Hochverrat - Die Angst im Nacken

  • Hallo Zusammen


    Mein neuer Job hat Pendlerzeit mitgebracht. Somit begleitet mich mein schwarzes Notizbuch überall hin. :)
    Aus diesem Grund kann ich euch die Fortsetzung zu "Hochverrat" und "Ausflug mit Hindernissen" vorstellen. Sollte es mal zu Verzögerungen beim Kapitel hochladen kommen, entschuldige ich mich bereits im Voraus, aufgrund meines neuen Jobs und den langen Pendlerzeiten kann es dazu kommen, dass ich an einem Abend nicht zu meinem Laptop komme. Ich versuche es aber täglich zu schaffen :)


    LG
    Jenni


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    Er hörte nur die leisen Stimmen. Sie klangen wie das bekannte Flüstern im Klassenzimmer. Er hatte es steht's das "Der-Lehrer-kriegt-es-eh-nicht-mit"-Flüstern genannt.


    Inzwischen wusste er, dass er und seine Klassenkameraden sich damals geirrt hatten. Der Lehrer hatte das Flüstern immer gehört gehabt, so wie er auch die fremden Stimmen hörte, die sich ihm näherten.


    "Zieht ihn da raus!"
    "Oh Gott, seine Schulter!"
    "Löscht sofort die Flammen!"
    "Die Feuerwehr und einen Krankenwagen, schnell!"
    "Hey..."


    Diese Stimme. Er kannte sie aus alten Tonaufnahmen und verblassten Erinnerungen. Doch das konnte nicht sein. Diese Stimme war weit weg! Fern aus der Heimat!


    "Ich bringe ihn dir zurück, versprochen!"


    Wie? Wer brachte diese Stimme zurück?


    Alles wirkte wie ein schlechter Traum! Die Stimmen, die Hitze, der Schmerz; alles wirkte wie ein schlecht gespielter Film. Jedoch konnte er nicht aufstehen und den Fernseher ausmachen. Sein Körper war wie gelähmt. Keiner seiner Glieder bewegte sich. Nur seine Pupillen wechselten die Richtung, als sie von einem grellen Licht geblendet wurden.


    "Können Sie mich hören?"


    Er wollte antworten, doch er konnte nicht. Seine Stimmbänder brannten wie Feuer und erzeugten leinen, einzigen Ton.


    "Kochsalzlösung und Penicilin vorbereiten! Sofort auf die Trage und ins Krankenhaus mit ihm! Wahrscheinlich steht er unter Schock!"


    Wenn diese fremde Stimme unter dem Wort "Schock" verstand, dass man seinen Körper nicht mehr spüren konnte und alles wie ein Super-8-Film wirkte, dann hatte sie vollkommen Recht.


    Er war seiner Sinne nämlich nicht mehr Herr. Allen Anschein nach, war er zwar der Hauptprogatonist in dieser Sache, doch fühlte er sich eher wie ein stiller Beobachter; der zwar die Situation begutachtete. aber keinen Einfluss in die Handlung hatte.


    Doch der Film begann zu reissen. Die Stimmen wurden leiser und das Bild verschwamm.


    "Hey, nicht einschlafen! Bei uns bleiben!"


    Leichter gesagt als getan. Die Augenlider waren schwer und die erlösende Schwärze kam immer näher. Sie rief nach ihm. Flehte, zu ihm zu kommen und wirkte dabei so freundlich. Wieso sollte er nicht darauf hören?


    "Hey! Bei mir bleiben! Sie müssen uns sagen, was mit Ihrem Beifahrer ist!"


    Beifahrer? Erneut öffneten sich seine Augen und seine Hände griffen nach etwas weichem, dass in rauem Stoff verpackt war.


    Er hörte sein eigenes, lautes Brüllen. Es klang panisch und verzweifelt. Anscheinend hatte sein Körper bereits realisiert was los war, bevor sein Kopf auf dessen Stand war.


    "Das bringt nichts, Kalle! Er steht komplett unter Schock! Wir müssen sofort los!"
    "Marienhospital?"
    "Ja funk dort an, dort ist es am Nächsten!"
    "Alles klar, verstanden!"


    Er spürte einen sanften Windhauch auf seiner Wange. Es begann nach billigem Minzkaugummi und Cola zu riechen.


    Erneut wurde er geblendet, doch dieses Mal nicht so stark. Das Leuchten war stark abgeschwächt.


    "Gib der Zentrale durch, dass ein Autolenker vermisst wird. Laut Zeugen, türkischer Abstammung! Ende 40, kleinere Statur. Und sag den Kollegen, sie sollen die persönlichen Gegenstände sichern, die noch gerettet werden konnten!"
    "Wird erledigt"


    "Semir...", hörte er seine eigene Stimme flüstern. Die war kaum noch hörbar und doch, näherte sich wieder der Windhauch aus Minze und Cola. "Was?"



    "Sein Name...Semir...Gerkhan..."

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Hallo Zusammen


    Ich entschuldige mich für die Verspätung. Aber das vorgewarnte ist eingetreten. Ich hoffe, bei der Arbeit beruhigt sich nun alles und ich kann regelmässiger posten :)
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    „Morgen!“, sang Johanna „Joshi“ Schimke vergnügt und stellte, unter den großen Augen von Susanne, einen großen Korb auf den Schreibtisch der Kriminalbeamtin aus dem es lecker nach Zimt und Apfel roch.
    „Meine Güte, was hast du denn da alles angeschleppt?“, lachte Susanne amüsiert.
    „Überreste aus dem Kampfbacken mit Andrea und den Kindern. Ich hatte Ihnen ja geholfen, die Süßigkeiten für die Geburtstagsfeier von Andreas Mutter vorzubereiten!“, erklärte Joshi und Susanne nickte. „Stimmt, Andrea hatte mir noch etwas davon erzählt. Wahrscheinlich sind die Gerkhan-Frauen schon auf den Weg dahin. Andrea sagte, sie wollten um sieben los. Wie hat sich Dana eigentlich angestellt?“
    Joshi zuckte mit den Achseln. „Du, eigentlich super. Laut Andrea, hatte sie ohne zu zögern zugesagt als Andrea sie gefragt hatte. Und beim Backen gestern war sie unsere fleißige Dekorateurin mit dem Zuckerguss. Und hat alles mit Andrea geplant.“, antwortete sie. „Nun ja, vielleicht lebt sie sich nun immer mehr ein und sieht Andrea als Ihre Stiefmutter an.“
    „Zu wünschen wär’s den Beiden“, murmelte Joshi und blickte Susanne verwirrt an, als diese breit zu grinsen begann und aufstand.
    „Ich fass es nicht!“, lachte sie und Joshi folgte Susannes Blick.
    Sie sah einen Mann Mitte 30 mit eisblauen Augen, kurz geschnittenem Haar und sportlicher Statur.
    „Alex!“ Susanne ging auf den Man zu und umarmte ihn.
    „Das gibt’s nicht! Wie geht’s dir denn?“
    „Gut, danke der Nachfrage. Und dir? Was ist es denn nun geworden?“
    „Ein kleiner Frederick. Aber er ist gerade bei Hartmut, wo Joshi gleich...apropos: Alex, darf ich dir Johanna „Joshi“, Hartmuts neue Assistentin vorstellen? Joshi, das ist Alex Brandt. Semirs früherer Partner vor Paul. Du hast sicherlich schon von ihm gehört.“ Joshi streckte ihre Hand aus und schüttelte die von Alex. „Freut mich“, sagte er mit einem warmen Lächeln. „Ebenso. Habe wirklich viel von dir gehört, da kann ich Susanne nur recht geben!“


    „Nur Gutes, hoffe ich!“, scherzte Alex und sah sich um. „Semir ist noch nicht da?“ Susanne schenkte der Uhr an der Wand kurz einen Blick. „Er und Paul hatten Nachtschicht. Sie sollten bald eintrudeln“, antwortete Susanne und nickte nach hinten. „Aber du kannst ja schon Mal zwei Anderen Hallo sagen!“
    „Alex!“ Jennys Stimme war kaum erklungen, schon hatte sie ihre Arme um Alex geschwungen. Hinter ihnen kam Kim Krüger hervor.
    „Brandt, schön Sie zu sehen!“ Auch sie schenkte Semirs ehemaligen Partner, eine Umarmung. „Schön, auch Sie wieder zu sehen, Chefin!“
    „Was führt Sie denn in die Gegend?“, fragte Kim neugierig nach. „Eigentlich nichts, besonderes! Ich musste noch ein paar bürokratische Dinge wegen meinem Wohncontainer machen. Da dachte ich, ich schaue doch mal vorbei!“
    Kim nickte zufrieden.
    „Der Zeitpunkt könnte nicht passender sein. Joshi hat gerade leckeres Frühstück mitgebracht.“. fügte sich Susanne nun wieder ein und zeigte auf den Korb.
    „Vielen Dank Frau Schimke. Dorn, würden Sie...“
    „...mach ich, Chefin.“, lächelte Jenny und ging auf die Kaffeemaschine zu, nachdem sie ihre Jacke auf ihren Schreibtisch abgelegt hatte.
    „Da kann ich ja fast nicht nein sagen“, sagte Alex.
    „Auf keinen Fall...ich...“ Kim zuckte auf und zog ihr Handy aus der Hosentasche. „Entschuldigung.“ Sie nahm ab und entfernte sich von der Gruppe.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Die Pflicht schläft nie“, murmelte Susanne seufzend. „Wann tut sie das?“, erwiderte Joshi lächelnd und hob die Decke vom Korb an. „Toll, Muffins und wie das riecht! Also wenn du so eine gute Forensikerin, wie Bäckerin bist, dann muss sich Hartmut aber wirklich Sorgen machen!“, lobte Alex und bevor Joshi etwas entgegnen konnte, funkte Susanne dazwischen. „Nicht nur das, unser Neuzugang ist auch tapfer!“
    „Susanne...“, wollte Joshi sie abwürgen doch Alex unterbrach sie mit einem Händeheben. „Das möchte ich nun aber hören“, sagte er und Joshi wurde alleine schon von dem Gedanken her vor Scham rot.
    Schlimmer wurde es dann, als Susanne von allem berichtete. Die Busentführung, ihre Hilfe für Paul und ihr mutiges Da-Sein, als einer der Geiselnehmer sie fortschleifte.
    Alex Aufmerksamkeit wurde besonders hoch, als Susanne von den Ereignissen im Krankenhaus erzählte und Jenny (die inzwischen mit dem mitgebrachten Kaffee dabei war) berichtete, wie tapfer Joshi mit dem Trauma umging, nachdem sie den Haupttäter erschießen musste, um Semirs Leben zu retten.
    „Und da wirst du rot? Meinen Respekt hast du Mädchen, ganz ehrlich!“
    Joshi sah Alex an. „Ach was, du hast, vom Hören und Sagen her, mehr durchgemacht“, spielte Johanne die Sache herunter. Jenny seufzte und gab Joshi eine sanfte Kopfnuss. „Man tu nicht so, als wäre das wie ein normaler Gang zum Supermarkt gewesen“, stöhnte sie und grinste, als Joshi sie mit einem verdatterten Gesicht ansah.


    Alle drehten sich um, als Kim auf die Gruppe zukam. Sie hatte noch immer ihr Handy in der Hand und eine waagerechte Falte hatte sich auf der Stirn gebildet. „Alles klar, Frau Krüger?“, fragte Joshi besorgt und als Kim nicht antwortete, wurde die Stimmung deutlich dicker. „Frau Krüger?“, fragte nun Alex nach und dies schien Kim aus der Trance zu holen. „Ähm...“, begann sie und räusperte sich und setzte wieder ihre bekannte, kühle Maske auf.
    „Renner und Gerkhan...hatten einen Unfall...“, sagte sie langsam und die Stimmung war nun deutlich verwirrt. „Äh, Chefin, wann haben die Beiden das nicht?“, versuchte Susanne zu scherzen, doch als sie Kims ernstes Gesicht sah, verstummte sie.
    „Wie geht es Ihnen?“, fragte Joshi besorgt. „Renner wurde gerade operiert...Er hat eine schwere Verbrennung an der Schulter und mehrere, leichtere Verletzungen sowie eine Rauchvergiftung...“
    „Und Semir?“, drängte Alex weiter und Kims Maske, bröckelte wieder ein wenig. Sie atmete tief durch. „Von Gerkhan fehlt jede Spur...“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Ach du Scheisse...“, murmelte Joshi und Jenny packte sofort ihre Jacke. „Ich fahre sofort zum Unfallort!“, verkündete sie.
    „Ich komme mit!“, sagte Alex augenblicklich. „Haben Sie Ihren Dienstausweis dabei?“ Alex nickte auf Kims Frage. „Fragen Sie einen Kollegen für eine Waffe. Und vielen Dank!“ Alex winkte ab und rannte mit Jenny aus der PAST.
    „Gut...Frau König...“
    „Ich halte hier die Stellung!“, funkte Susanne Kim ins Wort.
    Joshi währenddessen, zuckte als ihr Handy klingelte. Sie nahm es aus der Jackentasche hervor und blickte auf den Display. „Pauls Vater...“, murmelte sie und unter den verwunderten Blicken aller, nahm sie ab.
    „Herr Renner! Ja...ja...ich...ja uns wurde schon Bescheid gegeben. Ja...verstehe...wir sind schon unterwegs. Pauls Chefin und ich, genau! Bis später, halten Sie die Ohren steif!“
    Mit einem Seufzen hängte sie ab. „Ich helfe beim Restaurieren des alten Wagens der Beiden!“, erklärte Joshi sofort. „Gut...also...gehen wir!“, bestimmte Kim und nachdem sie Susanne versichert hatte, dass sie informiert werden würde, verließen Kim und Joshi ebenfalls das Revier.
    Die beiden Frauen entschlossen sich, mit Joshis Mini Cooper GT zum Marienkrankenhaus zu fahren. Joshi hörte, wie Kim tief durchatmete. „Geht’s?“, fragte sie besorgt und Kim sah sie ertappt an. „Ja...“, antwortete die Chefin knapp.
    „Sie helfen also bei den Renners aus, ja? Den alten Wagen zu restaurieren?“ Johanna nickte und bog in die Einfahrt zur Autobahn. „Und wirklich nur dabei?“ Joshi wusste sofort, worauf Kim anspielte.
    „Hat Paul es Ihnen gesagt?“
    „Ja...falls was passieren würde. Auf Gerkhans Wunsch hin...“
    „Wie Sie ja wissen, ist mein Vater Arzt. Paul gefiel es nicht, wie der Hausarzt der Renners mit der angehenden Demenz umging. Papa bot sich sofort an, als ich ihm von Pauls Sorge erzählt hatte.“
    Kim nickte verstanden. „Deshalb hat Herr Renner Ihre Nummer!“ Johanna lächelte traurig. „Das und weil ich wirklich bei der Restaurierung des Wagens helfe!“, entgegnete sie und verliess die Autobahn. Sie fuhr in die Einfahrt des Parkhauses und parkte direkt beim Durchgang zum Krankenhaus, wo bereits Pauls Vater stand.



    „Johanna, Gott sein Dank...und...“
    „Kim Krüger, Herr Renner. Ich bin Pauls Chefin!“, stellte Kim sich vor und man gab sich die Hand. „Ich habe den Anruf von einer Stunde gekriegt. Bin sofort hier her gefahren. Laut den Ärzten muss man Haut auf die Schulter transplantieren. Außerdem hat er mehrere Prellungen, eine leichte Gehirnerschütterung und zwei gebrochene Rippen. Ganz zu Schweigen von der Rauchvergiftung. Mein armer Junge...“ Renners Kopf schoss nach kurzer Zeit augenblicklich hoch. „Semir, was ist mit Pauls Partner?“
    „Unsere Kollegen tuen alles, um ihn zu finden. Er war am Unfallort nicht zu finden. Wir hoffen auch, dass Ihr Sohn uns mehr Informationen geben kann!“
    Renner stutzte. „Nun ja...er wirkt sehr verwirrt. Und glauben Sie mir, wenn ich das sage...“ Kim und Johanna schluckten.
    „Können wir trotzdem?“ Renner nickte auf Johannas Frage. „Sicherlich antwortete er und ging mit ihnen ins Gebäude.
    „Moment“, murmelte Renner als sie im Eingangsbereich waren und nahm einen Zettel aus der abgetragenen Jackentasche. „Da, genau! Zimmer 105. Er wurde gerade vom Aufwachraum dort hingebracht!“
    Sie gingen gemeinsam in den Aufzug in Richtung des Stockes.
    Kim fiel dabei auf, wie Johanna an einem selbstgemachten Armband herumzupfte. „Von Aida und Lilli?“, fragte sie und Johanna nickte. „Krankenhäuser sind mir seit diesem Vorfall...nun ja....hilft mir die Nervosität in den Griff zu kriegen.“, erklärte sie.
    „Du bist wirklich ein tapferes Mädchen...Paul hat mir davon erzählt. Meinen Respekt“, lobte Herr Renner und Johanna schluckte. „Danke...“, tat Johanna die Sache schnell ab.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

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  • Sie atmete tief durch, als der Fahrstuhl mit einem lauten „Ping“ seine Tore öffnete.
    Sie liefen den langen Gang entlang und eine Mutter mit einem weinenden Kind kam Ihnen entgegen. Immer wieder, schrie es nach seinem Vater und versuchte, sich von der Mutter loszureißen. Nachdenklich blieb das Trio stehen.
    „Semir hat auch Kinder...oder?“ Kim atmete auf Renners Frage tief durch. „3 Mädchen...die bei der Großmutter sind und glauben, die Welt sein in Ordnung“, fügte sie ihrer Geste hinzu. „Hoffentlich lebt er noch...er ist ein so guter Mensch. So jemand wie er, verdient den Tod nicht. Er hat Paul zu dem gemacht, was er ist. Ein besseres Vorbild, hätte ich mir für meinen Sohn nicht vorstellen können...“
    „Er ist ein Vorbild für uns alle, Herr Renner“, begann Johanna nachdenklich, „und ich bin sicher, dass Semir noch lebt. Von ihm habe ich gelernt, auf mein Bauchgefühl zu hören. Und dieses sagt mir, dass unser türkischer Hengst noch unter uns weilt!“
    „Mir geht es genauso, Frau Schimke. Gehen wir, hoffen wir, dass uns Renner Junior doch noch weiterhelfen kann.“, lenkte Kim von der Szenerie ab und klopfte kurz an die Türe des Zimmers 105, bevor sie mit Johanna und Renner das Zimmer betrat.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Paulchen...deine Chefin und Johanna sind da“, kündigte Renner an und als die Beiden Paul erblickte, hielten sie für einen kurzen Moment die Luft an.
    Pauls Hautfarbe konnte mit der des Verbandes konkurrieren, der um seine freigelegte Schulter gebunden worden war. An gewissen Stellen war an der Haut, die unter dem Verband zu sehen war, eine Rötung zu erkennen. Ein deutliches Zeichen der Verbrennung.
    An seiner Stirn klebte ein großes Pflaster und die linke Hand war ebenfalls verbunden. Die von der Rauchvergiftung geplagte Lunge wurde mit Sauerstoff aus einer Sauerstoffbrille unterstützt.
    Klebebänder hielten die Infusionen am Arm fest, die in die Kanüle in der gesunden Hand endete. Diese wurde mit einem Netzverband festgehalten.
    Pauls leicht geöffneten Augen wirkten glanzlos und matt. Seine Lippen waren farblos und wirkten wie ein schmaler Strich.
    Johanna regte sich als Erste und ging auf Paul zu. „Hey...“, begrüßte sie ihn leise und küsste ihn sanft auf die Stirn, als sie diese von den Haarsträhnen befreit hatte. Anschließend wusch sie die Spuren des feinen Lippenstiftes weg, den sie trug.
    „Hey“, erwiderte Paul heiser und erblickte in Joshis Augen Tränen, jedoch ging er nicht darauf ein da er wusste, dass dies ihr nicht weiterhelfen würde.
    „Sie haben uns einen schönen Schrecken eingejagt, Renner“, sagte Kim leise und bettete ihre Arme auf das Fußende des Bettes. „Das kann man laut sagen“, stimmte Renner seufzend zu.
    „Papa...“, stöhnte Paul und verzog kurz das Gesicht. „Langsam“, mahnte Johanna und bemerkte, wie Paul sie hilflos ansah.
    „Was...“, Paul feuchtete seine Kehle an, „Was ist überhaupt passiert?“ Kim verstand sofort und atmete tief durch. „An was können Sie sich noch erinnern?“, fragte sie und faltete ihre Hände.


    „Semir und ich hatten Nachtschicht...um sechs, begannen wir die letzte Tour...wir...wir sprachen um den Umbau von Semirs neuen Haus. Aber ab dann...“ Kim und Johanna sahen sich an. Beiden war die Enttäuschung deutlich anzusehen.
    Jedoch nahm Johanna sanft Pauls Hand und strich darüber, ohne die Kanüle zu treffen. „Ihr hattet einen Unfall...und...“ Johanna suchte nach Worten. Sie wusste, genau wie die Anderen, dass sie Paul nicht anlügen konnte. Doch wollte sie ihn auch nicht beunruhigen. Eine schwierige Situation. „Gerkhan ist verschwunden...“, sprach Kim die Tatsache direkt aus und Pauls müde Augen rissen sich beinahe ins unermessliche auf.
    „Was?“, stieß er flüsternd aus.
    „Nur Sie wurden aus den brennenden Wrack gezogen.“, antwortete Kim, „Von Gerkhan fehlt jede Spur!“
    Paul schüttelte mit dem Kopf. „Das kann nicht sein! Ich war Semir in den Wagen. Ich war mit Semir dort drin!“ Seine angeschlagene Stimme überschlug sich mehrmals. Johanna verstärkte den Griff um Pauls Hand. „Das glauben wir dir auch!“, versicherte Johanna, Paul sofort. „Das steht wirklich außer Frage. Ihre Reaktion spricht Bände!“, pflichtete Kim nun ebenfalls bei und zog ihr Handy aus der Hosentasche, als es zu vibrieren begann. „Entschuldigung“, murmelte sie und verließ das Zimmer.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

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  • „Das...“, flüsterte Paul und vergrub den Kopf tiefer in das Kissen. „Paulchen“, murmelte Herr Renner, ging auf seinen Sohn zu und legte eine Hand auf die gesunde Schulter.
    „Dich aufzuregen bringt nichts Paul. Weder dir noch Semir“, sagte Johanna leise. „Sie hat Recht. Deine Kollegen tun bestimmt schon alles, um ihn zu finden.“, versuchte auch Renner seinen Sohn zu beruhigen.
    Paul öffnete seine zusammengekniffenen Augen und atmete tief durch. „Ich kann mich an alles erinnern! An alles! Über was wir gesprochen haben, wie viele Punkte wir verteilten, unsere Pläne für den Abend. Alles. Warum erinnere ich mich nicht an den Unfall!“
    Pauls Hilflosigkeit war ihm deutlich anzumerken. Immer wieder suchte er Johannas Hand und drückte zu. Sie hingegen, strich ihm über den Arm. „Das ist vollkommen normal“, begann Johanna langsam, „wenn es dir körperlich wieder besser geht, kommen auch die Erinnerungen zurück. Das ist eine völlig gewöhnliche Reaktion nach einem Unfall wie deinem!“



    „Ich bringe ihn dir zurück, versprochen!“



    Ein stechender Schmerz fuhr Paul durch den Kopf und er griff sich sofort mit der Hand an die Stirn. „Paulchen?“, fragte Renner besorgt und beugte sich, wie Johanna, über Paul. Paul fuhr sich mit der Zunge über die blassen Lippen.
    „Da war jemand“, murmelte er leise und öffnete seine Augen wieder. Er atmete tief durch. „Was meinst du?“, fragte Johanna verwirrt nach und drückte Renner langsam zurück, „ich weiß nicht wann, oder wo...aber, da hat jemand gesagt, dass er...ich glaube Semir...mir zurückbringen würde!“ Man konnte in Pauls Mimik deutlich ansehen, dass er selbst versuchte, sich einen Reim daraus zu machen, aber jämmerlich scheiterte.
    „Paulchen...“, wollte Renner ansetzten, doch Paul funkte ihm gleich dazwischen.
    „Papa, da war jemand...ich bin mir sicher...ich...au...“ Paul beugte sich nach vorne und hielt sich die geschundene Schulter. Johanna griff langsam seine beiden Arme und drückte ihn langsam zurück.
    Sie wollte gerade etwas sagen, als die Türe aufging und Kim mit versteinerter Miene wieder das Zimmer betrat. Ihr war der Schock deutlich im Gesicht anzusehen und sie sah schwer atmend die Gruppe an.
    „Chefin, alles okay? Ist etwas mit Semir?“ Kim schüttelte langsam mit dem Kopf. „Nein...aber...das waren die Kollegen aus der Schweiz...“
    „Was wollen die denn?“, fragte Johanna verwundert und auch Paul zog eine Augenbraue hoch. „Die...nun ja...Beatrice Brun ist tot...“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Wer?“, fragten Renner und Johanna gleichzeitig, während Pauls Gesicht jegliche Farbe verlor. „Trix ist tot?“, flüsterte Paul und schüttelte fassungslos mit dem Kopf. „Sie war hier in Köln. Sie hatte mit ihrer Familie geskypt in ihrem Hotelzimmer. Sie mussten mitansehen, wie ihre Tochter mit einem Kopfschuss getötet wurde...“
    „Oh mein Gott“, flüsterte Paul und Johanna schluckte kurz. „Ich möchte nicht anmaßend erscheinen, aber was hat das mit unserer jetzigen Situation zu tun?“ Renner musste mit einem Nicken zustimmen und Kim lief auf Johanna zu und reichte ihr, ihr Smartphone. „Die Schweizer Kollegen haben uns das Video vom Chatverlauf geschickt. Sie meinen, wir müssen es uns unbedingt ansehen...Sie haben doch lange in der Schweiz gelebt Schimke. Sind Sie des Schweizerdeutschen mächtig? Und wenn ja, könnten Sie übersetzten?“
    „Ja, kann ich machen!“, antwortete Johanna blickte auf den Display. Sie setzte sich neben Paul und zeigte auch ihm das Video.
    Eine junge Frau mit braunem Haar und schelmischen Grinsen war zu sehen.
    Als Johanna auf Play drückte, bewegte sich die Frau leicht und begann zu erzählen.


    „Ja, söu ä Überraschig si. Si wüsse no nüd, aber i ha vorallem für dr türkisch Kolleg e riesigi Überraschig. Ig hoffe, es wird ihm passe...usserdäm ha i aune öppis mitbracht. Aber isch schön mau ume z’Köln zsi. Isch ja scho lang här sit i us Spass die Stadt ha bsuecht!“


    „Sie spricht von einer Überraschung für ihren türkischen Kollegen. Ich nehme an, sie meint Semir. Sie hätte für euch alle was mitgebracht und freut sich tierisch. Besonders, weil sie Köln mal wieder aus Spaß besucht...“, übersetzte Johanna und konnte mit Paul und auch den anderen, die inzwischen sich ihnen genähert hatten, beobachten, wie sich Beatrices Kopf auf einmal hob und ihre Augen sich weit aufrissen.
    „Das...was machst du denn? Lass’ den Scheiß!“, stieß sie nun auf einmal in Hochdeutsch aus und eine Hand war zu sehen, die eine silberne Pistole hielt. „Hör auf, du machst mir Angst! Nicht! Hör auf! SEMIR!“
    Ein lauter Knall war zu hören und Beatrices Kopf schoss nach hinten. Eine Fontäne aus Blut breitete sich über dem Bett aus, auf dem sie regungslos liegen blieb.
    „Oh mein Gott...“, flüsterte Johanna und hielt eine Hand vor den Mund. Renner wich zurück und blickte Kim fassungslos an, die ebenfalls mit dem Kopf schüttelte.
    „Frau Krüger. Pauls Partner ist ein guter Mensch! Sie denken doch nicht...“, stotterte er hervor und Kim versuchte, Worte zu finden, doch sie scheiterte sichtlich.
    „Semir tut so was nicht...“, murmelte Paul.
    „Ich kümmere mich sofort darum“, sagte Kim nun bestimmter und rannte sofort aus dem Zimmer.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Papa...bitte geh’ nach Hause...“, sagte Paul leise und Renner wollte sich seinem Sohn nähern, doch er war schneller.
    „Papa bitte! Geh’ zu Mama und sucht mir ein paar Kleidungen zusammen, ihr habt ja den Ersatzschlüssel zu meiner Wohnung!“
    Renner nickte.
    „Gut...aber...“
    „...ich komm’ klar Papa! Joshi ist bei mir!“ Renner verabschiedete sich mit einem Winken und verließ ebenfalls das Zimmer.
    „Paul...“
    Noch bevor Johanna reagieren konnte, hatte Paul die Infusion aus seiner Hand gezogen und richtete sich auf.
    „...BIST DU IRRE?“, zischte Johanna und Paul löste sich von der Sauerstoffbrille. „Im Schrank sind Reservekleider die mir vom Krankenhaus zur Verfügung gestellt wurde. Hol’ sie mir bitte!“ Johanna schüttelte mit dem Kopf.
    „Paul...du bist verletzt! Deine Schulter!“
    „Als Arzttochter weißt du, wie man einen Verband wechselt, oder?“
    „Ja klar aber...“
    „...na also!“
    Johanna schnaubte, ging zum Schrank und nahm die Kleidung hervor. Sie half Paul sich umzuziehen. Immer wieder verzog er das Gesicht, doch beschwerte er sich nicht. „Semir hat Beatrice nicht umgebracht. Dafür lege ich nicht nur meine Schulter, sondern mein ganzer Körper ins Feuer.“ Johanna zog den Reisverschluss des Sweaters zu und achtete darauf, nichts vom Verband einzuklemmen. Dabei zitterte ihre Hand leicht. „Verdammt, was mache ich hier eigentlich?“, zischte sie und atmete tief durch.
    Paul nahm sanft ihre Hände.
    „Joshi...ich habe Angst, dass da noch Größeres dahintersteckt, als wir glauben. Der Anschlag auf mich und Semir, dann wird eine Kollegin aus der Schweiz, mit der wir einen brisanten Fall gelöst hatten, ermordet. Und das von Semir selbst?“
    „Okay...hör zu, meine Familie und ich haben eine Gästewohnung am Ende der Stadt. Dort gehen wir hin und sammeln unsere Gedanken! Die Chefin wird wahrscheinlich ein Taxi genommen haben. Wir können also meinen Wagen nehmen!“
    Paul lächelte traurig. „Danke...“, flüsterte er und Johanna legte eine Hand auf seine gesunde Schulter und drückte leicht zu.
    „Aber wir müssen noch jemanden einweihen. Jemand der weiß, was zu tun ist!“


    Alex stand mit Jenny am Tatort und atmete tief durch, als er auf das verbrannte Wrack des silbernen BMW’s blickte.
    „Die Zeugen haben von einem grünen SUV gesprochen, der den Wagen zuerst an die Leitplanke drängte und dann zum Stürzen brachte. Der Wagen fuhr zum Wrack, zog dann wahrscheinlich Semir raus und man ließ Paul zurück, der anscheinend vor Schmerz schrie. Die Zeugen rannten zum Wrack und zogen ihn raus“, berichtete Jenny und verschränkte die Arme.
    „Wieso nur Semir?“, fragte Alex sich und Jenny zuckte mit den Achseln. „Keine Ahnung...aber ohne den mutigen Eingriff der Zeugen, wäre Paul vielleicht jetzt tot...“, erwiderte sie und zuckte auf, als ihr Handy klingelte. „Die Chefin...“ Sie nahm ab.
    „Frau Krüger?...ja...ich schalte sie auf laut!“
    Jenny nahm ihr Handy vom Ohr und hielt das Handy von ihr zwischen sich und Alex.
    „Gut. Brandt, hören Sie mich auch?“
    „Laut und deutlich!“, bestätigte Alex.
    „Die Sache hat eine unerwartete Wendung bekommen. Die schweizerischen Kollegen wollen Semir zur Fahndung rausgeben. Es wird verdächtigt, Beatrice Brun, Feldweibel bei der schweizerischen Polizei, ermordet zu haben!“
    Jenny ließ, vor Schreck ihr Handy fallen, dass Alex gerade noch auffangen konnte.
    „Beatrice...tot? Oh mein Gott...aber Chefin! Semir war das nicht!“, stieß Jenny aus und klärte danach Alex kurz auf, nachdem er sie fragend ansah.
    „Sprich, diesen Fall den ihr damals behandelt habt...zieht nun weitere Kreise. Aber warum wollen...ich meine, wie kommen die Schweizer Kollegen auf den Schluss, dass es Semir war? Ich meine...“
    „...es gibt ein Skype-Video, kurz nach seinem Verschwinden. Darauf sieht man, wie Beatrice Brun ermordet wird. Ihr letzter Satz ist eine Bitte aufzuhören. Gerichtet an Gerkhan“, antwortete Kim auf Alex Frage und Jenny schlug die Hände über den Kopf.
    „Das ist doch krank! Ich meine...nein...Chefin das ist nicht wahr!“ Alex zuckte auf, als sein Handy klingelte und gab Jenny ihres in die Hand. „’Tschuldige“, murmelte er und nahm ab.


    „Brandt?“
    „Alex? Hier Johanna Schimke. Wir haben uns heute Morgen getroffen!“ Alex erkannte die Stimme sofort und glaubte, das Rauschen eines Motors zu hören.
    „Ja...ja haben wir.“, bestätigte Alex. „Okay. Hör zu, du darfst dir nichts anmerken lassen, aber wir...wir wollen Semirs Unschuld beweisen! Paul hat sich aus dem Krankenhaus geschlichen. Mit mehr oder weniger freiwilliger Hilfe von mir. Wir werden zu einer Wohnung fahren, ich werde dir die Adresse zukommen lassen. Ich werde in der Zwischenzeit mich in die Kameras des Hotels hacken, in dem Beatrice Brun ermordet wurde...“
    „Alles klar...mache ich, vielen Dank für die Antwort!“, murmelte Alex und hängte auf.
    Er sah, wie auch Jenny aufhängte und ihn beäugte. „Geh“, formte sie mit ihren Lippen. Sie kannte solche Situationen inzwischen zu gut. Sie wusste, was für ein Telefonat es war.
    Alex nickte dankend, bekam von Jenny einen Autoschlüssel entgegengeworfen und verließ den Tatort.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Achtlos warf Johanna den Schlüssel der Gästewohnung auf das kleine Regal im Flur und zog ihre Jacke aus. Sie wartete, bis Paul die Türe hinter sich zugestossen hatte, bevor sie danach die Türe schlussendlich abschloss. Sie hing ihre Jacke auf und begab sich mit Paul in den Wohnzimmerbereich, der modern und gemütlich eingerichtet war. Ohne ein Wort zu sagen, legte sie eine Umhängetasche ab, die sie während der Fahrt zuerst bei sich abholte und dann noch in die geschlossene Praxis ihres Vaters schlich (er hatte seinen Krankenhausdienst an diesem Tage).
    Sie packte einen Laptop und das dazugehörige Equipment aus und legte eine weisse Plastiktasche auf den Esstisch.
    Seit dem Telefonat mit Alex, hatten sie und Paul kein einziges Wort mit einander gesprochen. Johanna, weil sie stinksauer war und Paul, weil er genau wusste, dass jedes einzelne, falsche Wort die junge Forensikerin zum Kochen brachte.
    Dennoch zwang ihn die Stille, sich auf seine Schmerzen zu konzentrieren und dies trieb ihn beinahe in den Wahnsinn.
    "Joshi...", begann er deshalb leise und setzte sich auf die Couch, während Johanna ihren Rücken zu ihm gekehrt hatte. Sie stützte sich an dem Esstisch ab und atmete tief durch. "...Joshi...wir sind das Semir Schuldig...ich..."
    "...das weiss ich doch Paul...", entgegnete Johanna und drehte sich zu Paul um, "ich...ich bin auch nicht wirklich sauer auf dich...ich bin sauer auf die Situation. Semir wurde schon wegen mir falsch verdächtigt und nun wieder! Der Mann hat das einfach nicht verdient! Semir würde nie einfach so töten! Niemals, nie im Leben!" Paul nickte zustimmend. "Die Schweizer Kollegen sind aber nun dieser Meinung. Schliesslich wurde nun jemand von ihnen..."
    In diesem Moment klopfte es und Johanna, sowie Paul hoben ihren Kopf. "Alex, jetzt schon?", fragte Johanna sich, löste ihre Arme von der Verschränkung und ging auf die Türe zu, sie blickte durch den Spion und wich leicht zurück.
    Sie kannte die Person nicht. "Paul...", flüsterte sie deshalb leise und Paul richtete sich unter Schmerzen auf, lief zu der Türe und blickte durch den Spion. "Ich fass' es nicht...", flüsterte er und atmete tief durch.


    "Mach die Tür auf, Joshi!" Johanna sah Paul mit aufgerissenen Augen an.
    "Was? Aber wenn..."
    "Vertrau mir!"
    Mit einem Schlucken drehte Johanna den Schlüssel und öffnete die Türe. Ein Mann sportlicher Figur und feingezeichnetem Gesicht betrat den Raum und zog die Türe hinter sich zu. Johanna wich leicht zurück und schluckte.
    "Keine Sorge, Joshi, wenn jemand vor ihm Angst haben muss, dann höchstens ich!", beruhigte Paul sie.
    "Du warst also unter den Zeugen und hast mir geholfen. Du hast mir gesagt, dass du ihn zurückholen wirst!"
    Der Mann lächelte und verschränkte die Arme. "Ja...nur leider ist die Situation ja komplizierter, wie ihr es ja mitbekommen habt! Ich weiss, was ich vor einiger Zeit getan habe, war nicht gerade prickelnd für dich, aber ich hoffte, ich könnte helfen..."
    Paul hielt sich die verletzte Schulter. "Wenn du da bist, kann es ja nur eins bedeuten. Es hat wirklich mit der Sache von damals zu tun!" Der Mann nickte. "Ja. Leider. Dachte auch, die Sache wäre geklärt. Und ja, sorry nochmals wegen damals...ich hoffe..."
    "...keine Sorge. Aber wenn du es nochmals versucht, hau ich dir eine! Die Tour vom letzten Mal war schon schlimm genug! Ich hoffe du hast deine Lektion gelernt, Jäger!"
    Ben lächelte traurig und versteckte seine Hände in den Hosentaschen. "Ich denke schon, Renner!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

    Edited once, last by jenni ().

  • "Wie...Jäger, wie in...Ben Jäger?", fragte Joshi nach und Ben nickte. "Hartmut hat mir viel von dir erzählt." Ben blickte fragend zu Paul der verstand. "Johanna "Joshi" Schimke. Sie ist Hartmuts neue Assistentin in der KTU. Und hilft mir gerade bei dieser Scheisse hier!"

    "Okay. Freut mich. Wünschte, die Umstände wären erfreulicher", entgegnete Ben knapp. Johanna nickte nur mit einem Seufzen und wies auf die Couch. "Setzt euch und bringt euch bitte nicht um", murmelte sie und nahm aus den Kühlschrank eine Flasche Cola sowieso eine Flasche mit Wasser hervor. Sie stellte die Sachen auf den Tisch.
    "Habt ihr schon einen Plan, wie ihr vorgehen wollt?", fragte Ben und als Joshi die Dinge abgestellt hatte, nahm sie ihren Laptop hervor und nickte. "Joshi hackt sich in die Kameras des Hotels. Dieses ist bekannt, jedes Zimmer zu überwachen, da auch Diplomaten und Politiker dort residieren.", erklärte Paul und Ben nickte. "Okay. Wen habt ihr alles involviert?" Johanna zog eine Augenbraue hoch. "Eigentlich nur deinen Nachfolger, Alex. Aber nun bist du auch dabei!", bemerkte sie knapp. "Gut. Dann mach, was du tun wolltest, ich bin eigentlich gar nicht da", murmelte Ben und ging gar nicht auf Johannas Aussage ein.
    Johanna selbst, seufzte bloss, setzte sich auf den knallgelben Sessel und schaltete ihren Laptop an. Ohne ein Wort zu sagen, begann sie ihre Arbeit und achtete dabei nicht auf Ben und Paul. Ben, der ebenfalls in einem Sessel sass, blickte auf Paul, der auf der Couch sass und sichtlich mit Schmerzen zu kämpfen hatte.
    Ben wollte gerade was sagen, als es an der Tür erneut klopfte. Johanna wollte aufstehen, doch Paul hielt sie mit einer Handbewegung ab und ging selbst. Er blickte kurz durch den Türspion und erblickte Alex, den er von Fotos kannte. Er öffnete die Tür und zwei eisblaue Augen, sahen ihn an.


    "Paul, nehme ich an", sagte er direkt und Paul nickte. "Ich schüttle dir die Hand nicht, sieht schmerzvoll genug aus!" Der Blonde lächelte traurig und liess Alex hinein, der sofort verharren blieb, als er Ben sah. Alex wollte direkt zu seiner Waffe greifen, doch Paul war schneller und hielt ihn ab. "Nicht!", zischte er und Alex sah ihn mit grossen Augen an, während Ben ruhig in seinem Sofa sitzen blieb. "Nicht? Nicht? Paul, Semir hat mir die Geschichte erzählt gehabt, der Mann hatte deine Lunge durchschossen. Du wärst fast draufgegangen!" Paul nickte. "Ist mir nicht entgangen", erwiderte er knapp und atmete tief durch.
    "Aber unser primäres Ziel ist es, Semir zu retten. Ben hat eine Idee, wer dahinter stecken könnte. Und wir können momentan jede Hilfe gebrauchen, die nicht gerade zur Polizei rennt und Semir somit an den Pranger stellt!"
    Alex liess die Waffe los. "Gut...aber wehe..."
    "Ähm Leute?", mischte sich Johanna ein und zeigte auf ihren Bildschirm. "Ich glaub da gibt's was, das ihr sehen solltet!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Die drei Männer gingen auf sie zu und beugten sich so, dass jeder Einblick auf den Bildschirm von Johannas Laptop hatte. Sie zeigten das Zimmer von Beatrice Brun aus einer anderen Perspektive.
    "Also, hier skypt sie noch mit ihrer Familie", begann Johanna und spulte ein wenig vor. Eine Türe neben dem Bett ging auf und tatsächlich erschien Semir, mit einer Waffe in der Hand. "Das kann nicht sein!", schrie Paul und schlug mit der Faust auf die Lehne, worauf er einen leises Stöhnen von sich gab und Johanna sich sofort umdrehte und eine Hand beruhigend auf seine Schulter legte, während Alex und Ben sich besorgt zu ihm gewendet hatten. "Paul, du hast nicht nur eine kaputte Schulter, sondern auch gebrochene Rippen, denk dran!", mahnte Johanna und nickte mit dem Kopf auf den Bildschirm, "Ausserdem bin ich noch nicht fertig!" Paul atmete tief durch. "Gut?", fragte Johanna nochmals und Paul nickte.
    "Okay, seht euch das an!" Johanna zoomte das Bild ein wenig und zeigte auf Semirs Augen. "Seht euch seine Augen an." Ben und Alex beugten sich ein wenig vor, während Paul in seiner Position blieb.
    "Er steht unter Drogen", stellte Alex sofort fest. "Definitiv die Augen von jemanden, der etwas in seinem Blut hat", bestätigte auch Ben und Paul schüttelte fassungslos mit dem Kopf. "Ich dachte, wir wollen hier Semirs Unschuld beweisen und ihn nicht noch als einen Junkie abzustempeln!", kreischte er beinahe und Johanna klatschte mit den Händen. "Paul, lass' mich bitte weitermachen, okay? Ich weiss, es ist hart, aber ich habe eine Theorie!"

    "Sie hat Recht. Ich bin auch sauer, Kleiner, aber wir dürfen keine voreiligen Schlüsse ziehen!", sagte auch Alex ruhiger und klopfte Johanna kurz auf die Schulter. "Entschuldige, du warst noch nicht fertig", bat er sie, weiterzumachen.

    "Gut. Neben den Augen, seht euch das Ohr an, man sieht deutlich einen Knopf."
    "Jemand gab ihm also Informationen durch!", schlussfolgerte Ben und Paul zitterte sichtlich. Johanna fiel dies auf und legte den Laptop auf den Tisch. Sie stand auf, nahm sanft Pauls Hände und drückte leicht zu.
    "Paul...hör zu. Du bist medizinisch dank deiner einen Ex-Freundin ein wenig geschult. Sagt dir der Begriff Tilidin was?" Während Ben und Alex sich ein wenig fragend ansah, schien bei Paul ein Gedankengang zu starten.
    "Ja...ein Schmerzmittel, auch verwendet bei schwachen Anzeichen von Parkinson und Seekrankheit!", murmelte Paul und Johanna nickte. "Richtig. Allerdings, wenn man zu viel von diesem Präparat einnimmt, macht es willenlos. Es wird auch als Droge verwendet, um der Wirklichkeit zu entgehen! Sprich, man ist leicht anfällig für Suggestionen jeglicher Art!", fügte sie hinzu und Alex verschränkte darauf hin die Arme. "Du willst damit sagen, dass man aus Semir eine Marionette macht!", sprach Ben den Gedanken aus.
    "Ja. Die Opfer sind sich nicht bewusst, was sie tun. Sie wissen, dass sie weg waren, dass sie etwas getan haben müssen, aber nicht was!" Die drei Männer atmeten tief durch.
    "Für jemand wie Semir, schlimmer als der Tod!", sagte Alex es direkt und Ben stimmte mit einem knappen "Ja" zu, während Johanna traurig auf den Boden schaute. "Wir müssen ihn finden! Sofort, bevor ihn zwingt, etwas Schlimmes zu tun!", flüsterte Paul, schüttelte mit dem Kopf und begann, wie ein nervöses Tier, hin und her zu laufen.


    "Gibt es irgendeinen Hinweis, das zeigt, wo Semir hingegangen sein könnte?", fragte Ben und Johanna wies auf den Laptop. Sie gab ihm somit die Erlaubnis, das Gerät zu nehmen. "Danke", sagte Ben, nahm den silbernen Laptop entgegen, setzte sich auf die Couch und blickte auf den Bildschirm. Paul stützte sich auf dem Sessel ab.
    "Jemand muss zum Hotel und diese Information irgendwie raus kriegen...vielleicht gibt es Fluchtwege! Ich meine, Semir muss auch irgendwie dort reingekommen sein! Er muss ja unbemerkt in das Zimmer gekommen sein. Ich meine, Trix war Polizistin. Ihre wäre sofort aufgefallen, wenn jemand eingebrochen wäre!"

    Alex nickte auf Pauls Schlussfolgerung. "Paul hat Recht. Das alles, war detailgenau geplant. Jemand musste also im Voraus schon herausgefunden haben, wo die Schweizer Kollegin übernachten wird und wann sie im Zimmer sein würde. Sie stand also ständig unter Beobachtung, sobald sie deutschen Boden betreten hatte."

    "Vielleicht sogar, wo sie noch in der Schweiz war...", murmelte Johanna und atmete tief durch. "Die Frage ist, bezieht sich das alles wirklich auf euren Fall von früher? Oder ist das alles eine Finte!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Entschuldigt die kleine Pause, aber ich hatte einen Unfall und mein Handgelenk war ein bisschen lädiert - jetzt geht's aber wieder und ich kann den PC benutzten! :D


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    "Wir könnten jemanden Undercover ins Hotel schicken um ein paar Informationen zu bekommen und so den Kollegen zu entgehen! Ein Pärchen wäre nicht schlecht", murmelte Alex und sofort blickten er und Ben auf Paul und Johanna. "Bitte?", fragten die Beiden wie aus der Pistole geschossen. "Ich muss Alex recht geben", begann Ben, was von Alex mit einem leichten Blick auf Ben gewürdigt wurde, "Ihr zwei harmoniert. Man seht euch Beiden an, dass ihr euch versteht. Da sollte doch ein Pärchen zu spielen, wirklich kein Problem sein! Ich meine..."
    "Das vielleicht", funkte Johanna Ben ins Wort, "aber Paul ist verletzt! Er sollte eigentlich noch gar nicht aus dem Krankenhaus sein...ihm steht noch eine Hauttransplantation bevor und..."
    "...nein, wir machen es!", bestimmte Paul sofort und alle sahen ihn an. "Alex und Ben haben recht. So kriegen wir Informationen. Und du kannst am Besten auf mich acht geben. Du bist medizinisch einigermassen geschult!"
    Johanna atmete tief durch. "Gut meinetwegen. Aber wir müssen uns verkleiden...und so gut die Gästewohnung hier ist, Ersatzkleidung habe ich, bis auf Pyjamas, nichts da!" Alex winkte ab. "Das erledige ich. Auch wenn es nicht so aussieht, aber ich kann Kleidergrössen super abschätzen. Aber ich denke es wäre gut, wenn ihr euch vorbereitet. Hast du einen Undercover-Einsatz schon gemacht?"
    Johanna zeigte bei Alex Frage auf sich. "Ich?! Ich bin Forensikerin bei der KTU!", erwiderte sie und Ben zuckte mit den Achseln. "Bei der Autobahnpolizei ein Grund, aber kein Hindernis", bemerkte er trocken und alle mussten ihn mit einem Nicken recht geben.
    "Also, dann gehe ich mal. Ben, niemanden anschiessen solange ich weg bin!" Ben rollte auf Alex Kommentar mit den Augen und verzog den Mund zu einer Schnute, nachdem Alex die Wohnung verlassen und Johanna hinter ihm geschlossen hatte.


    "Okay...", seufzte Johanna und ging auf die medizinischen Utensilien zu, die sie aus der Praxis ihres Vaters mitgenommen hatte, "dann will ich mir aber deine Wunden nochmals ansehen!" Paul nickte und setzte sich, nachdem Ben Platz gemacht hatte, auf die Couch. Langsam befreite er sich von dem Pullover und Ben sah nun das komplette Ausmass. Die verbrannte Haut lugte teilweise unter dem Verband hervor, der direkt in einen Stützverband für die gebrochenen Rippen endete. Der Oberkörper war mit blauen, bis teilweise mehrfarbigen Flecken übersäht. Als Paul den Verband von der Hand löste, war eine grässliche Schürfwunde zu sehen und das Pflaster an der Stirn hatte eine abgeklebte Platzwunde verdeckt.
    "Au man...", flüsterte Ben und bemerkte, dass Paul ihn gehört hatte. Verlegen wollte er den Blick von dem Blonden abwenden. Doch Paul war schneller.
    "Warte ab bis zu die Brandwunde wirklich siehst!", bemerkte er nur und kaum hatte er diesen Satz angesprochen, setzte sich Johanna mit ihren Dingen hinter Paul und begann den Verband abzunehmen.
    Hervorkam eine Wunde zweiten Grades, die die komplette Schulter eingenommen hatte. Ein wahrlich grausamer Anblick.
    "Zähne zusammenbeissen, ich muss die Wunde desinfizieren." Johanna tauchte ein medizinisches Tuch in eine klare Flüssigkeit und begann, die Wunde zu reinigen. Pauls Finger vergriffen sich in seine Hose und der Körper zitterte sichtlich.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Zur Entschädigung, noch ein weiterer Teil.
    Zu meinem Handgelenk: Nun ja, ich bin im Bus gestürzt. Aufgeschnittener Finger, gestauchtes Handgelenk und geprellte Rippen (so was schaffe auch nur ich :D) Aber keine Sorge, mit einer guten Physiotherapeutin als jüngere Schwester konnte das alles besser und schneller behandelt werden als gedacht. Ich hab noch leichte Schmerzen, aber ich bin wieder PC-Fähig :)


    Und vielen Dank für die "Gute-Besserung"-Wünsche. Ich habe mich sehr gefreut :)


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    "Ich hab's gleich", flüsterte Johanna leise und fixierte den neu angelegten Verband. Paul atmete tief durch und nickte dankend. "Schon okay", murmelte Johanna und packte die Sachen wieder in eine Plastiktüte, die sie mitgebracht hatte. "Tut's sehr weh?", fragte Ben und Paul zog eine Augenbraue hoch. "Willst du tauschen?", fragte er schnippisch zurück und Ben hob verteidigend die Hände. "Wollte mich nur erkundigen", tat er die Sache ab und konzentrierte sich auf den Laptop. "Etwas entdeckt?" Ben schüttelte auf Johannas Frage mit dem Kopf. "Nein, leider nicht. Das war wirklich eine schnelle Tötung. Man wusste anscheinend wirklich, was man hier mit Semir tat.", seufzte er und klappte den Laptop zu. "Wir können wirklich nur hoffen, dass du und Paul noch etwas herausfinden werdet!"
    "Sicher, dass das für dich okay ist?" Johanna hob auf Pauls Bedenken die Augenbrauen. "Ähm...ja klar. Sonst hätte ich ja nicht zugestimmt. Mir geht es ja eher um dir!"

    "Das wird schon gehen", erwiderte Paul und in dem Moment klopfte es. Erneut blickte Johanna, die zur Türe gelaufen war, durch den Spion und öffnete, als Alex hereinkam. "Okay, ich denke, ich habe was gefunden. Am Besten zieht ihr euch um und dann können wir alles weitere besprechen." Johanna nahm einer der beiden Einkaufstüten und blickte zu den Jungs. "Ich erlaube mir, in das Badezimmer zu gehen, um mich umzuziehen." Sie verschwand, ohne auf eine Antwort zu sagen, und liess sie alleine zurück.

    "Sicher, dass das gehen wird?", fragte nun auch Alex noch, als Paul die Tüte entgegennahm. "Ja, wird schon klappen..." Paul sah sich die Kleidung an. Eine schwarze Hose, ein Jackett, weisser Pullover und dunkle Schuhe. "Simple, aber effektiv", meinte Ben und Alex zuckte mit den Achseln.
    "ich habe etwas sportliches, elegantes auch für Johanna ausgesucht. Auch wenn ich denke, dass euch das nicht schwerfallen wird, ein Paar zu spielen!" Paul hob seinen Kopf auf Alex Kommentar. "Hä?", fragte er verwirrt und Ben hob ebenfalls eine Augenbraue. "Moment, du und die Kleine, seid nicht zusammen?" Paul schüttelte mit dem Kopf. "Nein. Wir sind gute Freunde", entgegnete er und Alex verschränkte die Arme. "Wenn wir jetzt nicht in einer ernsten Situation wären, würde ich mit dir in eine recht unterhaltsame und lange Diskussion führen, aber dazu fehlt uns die Zeit. Brauchst du Hilfe?" Obwohl sein Innerstes sich gegen eine Antwort sträubte, nickte Paul und Alex ging auf ihn zu und half sich in die Kleidung zu zwängen. "Was gefunden, Jäger?" Ben verneinte Alex Frage mit einem knappen Murren.
    "Wir können wirklich nur hoffen, dass Paul und Johanna etwas finden", wiederholte Ben seine Aussage nochmals. "Das kann noch dauern, schliesslich ist sie eine Frau und muss sich schick machen...", knurrte Alex.


    "Ich ignoriere diese sexistische Aussage einfach", hörte Alex hinter sich und als er sich umdrehte, blickte ihn Johanna mit schüttelndem Kopf an. Sie hatte ihren Undercut elegant frisiert, schwaches Make-Up aufgetragen und Alex hatte eine sportlich elegante Ausstattung gefunden gehabt, was die junge Frau, die sich sonst an Karo-Hemden, Jeans, Schnürstiefeln und Comic-Shirts fixierte, richtig seriös und erwachsen wirken liess.
    "Okay, ich habe nichts gesagt", murmelte Alex und nickte zufrieden. "Nehmt einen Wagen", rief Ben und warf Johanna einen Schlüssel für einen Lexus zu. "Danke..." Ben nickte lächelnd Paul zu. "Gehen wir", bestimmte er nachher und Johanna warf Alex wiederum den Schlüssel zu der Wohnung zu. "Schau zu, dass er nicht noch jemanden anschiesst!", sagte sie und verliess mit Paul die Wohnung.
    "Das werde ich noch mein Leben lang hören", grummelte Ben und Alex verschränkte die Arme und tippte mit einem Fuss auf und ab. "Da wunderst du dich noch nicht wirklich? Wenn Paul sich nicht eingemischt hätte, würdest du nun an dem Fenster kleben! Oder am Asphalt. Aber wir müssen uns jetzt auf Semir konzentrieren! Und der erste Schritt ist, dass Paul und Johanna etwas rausfinden!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Hör zu", begann Ben langsam, "ja, ich habe einen Fehler gemacht. Aber in dem Moment erschien es mir als die einzige, beste Lösung, Semir und Paul aus der Sache rauszuhalten." Alex hob eine Augenbraue hoch und verschränkte die Arme. "Ernsthaft?", fragte er nur knapp und Ben schoss in dem Moment aus seinem Sessel hoch. Der Laptop fiel achtlos auf den Sessel.
    "Finde du mal raus, dass deine Verlobte ermordet wurde und dein ungeborenes Kind während diesem Prozess tot zur Welt kam. Dann reden wir weiter!", zischte er und lief an Alex dabei und touchierte seine Schulter. Alex kippte leicht zurück, fand dann seinen Stand aber recht schnell wieder.
    "Wo willst du hin?", fragte er.
    "Auf die Toilette, wenn es nicht zu viel verlangt ist, oder hast du Angst, dass ich mich durchs Toilettenrohr aus dem Staub mache?" Alex erwiderte nichts, sondern sah Ben nur dabei zu, wie er im Flur hinter einer Türe verschwand und diese mit einer Wucht zuschlug.
    Tief durchatmend, begab sich Alex zum Sessel, nahm den Laptop und setzte sich. Er blickte auf das Video, dass genau dort pausiert war, wo Semir auf Beatrice abfeuerte. "Diese Schweine...", flüsterte er und schüttelte mit dem Kopf. Er kannte Semir. Diese Tatsache würde ihn zerstören. Der gutmütige Familienvater mit dem hohen Gerechtigkeitssinn würde niemals jemanden so brutal und eiskalt töten.
    In einer Laune heraus, suchte Alex nach einem Nachrichten-Livestream und wurde fündig. Eine junge Moderatorin erzählte von einem Mordfall.
    "Die Schweizer Polizei, sowie die Bundespolizei bitten um Ihre Mithilfe. Gesucht wird der deutsch-türkische Polizist, Semir Gerkhan. Er wird verdächtigt, eine junge Frau brutal im Hotel Maritim, ermordet zu haben! Der Täter ist auf der Flucht und gilt als schwergefährlich. Sollten Sie diese Person sehen, bittet die Polizei, nichts zu unternehmen, sondern sofort den Notruf zu alarmieren - vielen Dank!"
    "Scheisse...BEN!"


    Johanna parkte vor dem Maritim Hotel und drosselte den Motor. Sie blickte auf Paul, der seinen Kopf auf dem gesunden Arm abgestützt hatte und Kopfschüttelnd das Hotel ansah. "Paul...wir finden raus, was da genau abgegangen ist!" , versicherte Johanna und Paul atmete tief durch.
    "Auf mich wirkte Semir immer so unantastbar. Ihn konnte niemand verändern, ihn mit Drogen unter Etwas setzten, Joshi. Das einzige Mal, wo er furchterregend auf mich wirkte war, als er sein Gedächtnis verloren hatte und sich für einen Serientäter hielt. Aber...das war anders. Das was ich auf dem Video gesehen hatte...liess mir wirklich einen Schauer über den Rücken jagen. Diese Augen..."
    Paul Stimme wurde immer leiser und zittriger. Er atmete tief durch und strich sich über die geschlossenen Augen. "Das war nicht Semir, der da geschossen hat Paul. Er war nur ein Werkzeug, zu diesem Zeitpunkt, weiter nichts. Man hat ihn missbraucht. Nutzt ihn für furchtbare Dinge. Man will ihn nicht töten, nicht verletzten, man will ihn fertig machen! Und je eher wir ihn finden, desto schneller, können wir dieses Unheil beenden." Johanna hörte ein leises schniefen und nahm Pauls Hand. "Hey...", sagte sie leise und Paul senkte seine Hand. Deutlich wurden die Tränen sichtbar.
    "Was soll ich Andrea und den Kindern sagen? Dass ihr Mann und Vater ein Mörder ist. Das auch noch an einer Frau, die sie kennen und schätzen gelernt hatten?" Paul schluchzte und schüttelte mit dem Kopf. "Das wird ihn zerstören, Joshi. Wieso musste ich bloss das Bewusstsein verlieren? Ich hätte reagieren müssen! Dann hätten sie ihn nicht aus dem Wagen ziehen können!" Pauls Mund verzog sich und Johanna reagierte sofort. Sie löste ihren Gurt, beugte sich zu Paul und umarmte ihn. Dieser wiederum, vergrub sein Gesicht in ihrer Schulter und krallte sich mit der gesunden Hand in ihren Blazer. Als er sich langsam löste, blickten er und Johanna sich tief in die Augen. Niemand sagte ein Wort. Es herrschte eine langen Stille. Bis die beiden sich instinktiv die Hände auf das Gesicht des anderen legten und ihre Lippen ineinander versiegelten.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Die Schweizer Polizei, sowie die Bundespolizei bitten um Ihre Mithilfe. Gesucht wird der deutsch-türkische Polizist, Semir Gerkhan. Er wird verdächtigt, eine junge Frau brutal im Hotel Maritim, ermordet zu haben! Der Täter ist auf der Flucht und gilt als schwergefährlich. Sollten Sie diese Person sehen, bittet die Polizei, nichts zu unternehmen, sondern sofort den Notruf zu alarmieren - vielen Dank!"


    "...was?" Semir Gerkhan sah auf den kleinen Smartphone-Bildschirm, der ihm vor der Nase gehalten wurde. Sein Gesicht war verdreckt und mit Blut übersäht. Im schmutzigen Unterhemd, Jeans und Schuhen sass er auf einem Stuhl, die Hände um die Lehne hinter dem Rücken gefesselt. Das Packet Band schnitt in die Haut und dünne Blutstriemen liefen zu den Fingern hinunter. Trotz seines jämmerlichen Aussehens, waren Semirs Augen weit aufgerissen und die Realisation folgte auf schnellem Fusse.
    Bilder vor seinem Blackout blitzen vor seinem geistigen Auge auf. Seine Entführung, die verzweifelten Schreie nach Paul, das Fesseln und die Folter. Das Foto von Beatrice das ihm gezeigt wurde. Alles wurde wieder real, nachdem sich der Schleier über seinem Gedächtnis gelichtet hatte. Er erinnerte sich auch an die Spritze, die ihm gesetzt wurde. Als die Flüssigkeit seine Venen erreicht hatten, begann das Blackout. Die völlige Entgleisung ins Nichts.
    "...nein...ihr...nein! Was ist mit Trix! Was habt ihr, ihr angetan!", schrie Semir und seine Stimme hallte in dem alten Kellerraum, dessen Ziegel bereits mit Moos befallen war.
    Zwei Männer, in Semirs Alter, grinsten ihm entgegen. Ihre bulligen Erscheinungen waren ein Nichts, im Gegensatz zu ihren eiskalten Augen.
    "Wir?", begann der eine und lachte, "Nichts! Aber sieh doch selbst!" Er zog das Smartphone zurück, wählte ein Symbol an und hielt Semir ein aufgenommenes Video hin. Der Ton war auf voller Lautstärke gedreht und die Lautsprecher überschlugen sich auch einige Male.
    Beatrice Schreie die Semir baten aufzuhören, brannten sich in sein Trommelfell. Semirs Augen weiteten sich erneut und er schüttelte mit dem Kopf. Als der Schuss erklang, zuckte er zusammen, kniff die Augen zusammen und verkrampfte sich zitternd.
    "Ihr Schweine...was habt ihr mit mir gemacht?", flüsterte er und die Männer sagten nichts. Sie schienen sich an seinem Leid zu ergötzen.
    "Ein Zauberer, verrät doch nicht seine Tricks", begann nun der andere Mann und stiess Semirs Stuhl mit einem gezielten Tritt um.
    Semir kippte nach hinten und sein ganzes Gewicht fiel auf die gefesselten Armen. Ein feuerheisser Schmerz, ging durch seine Glieder.


    "Und wir wollen noch einen Zaubertrick ausführen!" Der Mann griff in seinen Parker und zog ein Foto hervor. "Wir wollen, dass du jemanden für uns besorgst. Er soll dir ein wenig Gesellschaft leisten. Ausserdem, hat unser werter Auftraggeber, noch ein Wörtchen mit ihm zu reden."
    "Den Teufel, werd' ich!", zischte Semir und spuckte dem Mann ins Gesicht, was sofort in einer Ohrfeige endete.
    "So...nochmal von vorne." Er zeigte das Foto und Semir schüttelte erneut mit dem Kopf. Doch dieses Mal, war sein Gesicht angstverzerrt. "Nein...nein das tue ich nicht!", wiederholte er erneut und sah ihm Augenwinkel, wie der Zweite im Bunde eine Spritze aufzog. "Keine Widerrede, du wirst uns Ben Jäger liefern, ob du willst oder nicht. Conrad möchte noch mit ihm sprechen!" Semirs Mund klappte auf. "Conrad ist tot! Das kann nicht sein!", schrie er und spürte, wie die Nadel in seine Armbeuge eindrang. "Conrad ist tot...nein...", flüsterte Semir und begann, in den willenlosen Zustand abzudriften.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Es dauerte zwei Stunden, bis Ben und Alex ein Klopfen hörten und sofort zur Türe stürmten. Ben sah durch den Türspion. "Paul und Johanna", sagte er und Alex drehte sofort den Schlüssel und liess die Beiden hinein.
    Sie wirkten hektisch und sehr still. Es war Johanna, die zuerst das Wort ergriff. "Wir haben was gefunden!", sagte sie und zog aus ihrer Umhängetasche eine grosse Tüte hervor, die man mit einem Zipverschluss, zumachen konnte. Darin, waren verschiedene Abhörgeräte zu sehen, sowie eine Waffe.
    "Wo habt ihr das gefunden?", fragte Alex erstaunt und nahm die Handschuhe entgegen, die Johanna den Beiden ausgeteilt hatte. "Lüftungsschacht. Joshi ist reingeklettert und hatte die Sachen gefunden. War ein Abluftschacht, von dem her, konnte man als Mensch gut reinkriechen!" Alex nickte auf Pauls Erklärung verstanden und nahm die Waffe hervor. Er roch an der Mündung.
    "Da wurde deutlich vor kurzem ein Schuss abgegeben." Er reichte Ben die Waffe, welche Alex Aussage nur bestätigen konnte. "Könnte die Waffe sein, die Semir benutzt hat. Wahrscheinlich wollte man die Dinge so platzieren, um Semir anschliessend die Schuld zu geben. Wobei das Video schon gereicht hat. Man wollte anscheinend auf Nummer sicher gehen", murmelte Ben und Paul atmete tief durch. "Jedenfalls haben die Kollegen sonst gute Arbeit geleistet, sonst haben wir nichts mehr gefunden."
    "Was heisst, dass ihr das Paar sehr überzeugend gespielt habt! Wenn ihr so gut dort reinkommen konntet!"
    Nach einem kurzen Erröten, räusperte Paul sich, während Johanna dies gekonnt ignoriert hatte. "Nun ja, wir kamen bis zu dem Stock, anschliessend, haben wir uns reinschleichen können. Nichts grossartiges", brummelte er in seinen imaginären Bart hinein. "Ich schliesse die Abhörgeräte an den Laptop an, anschliessend versuche ich, Signale zurückzuverfolgen. Vielleicht finde ich was." Ohne auf eine Antwort abzuwarten, setzte sich Johanna auf den Sessel und begann ihre Arbeit.
    Ben und Alex sahen fragend zu Paul, doch dessen Gesicht sprach Bände. "Ja...", murmelte er nur und liess die anderen Beiden zurück.
    "Anscheinend ist da was passiert, aber man ignoriert es", flüsterte Ben zu Alex und dieser nickte. "Wie bei uns...nur nicht so! Ich meine die Sache von vorhin!", fügte Alex sofort an als Ben ihn mit hochgezogener Augenbraue ansah. "Die erste Priorität ist nun Semir!", sagte Alex leise.


    Alle drehten sich zur Türe, als diese knirschte und knarzte. "Da macht sich jemand zu schaffen", zischte Paul und nahm wie die anderen Jungs, seine Waffe hervor. Alex näherte sich der Türe, wollte den Knauf greifen, als die Türe mit einer Wucht geöffnet wurde, und der Rand Alex traf. Sofort platzte eine Gegend seiner Stirn auf und blutend ging er zu Boden, wo er regungslos liegen blieb.
    Paul und Ben, wichen leicht zurück und hielten die Waffe im Beidhändigen Anschlag, wobei sie in ihrer Position verharren blieben, als sie sahen, wer dort erschienen war. "Semir...", flüsterte Paul und erstarrte, als er sah, wie abwesend, Semirs Blick war. Die Waffe war einhändig ausgestreckt. Die Gestik roboterhaft.
    "Nicht schiessen!", bat Paul Ben und auch dieser wirkte verunsichert. Johanna hingegen, stand langsam auf und legte ihren Laptop auf den Boden. Sie hob ihre Hände und ging langsam an den Männern vorbei.
    "Semir...hör nicht auf die Stimme in deinem Ohr", begann sie langsam und sah, wie der vernebelte Verstand Semirs seine Spielchen mit ihm begann. Der Kopf wippte nervös hin und her und die Hand legte sich auf das Ohr, in dem der Knopf steckte. "Joshi...", zischte Paul und auch Ben, sah sie geschockt an.
    "Semir...bitte...Andrea, Ayda, Lilli und Dana warten auf dich! Sie möchten ihren Papa und ihren Mann zurück!" Johannas Stimme war zart und melodisch. Die Angst, war nur in kleinen Vibrationen in ihrer Sprechart zu hören.
    Semirs Kopf, wippte noch immer hin und her. Nur ein leichtes Stöhnen, verliess seine Lippen. Bis auf einmal sein abwesender Blick wieder gegenwärtig wurde. Noch bevor Paul und Ben reagieren konnten, schoss Semir und Johanna wurde von der Wucht nach hinten geschleudert. Ihr ganzer Körper, schlug auf den Salontisch, der in tausende Teile zerbrach, und unter ihr begraben wurde.
    "NEIN!", stiess Paul aus und umgriff seine Waffe nun fester. "Semir hör auf mit der Scheisse! Das bist nicht du!" Semirs Blick richtete sich Ben. "Jäger, mitkommen! Sofort!", sagte er mit einer tonlosen Stimme und die Waffe richtete sich auf Paul, "Oder ich schiesse nochmals!" Ben sicherte seine Waffe und legte sie auf den Boden. Als er sich wieder aufrichtete, hob er die Arme. "Schon gut...alles ist gut...ich komme mit."
    Paul blickte entsetzt auf Ben. "Es ist gut Paul...wirklich..." Bens Augen richteten sich kurz auf Johanna und dann wieder auf Semir. "Ich komme...alles ist gut!" Semir packte Ben am Arm und lief mit ihm auf den Ausgang zu, wo Alex noch immer lag. "Du folgst uns nicht!", drohte er Paul, schloss die Türe hinter sich zu und war verschwunden.


    "Oh Gott...", flüsterte Paul, liess seine Waffe fallen und rannte zu Johanna, die mit weit aufgerissenen Augen auf dem Boden lag. Ihr weisses Shirt war um die ganze Bauchgegend, weinrot verfärbt. Ihr Brustkorb hob sich heftig und Tränen liefen ihr über die Wangen. Paul packte die Decke, die auf der Couch lag und drückte sie auf die Wunde. Johanna biss die Zähne zusammen und ein unterdrückter Schrei, pfiff durch die Kauleiste.
    "Ach du Scheisse!", hörte Paul hinter sich und sah, wie Alex, torkelnd auf die Beiden zukam. "Alex, ruf bitte einen Krankenwagen! Bitte!" Pauls Gesicht war vor Angst verzerrt und Alex glaubte, Tränen, in den Augen zu sehen.
    Ohne zu zögern, nahm er sein Handy hervor und verständigte den Notruf.
    "Joshi...sieh mich an, bitte!" Tatsächlich, trafen sich die Blicke von Johanna und Paul. Sanft, legte Paul eine freie Hand auf Johannas Wange. "Halt durch okay? Bitte...du musst durchhalten...ich..." Pauls Mund verzog sich kurz und er holte tief Luft. "Ich liebe dich..." Trotz der unbändigen Schmerzen, öffnete Johanna ihren Mund und wollte etwas erwidern. Doch sie begann zu würgen und schaumiges Blut, glitt ihren Mundwinkel hinunter. Ihr Körper begann sich zu verkrampfen und die Pupillen verschwanden in den Augenhöhlen.
    "NEIN....JOSHI...!"




    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Weiblich! Mitte Zwanzig! Schweres Abdomen-Trauma aufgrund einer Schussverletzung! Verdacht auf innere Blutungen sowie Verletzung eines Organes! Puls niedrig, Atmung flach!"
    Der junge Notfallstationsleiter Julian Schimke blickte auf die junge Frau hinunter und glaubte, den Boden unter den Füssen zu verlieren. Jedoch sammelte er sich, unbemerkt aller Blicke, wieder schnell und atmete tief durch. "CT, Schockraum und danach sofort in den OP! Gebt Chefchirurg Müller Bescheid, er soll sich darum kümmern!", befahl er barsch und die Sanitäter, sowie der Notfallarzt, nickten und rannten zu dem benannten Raum.
    "Scheisse...", murmelte Julian und hielt sich geschockt die Hand vor den Mund. Er drehte sich um, als er eilige Schritte hörte und zwei Männer vor ihm stehen blieben. "Paul?", war seine Frage direkt an den Blonden gerichtet und auch dieser wirkte verwirrt. "Julian? Du praktizierst hier?" Julian nickte. "Ja, dann kannst du mir bestimmt berichten, wieso meine kleine Cousine gerade durch meinen Notfall geschoben wurde! Und warum du aus dem Krankenhaus abgehauen bist! Richard hatte sich gemeldet und war ausser sich, dass dein Vater ihn angerufen hatte, weil dein Krankenhausbett leer war! Ausserdem fehlten kurz darauf, medizinische Utensilien in seiner Praxis!" Während Paul wie ein Kind, dass zu unrecht bestraft wurde, nach Worten suchte, mischte sich der Zweite im Bunde ein. "Alex, hi, Kollege von Paul und Joshi. Das hat Zeit! Wie geht es Johanna? Man hat sie in den Krankenwagen befördert und uns hinterherfahren lassen! Wir wissen nicht, was mit ihr los ist! Immerhin wurde sie vor unseren Augen, niedergeschossen!"
    Julian blickte Alex in die eisblauen Augen und atmete tief durch. Er verschränkte die Arme und zuckte mit den Achseln. "Gemäss den Kollegen sieht's kurz zusammengefasst, bisher nicht gut aus! Jedenfalls sind ihre Vitalfunktionen schwach und sie hat innere Blutungen. Hatte sie Blut gespuckt?" Alex nickte langsam.
    "Gar nicht gut...dann besteht eventuell sogar ein Trauma des Magens. Und das bedeutet definitiv nichts Gutes." Alex und Julian zuckten auf, als Paul gegen die Wand schlug und davon lief. Julian wollte hinterher, doch Alex hielt ihn auf.


    "Was?"
    "Glaub mir, du würdest es nur noch Schlimmer machen!", versicherte Alex, Julian und dieser sah ihn verwundert an. "Johanna ist also deine Cousine?" Julian nickte.
    "Ich bin Richards Neffe. Und Richard, so wie du dir sicher denken kannst, ist Joshis Vater. Aber wieso...?"
    Alex begann die ganze Geschichte zu erzählen. Julians Gesicht wurde immer weisser und beinahe durchsichtig, setzte er sich hin und Alex gesellte sich neben ihn. Die Arme auf den Beinen gebettet und die Hände gefaltet.
    "Scheisse...Semir? Joshi hatte immer nur super von ihm erzählt gehabt! Sie sagte immer, er sei eine Art Vorbild für sie!" Alex atmete tief durch. "Das ist er für alle! Joshi glaubt, dass Semir unter Mitteln steht, die ihn gefügig machen. Er ist sich seiner Aktionen nicht bewusst!", erklärte er und Julian nickte.
    "Verstehe...kein Wunder, ist Paul so ausser sich!"
    "Das ist nicht alles!" Julian hob eine Augenbraue hoch. "Paul hatte deiner Cousine seine Liebe zu ihr gestanden!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Was...?" Julian sah ihn an und Alex nickte. "Er hatte sich über sie gebeugt und es ihr gesagt." Julian kratzte sich am Kopf und dabei wippte sein schwarzes Haar hin und her. "Wir hatten es schon lange geahnt...", flüsterte er mit einem traurigen Lächeln und Alex legte seinen Kopf schief. "Was mich zu meiner Frage bringt: Woher kennst du Paul?"
    "Joshi hatte einmal schwere Grippe. Sie wollte eigentlich Paul und seinem Vater mit dem Shelby den sie restaurieren, helfen gehen. Sie rief mich an und bat mich, vorbeizuschauen. Ich meine, Arzt mit handwerklichen Fähigkeiten, ist immer hilfreich. Paul war froh um Hilfe, da sein Vater an diesem Abend, einen schlechteren Tag hatte..."
    "...schlechteren Tag?", fragte Alex verwundert, "was hat Pauls Vater denn? Ist er krank?" Seufzend nickte Julian auf Alex Frage. "Das kann man wirklich so sagen. Pauls Vater hat Demenz." Alex schluckte schwer. "Ach du Scheisse...", murmelte er.
    "Er wirkt auf einen normalerweise, als könnte ihn kein Leid der Welt etwas antun. Alles hat seine gute Seite. Aber auch er hat seine Grenzen", murmelte Julian und Alex nahm aus seiner Jackentasche eine Visitenkarte hervor. "Da ist meine Handynummer drauf. Ich versuche Paul zu finden. Würdest du mich informieren, sobald du eine Information über Johanna hast?" Julian nahm auf Alex Frage hin die Karte entgegen und nickte. "Sicher", fügte er seiner Geste hinzu und nahm sofort sein Handy hervor, um Alex Nummer einzuspeichern.
    Dieser klopfte Julian auf die Schulter. "Vielen Dank", sagte er mit einem traurigen Lächeln und begann, die Krankenhausflure abzusuchen.


    -----------------------------------------------------


    Als Ben erwachte, fand er sich auf einen feuchten Boden wieder. Sein Blick fiel sofort auf seine Hände, die in metallenen Fesseln gefangen waren, die in einer langen Kette, irgendwo befestigt war. Langsam richtete er sich unter dem langen Geklimper des Metalls auf und erblickte die an einem Kabel hängende Glühbirne, die im schwachen Durchzug hin und her schwankte.
    Jeglicher seiner Knochen tat weh und durch sein linkes Knie zog ein dumpfer Schmerz. Als er hinab blickte, war die Jeans an dieser Stelle rot verfärbt. Nach dem genauen Abtasten, fand Ben eine Stichwunde, die direkt zwischen das Gelenk durchging.
    "Scheisse...", murmelte er und blickte durch den Raum. Es war ein verlassenes Kellergebäude. In einer Ecke fand er jemand, der zusammengekauert auf dem Boden lag und zitterte. Sein Körper war übersäht mit Schürf- und Prellwunden. Ben brauchte das Gesicht nicht zu sehen.
    "Semir...", flüsterte er und versuchte, zu ihm rüber zu kriechen. Doch inmitten des Weges, spannte die Kette an und Ben kam nicht mehr weiter.
    "Semir!", sagte er deshalb nun lauter und tatsächlich rührte sich der Körper. Langsam richtete sich Semir auf und seine Augen weiteten sich, als er Ben erblickte. "Nein...die haben...", flüsterte er und Ben sah, dass Semir nicht gefesselt war.
    "Alles klar Semir! Ich bin freiwillig mitgekommen! Alles Gut!", versuchte Ben ihn zu beruhigen, doch Semir zitterte am ganzen Leibe. "Was habe ich angestellt...? Ben, du bist verletzt!" Ben blickte auf seine blutüberströmte Jeans. "Ein Kratzer, weiter nichts. Ausserdem, glaube ich nicht, dass du das gewesen bist. Kann mich leider an kaum was noch erinnern", gestand Ben ehrlich und Semir atmete tief durch. "Die haben mir was gegeben. Ich kann mich an nichts erinnern", murmelte er und Ben nickte. "Ich weiss, alles okay, Semir. Wirklich!"


    Semir blieb in seiner Position verharren. Seine Augen wirkten traurig, müde, verzweifelt. "Ben...wer war noch dabei..."
    Semir bemerkte, wie Ben nach Worten rang.
    "Ben...wer war noch dabei? Habe ich irgendjemandem etwas angetan?"
    "Semir..."
    "Ben! Bitte. Ich muss es wissen! Ich muss wissen, was ich getan habe! Bitte, du kannst mich nicht im Dunkeln lassen! Das bist du mir schuldig, verdammt noch mal! Du musst es mir sagen! Ich will es von dir hören! Nicht von der Krüger, nicht von der Schrankmann, nicht von einem Richter! Ich will es jetzt wissen! Was habe ich getan!"
    Ben atmete tief durch. "Das warst nicht du Semir! Du warst nur ein Spielzeug! Was da geschehen ist...." Semirs Gesicht lief feuerrot an. In seinen Augen sammelten sich Tränen aus Wut und Verzweiflung.
    "Ben, verdammte Scheisse! Habe ich jemanden umgebracht! Habe ich jemand anderes, ausser Beatrice auf dem Gewissen?"
    Bens Augen weiteten sich. "Du weisst es bereits?" Semir schnaubte.
    "Natürlich! Die Typen haben mir das Video unter die Nase gehalten! Ich habe es gesehen, wie ich abgedrückt habe! Also bitte!"
    "Semir, das warst nicht du!"
    "BEN!"
    Selbst in seinen schlimmsten Zeiten, hatte Semir niemals seine Stimme so gegen Ben erhoben gehabt. Ben zeigte dies mit einem kurzen Zusammenzucken.
    "Johanna...du hast Johanna angeschossen..." Semirs Augen wirkten auf einmal augenblicklich leer. "Joshi...? Ich habe..." Er stand auf und begann, wie ein Tier hin und her zu laufen. "Semir...nochmals! Das warst nicht du!"
    Semir näherte sich Ben, verzog das Gesicht und ging auf die Knie. Sein verzweifelter Schrei hallte durch den ganzen Keller. Ben kroch zu Semir, nun in der Lage ihn zu erreichen, packte ihn und zog ihn an sich. Semir krallte sich sofort an Bens Pullover und begann bitterlich zu weinen. Ben drückte Semir an sich und spürte, wie Semirs Körper bebte.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Richard und Barbara Schimke rannten den Flur entlang, bis sie zu Julian ankamen, der mit Alex im Warteraum stand. Johannas Eltern wirkten um Jahre gealtert, da sie für ihre Mitt-50er normalerweise glatt zehn Jahre jünger aussahen.
    Julian ging auf sie zu und umarmte sie, während Alex sich neben die Gruppe gesellte und den Beiden gut zusprach.
    "Weiss man schon genaueres?", fragte Richard direkt, doch Julian schüttelte mit dem Kopf. "Leider nicht, sie ist noch immer im OP..." Barbara atmete tief durch und massierte sich die Schläfen. "Herr und Frau Schimke...ich kann nicht sagen, wie leid..." Richard hob eine Hand und Alex schluckte kurz. "Johanna hat sich für dieses Leben entschieden, Herr Brandt! Sie ist eine erwachsene Frau. Und wenn sie helfen wollte, Semir zu beschützen, dann hat sie richtig gehandelt! Auch wenn sie den halben Schrank in meiner Praxis, ausgeräumt hat...aber es war für Paul..." Barbara nickte auf die Aussage ihres Mannes.
    Nun verwunderte Alex nichts mehr, was Johanna betraf. Der grosse Gerechtigkeitssinn und das riesen Verständnis, wurden ihr buchstäblich in die Wiege gelegt.
    "Wir hoffen einfach, dass sie überlebt...", flüsterte Barbara, atmete tief durch und wusch sich die Tränen aus den Augen.
    "Apropos Paul", mischte sich Julian ein, "konntest du ihn nicht finden?" Auf Julians Frage schüttelte Alex seufzend mit dem Kopf. "Nein...ich hatte gehofft, er wäre wieder da. Ich hoffe einfach, der Junge baut keinen Mist...", flüsterte er und die drei Männer bemerkten nicht, wie Barbara sich von der Menge entfernte und ein direktes Ziel zu verfolgen schien.


    Sie begab sich auf die Dachterrasse des Krankenhauses und schlich durch einen Hintereingang zu einem kleinen Versteck, dass sie als Azubi immer benutzt hatte. Jahre hatte sie in diesem Krankenhaus als Krankenschwester verbracht, bevor sie sich in Richard verliebt hatte und mit ihm eine kleine Familie gründete.
    Natürlich wäre Barbara nun am liebsten einfach unten geblieben und hätte auf einen Bescheid bezüglich ihrer Tochter gewartet, doch sie wusste, dass sie nun gebraucht wurde. Selbst nach all den Jahren, seit Johanna erwachsen war, hatte sich ihr Instinkt aufrecht erhalten.
    Sie begab sich zu einer kleinen Nische der Terrasse und fand Paul tatsächlich vor. Kauernd an der Wand, die eine Hand auf die verletzte Schulter gelegt, die andere auf die verletzten Rippen.
    Sein Gesicht war verzogen. Tränen flossen ihm über die Wangen und wirkten milchig auf der fahlen Haut.
    Barbara sagte nichts. Sie konnte genau sehen, was in dem Mann vorging. Sie setzte sich neben ihn und nahm ihn in den Arm, soweit es ihre kurzen Arme bei der Körpergrösse von 157 cm zuliess.
    "Sie liebt dich auch", flüsterte sie ihm ins Ohr und Paul sagte nichts. Er vergrub sich in Barbaras Schulter und spürte, wie Johannas Mutter ihm über den Kopf strich.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

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