Puppenspiel

  • Nur drei Wochen nach seinem Abenteuer mit Ines Stender, war Semir wieder mit seinem Partner Alexander Brandt auf der Autobahn unterwegs. Alex stieß Semir kurz an. „Und? Wie ist das Leben mit vier Frauen unter einem Dach?“ Semir grinste leicht und warf ihn einen Blick zu. Er war kurz nach seinem Krankenhausaufenthalt mit Andrea und seinen drei Töchtern zusammen gezogen. „Herrlich, sag ich dir! Ich bin zwar geschlechtlich in der Unterzahl, aber es ist einfach nur schön. Dana hat ihre eigenen Räume im Keller und ist ganz stolz. Sie ist richtig erwachsen geworden. Und das Beste, sie versteht sich mit Andrea. Sie macht sehr viel mit Ayda und Lilly. Wie eine richtige große Schwester. Erst vorgestern hat sie Andrea sogar um Rat gefragt.“ Semir schwärmte von seiner 17jährigen Tochter. Alex lachte auf. Er erinnerte sich, dass nach dem Verschwinden von Semir, das Verhältnis zwischen Andrea und Dana wirklich besser wurde. Sie hielten zusammen, und das schien sich zu festigen. „Dann gibt es eine Zukunft für die Familie Gerkhan/Schäfer?“ Semir zog die Schultern hoch. „Ich glaube, es ist noch zu früh, daran zu denken. Ich lasse es einfach auf mich zukommen.“ Sein Partner lächelte und nickte. „Ja sicher. Ich verstehe das. Aber du arbeitest darauf hin oder nicht?“ Ein kurzer Blick von Semir sagte alles. „Ja sicher! Ich wünsche mir nicht mehr als das. Aber ich bin jetzt schon zufrieden, wie es ist. Das ging ja doch alles ziemlich schnell und wenn ich daran denke, dass ich schon mit dem Leben abgeschlossen hatte, als ich diese Diagnose bekam.“ Semir atmete tief ein und aus. Alex bemerkte sofort, dass sein Partner wieder an die Situation dachte, die gerade hinter ihm lag. „Du denkst immer noch an Ines?“ „Manchmal ja. Nachts ist es immer noch am schlimmsten. Andrea sagt, ich rede im Schlaf und schlage sogar um mich. Sie hat mir geraten zu Isabel zu gehen und es mit ihr zu besprechen.“ Alex nickte nachdenklich. „Da kann ich Andrea nur zustimmen. Ich meine, jeder kann sich vorstellen, wie es in dir aussah, als du diese Diagnose bekommen hast. Aber ich kann immer noch nicht fassen, dass du niemandem davon erzählt hast. Du hättest es mit deinen Freunden, Kollegen und vor allem mit deiner Familie besprechen müssen. Das dich die Nachricht völlig aus der Bahn geworfen hat, ist verständlich. Dennoch hättest du es erzählen müssen.“ Semir sah in den Rückspiegel. Er hörte den Vorwurf in der Stimme. „Ja, ich weiß. Es war ein Fehler von mir, aber versetz ich doch mal in meiner Lage. Natürlich war es niederschmetternd. Ich war fertig. Ich habe einfach die Kontrolle verloren. Ich meine, während unseres Dienstes, riskiere ich auf der Autobahn jeden Tag mein Leben. Aber der Unterschied zu dieser verdammten Diagnose ist, dass ich im Dienst nie weiß, wann es mich erwischt. Bei dieser Krankheit, da stand die Zeit fest, die mir noch blieb. Wenn dir eine Zeit genannt wird, wann du stirbst, dann istes…es ist…. Es ist einfach grausam.“



    Manuel Schumann lenkte seinen Mercedes auf den Rastplatz an der A4. Auch wenn er es nicht mehr weit hatte, so wollte er sich seine Beine vertreten und vor allem seinen Augen und seiner Konzentration ein wenig Pause gönnen. Er stoppte, schaltete den Motor aus und verließ den Wagen. Nachdem er diesen verschlossen hatte, ging er um ihn herum, um zum Wäldchen zu gehen, der hier am Platz war. Doch er war nur wenige Schritte gegangen, als er von hinten gepackt und gegen seinen Wagen geschleudert wurde. Manuel war zunächst geschockt, doch dann wehrte er sich. „Was soll das!!“ Etwas Kaltes und rundes wurde gegen seine Schläfe gedrückt und er erstarrte. „Ganz ruhig, oder ich blase dir dein Hirn aus dem Schädel!“ Manuel schluckte. Er hob die Hände und versuchte möglichst ruhig zu bleiben, was anhand der Waffe an seinem Kopf, nicht einfach war. „Sie können all mein Geld haben.“ Die Person kicherte. „Das hätte ich mir eh genommen.“ Manuel spürte wie er durchsucht wurde. Sein Handy, seine Brieftasche und auch seine Autoschlüssel wechselten den Besitzer. Aus den Augenwinkeln heraus, sah Manuel eine zweite Person zum Wagen kommen. Erst als diese auf der ihm gegenüberliegenden Seite des Fahrzeuges stand, erkannte er, dass es eine Frau war. Der Mann mit der Waffe warf ihr den Autoschlüssel zu, den sie geschickt auffing. „Durchsuch den Wagen!“ Die Frau führte den Befehl aus. Manuel konnte nur zusehen, wie sein Wagen auf links gedreht wurde. Er sah, wie sie den Umschlag mit seinem Geld fand, den Betrag zählte und ihn triumphierend hochhielt. Anschließend reichte sie ihn an die Person, die ihn immer noch bedrohte. „Danke der Herr, das war es auch schon. Und nun schön brav bleiben.“ Die Waffe verschwand und nun erwachte in Manuel der Kämpferinstinkt. So einfach wollte er sein Geld nicht verlieren. Als die Beiden abhauen wollten, packte Manuel die erste Person und riss sie zu Boden. Es war die Frau und diese schrie laut auf. Der Komplize packte Manuel und schleuderte ihn so heftig von der Frau weg, das er zu Boden ging.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Manuel wollte seinen Sturz abfangen, indem er seine Hände zur Hilfe nahm, doch als er sich am Boden abstützen wollte, knackte es laut und ein scharfer Schmerz durchzuckte seinen linken Arm. Manuel schrie auf und seine unverletzte Hand ging zum Arm. Er hielt ihn fest und glaubte durch den Schmerz besinnungslos zu werden, doch das blieb aus. Der Komplize warf sich auf ihn und stieß ihm die Waffe wütend an den Hals. „Du scheinst den Ernst der Lage nicht begriffen zu haben. Ich kann dich abknallen, wenn ich es wollte! Willst du sterben?“ Manuel schüttelte den Kopf. Er sah in die Augen des Räubers. Die Wut war deutlich zu sehen. Der Mann atmete heftig. „Bitte nicht…bitte…“ Panik machte sich breit und er sah sein Leben in Sekunden an sich vorbei rauschen. Der Räuber hob die Waffe und schlug mit dem Lauf zu. Dieser riss die Wange von Manuel auf und ließ ihn für eine Weile Sterne sehen. Er spürte, wie das Blut aus der Wunde lief. „Lass ihn! Er hat genug…“ Die Frau mischte sich ein und Manuel hoffte inständig, dass sie wirklich etwas bewegen konnte. Der Räuber stand auf und Manuel entspannte sich etwas. Dann jedoch trat der Räuber auf ihn ein. Seine Rippe machte mit der Schuhspitze Bekanntschaft. Die Tritte prasselten auf ihn ein und einer erwischte ihm am Kinn. Manuel biss sich auf die Zunge und sein Kopf schlug schmerzhaft auf das Kopfsteinpflaster. Der Schlag war so heftig, das er das Bewusstsein verlor.


    Bruno Herfordt atmete heftig ein und aus. Er kochte vor Wut. Dieser Mistkerl hatte es tatschlich gewagt, sich zu wehren, obwohl er mit einer Waffe bedroht wurde? Doch schlimmer war es, dass er es gewagt hatte, seine Schwester anzugreifen! Er zog den Waffenhahn zurück und legte auf den am Boden liegenden Mann an. „Nein!, Bruno nicht! Bitte, lass ihn.“ Cassandra Herfordt hielt die Hand ihres Bruders fest und drückte die Waffe langsam runter. „Cassy, das ist nichts für dich! Geh zum Wagen und hol die Puppe!“ „Das werde ich erst tun, wenn du mir versprichst ihn nicht zu töten.“ Bruno lächelte leicht. „Cassy, ich will ihn nur einen Denkzettel verpassen. Er hat dich angegriffen. Das darf niemand machen. Niemals! Außerdem hat er uns gesehen. Ich muss verhindern, dass er uns identifiziert.“ „Aber wir sind doch maskiert. Er hat uns nicht gesehen. Lass uns fahren. Bitte Bruno…lass ihn.“ Sie flehte ihn regelrecht an. „Hol die Puppe…“ Sie nickte „Aber du wirst ihn nicht töten!“ „Natürlich nicht…“ Cassandra sah ihn eindringlich an und versuchte in den Augen ihres Bruders zu lesen, doch Bruno kannte diese Art von ihr und er konnte sich sehr gut verstellen. Sie ging zum Wagen, den sie etwas abseits geparkt hatte. Gerade als sie die Puppe von der Rückbank nahm, hallte ein Schuss. Sie zuckte zusammen und rannte wieder zu ihren Bruder. Der Mann, lag nach wie vor am Boden und sie sah das Blut aus einer Wunde an der Brust fließen. Sie starrte eine kurze Weile auf den Mann und dann zu ihrem Bruder. „Du hast gesagt, dass du ihn nicht tötest. Du hast mich angelogen!“ Bruno lachte leise. „Ich musste es tun. Leg die Puppe auf die Bank! Wir müssen weg!“ Cassandra ging wie hypnotisiert zur Bank und legte die Puppe hin. „Wenn sie dich kriegen, dann gehst du für immer ins Gefängnis. Was soll dann aus mir und Papa werden?“ Er hörte den Vorwurf. „Nur keine Angst. Ich werde nie wieder ins Gefängnis gehen. Nie wieder.“ Cassandra sah auf den Mann am Boden. „Er hat dir nichts getan. Warum tötest du einfach einen Unschuldigen? Was ist, wenn er auch Frau und Kinder hat?“ „Mach dir darüber keine Gedanken. Er ist lediglich ein Puzzleteil in meiner Rache. Ich will einfach nur diesen verdammten Bullen in seine Schranken weisen. Er hat mein Leben zerstört! Wegen ihm ist unsere Familie zerbrochen! Dafür muss er zahlen!“ „Aber…“ „Nichts aber! Du wirst sehen, er wird die nächste Zeit sehr viel zu tun bekommen. Und wenn er weiß, was es zu bedeuten hat, dann ist es für ihn zu spät.“ Er lachte gehässig. Cassandra Herfordt schüttelte den Kopf. „Diese verdammte Rache wird den Rest zerstören, der uns noch verbindet. Bruno, bitte…lass es doch. Bitte…“ Bruno strich seiner Schwester sanft über die Wange. „Mach dir keine Gedanken um mich. Wir reden zuhause darüber.“ Ein Auto, welches auf den Parkplatz fuhr, ließ die Beiden aufhorchen „Weg hier!!“

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Alex grinste leicht. „Okay, ich akzeptiere deine Entschuldigung. Aber wenn es noch einmal passiert, dann erwarte ich, dass du mich einweihst. Wenigstens mich!“ Semir schüttelte den Kopf. „Ich hoffe, dass es nie wieder vorkommt. Sowas brauche ich nämlich nicht!“ „Cobra 11 für Zentrale!“ unterbrach das Funkgerät das Gespräch zwischen den Freunden. Alex griff zum Mikro und meldete sich. „Cobra 11 hört. Was gibt es denn, Susanne?“ „Alex, wir haben einen Raub auf dem Rastplatz „Linden“ bei Kilometer 138,2. Eine schwerverletzte Person! Rettungswagen ist bereits auf dem Weg.“ Semir warf seinem Partner einen Blick zu, dann er trat das Pedal durch. Dank Blaulicht und Sirene, kamen sie schnell zum Einsatzort, wo sie ein uniformierter Kollege empfing. „Hallo Semir, Hallo Alex. Das Opfer ist bereits im Krankenwagen. Sieht nicht gut aus. Schusswunde in der linken Brust.“ Alex reichte dem Kollegen die Hand und auch Semir grüßte ihn mit einem kurzen Nicken. „Hallo Thomas, was ist denn genau passiert?“ „Das Opfer wurde hier, nach Aussage einer Zeugin, von zwei Tätern überfallen. Die Tat selbst hat sie aber nicht gesehen. Als sie auf den Parkplatz kam, haben die Täter die Flucht ergriffen. Das Fahrzeug, was dort steht ist auf einem Manuel Schumann zugelassen, ob das Opfer diese Person ist, können wir nicht sagen. Er ist nicht ansprechbar. Papiere haben wir keine gefunden.“„Gibt es eine Täterbeschreibung?“ „Nun ja, ich würde jetzt nicht gerade Beschreibung sagen. Wie gesagt, die Zeugin hat sie nur weglaufen sehen. Sie sollen Mönchkutten getragen haben und sind mit einem grauen oder blauen Toyota davon gerast. Leider konnte sie sich das Kennzeichen nicht merken. Diese Puppe hier, hat sie auf der Bank gefunden. Ob sie jetzt mit der Tat in Verbindung zu bringen ist, ist aber nicht klar.“ Semir und Alex hörten schweigend zu, bis der Kollege fertig war. „Was für eine Puppe`?“ „Hier, diese Puppe lag auf der Bank. Aber wie gesagt, die kann jeder hier vergessen haben.“ Semir berührte Alex kurz am Arm und dieser sah zu seinen Partner. „Alex, ich gehe mal zum Krankenwagen und horche nach.“ Er nickte und Semir verschwand in Richtung Krankenwagen, während Alex sich wieder an den Kollegen wandte, der ihm eine Puppe in einer Plastiktüte reichte. Alex musterte die Puppe genau. „Okay, irgendwie niedlich. Aber es waren keine Kinder im Fahrzeug oder?“ „Nein, so wie es aussieht, war das Opfer allein. Aber die Puppe finde ich nicht niedlich.“ „Nun ja, kommt immer auf das Kind an. Du hast doch auch Kinder. Spielen die nicht mit so etwas?“ „Nee, ich habe nur zwei Jungs und die mögen weder Puppen noch Mädchen.“ „Robbie….“ las Alex auf der Brust der Puppe. Der Kollege nickte nachdenklich. „Ja, aber wie gesagt, jeder kann die Puppe dort vergessen haben.“ „Ja sicher, aber wir lassen sie trotzdem untersuchen. Wo ist denn die Zeugin?“ Alex sah sich suchend um. „Sie sitzt im Streifenwagen bei dem Kollegen. Ist ziemlich fertig.“


    Semir klopfte an die Tür des Krankenwagen und nur wenig später sah der Arzt heraus. „Gerkhan, Kripo Autobahn. Wie sieht es aus?“ Der Mann musterte den Ausweis und sah ihn an. „Er ist nicht ansprechbar und damit auch nicht vernehmungsfähig! Die Kugel hat nur wenige Zentimeter das Herz verfehlt und er hat sehr viel Blut verloren. Wir müssen sofort ins Krankenhaus!“ Der Arzt wollte die Tür schließen, doch Semir hielt sie fest. „Welches Krankenhaus fahren Sie an?“ „Uniklinik! Das ist das nächste, aber Sie brauchen vor morgen überhaupt nicht kommen. Er wird sicher eine Weile nicht ansprechbar sein! Wir müssen!“ Die Tür schloss sich endgültig und der Rettungswagen raste mit Blaulicht und Sirene davon. Semir sah ihm nachdenklich nach. Alex kam zu ihm. „Und?“ „Sieht nicht gut aus. Der Mann ist schwer verletzt. Die Vernehmung können wir erst einmal vergessen. Bleibt nur die Zeugin. Hast du sie schon befragt?“ Alex schüttelte den Kopf. „Bisher noch nicht. Wollte auf dich warten.“ Sie gingen zusammen zu der Frau, die bei den Kollegen im Streifenwagen saß. Sie nahm die Polizisten erst wahr, als Alex sie antippte. „ Hallo, ich bin Alexander Brandt von der Kripo. Das ist mein Kollege Gerkhan. Können Sie uns ein paar Fragen beantworten?“ Die Frau drehte den Kopf zu ihm. „Monika Heuser. Ich…ich wollte hier nur zur Toilette! Ich wollte doch nur…“ Sie weinte und zitterte am ganzen Körper. „Der Mann, lebt er noch?“ Alex sah kurz zu Semir. „Ja, aber leider geht es ihm nicht sehr gut. Was ist passiert?“ Die Frau atmete tief ein und lehnte den Kopf zurück. „Ich bin hier auf dem Parkplatz, weil ich austreten wollte. Und da lag der Mann am Boden. Bei ihm waren zwei Personen, die weggelaufen sind, als sie mich gesehen haben. Ich bin sofort hin und… ich dachte er ist tot… Ich habe sofort die Rettung informiert…“ Die Worte kamen nur stockend von der Frau. „Können Sie die Personen, die weg gelaufen sind, beschreiben?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich. Ich habe die Gesichter nicht gesehen, aber sie trugen Mönchkutten und der Wagen war ein Toyota, er war grau oder blau, das konnte ich nicht genau sehen. Das Kennzeichen habe ich nicht gesehen. Ich wollte diesem Mann doch nur helfen.“ Sie schluchzte leise. Alex legte ihr sanft die Hand auf die Schulter. „Alles gut. Brauchen Sie auch einen Arzt?“ „Der war schon da und hat mir was gegeben. Ich will nur nach Hause. Bitte… ich will nach Hause.“ Semir zog Alex von dem Wagen weg. „Ich finde es nicht gut, wenn sie in dem Zustand allein bleibt. Wir sollten noch einen Rettungswagen ordern.“ Alex sah auf die Frau und stimmte seinem Partner zu. „Ja, ist sicher das Beste.“ Er wandte sich wieder an die Frau. „Frau Heuser, wir werden Sie auch ins Krankenhaus bringen lassen. Es ist besser für Sie.“ „Aber ich brauche meinen Wagen.“ Semir sah zu Alex und dieser nickte. „Wenn Sie mir vertrauen, dann werde ich Ihnen den Wagen auf den Parkplatz des Krankenhauses stellen und Ihnen die Schlüssel bringen.“ Sie lächelte dankbar und gab Alex den Schlüssel. „Das wäre sehr nett.“

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Die beiden Hauptkommissare warteten bis auch Monika Heuser ins Krankenhaus gebracht wurde. Alex setzte sich hinter das Steuer ihres Wagens und Semir fuhr hinter ihm her, um ihn vom Parkplatz des Krankenhauses wieder mit zu nehmen. Während Alex den Schlüssel zu ihr brachte, wartete Semir unten. Seine Gedanken gingen zu dem Mann, der verletzt wurde. Man kannte die Identität nicht und auch nicht, ob er diese schwere Verletzung überhaupt überlebte. Endlich kam Alex zurück. „Na das hat aber gedauert.“ „Sie brauchte mich noch für einen Augenblick. Bist du eifersüchtig?“ Alex grinste breit. „Ganz sicher nicht. Auf geht es! Wir müssen zur PAST und alles über diesen Schumann herausfinden, wenn er es war, der den Wagen fuhr.“ Semir mahnte zum Aufbruch. Alex stieg ein und schon ging die Fahrt los. Als sie das Büro betraten, wurden sie direkt von Susanne aufgehalten. „Ihr sollt sofort zu Frau Krüger kommen!“Sie musste lächeln, als sie den Blick bemerkte, den sich die beiden Hauptkommissare zuwarfen. „Ja, machen wir gleich. Susanne, versuch bitte alles über einen Manuel Schumann heraus zu finden. Wichtig ist, dass wir ein Bild von dem Herrn bekommen.“ „Alles klar! Ich kümmere mich darum.“ Susanne gab den Namen in ihren PC ein und Semir verschwand mit Alex im Büro von Kim Krüger. „Setzen Sie sich!“ Der Befehl kam wie immer kühl herüber. Semir und Alex setzen sich. „Was ist passiert?“ „Der Mann wurde von zwei Personen überfallen und lebensgefährlich verletzt. Wir wissen noch nicht, ob er überlebt.“ Kim nickte nachdenklich. „Ich habe eben mit dem Krankenhaus telefoniert. Er hat die Operation gut überstanden. Aber er ist nicht vernehmungsfähig. Was ist mit der Zeugin?“ Semir räusperte sich. „Sie wurde ebenfalls ins Krankenhaus gebracht. Es geht ihr den Umständen entsprechend. Sie konnte uns leider nur sagen, dass die Täter Mönchkutten trugen und einen grauen oder blauen Toyota fuhren.“ Kim sah ihn an. „Das ist nicht gerade viel. Gibt es noch weitere Spuren?“ Alex zog die Schultern hoch. „Das ist noch nicht sicher. Wir haben eine Puppe am Tatort gefunden. Ob sie allerdings was mit der Tat zu tun hat, ist nicht bekannt.“ „Gut, Sie werden den Fall übernehmen und mir regelmäßig Bericht erstatten! Kennen wir die Identität des Mannes?“ Kim Krüger wandte sich mit der Frage an Semir. „Leider nein. Wir vermuten aber, dass es Manuel Schumann ist. Susanne versucht gerade ein Bild von dem Mann zu bekommen.“ Kim entließ die Beiden, die sich sofort erhoben und das Büro verließen.


    Luisa Horn beendete ihre Schicht in der Tankstelle an der Raststätte „Königsforst“. Es war kurz vor zwölf und eigentlich sollte Sonja, ihre Freundin und Kollegin längst hier sein, doch sie glänzte durch Abwesenheit. Luisa versuchte sie über Handy zu erreichen, was leider ohne Erfolg blieb. Sie ahnte schon, dass Sonja wieder im Verkehr steckte, das würde jedenfalls ihre Ausrede sein und solange sie nicht da war, konnte Luisa nicht gehen. Sie lächelte und machte einen Kassensturz, da der Pächter genau wissen wollte, zu welchen Schichten, welche Einnahmen erzielt wurden. Fast 800 € hatte sie schon eingenommen und das war für diesen Tag sehr gut. Sie nahm das Geld und legte es in die Geldbomben, die sie anschließend im Tresor einschloss. Während sie das tat, drehte sie der Tür den Rücken zu. Gerade als sie den Tresor geöffnet hatte, öffnete sich auch die Tür. „Da bist du ja endlich! War die Straßen wieder so voll?“ Luisa drehte sich nicht um, denn sie ging davon aus, dass es Sonja war, die da hinein kam. Als sie keine Antwort bekam, wollte sie sich an ihre Kollegin wenden. Doch genau in diesem Moment spürte sie etwas Kaltes im Nacken. Luisa erschrak und wurde blass. Sie hob langsam die Hände. Obwohl sie noch nie mit einer Waffe bedroht wurde, ahnte sie genau, was sie dort im Nacken spürte. „Bitte nicht schießen…bitte…“ „Geld her! Alles!“ Luisa nickte und griff mit zitternden Händen, die eben in den Tresor gelegten Geldbomben. „Pack alles in die Tasche!“ Luisa tat was gefordert wurde. Sie legte die Geldkassetten in die Reisetasche, die ihr der Räuber vor die Füße geworfen hatte. Langsam stand sie dann auf und drehte sich zu dem Räuber um.


    Er trug eine Mönchkutte, die mit einer weißen Kordel gebunden war und er war groß. Bestimmt 2 m, dachte sie. An der Tür stand eine zweite Person. Luisa bemerkte, dass unter dieser Kutte eine Frau steckte. Sie war nicht so groß wie er und sprach gar nichts. Sie reichte ihm die Tasche. „Setz dich da hin!“ Luisa führte den Befehl aus und setzte sich auf den Bürostuhl. Der Räuber fesselte sie und war nicht zimperlich. Dann drehte er den Stuhl so, dass sie ihn ansehen musste. Luisa bemerkte den Blick, der in ihr Dekolletee ging. Er nahm eine Rolle Klebeband hervor und riss ein Stück ab. Doch bevor er sie knebelte, fuhr seine Hand über ihre Brust und drückte sie. Luisa drehte ihren Kopf weg. „Bitte nicht…nehmen Sie das Geld, aber lassen Sie mich in Ruhe, bitte…“ „Lass sie!!“ Der Räuber packte ihr Kinn und zwang sie ihn anzusehen. „Nur keine Angst Cherie. Wir wollen nur das Geld. Sei ein braves Mädchen…“ Er knebelte sie und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange. „Los weg hier!“ Luisa sah, wie die Räuber eine Puppe am Tresor platzierte und dann verschwanden. Tränen liefen ihr über das Gesicht. Sie versuchte die Fesseln zu lösen, doch es ging nicht. So saß sie ruhig da und wartete ab. Sonja musste doch gleich kommen. Tatsächlich kam ihre Kollegin nur fünf Minuten nachdem die Räuber weg waren und sah erschrocken auf sie. „Luisa!!“ Sonja löste ihr die Fesseln und Luisa zog sich das Klebeband ab. Sie ging zum Telefon und wählte mit zitternden Händen den Notruf. „Polizei? Ich…ich bin überfallen worden. Raststätte Königsforst. Mein Name ist Luisa Horn…“ Mehr sagte sie nicht. Sonja nahm sie in den Arm und Luisa fing an zu weinen. Es dauerte eine ganze Weile bis sie sich beruhigte.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Semir und Alex kamen aus dem Büro der Chefin und wollten gerade in ihr Büro gehen, als Susanne ihnen den nächsten Einsatz gab. „Wir haben wieder einen Überfall! Tankstelle an der Raststätte Königsforst!“ Die Hauptkommissare drehten auf dem Absatz um und verließen die PAST. Am Tatort angekommen, wurden sie von zwei uniformierten Kollegen eingewiesen und zum Opfer gebracht. Semir und Alex betraten das kleine Büro der Tankstelle. An einem Tisch saßen zwei Frauen und ein Mann. „Geht es wieder, Luisa?“ Der Mann strich einer jungen Frau sanft über den Arm. Diese weinte nur und schien sich nicht wirklich gut zu fühlen. Semir trat an den Tisch. „Frau Horn?“ Die Frau, um die sich die anderen Personen fürsorglich kümmerten, hob den Kopf. Alex sah die verweinten Augen und setzte sich neben sie.Semir nickte lächelnd. „Hallo, ich bin Alexander Brandt von der Kripo. Das dort ist mein Kollege. Können Sie uns ein paar Fragen beantworten?“ Er sprach sanft und einfühlsam mit ihr. Sie nickte nur. „Sehr schön. Aber vorweg. Brauchen Sie einen Arzt? Sind Sie irgendwie verletzt?“ Luisa Horn schüttelte den Kopf. „Gut, was ist passiert?“ „Ich habe auf meine Kollegin gewartet, die sich leider etwas verspätet hat. Ich hab das Geld in den Tresor geräumt, als mir eine Waffe in den Nacken gepresst wurde. Die Räuber drohten mir und…“ Alex lächelte sanft. „Wie viele Täter waren es?“ „Zwei, eine war eine Frau.“ Semir und Alex wechselten nur kurz einen Blick. „Was ist dann passiert?“ „Ich musste ihnen das ganze Geld rausgeben. Ich hab es getan, Peter…ich hatte Angst… ich wollte nicht sterben.“ Sie sah den Mann verzweifelt an. „Ganz ruhig, Luisa. Du hast richtig gehandelt. Das Geld kann ich verschmerzen.“ Semir wandte sich an den Mann. „Sie sind der Eigentümer?“ „Pächter...Peter Holzapfel.“ „Können wir uns kurz unterhalten?“ Der Mann nickte und verschwand mit Semir in den Verkaufsraum, während Alex die Befragung der jungen Frau fortsetzte. „Was ist passiert, als Sie das Geld übergeben haben?“ „Der Mann hat mich an den Stuhl gefesselt. Er wurde anzüglich, ich hatte Angst, dass er mich noch vergewaltigt, doch die Frau hat dann eingegriffen und sie sind verschwunden. Sie haben noch eine Puppe hinterlassen.“ „Eine Puppe?“ „Ja, so eine komische breitköpfige Puppe. Sie liegt noch beim Tresor.“„Können Sie die Personen beschreiben?“ Luisa dachte nach und rieb sich nervös die Hände. „Sie waren maskiert. Ich hab kein Gesicht gesehen, aber der Mann war größer als ich. Bestimmt 200 cm und sehr schlank. Die andere Person, die Frau… war kleiner. Ich schätze sie auf 170 cm. Sie war leicht untersetzt, aber nicht übergewichtig. Die Beiden trugen braune Kutten mit weißer Kordel. Sah aus wie Karnevalskostüme.“ Alex überdachte die Beschreibung und kam zum Entschluss, dass es vermutlich gleiche Pärchen gewesen war, wie auf dem Parkplatz. Zumindest stimmte die Beschreibung überein. „Okay, wie viel Geld befand sich in den Kassetten?“ „Es waren zwei Kassetten. In jeder waren 400 €. Die Einnahmen von heute.“ „Gut, und wo ist die Puppe?“ Luisa stand auf und Alex ging ihr nach. Sie zeigte in dem Kassenraum auf die Haba-Puppe mit dem Namen „Elli“. Er nahm sie in die behandschuhte Hand und sah sie sich an. Das auch hier eine Puppe gefunden wurde, war sicher kein Zufall.


    Als Semir mit Peter Holzapfel im Verkaufsraum stand, sah er ihn an. „Herr Holzapfel, gibt es eine Videoüberwachung hier in dem Raum?“ Peter Holzapfel schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin noch nicht dazu gekommen, eine einzubauen, aber das wird jetzt nachgeholt. Diese Schweine!“ Semir horchte auf. Es schien, als hätte Peter Holzapfel einen Verdacht und das wollte er nun genauer wissen. „Haben Sie einen Verdacht?“ Holzapfel atmete tief ein. „Vor ungefähr drei Wochen kamen zwei Männer und eine Frau zu mir in die Tankstelle und boten mir Schutz vor Überfällen an. Ich brauchte nur 500 Euro pro Woche zahlen. Ich habe diesen „Schutz“ abgelehnt und sie meinten, ich würde schon sehen, was ich davon habe.“ „Haben Sie die Polizei eingeschaltet?“ „Nein, ich wollte erst einmal abwarten. Ich meine, ich habe es für eine leere Drohung gehalten.“ „Das war sehr leichtsinnig! Man kann nie wissen, wozu solche Leute fähig sind. Können Sie Personen beschreiben?“ Peter Holzapfel dachte nach. „Also, die waren noch recht jung. Ich würde sie so 20 bis 25 Jahre schätzen. Das waren in meinen Augen Kinder. Es waren zwei Männer und eine junge Frau. Die Männer waren vielleicht 175 oder 185 cm groß, nicht größer. Einer von ihnen war untersetzt, der andere war sehr muskulös. Ich glaub, er sollte mehr zur Einschüchterung wirken, was er in meinen Augen aber nicht getan hat. Die Frau war sehr schlank und nicht gerade gut mit den weiblichen Reizen ausgestattet. Wenn ich geahnt hätte, dass die wieder kommen und zuschlagen, dann wären sicher schon Kameras eingebaut worden.“ Semir nickte nachdenklich. „Okay, sind irgendwelche Namen gefallen?“ „Nein, keine Namen.“ „Gut, dass Sie nicht die Polizei eingeschaltet haben, ist natürlich ein Fehler gewesen. Noch ist es zwar nicht sicher, dass es wirklich die Personen waren, aber ich werde die Kollegen damit beauftragen, hier öfter Streife zu fahren und wenn die Personen wieder auftauchen sollten, dann informieren Sie bitte die Kollegen. Unternehmen Sie nicht selbst etwas gegen die Leute.“ Semir ermahnte den Mann und ging wieder in das Büro, wo Alex mit einer Puppe in der Hand zu ihn kam. „Scheinbar unsere Freunde vom Parkplatz.“

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Hartmut bereitete sich auf den Feierabend vor, als die Türen aufgingen und Semir mit Alex eintrat. „Auf Wiedersehen, Feierabend…“ Diese Worte stöhnte er regelrecht. „Hallo Hartmut. Hast du schon ein paar Spuren von dem Parkplatz auswerten können?“ „Ja…also auf dem Wagen sind verschiedene Abdrücke sichergestellt worden. Die meisten stammen von Manuel Schumann. Es gibt noch welche, die allerdings von Handschuhen stammen. Der Rest ist noch nicht ausgewertet. An der Puppe habe ich keine Spuren sicherstellen können. Diese Habapuppe ist derzeit der Renner bei den Mädchen. Sie sind zwar nicht gerade schön und das, was wir von früher als Puppe kannten, aber immerhin geht es ja hier um die Kinder. Also diese Haba-Puppen…“ „Harmut, du willst doch Feierabend machen oder?“ Semir unterbrach den Techniker. „Ja sicher!“ „Dann beschränk dich mal auf das Wesentliche. Du hast also Fingerabdrücke am Auto gefunden. Viele davon von Schumann und von Handschuhen. Was ist mit den Anderen? Haben wir da Übereinstimmungen?“ „Leider nein.“ „Gut, das war alles was wir wissen wollten.“ Das Telefon klingelte. „Wenn ihr jetzt nicht gekommen wäret, dann hätte ich das Gespräch nicht annehmen müssen.“ Hartmut war etwas wütend und meldete sich. Als er auflegte sah er die Kollegen an. „Sorry, ich muss weg. Einsatz an der Raststätte Königsforst. Ein Überfall.“ Semir sah zu Alex. „Ja, da waren wir auch eben. Eine junge Frau wurde überfallen und diese Puppe wurde zurück gelassen. Aber es könnte sein, dass es diesmal mehr Abdrücke gibt.“ Hartmut nahm die Puppe. „Schon wieder eine? Waren es denn auch die gleichen Täter?“ Alex zog die Schultern leicht hoch. „Von der Beschreibung her, würde ich glatt davon ausgehen. Was meinst du, wie lange es dauert, bis du die Spuren in der Tankstelle gesichert hast?“ Hartmut sah auf die Uhr. „Nun, ich muss ja erstmal hin, dann schauen was es für Spuren zu sichern gibt und dann muss ich sie auswerten. Wir haben es jetzt gerade vier am Nachmittag. Ich denke morgen um zehn, werde ich sie ausgewertet haben und sie an euch schicken. Vorher ist es wirklich nicht machbar, denn ich muss auch mal schlafen. Bin jetzt schon seit vier heute Morgen hier.“ Semir grinste leicht. „Ja, das Leben ist grausam. Aber ich verrate dir was, wir sind auch schon lange auf den Beinen und haben eigentlich Feierabend. Nur müssen wir noch Berichte schreiben.“ „Ich bedauere euch gleich. Muss nur nach einem Termin schauen. Ne, mal ehrlich! Ich brauche wirklich Zeit. Warum schreibt ihr nicht eure Berichte und dann macht ihr Feierabend, während ich die Spuren sichere und auswerte? Meinen Feierabend kann ich jetzt ja vergessen.“ Während er sprach, packte Hartmut die Sachen zusammen, die er benötigte. Semir und Alex verließen die KTU und fuhren zur PAST um der Chefin Bericht zu erstatten. Diese hörte den Beiden schweigend zu. „Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?“ Kim sah beide abwechselnd an. „Im Augenblick müssen wir warten, bis Hartmut die Spuren ausgewertet hat. Das wird aber vor morgen früh nicht passiert sein.“ „Okay, dann machen Sie Beide Feierabend und machen sich morgen direkt wieder an den Fall. Ich will den Täter schnappen, bevor noch Schlimmeres passiert!“ Alex und Semir standen auf und verschwanden nur wenig später.


    Cassandra Herfordt verließ den Wagen und rannte wütend ins Haus. Bruno ging ihr hinterher und konnte sie am Treppenanfang aufhalten. „Cassy bitte! Was bist du denn so sauer?“ „Warum ich sauer bin? Du hast einen Mann erschossen und der Frau bist du an die Wäsche! Du hast gesagt, dass du nur ein paar Überfälle machen willst, damit du ihn in eine Falle locken kannst! Du hast nichts von Toten gesagt! Absolut gar nichts!°“ Sie schrie wütend und er versuchte sie zu beruhigen. „Hey, es ist doch gar nichts passiert. Das waren lediglich Opfer.“ „Wie oft willst du das noch machen?“ Sie sah ihn wütend an. „Bis ich meine Rache vollendet habe. Und das wird nur dann sein, wenn ich ihn umgebracht habe. Aber vorher werde ich ihn einige Dinge nehmen. So wie er mir sie genommen hat.“ „Und dann? Was willst du dann machen? Wenn du den Bullen umlegst, dann wirst du für immer in den Knast gehen. Für immer! Was soll das mit den Puppen?“ Bruno lachte auf. „Dieses Bullenschwein hat mir mein Leben versaut. Er hat es zur Hölle gemacht! Wenn er damals nicht gewesen wäre, dann wäre ich jetzt ein reicher Mann und müsste nicht so eine Scheiße machen!“ Seine Stimme wurde immer lauter. „Was soll das mit den Puppen?“ Cassandra ließ einfach nicht locker. „Das wird er wissen, wenn er richtig kombiniert. Aber wenn er es raus hat, dann ist er schon so gut wie tot.“ Cassandra stöhnte leise auf. Ihr Bruder war unglaublich stur und ließ sich auf nichts ein. Er atmete tief ein und nickte dann. „Cassy, du hast genug gemacht. Wie abgesprochen! Die restlichen Dinge werde ich allein durchziehen. Du wirst zu Papa fahren und dich um ihn kümmern! Er braucht dich. Um mich musst du dir keine Gedanken machen. Sobald ich den Bullen erledigt habe, werde ich zu euch kommen und dann führen wir ein sorgenfreies Leben.“ Sie senkte den Kopf. Er war ihr großer Bruder und sie war es gewohnt, auf ihn zu hören. „Aber du meldest dich bei mir. Das musst du mir versprechen. Und du darfst keine Menschen mehr töten. Bitte…das musst du mir versprechen.“ Sie sah ihn flehend an. Bruno lächelte und strich ihr mit dem linken Zeigefinger über ihre Wange. „Das verspreche ich dir. Ich werde mich jeden zweiten Abend bei dir melden.“ „Und keine Toten mehr!“ Bruno nickte. „Keine Toten. Das verspreche ich dir. Und nun pack deine Sachen. Dein Zug geht in zwei Stunden!“ Cassandra nickte und führte den Befehl von ihrem Bruder aus. Nur wenig später fuhr er sie zum Bahnhof und wartete sogar bis der Zug abgefahren war. Kurz danach verließ er das Gelände und fuhr wieder nach Hause. Er musste seine nächste Tat genau planen, denn diesmal wird es schwer werden. Sicher wussten die Bullen schon, welches Auto er fuhr und so musste er sich bald ein Neues suchen, doch diesmal musste der alte Toyota herhalten. Er nahm sich vier weitere Puppen aus den großen Karton und sah auf den Namen. Diesmal hießen die Puppen „Anja“, „Elise“, „Rubina“ und „Nele“. Entschlossen steckte er sie in eine Tasche, prüfte noch einmal seine Waffe und lud sie nach. Anschließend machte er sich daran, seinen Plan zu überdenken und befand ihn für gut. Entspannt legte er sich ins Bett und schlief gegen Mitternacht ein. Den Wecker hatte er auf sechs Uhr eingestellt.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Der nächste Morgen brach für Klaus Dassler mit der üblichen Arbeit an. Er fuhr zu seiner kleinen Raststätte an der A3, in Höhe der Abfahrt Leverkusen und bereitete wie immer alles vor. Regale auffüllen, Getränke in die Kühlung räumen, die Toiletten reinigen und das Toilettenpapier auffüllen. Alles machte er im Alleingang, denn seine Frau musste zunächst die Kinder für den Kindergarten fertig machen. Seit er die Raststätte übernommen hatte, musste er an alles denken. Noch warf dieses Geschäft nicht genügend ab, dass er sich Angestellte leisten konnte. Außer Katrin, seine Frau, half ihm keiner. Vor knapp drei Jahren war er Vater von einem Zwillingspärchen geworden. Sandra und Sonja waren seine Engel, wie er sie immer nannte. Für diese beiden kleinen Sonnenscheine wäre er gestorben. Er fand es schon schlimm genug, dass er kaum Zeit für sie hatte. Meistens schliefen sie schon, wenn er nach Hause kam. Aber er musste seine Familie versorgen und die Raststätte warf dafür gerade genügend ab. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Kunden stets mit einem zufriedenen Gesicht zu entlassen. Egal wer auch kam, er wurde immer zuvorkommend behandelt. Für die Kinder gab es immer eine kleine Überraschung für die weitere Fahrt. Die Preise hielten sich im Rahmen und er drückte auch schon mal ein Auge zu, wenn das Geld nicht reichte. Nur zehn Minuten nachdem er seine Türen geöffnet hatte, kam der erste Kunde herein. „Guten Morgen…“ Klaus sah den ca. 40jährigen Mann an. „Morgen..“ Der Kunde legte einen 50 € Schein auf den Tisch. „Säule 7!“ Klaus nickte und drückte die entsprechende Taste um den zu kassierenden Betrag angezeigt zu bekommen. „48.95€“ Er nahm den Schein und gab das Wechselgeld raus. Der Kunde steckte es ein und verließ den Raum. „Einen schönen Tag noch!“


    Als der Kunde gegangen war, wandte sich Klaus wieder seiner anderen Arbeit zu. Kaffeemaschine starten, Brötchen belegen und in die kleine Box legen. Doch er kam nicht weit, denn der nächste Kunde wurde durch die Türklingel angekündigt. Klaus ging durch den schmalen Gang, der den Verkaufsraum von seinem Büro abtrennte und wollte sich um den Kunden kümmern. Als er aus dem Gang heraustrat, wurde er gepackt und brutal gegen die Wand gedrückt. Nur wenig spürte er etwas Kaltes und Hartes im Genick. Klaus hob die Hände, um zu zeigen, dass er nichts unternehmen würde. „Keine Bewegung! Ich will nur das Geld und die Zigaretten!“ „Okay…kein Problem. Ich … ich gebe Ihnen alles. Aber es ist noch nicht viel in der Kasse…“ Klaus verfluchte, dass er noch keine Kameras im Raum hatte. Aber das würde sich, wenn er diese Situation überlebte, ganz schnell ändern. Bisher hatte er gehofft, dass die Attrappe Räuber abschreckte, doch es schien seine Wirkung zu verfehlen. Ein Stoß in seine Rippen ließ ihn wieder in die Realität kommen. „Geld her!!“ „Ja doch….ja… nicht nervös werden.“ Er packte das Geld in eine Tragetasche. „Zigaretten!“ „Möchten Sie eine bestimmte Marke?“ Klaus musste über seine Bemerkung selbst schlucken. Er versuchte locker rüber zu kommen, doch in Wirklichkeit, hatte er große Angst. Und dass die berechtigt war, zeigte die Reaktion des Verbrechers. Eine Kugel schlug in das Regal neben Klaus ein und er zuckte zusammen. Er packte die Zigaretten nach und nach und tat sie ebenfalls in die Tragetasche. Dann reichte er dem Mann diese, der gierig danach griff und sich zum Gehen wandte. Doch an der Tür drehte er sich wieder um, legte auf Klaus Dassler an und drückte ab. Klaus riss die Augen auf und wollte sich noch mit einem Sprung in Sicherheit bringen, doch die Kugel war schneller.


    Auch Alex und Semir traten ihren Dienst pünktlich an. Sie trafen auf dem Parkplatz gleichzeitig ein und begrüßten sich. Allerdings kamen sie nicht weit, denn Susanne rannte auf den Parkplatz. „Jungs! Ein Überfall! Tankstelle Lichtendorf! Ein Schwerverletzter!“ Alex und Semir sahen sich an, dann sprinteten sie zu Alex Mercedes und rasten nur wenig später los. Die Tankstelle Lichtendorf war, als sie dort ankamen, komplett abgesperrt. Mehrere Polizeiwagen blockierten die Ein- und Ausfahrt und der Rettungswagen stand direkt vor der Eingangstür. Semir und Alex hoben ihre Ausweise hoch und konnten durchgehen. Als sie die Tür der Tankstelle erreicht hatten, schoben die Sanitäter gerade eine Liege raus, auf der ein Mann lag, der ziemlich blass war. Semir hielt den Arzt fest. „Wie sieht es aus?“ „Schusswunde! Die Kugel steckt noch in der Schulter“ „Kann der Mann uns ein paar Fragen beantworten?“ „Nein! Er muss direkt ins Krankenhaus und operiert werden!“ Der Arzt löste sich und ging hinter der Liege her. „Semir!“ Alex, der bereits im Verkaufsraum war, rief seinen Kollegen zu sich. Als Semir in den Raum kam, hob er eine Puppe hoch. „Unsere Freunde.“ Semir nickte. Er nahm die Puppe und las den Namen. „Anja…okay. Also ist die Puppe Programm. Der Mann ist nicht vernehmungsfähig. Schultersteckschuss.“ Alex wies in die Ecke auf eine Kamera „Diese hier ist aber videoüberwacht. Das heißt, dass wir vielleicht endlich einen brauchbaren Hinweis auf die Täter bekommen.“ „Gut, dann sollten wir die Aufnahmen sichern.“ Bevor sie allerdings sich auf die Suche nach den Aufzeichnungen machen konnten, kam eine Frau in den Verkaufsraum.


    „Was ist denn hier los?“ Alex und Semir drehten sich zu ihr um. „Wer sind Sie?“ „Katrin Dassler! Ich…meinem Mann gehört die Tankstelle. Wo ist er denn? KLAUS!!“ Semir zog seinen Ausweis und zeigte ihr diesen. „Gerkhan, Kripo Autobahn, das ist mein Kollege Brandt. Ihr Mann wurde überfallen.“ Die Frau riss die Augen weit auf. „Oh mein Gott! Wo ist er denn? Ist er verletzt? Liegt er im Krankenwagen?!“ Sie wollte gehen, doch Alex hielt sie fest. „Frau Dassler, Ihr Mann wurde angeschossen und wird ins Krankenhaus gebracht. Wir können Sie gleich hinbringen lassen, aber erst müssen wir die Videoaufnahmen haben. Können Sie uns helfen?“ Durch das Fenster sah er, wie der Rettungswagen mit Blaulicht und Sirene abfuhr. Katrin Dassler schüttelte den Kopf. „Das ist eine Attrappe. Sie nimmt nichts auf. Bitte, ich will zu meinem Mann…“ Alex nickte und brachte die Frau nach draußen. Er beauftragte einen der uniformierten Kollegen damit, Katrin Dassler ins St. Vinzenz nach Leverkusen zu bringen. Alex ging wieder zurück zu Semir. „Schade, ich hatte echt gehofft, dass wir jetzt ein Gesicht von dem Täter haben.“ Semir nickte nur. „Jetzt haben wir drei Puppen und drei Namen. Wie hängt das nur zusammen?“ Sein Partner zog die Schultern hoch und sah sich um. „Ich weiß es nicht. Wir haben allerdings auch keine Beschreibung der Tat.“ „Ja, das können wir frühestens morgen erfahren. Heute wird der Mann sicher nicht ansprechbar sein. Lass uns zu Hartmut fahren! Vielleicht hat er etwas herausgefunden, was die Spuren angeht.“ Alex stimmte ihm zu und sie verließen mit der Puppe den Tatort, um zu Hartmut zu fahren.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Hartmut holte sich seinen grauen Kittel aus dem Schrank und schlüpfte hinein. Dann ging er in die, an der Werkstatt grenzende Küche und machte sich einen starken Kaffee. Er hörte wie die Tür zur Werkstatt aufging und rollte die Augen. Er war noch keine fünf Minuten da und schon gab es Arbeit. Auch wenn er überhaupt nicht motiviert war, seine Arbeit aufzunehmen, so ging er in die Werkstatt und sah, wer ihn störte. „War ja so klar…“ Er sah Semir an. „Guten Morgen Einstein.“ „Semir, seit du wieder im Dienst bist, habe ich keine Pause mehr. Außer wenn ich mich zuhause einschließe. Wenn du jetzt wissen willst, was ich herausgefunden habe…“ Anstatt zu antworten hob Semir die Puppe hoch. Hartmut sah sie sich an. „Noch eine?“ „Ja, diesmal gab es wieder einen Schwerverletzten. Ich hoffe nur, dass er durchkommt. Hast du die Spuren von gestern ausgewertet?“ Hartmut nickte. „Ich bin noch nicht ganz fertig, aber es sind die gleichen Handschuhabdrücke gefunden worden, wie an dem Auto von Schumann. Mehr kann ich allerdings noch nicht sagen.“ Semir warf Alex einen Blick zu. „Also ganz eindeutig eine Serie. Okay, Hartmut, kann man irgendwie diese Puppen zurückverfolgen?“ Hartmut ging in die Küche und brachte nur wenig später zwei Tassen und Kaffee mit. „Hier, könnt ihr sicher gebrauchen. Also, diese Puppen kannst du mit Sicherheit zurückverfolgen, wenn du weißt wo sie gekauft wurden.“ „Und wo kauft man die?“ „Na in jedem guten Spielzeugladen oder im Internet, bei Ebay oder bei Amazon, ich kann dir etliche Händler nennen. Das wird dir nicht wirklich viel helfen.“ Semir stöhnte leise auf. Er hatte gehofft, dass er hilfreiches erfuhr, doch auch Hartmut schien mit seinem Latein am Ende. Sie leerten, die von Hartmut gefüllten Tassen und verabschiedeten sich. „Wie wollen wir denn nun weitermachen?“ Alex sah Semir nur kurz an. „Ich weiß es nicht. Was haben wir? Die Spuren sind nicht zu verwerten, zumindest das was Hartmut bisher herausgefunden hat. Die Puppen können überall gekauft werden und die Opfer sind, außer dieser Frau Horn nicht vernehmungsfähig. Obwohl, wir können noch mal versuchen an diesen Mann vom Parkplatz zu kommen.“ Alex stimmte ihm zu. „Genau, und dann könnten wir auch noch Frau Horn befragen und Frau Heuser, vielleicht ist ihr auch noch etwas eingefallen.“ Sie reihten sich zur Autobahn ein, als der nächste Notruf einging. „Cobra 11 für Zentrale! Überfall auf der Raststätte „Ehrenberg“ an der A3 bei Kilometer 248! Täter flüchtet in einem grauen Toyota mit dem Kennzeichen: BM – K 4711! Das Kennzeichen ist vor drei Tagen als gestohlen gemeldet!“ Semir griff sofort zum Mikro. „Cobra 11 verstanden! Nehmen die Verfolgung auf!“ Alex sah ihn kurz an und gab Gas. Nur wenige Minuten waren vergangen, als Semir den Wagen entdeckte. „Da hinten ist er!!“ Er zog seine Waffe und prüfte sie kurz, dann nickte er Alex zu. Sie kamen dem Fahrzeug immer näher, der rücksichtslos über die Autobahn raste.


    Cordula Heeren war mit ihrem Enkel Leon vom Einkaufen auf den Weg zurück nach Hause. „Leon, was wollen wir denn heute noch machen, bis die Mama kommt?“ Sie sah den Jungen durch den Rückspiegel an. „Hmmm….Spielplatz?“ Der Fünfjährige strahlte schon jetzt vor Freude. „Ja, das können wir machen. Dann spielen wir wieder Piraten?“ Leon klatschte freudig in die Hände. „Au ja!!!“ Cordula lächelte. Sie versorgte Leon während seine Mutter am Arbeiten war. Auch sein Vater war sehr oft unterwegs. Für Cordula, die seit sechs Jahren Rentnerin war, war dies eine sehr sinnvolle Aufgabe und sie sah ihren Enkel fast täglich. Cordula sah in den Rückspiegel, als sie in den Augenwinkeln etwas aufblinken sah und bemerkte natürlich das Blaulicht, sowie den grauen Toyota. Sie sah noch einmal kurz auf ihren Enkel, um sicher zu gehen, dass die Gurte noch fest waren. Leon kam schon mal auf die Idee, die Gurte zu lösen, doch diesmal war alles fest. Sie überholte den letzten Wagen auf der rechten Spur und wollte dann auf dieser Spur ausweichen um nicht in Gefahr zu geraten. Doch sie schaffte es nicht mehr. Der graue Toyota fuhr ihr auf die Stoßstange und tuschierte ihren Wagen so heftig, dass sie die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. Der Wagen fing an zu schleudern. Cordula schrie auf und versuchte gegen zu lenken, was nicht funktionierte. „LEON!!!“ schrie sie panisch. Der Wagen durchbrach die Leitplanke und krachte in die Böschung. Der Graben, der die Autobahn von dem großen Feld trennte, war das Letzte was sie sah. Sie knallte mit dem Kopf gegen die Seitenscheibe. Mit der Brust prallte sie gegen das Lenkrad und sie spürte wie die Splitter der Windschutzscheibe sich in ihre Wange bohrten. Dann verlor sie das Bewusstsein. Sie bekam nicht mehr mit, wie Leon den Gurt ruckzuck löste und zu ihr kroch. Sie hörte nicht, wie er sie anschrie und anfing zu weinen. Sie bekam auch nicht mehr mit, wie die Türen von dem Wagen geöffnet wurden und kräftige Hände zupackten, um sie aus dem Wagen zu zerren.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Alex stieg in die Eisen, als sie sahen, wie der Wagen in die Böschung krachte. Semir sprang raus, bevor der Wagen auch nur stand und rannte zum verunfallten Fahrzeug. Er zerrte die Tür auf und sah die verletzte Frau am Lenkrad. Sie blutete aus einigen Wunden im Gesicht. „OMA!! OMA!!“ Semir zuckte zusammen. Erst jetzt sah er den kleinen, vielleicht gerade mal fünfjährigen Jungen. „Oma…wach auf….Oma….“ „Hey, Kleiner…ganz ruhig. Bist du auch verletzt? Hast du dir wehgetan?“ Semir versuchte an den Jungen heran zu kommen, doch dieser zuckte, vor dem ihm fremden Mann, zurück. „Na komm…komm raus…ich tu dir nichts.“ Wieder streckte er die Hand aus und diesmal bekam er den Arm des Jungen zu packen. Sanft zog er ihn aus dem Wagen. „OMA!! OMA!! ICH WILL NICHT!!! NEIN!!! OMA!!“ Der Junge weinte herzzerreißend. Semir wusste genau, dass der Kleine große Angst hatte. Er war nur schwer zu bändigen, denn der Junge wollte zu seiner Oma. „Ganz ruhig mein Kleiner. Ganz ruhig. Wir kümmern uns um deine Oma. Komm…wir setzen uns da hinten hin.“ Doch so einfach war der Junge nicht zu beruhigen. Als Semir ihn auf den Arm nahm, strampelte er wie wild. Er boxte ihn in den Rücken und versuchte ihn zu verletzten. „OMA!! ICH WILL NICHT!! OMA!!“ Semir ließ den Jungen im Gras nieder und hielt ihn weiterhin fest. „Ist ja gut…ist alles gut. Ich bin von der Polizei! Es passiert deiner Oma nichts. Ich bin Semir. Wie heißt du?“ Der Junge sah ihn mit verweinten und weit aufgerissenen Augen an, die voller Angst waren. „OMA!!“ „Deine Oma ist verletzt, aber wir kümmern uns um sie. Ganz ruhig…ganz ruhig, Kleiner…“ Sanft drückte Semir den Jungen an sich, um ihm etwas Nähe zu geben, doch er wusste auch, dass es für das Kind sehr schlimm war, seine geliebte Oma blutend und bewusstlos zu sehen. Semir hielt den kleinen zitternden Körper sanft fest. Langsam beruhigte der Junge sich. „Wie heißt denn deine Oma? Wie heißt du?“ „Leon…“ „Schön. Leon und wie weiter?“ Der Kleine sah ihn an. „Weiß nicht…“ Semir lächelte sanft und nickte. „Dann müssen wir deine Oma fragen.“ Er sah zum Wagen, wo Alex die Frau gerade herausgezogen hatte und nun ins Gras legte.


    Alex zog die Frau vorsichtig in einer sicheren Entfernung zum Fahrzeug und legte sie ins Gras. Der Wagen qualmte leicht. Er suchte nach dem Puls und schloss erleichtert die Augen, als er diesen schließlich fand. Der Puls schlug zwar etwas schwach, aber immerhin war er zu spüren. Semir kam mit einem kleinen Jungen zu ihm und dieser warf sich weinend neben die Frau. Er strich ihr sanft über das verletzte Gesicht. „Oma… Oma, wach doch auf. Bitte, wach doch auf. Wir wollen doch spielen gehen. Oma…!“ Alex schluckte und sah Semir hilfesuchend an. „Die Rettung ist bereits informiert. Diese Schweine!“ Semir fluchte verhalten. „Die kriegen wir noch, das glaub mir, die kriegen wir noch!“ „Oooooh…“ Die ältere Frau öffnete die Augen. Sie sah sich panisch um. „LEON!! LEON!!“ Sie wollte hoch, doch Alex drückte sie sanft zu Boden. „Bleiben Sie liegen. Wir wissen nicht, wie schwer Sie verletzt sind. Ihr Enkel ist hier.“ Alex wies auf den Jungen, der im Gras saß und nun wieder zu seiner Oma kroch. „Ich bin hier, Oma…“ Der Kleine hatte sich nun vollends beruhigt und die Frau streckte ihren Arm aus, um den Jungen zu fassen. „Bist du verletzt? Hast du dir wehgetan?“ „Der Junge ist in Ordnung. Können Sie mir Ihren Namen sagen?“ „Cordula Heeren, das ist mein Enkel Leon.“ „Ich bin Alex Brandt von der Polizei und das da hinten ist mein Kollege. Wissen Sie, was passiert ist?“ Cordula Heeren nickte. „Ich bin von der Straße gedrängt worden. Ich konnte nichts machen. Mein Kopf tut weh…“ „Die Rettung kommt schon. Bleiben Sie einfach ruhig liegen. Wir kümmern uns um Leon.“ Alex lächelte die Frau beruhigend an. Dann endlich war auch die Rettung da und er wurde gebeten, sich von der Frau zu entfernen, damit die Rettungskräfte sie untersuchen konnten. Auch Leon wurde untersucht. Alex ging zu Semir und sah ihn nur an. „Ist hoffe es ist nicht so schlimm.“ Semir nickte nur. „Das hätte anders ausgehen können. Der Junge ist auf jeden Fall unverletzt, aber er hat mit Sicherheit einen Schock. Ich hab ihre Tasche aus dem Wagen genommen und….ah der Arzt kommt.“ Der Notarzt kam zu ihnen. „Die Frau hat eine Rippenprellung, eine leichte Quetschung des Brustbereiches, eine Platzwunde am Kopf und eine leichte Gehirnerschütterung. Die Schnittwunden im Gesicht sind nicht sehr tief und heilen von allein. Wir werden sie mit ins Krankenhaus nehmen. Sie wollte noch einmal den Mann sprechen, der sie aus dem Auto geholt hat.“ Alex nickte und ging zu der Frau, die mittlerweile auf der Trage lag. „Danke junger Mann. Können Sie bitte meinen Sohn anrufen und ihm sagen, dass er Leon abholen muss. Ich denke, ich werde wohl im Krankenhaus bleiben.“ Sie hielt seine Hand und Alex lächelte leicht. „Klar, mach ich. Wie heißt Ihr Sohn?“ „Peter Heeren… ist im Handy gespeichert.“ „Wir müssen! Wir fahren mit ihr in die Uniklinik!“ Der Arzt drängte zum Aufbruch. Alex führte den Wunsch durch und informierte den Sohn, der versprach schnellstens zu kommen. „Alles klar!“ Semir drückte dem Sanitäter noch die Handtasche in die Hand und sah dem abfahrenden Rettungswagen nach.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Bruno Herfordt fluchte verhalten. Diese verdammten Bullen waren ihm doch auf die Spur gekommen. Also gut, dann musste er nun tricksen, damit sein Plan aufging. Das war verdammt knapp. Jetzt musste er das Fahrzeug loswerden. Er lenkte den Toyota über die Landstraße bis zum Steinbruch und stieg aus, als er an einem der Hänge stand. Er holte seine Beute und eine weitere Tasche heraus, nahm den Gang raus und schob den Wagen weiter vor. Der Wagen geriet in Schräglage und stürzte mit einem lauten Gepolter den Abhang runter. Herfordt sah dem Wagen nach und grinste leicht, als dieser unten aufschlug und in Flammen aufging. Diese Spur war schon einmal weg. Die Bullen würden den ausgebrannten Wagen sicher schnell finden. Doch damit war er wieder in Sicherheit. Nun würde er dafür sorgen, dass sie sich nicht so um ihn kümmerten und er wusste auch schon wie. Er nahm seine Beute und verließ den Steinbruch. Dabei fiel sein Blick auf die nächste Puppe, die er dabei hatte. Er nahm sie und grinste leicht. Warum eigentlich nicht? Die Bullen musste beschäftigt werden, doch diesmal würde auch er seinen Spaß haben. Viel zu lange hatte er sich schon zurück gehalten. Nur wenig später stand er an der Landstraße und versuchte einen Wagen anzuhalten. Es musste auf jeden Fall eine hübsche, junge Frau sein, sonst machte es keinen Spaß. Tatsächlich dauerte es gute zwei Stunden, bis ein Wagen hielt. „Hallo…“ eine blonde Frau saß am Steuer. „Hi, ich möchte nach Siegburg, nehmen Sie mich ein Stück mit?“ Bruno legte den Kopf schief. „Ja, das mache ich gern. Ich fahre in die Richtung.“ Sie ließ ihn einsteigen und er musterte sie gründlich. Eine hübsche Dame. Schade nur, dass sie ihn nicht bis nach Siegburg bringen würde. Doch erst musste er auf guten Jungen machen. „Was machen Sie denn in Siegburg?“ Die junge Frau, Bruno schätzte sie auf 25, sah ihn kurz an. „Ich muss mich dort vorstellen…“ „Das klingt doch gut. Ich hoffe, dass Sie den Job bekommen. Ich bin übrigens Jana.“ Sie reichte ihm die Hand. „Marko…“ Er nahm ihre Hand und drückte sie fest. So fuhren sie eine Weile und er suchte den Straßenrand nach einem Feldweg ab, der möglichst unauffällig war. Doch es kam keiner. Nach guten zwei Kilometern war es dann soweit, ein Parkplatz wurde angekündigt. Nun musste er sein wahres Gesicht zeigen. „Okay, Baby…fahr rechts auf den Parkplatz“ Seine Stimme hatte etwas Drohendes, doch Jana lächelte leicht. „Warum sollte ich?“ „Weil ich das sage!“ Nun zog er seine Waffe und drückte sie der jungen Frau in die Seite. „Was soll das?!“ Jana sah ihn erschrocken an. „Fahr auf den Platz oder du schluckst eine Kugel. Das ist sehr unangenehm, glaub es mir…“


    Nachdem Semir und Alex sich etwas beruhigt hatten, fuhren sie zum eigentlichen Tatort. Diesmal war es wieder eine kleinere Raststätte an der Autobahn. Die kleine Raststätte „Ehrenberg“ war bei ihrem Eintreffen in heller Aufregung und die Gäste diskutierten heftig über das, was vorgefallen war. Alex und Semir brauchten eine Weile, bis endlich Ruhe geschafften war, damit sie mit den Ermittlungen anfangen konnten. „Mein Name ist Alexander Brandt von der Kripo Autobahn, das hier ist mein Kollege Semir Gerkhan! Wir müssen wissen, was hier passiert ist, aber bitte nicht alle auf einmal!“ Semir grinste Alex an. Eine Frau trat vor. „Ich bin Anja Rolfes, die Betreiberin des Restaurants.“ „Können wir uns irgendwo ungestört unterhalten, Frau Rolfes?“ Semir sah die Frau an. „Ja sicher, kommen Sie…entschuldigen Sie, aber ich bin im Augenblick fertig.“ Sie gingen in einen kleinen Nebenraum. „Brauchen Sie einen Arzt?“ „Nein, das geht schon. Ich bin nicht verletzt. Aber sowas ist mir noch nie passiert…“ „Okay, beruhigen Sie sich. Was ist denn passiert? Alex, kannst du die Leute draußen schon mal befragen?“ Alex nickte und verschwand wieder in den Gästeraum. Semir wandte sich wieder Anja Rolfes zu. „Okay, erzählen Sie mir, was passiert ist.“ „Ich bin vor einer Stunde hergekommen und wollte meinen Mann ablösen. Der ist seit gestern Abend hier am arbeiten…wissen Sie, meine Tochter ist krank und…“ „Deshalb sind Sie zu spät gekommen. Was ist denn genau passiert?“ „Ich bin vor ner Stunde hergekommen und betrat das Restaurant. Ich bin in die Küche und sehe meinen Mann am Boden liegen. Ich habe den Notarzt sofort gerufen…“ „Ihr Mann ist verletzt?“ „Ja…aber nicht so schlimm. Er sagte mir, dass er überfallen wurde. Mitten am Tag und in seiner Küche!“ „Wo ist Ihr Mann jetzt? Ist er noch hier?“ „Ja sicher…kommen Sie!“ Anja Rolfes ging vor und Semir folgte ihr. Martin Rolfes stand auf, als seine Frau in die Küche kam. „Das ist Herr Gerkhan von der Kripo.“ „Gerkhan….hallo…“ „Martin Rolfes…wer hat Sie denn gerufen? Anja, ich sagte doch es ist nicht notwendig, die Polizei zu rufen!“ „Das hab ich doch gar nicht!“ „Wir wurden von der Mannschaft des Rettungswagens gerufen. Also, was ist passiert?“ „Ich bin überfallen worden, dass ist passiert. Ein Mann, glaub ich.“ „Sie glauben?“ Semir sah ihn skeptisch an. „Ja, zumindest habe ich nichts Weibliches entdecken können.“ „Okay, was hat der Täter erbeutet?“ „Knappe 500 Euro. Heute war ein verdammt guter Tag. Ich wollte ihn aufhalten, aber dann hat er mich einfach niedergeschlagen. Ich bin Koch und kein Boxer! Als ich aufwachte, da lag diese Puppe neben mir. Ich hab sie vorher noch nie gesehen.“ Semir nickte und nahm die Puppe auf. Sie trug den Namen „Rubina“

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Semir wandte sich wieder an Martin. „Okay, können Sie die Person beschreiben?“ Martin überlegte leicht. „Nun ja, soweit ich es beurteilen kann, glaube ich, dass es ein Mann war. Sehr groß, bestimmt 2 m. Mehr weiß ich leider nicht.“ „Gut, und Sie haben dieser Person das Geld gegeben und man hat Sie niedergeschlagen. Hat der Mann was zur Puppe gesagt?“ „Nein, auch nicht. Anja, wir schließen für heute. Ich will nicht, dass du jetzt allein hier bist. Wer weiß ob der Kerl nicht noch mal kommt und dann dich überfällt.“ „Das ist keine gute Idee, Schatz. Wir brauchen das Geld doch!“ Semir wandte sich an die Frau. „Frau Rolfes, ihr Mann hat Recht. Es ist gefährlich, aber Sie können hier eh heute nichts mehr machen, denn das hier ist jetzt ein Tatort und wir müssen die Spuren sichern. Sobald wir die Gäste befragt haben, werden wir alle entlassen und hier absperren. Wissen Sie, wie der Täter hier reingekommen ist? Und konnten Sie sehen, ob der Täter einen Komplizen hatte?“ „Ich habe nur einen gesehen. Das geht nur über den Gästeraum. Ich vermute, dass es eigentlich ein Gast war.“ „Danke, das war es erst einmal. Legen Sie sich am besten hin, wenn Sie zuhause sind. Es ist gut möglich, dass Sie eine Gehirnerschütterung haben. Gibt es hier eine Videoüberwachung?“ Martin Rolfes schüttelte den Kopf und verzog das Gesicht. Er trug ein Verband um den Kopf. „Nein, leider nicht.“ „Okay, ich werde meinen Kollegen jetzt mal helfen.“ Semir verließ die Küche und ging zu Alex in den Restaurantbereich, wo dieser dabei war, die anwesenden Gäste zu vernehmen. Ein wahres Stimmengewirr begrüßte ihn. „Wo mache ich weiter?“ „Die Reihe links hab ich noch nicht!“ „Alles klar.“ Semir ging nach links und nahm sich ein Gast nach dem Anderen vor, doch die Angaben waren ziemlich dürftig. Nach einer Stunde waren sie durch und Alex gesellte sich zu Semir. „Und was hast du?“ „Eine Puppe mit dem Namen Rubina und eine sehr vage Täterbeschreibung.“ „Dann wird es Zeit, dass wir den Mann vom Parkplatz vernehmen! Lass und endlich ins Krankenhaus fahren!“


    Er stöhnte lustvoll auf und verkrampfte sich etwas. Das war so verdammt gut. Endlich hatte er sich das geholt, was er brauchte. Nachdem er sich ein wenig ausgeruht hatte, erhob er sich, zog die Hose hoch und sah auf Jana, die reglos vor ihm lag und einfach nur an die Decke starrte. „Du warst echt gut Baby… Ich muss nur verhindern, dass du der Polizei zu viel erzählst.“ Jana sah ihn an. Sie weinte und schluchzte. Er strich ihr sanft über das Gesicht. „Und nun gib mir deine Autoschlüssel!“ Da er wusste, dass sie es gar nicht mehr konnte, griff er ihre Tasche und warf alles daraus auf den Boden. Dann nahm er die Autoschlüssel und zog seine Waffe wieder hervor. „Du bist eine süße Maus, Jana, aber leider bist du auch gefährlich.“ Er küsste sie und dann drückte er ihr die Waffe an den Kopf. „Bitte nicht…bitte nicht…“ Jana weinte und flehte und es schien zu wirken. „Nicht weinen…denke an etwas Schönes. Zum Beispiel an den geilen Sex, den du in den letzten Minuten genießen durftest. Du wirst niemanden etwas sagen oder?“ Jana nickte ängstlich. „Ich verspreche, ich werde nichts sagen. Bitte töten Sie mich nicht … bitte…“ Sie flehte um ihr Leben. „Natürlich nicht… ich habe nur ein kleines Problem. Ich traue dir nicht. Tut mir Leid Süße … tut mir wirklich leid…“ Er ging ein paar Schritte von ihr weg und legte dann mit der Waffe an. Dann drückte er eiskalt ab. Jana zuckte zusammen, als die Kugel sie traf und erschlaffte. „Arme Jana, du hast es nicht verdient, aber ich muss auf der Hut sein. Du bist ein wichtiger Teil in meiner Rache, aber noch darf er nicht auf meine Spur kommen.“ Er legte die Puppe neben der reglosen Frau und verließ dann das Toilettenhäuschen. Vorsichtig spähte er um die Ecke, um eventuelle Zeugen zu erwischen. Doch er war hier allein. So konnte er das Häuschen unerkannt verlassen. Er stieg in den Wagen von Jana und fuhr davon. Schade eigentlich, dass er das Mädchen töten musste, aber sie wäre ihm sonst gefährlich gewesen. Das nächste was er sich holte, würde er bei sich in den Keller sperren. Da könnte es dann brüllen, schreien und heulen so viel es wollte. Niemand würde sie hören. Wie gern hätte er ein Mädchen, welches noch unberührt war. Er müsste der Erste in ihrem Leben sein. Ja, aber solche Mädchen waren heute nur schwer zu finden.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Während der Fahrt zum Krankenhaus funkte Susanne Semir an. „Cobra 11 für Zentrale!“ „Cobra 11 hört, was ist los Susanne? Nicht noch einen Überfall bitte!“ „Ich habe eben den Anruf erhalten, dass der Mann vom Parkplatz nun vernehmungsfähig ist. Er hat sich als Manuel Schumann ausgegeben.“ „Wir sind bereits auf dem Weg. Danke, Susanne!“ Im Krankenhaus angekommen, fragten sie sich nach Schumann durch. Als sie das Krankenzimmer betraten, sahen sie den Mann im Bett liegen. Er hatte die Augen geschlossen. Ein dicker Verband zierte seine Brust. „Herr Schumann?“ Der Mann drehte den Kopf und sah ihn müde an. „Gerkhan, Kripo Autobahn. Wir haben ein paar Fragen wegen dem Überfall. Sie erinnern sich?“ „Ja…“ Die Stimme war schwach. „Können Sie uns ein paar Fragen beantworten?“ „Ja…“ „Okay, an was erinnern Sie sich?“ „Ich wollte eine Pause machen. Da packte mich jemand und drückte mich ans Auto. Dann wurde ich mit einer Waffe bedroht und… um mein Geld erleichtert.“ Manuel Schumann schloss die Augen. Er musste sich beim Sprechen sehr anstrengen. „Okay, haben Sie die Täter gesehen?“ „Nein…sie waren maskiert. Und sie trugen Mönchkutten. Einer der Täter hat mich bedroht. Als ich mich wehrte, hat er mich niedergeschlagen und dann bin ich hier im Krankenhaus aufgewacht.“ Semir sah zu Alex. „Können Sie noch mehr sagen?“ „Einer von ihnen war eine Frau…und der, der mich bedrohte, war bestimmt 2 m.“ Wieder schloss er die Augen. „Okay, das hilft uns schon mal. Wie hoch war denn die Beute?“ „Fast 7000 Euro in bar…“ Manuel Schumann schloss immer wieder die Augen und Semir spürte, dass der Mann noch sehr schwach war. „Warum hatten Sie so viel Bargeld bei sich?“ Alex wurde direkt misstrauisch. „Ich bin Autoverkäufer. Ich war auf dem Weg zur Bank, als es passierte.“ Semir sah Alex kurz an. „Gut, dann wünschen wir Ihnen noch gute Besserung.“ Sie verabschiedeten sich und fuhren zur PAST zurück. „Okay, hoffentlich haben wir jetzt genügend Zeit, dass wir auch ermitteln können. Dieses Pärchen schlägt ja sekündlich zu.“ Alex nickte nachdenklich. „Der muss doch genau wissen, welche Orte überwacht werden und welche nicht. Ich werde Susanne mal beauftragen, die Kundenkartei zu durchsuchen. Größer als 1,90 m, männlich, schlank.“ Er griff zum Funkgerät. „Zentrale für Cobra 11!“ „Zentrale hört?!“ „Susanne, ich brauche deine Hilfe…“ „Bevor du weiter sprichst. Wir haben eine Leiche am Parkplatz Malvenwald.“ „Oh verdammt!“ Alex stieß diesen Fluch aus und trat das Pedal durch. „Verstanden, wir übernehmen!“ Semir schaltete Sirene und Blaulicht an. „Das kann ja wohl nicht wahr sein! Wie sollen wir bei diesen kurzen Abständen die Spuren auswerten?“ Sie brauchten nur wenige Augenblicke um zum Tatort zu kommen. Der Rettungswagen stand bereits dort und Semir sah, wie eine Person aus dem Toilettenhäuschen getragen wurde. Der Körper war vollständig abgedeckt. Sie sprangen aus den Wagen und gingen hin. „Gerkhan, Kripo Autobahn!“ „Meiser, die Frau wurde brutal vergewaltigt und sie wurde auf kurzer Distanz erschossen. Da drinnen sieht es aus wie ein Schlachtfeld.“ Semir schluckte schwer. Alex kam zu ihm. „Ich hab was gefunden.“ Semir drehte sich zu ihn um. Alex hielt eine Puppe in der Hand. Diesmal hieß sie „Elise“. „Sie hat ihn mit Sicherheit ohne Maske gesehen. Das war ihr Todesurteil.“ Alex nickte schweigend.


    Nachdem sie sich am Tatort gründlich umgesehen und der Spurensicherung die Arbeit überlassen hatten, fuhren sie wieder auf die Autobahn. „Wir sollten uns jetzt mal daran wagen, diesen Dassler zu besuchen. Er liegt immer noch im Vinzenz in Leverkusen.“ Semir sah kurz zu Alex, der seinen Wagen in den fließenden Verkehr einfädelte. „Ja, das wäre gut möglich. Verdammt, wieso ist keine dieser Tank- und Raststätten mit funktionierenden Kameras ausgestattet?“ Alex zog die Schultern hoch. „Schon gut möglich, dass die Kosten dafür einfach zu hoch sind. Ich gebe Susanne jetzt mal durch, dass sie die Kartei durchsucht!“ Er griff zum Mikro und rief die Zentrale. „Susanne, durchsuche mal bitte die Kartei nach männlichen Kunden. Markante Kennzeichen über 190 cm groß, schlank!“ „Alles klar, mache ich!“ Semir hängte das Mikro ein und sah wieder zu Alex. „Das wollen wir mal hoffen, dass sie fündig wird.“ Alex nickte und fuhr schon die nächste Ausfahrt wieder ab. Sie kamen am Krankenhaus an und fragten sich zu Klaus Dassler durch. Nur wenig später trafen sie auf Katrin Dassler, die vor dem Krankenzimmer ihres Mannes wartete. „Frau Dassler? Wie geht es Ihrem Mann?“ Semir sah die Frau an. Sie lächelte leicht. „Es geht ihm den Umständen entsprechend. Die Kugel konnte herausgeholt werden. Er hat zum Glück nicht sehr viel Blut verloren. Die Ärzte sind gerade zur Visite drin.“ „Glauben Sie, dass er uns ein paar Fragen beantworten kann?“ Katrin Dassler nickte. „Er hatte schon gestern mit Ihnen gerechnet. Haben Sie denn Hinweise auf den Täter?“ „Leider nicht genügend. Deshalb sind wir hier.“ Die Tür öffnete sich und der Arzt kam raus. „Frau Dassler, Sie dürfen jetzt wieder rein.“ Katrin stand auf und ging hinein. Semir hielt den Arzt am Kittel fest. „Doc? Wie sieht es aus?“ „Nun, wir konnten die Kugel erfolgreich entfernen und die Genesung ist im vollen Gange.“ „Dürfen wir zu ihm?“ „Ja, da spricht nichts dagegen.“ Der Arzt ging weiter und Semir betrat mit Alex das Zimmer. Klaus Dassler sah sie an. „Klaus, das sind die Herren von der Polizei…“ Katrin strich ihrem Mann sanft über die Hand. „Kommen Sie nur rein…“ Klaus versuchte zu lächeln und richtete sich etwas auf. Dabei verzog er das Gesicht. „Mein Name ist Semir Gerkhan, das ist mein Kollege Brandt. Herr Dassler, wir müssen wissen, was gestern geschehen ist.“ „Ja sicher….ich habe ganz normal meine Tankstelle aufgeschlossen und den ersten Kunden abgefertigt. Als ein zweiter Kunde angekündigt wurde, habe ich das Büro verlassen und bin nach vorn. Ich wurde gepackt und an die Wand gedrückt. Dann bedrohte mich der Mann mit einer Waffe“

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Semir sah Dassler an. „Sind Sie sicher, dass es ein Mann war? War er nicht maskiert?“ Klaus Dassler lächelte leicht. „Er war maskiert. Er trug so eine Gorillamaske. Er war sehr groß. Zu groß für eine Frau.“ „Was ist mit dem Komplizen?“ Nun mischte Alex sich ein. „Komplize?“ Klaus Dassler sah ihn fragend an. „Der Kerl war allein. Da war kein Komplize.“ Nun wechselten die Hauptkommissare einen Blick. „Der Täter war allein?“ „Ja, es war nur ein Täter, aber mir hat das gereicht. Ich wäre fast gestorben und…“ Klaus Dassler schloss die Augen. Semir und Alex stellten noch einige Fragen zum Ablauf der Tat und auch ob er einen Wagen gesehen hatte. Klaus Dassler nickte. „Es war ein grauer Toyota. Das Kennzeichen war BM - K 4711.“ „Danke!“ Semir griff sein Handy und wählte Susanne an. „Ich bin es! Susanne, gib eine Fahndung raus. Grauer Toyota mit dem Kennzeichen: BM – K – 4711!“ Die Hauptkommissare verschwanden und fuhren gerade auf die Autobahn, als sich Susanne über Funk meldete. „Semir! Bauarbeiter haben im Steinbruch Porz einen ausgebrannten Toyota gefunden. Das Kennzeichen stimmt mit dem in der Fahndung überein. Was deiner Anfrage zu dem Kunden angeht, rattert der Computer noch. Wenn ihr zurück seid, werde ich sicher ein paar Namen nennen können.“ „Danke Susanne!“ Sie fuhren zum Steinbruch. Als sie vor dem ausgebrannten Wagen standen, sahen sie hinein. „Tja, da war auf hoffentlich niemand mehr drin gewesen, als er runter stürzte. Der Kerl muss den Wagen direkt nach der Verfolgung entsorgt haben. Vermutlich hat er dann einen Wagen angehalten.“ Semir sah Alex kurz an. „Diese Frau auf dem Parkplatz! Die ist sicher mit einem Wagen unterwegs gewesen. Wenn wir wissen, wer sie ist und welchen Wagen sie fuhr, dann wissen wir auch, wonach wir suchen müssen. Fahrzeug zur Fahndung und… “ Alex nickte nachdenklich. „Was hast du?“ „Semir irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass der Täter uns mit den Puppen etwas sagen will.“ „Aha! Und was?“ Alex zog die Schultern hoch. „Ich weiß es nicht, aber ich bin mir sicher, dass sie eine tiefere Bedeutung haben.“ „Na super! Jetzt sind wir ja schon einen großen Schritt weiter.“ Die Ironie war deutlich zu hören, doch sie war nicht böse gemeint.


    Susanne sah auf, als Alex und Semir ins Büro kamen. „Hast du schon was?“ „Leider nein. Die Angaben sind zu dürftig und passt auf so viele Personen.“ „Verdammt, ich dachte echt, es wäre einfacher. Was ist mit einschlägig vorbestraften Personen?“ „Da bin ich gerade noch dran, aber das wird auch noch eine Weile dauern. Wir haben Raub, Mord, Vergewaltigung. Da gibt es ebenfalls etliche Kandidaten. Ich bin gerade dabei, die, die noch einsitzen auszusortieren. Das dauert also noch eine Weile, bis ich dir ein Ergebnis mitteilen kann.“ Semir nickte und sah Alex enttäuscht an. „Okay, das ist erstmal nichts. Was ist mit der Obduktion der Frau?“ Nun war es Alex, der Susanne ansah. „Der Bericht wird nicht vor morgen auf dem Tisch liegen.“ „Dann haben wir außer diesen Puppen gar nichts. Was könnten sie für eine Bedeutung haben?“ Semir wog den Kopf hin und her. „Vielleicht müssen wir den Namen mehr betrachten. Was wenn wir die Anfangsbuchstaben der Namen zusammensetzen?“ Alex schrieb sich sie Namen auf. „Also wir haben Robbie, Elli, Anja, Elise, Rubina. Wenn du Recht hast, wobei ich immer noch nicht weiß, wie du darauf kommst, dann haben wir die Buchstaben R – E – A – E – R. Die Worte die wir daraus bilden könnten, ergeben keinen Sinn. Nichts passt zusammen.“ Semir stöhnte leise auf. „Tja, es wäre eine Möglichkeit gewesen. Aber nur weil es nicht passt, heißt es nicht, dass es nicht so ist. Denkst du, die Puppen sind nur Ablenkung?“ Alex zog die Schultern hoch. „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Die Namen stimmen nicht mit denen der Opfer überein. Das hatte ich erst gedacht, aber das passt einfach nicht. Susanne klopfte an die Tür. „Wir haben die Identität der jungen Frau. Sie hieß Jana Kreutzer, 28 Jahre alt. Auf ihr ist ein roter Ford Ka zugelassen. Das Kennzeichen lautet: SG – JK 2704. Ich habe das Fahrzeug bereits zur Fahndung ausgeschrieben. Die Chefin will euch sehen. Eben war Sander da und der ist ganz schön wütend abgerauscht.“ Semir und Alex sahen sich an. Sie standen auf und gingen zum Büro der Revierleiterin, das sie nach einem freundlichen „herein“ betraten.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Kim Krüger sah auf, als Semir und Alex eintraten. „Frau Krüger? Was gibt es?“ „Der Oberstaatsanwalt war eben bei mir im Büro und hat gefordert, das Sie, Herr Brandt, vom Dienst suspendiert werden.“ Alex schüttelte den Kopf. „Warum das denn?“ „Herr Sander hat mir einige Fakten auf den Tisch gelegt, die Ihren Vater betreffen.“ Er setzte sich gerade hin. „Meinen Vater? Ich kenne meinen Vater gar nicht. Ich weiß, außer seinem Namen, nichts über ihn.“ Kim nickte. „Nun, ich habe bereits mit dem Polizeipräsidenten gesprochen und Einspruch gegen die Suspendierung erhoben. Er sieht es genauso wie ich. Sie sind weiterhin im Dienst. Was ist mit dem Fall, den Sie gerade bearbeiten?“ „Bisher treten wir auf der Stelle. Das einzige was immer auftaucht, ist eine Puppe. Allerdings haben wir noch keine Ahnung, was es damit auf sich hat.“ „Haben Sie die Archive schon nach ähnlichen Fällen durchsucht?“ „Ja, es gibt keine.“ Kim nickte nachdenklich. „Was ist mit den Anfangsbuchstaben der Namen? Oder die Namen an sich. Haben die Opfer Angehörige, die so heißen? Was ist mit der Stimme des Täters?“ „Nein. Das haben wir schon gecheckt und die Anfangsbuchstaben auch. Was die Stimme angeht, sagte Dassler und auch Schumann aus, dass sie nicht gerade männlich war. Beide konnten kein Geschlecht nennen und sind aufgrund der Größe davon ausgegangen, dass es ein Mann ist. Aber helfen tut es uns nicht. Es ergibt keinen Sinn.“ „Nur weil sie keinen Sinn ergeben, muss es nicht heißen, dass Sie nicht auf der richtigen Spur sind. Vielleicht müssen wir noch mehr Puppen finden.“ Semir sah zu Alex und dann zu Kim Krüger. „Ich hoffe sehr, dass die Täter bald einen Fehler machen.“ „Was ist mit der toten Frau am Rastplatz?“ „Sie hieß Jana Kreutzer. Sie war gerade mal 28 Jahre alt. Die Kollegen haben die Eltern bereits informiert.“ Kim nickte erneut. „Das eines klar ist, ich will diesen Täter haben. Mit allen Mitteln. Sie bekommen freie Hand bei Ihrem Handeln. Egal wie Sie es machen, aber schnappen Sie sich das Schwein!“ Semir stand auf. „Das werden wir Frau Krüger, das werden wir.“ Sie verließen das Büro und gingen in das Ihrige. Semir griff im Büro zum Telefon. „Andrea, ich muss heute leider durcharbeiten.“ … „Ja, ich melde mich auf jeden Fall bei dir. Gib den Kindern einen Kuss von mir.“ … „Ich liebe dich auch.“ Er beendete das Gespräch und sah Alex an. „Wo machen wir nun weiter?“ In diesem Augenblick kam Susanne mit einem ziemlich großen Stapel an Papier in ihr Büro. „Hier habt ihr die Verdächtigen.“ Sie legte den Stapel auf dem Schreibtisch von Semir ab. Semir sah auf den Stapel und dann zu der Sekretärin. „Das ist ein Scherz oder?“ „Leider nein. Die Beschreibung passt auf über 270 Personen. Und das sind nur die, die wir in der Kartei haben. Wenn es ein Täter ist, der noch nie mit der Polizei zu tun gehabt hat, steigt die Zahl ins unermessliche.“


    Bruno Herfordt fuhr nach Hause. Er parkte den Wagen von Jana in seine Garage und stieg aus. Nur wenig später betrat er seine kleine Wohnung, die im Souterrain des Hauses seiner Großeltern lag. Nach dessen Tod hatte er mit seiner Schwester das Haus geerbt. Im Wohnzimmer ließ er sich auf die Couch fallen und fühlte sich einfach nur wohl. Ja, heute war er richtig zufrieden. Irgendwie glücklich. Jana war wirklich gut gewesen. Schade dass er sie umbringen musste, doch er musste auch zugeben, dass er es genossen hatte, wie sie ihn anflehte, es nicht zu tun. Wie sie gewimmert hatte, als er sie mit Gewalt nahm. Das war es, was er brauchte. Es machte ihn regelrecht an, als er die Angst der Frau spürte. Er schloss die Augen. Diese lange Enthaltsamkeit und diese plötzliche Aktivität auf diesem Gebiet, hatten ihn geschafft. Immerhin hatte es eine gute Stunde gedauert, bis er fertig war. Einige Minuten ruhte er sich aus und stellte sich dann unter die Dusche. Nur mit einem Handtuch bedeckt, kam er wieder heraus und dachte über die nächsten Schritte nach. Er musste genau aufpassen. Wenn Jana gefunden wurde, und das konnte sehr schnell passieren, dann wissen die Bullen auch schnell, welches Auto sie fuhr und würden es zur Fahndung ausschreiben. Eines war sicher, da er ein Kondom genutzt hat, würden die Bullen an Jana keine Spuren finden, die auf ihn hinwiesen. Dennoch brauchte er ein neues Auto. Und dann ging sein Rätsel für seinen Bullenfreund weiter, aber diesmal würde es ihn persönlich treffen. Er musste nur wissen, wo er ihn packen konnte. Er musste etwas finden, was ihm wirklich wehtat. Scheinbar hatte der Bulle noch gar keine Ahnung, wer dahinter steckte. Die Verfolgung auf der Autobahn schien nur Zufall gewesen sein. Diese Bullen waren einfach zur falschen Zeit am richtigen Ort. Aber das würde nie wieder passieren. Nie wieder. Er griff in den Karton und sah sich die nächste Puppe an. Ein weiteres Puzzleteil und doch nichts sagend, dachte er nur. Er erhob sich und ging mit schleppenden Schritten ins Schlafzimmer und legte sich ins Bett. Nur wenige Minuten später war er eingeschlafen.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Die Stunden vergingen und es ging schon auf Mitternacht zu, als Semir beschloss doch Feierabend zu machen. Alex stand auf und sah aus dem Bürofenster. Er verfiel in Gedanken über das, was Kim gesagt hatte. Sander hatte etwas über seinen Vater herausgefunden. Was konnte es sein? Wusste Sander wo sein Vater sich aufhielt? Das einzige, was er selbst von ihm wusste, war das, was Anna über ihn erzählt hatte. Er wusste, dass seine Eltern nicht verheiratet waren, aber die ersten Jahre in seinem Leben verbrachte er bei der Mutter seines Vaters. Er selbst trug den Familiennamen seiner Mutter. Aus dem Nachlass seiner Oma hatte er noch ein altes Fotoalbum. Es war randvoll mit Bildern aus seiner Kindheit. Bilder, die er sich nie wirklich angeschaut hatte. Vielleicht sollte er es tun. „Hey Alex!!“ Semirs Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. „Was?“ „Ich sagte, lass uns für heute Schluss machen. Mir fallen die Augen zu.“ „Ja, sicher. Gar kein Ding.“ „Gut, fährst du? Ich glaub ich kann nicht mehr fahren. Irgendwie fühle ich mich gerade ziemlich alt.“ Alex grinste leicht. „Klar doch. Du bist ja auch keine 30 mehr.“ Nur wenig später setzte er Semir vor seiner Haustüre ab und fuhr selbst nach Hause. Er betrat sein ungewöhnliches Heim und nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank. Als er ins Wohnzimmer kam, sah er wie gebannt auf den Tisch. Darunter lagen die Bilder seiner Vergangenheit. Die Bilder seiner Kinderzeit, die alles andere als schön war. Erinnerungen an die Zeit, die er im Heim und danach bei Anna verbracht hatte. Er nahm einen Schluck aus der Flasche. Kurz vor Drei in der Nacht legte er sich ins Bett und versuchte Ruhe zu finden, es war gar nicht so einfach. Immer wieder sah er den völlig aufgelösten Leon vor sich. Wie der Junge nach seiner Oma rief und wie er sich wehrte, als Semir ihn festhielt. Es löste bei ihm eine Erinnerung aus, die er glaubte längst vergessen zu haben. Erinnerungen an den schlimmsten Tag in seinem Leben. Und auf das, was darauf folgte.


    Andrea wachte auf, als sie hörte, wie Semir ins Haus kam. Sie stand auf und ging zur Tür. „Du siehst ganz schön fertig aus.“ Sie gab ihm einen Kuss. „Ja, es war ein grausamer Tag.“ Andrea musterte ihn. „So viel los auf der Autobahn?“ „Nicht auf der Autobahn. Wir jagen derzeit einen Wahnsinnigen. Er hat eine alte Frau und ihren Enkel fast umgebracht, eine Frau vergewaltigt und ermordet und auf zwei weitere Männer geschossen“. Er ließ sich auf die Couch fallen und lehnte sich nach hinten. Dann schloss er die Augen und stöhnte leise. Andrea stellte sich hinter ihn und fing an, seine Schultern zu massieren. „Du Armer. Weißt du denn wenigstens, wie der Kerl heißt und wo er sich befindet?“ „Nein gar nichts. Außer das er an jedem Tatort eine Puppe hinterlässt und eine vage Beschreibung, die auf einer Million Bürger passt, haben wir gar nichts.“ „Puppen?“ „Ja, aber ich will jetzt nicht reden. Ich habe Feierabend und will eigentlich nur schlafen.“ „Das verstehe ich sehr gut. Dann lass uns doch ins Bett gehen. Oder möchtest du noch etwas essen?“ „Essen wäre nicht schlecht.“ Semir sah sie an. „Dann hole ich dir noch eben etwas. Ich habe heute Nudelsalat gemacht, wenn du willst.“ „Alles was du machst ist lecker.“ Andrea lachte auf und verschwand in die Küche. Als sie den Teller ins Wohnzimmer bringen wollte, stand Semir in der Küchentür. „Ich hätte es dir auch ins Wohnzimmer gebracht.“ „Ich essen lieber in der Küche. Wie war denn dein Tag?“ „Na, da gab es nichts Besonderes. Ganz normaler Tag halt.“ Andrea wich ihm aus und Semir merkte es. „Hast du wieder Stress mit Dana gehabt?“ „Iss und dann gehen wir ins Bett.“ Semir lächelte leicht. Andrea konnte ziemlich stur sein. Wenn sie etwas nicht erzählen wollte, dann tat sie es auch nicht. Nachdem er gegessen hatte, gingen sie nach oben. „Ich dusche nur kurz und bin dann bei dir.“ Sie nickte und legte sich schon einmal ins Bett. Semir kam nur zehn Minuten später ebenfalls ins Schlafzimmer. „Also, was hast du heute so gemacht?“ Er legte sich hin und umarmte seine Exfrau. „Na gut... Dana hat mich bei der Staatsanwaltschaft abgeholt und wir waren shoppen. Dann haben wir gemeinsam Ayda und Lilly abgeholt und sind Eisessen gegangen und dann nach Hause. Hausaufgaben machen und dann mit allen in den Garten. Also ein ganz normaler Tag. Nicht so aufregend wie bei dir, Semir. Wollen wir noch etwas kuscheln?“ Sie lauschte. „Semir?“ Sie machte kurz Licht und sah, dass er schon eingeschlafen war. Sie lächelte und gab ihrem bereits schlafenden Partner einen sanften Kuss. „Gute Nacht…“ sie drehte sich um und schlief nur wenig später ein.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Der kleine Junge wachte auf und rieb sich die Augen. Sein Magen knurrte und er ging zur Tür hinaus. Seine Oma schien noch gar nicht wach zu sein, dabei war sie doch immer vor ihm wach und machte das Frühstück. Er ging zur Treppe und horchte, ob er etwas hörte, doch unten schien alles ruhig. Leise schlich er die Treppe runter und öffnete die Tür zum Schlafzimmer seiner Oma. „Oma? Bist du schon wach? Ich habe Hunger.“ Der Fünfjährige ging ans Bett seiner Oma und rüttelte sie sanft. „Oma, aufstehen ich habe Hunger!“ Die Frau reagierte nicht. „Oma bitte, wach doch auf.“ Nachdem es völlig ohne Erfolg war, ging der kleine Mann zur Tür und verließ die Wohnung. Er sah sich suchend um. Für ihn war es unverständlich, dass seine Oma ihn nicht hörte. „Hey Alex… was machst du denn hier?“ Alex drehte sich um und sah Maik vor sich stehen. Maik war der Medizinstudent, der über seine Oma wohnte. „Meine Oma will nicht aufwachen und ich habe Hunger.“ „Hast du denn schon versucht sie zu wecken?“ „Ja, aber sie schläft ganz tief. Ich hab schon gerufen und gewackelt, aber sie wacht nicht auf. Kannst du mir helfen?“ Der junge Mann lächelte leicht. „Klar helfe ich dir. Wo schläft denn die Oma?“ Alex nahm Maik an die Hand und ging gemeinsam in die Wohnung. „Hier…“ Sie betraten das Schlafzimmer und Maik ging ans Bett. „Frau Richerts?“ Auch er rüttelte an der Frau, doch es blieb ohne Reaktion. Er fasste das Handgelenk der alten Frau und zuckte zurück. Sie war eiskalt. Obwohl er schon ahnte, dass die Frau tot war, suchte er vergeblich nach einem Puls. Sein Blick fiel auf Alex, der immer noch in der Tür stand und er lächelte ihn an. „Alex, komm. Wir lassen sie noch etwas schlafen.“ Er richtete auf und nahm den Jungen an die Hand. „Aber ich hab doch Hunger!“ „Ich mache dir etwas zu essen. Ich muss nur mal eben telefonieren okay?“ Alex nickte. Maik zog sein Handy hervor und setzte den Notruf ab. „Hier ist Maik Heiners … ich bin in der Klebeckstrasse 109. Ich habe Elise Richerts tot im Bett gefunden. Außerdem sollte Jemand vom Jugendamt herkommen, denn der kleine Alex braucht ihre Hilfe.“ Maik legte auf und sah auf Alex, der ihn neugierig ansah. „Wer soll denn kommen?“ Maik lächelte ihn an und hockte sich hin. Wie sollte er einem fünfjährigen Jungen erklären, dass seine geliebte Großmutter tot war? Er wusste von Elise, dass sie die einzige Bezugsperson von Alex war. Was mit seinen Eltern war, wusste Maik nicht. „Na komm…ich mache dir was zu essen.“ „Wer soll denn kommen? Wen hast du angerufen?“ „Alex, deine Oma… sie ist…also ich meine…deine Oma wird immer auf dich aufpassen. Auch wenn sie nicht mehr bei dir ist.“ Maik versuchte sein Bestes, doch er selbst spürte dabei einen dicken Kloß im Hals. Nur wenig später war der Notarzt da und bestätige Maiks Feststellung. Als es ein weiteres Mal klingelte, stand eine Mitarbeiterin vom Jugendamt vor der Tür. Sie packte ein paar Sachen von Alex ein und griff dann den Jungen. „Du musst jetzt ganz tapfer sein, Alex. Deine Oma schläft für eine ganz lange Zeit und du darfst nicht mehr hier bleiben. Ich habe aber schon ein Zuhause für dich gefunden. Und da bringe ich dich jetzt hin.“ Alex nickte. „Kommt Oma auch mit?“ Die junge Frau sah zu Maik und dem Notarzt. Keiner der Männer wollte nun mit ihr tauschen. „Das geht leider nicht…“ versuchte sie. „Ich will aber nicht weg. Ich will bei meiner Oma bleiben! OMA!! OMA!!!“ Der Jugendamtsmitarbeiterin liefen die Tränen über das Gesicht. Dennoch musste sie den kleinen Jungen mitnehmen. „OMA!! Ich will nicht weg!!“ Der kleine Junge schrie sich die Seele aus dem Hals, als er von Maik aus der Wohnung getragen wurde.


    Alex schreckte schweißgebadet auf. Er machte Licht und sah sich erschrocken um. Verdammt! Das Erlebnis mit Leon und seiner Oma, hatte das schrecklichste Erlebnis aus seiner Kindheit geweckt. Etwas, das er längst vergessen glaubte. Etwas woran er sich überhaupt nicht mehr erinnern wollte. Diese grausame Erinnerung an den schlimmsten Tag, in seiner eh schon schlechten Kinderzeit. Der Tod seiner Großmutter, den er miterleben musste. Er sah wieder alles vor sich. Er sah, wie er von Maik, dem Studenten aus der Wohnung getragen wurde und er hörte seine eigenen verzweifelten Schreie. Von diesem Tag an, veränderte sich sein Leben und machte ihn zu dem, was er heute war. Alex rieb sich die Augen und hämmerte sanft gegen seine Schläfen. Er wollte diese Erinnerungen nicht haben. Er wollte es nicht noch einmal sehen. Er wollte es einfach nicht. Nach dem Tod seiner Oma, veränderte sich sein Leben komplett. Da war keine Liebe mehr. Im Kinderheim, wo er untergebracht wurde, war er nur einer von vielen. Im Heim galt das Gesetz des Stärkeren. Nur wer sich wehren konnte, war stark genug diese Zeit zu überleben. Alex war stark und er hatte gelernt sich zu wehren. Allerdings war er der Neue und dem wurde erst einmal nicht geglaubt. So musste er einige Strafen einstecken, obwohl er eher das Opfer als Täter war. Er galt als schwierig, denn er versuchte, als er in die Schule kam, immer wieder abzuhauen. Auch dafür wurde er bestraft. Er wurde zur Schule gebracht und auch wieder abgeholt. Die Kinder im Heim passten auf ihn auf und alles, was er tat, was in ihren Augen falsch war, wurde gemeldet. Alex stand auf und ging ans Waschbecken. Er trank einen Schluck Wasser und sah auf die Uhr. Es war kurz vor Fünf in der Frühe und er hatte noch so viel Zeit, bis er zu Arbeit musste. Er setzte sich auf die Couch und sein Blick fiel auf ein Fotoalbum, welches er unter dem Tisch liegen hatte. Diese Bilder zeigten seine Vergangenheit. Sie zeigten ihm die Momente, die er nie vergessen konnte, aber auch Dinge, die er am liebsten vergessen hätte. Er schlug es auf. Das erste Bild zeigte ihn mit seiner Mutter. Seine Oma hatte ihm die Personen auf dem Bild erklärt, als er vier war. Immer wieder hatte sie ihm die Bilder gezeigt, damit er wusste, wer seine Eltern waren. Seine Mutter starb an einer Überdosis Heroin, als er ein Jahr alt war. Auf einem anderen Bild war sein Vater abgebildet. Typisch gekleidet wie es damals für junge Leute üblich war. Alex lächelte leicht. Die Ähnlichkeit zwischen ihm und seiner Mutter war deutlich zu sehen. Auch sie hatte diese strahlend blauen Augen. Was aus seinem Vater geworden war, wusste er nicht. Das letzte Mal hatte er seinen Vater an seinem dritten Geburtstag gesehen. Und das wusste er nur aus Erzählungen seiner Großmutter. Vielleicht sollte er sich mal mit Anna unterhalten. Er musste einfach mal damit anfangen, seine Familie zu finden und sie hatte vielleicht Informationen über ihn, die er noch nicht kannte. Vielleicht konnte sie ihm helfen, seine Wurzeln zu finden. Er legte sich nach einer guten Stunde wieder hin und schlief noch einmal ein. Nur zwei Stunden später klingelte der Wecker.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Semir wurde durch einen sanften Kuss von Andrea aus seinem Schlaf geholt. „Guten Morgen, Schatz.“ Semir öffnete die Augen und sah sie an. „Morgen…“ „Du musst aufstehen und die Welt retten. Ich habe dir zu alles zurecht gelegt.“ Sie wollte aufstehen, doch Semir zog sie an sich. „Es tut mir Leid.“ Andrea sah ihn an. „Was denn?“ „Gestern. Wir wollten doch noch kuscheln und ich bin einfach eingeschlafen. Ich habe nicht einmal gehört, was du gemacht hast.“ Andrea nickte und setzte sich. Sie strich ihm sanft über die Wange. „Du warst halt sehr müde. Ist doch in Ordnung. Komm, steh auf. Die Kinder warten schon.“ Semir nickte, stand auf und ging erst einmal duschen. Zwanzig Minuten später saß er mit seinen Kindern am Tisch. Dana, Ayda und Lilly begrüßten ihn freudig. Ihr „Guten Morgen, Papa“ klang wie einstudiert und er musste lächeln. Stolz sah er auf die kleine Runde an seinem Tisch und freute sich, dass sich alle verstanden. „Guten Morgen meine Schätze.“ Andrea stellte ihm eine Tasse Kaffee hin. Er belegte sich ein Brötchen und genoss das Frühstück mit seiner Familie. „Bist du denn heute mal früher da?“ Andrea sah ihn an. „Das kann ich dir nicht versprechen. Aber ich versuche es.“ „Das ist schon mal etwas. Dana muss nachher noch in die Stadt und ich dachte, du könntest sie dann hinfahren.“ Semir sah seine älteste Tochter an. „Was musst du in der Stadt?“ „Ich habe ein Vorstellungsgespräch wegen einem Praktikum bei einem Anwalt.“ Semir nickte. „Geht klar. Ich werde es sicher einrichten können. Wann musst du da sein?“ „Um drei…“ „Okay, Andrea, was hat Sander eigentlich über Alex Vater herausgefunden?“ „Bitte was?“ „Sander war gestern bei uns und wollte Alex suspendieren lassen, weil er etwas über dessen Vater herausgefunden hat. Könntest du dich da mal einklinken?“ „Ich kann es versuchen, aber ich kann nichts versprechen. Sander weiß ja, wie du zu Alex stehst und wir zueinander. Ich versuche etwas heraus zu finden und sag dir dann Bescheid.“ „Danke Schatz.“ Semir putzte sich seinen Mund ab, stand auf und verabschiedete sich von seiner Familie. Zur gleichen Zeit hupte es vor der Tür.


    Alex sah seinen Partner kurz an, als dieser zu ihn in den Wagen stieg. „Morgen.“ „Morgen, Semir.“ Semir stutzte. „Hast du nicht gut geschlafen? Dein Morgen klingt, als würdest du gleich explodieren.“ Alex lächelte entschuldigend. „Ich hab ziemlich schlecht geschlafen.“ „Warum?“ Alex sah aufmerksam in die Kreuzung und fuhr dann auf die Hauptstraße. „Weißt du dieser Junge…Leon. Er hat mich an eine sehr schmerzliche Zeit in meiner Kindheit erinnert. Ich war fünf, als meine Großmutter starb, die mich von Geburt an betreut hatte. Meine Mutter starb, als ich 1 Jahr alt war. Von meinem Vater habe ich nie wirklich etwas gehabt. Meine Oma hatte mir gesagt, dass er mich zum letzten Mal besuchte, als ich drei Jahre alt wurde. Ich selbst kann mich nicht daran erinnern.“ Er machte eine Pause. Semir sah ihn an. „Okay, das sind zwar traurige Erinnerungen aber ich verstehe den Zusammenhang nicht.“ „Ich bin eines Tages aufgewacht, weil ich Hunger hatte. Mich hat es gewundert, da meine Oma immer sehr früh aufgestanden war. An diesem einen Tag war es nicht so. Ich bin zu ihr runter und…sie schlief tief und fest. Ich wusste nur nicht, dass sie für immer eingeschlafen war.“ Alex sog Luft ein. „Oh verdammt! Alex, das wusste ich nicht. Das tut mir Leid…“ Semir war bestürzt über das, was er von seinem Partner erfuhr. „Schon gut, es ist lange her. Als Leon nach seiner Oma schrie, hat es diese Erinnerung zurück gebracht. Ich habe heute Nacht diesen schrecklichen Tag noch einmal erlebt.“ Semir hörte seinem Partner aufmerksam zu. „Und dann bist du ins Heim gekommen?“ „Ja, eine Mitarbeiterin des Jugendamtes hat mich ins Heim gebracht. Dort blieb ich dann, bis Anna mich zu sich holte. Meine Oma hieß Elise Richerts und sie war die Mutter meines Vaters.“ Semir sah ihn kurz an. „Warum heißt du Brandt?“ Alex lächelte und zog die Schultern hoch. „Meine Eltern waren nicht verheiratet. Ich trage den Namen meiner Mutter. Josefine Brandt. Mehr weiß ich nicht über sie, aber ich würde es gern.“ „Okay, du willst also deine Wurzeln finden. Das verstehe ich. Nur wie willst du das anstellen?“ „Das weiß ich noch nicht. Ich wollte einfach bei Anna anfangen. Sie weiß sicher einiges, aber sie ist derzeit mit Felix in Frankreich. Sie kommen nächste Woche zurück.“ „Andrea versucht nachher mal heraus zu finden, was Sander über deinen Vater erfahren hat. Sie ruft mich dann an.“ „Sie könnte arge Probleme bekommen, wenn Sander das mitkriegt. Der weiß doch wie nahe ihr euch steht.“ Semir grinste leicht und sah aus dem Fenster. „Ich vertraue meiner Frau. Sie weiß, wie weit sie gehen darf. Ich muss Dana nachher noch abholen und zu einem Vorstellungsgespräch fahren. Das wird so gegen drei sein.“ „Alles klar…“ Sie fuhren auf die Autobahn.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Thomas Volkmar sah dem Mann, der die Videoanlage installierte, genau und interessiert zu. Nach einer guten Stunde Arbeit, war der Mann fertig und machte Probeaufnahmen, die Thomas sich mit ihm ansah. „Das sieht verdammt gut aus. Alle Winkel im Geschäftsraum werden eingesehen. Wenn da jemand durchkommt, kann er sich nicht verstecken.“ Thomas lobte den Mann. „Das ist der Sinn der Sache. Wenn Sie hier hinten sind, können Sie über den Laptop genau sehen, ob und wo sich jemand im Raum aufhält.“ Der Installateur erklärte das Programm und Thomas nahm alles wissbegierig auf. Die Anlage hatte er sich auf Anraten der Polizei zugelegt, die seit einigen Tagen mit Überfällen zu kämpfen hatte. Sie brauchten ihn gar nicht lang zu überreden, denn er hatte eh vor, den Raum überwachen zu lassen. „Natürlich wäre es besser, wenn Sie sich für die teurere Variante entschieden hätten. Aber das ist natürlich Ihre Angelegenheit. Die Rechnung wird dann in den nächsten Tagen kommen.“ „Ja ich weiß. Aber die Polizei fährt schon sehr oft hier durch. Da habe ich keine Bedenken. Danke für die Arbeit.“ Der Mann ging und Thomas machte sich daran, auf die ersten Kunden zu warten. Er überprüfte noch einmal, ob die Kamera aufnahm und sah, wie ein Kunde an die Zapfsäulen fuhr. Thomas sah wie immer auf das Kennzeichen, da er schon mal Benzinklauer hatte, die schön den Tank vollmachen, aber nicht zahlten. Er schrieb sich die Nummer auf. SG-JK 2704. Thomas stutzte. Dieses Kennzeichen sagte ihm etwas. Und dann fiel es ihm wieder ein. Die Polizei hatte ihm vor kurzem doch auch das Flugblatt gegeben. Er griff in die Schublade und holte das Blatt hervor. Roter Ford KA mit dem amtlichen Kennzeichen SG - JK 2704. Es stimmte. Thomas griff zum Telefon und wählte die Polizei an. „Volkmar hier, Tankstelle Billstein an der A1 bei Kilometer 97,2. Bei mir ist gerade der gesuchte, rote KA mit dem Kennzeichen SG - JK 2704 zum Tanken ran gefahren.“ Er horchte eine Weile in den Hörer und nickte dann. „Ja, ich bin mir ganz sicher.“ Dann beendete er das Gespräch und drehte sich um. Er zuckte zurück. Ein Mann, der ihn um mehr als zwei Köpfe überragte, stand vor ihm. Thomas hatte ihn gar nicht reinkommen hören, aber da außer dem Ford kein Fahrzeug dort stand, konnte es nur der Fahrer gewesen sein. „Das war sehr dumm.“ „Ich...ich…“ Thomas wich an die Wand zurück, als der Mann seine Hand hob. Er sah die Waffe und schluckte. „Bitte, ich habe Familie…ich…ich gebe Ihnen alles, was ich in der Kasse habe….“ Der Mann schüttelte den Kopf. Er griff in die Tasche und legte eine Puppe auf den Tisch. Dann zielte er erneut auf Thomas und drückte eiskalt ab. Thomas spürte noch den Einschlag in seiner linken Brust und griff automatisch hin. Dann sank er zu Boden. Er bekam nicht mit, wie der Mann seine Kasse leerte, die Zigaretten einpackte und auch noch ein paar Flaschen Alkohol dazu tat. Dann verließ er seelenruhig den Laden und stieg in den Wagen ein.


    Semir und Alex waren ebenfalls auf der A 1 unterwegs, als sie den Funkspruch erhielten. „Cobra 11 für Zentrale!“ Semir griff das Mikro und meldete sich. „Cobra 11 hört!“ „Cobra 11, der gesuchte Ford KA ist an der Tankstelle Billstein gesichtet worden.“ Semir wechselte mit Alex einen Blick und drückte die Sprechtaste. „Verstanden! Übernehmen!! Das ist direkt vor uns. Gib Gas Alex!“ Alex tat wie befohlen und Semir schaltete Blaulicht und Sirene an. „Noch einmal wird der Kerl nicht entkommen, das verspreche ich dir!“ Semirs Entschlossenheit war deutlich zu hören. „Da vorn! Da ist er!“ Er schrie es regelrecht heraus, doch Alex hatte den Wagen bereits gesehen. Er holte alles aus seinem Dienstwagen heraus und kam dem Gesuchten immer näher. Leider schien dieser zu bemerken, dass er verfolgt wurde und gab ebenfalls Gas. Seine Fahrweise wurde immer riskanter. Ohne Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer, zog er von einer Spur zur anderen, um seinem Verfolgern zu entkommen. Doch Alex war kein Anfänger. Er wusste, wie er ihn zu verfolgen hatte und ließ sich nicht beirren. Er kam dem Fliehenden immer näher. „Versuch ihn den Reifen zu zerschießen!“ Semir nickte. Er zog seine Waffe, überprüfte sie und ließ dann das Fenster runter. Dann lehnte er sich weit raus, doch der Verfolgte schien zu ahnen, was nun passieren sollte und nutzte die anderen Fahrzeuge als Deckung. „Mist!“ Semir rutschte wieder in den Sitz und schlug wütend auf das Armaturenbrett. „Semir, wenn der so weiter fährt, dann baut er noch einen Unfall.“ Alex mahnte seinen Partner zur Eile. „Wir müssen ihn abdrängen. Wenn wir nicht aufpassen, dann reißt er noch jemanden in den Tod!“ Alex konzentrierte sich darauf, näher an den Fluchtwagen zu kommen. Er schaffte es und wieder versuchte Semir auf ihn zu schießen. Dann sahen die Hauptkommissare wie der Mann, in dem verfolgten Fahrzeug, auf den Wagen vor ihnen zielte. Semir und Alex sahen regelrecht, wie der Reifen des Wagens zerplatzte. Der Fahrer verlor die Kontrolle darüber und raste mit über 100 Sachen in die Leitplanke. Dort hob der Wagen kurz ab und überschlug sich. Alex stieg in die Eisen. Der verunfallte Wagen kam wieder auf die Räder und bleib stehen. Der nachfolgende Wagen raste, obwohl die Bremslichter deutlich zu sehen waren, in den Verunfallten rein. Dann schossen auf einmal die Flammen aus dem Fahrzeug. Semir sprang aus dem Mercedes und rannte zum Verunfallten hin, während Alex versuchte, den nachfolgenden Verkehr aufzuhalten. Er hob abwehrend die Hände und winkte, damit die Autofahrer aufpassten und abbremsten. Dennoch waren viele unachtsam und rasten auf die Unfallstelle zu.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Semir versuchte die Türen zu öffnen, um den Fahrer, der bewusstlos am Steuer saß, zu helfen. Die Türen waren verzogen, doch er gab nicht auf. Er wollte den Mann rausholen. Er war so darin vertieft, dass er nicht einmal sah, wie die Flammen immer größer wurden und plötzlich wurde er von dem Wagen weg gerissen. Er wehrte sich gegen den Griff. „Du kannst nichts mehr tun, Semir! Es ist vorbei!“ In diesem Augenblick explodierte der Wagen. Schwer atmend stand Semir da und sah auf den Feuerball. Alex ließ ihn los und sah ihn prüfend an. „Okay? Bist du in Ordnung?“ Semir nickte und ließ sich einfach an der Leitplanke nieder. Er starrte auf den Wagen, in dem vor seinen Augen ein Mensch verbrannte. „Verdammt! Verdammt, Verdammt, Verdammt!“ Er spürte ein Brennen in seinen Händen und besah sie sich. Erst jetzt bemerkte er die großen Brandblasen. Auch Alex sah es und suchte nach einem Sanitäter, die nun anrollten und sich um die anderen Verletzten, die der Unfall nach sich zog, kümmerten. Immer mehr Fahrzeuge waren aufgefahren und verwandelten die Autobahn in einen Schrottplatz. „Komm, ich bringe dich zum Rettungswagen. Die Wunden müssen versorgt werden!“ Alex zog Semir auf die Beine. Gemeinsam gingen sie zum Krankenwagen, wo sich ein Sanitäter die Hände ansah, sie mit Salbe und einem Verband versorgte und sich um die anderen Verletzten kümmerte. Semir sah Alex an. „Den werde ich kriegen! Für diese feige Tat wird er bezahlen. Er ist einen Schritt zu weit gegangen. Der Mann dort im Wagen, ist bei lebendigem Leib verbrannt und ich kann mir nur für ihn wünschen, dass er es nicht mitbekommen hat.“ Jenny Dorn kam mit einem Kollegen zu ihnen. „Wir sind schon dabei, die Unfallbeteiligten zu notieren. Ich habe eben den Funkspruch erhalten, dass der Tankwart, der den Wagen gemeldet hat, erschossen wurde. Fahrt ihr zur Tankstelle?“ Semir sah auf seine Hände, die nun vollständig verbunden waren. „Ja…Komm Alex!“ Sein Partner nickte und gemeinsam fuhren sie zur Tankstelle. Sie gingen, als sie das Ziel erreicht hatten, in den Verkaufsraum, wo der Pathologe gerade dabei war, die Leiche des Mannes in einen Sarg zu legen. „Direkter Schuss ins Herz. Keine Chance. Seine Frau sitzt nebenan und wird von einem Arzt betreut.“ Die Stimme klang bedrückt. Semir nickte und ging in den Nebenraum. Dort saß eine junge Frau. Man sah deutlich, dass sie hochschwanger war. Semir sah zu Boden und dann zu Alex.


    Nachdem die Frau vom Arzt weggebracht war, sahen Semir und Alex sich um. „Semir! Eine weitere Puppe. Und hier ist eine Videokamera!“ Semir kam zu ihm. Alex hob die Puppe hoch. Semir sah auf den Namen. „Nele“ hieß sie diesmal. Er wies auf die Kamera. „Hoffentlich nimmt die auch auf.“ Sie sahen sich suchend um und fanden schlussendlich den Laptop. „Sie tut es!“ Alex stieß einen regelrechten Freudenschrei aus. Er spulte die Aufnahmen zurück und sah nur wenig später, wie sich alles abgespielt hatte. Leider war der Täter maskiert und man konnte sein Gesicht nicht sehen. „Verdammt! Der Mistkerl weiß genau, was er macht! Ich kriege echt einen Koller!“ Alex schlug wütend auf den Tisch. „Wir nehmen das Band mit und lassen es von Hartmut genauer analysieren. Du weißt ja, dass er manchmal etwas findet, was wir übersehen.“ Semir legte ihm die verbundene Hand auf die Schulter. „Was machen deine Hände?“ Semir sah sie sich an. „Sie sind noch dran. Es tut etwas weh, aber es ist auszuhalten.“ „Du solltest dich das nächste Mal einfach zurück halten.“ „Ja Papa… Na los komm, fahren wir zurück zur PAST.“ Alex nickte und sie verließen den Tatort. Auf der PAST wurde ihnen von Susanne eine Akte überreicht. „Der Obduktionsbericht von Jana Kreutzer.“ Semir schlug die Akte etwas umständlich auf und las sie sich durch. „Die haben tatsächlich DNA an Jana gefunden. Die Auswertung läuft noch.“ Alex grinste leicht. „Dann haben wir den Mistkerl bald.“ Semir stöhnte leise auf. „Das hoffe ich sehr. Mensch, das ist mal eine gute Nachricht. Ich hoffe nur, der Kerl ist auch in unserer Kartei.“ Alex nickte. „Ja, das wäre wirklich besser. Sag mal, wolltest du nicht Dana zu einem Termin bringen?“ Semir drehte sich um und sah auf die Uhr. Es war 14 Uhr. „Oh verdammt! Mit den Händen, kann ich nicht wirklich das Lenkrad halten.“ Alex sah ihn an. „Dann springe ich für dich ein.“ „Wirklich?“ „Ja, ich hole sie ab. Sie wartet an der Schule richtig?“ „Ja, sie hat ja bis halb drei Unterricht und danach wollte sie direkt zum Vorstellungsgespräch. Danke Alex…“ Semir lächelte seinen Partner an. „Schon gut. Bis später.“ Alex verschwand und Semir sah ihm nach. Er nahm noch einmal die Akte mit dem Obduktionsbericht vor und las sie weiter. Jana wurde vor ihrem Tod brutal vergewaltig, wie der Arzt ja schon vor Ort festgestellt hatte. Die junge Frau musste sich heftig gewehrt haben. Der Täter hatte ihr schwere Verletzungen zugefügt, so waren zum Beispiel beide Handgelenke gebrochen worden. Vermutlich damit sie sich nicht so wehren konnte. Wieder spürte Semir Wut aufsteigen.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Alex fuhr zur Schule von Dana und musste nicht lange warten. Das Mädchen stand bereits vor dem Tor. Alex hatte sie nicht wieder erkannt, denn Dana trug einen Hosenanzug, der ihr sehr gut stand. Sie kam zu seinem Auto und öffnete die Tür. „Wo ist denn Papa?“ Alex lächelte sie an. „Der ist leider verhindert. Aber ich fahre dich zum Vorstellungsgespräch. Steig ein!“ Dana warf ihre Schultasche auf die Rückbank und ließ sich auf den Beifahrersitz fallen. „Was hat er denn? Ist er krank?“ Alex schüttelte den Kopf. „Nein, krank nicht. Er ist nur verhindert. Aber das kann er dir später ja selbst erklären.“ „Da hast du Recht.“ Er reihte sich wieder in den Verkehr ein. „Bist du denn auf das Gespräch gut vorbereitet?“ „Ja, ich habe das noch mit Andrea geübt. Aber das ist ja nur eine Praktikumstelle. Andrea hat mich dort vorgeschlagen. Ich hoffe sehr, dass ich sie bekomme. Ich bin ganz schön nervös.“ Alex lächelte verständlich. „Willst du denn so einen Bürojob machen?“ Sie zog die Schultern hoch. „Ich weiß es ehrlich gesagt noch gar nicht. Vielleicht ja, vielleicht nein. Deshalb mache ich ja das Praktikum. Es geht über drei Wochen und die krieg ich schon rum.“ Alex zog die Schultern hoch und sah sie erneut an. „Sicher bekommst du sie rum. Nur wenn man mehr Freude daran hat, ist es noch einfacher.“ Dana sah aus dem Fenster. „Du hast ja Recht. Aber ich weiß noch gar nicht, was ich überhaupt machen will. Vielleicht ist es nach dem Praktikum ja anders. Kennst du die Adresse, wo ich hin muss?“ „Ja, dein Vater hat sie mir genannt. Wir sind gleich da. Du siehst übrigens ganz toll aus, in diesem Anzug.“ Er grinste leicht, denn das Mädchen wurde rot und verlegen. „Danke, die Klassenkameraden waren der Meinung, dass es zu spießig ist.“ „Ich finde es sehr passend. Immerhin kommt es ja auch auf den Beruf an.“ Alex hielt nur wenig später den Mercedes vor einem großen Bürokomplex an. Dana atmete tief durch. „Whow, sieht ja beeindruckend aus. Ich habe Angst.“ „Quatsch! Dir kann doch gar nichts passieren. Rein mit dir! Ich warte hier und drücke dir die Daumen, das alles klappt. Wirst sehen, ist ein Kinderspiel!“ Alex versuchte Dana zu ermutigen und es schien zu klappen. Entschlossen stieg sie aus und ging mit selbstsicheren Schritten in das Haus. Alex sah ihr nach und musste zugeben, dass Semirs älteste Tochter schon sehr erwachsen wirkte. Während er auf sie wartete, gingen seine Gedanken wieder an die aktuellen Fall. Die ganze Zeit ging ihm ein Gedanke durch den Kopf. Was, wenn der Täter es auf einen von ihnen, entweder auf Semir oder auf ihn selbst abgesehen hatte? Was wenn die Namen der Puppen, den Namen ergeben, um den es hier eigentlich geht? Er nahm den Kugelschreiber aus dem Handschuhfach und einen Zettel. Dann schrieb er Semirs vollständigen Namen und auch seinen darauf. Anschließend fing er an, die Anfangsbuchstaben der Puppennamen aufzuschreiben. Die Buchstaben kamen in beiden Namen vor. Es brachte kein zufriedenstellendes Ergebnis und so ließ Alex diese Möglichkeit wieder fallen. Dana kam nach guten zwanzig Minuten wieder raus. „Ich hab sie!!! Ich hab sie!“ strahlte das Mädchen, als es auf dem Beifahrersitz saß. „Gratuliere! Dann fahre ich dich jetzt nach Hause.“ Alex reihte sich wieder in den Verkehr ein.


    Bruno Herfordt hatte sich ein neues Auto besorgt. Diesmal hatte er es sogar bezahlt. Allerdings hatte er nicht die Absicht, es auch auf sich anzumelden. So war das Fahrzeug weiterhin über den alten Besitzer versichert und der würde sicher erst einmal nichts davon merken. Bis die Versicherung alles erledigt hatte, war er hier fertig und konnte zu seiner Familie gehen. Als er an der Tankstelle Geismühle vorbeifuhr, sah er zwei Streifenwagen stehen. Verdammt, die Bullen sind wohl doch wach geworden und hatten mehrere Streifenwagen zum Schutz aufgestellt. Aber die würden immer noch nach dem roten KA suchen. Den fuhr er nicht mehr und er war sich ganz sicher, dass es keine Beschreibung von ihm gab. Dennoch war das Risiko, erkannt zu werden, sehr groß. Also musste er sich doch wieder auf Rastplätze konzentrieren. Er war auf der A57 unterwegs in Richtung Köln und hielt an einem kleinen Rastplatz an. Vielleicht konnte er hier ja doch noch etwas Beute machen. Doch als er dort etwas abseits geparkt hatte, wurde er enttäuscht. Selbst nach einer 90minütigen Pause, kam niemand auf den Platz gefahren. Gerade als er wieder los wollte, fuhr ein Mercedes auf den Platz. Bruno grinste und roch fette Beute. Als dann die Beifahrerin ausstieg, schnalzte er mit der Zunge. Was für ein heißes Gefährt. Jung und verdammt gut gebaut. Niedliches Gesicht. Bruno wollte ebenfalls zur Toilette gehen, als sein Blick auf den Fahrer fiel. Er grinste böse. Das war doch der Bulle! Und das in Begleitung von so einem süßen Mädchen? War das seine empfindliche Stelle? Das Mädchen kam zurück und stieg ein. Bevor er weiter nachdenken konnte, fuhr der Mercedes wieder vom Parkplatz. Bruno hetzte zu seinem Wagen und hängte sich an. Er grinste leicht und sah auf den Beifahrersitz, wo wieder eine der Puppen lag, die er zu seinem Markenzeichen auserkoren hatte. Sie hieß „Alf“ und würde nun am nächsten Tatort gefunden werden. Auch wenn er noch nicht wusste, wie die nächste Tat von ihm aussehen würde. Eigentlich müsste der Bulle doch bald wissen, wer er war. Er konnte ihn doch nicht vergessen haben. Na, und wenn, dann würde Bruno schon dafür sorgen, dass er sich wieder erinnerte. Der Wagen vor ihm fuhr von der Autobahn ab und sie kamen in den Kölner Norden. Die Fahrt endete vor einem ansehnlichen Einfamilienhaus mit großem Garten. Das Mädchen beugte sich zu dem Fahrer und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Für Bruno war es eindeutig, dass dieses Mädchen eine sehr enge Bindung zu dem Bullen hatte. Er hatte sie gefunden! Er hatte eine Schwachstelle von dem Bullen gefunden. Ein triumphierendes Gefühl stieg in ihm auf. Wenn er sich das Mädchen holte, dann würde er auch den Bullen bekommen und wenn nicht? Dann würde er sich bei dem Mädchen das holen, was er sich auch bei Jana geholt hatte.

    _______________________________
    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!