Jede Sekunde - ein Leben

  • Anouk Winter war etwas besonderes. Als Sohn zweier Ureinwohner Amerikas, verfrachteten ihn seine Eltern nach Deutschland, damit der heute 25 Jährige seinem Traum nachgehen konnte, Menschen zu helfen. Er war gerade sieben Jahre alt, als er ohne jegliche Sprachkenntnisse in ein Kölner Internat verfrachtet wurde und aufgrund seiner Herkunft auch dort, einige Häme einstecken musste.
    Jedoch gab es dort auch einen Lichtblick. Die junge Andrea Schäfer, die freiwillig, nebst ihrer Polizeiarbeit, auch noch Jugendfälle annahm und sich um sie sorgte. Sie scheute die "Rothaut" nicht und kümmerte sich um ihn. Als Dank, begann er sich im späteren Alter um sie zu kümmern, lernte ihren damaligen Mann Semir Gerkan kennen und schätzen und gab ihr den Rat, sich nicht von ihm scheiden zu lassen, sondern nochmals auf ihr Herz zu hören. Doch man kannte ja die Frauen, stur und uneinsichtig.
    Und obwohl Andrea und Semir nun geschiedene Leute waren, so brach Anouks Kontakt mit dem Autobahnpolizisten nicht ab - im Gegenteil. Seit Semir bei seinem Kollegen Bonrath lebte, hatten sie vereinbart, sich jeden Dienstag Morgen, soweit ihre Schichten es ermöglichten, gemeinsam einen Kaffee zu trinken in ihrer Lieblingsraststätte nahe der Grenze zu Bonn. Denn inzwischen hatte sich Anouk zu einem beachtenswerten Sanitäter gemausert, der für die Feuerwehr arbeitete. Seine Deutschkenntnisse waren beinahe besser als die eines bürgerlichen Bewohners und seine Hautfarbe, spielte inzwischen keine Rolle mehr. Besonders nicht bei Semir Gerkan, der beinahe das selbe Schicksal mit ihm teilte.
    "So", unterbrach der Deutschtürke Anouks Gedanken und stellte eine Tasse hin, "schwarz mit Zucker, so wie du es magst!" Anouk lächelte. "Tja, auf dich kann man sich halt verlassen", entgegnete er und die Beiden prosteten sich zu. "Schön, dass du es noch einschieben konntest, ich meine, mit deinem neuen Partner hast du doch noch rechte Probleme!" Semir winkte auf Anouks Einwand ab und setzte sich richtig hin. "Du kennst mich, ein Gerkan hält seine Versprechen, ausserdem erfahre ich auch ein wenig durch dich, wie es meinen Kindern geht...obwohl ich sie jedes Wochenende sehen darf!"
    "Semir..."
    "...nein, darüber wollen wir nun nicht sprechen!", lenkte Semir sofort ab und nahm einen Schluck seines Kaffees. "Meinst du nicht, es wäre an der Zeit, sich was eigenes zu suchen?", begann Anouk die Diskussion doch wieder erneut und Semir seufzte. "Ich weiss, das bedeutet Abschied...doch...Andrea kann sich nicht einfach immer hin und her entscheiden und das hast du ihr eigentlich deutlich gezeigt, darüber habe ich auch mit ihr gesprochen...aber dafür musst du nun den nächsten Schritt tun!" Semir nickte. Natürlich wusste er, dass Anouk recht hatte, der Kleine war mit seinen 25 ein besserer Eheberater als jeglicher Mensch mit doppelt so langer Lebenserfahrung, aber es war schwierig.
    "Nun ja...ich kam in letzter Zeit auch kaum dazu...ich hatte mich um Alex gekümmert...."
    "Du meinst dein Partner...diese Drogengeschichte?"
    "Allerdings, die Wunde an seinem Unterleib, mit der hatte er noch lange zu kämpfen..." Anouk nickte verstanden. "Hör zu...wenn wir mal wieder an einem Wochenende Zeit haben, sehe ich mich mit dir um okay? Vielleicht hilft ja auch noch dieser Alex mit, dann würde ich ihn auch endlich kennenlernen!" Semir grinste. "Ich glaube nicht das dein sonniges Gemüt, gegen die Schlechtwetterfront der Nation ankommt!" Anouk blickte verdutzt rein. "Also bitte, wie redest du über deinen Partner!", entrüstete er sich und Semir hob verteidigend die Hände. "Was nicht heisst, dass ich ihn nicht schätze, oder er ein guter Freund ist, aber er hat seinen eigenen Kopf und macht beinahe aus jeder Mücke einen Elefanten!" Anouk nahm während Semirs Erzählungen, seinen Becher Kaffee in die Hand und nahm einen Schluck. "Heisst ein schönes Sprichwort nicht: Wenn man im Glashaus sitzt, sollte man nicht mit Steinen werfen?" Semirs Unterkiefer klappte nach unten. "Also jetzt wirst du echt frech!", kicherte Semir und puffte Anouk in die Schulter. "Es war nur eine Feststellung!", verteidigte sich Anouk und beide zuckten auf, als Semirs Handy klingelte.
    "So viel zu dem entspannten Morgen!", seufzte Semir und nahm ab.


    "Gerkan?"
    "Semir ich bins!"
    Semir richtete sich auf und blickte verwirrt zu Anouk. "Alex...is' irgendwas? Du klingst als hättest du einen Geist gesehen?" Anouk zuckte mit den Achseln. "Semir, stell jetzt ja nicht auf Lautsprecher, aber ich war vorhin im Büro und da war eine Nachricht auf unserem AB." Nun war Semir noch verwirrter. "Und?", fragte er nach. "Semir, bist du gerade im "American Breakfast" mit deinem guten Kollegen?" Semirs Herz begann sich immer mehr zu verkrampfen, denn er wusste, dass Alex überhaupt nicht der Typ für Scherze war und schon gar nicht für solche geschmacklosen. "Semir, es ist eine Bombenandrohung an dich eingegangen! In genau fünf Minuten wird der Diner explodieren!" Semir liess beinahe vor Schock sein Handy fallen und musste die Lippen zusammenpressen, um nicht loszuschreien.
    Ruhe bewahren!
    Keine Panik!
    "Semir was ist los?", fragte Anouk ebenfalls sichtlich angespannt, da er die nervösen Schwankungen seines guten Freundes mitbekam. Semir hängte auf, ohne sich von Alex zu verabschieden und zog seinen Ausweis hervor.
    Er stellte sich auf den Tisch und pfiff kurz mit den Fingern, um so die Aufmerksamkeit der Besucher an sich zu binden. "Meine Damen, meine Herren", begann er, so ruhig wie er konnte, "ich bin von der Autobahnpolizei, Hauptkommissar Gerkan! Es wurde mir gerade mitgeteilt, dass binnen fünf Minuten, eine Bombe hochgehen soll!" Ein lautes Geschrei durchbrach seine Rede. "Ruhig bleiben! Bitte gehen sie alle durch die Ausgänge nach draussen! Bleiben Sie ruhig! Nehmen Sie, wenn Sie Kinder haben, diese an die Hand und führen Sie diese nach draussen!" Viele der Besucher rannten einfach los und Anouk reagierte richtig, er begann mit Semir, die Leute nach draussen zu lotsen und benachrichtigte Mitarbeiter und Leute, die nicht im Raum waren. So schafften sie es eigentlich schnell, den Raum zu evakuieren.


    Viele der Menschen fuhren sofort mit ihren Autos davon, doch die Leute, die nicht mehr schnell zu Fuss waren, wurden von Semir und Anouk in eine sichere Entfernung gebracht. "Mit dir wird's auch nie langweilig!", keuchte Anouk der gerade eine alte Frau, die er trug, absetzte und sie nochmals beruhigte. "Meinst du mir macht das Spass?", keifte Semir zurück und rief sofort eine Nummer durch sein Handy an.
    "Ja?"
    "Milena?"
    "Ey, mein türkischer Hengst, lass' mich doch meine zweite Arbeitswoche richtig beginnen!"
    "Milena, hacke dich in die Systeme des Diners ein, in dessen Nähe ich mich befinde, suche eine Unregelmässigkeit!" Milenas sonst so freudige Stimme wurde sofort ruhig. "So was wie eine Bombe?", fragte sie.
    "Woher?"
    "Semir, deine Stimme ist wie ein offenes Buch für mich. Ich gebe mein bestes!" Mit diesen Worten hängte Milena auf. "Milena?", fragte Anouk nach und Semir nickte. "Die junge, ehemalige BKA-Beamtin von der ich dir erzählt habe. Sie arbeitet nun unter Hartmut Freund in der KTU, aber manchmal können wir sie auch extern gebrauchen!" Anouk gab zu verstehen, dass er verstanden hatte und sah einen Mercedes zur Tankstelle fahren. Er wollte gerade losrennen um diesen zu warnen, doch Semir hielt ihn zurück. "Das ist Alex, keine Sorge, der weiss, dass er zu uns kommen muss! Noch hat er eine Minute."
    Alex fuhr sogar noch ein Stück weiter weg und stieg aus dem Wagen aus. Hektisch begann er, auf die Gruppe zu zu rennen. Semir drehte sich von Anouk ab und wollte auf seinen Partner zugehen, als Anouk einen roten Punkt auf Semirs Nierengegend sah.
    "SEMIR, RUNTER!", schrie Anouk, packte Semir und drückte ihn nach unten. Ein ohrenbetäubender Donner grollte über die Autobahn und Alex blieb vor Schreck für eine Sekunde stehen.
    Semir und Anouk landeten auf dem Boden. Wie ein schützender Panzer hatte sich Anouk über Semir geworfen, doch Semir entging das endlose Zittern seines Kollegen nicht. "Anouk?", fragte er und als Anouk neben ihn zu Boden ging, schrie Semir kurz auf. "ANOUK!"


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    Hallo ^^
    Endlich geht es auch bei mir weiter!
    Diese Story ist mit einer kleinen Hilfe von Elvira entstanden, Elli, vielen, lieben Dank dafür! :3
    Gerne nehme ich eurer Lob oder eure Verbesserungsvorschläge gerne an.
    sollte sich jemand interessieren, wie Anouk ungefähr aussehen sollte: http://www.voyagerliveaction.com/jsmirkbysquad1.jpg


    Lieber Gruss
    Jenni


    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Hi Zusammen
    Nun gut, die Story um Anouks Herkunft ist ein wenig weit hergeholt, aber hey, es ist Cobra 11 und nicht Terra X, ich denke, ich kann noch knapp damit durchkommen ;). Anouk ist im indianischen ein Männername, ich hab's extra noch recherchiert. ^^
    Und nun viel Spass mit dem nächsten Teil :)
    LG
    Jenni
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    Alex rannte auf die Gruppe zu und sah, wie sich Semir über einen gekrümmten Körper beugte. Seine Hände waren blutverschmiert und sein Gesicht vor Angst verzerrt. Alex nahm seine Waffe aus dem Halfter und blickte um sich. Er konnte keine Anzeichen eines Schützen feststellen. "Semir!", schrie er und dieser richtete sich auf.
    "Alex, ruf sofort einen Krankenwagen!" Alex hörte, wie Semirs Stimme sich beinahe überschlug. Als er sich der Gruppe näherte, die älteren Passanten hatten sich ein wenig entfernt, sah er die ganze Katastrophe.
    Semir versuchte mit blossen Händen, eine Wunde an Anouks Bauch abzudrücken. Feuerrotes Blut drückte zwischen Semirs Fingerritzen durch. "Verdammt...verdammt...verdammt...", flüsterte Semir und Alex kniete sich neben ihn, das Handy ans Ohr gedrückt. "Notruf? Wir brauchen sofort einen..." Als Alex die Adresse nennen wollte, zerbarst das Diner in einem riesigen Feuerball in tausend Stücke und Alex beugte sich über Semir und Anouk, um sie zu schützen. Die alten Menschen stürzten sich auf den Boden und schrieen kurz auf.
    Alex stiess einen kurzen Schmerzensschrei aus, als etwas seine Schulter traf und sie heftig nach vorne drückte. Ein lautes Pfeifen machte sich in aller Ohren breit und als die Explosion abklang, richtete sich Alex langsam auf. Als er seine Schulter abtastete, war kein Blut oder ein Bruch zu fühlen. "Das gibt n' Fleck", keuchte Alex und überprüfte, ob die Verbindung zum Notruf noch stand. Und tatsächlich, eine Frauenstimme fragte hektisch nach ihm. "Wir brauchen sofort einen Krankenwagen und die Feuerwehr an der Köln, Bonn Grenze. Stand...ehemaliger Standort des American Diners!" Mit diesen Worten hängte Alex auf und sah auf Semir, der dem eiskalte Schweiss über das Gesicht lief.
    Anouks Gesicht hatte beinahe jegliche Farbe verloren. Der Brustkorb hob sich heftig und die Augen waren ins Unermessliche geöffnet. Alex wollte sich gar nicht ausmalen, was für Schmerzen dieser Mann gerade durchmachen musste.


    Alex zog seine Jacke und danach sein Holzfällerhemd ab und drückte es auf Anouks Wunde. Dieser bäumte sich kurz auf und krallte sich an Alex Arm. "Tut mir leid, aber es muss sein", meinte dieser mitleidend und sah Semir an. "Heb seine Beine an! Das Blut muss zirkulieren!", sagte Alex bestimmend und Semir nickte. Er tat wie ihm befohlen und gemeinsam, versuchten sie, das Leben des jungen Sanitäters zu retten. "Du springst mir nicht einfach in die Szene und stirbst mich hier weg!", knirschte Semir und sah, wie Alex, linker Arm fürchterlich zitterte. "Hast du dich verletzt?", fragte er besorgt und Alex schüttelte mit dem Kopf. "Mich hat nur was leichtes getroffen. Nicht schlimm", tat er die Sache ab und drückte weiter unermüdlich auf die Wunde. Anouk wimmerte immer wieder und verzog das Gesicht. Bis er auf einmal zu gurgeln begann und rot-weisser Schaum aus seinem Mund quoll. "Nein...hey! Hier bleiben Kleiner!", schrie Alex und drehte mit einer Hand Anouks Gesicht zur Seite, so dass er nicht erstickte. "Oh Gott nein...", stiess Semir aus und in diesem Moment, erklangen die lauten Sirenen der Feuerwehr und des Notfalls. Ein Ärzteteam sprang sofort aus dem Wagen und Alex winkte sie zu sich. "Schwere Schussverletzung, eventuell innere Blutungen!", sagte er sofort und der Notarzt nickte und bat sogleich die Autobahnpolizisten sich zu entfernen. Alex zog Semir leicht mit sich. "Scheisse...Anouk...", murmelte dieser, als er die Ärzte sah, wie sie die Sauerstoffmaske und die Infusionen vorbereiteten.


    Alex sah sich noch einmal absichernd um, doch der Schuss schien aus dem Nirgendwo zu kommen und so schnell er kam, so schnell war er wieder weg. "Seine Eltern hatten ihr ganzes Erspartes aufgesammelt, um ihn ein besseres Leben hier in Deutschland zu geben...blind haben sie ihn hierhergeschickt..." Alex drehte sich zu Semir um, der kreidebleich war und fassungslos mit dem Kopf schüttelte. "Die sind vom Marienhospital, das ist auch am nächsten, dort werden sie ihn hinbringen! Ich fahr dich dort hin!" Semir blickte zu Alex und nickte langsam. "Danke...für alles..." Alex winkte ab und wollte seine Jacke richten, als ein stechender Schmerz durch seine Schulter ging und er mit einem kurzen Knirschen sich zusammenkrümmte. "Alex...?" Der Angesprochene presste die Lippen zusammen und atmete tief durch. "Lass mich sehen!", bestimmte Semir sofort, der seine Sorgen sofort für seine väterlichen Gefühle vergass und sein Vertrauen in die Ärzte legte, die sich um Anouk kümmerten
    Wider Willen zog Alex seine Jacke ab und konnte noch sehen, wie der Krankenwagen abfuhr, als Semir den T-Shirt Kragen ein wenig runterzog, um eine bessere Sicht auf die Schulter zu bekommen. Ein grosser Fleck wurde sichtbar mit beinahe allen erdenklichen Farben darin. Ein paar kleine Blutstropfen liefen über den Fleck.
    "Das hat dich voll erwischt! Wir fahren Anouk nach und du lässt das sofort behandeln! Und ich fahre! Mit der Schulter gehst du mir an kein Steuer!"
    "Semir..."
    "Keine Widerrede!", keifte Semir und lief auf den Mercedes zu, während sich Alex nochmals zu der brennenden Ruine des Diners umdrehte. Unwissend, dass dies alles erst der Anfang war.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Immer wieder musste Alex zusammenzucken, als der Arzt mit seinen in Latex gepackten Finger auf die Wunde drückte. "Sieht mir nach einer schweren Prellung aus. Gebrochen ist nichts. Ich bitte Sie, die Schulter einfach zu schonen, aber ansonsten sehe ich keine Einwände, Sie wieder in den Einsatz zu schicken!" Alex hörte ein lautes Ratschen und als er hinter sich blickte, sah er, wie der Arzt ein Pflaster vorbereitete. "Ich nehme an Sie wurden von einem Betonbrocken getroffen. Die Kanten haben kleinere Schnittwunden hinterlassen und damit diese sich nicht entzünden, klebe ich vorsichtshalber noch das Pflaster drauf!" Alex liess alles, unter dem strengen Blick Semirs, knurrend über sich ergehen. "Gibt es sonst noch was? Auf das wir achten müssten?", fragte Semir und der Arzt schüttelte seinen Kopf. "Nein, solange er keine Lastwägen mit dieser Schulter heben will, sehe ich kein Problem." Semir nickte dankend. "Gut, hier noch ein Schmerzmittel", begann der Arzt, nachdem er das Pflaster aufgeklebt hatte und reichte Alex eine Dose, "zu den Hauptmahlzeiten eine nehmen. Nicht mehr und nicht weniger!"

    "Okay", gab Alex zu verstehen und der Arzt verabschiedete sich mit einem Nicken.

    "Siehste, ich hab' dir doch gesagt, es ist nicht schlimm!", murmelte Alex als er nach seinem Hemd und der Jacke griff und dabei kurz aufstöhnte. "Oh ja, ich sehe, wie du vor Energie sprühst", erwiderte Semir sarkastisch und half seinem Partner, beim Anziehen. "Haben die Ärzte schon was zu Anouk gesagt?" Mit traurigem Blick sah Semir auf den Boden. "Nein...er wird noch immer operiert..." Alex hob mit seiner gesunden Hand Semirs Kinn an und blickte ihm direkt in die Augen. "Und die ganze Wahrheit?"
    "Sie sagen, es sehe ziemlich schlecht aus..." Semirs Mund verzog sich leicht und er kniff kurz die Augen zusammen. "Hast du Andrea benachrichtigt?" Semir nickte. "Komm' dann lass' uns warten!"
    "Vielleicht solltest du dich ausruhen gehen Alex..."
    "Red' keinen Quatsch! Ich lass' dich hier nicht allein! Du würdest das selbe für mich tun!"


    Sie liefen in den Warteraum, wo eine bekannte Gestalt inmitten des beinah leeren Saales sass. "Andrea!", stiess Semir aus und die Angesprochene drehte sich sofort zu den Beiden um. "Semir..." Andrea hatte Tränen in den Augen und rannte auf ihren Ex-Mann zu, um ihn zu umarmen. Semir liess sie, trotzt oder besonders wegen der Umstände, gewähren.
    Andrea löste sich von Semir und strich sich eine Träne aus dem Augenwinkel. "Hi...Alex...", begrüsste sie Semirs Partner und dieser nickte bloss. "Ich habe versucht eine Schwester anzusprechen, doch die sagte, sie hätte nichts neues!" Semir konnte Andrea nur bestätigen, das dies so war. "Er wird seit einer Stunde operiert...wir haben auch noch nichts neues erfahren!" Andrea presste die Lippen zusammen und konnte sich ein Schniefen nicht verkneifen. "Die Kinder sind bei meinen Eltern...Semir...findet dieses Schwein! Anouk war der Erste, den ich "retten" konnte und er hat uns so viel zurückgegeben...das weisst du..." Semir nahm sanft Andreas Hände und strich mit dem Daumen über die Handrücken. "Das werden wir. Wer immer auch das war, mit dem habe ich ein Hühnchen zu rupfen!"
    "Ich hoffe, du hast genug Kraft dazu", erklang eine Stimme und Milena, nun gekleidet in schwarzen Hot Pants, knallgelben Leggins, gelbem Hemd und dunklen Stiefeln, lief, in Begleitung von Frau Krüger, auf sie zu.
    Semir und Alex hatten sich inzwischen an die "wahre" Erscheinung Milenas gewohnt, doch Andreas Blick schien nicht von den Regenbogen-gefärbten Haaren zu weichen.
    "Wie geht es Ihnen, meine Herren?", begann Kim und nickte Andrea kurz zur Begrüssung zu. "Uns soweit gut...", murmelte Semir. "Gut...Milena und Herr Freund, der alles Gute ausrichten lässt, haben eine Entdeckung auf Ihrem Rechner gemacht Gerkan!" Semirs Ohren spitzten sich sofort und er beobachtete Milena dabei, wie diese ein Tablett hervorholte. "Auf deinem PC ist eine zweite Warnung erschienen. Morgen um Punkt 12.00 Uhr, will der Bombenleger wieder zuschlagen!" Semir, Alex und Andrea sahen die beiden Frauen erschrocken an.
    "Gerkan, wir haben es hier mit jemandem gefährlichen zu tun!"


    "Aber warum Semir?", fragte Alex, "Warum wird alles zu ihm gesendet?"
    "Das wissen wir leider noch nicht", antwortete Milena sofort, "Hartmut und ich untersuchen jegliche Dateien auf Semirs Computer und versuchen, die Stimme herauszufiltern, die sich ja auf dem AB verstellt hatte." Alex rieb sich kurz über die verletzte Schulter und blickte besorgt zu Semir. "Wir hegen auch den Verdacht, das dies eine persönliche Vendetta gegen Sie ist Gerkan!" Semirs Augen weiteten sich. "Was für eine Vendetta ist das, in der man hunderte von Anderen Menschen mit in Gefahr zieht? Das ist krank!", zischte er und Andrea legte ihre Hände beruhigend auf seine Schultern. "Semir...", setzte Milena an, "...noch besteht die Möglichkeit dass du per Zufall ausgesucht wurdest..." Semir atmete tief aus und stemmte seine Hände in die Hüften. "Aber warum ein Diner in die Luft sprengen, und dann noch auf mich schiessen? Das macht keinen Sinn..." So sehr Semir es auch hoffte, doch keiner konnte ihm eine Antwort darauf geben. "Wir werden dies aber herausfinden Gerkan! Doch zuerst zählt es, dass Ihr Kollege durchkommt. Bonrath und Jenny sind an dem Tatort und überwachen das Ganze. Sollte sich bis Morgen, der Zustand von Anouk Winter verbessern, werden Sie und Herr Brandt über den Stand der Ermittlungen informiert...vorher, sind Sie mir jedoch zu sehr befangen!"
    Semir wollte zur Erwiderung ansetzten, doch Kim hob sofort die Hand. "Ich kenne Sie inzwischen Gerkan, also streiten Sie es nicht ab. Ich will Sie nicht von dem Fall abziehen, ich will Ihnen nur Zeit geben, bitte verstehen Sie dass!"
    "Wie wollen Sie mir Zeit geben? Wenn Morgen schon der nächste Anschlag angekündigt ist? Die Zeit haben wir nicht!" Semirs Stimme hallte durch den Saal und Andrea mahnte ihn zur Ruhe. "Man hat uns den Standort sowie die Zeit durchgegeben, sollten Sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts genaueres über Anouk wissen, werden Bonrath, Jenny und ich dorthin gehen!", erklärte sich Kim sofort. "Brandt, Sie bleiben bei ihm!" Alex erwiderte nichts, sondern sah nur der Chefin nach, die von Milena noch instruiert wurde, dass sie ebenfalls noch ein wenig dasein möchte.
    "Seid ihr wirklich OK Jungs? Ich habe mir echt sorgen gemacht, als ich die Geschichte vernahm!", fragte sie sofort und Semir, sowie Alex nickten. "Mein Gott, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt", stiess Milena aus und reichte Andrea die Hand. "Milena...ich habe mit Semir zusammengearbeitet...oder tue es immer noch, besser gesagt!" Andrea schüttelte die Hand. "Ich weiss", entgegnete sie leise, "ich habe viel von dir gehört. Andrea...ich bin....", sie blickte zu Semir, "Semirs Ex-Frau. Wir Beide kennen Anouk schon seit sehr Jung auf und nun ja..." Milena nickte verstanden.
    "Hoffen wir, dass er durchhält..." Semir setzte sich auf den Stuhl und Andrea gesellte sich neben ihn. "Wollt ihr einen Kaffee?", fragte Milena und Semir, sowie Andrea nickten. "Kommst du mit Alex?" Alex begleitete Milena.


    "Ich hätte niemals gedacht...dass Anouk mal in solche Schwierigkeiten gerät...", flüsterte Andrea und strich sich mit den Fingern durchs Haar. "Wäre ich doch nicht mit ihm Kaffee trinken gegangen!" Andrea schüttelte mit dem Kopf und nahm sanft Semirs Gesicht mit ihrer Hand. "Das ist nicht deine Schuld. Du konntest es doch nicht wissen! Ich weiss, zu was du fähig bist, aber hellsehen, gehörte noch nie zu deinen Stärken?" Ohne es zu wollen, musste Semir leicht lächeln. "Nein...sonst hätte ich geahnt...dass du...." Weiter kam er nicht. Denn seiner und Andreas Blick waren ineinander verschmolzen. Ihre Umgebung wurde stumm, verschwommen und nicht mehr wahrnehmbar.
    In Andreas Augen sammelten sich noch mehr Tränen und sie begannen, über ihre Wange zu laufen. "Ich vermisse dich...", schluchzte sie und ohne dass sie es beide wollten, näherten sich ihre Gesichter und die Lippen, versiegelten sich.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

    Edited once, last by jenni ().

  • Milena und Alex liefen mit Kaffeebechern in der Hand, wieder zurück zur Wartehalle und als Milena um die Ecken biegen wollte, drückte Alex sie mit dem Ellbogen zurück. "Warte", zischte er und blickte neugierig an der Wand vorbei. "Wieso...was ist...?", fragte Milena fragend zurück und blickte ebenfalls um die Ecke. Es zeigte ein Bild zweier Verliebte, die sich wieder gefunden hatten. "Jaja Semir, man sollte einfach loslassen...'ne is' klar!", murmelte Alex lächelnd und Milena drückte die Beiden wieder zurück. "Warum lassen sich die Leute scheiden, wenn sie sich noch lieben? Ich kapier's nicht!" Alex zog eine Augenbraue hoch. "Kann's sein, dass du noch nie richtig verliebt warst?" Ertappt blickte Milena zu Boden und lief knallrot an. "Kein Grund sich zu schämen..."
    Milena und Alex fuhren in einem Tempo rum, als sie ein Räuspern hörten und eine Ärztin in Alex' Alter vor ihnen stand. "Gehören Sie zur Familie Gerkan?", fragte sie und die Beiden nickten verlegen. "Gut, dann kommen Sie bitte mit..." Sie wurden nach vorne gestossen und waren froh, dass Andrea und Semir sich anscheinend selbst ertappt hatten, um ihnen eine peinliche Szene zu ersparen.
    Semir wusch sich eilig den Lippenstift von dem Mund und Andrea richtete ihre Haare, als sie die Ärztin mit der Begleitung sahen. "Andrea und Semir Gerkan?" Die Beiden nickten und Milena und Alex gesellten sich neben sie.
    "Mein Name ist Doktor Dürr, ich habe Anouk Winter operiert!", begann sie und atmete tief durch, "Der Schuss hat innere Organe verletzt. Er hat es zwar durch die Operation geschafft, aber die nächsten 24 Stunden sind entscheidend. Wir mussten ihn intubieren. Wir können nur noch hoffen, dass der Junge stark genug ist!" Andrea legte eine Hand vor den Mund und schüttelte mit dem Kopf, während Semir nur die Augen zusammenkniff.


    "Als eingetragene Kontakte, sind Sie berechtigt, zu ihm ins Zimmer zu gehen. Ich möchte trotzdem nach seinen Eltern fragen..." Andrea atmete tief durch. "Seine Eltern sind vor zwei Jahren verstorben. Ein Tornado...", erklärte Andrea und rieb sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Doktor Dürr nickte verstanden. "Gut, ich werde Sie auf die Intensivstation begleiten, wo wir Ihnen noch Schutzkleidung anziehen müssen." Semir und Andrea nickten und Semir blickte noch zu seinem Partner. "Ich warte hier auf dich, kein Problem!", ermutigte Alex ihn und das Trio entfernte sich.
    "Hoffen wir, dass er es schafft!", murmelte Milena und blickte auf die Kaffeebecher, die vollkommen in Vergessenheit geraten waren. "Kannst du auf die Nacht zwei Kaffees vertragen?" fragte sie und Alex zuckte mit den Achseln. "Muss ja, ich meine, ich muss ja warten!" Milena schüttelte mit dem Kopf. "Nein, wir müssen warten. Ich lass' dich hier nicht alleine Kumpel. Ausserdem wäre meine Nacht eine Mischung aus Chipsfressorgie und wie beende ich Super Mario 64 mit allen Sternen in Rekordzeit. Ich denke, dass hier ist sinnvoller!" Alex musste lächeln und nickte auf die Terrasse. "So wie deine Finger hubbelig auf den Bechern hin und her tippeln, bist du auf Nikotinentzug!" Milena verzog den Mund. "Komm, ich könnte frische Luft echt noch gebrauchen. Ausserdem, darf ich dir eine abluchsen?" Milena blickte Alex erstaunt an. "Ich habe stark gedacht, du rauchst nicht!" Alex nickte. "Tue ich eigentlich auch nicht. Ich brauche nur zwei im Jahr und meistens sind die dann, wenn ich mich gestresst fühle...oder mitleidend!" Milena zuckte mit den Achseln. "Ich zwinge nie jemandem Nikotin auf, aber wenn du möchtest, kannst du schon eine haben...", bot sie an und gemeinsam gingen sie auf die Terrasse.


    Als Andrea und Semir den Schutz angelegt hatten, blickten sie noch einmal durch das Fenster, durch das man Anouk sehen konnte. Der junge Mann lag auf dem Bett und die dunkle Gesichtsfarbe war einem weiss gewichen. Die Lippen waren farblos, zumindest der Teil, der unter dem Schlauch zu sehen war. Durch Infusionen wurden ihm Blut und Medikamente zugeführt und die verschiedenen Kabel zeigten, an wie vielen Geräten Anouk angeschlossen war. Andrea suchte nach Semirs Hand und er liess sie gewähren. "Gut, einfach leise...und eben, bei der kleinsten Veränderung werden wir kommen und sie weichen müssen." Semir nickte verstanden und führte Andrea in das Krankenzimmer. Das Piepen des EKG's wurde hörbar und Semir brachte Andrea zu dem Stuhl, der am Bett stand. "Danke...", flüsterte sie wimmernd und Semir nahm einen Stuhl, um sich neben sie zu setzten. Er sah, wie Andrea eine Hand Anouks nahm und mit Tränen in den Augen auf den jungen Mann blickte. "Er hatte mich gewarnt, mich von dir scheiden zu lassen...ich würde es bereuen...", begann sie und blickte dann zu Semir. "Er hatte Recht..." Semir atmete tief durch.
    "Andrea..."
    "...ich vermisse dich jeden Tag Semir...ich habe einen Fehler gemacht und das weiss ich...aber ich habe mich so eingesperrt gefühlt...und hilflos...besonders als Ben noch gegangen war...da warst du nicht mehr du selbst...aber seit du wieder mit Alex einen Partner an deiner Seite hast, bist du der Mann, den ich so liebe und in dem ich mich verliebt habe!"
    "Ich liebe dich auch und vermisse dich...", flüsterte Semir, "aber weiss ich, ob du wieder bei mir bleiben wirst, oder ob du bei der kleinsten Schwierigkeit die Kinder nimmst und verschwindest?" Andrea presste die Lippen zusammen und nahm mit Beiden Händen Semirs Gesicht. "Ich liebe dich Semir Gerkan und ich Idiot musste das zuerst erkennen! Ich will meinen türkischen Hengst zurück!" Semir konnte nicht anders, denn seine Gefühle waren stärker als seine Zweifel. Also drückte er Andrea an sich und küsste sie auf die Stirn.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Wir reden darüber, wenn es Anouk wieder gut geht", flüsterte Semir, Andrea ins Ohr und diese nickte. "Tut mir leid, ich habe..." Semir winkte ab und blickte schwer seufzend auf Anouk, dessen Brustkorb sich gemeinsam mit dem unerträglichen Zischen des Sauerstoffgerätes hob.
    "Was wenn er....?"
    "Andrea, daran denken wir nicht einmal, klar!", beharrte Semir und schüttelte dazu noch mit dem Kopf. Sanft nahm Andrea, Anouks Hand und achtete auf die Kanüle, die in seinem Handrücken steckte. Sie strich sanft über seine Finger und atmete tief durch. Sie sagten nichts, starrten nur auf den reglosen Körper im Bett und gaben sich gegenseitig halt, wie sie es zu den besten Zeiten getan haben. Denn sie wussten, etwas anderes konnten sie, so sehr es ihnen auch schmerzte, leider nicht tun. Diese Entscheidung war nun allein in Gottes Hand.


    Alex beugte sich leicht vor, so dass Milena mit ihrer Flamme seine Zigarette anzünden konnte. "Danke", murmelte Alex und nahm einen tiefen Zug. "Als du gesagt hattest, dass ich noch nie richtig verliebt war..."
    "...Milena dass war..."
    "...lass mich ausreden", funkte Milena, Alex sogleich ins Wort und zündete sich ebenfalls eine Zigarette an. "Du hattest recht...dass damals mit...du weisst schon wem...das war nur Bewunderung und Rebellion...aber so wirkliche Liebe...habe ich noch nie für jemanden verspürt...jedenfalls diese Art von Liebe!" Alex nickte verstanden. "Möchtest du denn das Gefühl jemals erfahren?" Milena nickte heftig. "Natürlich...auch wenn du es dir nicht vorstellen kannst, aber ich kann mir auch gut eine Ehe und Kinder vorstellen!" Alex lächelte warm. "Nur weil man bunte Klamotten und eine durchgeknallte Haarfarbe hat heisst das noch lange nicht, dass man absolut abstinent und nerdig lebt.", begründete er seine Geste und nahm einen weiteren Zug. "Boah, was rauchst du denn?", hustete er hervor und aus dem Mundwinkel pufften kleine Rauchschwaden. "Eh...starke? Ich rauche schliesslich schon seit Teenager?", erwiderte Milena und grinste. "Bist wohl nur "Light's" gewohnt was?"
    "Was anderes hat man im Knast nicht gekriegt", räusperte Alex und fuchtelte vor seinem Gesicht herum, um die Rauchschwaden zu verteilen. Milena erwiderte jedoch nichts, denn sie wusste, dass Alex dies nur angemerkt hatte, und nicht mehr darauf eingehen wollte. Sie wurde inzwischen von Semir über Alex instruiert und über seine Vergangenheit aufgeklärt.
    "Ich wollte sie warnen wegen der Bombe...und trotzdem liegt nun einer auf der Intensivstation...", seufzte Alex und Milena blickte traurig nach vorne. "Ja, aber wenn du nicht rechtzeitig reagiert hättest, wären nun mehrere Menschen tot." Alex musste ihr zwar zustimmen, doch das flaue Gefühl im Magen wollte nicht verschwinden. Sein Sinn für Gerechtigkeit war sehr stark ausgeprägt und in solchen Momenten spürte er das genau. Milena sah Alex verzweifeltes Gesicht und stöhnte. "Kimilein wird mich deswegen umbringen...aber was soll's!"


    Alex blickte sie verwundert an, als sie ihr Tablett wieder aus der Tasche holte und eine Datei öffnete, auf dem lauter Fotos und Berichte zu sehen waren. "Von der Bombe ist so gut wie nichts übrig gewesen", begann Milena und legte das Tablett zwischen sich und Alex, "laut den Bombenexperten zufolge, wurde sie in einem der Lüftungsschächte der Küche platziert!" Sie nahm ein Bild mit einem Lageplan des Diners hervor. "Sprich also ziemlich zentral im Gebäude", murmelte Alex und fuhr mit dem Finger über den Display. "Hartmut hat bereits die Kugel in die File gelegt!", pfiff er erstaunt hervor und Milena sah sie sich genau an. "Ja...aber nur ein Foto, dass anscheinend vor kurzem nach der Operation gemacht wurde. Die hat's komplett zusammengestaucht, kein Wunder bei dem Schaden, der sie angerichtet hat...wenn unser Feuerpinsel da noch was rausholt, wäre ich echt erstaunt!" Milena wunderte sich, nichts von Alex erwidert zu bekommen und sah, wie konzentriert er war.
    "Kannst du das Foto vergrössern?" Milena nickte und tat wie ihr geheissen. "Das sieht nach einer Manöverpatrone aus..." Milena riss ihre Augen erstaunt auf. "Es ist diese spezielle Zeichnung...der Mann meiner Pflegemutter...war Soldat bei der Bundeswehr...und er war Scharfschütze A.D. Ich habe diese Patronen schon in jeglichen Formen gesehen...aber diese scheint neu zu sein!"
    "Eine G82?", fragte Milena und Alex nickte. "Ja...aber das ist nur eine Spekulation...hoffen wir, das Hartmut da mehr herausfindet..." Milena schluckte schwer. "Sollte dies aber wahr sein...dann haben wir es mit einem wachechten Scharfschützen zu tun..." Alex rieb sich kurz durchs Haar. "Noch ist es ja nur ein reines Raten...vielleicht liege ich sogar falsch."
    "Glaubst du das wirklich?"
    "Ich hoffe es..."
    Milena und Alex sahen, wie die Sonne begann unterzugehen. "Meine Herren, schon so spät?", murmelte Milena erstaunt und rieb sich über die Oberarme, als eine kalte Briese vorbeizog. "Lass' uns reingehen..." Alex drückte Milena sanft am Rücken nach vorne. "Alex?", sagte diese jedoch und dieser drehte sich zu ihr um. "Das grosse Kaufhaus am Stadtrand...im Glashaus...das soll das nächste Ziel sein..." Alex lächelte und legte einen Arm um sie. "Nur für den Fall", sagte sie grinsend und gemeinsam gingen sie zurück in den Wartesaal.


    Die Stunden vergingen und alle, mussten sich der grausamen Müdigkeit hergeben. Während Alex und Milena in gar komischen Positionen auf den Stühlen schliefen, waren Andrea und Semir aneinander gelehnt, wobei Andrea niemals die Hand von Anouk losliess. Zu gross war die Angst, den Jungen zu verlieren. Niemand bemerkte, wie die Nacht an ihnen vorbeizog, Ärzte an ihnen vorbeischlichen, um Anouks Zustand stündlich zu kontrollieren. Erst als die Sonne wieder aufging, räkelte sich Semir leicht und erschrak, als sich etwas auf seine Hand legte. Er blickte sofort darauf und erkannte die gebräunten, schlanken Finger sofort. "Morgen Semir...", hörte er jemand flüsternd und als er seinen Blick noch mehr hob, sah er, dass Anouk ihn anlächelte. Den Luftröhrenschlauch war durch einen Nasenschlauch, der in zwei Stöpseln endete, ersetzt worden.
    Semir konnte nichts sagen...sondern presste nur kurz die Lippen aneinander und stupste Andrea an. Diese sprang beinahe vom Stuhl auf und wollte losschreien vor Freude, als sie Anouk mit halbgeöffneten Augen sah, die sie beide anblickten. In ihren Augen sammelten sich Tränen und sie erblickte Doktor Dürr, die an der anderen Seite des Bettes stand. "Stärkerer Bursche, als wir geglaubt hatten...", sagte sie erfreut und legte Anouk eine Hand auf die Schulter. "Natürlich ist er noch nicht aus dem Schneider...aber es ist ein schönes Zeichen...ich bitte Sie jedoch, sich zu melden, sollte was sein!" Mit diesen Worten verliess sie den Raum und Andrea beugte sich sofort über Anouk und küsste ihn auf die Stirn. "Andrea...keine Tränen...wenn ich mitweinen muss, platzen meine Nähte auf...", scherzte Anouk kaum hörbar und Semir strich Anouk sanft über die Schulter. "Wie fühlst du dich?", fragte er. "Verwirrt, voll gepumpt mit Morphium und trotzen hab ich höllische Bauchschmerzen", antwortete Anouk ehrlich und als er Semirs besorgten Blick sah, versuchte er leicht mit seiner Hand zuzudrücken. "Aber es ist's mir wert..."

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Semir lief, noch immer halb in der Müdigkeit versunken, zum Wartesaal und erblickte Alex und Milena, die sich gerade aufrichteten. "Boah, das werde ich morgen noch spüren", stöhnte Milena, "ich glaube, ich hatte die Lehne in der Wirbelsäule!" Mit einem Grummeln stand sie auf und klopfte sich den Staub von den schwarzen Leggins. "Ich hatte dir gesagt, schlaf im Sitzen!", belehrte Alex sie väterlich und drehte sich um, als er Semirs Schritte hörte. Eilig richtete er seine Haare und ging auf seinen Partner zu. "Er ist aufgewacht!", sagte Semir sichtlich erleichtert und nun kam auch Milena schnell dazu. "Er ist noch nicht vollkommen aus dem Schneider, aber die Ärzte sind mehr als zuversichtlich!" Milena lächelte und packte Semir kurz an der Schulter und drückte zu. "Andrea wird bei ihm bleiben! Die Kinder sind bei ihren Eltern gut aufgehoben, darum mache ich mir keine Sorgen!" Alex nickte verstanden und stemmte seine Hände in die Hüfte. "Und du?" Semir blickte Alex direkt in die Augen und dieser Blick genügte. "Milena hat mir den Ort des nächsten Anschlags verraten, wenn du willst, können wir direkt hin!" Semirs Augen wanderten zu Milena, die zwinkerte und einen Daumen nach oben reckte. "Kimilein's Standpauke werde ich abhaben können, keine Sorge! Aber wenn es darum geht, Menschenleben zu retten, vertraue ich auf meine Jungs!" Semir lächelte und nickte dankend. "Okay", murmelte Alex und suchte seine Hosentaschen nach dem Autoschlüssel ab. Damit zog es wieder in seiner Schulter und es entwich ihm ein entnervtes Knurren. Als er ein Klimpern hörte, sah er auf und Semir fuchtelte mit dem gesuchten Objekt vor seiner Nase rum. "Ich habe gesagt, mit der Schulter fährst du nicht! Also komm!" Alex rollte mit den Augen, verabschiedete sich von Milena und rannte dann Semir hinterher. Sie bemerkten Milenas besorgten Blick nicht, der lange, ihnen hinterher sah. "Passt auf euch auf Jungs!", murmelte sie leise zu sich selbst und hatte das Gefühl, dass ihre drei Schussnarben entsetzlich juckten. Alex scherzte immer, dass sie ein schlechtes Karma-Barometer dadurch geworden sei, doch Milena wollte nicht daran glauben, besonders nicht in diesem Moment.


    Semir setzte sich in Alex Mercedes und Alex selbst, begab sich auf den Beifahrersitz. "Das grosse Einkaufshaus aus Glas am Stadtrand! Das soll der nächste Anschlag passieren", verkündete Alex und Semir startete sofort den Motor. Mit einem gezielten Drift begab er sich aus dem Parkplatz zur Ausfahrt und fuhr auf die Schnellstrasse.
    "Um welche Zeit war der Anschlag noch mal geplant?", fragte Semir, der seinen Blick auf die Strasse gerichtet hatte. "12.00 Uhr. Sprich wir haben noch drei Stunden! Aber ich vermute stark..."
    "...das die Bomben bereits platziert sind!", vollendete Semir, Alex' Gedankengang. "Jep, genau das wollte ich sagen!", stimmte Alex zu und atmete tief durch. "Semir...ich weiss, dass ich eigentlich der Letzte sein dürfte, dass zu sagen...aber..." Alex hielt inne. "Wir sind Partner und jeder darf sagen was er will, also spuck's aus!", drängte Semir und bog in eine Kurve. "...bitte lass' uns versuchen, uns nicht von Gefühlen leiten zu lassen!" Semir blickte kurz zu Alex, der Semir wiederum bittend ansah. "Versuchen können wir es zumindest!", antwortete Semir leise und parkierte den Wagen auf einem der Stehplätze, vor dem Einkaufszentrum.
    Dieses war bereits abgesperrt worden und Semir konnte die Autos des Bombenentschärfungskommandos sehen. "Die Krüger macht keine halben Sachen!", pfiff Alex erstaunt und alsbald er diesen Namen ausgesprochen hatte, erschien die erwähnte Persönlichkeit sogleich.


    "Brandt, Gerkan, hätte Sie nicht hier erwartet!", sagte sie mit vorwurfsvollen Unterton. "Anouk ist aufgewacht und er ist auf dem Weg der Besserung", begann Semir sofort, "Andrea ist bei ihm und ihr kann ich vertrauen! Also, bin ich wieder einsatzbereit!" Kim blickte zu Alex, der Semir nur mit einem Nicken zustimmte. Die Chefin seufzte. "Meinetwegen, kommen Sie mit!", grummelte sie und führte die Männer in ein Einsatzzelt, das bereits aufgebaut war. Am Besprechungstisch, stand ein Herr Mitte 40 und blickte auf, als er die Schritte hörte. "Das ist Markus Kästner, er ist der Einsatzleider des Bombenkommandos." Semir und Alex gaben dem Herren die Hand. "Sie müssen Gerkan und Brandt sein, viel von Ihnen gehört!", begann Kästner mit bärengleicher Stimme und faltete einen Plan des Einkaufszentrums auf dem Tisch auf.
    "Meine Männer sind gerade daran, die Lüftungsschächte zu überprüfen, zuvor hatten sie die Läden und Räume durchsucht!"
    "Und?", fragte Alex neugierig und Kästner schüttelte mit dem Kopf. "Bisher nichts!" Semir jedoch, sah konzentriert auf den Plan. "Hey, was ist das?", fragte er und zeigte auf eine kleine Markierung, leicht unterhalb des Gebäudes. "Das ist ein alter Lagerraum von dem vorherigen, alten Zentrum. Diesen hat man, falls eine Überlastung der Waren eintrifft, nicht entfernt...wieso?", fragte Kästner verwundert und Semir rieb sich kurz über den Stoppelbart. "Ist der für jeden Zugänglich?" Kästner zuckte mit den Schultern. "Nun ja, für jegliche Mitarbeiter des Zentrums...und natürlich nun für mich und meine Männer...wieso?"
    "Man sollte sich das genauer ansehen!", nahm Kim, Semir das Wort aus dem Mund und Kästner nickte verstanden. Er nahm sein Funkgerät hervor. "Team 2? Hier Kästner, bitte untersucht den alten Stauraum auf Sprengstoff!" Es knackte kurz, doch sogleich kam die Antwort. "Verstanden! Wird erledigt!" Kästner legte sein Funkgerät wieder auf den Tisch und kratzte sich am Kopf. "Wäre natürlich kein schlechtes Ziel, bei einer gewissen Detonation würden einige Stockwerke einbrechen!"
    "Gut, ich und Alex durchsuchen die Gegend auf einen Scharfschützen!"


    Semir wollte losgehen, als Kim ihm am Ärmel packte und leicht zurückzog. "Woher wissen Sie überhaupt wo das alles stattfindet?" Semir sah schwer schluckend zu Alex und diese blickte auch, wie ein zu unrecht beschuldigtes Kind gegen die Decke. "Milena...", stöhnte Kim und rieb sich über die Stirnfalten. "Chefin...ich...", wollte Alex ansetzten, doch Kim winkte ab. "Darüber diskutieren können wir später...legen Sie sich aber Schusswesten an, wenn Sie die Gegend absuchen wollen!" Kim nickte auf einen Stapel Schusswesten, der auf einer Kommode lag. Alex und Semir nickten und schnappten sich je eine Schussweste und legten sie sich an. "Und Brandt?" Alex drehte sich zur Chefin um. "Keine Sorge, Milena geschieht nichts, sofern hier nichts schiefgeht!", sagte sie bestimmt und ihr Blick wich kurz zu Semir, jedoch reichte er, dass Alex verstand. "Verstanden", sagte er und lief Semir hinterher.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Semir sprang auf eines der Vordächer des Hauses und Alex lief ihm hinterher. "Nichts...", stöhnte Semir und rieb sich den Schweiss von dem Nacken. "Vielleicht war das ganze 'ne Falle?", dachte Alex laut und Semir konnte nur mit den Achseln zucken. "Aber wofür dann der Aufwand? Ich meine, das macht alles für mich keinen Sinn!" Jetzt musste Alex wiederum Semir recht geben. "Wir suchen nun seit bald zwei Stunden....bald ist 12.00 und wir haben nichts!" Semir verspürte den Drang, irgendwas in voller Wut auf den Boden zu werden. "Das ist doch alles der letzte..." Noch bevor Semir seinen Satz vollenden konnte, war ein lauter Knall und eine feuerheisse Hitzewelle zu spüren. Als Alex und Semir sich umdrehten sahen sie, wie der Eingang des Kaufhauses in Flammen aufging. "Ach du Scheisse?", stiess Alex aus, der seine Augen vor der Blendung mit der Hand schützte und Semirs Gesicht verlor jegliche Farbe. "Oh mein Gott...", flüsterte er und wollte losrennen, doch in diesem Moment wurden er und Alex von jemanden auf den Boden gedrückt und Semir hörte, wie die Wand hinter ihm leicht zerberste. "Was zum...?", wollte Alex fluchen, doch die unbekannte Gestalt zog die Beiden hoch. "Hier lang!", befahl sie schroff und Semir glaubte, die Stimme zu kennen. Sofort breitete sich in seinem Herzen eine bekannte Vertrautheit breit und er nickte, als Alex ihn hilfesuchend ansah. Sie folgten der Person, die sie zu einem Gebäude führte und Semir konnte ein Einschussloch in der Wand erkennen. Sie flüchteten zurück in das Gebäude und die Person brachte sie in den Keller, in dem er die Türe mit einem Dietrich aufbrach und diese direkt hinter sich verbarrikadierte. "Das war knapp!", stöhnte sie und Semir versuchte, ein Gesicht unter der grossen Kapuze zu erkennen, doch das Licht fiel sehr ungünstig. "Was zur Hölle war das?", fragte Alex sofort und wollte auf den Unbekannten zustürmen, doch Semir hielt ihn auf. "Scheint als hätte mein Nikolaus doch noch zurück in die Schiene gefunden!", grinste die Person und Semir drückte in diesem Moment Alex noch stärker zurück, als dieser mit einem "Fresse!", nach vorne drängen wollte. "Alex...er hat uns das Leben gerettet!", versuchte Semir seinen Partner zu beruhigen, doch Alex blieb nur mit eiskaltem Blick stehen. "Der Nikolaus ist Türke...das habe ich dir erzählt...", begann Semir leise und die Person zog die Kapuze langsam am.
    "Schön dich wieder zu sehen, alter Freund..."
    "Ben...?"


    Kim Krüger konnte nur kopfschüttelnd auf die Trümmer des Einganges sehen, als die Feuerwehr angefahren kam und die Flammen versuchte zu löschen. "Das war knapp....", keuchte Kästner, der leicht mit Russ bedeckt war und diesen sich von den Schultern klopfte. "Die Bomben waren in den Feuermeldern versteckt...wer kommt bitte darauf?" Kim sah Kästner wütend an. "Wenn dieser unbekannte Anruf nicht gewesen wäre, wären wir nun alle getoastet!", zischte sie und Kästner zuckte zusammen. "Wir hatten die Türen auch durchsucht, aber es war Flüssigsprengstoff, ein ziemlich neuer sogar, meine Männer konnten ihn nicht identifizieren", verteidigte sich der Bombenexperte sofort und verschränkte die Arme. "Aber wer zum Teufel hat uns diesen guten Tipp gegeben? Ich meine, laut Ihren Informationen war niemand bis auf die Autobahnpolizei und unsere Einheit informiert. Ich meine, die Presse war nicht über den zweiten Anschlag informiert worden..."
    Kästner blickte fragend zu Kim, die wiederum gedankenversunken auf das Gebäude blickte. "Frau Krüger?", fragte Kästner nach und Kim drehte sich um. "Oh...keine Ahnung...das müssen wir herausfinden...", tat sie die Sache schnell ab und feuchtete sich die trockenen Lippen mit der Zunge an. "Das kann nicht sein...", flüsterte sie zu sich selbst.


    Alex blickte Semir mehr als verwirrt an. "Wie...Ben wie in...Ben Jäger?", fragte Alex nach und der unbekannte Retter nickte. "Ja, das ist in der Tat mein Nachname", grinste er und Semir stand wie in Stein gemeisselt vor seinem ehemaligen Partner. "Was machst du hier?", fragte er stockend und zögerlich und Ben richtete kurz seine Kapuze. "Alles zu seiner Zeit mein Freund", begann er und steckte die Hände in die Hosentasche, "zuerst müssen wir dich hier rausbringen!" Semir hob die Hände. "MOMENT!", sagte er hart und Ben, sowie Alex zuckten zusammen. "Du haust mit deiner Freundin nach Amerika ab, meldest dich so gut wie gar nicht mehr und nun DAS?" Ben sah beschämt zu Boden und gleichzeitig glaubte Alex etwas wie Trauer und Angst in den Augen seines Vorgängers zu sehen. "Semir...ich erkläre dir alles...aber..."
    "...ich will es jetzt hören!", bestimmte Semir und Ben rollte mit den Augen. "Nina hat sich von mir getrennt...für einen Anderen...okay? Das war vor drei Wochen! Ich wollte mich bei dir melden, aber wusste nicht mehr wo du wohnst! Du warst ja nicht mehr im Haus!"
    "Ich war bei Bonrath! Du hättest nur mal Susanne fragen müssen!"
    Alex sah den Beiden beim Streit zu und fühlte sich beinahe wie ein ahnungsloses Kind mitten im Ehekrach.
    "Äh...Leute...?"
    "WAS?" Semir und Ben sahen Alex mit bösem Blick an und dieser hob bloss eine Augenbraue. "Wiedersehensfreude....oder auch nicht...hin oder her, Nicht melden oder melden, lassen wir das mal beiseite...wir haben einen Bombenterrorist sowie einen Scharfschützen der ständig deinen Tod will...warum zum Teufel weiss dein Ex-Partner davon?"
    Semir und Ben richteten sich auf und Semir gesellte sich neben Alex. "Das würde ich auch gern wissen!" Ben verschränkte die Arme. "Wie gesagt...ich erkläre euch alles, aber zuerst müssen wir hier weg!"
    "Und die Anderen?", fragte Semir entsetzt und Ben hob sofort den Zeigefinger. "Das habe ich erledigt. Keine Sorge! Aber wir müssen nun in die PAST. Dort bist du sicher!" Semir schüttelte nur mit dem Kopf. "Ich fasse es nicht", zischte er und Alex zuckte mit den Achseln. "Gehen wir", gab er auf und lief voraus, während Semir zurück blieb. Ben legte eine Hand auf seine Schulter.
    "Semir...ich...."
    "Erklär's mir später...wie du es vorgeschlagen hast...", erwiderte Semir enttäuscht, wusch sich Bens Hand von seiner Schulter und lief Alex hinterher.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Die drei Männer beschlossen, nach einem Vorschlag von Ben, sich durch die Tiefgarage zurückzuschleichen. Semir nahm, während des Marsches, sein Handy hervor und rief Kim Krüger an. "Chefin?" Die Stimme am anderen Ende antwortete. "Gut, wir sind ebenfalls in Sicherheit...und Sie glauben nicht dank wem!" Semir schenkte Ben einen eindeutigen Blick und dieser rollte nur mit den Augen. "Sie hatten es also bei dem anonymen Anrufer vermutet? Gut...ja mir geht es auch so! Bis naher in der PAST!" Semir hängte auf und steckte sein Handy wieder in die Hosentasche. "Mein Wagen steht am Ende der Tiefgarage", sagte Ben eindeutig und lief auf eine Türe zu, die sich am Ende des Kellers befand. "Hoffentlich kugelsicher...", grummelte Alex und gemeinsam gingen sie, nachdem Ben die Türe aufgebrochen hatte, weiter durch die unterirdischen Gänge des Hauses.
    Kein Wort wurde miteinander gesprochen. Selbst Alex, der immer wieder sich zusammennehmen musste, keine Fragen zu stellen, presste die Lippen zusammen und lief einfach hinterher. Die Spannungen zwischen Semir und Ben waren mehr als deutlich und nach all' dem, was Alex gehört hatte, war er über Semirs Reaktion nicht sonderlich erstaunt gewesen.
    Doch die Stille war beinahe erdrückend. Das ständige Surren der Generatoren war zu hören und immer wieder wurde sich umgedreht, wenn man das kleinste Geräusch vernommen hatte. Ben führte sie zu der Tiefgarage und brachte sie zu einem silbernen Ford Mustang, neuer Generation. Immer wieder sah Ben sich um, bevor er den Wagen öffnete und die Beiden Autobahnpolizisten hereinbat.
    "Sehr unauffällig", bemerkte Alex sarkastisch, als er sich auf die Rückbank setzte und sich anschnallte. Aus lauter Gewohnheit, setzte sich Semir auf den Beifahrersitz und beobachtete Ben dabei, wie dieser den Wagen startete, gekonnt rückwärts ausparkte und danach hinausfuhr.
    Durch den Rückspiegel konnte Semir die Flammen sehen, die, die Feuerwehr angestrengt versuchte, zu löschen.


    "Hoffentlich wurde niemand verletzt", seufzte Semir und rieb sich über die Stirn. "Und wenn Semir, ist es nicht deine Schuld!", funkte Alex sofort dazwischen, "Da sind so wahnsinnige Typen unterwegs, die es lustig finden, uns wahnsinnig zu machen! Gib' dir daran keine Schuld!" Nach Alex Satz nahm Ben sein Handy aus der Jackentasche und drückte kurz darauf rum. "Wenn du an mir vorbeigefahren wärest, hätte das einen saftigen Strafzettel gegeben!", knurrte Semir und wich leicht zurück, als Ben ihm das Handy entgegenstreckte. "Diese Nachricht habe ich vor einer halben Woche in Amerika erhalten.", sagte er nur knapp und Semir hob eine Augenbraue. "Hör sie dir einfach an!", bat Ben und Semir verzog kurz den Mund. Trotzdem drückte er auf den Play-Button und wartete ab.


    Ben Jäger,
    Wenn Sie dies hören, habe ich Ihre Nummer herausgefunden!
    Ihr Leben in Amerika ist ja schön und gut, doch Sie werden in Köln vermisst!
    Wollen Sie das Leben Ihres Freundes, Semir Gerkans, retten? Dann fliegen Sie noch heute zurück nach Deutschland!
    Alles andere, überlasse ich Ihnen!


    Es wurde aufgehängt. Semirs Augen weiteten sich und er sah Ben an, der wiederum seinen Blick nicht von der Strasse richtete. "Ich dachte mich trifft der Schlag...ich habe sofort natürlich meine Sachen gepackt und bin hergefahren, deine Reaktion hin oder her!"
    "Ben...ich..."
    Alex lehnte sich nach vorne und stützte seine Ellenbogen an den Autositzen ab. "Danach hast du natürlich recherchiert!" Ben nickte auf Alex Vermutung hin. "Ich habe mich ein wenig im Strassennetz von Köln herumgehört, gegen ein paar Scheine sind Obdachlose noch immer sehr geschwätzig. Man munkelte, dass sich zwei Rachsüchtige zum Ziel gesetzt hatten, einen Autobahnpolizisten zu töten! Der eine sei ein Scharfschütze, klug und sehr geschickt, den Namen wisse man aber nicht...der Andere, über den konnte nichts gesagt werden!"
    Alex lehnte sich wieder zurück und rieb sich kurz mit dem Finger über den Nasenrücken. "Hast du dich danach an meine Fersen geheftet?" Ben nickte auf Semirs Frage. "Doch leider konnte ich deinem Freund nicht mehr helfen." Semirs Gesicht zeigte nun erneut Wut. "DU WARST DA?", schrie er die Fahrerkabine zusammen und Alex, sowie Ben zuckten zusammen. "ICH FASS' ES NICHT!" Alex wollte ansetzten, doch er wurde von Semirs Zeigefinger abgehalten. "Sitz!", zischte Semir und Alex zog nur eine Augenbraue hoch.
    "Semir hätte ich mich gezeigt, wäre vielleicht alles schlimmer geworden!"
    "Anouk liegt schwer verletzt im Krankenhaus! Er musste die Nacht kämpfen! Hat unheimliche Schmerzen und das nennst du nicht schlimm?" Zum ersten Mal richtete Ben seinen Blick auf Semir.
    "Meinst du etwa...ich finde es spassig?" Semir atmete tief durch und verschränkte die Arme.
    Ben bog in die Einfahrt zur PAST ein, wo eine ungeduldige Jenny und ein ernst reinschauender Bonrath standen.


    "BEN!", kreischte Jenny sofort und rannte auf diesen zu, als dieser aus dem Wagen ausgestiegen war. "Hey, langsam meine Kleine", lachte dieser und umarmte die junge Polizistin zur Begrüssung, als er über ihre Schulter blickte, sah er, wie Semir auf Bonrath zuging.
    "Als die Krüger es mir erzählte, wollte ich es kaum glauben", stiess Bonrath aus und Semir zuckte mit den Achseln. "Ich bin irgendwo zwischen ihm eine reinhauen und ihm zu umarmen...", knurrte Semir und schüttelte mit dem Kopf. "Da bist du nicht der Einzige, die Stimmen gehen alle durchgehend so durch's Revier!", bestätigte Bonrath ihm und Semir klopfte dem grossgewachsenen Polizisten auf die Schulter.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Sie gingen in den Konferenzraum, wo Kim Krüger schon am Kopf des Tisches stand und ihre typische Position eingenommen hatte. Ihre Augenbraue hob sich, als Ben den Raum betrat. "Ich hätte mir ein Wiedersehen auch anders vorgestellt", begann Ben sofort und setzte sich zusammen mit Semir, Alex, Bonrath und Jenny an den Tisch. "Schön dass Sie es gesagt haben", erwiderte Kim und blickte zu Semir. "Alles in Ordnung?" Semir zuckte mit den Achseln. "Kommt darauf an, was Sie mir gleich berichten werden", antwortete er und Kim atmete kurz durch. "Wir müssen einen Schwer- und zwei Leichtverletzte beklagen. Jedoch sind alle ausser Lebensgefahr. Auch dieses Mal hatten wir Glück." Alle konnten nur mit einem Nicken zustimmen. "Wie auch immer, wir sehen hier", sie wies auf Ben, "dass es eine Änderung gegeben hat!" Ben sah Kim mit einem Augenrollen an, verstand jedoch, worauf sie hinauswollte.
    Er stand auf und legte sein Handy in die Mitte des Tisches. "In Amerika hatte ich diese Sprachnachricht erhalten. Sie betrifft unseren Guten Semir. Aus lauter Sorge bin ich natürlich hier her gereist und habe selbst Ermittlungen angestellt!"
    "Du hättest auch damit zu uns kommen können!", meinte nun sogar Jenny leicht entrüstet und enttäuscht und Ben winkte ab. "Hören wir uns erstmal die Nachricht an." Ben liess die Nachricht erneut laufen.


    Ben Jäger,
    Wenn Sie dies hören, habe ich Ihre Nummer herausgefunden!
    Ihr Leben in Amerika ist ja schön und gut, doch Sie werden in Köln vermisst!
    Wollen Sie das Leben Ihres Freundes, Semir Gerkans, retten? Dann fliegen Sie noch heute zurück nach Deutschland!
    Alles andere, überlasse ich Ihnen!

    Die Nachricht endete und Kim stützte ihr Gesicht auf der Hand ab. "Wirklich sehr beunruhigend", murmelte sie und Bonrath schien ebenfalls angestrengt nachzudenken. "Kommt dir was an der Nachricht bekannt vor?", fragte Alex den älteren Polizisten und Bonrath nickte. "Ich kann aber nicht mit dem Finger draufzeigen was...", antwortete er ehrlich und Alex hackte nach. "Die Stimme?" Bonrath schüttelte mit dem Kopf. "Die Stimme nicht, aber den Akzent!" Jenny neigte den Kopf leicht zu ihrem "Boni". "Klingt für mich nach normalen, ostdeutschen Akzent...", bekundete sie ihre Zweifel laut und Bonrath winkte ab. "Wahrscheinlich klingt er nur jemandem aus meinem Bowling-Club ähnlich. Vergessen wir das Ganze also."
    Kim nickte und blickte zu Semir und dieser verstand. "Ich habe die Nachricht schon gehört und es sagt mir nichts.", antwortete er ehrlich und Kim seufzte. "Das Schlimmste an der Sache ist, wir haben keine weitere Drohung erhalten. Wir wissen nicht, wie es weitergeht!"
    "Wenn wir zumindest ein Muster aufstellen könnten, würde uns das sehr helfen...", sagte Alex laut und blickte zu Ben. "Hattest du sonst noch was erhalten?" Der Angesprochene schüttelte mit dem Kopf. "Leider nicht...bei meinen Ermittlungen kam nur heraus dass es sich um zwei Täter handeln muss. Mehr aber auch nicht.", gestand er ehrlich und Kim raufte sich das Haar. "Ich habe Wachen zu Ihren Kindern und zu Andrea geschickt, die ja noch immer bei ihrem Freund ist. Am Liebsten wäre es, wenn Sie ebenfalls in Polizeischutz wären!"
    "Aber Chefin...!", wollte Semir ansetzten, doch Kim hob die Hand.


    "Ich weiss...ich verstehe Ihren Standpunkt auch...aber wir können Sie nicht ins offene Messer laufen lassen!" Semir verschränkte die Arme und versank tiefer in seinem Stuhl. "Ich kann ja auf ihn aufpassen", mischte sich Ben ein und alle sahen ihn verwirrt an. "Offiziell bin ich je noch immer Polizist! Ich habe meine Marke ja abgegeben, und sie nie verloren! Dann könnt ihr euch auf die Jagd nach diesen Typen konzentrieren und ich werde Semir beschützen!" Kim blickte zu Alex. "Allzu schlecht wäre die Idee nicht. Der Täter würde immer noch vermuten, dass Ben heimlich ermittelt und ich kann mit Bonrath und Jenny weitermachen!" Kim richtete ihren Blick auf Semir. Dieser zeigte jedoch keine Regung. "Wo würden Sie ihn verstecken?", fragte Kim zu Ben und dieser dachte kurz nach. "Meine alte Wohnung steht noch da, ich habe sie nicht abgemeldet und möbliert ist sie auch noch."
    "Gut, ich habe dagegen nichts einzuwenden", begann Kim und lief auf Semir zu. Sie legte beide Hände auf seinen Schultern und drückte leicht zu. "Die Entscheidung liegt jedoch bei Ihnen Gerkan! Wollen Sie Ihr Leben in Ben's Hände geben?"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Andrea durchblätterte ihre Zeitung, die sie von einer Schwester erhalten hatte. Das typische Geklatsche über die Prominenten und wie man binnen Sekunden 10 Kilo abnehmen konnte. Es war nichts besonderes, aber es reichte um die Zeit rumzuschlagen. Anouk fiel nämlich öfters wieder in einen tiefen Schlaf, doch die Ärzte waren sehr optimistisch.
    Andrea riskierte immer wieder einen Blick auf den jungen Mann. Sein Atem war ruhig und das bleiche Gesicht wirkte beruhigt. Als sich Andrea sich wieder der Zeitung widmen wollte, hörte sie ein leises Murren und sah, wie Anouk langsam wieder aufwachte. "Hey...", sagte Andrea leise und Anouk atmete tief durch. "Hey...", lächelte er zurück und hielt sich an der Stelle, wo er verletzt war. "Hast du Schmerzen?", fragte Andrea besorgt und Anouk nickte langsam. "Soll ich den Arzt holen?" Anouk schüttelte mit dem Kopf. "Ich kann ja das Morphium selbst regulieren...ausserdem Schmerz bedeutet Leben. Und es ist nicht allzuschlimm!" Andrea zuckte mit de Achseln. "Gut, aber du sagst, wenn es schlimmer wird klar?"
    "Natürlich", versicherte Anouk ihr und legte sich tiefer ins Kissen zurück. "Etwas von Semir gehört?", fragte er und Andrea schüttelte mit dem Kopf. "Er wird wahrscheinlich verbissen an dem Fall arbeiten, du kennst ihn ja..." Anouk entging der rosa Schimmer nicht, der sich auf Andreas Wangen bildeten, wenn sie von Semir sprach. "Okay, was ist passiert, als ich verzweifelt um mein Leben kämpfte und mich darauf konzentrierte, nicht zu sterben?", scherzte Anouk und Andrea kratzte sich verlegen am Kopf. "Kann sein...dass wir uns ein wenig wieder angenähert haben...", murmelte sie und Anouk verzog den Mund. "Toll, bei eurem nächsten Ehestreit hacke ich mir den Finger ab und lass mich halb verblutend bei euch blicken..." Andreas Augen weiteten sich. "Also wirklich!", mahnte sie, "Erstens habe ich schon länger mit dem Gedanken gespielt, zweitens, hör auf so was zu sagen!" Anouk lächelte. "Es war ein Scherz Andrea...", wiegte er ab und verzog kurz das Gesicht. "Ich hoffe nur...dass Semir weiss, was er tut..."


    Semir blickte zu Ben. "Meinetwegen...", grummelte er und jeder konnte deutlich den Zweifel in Semirs Stimme hören. Zu gross war die Enttäuschung und zu verzwickt die Verhältnisse, als Ben nach Amerika ging. "Gut. Ich lasse alles in die Wege leiten", schloss Kim ab und verliess den Raum, worauf Bonrath, Jenny und Alex ihr folgten.
    Ben sah zu Semir. "Semir..." Semir blieb an seiner Stelle sitzen und regte sich nicht. "Ein Anruf Ben...ein Anruf wäre doch nicht zuviel verlangt gewesen oder?" Schuldbewusst sah Ben zu Boden. "Ich wollte...aber...."
    "...aber was?", drängte Semir und Ben verschränkte die Arme. "Meine Ex-Freundin hatte dich beinahe umgebracht und ich hatte dir nicht geglaubt...denkst du wirklich, ich hatte den Mut dir zu schreiben?"
    "Ben ich werfe eine jahrelange Freundschaft nicht einfach so weg!" Ben presste die Lippen zusammen. "Es tut mir leid...", flüsterte er leise und zitternd und Semir stand auf. "Aber du bist zurückgekommen um mir zu helfen...einfach das nächste Mal es weniger "Ben-Mässig" angehen und mir etwas sagen...okay?" Ben blickte Semir ins Gesicht und sah ein Lächeln.
    "Heisst das..."
    "Wie gesagt...ich werfe eine jahrelange Freundschaft nicht einfach so weg!" Ben konnte nicht anders als Semir zu umarmen und fest zuzudrücken. "Das heisst aber nicht, dass ich noch immer stinksauer bin!"
    "Ich weiss...", murmelte Ben zurück.
    "Ich bin stinksauer und es wird ein paar Gespräche brauchen, bis wir alles geklärt haben!"
    "Ich weiss...ich weiss..."
    Semir löste sich von Ben und zwinkerte mit einem Auge. "Starten wir damit, dass ich deinen Personenschutz überlebe...okay?" Ben rollte mit den Augen. "Das habe ich jedoch nicht vermisst..."


    Alex blickte durch die Rollläden des Raumes und lächelte. "Na das ist doch schon besser!", murmelte er und ging zu Susanne ans Pult. "Ich kann's immer noch nicht glauben, dass er wieder da ist", stiess sie erstaunt aus und Alex setzte sich auf die Ecke ihres Schreibtisches. "Soll ich gleich meine Sachen packen und gehen?" Susanne hob eine Augenbraue. "So habe ich das gar nicht gemeint!", knurrte sie und Alex lächelte. "War ein Scherz...ist irgendwas reingekommen?" Susanne schüttelte mit dem Kopf. "Bisher nicht. Selbst die KTU hat sich noch nicht gemeldet...wobei ich gerne von Milena wissen möchte, wie man seine Haare so exakt bunt gefärbt bekommen kriegt!" Alex stutzte. "Meine Cousine ist auf dem "Hipster"-Trip und will ihre Haare so gefärbt haben...finde aber keinen Friseur, der dass macht!", erklärte Susanne sofort und fuhr sich durch ihr blondes Haar. "Meinst du wirklich, ich würde das aufgeben?", grinste sie. "Nein, das habe ich wirklich nicht gedacht", lachte Alex und er, sowie Susanne schreckten auf, als ein lautes, grelles, verstelltes Lachen aus ihrem Computer drang. Ein Totenkopf erschien auf dem Bildschirm und alle Aktivitäten von Susanne wurden beendet.
    "Zwei Runden gespielt", begann es über den Bildschirm zu flimmern, "zwei Mal gewonnen...glaubt ihr wirklich, ich gebe so schnell auf? Es wird lustig, es wird spannend. Auf geht's zur Runde 3! Doch dieses Mal, lasst euch überraschen!" Es erklang nochmals das Lachen und absurderweise wurde Rudi Carrel's "Lass dich überraschen" gespielt.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Frau König, was soll das?", platzte Kim aus ihrem Büro und sah in die zwei bleichen Gesichter von Susanne und Alex. "I-ich war das nicht Chefin! Das ging von alleine los!" Nun kamen auch Semir und Ben aus dem Raum und Semir blickte gleich zu Alex. "Kein Zeitpunkt...kein Antwort!", antwortete dieser sogleich auf die stumm gestellte Frage und Semir schluckte schwer. "Jetzt wollen die also alles und jeden treffen...", flüsterte Ben und Semir trat voller Wut gegen einen Papierkorb. "Chefin, Sie können mich da nicht aussen vor lassen! Wenn es wirklich um mich geht! Um mir zu schaden! Dann laufe ich denen lieber ins offene Messer, als hunderte von Menschenleben zu gefährden!" Susannes Unterkiefer klappte nach unten und auch alle anderen sahen geschockt zu Semir. "Semir...", wollte Alex ansetzten doch Semir setzte nach. "Das hier ist kein Versteckspiel mehr! Das ist bitterer Ernst! Erst wurde ein guter Freund von mir niedergeschossen, dann hat's beinahe die Chefin und das Bombenkommando erwischt und nun kann es jeden treffen? Nein danke! Ich lasse mich nicht wie ein Welpe irgendwo in einen Raum einsperren!"
    Anstatt zu antworten, nahm Kim ihr Handy hervor und tippte eine Nachricht.
    "Wenn Sie nun die Dienstbehörde..."
    "...nein Gerkan, das will ich nicht", unterbrach sie Semir sofort und atmete tief durch. "Jäger, Brandt, Gerkan, sofort in mein Büro!" Die Männer nickten und liessen eine komplett irritierte Susanne zurück, die nur auf ihren Bildschirm starren konnte. "Gott, dieses Lied wird mich noch wochenlang verfolgen...", murmelte sie und schaltete den Bildschirm aus.


    Alex, Semir und Ben standen vor dem Schreibtisch Kims und warteten ab. "Milena könnten wir nun echt gut brauchen", murmelte Alex und Semir nickte zustimmend. "Milena?", fragte Ben verwundert und Alex begann die Geschichte zu erzählen. "Also so was wie 'ne kleine Lisbeth Salander nur im positiven Sinne", schlussfolgerte Ben und Semir nickte. "Allerdings ist sie suspendiert und arbeitet für Hartmut...wenn wir sie wieder in den aktiven Einsatz mit einbeziehen...kriegen wir richtigen Ärger....", fügte er seiner Geste hinzu und Alex seufzte.
    "Nicht ganz...", begann Kim und zog aus einer Schublade ein Dokument hervor. "Ich habe Milena bei der Arbeit in der KTU zugesehen, sie ist gut, macht es engagiert, aber es ist nicht sie..." Kim hob das Papier an. "Also...habe ich nochmals ein ernstes Wörtchen mit der Dienstbehörde gesprochen und ihnen meine Sachlage erklärt...man einigte sich, dass Milenas Verhalten nicht immer korrekt war, aber die Reaktion der BKA auch nicht gerade vorbildlich war, da sie sie ja erst in das Ganze hineingezogen haben! Also einigte man sich auf einen Kompromiss. Sollte Milena einverstanden sein, und ich jemanden finden, der mit ihr zusammenarbeiten will...würde sie eine neue Einheit für die Cobra 11 bilden." Semir und Alex blickten mehr als erstaunt zu ihrer Chefin und auch Ben stiess einen beeindruckten Pfiff aus. "Ich habe danach mit Milena geredet, sie wäre einverstanden, doch sie hatte starke Zweifel, dass jemand mit ihr zusammenarbeiten würde. Schliesslich ist ihre Vergangenheit nicht gerade die..."
    "...ich tue es!", platzte es aus Ben heraus und die drei Anderen sahen zu ihm.
    "Amerika reizt mich nicht mehr, die Musikkarriere war auch nicht dass, was mich erfüllt hat und Nina gibt es für mich auch nicht mehr...wenn Sie mich also wiederhaben wollen Chefin..."
    Kim blickte auf Alex und Semir. "Ich hatte es tief im Inneren gehofft", begann sie, "ich weiss, wie treu Herr Gerkan ist, er hätte Brandt nun nicht alleine gelassen. Also hoffte ich auf ein kleines Wunder..." Sie zog aus einer anderen Schublade Bens Dienstausweis und -Waffe hervor und übergab sie ihm.


    Es klopfte an der Tür und diese öffnete sich leicht. Das regenbogenfarbene Haar von Milena war sofort sichtbar. "Du wolltest mich sprechen?", begann sie und blickte auf die drei Männer im Raum. "Ich habe einen Wahnsinnigen gefunden, der mit dir arbeiten will", erwiderte Kim und wies auf Ben. "Das ist Ben Jäger. Gerkans..."
    "...du bist Semirs alter Partner", stiess Milena aus und Ben nickte. "Allerdings...und ich habe gehört, du hast den Beiden", er nickte zu Alex und Semir, "entweder den Arsch gerettet oder ihn in Teufelsküche gebracht!" Ein wenig beschämt blickte Milena auf den Boden und fuhr sich mit der Zunge über die spröden Lippen. "Da haben wir was gemeinsam", begann Ben und gab Milena die Hand, "und ich würde mich freuen, mit dir zusammenzuarbeiten." Milena blickte auf Alex und Semir und die Beiden nickten mit einem Lächeln. "Wir könnten dich echt wieder in der Pampa da draussen brauchen", sagte Alex augenzwinkernd und Semir musste zustimmen. Kim kam mit einer silbernen Waffe, das selbe Modell wie das von Semir, sowie einem brandneuen Dienstausweis hervor. "Bist du denn bereit, mich unter deine Fittiche zu nehmen Kimilein?", fragte sie und Kim nickte. "Da habe ich dich wenigstens im Auge", antwortete sie und Milena blickte nochmals auf Ben. "Es wäre mir eine Ehre", erwiderte sie und schlug ein.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Unbekannter Ort, Zwei Tage später

    Semir konnte kaum aus seinem geschwollenen Auge sehen, doch die Schreie, die er vernahm, zerrissen beinahe sein Herz. "Wann gibst du endlich auf?", schrie eine laute Männerstimme, doch die Person, die so unendlich schrie, antwortete nicht. Im Gegenteil, mit seine gesunden Auge sah er, wie die Person dem Angreifer verachtungsvoll ins Gesicht spuckte und versuchte, trotzt des geschundenen Körpers, noch einen Tritt zu geben. Doch der Angreifer war schneller und stampfte mit seinem Fuss, der in einem Springerstiefel eingepackt war, auf das Knie der Person, dass in Blut getränkt war.
    Neben dem Schrei, konnte Semir nun die Tränen hören, die vor Schmerz in der Stimme mitschwangen. "Bitte", flehte er, "bitte...lass' ihn in Ruhe...so bringt er dir nichts mehr!"
    Der Angreifer liess von der Person ab, trat ihr zuvor aber noch in die Magengegend, und wendete sich an Semir. "Ich will nur, dass du so leidest, wie ich damals! Du sollst meinen Schmerz fühlen Gerkan! Und wenn dich ein paar Tote durch Bombenanschläge nicht kümmern, so werde ich ihm halt alles zufügen. Was meinst du, wie die kleine Lilli und die süsse Aida reagieren werden wenn sie erfahren, dass ihr eigener Papa Schuld am Tote ihres (Paten-) Onkels hat. Das ist schlimmer wie jeglicher körperlicher Schmerz. Die Blicke der Kinder, die immer wieder sagen, "Papa, warum hast du ihm nicht geholfen?"." Semir blickte flehend zu dem Angreifer. "Bitte...wenn dich mein Tod einigermassen befriedigt, dann weide mich aus, meinetwegen, aber lass ihn gehen!"
    "Wenn du dass mit dir machen lässt, bringe ich dich persönlich um!", hustete die gefolterte Person hervor und krümmte in sich zusammen, als der Angreifer erneut gegen seine Magengegend trat.
    Der Angreifer beugte sich zu Semir und tippte mit der Mündung der Waffe, die noch immer feuerheiss war, gegen die Stirn des Kommissars. "Da musst du mir schon mehr bieten! Dich nur auszuweiden bringt mir lange nicht die Genugtuung die ich verdiene! Ich will, dass deine damalige Chefin ebenso gerade stehen muss! Ich will Anna Engelhardt, und bete, dass deine Freunde dich mögen und Anna ebenso!" Der Mann richtete sich auf, verliess den ehemaligen Metzgerkühlraum und versiegelte ihn unüberwindbar.


    Schwer atmend liess sich Semir von dem Schrank, auf dem er gesessen hatte, herunterfallen und kniete sich neben der verletzten Person. "Es tut mir so leid...", schluchzte er und rieb über die dunklen Haare seines Freundes. "Ich muss mir das ansehen...bitte...Ben..." Ben konnte sich kaum bewegen. Sein Oberkörper brannte wie Feuer und sein linkes Bein fühlte sich, wie im Dauerschlafzustand. Zwar schmerzte das Knie unendlich, doch alles andere, wirkte wie tot, seit sein Angreifer darauf getreten hatte.
    Jedoch schaffte er es, sich aufzurichten und sich um Semirs Hals zu hängen, der ihm aufholt und ihm auf dem kleinen Schrank absetzte. Erst im schwachen Licht, konnte Semir das ganze Ausmass der Verletzungen sehen. Während sein Auge nur blau und geschwollen war, war Bens linke Gesichtshälfte Ziegelrot. Genauso das dazugehörige Auge. Der linke Arm war vom Handrücken bis zum Ellbogen mit ekligen Schürf- und Trittwunden übersaht und das einst schneeweisse T-Shirt, schimmerte Schwarz von den Schuhen des Angreifers.
    Doch was Semir am meisten beunruhigte, war Bens linkes Knie. Ein Loch hatte sich im Miniskusbereich gebohrt gehabt und es war reichlich Blut geflossen.
    Als Semir nur prüfend seine Finger darauf legte, schrie Ben los und biss sich sofort auf die Unterlippe, um den Schrei zu unterdrücken. "Verdammte Scheisse...oh verdammt...", wimmerte er und Semir blickte seinen Freund mitleidend an. "Die Kugel muss noch drinstecken....", murmelte Semir und sah, wie sich klare Linien von Tränen, über Bens Wangen bildeten. "Ich hab dich in diese scheiss Lage gebracht...", flüsterte Semir, "es tut mir so leid..." Ben schüttelte mit dem Kopf. "Nicht deine Schuld...", stockte er schwer atmend hervor und spürte den salzigen Geschmack von Blut im Mund. Anscheinend hatten seine Zähne so einige, offene Wunden an der Lippe hinterlassen. "Wir haben uns alle von ihm täuschen lassen...", murmelte er dann noch und Semir nickte. "Er hat uns alle verarscht..." Mit eiskaltem Blick sah Semir zur Tür. "Ich schwör dir, dass wird Kästner noch bereuen!"


    PAST, zur selben Zeit


    Mit genervtem Blick sah Milena zu Alex, der wie verrückt im Kreis lief. "Damit machst du es auch nicht besser!", kommentierte sie kühl und Alex sah sie funkelnd an. "Mädchen ich mag dich, aber vermies es nicht mit mir!", zischte er und Milena stand auf und schlug auf den Tisch. "Hör zu, mich kotzt die Situation genau so an wie dich! Du bist nicht der Einzige hier, der von Semir aus der Scheisse gezogen wurde! Ausserdem ist mein neuer Partner auch irgendwo in der Pampa von diesem Irren! Und wenn wir nicht bald was finden, wird es zu allem Überfluss auch noch mehr Opfer geben! Meinst du wirklich, ich will es mit dir vermiesen? Nein! Ich will einfach einen kühlen Kopf bewahren, um unsere Freunde zu retten!" Sie schrie beinahe und Alex war über ihren klaren Laut deutlich erstaunt. Es war ein wirklich kurioser Kontrast. Das ernste Gesicht der ehemaligen BKA-Beamtin und dann die Ankleidung eines formelleren Nerds.
    "Wir können nur hoffen und beten, dass die Beiden Kimileins Vorgängerin wirklich was bedeuten, ansonsten müssen wir uns schleunigst was einfallen lassen!" Kaum hatte Milena diese Worte ausgesprochen, klopfte es an der Türe zu Semir und Alex' Büro und Kim Krüger betrat den Raum mit einer älteren, eleganteren Dame.
    "Anna Engelhardt, hoffe ich doch", murmelte Alex und die ältere Dame nickte. "Allerdings", begann sie und blickte auf die Beiden. "Und sie müssen Brandt und Kramer sein. Ich hoffe, sie sind wirklich so gut, wie man behauptet!" Milena schluckte. Das war also die ehemalige, langjährige Chefin der Autobahnpolizei. Als Anna Engelhardt angefangen hatte, dachte sie noch nach, welche Kleidung ihre Barbie tragen sollte.
    "Ich habe sie noch nicht auf den neusten Stand gebracht", begann Kim und wies zu Milena, "aber ich denke, darin bist du sowieso besser als ich!" Gespannt blickte Anna zu Milena und diese schluckte.
    "Lange Geschichte!"
    "Ich höre zu....nur sagen Sie mir, was mit den Beiden passiert ist! Und wie kann ich helfen?"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Wir wollten gemeinsam die Sache angehen", begann Milena und alle Beteiligten im Raum setzten sich, "Semir liess sich einfach nicht umstimmen, er wollte, dass er an diesem Fall weiterarbeitet! Also haben wir beschlossen zu viert weiterzumachen. Jäger, Brandt, Gerkan und ich..." Milena holte kurz Luft. "Und dann..." Alex blickte sie an. "Dann sind wir in die KTU gefahren...Sie haben wahrscheinlich von der furchtbaren Explosion gehört..." Anna nickte. "Ja...Freund wurde mit Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht, allerdings am gleichen Tag doch wieder entlassen!" Alle nickten. "Ja, allerdings...gab es zwei Todesopfer. Als Alex und ich uns bemühten, diese aus den brennenden Ruinen zu bekommen..."


    "Hast du ihn?", fragte Alex durch den Lärm und Milena schrie zurück. "Ja, lass uns von hier verschwinden! Semir und Ben sind sicher auch schon draussen!" Milena hob die Leiche des dürren KTU-Mitarbeiters hoch und bereute, sich niemals bei ihm vorgestellt zu haben. Denn er schien ein netter Kerl gewesen zu sein, trotz seines hageren Aussehens.
    Die Frau, die Alex trug, war kurz vor der Rente gestanden, dass wusste Milena. Ingrid, so hiess sie, war zwar eine Kettensäge, jedoch mit rosanen, plüschigen Klingen. Doch sie war nun auch tot.
    Mit aller Kraft, trugen die Beiden die Leichen aus der brennenden KTU und hievten sie zu der Sammelstation, die Semir und Ben, die sich über den verletzten Hartmut gebeugt hatten, zusammengetragen hatten.
    "Oh nein...Ingrid und Klaus...", hörte Alex, Hartmut flüstern, als dieser von Semir leicht angehoben wurde. Wie durch ein Wunder, wurde niemand anderes verletzt. Doch die Meisten waren vor Panik weggerannt, einige riefen den Notruf und hatten sich um die Gruppe versammelt.
    "Ruhig bleiben Feuerpinsel!", murmelte Ben und blickte sich den rechten Arm Hartmuts an, der mit leichten Brandwunden und -Blasen übersähet war. "Tut mir so leid...", flüsterte Semir und Hartmut biss sich kurz auf die Unterlippe. "Geht schon...", knirschte er hervor und griff sich an den Hals, der ebenfalls von einer Brandwunde betroffen war.
    "Wir müssen dich wirklich in Sicherheit bringen Semir!", drängte Alex, doch der Deutschtürke schüttelte heftig mit dem Kopf. "Ich lasse Hartmut auf keinem Fall alleine!"


    "Was ist dann geschehen?", fragte Anna nach und Alex sah zu Boden. "Wir konnten so schnell gar nicht reagieren....Ben bemerkte als erstes, dass wieder auf jemanden von uns gezielt wurde, er konnte die Person, die ich war, zwar schützten, wurde aber von einer Kugel ins Knie getroffen...was danach geschah, glich einem..." Anne hob die Hand.
    "Den Rest habe ich gehört. Eine Doppelentführung, zwei ausgeknockte Polizisten, sowie vier weitere Tote..." Milena blickte zu Boden, um ihre Tränen nicht zeigen zu müssen, da die Bilder der sterbenden Menschen, sich wieder in ihr Hirn gefressen hatten. "Wir waren in einen perfekt, geplanten Hinterhalt geraten...", stellte Alex fest und Kim musste ihm recht geben. "Aber wieso diese Änderung? Ich meine, so wie mir meine Nachfolgerin erklärt hatte, waren Bombenanschläge geplant, und keine Entführung?" Kim musste mit den Schultern zucken. "Das wissen wir leider nicht....wir wissen auch nicht wer es war. Das Einzige, was wir in den anderthalb Tagen bekommen haben ist die Forderung, Sie hier her zu bringen, weitere Anweisungen würden folgen!"
    "Das heisst, wir sind diesem Typen, oder diesen Typen, verfallen wie ein Schosshündchen?"
    "Um Semir und Ben zu retten...ja...", antwortete Alex zerknirscht auf Annas Frage.


    Semir verband Bens Knie, zweckmässig, mit ein paar Leinen von seinem Hemd, die er abgerissen hatte. "Danke, dass du Alex gerettet hast...", flüsterte er und Ben öffnete seine Augen. "Du hättest dasselbe getan...", murmelte er leise und atmete tief durch. "Hätte ich auf euch gehört...mich verkrochen und nichts getan..." Semir spürte einen kurzen, explosiven Schmerz an seiner Stirn und als er sich neben sich klimpern hörte, begriff er, dass Ben ihm seine, alte Kette an den Kopf geworfen hatte. "Wir können hier in Selbstmitleid versinken, oder unseren Partnern vertrauen! Was passiert ist, ist passier und keiner von uns hätte anders gehandelt! Also hör' mit dem Scheiss auf!" Semir sah Ben erstaunt an, musste jedoch nicken. "Du hast recht...entschuldige..." Ben lehnte sich an die Wand und atmete tief durch, wurde jedoch durch einen Huster gestört. Semir entging die milchige Farbe von Bens Haut nicht und dass er regelrecht in Schweiss gebadet war. Ohne zu fragen, fühlte Semir ihm an der Stirn. "Du kriegst Fieber....", murmelte er besorgt und Ben musste grinsen. "Was ist bitte daran lustig?", fragte Semir empört und Ben zuckte mit den Achseln. "Du kennst doch mein Glück...hätte mich gewundert...wenn ich heil aus der Sache rausgekommen wär..." Als er Semir in die Augen blickte, musste er wieder lächeln. "Aber es ist's mir wert, es ist es uns allen wert Semir. Bei denen vielen Malen, die du uns das Leben gerettet hast, müssten viele in der PAST, inklusive mir, tausende Leben hergeben, um dass wir uns revanchieren können!"
    "Darum habe ich es nie gemacht!", stiess Semir aus und liess sich neben Ben sinken. "Ich wollte den Menschen einfach helfen...wollte ein guter Mensch werden...und nun...würde es mich nicht wundern, wenn dieser Wahnsinnige nicht noch mehr Menschen auf mein Gewissen lädt."



    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Besprechen wir alles weitere in meinem Büro!", bat Kim und half Anna aufzustehen und ging mit ihr aus dem Büro. Alex entging Milenas rotes Gesicht nicht und die tränenerfüllten Augen.
    "Mille...", begann Alex und Milena schlug mit der geballten Faust auf den Schreibtisch. "Ich hab's versaut Alex! Ich war die, die nicht nach hinten geschaut hatte, ich war die, die deinen Rücken nicht gesichert hatte!" Alex schüttelte mit dem Kopf und setzte sich neben sie. "In dieser Beziehung seid ihr und Semir sehr ähnlich...", murmelte Alex und setzte sich auf die Schreibtischecke, "ihr Beide gebt euch immer die Schuld an allem. Auch wenn ihr nur einen Teil dazu beigetragen habt...ihr seht euch immer als die Schuldigen, als schwaches Glied!" Milena blickte zu Alex auf. Eine Tränen lief über ihre Wange und sie machte nicht mal eine Bewegung, um sie aufzuhalten. "Ihr seid es aber nicht...du warst die, die sich dann über mich und Ben gebeugt hatte, um Semir eine Fluchtmöglichkeit zu geben. Du wolltest die Typen alleine aufhalten und warst wieder kurz davor, dir 'ne Kugel einzufangen...meinst du nicht...die Narben die du hast reichen?" Milena sagte nichts, sondern faltete die Hände ineinander und betete ihr Kinn darauf. "Das ist das erste Mal nach über 10 Jahren...dass mich jemand "Mille" genannt hat...", murmelte sie nach einer langen Stille und Alex verschränkte die Arme. "Wenn es von der Zeit ist..." Milena schüttelte mit dem Kopf. "Meine Mama hat mich immer so genannt, bevor wir uns zerstritten haben...auch meine damaligen Schulfreunde...es ist schön...es mal wieder zu hören!" Alex lächelte und legte eine Hand auf Milenas Schulter. "Wir kriegen die Beiden da raus! Wir können das, gemeinsam! Mach dich nicht immer niedriger als das du bist! Wir sind nicht so schlau wie du, nicht so gerissen und keine Hackergenies!" Milena lächelte leise. "Na also..."


    "Frau Engelhardt...ich weiss nicht, wie ich Ihnen danken kann...", begann Kim und Anna winkte ab. "Es sind immerhin meine Jungs...die da drinnen sind...", murmelte sie traurig und Kim nickte. "Sie haben alles getan....machen Sie sich keine Vorwürfe!", sagte sie sofort und Kim lächelte traurig. "Und Sie wissen wirklich nicht wer dahintersteckt?" Kim schüttelte auf Annas Frage mit dem Kopf. "Nein...die Drohungen waren stets Stimmverzerrt oder per Hacking erfolgt...nicht mal Freund ist dahinter gekommen...und Milena können wir offiziell nicht mehr daran setzten. Sie ist nun wieder Polizistin...sobald Sie hackt..."
    "...verstehe...", murmelte Anna und begab sich ans Fenster. "Jedenfalls werden wir beobachtet..." Kim blickte ihre Vorgängerin mehr als verwundert an und gesellte sich, mit gezogener Waffe neben sie. Tatsächlich sah sie am gegenüberliegenden Gebäude eine Silhouette. "Mistkerle...", zischte Kim und Anna lächelte verachtend. "Wenn wir irgendwas unternehmen, eröffnen Sie das Feuer..."
    "...also haben wir es mit einer Gruppe zu tun...", murmelte Kim und Anna zuckte mit den Achseln. "Oder mit jemandem, der seinem Kollegen oder Verwandten sehr hellhörig ist..."


    Semir und Ben zuckten auf, als die Türe zu ihrem Raum wieder aufging und Kästner hereintrat. "So, langsam sind die Vorbereitungen abgeschlossen!", lächelte er heimtückisch und stellte einen kleinen tragbaren Monitor auf den Boden. "Was soll das jetzt?", keuchte Ben, "Kino für Arme?" Kästner sah Ben an. "Ich sehe, Ihren Humor haben Sie nicht verloren...", knirschte er hervor, rannte zu Semir und hielt diesem eine Waffe an die Schläfe. "Nein!", stiess Ben aus und Kästner grinste. "Ach, er bedeutet Ihnen ja wirklich noch was! Wie schön zu sehen, dass Sie so gut über die Trennung mit Ihrer Ex zurechtkommen! Hat Sie für einen Reicheren und Gebildeten verlassen nicht? Was ist das für ein Gefühl?" Mitleidend blickte Semir zu Ben doch dieser lächelte zu seiner Überraschung. "Ich komme über Schicksalsschläge anscheinend schneller hinweg als Sie Kästner...Sie müssen ja gleich mehrere Menschen umbringen, Ihr Gewissen zu beruhigen!" Kästners Gesicht lief feuerrot an und er schlug Semir mit der Waffe an die Schläfe, so dass dieser benommen zu Boden ging. Immer wieder versuchte der Deutschtürke sich aufzurichten, doch es fehlte ihm die Kraft.
    Kästner lief auf Ben zu, packte mit der freien Hand sein Gesicht und drückte mit der Mündung der Schläfe in Bens Schusswunde. Ben presste die Lippen zusammen, um Kästner nicht den Erfolg zu gönnen. "Noch ein Wort Kleiner, und es knallt nochmals, verstanden? Aber nicht bei dir!" Kästner wanderte mit der Waffe zu Semir und Ben zuckte zusammen. "Dacht ich's mir doch!", zischte Kästner und liess Bens Gesicht los. Kästner hievte Semir hoch und warf ihn benommen zu Ben, der seinen ehemaligen Partner mit Müh und Not auffangen konnte. "Geniesst die Show...", begann Kästner und schaltete den Monitor an. "Ab nun kommt ein entscheidender Faktor dazu, wenn der nicht erfüllt wird...sagen wir's komplett übertrieben - Jede Sekunde, ein Leben!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Was zum Teufel für ein Faktor?", stiess Semir entsetzt und noch ein wenig benebelt aus und und Kästner lächelte. "Du und die Engelhardt sollen für eure frühere Entscheidung bezahlen! Mehr will ich gar nicht", antwortete er und Semirs Gesicht lief feuerrot an. "Ich musste ihn damals erschiessen! Dein Bruder war wahnsinnig! Er hatte einen wahren Amoklauf auf der Autobahn nach eurem Banküberfall verursacht. Er drehte komplett durch! Ich musste handeln!" Kästner lachte verachtend. "Du hast doch nur auf den Befehl deiner damaligen Chefin gehört. Du bist eine hüllenlose Marionette!" Ben richtete sich auf. "Moment, wenn Semir Gerkan was nicht ist, dann eine Marionette! Dieser Mann trifft seine eigenen Entscheidungen!", zischte Ben und Kästner reagierte nicht darauf, schenkte Ben überhaupt keine Beachtung. "Wir hatten diese Entscheidung gemeinsam getroffen!", rechtfertigte sich Semir und Kästner rollte nur mit den Augen. "Ich habe es schonmal gesagt, töte mich einfach und lasse die Anderen in Ruhe! Oder willst du einfach eine Rechtfertigung für deine sadistischen Züge finden?" Kästner holte mit der Waffe aus und als er Semir am Kopf treffen wollte, schlug Ben die Hand dazwischen und das kalte Eisen der Waffe schlug gegen den Unterarm und Ben atmete kurz tief durch. "Langsam gehst du mir echt gegen die Nerven!", knurrte Kästner und trat Ben erneut gegen das verletzte Knie. Ben schrie vor Schmerzen auf und spürte erneut Tränen über seine Wangen laufen.


    "Noch einmal ein solcher Verstoss und es knallt, aber nicht mehr bei euch! Versucht also schon mal auszuhandeln, wen es treffen soll!" Kästner zeigte auf den Bildschirm.


    "Der neue Partner?" Die Kamera schwenkte auf Alex.


    "Das ehemalige schwarze Kätzchen?" Milenas Kopf wurde sichtbar.


    "Die Chefinnen?"


    Semir und Ben sahen mit dunklen Augen auf Kästner, der die Kamera noch auf Jenny und Bonrath schwenken liess. "Oder das Kücken und der Oldie?" Semir wollte auf Kästner zurennen doch Ben hielt ihn auf. "Dein ehemaliger Partner scheint gescheiter zu sein als du Semir, hör also auf ihn!", zischte Kästner verachtend und ging aus dem Raum.


    Ben krümmte sich zusammen und griff mit seinen Händen an das verletzte Knie. "Oh Gott...", schluchzte er und Semir presste ebenfalls die Lippen zusammen.


    Milena blickte aus dem Fenster und bewegte sich nicht. "Haben dich meine Worte so berührt?", versuchte Alex zu scherzen doch er bemerkte Milenas strengen Blick. Er folgte ihrem Blick und sah eine dunkle Silhouette am Dachrand. „Oh, NSA in real life…“, knurrte Alex und Milena nickte. „Die haben uns voll im Griff…“, murmelte sie und liess die Rollläden hinunter. „Findest du das ‚ne schlaue Idee?“ Milena zuckte mit den Achseln. „Die haben bestimmt unsere Büros mit Kameras ausgestattet, also werden sie darüber hinwegkommen! Aber ich hasse es, wenn mir jemand mit seinem Blick beinahe ein Loch in den Hals brennt!“ Alex musste ihr recht geben. „Die sollen bald ihre Forderungen stellen, oder ich grabe ganz Deutschland um, um die Beiden zu finden!“ Milena drehte sich zu Alex um und lächelte. „Dafür brauchst du aber eine zweite Schaufel!“, sagte sie und hielt iahm die Hand hin. Alex schlug ein. „Du bist schon recht in Ordnung Mädchen…“, murmelte er und sie zuckte mit den Achseln. „Dank euch…und deshalb bin ich euch mehr Schuldig, als dass ihr glaubt!“


    Alex schüttelte mit dem Kopf. „Hör auf das immer wieder zu sagen…ich bin nur froh, gehörst du nun zu uns! Und ich denke, mit Jäger wirst du ein gutes Team bilden…“


    „…sofern er noch lebt…!“


    Andrea atmete tief durch und blickte zu Anouk, der inzwischen von dem Nasenschlauch befreit worden war. „Andrea sie werden ihn finden! Ganz bestimmt!“ Andrea nickte auf Anouks Kommentar. „Ich habe die Krüger noch nie so gehört gehabt…anscheinend läuft da etwas gefährliches!“, murmelte sie und blickte auf den Polizisten, der vor dem Zimmer Anouks wartete, dass sich inzwischen auf der normalen Station befand. „Jedenfalls ist dein Liebster wieder in eine grosse Scheisse geraten!“ Andrea konnte nur zustimmen. „Und wieder spüre ich die gleiche Angst, die ich immer spüre…“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Du musst hier raus Ben!", zischte Semir, stand auf und hämmerte an die Türe. "KÄSTNER, ICH WILL 'NEN DEAL!", schrie er in voller Lautstärke und Ben schüttelte entsetzt mit dem Kopf. "Bist du irre?", fragte er in hohem Ton und Semir schüttelte mit dem Kopf. "Nun ja, eigentlich schon", sagte er traurig lächelnd, "aber ich lasse nicht zu, dass noch jemand wegen mir stirbt!"
    Ben presste die Lippen aufeinander und schüttelte mit dem Kopf. "Du bist noch immer das sture Ross dass ich kenne!" Semir drehte sich um. "Wenn dann bitte Hengst ja?", knurrte er und Ben schreckte auf, als die Türe aufschlug und Semir beinahe an der Nase traf. Kästner schlug die Türe zu und Semir blickte ihn an. "Schon Angst um die Leben deiner Freunde?", fragte Kästner grinsend und Semir atmete tief durch. "Du kannst noch oft anbieten, dich als Foltertierchen anzubieten, aber du sollst keinen körperlichen, sondern seelischen Schmerz erfahren!" Kästner richtete seine Waffe auf Ben. "Soll ich gleich hier anfangen?" Ben tat nichts, er sass nur da und reagierte nicht. Dieser Kästner war verrückt und er hatte es aufgegeben, diesem Mann eine jegliche Emotion zu schenken!
    "Nein...", flüsterte Semir und Kästners Finger krümmte sich um die Waffe. "Das wird lustig", kicherte Kästner und wollte abdrücken. Doch Semir drückte den Waffenarm Kästners hinunter und die Pistole ging los. Eine Fontäne aus Blut schoss aus Semirs Rücken und er fiel mit aufgerissenen Augen auf den Boden.
    "SEMIR!", schrie Ben entsetzt und begann zu schnell zu atmen. Sein Herz raste und sein Brustkorb begann zu schmerzen. Kästner riss seinen Arm an sich zurück und sprach durch ein Mikro an seiner Armbanduhr. "Beginnt das Massaker!", knirschte er und liess Ben mit Semir zurück.
    Ben liess sich auf den Boden fallen und setzte sich neben Semir, der Ben mit panischen Augen ansah und kein Wort hervorbrachte. "Ganz ruhig...", schluchzte Ben, "ganz ruhig..." Er erblickte die Einschusswunde, die sich nahe des linken Hüftbereiches befand. Blut strömte aus dem Loch und als Ben Semir leicht drehte, erblickte er die Austrittswunde am Rücken, die noch schrecklicher aussah. "Kästner! Das kannst du nicht tun!", schrie Ben und drückte Semir an sich, nutzte die übrig gebliebenen Laken um Semirs Wunden abzudrücken. Dieser stockte vor Schmerz auf. "Tut mir leid Kumpel..."


    Alex blickte auf das Telefon und den Computerbildschirm, doch es tat sich nichts. "Wieso melden die sich nicht...", knirschte er ungeduldig und Milena zuckte mit den Achseln. "Wenn ich das wüsste....dann wäre ich schon schlauer...", murmelte sie und Beide erschracken, als das Fenster zerbrach und eine Kugel in die Wand eindrang. Alex sprang zu Milena und riss sie auf den Boden. Von weiten konnten sie weitere Fenster zerspringen hören und wie Leute zu schreien begannen. "Scheisse...", stiess Alex aus und zog seine Waffe hervor. "Die spielen Moorhuhn mit uns!", keuchte Milena und tat es ihm gleich. "Los!" Milena nickte auf Alex Befehl und sie krochen den Boden entlang. "Aber du hattest die Sicht behindert, wie hat man...?" Milena zuckte mit den Achseln. "Darüber können wir uns später Gedanken machen. Ich muss an den Laptop der Chefin!", sagte sie und Alex nickte verstanden. "Alles klar! Los!"


    Anna sah besorgt auf Kim Krüger, die sich an die Wand gelehnt hatte. Ihre Hand drückte sie auf ihre Schulter, aus der Blut drang. "Oh mein Gott....Frau Krüger...", stiess Anna aus und robbte zu ihrer Vorgängerin. "Ist nur ein Durchschuss!", flüsterte Kim und Anna überprüfte es. "Tatsächlich, die Kugel ging direkt durch.", murmelte sie und sie hörten die Bürotüre aufgehen. Sie wollten sofort schreien, dass sich die Eindringlinge bücken sollten, doch sie sahen, dass es Alex und Milena waren. "Kimilein, ich brauche deinen Laptop!", stiess Milena sofort auf und Kim blickte auf ihren Schreibtisch. "Könnte schwierig werden!", flüsterte Kim und Alle sahen, dass sich eine Kugel direkt durch den Bildschirm gebohrt hatte.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Muss aber nicht!", antwortete Milena sogleich, robbte sogleich zu dem Schreibtisch und riss mit einem Ruck den Laptop vom Schreibtisch. "Da du ja auf diese alten Dinger stehst, kann ich noch was rausholen über mein Handy!" Kim zuckte kurz auf, als Anna ihre Wunde provisorisch versorgte und mit ihrem Schal die Wunde verband. "Wie denn?", fragte Alex und Milena schloss ihr Handy an den Laptop. Als Technik-Geek hatte sie ihr Verbindungskabel stets in der Hosentasche. "Bei solchen Laptops wie deinem, ist die Festplatte im unteren Teil, also brauchen wir nur einen Bildschirm. Sieh es so, man hat einem zwar die Augen, aber nicht das Gehirn genommen. Gib ihm Augen und es geht wieder!"
    "Verstehe.", murmelte Anna und zog den "Verband" zu. "Und da ich ja das neuste, grosse Smartphone habe, sehe ich genau was ich da herum tippe!" Milena tätigte Handgriffe, die Alex als epileptischen Anfall normalerweise abtun würde, doch er sah, dass jede Bewegungen seinen Sinn hatte.
    "Denen verderbe ich nun den Spass!", grummelte sie und Alex robbte zu ihr rüber und sah auf das Smartphone. Lauter Zahlen erschienen und das auch noch in grüner Farbe. "Und ich dachte immer, bei "Matrix" machen die 'nen Scherz daraus!" Milena blicket kurz auf. "Wehe du ziehst meine Lieblingsfilm-Trilogie in den Schmutz! Dann sind wir gleich Freunde gewesen!", zischte sie und Alex musste kurz lächeln.


    Semirs Augen starrten auf Ben und suchten nach Hilfe. Ben wollte gar nicht wissen, was für Schmerzen sein guter Freund durchmachen musste. Sein Knie brannte bereits fürchterlich, doch ihm war nicht in den Oberkörper geschossen worden. "Halt einfach durch okay...?", bat Alex und Semir schluckte kurz. Sein Gesicht verzog sich und er klammerte sich an Bens Kleidung. "Ich wollte dir nur helfen...", flüsterte Semir und Ben schniefte kurz. "Wie sagt man immer so schön", versuchte er zu scherzen, "du warst wenigstens bemüht!" Semir musste kurz lächeln und stiess danach einen kurzen Schmerzensschrei aus. "Komm, ich helfe dir auf!", murmelte Ben und Semir schüttelte mit dem Kopf.
    "Dein Knie...vergiss es, du hast zu grosse Schmerzen!"
    "Ich habe keine Zeit für Schmerzen!", erwiderte Ben und schaffte es tatsächlich, Semir auf den Schrank zu heben. Humpelnd durchsuchte er den ganzen Keller und fand eine verstaubte Decke, die er abklopfte und Semir zudeckte. Aus der Jacke formte er ein Kissen und bettete Semir zurecht. Ausserdem hatte er Klebeband und einen Lappen gefunden. Er riss den Lappen entzwei und drückte je einen auf je eine Wunde. Danach fixierte er diese Lappen mit Klebeband. Seine Schmerzen waren vergessen. Das Adrenalin pumpte in seinen Adern und sein Hirn befahl in nur eins: Lass Semir nicht sterben.


    Milena drückte wie verrückt auf der Tastatur herum und begann zu grinsen. "Genies und Idioten zugleich!", kicherte sie und alle sahen sie verwirrt an. "Um Spuren zu verwischen, haben die Kameras und Wanzen, kleine Sprengsätze eingebaut. Nichts gefährliches, den Effekt eines harmlosen Knallers, aber ich kann es knacken." Alex klopfte ihr auf die Schultern. "Du bist die Geilste!", lachte er und drückte sie an sich. Milena errötete kurz und räusperte sich. "Hoffen wir, dass es auch klappt!", tat sie schnell ab und begann, wie verrückt weiter zu tippen. "Komm schon...komm schon..." Alle, bis auf Milena schreckten auf, als es von aussen her leise knallte. Es glich wirklich einer Knallerbse. "Da hätten wir Nummer 1!", sagte Milena und machte weiter.


    Kästner war mehr als verwundert, als sich seine Komplizen sich über Funk meldeten und beschwerten, dass die Kameras am aussteigen waren. "Diese kleine Schlampe!", zischte Kästner. "Plan B! Ich wiederhole, Plan B!", gab er nur durch und trat dann mit voller Wucht an die Wand.


    "Das ist die Letzte!", murmelte Milena und nun war der letzte kleine Knall in Kims Büro zu hören. Ein kleiner Funke erhellte den Raum für eine Sekunde und Milena zog ihr Handy vom Laptop. "Schon praktisch, wenn die Chefin Zugriff zu beinah allem hat!", seufzte Milena erleichtert und trat den Laptop von sich weg. "Miau!", antwortete Kim nur und Milena zog eine Augenbraue hoch. "Humor steht dir nicht Kimilein, lass es bleiben!", grinst sie. "Können Sie raus robben?", fragte Alex besorgt und Kim nickte. "Wie gesagt, nur ein Durchschuss!", sagte sie nun mit stärkerer Stimme und nickte. "Gut, wir müssen Sie hier wegbringen Chefin, in ein Krankenhaus, und Frau Engelhardt muss ebenfalls in Sicherheit gebracht werden." Milena nickte zustimmend und auch Kim gab sich geschlagen.
    "Ich hoffe nur, wir haben damit nicht das Todesurteil unserer Freunde unterschrieben..." Als Anna diese Worte ausgesprochen hatte, zersprang Kims Fenster und eine Handgranate flog in das Büro.
    "ALLE RAUS!", schrie Milena, zog Kim hoch und Alex tat es ihr mit Anna gleich, sie rannten hinaus und wurden von einer Flammenwelle umgeworfen.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Alles wirkte wie in einem Delirium. Partikel von Staub und Asche flogen gar in Zeitlupe auf den Boden. Menschen lagen auf dem Boden, mit Asche bedeckt. Es war nicht die einzige Handgranate gewesen. Man hatte die PAST strategisch angegriffen. Nach den Bombenangriffen stellte sich eine kurze, gar unheimliche Stille ein, die dann von Schreien und Rufen gestört wurde.Kim Krüger richtete sich langsam auf. Sie war einer der wenigen, wenn man von der Schusswunde absah, die Glück hatte. Geschockt, mit verzerrter Miene, blickte sie auf die Ruinen, die einst die Beherbergung ihrer Mitarbeiter waren. Uniformierte Polizisten, die es nicht erwischt hatte, rannten auf ihre Kollegen zu und versuchten sie notfallmässig zu versorgen. Weither, waren Sirenen zu hören. "Oh mein Gott...", stiess Kim aus und spürte die Tränen aufkommen, die helle Streifen auf ihrem Gesicht hinterliessen, da sie den Staub mit ihrem salzigen Wasser reinigten. Sie hörte ein Murren neben sich und erblickte Anna Engelhardt die, bis auf eine Platzwunde am Kopf, auch glimpflich davongekommen zu seins schien. "Alles in Ordnung?", fragte sie besorgt und Kim schüttelte mit dem Kopf. "Blöde Frage gewesen", korrigierte sich Anna gleich wieder und half Kim, auf den Beinen zu bleiben. "Diese Typen sind wahnsinnig! Einfach nur wahnsinnig!", schrie Kim und krümmte sich zusammen. Anna drückte sie an sich. "Ich weiss", flüsterte sie schluchzend, "ich weiss...""ALEX!" Milena schob ein leichtes Trümmerteil von ihrem Bein und ekelte sich kurz an der grässlichen Fleischwunde, die sich an ihrer Wade gebildet hatte, doch das hatte für sie keine Priorität. Sie zog sich an einer Wand hoch und humpelte über die Trümmer.


    "ALEX!", schrie sie erneut und hörte ein leises "Hier!"Sie folgte der Spur und erblickte Alex an einer Wand lehnend. Sein Gesicht war mit Blutrinnsalen befleckt und er hatte den linken Arm an seinen Körper gedrückt. "Siehst echt Scheisse aus", murmelte Milena erleichtert und Alex musste kurz lächeln. "Mit dem Bein wirst du auch kein Schönheitswettbewerb gewinnen können!", gab er zurück und Milena musste sich geschlagen geben. Sie kniete zu Alex und erkannte, dass der Blutaustritt von einem Cut an der Stirn kam. "Dich hat's wirklich ziemlich erwischt!", murmelte sie und Alex verzog kurz das Gesicht. "Ach was, das und meine Schulter ist wahrscheinlich ausgerenkt!", knirschte er und Milena richtete sich wieder auf. "Kannst du aufstehen?" Als Antwort reckte Alex, Milena seinen gesunden Arm und sie zog ihn hoch. Alex musste sich kurz sammeln, bevor er seine Augen wieder öffnen konnte. "Wenn das so weitergeht, überlebt keiner von uns!", zischte Milena und Alex packte sie an der Schulter. "Komm!", drängte er und Milena sah ihn verwundert an. "Weisst du wie man eine Schulter wieder einrenkt?" Milena nickte zögerlich. "Gut!" Alex zog sie mit dem gesunden Arm mit sich und sie schlichen vom Feld.


    Semir und Ben starrten geschockt auf den Bildschirm, der nur noch leicht flackerte und keinen Piep mehr von sich gab. "Oh nein...", murmelte Ben und schüttelte fassungslos mit dem Kopf. Sie waren gerade Zeugen geworden, wie die PAST in die Luft geflogen war. Einer der Attentäter hatte dies mit dem Handy gefilmt und es übertragen."Nein...nein...nein...nein!", murmelte Semir wie ein Mantra und verzog das Gesicht. Ben drückte Semir an sich. "Semir, du musst ruhig bleiben! Bitte!", flehte er, doch Semir verfing sich sogleich in einen Weinkrampf. Sein ganzer Körper zitterte und seine Hände krallten sich um den Stoff von Bens Hemd. "Das ist nicht fair...", schluchzte Semir, "ich will nicht mehr...ich kann nicht mehr..." Ben drückte Semir an sich, so fest wie er nur konnte. "Wir schaffen das mein türkischer Hengst! Sie leben, da bin ich mir sicher! Bitte, bitte beruhige dich!"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Ich entschuldige mich für die Zwangspause - mich hatte es niedergestreckt...scheiss Grippewelle :(


    ----------------------------------------------------------------------------------------------------

    "FUCK!", schrie Milena, als sie sich puren Alkohol, den sie von Alex erhalten hatte, über ihre Wunde leerte und sie dann zu verbinden begann. "Ich dachte schon, du würdest mal ein Abenteuer narbenlos überstehen!", bemerkte Alex, der seinen Arm noch immer an dem Körper gedrückt hatte und sich neben Milena setzte.
    Sie befanden sich in Alex Wohnung. Man beschränkte sich auf das niedrigste was die Beleuchtung anging und als Arzneimittel musste einfach alles hinhalten.
    "Du weisst hoffentlich, dass ich hier keinen Alleingang..."
    "Alex...ich hätte nicht anders gehandelt, ausserdem sollten wir niemanden anders mehr in Gefahr bringen!" Alex nickte dankend auf Milena's Kommentar und als sie den Verband zugeklebt hatte, stand sie auf. "Komm, kümmern wir uns noch um dich...", murmelte sie und Alex tat es ihr gleich. Er stand auf und hielt ihr die verletzte Schulter hin.
    "Autsch...ist das nicht die, die du schon...?"
    "Egal mach schon!"
    Milena zuckte mit den Achseln. Sie hatte nur kurz das Pflaster unter dem frisch angezogenen Pullover entdeckt gehabt.
    "Okay...auf drei?" Alex nickte. "1...!" Milena drückte an zwei Punkten fest zu und Alex spürte, wie sich das Gelenk wieder einrenkte. "Verdammte...", knirschte Alex und beugte sich kurz nach vorne. Milena packte den Kältebeutel, der sich auf dem Tisch befand und drückte ihn auf die Schulter. "Und nun setzt dich", bat Milena und Alex tat wie ihm befohlen. Milena nahm Nadel und Faden hervor und begann, sich um den Cut zu kümmern.


    "Die Frage ist, wie finden wir...au!"
    "Sorry", entschuldigte Milena sich und Alex winkte ab. "Wie finden wir die Anderen!" Seit langem sah Alex auf Milena's Gesicht so etwas wie ein Lächeln. "Als ich die Kameras entschärft hatte..." Alex Augen begannen zu leuchten. "Sag bloß..." Milena nickte. "Ich habe es zurückverfolgen können, es war hart, aber nicht unmöglich!" Alex lehnte sich an Milena. "Du bist die Beste!", murmelte er und Milena klopfte Alex auf die Schulter. "Sag mir was, was ich noch nicht weiss", grinste sie und nahm aus ihrer Hosentasche ein Blatt mit Koordinaten hervor. "Ich habe noch einen SEK-Beamten, der mir einen Gefallen schuldig ist...Wir sollten ein Team..."
    "...nein...", funkte Alex dazwischen. "Wir zwei gehen alleine, die Typen sind zu allem fähig Mille...also fordern wir es nicht noch heraus!" Milena musste, dass Alex recht hatte. "Entschuldige ich..." Alex schüttelte mit dem Kopf. "Ich habe es auch nicht böse gemeint...aber nun sind wir ein Team! Und das ziehen wir alleine durch..."


    Kim wurde auf eine Sanitätstrage gelegt und ihre Wunden waren provisorisch behandelt worden. Sie sah, wie Jenny und Bonrath auf sie zukamen. "Wie gehts Chefin?", fragte Jenny besorgt und Kim kniff kurz die Augen vor Schmerz zusammen. "Wo sind Brandt und Kramer?", fragte sie stockend und Jenny und Bonrath sahen sich fragend an. "Keine Ahnung, wir dachten, Sie wären bei euch Beiden!", antwortete Bonrath ehrlich und Anna sah Kim an. "Ich sehe, Sie bleiben davon auch nicht verschont!", seufzte Anna und Kim drückte ihren Kopf ins Kissen. "Die sind eines Tages der Tod für mich..."

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Ben hielt Semir dicht an sich und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Was er da in seinen Armen hatte, war nicht sein starker bester Freund der sich von nichts erschüttern liess, es war eine leere, sterbende Hülle. Eine Hülle, die jegliche Hoffnung verloren hatte und sie auch nicht mehr wiedererlangen würde. "Komm schon...bitte...", schluchzte Ben und drückte Semir noch fester an sich. "Sie sind tot...alle...", flüsterte Semir und Ben schüttelte mit dem Kopf. "Sie leben...", sagte er nun mit stärkerer Stimme, "alle leben noch, das spür ich..."
    "Du konntest nicht mal das mit...mit...Nina voraussehen!" Ben kniff kurz die Augen zusammen. "Ja...ich hätte damals auf dich hören sollen", begann er, "aber manchmal kannst du deinen Panzer nicht über alle legen Semir...manchmal musst du uns in die Wand laufen lassen. Wie wir es jetzt auch getan haben...aber du hilfst uns immer wieder aufzustehen..." Semir reagierte nicht und Ben kontrollierte, ob Semir noch bei Bewusstsein war - was er war.
    "Semir...bitte..." Doch Semir schwieg. Er war vollkommen in Lethargie versunken. Die Schmerzen raubten ihm alle körperliche, und die Schuldgefühle jegliche seelische Kraft.
    Ben schreckte auf, als die Türe aufging und Kästner hereinkam. "Scheint als würde es klappen", grinste er und Ben fletschte mit den Zähnen. "Das war also ihr Plan, ja?", sagte er nun mit klarer Stimme und nickte auf Semir. "Sein Leben komplett zerstören? Ihn zu einer hirnlosen Marionette machen?"
    "Dazu hat er sich schon selbst gemacht...und nun sorge ich noch dafür, dass auch Anna Engelhardt büssen muss und da wird mir niemand dazwischen kommen!" Ben schnaubte und beugte sich über Semir wie ein Panzer. "Keine Sorge Jäger, hier ist mein Werk getan!" Mit einem lauten Lachen ging Kästner aus dem Raum und schloss die Türe wieder hinter sich.
    "Ist er endlich weg?", hörte Ben und sah zu Semir, der ihn mit klarem Blick ansah. "Tut mir leid Kumpel, aber ich hatte bemerkt, wie Kästner gelauscht hatte, er musste denken, dass ich schon aufgegeben habe!" Ben lachte und wusch sich die Tränen aus den Augen. "Du verdammter Idiot!"


    Milena blickte auf die Waffen, die Alex und sie zusammen auf den Tisch gelegt hatten. Ihre Dienstwaffen, zwei Messer und ein Pfefferspray. "Sehr motivierend...", murmelte sie und horchte auf, als Alex aus seinem Zimmer kam. Frisch umgezogen. "Hier", sagte er und reichte ihr einen Stapel mit Frauenkleider. "Reste von einer Beziehung, ich glaube, es sollte dir passen...ist halt nicht grade dein Style...aber..."
    Milena lächelte warm. "Alex, Kumpel, wenn ich bei der Rettung von Freunden was nicht beachte, dann ob mein T-Shirt zu meinen Haaren passt!" Sie stand auf und nahm den Stapel entgegen. "Vielen Dank!" Alex nickte zu einer Türe. "Dort hinten ist mein Zimmer, das sollte am besten geeignet sein, ansonsten hat man hier überall einen Blick drauf..." Milena zuckte mit den Achseln. "Ich bin mit all den Funktionen ausgestattet, die jede Andere Frau auch hat, du könntest also nichts entdecken, was du nicht schon entdeckt hast", scherzte sie, "aber vielen Dank..." Mit diesen Worten ging sie in das Zimmer.
    Alex setzte sich auf die Couch und rieb sich die verletzte Schulter. Sein Handy vibrierte und als er darauf sah, war es die Nummer von Kim Krüger. "Tut mir leid", murmelte er und drückte auf "Besetzt", "aber das müssen wir nun wirklich alleine regeln...", murmelte er und sah auf, als Milena, nun gekleidet in einer blauen Bluse und dunklen Jeans, wieder aus dem Zimmer kam. "Passt perfekt", staunte sie und Alex lächelte. "Und nun lass uns das Schwein finden!"


    Anna sah genervt auf das Handy ihrer Nachfolgerin. "Einfach weggedrückt", knurrte sie und blickte zu dem Operationsraum, in dem Kim gerade lag. "Scheint, als hätte sie wirklich die gleichen Probleme wie ich damals", lächelte sie traurig und umklammerte das Handy fester. "Hoffentlich ist Ihnen nichts passiert...", murmelte sie und schreckte auf, als ihr eigenes Telefon zu klingeln begann. Sie blickte auf den Display, der die Nummer aber nicht kannte. Trotzdem nahm sie ab. "Engelhardt", begrüsste sie ihren Anrufer. "Lange nichts mehr von Ihnen gehört", erklang eine Stimme und Anna erkannte sie sofort. Es war die Stimme, die sie einst im Gerichtssaal als Mörderin und Anstifterin beschrien hatte. Es war die Stimme, die stets glaubte, sie hatte zu Unrecht gehandelt, die Semir zu einem Totschlag verleitet hatte.
    "Kästner...", stockte sie hervor und atmete tief durch.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

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