langsam spürte er, dass er wieder Lust auf den Job hatte. Wenn er nur daran dachte, dass er in ein paar Stunden gemeinsam mit Semir über die Autobahn fahren würde, erfasste ihn schon ein elektrisierendes Kribbeln. Er war aufgeregt, wie ein kleiner Junge vor Weihnachten.
    Tom ließ den Ausweis in die Innentasche seines Jacketts gleiten. Dann ging er hinüber zum Bett, beugte sich über Niki und gab ihr noch einen sanften Kuss zum Abschied.
    „Tschüss mein Schatz, bis heute Abend.“, flüsterte er zärtlich.
    Sie murmelte nur leise ein paar unverständliche Dinge im Schlaf und vergrub sich tiefer in den Decken. Tom lachte leise. Niki war so unglaublich süß, wenn sie schlief. Einen Augenblick lang beobachtete er noch ihren Schlaf, dann riss er sich aber doch los.
    Im Rausgehen griff er im Flur noch schnell seinen Mantel von der Garderobe, dann verließ er die Wohnung. Sacht zog er die Wohnungstüre ins Schloss, um sie nicht zu stören und lief dann schnell die Treppen herunter zu seinem Dienstwagen. Schon von weitem sah er den dunkelblauen CLK auf dem Parkplatz stehen. Es war ein gutes Gefühl auf diesen Wagen zuzugehen und zu wissen, dass man den Schlüssel in der Tasche hatte. Selbst als er auf seiner Flucht vor dem Schmerz über Elenas Tod am anderen Ende der Welt gestrandet war, Wann immer er einen blauen CLK oder einen silbernen 3er BMW gesehen hatte, hatte ihn eine seltsame Wehmut erfasst. Ein Wehmut, die meistens nur dazu geführt hatte, dass er sich in der nächsten Kneipe abgeschossen hatte, in der Hoffnung dieses nagende Verlustgefühl damit zu betäuben. Tom schüttelte leicht den Kopf. Nein, das lag jetzt hinter ihm. Heute hatte er einen Schlüssel und dieser Wagen wartete nur auf ihn. Sogar die Kennzeichen waren die gleichen geblieben: NE-LK 3470. Ohne seinen Schlüsselbund aus der Tasche zu ziehen drückte Tom die Fernbedienung für die Zentralverriegelung. Kurz blendeten die Scheinwerfer und die Blinker auf. Er wusste zwar, dass das eine ganz normale Funktion der Zentralverriegelung war, aber dennoch hatte er für einen Moment das Gefühl, der Wagen würde ihn begrüßen. Er öffnete die Tür und ließ sich auf den Fahrersitz gleiten. Wenig später rollte der Wagen langsam vom Hof.


    Als Tom endlich auf den Hof der PAST fuhr, zeigte ihm ein Blick auf die Uhr, dass er es nicht geschafft hatte pünktlich zu sein. Dienstbeginn wäre vor zehn Minuten gewesen. Er lehnte sich einen Moment ihm Sitz zurück, doch dann zuckte er nur die Schultern. Sie kannten ihn ja doch irgendwie und vermutlich hätte auch niemand erwartet, dass er pünktlich sein würde. Langsam stieg er aus dem Wagen und betätigte die Zentralverriegelung. Dann ging er hinüber zum Eingang. Ein nervöses Kribbeln breitete sich vom Magen her durch seinen Körper aus. Ja, er war seit seiner Entlassung schon ein paar Mal wieder hier gewesen, doch heute war trotzdem etwas Besonderes. Heute war sein erster Arbeitstag. Er atmete noch einmal tief durch und versuchte das Zittern unter Kontrolle zu kriegen, das ihn erfasst hatte, dann drückte er die Tür zu Dienststelle auf. Mit gemessenen Schritten, um seine Nervosität nicht zu offensichtlich werde zu lassen, durchquerte er das Großraumbüro der Streifenkollegen. Es war fast leer, nur Andrea saß hinter ihrem Schreibtisch und betreute den Funk. Tom war Dankbar dafür, neugierige Blicke hätte ihn jetzt vermutlich vollkommen aus dem Konzept gebracht. Andrea schenkte ihm nur ein aufmunterndes Lächeln und deutete auf die Bürotür. Tom erwiderte ihr Lächeln und trat ein. Semir saß an seinem Schreibtisch und schaute ihm erwartungsvoll entgegen.
    „Du kommst spät!“, meinte er nur ganz trocken, doch dann schlich sich ein breites Grinsen auf seine Wangen.
    „Und du lügst, wenn du jetzt behauptest, du hättest das nicht erwartet!“, konterte Tom in gleicher Weise.
    Plötzlich war alle Nervosität verflogen. Das Gefühl, wieder so mit Semir herum kabbeln zu können war so unglaublich beruhigend. Stumm grinsten die beiden sich an. Es waren keine Worte nötig zwischen ihnen. Die Chemie stimmte einfach – immer noch. Spätestens jetzt wusste Tom, dass er angekommen war, wo er hingehörte.
    „Lass uns eine Runde durchs Revier drehen!“, meinte Semir schließlich. „Im Moment ist eh nicht viel los.“
    „Ok!“, willigte Tom ein. „Meinen oder deinen Wagen?“
    „Deinen!“
    „Semir bist du krank? Du lässt dich freiwillig von mit chauffieren?“
    „Naja, so kann man es nennen.“, erklärte Semir. „Ich darf noch nicht wieder fahren. Der Arzt meint, die Belastung beim Bremsen und Gas geben ist nicht gut für die Narben an der Hüfte. Und noch einen Narbenbruch möchte ich eigentlich nicht riskieren!“
    „Du kannst ja geradezu vernünftig sein!“, neckte Tom ihn.
    Semir Blick ging nur vieldeutig hinaus zu Andrea. Tom musste grinsen. Er konnte sich gut vorstellen, wie Semir entgegen allen Anweisungen des Arztes Auto gefahren war oder es zumindest versucht hatte. Und noch viel besser konnte er sich vorstellen, wie Andrea ihm dafür die Hölle heiß gemacht hatte.
    „Na dann los!“



    Es war ein ruhiger Vormittag geworden. Sie waren vier Stunden kreuz und quer durchs Revier gefahren, doch zu größeren Vorkommnissen war es nicht gekommen. Der Wagen war trotz einer kleineren Verfolgungsjagd mit einem Verkehrssünder noch in einem Stück und es würde wohl auch schwer werden, ihn vor der Mittagspause noch in ein dunkelblaues Blechknäul zu verwandeln.
    „Fahr man da vorne rechts!“, meinte Semir plötzlich.
    „Hm, was willst du denn bei der KTU?“, fragte Tom verwundert. „Wir haben doch gar keinen Fall.“
    „Ich will dir jemanden vorstellen.“, grinste Semir geheimnisvoll.
    „Ah …ok!“
    Tom zuckte nur mit den Schultern und folgte dann Semirs Hinweis. Langsam ließ er den Wagen auf den Hof der KTU rollen. Er parkte direkt vor einer der großen Fahrzeughallen und die beiden Kommissare stiegen aus.
    „Hartmut!“, rief Semir laut, während sie auf die Halle zugingen.
    Zunächst passierte nichts, doch dann hörte man es aus der Halle fürchterlich scheppern, ganz so, als sei eine große Menge Metallteile zu Boden gegangen. Vorsichtig linste Tom um die Ecke, nicht wissen, was ihn wohl erwarten würde. Und was er dann sah, machte ihn schon irgendwie sprachlos. Vor der Karosserie eines alten Pickup, oder zumindest dem, was davon übrig geblieben war, stand ein recht großer junge Mann mit kupferroten, sehr wirren Haaren. Der trug den typischen blaugrauen Werkstadtkittel der KTU-Mitarbeiter und hielt einen recht großen Kunststoffhammer in der erhobenen rechten Hand. Zu seinen Füßen, rund um das aufgebockte Wrack des Pickup lagen unzählige Metallteile. Tom konnte Kotflügel und eine Seitenklappe ausmachen. Auch eine Tür lag am Boden. Offenbar hatte der junge Mann mit seinem Hammer gegen das Fahrzeug gehauen und das hatte daraufhin sämtliche Teile von sich geworfen. Daher wohl auch das Scheppern, was sie grade gehört hatten. Semir schien den Anblick zu kennen, denn er bedachte den jungen Mann nur mit einem trockenen Kommentar.
    „Effektive Methode, Hartmut! Ich hoffe, du zerstörst da keine Beweise.“
    „Ähem … was … hör mal Semir …“, stammelte der Mann, als er sich herumdrehte.
    „Schon gut Hartmut, wie sind ja gar nicht Dienstlich hier. Ich dachte nur, bevor wir Mittagessen fahren, könnte ich dir ja mal meinen neuen, alten Partner vorstellen.“
    „Mittagessen?“, fragte der rothaarige KTUler sofort. „Kann ich euch begleiten? Ich hatte auch noch nichts.“
    „Übrigens – Hartmut Freund!“, fügte er dann an Tom gewandt hin zu und streckte ihm die Hand hin. Tom ergriff sie prompt und stellte sich dann seinerseits vor.
    „Tom Kranich!“
    „Also, was ist mit Mittagessen? Zu Schröder?“, wollte Hartmut dann wieder an Semir gewandt wissen.
    „Moment, Schröder???“, fragte Tom verwundert.
    „Jepp, genau der Schröder. Nach erfolglosen Versuchen als Detektiv und Nachtclub-Besitzer hat er jetzt einen wirklich gut gehenden Imbissstand an einer Autobahnraststätte.“, bestätigte Semir. An Hartmut gewandt fügte er hinzu: „Wie nehmen dich mit, aber nur wenn die KTU und alles was mit Technik zu tun hat hier auf den Hof lässt. Ein Wort darüber und ich setzte dich auf der Autobahn aus!“
    Hartmuts Gesichtsausdruck zeigte deutlich, dass er Semir eine solche Aktion voll und ganz zutrauen würde, doch er nickte tapfer und zog seinen Kittel aus. Dann gingen die drei hin über zum Wagen. Ein hinterlistiges Grinsen schlich sich auf Semir Gesicht. Das versprach lustig zu werden. Hartmut liebte seinen Job und all die technischen Spielereien, die damit zusammenhingen; man hörte ihn selten von etwas anderem reden. Nicht dass er ernsthaft vorhatte, ihn auf der Autobahn auszusetzen – bei allem Unsinn, zu dem er fähig war, das war dann doch zu gefährlich. Aber die Drohung, kombiniert mit einer leichten Tempoverzögerung dürfte Wunder wirken. Und dass Hartmut es nicht lassen konnte, doch von irgendwelchen Analyse-Ergebnissen oder ähnlichem anzufangen, das war so sicher wie das Amen in der Kirche.


    Die Fahrt verlief zunächst schweigend. Hartmut wagte es entweder nicht den Mund auf zu machen, oder er wusste nicht, worüber er reden sollte, wenn es nichts mit seiner Arbeit zu tun haben durfte. Semir grinste Tom vieldeutig an. Innerlich zählte er schon die Sekunden, bis Hartmut doch wieder von seinen geliebten Analysen anfangen würde. Es juckte ihn in den Fingern, Hartmut ein wenig zu necken.
    „Sag mal Hartmut, wie geht es eigentlich Lucy?“, fragte er – scheinbar völlig unbedarft.
    „Wundervoll!“ Begeistert scheinbar ein Thema gefunden zu haben, über dass sich gefahrlos sprechen ließ, stieg Hartmut sofort auf Semirs Frage ein. „Ich denke ja schon wieder darüber nach, ob ich nicht noch etwas an ihr verändern sollte.“
    „So, was willst du denn machen?“ fragte Semir, scheinbar neugierig.
    „Naja, ich hab an einem beschlagnahmten Auto einige wirklich faszinierende Modifikationen festgestellt. Pass auf, …“
    Weder Tom noch Semir hörten wirklich zu, was Hartmut da eigentlich erklärte. Sie hatten ohnehin keine Ahnung wovon er redete und es war auch vollkommen egal. Fakt war, er tat genau dass, was er versprochen hatte nicht zu tun. Damit war es an der Zeit ihn ein klein wenig zu erschrecken. Stumm bedeutete Semir seinem Partner, dass er sich nach rechts einordnen sollte. Tom verzögerte leicht und fädelte sich hinter einem Tanklastzug wieder auf die rechte Spur ein. Jeder andere hätte Tom jetzt wohl gefragt, ob er krank sei. Freiwillig mit kaum 90 Stundenkilometern über die rechte Spur zu schleichen, das war definitiv nicht seine Art die Autobahn zu benutzen. Hartmut allerdings war so vertieft in seinen Erläuterungen, dass er überhaupt nichts mitbekam. Tom und Semir schauten sich kurz um – die Autobahn war so gut wie leer. Vor ihnen der LKW, hinter den Tom sich zuvor eingefädelt hatte, hinter ihnen ein Kleinbus und links zwei Fahrzeuge, die grade zu Überholen ansetzten. Da konnte man einen kurzen Scherz riskieren. Tom wechselte weiter nach rechts auf den Standstreifen. Erneut verzögerte er den Wagen, diesmal etwas heftiger, damit Hartmut es auch ja mitbekam – und rettete ihnen damit vermutlich das Leben.
    Der Tanklastzug vor ihnen kam plötzlich ins Schlingern. Der Fahrer steuerte verzweifelt gegen, doch der Wagen schleuderte immer heftiger. Geistesgegenwärtig legte Tom eine Vollbremsung hin. Keine Sekunde zu früh, denn der Lastzug geriet jetzt völlig außer Kontrolle. Das Heck brach aus und der Wagen stellte sich quer über die gesamte Fahrbahnbreite. Die Bremsen kreischten ohrenbetäubend, als der Fahrer versuchte noch irgendwie zum Stehen zu kommen. Doch vergeblich – die Katastrophe war nicht zu verhindern. Der Wagen schlidderte die Autobahn entlang. Die beiden überholenden Fahrzeuge waren viel zu schnell, um noch reagieren zu können. Sie krachten fast ungebremst in den Tanklastzug. Instinktiv duckten Tom und Semir sich hinter das Armaturenbrett und bargen den Kopf in den Armen. Aus der Erfahrung ahnten sie schon, was jetzt passieren würde.
    Donnernd explodierte der Tanklastzug in einem Feuerball. Eine starke Druckwelle erfasste den Mercedes und schleuderte ihn um einige Meter zurück. Er drehte sich einmal um sich selbst und blieb schließlich in der Leitplanke hängen. Selbst in dieser Entfernung konnten die beiden Kommissare die Hitze spüren, die von dem Feuer ausging.
    „Wow!“, murmelte Semir.
    Vorsichtig hob er den Kopf, um den Schaden zu begutachten. Viel konnte er aber nicht erkennen. Vor seinen Augen breitete sich ein feines Netz von weißen Linien aus. Irgendetwas Schweres war in die Frontscheibe eingeschlagen. Sie war von Tausenden haarfeiner Risse durchzogen. Die Umgebung konnte Semir dadurch nur schemenhaft erkennen, einzig das Feuer war deutlich auszumachen.
    „Seid ihr ok?“, fragte er seine Begleiter.
    Tom nickte und war schon dabei, die Tür zu öffnen, um seinem Job nachzugehen. Hartmut hockte kreidebleich auf der Rückbank. Völlig geistesabwesend starrte er durch die zerstörte Frontscheibe nach draußen und sagte keinen Ton. Allerdings war auch er offensichtlich unverletzt. So beschloss Semir ihn fürs erste einfach da sitzen zu lassen. Hier im Wagen war er eindeutig am besten aufgehoben. Da konnte er nicht zu Schaden kommen und auch keinen anrichten. Er stieg nun ebenfalls aus, um sich einen Überblick über das Chaos zu verschaffen.
    Die Autobahn sah aus wie ein Schlachtfeld. Von dem Tankwagen und den beiden Fahrzeugen war nicht viel übrig geblieben. Sie waren nur noch ein Knäuel von geschmolzenem Blech und verschmortem Gummi. Was auch immer der Tankwagen geladen hatte, es brannte verdammt gut. Noch immer schlugen die Flammen einige Meter hoch. Knapp vor diesem Inferno hatte sich inzwischen eine ordentliche Massenkarambolage entwickelt. Scheinbar hatten einige Fahrer durch die Druckwelle die Kontrolle über ihre Wagen verloren und waren ineinander gerast. Auch die Gegenfahrbahn war in Mitleidenschaft gezogen worden. Auch hier waren mehrere Wagen durch die Druckwelle außer Kontrolle geraten und hatten sich zu einem wüsten Blechknäuel verkeilt. Verschlimmernd kam noch hinzu, dass die Unfallstelle direkt hinter einer Kurve lag und für die nachfolgenden Fahrer nicht einzusehen war. Semir erkannt etwas entfernt Tom, der an der Mittelleitplanke entlang rannte und verzweifelt mit seiner Kelle winkte, um die Autofahrer zu warnen. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Die meisten sahen ihn nicht oder waren einfach zu schnell, um noch rechtzeitig zum Stehen zu kommen. Seufzend griff er nach dem Funkgerät. Das hier war neben dem Überbringen einer Todesnachricht an Angehörige einer der Momente, in denen er seinen Job wirklich hasste.
    „Cobra 11 für Zentrale!“
    „Zentrale hört!“
    „Schwerer Unfall mit Gefahrenstoffen auf der A4 Richtung Olpe. Knapp vor der Raststätte Frechen. Beide Spuren sind betroffen. Schickt Verstärkung, Feuerwehr und RTW!“
    „Verstanden Cobra 11!“
    „Und sperrt die Bahn weiträumig ab! Cobra 11 Ende!“
    „Verstanden Cobra 11! Zentrale Ende!“
    Semir hängte das Funkgerät wieder ein und machte sich auf, den Unfallbeteiligten zu helfen. Viel konnte er jedoch nicht ausrichten. Wer konnte, war längst aus seinem Wagen geflüchtet und hatte sich hinter die Leitplanke in Sicherheit gebracht. Er hört, wie von dort mehrfach nach ihm gerufen wurde, als er sich den Wracks näherte. Was die Menschen wollten, verstand er nicht, doch er wusste, so lange sie noch schreien konnten, waren sie nicht in unmittelbarer Lebensgefahr.
    „Die Rettungskräfte sind unterwegs!“, rief er über die Schulter zurück und setzte seinen Weg fort. Aus der Ferne hörte er bereits die Sirenen der herannahenden Rettungsfahrzeuge.
    Eine Berührung am Bein ließ ihn aufmerken. Vor seinen Füßen lag ein kleines Mädchen. Es blutete stark aus einer Kopfwunde und war nicht mehr in der Lage zu gehen. Instinktiv war sie von der Unfallstelle weg gekrochen. Doch weit war sie nicht gekommen, ehe sie ihre Kräfte verließen. Semir ging in die Knie und hob die Kleine behutsam hoch. Glücklicherweise traf genau in diesem Moment die Verstärkung mit den ersten Rettungskräften ein. So konnte er das Mädchen sofort einem Sanitäter übergeben.
    Semir war erleichtert, dass sie so schnell vor Ort waren und er die Verantwortung für diese Situation los war. Denn obwohl es zu seinem Job gehörte und es auch beileibe nicht die erste Massenkarambolage war, die er erlebt hatte, fühlte er sich in solchen Situationen immer ein wenig überfordert. Bei so vielen Verletzten, so vielen Menschen, die Hilfe brauchten, so vielen Situationen, die eigentlich ein Eingreifen erforderlich machten, war er immer unsicher, wo er zuerst helfen sollte. Routiniert übernahm jetzt der Leiter des herbeigerufenen Löschzuges die Koordination der Rettungsmaßnahmen. Semir spürte, dass er hier im Moment überflüssig war und hielt es für besser, den Rettungsmannschaften nicht im Weg zu stehen. Er war fast ein bisschen erleichtert, als er jemanden rufen hörte.
    „Semir, kommst du mal?“
    Es war Hartmut. Scheinbar war er aus seiner Starre erwacht und zu dem Schluss gekommen, dass er ein wenig frische Luft gebrauchen könnte. Jetzt hockte er grade am Rand des Mittelgrünstreifens und betrachtet irgendetwas auf dem Boden. Mit einem Taschentuch hob er den Gegenstand vorsichtig hoch. Fasziniert betrachte er ihn von allen Seiten, dann hielt er ihn Semir strahlend entgegen. Es war eine längliche Metallhülse, an der einen Seite geborsten, als ob ihr Inhalt explodiert wäre.
    „WAS? Ein Stück geborstenes Metall! Nicht verwunderlich bei der Explosion!“
    Semir konnte nicht wirklich erkenne, was an diesem Stück Metall so besonderes sein sollte, dass Hartmut sich so dermaßen darüber freute.
    „Ein bisschen weit weg von der Unfallstelle. Außerdem bei der Hitze, die das Feuer entwickelt haben muss, dürfte jetzt nur noch so ein kleines Klümpchen davon übrig sein!“ Hartmut deutete mit Daumen und Zeigerfinger der freien Hand einen kleinen Kreis an.
    „Dann hat das einer der Wagen eben schon früher verloren. Was ist so besonderes daran?“, fragte Semir genervt.
    Er hatte jetzt keinen Bock auf solche Ratespielchen. Die Autobahn war in Schutt und Asche gelegt, und obwohl nun wirklich niemand ernstlich behaupten konnte, dass Tom und er daran schuld waren, würde es doch wieder auf sie zurückfallen, nur weil sie zufällig in der Nähe waren. Ihr Dienstwagen war – mal wieder – reichlich ramponiert, zwar kein Totalschaden, aber fahren konnte man mit der Frontscheibe sicher nicht mehr. Das hieß, sie mussten hoffen, dass einer der Kollegen sie mit zurück zur Wache nahm, oder laufen. Und zu allem Überfluss hatte er noch immer nichts gegessen. Seine Laune war definitiv auf dem Tiefpunkt. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen.
    „Das ist die Hülse von einer Sprengladung!“ erklärte Hartmut. „Einer Haftsprengladung, um genau zu sein. Pass auf, hier“ - er deute auf das noch intakte Ende der Metallhülse – „erkennt man noch die Reste der Klebemasse. Das Zeug …“
    „Moment! Willst du damit sagen, dass diese Explosion vorhin kein Unfall war?“ Semir hatte einen Augenblick gebraucht, bis ihm die Konsequenz von Hartmuts Aussagen bewusst geworden war.
    „Wahrscheinlich eher der Unfall selber! Wie gesagt, wenn die Hülse sich in dem Feuer da hinten befunden hätte, wäre jetzt nicht mehr viel von ihr übrig.“
    „Dann hätten wir doch was gehört. Wir waren praktische genau hinter dem LKW, als der Fahrer die Kontrolle verloren hat.“
    „Nicht unbedingt! Solche Sprengsätze benutzt auch das SEK, zum Beispiel um massive Stahltüren zu öffnen. In diesen kleinen Röhrchen steckt die Sprengkraft einer Handgranate. Die Hülse ist aus einer besonderen Metall-Legierung. Sie besteht aus …“
    „Hartmut bitte, komm zum Punkt!“ Semir wurde so langsam wirklich ungehalten. Zumal Hartmuts Feststellung den Unfall, den er in Gedanken schon auf die Kollegen vom Streifendienst abgeschoben hatte, wieder zu einem Fall für Tom und ihn machte.
    „Naja, auf jeden Fall sind diese Sprengladungen so gebaut, dass sie ganz gezielt ihre Kraft in eine Richtung entfalten und dabei extrem leise sind. Neben dem Motorengeräusch eines Sattelzuges dürftest du sie nicht mehr hören.“ Gewissenhaft wickelte Hartmut das kleine Metallstück in sein Taschentuch und steckte es ein.
    Semir unterdrückte nur mit Mühe einen herzhaften Fluch. So viel zu Thema ‚Schlimmer konnte es nicht mehr kommen.’ Er ging zurück zu seinem Dienstwagen, um die PAST zu informieren. Aus dem Unfall war ein Tötungsdelikt geworden und sein ohnehin schon verspätetes Mittagessen damit in weite Ferne gerückt. Jetzt konnte er sich erstmal darum kümmern, dass die Reste des Tanklastzuges in die KTU geschafft wurden. Außerdem mussten sie die Angehörigen von dem LKW-Fahrer verständigen und konnten wahrscheinlich auch gleich noch die Firma für die der LKW unterwegs gewesen war, unter die Lupe nehmen. Das versprach ein wundervoller Nachmittag zu werden. Zornig trat er gegen die Leitplanke.
    „Na, na, na, Herr Gerkhan! Reicht Ihnen das Chaos nicht, dass Sie hier mal wie-der fabriziert haben?“, fragte ein Beamter, der grade in der Nähe stand, spöttisch.
    Semir war nahe dran zu explodieren. Was erlaubte sich dieser Schnösel eigentlich? Nur weil Tom und er in der Näher gewesen waren, sollten sie Schuld an diesem Unfall sein? Der Typ tickte doch nicht mehr richtig. Am liebsten hätte er sich den Mann gepackt und ihm kräftig eine gelangt. Doch er beherrschte sich im letzten Moment.
    „Es war ein Unfall!“, presste er zwischen den zusammengebissenen Zähnen her-vor.
    „Es ist nur seltsam, wie oft grade Sie und Ihr Partner in solche Unfälle verwickelt sind! Ob das wirklich alles nur Zufall ist?“, entgegnet der Beamte spitz.
    Das war eindeutig zu viel. Selbst bei bester Laune wäre dieser ungeheuerliche Vorwurf für Semir ein Grund gewesen aus der Haut zu fahren und seine inzwischen wirklich schlechte Laune tat ihr übriges. Mit einem Satz war er bei dem Beamten. Er packte in am Kragen und knallte ihn gegen den nächstbesten Wagen.
    „Was wollen sie damit andeuten?“, fragte er gefährlich leise.
    Der Beamte starrte Semir entsetzt an. Er war sichtlich überrascht, wie viel Kraft in diesem kleinen Menschen steckte.
    „Ich … ähem, … gar nichts … Entschuldigung … Ich hab’ nur … ähem, … ich hab’ wohl nicht … ähem …nachgedacht!“, stammelte er erschrocken.
    „Nicht nachgedacht?“
    Das war doch die Höhe. Da warf er ihnen fahrlässige Tötung oder gar Schlimmeres vor und wollte sich dann rausreden, dass er nicht nachgedacht hatte. Er zog den Mann am Kragen nah zu sich heran und starrte ihn mit wutfunkelnden Augen an.
    „NICHT NACHGEDACHT, JA?“, wiederholte er. „SOLL ICH IHNEN MAL ZEIGEN; WAS PASSIERT; WENN ICH NICHT NACHDENKE?“
    „Semir, komm, das ist es nicht wert.“ Unbemerkt war Tom hinter ihn getreten und legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. „Kümmern wir uns lieber um unseren Job.“
    Semir atmete tief durch. Dann gab er den Beamten wieder frei.
    „Beim nächsten Mal wird das für Sie ein ernstes Nachspiel haben! Dergleichen nennt man nämlich Verleumdung!“, sagte er noch zu ihm, ehe zu seinem Dienstwagen ging.
    Er beugte sich durch die Beifahrertür und griff nach dem Funkgerät.
    „Cobra 11 für Zentrale!“
    „Zentrale hört!“
    „Wir brauchen hier ein KTU-Team! Der Unfall war vermutlich ein Anschlag!“
    „Verstanden Cobra 11! Wie sieht es sonst aus?“
    „Wir haben hier alles im Griff! Cobra 11 Ende!“
    „Verstanden Cobra 11! Zentrale Ende!“
    Semir hängte das Funkgerät wieder ein und lehnte sich bäuchlings gegen das Auto. Er bettet den Kopf müde in den Armen und beobachtete Tom, der grade mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr angeregt diskutierte. Er versuchte dem Mann grade klar zu machen, dass seine Leute jetzt, wo das Feuer gelöscht war, die Unfallstelle verlassen sollten, um keine Spuren zu verwischen. Nach Toms leicht erregter Gestik, war der Mann diesem Ansinnen jedoch nicht sehr zugetan. Semir war Tom sehr dankbar, dass er es übernommen hatte, sich mit den Feuerwehrleuten und Sanitätern auseinanderzusetzen. Er hätte jetzt weder die Ruhe noch die Nerven gehabt, sich mit einem sturen Einsatzleiter herum zu schlagen. Wahrscheinlich hätte das ähnlich geendet, wie eben mit diesem dreisten Beamten. Semir schloss die Augen. Er ließ seine Gedanken einfach treiben und versuchte sich ein bisschen zu entspannen. Angesichts seines penetrant knurrenden Magens ein absolut hoffnungsloses Unterfangen.
    „Wovon träumst du denn grade?“, wurde er plötzlich gefragt. Tom hatte seine Diskussion mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr offenbar zu einem akzeptablen Ende gebracht und wollte seinen Partner einsammeln.
    „Kommt drauf an, ob du meinen Magen oder meinen Kopf fragst.“, murmelte Semir ohne sich zu rühren oder die Augen zu öffnen.
    „Aha! Wo ist da der Unterschied?“, fragte Tom, hörbar belustigt.
    „Mein Magen träumt von Schröder; der hängt nämlich mittlerweile auf dem Boden vor Hunger. Und mein Kopf träumt von morgen, dann ist dieser Tag endlich vorbei!“
    „Komm, mein Wagen steht noch von allein.“ Lachend legte Tom Semir den Arm um die Schulter und zog ihn von seinem Dienstwagen weg. „Hotte und Dieter warten da hinten auf uns. Ich wette, die können wir zu einem Stopp bei Schröder überreden! Ich will doch nicht, dass deine Träume unerfüllt bleiben müssen!“
    „Wenn ich dich nicht hätte, …“, brummte Semir, doch auch er musste jetzt grinsen. Er ließ sich von Tom ein paar Schritte mitschleppen, dann drehte er sich noch einmal um und begutachtete den Dienstwagen.
    „Das war mal kein Totalschaden. Eigentlich hat er nur ’nen paar Kratzer und die Frontscheibe ist hin. Ob die Chefin das wohl als ‚beinahe heile’ durchgehen lässt?“ scherzte er.
    „Gute Frage! Können wir ja im Büro gleich mal austesten.“, grinste Tom zurück.
    Die beiden passierten das Wrack des Tanklastzuges, wo das KTU-Team mittlerweile bei der Arbeit war. Semir fiel plötzlich auf, dass sie sich gar nicht mehr um Hartmut gekümmert hatten, seitdem der stolz seinen Fund präsentiert hatte.
    „Sag mal, wo ist eigentlich Hartmut abgeblieben?“ fragte er.
    „Der ist ganz begeistert von seinem neuen Spielplatz!“, antwortete Tom und deutet auf die Unfallstelle.
    Tatsächlich konnte Semir dort Hartmut erkennen, wie er, gekleidet in einen dieser weißen KTU-Overalls, zwischen den Trümmern hockte und einen Haufen grotesk verschmorten Metalls betrachtete. Es schien, als ob ihm das, was er dort sah, sehr gefiel. Jetzt hob er den Kopf und schaute sich um. Semir ahnte Böses und wollte Tom schon weiterziehen, um einem neuerlichen Vortrag von Hartmut aus dem Weg zu gehen, doch zu spät. Hartmut hatte sie schon entdeckt.
    „Jungs, kommt mal her! Ich hab hier was Interessantes!“, rief er zu ihnen herüber.
    Semir seufzte ergeben und machte sich auf den Weg zu Hartmut. Leider wäre es jetzt ein bisschen zu auffällig, wenn sie einfach so taten, als hätten sie nichts gehört und sich davon machten.
    „Was gibt’s denn Schönes?“, wollte er wissen.
    „Das da!“ Hartmut deutet auf das zusammengeschmolzene Metall.
    Es sah aus wie die Reste eines Gestänges, zum Teil umgeben von geschmolzenem Gummi. Allerdings konnte Semir beim besten Willen nicht feststellen, was daran so interessant sein sollte. Nur hatte er das vorhin bei der Metallhülse auch nicht gekonnt und sie hatte sich zugegebenermaßen als sehr interessant entpuppt.
    „Also, was ist das?“, fragte er ein wenig schärfer als beabsichtigt.
    „Die Vorderradaufhängung des Tanklastzuges, die rechte um genau zu sein. Nach dem Grad der Beschädigungen war sie nicht der größten Hitze des Feuers ausgesetzt. Die Vermutung liegt jetzt nahe, dass der Wagen das Rad schon vorher verloren hat. Möglicherweise was das die Unfallursache. Außerdem sieht das Gestänge hier“ – er deutete auf das geborstene Ende einer Metallstange – „ etwas merkwürdig aus. Als sei es abgerissen worden. Vielleicht durch die Sprengladung, die ich vorhin gefunden habe!“ Stolz schaute er zu Tom und Semir hoch.
    Leider hatten die beiden Kommissare im Moment keinerlei Sinn dafür. Sie waren hungrig und wollten endlich was essen.
    „Prima, Hartmut! Nimm das in der KTU mal genau unter die Lupe! Wir erwarten deinen genauen Bericht dann morgen früh!“ Mit diesen Worten packte Tom Semir am Arm und zog ihn zu Hottes und Dieters Wagen.
    „Hey, Moment mal, Jungs! So schnell geht das nicht!“ protestierte Hartmut. „Von dem Wagen ist fast nichts mehr übrig! Ich muss erst mal ’ne ganze Menge Daten sammeln und rekonstruieren, ein Modell entwerfen, verschiedene …“
    „Ok, wir kommen morgen nach dem Mittagessen!“ rief Semir über die Schulter zurück. Dann schwangen die beiden Kommissare sich zu Hotte und Dieter in den Bulli und verließen die Unfallstelle.


    ***


    Fortsetzung folgt ...

  • Toller Anfang! :]



    Schröder staunte nicht schlecht, als er den Mann, der da neben Semir, Hotte und Dieter auf seinen Imbissstand zukgelaufen kam, erkannte.
    "Das gibt es ja nicht...", sagte er nun und Semir winkte ab.
    "Ja, ja, Schröder, vorhin habe ich mir das auch noch ganz toll vorgestellt, wenn ihr euch hier wiederseht...aber jetzt ist mir die Laune verhagelt und ich hab Hunger! Zwei Bouletten mit Pommes und zwar schnell!"
    Doch Schröder starrte immer noch Tom an, der ihm jetzt lächelnd die Hand schüttelte.
    "Ich nehm das Gleiche....obwohl, schmeckt das hier bei dir auch?"
    "Klar doch! Und für dich natürlich heute kostenlos, als Begrüßung sozusagen!...Ich meine, wie...wie gehts dir denn? Und so im Gefängnis, da...."
    Einen Moment lang war es still und alle sahen Tom an. Schröder biss sich auf die Lippen, doch Tom nickte nur lächelnd.
    "Schon okay, Schröder, mir gehts gut."
    Und damit war für Tom alles gesagt, was nötig war. Er hatte auch kein Bedürfnis danach, jemals wieder über die letzten Jahre zu sprechen. Fast war es, als könnte er diesen Teil seines lebens so langsam in einer Schublade verschliessen und als etwas annehmen, dass , Gott sei Dank, für immer vorbei war.
    Das Klingeln von Semirs Handy riss ihn nun aus seinen Gedanken.
    "...Ja, Chefin...ja, also, das war nicht unsere Schuld und...ja, verstehe...ja, wir sind gleich da."
    Er legte auf, schüttelte verärgert den Kopf.
    "War ja klar, das das kommt!"
    "Was hat sie gesagt?"
    "Na das, was sie immer sagt. Wie es kommt, das immer dort, wo wir sind, solche Katastrophen passieren."

  • Nach dem Essen fuhren Semir und Tom mit Hotte zur PAST. Anna sah die Beiden an. "Kommen Sie bitte beide sofort in mein Büro." sagte sie nur. Tom sah Semir vielsagend an. "Das geht ja schon gut los." grinste er. Sie setzten sich vor Anna in die Sessel. "Tom... schön dass Sie IHren ARbeitstag aufgenommen haben. Es ist, als wären Sie nie weg gewesen. Gerade im Dienst und schon ist der Wagen schrott." stöhnte sie. Tom sah sie an. "Moment chefin.... ich kann doch nichts dafür, dass der Tankwagen vor mir explodiert. Ich bin wirklich sehr vorsichtig gefahren... Semir kann das bestätigen." Anna lächelte. "Schon gut. Hartmut hat mir berichtet, was vorgefallen ist. Er sagte auch, dass es kein Unfall war, sondern ein Anschlag." Semir nickte. "Ja... es sieht zumindest so aus. Wir müssen die Spuren zunächst mal auswerten. Vielleicht finden wir etwas und können so den Hintergrund dafür finden." Anna nickte. "Gut... ach Semir... Sie wissen ja. Sie werden gefahren. Toms Wagen ist ja wieder in der Werkstatt. Also geben Sie ihm ihren Schlüssel. Sie dürfen ja eh noch nicht." Semir nickte und gab Tom den Autoschlüssel. "Aber fahr den nicht auch noch kaputt." drohte er leise.

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    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Von Herrhausen sah den Mann vor ihm ernst an "Und? Ich erwarte einen Bericht, wie ist es gelaufen?"
    Schmidtke schüttelte den Kopf "Der Tanker ist wie geplant explodiert, aber die beiden Bullen haben überlebt. Wir sollten uns jetzt erstmal zurückhalten...."
    Wütend stand Herrhausen auf und schob den Stuhl krachen zurück "Ihr verdammten Idioten. Ich hoffe für euch, dass es keine auch noch so winzige Spur gibt....."



    "Und was willst du jetzt hier? "Semir stieg langsam aus seinem Wagen aus, der im Hof der Spedition stand, von der der Tankwagen abgefahren war.
    "Polizeiarbeit, was sonst. Partner. Oder meinst du ich kann das nicht mehr?"
    "Doch , doch, nur ich verspreche mir von dem Besuch hier nicht viel, aber mach du nur...."
    Tom grinste und schnappte sich gleich den ersten Mitarbeiter
    "Kranich, Kripo Autobahn, mein Kollege Gerkhan. Wir müßten mal zu ihrem Chef."
    Ewald liess seinen Blick von Tom zu Semir schweifen, blieb bei Tom hängen"Das bin ich selbst.Carlo Ewald. Sie kommen sicher wegen dem Tankzug heute morgen, nehme ich an."
    "Ja, da liegen sie richtig. Und darüber würden wir gerne mit ihnen reden."
    "Na was gibts da zu reden. ich hab eine Versicherung und der Fahrer war nicht schuld, was also haben sie für Fragen?"
    "Könnten sie sich vorstellen, dass ihnen jemand eins auswischen will? Wir haben leider Grund zu der annahme, dass der Unfall keiner war."
    Ewald blickte erstaunt auf "Ich? Feinde?Machen sie Witze? In dem Geschäft ist jeder ein Feind. "
    "Tja Herr Ewald, dann dürfte es jetzt an der zeit sein, Namen zu denen, denen sie so etwas zutrauen...."
    Tom sah ihn ernst an und gab ihm seine Karte"Ich erwarte ein Fax von ihnen..Guten Tag!"

  • "Ach so... noch eetwas"...Semir sah Ewald an. " Wer könnte so einen Haß auf Sie haben, dass er einen LKW in die Luft sprengt und den Fahrer umbringt?" "Sie machen mir Spaß. Wenn ich das wüßte, würde ich mir den Kerl schnappen. nee... Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir würden nicht so weit gehen und uns gegenseitig in die Luft sprengen. Das ist zu weit. Das war mit Sicherheit kein Konkurrent von mir." Tom nickte. "Was können Sie uns von dem Fahrer erzählen? " "Das Privatleben meiner Angestellten geht mich nichts an. Da müssten Sie dann schon zu denen gehen, die mit ihm verkehrten." "War er verheiratet?" "Ja sicher... aber in Trennung lebend. Die Adresse lasse ich Ihnen von meiner Sekretärin geben." "Dürfen wir uns hier mal umsehen?" fragte Semir. Ewald nickte. "Ja kein Problem. Aber haben Sie Verständnis, wenn ich Sie begleite."

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  • Sie sahen sich in der Halle genau um, entdeckten jedoch nicht die geringste Kleinigkeit.
    "Wird die Halle des Nachts überwacht?"
    "Sicher... von einem Wachmann, der hier in unregelmäßigen abständen durchs Gelände geht.
    "Dann hätten wir gerne den Namen des Mannes und das wars dann auch schon." Tom notierte sich die Angaben und sie verabschiedeten sich.


    "Was meinst du? Hat da jemand nachgeholfen?"
    Semir nickte. "Ja , denke ich . Lass Petra mal den Namen des Wachmanns durchprüfen. Vielleicht kommen wir ja da weiter."
    Tom schlug den Rückweg zur PAST ein und sah anchdenklich auf die Straße.
    "Was ist. Du hast doch was."
    Semir kannte seinen Freund genau und hatte den veränderten Ausdruck in seinem Gesicht bemerkt.
    "Hm... nenn es Bauchgefühl, aber mit paßt bei der Sache etwas nicht.... "
    "Ja und was? "
    "ganz einfach, gleich an menem ersten Arbeitstag werden wir in so einen Unfall verwickelt, der sich als Ansclag heraustellt. Nur auf wen? "
    Semir stutzte "Du meinst nicht.. doch du meinst..."
    "Genau. Ich meine......"

  • SEmir schüttelte den Kopf. "Tom... bitte. Die Bande ist zerschlagen. Wir haben sie besiegt. Es ist unmöglich..." "Nein... ist es nicht. Was wenn Kovaljev nur ein Strohmann war? Was wenn da noch höhere Tiere drinstecken? Ich habe eben das Gefühl, das der Fall nicht zu ende ist." "Wenn du wirklich Recht hast, dann scheint es ein ziemlich großes Wespennest zu sein, in das du gestochen hast. Oder aber es ist nur ein Hirngespinst von dir." Semir sah ihn an. Er kannte Tom. Wenn er sich in eine Sache festgebissen hatte, dann ließ er nicht los, bis der Fall endgültig zu den Akten gelegt werden konnte. "Was schlägst du vor?" fragte er mit einem sehr unguten Gefühl

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  • Tom zögerte "Ich würde gerne noch einmal einen Blick in alle Akten werfen. Und mir die Sache durch den Kopf gehen lassen. Irgendwo ist da sicher etwas, wo ich ansetzen kann."
    "Du meinst wir....."
    "Nein Semir. Ich, denn ich allein bin an der Sache schuld und we.."
    Semir fuhr ihm ins Wort "Tom, NEIN! Wir und damit Ende der Diskussion. Ich habe dich nicht aus dem Knast geholt und fahre mit dir gemeinsam wieder Streife , wenn du jetzt allein auf die Jagd gehen willst."
    Tom schmunzelte." Ok, dann lass uns mal überlegen, wie wir an die Akten kommen ohne gleich der Chefin was auf die Nase binden zu müssen."
    " ja, wofür haben wir Johanna? Die sitzt beim LKA doch an der Quelle. "
    "Stimmt, wenn ich dich nicht hätte."
    "na dann los. "

  • Semir griff zum Handy. „Hallo Johanna. Semir hier. Wie geht es dir?” fragte er als die Stimme von seiner kurzfristigen Kollegin hörte. „Semir… danke. Bist du wieder vollkommen in Ordnung?“ „Ja, danke. Mir geht es sehr gut. Ähm… Johanna… hab eine dringende Bitte eines Kollegen an dich.“ „Oh… lass mich raten. Du bist mit Tom unterwegs.“ Semir lachte leise. „Ja stimmt. Ich soll dich auch von ihm grüßen.“ „Okay… was brauchst du?“ „Äh… ja also…. Wir möchten uns noch mal die Akten im letzten Fall ansehen. Du weißt schon alles was mit diesem Kowaljev zu tun hat.“ „Aber Semir? Der Fall ist doch abgeschlossen. Was wollt ihr denn noch damit. Das ist vorbei.“ „Nun… ich möchte dir das jetzt nicht erklären. Bitte Johanna…. Es ist wirklich sehr wichtig.“ Johanna schwieg. „Johanna?“ fragte Semir deshalb. „Ja… ich bin noch da. Semir? Warum braucht ihr die Akten noch einmal?“ Semir sah Tom an. Dieser schüttelte den Kopf. „Johanna… bitte. Besorgst du bitte die Akten?“ „Okay… aber nur wenn ihr mich aufklärt, wenn ich bei euch bin.“ „Okay… Wir sind gegen neun im Büro. Komm dann bitte her.“ „Gut das schaff ich. Ich bringe die Akten persönlich zu euch, aber ihr dürft nicht sagen, dass ich es war.“ „Ist Ehrensache“ Semir beendete das Gespräch und sah Tom an.

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  • Wenn niemand etwas dagegen hat, dann klinke ich mich mal in die Story ein... :baby: ;)



    Am Abend ließ Tom die Tür hinter sich in Schloss fallen. Das Klicken war wie eine kleine Erlösung. Auch wenn er glücklich war, wieder auf der Autobahn zu sein, so war es doch für den ersten Tag mehr als genug.
    Der neue Kollege bei der KTU, von dem er noch nicht genau wusste,was er halten sollte. Aber nachdem Semir ihn höchstpersönlich vorgestellt hatte, war er wohl nicht so übel. Tom grinste vor sich hin. Dann wurde sein Ausdruck ernst. Der Unfall auf der Autobahn, der keiner war. Und das unheimliche Gefühl in der Magengegend, dass das kein Zufall war, sondern ihm gegolten haben sollte. Die perfekte Art, einen unliebsamen Zeitgenossen loszuwerden. Oder aber Semir hatte Recht und er sah wirklich nur weiße Mäuse. Immerhin hat es ihn doch mehr zugesetzt, als ihm lieb war, was er in den letzten drei Jahren durchstehen musste.
    Tom rieb sich die Augen und bemühte sich um ein lächelndes Gesicht, als er seinen Namen aus der Küche hörte.


    "Tom?" Niki steckte den Kopf aus der Küchentür raus und strahlte ihn breit an, aber sie spürte instinktiv, das etwas nicht in Ordnung war. Sie konnte es nicht beschreiben, woran es lag, vielleicht die Art, wie er sie ansah.
    "Tom, alles in Ordnung? Wie war Dein Tag?" Sie ging auf ihn zu, schlang die Arme um seinen Hals und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen. Tom schloss die Augen und erwiederte den Kuss und wäre gerne leidenschaftlicher geworden. Alleine ihre Nähe ließen die Probleme draußen vor der Haustür verblassen und unbedeutsam werden. Doch Niki schob ihn leicht von sich und musterte ihn. "Müde siehst Du aus." Tom nickte nur und hoffte, er könnte sich davor drücken, von dem Tag zu erzählen, denn dann würde unweigerlich auch seine Vermutung zur Sprache kommen. "Na komm, ich habe uns einen schönen Eintopf gemacht...und beim Essen erzählst Du mir alles..." Er ließ sich in die Küche ziehen, die ein wenig im amerikanischen Design gestaltet war.
    Tom löffelte den Kartoffeleintopf stumm in sich hinein, während Niki ihn bohrend ansah. Er spürte ihren Blick. Dann legte er den Löffel zur Seite, faltete die Hände und stützte das Kinn darauf. Er überlegte, dann begann er von dem Unfall zu erzählen, ließ aber wohlweislich seinen Verdacht außen vor. Er wollte Niki nicht zu sehr belasten, vor allem, wenn sich das ganze doch als Hirngespinst herausstellen sollte. Niki hörte ihm zu. Liebevoll legte nahm sie dann seine Hand. Sie konnte nachvollziehen, dass so etwas am ersten Tag einfach zu viel war.
    "Wie wär´s...ich lass Dir nachher ein schönes Bad mit einem herrlichen Duftöl ein? Dann kannst Du erst einmal entspannen." Sie sah ihn an und lächelte leicht. Tom fuhr ihr sanft mit den Handrücken über die Wange und nickte. Wieder einmal mehr war er glücklich, dass sie bei ihm war.

  • Semir liess die Haustüre ins Schloss fallen , als Tom ihn abgesetzt hatte und schmiss seine Jacke auf die Garderobe "Andrea? Schatz?Ich bin kurz zu Hause... wo steckt ihr?"
    "Oben.... und was heisst kurz? hast du mal auf die Uhr gesehen?" Andrea stand nun mit Aida an der Wendeltreppe und sah ihn erstaunt an.
    "ja, aber ich muss nchmal ins Büro... dauert nicht lang."
    "Aha... "
    "Tut mir leid Schatz. Aber wir hatten einen horror Tag . Tom holt mich gleich wieder ab und bringt mich auch nachher zurück. " er gab ihr einen Kuß und begrüßte seine Tochter.
    "Du siehst auch müde aus.... muss das denn unbedingt sein?"
    Semir zögerte, ob er mit Andrea über Toms Vemrutung sprechen solle, liess es aber vorerst bleiben. Erst wollte er mit ihm und Johanna noch einmal sprechen.


    "Das mit dem Bad muss warten, fürchte ich. "
    Tom gab Niki einen Kuss und umarmte sie.
    "Wieso ? Du willst doch nicht noch einmal weg, oder?"
    "Doch, aber es dauert nicht lange. Ich muss noch einmal kurz ins Büro.Aber dannach machen wir es uns gemütlich, ok?"
    "Tom? Da ist doch was? ich merk es doch, was hast du?"
    Vor Niki konnte er wirklich nichts verbergen.
    "ich erzähle es dir später, bitte. jetzt muss ich Semir abholen."


    Pünktlich um 9 trafen sie fast zeitgleich mit Johanna auf dem Parkplatz vor der PAST ein.

  • Johanna stieg aus, als sie den Wagen von Semir erkannte. Sie konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen.
    "Na ja, viel hat sich ja nicht verändert, außer Dein Chauffeuer."
    "Ha-ha...sehr witzig...", winkte Semir ab und umarmte Johanna schließlich zur Begrüßung.
    "Schön, Dich wieder zu sehen." Dann wandte sie sich Tom zu, den sie ebenfalls kurz und herzlich umarmte.
    Inzwischen hatte sie die Ereignisse verdrängt und kamen ihr wie ein Albtraum vor, aber als Semir anrief, war die Erinnerung wieder da, als wäre es erst gestern passiert, dass Kowaljew Zons erschossen hatte und Semir beinahe selber umgekommen wäre.
    Doch lange hatte sie nicht, um mit ihren Erinnerungen und den Gefühlen zu hardern, Semir kam gleich auf den Punkt.
    "Hast Du die Unterlagen dabei?"
    "Ja, hier. Aber ich weiß wirklich nicht, was ihr darin finden wollt. Immerhin ist der Fall abgeschlossen, Kowljew ist tot, von seinen Handlangern ganz zu schweigen...Tom, Du warst doch damals dabei..."
    Johanna sah ihn fragend an.
    "Vielleicht hat es nichts damit zu tun...aber ich möchte gerne auf Nummer sicher gehen." Johanna nickte zustimmend. Dann gingen sie wie drei Verschwörer ins Büro.



    Zur gleichen Zeit klingelte von Herrhausens Handy. Er sah von seinem Buch auf und griff fast schon ein wenig von dem Klingeln genervt auf das Display. Als er aber erkannte, wer am anderen Ende der Leitung war, nahm er das Gespräch dennoch entgegen.
    "Schmidtke, was gibt es?"
    "Die neue Kollegin hat die Akten von Kowaljew aus dem Archiv geholt. Ich bin ihr gefolgt, sie ist damit zu diesen beiden Cops."
    von Herrhausen atmete hörbar tief durch, ehe er sich zu einer Antwort durchringen konnte.
    "Was steht in den Akten?"
    "Nur die offiziellen Berichte, aber..."
    "Kein 'Aber'. Sie tappen im Dunkeln. Beobachte sie weiter, aber unternehmen Sie nichts. Wir werden morgen alles weitere besprechen. Wenn Tom Kranich mehr weiß, als er sagt, wird er zur Bedrohung, aber wenn nicht..." von Herrhausen ließ den Satz unvollendet. Schmidte wusste, was das bedeutete, immerhin war er derjenige gewesen, der den letzten Anschlag versaut hatte und zuvor schon die Verurteilung, die dank der Ermittlungen wieder aufgehoben war. Und noch immer wusste keiner von ihnen, was dieser Tom Kranich wirklich wusste.
    Schmidtke legte das Handy zur Seite und ließ sich in sein Autositz zurückfallen. Dann griff er zu dem kleinen Fernglas und versuchte einen Blick auf die Past zu bekommen, aber sie Jalousien waren geschlossen und so war es unmöglich etwas zu erkennen.

  • nach einiger Zeit sah Semir auf und rieb sich die Augen. "Tom... hier steht nichts was wir nicht schon wissen. Es ist nichts da, wo wir anfangen können." Johanna sah ihn erschrocken an. "Wo wir anfangen können? Was soll das heißen?" Semir sah Tom an, dann Johanna. "Tom und ich sind der Meinung das der Fall noch nicht abgeschlossen ist. Wir wurden gestern zum Beispiel... Zeugen eines Unfalls. Aber dieser Unfall war eher ein Anschlag. Wir sind nur durch Zufall unverletzt davon gekommen. Ein Tankwagen der vor uns fuhr, ging in die Luft. Unser Techniker, Hartmut... du kennst doch Hartmut?" Johanna nickte. "Also der hat herausgefunden, dass ein Sprengsatz am Tankwagen war. Und nun ja.... es ... es ist nicht ausgeschlossen, das wir das Ziel waren." Johannas Blick wanderte zu Tom. Dieser sah sie kurz an und widmete sich den Akten. "Das ist jetzt nicht euer Ernst oder?"

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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Johanna lehnte sich zurück und verschrenkte die Arme vor der Brust. Sie schob die Unterlippe vor, dann beugte sie sich vor und meinte: "Darum wolltet ihr mich so spät in die Past haben...Anna Engelhardt weiß nichts davon...Das ist doch so oder?"
    Tom und Semir sahen sich betroffen an und nickten dann.
    "Ok, wenn da tatsächlich eine Schweinerei im Gange ist oder sein sollte, dann will ich dabei sein..."


    Aber weiter kam sie nicht, denn in dem Moment wurde ihr Gespräch von einer Detonation unterbrochen. Sie Scheiben vibrierten und waren kurz vor dem Zerbersten.
    Tom, Johanna und Semir gingen in Deckung. Nach einer Weile war es gespenstisch ruhig geworden. Tom blickte als erster wieder auf und stellte fest, dass im Büro noch alles an seinem Platz war, aber ein Blick aus dem Fenster verriet ihm die Quelle der Erschütterung. Auf der anderen Seite der Autobahn stand ein Auto in Flammen und erhellte den Abend. Ein paar Autos waren in den Leitplanken hängengeblieben, vermutlich hatten die Fahrer vor Schreck das Lenkrad verrissen. Tom wollte zum Telefon greifen und Verstärkung rufen, als es in dem Moment klingelte. Etwas verwirrt nahm der den Hörer ab.
    "Kranich, Kripo Autobahn..."
    "Es ist noch nicht vorbei...sie sind auf der richtigen Spur...machen Sie weiter, sonst war wirklich alles vergebens..."
    Tom begriff hörte die Worte und glaubte die Stimme zu erkennen, aber verstand nicht so richtig, fwas sie von ihm wollte. "Hallo, wer sind Sie...?" fragte er noch, aber da hörte er nur noch das Freizeichen.

  • Semir sah Tom an. "Was war?" "Ich weiß nicht... diese Stimme... ich hab sie schon mal gehört. Aber ich weiß nicht wem sie gehört." "Männlich?" Tom schüttelte den Kopf. "Na dann bist du ganz schön kaputt. Wenn du eine Frau vergisst" versuchte Semir zu scherzen, nur um seine Angst zu verbergen.


    Nathalie sah zu dem brennenden Wagen. "Das war der Erste." sagte sie zufrieden. Sie ließ den Motor an und fuhr weg. Kranich wird sich bestimmt bald erinnern. Es wird nicht lange dauern. Sie dachte an Zons. Tränen schossen ihr in die Augen. Es war mehr als nur eine dienstliche Partnerschaft. Sie ertappte sich dabei, wie sie sich wünschte die Zeit zurück drehen zu können. Wie gern hätte sie gesagt, dass sie Zons liebte. Sie wischte sich die Träne weg. Nachdem sie ihre Verletzungen überstanden hatte und aus dem Koma erwachte sagte der Arzt ihr, das Zons erschossen wurde. Von ihrem Vorgesetzten wurde sie unterrichtet, das Kowaljev ihn erschossen hatte, als er als Tom Kranich Semir Gerkhan retten wollte. "Du verdammter Idiot. Der Trick klappt doch nur einmal" sagte sie leise zu sich. Aber sie schwor Rache an die, die noch dahinter stecken. Sie wollte Kranich und Gerkhan, die die einzigen waren, denen es zuzutrauen ist, den Fall erst dann als erledigt anzusehen, wenn es alle darin verwickelten Personen erwischt hat. Sie würde tatkräftig nachhelfen.


    Herrhausen machte den Fernseher an. Er wollte die Nachrichten sehen. In einer Berichterstattung sah er einen Wagen in Flammen stehen. Das war eigentlich nicht ungewöhnlich, aber dann sah er den Wagen in Großaufnahme. Er machte den Ton lauter ".... der Fahrer war sofort tot. Die Polizei vermutet einen Sprengsatz der gezündet wurde. Wer der Täter ist, wollte oder konnte die Polizei noch nicht sagen. Und nun das Wetter..." Herrhausen sah wie entgeistert auf den Fernseher. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Das war der Wagen von Schmidke

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  • Am nächsten Morgen war Anna Engelhardt schon früh im Büro und zitierte Tom und Semir zu sich. Sie selber hatte von dem Zwischenfall gestern Abend zuerst in den Nachrichten erfahren und kurz darauf einen Anruf vom Polizeipräsidenten bekommen, das ein LKA-Beamter, genauer der Partner von Johanna das Opfer war.


    Als Tom und Semir das Büro betraten und Johanna bei der Chefin sahen, ahnten sie nichts gutes.


    Anna Engelhardt sah die beiden streng an und tippte mit der Kugelschreiberspitze auf den Tisch herum.
    "Warum erfahre ich nicht auf dem dirketen Weg, dass Sie einen Zusammenhang zwischen dem Unfall auf der Autobahn und dem Fall mit Kowaljev sehen?"
    Sie sahen sich an und suchten nach einer Erklärung, aber ihre Chefin winkte ab.
    "Sparen Sie sich die Erklärungen...ich bin unterrichtet..."
    Johanna zuckte entschuldigend mit den Schultern.
    "Der Tote war Schmidtke, Johannas Kollege..."
    "Was hatte er gegenüber der Past zu suchen?" fragte Semir. So langsam glaubte er auch, dass Tom mit seiner Vermutung recht hatte. Aber Anna sah das wohl anders.
    "Hören Sie, ich kann ja verstehen, dass Sie ein wenig nervös sind nach den letzten Ereignissen und sofort ein Verbrechen wittern...aber lassen Sie das nicht zu sehr auf ihre Arbeit auswirken..."
    Das war an Tom gerichtet. Er kniff seine Lippen zusammen und rang nach einer Antwort. Doch ehe er etwas sagen konnte, kam ihm Semir zu Hilfe.
    "Chefin, was wenn da doch etwas mehr dahinter steckt, als ein Unfall oder Zufall...der Anruf..."
    "Was für ein Anruf?" Anna wurde hellhörig, dann erzählte Tom von dem Anruf, der direkt nach der Explosion kam. Anna lehnte sich zurück, sah auf den Schreibtisch, dann schweifte ihr Blick zu Johanna, Tom und Semir.
    "Ok...Sie ermitteln zusammen, alle drei, aber nur im Rahmen des Unfallhergangs...keine Verschwörungstheorien...ich will einen Bericht und klare Beweise..." Sie sah die drei an, die dann umgehend das Büro verließen um sich an die Arbeit zu machen.



    von Herrhausen saß in seinem Büro und blickte ungläubig auf den kleinen Bericht, in dem von dem tragischen Tod des LKA-Beamten zu lesen war. Er warf das Blatt dann frustriert in die Ecke und rieb sich das Kinn. Ihm gefiel die Entwicklung nicht und auch nicht, dass ihm jemand in die Suppe zu spucken schien. Er überlegte. Im Moment waren ihm die Hände gebunden, er war blind ohne seinen LKA-Kontakt. Nun war guter Rat teuer und griff zu seinem kleinen schwarzen Buch...ein guter Freund fiel ihm ein - zuverlässig und Eiswasser statt Blut in den Adern.

  • Johanna sah von Semir zu Tom. "Jungs... ihr wißt genau, dass es sehr gefährlich wird, wenn wir wieder den Fall aufrollen. Ich meine... wenn da wirklich mehr dahinter steckt. Dieser Schmitke... war vielleicht nur auf der Abschussliste eines Verbrechers." Tom nickte "Schon möglich Johanna. Aber warum dann dieser Anruf. Es war definitiv eine Frau." "Oder aber ein Stimmverzehrer. Ich meine es wäre nicht unmöglich, oder?" Semir sah zu Tom. "Nee... dafür klang die Stimme zu natürlich. Das war eine Frau. Aber wer? Ich zermartere mir den Kopf, aber es fällt mir einfach nicht ein." "Tja... dann müssen wir uns Akte für Akte vornehmen. Du bist aber schon sicher, dass die Stimme mit diesem Fall zusammenhängt oder?" Tom nickte. "Ja bestimmt."


    Nathalie fuhr nach Hause. Sie sah in der Wohnung auf die Bilder die auf ihrem Kamin standen. Sie zeigten Lars und sie während ihrer Dienstzeit und auch in Privaten Lagen. Keiner auf der Dienststelle wußten, dass beide auch privat zusammen waren. Nur sie und Lars. Ein Träne rollte die Wange runter. "Verdammt Lars... warum hast du mich verlassen. Warum? Ich wollte Kinder von dir haben...." Sie weinte leise.

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  • Tom, Semir und Johanna verabschiedeten sich, um erst einmal ihren normalen Dienst anzutreten, nicht aber ohne sich abzusprechen, dass Johanna sich um Schmidtkes Vergangenheit und Personalakte kümmern und Tom und Semir in der KTU und Pathologie vorbeifahren würden.
    Jeder von ihnen hoffte inständig, dass die letzten Ereignisse nur Zufälle waren und nichts mit ihnen oder Kovaljew zu tun hatten, dennoch beschlich sie ein ungutes Gefühl, was aber jeder für sich behielt.



    Herrhausen kurvte mit seiner schweren Limousine über das obere Parkdeck. Obwohl reger Reiseverkehr herschte, war dieser Teil völlig leer. Er hielt und rangierte in eine Parkbucht. Nachdem er den Motor abgestellt hatte, wartete er. Sie würde sicher gleich kommen. Sie kannten sich seit Jahren, auch wenn sich inzwischen ihre Wege beruflich getrennt hatten, so standen sie immer noch im engen Kontakt zueinander. Nie hatte sich eine Liebelei ergeben, was sie verband, war eine tiefe Freundschaft und gewisse gemeinsame Interessen. Herrhausens Freundin hasste den Trubel, sie wollte unerkannt bleiben, damit sie besser arbeiten konnte. Daher verabredeten sie sich hier auf diesem einsamen Parkdeck.
    Dann entdeckte er im Rückspiegel eine schlanke große Frau mit weißblonden Haaren. Sie trug dunkle sportliche Kleidung und hatte eine Reisetasche bei sich. Sie wirkte wie jeder andere Reisende und wäre in der Menge nicht aufgefallen. Auch Herrhausen hätte sie fast nicht erkannt, obwohl ihr letztes Treffen erst sechs Monate zurücklag. Die Frau öffnte die rückwärtige Tür und warf die Tasche auf die Rückbank, dann stieg sie auf der Beifahrerseite ein.
    Herrhausen musterte die Frau und reichte ihr dann zur Begrüßung die Hand.
    "Renée...schön, dass Du es so kurzfristig einrichten konnstest..."
    Renée nickte und sah sich dann fast schon nervös um. Auch wenn sie hier völlig alleine waren, so war ihr dieser Platz schon zu öffentlich.
    "Lass uns fahren...reden können wir später", meinte sie nur kurz. Herrhausen nickte und zog aus dem Seitenfach einen großen braunen Umschlag, den er Renée gab. "Hier, dass ist der Grund, warum ich Dich brauche..." Dann startete er den Wagen und verließ das Parkhaus, um auf den kürzesten Weg zu seiner Villa zu kommen.
    Während der Fahrt sah Renée die Unterlagen durch: Bilder, Untersuchungsberichte, diverse Zeitungsartikel.
    Als sie auf ein Gruppenfoto mit Tom, Semir und Johanna stieß, fragte sie: "Ich soll die drei beseitigen?"
    "Nein, erst nur beobachten und herausfinden, was sie wissen und vorhaben. Und warum mein Kontaktmann im LKA ermordet wurde. Ich fürchte, da gibt es noch eine vierte Person..."
    Renée nickte und schob die Dokumente wieder in den Umschlag zurück.



    Später an diesem Tag fuhr Nathalie zum LKA. Auch wenn sie nur beurlaubt war und dort jederzeit Zutritt hatte, so wollte sie es doch vermeiden. Sie fürchtete nach wie vor jede Konfrontation mit den Kolleginnen, vor allem aber mit Johanna. Der Schmerz saß schon tief genug, sie wollte im Moment niemanden, der ihr salbungsvolle Nettigkeiten verpasste.
    Sie parkte etwas abseits und holte ihren Laptop heraus. Sie war kein Profihacker, aber ihr Wissen reichte, um sich unerkannt ins Netz des LKA zu schmuggeln. Nach nur wenigen Minuten hatte sie die gewünschte Datenbank, die von Schmidtke. Sie lud sich alle notwendigen Dateien runter, um sie später auszuwerten, denn auch wenn sie sich über einen fremden Internetanschluss Zugang verschafft hatte, so wollte sie kein unnötiges Risiko eingehen.

  • Johanna stand in Schmiktes Büro. Sie sah sich am Schreibtisch um. Die Akten, die er bearbeitet hatte lagen immer noch auf dem Schreibtisch. Johanna nahm sich eine Akte nach der Anderen. „Das ist doch nicht auszuhalten. Hat der Kerl überhaupt keine Ordnung gehalten?“ stöhnte sie, als sie die erste Akte sah. Die Blätter lagen durcheinander, waren nicht gelocht. „Dann werde ich die Dinger mal mit zu mir nehmen und ordentlich abheften. In meiner Freizeit hab ich ja nichs besseres zu tun.“ murmelte sie vor sich hin. Sie nahm den Haufen der Akten und schichtete ihn auf. Nun brauchte sie nur noch etwas wo sie es reintun konnte und alles direkt ins Büro zu bringen, ohne drei Mal zu laufen. Sie sah eine kleine Aktentasche. „Na die reicht zwar nicht, aber besser als gar nichts. Sie öffnete die Tasche und war erstaunt, dass sie doch größer war, als sie den Anschein hatte. Dann fing sie an die Akten hinein zu tun. Bei der dritten Akte merkte sie, dass sich eine Akte verkantete. Sie griff mit der zweiten Hand hinein. Irgendwas schien mit der Akte verharkt. Sie zog das Etwas heraus und hielt ein kleines Notizbuch in der Hand. „Hey…. Das ist ja interessant.“ Sie nahm das Büchlein und verließ den Raum ohne die Akten. In ihrem Büro sah die das Buch durch. Sie staunte nicht schlecht. „Das ist ja interessant.“ murmelte sie weiter. Sie griff zum Handy und rief Semir an. „Hallo Semir… Johanna hier. Hör mal… ich hab mich im Büro von Schmitke umgesehen und was sehr interessantens gefunden. Könnte ich damit zu euch kommen? Ich meine jetzt?“ „Ja sicher… wir warten auf dich.“ Johanna beendete das Gespräch und fuhr los.


    „Hier… sieh mal. Herrhausen… immer wieder dieser Name.“ Sagte sie nur wenig später im Büro von Tom und Semir. Semir sah Tom an. „Kennst du den Namen?“ fragte er. Tom sah ihn an. „Nee… der sagt mir gar nichts…. Herrhausen…. Klingt ziemlich reich, nicht?“ Semir lachte. „Tom…. wenn man am Namen den Reichtum erkennt, dann kannst du lange warten bis…“ er stockte. „Ja ich weiß… es gibt keinen reichen Kranich, genauso wenig wie einen reichen Gerkhan.“ gab Tom zurück. Johanna sah von einem zum Anderen und schüttelte nur den Kopf.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Semir sah zu Johanna und runzelte die Stirn: "Sag mal, ihr ward doch Partner, hat Schmidtke sich irgendwie oder irgendewann mal auffällig oder merkwürdig verhalten?" Johanna überlegte und schüttelte dann verneinend den Kopf.
    "Gut, wir können hier jetzt weiter überlgen oder wir machen Nägel mit Köpfen und suchen diesen Herrhausen auf...Petra soll uns mal die Adresse von ihm raussuchen." Tom war schon im Begriff, das Büro zu verlassen, als Johanna ihn aufhielt und mit einem Zettel wedelte. Tom zuckte die Schulter und verdrehte leicht die Augen, als er mit einem gemurmelten Danke die Adresse entgegenahm und sich dann in Richtung Parkplatz aufmachte.
    "Kommst Du mit?" fragte Semir Johanna.
    "Nein, ich muss wieder zurück ins Büro, dort liegen noch jede Menge Akten, die abgearbeitet werden müssen. LKA ist eben nicht so spannend wie die Autobahnpolizei." Sie lächelte Semir an und machte sich dann auch auf den Weg.
    Draußen begegnete sie dann noch Tom, der schon ungeduldig am BMW lehnte. "Na Oppa, wird´s denn heute noch mal etwas?" neckte er seinen Partner, doch dieser winkte nur ab. Johanna verabschiedete sich kurz, um sich dann auf den Weg zurück zum LKA zu machen. Als sie sich auf die Autobahn einfädelte, fiel ihr ein Wagen auf, der am Seitenrand stand. Aber weniger der Wagen, sondern die Insassin erregte ihre Aufmerksamkeit. `Das kann doch nicht sein`, schoss es ihr durch den Kopf, aber dann verdrängte sie den Gedanken, denn im Moment hatte sie andere Probleme.



    Etwas später standen Semir und Tom vor Herrhausens Villa. Sie stiegen aus und verschafften sich einen kurzen Überblick über das Anwesen. Sie sahen sich an und jeder fragte sich, ob man mit so viel Reichtum glücklich werden konnte.
    Dann klingelten sie an der Haustür. Nach wenigen Momenten wurden sie von einer Hausangestellten in einen große Salon geführt, der eher wie eine Sammlung von Antiquitäten wirkte. Tom und Semir waren so in ihren Gedanken vertieft, dass sie von Herrhausens tiefer Stimme aufgeschreckt wurden.
    "Guten Tag, meine Herren...was kann ich für Sie tun?"
    Tom fand als erster seine Stimme wieder und stellte sich und dann Semir vor.
    "Hm, wir ermitteln in einem Mordfall..." begann Tom. Herrhausen sah die beiden Kommissare prüfend an. Nun würde sich zeigen, was sie wussten oder auch nicht. Renée hörte alles von einem geheimen Nebenzimmer mit.
    "Kennen oder kannten Sie einen Kommissar Schmidtke vom LKA?" fragte Semir.
    Herrhausen kratzte sich am Hinterkopf und überlegte, welche Anwort am unverfängstlichen sein könnte.
    "Wissen Sie, ich habe mit vielen Leuten zu tun...tut mir leid, da muss ich passen..."
    Tom und Semir sahen sich vielsagend an. Sie ahnten, dass er log, aber wie sollten sie ihm das beweise und noch viel mehr drängte sie die Frage, was hatten die beiden verbunden.
    "Was machen Sie denn beruflich, dass sich nicht einmal an einen Beamten des LKA erinnern?" hakte Semir nach.
    Herrhausen hob die Arme: "Tja, wissen Sie, ich bin im Ex- und Import tätig, viel auf Reisen, viele Kontakte...das verstehen Sie doch sicher."
    Dann holte Semir ein Bild des toten LKW-Fahrer heraus und zeigte es Herrhausen, in der Hoffnung, eine Regung von ihm zu bekommen, aber Herrhausen blieb kühl. Nun begann Tom, die Befragung fortzusetzen und ging auf Details aus dem schwarzen Buch ein.



    Nathalie war den ganzen Weg dem BMW gefolgt, immer auf Sichtweite. Die Akten hatten nicht viele Hinweise gebracht, aber sie vermutete, dass die beiden sie irgendwann ans Ziel führen würden. Und scheinbar hatte sie recht behalten, als beide in einem noblen Viertel vor einer Villa hielten und das Haus betraten. Nathalie holte ihr kleines Fernglas hervor und beobachtete das Gespräch, sie sah die beiden Kommissare und einen vornehm gekleideten Mann. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt den drei Männern, dass sie nicht bemerkte, wie sie ebenfalls aus einem kleinen Fenster aus beobachtet wurde.
    Nathalie legte das Fernglas zur Seite, stieg mit einer Tasche aus und bezog hinter der Kühlerhaube ihres Autos Position, wo sie ihr Präzsionsgewähr zusammenbaute. Nun beobachtete sie durch das Zielfernrohr die Situation. Ihr Blick wanderte von Tom zu Semir und endete schließlich auf den Mann im Anzug.
    Ihr Finger spannte sich um den Abzug. Ihre Gedanken rasten, und sie dachte an Lars, bevor die todbringende Kugel sich ihren Weg durch das Fenster bahnte...