Epidemie

  • Prolog



    Emily Berger liegt im Krankenhaus und kämpft um ihr Leben. Sie ist an der neuen Krankheit Ecalo erkrankt. Ihr wurde es gegen ihren Willen mit einer Spritze verabreicht. Bei dieser Krankheit hat man hohes Fieber, es kommt zu schweren Organschäden, Nierenversagen und im schlimmsten Fall zum Herzstillstand. Symptome sind Übelkeit und Schwindel.
    Bei Emily wurde die Krankheit zu spät erkannt. Die Ärzte geben Emily nur noch wenige Tage zum Leben. Eine Hoffnung, dass sie noch einmal aufwacht und dann wie ein normales Leben leben kann, sind schwinden gering. Dabei ist das Mädchen gerade einmal 15 Jahre alt und dann soll schon das Leben zu Ende sein. Für die Eltern und den Freunden bricht eine Welt zusammen

  • 1. Kapitel



    "Verdammt! Schon das zweite, tote Mädchen innerhalb kurzer Zeit!", flucht Ben. "Woran ist sie denn gestorben?", fragt Semir. "An einer Krankheit namens Ecalo. Ein Heilmittel gibt es dagegen nicht. Was man weiß ist, dass es dem Körper durch eine Spritze injiziert wird", erzählt Ben. Ein Handyklingeln stört das Gespräch der Beiden. "Jäger", meldet sich Ben. "Julia. Wie geht es dir?", ruft er freudig. "Soll ich dich zum Arzt fahren? (...) Gut, bin in einer halben Stunde da", sagt Ben und legt besorgt auf. "Was ist denn los?", fragt Semir. "Meine Schwester ist anscheinend an Ecalo erkrankt. Ich fahre sie zum Arzt", meint Ben und greift nach seiner Jacke. "Warte. Ich fahre mit", ruft Semir und folgt Ben zum BMW.


    Mit quietschenden Reifen hält der BMW auf dem Schotter. Hastig steigt Ben aus und schließt die Tür von der Villa auf. "Julia!", ruft Ben durch die Villa. "Ich bin hier oben, Ben", kommt es leise von oben. "Das hört sich nicht gut an", denkt Semir, nachdem er neben Ben steht. Dieser rennt sofort los und sprintet gleich zwei Treppenstufen auf einmal nehmend nach oben. "Mensch Julia. Wie siehst du denn aus", stöhnt Ben und greift seiner Schwester unter die Arme. Vorsichtig hilft Ben ihr auf das Sofa. Als Julia sitzt, hebt Ben seine Hand und legt diese auf Julias Stirn. "Du glühst ja förmlich", sagt Ben. "Und so fühle ich mich auch", flüstert Julia. "Ich fahre dich ins Krankenhaus", bestimmt Ben und hilft Julia auf die Beine. Unten an der Treppe bleibt Ben stehen und ruft nach Semir. "Semir. Wir fahren ins Krankenhaus!" Sofort kommt der Deutschtürke angeflitzt. "So schlimm?" "Frag nicht lange und mach das Auto abfahrbereit", mosert Ben. Plötzlich wird Julia schwindelig. Ehe Ben reagieren kann, bricht Julia zusammen. "Shit!", flucht Ben und hebt Julia auf seine Arme. Schnell geht zum BMW. "Ben was ist passiert?", fragt Semir und deutet auf Julia. "Sie ist gerade einfach ohnmächtig geworden", erzählt Ben."Leg sie auf die Rückbank", sagt Semir und steigt daraufhin in den BMW. Als auch Ben im Auto sitzt, fährt Semir los.


    Auf der Autobahn zum Städtischen Krankenhaus ist kein Durchkommen. "Mensch, da ist ja kein Durchkommen. Mach die Fackel an", sagt Semir. Daraufhin klappt Ben den Sonnenschutz runter. "Du weißt schon, dass die Chefin uns dafür den Arsch aufreißen kann", entgegnet Ben. "Nein, dass kann sie diesmal nicht. Wir haben wirklich einen Notfall", antwortet Semir und deutet auf die Rückbank. "Mensch, fahr zur Seite", schreit Semir und drück ruckartig auf die Bremse. Wütend wedelt mit den Armen rum. "Sag mal geht es noch. Soll sich Julia eine Gehirnerschütterung zuziehen", meckert Ben und schüttelt den Kopf.


    Mit einer langen Bremsspur auf der Straße hinterlassend, kommt der BMW vor der Notaufnahme zum Stehen. Ben öffnet die hintere Wagentür und hebt Julia auf seine Arme. "Ich brauche einen Arzt", ruft Ben in die Runde. "Ach du meine Güte. Folgen sie mir", sagt eine nette Schwester und begleitet Ben in ein freies Behandlungszimmer in der Notaufnahme. "Während der Untersuchung müssen sie draußen warten", bittet die Schwester und schiebt Ben auf den Flur. "Ben, wo ist deine Schwester?", fragt Semir. "Sie wird gerade untersucht", flüstert Ben. Das Warten macht ihn verrückt. Die Angst und Sorge um seine kleine Schwester steigt. Gleichzeitig steigt auch die Wut über den Typen, der Menschen so etwas antut. Nervös läuft Ben den Flur auf und ab und wartet, dass endlich einmal ein Arzt herauskommt. "Ben. Jetzt setzt dich doch bitte hin. Du machst einen ja verrückt", sagt Semir und blickt in eindringlich an. Widerwillig nimmt Ben neben seinem Freund und Partner platz. Nervös trommelt er mit seinen Händen auf den Schenkeln herum. "Ben, bitte!", mahnt Semir ihn, "Mach dir nicht so viele Sorgen." "Aber Semir. Julia ist eventuell mit Ecalo infiziert worden. Was soll ich denn da denken? Bis jetzt sind die Menschen daran gestorben", sagt Ben verzweifelt. "Erstens ist es noch nicht sicher, ob sie daran erkrankt ist. Und wenn. Vielleicht kann man ihr ja doch helfen", versucht Semir Ben mut zu machen. "Du hast vielleicht recht", meint Ben und versucht ein Lächeln. Doch aus dem Lächeln wurde eine schiefe Fratze.


    Betretendes Schweigen macht sich breit. Die Uhr geht keine Minute voran. Ben kommt es vor, als würde er schon Stunden warten. Dabei sind es gerade mal 15 Minuten. Nervös fängt Ben wieder an mit den Füßen auf dem Boden zu trommeln. "Ben", sagt Semir und schaut ihn an. "Schuldigung. Die Nervosität", murmelt Ben. Plötzlich geht die Tür auf und ein Arzt tritt auf Ben zu. "Herr Jäger?", fragt der Arzt. "Ja." "Ihre Schwester ist an Ecalo erkrankt. Im Moment sieht es nicht sehr gut aus, aber wir tun unser bestes", erklärt der Arzt. "Ach, bevor ich es vergesse. Man hat bei ihr eine Einstichstelle gefunden." "Kann ich zu ihr?", fragt Ben. "Heute nicht. Aber morgen", entgegnet der Arzt und geht. "Das ist doch nicht wahr. Sag mir, das dass nicht wahr ist", fordert Ben. "Leider nein. Das ist wahr", murmelt Semir. "Verdammt. Dann muss ich eben denjenigen schnappen, der die Krankheit in Umlauf gebracht hat", sagt Ben mit knirschenden Zähnen. "Du meinst, ermitteln?", fragt Semir. "Ja. Was denn sonst", entgegnet Ben und verlässt gefolgt von Semir das Krankenhaus.

  • 2. Kapitel



    "Aber Chefin. An der Sache stinkt etwas und zwar schon 10 km gegen den Wind", sagt Ben ruhig. "Ja. Das merke ich schon an Hand ihrer Erzählung, aber es liegt nicht in unserem Aufgabengebiet", setzt Kim erneut dagegen. "Also lassen Sie uns ermitteln, oder nicht?", fragt Semir. "Na gut. Aber wenn etwas wichtigeres gibt, dann übernehmen sie das", stöhnt die Chefin und lässt sich in den Bürostuhl fallen. Eilig verlassen Ben und Semir das Büro um in ihres zu verschwinden. "Also. Wo fangen wir an?", fragt Semir. "Ich gehe erst einmal zur lieben Susanne und bitte sie freundlich uns ein paar Infos über die Krankheit heraus zu suchen", meint Ben und grinst. "Gut. Aber hinterlasse Susanne bitte keine Schleimspur", entgegnet Semir und lacht. "Susanne. Kannst du bitte alles über die Krankheit Ecalo heraussuchen?", fragt Ben freundlich. "Ja", antwortet Susanne knapp und macht sich ans Werk. "Und? Ist sie auf deiner Schleimspur ausgerutscht?", neckt Semir. "Das macht dir wohl Spaß", entgegnet Ben und lässt sich auf den Bürostuhl nieder. "Ben? Was ist mit dir los?", fragt Semir. "Nichts. Außer das meine kleine Schwester im Krankenhaus liegt", meint Ben. "Glaube ich dir nicht. Du bist verliebt und zwar in...", sagt Semir wird aber jäh von Ben unterbrochen. "Das stimmt doch nicht. Ich bin mit Kim zusammen und außerdem habe ich im Moment andere Sorgen", sagt Ben und zuckt mit den Schultern.


    "Entschuldigt Jungs. Ich störe euren Streit nur ungern, aber hier sind die Infos über die Krankheit Ecalo", meldet sich Susanne. "Na dann her damit", sagt Semir und blickt Susanne erwartungsvoll an. "Also. Wer an Ecalo erkrankt ist, leidet unter hohem Fieber bis zu 41 Grad, Schwindel und Übelkeit. Wenn man es nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu schweren Organschäden führen, Nierenversagen und im schlimmsten Fall zu einem Herzstillstand", erzählt Susanne. "Und weiter?", fragt Ben. "Es gibt auch eine Sekte mit dem gleichen Namen. Sie schreibt auf ihrer Webseite, dass "Unrat", also Menschen, die es nicht Wert sind zu leben, den Tod auf unbekannte Art und Weise erleiden sollen." "Das hört sich nicht gut an. Kannst du an dieser Sekte dran bleiben?", meint Semir. "Klar. Aber das könnt ihr selbst machen. Die haben einen anonymen Chat, bei der sich eventuelle Neulinge informieren können. Ihre Fragen werden von langjährigen Mitgliedern beantwortet", informiert Susanne sie und reich ihnen den Zettel mit der Webadresse. "Zu welcher Zeit sind denn die Leute im Chat erreichbar?", fragt Ben neugierig. "Nach den Antworten der FAQ´s sind die Leute am besten jeden Freitag um 20 Uhr zu erreichen. Steht aber alles noch einmal detailliert auf der Internetseite", antwortet Susanne und geht wieder an ihren Schreibtisch. "Das heißt ja dann wohl Feierabend für heute", mutmaßte Ben und schmeißt Semir seine Jacke rüber. "Soll ich dich nach Hause fahren?" "Klar", sagt Ben und folgt seinem Partner zu dessen Dienstwagen.


    "Na. Wie sieht es bei dir und Kim aus? Immer noch nicht zusammen gezogen?", fragt Semir neugierig auf der Fahrt. "Wir wollen zwar zusammen ziehen, aber wie haben noch nicht die passende Wohnung gefunden. Am liebsten wäre es mir ja, wenn sie bei mir einziehen würde, aber sie mein, dass eine neue Wohnung besser wäre", erzählt Ben und lacht. "Da hast du dir was angelacht. Und, wann sollen es die Kollegen erfahren?" "Wenn es nach Kim ginge, wahrscheinlich nie. Aber mir hängt das Verstecken spielen zum Hals raus", entgegnet Ben und grinst. Am Anfang fand er es noch ganz lustig aber mittlerweile ist es zu einer Qual geworden. Ständig ist er seiner Freundin auf dem Revier so nah und das verlangen, sie zu küssen auch verdammt groß. "Du hast vielleicht ein Los gezogen", meint Semir und grinst. "Was soll denn das heißen?", fragt Ben erstaunt. "Na das Kim so denkt"; entgegnet Semir gelassen. "Ist doch egal. Ich habe endlich mal wieder Glück und das ist gut so." "Wie lange seit ihr schon zusammen?", fragt Semir. "5 Monate, 23 Tage, 4 Stunden und 10 Minuten", antwortet Ben und lacht. "So genau wollte ich das aber nicht wissen. Aber du bist doch ein Mann und kein Mädchen", sagt Semir belustigt. "Was soll denn das jetzt heißen?", fragt Ben sauer. "Nur Mädchen zählen dies so genau", entgegnet Semir neckend. "Haha. Sehr witzig. Seit wann bin ich denn ein Mädchen?" "Seit heute. Und jetzt bitte ich dich einmal aus zu steigen. Wir sind da", sagt Semir nachdem der Wagen am Straßenrand hält. "Das mit dem Mädchen habe ich jetzt einmal überhört, Frau Gerkhan. Dann bis morgen", verabschiedet sich Ben schnell und steigt aus. "Also hör mal. Jetzt fahre ich ihn schon nach Hause und dann darf ich mir so etwas gefallen lassen", führt Semir ein Selbstgespräch mit sich. "Und keine Selbstgespräche während der Fahrt", ruft Ben durch das offene Autofenster zurück und lacht. "Der Junge bringt mich noch um", flüstert Semir, wendet den Wagen und fährt zu sich nach Hause.


    Ben setzt sich vor den Fernseher. Er braucht jetzt Ablenkung. Ohne auf das Programm zu achten, knipst er wahllos durch die Sender. doch auf die Sendung an der er hängen blieb, konzentrierte er sich kaum. Gelangweilt schaltet er den Fernseher aus und starrt auf die gegenüberliegende Wand. Die Sorge um Julia ist seit heute Mittag kaum weniger geworden. Eher sogar noch größer. Konrad Jäger weiß auch Bescheid. Doch für die kranke Julia hat er keine Zeit, da er seine Geschäftsreise nicht abbrechen will. Bei ihm kann es Ben ja noch verstehen. Aber bei Julia?! "Nicht einmal für Julia lässt er alles stehen und liegen", murmelt Ben. Traurig schüttelt Ben den Kopf. Müde wirft Ben einen Blick auf seine Uhr. Es ist 22:30 Uhr. Er erhebt sich langsam vom Sofa und geht zu Bett. doch an Schlaf ist nicht zu denken. Stundenlang liegt Ben im Bett und wälzt sich hin und her. Zu groß ist die Sorge um seine kleine Schwester. Ziemlich früh am Morgen findet Ben nun doch noch Schlaf.

  • 3. Kapitel



    Der nächste Morgen kommt früher, als das Ben es sich hätte denken können. Doch er will noch nicht aufstehen und so bleibt er einfach liegen und schläft seelenruhig wie immer wieder ein.


    "Man. Schläft der noch oder was ist da los?", flucht Semir und drückt ein zehntes Mal wie ein Irrer auf die Wohnungsklingel. "Na dann eben auf die brutale Art und Weise", sagt Semir und holt den Ersatzschlüssel aus der Hosentasche. Auf leisen Sohlen schleichend, betritt Semir die Wohnung von Ben und geht direkt ins Badezimmer. Dort schnappt er sich den leeren Mülleimer und füllt ihn mit Wasser. Anschließend daran schleicht er ins Schlafzimmer und drückt sie leise auf. "Schläfst du also doch noch", sagt Semir und geht näher. Bis jetzt hatte er immer nur Partner, die verschlafen. Aber die haben sich immerhin noch per Telefon gemeldet. Aber Ben... . Semir hebt den Eimer und kippt den Inhalt über Bens Kopf aus. Hustend wacht Ben auf. "Guten Morgen Ben. Auch endlich aus dem Land der Träume aufgewacht. In einer halben Stunde ist Dienstbeginn und ich will nicht schon wieder von der Krüger den Arsch aufgerissen bekommen, wegen deiner Unpünktlichkeit", begrüßt Semir seinen Partner. "Sag mal geht es noch! Ich weiß", meint Ben. "Dann raus aus den Federn. Ich gehe in die Küche und mache Kaffee. In fünf Minuten bist du dort", meint Semir und verlässt Bens Schlafzimmer.


    "Du hast vielleicht nerven. Hast du die Dienstpartner vorher auch so geweckt?", fragt Ben neugierig. "Nein. Wenn das Handy geklingelt hat, sind sie von selbst zum Leben erwacht und erschienen. Du bist ein Sonderfall", erzählt Semir und grinst. Die Erinnerung schmerzt zwar immer noch, doch mittlerweile kann er darüber reden. "Wollen wir dann mal los?", fragt Ben und reißt Semir somit aus den Gedanken. "Ja, ja", meint Semir, stellt die Kaffeetasse am Waschbecken ab und folgt seinem Partner zum BMW. Nur wenige Minuten danach befinden sie sich auf der Autobahn in Richtung PAST.


    "Semir, Ben", tönt Susannes Stimme aus dem Funk. "Guten Morgen Susanne. Was hast du für uns?", fragt Ben. "An einem Rastplatz an der A 3 bei KM 109 hat sich eine Familie gemeldet. Ein junger Mann soll die Familie belästigen. Redet irgendetwas von Sekte und so weiter. Könnt ihr mal nach sehen?" "Klar. Kein Problem.", antwortet Ben, "Hört sich fast nach unserer Sekte namens Ecalo an." "Jetzt wo du das sagst, denke ich auch. Mach das Blaulicht an. Dann sind wir schneller dort", meint Semir und drückt aufs Gas.
    Mit quietschenden Reifen kommt der BMW auf dem Rastplatz zum Stehen. "Guten Tag. Schön das sie so schnell kommen konnten", begrüßt sie der Familienvater. "Der Typ dahinten belästigt uns schon seit einer Ewigkeit", sagt die Mutter und zeigt in die Richtung, in der die große Tochter steht und auf ihren kleinen Bruder aufpasst. "Keine Sorge. Wir kümmern uns darum", meint Semir und geht auf den jungen Mann im Gewand zu. "Sag mal. Der sieht aus wie ein Pfarrer", meint Ben belustigt. "Stimmt. Aber jetzt ist nicht der Zeitpunkt für dumme Sprüche", sagt Semir.


    "Guten Tag, Kripo Autobahn. Wir wurden benachrichtigt, dass sich die Familie hier von Ihnen belästigt fühlt. Wir bitten sie daher freundlich damit aufzuhören oder sie verlassen ansonsten den Rastplatz", fängt Semir freundlich an. Ben hat nur ein übertriebenes, freundliches Grinsen drauf, das fast schon wieder Angst macht. "Aber ich mache doch nichts schlimmes", sagt der Junge entschuldigend. "Das können wir zwar nicht genau sagen, aber die Familie fühlt sich gestört dadurch", meint Ben. "Okay. Ich werde gehen", entgegnet der Mann und dreht sich zum Gehen. Plötzlich fährt ein Auto mit überhöhter Geschwindigkeit auf den Parkplatz und bremst mit quietschenden Reifen ab. Auf einmal fallen Schüsse. "Deckung!", schreit Semir und springt hinter die Parkbank. Ben, der merkt, dass der Fremde auf den jungen Mann abgesehen hat, rennt zu dem Mann und reißt ihn mit einem Hechtsprung zu Boden. Während dieser Aktion fallen schon die nächsten Schüsse. Als der Fahrer bemerkt, dass er wahrscheinlich versagt hat, fährt mit qualmenden Reifen davon. Semir geht aus seiner Deckung und versucht auf den Wagen zu schießen, doch der Wagen ist schon zu weit entfernt, dass er hätte ihn treffen können.


    "Ben. Bist du okay?", fragt Semir besorgt. "Klar Partner. Aber ihn hier hat es trotzdem erwischt", sagt Ben und deutet auf den Boden. "Soll ich ihm einen Krankenwagen holen?", fragt Semir und zückt sein Handy. "Das wäre sinnlos. Dem kannst du nur noch einen Leichenwagen und die Spusi bestellen.", meint Ben, "Was ist mit dem Täter?" "Ich habe das Kennzeichen. Aber einholen können wir ihn glaube ich auch noch", entgegnet Semir. "Worauf warten wir denn noch. Dass er gleich über alle Berge ist", sagt Ben und rennt gefolgt von Semir zum BMW.
    Ben klappt die Sonnenblende runter während Semir mit hoher Geschwindigkeit an den anderen Autofahrern vorbeifährt. Diese Hupen natürlich, wenn sie gefährlich geschnitten oder abbremsen müssen. "Hupt nicht so blöd. Wir sind von der Polizei oder seit ihr zu blöd das Blaulicht zu erkennen", schreit Semir wütend. "Redest du mit mir?", fragt Ben neckend. "Jetzt ist nicht der Zeitpunkt um zu Ärgern. Da vorne ist der Typ. Was schlägst du vor?", meint Semir während der BMW immer näher kommt. "Ausbremsen oder soll ich auf den Wagen schießen", entgegnet Ben. "Ausbremsen", meint Semir. "Aber nicht zu Schrott fahren. Sonst sieht es Essiggurken aus mit einem neuen Dienstwagen", sagt Ben. "Ach egal. Mach mal unsere nette Chefin an. Vielleicht kannst du ja noch etwas drehen.", meint Semir, "Und ich glaube wir müssen von den Schusswaffen doch Gebrauch machen." "Sag mal spinnst du. Ach egal. Schusswaffe? Okay", antwortet Ben, zieht seine Waffe und lässt das Fenster runter. "Hoffentlich lösen wir damit keinen Horrorstau aus, wie vor zwei Monaten", sagt Ben noch zu Semir ehe er sich hinaus lehnt.

  • 4. Kapitel



    "Semir. Ich kann so nicht schießen. Da verletze ich noch Unschuldige", sagt Ben und steckt den Kopf wieder ins Auto. "Der fährt ja auch wie eine perverse Sau", meint Semir während er immer noch konzentriert versucht an den Autos vorbei zu kommen. "Der Typ hat sich ja auch die passende Uhrzeit rausgesucht. Mitten im Berufsverkehr", flucht Ben. "Frag mal Susanne, ob irgendwo ein Stau ist, nicht dass wir deswegen noch mehr schaden anrichten", entgegnet Semir und holt das Fluchtauto wieder ein. "Cobra 11 an Zentrale", sagt Ben in den Funk. "Zentrale hört", tönt Kims Stimme. "Oh hallo Frau Krüger. Ist Susanne nicht da?", fragt Ben erstaunt. "Nein. Aber was gibt es denn?" "Wir müssten unbedingt wissen ob auf der A 3 bei KM 115 in der Nähe ein Stau oder etwas anderes Hinterliches ist?" "Im Moment nicht. Was ist denn bei euch los?" "Wir wurden von Susanne zu einem Rastplatz geschickt. Als wir dort waren, hat sich die Sache schnell erledigt. Nur dann kam ein unbekanntes Auto und das Schoss um sich. Naja und wir sind eben dran, Kim", erzählt Ben in Kurzform. "Lasst ja die Autobahn ganz", meint sie nur. "Das werden wir versuchen, Chefin. Aber bei dem Berufsverkehr ist das ein wenig schwierig, wenn der Flüchtige auch noch fährt wie eine Sau", meldet sich Semir zu Wort. "Wenn das so ist, dann veranlasse ich, dass ihnen Streifenwagen unterstützen und die Autobahn weiter oben gesperrt ist." "Ja. Versuchen sie es. Wir sind gerade an KM 119. Wenn der so weiterfährt, passiert noch ein Unheil." "Gut. Ich werde alles in die Wege leiten und sie versuchen ihn weiter aufzuhalten. Und lassen sie die Autobahn ganz", sagt Kim und hängt ein.


    "Du hast die Chefin gehört. Dann wollen wir den Kerl mal ausbremsen", sagt Semir und setzt sich direkt neben den Fluchtwagen. "Die Chefin hat diesmal einen Fehler gemacht. Sie hat nur gesagt, dass die Autobahn heil bleiben soll, aber nicht der Dienstwagen", lacht Ben. Semir zieht den Wagen nach links und rammt den Fluchtwagen in die Seite. Doch der Wagen fährt einfach weiter. Semir versucht ihn einzukeilen, doch vergebens. "Semir. Hör auf. Der hat mehr PS unter der Haube. Der ist getunt. Hör auf sonst liegen wir gleich im Graben", sagt Ben und bekommt es mit der Angst zu tun. Semir gesteht sich ein, dass der Wagen stärker ist, als seiner und bremst den Wagen ab. "Und jetzt? Sollen wir den entkommen lassen?", fragt Semir empört, "Was ist denn eigentlich in dich gefahren!" "Nichts. Ich habe nur gerade Angst bekommen. Du warst gerade so verbissen den zum Anhalten zu bringen, dass du gar nicht bemerkt hast, dass der mir seine Waffe an den Kopf gehalten hat!", schreit Ben nun, "Also mir ist mein Leben lieber!" "Sorry. Habe ich nicht gesehen. Zum Glück haben wir das Kennzeichen. Und ich glaube, ich weiß auch schon wo ihr anfangen können", murmelt Semir und fährt Richtung PAST.


    "Weißt du, was mir gerade aufgefallen ist?", fragt Ben. "Ne. Was denn?" "Der Dienstwagen ist heil und die Autobahn nicht Schrott. Das nenne ich mal gute Arbeit", erzählt Ben und grinst. "Aber dafür ist uns der Täter entwischt", mosert Semir sauer. "Den kriegen wir schon noch", meint Ben gelassen und blickt aus dem Fenster. "Wir sind da du Träumerchen", sagt Semir und reißt Ben aus seinen Tagträumen.
    "Hallo Susanne. Hast du schon etwas über den Toten?", fragt Semir. "Ja. Die Infos hat die Chefin. Ihr sollt sofort in ihr Büro kommen", meint Susanne. "Dann wollen wir mal sehen, was sie denn für uns hat", murmelt Ben und geht zur Bürotür. "Chefin. Sie wollten uns sprechen?", fragt Ben freundlich und betritt nach einem Wink von Kim das Büro. Sie ist am Telefon und scheint mit jemanden zu reden. "In Ordnung.", sagt Kim und legt auf, "Diese Schrankmann regt mich noch auf. Die treibt mich noch in den Wahnsinn!" "Was ist denn?", fragt Semir neugierig. "Ach sie will uns einen Neuling aufdrängen. Für ein Praktikum", erzählt sie und setzt sich erschöpft auf den Bürostuhl. "Aber das ist erst einmal ein anderes Thema. Was ist mit dem Verdächtigen?" "Der ist uns entkommen. Was ist mit dem Toten?", berichtet Semir kopfschüttelnd. In letzter Zeit entwischen Ben und Semir immer wieder die Täter, weil die Dienstwagen einfach zu wenig PS haben. "Also. Der Tote heißt Markus Auer, 21 Jahre alt. Er war Mitglied bei dieser Sekte", erzählt die Chefin. "Hatte er irgendwelche Vorstrafen?", fragt Ben nun. "Außer dass er im Alter von 15 Jahren mal geklaut hat, ist er seit dem sauber. Eine astreine, weiße Weste und das seit 6 Jahren", berichtet die Chefin weiter. "Hat er Angehörige, die wir noch informieren müssen?". "Nein. Das habe ich schon gemacht", entgegnet Kim. "Am besten wir loggen uns heute Abend in den Chat ein und finden erst einmal ein bisschen mehr heraus. Das war bestimmt kein Zufall, dass der die Familie belästigt hat. Und der Fahrer hat es eindeutig auf den Jungen abgesehen", schildert Ben. "Gut. Dann bleiben sie an der Sekte dran", meint Kim. Ben und Semir verlassen Kims Büro.


    "Sag mal. Wie geht es eigentlich deiner Schwester?", fragt Semir. "Du, ich wollte in der Mittagspause zu ihr", entgegnet Ben und schaut seinen Partner an. Da klingelt das Telefon. "Jäger, Kripo Autobahn", meldet sich Ben nachdem er abgenommen hat. Kurz darauf hält er die Sprechmuschel zu und flüstert: "Semir. Das Krankenhaus. Kannst du mal die Türe schließen, braucht ja nicht gleich jeder mitbekommen." Semir steht geräuschlos auf und schließt die Bürotüt. "Wie geht es denn Julia?", fragt er daraufhin. (...) Auf Bens Gesicht bereitet sich Angst und Sorge aus. "Kann ich zu ihr?" (...) "Okay. Danke für die Nachricht", sagt Ben und legt auf. Mit Tränen in den Augen blickt er aus dem Fenster. "Ben. Was ist passiert?", fragt Semir, der die Veränderung mitbekommen hat. "Julia. Die Ärzte haben sie in ein künstliches Koma gelegt. Das Fieber ist gestiegen und könnte eventuell die Organe angreifen. Damit der Körper nicht so sehr belastet wird, haben die Ärzte Julia ins Koma gelegt", erzählt Ben traurig. "Soll ich dich zu ihr bringen?", fragt Semir. "Nein. Ich muss erst meinen Vater anrufen", meint Ben und greift zum Handy.

  • 5. Kapitel



    Mit nervösen Fingern wählt Ben die Nummer. "Hallo Papa, ich bin es Ben", meldet sich Ben nachdem abgenommen wurde. (...) "Julia geht es schlechter. Der Arzt meint, dass Julia ihre Verwandten jetzt mehr denn je braucht." (...) "Wie du kannst nicht? Du kannst doch für Julia einmal die Geschäfte vergessen und deinen Sesselarsch hierher schwingen!" (...) "Dann mache ich es eben wieder alleine! Aber du weißt schon, dass ich mit meinem Job genauso viel zu tun habe wie du! Und ich nehme mir auch die Zeit dafür!" (...) "Klar! Du denkst wieder nur ans Geld! Ach weißt du was. Vergiss es!", schreit Ben, legt auf und schmeißt das Handy mit Wut auf den Tisch. Selbst jetzt hat er keine Zeit für Julia. Semir hat während dem Gespräch das gemeinsame Büro verlassen.


    Wütend tritt Ben gegen den Bürostuhl, der mit viel Schwung davon rollt und gegen die Glastür knallt. Bedrohlich wackelt die Glastür im Rahmen hin und her. Semir und Kim sind durch den Lärm erschrocken und rennen alarmiert ins Büro. Semir schloss die beiden Türen und auch die Jalousien. Semir hat das Gefühl, dass es privat ist und es niemanden etwas angeht. Ben steht mitten im Raum und bekommt von allem nichts mit. Seine Hände sind so fest zu Fäusten geballt, das schon die Knöchel weiß hervortreten. Semir kennt die Reaktion von einem verstorbenen Partner. Nämlich von Chris. Doch jeder reagiert anders und er weiß einfach nicht, wie er Ben helfen kann. Ein falsches Wort und Ben würde bestimmt an die Decke springen. Und das war weiß Gott bestimmt nicht gesund.


    "Was ist los Ben?", fragt Kim vorsichtig und legt ihrem Freund eine Hand auf die Schulter. "Ich habe mit meinem Vater telefoniert. Er hat keine Zeit für Julia, meint, dass die Geschäfte wichtiger sind als seine kranke Tochter", sagt Ben zischend und die Fäuste werden noch fester zusammen gedrückt, dass die Knöchel noch weißer hervortreten. "Das ist natürlich schlimm. Aber glaube mir. Die Standpauke hat man bis ins Großraumbüro gehört und die wird sicherlich gefruchtet haben", meint Semir und schaut Ben eindringlich an. Langsam entspannten sich die Hände. "Ihr habt recht. Ich fahre jetzt zu Julia", meint Ben und verlässt das Büro.


    Ben hat Angst vor dem Anblick von Julia. "Wenn Julia schon gestern so schrecklich aussah, wie wird sie denn jetzt aussehen?", fragt er sich in Gedanken als er den Krankenhausflur entlang geht. Angst macht sich in seinem Körper breit. Er hätte Semir mitnehmen müssen. Doch jetzt ist er alleine hier und muss das auch ganz alleine durchstehen. Nach einer gefühlten Ewigkeit steht Ben vor Julias Tür und klopft an. Dann tritt er ein. Doch Julias Bett ist verlassen. "Wo ist Julia? Sie wird doch nicht.... Ach Mensch, jetzt reiß dich mal zusammen", flucht Ben panisch in seinem Inneren. Daran will und konnte er nicht glauben. Von Panik ergriffen, hetzt Ben zum Schwesternzimmer und fragt nach seiner kleinen Schwester. "Da sind sie hier leider falsch. Sie wurde heute früh auf die Intensivstation gelegt, da sie im künstlichen Koma liegt. Sie müssen eine Etage weiter nach oben, Zimmer 302", erklärt ihm die Schwester. Ein kleines bisschen Erleichterung macht sich in Ben breit. Er wendet sich von der Krankenschwester ab und begibt sich auf die Intensiv. Was gäbe er jetzt für, wenn Semir oder Kim bei ihm wären. In diesem Augenblick schwingen die Aufzugtüren auf und Ben beschleunigt seine Schritte. Gerade will er durch sie hindurch, als ihn zwei vertraute Stimmen zum Stehen bleiben zwingen. "Ben! Wo willst du hin?", fragen Semir und Kim gleichzeitig. "Zu Julia", antwortet er knapp. "Aber die liegt doch hier?", fragt Semir verwundert. "Nein. Sie wurde heute früh verlegt", meint Ben und gleitet zwischen den Aufzugtüren hindurch. Schweigend folgen Kim und Semir ihm.


    Auf dem Weg nach oben herrscht eisernes Schweigen. Keiner sagt ein Wort. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Ben und Semir denken an die Hochzeit von seiner Schwester und die darauf folgende Entführung. Ben und Semir haben alles daran gesetzt sie wieder zu finden, während Kim immer nur gemeint hat, dass die Beiden professionell bleiben sollen. Mittlerweile hat Kim ihre Einstellung darüber ein wenig verändert. Die Türe schwingen wieder auf und Ben tritt auf den Flur. Er klingelt und ein Pfleger kommt raus. "Guten Tag. Ich möchte gerne zu Julia Jäger", meint Ben nervös und blickt den Pfleger an. "Dann ziehen sie den Kittel an und folgen mir unauffällig", entgegnet der Pfleger. "Ben? Wir warten hier, okay?", fragt Kim und blickt in Bens Gesicht. Sie waren von Angst und Sorge geprägt. Ein Nicken von Ben und dann verschwindet er durch die Glastüren in die Intensivstation. "Meinst du, Ben wird das schaffen?", fragt Kim besorgt, "Seine Augen sind von Angst und Sorge gezeichnet." "Er wird es packen", meint Semir zuversichtlich.


    Ben steht vor Julias Bett und blickt sie an. Ihre Haut ist kreidebleich und ihre Haare kleben auf dem Gesicht. "Sie sieht aus wie ein schlafender Engel auch wenn die Haare dazu nicht passen", findet Ben und schmunzelt. Leise zieht er sich einen Stuhl an Julias Bett und setzt sich. Langsam beginnt er von den letzten Tagen zu erzählen. Dabei kommt ihm die Wut wieder hoch, dass Konrad Jäger keine Zeit hat. Doch davon erzählt Ben Julia am besten erst einmal gar nichts. "Ich würde sie bitten zu gehen. Sie braucht viel Ruhe", reißt die Stimme des Pflegers nach zehn Minuten aus den Gedanken. Mit schwerem Herzen und gleichzeitiger Sorge steht er auf und verlässt Julias Zimmer. Wehmütig steht auf dem Flur. Als Kim aufblickt, entdeckt sie Ben. Sofort geht sie auf ihn zu und nimmt ihn in den Arm. "Das wird schon wieder", meint Kim aufmunternd. "Du hast recht. Aber jetzt lasst uns fahren. Wir haben schließlich noch den Fall zu lösen", entgegnet Ben und geht zu den Aufzügen.


    "Was machen wir denn wegen dem Chat heute Abend?", fragt Ben als sie wieder im Büro sind. "Du meldest dich am besten an, dann sehen wir heute Abend um 20 Uhr weiter", meint Semir.

  • 6. Kapitel



    "Hast du schon an einen Namen gefunden?", fragt Semir. "Nein. Mir fällt einfach keiner ein", stöhnt Ben und blickt sich auf seinem Schreibtisch nach einem hilfreichen Hinweis um. Da steht das Bild von Semir und ihm kurz nachdem er hier angefangen hat, das Bild mit ihm und Kim und dann noch eins von Saskia. Er könnte doch was mit Saskia verbinden, aber nur was. Da fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. "Ich habe einen Namen. Was hältst du von Phoenix?", fragt Ben. "Phoenix? Wie kommst du denn darauf?" "Das war der Spitzname den mir Saskia gegeben hat", meint Ben und zuckt mit den Schultern. "Auf jedenfall nicht so leicht zu erraten, für einen fremde Person dadurch deine wahre Identität herauszubekommen", murmelt Semir. Ben meldet sich an und Punkt 20 Uhr kommt schon das erste Mitglied von der Sekte in den Chat.


    "Guten Abend Phoenix", grüßt er.
    "Semir! Er hat angebissen", ruft Ben und Semir flitzt mit seinem Bürostuhl zu Ben herüber.
    "Hallo Sintan."
    "Was suchst du hier?"
    "Schreib: Ein neues Glück in der Welt, die für mich keine mehr ist", meint Semir.
    Ben schreibt eilig und knappe zwei Minuten später kommt die Antwort.
    "Das kann man gut verstehen. Du hast den Test bestanden. Was willst du über unsere Sekte erfahren?"
    "Woran glaubt ihr?"
    "Wir glauben daran, dass Menschen, die es nicht Wert sind zu leben, an einer unbekannten Krankheit sterben."
    "Okay. Und welche Leute betrifft das?"
    "Das sind reiche Leute, die ihr Geld verpulvern, die anderen Leid zufügen,...."
    "Klingt interessant."
    "Wer leidet die Gruppe?"
    "Bist du ein Bulle?", kommt die Gegenfrage.
    "Nein. Ist eine Erbkrankheit in der Familie, also die Neugier."
    "Dann ist das Gespräch hiermit beendet", schreibt der Andere.


    Ein Ton ist zu hören und Ben ist aus dem Chat geflogen. "Ganz toll gemacht, Ben. Ganz toll", mosert Semir. "Was denn? Jetzt sind wir wenigstens ein wenig weiter. Außerdem können wir es morgen ja nochmals versuchen", meint Ben und verlässt wütend das Büro. Er muss jetzt dringend einmal Dampf ablassen. "Wie kann ein einzelner Mensch nur so grausam sein", schimpft er draußen. Semir kommt das Verhalten von Ben merkwürdig vor und folgt ihm.


    Ben steht vor seinem Wagen. Irgendwie muss er seine Wut abbauen. Mit voller Wut tritt er gegen den Mercedes und verursacht so eine mächtig, tiefe Beule im Auto. "Sag geht's noch Ben", schreit Semir über den Parkplatz und rennt zu Ben. "Nein. Mit mir ist alles bestens", meint Ben gelassen. "Das merkt man. Deswegen hast du ja auch gerade gegen das Auto getreten", entgegnet Semir und deutet auf die Beule. "Hast ja recht. Ich bin nur sauer auf diesen Typen vom Chat", murmelt Ben und ballt seine Hände zu Fäusten. "Jetzt beruhige dich einmal wieder. Wir bringen diese Menschen hinter Gitter und dort können sie schön in der katholischen Hölle schmoren", meint Semir. "Hast recht. Sag mal, wo ist denn eigentlich Kim?", fragt Ben nebensächlich. "Ich weiß nicht. Sie hat vor einer halben Stunde einfach das Büro verlassen ohne jemanden etwas zu sagen", meint Semir und zuckt mit den Schultern. "Dann fahre ich jetzt nach Hause. Zu Julia komme ich jetzt nicht mehr rein", sagt Ben und steigt in seinen demolierten Mercedes. "Ruf mich an, wenn was ist", ruft Semir im nach, bevor Ben ins Auto steigt. Anschließend fährt er selbst nach Hause.


    Erschöpft fällt Ben ins Bett. "Das war ein Tag", murmelt er und schläft daraufhin schnell ein. Doch es ist eine sehr unruhige Nacht.


    Am nächsten Morgen stehen Semir und Kim vor Bens Wohnungstür. "Warum macht er denn nicht auf?", fragt Semir und klingelt noch einmal. Den Ersatzschlüssel will er nicht noch einmal verwenden. Das letzte Mal gab es deswegen schon genug Ärger. "Jetzt reicht es mir", meint Kim und zieht einen Wohnungsschlüssel aus der Hosentasche. "An ihrer Stelle würde ich das jetzt nicht machen", sagt Semir. "Wenn er nicht pünktlich zur Arbeit kommt, muss er damit rechnen", entgegnet Kim belustigt und betritt die Wohnung, gefolgt von Semir.
    Kim läuft geradewegs ins Schlafzimmer und reißt die Tür auf. Die Tür knallt an die Wand. Passend dazu klingelt der Wecker. Wütend greift Ben nach den Wecker und schmeißt ihn Weg. Nur Zentimeter von Kim entfernt, zerschellt er an der Wand. "Sag geht es noch!", schreit Kim nun sauer und zieht Ben die Bettdecke vom Kopf. Sofort sitzt Ben senkrecht im Bett. "Wie spät ist es?", fragt er erschrocken und schaut sich nach dem Wecker um. "Danach brauchst du gar nicht erst suchen. Der liegt auf dem Boden. Dem hast du sauber das Leben ausgehaucht", motzt Kim und schmeißt die Bettdecke auf den Boden. "Sorry Kim. Ich weiß, dass ich mal wieder zu spät dran bin", murmelt Ben und steht auf. "Schön dass du es weißt. Ich fahre jetzt mit Semir zum Revier. In einer halben Stunde bist du dort, sonst...", faucht Kim und verlässt, gefolgt von Semir, Bens Wohnung. "Immer diese emanzipierten Weiber", motzt Ben leise und zieht sich frische Kleidung an. "Das habe ich gehört", ruft Kim und schmeißt die Tür knallend zu. "Ganz toll gemacht, Herr Jäger. Mal sehen wie du das wieder gerade biegen willst", meint Ben und verlässt kurz darauf ebenfalls die Wohnung.


    "Guten Morgen Partner. Da hast du dir ja einen schönen Ärger ins Haus geholt", meint Semir und lacht. "Freust du dich, dass bei mir auch einmal der Haussegen schief hängt. Ich möchte gar nicht wissen, wie oft du und Andrea vor der Hochzeit getrennt wart und dann wieder zusammen gekommen seit", meint Ben sauer und lässt sich auf den Rollstuhl fallen. Kurz darauf klingelt Bens Handy. "Jäger", meldet er sich. (...) "Ach hallo Papa. Das du dich mal meldest." (...) "Du willst wissen wie es Julia geht? Dann frage sie doch selbst!" (...) "Wo sie liegt. Sie liegt im Städtischen Krankenhaus." (...) "Dann geh mal hin und schaue sie dir mal selbst an, dann weißt du es!", schreit Ben und legt auf. Semir hat während dem Gespräch immer wieder den Kopf eingezogen. Das Ben so wütend werden kann, das wusste er nicht. Aber andererseits kann er Ben auch verstehen. Ein Vater, der seine kranke Tochter nicht besuchen will, nur weil ihm das Geschäft wichtiger ist. Das ist einfach unglaublich.

  • 7. Kapitel



    Auf dem Krankenhausflur in der Intensivstation steht ein etwas betagter Herr. Er trägt einen Anzug und besitzt weiße Haare. Vorsichtig drückt er die Türklinge herunter und betritt leise das Zimmer. "Mensch Julia. Du siehst ja wirklich echt....", flüstert der Mann geschockt. "Ben hat also recht gehabt und ich habe ihm so einen Ärger bereitet.", denkt er von sich selbst enttäuscht, "Ich glaube, da ist eine Entschuldigung fällig." Leise zieht er sich einen Stuhl heran und setzt sich neben das Bett. Wie hat er das denn nur zulassen können, dass er sie nicht schon früher besuchen gekommen ist. Ein Pfleger geht gerade auf der Station entlang und blickt durch die Glasscheibe und sieht dort ihn einem unbekannten Mann sitzen. Gesehen hat er diesen Mann auf dieser Station noch nie. "Am besten ich informiere Herr Jäger", denkt sich der Pfleger und flitzt eilig zum Stationszimmer.


    Bei Ben im Büro klingelt wieder einmal das Telefon. "Na. Wieder eine Frau für eine Nacht gehabt und jetzt steht sie auf dich", lacht Semir, der dies schon öfters als einmal mitbekommen hat. Ben blickt auf das Display und erschrickt. "Semir. Ich glaube da liegen wir heute beide falsch. Es ist das Krankenhaus", sagt Ben und nimmt ab. "Jäger", meldet sich Ben. (...) "Ein älterer Herr sitzt bei meiner Schwester am Bett. Okay ich komme", meint Ben und legt auf. "Komm Partner. Ein fremder Mann hat sich bei meiner Schwester im Zimmer niedergelassen", wendet sich Ben an Semir nach dessen fragenden Blick. Und schon waren die beiden bei Semirs BMW und fahren mit Vollgas zum Krankenhaus.
    Mit einem Schlittern kommt Ben vor Julias Zimmertür zum Stehen. Nervös blickt er durchs Fenster. Dann plötzlich weitet sich sein Blick und er betritt festen Schrittes das Zimmer. "So. Also hast du deinen Hintern doch hierher bewegt", sagt Ben und geht zu Julias Bettende. Sie liegt immer noch friedlich schlafend darin. "Ja. Du hast mir ein ganz schön schlechtes Gewissen gemacht. Das hast du bestimmt von deiner Mutter", meint Konrad Jäger und grinst. Plötzlich öffnet sich die Tür und der Arzt betritt den Raum. "Oh. Entschuldigung, ich habe nicht gewusst, dass sie schon da sind", sagt der Arzt erschrocken und will gehen, als ihn Ben aufhält. "Wenn Sie schon einmal da sind, dann können Sie uns sicherlich sagen, wie es ihr geht", meint Ben. "Das Fieber ist runtergegangen. Wenn es unter 39 Grad ist, können wir sie aus dem Koma holen", erzählt der Arzt. "Wird sie wieder gesund?", fragt Konrad. "Ja. Allerdings muss sie, wenn sie sich davon erholt hat, noch einige Zeit im Krankenhaus bleiben. Nur zur Sicherheit", beantwortet der Arzt die Frage und verlässt anschließend das Zimmer. "Jetzt hast du es gehört, wie es Julia geht. Ich gehe dann mal wieder an die Arbeit", sagt Ben und geht ebenfalls.


    Vor den Türen der Intensivstation atmet Ben erst einmal tief und erleichtert aus. Wie lange hat er den Tag herbei gesehnt, an dem er dies hören würde. "Erde an Ben! Was ist denn jetzt?", fragt Semir. "Julia kann bald aus dem Koma geholt werden. Und der Mann, der bei ihr war, ist mein Vater", klärt Ben Semir auf und kurz darauf bekommen beide ein fettes Grinsen ins Gesicht. "Das ist ja schön", sagt Semir. "Und nun an die Arbeit. Ich möchte die Sekte dingfest machen", meint Ben und schlägt mit Semir ein. "Dann einmal auf zum Revier."
    Wenig später sitzen beide an ihrem Schreibtisch und brühten über den Fall. "Semir. Ich versuche einmal mein Glück in diesem Chat. Vielleicht ist ja jemand da, den man ein wenig mehr aushorchen kann", meint Ben und loggt sich in den Chat ein. Doch wie er sich schon denken konnte, ist keiner im Chat. Plötzlich klingelt Semirs Telefon und genervt geht der Deutschtürke dran. "Gerkhan", sagt er und hört auf, als Hartmuts Stimme am anderen Ende der Leitung ist. "Du weißt jetzt, wie man mit dem Gift in Kontakt kommt. Mit, bitte was? Okay. Danke für die Info", sagt Semir und legt auf. "Was ist?", fragt Ben. "Das Gift bekommt man mit so einem afrikanischen Blasrohr", sagt Semir schockiert und schüttelt sich. "Das klingt ja schrecklich", murmelt Ben und denkt angestrengt nach. "Was hältst du davon, wenn wir Sturmi einmal fragen?", meint Ben. "Sturmi? Diesen Chaot, der sich noch dazu Chaostheoretiker nennt?", fragt Semir schockiert zurück. Ben nickt. Auf einmal ist im Großraumbüro Lärm zu vernehmen. Beide treten neugierig nach draußen und was sie da erblicken, lässt sie grinsen. Nur sehr schwer konnten sich beide ein Lachen verkneifen. So ergeht es auch Susanne, Hotte und Dieter.


    "Aber Frau Krüger. Das hat was mit diesem Fall zu tun. So glauben Sie doch", jammert Sturmi und krallt sich an der Chefin fest. "Der hat vielleicht Nerven", murmelt Ben. "Stimmt!", entgegnet Semir, "Wollen wir dein Frauchen mal befreien?" "Mein, bitte was?", fragt Ben empört. "Na komm. Dann wollen wir sie mal erlösen", meint Semir und geht zu Sturmi und Kim. "Sturmi. Jetzt lass die Chefin bitte in Ruhe. Aber wenn es so wichtig ist, kannst du es gerne uns erzählen", sagt Semir und blickt ihn an. Ben stöhnt leise auf und geht zu Semir rüber. "Aber ohne mich", flüstert er und folgt Kim in ihr Büro. "Dann eben nicht", ruft Semir ihm nach und schüttelt den Kopf.


    "Also. Was hast du so interessantes für uns?", fragt Semir und setzt sich auf den Schreibtisch. "Ich habe von einem guten Freund diesen Pfeil zugesteckt bekommen", antwortet Sturmi und zeigt Semir den Pfeil vor. "Halt ihn fest. Hier lass ihn da reinfallen", entgegnet Semir und hält ihm eine Plastiktüte vor. Sturmi lässt den Pfeil reinfallen. Das ist jetzt Arbeit für Hartmut. "Also noch einmal. Dir wurde der Pfeil zugesteckt. Nur zugesteckt, also nicht irgendwie in die Haut gestochen?", fragt Semir. "Nein. So wie ich es dir gesagt habe", meint Sturmi. "Gut. Dann kannst du erst einmal wieder gehen", meint Semir und deutet auf die Tür. "Aber wenn ihr meine Hilfe braucht, dann...", setzt Sturmi an. "Ja,ja", sagt Semir und schiebt ihn zur Tür raus. "Gibt man ihm einmal den kleinen Finger, nimmt er gleich den gesamten Arm", murmelt Semir und grinst. Anhänglich wie eine Klette.

  • 8. Kapitel



    Währenddessen ist Ben in Kims Büro. "Na. Hast du die Attacke gut überstanden", scherzt Ben und lacht. "Wie man sieht ja", sagt Kim und grinst. "Wegen heute früh wollte ich mich bei dir entschuldigen", entgegnet Ben und blickt seiner Freundin dabei tief in die Augen. "Vergeben und vergessen", flüstert sie und tritt einen Schritt näher an ihn. Vorsichtig nimmt Ben seine Freundin in den Arm. Auch dieser Streit vergessen und beide sind heilfroh darüber. "Ich muss wieder an die Arbeit. Wie ich sehe, ist Sturmi gerade gegangen", meint Ben, der am liebsten den Moment einfrieren möchte. Schweren Herzens lässt er Kim wieder los und verlässt ihr Büro.


    "Na Semir. Hast du ihn wieder los bekommen?", fragt Ben und wirft noch einmal einen Blick nach hinten. "Ja. Und diesmal hat er wirklich etwas wertvolles gebracht. Schau mal", meint Semir freudig und hält Ben die Plastiktüte hin. "Das ist doch soetwas, was Hartmut am Telefon gemeint hat, oder?", fragt Ben und blickt Semir erwartungsvoll an. "Genau. Und das werde ich jetzt zu Hartmut bringen. Der soll mal zusehen, dass er daran Spuren von der Krankheit findet", entgegnet Semir und verlässt die PAST.
    Kaum hat Semir den Raum verlassen, macht es ein "Pling!" am Computer. Erstaunt wendet Ben seinen Blick auf den PC und entdeckt eine Nachricht im Chat. "Guten Tag Phoenix!", liest Ben laut vor. Als er nach dem Namen sucht, entdeckt er nur "Unbekannt". "Was für ein merkwürdiger Nickname, aber egal. Hauptsache ich komme an Informationen", meint Ben und beginnt zu antworten.
    "Guten Tag."
    "Was suchst du hier?"
    "Liebe, Glück und Frieden, was es auf dieser Welt nicht existiert."
    "Okay. Dann bist du bei uns genau richtig."
    "Wie kann ich an mehr Informationen zu eurer Sekte bekommen?"
    "Wir sind keine Sekte, sondern eine Gruppe."
    "Eine Gruppe? Dann steht auf eurer Website etwas falsches."
    "Da hast du wohl recht."
    "Also. Wo bekomme ich mehr Infos?"
    "Heute Abend 23 Uhr findet ein Treffen für Neulinge statt. Komme an die Domplatte. Dort werdet ihr dann abgeholt."


    Und schon ist der Chat beendet. "Das hört sich ja mehr als interessant an", murmelt Ben und wählt nach kurzem Überlegen Semirs Handy an.
    "Ja, Semir", meldet sich Bens Partner. "Hallo Partner. Ich habe neue Infos zu unserem Fall", sagt Ben und wartet auf eine Antwort. "Okay. Ich komme dann auch erst einmal zur PAST zurück. Hartmut braucht wahrscheinlich bis morgen mit der Analyse", antwortet Semir und legt auf. Gekonnt schwingt er sich in seinen BMW und fährt davon.


    "So Partner. Was hast du denn interessantes?", fragt Semir. "Heute Abend um 23 Uhr an der Domplatte findet ein Treffen statt. Die Neulinge werden abgeholt und wo es dann hingeht, weiß ich nicht", erzählt Ben. "Das klingt doch einmal interessant. Dann auf zur Chefin", ruft Semir und Ben folgt ihm zu Kims Büro. "Chefin. Heute Abend gibt es ein Treffen für die Neulinge. Wir schlagen vor, dass Ben dorthin geht, ausgestattet mit Mikro und Peilsender", schlägt Semir vor. Kim blickt leicht skeptisch und scheint lange zu überlegen. "Okay. Aber sie folgen ihn auf Schritt und Tritt in einiger Entfernung. Ich will keine Alleingänge und schon gar nicht, dass er sich einer Gefahr aussetzt", bestimmt Kim und gibt somit ihre Zustimmung. "Gut. Dann lege ich mich jetzt im Bereitschaftsraum hin", meint Ben und verschwindet. "Dann gehe ich mal Mikro und Peilsender besorgen", entgegnet Semir und verlässt ebenfalls das Büro.


    Ben liegt auf einem Bett im Bereitschaftsraum und versucht die richtige Lage zum Schlafen zu finden. Doch die Nervosität, was ihn bei diesem Treffen erwartet, hängt wie eine schwarze Wolke über seinen Schlaf. "Was mich da wohl erwartet?", flüstert Ben und schließt die Augen. Irgendwann mal müsste er doch endlich Schlaf finden.


    Ben befindet sich in einem kahlen, dunklen und übel riechenden Raum. An der Decke baumelt eine Lampe, die aber nicht an ist. "Wo bin ich hier denn?", hört er seine eigene Stimme rufen. In seinen Ohren kommt sie ihm viel zu laut vor. Ben steht auf und tastet sich an der Wand entlang. Doch der Raum hat keine Türen. "Wo bin ich denn da nur wieder hineingeraten?", fragt seine eigene Stimme. Panik schlägt bei ihm um sich. Plötzlich merkt er, dass es unter seinen Füßen nass wird. "Und was soll das jetzt?" Binnen weniger Minuten steht das Wasser so hoch, dass er schwimmen muss um sich über Wasser zu halten. Ehe Ben stirbt, fällt er aus dem Bett. "Mein Gott, was habe ich denn da bloß geträumt?", murmelt er und schüttelt sich. Doch dass dieser Traum einmal eine Rolle spielt, weiß er zu diesem Zeitpunkt nicht.


    "Na Partner. Gut geschlafen?", fragt Semir. "Wie man es nimmt", murmelt Ben und geht zu seinem Partner. "Dann wollen wir dich einmal verkabeln", meint Semir und Ben zieht sein Shirt aus. Sorgfältig befestigt Semir das Mikro an der Brust. Anschließend zieht Ben sein Shirt wieder an und zieht dafür einen seiner Schuhe aus. Darin versteckt er den Peilsender in einem Geheimfach an der Schuhzunge. "So. Damit müsste ich perfekt geschützt sein", meint Ben und zieht den Schuh wieder an. "Und was machen wir jetzt noch?", fragt Semir. Es ist erst 21:45 Uhr und das Treffen ist erst um 23 Uhr. "Wir können uns langweilen, etwas essen oder du gehst deine Freundin nerven", schlägt Semir vor, wobei er beim letzten Punkt frech grinst. "Kim ist immer noch im Büro?", fragt Ben erstaunt. "Ja. Kann uns doch aber egal sein, oder?", entgegnet Semir und lacht. "Hast recht. Ich finde, wir sollten was essen. Mein Magen rebelliert einmal wieder", sagt Ben und guckt Semir treuherzig an. "Wer ist eigentlich dran mit bezahlen?", fragt Semir, nachdem er einen Blick in seine Geldbörse wirft. "Eigentlich du, aber wenn du schon so fragst, dann bezahle ich liebend gern", meint Ben und wählt die Nummer vom Pizzaservice, der 20 Minuten nach der Bestellung auch schon lieferte. Gemeinsam ließen sie sich das Essen schmecken.

  • 9. Kapitel



    15 Minuten vor dem Treffen steht Ben zusammen mit Semir an der Domplatte. "Na dann viel Glück", sagt Semir und klopft ihn aufmunternd auf die Schulter. "Danke. Und dass du mir ja auf mich aufpasst", meint Ben und geht auf eine größere Gruppe zu, die sich anscheinend versammelt. Er gesellt sich zu den anderen und wartet. Plötzlich stellt sich ein Mann neben ihn und gelangweilt Ben: "Is' was?" "Hallo Ben", sagt ihm eine wohlbekannte Stimme. "Sturmi. Was machst du denn hier?" Ben fällt aus allen Wolken. Wenn die hier bemerken, dass er Bulle ist, dann "Hasta La Vista!" "Dumme Frage. Ich ermittle natürlich mit", entgegnet er locker und grinst. "Nein, nein. Du gehst jetzt schön nach Hause und bleibst auch dort. Das ist unsere Sache", meint Ben und schiebt Sturmi demonstrativ weg von der Gruppe. "Nein. Ich bleibe hier!", trotz Sturmi rum und zieht die Aufmerksamkeit aller auf sich. "Halt deine Klappe", zischt Ben zu ihm rüber. Schnell dreht sich Ben um und entfernt sich von Sturmi.


    "Sag mal, was will der denn hier", schreit Semir empört. Schnaubend legt er sich in seinem BMW wieder zurück. "Morgen früh kannst du dich warm anziehen, Kollege", meint er nur und knetet schon einmal seine Hände.


    "Guten Abend meine lieben Mitmenschen. Heute wird es einige Informationen zu unserer Sekte geben. Doch zuerst. Folgen Sie mir, hier sind zu viele Ohren, die etwas hören können." "Oh ja. Und wie viele hier zu hören", meint Semir zur Bestätigung. Die Gruppe geht in den Dom um sich dort "ungestört" zu unterhalten.
    "Auf eurer Seite habt ihr erfahren, dass wir nur bestimmtes Leben aushauchen. Habt ihr dazu fragen?", fragt die Unbekannte Stimme. Zögerlich hebt sich die Hand eines Mädchen, die höchstens 16 Jahre alt ist. "Welches Leben ist davon betroffen?", fragt sie mit sicherer Stimme. "Das Leben von Reiche, Neureiche, Menschen mit ansteckenden Geschlechtskrankheiten,...", antwortet der Mann die Frage und blickt erwartungsvoll in die Runde. "Wie viele Mitglieder hat ihre Gruppe?", fragt jemand anderes. "Unsere Gruppe hat zur Zeit 50 Mitglieder, doch die Zahl steigt stetig", antwortet er gelassen. Und so geht es das ganze Treffen ab. Einer fragt, der unbekannte Mann - der bis zum Ende seinen Namen nicht verraten hat - antwortet.


    Um 2.00 Uhr morgens fällt Ben auf den Beifahrersitz vom BMW. Er hat gewartet, bis alle den Platz verlassen hatten und er völlig allein auf dem Platz war. "Wie war das Treffen", murmelt Semir und blickt seinen Partner erwartungsvoll an. "Fahre erst einmal zur PAST. Dort werde ich dir dann alles erzählen", meint Ben müde und schließt die Augen. "Toll. Ich stehe mir hier im Auto die Reifen platt und der werde Herr meint er sei müde und schläft einfach mal. Und wie es mir geht, fragt er erst gar nicht", mault Semir, während er fährt. "Ich habe dich gehört", murmelt Ben und grinst.


    "Also. Was haben wir?", fragt Semir im Büro. "Die Gruppe hat 50 Mitglieder. Infiziert werden Menschen, die reich, neureich oder an Geschlechtskrankheiten erkrankt sind", erzählt er. "Oha", meint Semir und schüttelt mit dem Kopf. Das Menschen zu solchen Taten greifen. "Hauptsächlich waren bei dem Treffen Jugendliche, die sich auf dem Weg der Selbstfindung befinden. Das jüngste Mädchen ist gerade mal 14 Jahre alt", erzählt Ben weiter. "Und was war mit Sturmi?", will Semir wissen. "Den habe ich schnell abgeschüttelt. Ich kann nur hoffen, dass er die Klappe gehalten hat und niemanden verraten hat, dass ich Bulle bin", sagt Ben während er das Mikrophon von seinem Körper entfernt. "Na hoffentlich", meint Semir und schickte ein Stoßgebet in den Himmel. Doch wie er sich da wohl irren wird, das wusste Semir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ben wurde mittlerweile schon von zwei Mitgliedern überwacht.


    "Ich lege mich jetzt hin", meint Semir, der sich müde die steifen Glieder streckt. "Mach das Partner. Ich halte so lange die Stellung hier", entgegnet Ben und winkt ab. Semir macht sich auf in den Bereitschaftsraum legt sich dort auf ein Bett. Schnell findet er Schlaf.


    Währenddessen durcharbeitet Ben die Akten und liest Berichte, als sein Handy klingelt. Grummelnd holt er es aus der Jackentasche und meldet sich: "Jäger!" (...) "Oh mein Gott. Wie geht es ihr?" (...) "Ja. Verstehe. Sie melden sich, wenn es etwas Neues gibt?" (...) Traurig legt Ben wieder auf und setzt sich benommen an seinen Platz. Das, was er gehört hat, musste er erst einmal verdauen. So viele Schicksalsschläge innerhalb von kurzer Zeit setzt einen schon echt hart zu.


    Semir wacht auf und streckt sich. Der Schlaf hat ihn gut getan. Doch irgendetwas in seinem Gedächtnis scheint zu arbeiten. Aber was nur? Da meldet sich sein "Bauchgehirn" und sofort spürt er, dass etwas nicht stimmt. Grübelnd geht er ins gemeinsame Büro und sagt: "Guten Morgen..." Abrupt bleibt er stehen. Sein Partner ist nicht im Büro. "Susanne, wo ist den Ben?", fragt er überrascht die Sekretärin. "Der hat vorhin einen Anruf auf dem Handy bekommen. Dann saß er 10 Minuten hier bevor er überstürzt das Büro verlassen hat. Wohin er ist, dass weiß ich allerdings nicht", antwortet Susanne schulterzuckend.


    Plötzlich fällt bei Semir der Groschen, woran er die ganze Zeit dachte. Da war noch die Sache mit dem Toten von der Raststätte. Und dieser war Mitglied in dieser Gruppe und genau in dem Alter. Doch leider bringt ihn das nicht weiter. Das Einzigste, was ihn Kopfschmerzen bereiten, ist der Gedanke, dass er nicht weiß, wohin sein Partner und Freund gegangen ist.


    Ben sitzt auf dem Dach der PAST. Susanne, die gerade die PAST betreten hat, als er in Richtung Dach gegangen ist, hatte ihn nicht bemerkt. Hoffte er zumindest. Er ist total fertig mit den Nerven. Erst sieht alles nach einer Besserung aus und dann. Dann wird alles noch schlimmer als es vorher war. Wie soll er damit nur fertig werden. Ob sein Vater schon Bescheid weiß? Zwischen seinen Finger hält er sein Handy und denkt nach, wen er zu sich holen soll. Semir oder Kim? Kim oder Semir? Schlussendlich klappt er das Handy auf und schreibt er eine kurze und schnelle Nachricht. Danach sucht er die Nummer, drückt auf senden und springt vom Dach. Dort steigt er in seinen Mercedes und fährt davon. Er braucht jetzt einfach Zeit für sich.

  • 10. Kapitel



    Semir überlegt, was zu tun ist. Die Berichte sind geschrieben, einsortiert und bis jetzt noch keine neue Arbeit in Sicht. "Okay. Dann werde ich diesen Sturmi jetzt mal gründlich zusammenfalten", meint Semir und nimmt den Hörer in die Hand. Er wählt die Nummer von Sturmi. Doch keiner geht ran. "Gut. Dann eben später", sagt er und legt wieder auf.


    "Gerkhan, wo ist Jäger?", donnert Kim und schaut ihn herausfordernd an. "Der... ähm...", stottert Semir als sein Handy piepst. "Ein Glück", denkt sich Semir und fischt es aus der Hosentasche. Bei Kim hat es ebenfalls geklingelt. "Mir geht es nicht gut. Bin zu Hause. Mach dir keine Sorgen, Ben", liest er und schüttelt den Kopf. "Hätte er das nicht früher sagen können", meint Kim und verlässt wütend das gemeinsame Büro von Semir und Ben. Doch Semir beschleicht ein merkwürdiges Gefühl.
    Mehrmals ruft er Ben zu Hause an, doch niemand geht ran. Selbst auf dem Handy geht er nicht ran. "Da stimmt doch etwas nicht", flüstert er und steht auf. "Susanne. Lass bitte mal Bens Handy orten. Ich habe ein ganz komisches Gefühl bei der Sache", sagt er zu Susanne während er die PAST verlässt. "Aber was ist denn los?", fragt sie. Doch da ist Semir auch schon weg. Er setzt sich in seinen BMW und fährt zu Bens Wohnung.


    Als er vor Bens Wohnungstür steht und klingelt, öffnet ihm niemand die Tür. Gleichzeitig ruft er auf ihn zu Hause an. Doch es regt sich nichts. Niemand geht an das klingelnde Telefon oder öffnet die Tür. "Wo steckst du Ben?", fragt sich Semir, als er wieder zu seinem BMW geht. Da klingelt Semirs Handy und er geht ran. "Semir hier!" (...) "So ein Mist." (...) "Okay. Ich schaue im Probenraum nach. Vielleicht ist er ja auch dort." (...) "Danke." Semir legt auf, steigt in den BMW und fährt mit überhöhten Tempo zum Probenraum. Auf der Fahrt ruft er Ben mehrmals auf dem Handy an, doch es meldet sich nur die Mailbox, die ihm sagte, dass er zur Zeit nicht zu erreichen ist. Zum Gefühlten 100-mal hinterlässt er Ben eine Nachricht auf der Mailbox: "Ben, Semir hier. Bitte melde dich. Ich mache mir sorgen. Wo bist du und was ist los?" Sauer legt er wieder auf.


    "Ben? Bist du hier?", ruft Semir in die Runde. Doch es gibt ihm keiner Antwort. Er findet einen Zettel auf dem Boden auf dem geschrieben steht: "Hallo Semir. Komm an den Ort, an den wir bis jetzt immer ungestört unterhalten konnten. Ben" "Also war er hier", schlussfolgert Semir und steckt den Zettel in die Jackentasche. Welchen Ort meint Ben denn nur? Fieberhaft denkt Semir nach und dann fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Eilig rennt er nach draußen und rennt dabei noch beinahe einen Pizzaboten um. "Sorry. Hab's eilig", ruft Semir zurück und steigt in den BMW. "Das sieht man", entgegnet er und der Pizzabote steigt selbst in seinen Wagen.


    "Ob Semir schon nach ihm suchen wird?", denkt sich Ben und starrt weiter auf den Rhein. Das Leben konnte ihm einfach nur übel mitspielen. Erst verliert er seine Mutter, dann Saskia und jetzt wahrscheinlich noch seine Schwester. Was soll denn noch alles kommen? Wehmütig hält er ein Foto in der Hand. Auf diesem ist seine Mutter, seine kleine Schwester, sein Vater und er zu sehen. Das war das letzte Familienfoto, was er von seiner Mutter vor ihrem Tod hatte. "Die Vergangenheit ist manchmal schöner als die Zukunft", murmelt er und blickt auf das Foto.


    Semir parkt sein Auto und steigt aus. Er weiß ganz genau, wo er suchen musste. Eilig rennt er den Kiesweg entlang und schaut sich suchend um. Auf einer Parkbank, die ziemlich verdeckt ist, sitzt Ben und scheint nachdenklich zu sein. Nach einem tiefen Atemzug der Erleichterung geht er auf ihn zu.
    "Die Vergangenheit ist manchmal schöner als die Zukunft", hört Semir Ben murmeln. "Das kann man so nicht sagen, Partner", meint Semir und setzt sich neben ihn. "Wie kommst du denn darauf?", fragt er überrascht. "Hier in der Gegenwart hast du eine Freundin, eine Familie - die dich liebt -, ein Patenkind, das dich braucht, und Freunde, die dir zur Seite stehen. Und das werden sie auch in Zukunft", antwortet Semir und legt ihm eine Hand auf die Schulter. "Du hast ja recht. Aber....", setzt Ben an und bricht daraufhin wieder ab. Er will, konnte nicht daran denken, geschweige denn aussprechen. "Was ist denn los?", fragt Semir, "Ist was mit Julia?" Und damit hat er den wunden Punkt bei Ben erwischt.


    "Das Krankenhaus hat sich heute früh gemeldet", sagt Ben. "Und was ist jetzt?" "Naja. Sie hatte heute früh einen Herzstillstand. Erklären können sich die Ärzte das nicht. Sie hoffen nur nicht, dass die Krankheit mutiert ist", erzählt er weiter. Einige Tränen bahnen sich den Weg nach unten über seine Wangen. Verschämt wischt sich Ben diese weg. Semir blickt ihn an. "Ben. Mach dir keine so große Sorgen. Sie ist stark, genauso wie du", versucht Semir Ben aufzumuntern. "Wer sagt mir das!", schreit Ben auf einmal und springt wütend auf. "Wer!" "Ben. Jetzt verliere bitte nicht die Nerven", sagt Semir und steht ebenfalls auf. "Nein! Ich will mich nicht beruhigen. Diese blöde Sekte. Und.... argh", schreit Ben weiter durch die Gegend. "Komm jetzt einmal runter. So bist du Julia keine Hilfe und bei dem Fall schon gar nicht!", brüllt nun Semir zurück. Er hat Bens Verhalten einfach nur satt. Erst verschwindet er einfach und lügt dabei und dann schreit er ihn ohne Grund einfach an. "Ich will aber nicht runterkommen!", ruft er weiter. "Gut. Dann gehe ich jetzt und wenn du wieder normal bist, kannst du dich gerne bei mir melden", sagt Semir wütend und geht davon.


    Was hat er nur getan? Er hat seinen Freund und Partner angeschrien, obwohl dieser nicht einmal was dazu kann. "Oh man!", seufzt Ben und streicht sich mit der Hand durch die Haare. "Eine ganz große Scheiße, die du gebaut hast", meint er zu sich selbst. Er steht auf. Zielstrebig geht er auf seinen Mercedes zu, steigt ein und fährt weg. Wohin ihn sein Weg führt, weiß er nicht. Aber auf alle Fälle weg von hier. Doch als er sieht, wo er gelandet ist, schüttelt er über sich selbst den Kopf.

  • 11. Kapitel



    Er ist an der PAST gelandet. Ben sitzt im Auto und denkt über das Gespräch vorhin mit Semir nach. In einem Fall hat er recht. Er durfte sich nicht gehen lassen, geschweige denn die Hoffnung verlieren. Das hilft ihm nicht, hilft Julia nicht und hilft bei den Ermittlungen nicht. Er steigt aus und geht ins gemeinsame Büro von Semir und ihm. Dort setzt er sich an seinen Schreibtisch und blickt Semir an. "Ist was?", fragt Semir leicht gereizt. "Ne Partner, aber ich wollte mich bei dir entschuldigen. Es war falsch dich anzuschreien, obwohl du nichts dazu kannst", sagt Ben, der wie ein Schüler vorher von seinem Lehrer bestraft wird. "Schon gut Partner. Wer weiß wie ich reagiert hätte, wenn Andrea oder meine Kleine betroffen wäre", meint Semir und grinst. Ben atmet erleichtert aus. Jetzt ist alles wieder im Lot. Zumindest ein kleiner Teil seiner Welt ist wieder heil.


    "Ja Chef. Er ist ein Bulle", sagt ein junger Mann. (...) "Okay. Wir versuchen alles mögliche über diesen Jäger herauszufinden." Damit ist das Gespräch auch schon wieder beendet. "Harry. Hacke dich in die Rechner dieses Reviers", sagt der Mann. Und sofort macht sich der Andere an die Arbeit.


    "Semir, Ben! Wir haben ein Problem!", ruft Susanne. "Was ist denn?", fragt Semir. "Wir werden anscheinend gehackt", meint sich panisch. "Ach du Grüne Neune", entgegnet Ben. "Hast du Hartmut informiert?", fragt Semir sofort und behält einen kühlen Kopf. Susanne nickt und geht weiter zu Kim. Auch sie muss über den Vorfall informiert werden. "Hier bin ich. Wo kann ich ran?", fragt Hartmut. "Gehe an Susannes PC. Versuche den Angriff zu stoppen", meint Semir und tigert zusammen mit Ben durch das Großraumbüro.


    "Da ist kein rankommen. Ich breche ab. Ich versuche es, wenn keiner im Revier ist", meint der Hacker und hört auf. "Na wenn du meinst. Aber wenn wir mit leeren Händen kommen, dann gibt es mächtig ärger, das weißt du hoffentlich", entgegnet der Andere. Der Hacker nickt und klappt seinen Laptop zu.


    "Er ist weg", jubelt Hartmut und erhebt sich. "Kannst du uns wenigstens sagen, von wo aus er sich eingewählt hat?", fragt Ben. "Also er hat sich über einen Laptop hier eingewählt und wollt ihr wissen wo er ist?", erklärt Hartmut. "Na klar. Also los", drängt ihn Semir. "Schon gut. Du brauchst mich ja nicht gleich umbringen. Derjenige scheint ganz in der Nähe zu sein. Um genau zu sagen hier auf dem Gelände", meint Hartmut und geht. "Hier auf dem Gelände", murmelt Ben und stürmt nach draußen. Also hat er sich doch nicht getäuscht, dass ihm einer gefolgt ist. "Ben, Ben! Wo willst du denn hin?", ruft Semir ihm hinterher. Auf dem Parkplatz bleibt Ben stehen und Semir wäre beinahe in ihn hinein gerannt.


    "Schau dir mal den Wagen an. Den habe ich hier noch nie gesehen", sagt Ben und winkt mit dem Kopf in Richtung eines dicken Wagens. "Stimmt. Den habe ich auch noch nie gesehen", meint dann Semir. Als die Personen in dem Wagen ihr Auffliegen bemerkt haben, rasen sie mit einem Affenzahn vom Parkplatz auf die Autobahn. "Nichts wie hinterher!", schreit Semir und springt zusammen mit Ben in den Mercedes.
    "Also wenn das kein Zeichen ist, dass der hinter dem Hackangriff steckt, dann weiß ich auch nicht mehr weiter", meint Ben während dem Fahren. Mit überhöhter Geschwindigkeit rasen sie über die Autobahn. Mehrfach kracht es. "Cobra 11 an Zentrale!" "Zentrale hört!" "Unfall auf der A4. Schickt Feuerwehr und Krankenwagen dorthin. Danke!" "So langsam sollten wir ihn einmal stoppen", meint Ben und fährt näher an den Wagen ran.


    Plötzlich kracht der Wagen gegen die Leitplanke, überschlägt sich ein paar Mal und bleibt auf dem Dach liegen. "Wow!", schreien Ben und Semir gleichzeitig. Mit quietschenden Reifen und einem langen Abdruck bleibt auf der Straße. Beide springen über die Leitplanke und rennen mit den Waffen im Anschlag zu dem Wagen, jeder Zeit bereit angegriffen zu werden. Jeder von den Beiden nehmen eine Autotürseite und reißen sie mit einem Ruck auf. Doch im Auto ist keiner mehr zu sehen. "Verdammt!", flucht Semir und haut gegen das Auto, "Die sind weg! Wir waren so nah dran!" Semir haut noch einmal gegen den Wagen ehe er sich beruhigt hat. Da fällt Ben der Laptop auf der Beifahrerseite auf und er nimmt es an sich. "Das soll mal Hartmut mal unter die Lupe nehmen", meint er und geht zum Mercedes und legt das Laptop auf die Rückbank. Er geht zurück zu Semir. Plötzlich hört er ein Knacken im Unterholz. Alarmiert holt er seine Waffe raus und will zu Semir um ihn zu warnen, als sich ein Schuss löst und Semir getroffen nach hinten fliegt.


    "Semir!", schreit Ben und rennt unter Deckung zu Semir. Weitere Schüsse fallen, doch verfehlen ihr Ziel. "Mensch Semir. Jetzt mach kein Blödsinn! Du hast doch Familie!", sagt Ben und schlägt ihm leicht auf die Wangen. Doch Semir wacht nicht auf. Aber Ben kann auch kein Blut erkennen. Weitere Schüsse fallen, treffen aber trotzdem nicht. Plötzlich riecht Ben Benzin. "Verdammt!", flucht er. Er steckt seine Waffe ein und hebt Semir hoch. "Nichts wie weg!", denkt er. In einer Entfernung, bei der Ben denkt, dass sie reicht, legt er Semir wieder ab. Plötzlich hört Ben einen lauten Knall und sieht, wie der PKW in die Luft geht. "Gerade noch rechtzeitig", denkt Ben und wendet sich Semir wieder zu. In diesem Augenblick hört er einen Motor anspringen und wie ein Motorrad den Feldweg verlässt und auf die Autobahn fährt.


    "Mensch Semir! Jetzt sag doch was", fleht Ben panisch und schlägt seinem Partner immer wieder auf die Wangen. Da hört Ben, wie sich ein Porsche nähert. Er blickt auf und sieht Hotte und Dieter auf sich zukommen. "Was ist denn passiert?", fragt Hotte schockiert. "Ruf einen Krankenwagen und die Feuerwehr", befiehlt Ben, anstatt auf Hottes Frage zu Antworten. "Semir. Mach keinen Scheiß. Was soll ich denn Andrea und deiner Kleinen sagen", sagt Ben und kämpft mit den Tränen. "Semir. Bitte sag doch was", fleht auch Dieter, der ebenfalls mit den Tränen zu kämpfen scheint. Bei Ben stehlt sich eine einzelne Träne aus dem Augen. Heute früh hat er sich noch mit Semir gestritten und erst vor zwei Stunden wieder vertragen. Wenn er stirbt,... er wüsste nicht, was er machen sollte.

  • 12. Kapitel



    Aus der Ferne vernimmt Ben das Geräusch von Krankenwagensirenen. "Na endlich", stöhnt Ben und blickt seinen Partner an. Kurz bevor der Krankenwagen zum Stehen kommt, hört Ben ein Husten und spürt wie sich unter ihm jemand bewegt.
    "Mensch Semir. Musst du mir so einen Schrecken einjagen", jammert Ben und ist froh, dass es doch nichts ernstes zu sein scheint. "Lebe ich noch?", sagt Semir hustend und setzt sich mit Hilfe von Ben auf. "Wie man sieht ja. Aber wie kommt das eigentlich?", stellt er die Frage zurück. "Ich habe keine Schutzweste getragen, aber...", stottert Semir und greift in seine Jackentasche. Er hat eine schlimme Vermutung welcher Gegenstand dran glauben musste. Ben bemerkt das Loch in der Jacke, dass sich in der Höhe vom Herzen befindet. "Das ging gerade noch einmal gut", denkt er sich und wartet ab, was Semir hat. Nach langem Suchen fischt Semir sein Handy aus der Tasche. "Das gibt es doch nicht", stöhnt er und halt Ben sein Handy hin, das jetzt aussieht wie ein Schweizer Käse. "Wie sage ich stets zu pflegen: Es gibt für alles ein App", lacht Ben und schlägt seinem Partner freundschaftlich auf die Schulter. "Hey. Nicht so fest", stöhnt Semir und hält sich die schmerzende Seite. "Sorry. Keine Absicht", murmelt er. "Schon gut. Helfe mir bitte einmal auf", meint Semir und streckt Ben seine Hand hin, der in der Zwischenzeit aufgestanden ist. Unter großer Anstrengung und Schmerzen rafft Semir sich auf und klopft sich Jeans, Jacke und T-Shirt sauber. "Na. Wieder pudelsauber?", scherzt Ben. Semir gibt nur ein Grummeln von sich und geht zum Mercedes und macht dabei einen gekonnten Umschweif um den Krankenwagen.


    "Semir. Ich habe gesehen, dass du um den Krankenwagen herumgegangen bist. Also ab mit dir, rein da. Lass dich mal durchleuchten", lacht Ben und schleift Semir zum Krankenwagen. "Aber ich habe doch nichts", beschwert sich Semir und sträubt sich dagegen. Doch alles Wehren hat keinen Sinn und beleidigt steigt Semir in den Krankenwagen.
    Eine Viertelstunde später steigt Semir wieder aus dem Krankenwagen und lässt sich auf den Beifahrersitz fallen. "Hey. Pass doch ein bisschen auf", schreit Ben und reißt im letzten Augenblick den Laptop vom Sitz. "Was denn?", fragt Semir unschuldig. "Du hättest dich beinahe auf ein Beweisstück gesetzt", sagt Ben und hält es Semir vor das Gesicht. "Und alles fit?", fragt Ben. "Ja! Außer einem riesigen, blauen Fleck und schmerzen, alles bestens. Und jetzt lass uns fahren", grummelt Semir. Lachend fährt Ben davon in Richtung PAST.


    "Hallo Jungs! Mensch Semir, was ist denn mit deiner Jacke passiert?", fragt Susanne und deutet auf das Loch, dass nicht gerade unauffällig ist. "Ein kleiner Betriebsunfall, genauso wie bei meinem Handy", murmelt er und verschwindet im Büro. Das Handy ist mittlerweile in der KTU, ebenfalls der Wagen. "Hoffentlich findet Hartmut etwas", meint Ben und setzt sich kauend hin. "Na. Haste mal wieder Hunger?", fragt Semir neckend. "Klar. Du hast mir soviel Energie geraubt, dass war schon nicht einmal mehr normal", entgegnet Ben mit vollen Mund. Beleidigt und trotzig wie ein kleines Kind setzt er sich an seinen Schreibtisch. "Jetzt trotz hier nicht rum. Du benimmst dich fast wie Aida, die nicht essen oder schlafen will", meint Semir und schreibt den Bericht über den Vorfall.


    "Haben Sie schon etwas interessantes?", fragt Kim nach, die langsam Druck vom Polizeipräsidenten bekommt. "Ja. Also Opfer sind immer reiche und neureiche Leute genauso wie Leute, die an Geschlechtskrankheiten erkrankt sind. Die Sekte hat 50 Mitglieder und richten sich hauptsächlich an Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren", erzählt Ben. "Also Jugendliche, die sich auf dem Weg der Selbstfindung befinden.", mutmaßte Kim und schüttelt den Kopf, "Was ist mit dem Wagen und den Hackangriff?" "Den Hackangriff hat Hartmut abwehren können. Den Wagen haben wir verfolgt, ist aber leider... naja... explodiert", sagt Semir. "Ist ja nicht tragisch. Hauptsache ist, dass der Dienstwagen noch in Ordnung ist", sagt Kim und verschwindet wieder.


    Keine zwanzig Minuten später rennt Vanessa, Kims Nichte, aufgeregt ins Büro. "Ben, Semir. Ihr müsst mir helfen", sagt Vanessa und blickt die beiden Kommissare nervös an. "Um was geht es denn?", fragt Ben und zeigt auf den Stuhl neben sich. Vanessa nimmt platz und beginnt zu erzählen: "Heute auf dem Schulgelände war ein merkwürdiger Mann. Der hat solche Pfeile verteilt." Demonstrativ hält sie es hoch. Ben zieht aus der Schublade eine Plastiktüte und Vanessa steckt den Pfeil rein. "Sind da deine Fingerabdrücke drauf?", fragt Semir. "Wo denkt ihr denn hin? Ich habe eine Polizistin in den eigenen Reihen, klar habe ich Fingerabdrücke hinterlassen!", meint Vanessa und grinst, "Ach was denkt ihr schon? Ich habe es mit einem Taschentuch entgegen genommen. Da werden bestimmt keine von mir drauf sein." "Gut. Hast du den Mann gesehen und wenn ja, könntest du es schaffen ein Phantombild zu erstellen?", fragt Ben. "Ja, klar habe ich ihn gesehen. Und wenn es euch hilft ihn hinter Gitter zu bringen, gerne", sagt Vanessa und steht auf. "Ach sag mal. Woher weißt du denn von unserem aktuellen Fall?", will Semir noch wissen. "Es gibt immer geheime Quellen die Quatschen", entgegnet Vanessa kalt. "Chefin", fangen Ben und Semir zu lachen an. "Schon in Ordnung. Ich gehe jetzt mit dir zu Hartmut in die KTU für das Phantombild", sagt Semir und verlässt zusammen mit Vanessa die PAST.


    Währenddessen fährt Ben zum Krankenhaus, um Julia zu besuchen. Seit dem Vorfall mit dem Herzstillstand bessert sich ihr Zustand nur sehr langsam. Doch immer wenn er oder sein Vater da sind, bessert sich ihr Zustand schlagartig und bleibt auch so. Deswegen wechselt sich sein Vater und er ab, wer über Nacht bei Julia bleibt. Heute Abend ist er dran. Ben freut sich gar nicht drauf. Doch was tut man nicht alles für seine kleine Schwester. "Hallo Papa. Und wie geht es Julia?", fragt Ben nachdem er das Zimmer betreten hat. "Unverändert", meint Konrad niedergeschlagen. Ben denkt nach. Wenn er über Nacht bleibt, dann hat er keinen, der ihn wachhält oder mit dem er sich unterhalten kann. Ob er Semir fragen soll? Eine gute Idee wäre es ja, aber dann würde er doch bestimmt wieder Ärger mit Andrea bekommen, oder vielleicht auch nicht. Ben nimmt sich vor, Semir gleich zu fragen, wenn er in der PAST wieder eintrifft.

  • 13. Kapitel



    Ben kommt gerade in die PAST. "Hallo Semir. Ich müsste mal mit dir Reden", druckst Ben herum. "Klar Partner. Um was geht es", meint Semir nachdem er die Bürotür und die Jalousien geschlossen hat. "Naja. Seit dem Julia den Herzstillstand hatte, bleibt entweder ich oder mein Vater über Nacht bei ihr. Und ich langweile mich da immer so, weil keiner da ist, mit dem ich mich unterhalten kann...", erzählt Ben und schaut auf den Boden. "Und da willst du wissen, ob ich heute Nacht mit dir zusammen dort bleibe?", fragt Semir und schaut in skeptisch an. "Ja. Wenn es Andrea nicht stört oder so", meint Ben und ohrfeigte sich in Gedanken selbst für die dämliche Frage. Wie konnte er auch nur von Semir verlangen seine Familie zu vernachlässigen nur damit er nicht allein ist? Es war von Anfang an eine doofe Idee gewesen. "Ben. Ich würde dir ja gerne helfen, aber Andrea und ich haben Aida versprochen heute Nachmittag ins Theater zu gehen", entgegnet Semir entschuldigend. Klar, es wäre für ihn kein Problem gewesen, aber dann hätte er das Gefühl seine Familie zu kurz kommen zulassen. Außerdem. Wie lange konnte er noch Aida als kleines Kind sehen? Bald würde Aida die Schule besuchen und dann hat sie nicht mehr so viel Zeit und ihm bleibt dann nur noch das Wochenende. "Kein Problem, Semir. Ich kann das gut verstehen. Also genieße du den Nachmittag mit deiner Familie", sagt Ben beschwichtigend und beginnt den Bericht über den letzten Fall zu schreiben.


    Semir bekommt ein schlechtes Gewissen. Er wollte doch Ben damit nicht verletzen. "Ben. Ich wollte dich damit nicht verletzen, aber die Tage mit denen ich mit meiner Familie was mache, sind einfach zu selten und....", setzt Semir an. "Ist schon gut. Ich kann dich sehr gut verstehen und auch damit leben", meint Ben nur und blickt seinen Freund und Partner an. Aber wen konnte Ben jetzt noch fragen. Seinen Vater nicht. Der war schon die letzten zwei Nächte bei Julia geblieben, da er keine Zeit hatte. Ob er vielleicht Kim fragen sollte? Ob sie dies für ihn machen wird oder würde sie auch von Anfang an ablehnen. Schließlich kennt sie ja noch keinen aus seiner Familie, ebenso wie er Kims Familie nicht kennt. "Hallo? Erde an Ben Jäger. Sind sie noch zu erreichen?", fragt Semir und wedelt mit der Hand vor dem Gesicht. "Ähhh. Ja, was hast du denn gesagt?", fragt Ben irritiert. "Ich gehe jetzt. Ich hoffe du wirst alleine klar kommen. Und wenn du heute Nacht nicht allein sein möchtest, dann frage doch einmal Kim. Die würde bestimmt bei dir bleiben", sagt Semir und grinst. Ob er Kim jetzt wirklich fragen soll, wie es Semir ihm geraten hat? Nachdenklich blickt er seinem Partner hinterher. Doch je mehr er darüber nachdenkt, desto mehr bekommt er das Gefühl, dass Semir recht hat und es die beste Idee ist. "Mehr als den Kopf abreißen, kann sie mir schließlich nicht antun", denkt Ben und steht auf.


    Zaghaft klopft er an das Büro von Kim. "Herein", sagt Kim und Ben öffnet die Türe. Sofort schließt Kim die Jalousien und schaut ihn daraufhin fragend an. "Du hast doch das mit meiner Schwester sicherlich mitbekommen?", fragt Ben. "Ja, klar. Flurfunk eben", meint Kim und grinst. "Das Semir nicht einmal seine Klappe halten kann", flucht Ben innerlich. "Okay. Und ich bleibe heute Nacht alleine bei ihr und da ich immer dort so alleine bin, wollte ich dich fragen, ob du mir nicht Gesellschaft leisten möchtest?", erzählt Ben und schaut sie flehend an. "Hat der kleine Kommissar Angst, alleine zu sein", neckt Kim und lacht. "Das ist verdammt noch einmal ernst gemeint", geht Ben sofort in die Luft. "Das weiß ich auch. Und ich komme mit. Semir hat mir alles schon erzählt", meint Kim und grinst. Ben ist baff. Das Kim so breitwillig zusagt, obwohl sie keinen aus seiner Familie kennt, verwundert ihn schon ein wenig. "Und du bist dir da absolut sicher?", fragt Ben, der es immer noch nicht so recht glauben will. "Ich habe ja gesagt und dann werde ich doch keinen Rückzieher mehr machen", meint sie und lässt sich auf den Bürostuhl fallen.


    Es ist spät am Abend und Ben sitzt an seinem Schreibtisch. In knapp einer Stunde ist er bei Julia und sitzt an ihrem Bett. Bis jetzt hat sich ihr Zustand nur sehr langsam gebessert und man weiß auch nicht, wann sie wieder aufwachen wird. Traurig betrachtet Ben ein Familienfoto, was kurz nach der Hochzeit von Julia aufgenommen worden ist. Nach nur knapp einem halben Jahr Ehe hat sich ihr Ehemann aus dem Staub gemacht und sie sitzen lassen. Kurz danach kam auch schon per Post die Scheidung. Julia war am Boden zerstört und wusste auch nicht, was sie falsch gemacht haben könnte. In Bens Augen natürlich gar nichts. Doch ihn hat es das Herz zerissen, als er Julia so leiden sah. Doch selbst Ben konnte es zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ahnen, dass Julias Exmann der Anführer dieser Sekte ist.


    An den Morden will Julias Exmann sich nicht die Finger schmutzig machen. Er ist immer noch der festen Überzeugung, dass Julia ihn betrogen hat. Dabei war er es, der eine Affäre mit der besten Freundin von Julia gehabt hatte. Nur wegen ihr hat er sie verlassen. Aus diesem Grund hat Julia nicht einmal mehr zu ihrer besten Freundin Kontakt. Was aber noch viel schlimmer ist. Julias Exmann ist auch derjenige, der sie mit der Krankheit unbemerkt infiziert hat.


    Doch von allem dem hat Ben noch keine Ahnung. Er ist so in Gedanken vertieft, dass er nicht einmal merkt, wie schnell die Zeit vergeht. Als ihn Kim dann plötzlich eine Hand auf seine Schulter legt, dreht er sich um. "Wollen wir gehen?", fragt Kim. Erschrocken blickt Ben auf die Uhr im Büro und merkt, dass er wieder einmal viel zu spät ist. Sein Vater wird ihm wieder einmal gründlich den Kopf waschen.

  • 14. Kapitel



    "Hallo Vater. Sorry, dass ich wieder zu spät bin", murmelt Ben und setzt sich auf den Stuhl, der auf der anderen Seite des Krankenbettes steht. "Macht nichts. Ich verstehe dich, dass du genug mit dem Lösen des Falles zu tun hast", meint sein Vater und erhebt sich. Er umarmt Ben schnell und verlässt das Zimmer.


    "Er hat dich nicht einmal bemerkt", sagt Ben und blickt Kim an. "Es ist noch genügend Zeit mich vorzustellen. Deine Schwester hat erst einmal Vorrang", entgegnet Kim. Plötzlich verspürt Ben einen leichten Druck an seiner Handy. Als erstes schiebt er es auf den Wunsch, dass Julia endlich erwacht und alles so ist wie früher. Doch da ist der Druck schon wieder. Ben blickt in Julias Augen und erkennt dass sie zuckten. "Kim, ich glaube sie wacht auf", meint Ben und deutet zur Verstärkung auf die flackernden Augenlider. "Julia. Sie wacht auf", jubelt Ben und springt beinahe vom Stuhl.
    "Ben. Jetzt beruhige dich erst einmal. Ich gehe jetzt den behandelden Arzt holen, während du schön hier bleibst", bestimmt Kim und drückt ihn sanft wieder auf den Stuhl.


    Ben ist voller Vorfreude. Seine kleine, geliebte Schwester wird bald wieder an seiner Seite sein. Lebend. Bens Gedanken überschlagen sich. Als die Türe aufgeht, blickt er sich um. Sofort macht sich der Arzt von Julia an die Arbeit. Sorgfältig prüft er Julias Werte und ist sichtlich überrascht. "Die Werte sind sehr gut. Ich denke, dass Sie in der nächsten Stunde aus dem Koma erwacht. Reden Sie mit ihr, vielleicht beschleunigt das ganze sich dadurch", erklärt der Arzt und verschwindet.


    Bis zum frühen Morgen hat es gedauert, bis Julia erwacht ist. Ben saß die gesamte Zeit neben ihr und sprach immer mit ihr. Kim liegt in einer sehr unbequemen Position auf der Couch und schläft. "Mensch Julia. Endlich bist du wieder bei uns", flüstert Ben und eine kleine Träne bahnt sich ihren Weg in Richtung Boden. Ein Teil des Albtraums hatte nun sein Ende. Der Andere würde dies bald auch sein.


    "Ben. Ich weiß, wer das war, der daran schuld ist", flüstert Julia und blickt ihren Bruder flehend an. "Nicht jetzt. Das hat noch alles Zeit", murmelt Ben. "Nein. Bitte. Es war mein Ex-Mann. Nehmt ihn fest, bevor er noch schlimmeres anrichten kann", meint sie und blickt Ben an. "Okay. Ich werde sehen, ob sich was machen lässt", stöhnt Ben. Nach einem leisen Murmeln aus der Richtung der Couch bemerkt Ben, dass Kim aufgewacht ist.
    "Haben wir dich geweckt, Schatz?", fragt er fürsorglich und nimmt sie erst einmal in den Arm. "Nein", murmelt sie leise. "Ich gehe mal schnell telefonieren. Papa weiß ja noch nicht, dass Julia wieder unter den Lebenden weilt", sagt Ben und geht vor das Krankenhaus um zu telefonieren.


    In der Villa Jäger sitzt Konrad gerade am Essenstisch, als er das Klingeln des Telefons vernimmt. "Nicht einmal in Ruhe frühstücken kann man", murrt er und steht auf. "Jäger!", meldet er sich etwas zu harsch. "Papa. Ich bin es. Julia, sie ist....", beginnt Ben als er von seinem Vater unterbrochen wird. "Was ist mit Julia?" "Jetzt lass mich doch einmal ausreden. Julia ist wach", meint Ben und man konnte am anderen ein Lach vernehmen. Konrad lässt sich auf die Treppe fallen. Das musste er erst einmal verarbeiten. "Papa. Bist du noch dran?", fragt Ben nun leicht panisch, da er am anderen Ende nichts mehr hört. "Ja klar. Ich komme ins Krankenhaus", meint Konrad ehe er auflegt. Julia ist endlich wach. Wie lange er darauf gewartet hat. Nun ging sein Wunsch in Erfüllung. Doch was ihm mehr sorgen bereitet. Wer ist daran schuld gewesen? Und ist sie immer noch in Gefahr?


    Glücklich über das Erwachen ruft Ben noch Semir an. "Gerkhan", meldet sich Semir. "Hallo Partner. Julia...", beginnt Ben, wird aber abermals unterbrochen. "Ich bin schon unterwegs", meint Semir, legt auf und verlässt voreilig das Büro. Er ahnt schlimmes, obwohl dies ja gar nicht so ist. "Na dann eben nicht. Dann mache dir halt um sonst sorgen", meint Ben, steckt sein Handy in die Hosentasche und geht wieder zu Julia auf das Krankenzimmer.


    Wenige Minuten später betritt Konrad das Zimmer. Julias Werte sind sehr gut und somit kann sie wahrscheinlich in einer Woche sogar schon auf die normale Station verlegt werden. "Mensch Julia. Was habe ich mir sorgen gemacht", sagt Konrad, als er an Julias Bett steht. "Aber erst nachdem ich dir einen Einlauf verpasst habe", lacht Ben. Über das Gespräch kann er immer noch lachen.
    Kurz nach dem Eintreffen betritt auch ein völlig außer Atem ringender Semir ins Krankenzimmer. "Was ist mit Julia?", fragt er schnaufend. "Nichts. Mir geht es blendend", lacht sie und blickt Semir an. Dieser schaut total verwirrt drein. "Ach Semir, dein Gesicht ist gerade echt göttlich", lacht Ben. "Aber... du,... wie", stottert er. "Tja Partner, hättest du mich ausreden lassen, würdest du jetzt nicht dastehen, wie ein begossener Pudel", lacht Ben und schlägt Semir auf die Schulter.


    "Ben. Ich gehe dann mal wieder. Wir haben ja noch einen Fall zu lösen", sagt Semir und steht auf. Ben scheint mit sich zu Ringen. Einerseits möchte er gerne bei Julia bleiben, aber andererseits will er auch dieses "Schwein" festnehmen und hinter Gittern sehen. "Gehe nur Ben. Ich bleibe bei Julia und leiste ihr Gesellschaft", sagt Konrad und legt Ben eine Hand auf die Schulter. "Okay. Aber heute Abend komme ich wieder", sagt Ben. Gefolgt von Semir und Kim verlässt er das Krankenzimmer.


    "Dieser Dreckskerl!", flucht Ben auf der Fahrt zum Revier. "Was hast du denn?", fragt Semir verwundert. "Julia hat mir erklärt, wer ihr das angetan hat", meint Ben. "Sie hat was?", fragt Semir und hätte mit der Vollbremse beinahe eine Massenkarambolage verursacht. "Mensch Semir. Jetzt pass doch einmal ein bisschen auf", meint Ben und grinst. "Und jetzt sag schon. Wer war es?", fragt Semir. "Ihr Ex-Mann", sagt Ben trocken. "Und sie ist sich da sicher?" "Ja klar. Ich kann mich noch an die Schlammschlacht erinnern und wie er sie bedroht hat, dass etwas schlimmes passieren wird. Ihr und ihrer Familie", meint Ben. "Und ihm ist das auch zu zu trauen?" "Ja na klar. Ich würde auch wetten, dass er auch diese Sekte leidet." "Dann mal auf zu diesem Ex-Mann", meint Semir und drückt das Gaspedal bis zum Boden durch.

  • 15. Kapitel



    Mit quietschenden Reifen kommen sie vor der Wohnung von Julias Ex zum Stehen. "Gerkhan, Jäger. Wo stecken sie denn zum Teufel noch einmal?", dröhnt die saure Stimme der Chefin aus dem Funk. "Wir sind in der Amselstraße 24. Es steht der dringende Verdacht, dass er hinter dem Anschlag auf Julia Jäger steckt", erklärt Semir ruhig. Stille. Aus dem Funk kommt gar nichts mehr zurück. "Chefin. Sind sie noch da?", fragt Ben besorgt. Er hat eine Vorahnung, dass etwas schlimmes passiert sein muss.


    "Hallo Ben. Na, kennst du mich noch?", fragt eine vertraute Stimme Ben. "Lukas!", stöhnt er sauer, "Was hast du mit unserer Chefin gemacht?" "Bis jetzt noch nichts. Ich rate dir, die Ermittlungen in diesem Fall fallen zu lassen, sonst endet es mit deiner Freundin in einem Blutbad", lachte Lukas. Er ist total irre geworden. "Lass Kim da aus dem Spiel. Das ist eine Sache zwischen dir und mir. Julia hast du ja schon genug angetan", schimpft Ben. "Na Ben. Zügle deinen Ton ein wenig, sonst hat deine Kimmie bald nichts mehr zum Lachen", mahnt ihn Lukas. "Verdammt! Lass sie aus dem Spiel", schreit Ben. Plötzlich Stille und dann auf einmal ein spitzer Schrei. "Du mieses A********!", schreit Ben. "Heute, 18 Uhr am Hafen. Bringe die Akten vom Fall mit und im Gegensatz dazu bekommst du deine Freundin wieder. Ach ja. Und lasse deinen Partner am besten zu Hause. Komme alleine. Wenn ich nur eine weitere Person sehe, dann kannst du deine Freundin beerdigen!", sagt Lukas. Dann ist ein Knacken in der Leitung zu hören. Ein Zeichen dafür, dass man den Funk eingehängt hat.


    "Verdammt!", schreit Ben, steigt aus und tritt gegen den Reifen vom BMW. "Hey. Mein BMW", mosert Semir. "Dein BMW hat jetzt kaum eine Bedeutung. Das Leben von Kim steht auf dem Spiel. Ich glaube nicht einmal, dass er mit ihr zimperlich umgehen wird", sagt Ben mit leiser Stimme. Das was er Julia angerichtet hat, war ja schon schlimm. Er möchte gar nicht wissen, was er mit ihr machen würde, wenn... "Nein. Daran darfst du gar nicht denken. Du wirst sie retten.", ermahnt sich Ben selbst. Ein kalter Schauer jagt ihn über den Rücken.
    "Wir fahren erst einmal ins Revier und holen die Akten. Ich will Kim wieder", meint Ben und steigt wieder in den BMW. "Okay. Dann können wir gleich mal herausfinden, wie er herausbekommen konnte, dass du mit ihr zusammen bist", sagt Semir und steigt ebenfalls ein. "Ja. wie wohl. Hast dein Hirn wohl heute zu Hause gelassen. Vielleicht wurde ich beschattet", mault ben zurück. "Ja. Das ist mir auch klar. Immerhin wissen wir, wer es ist", entgegnet Semir.


    Als Semir und Ben auf dem Revier eintreffen, spürt Ben die besorgten Blicke seiner Kollegen. Jeder hier weiß, was er durchgemacht hat. Keiner möchte jetzt in seiner Haut stecken. Ohne die Blicke der Anderen zu beachten, geht er ins Büro. Dort fällt sein Blick auf die Wanduhr. Nur noch knapp eine Stunde. Eilig sucht er die Akten zusammen. "Hast du alle?", fragt Semir. "Ja na klar", sagt Ben und wedelt damit in der Luft herum.
    Gemeinsam gehen sie auf den Parkplatz. Semir wollte schon in den Mercedes E500 von Ben einsteigen als ihn jemand plötzlich grob am Genick packt. "Was soll das?", fragt Semir und wehrt sich dagegen. Als er dann Ben erkennt, bekommt er weite Augen. "Ben, bitte", fleht Semir. Wie konnte sein Partner denn nur? Mit dieser Frage driftet Semir in die Bewusstlosigkeit.


    Mit überhöhter Geschwindigkeit rast Ben über die Autobahn in Richtung Hafen. Er will Kim wieder haben. Seine Kim und sein heiles Leben. Nur wenige Minuten vor der Übergabe bleibt der Wagen am Hafenrand stehen. "Lukas. Ich bin hier. Zeig dich!", schreit Ben sauer. Doch keiner kommt. Ben wartet weiter. Nach ein paar Minuten taucht Lukas Wagen auf. Lukas bremst scharf vor Ben ab. "So sieht man sich wieder", sagt Lukas, nachdem er ausgestiegen ist. "Ja. Hier sind die Akten und jetzt will ich Kim!", fordert Ben. "Nur langsam mit den jungen Pferden. Ich verlange noch..", sagt Lukas während er Kim vor sich hält wie ein Schutzschild.
    Plötzlich fahren mehrere Autos vor. An der Spitze ist ein silberner BMW. "Mensch Semir. Einen ungünstigeren Zeitpunkt konntest du auch nicht wählen", schimpft Ben. "Ich habe dir doch gesagt, dass du allein kommen sollst. Jetzt wirst du sehen, was du davon hast!", schreit Lukas, der nun komplett die Besinnung verloren hat. Er schubst Kim brutal zu Boden. Anschließend zieht er seine Waffe und richtet diese auf Ben. "Sag Hasta La Vista", meint Lukas und drückt eiskalt ab. Ben, getroffen von der Kugel, sackt in sich zusammen.


    "Ben!", schreit Kim. Sie will ihn nicht verlieren. Doch damit sie weiterleben kann, hat er sein Leben geopfert. Lukas steigt mit einem bösen Lachen in sein Auto und fährt davon. Semir bremst seinen Wagen scharf ab. "Na los. Fahren sie ihm hinterher. Ben lebt noch", sagt Kim und schaut Semir an. Sie konnte seine Unsicherheit verspüren. Abwechselnd schaut Semir zu dem wegfahrenden Auto zu Ben. Semir reißt sich los, steigt in seinen BMW und fährt Lukas hinterher. Er sinnt auf Rache. Rache, an das was er Ben angetan hat. Rache, an das was er Kim angetan hat und an das, was er gerade an Schmerz verspürt. Er will nicht noch einen Partner verlieren.


    "Kim. Ich habe dich gerettet. Vergiss das nicht", flüstert Ben. "Nicht reden. Du wirst weiterleben. Du musst jetzt nur ruhig sein und dich schonen", mahnte Kim, während sie mit den Tränen kämpfen muss. "Verdammt, wo bleibt denn der Krankenwagen!", schreit sie den nächsten Streifenpolizist an. "Der steckt im Stau", meint ein Kollege ruhig. Genau in diesem Moment fährt der Porsche von Hotte und Dieter vor. "Bonrath, Herzberger. Ich brauche sofort ihren Wagen", meint Kim gelassen. Hotte und Dieter schauen sich erstaunt an. "Aber..", setzt Dieter an. "Nichts da. Jäger ist verletzt und der Krankenwagen kommt nicht bei. Also her mit den Schlüssel", sagt Kim. Widerwillig rückt Dieter den Schlüssel raus. "Ben. Kannst du laufen?", fragt Kim vorsichtig. Ein schwaches Nicken von Ben. Mit sehr viel Mühe und Not steht er auf und läuft mit Hilfe von Kim zum Porsche. Als Ben im Sitz sitzt und Kim einstiegen ist, fahren die beiden mit Blaulicht und überhöhter Geschwindigkeit zum nächsten Krankenhaus.

  • 16. Kapitel



    "Verdammt, der fährt ja wie eine Sau", mosert Semir und versucht an Lukas dran zu bleiben. Immer wieder stellen sich Autos, die von Lukas geschnitten wurden, auf der Fahrbahn quer und mit Mühe und Not konnte Semir ihnen ausweichen. "Jetzt reichts mir", meint Semir, lässt das Fahrerfenster runter, zieht anschließend seine Waffe und versucht den Reifen zu treffen. Nach mehreren Versuchen, sitzt der letzte Treffer. "So mein Freundchen. Jetzt hast du keine Zukunft mehr", jubelt Semir, hält direkt neben Lukas Wagen. Er steigt mit gezogener Waffen aus und zieht Lukas brutal aus dem Auto. "So, dass ist für die Entführung unserer Chefin"", sagt Semir und haut Lukas eine rein, "Und das für Ben!" Und sofort hat Lukas die nächste Sitzen. Semir legt ihn Handschellen an und verfrachtete ihn auf die Rückbank des BMWs.


    Mit qualmenden Reifen kommt der Porsche zum Stehen. "Du bleibst hier!", sagt Kim und steigt aus. Mit eiligen Schritten geht sie zur Notaufnahme und holt einen Arzt herbei. "Wie soll ich denn überhaupt Abhauen", murmelt Ben ehe er bewusstlos wird. "Er muss sofort in den OP. Schussverletzung sitzt in der Höhe vom Herzen. Sofort EKG anschließen", bestimmt der Arzt während Ben auf eine Trage geschnallt wird. Nach langen Minuten wird Ben schnell Richtung OP geschoben als plötzlich Bens Herz aussetzt. "Verdammt. Jetzt mach uns hier nicht schlapp, Junge", flucht der Arzt und beginnt mit Wiederbelebungsmaßnahmen.


    "Na komm schon", sagt der Arzt. Auf einmal fängt Bens Herz wieder an zu schlagen. "Und jetzt ab in den OP", schreit der Arzt. Kim wurde ohne jede Beachtung ignoriert. Völlig verstört steht sie im Flur vor dem OP. Ihr geht nur eine Frage durch den Kopf: "Wird er es überleben und wenn ja, wird es je wieder so wie vorher?"


    "Na jetzt reden Sie schon. Warum haben Sie Julia Jäger und die anderen Menschen mit dem Virus infiziert?", fragt Semir wütend. Doch Lukas schweigt eisern. "Semir? Kommst du mal eben?", fragt Susanne. "Was gibt es denn?", fragt Semir. "Gerade eben ist ein junges Mädchen an der Krankheit gestorben. Ihre beste Freundin hat sie infiziert", meint Susanne traurig. "Man. Ich....", flucht Semir und tritt gegen die Wand. Wie kann man den Wahnsinn nur stoppen. "Ach und hier. Sturmi hat gerade angerufen. Ich soll dir das hier ausrichten", sagt Susanne, reicht Semir den kleinen Notizzettel und geht. "Was will dieser Chaot denn nun", murmelt Semir und faltet den kleinen Zettel auf. "Ich habe die restlichen Mitglieder gefunden. Es sind alles noch Jugendliche. Alle haben den Fehler und die Gefahr schon früh erkannt, aber der Anführer hat sie nicht gehen lassen. Die Jugendlichen sind wieder bei ihren Familien. Die Sekte ist zerschlagen. Sturmi P.S.: Die Jugendlichen trifft keine Schuld. Sie wussten nicht einmal, dass eine Krankheit in diesem Röhrchen ist."
    "So. Jetzt sieht es gar nicht mehr gut für sie aus!", schreit Semir wütend und knallt mit der Faust auf den Tisch. "Wenn du nicht bald den Mund aufmachst, wirst du wegen dreizehnfachen Mord in den Knast gehen." Doch Lukas hält seine Mauer des Schweigens bei. "Sigi. Bringe ihn in die JVA", sagt Semir zähneknirschend.
    Semir sitzt in seinem Büro. Noch immer gibt es keinen Anruf aus dem Krankenhaus. So langsam macht sich Semir sorgen um seinen jüngeren Kollegen. "Ob er überhaupt noch am Leben ist? Stop,... sowas darfst du gar nicht erst denken", denkt sich der Deutschtürke und schüttelt seinen Kopf. Er fährt jetzt ins Krankenhaus. Er musste einfach Klarheit darüber haben, ob Ben noch am Leben ist.


    "Entschuldigen Sie. Wo finde ich denn einen Herr Jäger?", fragt Semir an der Information. "Er befindet sich noch im OP. Sie können im Wartebereich auf den behandelden Arzt warten", sagt im eine nette, junge Dame. Sofort rennt Semir zum OP-Bereich. Vor der Tür wäre er beinahe in seine Chefin hineingerannt. "Hallo Chefin. Wie geht es Ben?", fragt er. "Die Ärzte haben mir bis jetzt noch nichts gesagt", meint Kim traurig. "Das ist alles meine Schuld. Wäre ich nicht reingeplatzt", meint Semir. "Jetzt machen Sie aber einmal halblang, Gerkhan. Wenn Sie nicht gewesen wären, wäre dieser Irre immernoch auf freien Fuß", sagt Kim hart. Und diese Worte haben bei Semir gesessen wie eine schallende Ohrfeige.


    Eine weitere Stunde zieht ins Land und es gibt immern noch keine Neuigkeit von Ben. Das Warten zerrt an den Nerven von Kim und Semir. Diese Ungewissheit, was denn jetzt überhaupt ist. Hat er überlebt, oder weilt seine Seele schon gar nicht mehr unter ihnen?
    Endlich kommt ein Arzt aus dem OP-Bereich. "Sind Sie die Kollegen von Herr Jäger?" "Ja, Kim Krüger. Ich bin die Dienststellenleiterin. Wie geht es Herr Jäger?", stellt sich Kim vor. "Herr Jäger hat die OP bis jetzt gut überstanden. Er liegt m Tiefschlaf, aber nicht im Koma. Er bekommt alles mit", erzählt der Arzt. "Wird er seinen Beruf weiterhin ausüben können?", fragt Semir ängstlich. "Das können wir spätestens erst in einem Monat beantworten, aber ich würde schon jetzt ja sagen. Herr Jäger ist stark und er hängt sehr an seinem Leben." Nach diesen Worten verschwindet der Arzt. "Na dann einmal auf zu Ben", meint Kim und sucht nach Bens Krankenzimmer.


    Leise öffnet Kim die Zimmertür. "Kommt nur rein. Ihr müsst nicht so schleichen, wie Winnetou auf Diebesuche", scherzt Ben. "Dafür, dass du uns beinahe von der Schippe gesprungen wärst, bist du nun wieder ganz schön lebendig", kontert Kim während sie sich einen Stuhl heranzieht. "Wie es aussieht habe ich dein Leben gerettet", meint Ben. "Aber dafür haben wir die Fallakten verloren", sagt Kim. "Das haben wir nicht. Ich habe die Papiere gegen leere Blätter getauscht", entgegnet Ben und lacht über die doofen Gesichter von Semir und Kim. "Das... das war ja genial, Partner. Und ich dachte, du wärst mit den orginal Dokumente auf und davon", sagt Semir und schlägt in Bens Hand ein. "Da schaust du?", meint Ben und grinst. Doch nach diesen Worten schläft Ben erschöpft auch schon wieder ein. "Schlaf nur und werde gesund", murmelt Kim und verlässt mit Semir zusammen das Krankenhaus.

  • 17. Kapitel



    Am nächsten Morgen macht sich Semir an die Arbeit um die versteckten Dokumente vom Fall zu finden. "Mensch Partner. Du hättest doch vorher auch einmal aufräumen können", murmelt Semir während er fleißig weitersucht. Plötzlich klingelt sein Handy. "Gerkhan, was gibt's?", fragt Semir, obwohl er schon etwas schlimmes befürchtet. "Komm sofort ins Krankenhaus. Ich brauche Ihre Hilfe", dröhnt im die Stimme der Chefin entgegen.
    Sofort lässt Semir alles stehen und liegen und rast mit überhöhter Geschwindigkeit ins Krankenhaus. Was ist mit Ben? Ist er nun doch über den Jordan gegangen? Alles an Fragen, die keine Antwort haben und die Semir Angst bereiten. Was würde geschehen, wenn er wieder einen Partner verliert und einen neuen bekommt? Noch einmal würde er einen solchen Verlust nicht verkraften. Wenn es so wäre, dann gibt er seine Dienstwaffe und seine Marke ab. So will er einfach nicht mehr weitermachen. Er will nicht mehr sehen, wie das Leben aus dem Körper eines Freundes entweicht, nicht noch einen guten Freund verlieren. Nicht noch einmal einen so großen Verlust hinnehmen.


    Nach Atem ringend kommt Semir in Bens Zimmer an. "Was soll das werden Kollege?", fragt Semir nach Luft japsend. "Ich will hier raus. Ich habe keine Lust hier den lieben, langen Tag herumzuliegen", mosert Ben. "Oh nein. Du bleibst schön hier", bestimmten Semir und Kim gleichzeitig. "Aber... aber....", stottert Ben. "Kein Aber. Du bleibst hier und damit basta", sagt Kim und verfrachtet ihn wieder ins Bett. Gegen so eine Übermacht hatte Ben nun einmal keine Chance. Breitwillig legt er sich wieder ins Bett. "Aber wenigstens gibt es hier schöne Krankenschwester", schwärmt Ben, der in der Zwischenzeit vergessen hat, dass er eine Freundin hat. "Das will ich jetzt wohl überhört haben", meint Kim drohend. "Man wird ja wohl noch schauen und träumen dürfen", spielt Ben gespielt gelangweilt. "Der Arzt hat gesagt, dass du mindestens zwei Wochen hier bleiben musst, bevor sie dich entlassen", sagt Kim. "Und keine vorzeitige Entlassung", äfft Ben den Arzt nach. "Und dafür haben sie mich hergerufen Chefin. Ich habe fast eine Herzinfarkt bekommen nach ihrem Anruf", meckert nun auch Semir.


    Wieder klingelt das Handy von Semir und die kleine Freude wird wieder einmal gestört. "Ja, Gerkhan hier", meldet sich Semir. "Hallo Semir, Susanne hier. Wir haben hier ein riesen Problem. Sturmi war gerade hier und hat das halbe Revier auf den Kopf gestellt. Dabei hat er den Aufpasser von Julias Ex-Mann mit der Tür einen Knock Out verpasst. Und nun ja....", druckst Susanne herum. "Jetzt sag bitte nicht, dass er unbemerkt entkommen konnte", beendet Semir seine Befürchtung. "Doch. Und wir wissen nicht einmal wo er ist", schließt Susanne ab. "Na klasse. Dann brauchen wir unbedingt Personenschutz für Ben und Julia", meint Semir. "Darum kümmere ich mich", sagt Susanne und legt auf ehe der Zorn des türkischen Hengstes auf sie niederbricht.


    "Was ist denn los?", fragt Kim besorgt. "Lukas ist getürmt und dreimal dürft ihr raten, wem wir das zu verdanken haben", entgegnet Semir zischend. "Doch etwa nicht diesem Vollchaoten... ach quatsch... diesen Vollidioten von Sturmi", meint Ben. Doch Semirs Gesicht spricht Bände. "Na super. Wenn ich Sturmi in die Finger kriege dann...", setzt Ben wütend an. "Ben. Du weißt, dass du dich nicht aufregen sollst", mahnt ihn Kim. "Ja. Schon klar", meint Ben. "Semir und ich übernehmen deine Bewachung. Julia ist ja eh noch auf Intensiv und du auch, dass der nicht so schnell hier reinkommt", sagt Kim. Doch wie falsch sie da liegen können, konnten sie zu diesem Zeitpunkt nicht einmal Ahnen.


    To Be Continued

  • So das war jetzt meine neue Geschichte ich hoffe es hat euch gefallen.und ich hoffe auch das fast keine Rechtschreibfehler drin sind weil ich hab bei fast jedem Wort im Duden nachgesehen . ich möchte mich auch noch entschuldigen bei einer Person die auch schon mal mit der gleichen geschichte angefangen hatte aber nicht zu ende geschrieben hat.es tut mir Leid. Auf jeden Fall hoffe ich das ihr posetive feeds dalässt es wäre sehr nett . Die Feeds konnen aber auch negativ sein . Ach egal lasst einfach ein Feed da egal ob posetiv oder negativ .


    Schüß eure BenFan*

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