Zerstört!!!

  • Meine Schreibblockade ist vorbei... Diese Geschichte soll zeigen wie sehr Semir unter der Trennung von seiner Frau und seinen Kindern leidet. Ben wird Semir zur Seite stehen und versuchen ihn zu unterstützen darüber hinweg zu kommen. Ach ja: Ich bin mir sicher, dass der Verlauf der Story nicht unter die „Folter-Regelung“ von Yon läuft. Habe es genau nachgelesen. In dieser Story gibt es keine Folter!!! Weder für irgendeinen Helden noch für den Leser. Und ein großes Danke schön an meinen Betaleser!!! Ich hoffe auf viele Feeds auch wenn es in meinen Storys wie immer hauptsächlich um Semir geht.


    Semir saß auf seiner Couch im Wohnzimmer und hatte ein Fotoalbum auf dem Schoß. Er blätterte darin und sah sich wieder in die Vergangenheit zurück versetzt. „Wie oft hast du mein Leben, das der Kinder und dein eigenes aufs Spiel gesetzt?“ hörte er Andreas Frage. Hatte sie Recht? War er wirklich zu sorglos? Er blätterte weiter und fand eines aus einem gemeinsamen Urlaub bevor sie verheiratet waren. Es zeigte sie und ihn vor einer Hütte und Semir erinnerte sich. Es sollte ein Kurzurlaub sein. Überstundenabbau und er war begeistert, dass Andrea mit ihm kommen durfte. Drei Tage in einer einsamen Hütte an einem See. Traumhaft romantisch, doch dann kam alles anders. Weil Andrea Semirs Handy heimlich aus der Tasche genommen hatte und es keinen Fernseher in der Hütte gab, holte er die Fußballergebnisse von den Nachbarn direkt gegenüber. Er musste nur mit Hilfe des Bootes auf die andere Seite des Sees fahren und fragen. Die Nachbarn, es waren vier Männer, waren sehr nett und so erfuhr er, dass er die Wette mit Tom hinsichtlich des Fußballspiels gewonnen hatte. Das musste er natürlich sofort an Tom übermitteln. Er bat seine Nachbarn um ein Telefonat und ausgerechnet dabei unterhielt er sich mit Tom nicht nur über die verlorene Wette sondern auch über einen aktuellen Fall. Semir wollte wie immer alles wissen und fragte laut nach. Wie konnte er auch ahnen, dass die Verbrecher, die Tom suchte, direkt vor ihm standen. Durch dieses Telefonat fanden diese heraus, dass er ein Bulle war und das war es dann gewesen mit dem romantischen Wochenende. Als er am nächsten Morgen mit Andrea einkaufen wollte, wurde er von den vier Männern samt Andrea in der Hütte festgesetzt. Es gelang ihnen einmal zu entkommen, doch die Verbrecher finden sie wieder ein und nur wenig später war Andrea als Geisel mit den Männern unterwegs. Tom kam inzwischen dahinter, dass sich die Männer in einer der Hütten eingenistet hatten und auch das Semir und Andrea in höchster Gefahr geraten konnten. Immerhin hatte Semir ihm ja gesagt, dass er das Telefon des Nachbarn benutzt hatte. Doch Andrea schien ihren Begleitern schon sehr bald lästig zu werden und so wurde sie in einem Metallkasten, der sich unter der Erde befand eingesperrt. Als er und Tom sie endlich fanden, war Andrea fast erstickt. In letzter Sekunde konnte sie befreit werden. Semir hielt sie in den Armen und sie war wie leblos. Die Lippen waren blau und er weinte hemmungslos. Semir schloss die Augen. Andrea wäre fast gestorben, weil er nicht darauf warten konnte ein Fußballergebnis zu erfahren. Er hatte sie in Gefahr gebracht…nein er hatte sie fast umgebracht.


    Er blätterte weiter. Die Bilder zeigten alle Stationen seines Lebens. Seine toten Kollegen und Freunde, glückliche wie auch traurige Situationen die festgehalten wurden. Ein Bild von Tom Kranich, seinem besten Freund ließ ihn daran erinnern wie oft er in Schwierigkeiten steckte. Er wurde schon des Mordes verdächtigt, von einem Jugendfreund entführt und fast umgebracht und er war sogar im Gefängnis mit Tom. Ein leichtes Schmunzeln umspielte sein Gesicht, als er sich an die lustigen Situationen erinnerte. Urlaube die sie zusammen gemacht hatten, Streitereien um Frauen oder auch um Andrea. Gerade Situationen wie diese waren es, die sein Leben ausmachten. Er war doch glücklich. Wie konnte es passieren, dass alles auf einmal vorbei war? Semir ging weiter. Das nächste Bild zeigte ihn und Andrea auf ihrer Hochzeit. Auch jetzt kamen die Erinnerungen auf. Ausgerechnet am Tag der Hochzeit wurde Andrea von einem grausamen Verbrecher entführt. Sie war auf dem Weg in die Kirche, als sie entführt wurde. Der Verbrecher in dessen Hände sie gefangen war, wollte so einen Komplizen freipressen. Tscherne…. So hieß der Mann der gegen Andrea ausgetauscht werden sollte. Sonderbar der Name hatte sich in seinem Gehirn festgebrannt. Er war ein erbitterter Gegner seines damaligen Partners Jan Richter. Auch hier ist Andrea nur knapp dem Tod entronnen, denn ihr Entführer hatte ihr das Gift eines Fugo injiziert. Das war ein Fisch der sich in japanischen Gewässern aufhält und dessen Zubereitung nur von sehr wenigen Köchen durchgeführt werden durfte, denn die Gallenflüssigkeit des Fisches war tödlich. Schon eine winzige Menge reichte aus um einen todesähnlichen Schlaf vorzutäuschen. Auch hier war es in letzter Sekunde, dass Andrea gerettet werden konnte. Sie hatte Recht! Andrea hatte Recht! Er brachte sie in Gefahr!, pochte es in seinem Kopf. Er war es, der Schuld an dieser Situation hatte. Er brachte sie in Gefahr und solange sie bei ihm war, war sie für alle greifbar. Solange er als Polizist unterwegs war, konnte sei immer wieder in den Fokus seiner Feinde geraten und nicht nur sie sondern auch seine Kinder. Auch sie waren in Gefahr. Vielleicht war es wirklich besser, wenn sie nicht mehr bei ihm waren.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Semir stöhnte auf. Andrea hatte wirklich Recht und jetzt wo sie nicht mehr da war, fiel es ihm noch schwerer dies zu akzeptieren. Er war der Grund weshalb es nicht klappte. Er war der Grund wenn Andrea und die Kinder in Gefahr gerieten. Es ging immer um denselben Zweck. Nämlich den, ihn von seinen Ermittlungen abzuhalten, ihn unter Druck zu setzen. Aber er liebte seinen Beruf und er würde ihn nicht aufgeben. Für nichts in der Welt. Andrea wusste das genau. Sie hatte ihn doch auch geheiratet obwohl er Bulle war und sie hatte ihm versprochen in guten wie in schlechten Zeiten zu ihm zu stehen. Sie wusste auch wie sehr er seinen Beruf liebte. Er sah auf die Uhr. Zwei in der Nacht. Auch wenn er Spätschicht hatte so sollte er sich langsam ins Bett begeben. Er trank sein Glas aus und vom Alkohol benebelt schleppte er sich die Treppe hoch und sah auf das große leere Bett in dem er sich seit der Trennung ziemlich verloren vorkam. Obwohl er unter dem Einfluss von Alkohol stand ließ der Schlaf auf sich warten. Immer wieder tauchte Andrea vor ihm auf und machte ihn Vorhaltungen. Immer wieder sah er Andrea vor sich, wie sie ihm sagte, dass sie sich verliebt hätte. Diese Worte taten so weh. Sie schmerzten nicht körperlich sondern seelisch. Sie schmerzten mehr als körperliche Wunden. Denn gegen diese Schmerzen war er machtlos. Irgendwann fiel er in einen unruhigen Schlaf und stand am nächsten Morgen mit starken Kopfschmerzen auf. Er quälte sich aus dem Bett und ging duschen. Danach ging es ihm zwar nicht wirklich besser aber immerhin war es auszuhalten. Nachdem er dann noch einen Kaffee getrunken hatte schluckte er zwei Aspirin hinterher. Er wusste sehr genau, warum er Kopfschmerzen hatte. Die letzten Abende hatte er immer mehr Trost im Alkohol gesucht und auch gefunden. Denn wenn er trank dann konnte er seinen Kummer vergessen. Dann tat es nicht mehr so weh. Er frühstückte schnell und räumte den Tisch anschließend auf. Nach guten zwei Stunden war er auch im Wohnzimmer fertig. Alles sah wieder so aus, als wäre Andrea noch da. Andrea, Ayda und Lilly waren doch neben seinem Beruf sein Lebensinhalt.


    Mit einer Kaffeetasse bewaffnet machte er sich wieder über die Fotoalben her und schwelgte in den Erinnerungen an die schönen glücklichen Tage. Ein Bild mit Chris Ritter, dem Partner vor Ben ließ ihn in die nächste fallen. Damals….war nicht nur Andrea in Gefahr, sondern auch Ayda und die Tochter von Chris. Wieder ging es um Sekunden die über Leben und Tod entschieden. Über Leben und Tod seiner Frau und seiner Tochter. Er zuckte zusammen als der Schlüssel in der Tür zu hören war. Schnell legte er das Album zur Seite und stand auf. Es gab nicht viele Personen, die einen Schlüssel zum Haus besaßen. Zum einen war es Ben sein Freund und Kollege und zum Anderen natürlich Andrea. Inständig hoffte er, dass es die zweite Person war, die nun eintrat und sein Herz machte einen schmerzhaften Sprung als er erkannte, dass es wirklich Andrea war. Und nicht nur sie. Hinter ihr kamen Ayda und Lilly rein. Semir konnte sein Glück kaum fassen. „So jeder holt seine Sachen, die er braucht und dann fahren wir wieder zu Oma…“ befahl Andrea sanft. Die Kinder verschwanden nach oben. „Hallo Andrea…“ sagte Semir leise. Andrea zuckte zusammen und sah ihn erschrocken an. „Was machst du denn zuhause?“ wollte sie wissen. „Ich habe Spätdienst…“ gab er leise zurück. „Aha…ich wollte nur ein paar Sachen für mich und die Kinder holen.“ erklärte sie ihre Anwesenheit und wollte in die erste Etage. Semir ging ihr hinterher. „Andrea bitte, lass uns reden! Du kannst doch nicht so einfach gehen. Wir haben uns etwas aufgebaut! Wir haben Kinder!“ redete er auf sie ein. „Semir lass es. Es hat im Augenblick keinen Sinn.“ lehnte sie ab und fing an zu packen. Nur wenig später war sie mit den Koffern fertig. „Hilfst du mir, oder muss ich sie allein tragen?“ wollte sie von Semir wissen. „Gut, wenn du das Spiel bis zum Ende spielen willst…ich spiele mit!“ fauchte Semir wütend und nahm einen der Koffer. Auch die Kinder kamen runter. Ayda hielt Hasi und noch zwei weitere Stofftiere in der Hand, die für sie die Welt bedeuteten. Emilie hatte ihre Giraffe und den kleinen Eisbären, den Semir ihr gekauft hatte fest im Griff.

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  • „Warum tust du mir das an?“ fragte Semir und sah Andrea an. Sie lächelte nervös. „Semir, mach es mir doch nicht schwerer als es eh schon ist.“ bat sie ihn. „Das ist keine Antwort auf meine Frage. Warum Andrea? Liebst du mich nicht mehr? Willst du die ganzen Jahre, die wir hatten weg werfen? Willst du das? Was ist mit unserem Haus? Was ist mit den Kindern? Warum Andrea? schoss er die Fragen ab. Andrea stöhnte leise auf. „Du fragst Warum? Semir, ich kann nicht mehr. So wie es jetzt läuft, kann es einfach nicht weiter gehen. Ich sehne mich nach einem ruhigen Leben. Nicht ständig Angst zu haben, weil du hinter gefährlichen Verbrechern her bist . Ich habe Angst um unsere Kinder, dass irgendwelche Verbrecher sie als Druckmittel gegen dich benutzen, wie dieser Steffen Raisser. Semir, ich hatte solche Angst! Und als du dich auch noch erschießen wolltest und ich es mit ansehen musste...das will ich nie mehr durchmachen müssen. Nie mehr! Ich will nicht mehr ständig in Angst leben müssen. Verstehst du das denn nicht?“ stellte sie nun die Frage. „Natürlich verstehe ich es." sagte er leise und die schrecklichen Erinnerungen kamen hoch. Ich werde mit den Kindern bei meinen Eltern im Souterrain wohnen. Die Wohnung ist zwar klein, aber sie reicht für uns drei.“ gab Andrea von sich. Als sie gehen wollte hielt Semir sie sanft fest. „Bist du wirklich bereit alles aufzugeben?“ fragte er nun mit schwerer Stimme. Andrea sah ihn an. Auch sie schien mit den Tränen zu kämpfen. Doch dann nickte sie entschlossen. Es ist das Beste für uns alle.“ gab sie zurück. Semir nickte „Okay…und wie stellst du dir das vor? Was ist mit den Kindern?“ hakte er nach. „Ach Semir… ich weiß es doch auch nicht. Sicher ist, dass wir im Augenblick eine Pause brauchen. Ich kann nicht mehr so weitermachen. Versteh mich doch bitte.“ flehte Andrea nun. „Was ist mit den Kindern?“ wiederholte Semir seine Frage und sah auf Ayda und Emilie, die nach wie vor auf der Treppe standen. „Geht doch bitte ein bisschen Fernsehen, Mama und Papa wollten nur noch kurz reden ja?“ bat Andrea die Mädchen. Ayda nickte nachdenklich und nahm Lilly an die Hand. „Komm Lilly…wir gucken was…“ sagte die Siebenjährige.


    Semir und Andrea warteten bis die Kinder außer Hörweite waren. „Wann darf ich meine Kinder sehen?“ wollte Semir wissen. Andrea nickte. „Also gut…Semir, wir sind nicht geschieden. Du bist und bleibst ihr Vater und du hast natürlich ein Recht die Beiden zu sehen. Aber ich möchte es den Kindern nicht zu schwer machen. Sagen wir jedes zweite Wochenende?“ schlug Andrea fragend vor. Semir nickte. „Also gut… dann werde ich sie nächstes Wochenende abholen.“ bestimmte er. Andrea schüttelte den Kopf. „Nicht so schnell. Lass die Kinder doch erst einmal über diese Trennung hinweg kommen. Sie brauchen ihre Zeit.“ legte sie fest. „Ich darf sie nicht sehen? Andrea, bitte tue mir das nicht an! Das sind auch meine Kinder! Bitte, verwehre mir nicht den Zugang! Bitte!!“ flehte er regelrecht. „Das tu ich doch auch nicht. Aber für sie ist es doch schon schwer genug. Gib ihnen etwas Zeit. Ich muss jetzt fahren. Bitte verabschiede dich von ihnen.“ bat sie ihn. Semir nickte und ging zu Ayda und Emilie, die vor dem Fernseher saßen. Als erstes war Emilie dran. „Lilly, Mama muss wieder los und ihr müsst mit…“ sagte er mit trauriger Stimme. „Papa, ich will nicht weg.“ weinte die Dreieinhalbjährige. Semir sah seine Jüngste an. „Ich weiß mein Schatz ich will auch nicht dass ihr geht, aber Mama will es. Aber es wird nicht für immer sein, das verspreche ich.“ versuchte er zu erklären. Emilie warf ihre kleinen Arme um Semirs Hals und drückte ihn fest an sich. „Ich hab dich lieb!“ sagte die kleine Maus. Nur schwer konnte Semir sich von ihr lösen, doch ein Blick zu Andrea zeigte ihm, dass es Zeit war zu gehen. Emilie sah ihren Vater traurig an. „Ich will nicht weg…“ wiederholte sie weinend. Semir schluckte schwer und strich ihr über die kurzen Haare. Doch plötzlich drückte sie ihm die Stoffgiraffe in die Hand. „Für dich Papa…ich hab dich lieb…“ verabschiedete sich Emilie. Semir konnte nicht mehr. Die Tränen liefen ihm über das Gesicht. Andrea bemerkte es und lenkte Emilie ab. „Ich bringe sie schon mal zum Wagen“ erklärte sie und trug das weinende Mädchen raus. Nun war Ayda dran sich von ihrem Vater zu verabschieden. „Papa, nicht traurig sein.“ bat sie ihn und wischte ihm die Träne weg. „Wir kommen sicher bald wieder.“ versuchte sie ihn aufzumuntern. „Ja sicher…“ kam mit erstickter Stimme von ihm. „Hier, Hasi kann dich trösten. Er soll dir gehören, damit du nicht so allein bist. Das hilft wirklich.“ versprach sie und gab ihrem Vater ihren Lieblingshasen. Semir nahm den Hasen seiner Ältesten und drückte ihn an sich. „Danke mein Schatz…ich liebe dich.“ gab er zurück.

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  • Auch Ayda umschlang ihren Vater und drückte ihn fest. „Ich habe dich lieb.“ sagte die Siebenjährige leise. „Ayda, bitte geh schon mal ins Auto. Ich möchte noch eben mit Papa sprechen.“ bat Andrea. Ayda löste sich und drückte ihren Vater noch einen Kuss auf die Wange, dann führte sie den Befehl ihrer Mutter aus und verließ das Haus. „Bis bald Papa, ich komme wieder.“ versprach sie noch. Semir nickte. Sprechen konnte er nicht mehr. Er sah wie seine heile Welt zerbrach und er nichts dagegen tun konnte. Nun stand Andrea vor ihm und sah ihn an. Er hielt ihrem Blick unter Tränen stand. „Andrea, bitte gib uns eine Chance. Bitte…“ flehte er. Er hielt ihre Hände fest. Sie löste sich und sah ihn verzweifelt an. „Semir, lass mir die Zeit die ich brauche. Ich muss mir über ein paar Dinge klar werden. Es ist doch so schon schwer genug.“ bat sie ihn dagegen. „Was habe ich dir getan? Ich habe immer versucht unsere Familie zu beschützen.“ sagte er. Andrea lächelte müde. „Ja sicher, aber dein Job hat uns erst in Gefahr gebracht. Überlege doch mal, wie oft waren wir wegen dir in Gefahr? Wie oft war dein Leben in Gefahr? Jeden Tag habe ich Angst, dass du nicht mehr nach Hause kommst. Jedes Mal wenn das Telefon klingelt habe ich Angst, dass du wieder einmal verschwunden bist, dass du gekidnappt wurdest oder wieder im Krankenhaus liegst und schwer verletzt bist. Oder gar Tot. Ich habe alles durch gestanden. Ich dachte, ich schaffe es. Aber ich kann nicht mehr, Semir. Ich halte es nicht mehr aus. Dein Job ist dir wichtiger als ich oder die Kinder. Hast du nur einmal nach meinem Tag gefragt? Oder hast du dich für meine Arbeit interessiert? Hast du dir irgendwann mal Gedanken gemacht, wie es mir geht?“ stellte sie die Gegenfrage. Semir trat auf sie zu. „Ich werde mich ändern. Und wenn du es möchtest dann werde ich mich in den Innendienst versetzen lassen. Ich schwöre es! Bitte Andrea, bitte verlass mich nicht!“ sagte er verzweifelt. Andrea sah ihn milde an. „Wie oft hast du mir das nun schon versprochen. Was ist daraus geworden? Nichts! Du warst im Innendienst beim LKA. Und wie lange hast du es dort ausgehalten? Drei Tage….lächerliche drei Tage. Semir, du kannst nicht aus deiner Haut. Du bist jemand, der auf die Straße gehört und ich werde dir nicht mehr im Wege sein.“ Sie drehte sich um und ging. Die Blicke mit denen Semir ihr folgte blieben von ihr unbemerkt. Andrea stieg in den Wagen und nur wenig später hörte man es abfahren. Semir stand wie gelähmt in der Tür.


    Semir sah seiner Frau nach. Selbst als sie schon eine Weile weg war, stand er noch immer in der Tür und starrte hinaus. War es wirklich soweit? Waren sie wirklich weg? Seine Familie war zerbrochen. In seinen Händen hielt er den Hasen und die Giraffe. Das war das einzige was ihm von seinen Kindern geblieben war. Er schloss die Tür und ging wie in Trance zum Sofa. Er ließ sich einfach fallen und presste die Stofftiere an sich und weinte in sie hinein. So ging es fast eine Stunde bis er sich beruhigt hatte. Was sollte er nur tun? Er sah den Hasen an, den er in den Händen hielt. Früher war „Hasi“ Aydas Tröster und nun diente es ihm. Diese Erinnerung, der Geruch seiner Ältesten, alles war in diesem Stofftier enthalten. Doch nun schlug seine Trauer in Wut um. Dieser Robert! Er war an allem Schuld. Ohne ihn wäre Andrea sicher noch bei ihm. Dieser Kerl nahm ihm seine Familie weg. Er ballte die Faust, aber dann fielen ihm wieder Andreas Worte ein. Warum musste es soweit kommen? Wieso hatte er nichts gemerkt? War er wirklich nur mit seinem Job beschäftigt? Hatte er nicht gesehen, wie es Andrea ging? Wie gern würde er die Zeit zurück drehen und dann alles anders machen. Wer war schon dieser Robert? Was konnte er Andrea bieten was er nicht hatte? Semir lehnte sich zurück und schloss die Augen. Eine einsame Träne lief die Wange runter. „Bitte komm zu mir zurück…bitte…ich liebe dich doch…ich brauche euch…“ sagte er leise. Niemand hörte seine Worte. Er war allein. Was sollte denn nun passieren? Würde er jemals wieder glücklich sein? Vielleicht ohne Andrea? Er stand auf. Er musste sich ablenken, sonst würde er in einer Welle der Gefühle versinken und nicht wieder heraus kommen. Er brauchte jemanden zum Reden. Doch wen? Die Eltern von Andrea waren nicht die richtigen Ansprechpartner? Seine Eltern würden seine Situation gar nicht begreifen und die Kollegen? Er wollte ihnen die Ohren nicht mit seinem Problem etwas vorjammern. Was sollten die denn von ihm denken? Er war doch kein Weichei. Das klingen an der Tür unterbrach seine Gedanken. Mit schlurfenden, schweren Schritten ging er zur Tür und öffnete. Ben stand davor und Semir sah ihn an. Dann drehte er sich um und ging wieder zurück ins Wohnzimmer. Er ließ einen völlig verwunderten Ben einfach in der offenen Tür stehen.

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  • Auf Wunsch hier kommt das Abendessen:


    Ben sah seinem Freund nach und ging dann hinter ihm her. „Was ist denn los?“ fragte er. Semir antwortete nicht. Er saß auf der Couch und drückte zwei Stofftiere an sich. „Hey, was ist los? Rede doch mit mir!“ forderte Ben ihn auf. Semir sah ihn an. Die Tränen waren deutlich zu sehen. „Ich habe Andrea und die Kinder gerade wegfahren sehen. Was ist denn los? Habt ihr euch ausgesprochen?“ hakte Ben nach. „Sie sind weg…“ kam tonlos von Semir. „Bitte was?“ fragte Ben erstaunt nach. „Andrea und die Kinder sind ausgezogen. Ich habe sie verloren.“ wiederholte Semir. Er hielt einfach nur die Stofftiere in der Hand. „Semir, das ist nicht dein Ernst. Ihr seid doch verheiratet!“ stieß Ben aus. Doch Semir sagte nichts. Er sah Ben an und sein Freund bemerkte die rot geränderten Augen. „Glaubst du wirklich, dass ich scherze? Sie mich doch an! Sehe ich so aus? Sie sind weg. Sie wohnt jetzt wieder bei ihren Eltern. Aber das Schlimmste ist, dass sie mir gesagt hat, dass ich die Kinder erst einmal nicht sehen werde.“ Semirs Stimme wurde immer schwerer und Ben spürte dass sein Partner nun eine stützende Kraft brauchte. Jemand der an seiner Seite war. Jemand der ihn in den Arm nahm und ihn tröstete. Ben setzte sich neben ihn. „Willst du reden?“ fragte er mit sanfter Stimme. Semir stieß Luft aus. „Was gibt es schon zu reden. Meine Ehe ist im Eimer. Meine Kinder werden mir weg genommen. Ich bin allein. Ich weiß nicht wie es weiter geht. Ben, ich habe mich noch nie so hilflos gefühlt. Was soll ich tun? Andrea wird sicher bald zu diesem Robert ziehen. Zu diesem Lackaffen von Steuerberater!“ stieß Semir verachtend aus. „Denkst du wirklich, dass Andrea sich direkt in die nächste Beziehung stürzt. Sie sah mir eben nicht danach aus. Sie hat auch geweint. Ich habe es gesehen und ich denke nicht, dass es ihr leicht fiel dich zu verlassen. Ihr seid doch schon so lange zusammen. Nimmt euch ne Auszeit und vielleicht sieht es in einer Woche schon ganz anders aus.“ bot Ben an. Semir lachte auf. „Denkst du wirklich? Du kennst Andrea nicht. Wenn sie sagt es ist aus, dann ist es aus…“ erzählte er. „Ach ja? Wie oft war zwischen euch aus? Also bevor ihr verheiratet ward? Denk doch mal daran. Ihr habt euch immer wieder getrennt und seid wieder zusammen gekommen. Du hast es mir doch selbst erzählt. Semir, kämpfe um deine Familie. Kämpfe um Andrea. Sie ist es wert!“ forderte Ben seinen Freund auf. „Es ist sinnlos….alles ist sinnlos…“ sagte Semir leise. Er drückte die Stofftiere fester an sich und verlor sich in seiner Trauer. Ben legte seinen Arm um ihn und zog ihn an sich heran. Semir ließ es geschehen und weinte lautlos. Nur das Zucken der Schultern zeigte welchen Schmerz er über die Trennung empfand.


    Es dauerte eine ganze Weile bis Semir sich beruhigt hatte. „Entschuldige…ich wollte dich nicht mit meinen Problemen belasten, Ben.“ sagte er schluchzend. Ben nickte. „Schon gut. Ich bin dein Freund und ich stehe dir bei. Semir…ich weiß das es dir nicht wirklich hilft, aber wenn du reden willst…ich höre dir zu. Schrei mich an, mach mich nieder, egal was…aber gib dich bitte nicht auf. Ich hatte wirklich gehofft, dass Andrea es sich noch anders überlegt. Was willst du denn jetzt tun? Willst du alles hinwerfen? Willst du jetzt einfach alles geschehen lassen?“ hakte er mit leiser Stimme nach. Semir stöhnte auf. „Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht was ich tun soll!!! Er ist Steuerberater, wusstest du das?“ wollte er wissen. Ben nickte. „Andreas Freund? Ja ich weiß. Andrea hatte es mir gesagt. Und ich weiß auch, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich hätte es dir sagen sollen. Als ich Andrea mit diesem Kerl sah, hätte ich es dir sagen müssen. Das wäre meine Pflicht gewesen. Vielleicht wäre es dann jetzt nicht so weit gekommen.“ erklärte er. Semir schüttelte den Kopf. „Nein, du hast keine Schuld. Ich habe sie. Ich habe nur für meinen Job gelebt. Ich habe Versprechungen gemacht und sie dann nicht eingehalten. Ich hatte kein Ohr für ihre Sorgen. Sie hat sich von mir entfremdet, weil ich nicht für sie da war. Wenn sie mich brauchte habe ich es ignoriert. Ben, ich würde die Uhr am liebsten zurück drehen. Wir waren doch glücklich! Wie kann so etwas in die Brüche gehen?“ wollte der Deutschtürke wissen. Ben zog seine Schultern hoch. „Ich weiß es nicht. Aber du musst kämpfen. Kämpfe um Andrea! Hol sie dir zurück! Zeige ihr, dass du es kannst. Sei für sie da!“ forderte Ben ihn auf. Semir sah ihn an und lachte leise. „Das habe ich vor. Aber erst werde ich Robert durchleuchten. Kennst du seinen Familiennamen?“ hakte er nach. Ben schüttelte den Kopf. „Nein, nur dass er Robert heißt. Warum fragst du Andrea nicht einfach?“ schlug er nun vor. „Bist du Wahnsinnig? Andrea merkt doch sofort was ich vorhabe! Nein…ich muss irgendwie an den Namen kommen. Vielleicht sollte ich mit Susanne reden. Sie ist immerhin die beste Freundin von Andrea.“ setzte Semir dagegen. „Ja aber sie wird sicher auch mit Andrea darüber sprechen.“ mutmaßte Ben nun. „Ich werde sie bitten es nicht zu tun. Susanne ist auch meine Freundin.“ legte Semir fest.

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  • Nur zwei Stunden später traten die Freunde ihren Dienst an. In der PAST ging Semir sofort zu Susanne, die an ihren Schreibtisch saß und telefonierte. „Ja…du ich muss Schluss machen, Semir steht bei mir…“ sagte sie und er sah sie schief an. Susanne legte auf. „War das Andrea?“ wollte er sofort wissen. Susanne lächelte und nickte. „Semir, es ist auch für sie nicht leicht.“ versuchte sie zu erklären. „Ja sicher….alle haben Mitleid mit ihr. Aber ich bin der Betrogene! Mich hat man verlassen!“ fauchte Semir wütend und ging in sein Büro. Er setzte sich an seinen Tisch und stützte den Kopf mit den Armen ab. Ben kam ebenfalls hinterher. „Hey…nun beruhige dich doch mal. Susanne und Andrea sind befreundet. Das kannst du ihr doch nicht krumm nehmen. Sie sitzt zwischen den Stühlen, denn sie ist ja auch deine Freundin…“ versuchte Ben zu erklären. Semir sah ihn an. Ben hatte Recht, Susanne konnte am wenigsten dafür. Er stand auf und ging zur Sekretärin. „Susanne…es tut mir Leid…ich wollte dich nicht anbrüllen…“ sagte er entschuldigend. Susanne sah ihn an und nickte leicht. „Schon gut Semir…ich kann mir vorstellen wie es in dir aussieht. Es war nicht fair.“ gab sie verständnisvoll von sich. „Darf ich dich was fragen?“ wollte Semir wissen. Susanne nickte. „Wusstest du, dass Andrea sich neu verliebt hatte?“ hakte er nach. „Nein. Sie hat es mir nicht gesagt und ich sage dir direkt, dass ich so etwas nicht gut heiße. Sie hätte wenigstens ehrlich mit dir sein müssen.“ antwortete Susanne. „Hast du ihren Freund denn schon kennen gelernt?“ versuchte Semir weiter heraus zu finden. Susanne schüttelte den Kopf. „Nein, aber ich denke auch nicht, dass sie mit ihm zusammen ist.“ erklärte sie. „Weißt du wie er vollständig heißt?“ kam die nächste Frage. „Ja sicher…Robert…“ lächelte Susanne. „Und weiter?“ hakte Semir nach. „Oh ich weiß worauf du hinaus willst. Robert Scheidwinkler.“ sagte sie. „Aber Semir, tu dir selbst ein Gefallen. Fahr nicht zu ihm. Es würde sicher nichts helfen.“ bat sie ihn. „Warum sollte ich denn dort hinfahren? Ich weiß doch gar nicht seine Adresse.“ lächelte Semir nervös. Susanne sah ihn schief an. „Semir…bitte….“ warnte sie ihn, denn sie konnte sich vermutlich vorstellen warum Semir den vollständigen Namen wissen wollte. Er nickte und ging wieder in sein Büro. Dort tippte er den Namen seines Nebenbuhlers in den PC und wartete ab.


    „Nichts…“ stöhnte er nach einer Weile. Ben sah ihn an. „Was nichts?“ hakte er nach. „Dieser Robert! Gegen ihn liegt nichts vor. Nicht einmal ein Knöllchen…ein richtiger Langweiler.“ knurrte Semir zurück. Ben lachte leise auf. „Semir, nicht jeder der dir nicht gefällt hat etwas auf dem Kerbholz.“ gab er zu verstehen. „Irgendetwas muss sein. Irgendwas muss da sein…das spüre ich. Ben ich habe Angst um meine Kinder! Was wenn er sich an ihnen vergeht? Was wenn Ayda und Emilie von ihm geschlagen werden?“ hakte Semir nach. „Hey, nun mach dich doch nicht verrückt. Andrea wohnt bei ihren Eltern und nicht bei ihm. Die Kinder sind nicht in seiner Nähe.“ stellte Ben richtig. „Wir sollten unsere Streife fahren.“ hängte er an. Semir nickte. „Ja sicher…die Streife…“ gab er von sich doch er stand nicht auf. „Semir! Komm! Hoch mit dir.“ forderte Ben ihn erneut auf. Semir erhob sich. „Ja..ich komme ja schon..“ knurrte er. Nur widerwillig folgte er Ben. „Ich glaube es ist besser wenn ich fahre. Du scheinst nicht wirklich in der Lage zu sein.“ schlug Ben vor und ging zum Mercedes. Semir folgte ihm ohne Widerworte. Für Ben ein deutliches Zeichen, dass sein Freund wirklich nicht in der Lage war zu fahren. So setzte Semir sich einfach auf den Beifahrersitz und Ben fuhr los. Die Fahrt verlief schweigend. Semir sah aus dem Fenster und starrte einfach nur durch die Gegend. Ben konzentrierte sich auf die Fahrt und ließ Semir in seinen Gedanken versinken. Was in seinem Freund vorging konnte er sich sehr gut vorstellen. „Kannst du mal eben auf den Parkplatz fahren?“ bat Semir nach einer Weile. Ben nickte. Es waren noch gute 1000 m bis zum nächsten Parkplatz. „Geht es wieder?“ wollte er von seinem Freund wissen. Semir nickte nur. Doch seine Augen sprachen mehr als tausend Worte. Der Schmerz saß tief, sehr tief und irgendwie ahnte er, dass er die nächste Zeit sehr auf Semir achten musste, damit er nicht völlig den Boden unter den Füßen verlor. „Weißt du was sonderbar ist…erst wenn du etwas verlierst merkst du wie wichtig es war. Ich habe Andrea und die Kinder als selbstverständlich hingenommen. Sie waren halt da, verstehst du?“ wollte Semir wissen. Ben nickte. „Ja sicher…aber noch ist ja nichts zu Ende. Andrea wird sicher sehr bald zu sich kommen und dann wieder bei dir einziehen.“ versuchte er seinem Freund glaubhaft zu machen. „Nein….du kennst Andrea nicht so wie ich…weißt du, bevor sie die Sachen holte habe ich unsere Fotos angesehen. Sie hatte Recht. Ich habe sie immer wieder in Gefahr gebracht. Erst sie, dann die Kinder…vielleicht ist es besser, wenn sie nicht bei mir sind. Dann sind sie in Sicherheit.“ gab Semir verbittert von sich.

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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Ben sah seinen Freund an. So kannte er Semir überhaupt nicht. Er war nervlich am Ende. War er so in der Lage einen vernünftigen Dienst zu absolvieren? Konnte er sich auf ihn verlassen, wenn sie nun in Gefahr gerieten? „Weißt du was…wir werden gleich mal an den Rastplatz fahren und ein klärendes Gespräch miteinander führen. Du wirst mir alles erzählen. Dein Herz ausschütten und ich versuche dann mit Andrea zu sprechen.“ bot Ben an. Semir sah ihn an. „Wirklich? Meinst du das bringt etwas?“ hakte er nach. Ben zog die Schultern hoch. „Ich weiß es nicht…aber versuchen könnten wir es doch.“ lächelte er leicht. Sein Freund nickte. „Du hast Recht…reden wir...“ stimmte er nun zu. Tatsächlich fuhr Ben nur wenige Kilometer weiter auf den Rastplatz. Sie stiegen aus und setzten sich auf eine der Parkbänke. „Und nun….erzähl. Hat Andrea dir gesagt, dass sie sich scheiden lassen will?“ wollte Ben nun wissen. Semir schüttelte den Kopf. „Nein…also nicht direkt, aber darauf läuft es hinaus. Sie zieht aus…sie nimmt die Kinder mit. Selbst Felix ist verändert. Ich weiß nicht wie es weiter gehen soll. In knappen drei Wochen ist Weihnachten und ich habe davor sehr große Angst. Was soll ich allein zu Weihnachten machen? Ich weiß nicht einmal ob ich meine Kinder sehen darf.“ beklagte Semir sich. Ben legte ihm die Hand auf die Schulter. „Warte doch erst einmal ab. In drei Wochen kann verdammt viel passieren. Andrea ist doch nicht dumm und sie weiß genau wie sehr du die Kinder brauchst. Ich werde mit ihr sprechen, dass du sie früher sehen darfst. Also wenn ich mich einmischen darf, natürlich nur.“ bot Ben an. Semir lächelte. „Du bist mein Freund….ich wäre sehr froh, wenn ich Unterstützung hätte. Vielleicht kannst du Andrea ja auch diesen Auszug ausreden.“ meinte er nur. Ben lachte auf. „Versuchen kann ich es, aber ich weiß nicht ob das viel Erfolg hat.“ stimmte er zu. Die beiden Freunde saßen noch einige Minuten schweigend nebeneinander und genossen die spätherbstliche Luft. Gerade versank die Sonne hinter den Bäumen als Semir aufstand. „Na, Schluss mit Seelsorge. Lass uns unseren Job machen.“ stöhnte er und stieg in den Mercedes. Ben folgte ihm. „Bist du sicher, dass du nicht besser ein paar Tage Urlaub machen willst?“ wollte er wissen. „Nein, ich brauche keinen Urlaub. Denn da würde ich nur zu viel nachdenken und das ist nicht gut.“ antwortete Semir. Ben fuhr los.


    Der Dienst verlief sehr ruhig und es kam nur zu ganz geringen Unfällen. Endlich war Feierabend und Semir ließ sich von Ben nach Hause fahren. „Soll ich dich morgen wieder abholen?“ wollte er wissen. Semir schüttelte den Kopf. „Nein, ich muss vorher noch etwas erledigen und komme dann zur PAST.“ lehnte er ab. „Alles klar, dann schlaf gut…“ wünschte Ben seinem Freund. Semir stieg aus und klopfte noch einmal auf das Autodach bevor er in Richtung Haus verschwand. Ben fuhr ab. Semir schloss leise die Tür auf und zog seine Schuhe aus. Das Haus erschien ihm so kalt und leer. Kein Kinderlachen oder der Duft von Andreas Kochkünsten empfing ihn. Nur Stille und Einsamkeit. „Miau…“ kam es leise von links. „Hey, na mein Kater….du bist mir wenigstens noch geblieben. Gleich werde ich uns was Feines zu Futtern machen und dann werden wir es uns gemütlich machen. Kannst sogar mit im Bett schlafen“ sagte Semir. Der Kater sah ihn an und miaute noch einmal. „Ja doch…ich komme…“ gab Semir von sich. Er kannte Felix und der war sehr ungeduldig wenn es um sein Fressen ging. Schnell war der kleine Napf gefüllt. Auch Semir machte sich etwas zu essen, auch wenn er eigentlich gar keinen Hunger hatte und setzte sich dann auf einen der Stühle. „Ach Felix…was kann ich nur tun damit sie zurück kommen? Du vermisst die drei auch oder?“ wollte er wissen. Der Kater war fertig mit dem fressen und sprang auf seinen Schoß. Sofort fing er an zu schnurren. Semir kraulte den Kopf des mittlerweile ergrauten Katers. Seit nun fast acht Jahren war er bei der Familie Gerkan. Ein langes erfülltes Katzenleben hatte er bisher geführt. „Na was meinst du alter Mann…so als Greis in unserer Familie. Denkst du ich könnte es schaffen Frauchen wieder zu uns zu bringen?“ wollte Semir von dem Kater wissen. „Miau…“ kam leise von dem Tier. „Die Frage ist nur wie….weißt du ich meine sie hat ja auch ein bisschen Recht mit dem was sie sagt. Ich habe wirklich nicht aufgepasst….aber ich will mich doch auch ändern. Kennst du nicht ein Geheimrezept womit ich sie wieder an mich binden kann?“ fragte der Deutschtürke unbeirrt weiter. Wieder antwortete der Kater in einem sanften Ton. „Ach siehst du, soweit ist es jetzt schon gekommen…ich unterhalte mich mit dir, wie mit einem Menschen…“ stöhnte Semir. Felix sprang runter und verzog sich. Semir ging ins Wohnzimmer und sah sich weitere Bilder an. Dabei trank er zunächst ein Bier. Danach nahm er sich die Flasche Whisky und genehmigte sich davon mehr als es gut war. Erst gegen Mitternacht fand er den Weg ins Bett.

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    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Der nächste Morgen kam und pünktlich um sieben klingelte bei Semir der Wecker. Als er hochschreckte spürte er das sein Kopf dröhnte und nahm nach dem Duschen noch ein Aspirin. Er machte sich dienstfertig und frühstückte nur halbherzig. Dann fuhr er los, doch nicht direkt zur PAST. Er machte einen Umweg und hielt wenige Minuten später vor der Eintrachtstrasse 17 in Köln an und sah an dem Gebäude hoch. Hier also war das Büro von diesem Robert Scheidwinkler. Schien ja ziemlich erfolgreich zu sein, dieser Steuerberater. Er stieg aus und ging zur Tür. Doch bevor er klingelte hielt er inne. Sollte er diesem Kerl wirklich einen Besuch abstatten? Was würde Andrea darüber denken, wenn er ihrem Lover hier persönlich gegenüberstand und ihm sagte, was er von ihm hielt? Würde das die Rückkehr von ihr beschleunigen? Er nahm den Finger zurück. Vermutlich nicht. Vielleicht würde sie dann wütend auf ihn werden, aber er wollte auch wissen wie der neue Freund seiner Frau aussieht. Er wollte sehen, was sie so an ihm reizte. Nach einigen Minuten des Nachdenkens klingelte Semir. Der Türsummer ertönte und er drückte die Tür auf. Laut der Anzeige befand sich das Büro des Steuerberaters im vierten Stock. Semir fuhr mit dem Fahrstuhl rauf und betrat das Büro. „Guten Tag…kann ich Ihnen helfen?“ fragte eine dunkelhaarige Sekretärin. „Ich würde gern zu Herrn Scheidwinkler..“ bat Semir etwas heiser. „Haben Sie einen Termin?“ wollte sie wissen. „Nein…aber….vielleicht ist es trotzdem möglich…“ Semir legte seinen Kopf schief. „Tut mir leid, aber Herr Scheidwinkler ist sehr beschäftigt.“ lehnte die Sekretärin ab. Semir nickte und wollte gerade gehen, als ein Mann aus dem Büro kam. Er sah Semir an und wandte sich dann an die Sekretärin. „Antonia, das muss heute bitte noch raus. Der Mandant erwartet eine hohe Rückzahlung.“ bat er sie freundlich. Semir sah ihn an. „Herr Scheidwinkler?“ fragte er. Der Mann sah ihn an und nickte. „Kann ich Sie einen Augenblick sprechen?“ bat Semir ihn. „Hatten Sie einen Termin? Kennen wir uns?“ fragte der Mann freundlich nach. Semir schüttelte den Kopf. „Wir haben eine gemeinsame Freundin… Andrea….“ erklärte Semir. „Ah…ähm…nun ja…Antonia, schieben Sie die nächsten Termine bitte etwas nach hinten..“ lächelte der Mann seine Sekretärin an und wies Semir dann den Weg in sein Büro. „Bitte setzen Sie sich doch, Herr….?“ bat Robert den Mann. „Gerkan, Semir Gerkan….“ stellte Semir sich nun vor und tat was der Mann sagte. „Oh…ähm…darauf war ich nicht vorbereitet.“ lächelte der Steuerberater. „Wie kann ich Ihnen helfen?“ hängte er fragend an. „Sagen Sie mir einfach, warum Sie mir meine Familie wegnehmen.“ Semirs Stimme hatte einen leicht drohenden Klang.


    „Ich nehme Ihnen doch nichts weg, Herr Gerkan. Es ist ganz allein Andreas Entscheidung. Sehen Sie…Andrea und ich haben uns völlig zufällig kennen gelernt und uns ineinander verliebt. Es ist einfach passiert. Andrea ist eine wundervolle Frau und leider auch sehr einsam. Es wundert mich überhaupt nicht, dass sie Sie verlassen hat. Man muss eine Frau beachten und nicht als selbstverständlich hinnehmen. Andrea hat mir erzählt, dass Sie in Ihrem Job voll aufgehen, aber wenn es um Familie geht, sind Sie leider nicht so engagiert. So etwas ist in einer Ehe tödlich. Ich könnte Ihnen einen guten Eheberater empfehlen, nur wird er bei Ihnen nichts mehr bringen. Warum überlassen Sie nicht einfach Andrea die Entscheidung wen sie haben will. Ich habe ihr jedenfalls alle Zeit der Welt eingeräumt. Und Sie sollten es auch tun.“ lächelte Scheidwinkler ihn an. Semir sah ihn an. Er atmete heftig ein und aus. „Ich warne Sie…sollten Sie Andrea auch nur noch einmal zu nahe kommen, mache ich Sie fertig!“ fauchte er den Steuerberater an. Doch dieser schien es nicht wirklich ernst zu nehmen. „Herr Gerkan, ich denke ich habe alles gesagt. Bitte verlassen Sie jetzt mein Büro. Ansonsten müsste ich davon ausgehen, dass ich Ihre Kollegen rufen muss. Das wollen wir beide doch nicht oder? Nehmen Sie Rücksicht auf Andrea und die Kinder. Übrigens…zwei ganz entzückende Mädchen.“ gab Scheidwinkler zu. Semir sprang auf und packte den Mann am Kragen. Er ballte die Faust und sah den Mann wütend an doch er schlug nicht zu. „Lassen Sie mich sofort los!“ keuchte Robert und in seiner Stimme schwang Angst mit. Semirs Augen verengten sich, doch dann stieß er den Mann wieder in seinen Sessel und ging. Robert Scheidwinkler wartete einen Augenblick und stand dann auf. Vom Fenster aus, sah er wie Gerkan in seinen Wagen stieg und mit quietschenden Reifen weg fuhr. Er nahm sein Handy und wählte Andrea Gerkan an. „Hallo Andrea…ja ich weiß, wir wollten eine Pause einlegen, bis du dir klar geworden bist über deine Gefühle. Aber ich hatte eben Besuch von deinem Ehemann und der hat wirklich gekocht.“ erklärte er. Er hörte eine Weile zu. „Natürlich weiß ich, dass du ihm nicht meine Adresse gegeben hast. Vermutlich hat er die im Dienst rausgesucht. Wie dem auch sei, er war sehr wütend. Ich denke es hat ihn sehr gekränkt, dass er dich ausgerechnet an so einen wie mich verloren hat.“ meinte er nur und horchte wieder. „Ich liebe dich…und ich werde alles für dich tun. Ich werde auch um dich kämpfen wenn es sein muss. So einen kleinen Kommissar stecke ich doch weg.“ lachte er und versuchte so seine Aufregung zu überspielen. Nach der Antwort von Andrea legte er auf und versuchte sich wieder auf seine Arbeit zu konzentrieren.

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  • Andrea legte auf. Wut stieg in ihr auf. Wut auf Semir, der scheinbar nichts anderes tun konnte als Robert anzugreifen. Warum suchte er nicht einmal die Fehler bei sich selbst? Immerhin war er es, der Ayda in Gefahr gebracht hatte, er war es, der nicht fragte wie es ihr ging oder was sie gerade beschäftigte. Er war es doch, der ständig sein Leben aufs Spiel setzte und zum Teil so leichtsinnig war, dass er dabei vergaß das eine Frau und zwei Kinder daheim auf ihn warteten und Angst hatten, dass er eines Tages nicht wieder nach Hause kam. „Mama?“ riss Aydas Stimme sie aus den Gedanken. „Ja?“ fragte sie etwas fahrig. „Was ist denn los?“ wollte ihre Älteste wissen. „Nichts…wirklich…ich habe nur eben einen Anruf bekommen, der mich sehr wütend gemacht hat.“ erklärte sie. „Ging es um Papa?“ hakte das Mädchen nun nach. Andrea lächelte. Ayda hatte einen 7. Sinn wenn es um die Familie ging. „Ja….leider…“ nickte Andrea nun. „Lass mich raten…er war bei Robert.“ meinte Ayda. Andrea nickte. Ayda stöhnte auf. „Hast du Papa noch lieb?“ wollte sie nun von ihrer Mutter wissen. Andrea sah sie an. „Schatz…geh bitte wieder spielen ja…?“ bat sie das Mädchen. „gut, wenn du nicht reden willst. Können Emilie und ich am Wochenende zu Papa?“ fragte Ayda unbeirrt weiter. „Mal sehen, mein Schatz…hast du deine Hausaufgaben schon gemacht?“ versuchte Andrea ihre Tochter abzulenken. „Schon lange…ich mache sie immer direkt wenn ich von der Schule komme. Das weißt du doch. Ich habe übrigens eine 1 in Mathe geschrieben und damit habe ich einen Wunsch frei. Papa hat das immer so gesagt!“ forderte Ayda nun. Andrea stöhnte leise. Ayda konnte wie Semir sein. Unnachgiebig wenn es sein musste. „Also gut…was wünscht du dir?“ gab sie nun klein bei. „Ich wünsche mir, dass wir wieder eine Familie sind. Du, Papa, Lilly und ich. Das wir alle in dem Haus wohnen und uns lieb haben!“ erklärte Ayda. Andrea ging in die Hocke. „Schatz…ich würde es dir ja sehr gern erfüllen, aber das geht nicht. Sieh mal…Mama und Papa brauche eine Pause. Aber ich verspreche dir, dass ihr am Wochenende zu Papa dürft. Würde das reichen?“ wollte sie von ihrer Tochter wissen. Ayda überlegte kurz und nickte dann. „Aber du musst mir versprechen, dass du nicht böse auf Papa bist, weil er bei Robert war.“ gab die Neunjährige von sich. Andrea musste lächeln. Ayda hatte genau wie Semir die perfekte Art so zu reden, wie es gerade passte. Nachdem das Kind wieder weg war griff Andrea zum Telefon und rief Semir an. Es meldete sich aber nur die Mailbox. Andrea wählte nun die Nummer der PAST.


    Semir fuhr zur PAST und traf wesentlich später ein, als er es eigentlich vorgehabt hatte. „Hast du verschlafen oder was?“ wollte Ben von ihm wissen. „Nein…“ gab Semir zu. „Ach und wo warst du? Dienstbeginn war vor einer Stunde.“ stellte sein Freund ihn zur Rede."Ich hab dich schon ein paar Mal versucht anzurufen und wollte gerade zu dir nach Hause fahren" beschwerte sich der Hauptkommissar. „Ich war bei Robert…“ erklärte Semir. Ben stöhnte auf. „Deswegen hatte Andrea schon angerufen…“ meinte er nachdenklich. „Hat sie?“ hakte Semir nach. „Ja was denkst du denn? Dieser Robert hat sie mit Sicherheit direkt angerufen, nachdem du dort weg bist. Semir….das war der falsche Weg. So kannst du sie sicher nicht zurück gewinnen. Sie wird sicher gleich noch mal anrufen…“ meinte Ben Semir kramte in seinen Sachen nach seinem Handy, konnte es aber nicht finden."Was ist?"fragte Ben der ihn beobachtet hatte."Mein Handy, ich muss es zu Hause liegen gelassen haben" überlegte Semir. In diesem Moment klingelte Semirs Bürotelefon. Er reckte seinen Kopf und sah im Display, wer anrief. „oh verdammt…“ stieß er aus und sah Ben an. „Kannst du ihr sagen, dass ich nicht da bin…?“ bat er ihn. Ben nahm den Hörer. „Ben Jäger, Kripo Autobahn, Apparat Gerkan..“ meldete er sich. „Andrea….schön das du anrufst.“ säuselte er ins Telefon und stellte den Lautsprecher an. „Ist Semir noch immer nicht da?“ wollte die Frau seines Partners wissen. „Im Augenblick nicht, kann ich ihm etwas ausrichten?“ fragte Ben nach. „Ja das kannst du! Sag ihm bitte, dass er nicht zu feige sein soll und selbst ans Telefon gehen kann. Er hört doch sicher mit oder? Semir! Was sollte das? Kannst du nicht einmal den Fehler bei dir suchen?“ brüllte sie wütend. Ben sah Semir aufmunternd an. „Andrea, ich wollte doch nur ….ich meine, ich wollte wissen wer….“ fing Semir nun an und nahm den Hörer in die Hand. „Was denkst du dir dabei? Semir, ich will nicht noch einmal das du Robert aufsuchst, haben wir uns verstanden?“ wollte Andrea wissen. „Ja habe ich…“ gab Semir kleinlaut zu. „Gut und es gibt noch eine Planänderung!“ kündigte sie nun an. „Welche denn noch? Willst du dass ich das Haus verlasse? Es verkaufe? Oder was?“ knurrte Semir in den Hörer. „Nein, Ayda hat eine „1“ in Mathe geschrieben und da wir ja eingeführt haben, dass sie sich etwas wünschen darf, hat sie sich gewünscht das Wochenende bei dir zu verbringen. Also wenn du nichts anderes vorhast, dann darfst du sie beide am Wochenende abholen.“ Nun klang Andreas Stimme schon gelassener. Semirs Augen blitzten auf. „Danke, ich hole sie ab…versprochen…“ strahlte er und legte auf.

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  • Martin Gruber sah seine Frau an. „Und was sagst du? Ich meine irgendwann müsst ihr den Streit doch beilegen. Gerade jetzt wo wir Eltern werden.“ versuchte er sie zu überreden. „Du weißt doch wie deine Mutter ist. Sie mag mich nicht und wer weiß ob dieser Stress gut für mich wäre. Denk bitte an unser Baby…“ mahnte sie ihn und strich sich sanft über ihren gewölbten Bauch. Deine Mutter hat mir oft genug vorgeworfen, dass ich dich nicht verdient habe.“ hängte sie an. Martin strich nahm ihre Hand und sah sie lächelnd an. „Sie ist alt..“ nahm er seine Mutter in Schutz. „Sie gibt mir doch indirekt die Schuld, dass Sandra tot ist. Sie hat mir gesagt, dass ich meinen Job nicht richtig gemacht hätte… Und das ich mich mehr um dich, als um sie gekümmert hätte.“ ging es bei Tanja weiter. „Das ist doch Blödsinn! Sandra ist tot, weil ihre Verletzungen nach diesem Unfall zu schwer waren! Was hättest du denn tun sollen? Selbst die Ärzte waren ratlos. Meine Mutter ist einfach nur eifersüchtig! Das war sie auch auf Sandra. Ich lebe mein Leben und ich liebe dich. Du bist meine Frau und du bist diejenige mit der ich Kinder haben will! Daran muss auch meine Mutter sich gewöhnen“ legte er fest. Er nahm ihre Hand und küsste sie. „Bist du sicher, dass du mich liebst?“ wollte sie wissen. Martin lachte auf. „Du springst doch jetzt nicht auf den Zug auf, den meine Mutter dir bereitgestellt hat oder? Das hat sie auch bei Sandra gemacht. Ich liebe dich als Person!“ beschwor er. Tanja sah ihn an. „Deine Mutter sagte mir, dass Sandra reich war und dass du ihr ganzes Vermögen verspielt hast!“ erinnerte sie sich. Martin nickte. „Ja, ich war damals spielsüchtig und ja ich habe sehr viel verspielt. Aber ich habe ganz sicher nicht das ganze Geld verprasst! Meine Mutter ist auf jede eifersüchtig. Ich bin ihr einziger Sohn und am liebsten würde sie mich an sie binden und zwar für immer.“ erzählte Martin. Tanja nickte. „Also gut….vielleicht lässt sie sich ja besänftigen wenn sie weiß dass sie Oma wird.“ ließ sie von sich hören. „Ja, das hoffe ich sehr. Es täte mir sehr leid, wenn dieser Streit nicht bereinigt werden könnte. Ich liebe dich…nur dich.“ schwor er. „Und nun, lass uns unseren Hochzeitstag feiern und all diesen Ärger vergessen.“ hängte er an.


    Ben sah Semir an, der plötzlich freudestrahlend auf seinem Stuhl saß. „Und?“ wollte er wissen. „ich darf sie sehen! Sie kommen zu mir…am Wochenende..“ kam freudig von seinem Freund. „Andrea und die Kinder?“ hakte Ben nach. „Nein…die Kinder…Ayda hat eine 1 geschrieben und sie besteht auf die Erfüllung ihres Wunsches. Sie will das Wochenende bei mir sein.“ erklärte Semir. „Sie war nicht sauer auf dich?“ fragte Ben verwundert. „Wer? Andrea? Doch sie war stinksauer…“ stellte sein Freund sofort richtig. „Ja das habe ich gehört. Du bist echt zu diesem Robert gefahren?“ lachte Ben los. Semir zog die Schultern hoch. „Ich wollte einfach wissen was das für ein Kerl ist. Mehr nicht.“ behauptete er. „Ja sicher und?“ hakte Ben nach. „Er ist eingebildet. Tut als wäre er unantastbar und er hat mich rausgeworfen.“ fauchte Semir. „Ja, was denkst du denn was er tun würde? Dich mit offenen Armen empfangen? Ich hoffe nur, dass du dich zurück gehalten hast.“ mahnte Ben ihn. Semir sah ihn an. „Ich wollte nur wissen was Andrea an ihm findet und warum er mir meine Familie weg nimmt. Ich hätte ihm am liebsten die Fresse poliert!“ knurrte Semir. „Und was hat er dir gesagt?“ wollte Ben nun wissen. „Er meinte, dass es Andreas Entscheidung wäre und er mir nichts wegnehme.“ gab Semir zurück. Ben nickte nachdenklich. „Dann hoffe ich mal, dass er dich nicht wegen Hausfriedensbruch anzeigt. Oder tätlichen Angriff oder so..“ erklärte er. Semir sah ihn an. „Wird er nicht! Ich habe ihn ja kaum berührt und er hat Andrea ja scheinbar sofort danach angerufen. Woher sollte sie es sonst wissen. Aber wenigstens darf ich meine Kinder am Wochenende haben. Darauf freue ich mich riesig.“ meinte Semir nur. Er lehnte sich entspannt zurück. „Das freut mich für dich. Aber du solltest dich im Augenblick lieber von Robert fern halten.“ mahnte Ben ihn. „Ja, ja, keine Sorge..“ erwiderte sein Kollege. Ben sah ihn zweifelnd an. „Semir, ich kenne dich, also hör auf mich, sonst hast du noch ne Anzeige am Hals und was das heißt weißt du! Und da rede ich jetzt noch nicht mal von der Standpauke von Andrea.“ mahnte Ben ihn erneut. Semir nickte. „Du hast Recht…ich werde abwarten. Jetzt werde ich mich auf das Wochenende freuen und alles dafür tun, dass meine Mäuse sich bei mir wohlfühlen. Ich muss aufräumen!“ fiel Semir ein. „Ja das solltest du wirklich.“ grinste Ben. Semir sah ihn an. „Hilfst du mir?“ bat er seinen Freund. Ben nickte stumm.

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  • Semir und Ben fuhren zum Feierabend zu Semir um aufzuräumen. „Hey, weißt du was…?“ meinte Ben als sie endlich fertig waren. „Nein, was denn?“ kam von Semir. Er besah sich das Werk. Es glänzte zwar nicht alles so wie bei Andrea, aber es war annehmbar sauber. „Wie wäre es, wenn wir mal endlich diesen Fotoabend machen? Du zeigst mir die Fotos aus der Vergangenheit und erzählst was da passiert ist. Das wollten wir doch schon immer mal machen und haben es all die Jahre nicht geschafft. Jetzt hätten wir doch die Zeit.“ schlug Ben vor. „Ich will dich doch nicht langweilen…“ lächelte Semir. „Du langweilst mich nicht damit. Ich würde sehr gern mehr über deine Vergangenheit erfahren. Außerdem glaube ich kann es dir helfen, mir alles zu erzählen. Vor allem das, was du mir verheimlicht hast. Zum Beispiel wie deine Partner vor mir waren.“ grinste Ben. Semir musste lachen. „Also gut…über die Partner kann ich dir sicher alles erzählen.“ stimmte er nun zu. „Gut, dann werde ich uns ein bisschen Bier besorgen und noch was zu essen. Ich lade dich ein. Was möchtest du?“ fragte Ben nach. „Chinesisch!“ legte Semir fest. „Gut, chinesisch. Ich bestelle schon mal. Hol du die Fotoalben raus!“ forderte Ben ihn auf und griff zum Handy. Schnell war das Essen bestellt. Er setzte sich zu Semir auf die Couch und dieser nahm das erste Album. „Ich gucke!“ legte Ben fest und nahm es ihm weg. Dann öffnete er es. „Whow…wer ist denn die rassige Schönheit?“ grinste er und wies auf das Bild. „Das ist Andrea….als wir uns kennen gelernt haben. Es war echt klasse. Damals hatte ich mir das Ziel gesetzt, sie um alles in der Welt für mich zu bekommen…und jetzt….das Ziel hatte ich erreicht.“ gab Semir von sich. „Hey..sorry….war der falsche Anfang..“ entschuldigte Ben sich, der merkte das Semir wieder melancholisch wurde. „Gut…gehen wir weiter. Das ist wohl dein erster Partner was?“ meinte Ben weiter und wies auf ein Bild das Semir mit einem Mann zeigte. „Das ist Frank Stolte…wir haben uns damals erst überhaupt nicht gemocht. Ich wurde zur Autobahnpolizei, damals in Berlin versetzt und musste dort seinen toten Partner ersetzen. Es war nicht einfach, denn die Beiden waren Freunde gewesen“ erinnerte Semir sich. „Es ist immer schwer einen Partner zu verlieren, besonders wenn es auch ein Freund ist. Aber das kennst du ja…“ nickte Ben mitfühlend. „Ja…nach zwei Jahren ließ ich mich dann nach Köln versetzen. Nicht dass es mir dort nicht gefiel, aber ich wollte einfach etwas Anderes…“ ging es bei Semir weiter.


    Während Semir in seinen Erinnerungen schwelgte, saßen Martin und Tanja Gruber im Restaurant und aßen. Der Streit vom Vormittag war vergessen. Martin war zuvorkommend und liebevoll zu seiner Frau. „Wie wollen wir unseren Sohn nennen?“ fragte er plötzlich. Tanja sah ihn an. „Wieso Sohn? Wer sagt dir, dass ich einen Jungen bekomme?“ wollte sie lachend wissen. „Weil es mein Kind ist. Und ich wünsche mir einen Sohn.“ grinste er. Tanja sah ihn liebevoll an. „Und was wenn es ein Mädchen ist?“ wollte sie von ihm wissen. „Oh, das wäre übel…“ grinste er. „Warum?“ hakte sie nach. „Weil du dann noch ein zweites Kind zur Welt bringen müsstest. Oder drei oder vier….So lange bis ich auch einen Sohn habe.“ Legte er fest. Nun musste auch Tanja lachen. Sie wischte sich den Mund ab und nahm ihre Handtasche. „Bist du schon fertig?“ wollte er erstaunt wissen „Nein, der Nachtisch wartet noch. Ich muss nur schnell zur Toilette.“ lächelte sie und verschwand. Als sie gute fünf Minuten später wieder an den Tisch kam küsste sie ihn sanft. „Whow…womit habe ich das verdient?“ wollte er wissen. „Einfach nur so. Ich habe morgen übrigens einen Termin beim Frauenarzt. Und da wird er mir sagen können ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.“ verkündete sie. Martin sah sie an. „Wirklich?“ hakte er nach. Tanja lächelte. „Ja…ich bin im sechsten Monat und da kann man das Geschlecht erkennen. Und ich würde sagen, wenn es ein Junge ist dann heißt er Leon und wenn es ein Mädchen wird Leonie..“ legte sie fest. Martin sah sie an Leon Gruber….Leonie Gruber….das passt..“ stimmte er zu. „. Lass uns fahren ja…? Mir ist nicht so gut…“ bat sie ihn. Martin nickte und zahlte schnell. Dann half er Tanja in ihren Mantel und hielt ihr sogar auf dem Parkplatz die Autotür auf. Tanja lächelte und genoss die Zuneigung ihres Mannes sehr. Sie setzte sich auf den Beifahrersitz und Martin schloss die Tür. Dann ging er um den Wagen herum und setzte sich ans Steuer. Nur wenig später waren sie zuhause. Auch hier gab sich Martin ganz als Gentleman und versorgte seine Frau.

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  • Ben und Semir sahen sich weitere Bilder an. „Und das hier?“ wollte Ben wissen. „Ah das war mit Engelhardt noch. Tom und ich hatten damals einen großen Waffenhändler das Handwerk legen wollen und mussten dann selbst ins Gefängnis, weil einer von den Kollegen mit dem Händler gemeinsame Sache gemacht hatte und uns einen Mord anhängen wollte. Tom wurde im Gefängnis mit einem Messer attackiert und wir konnten mit Hilfe von unseren Freunden dann fliehen. Ohne Hotte, Dieter und Andrea hätten wir es nicht geschafft. Die haben sich wirklich einiges einfallen lassen.“ erzählte Semir weiter und schmunzelte bei den Erinnerungen an die waghalsige Flucht. Er hielt das Bild von Tom in der Hand und glitt mit dem Daumen darüber. „Ich vermisse ihn…“ sagte er leise. „Gerade in solchen Situationen wie jetzt. Meine Ehe ist am Ende. Ich verliere alles was mir lieb und teuer ist. Andrea und die Kinder waren mein ganzes Glück und ich glaube ich habe es einfach als zu selbstverständlich hingenommen. Warum habe ich es nicht gemerkt, Ben? Wieso konnte sie mir so etwas vorenthalten. Ich bin Bulle und ich hätte es merken müssen. Ich meine ich löse doch so auch schwere Fälle und die Verbrecher lügen mir manchmal auch die Hucke voll, dennoch finde ich es heraus.“ stöhnte Semir. „Ja, nur mit den Verbrechern liegst du ja auch nicht im Bett.“ lächelte Ben verständlich. Semir sah ihn an. „Ja da hast du natürlich Recht. Ich habe ihr blind vertraut. Wie konnte ich auch ahnen, dass es soweit kommt und sie sich in einen anderen Mann verliebt.“ stimmte er zu. Ben öffnete jedem eine Flasche Bier. „So … weiter geht es. Was ist mit diesem Typen, den kenne ich gar nicht.“ meinte er und tippte auf ein Foto. „Das ist Jan … Jan Richter. Er war gute zwei Jahre mein Partner. Er hatte sich in seinem letzten Fall bei uns in eine junge Frau verliebt. Als er dann feststellte, dass sie die Anführerin einer Gruppe von Bankräubern war wollte er sie verhaften und sie hat sich dann in den Tod gestürzt. Damit kam er einfach nicht klar und hat sich versetzen lassen. Was er heute macht weiß ich nicht. Der Kontakt ist abgebrochen.“ erzählte Semir. Ben sah ihn an und nickte. Er blätterte weiter. „Hey, Das ist wieder Tom Kranich, nicht wahr?“ wollte er wissen. Semir nickte. „Ja, Tom ist dann wieder gekommen und hat den Platz von Jan wieder eingenommen. Ich habe mich wirklich gefreut dass er wieder da war. Wir haben weiter gemacht wie früher. Sind auf Achse gewesen, haben was getrunken. Es war als wäre er nie weg gewesen. Bis zu dem verhängnisvollen Abend. Tom hatte sich gerade verliebt und hat sogar von Hochzeit gesprochen. Er hat uns aber seine Freundin verheimlicht und ich habe alles versucht ihm den Namen der Frau zu entlocken. Viel zu spät habe ich erfahren, dass es Petra unsere damalige Sekretärin war. Er starb in meinen Armen. Eiskalt erschossen von einem Menschenhändler…“ Semir stieß das Wort Menschenhändler extrem verachtend aus.


    „Und dann kam Chris Ritter?“ hakte Ben nach. Semir nickte. „Ja….und dann du…“ lächelte er. „Wie war die Zusammenarbeit mit Chris?“ wollte Ben wissen. „Nun ja, Chris war ein schwieriger Partner. Er war viele Jahre als Undercoverpolizist im Einsatz und dementsprechend konnte er sich schwer mit einem Partner zusammentun. Aber es hat geklappt. Wenn man sich auf ihn verlassen musste, dann war er auch da.“ lächelte Semir. „Aber er war nicht lange dein Partner oder?“ kam die nächste Frage. Semir stöhnte auf. „Nein….auch er war nur zwei Jahre bei uns. Du weißt ja wie er umkam. Nun ja, es ist nun mal nicht einfach.“ gab er zu. Ben nickte. Er packte die Alben zur Seite und schlug Semir auf die Schulter. „So genug für heute. Du wirst mir sonst noch zu depressiv. Es ist jetzt fast Mitternacht und morgen ist Mittwoch. Du hast noch zwei Tage bis deine Kinder kommen und darauf solltest du dich vorbereiten. Was willst du mit den Mädchen machen?“ fragte Ben. Semir zog die Schultern hoch. „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Zoo oder Freizeitpark…ich bin mir da noch nicht so schlüssig.“ gab er zu. „Nun dann lass uns doch erst in den Zoo gehen und dann in den Freizeitpark.“ bot Ben an. Semir stutzte. „Wir?“ hakte er nach. „Ja, ich sehe die Mädchen ja im Augenblick genauso selten wie du und ich bin Patenonkel von beiden. Also…ich zahle und wir haben Spaß.“ legte Ben fest. „Ja, gut….“ strahlte Semir. Dann gähnte er herzhaft. „Willst du nach Hause oder packst du dich ins Gästezimmer?“ fragte er. „Ich werde ganz sicher nicht mehr nach Hause fahren.“ grinste Ben. Semir nickte. „Gut dann ab ins Gästezimmer…“ meinte er nur. „Ja, dann Gute Nacht… lass uns schlafen gehen...“ gab Ben zurück. Die Männer räumten noch schnell den Tisch auf und verschwanden dann jeweils ins Schlafzimmer. Semir in das elterliche Schlafzimmer was er sich bis vor kurzem noch mit Andrea geteilt hatte und Ben in das kleine Gästezimmer. Eine halbe Stunde später war es still im Hause Gerkan.

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  • Die Tage vergingen und endlich war der Freitag da. Semir wartete nun vor der Tür von Andreas Eltern, dass seine Töchter raus kamen. „PAPA!!“ rief Ayda und rannte ihrem Vater direkt in die Arme. „Hallo Ayda,…mein Schatz…“ strahlte Semir und drückte seine Älteste an sich. Auch Lilly kam zu ihm gelaufen und schlang ihre kleinen Arme um seinen Hals. Sie strahlte über das ganze Gesicht, endlich sah sie ihren Papa wieder. Auch wenn die Trennung noch nicht einmal zwei Wochen her war. „Ich hab dich lieb!“ sagte die Kleine und Semir küsste sie sanft. „Ich dich auch…mein Engel…“ Er sah auf und Andrea stand vor ihm. „Hallo…“ sagte er leise. „Hallo Semir. Ich habe den Kindern hier ein paar Sachen eingepackt. Ich werde sie am Sonntag gegen 12 wieder abholen, wenn es dir Recht ist.“ legte sie fest. „Ja, das ist in Ordnung. Ich habe ab 17 Uhr Dienst.“ nickte Semir. Ayda und Emilie wurden auf der Rückbank auf die Kindersitze geschnallt und Semir setzte sich ans Steuer. Die Kinder winkten ihrer Mutter zu und die Fahrt ging los. Im Haus nahmen die Kinder direkt ihre Zimmer wieder in Beschlag. „Was wollen wir denn essen?“ fragte Semir nachdem sie wieder zu Hause waren. „Ich weiß nicht…Pizza?“ schlug Ayda vor. Semir grinste leicht. „Traust du mir zu, die selbst zu machen?“ wollte er von dem Mädchen wissen. Ayda lachte auf und nickte. „Gut, aber wir warten auf Ben, der kommt nämlich auch gleich.“ verkündete Semir. Die Mädchen schrien auf. „Das ist ja klasse!! Dann können wir zu viert was spielen!“ schlug Ayda vor. Semir lächelte leicht. Es war schön, dass die Mädchen da waren. „PAPA! Wo ist denn mein Kissen?“ rief Lilly von oben. „In meinem Schlafzimmer!“ gab Semir zurück. Ayda sah ihren Vater an. „Papa…darf ich dich was fragen?“ wollte sie wissen. Semir nickte. „Ja sicher…du darfst mich alles fragen.“ Sagte er. „Warum ist Mama mit uns nicht mehr hier?“ fragte sie. „Ayda… es gibt immer wieder Situationen wo sich auch die Erwachsenen nicht mehr verstehen. Ich meine du und deine Freundin sind manchmal doch auch verkracht und…das ist bei Mama und mir genauso. Es gibt halt Tage wo wir uns nicht verstehen.“ versuchte Semir etwas umständlich zu erklären. Ayda nickte leicht. „Ich mag Robert nicht…“ gab die Kleine von sich. Semir horchte auf. „Warum denn nicht?“ wollte er sofort wissen. „Ich weiß nicht…er ist so komisch…“ erklärte Ayda. Semir horchte auf. „Hat er dich angefasst? Oder Lilly? Was macht er denn?“ versuchte er heraus zu finden. „Er will, das wir immer grade am Tisch sitzen, ich darf nichts beim Essen trinken und reden ist auch verboten.“ zählte Ayda auf.


    Ben traf gegen zwölf bei den Gerkans ein und wurde stürmisch von den Mädchen begrüßt. „Hey….ihr beiden Süßen…“ lachte er und holte für jedes der Kinder ein Paket aus dem Auto. Neugierig wurde es geöffnet und ein Jubel ging durch das Wohnzimmer. Semir sah von der Couch aus zu. „Du sollst ihnen doch nicht so viel schenken.“ tadelte er seinen Freund und Kollegen. „Das ist doch nicht viel.“ lachte Ben. „ich habe übrigens im Internet geschaut. Der Freizeitpark ist geschlossen. Winterpause… und ganz ehrlich für den Zoo bin ich nicht wirklich so gewappnet. Was hältst du von Kino und essen gehen?“ schlug Ben vor. Semir zog die Schultern hoch. „Welchen Film denn? Ich meine er muss ja schon für Ayda und Lilly gleich geeignet sein.“ Wollte er wissen. „Nun im Cinedome läuft gerade Ice Ace IV. Du weißt schon diese Filme aus der Eiszeit….ist ganz lustig und passend für die Beiden.“ erklärte Ben. Semir nickte entschlossen. „Also gut und danach werden wir uns dann bei Mc Donalds den Bauch vollschlagen.“ stimmte er zu. „Okay Mädels! Was haltet ihr von „Ice Ace IV“?“ rief Ben ins Wohnzimmer und lenkte so die Aufmerksamkeit der Mädchen auf sich. „AU JAAAAA!“ schrie Ayda und fiel ihrem Patenonkel um den Hals. „Ja, Ja….“ kam von Lilly. „Mein Ben!“ fauchte sie ihre große Schwester an und zog sie von Ben weg um sich selbst an ihren Patenonkel zu kuscheln. „Nein, das ist mein Ben!“ stellte Ayda richtig. „Hey…ihr könnt beide auf meinen Schoß.“ lachte Ben und zog beide Mädchen an sich. Semir sah ihn an. „Du wirst mehr geliebt als ich..“ beklagte er sich. Dabei legte er einen traurigen Unterton in die Stimme. Ayda sah ihn an. „Hey, Papa…nicht traurig sein…Ich hab dich auch lieb.“ kam sehr glaubhaft von seiner großen Tochter. Sie löste sich von Ben und setzte sich auf den Schoß ihres Vaters. Dieser strich ihr über den Kopf. „ich hab dich ganz doll lieb Papa…“ meinte Ayda und küsste ihren Papa auf die Wange. „ich hab dich auch lieb.“

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  • Andrea sah dem Wagen ihres Noch-Ehemannes nach. Als dieser um die Ecke war kam ein blonder Mann aus dem Haus und umarmte sie von hinten. „Sind sie weg?“ wollte er wissen. „Ja….bis Sonntag dann hole ich sie wieder ab.“ nickte Andrea. „Dann lass uns die Zeit ohne die Kinder genießen.“ bot Robert an. Andrea lachte leicht. „Und wie soll das bitte gehen?“ hakte sie nach. Robert sah sie von oben bis unten an. „Ich wüsste da so einiges, was ich mit dir anstellen könnte. Deine Eltern sind weg, die Kinder sind bei deinem Mann. Warum machen wir uns nicht ein paar schöne Stunden?“ wollte er wissen. Er küsste Andrea im Nacken. Sie löste sich sanft von ihm. „Robert bitte…noch bin ich nicht so weit.“ lehnte sie die Zärtlichkeiten ab. Robert stöhnte auf. „Wann bist du denn bereit dafür? Du hast dich doch schon von ihm getrennt. Warum zierst du dich so? Die Kinder sind auch nicht da. Lass uns was essen gehen und dann werden wir uns einen wunderschönen Abend machen.“ versprach er säuselnd. Andrea nickte. „das hört sich wirklich gut an.“ gab sie zu. Er küsste sie sanft. „Dann zieh dich schön an und wir fahren los.“ munterte er sie auf. Andrea nickte. Sie gingen ins Haus ihrer Eltern zurück. Dort hatte sie die kleine Souterrain-Wohnung mit drei Zimmern bezogen. Es war groß genug für sie und die Kinder und wenn die Scheidung von Semir durch war konnte sie mit den Kindern zu Robert ziehen. Sie hätte nie gedacht, dass sie sich nochmal in einen anderen Mann verlieben konnte, doch es ist passiert. Robert ist so liebevoll und er schenkt ihr und den Kindern so viel Aufmerksamkeit, bei ihm fühlte sie sich sicher und geborgen. Ein ruhiges Familienleben ohne die Angst in Gefahr zu geraten. Doch tat sie wirklich das Richtige? Sie liebte Semir immer noch. „Bist du fertig?“ riss die Stimme von Robert sie aus ihren Gedanken. „ja…gleich…“ lächelte sie fahrig. „Was ist denn? Alles in Ordnung?“ hakte Robert sofort nach. Andrea nickte. Sie sah ihn an. Robert war so anders als Semir. Er war ruhig, gelassen und er hatte einen ungefährlichen Job. Bei ihm brauchte sie keine Angst haben, dass er nicht mehr nach Hause kam. Das war wichtig für sie. Sehr wichtig. Ein ruhiges Leben. Nie wieder Schutzhaft, nie wieder die Angst, dass gleich die Kollegen des Mannes vor der Tür standen und ihr mitteilten, dass er wieder einmal im Krankenhaus lag oder aber das er tot war. „Was ist denn jetzt?“ forderte Robert sie auf. „Ja ich bin fertig..“ lächelte sie ihn an. Es wurde für Andrea ein sehr schöner Abend mit ihrer neuen Liebe.


    Der nächste Morgen kam und Ben machte gemeinsam mit Semir Frühstück für die beiden Mädchen, die noch schliefen. Erst gegen zehn kamen Lilly und Ayda ebenfalls aus dem Bett. „Whow….das ihr so lange schlafen könnt.“ wunderte Semir sich. Ayda sah ihn an. „Ich habe nicht mehr geschlafen. Ich bin schon ne Stunde wach, aber ich darf nicht vor neun Uhr aus meinem Zimmer am Wochenende.“ erklärte sie. Semir sah Ben an. „Warum denn nicht?“ wollte der junge Hauptkommissar wissen. „Weil Mama und Robert dann noch schlafen und Robert ist ganz schön blöd wenn wir früh aufstehen.“ kam traurig von Ayda. „Aber Robert wohnt doch nicht bei euch oder?“ hakte Semir nach. Er hatte ein ganz mulmiges Gefühl. „Nein, aber er schläft sehr oft bei Mama.“ bestätigte Ayda. „Und was verbietet Robert euch noch?“ wollte Semir herausfinden, doch nun unterbrach Ben dieses sanfte Verhör, denn er wusste worauf sein Freund hinaus wollte. „Wir frühstücken jetzt in aller Ruhe und dann fahren wir in die Stadt. Ihr beide dürft euch Etwas aussuchen und danach fahren wir zum Kino und dann geht es zum essen.“ legte er fest. „AU ja!! Aber wie viel ist Etwas?“ wollte Ayda wissen. Ben lachte leicht. „1 Teil mein Schatz“ gab er von sich. Er sah Semir an. „Darf ich dich mal kurz draußen sprechen?“ bat er seinen Freund. „Ja sicher…“ meinte Semir verwundert. Auf der Terrasse sah Ben ihn ernst an. „Semir, du kannst doch die Kinder nicht derart ausfragen. Weißt du was du damit anrichten kannst?“ fauchte Ben ihn an. „Ich wollte doch nur wissen, was der Kerl mit ihnen macht. Ich bin meinen Kindern das schuldig. Nachher vergreift er sich noch an den Kindern. Andrea ist doch völlig blind vor Liebe und würde es nicht einmal merken!“ gab Semir gepresst von sich. Ben sah ihn ernst an. „Wenn du die Kinder da mit reinziehst, dann machst du sie kaputt. Sollen sie sich später noch entscheiden wo sie lieber sind? Bei dir oder bei Andrea?“ hakte Ben nach. Semir sah kurz zu den Mädchen die ihr Brötchen aßen und Kakao tranken. Dann senkte er den Kopf. „Du hast ja Recht. Aber ich muss einfach wissen was der Kerl macht. Ich traue diesem Typen nicht.“ legte Semir fest. „Semir, ich bin dein Freund, aber mach das mit Andrea aus und halt die Kinder da raus. Ich bin ihr Patenonkel und ich werde jeden Schaden von ihnen abwenden. Notfalls auch gegen dich!“ warnte Ben seinen Freund.

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  • Andrea wachte auf und kuschelte sich an Robert. Dieser schlief noch tief und fest. Andrea schloss die Augen und sah Semir vor sich. Er weinte und sah sie flehentlich an. Dieser Hundeblick hatte sie immer wieder rum bekommen, seine Wünsche zu erfüllen. Sie hatte immer nur seine Wünsche erfüllt. Ihr eigenes Leben hatte sie zurück gestellt. Was hatte er für einen Stress gemacht als sie nach Aydas Geburt wieder arbeiten ging. Soziale Projekte. Sie war in einem Kinderheim tätig und versuchte den dortigen Kindern etwas Wärme zu geben. Viele der Kinder vertrauten sich ihr an und so kamen viele grausame Geschichten zu Tage. Wie oft musste Andrea mit den Kindern weinen wenn diese erzählten wie böse die Eltern waren, wenn es sexuelle Übergriffe der Väter und auch der Mütter gab? Sie atmete tief ein. Irgendwann wurde es ihr zu viel und sie machte eine kleine Auszeit, doch dann kam das Resozialisierungsheim auf sie zu. Sie sollte eine Betreuerin von straffällig gewordenen Jugendlichen werden. Andrea dachte wirklich, sie könnte diese jungen Erwachsenen bekehren. Bei vielen gelang es sogar, bis sich herausstellte, dass der Leiter selbst Dreck am Stecken hatte und die Jugendlichen zu manchen Straftaten nutzte. Und dann kam wieder ein Kindergarten, den sie selbst leitete. Sie veranstaltete viele soziale Projekte und versuchte einige Prominenz dazu zu bewegen sie bei den Wunschträumen der Kinder zu unterstützen. Leider waren diese Prominente zum größten Teil geizig und interessierten sich nicht für das, was sie machte. Natürlich gab es auch einige Ausnahmen, aber die meisten Spenden kamen von nicht so reichen Bürgern. „Woran denkst du gerade?“ riss Roberts sanfte Stimme sie aus ihren Gedanken. „An nichts…“gurrte sie. „Denkst du an Semir und die Kinder?“ wollte er nun wissen. „Ich war lange mit ihm zusammen. Er ist halt noch immer da…“ lächelte Andrea verlegen. „Ja, aber ich hoffe sehr, dass er nicht zwischen uns steht. Ich kann dir doch ein besseres Leben bieten, als er.“ meinte Robert. Andrea hob ihren Kopf und sah ihn an. „Es geht mir nicht ums Geld…“ fauchte sie ihn an. „Das meine ich doch auch gar nicht, mein Engel. Ich meinte, ich werde dich oder die Kinder nicht vernachlässigen oder in Gefahr bringen. Ich will euch doch nur glücklich machen. Ayda und Lilly sind wie eigene Kinder für mich und ich liebe dich. Ihr bedeutet mir sehr viel und ich werde euch beschützen.“ versprach Robert und küsste sie. Andrea ließ sich besänftigen. Aber trotzdem nagten an ihr Zweifel. Vielleicht war es doch noch zu früh für eine neue Beziehung.


    „PAPA!! Da ist Kirmes!!“ schrie Ayda von hinten. Ben sah sich um. „Ah stimmt ja! Heute ist doch hier so ein kleines Fest. Da können wir nachher mit den Kindern auch hin. Aber dann lassen wir den Zoo aus.“ gab er zu verstehen. Semir nickte und konzentrierte sich auf den Verkehr. „ Wollt ihr auch auf das Riesenrad?“ wandte er sich an seine Mädchen. „JAAAA!“ kam es von Beiden gleichzeitig. Semir sah Ben kurz an. „Na dann…das wird spaßig…“ lachte er. Sie fuhren auf den Parkplatz von Toy’Rs. „So hier dürft ihr euch etwas aussuchen.“ legte Ben fest. Ayda und Emilie sahen sich an und tuschelten miteinander. „Das scheint ja eine verdammt wichtige Konferenz zu sein.“ grinste Ben Semir an. „Ben, du musst das nicht machen, das weißt du doch oder?“ hakte Semir nach. „Ja, aber ich tue es gern. Es sind meine Patenkinder und ich lasse mir da auch keine Vorschriften machen.“ beschloss Ben. Semir lächelte leicht. Ayda und Emilie schlugen im Kaufhaus zu und nur eine Stunde später saßen die vier mit Popcorn und Getränk bewaffnet im Kino. Nach der Vorstellung fuhren sie zu Mc Donalds und schlugen sich die Bäuche voll. „So und jetzt geht es auf die Kirmes!“ befahl er. Sofort sprangen die Mädchen auf und drängten darauf loszufahren. Jetzt ging es nach Deutz wo die Kirmes stand. Auf der Brücke war wie immer Stau und so mussten sich die Mädchen gedulden. Nach einer guten halben Stunde auf der Brücke hieß es dann Parkplatz suchen. Dann endlich waren sie bereit für die Karussells und Riesenräder, Schießbuden und Scooterbahn. Ben fuhr mit Emilie und Semir mit Ayda. Gemeinsam machten sie die Scooterbahn unsicher und rammten sich immer wieder. Ayda und Emilie hatten riesigen Spaß und nach vier Stunden war es dann vorbei. Emilie wurde müde und auch Ayda war ziemlich fertig. Emilie schlief auf Bens Arm ein, als er sie zum Auto trug. „Das war ein klasse Tag!!“ strahlte Ayda als sie von Semir angeschnallt wurde. „Schön wenn es gefallen hat.“ nickte Semir. Er sah Ben an, der Emilie festschnallte. Das Mädchen wurde nicht einmal wach bei der Prozedur. So fuhren sie wieder zu Semir nach Hause und dieser bemerkte doch wie schnell ein Wochenende zu Ende war. Morgen würden seine Mädchen wieder abgeholt und er musste 14 Tage warten bis er sie wiedersah.

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  • Martin hielt Tanjas Hand. „Sie standen nun vor der Haustür seiner Eltern und Tanja hatte große Angst vor der Schwiegermutter. Elfriede Gruber war eine harte Frau und Martin wusste dass die Worte seiner Mutter sehr verletzend sein können und dennoch hoffte er, dass seine Eltern die Nachricht, dass sie Großeltern wurden, aufgeschlossener zu Tanja sein würde. Sein Vater machte dabei keine Anstalten, denn dieser mochte Tanja sehr. Nur wenig später saßen sie bei den Eltern am Tisch. Martin hatte gerade erörtert dass sie Großeltern wurden. Doch entgegen seiner Erwartungen sah Elfriede ihn und Tanja missachtend an. „Das ist nicht zu übersehen. Bist du dir sicher, dass das Kind von dir ist?“ fragte die 69jährige abfällig. „Ja, und Mama...du solltest dich daran gewöhnen, dass sie meine Frau fürs Leben ist. Ich liebe sie und ich will mit ihr zusammen sein. Wenn es dir nicht gefällt, dann sag es deutlich!“ forderte er seine Mutter auf. Tanja sah betreten zu Boden. Es war wie immer, wenn sie auf diese Frau traf. Sie wurde gemein zu ihr und machte Martin Vorwürfe. „Mein Junge, ich bin doch nicht dagegen, dass du glücklich bist, aber doch nicht mit dieser Person. Du wärst auch nie mit Sandra glücklich gewesen. Du sollst dir eine Frau suchen, die gebildet ist und sonst nichts!“ mahnte Elfriede. Martin lachte auf. „Ich liebe aber Tanja!“ erklärte er. „Martin lass…sie mag mich nicht und das kommt sehr deutlich rüber.“ sagte Tanja traurig. „Nein, das ist nicht okay. Sie hat dich zu akzeptieren. Du bist ihre Schwiegertochter und du trägst mein Kind unter deinem Herz. Ich liebe dich, du bist meine Frau und das soll sie endlich akzeptieren!“ fauchte Martin. Elfriede sah ihn an. „Du kannst doch nicht? Du hast…du hast sie geheiratet?“ fragte sie erstaunt. „Ja, vor einem guten halben Jahr!“ nickte Martin. „Warum hast du uns das denn nicht gesagt?“ wollte Elfriede wissen. Ihre Hand ging zum Herzen und Tanja ging auf sie zu, weil Elfriede schwankte. „Geht es Ihnen nicht gut?“ wollte sie wissen. „Lass mich! Mein Herz…Martin du kannst mir das doch nicht antun..“ stammelte Elfriede und machte sich mit einer harschen Bewegung frei. Tanja war erstaunt. Denn plötzlich schien es der alten Frau doch wieder gut zu gehen. Martin lachte auf. „Spielst du mir wieder ein Schwächeanfall vor? So wie du es immer machst wenn es nicht nach deinem Kopf geht?“ fragte er wütend. „Nun lass deine Mutter in Ruhe und komm ins Wohnzimmer. Oder willst du deinen alten Herrn nicht begrüßen?“ rief sein Vater nun aus dem Wohnzimmer. Tanja und Martin betraten den großen Raum. Der 75jährige Wilfried saß in seinem Rollstuhl und sah die Beiden an. „Whow…eine wunderschöne Braut…“ strahlte der alte Mann. Tanja wurde rot. Mit Wilfried kam sie besser zu Recht als mit der Mutter. Tanja lächelte verlegen und kam dann zu ihm. Sie wollte ihm die Hand reichen, doch damit war Wilfried nicht zufrieden. Er zog sie an sich und drückte sie fest. „Willkommen in meiner Familie.“ begrüßte er sie. „danke…“ hauchte sie verlegen.


    Für Semir hieß der Sonntag auch wieder Abschied von seinen Töchtern zu nehmen. Emilie weinte ein wenig als Semir sie in Andreas Auto setzte. „Nicht weinen Lilly, ihr kommt mich doch bald wieder besuchen.“ versuchte er seine Tochter zu trösten und kämpfte dabei selber mit den Tränen, während Ayda ziemlich gefasst war. „Ich hab dich lieb, Papa…bis bald und dann gehen wir wieder ins Kino.“ versprach sie. „Klar machen wir das. Pass auf deine Schwester auf, ja?“ bat er. Ayda nickte. Sie umarmte ihren Vater und stieg nur wenig später in den Wagen. Andrea sah Semir an. „Ist alles gut gelaufen?“ wollte sie wissen. „Ja. Alles bestens. Die Geschenke sind von Ben“ erklärte er. Andrea lächelte. „Ben ist bei dir?“ hakte sie nach. „Ja, er ist drin.“ nickte Semir. Andrea ging ins Haus. „Hallo Ben…“ begrüßte sie den jungen Kollegen ihres Mannes. „Andrea, schön dich zu sehen.“ gab dieser zu. „Ben…ich weiß das du die Kinder sehr gern hast, aber bitte…diese ganzen Geschenke… das muss doch nicht sein. Ich habe ja schon so viel Spielzeug, dass ich selbst einen Laden aufmachen kann.“ lächelte sie. Ben sah sie an. „Andrea, ich mache den Mädchen gern Geschenke und ich denke ich werde es auch weiterhin machen. Sie sind meine Patenkinder.“ „Wie geht es Semir?“ wollte sie von ihm wissen. „Naja nicht gut. Er leidet sehr unter der Trennung. Andrea, willst du dich wirklich scheiden lassen? Hast du dir das gut überlegt? Semir liebt dich wirklich.“ Andrea stöhnte leise auf. „Ich weiß, dass er es nicht leicht hat. Aber für mich ist es auch nicht einfach. Ich weiß nicht wie es weiter geht.“ gab sie zu. „Bist du mit diesem Robert zusammen?“ wollte Ben wissen. Andrea sah ihn an. „Ben, ich möchte darüber nicht reden.“ legte sie fest. Ben hob die Hände. „Okay…sorry…ich wollte nicht zu persönlich werden.“ wiegelte er sofort ab. Andrea sah auf die Uhr. „So, ich muss los…“ verabschiedete sie sich von ihm. Sie drückte ihn an sich und Ben versah sie noch schnell mit einem Küsschen auf die Wange. „Machs Gut Andrea…“ sagte er nur. Sie ging wieder zu Semir und verabschiedete sich auch von ihm.

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  • Nur wenig später waren Semir und Ben auf dem Weg zur PAST. „Und?“ wollte Ben wissen. „Tja…sie ist kühl….sehr kühl.“ gab Semir zurück. „Okay….und was denkst du?“ fragte Ben weiter. Semir zog die Schultern hoch. „Ich weiß nicht…in wenigen Wochen ist Weihnachten und davor habe ich Angst. Andrea wird sicher auch etwas mit den Kindern unternehmen wollen. Und dabei werde ich sicher nicht eingeladen sein.“ stöhnte er leise. Ben lächelte. „Hey, du hast immer noch mich. Ich werde dich sicher nicht allein lassen.“ versprach er. Semir sah ihn nur an, doch der Blick sagte mehr als tausend Worte. „Hey…okay entschuldige. War ein dummer Spruch.“ gab Ben nun leise von sich. „Schon gut…ich werde mich wohl damit abfinden müssen. Vielleicht kommen die Kinder ja dann am 1. oder 2. Weihnachtstag zu mir. Ich kann ja am Heilig Abend Dienst schieben…das lenkt ab.“ schlug Semir vor. Ben sagte nichts. Der Rest der Fahrt verlief schweigend. Ben lenkte seinen Wagen auf den Parkplatz und stellte diesen ab. Gemeinsam mit Semir ging er ins Büro. Susanne sah auf. „Hallo…“ lächelte sie den Beiden entgegen. „Hallo Susanne…gibt es etwas für uns?“ fragte Semir tonlos. „Nein, es ist ruhig. Alles okay bei dir?“ stellte sie die Gegenfrage, doch Semir sah sie nur an. Er ging ins Büro und schloss die Tür. Susanne wandte sich Ben zu. „Ihm geht es nicht gerade gut.“ bemerkte sie „Ja, ich weiß…Andrea hat die Kinder gerade abgeholt und sie war nicht gerade sehr rücksichtsvoll mit ihm. Zu mir war sie lieb und nett wie immer aber ihm gegenüber war sie kühl, fast eisig. Ich weiß nicht wie ich ihm helfen kann.“ gab Ben zu. „Du kannst ihm dabei nicht helfen. Es ist allein eine Sache zwischen ihm und Andrea. Ben, ich habe auch versucht mit Andrea zu reden, aber du kennst sie doch. Sie ist sehr eigenwillig.“ erklärte Susanne. Ben nickte. „Ja und er ist es auch. Da tun sich die Beiden nicht sehr viel. Es ist einfach nur schwer, zuzusehen wie eine Ehe zerbricht. Ich dachte wirklich dass die Beiden für immer zusammenbleiben. Es war doch eine Bilderbuchehe. Sie war glücklich und er auch. Sie haben ein Haus, bildhübsche Kinder. Wie kann das kaputt gehen?“ Ben sah die Sekretärin an. „Ich weiß es nicht. Ich dachte auch, dass sie eine glückliche Ehe führen. Andrea hat sich zwar öfter bei mir beklagt, dass sie sich vernachlässigt fühlt, aber dass es so schlimm ist…?“ gab sie von sich. Ben nickte. Er seufzte und ging zu Semir ins Büro.


    Semir setzte sich an seinen Schreibtisch und startete den Computer. Er sah Ben an, als dieser zu ihm kam. „Weißt du was? Manchmal denke ich, dass es besser wäre, wenn Andrea und ich uns einfach scheiden lassen. Ich meine, dann wäre alles vorbei und ich muss mir keine Hoffnung mehr machen, denn die Ehe ist kaputt. Sie will nicht mehr. Ich habe sie und die Kinder verloren.“ gab der Deutschtürke von sich. Ben setzte sich. „Warte doch noch ab. Ich meine noch ist doch gar nichts entschieden. Andrea braucht nur Zeit, lass sie ihr.“ bat Ben. „Wie lange soll ich warten? Andrea hatte Recht. Ich bin kein guter Vater und auch kein guter Ehemann. Ich habe die ganze Zeit nur an mich gedacht. Mehr kann nicht schief gehen. Ich habe sie doch quasi in die Arme von diesem Robert getrieben.“ ging es bei Semir weiter. Ben stand auf. „Los…wir fahren unsere Streife.“ forderte er seinen Freund auf. Semir nickte. Er stand auf und ging ohne jeden Elan hinter Ben her. Nur wenig später waren sie auf der A4 unterwegs. Die Fahrt verlief schweigend denn Semir hing seinen Gedanken nach. Wieder sah er Andrea, wie sie ihm sagte, dass sie sich verliebt habe. Diese Worte taten ihm weh. Sie trafen nicht nur sein Herz, sondern auch seine Seele. „Semir!“ hörte er Ben. „Was?“ fragte er verwirrt und sah seinen Partner an. „Ich will wissen ob du schon gegessen hast!“ kam von Ben. Semir schüttelte den Kopf. „Nein….also seit dem Frühstück nicht mehr. Ich habe auch keinen Hunger.“ gab er zu. „Dennoch lade ich dich zu einer Currywurst mit Pommes ein!“ legte Ben fest. Semir sah ihn schief an und lächelte dann. Ben …. Sein Partner. Was war er doch unfair zu ihm gewesen, als Andrea von ihrem Freund eine SMS erhielt, die er zufällig gesehen hatte. Ben wusste dass Andrea eine Affäre hatte und sagte nichts. Heute konnte er es verstehen. Ben saß zwischen den Stühlen. Er war ja nicht nur mit ihm, Semir, befreundet sondern auch mit Andrea. Auch wenn Semir sich dafür entschuldigt hatte, so war es immer noch präsent. Auch das tat weh, dennoch hielt Ben zu ihm. Ja, er war sogar eine großartige Stütze. „Also gut…wo?“ gab er nun nach. „Am Rastplatz Nievenheim. Dort schmeckt es sehr gut und ist günstig.“ grinste Ben. Er fuhr auf den Rastplatz an dem sehr viel los war. Sie ahnten nicht was sie dort erwartete.

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  • hier kommt das gewünschte Abendessen :


    Auch Martin und Tanja waren auf dem Heimweg und hielten am gleichen Rastplatz an wie die Helden. Tanja hatte ein dringendes Bedürfnis zu erledigen und nervte Martin schon seit Kilometern. „Geht es wieder?“ wollte er wissen. Tanja war blass und atmete stoßweise. „Ja….geht schon…ich muss mich übergeben…“ stöhnte sie. „Wir sind gleich an der Toilette. Versuch dich zu konzentrieren.“ bat er sie besorgt. „Dann machen wir dort ne Pause. Und wenn du willst bringe ich dann ins Krankenhaus. Vielleicht stimmt etwas mit dem Kind nicht.“ schlug er vor. Tanja nickte. Aber sie war froh, wenn sie nur für ein paar Minuten aus dem Auto kam. Vor Martin fuhr ein Mercedes auf die Spur und er bremste vorsichtshalber ab um dem Wagen die Möglichkeit zu geben, sich einzureihen. Zufälliger Weise fuhr der Mercedes in die gleiche Parkreihe wie er und so hielten sie nicht weit entfernt von einander. Zwei Männer stiegen aus dem Mercedes und auch Martin machte sich bereit den Wagen zu verlassen. Tanja stieg aus und rannte regelrecht in Richtung Toiletten. Martin wollte auf sie warten und dann gemeinsam mit ihr ins Restaurant gehen. Wieder sah er zu den Männern aus dem Mercedes. Warum diese seine Aufmerksamkeit erregten, konnte er nicht erklären. Irgendwie ging eine Bedrohung von denen aus. Eine Bedrohung für ihn. Und dann sah er die Waffen an ihren Gürteln. Das waren Polizisten. Martin beobachtete die Männer. Warum konnte er nicht einmal beantworten. Irgendetwas fesselte ihn. Tanja, beeile dich!, mahnte er in Gedanken als er seine Frau sah. Doch gerade als sie wieder aus dem Häuschen kam fielen Schüsse. Die Kugel sirrte an ihn vorbei und kam eindeutig aus Richtung Restaurant. Die Männer aus dem Mercedes gingen sofort in Deckung und zogen ihre Waffen. „RUNTER!!“ schrie der Kleinere und Martin duckte sich. Er sah zu seiner Frau und wollte ihr zuschreien, dass sie in Deckung gehen soll, als sie zusammenzuckte und dann mit einem verwunderten Ausdruck zu Boden ging. Martin sah den roten Fleck auf ihrem Bauch, der sich immer weiter ausbreitete. „TANJA!!“ schrie er verzweifelt und wollte zu ihr, doch noch immer fielen Schüsse. Er kroch über den Boden zu seiner Frau und zog sie nur wenig später in den Schutz der Toilette. „Tanja….meine Tanja…“ sagte er mit tränenerstickter Stimme. Sie sah ihn an. „Unser Baby…“ stöhnte sie leise und verlor das Bewusstsein.


    Benn stelle den Wagen ab und sie stiegen aus. Semir blickte zum Eingang der Raststätte und er konnte nicht glauben, was er da sah. „Das gibt es doch nicht.“ Zwei bewaffnete Kerle mit schwarzen Motorradmasken kamen aus der Raststätte. „BEN!!“ schrie er und zog seine Waffe. Sein Partner hatte die Situation in Sekundenschnelle erfasst und zog ebenfalls seine Waffe. „POLIZEI!! Lassen Sie sofort die Waffen fallen!“ rief Semir den Männern zu, aber als Antwort bekam er nur eine Kugel, die dicht neben ihn das Heckfenster durchschlug. Sofortging er mit Ben in Deckung. Die Kugeln flogen umher und er nahm auch den weißen Toyota wahr, der nicht weit von ihm stand. Der Fahrer stand neben den Wagen wie erstarrt. „RUNTER!“ schrie er ihn an und registrierte wie der Mann die Aufforderung befolgte. Er wandte sich wieder den Gegnern zu, die hinter den Stahlsäulen der Raststätte Schutz suchten. Semir kam leicht aus seiner Deckung, zielte und drückt ab. Auch Ben eröffnete das Feuer. Semir schoss erneut und traf einen der Männer, die jetzt ihre Deckung verlassen hatten, um zu ihrem Wagen zu fliehen, in den Oberschenkel. Mit einem Aufschrei ging der Mann zu Boden und umklammerte sein verletztes Bein. Den Anderen brachte Ben ebenfalls mit einem Schuss ins Bein zu Fall. Die beiden Hauptkommissare rannten, die Pistole im Anschlag, zu den am Boden liegenden Männern. Ben kickte die Waffen, die die Maskierten fallen gelassen hatten außer Reichweite und zusammen mit Semir drehten sie die Kerle grob auf dem Bauch um ihnen die Handschellen anzulegen. „So Freundchen..“ sagte Semir und zog seinen Gefangenen die Maske vom Kopf. Er war erstaunt, wie jung der Mann noch war. Höchstens 18 Jahre. In diesem Moment kam mit Blaulicht und Sirene ein Streifenwagen angefahren und hielt vor der Raststätte. Zwei Kollegen von Ben und Semir stiegen aus und kamen im Laufschritt auf sie zu. Plötzlich hörten sie einen Mann schreien. „HILFE!! So helft mir doch!!“ Die Stimme kam aus den nahegelegenen Toilettenhäuschen und Semir rannte los. „Übernehmt ihr mal die Beiden!“ rief Ben seinen Kollegen zu und folgte Semir.

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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Als Semir näher kam, sah er dass der Mann eine junge Frau in den Armen hielt. Die Frau hatte eine stark blutende Wunde am Bauch. „Oh mein Gott…!“ stieß Semir aus. „BEN, schnell hof den Nothilfekoffer aus dem Auto!“ befahl er und zückte sein Handy. „Wir brauchen sofort einen RTW am Rastplatz Nievenheim! Drei verletzte Personen mit Schusswunden, eine Person schwer verletzt. Schwangere Frau mit Schusswunde im Bauch!“ gab er durch. Ben kam mit dem Erste-Hilfe-Koffer und übergab ihn Semir. „ Ich bin Semir Gerkan von der Autobahnpolizei.“ stellte er sich kurz vor während er den Sanikasten öffnete und die Päckchen mit den Kompressen aufriss. Er drückte das Verbandszeug auf die Wunde und sah den Mann an. „Sind Sie in Ordnung?“ wollte er wissen. „Ja, aber meine Frau…unser Baby…!“ weinte der Mann. Semir nickte. Das hatte er längst registriert. „Das wird schon…BEN! RUF DIE RETTUNG!“ schrie Semir seinem Kollegen zu und dieser folgte dem Befehl umgehend. Jetzt kam auch die Frau wieder zu Bewusstsein und stöhnte laut. Sie wollte sich aufrichten. „Bleiben Sie ganz ruhig liegen. Die Rettung kommt gleich. Ganz ruhig…“mahnte Semir und drückte sie wieder auf den Boden. „Mein Baby…Mein Baby…“ weinte die Frau. Semir sah ihren Mann an. Er gab ihm etwas Verbandsmull. „Drücken Sie das drauf. Der Krankenwagen kommt gleich.“ bat er ihn. Dieser nickte und tat was er verlangte. Semir zog seine Jacke aus und legte sie der verletzten Frau unter den Kopf. „Es wird alles gut…“ versprach er und strich der werdenden Mutter sanft über das Gesicht. Die Frau nickte leicht. „Was ist mit meinem Baby…“ wollte sie wissen. Doch diese Frage konnte Semir ihr nicht beantworten. Die Frau verlor wieder das Bewusstsein. Ben stand daneben und fuhr sich immer wieder mit der Hand durch die Haare. Er kam sich so hilflos vor. Der Anblick der blutüberströmten schwangeren Frau hatte ihn sehr getroffen. „Verdammt! Wo bleiben die so lange?“ stieß er aus. Endlich hörte man die Sirenen des Krankenwagens und nur wenig später war der Notarzt bei der Frau und versorgte sie.


    Nachdem die Täter von den Kollegen abgeführt wurden und auch die verletzte Frau abtransportiert wurde ging Ben zu Semir. „Was ist mit der Frau?“ wollte er sofort wissen. Semir starrte auf seine blutigen Hände und schien ihn gar nicht zu hören. „SEMIR!! Alles okay?“ fragte Ben ihn und stieß ihn an. Semir sah ihn an. „Ich hoffe sie kommt durch. Sie ist schwanger…“ gab er leise von sich. Ben nickte. „Weißt du wie das passiert ist?“ wollte er wissen. Semir schüttelte den Kopf. „Nein, aber ich hoffe sehr, dass alles gut ist. Lass uns bitte ins Krankenhaus fahren. Ich brauche Gewissheit…“ bat Semir. „Weißt du in welches?“ hakte Ben nach. „Ins Vinzenz, das ist das Nächstgelegene.“ nickte Semir. Sie brauchten dank Blaulicht und Martinshorn nur wenige Minuten bis zur Klinik und fragten sich zur Notaufnahme durch. Dort fanden sie im Warteraum den Ehemann der Verletzten. „Wie geht es Ihrer Frau?“ wollte Semir sofort wissen. Der Mann sah ihn mit verweinten Augen an. „Ich weiß es noch nicht. Ich darf nicht zu ihr. Sie wird gerade operiert und ich hoffe sehr, dass alles gut geht.“ erklärte er. Semir legte ihm die Hand auf die Schulter. „Es wird sicher alles gut gehen. Konnten die Ärzte schon etwas sagen? Wissen Sie wie es passiert war?“ versuchte er heraus zu finden. Der Mann schüttelte den Kopf. „Wie heißen Sie?“ hakte Semir nun nach. „Martin… Gruber….meine Frau, Tanja…wir waren so glücklich. Endlich hat es geklappt und dann….sie kam gerade aus der Toilette und dann sah ich sie schon zu Boden gehen. Ich weiß nicht wie das passieren konnte.“ gab Martin zu. Semir sah ihn erschrocken an. Bevor er etwas sagen konnte kam der Arzt zu ihnen. „Gerkan, Kripo Autobahn. Wie geht es der Frau?“ wollte er wissen und zeigte seinen Ausweis dennoch wandte sich der Arzt an den Ehemann. „Es geht ihr nicht gut. Wir müssen diese Nacht abwarten aber wir haben unser Möglichstes getan“ erklärte er ernst. „Was…was ist mit unserem Baby?“ fragte Martin mit zitternder Stimme. „Es tut mir leid, aber wir konnten es nicht retten.“ erklärte der Arzt traurig. Martin fing an zu weinen. „Darf ich zu ihr?“ wollte er wissen. Der Arzt nickte und bat eine Schwester Martin zu seiner Frau zu bringen.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Semir schluckte und musste die Tränen zurück halten. Ben hatte ebenfalls alles gehört und ihm ging es wie Semir. Der Arzt wandte sich dem Polizisten zu. „Wir konnten das Projektil entfernen. Aber der Zustand der Frau ist kritisch. Die Kugel ist in ihrem Unterleib eingedrungen und hat dort schwere Verletzungen verursacht. Die Patientin hat sehr viel Blut verloren. Ob sie überlebt wird die Nacht zeigen. Das Projektil selbst haben wir bereits einem Ihrer Kollegen gegeben. Ich denke mal, dass jetzt die üblichen ballistischen Untersuchungen stattfinden werden.“ erklärte der Arzt. „Danke Doktor.“ sagte Semir mit tonloser Stimme und drehte sich zu Ben. Sie brauchten auch nichts zu sagen, denn jeder erkannte in den Augen des Anderen den Schmerz und die unendliche Traurigkeit über diese Nachricht. Sie gingen schweigend zum Wagen und stiegen ein. „Ich verstehe es nicht. Wie konnte das passieren?“ fragte Semir plötzlich. Ben sah ihn an. „Einer dieser Mistkerle muss auf sie geschossen haben!“. meinte Ben nachdenklich und konzentrierte sich auf den Verkehr. Es war spät geworden und so brachte Ben Semir nach Hause. „Kommst du klar?“ wollte er von Semir wissen. „Ja sicher…aber wenn du willst, dann kannst du dich im Gästezimmer breit machen.“ schlug der türkische Hauptkommissar vor. Ben überlegte kurz und nickte dann. „Ich brauch ein Bier…du auch?“ wollte Semir wissen, als sie kurz darauf im Wohnzimmer saßen. „Ja, ich glaub das kann ich auch gebrochen.“ Stimmte Ben zu. Semir holte zwei Flaschen aus dem Kühlschrank und gemeinsam ließen sie den Abend nun ausklingen. Gegen eins in der Früh gingen beide zur Ruh und wurden gegen sieben wieder aus dem Bett geklingelt. Nach einem guten Frühstück fuhren sie zeitig zur PAST. Als sie das Büro betraten, sahen sie schon an Susannes Gesicht, dass etwas passiert sein musste. „Was ist los, Susanne?“ fragte Semir. „Das Krankenhaus hat gerade angerufen. Die Frau von der Raststätte. Sie ist heute Morgen verstorben.“ Semir sah Ben an. „Oh nein…ich habe so gehofft, dass sie es schafft! Der arme Mann. Verliert seine Frau und sein Kind!"sagte Semir traurig. Ben nickte, er hatte immer noch die schrecklichen Bilder im Kopf. „Wurden die Täter schon verhört?"fragte Semir. „Keine Ahnung. Die Kollegen vom Abschnitt 40 untersuchen den Fall.“ gab Susanne zurück. „Wir müssen dann nur noch unseren Bericht dazu schreiben" erklärte Ben. Semir nickte und setzte sich an seinen Schreibtisch. Auf diesem stand ein Bild von Andrea und den Kindern. Er nahm es in die Hand und strich sanft darüber. „Ich vermisse euch…“ sagte er leise.


    Zwei Tage später holte Ben Semir wieder zum Dienst ab. Semir schaute auf die Uhr und grinste Ben an. „Du bist ja sogar pünktlich.“ meinte er zu seinem Kollegen. „Ja sehr witzig.“ gab dieser zurück und fuhr nachdem Semir sich angeschnallt hatte los. Nur knappe 45 Minuten später waren sie in der PAST. „Morgen Susanne…ist alles in Ordnung?“ wollte er wissen. „Das weiß ich nicht…aber ich denke du wirst es erfahren, denn du sollst sofort zur Krüger kommen.“ erklärte sie. Auch Ben kam nun herein und hörte den letzten Satz noch. Semir sah ihn an und zog ihn zunächst in ihr gemeinsames Büro. „Hab ich was angestellt?“ wollte er wissen. Ben schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung …ich weiß auch nicht was sie schon wieder will aber ich habe gesehen, dass die Schrankmann ebenfalls im Raum ist und das verheißt nichts Gutes.“ meinte Ben und setzte sich. Semir zog die Schultern hoch. „Na, dann lass es uns hinter uns bringen und dann nichts wie auf die Straße.“ schlug Semir vor und erhob sich. Doch Ben blieb sitzen. „Kommst du nicht mit?“ fragte Semir. Ben schüttelte den Kopf. „Nein, sie hat nur nach dir verlangt.“ grinste er. „Aber vielleicht will sie dich ja auch sprechen.“ mutmaßte Semir nachdenklich. „Dann hätte sie uns beide zu sich geordert. Semir…du hast keinen Wagen geschrottet, also fällt das schon mal flach. Und so wild kann es dann ja nicht sein?“ versuchte Ben von ihn zu erfahren, doch Semir wusste es ja auch nicht. „Ich weiß nicht, aber irgendwie habe ich Angst, dass es etwas schlimmes ist.“ mutmaßte er. „Ich denke mal du wirst es erfahren wenn du bei ihr im Büro bist. Los…bring es hinter dir.“ machte Ben ihm Mut. Semir nickte und stand auf. An der Tür blieb er wieder stehen und sah Ben an und dieser nickte ihm aufmunternd zu. Semir und ging in Kims Büro.

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