Das Ende vom Glück

  • Andrea räumte den Tisch vom Abendessen ab, während Semir die Kinder fürs Bett fertig machte und sie ins Bett brachte. Emily schlief schon fast am Tisch ein und quengelte als Semir sie sanft wusch und umzog. Dann legte er sie in ihr Bettchen und drückte einen sanften Kuss auf die Stirn. „Schlaf gut mein Engel...“ hauchte er leise und verließ das Zimmer. Ayda machte sich selbst fertig und wartete auf ihren Vater der ihr den ultimativen „Gute-Nacht-Kuss“ gab. „So und nun wird fein geschlafen. Morgen fahrt ihr zur Oma.“ sagte er und deckte seine Älteste zu. „Warum kannst du denn nicht mitkommen? Magst du Oma nicht?“ wollte sie wissen. Semir lächelte. „Natürlich mag ich Oma, aber ich muss arbeiten. Du weißt doch, dass ich nicht so einfach wegfahren kann. Denn die bösen Menschen die machen dann soviel Mist, das Ben das nicht alleine schafft.“ versuchte er ihr zu erklären. Ayda stöhnte leise. „Ich weiß... du musst immer arbeiten. Du hast nie Zeit für einen Urlaub, für mich, für Mama und für Emmi. Wir warten abends auf dich und dann kommst du nicht. Das ist nicht schön. Du bist doch unser Papa...“ beklagte sich die Siebenjährige. Semir schluckte. Er hatte bisher nicht geahnt, dass die Kinder das so schwer aufnahmen. „Das wird sich ändern, das verspreche ich euch. Schon bald werde ich jeden Abend pünktlich zuhause sein und mit euch spielen. Und wenn ich Urlaub habe, dann mache ich das jeden Tag. Wir gehen schwimmen, in den Zoo und in den Freizeitpark.“ schlug er vor. Ayda sah ihn skeptisch an. „Mama sagt immer, das man nichts versprechen soll, wenn man weiß dass man es nicht einhalten kann“ gab sie zu verstehen. Semir lächelte verlegen. „okay...dann sage ich, ich versuche mein Bestes. Aber eines das müsst ihr wissen. Ich liebe euch von ganzem Herzen. Auch wenn ich nicht immer bei euch bin.“ sagte er leise und küsste seine Tochter erneut. „Papa...in drei Wochen nach den Ferien haben wir eine Veranstaltung auf dem Schulhof. Da verkaufen wir ganz viele Sachen für einen guten Zweck. Kommst du auch da hin?“ bat sei. Semir sah sie an. Er wollte sie nicht enttäuschen und wieder absagen, doch einen Termin so weit in der Zukunft zu planen war bei seinem Dienst nicht immer machbar. „Ja ich werde auch dort sein.“ versprach er und nahm sich vor diesen Termin wirklich einzuhalten. An diesem Tag musste Ben ob er nun wollte oder nicht allein Dienst schieben. Ayda legte sich hin und kuschelte mit ihrem großen Teddy den ihr Vater vor einigen Monaten auf der Kirmes für sie geschossen hatte. „Ich hab dich lieb, Papa...für immer und ewig…“ sagte sie und schloss die Augen. Semir beugte sich über sie. „Ich habe dich auch sehr lieb, mein Engeln. Euch alle drei...“ sagte er und küsste sie erneut. Dann löschte er das Licht und ging ins Wohnzimmer wo Andrea bereits auf ihn wartete.


    Andrea sah auf, als Semir endlich ins Wohnzimmer kam. „Warum hat das denn so lange gedauert?“ wollte sie wissen. Semir hörte das Grinsen von ihr regelrecht. „Du hast Ayda angestachelt mir ein schlechtes Gewissen zu machen.“ knurrte er und grinste leicht. „Wie kommst du denn darauf? Also wirklich Semir...so etwas würde ich doch niemals tun. Hat es geholfen?“ lachte sie. Semir sah sie auf. In seinen Augen blitzte es spitzbübisch. „Das zahle ich dir heim. Ich werde dich heute Nacht so fertig machen, das du nicht mehr weißt wo vorn und hinten ist und dann wirst du dir regelrecht wünschen, das ich für ein paar Tage nicht bei dir sein kann.“ drohte er und ließ sich neben seiner Frau auf die Couch fallen. Er küsste sie innig. „Semir...man darf keine Versprechen machen, die man nicht hält.“ lachte sie. Doch sie genoss diese seltenen zärtlichen Momente mit ihm. „Müsst ihr denn wirklich fahren?“ fragte er nach einer Weile. „Ayda hat Ferien und sie möchte wegfahren wie alle ihre Freundinnen. Wir sind doch nur für eine Woche weg und du bekommst leider kein Frei. Ich habe es den Kindern versprochen und Ayda freut sich so sehr. Genau wie Mama.“ erklärte Andrea. Sie küsste ihn. „Was soll ich denn eine Woche ohne euch machen?“ beklagte er sich nun. Andrea strich ihm sanft über die Wange. „Du musst die Welt retten, mein Held. Damit sie für mich und deine Töchter sicherer ist.“ lachte sie leise. „Ich finde es nicht in Ordnung. Könnt ihr die Fahrt nicht dann legen, wenn ich auch kann? Gerade jetzt wo diese Erpressungen an den Tankstellen laufen ist es extrem gefährlich. Ich habe einfach Angst dass euch etwas passiert.“ gab Semir leise von sich. Andrea seufzte leise. „Was soll uns denn passieren? Denkst du die legen Bomben an jeder Tankstelle? Bisher ist doch niemand zu Schaden gekommen oder?“ stellte Andrea die Frage. Semir setzte sich auf. „Bisher noch nicht, aber wir wissen nichts über diese Kerle. Wir wissen nicht wirklich was sie wollen. Und wir wissen nicht wo sie als nächstes zuschlagen. Am besten tanke ich dir den Wagen voll, dann ist es auf jeden Fall sicher.“ schlug Semir vor. Andrea lachte auf. „Es ist richtig lieb von dir dass du dich so sorgst, aber du hast heute schon so viel getan. Ich werde morgen tanken und gut ist. Lass uns jetzt einfach noch einen schönen Abend haben.“ setzte sie dagegen. „Bist du sicher? Ich könnte nicht leben, wenn dir und den Kindern etwas passiert.“ sagte er leise. „Semir…jeder der meinen Kindern was antut bekommt es mit mir zu tun. Ich kann wie eine Löwin kämpfen und ich werde es, das schwöre ich dir. Es wird nichts passieren. Denk doch nicht so negativ. Welche Tankstellen haben sie denn bisher im Visier gehabt?“ wollte Andrea nun wissen. Sie wusste das Semir keine Ruhe geben würde. „Wir haben drei Tankstellen an der A3…“ gab Semir zurück. „Nur an der A3?“ harkte Andrea nach. Semir nickte. „Siehst du…dann ist nichts zu befürchten. Die A3 werde ich meiden. Und nun kommt der schöne Abend. Du musst dein Versprechen noch einlösen.“ lachte Andrea und zog ihn an sich heran. „Ich liebe dich…Andrea…ich liebe dich mehr als mein Leben…“ hauchte er ihr ins Ohr und dann erfüllte er sein Versprechen.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Gegen sechs riss der Wecker Semir aus seinen Träumen. „Schatz…deine Heldentaten warten nicht auf dich. Na los...raus aus den Federn..“ gurrte Andrea und zog die Decke weg. „Nein…ich will nicht…“ maulte Semir leise. „Aufstehen!“ wiederholte Andrea. Nur langsam kam Semir diesem Befehl nach. Er öffnete nicht einmal die Augen, als er sich hinsetzte. „Ich bin müde…“ maulte er weiter. „Los…ich mache dir einen starken Kaffee…“ lockte seine Frau ihn. Semir schlurfte ins Bad und duschte. Nur eine viertel Stunde später saß er mit Andrea am Frühstückstisch. Der Kaffee duftete und Semir zog diesen Geruch tief ein. „Wann willst du denn fahren?“ wollte er wissen und biss in sein Brötchen. „Ich denke so gegen elf fahre ich los. Dann bin ich um drei bei Mama. Die Kinder brauchen ja auch zwischendurch eine Pause und wenn ich Pech habe ist die Autobahn heute dicht.“ lächelte sie. Semir nickte. „Andrea…bitte passt auf euch auf.“ bat er noch einmal und stand auf. „Ich wünschte ich könnte mitkommen und auf euch aufpassen, aber ich muss arbeiten.“ knurrte er. „Du…einer muss die Welt retten und ich kenne niemanden der so gut darin ist, wie du.“ lobte Andrea ihn und küsste ihn schnell. „Sei bitte vorsichtig ja? Ich muss los…und ruf mich an, wenn du da bist!“ mahnte er sie. Andrea stöhnte leise auf. „Ja mein Schatz. Ich melde mich sobald ich da bin, versprochen.“ nickte sie und verabschiedete ihren Mann mit einem langen innigen Kuss. Dann stellte sie sich vor die Tür und hob die Hand bis er abfuhr. Semir hupte und fuhr dann in Richtung PAST, wo er bereits von Ben erwartet wurde. „Guten Morgen Partner…“ hörte er Ben sagen und schon ließ er sich auf den Beifahrersitz fallen. „Morgen Ben…wohin?“ wollte Semir wissen. „Zur Tankstelle bei der A 3, KM 238,5. Das ist die rot-weiß angestrichene Tankstelle die vor kurzem ein Erpresserschreiben erhalten haben, auf unseren Rat nicht gezahlt haben und nun eine ziemlich ernste Botschaft erhalten. Der Fall raubt mir den Schlaf. Wir haben drei Tankstellen die erpresst werden und wo die Besitzer bereits zahlen. Dann die eine Tankstelle die in die Luft geflogen ist und zum Glück niemand verletzt wurde. Ich denke auch nicht dass der Besitzer jetzt mit uns redet. Er hat Angst und ich kann es ihm nicht einmal verdenken.“ dachte Ben laut über den Fall nach. Von Semir kam nichts. „Also müssen die Kerle Sprengstoffkenntnisse haben. Die sind mit Sicherheit vom Fach. Hartmut untersucht übrigens das Ding, was wir gefunden haben und ist richtig verzweifelt, weil er keine Spuren findet. Vielleicht gibt es ja auch keine. Es könnte natürlich auch sein, das der Kerl von der Tankstelle bei KM 408 mit drin steckt, aber mal ehrlich. Wer setzt sich schon freiwillig in die Nähe einer Bombe oder aber…“ er machte eine Pause und sah Semir an. „Ich sagte … oder aber…?“ wiederholte Ben. Semir schwieg.


    „Was ist denn heute mit dir los? Du scheinst in Gedanken. Ist was mit Andrea? Habt ihr wieder mal Krach?“ harkte er nach. „Nee…“ gab Semir von sich. „Ist eines der Mädchen krank?“ wollte Ben weiter wissen. „Nee…“ wiederholte Semir. „Dann kommt die Schwiegermutter und wohnt für mehrere Wochen bei euch...“ stellte Ben fest. „Nee…“ gab sein Partner eintönig von sich. Ben stöhnte leise auf. „Kannst du auch noch ein anderes Wort sagen?“ fragte er genervt. „Ja..“ grinste Semir. Ben schüttelte den Kopf und lachte auf. „Also was ist los?“ ließ er jedoch nicht locker. „Andrea und die Kinder fahren heute zur Oma und ich kann mal wieder nicht mit. Ayda ist deswegen sehr enttäuscht und Emily und Andrea sicher auch. Nur weil ich diesen verdammten Fall habe und nicht weg kann.“ Erklärte Semir. „Und für wie lange?“ harkte Ben weiter nach. „Für eine Woche.“ gab Semir bereitwillig Auskunft. „Ach so…ich dachte es wäre was Schlimmes. Du hast doch Felix und du hast mich. Wenn du willst ziehe ich bei dir ein bis Andrea wieder da ist.“ schlug er vor. Nun lachte Semir auf. „Du willst doch nur meinen Kühlschrank plündern.“ behauptete er und sah ihn seitlich an. „Na und? Ich habe ihn bisher immer wieder aufgefüllt. Mit ganz vielen Köstlichkeiten die ein Mensch so braucht.“ gab Ben gespielt empört zurück. „Ja mit Schokolade, Marmelade, Kuchen, Eis…“ zählte Semir auf. „Ich habe nicht gesagt, das ich ihn mit Sachen fülle, die dir schmecken.“ grinste Ben. Semir sah ihn an und nickte. „Ja ich werde mich bei den Erpressern bedanken. Wegen denen musste ich meinen Kurzurlaub wieder streichen und das obwohl ich ihn schon vor Wochen eingereicht hatte. Wenn das in den Sommerferien passiert, dann machen mir die drei die Hölle heiß, das kannst du mir glauben.“ stöhnte Semir leise. Ben nickte. „Und damit sind wir endlich wieder beim Thema…“ grinste er. Semir sah ihn kurz an und konzentrierte sich wieder auf den Verkehr. Heute war zum Glück alles ruhig. Noch ahnte keiner der Beiden, dass dieser Tag noch eine böse Überraschung für sie vorbereitet hatte.

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  • „Okay...gehen wir den Fall doch mal durch. Wir haben jetzt insgesamt vier Anschläge auf Tankstellen entlang der A 3. Nur Tankstellen, keine Rasthöfe. Und genau das macht mich stutzig. Wenn die Erpresser es wirklich nur auf Geld abgesehen haben, warum werden dann nur Tankstellen erpresst? Rasthöfe werfen doch mehr ab.“ dachte Ben laut nach. „Nun aber bedenk bitte auch, dass dort viel mehr Publikum ist und damit auch die Gefahr größer ist gesehen zu werden.“ setzte Semir dagegen. Ben wog den Kopf hin und her. „da ist was dran. Dennoch...wenn ich unbedingt Geld an der Autobahn machen würde, würde ich mir die Rasthöfe vornehmen. Ich müsste nicht einmal selbst dort auftauchen... ein Brief reicht ja eigentlich.“ Ging es bei Ben weiter. „Nun...aber an den Rasthöfen sind ja auch die Fernfahrer, die Reisenden und natürlich auch die Polizei. Sicher bei den Tankstellen auch, aber nicht so oft. Ich sehe wirklich ein, das sie sich nur Tankstellen vornehmen. Der Typ ist ja nicht dumm und baut sich selbst eine Falle. Aber ich denke auch, dass mehrere dahinter stecken. Für einen ist die Sache doch zu groß. Er müsste ja alles können, Erpresserbrief schreiben ist eine Sache, jemanden dazu zu bringen zu zahlen auch, aber denk mal an die Bombe die wir gefunden haben...“ dachte Semir weiter. Ben sah ihn an. „Denkst du einer der Betreiber spielt falsch?“ harkte Ben nach.“Ich weiß nicht. Irgendwas stört mich an de Sache. Aber das einmal unberücksichtigt. Die Tankstelle bei KM 179 ist dem Erdboden gleich gemacht worden. Der Sprengsatz der da explodiert ist, hatte eine extreme Zerstörungskraft und wenn der Betreiber nicht schon vorher die Tankstelle dicht gemacht hätte, dann wäre es sicher nicht beim Blechschaden geblieben.“ erinnerte Semir sich. „Es könnte auch eine heiße Sanierung gewesen sein. Die Tankstelle war ja schon ziemlich herunter gekommen. Und der Besitzer sagte ja selbst, dass er kaum noch Umsätze macht.“ gab Ben ihm die Stütze. „Nein...das denke ich nicht. Der Sprengsatz wurde untersucht, zumindest was übrig geblieben ist und er war laut dem Experten nicht von einem Laien gebastelt worden.“ Widersprach Semir sofort. „hmmm...und die Anderen sagen nichts. Klar...die haben Angst das es ihnen genauso ergeht und das verstehe ich sehr gut.“ kam nun von Ben. Semir nickte nur. Er sah in den Rückspiegel und beobachtete den Verkehr. „Eigentlich wäre es doch ganz einfach dem Täter eine Falle zu stellen. Wir müssten nur eine Tankstelle eröffnen und darauf warten, das der oder die Kerle auftauchen.“ schlug Ben nach einigen Schweigeminuten vor. „Keine schlechte Idee“, lobte Semir ihn. „Danke für die Blumen, aber da werden weder Krüger noch Schrankmann zustimmen. Denen ist das viel zu gefährlich weil ja etwas explodieren könnte.“ Grinste Ben. Semir nickte. „Kann ich sogar verstehen. Wenn die Kerle rot sehen, dann gehen mehr Tankstellen in die Luft als uns lieb ist und das würde Schrankmann wieder in ihrer Theorie bestätigen, das wir nur Katastrophen veranstalten.“ gab Semir grinsend zurück.


    „Mama...fahren wir jetzt wirklich zur Oma?“ wollte Ayda wissen und reichte ihrer Mutter eines ihrer Blusen. „Ja mein Schatz und wir bleiben eine ganze Woche dort. Oma freut sich schon auf uns. Wir werden dann den Vogelpark besuchen und in den Zoo gehen. Und wenn wir noch Zeit haben auch ins Hallenbad.“ erklärte Andrea während sie packte. Ayda sah sie an. „Und besuchen wir auch Opa?“ harkte das Mädchen nach. „Natürlich... er freut sich auch, wenn wir ihm Blumen mitbringen.“ nickte Andrea. „Meinst du er sieht das im Himmel wenn wir Blumen auf sein Grab legen?“ kam die nächste Frage. „Opa sieht alles und ich bin sicher, das er auch jetzt zu uns schaut. Hast du dein Zimmer aufgeräumt? Du weißt wie Felix ist, der macht dir alles durcheinander!“ erinnerte Andrea ihre Tochter. Ayda stöhnte leise auf. „Ich bin dabei... also gleich. Ich räume doch immer auf, bevor wir fahren. Kommt Emi auch mit?“ wollte Ayda nun wissen. „Ja sicher. Papa muss arbeiten und Emi kann ja nicht allein zuhause bleiben.“ lachte Andrea. „Und weil Papa wieder arbeiten muss, kann er nicht mitfahren. Das ist so unfair!“ stöhnte Ayda gekonnt auf. Andrea sah sie an. „Papa ist Polizist und muss die bösen Menschen fangen. Da kann er nicht sagen, hört auf, ich fahre jetzt in Urlaub und bitte seid brav..“ versuchte sie ihrer Tochter zu erklären. „Ich mag die bösen Menschen nicht.“ stellte Ayda fest. Andrea musste lachen. Wenn Ayda sie mit ihren braunen Augen ansah, dann hatte sie etwas von Semir. Ihr Blick konnte Herzen schmelzen lassen, genau wie Semirs Blick. „Weiß0t du was...?“ fing Ayda wieder an. „Nein mein Schatz, was denn?“ harkte Andrea nach. „Ich finde die Bösen sollten alle eingesperrt werden, damit Papa mitfahren kann. Oma freut sich bestimmt wenn er mal bei ihr ist.“ gab die Siebenjährige zurück.“Das kann ich mir auch gut vorstellen, aber leider geht das nicht, denn die Bösen wollen ja nicht eingesperrt sein.“ lächelte Andrea. Sie bügelte noch die Wäsche die sie mitnehmen musste und legte sie direkt in den Koffer. „Aber dann ist es doch ganz einfach. Dann sollen sie einfach nicht böse sein. Dann jagt der Papa sie nämlich nicht und könnte mit uns fahren. Soll ich ihn noch mal fragen?“ bot Ayda an. Andrea sah sie an und lächelte. Die Kinderwelt war so einfach. „Das wird leider nichts werden, mein Schatz. Aber im Sommer fahren wir alle zusammen weg. Dann fahren wir in die Türkei und besuchen Oma und Opa dort. Die freuen sich nämlich auch auf dich. Und nun los...mach dein Zimmer fertig. Wir fahren in einer halben Stunde!“ mahnte Andrea Ayda und gab ihr einen sanften Klaps auf den Po. Tatsächlich fuhren sie eine Stunde später los. Andrea wollte noch tanken und suchte sich dafür die Raststätte Geißmühle aus.

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  • uops....schon passiert....


    Semir sah den Pächter der Tankstelle an. „Sie wissen also nicht wie der Typ aussah und warum er ausgerechnet Ihre Tankstelle erpresst, sind aber bereit ihm sofort 500 Euro zu geben?“ harkte Semir ungläubig nach, nachdem der Mann erzählte was passiert war. „Nein...ich sagte doch, dass ich nicht weiß wie er aussieht. Er hat mir einen Umschlag an die Tür geklebt und geschrieben, dass ich das Geld dort rein machen soll und dieser dann durch einen Kurier abgeholt wurde. Und so ist es auch passiert. Aber ich habe mir das Kennzeichen nicht gemerkt.“ beklagte sich der Mann. „Und von welchem Kurierdienst?“ harkte Semir nach. „Keine Ahnung!“ stieß der Mann aus. „Ich bin doch nicht der einzige der erpresst wird. Die Zeitung hat doch fast jeden Tag eine neue Meldung. Ich will nicht, das meine Tankstelle in die Luft fliegt. Ich verdiene damit mein Brot.“ hängte er an. „Herr Schmidt, jetzt mal unter uns. Sie sagen doch selbst, dass Sie hier Ihr Brot verdienen. Wenn es so eng ist, wie können Sie dann 500 Euro pro Woche zahlen?“ wollte Ben wissen. Doch Peter Schmidt zog nur die Schultern hoch „Die Polizei hilft mir ja nicht und ich habe Angst. Ich habe doch Familie!“ stieß er aus. Semir stöhnte auf. „Ben...es hat keinen Sinn. Er zahlt lieber von seinem sauer verdientem Geld etwas anstatt zu helfen, das der Kerl in den Knast kommt." unterbrach Semir seinen Partner. Ben sah ihn an und Semir knipste ein Auge zu. Ben verstand. Semir wollte die psychologische Schiene fahren. „Tja…schade eigentlich. Nun ja, heute sind es fünfhundert, nächste Woche sind es tausend und dann zweitausend. Bis er die Gebühr nicht mehr zahlen kann und dann wird die Tankstelle dem Erdboden gleich gemacht.“ Schlug Ben nun in die gleiche Spur. „Das ist doch gar nicht wahr!“ stieß Schmidt aus. Bevor Semir oder Ben etwas sagen konnten, klingelte sein Handy. „Ein Sprengstoffanschlag auf dem Rasthof Geißmühle. Wir haben mehrere Verletzte.“ Kam von Susanne. „Alles klar, wir fahren hin.“ gab Semir zurück und beendete das Gespräch. Er sah Ben an. „Explosion an der Geißmühle.“ sagte er und wandte sich zum gehen. Ben sah Peter Schmidt noch einmal an. „Wir kommen wieder und dann wollen wir Antworten haben!“ knurrte er den Mann an.


    Semir gab Gas um möglichst schnell am Tatort zu kommen. Mit Blaulicht und Sirene verschafften sie sich Platz und kamen binnen weniger Minuten an. Schon von weitem sah man die Rauchwolken aufsteigen. Schwarze dichte Schwaden zogen gen Himmel. „Damit ist die Theorie von dir eben ja wohl gebrochen.“ gab Ben von sich. Semir nickte nur. „Das sieht gar nicht gut aus…oh mein Gott...“ stieß er aus als sie näher kamen. Ein uniformierter Kollege wies sie auf einen Parkplatz. „Das ist auf jeden Fall eine größere Bombe gewesen, als auf der kleinen Tankstelle.“ ließ Ben von sich wissen. „Ich hoffe nur es gibt keine Toten. Aber das Schwein werde ich kriegen, das schwöre ich dir.“ nickte Semir. Er ging auf die Gruppe der Polizisten zu, die den Ort sicherten. Sie hörten die Schreie der verletzten Menschen und das Weinen der Kinder die nach ihren Eltern riefen. Semir sah das einige der Fahrzeuge brannten und er hoffte inständig, das sie unbesetzt waren. Irgendwo in diesem Chaos bellte ein Hund. Semir sah sich um und suchte einen der Feuerwehrmänner auf um sich nach dem Stand zu erkundigen. Er hob seinen Ausweis. „Gerkan, Kripo Autobahn. Können Sie schon etwas sagen?“ wollte er wissen. „Mayr…Brandmeister der Feuerwehr Neuss. Wir haben ungefähr 48 Verletzte, darunter viele Kinder und eine Schwerverletzte Frau, die bereits mit dem Heli abtransportiert wurde. Es bestand Lebensgefahr.“ gab der Mann von sich. Semir sah sich um. „Was für ein Chaos...“ stöhnte er leise. Doch dann blieb sein Blick an eines der brennenden Fahrzeuge hängen. Diesen blauen Wagen…er kannte ihn. Sicher gab es mehrere davon, doch instinktiv ging Semir auf den Wagen zu. „Wir haben auch einen Sprengsatz gefunden…hallo?“ fragte Mayr von der Feuerwehr, doch Semir hörte ihm nicht zu. Seine Schritte wurden immer schneller und als er das Kennzeichen sah, da wusste er, dass sein Instinkt richtig war. Es war Andreas Auto. Nein…nein..das konnte nicht sein. Bitte lass es nicht wahr sein. Bitte..flehte eine Stimme in seinem Kopf. „Semir? Hey…hallo?!“ riss Bens Stimme ihn aus den Gedanken. Er sah Ben an und dann wieder zum Wagen. Langsam fast mechanisch ging er auf den brennenden Wagen zu. „Semir! Nun bleib doch mal stehen!“ forderte Ben ihn auf und hielt ihn fest. Langsam in Zeitlupe ging Semirs Hand hoch und ohne Worte zeigte er auf den Wagen.

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  • Ben sah in die Richtung und schluckte. „Ben…das ist Andreas Auto…das ist das Auto meiner Frau…meine Kinder…“ stieß Semir aus. Er löste sich von Ben und rannte zum Wagen, doch Ben hetzte hinterher und warf sich auf ihn und riss ihn zu Boden. Gerade noch rechtzeitig, denn kaum lagen sie auf dem Grünstreifen explodierte der Wagen. „ANDREA!!! ANDREA!!! “schrie Semir verzweifelt und versuchte sich loszureißen, doch Ben hielt ihn eisern fest. „Semir! Ruhig…ganz ruhig!“ versuchte er, doch Semir war für nichts mehr zugänglich. „ANDREA!!! Nein…Andrea!!“ schrie er erneut und die Verzweiflung war deutlich zu hören. „Lass mich los!! Meine Familie!! Meine Kinder!! Meine Frau!!!“ weinte Semir und versuchte sich immer noch loszureißen. „Semir…du kannst nichts mehr tun. Sie waren sicher nicht mehr drin. Du kannst nichts tun. Bitte…hör mir zu, sieh mich an…sieh mich an…“ versuchte Ben sich zu seinem Partner durch zu dringen. Doch bei Semir schien es nichts zu bringen. Sein Partner saß dort im Gras und weinte ungeniert. Ben sah ihn besorgt an. Ein Arzt schien die Szene mitbekommen zu haben und eilte auf ihn zu. „Wissen Sie, was mit den Insassen des Wagens ist?“ fragte Ben leise. Er hatte Angst, das Andrea und die Kinder doch im Wagen saßen und nun tot waren. Vielleicht hatte niemand bemerkt, dass dort noch welche drin waren. „keine Ahnung..“ kam von dem Arzt. Er kümmerte sich um Semir. „hören Sie!! Der Wagen dort gehörte seiner Frau. Sie war mit den Kindern unterwegs und ich…wir müssen wissen, ob sie aus dem Wagen gekommen sind.“ harkte Ben erneut nach. Nun sah der Arzt noch besorgter auf Semir. „Ich kann Ihnen wirklich nicht sagen, ob die Personen die mit dem Helikopter abgeholt wurden, seine Frau und seine Kinder waren. Ich weiß nur, dass es eine Schwerverletzte mit zwei leicht verletzten Kindern war. Sie wurden in die Uniklinik gebracht. Die Frau hatte schwere Verbrennungen.“ gab er nun von sich. Ben sah auf Semir und dieser saß teilnahmslos im Gras. Er hatte seine Knie umarmt und wippte vor und zurück. Er starrte auf das, was eben noch ein Auto war. „sie sind tot…sie sind alle tot… Meine Familie ist tot…“ kam tonlos von ihm. Ben schloss die Augen… auch wenn die Hoffnung sehr gering war, dass die Frau, die weg gebracht wurde tatsächlich Andrea war, so war es immer noch ein kleiner Hoffnungsschimmer. Er hockte sich vor Semir hin. „Semir…lass uns fahren.“ bat er sanft. „sie sind tot...sie sind alle tot… meine Familie ist tot…“ stammelte sein Partner wieder. „Das ist nicht gesagt. Semir..eine Frau und zwei Kinder sind in die Uniklinik gebracht worden. Die Hoffnung ist zwar gering, aber es könnten Andrea und die Kinder sein. Lass uns fahren…“ bat er erneut. „Sie sind tot, Ben. Sie sind alle tot...“ wiederholte Semir nur. Ben drang nicht zu ihm durch.


    Susanne hatte sich gerade einen Tee gemacht und trug nun die gefüllte Kanne mit dem heißen Getränk zu ihrem Schreibtisch als sie einen Funkspruch von Ben hörte. „Cobra 11 an Zentrale. Wir sind unterwegs zur Uniklinik. Unter den Verletzten von der Raststätte sind vermutlich auch Andrea und die Kinder. Bisher wissen wir zwar nicht dass es Andrea ist, aber die Hoffnung ist sehr groß. Andreas Wagen ist explodiert! Laut dem Arzt soll sie sehr schwer verletzt sein. Es besteht Lebensgefahr.“ gab Ben durch. Susanne blieb geschockt stehen und starrte in die Gesichter von Dieter und Jenny. Die Kanne die sie eben noch trug fiel zu Boden. Der heißte Tee schoss zu allen Seiten und die Scherben sprangen auf dem Boden herum. Jenny Dorn kam sofort zu ihr und sah sie an. „Susanne? Hey..hey…setz dich..“ sagte die junge Polizistin besorgt und führte die Sekretärin zum nächsten Stuhl als Susanne anfing zu schwanken. Durch das Klirren wurde auch Kim Krüger aus ihrem Büro aufmerksam. „Was ist denn hier los?“ wollte sie wissen. „Andrea…und die Kinder...“ stammelte Susanne. Kim sah sie an. „Was ist mit Frau Gerkan?“ harkte sie nach. „Sie waren auf dem Rastplatz Geißmühle...“ erklärte nun Dieter. Kim Krüger wurde blass. „Oh mein Gott...“ stieß sie aus. „was ist mit ihnen? Wissen Sie schon mehr?“ harkte sie nach. „Das wissen wir noch nicht. Wir wissen nicht einmal ob es wirklich Semirs Familie ist.“ gab Susanne leise von sich. Kim schluckte schwer. „Frau Krüger…ich mochte bitte hin…“ bat Susanne leise. Kim Krüger wusste das sie mit Andrea sehr eng befreundet war und wenn es wirklich Andrea war, dann brauchte Semir nun den Rückhalt von allen Freunden. „Sie und ich fahren hin. Sie Bonrath werden sich um die weiteren Ermittlungen kümmern. Gemeinsam mit Frau Dorn! Hartmut soll jeden noch so kleinen Hinweis an Funden untersuchen! Alle anderen Fälle werden zurück gestellt!“ befahl Kim in ihrem gewohnten Ton, doch diesmal waren alle damit einverstanden. „Aber wir wollen auch wissen, ob es Andrea und die Kinder sind!“ forderte Dieter. Kim nickte. „Wir werden es Ihnen sagen, sobald wir es wissen. Fahren Sie mit Frau Dorn zur Unfallstelle und übernehmen die Einsatzleitung.“ versprach sie. Die beiden Frauen verließen die PAST und Kim fuhr mit Blaulicht und Sirene zur Uniklinik.

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  • Dr. Tristan Notegau sah auf das Gesicht der Frau, welches an ein solches kaum noch erinnerte. Alles war mit Brandblasen übersät und gerötet. Sie war bereits intubiert und stabilisiert worden, dennoch raste der Puls und er hatte große Sorgen, das der Schock noch Folgen haben könnte. „Wir müssen sie sehr sorgfältig beobachten!“ mahnte er die Schwestern. Diese nickten und reichten ihm immer wieder Verbandsmaterial, damit er die Wunden zunächst reinigen und dann abdecken konnte. Nach einer schier unendlich dauernden Weile war er fertig. Von dem Gesicht der Patientin waren nur noch Augen, Nase und Mund zu sehen. „So…jetzt wird sie noch geröntgt damit wir innere Verletzungen ausschließen können. Ich hoffe wir bekommen keine Komplikationen. Okay…Sie holen die Mobilette und Sie werden schon mal die Medikamente vorbereiten. Sie bekommt Propofol und Sufentanil!“ befahl er sofort. Die Schwestern verschwanden. Als sie wieder ins Zimmer kamen sah Dr. Notegau auf. „Wir müssen sehr gut auf sie aufpassen. Nicht weit von hier waren zwei kleine Mädchen auf sie und ich will nicht, das die Kinder ohne ihre Mutter aufwachsen!“ gab er leise zu verstehen. „Und dir Mädchen…fordere ich auf zu kämpfen. Deine Kinder brauchen dich.“ wandte er sich an seine schlafende Patientin. Er röntgte sie und war erleichtert, dass keine inneren Verletzungen festzustellen waren. Zumindest nicht auf den ersten Blick, doch er wusste auch, dass es täuschen konnte. „Wenn sie auf dem Zimmer liegt wird sie abgeschirmt. Achten Sie darauf, dass keiner ohne die entsprechende Schutzkleidung zu ihr geht. Wir dürfen keine Infektion riskieren“ gab er von sich während er die Röntgenbilder einpacket. „Hallo Tristan…“ riss ihn die Stimme von Dr. Peter Mockenhaupt aus den Gedanken. „Hallo Peter…“ gab er zurück. „Was haben wir hier?“ wollte Peter wissen. „Sie ist durch eine Explosion verletzt worden. Ich vermute, dass sie heiße Benzindämpfe eingeatmet hat und was das bedeutet, muss ich dir nicht sagen.“ gab Tristan von sich. Peter sah auf die junge Frau. „Selbstmordversuch?“ harkte Peter nach. Tristan schüttelte den Kopf. „Nein…Explosion an einer Raststätte. Sie wollte dort wohl tanken und war mit ihren beiden Kindern unterwegs, als es passierte.“ erklärte Tristan. „OH mein Gott. Und was ist mit den Kindern?“ wollte Peter wissen „Denen geht es soweit gut. Ein paar Prellungen und Gehirnerschütterung. Nur bei ihr…“ meinte Tristan und sah auf die junge Frau. „Herr Dr. zwei Polizisten sind draußen..“ unterbracht eine Schwester das Gespräch. Der Arzt nickte und stöhnte leise. „Vermutlich wegen der Frau. Na die können eine Vernehmung erst einmal streichen..“ sagte er und verließ den Raum.


    Semir saß auf der Bank. „Was wenn es nicht Andrea ist? Was wenn Andrea doch tot ist? Ben… ich habe Angst...“ sagte der türkische Hauptkommissar. Ben nickte. „Es kann alles möglich sein. Aber die Rettungskräfte und auch die Kollegen sagten, dass die Frau keine Papiere bei sich hatte. Vermutlich hat Andrea alles im Auto liegen gehabt und es ist alles verbrannt. Die Beschreibung passt auf deine Kinder und dann ist es auch deine Frau. Da kommt der Arzt!“ stieß Ben aus, als der Weißkittel aus dem Raum kam. „Meine Herren! Es tut mir leid, aber an eine Vernehmung ist für die nächsten Wochen nicht zu denken.“ kam sofort von dem Mann. „Da liegt glaub ich ein Irrtum vor. Ben Jäger, Kripo Autobahn. Das ist mein Kollege Semir Gerkan. Wir vermuten oder sagen wir besser, wir hoffen das die verletzte Frau dort drinnen seine Frau ist. Ihr Fahrzeug war am Unfallort gefunden. Es ist explodiert…“ erklärte Ben. Der Arzt sah Semir erschrocken an. „Oh mein Gott…das tut mir wirklich sehr leid. Nun ja…sie ist ungefähr Anfang 40. Die Mädchen, davon heißt eine Ayla oder so. Die Mädchen sind sieben und zwei Jahre alt und zum Glück nur leicht verletzt.“ erklärte der Arzt. „Welche Verletzungen haben Sie bei ihnen festgestellt?“ harkte Ben nach. Semir saß nach wie vor auf der Bank und sah die Beiden stumm an. „Nun…die Kinder haben beide eine Gehirnerschütterung. Die siebenjährige hat außerdem ihren rechten Arm gebrochen. Bei der Frau ist es leider schwerer. Sie hat Verbrennungen im Gesicht. 1. und 2. Grad. Außerdem vermuten wir, dass sie sich eine pulmonale Schädigung zugezogen hat.“ erklärte der Arzt. Ben sah ihn an. „Das heißt was?“ wollte er wissen. In diesem Augenblick wagte sich auch Semir heran. „Und?“ fragte er leise. Doch in diesem einen Wort schwangen die Hoffnung und auch die Angst mit. Ben sah ihn an. „Es scheint wirklich so, dass sie es sind. Die Beschreibungen passen.“ bestätigte er. Semir schluckte und sah zur Decke. „Danke…“ hauchte er und weinte nur. Ben nahm ihn in die Arme. „Hey…es wird alles wieder gut. Sie leben.“ beruhigte er ihn. Semir nickte und wandte sich an den Arzt. „Wie ich schon sagte, es sind sehr schwere Verletzungen. Verbrennungen 1. und 2. Grades im Gesicht, Vermutlich eine Lungenschädigung durch heiße Benzindämpfe und ein Bein ist mehrfach gebrochen. Wir haben sie sediert und außerdem wird sie künstlich beatmet. Ihre Frau wurde in das „künstliche Koma“ gelegt.“ gab Dr. Notegau von sich.

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  • „Wird sie…wieder gesund?“ fragte Semir leise. Dr. Notegau sah ihn an. „Wir haben sie versorgt, aber…“ er machte eine Pause. „Aber was?“ harkte Semir nach. „Wir müssen diese Nacht abwarten. Wenn ihre Frau kämpft, dann kann sie es schaffen.“ erklärte der Arzt. Semir schloss die Augen. Semir fühlte den Boden unter sich schwanken und hielt sich an Ben fest. Zuviel war auf ihn eingestürzt. „Künstliches Koma? Was heißt das genau?“ wollte nun Ben wissen. „Sie bekommt starke Beruhigungs- und Schmerzmittel. Alles Weitere liegt nicht in unseren Händen. Semir nickte leicht. „Was für…Komplikationen könnten auftreten?“ fragte er dennoch. Seine Stimme wurde immer leiser und er fürchtete sich davor die Antwort zu hören. Dr. Notegau atmete tief ein. „Nun im schlimmsten Fall könnte es zu einer Lungenentzündung kommen, die im jetzigen Zustand Ihrer Frau ohne Zweifel tödlich enden kann.“ gab er deutlich zu verstehen. Semir schluckte schwer. „Ich verstehe…kann…kann ich zu ihr? Nur kurz…bitte…“ flehte er leise. Der Arzt nickte. „Natürlich. Kommen Sie mit, aber ich muss darauf bestehen, dass es wirklich nur kurz ist.“ mahnte er. Semir nickte und sah Ben an. „Wartest du hier?“ fragte er seinen Partner. Ben nickte und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Andrea schafft es schon…sie ist stark...“ machte er Semir Mut. Dieser nickte nur. „Kommen Sie!“ bat der Arzt. Mit schweren Schritten folgte Semir ihm auf die Intensivstation. Dort wurden ihm Schutzkleidung ausgehändigt. Semir sah den Arzt an. „Das ist notwendig, denn jede Infektion kann für sie das Aus bedeuten.“ erklärte er. Semir nickte und zog sich um. Dann trat er nur wenige Minuten später an das Bett seiner Frau. Tränen bildeten sich als er seine Frau so im Bett liegen sah. Sanft strich er über Andreas Hand. Dr. Notegau sah diese Reaktion. Er legte Semir die Hand auf die Schulter. „Herr Gerkan, wir werden alles Menschenmögliche machen, was in unserer Macht steht. Fahren Sie nach Hause…“ schlug er vor. Semir nickte. „Nur einen Augenblick..bitte…“ flehte er leise. „Natürlich…“ lächelte Notegau und verließ den Raum. Er wusste dass sich die Angehörigen immer einige Augenblicke mit dem Patienten unterhielten und auch hier war es so. Er hörte wie Semir zu Andrea sprach. „Du wolltest dir doch eine sichere Tankstelle aussuchen… Bitte verlass mich nicht…ich brauche dich doch…“. Semir beugte sich zu Andrea und küsste sie sanft. „ich liebe dich…bleib bei mir…“ wiederholte er. Notegau kam erneut rein. „Herr Gerkan, kommen Sie. Die Patienten brauchen jetzt ihre Ruhe.“ gebot er ihm. Semir nickte und verließ den Raum. An der Tür sah er noch einmal auf seine schlafende Frau.


    Ben wartete auf dem Flur auf Semir. „BEN!!“ hörte er Susanne rufen. Sein Kopf ruckte herum. „Was macht ihr denn hier?“ fragte er erstaunt. „Ist es Andrea? Wie geht es ihr?“ wollte Susanne wissen ohne auf seine Frage einzugehen. „Sie ist es. Und es sieht nicht gut aus. Sie hat schwere Verbrennungen im Gesicht und sie hat wohl heiße Benzindämpfe eingeatmet. Außerdem ist ein Bein gebrochen.“ erklärte Ben laienhaft. „Wo ist Semir? Was ist mit den Kindern?“ harkte Kim Krüger nach. „Die Kinder sind nur leicht verletzt. Ayda hat einen gebrochenen Arm und beide haben eine Gehirnerschütterung. Sie liegen hier auf der Kinderstation.“ erklärte Ben. In diesem Augenblick kam Semir zu ihnen. Er ging mit schleppenden Schritten über den Flur und sah seine Kollegen nicht einmal an. Er ließ sich auf einen der Bänke im Flur regelrecht fallen und ah zu Boden. Die Hände gingen fahrig durch das Gesicht. Ben rannte sofort zu ihm. „Was ist?“ fragte er besorgt. Semir sah ihn mit rot geränderten Augen an. „Sie schläft…aber…sie … sie sieht so grausam aus. Das ganze Gesicht ist verbunden. Ich habe Angst. Angst dass sie es nicht schafft.“ sagte sein Partner leise. Susanne kam ebenfalls zu ihnen und hörte die letzten Worte. Semir stand auf und sah sie an. Ohne etwas zu sagen nahm sie Semir in den Arm. Dieser ließ es geschehen. Nach einer Weile schien er sich etwas gefasst zu haben. „Sie wird es schaffen. Sie ist eine Kämpfernatur. Immerhin hat sie dich ja auch ausgehalten.“ versuchte Susanne zu scherzen, doch bei Semir kam es nicht an. Er war völlig in Gedanken bei seiner Frau. „Ich habe Angst, dass sie die Nacht nicht schafft. Und ich bin dann nicht da um mich von ihr zu verabschieden.“ sagte er leise. Ben sah zu Boden. Er kannte Semir sehr gut und er würde wirklich daran zerbrechen, wenn Andrea starb. Das durfte nicht sein. „Sie wird nicht sterben. Morgen sieht die Welt schon anders aus. Wir werden jetzt erst einmal zu Ayda und Emily schauen und dann nach Hause fahren.“ schlug er vor. Semir sah ihn an und nickte. „Meine Kinder? Wisst ihr wo meine Kinder sind?“ fragte er. „Sie sind sicher auf der Kinderstation“ meinte Kim. „Meine Kinder…ich muss zu meinen Kindern..“ stieß Semir aus. Er war in einem grausamen Gefühlskarussell gefangen. Sie fuhren zur Kinderstation und fragten sich durch. „Sie dürfen als Vater selbstverständlich zu den Kindern, aber die anderen müssen hier warten. Kommen Sie!“ gab die Schwester von sich. Semir sah seine Freunde und Kollegen an. Diese nickten. Semir ging mit der Schwester durch den Gang. Vor Zimmer 108 blieben sie stehen. Semir öffnete die Tür. „PAPA!!“ weinte Ayda sofort, als sie sah wer rein kam. Semir stürmte auf sie zu und nahm sie in den Arm. „Ist schon gut Kleines… es wird alles gut...“ versprach er mit tränenerstickter Stimme. Sein Blick ging zum Nachbarbettchen in dem Emily lag und schlief. Vorsichtig nahm er auch seine Jüngste aus dem Bett und legte sie neben Ayda. „Papa ist da…es wird alles gut…“ lächelte er nervös. „Papa…mein Arm…mein Arm ist gebrochen. Wo ist Mama? Sie ist schwer verletzt nicht wahr? Wir sind im Hubschrauber geflogen. Ich habe Angst…“ erklärte Ayda.

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  • Semir strich seiner Tochter über die Haare. Emily wachte kurz auf und lächelte ihn an. Dann schlief sie wieder ein. Semir sah sich seine Töchter genau an. Sie schienen den Unfall tatsächlich und zum Glück nur leicht verletzt überstanden zu haben. Etwas Erleichterung machte sich in ihm breit. „Es war so laut…da ist plötzlich ein ganz lauter Knall gekommen und Mama hat uns aus dem Wagen gerissen. Und dann war überall Feuer. Ich bin durch die Luft geflogen und dann hat mein Arm weh getan. Emi hat neben mir gelegen und geweint. Und Mama…hat geblutet und sie hat sich nicht bewegt. Sie hat sich ganz böse verletzt glaub ich.“ erzählte Ayda. Semir nickte. „Ist schon gut. Tut der Arm noch weh?“ fragte er mit gepresster Stimme. Ayda schüttelte den Kopf. „Wo ist Mama? Ist sie zu Opa gegangen?“ wollte Ayda wissen. „Nein..nein…Mama schläft. Sie kommt sicher bald zu dir.“ beruhigte Semir und er wünschte sich innig, dass er Ayda nicht angelogen hatte. „Versprochen?“ harkte Ayda nach. Semir nickte und versuchte unter starkem Zwang die Tränen zurück zu halten. „Versprochen…“ nickte er. „Papa…du musst dein Versprechen halten. Das weißt du doch. Ich habe Angst, dass Mama uns alleine lässt. Wer soll denn dann auf uns aufpassen wenn du die bösen Menschen jagst…“ beklagte Ayda sich. „Leg dich hin mein Schatz. Ich verspreche dir, dass Mama bald zu dir kommt. Sie wird wieder ganz gesund, aber dafür muss sie sehr lange schlafen.“ erklärte Semir. „Aber sie geht nicht zu Opa? Sie bleibt bei uns oder?“ fragte Ayda und rutschte unter die Decke. Bevor Semir antworten konnte klopfte es an der Tür. „Entschuldigen Sie, aber die Kinder brauchen jetzt Ruhe.“ mahnte die Schwester. Semir sah Ayda an. „Sie bleibt bei uns. Und nun schlaft ihr fein. Ich komme morgen wieder und dann fahren wir nach Hause…“ lächelte er und küsste seine Älteste. Ayda nickte und schloss die Augen. „Ich habe dich lieb Papa…“ kam leise von ihr. „Ich dich auch…bis morgen..“ gab Semir genauso leise zurück. Dann verließ er das Zimmer. „Der Arzt erwartet Sie in seinem Zimmer, kommen Sie bitte mit..“ lächelte ihn die Kinderkrankenschwester an. Semir nickte und folgte ihr in das Arztzimmer. „Herr Gerkan, setzen Sie sich bitte.“ bot der Mann in Weiß an. „Ich bin Dr. Martin Lichterfeld und der behandelnde Arzt Ihrer Töchter. Wissen Sie…man sagt immer Kinder haben 1000 Schutzengel. Ihre Töchter hatten sicher mehr. Ayda hat ihren Arm gebrochen und eine mittlere Gehirnerschütterung. Sie wird auf jeden Fall zwei Tage hier blieben müssen. Bei Emily ist es genauso. Eine mittlere Gehirnerschütterung, die zwar nicht gefährlich ist, aber in dem Alter dennoch Folgen haben kann. Ich kann Ihnen zwar nur eine Empfehlung aussprechen, aber Sie entscheiden. Es wäre sicher auch für Ayda gut, wenn Emily ebenfalls hier bleibt“ erläuterte der Arzt. Semir nickte. „Danke Doc…Sie werden beide also bis übermorgen hier blieben. Ich denke es ist besser.“ stimmte er zu. „Sehr gut.“ lobte der Arzt ihn.


    Margot Schäfer war gerade dabei die Zimmer für ihre Tochter und ihren Enkelinnen herzurichten. Sie sah auf die Uhr. Sonderbar, Andrea wollte doch am Nachmittag hier sein und nun war es fast sechs am Abend. Sie nahm das Handy und wählte die Nummer ihrer Tochter. Es ging niemand ran. Vielleicht war sie noch schnell für Semir einkaufen oder steckte im Stau. Sie versuchte es erneut auf dem Handy, doch wieder ging niemand ran. Okay, dachte sie und wählte nun Semir an. Es dauerte eine ganze Weile bis sich ihr Schwiegersohn meldete. „Hallo?“ hörte sie die leise Stimme aus dem Gerät. „Semir? Was..was ist los? Du hörst dich so traurig an. Ich warte hier auf Andrea und sie kommt einfach nicht. Sie meldet sich nicht am Handy. Ich weiß nicht wo sie ist. Hattet ihr Streit?“ harkte sie nach denn sie hatte wie Andrea ein Gespür dafür, wenn etwas nicht stimmte. „Margot…ähm..nein..nein, kein Streit. Andrea hatte einen Unfall und liegt im Krankenhaus.“ hörte sie die gepresste Stimme von Semir. „Oh mein Gott! Ist es schlimm? Was ist mit ihr? Wo seid ihr? Wo sind die Kinder?“ schoss sie sofort alle Fragen ab. „Die Kinder sind soweit in Ordnung. Ayda hat einen Arm gebrochen und genau wie Emily eine Gehirnerschütterung. Wir sind in der Uniklinik. Margot… Andrea ist schwer verletzt. Man hat sie in ein künstliches Koma gelegt. Es geht ihr nicht gut und ich weiß nicht was ich tun soll..“ beklagte Semir sich. Margot hörte das leise schluchzen. Sie wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. „Ich komme zu dir! Ich mache mich sofort auf den Weg.“ gab sie durch. „Danke Margot…das wäre wirklich sehr gut…“ kam erleichtert von Semir. Margot beendete das Gespräch und sah nach oben. Tränen liefen ihr über die Wange. Seit Kathrin, ihre jüngste Tochter bei einem Unfall ums Leben kam und auch ihr Mann das zeitliche gesegnet hatte, war Andrea die einzige Angehörige die ihr noch bleib. Sie durfte nicht auch noch sterben. ES durfte nicht sein. Margot wischte sich die Tränen weg und packte ihren Koffer. Dabei musste sie sich anstrengen sich zu konzentrieren um nicht die Hälfte zu vergessen. Semir brauchte sie jetzt. Und die Kinder. Und natürlich auch Andrea. Sie fuhr los und auch hier verlangte die Konzentration alles von ihr ab. Mühsam verdrängte sie die düsteren Gedanken an Andrea und sagte sich immer wieder, dass alles nicht so schlimm war. Zum Glück war die Autobahn in Richtung Köln so gut wie frei und so kam sie sehr gut durch. Innerhalb einer Rekordzeit von zweieinhalb Stunden war sie in der Großstadt angekommen und fuhr direkt zur Uniklinik durch, wo sie sich zu ihren Angehörigen durchfragte. Zu Andrea durfte sie nicht, aber sie erfuhr wo die Kinder waren und betrat nur wenig später die Kinderstation.

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  • Semir ging zu Ben, Susanne und Kim. „Wie sieht es aus?“ fragte Ben sofort. „Sie sind fast unverletzt. Ayda hat ihren Arm gebrochen und beide haben eine Gehirnerschütterung. Sie müssen für zwei Tage hier bleiben. Ich bin allein…ich bin ganz allein…“ stieß Semir aus Ben sah ihn an. „Du bist nicht allein. Wir sind hier und wir werden dir helfen. Wir stehen dir zur Seite!“ legte er fest. Semir lächelte leicht nervös. „Danke…das bedeutet mir sehr viel…wirklich…“ sagte er nur. „Semir!! Wo sind sie? Wo sind die Kinder?“ riss die Stimme von Margot ihn aus dem Gespräch. Langsam ging Semir auf seine Schwiegermutter zu. „Sie sollen Ruhe haben. Wir dürfen erst morgen zu ihnen.“ gab er zu verstehen. Margot sah ihn an. „Und Andrea?“ harkte sie nach. „Intensivstation..“ Semirs Stimme wurde leiser und er versuchte die Tränen zu verbergen, doch seine Schwiegermutter schien sie genau zu entdecken. Sie zog ihn an sich und er ließ es geschehen. Dann brach bei ihm durch, was er bisher verbergen konnte und die Anspannung löste sich. Er weinte hemmungslos und Margot hielt ihn fest. „Schon gut, mein Junge… Wir schaffen das. Wir schaffen es gemeinsam und Andrea wird es auch schaffen.“ beruhigte sie ihn. „ Und zu den Kindern werden wir sofort gehen! Sie brauchen uns jetzt!“ fauchte sie wütend und ging auf die Schwester zu, die eben aus einem der Zimmer kam. „Ich will sofort zu meinen Enkelinnen!“ forderte sie. „Das geht nicht, die Kinder sollen schlafen!“ wich die Schwester aus. „Passen Sie mal auf, die Kinder haben einen schweren Unfall gehabt und ihre Mutter liegt im Koma. Was denken Sie wird es für die Kinder für einen Schaden haben, wenn die Oma nicht zu ihnen darf? Wollen Sie wirklich dafür verantwortlich sein?“ harkte Margot nach. „Nein also gut..aber nicht zu lange.“ stimmte die Schwester zu. Margot nickte. „Natürlich Kindchen….wo sind sie?“ harkte sie nach. „Zimmer 108.“ kam zur Antwort. Gemeinsam mit Semir und dessen Kollegen ging sie in das entsprechende Zimmer. Die Kinder hatten gerade ihr Abendessen. Als die Tür aufging drehte Ayda ihren Kopf. „OMA!!“ rief sie und wollte aufstehen, doch Margot war bereit an ihrem Bett. „Nein..liegen blieben!“ befahl sie und nahm ihre Enkelin gleichzeitig in den Arm. „Wir hatten einen Unfall gehabt. Mama schläft jetzt und ich habe…ganz viel Blut gesehen.“ sprudelte es aus Ayda heraus. Semir schluckte schwer. „Semir…warum gehst du nicht ein bisschen frische Luft schnappen?“ fragte Margot. „Ja..du..du hast Recht..“ lächelte er. Margot hatte sehr wohl gesehen, dass er schwer mit den Tränen zu kämpfen hatte. Semir verließ das Zimmer. Leise schloss Semir die Tür und ging den langen Flur runter. Er kam an einem der Kreuze vorbei die hier überall hingen. Vor einem blieb er stehen. „Du weißt, ich bin eigentlich nicht so für dich…aber….bitte. Ich liebe sie. Nimm sie mir nicht weg. Bitte lass sie bei mir. Ich will sie nicht verlieren und wenn du willst, dass ich etwas dafür tue, dann werde ich es tun. Aber bitte Lieber Gott…nimm sie mir nicht weg. Ich kann ohne sie nicht leben…ich kann es nicht…“ betete er. Dann ließ er sich auf die Knie fallen und weinte nur.


    Ben verließ ebenfalls das Zimmer. Auch er hatte Semirs Zustand erkannt und wollte nun für seinen Freund da sein. Zunächst sah er ihn nicht, doch dann hörte er ein Schluchzen. Er ging diesem Geräusch nach und sah Semir vor einem Kreuz knien. Scheinbar bemerkte sein Partner ihn gar nicht. Und je näher er kam um so mehr sah er wieder Körper bebte. „Hey..Semir…komm hoch..“ sagte er sanft und zog Semir auf die Beine. Dann führte er ihn zu einen der Stühle und drückte ihn drauf. „Ist alles in Ordnung?“ fragte er Semir. Semir sah ihn an. Die Augen waren gerötet und Tränen liefen den türkischen Hauptkommissaren über die Wangen. „Nichts ist in Ordnung. Gar nichts. Dort im Zimmer liegen zwei kleine Kinder die nach ihrer Mutter rufen und...und…“ stieß Semir aus und rang immer wieder nach Atem. „Semir…ich weiß das es schwer ist, aber du musst für sie stark sein. Noch ist nichts verloren. Andrea wird kämpfen. Sie liebt dich und die Kinder und sie wird dich nicht allein lassen. Daran musst du glauben!“ versuchte Ben ihn zu trösten. Semir atmete tief ein. Nur langsam konnte er sich beruhigen. „Ich kann nicht...“ gab er zu. „Andreas Chancen stehen doch gut, wenn sie diese Nacht überlebt. Glaub an das Gute. Wie oft haben sich die Ärzte schon geirrt? Wie oft liegen sie wohl daneben? Die einen Patienten halten sie für stark und machen sich keine Sorgen und dann sterben sie doch. Andrea ist eine Kämpferin. Sie schafft es. Sie wird weder dich noch die Kinder verlassen. Und wenn du jemanden brauchst, den du in deiner Verzweiflung zusammenbrüllen willst, oder zusammen schlagen. Er steht hier. Ich bin für dich da. Ich bin da, hörst du? Und alle anderen werden auch für dich da sein.“ redete Ben auf ihn ein. Er streckte Semir seine Hand hin. Dieser sah ihn an und nickte. Dann griff er zu und stand auf. „Danke Ben…“ sagte er leise. Ben lächelte. „Wofür?“ fragte er nach. „Das du für mich da bist. Ich weiß nicht was ich ohne meine Freunde tun sollte.“ gab Semir leise zu. „Dafür sind Freunde doch da. in guten wie in schlechten Zeiten. Lass und etwas an die frische Luft gehen. Du siehst ziemlich übel aus..“ lächelte Ben etwas verlegten. Sie gingen auf einen der Balkone und nur langsam erholte Semir sich. Nach einer guten viertel Stunde gingen sie wieder in das Zimmer.

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  • Er öffnete die Tür leise und hörte wie Ayda immer noch erzählen. „Emi hat nur eine kleine Wunde aber mir tut mein Kopf weh. Oma…geht Mama jetzt zu Opa?“ wollte sie wissen. Semir schluckte schwer und sah Ben an. „Nein natürlich nicht. Mama schläft nur, damit ihr Körper wieder heilen kann. Das muss man, denn wenn Mama sich zu viel bewegen würde, dann kann das nicht heilen. Du wirst sehen. Morgen oder übermorgen ist Mama wieder wach und dann können wir sie besuchen gehen. Und so lange werde ich bei euch sein. Wir werden spielen gehen und in den Zoo und ins Hallenbad…“ zählte Margot auf um die Kinder zu beruhigen. „Mama wollte doch auch mitgehen.“ beklagte Ayda sich. „Mama…gen…“ kam auch von Emi. Margot lächelte. „Bald ihr Lieben. Und jetzt werdet ihr schlafen. Morgen komme ich wieder und dann spielen wir was Feines, Ja…?“ fragte die Oma. Ayda legte sich brav hin. „Darf ich nicht zuhause schlafen? Ich bin doch gar nicht krank…“ wollte sie wissen. „Nein….heute musst du hier schlafen. Sei brav. Ich bin morgen wieder da.“ beruhigte Margot sie. In diesem Moment war Semir seiner Schwiegermutter dankbar, dass sie da war. Er atmete tief durch und betrat das Zimmer. „Oma hat Recht. Ihr müsst schlafen und dann dürft ihr bald zu Mama...“ bestätigte er. Ben hatte auch Recht, er musste für Emily und für Ayda stark sein. Und er musste den Täter bekommen. Diese Tat musste geahndet werden. Er musste den Täter stellen. Schnell gab er den Kindern einen Kuss und verabschiedete sich. „Seid brav ja…“ mahnte er liebevoll. „Sind wir immer Papa…Sag der Mama das wir sie ganz doll lieb haben.“ gab Ayda zurück. Sie verließen alle das Zimmer. Vor dem Fahrstuhl dort wo die Kinder nichts mehr hören konnten sah Kim Krüger alle an. „Wir sollten jetzt auch fahren und zur Ruhe kommen. Sie Semir fahren mit Ihrer Schwiegermutter nach Hause und erholen sich von dem Schock. Sie Ben, passen auf, dass er nichts anderes macht. Susanne und ich fahren zurück ins Büro und treiben die Ermittlungen voran. Die Ermittlungen in diesem Fall werde ich übernehmen!“ legte sie in ihrem normalen Befehlston fest. Semir fixierte sie. „Denken Sie dass ich mich einfach so hinlegen kann und schlafen während ein Erpresser dabei ist Menschen zu töten?“ fauchte er wütend. Kim nickte. „Ja das denke ich. Sie werden derzeit von Ihrer Frau mehr gebraucht als zuvor. Seien Sie für sie da. Kümmern Sie sich um sie. Ich drücke Ihnen alle Daumen und hoffe sehr, dass bald wieder alles in Ordnung ist.“ lächelte Kim. Semir sah zu Boden. Bisher hatte er Kim Krüger immer für kalt und berechnend gehalten, doch nun zeigte sie Gefühl. „Danke Chefin. Aber ich werde mich ganz sicher nicht so abspeisen lassen. Ich werde mir den Typen schnappen!“ stieß er aus.


    Kim schüttelte den Kopf. „Nein…das werden Sie nicht! Sie sind bis auf weiteres beurlaubt. Sie müssen sich um Ihre Frau kümmern! Sie können ohnehin nicht ermitteln, da Sie befangen sind und Sie wissen genau, was die Vorschriften aussagen!“ gab Kim leise gepresst zurück, doch man hörte aus diesen wenigen Worten ihre Wut heraus. „Mir sind die Vorschriften egal. Da sind zwei Kinder, die ihre Mutter vermissen und ich werde den Kerl finden, der meiner Frau das angetan hat, darauf können Sie sich verlassen!“ gab Semir ebenso wütend zurück. Sie betraten den Fahrstuhl und fuhren runter. Kaum waren die Türen auf, rannte Semir raus. Ben versuchte ihn noch zu halten, doch es war zu spät. „Suchen Sie ihn und halten Sie ihn von Dummheiten ab!“ forderte Kim auf. Ben lächelte leicht. „Keine Sorge…ich habe die Autoschlüssel und bringe ihn zur Vernunft.“ gab er zurück und rannte hinter Semir her. Er wusste genau, das Semir nicht zu Fuß abhauen würde. Sicher stand er am Wagen und fluchte, dass er keinen Schlüssel hatte. Kaum war er angekommen sah er Semir auf der Motorhaube sitzen. Er saß einfach da. „Semir…?“ fragte er. „Was für ein Ehemann bin ich? Ich konnte meine Familie nicht einmal vor diesem Verbrecher schützen. Ich bin ein Versager in dieser Linie und….werde nun dafür entsprechend gestraft indem ich meine geliebte Frau verliere…“ gab Semir leise von sich. „Das ist nicht wahr. Du konntest doch nichts dafür, dass Andrea zur falschen Zeit am falschen Ort ist.“ versuchte Ben. „Nein…du verstehst mich nicht. Ich wollte den Wagen volltanken, bevor sie fuhren. Ich hätte im Wagen sitzen sollen, als dieser verdammte Sprengsatz hochging. Ich…verstehst du ich!“ stieß Semir aus. „Semir…was hätte es denn gebracht? Dann wäre es vielleicht auf dem Rückweg passiert? Was hättest du dann getan?“ harkte Ben nach. Semir zog die Schultern hoch. „Ich weiß es nicht. Ich will nicht zuhause sitzen und warten bis Krüger oder du den Typen haben?“ Semir sah ihn an. „Nein…du wirst bei Andrea am Bett sitzen und mit ihr sprechen. Du wirst für sie da sein, verstehst du… du musst für sie da sein. Andrea würde auch an deinem Bett sitzen, wenn du im Koma liegen würdest. Denk doch mal nach…das Koma ist künstlich erzeugt worden. Sie ist nicht reingefallen. Es ist kontrolliert um ihren Körper bei der Heilung zu unterstützen.“ erklärte Ben. Semir seufzte auf. „Und nun lass uns nach Hause fahren und etwas schlafen. Es wird uns allen gut tun.“ setzte Ben nach. Semir nickte. „Vielleicht hast du Recht. Aber ich will über jeden Schritt informiert werden! Du wirst für die Zeit bei mir wohnen damit du mir auch nichts verheimlichst!“ forderte Semir seinen Freund ernst auf. Ben klopfte ihm nur auf die Schulter und schloss den Wagen auf. Mittlerweile waren auch die Frauen am Wagen angekommen.

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  • Schwester Christine ging zu den Betten in der Intensivstation und überwachte die Instrumente. Sie wusste natürlich über den Neuzugang Bescheid und sah sie bedauernd an. „Das werden wir schon hinbekommen, Mädchen. Und wage es ja nicht in meiner Schicht hops zu gehen. Das würde ich dir sehr übel nehmen, hörst du?“warnte sie die schlafende Patientin. Wieder warf sie ein Blick auf die Instrumente. Der Herzschlag war normal, die Atmung verlief ordnungsgemäß und auch sonst gab es keinen Grund zur Klage. „Ich will dass es so bleibt. Denk an deine Kinder…die brauchen dich.“ wiederholte sie ihre Mahnung. Sie verließ das Zimmer und legte ihre Schutzkleidung ab, die sie für diese Patientin extra anziehen musste. Nach ihrer Runde ging sie ins Schwesternzimmer. Dort sah Doris die sie ansah. „Und?“ fragte die Schwesterschülerin. „Alles ruhig. Ich hoffe sehr, dass es so bleibt. Die eine Patientin ist sehr kritisch. Wir müssen ein Auge auf sie haben. Das nächste Mal kommst du mit und schaust es dir an. Dann kannst du was von der Intensivmedizin lernen.“ gab Christine zurück. Ihr passte es gar nicht, das eine Schülerin in ihrer Schicht war. Sie war nicht der Typ um anderen etwas beizubringen. Dafür war ihre Zeit zu kostbar und das der Patienten auch. „Warum magst du mich nicht?“ harkte Doris nach. „Das hast nichts mit dir zu tun. Aber die Klinikleitung weiß ganz genau, dass es hier auf der Intensivstation sehr viel Arbeit gibt, die unsere ganze Aufmerksamkeit benötigt. Da kann ich mich nicht um eine Schülerin kümmern.“ erklärte Christine. Bevor Doris antworten konnte ging der Alarm los. Mit einem Blick sah Christine welche Patientin es war. Sie und Doris rannten los. „Rufen Sie Dr. Notegau an. Er soll sofort kommen!“ forderte Christine die Schülerin auf. Doris nickte und verschwand. Während dessen kontrollierte Christine alle Maschinen. Sie liefen einwandfrei, dennoch gab es Alarm und es musste eine Ursache haben. „Was ist los?“wollte Notegau wissen, der ebenfalls Nachtschicht hatte. „Der Alarm..aber alles ist okay. die Vitalwerte sind in Ordnung.“ kam etwas ratlos von Christine. Dr. Notegau untersuchte die Patientin. „Okay….wir erhöhen die Dosis von dem Schlafmittel. Kann sein, dass sie sich bewegt hat und dadurch sich einer der Kontakte gelöst hat…“ beruhigte der Arzt sie. Christine nickte und tat was der Arzt verlangte. Als Notegau verschwunden war, sah Christine auf die Patientin. „Ich warne dich…nicht in meiner Schicht…ich habe noch keinen Patienten verloren und so soll es auch bleiben.“ forderte sie.


    Die Fahrt zu Semirs Haus verlief schweigend. Semir saß auf dem Beifahrersitz und starrte auf die Straße. Ben parkte den Wagen auf der Einfahrt und stieg aus. Semir öffnete seine Tür und stieg aus. Müde und mit schweren Schritten ging er auf die Tür zu und schloss auf. Den Schlüssel warf er wie gewohnt auf das Sideboard. Er ging ins Wohnzimmer und setze sich auf die Couch. Margot und Ben folgten. „Ich werde uns jetzt was zu essen machen…“ schlug Margot vor. Ben nickte dankbar. Er ging zu Semir. „Hey…es wird alles wieder gut werden.“ erklärte er. „Ja sicher…“ nickte Semir. Er stöhnte auf und fuhr mit seinen Händen durch das Gesicht. Margot kam zurück. „so…das Essen ist in zehn Minuten fertig.“ verkündete sie. Semir sah sie an. „Danke, dass du gekommen bist. Ich glaube ohne dich hätte ich es nicht geschafft.“ sagte er leise. „Das ist doch wohl mehr als verständlich. Die nächsten Tage wirst du dich um Andrea kümmern und ich mich um die Kinder. Ich werde erst wieder abreisen wenn Andrea wieder bei dir ist, mein Junge. Wir schaffen es gemeinsam.“ schwor Margot. Semir nickte leicht. „Und jetzt wirst du dich hinlegen und dich ausruhen.“ hängte sie fordernd an. „Ich kann jetzt nicht schlafen!“ lehnte ihr Schwiegersohn ab. „Du sollst dich hinlegen. Semir…der Tag war für uns schwer genug und du musst jetzt Kraft tanken um Andrea die Stütze zu geben, die sie braucht. Ich weiß dass es viel Kraft bedeutet. Ich habe es hinter mir und ich habe diesen Kampf verloren. Damals, als Hans-Hubert im Koma lag. Nur war es bei ihm ein echtes Koma!“ erklärte Margot. In ihrer Stimme lag nun der Ton, den Semir schon bei Andrea Respekt einbrachte, aber von Margot kam er noch einen Ton schärfer. Er lächelte leicht. „Margot…jetzt weiß ich woher Andrea es hat.“ gab er zu. „Was denn?“ wollte sie wissen. „Nichts… schon gut. Ich habe Hunger.“ wich Semir aus. Doch Ben hatte es schon verstanden worauf sein Partner hinaus wollte. Margot ging in die Küche und nur wenig später standen einige Schnitzel auf dem Tisch. Dazu gab es Salat. Ben schlug sofort zu und auch Semir hielt sich nicht zurück. „Das ist wirklich gut.“ gab er zu als er fertig war. „Das will ich meinen.“ kam von Margot. Als sie fertig waren stöhnte Semir auf. „Ich geh duschen…und dann werden wir uns einen Plan überlegen, wie wir diesen Kerl bekommen.“ legte er fest und verschwand in die erste Etage. Margot und Ben sahen ihm hinterher.

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  • Während Semir duschte saßen Margot und Ben im Wohnzimmer. „Er macht mir große Sorgen. Seine Gedanken springen hin und her. Denken Sie, dass er…?“ wollte sie von Ben wissen. Dieser schüttelte den Kopf. „Nein…nicht wirklich. Er spielt uns was vor. Er ist völlig am Ende und er braucht uns jetzt. Dennoch…man kann bei Semir nie sicher sein.“ widersprach er und stand auf. Er ging auf den Flur und kehrte nur wenig später mit dem Ersatzschlüssel des BMWs zurück. „Denken Sie …?“ kam erschrocken von Margot. „Nein…aber sicher ist sicher.“ lächelte Ben. Er setzte sich wieder. „Ich weiß noch wie es Andrea ging, als sein Leben zum ersten Mal in ihrer Verbindung an einem seidigen Faden hin. Hat er Ihnen diese Geschichte mal erzählt?“ wollte sie von ihm wissen. Ben schüttelte den Kopf. „Das hab ich mir schon denken können. Ich weiß leider nicht sehr viele Details nur dass er schwer verletzt wurde. Er lag mehrere Wochen im Krankenhaus und davon eine Woche im künstlichen Koma. Das war vor ungefähr acht Jahren. Damals war er noch mit seinem Partner Tom Kranich unterwegs und wollte auf einer Tankstelle nur etwas einkaufen. Aber selbst solche Sachen brachten ihn in große Schwierigkeiten.“ erklärte Margot. Ben sah sie an. „Semir spricht sehr selten über seine Partner. Von Chris Ritter hat er mir nie viel erzählt und von Jan Richter auch nicht. Aber Tom Kranich sagt mir was. Sie waren sehr eng befreundet oder?“ harkte Ben nach. Margot nickte. „Oh ja…sie waren sehr eng befreundet. Es war auf jeden Fall mehr als nur Partnerschaft. Leider weiß ich keine Einzelheiten außer das ausgerechnet als er einkaufte ein Überfall stattfand. Andrea saß eine ganze Woche an seinem Bett bis die Ärzte endlich Entwarnung gaben. Sie war damals völlig am Ende und wusste nicht mehr ein noch aus. Damals lebte mein Mann noch und Andrea hatte sich völlig mit Semir zerstritten. Es ging damals glaube ich um eine Frau, die Semir den Hof gemacht hatte. Nun ja…er ist auch nur ein Mann. Aber als ich sie darauf ansprach wurde sie wütend und sagte mir, dass sie ihn mehr liebte als ihr Leben. Tja…und da wusste ich, dass ihre Liebe so stark war und sie ihn niemals verlassen könnte. Wo bleibt er denn nur?“ kam erstaunt von Margot. Auch Ben gefiel es nicht, das Semir so lange fort blieb. „Ich sehe mal nach.“ schlug er vor und ging nach oben. Das Wasser lief nicht mehr und die Tür zum Bad war offen. „Semir?“ fragte Ben leise. Es kam keine Antwort. Ben sah in das Schlafzimmer von Semir und Andrea und musste leicht schmunzeln. Semir lag im Bett und hielt Andreas Bild in der Hand. Er schlief tief und fest. Ben ging zurück zu Margot. „Er schläft…“ gab er zufrieden zurück.


    Der Rest von Christines Schicht verlief ruhig und gegen sechs machte sie die Übergabe und berichtete ihrer Kollegin Anne was sich ereignet hatte. „Wie geht es den Patienten?“ wollte sie wissen. „Sie war bis auf eine kleine Störung sehr ruhig. Es scheint ihr soweit gut zu gehen. Die Werte sind im normalen Bereich. Ich hoffe sehr, dass sie sich nun schnell erholt.“ erklärte Christine. „Hast du schon eine Blutprobe genommen?“ harkte Anne nach. „Ja…sie ist schon im Labor und die Ergebnisse dürften in einer halben Stunde kommen.“ nickte Christine. Anne lächelte. „Das ist doch schon mal gut. Und wie hat Doris sich in ihrer ersten Nachtschicht geschlagen?“ wollte sie wissen. „Ich muss sagen, sie war nicht übel. Sie hat mir einige Arbeiten abgenommen und das war gut so. So konnte ich mich sehr intensiv um die Patienten kümmern, die es brauchten. Sie ist nicht einmal eingeschlafen.“ lächelte Christine. „und nun wünsche ich dir eine ruhige Schicht.“ verabschiedete sie sich von Anne und verließ die Station. Anne sah ihr nach um kurz darauf ihre Runde zu machen. Zunächst ging sie zu Andrea Gerkan um die Werte zu überprüfen. Auch wenn sie im Tiefschlaf lag, war es wichtig die Patientin zu waschen und außerdem mussten die Wunden versorgt werden. Die Brandwunden wurden mit einer speziellen Salbe versorgt und wieder verbunden. Der Tropf musste getauscht werden, stellte sie schon fast automatisch fest. Sie fühlte den Puls und nickte zufrieden. „Sehr gut..“ lobte sie die schlafende Patientin. Sie tauschte den Tropf aus, über den Andrea Gerkan ihre Nahrung erhielt. „so..wünsche guten Appetit und ich will das du weiter kämpft. Wenn das so weiter geht, dann können wir dich nächste Woche wecken und dein Mann und deine Kinder machen hier Jubelsprünge. Als streng dich an…“ forderte auch sie die schlafende Patientin auf. Sie verließ den Raum und machte die entsprechenden Notizen in der Krankenakte. Dann ging sie zum nächsten Patienten und verfuhr entsprechend der Anordnungen. Tatsächlich kamen gegen acht die Ergebnisse aus dem Labor. Anne lächelte leicht, als sie die Ergebnisse sah. „So kann es eigentlich weitergehen Frau Gerkan.“ Sagte sie leise. Dr. Notegau erschien kurz darauf im Schwesternzimmer. „Sind die Ergebnisse schon da?“ fragte er. „Ja…eben gekommen. Die Werte sind zwar leicht erhöht aber nicht bedrohlich.“ erklärte sie und reichte ihm den Bericht aus dem Labor. Notegau sah ihn sich an und lächelte zufrieden. „Das wird dem Ehemann sicher aufbauen.“ meinte er nur.

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    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Auch Semir saß bereits am Frühstückstisch, doch er aß nichts. „Semir…du musst was essen.“ ermahnte Margot ihn. „Ich habe keinen Hunger…“ gab er leise zu. Ben schob ihn ein belegtes Brötchen hin. „Guten Appetit…“ lächelte er. Semir sah ihn an. „Nein…ich will nicht.“ wiederholte Semir. „Semir…Andrea hat die Nacht überstanden. Es kann doch nur etwas Gutes heißen. Und nun sei nicht so stur! Iss und dann fahren wir zu ihr!“ forderte Margot ihn auf. Semir sah sie an und griff dann doch zum Brötchen. Lustlos biss er ab und spülte es mit Kaffee hinunter. Als er fertig war sah er zu Margot. „Zufrieden?“ fragte er gereizt. Margot lächelte und nickte. „Braver Junge...“ lächelte sie. „So…ich muss zum Dienst. Ich werde dir heute Abend alles berichten.“ verabschiedete Ben sich und verschwand. Semir sah ihm nach. „Wir sollten zu Andrea fahren. Ich habe Angst das es ihr nicht gut geht.“ schlug er seiner Schwiegermutter vor. „Ja…nachdem ich den Tisch abgeräumt habe. Die Kinder warten sicher auch schon. „Margot..ich…ich würde gern bei Andrea bleiben, bis sie aufwacht. Könntest du die Kinder allein versorgen?“ wollte er wissen. Margot sah ihn an. „Natürlich…es ist alles in Ordnung. Ich kann mit ihnen auch zu mir nach Hause fahren. Das würde es für dich leichter machen.“ lächelte sie. Semir nickte. „Sicher…nimm sie mir ruhig weg…ist ja auch egal…“ sagte er und kraulte Felix, der ihm auf den Schoß gesprungen war. „Ich will sie dir doch nicht weg nehmen. Aber die Kinder brauchen auch Ruhe. Wenn sie sehen wie fertig du bist, ist es nicht gut für sie.“ erklärte Margot sich. Semir holte tief Luft. „Entschuldige…ich meinte es nicht so.“ gab er leise von sich. Margot hatte sicher Recht, dass die Kinder bei ihm derzeit nicht gut aufgehoben waren. Sie fuhren gegen zehn los und kamen nur wenige Minuten später an. Wieder musste Semir sich die Schutzkleidung anziehen. Und diesmal durfte auch Margot mit rein. Als sie vor Andreas Bett standen sah Semir sie an. „Sie sieht nicht so aus als habe sie Schmerzen oder?“ fragte er. Margot lächelte. „Sie hat sicher keine Schmerzen. Sie schläft tief und fest. Alle Empfindungen sind ausgeschaltet. Sie erholt sich immer mehr.“ beruhigte sie ihren Schwiegersohn. Er nickte. „Ich habe dennoch Angst sie zu verlieren. Was wenn doch noch Komplikationen auftreten? Was wenn sie Schäden behält oder sich nach dem Aufwachen sich nicht mehr an mich oder die Kinder erinnert?“ fragte er besorgt. „Da kann ich Sie beruhigen. Das „künstliche Koma“ ist nur ein mit Beruhigungsmittel herbeigeführter Schlaf und kein wirkliches Koma. Bei einem echten Koma ist es sehr schnell möglich, dass der Schlafende alles was mit ihm passierte vergisst. Beim künstlichen ist es nicht so. Sie wird aufwachen und alles wissen.“ unterbrach eine Stimme.


    Semir drehte sich um. Dr. Notegau stand hinter ihm. „Die Nacht ist sehr ruhig verlaufen und die Blutwerte sind auch sehr gut. Die Brandwunden werden sehr gut versorgt. Einige davon sind zweiten Grades und es ist gut möglich, dass es noch nicht einmal Narben gibt. Und selbst wenn..die kosmetische Chirurgie ist mittlerweile soweit, dass man dort sicher einiges machen kann.“ lächelte der Arzt sie an. „Hat es irgendwelche Probleme in der Nacht gegeben? Geht es ihr wirklich gut?“ harkte Semir nach. Notegau nickte. „Ja es geht ihr gut. Sehen Sie…Ihre Frau schläft und hilft so dem Körper sich selbst zu heilen. Gerade bei den Brandwunden ist es sehr gut. Die Lungentätigkeit ist ebenfalls zu friedenstellend und bisher haben wir keine Anzeichen, dass wir dort etwas Schlimmes erwarten könnten.“ lächelte er. Semir nickte. „Das klingt alles sehr schön. Wissen Sie denn schon, wann sie wieder geweckt werden kann?“ fragte Semir weiter. „Das wird noch eine ganze Weile dauern. Ich denke mal noch zwei Wochen. Sie liegt doch erst seit gestern hier. Sie müssen Geduld haben.“ erklärte der Arzt. „Kann ich etwas für sie tun?“ wollte Semir nun wissen Notegau lächelte. „Natürlich…Sie können sogar sehr viel tun. Reden Sie mit ihr. Zeigen Sie ihr, dass Sie da sind. Erzählen Sie ihr von gemeinsamen Erinnerungen. Erlebnisse die Sie verbinden und von den Kindern. Es wird ihr helfen, wenn Sie ihre Stimme hört und das tut sie.“ schlug er vor. „Was soll ich ihr denn erzählen? Ich meine…wir haben so viel durchgemacht…und vielleicht schadet es ihr auch, wenn ich davon erzähle. Vieles haben wir verdrängt oder es sind Fragen unbeantwortet geblieben…“ stöhnte Semir. Notegau sah ihn an. „Genau das ist was ich meine. Erzählen Sie ihr alles, was Ihnen einfällt. Egal was es ist. Es fördert ihren Heilungsprozess.“ stimmte er zu.

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  • Kim traf gegen acht im Büro ein und wunderte sich sehr, dass Ben auch schon da war. „Wie geht es Semir?“ wollte sie wissen. „Es geht ihm entsprechend. Er ist bei Andrea und ich denke er wird dort bleiben bis sie aufwacht.“ gab er von sich. „Sind irgendwelche Komplikationen aufgetreten?“ harkte sie weiter nach. „Nein…die Nacht war ruhig und somit ist Andrea über den Berg. Ich fahre nach Feierabend zu Semir und werde ihn über das berichten was wir herausgefunden haben.“ erklärte er weiter. „Wir?“ fragte Kim erstaunt. „Ja… ich werde mit ermitteln.“ legte er fest. Kim lächelte. „Sie haben Angst, dass ich Semir nicht informiere oder?“ wollte sie von ihm wissen. „Nun ja…ich kenne Sie ja auch nicht erst seit gestern und ich würde es vermutlich genauso machen, weil ich weiß wie Semir reagiert, wenn er erfährt dass wir jemanden gefunden haben, der mit drin steckt.“ nickte Ben. „Sie haben es genau erkannt. Okay…wir werden ermitteln, aber die Informationen die Semir bekommt werden von mir abgesegnet. Ich kann es nicht gebrauchen, wenn er Amok läuft, was ich ihm nicht verdenken könnte.“ warnte Kim. Ben salutierte und hielt sich die Hand an der Stirn. „Jawohl Chefin…“ grinste er. „Lassen Sie den Blödsinn. Hartmut hat den Sprengsatz untersucht aber nichts herausgefunden was uns helfen kann. Das einzige was wir haben sind die erpressten Tankstellen. Wir müssen die Betreiber und die Besitzer empfindlicher dafür machen uns zu helfen und damit werden wir nun anfangen.“ legte Kim fest .Ben nickte. Nur wenig später waren sie zur ersten Tankstelle unterwegs. Doch kaum angekommen sahen sie gerade einen Wagen in hoher Geschwindigkeit von der Tankstelle rasen. „Darum kümmern sich die Kollegen.“ befahl Kim, als sie sah dass Ben den Wagen verfolgen wollte. Ben nickte und hielt an. Sie stiegen aus und betraten nur kurz darauf den Verkaufsraum. Auf dem Boden hockte eine junge Frau und weinte leise. „Was ist passiert?“ fragte Kim. Die junge Frau zuckte zusammen. „Keine Angst…ich bin Kim Krüger von der Kripo Autobahn. Was ist passiert?“ harkte sie nach. „Zwei Männer… sie …sie wollten von mir Geld haben. Aber mein Vater ist nicht da und ich …ich wusste nicht, ob ich es ihnen geben sollte. Und als ich mich geweigert habe, da…da haben sie….meinen Hund erschossen. Er hat doch niemanden etwas getan…“ weinte die junge Frau. Erst jetzt sah Kim einen Schäferhund vor dem Tresen liegen.


    Margot fuhr auf die Kinderstation wo ihre Enkelinnen bereits auf sie warteten. „Wo ist denn Papa?“ fragte Ayda und sah sich um.“Papa ist bei Mama und ihr werdet mit mir nach Hause fahren. Wir werden ganz viel zusammen machen, bis die Mama wieder da ist. Wenn ihr wollte fahren wir zu mir nach Hause.“ erklärte Margot und zog Emily an. „Können wir nicht auch zur Mama gehen? Ich will ihr doch sagen, dass ich sie lieb habe… und ich will bei Papa bleiben! Er braucht uns doch jetzt.“ beklagte Ayda sich. „Das weiß die Mama…aber da wo sie liegt, darfst du leider nicht hin, Schatz. Aber schon bald kommt die Mama nach Hause und dann kannst du ihr zeigen wie sehr du sie liebst. Also gut…dann bleibe ich bei euch im Haus bis die Mama wieder kommt.“ ließ Margot sich breitschlagen. Ayda hatte Recht, ihr Vater brauchte vermutlich auch die Nähe von ihnen. Gerade jetzt. Aber waren die Kinder nicht arg gefährdet? Sie musste es mit Semir ausdiskutieren. Ayda sah traurig zu Boden. „Und wenn Mama nicht wieder aufwacht? Was wenn sie lieber zu Opa geht? “ fragte sie leise. Margot sah sie erschrocken an. „Natürlich wacht die Mama auf. Sie wird ganz bald wach werden. Und sie wird nicht zu Opa gehen, dafür hat sie euch doch viel zu lieb.“ tröstete sie das kleine Mädchen. Ayda nickte dennoch sah sie nicht wirklich überzeugt aus. „Komm meine Kleine…wir gehen jetzt ein Eis essen und dann fahren wir nach Hause.“ lächelte sie. Ayda nickte. Gemeinsam verließen sie das Krankenhaus und gingen zum Auto von Margot. „Du hast keine Kindersitze drin. Und dann dürfen wir nicht mitfahren. Das hat der Papa immer gesagt.“ stellte Ayda fest .Margot sah sie an. „Da hast du ja Recht. Gott… ich habe tatsächlich keine Sitze. Ja was machen wir denn jetzt?“ fragte Margot etwas ratlos. „Wir könnten Ben anrufen oder mit dem Taxi fahren.“ dachte Ayda laut nach. Margot lächelte. „Gut..wir nehmen ein Taxi. Und der Papa kann dann mein Auto mit nach Hause bringen.“ stimmte sie zu und rief einen Mietwagen mit Kindersitzen. Sie brauchten nur wenige Minuten warten bis der gewünschte Wagen angefahren kam. Margot setzte Emily in den Sitz und Ayda schnallte sich selbst an. Margot überprüfte ob sie es richtig gemacht hatte und lobte ihre älteste Enkelin. Sie war ein sehr kluges Kind und wusste genau worauf es ankam und sie hatte bis auf die Augen Andreas Aussehen als Kind. Schon sonderbar wie gleich sich Menschen sehen können, dachte Margot. Dann ließ sie sich auf Beifahrersitz fallen und gab dem Fahrer die Adresse durch. Sicher kutschierte er sie und ihre Enkelinnen nach Hause. „Mama gehen?“ fragte die zweijährige Emily. „Nein mein Schatz…wir fahren nach Hause…“ lächelte Margot. „Mama…gehen..“ fing die Kleine an zu weinen. „Musst doch nicht weinen Emi…Mama ist noch krank und schläft ganz tief….ich lese dir nachher was vor und dann spielen wir zusammen.“ erklärte Ayda und gab ihrer kleinen Schwester einen Kuss. Margot musste schlucken.

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  • „Haben die Männer etwas gesagt?“ wollte Ben wissen. „diese Kerle reden nicht viel. Sie handeln.“ kam eine Stimme hinter Ben. Er drehte sich um. Ein Mann von knappen 60 Jahren stand vor ihm. „Ich bin Paul Schmidt… mir gehört die Tankstelle aber wenn es so weiter geht, dann werde ich sie wohl bald schließen. Diese Typen verlangen fast die Hälfte der Wocheneinnahmen zum Schutz. Schutz! Pah…das ich nicht lache. Die sind es doch die mich bedrohen!“ knurrte der alte Mann. „Ja und sie werden nicht aufhören, wenn Sie bezahlen..“ nickte Kim. „Was soll ich denn tun? Sie bedrohen meine Tochter! Sie erschießen den Hund! Das nächste was die machen ist die Tankstelle dem Boden gleichmachen. Genau wie sie es mit der Raststätte gemacht haben!“ fauchte der Mann. „Sie hätten die Polizei anrufen sollen!“ widersprach Kim. „Die Polizei kann mich auch nicht schützen! Was soll sie denn tun? Die reden und hängen ein paar Bildchen auf und dann werden die Bürger sich wieder selbst überlassen…“ schimpfte der Mann. „Nun da kann ich Sie beruhigen, wir sind von der Polizei und wir werden sicher niemanden einfach sich selbst überlassen. Können Sie den Mann beschreiben?“ wollte Kim kühl wissen. „Ich könnte schon…aber sobald Sie weg sind, werden die hier wieder auftauchen und mir den Laden kurz und klein schlagen!“ kam besorgt von dem Mann. „Hören Sie….an der Raststätte ist eine Mutter von zwei Kindern sehr schwer verletzt worden. Sie liegt im Koma und ich will die Täter finden. Aber dazu brauche ich Ihre Hilfe.“ erklärte Kim leise. „Das ist ja schrecklich…tut mir wirklich leid…“ kam tatsächlich geschockt von dem Mann. Kim nickte. „Wollen Sie uns helfen?“ fragte sie. „Natürlich…das geht nun wirklich zu weit, aber wer beschützt mich?“ harkte der Mann nach. „Ich kann doch meine Tochter nicht diese Gefahr aussetzen und sonst habe ich niemanden der hier arbeitet. Ich kann das auch nicht machen..“ beklagte er sich. Kim sah Ben kurz an und dieser nickte. „Dann wird mein Kollege hier aushelfen. Kostenlos natürlich. Ihre Tochter wird nicht in Gefahr sein und Sie auch nicht.“ schlug Kim vor. Der Mann sah sie an. „Er soll allein gegen diese Kerle kämpfen?“ fragte er erstaunt. „Nicht kämpfen…er soll sie dingfest machen, damit die Betreiber und Besitzer der Tankstellen und Raststätten wieder Freude an ihrer Arbeit haben.


    Semir zog sich einen Stuhl ans Bett und setzte sich. „Hey mein Schatz. Ich hoffe es geht dir so gut wie du aussiehst. Du bist jetzt auch wunderschön. Ich liebe dich...“ sagte er leise und nahm ihre Hand. „Andrea…ich habe dir noch gar nicht gesagt, das ich wirklich sehr stolz auf dich bin. Du hast unsere Kinder gerettet und dich dabei in eine extreme Gefahr gebracht. Fast wie ich es in meinem Job mache. Du bist eine Heldin. Als ich mit Ben an der Raststätte war und dein Auto gesehen habe…da…da war ich völlig am Ende. Ich habe geweint und du weißt ich weine sehr selten. Ich hatte Angst euch alle verloren zu haben. Ich wäre völlig allein gewesen. Ich weiß jetzt was du durchmachst wenn ich im Krankenhaus liege. Diese Ungewissheit, diese Angst die man aushalten muss. Ich verspreche dir, dass ich in Zukunft wieder mehr aufpassen werde. Ich liebe dich mehr als mein Leben und…wenn…wenn man will, dass ich mein Leben für dich geben müsse, dann würde ich es ohne mit der Wimper zu zucken tun. Du bist mehr wert als mein Leben.“ erklärte er leise. Er sah auf den Boden. „Weißt du noch vor acht Jahren? Als ich mit Tom Kranich auf dieser Raststätte in den Überfall geraten bin? Als wir uns dann im Krankenhaus wieder getroffen haben um uns wieder mal zu versöhnen? Damals habe ich mit meinem Leben abgeschlossen. Schon als du dich von mir getrennt hattest, da war mein Leben richtig sinnlos gewesen. Damals…als der Kerl auf mich geschossen hatte..ich habe dir nie erzählt wie es dazu kam. Das würde ich jetzt gern nachholen.“ Seine Gedanken gingen in die Vergangenheit und er fing an zu erzählen. „Weißt du… ich saß im Wagen und Tom hatte Fahrdienst. Er wusste natürlich, das du mich rausgeworfen hattest und nun ja…ich war stinksauer, denn in meinen Augen hattest du mich völlig zu Unrecht raus geworfen. Ich hatte nichts getan. Aber Tom meinte nur, dass ich selbst Schuld hätte und das konnte ich nicht zugeben….

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  • Rückblende:


    „Was soll das heißen, ich bin schuld? Andrea hat mir gesagt, dass sie keine Lust mehr hat ständig auf mich zu warten. Dabei habe ich mich lediglich um fünfzehn Minuten verspätet. Lächerliche fünfzehn Minuten und sie macht so einen Aufstand!“ zeterte Semir und sah seinen Partner Tom Kranich an. „Ja genau…lächerliche fünfzehn Minuten. Die fünfzehn Minuten die sie im strömenden Regen stand und bis auf die Knochen nass wurde.“ nickte er zustimmend. „Ja Moment!! Gegen das Wetter konnte ich auch nichts tun und ich habe es nicht bestellt!“ grinste Semir. „Semir, der Regen war angesagt und du musst es vorausschauender planen. Du bist so ein Idiot wenn du Andrea versetzt. So eine Frau findest du nirgends.“ belehrte Tom ihn. Er sah ihn immer wieder breitgrinsend an und wieder auf die Fahrbahn. „Ja schon klar. Du stehst auf ihrer Seite und ich gucke in die Röhre. Ein ganz toller Freund bist du..“ knurrte Semir spielend beleidigt. Tom lachte auf. „Du bist mir echt einer..“ gab er zu. Semir sah ihn an. „Hältst du gleich mal auf den Parkplatz...“ bat er. „Warum das denn?“ harkte Tom nach. „Ich will mir was Süßes kaufen. Ich habe Liebeskummer und da soll das helfen.“ beklagte Semir sich. „Du bekommst gleich Mitleid. Aber gut, aber du bringst mir bitte Gummibärchen mit!“ forderte Tom grinsend. „Ja sicher doch. Wenn du ein gutes Wort bei Andrea für mich einlegst.“ versuchte Semir den Deal. Tom lachte nur. „Hast du heute denn schon mit ihr gesprochen?“ harkte Tom weiter nach während er sich einreihte. „Nein..du kennst sie doch. Wenn sie sauer ist, dann spricht sie kein Wort mit mir. Oder nur das nötigste.“ kam leise von Semir. Tom nickte. Er kannte dieses Theater und er stand wieder dazwischen. Wenn sie in der PAST waren würde es wieder so ablaufen das Andrea nur mit Semir über ihn spricht. Schon in Gedanken hörte er die Sprüche. „Sag deinem Partner bitte, dass er mich nicht mit SMS belästigen soll.“ klang Andreas Stimme in seinem Kopf. „Und das eins klar ist… ich werde mit dieser Frau nicht ein Wort mehr reden. Nie wieder!“ versprach Semir. „Ja schon klar. Mal sehen wie lange es diesmal dauert.“ lachte Tom nur und fuhr auf die Raststätte. Doch gerade als Semir aussteigen wollte raste ein dunkelgrüner Toyota von dem Platz. „HILFE! ÜBERFALL!“ schrie der Mann der nun aus dem Verkaufsraum kam. Semir ließ sich zurück ins Auto fallen. „Los Gibt Gas!!“ befahl er seinem Freund und Partner. Semir setzte das Blaulicht aufs Dach und griff zum Funk. „Cobra 11 an Zentrale! Verfolgen einen dunkelgrünen Toyota auf der A3 in Richtung Leverkusen! Der Flüchtige hat einen Überfall auf die Tankstelle bei Km 289 überfallen! Schickt bitte zwei Kollegen dort hin zur Aufnahme und uns Verstärkung!“ gab er durch. „Zentrale verstanden! Hotte und Dieter sind unterwegs zur Tankstelle und die Kollegen sind zur Unterstützung unterwegs. Ist Tom verletzt?“ hörte er Andrea. Semir rollte die Augen. So zeigte Andrea ihm sehr deutlich, dass sie extrem sauer auf ihn war. „Nein…Tom geht es gut und falls es dich interessiert mich auch!“ knurrte er ins Mikro.


    „So ganz böse ist sie ja nicht mit dir.“ meinte Tom grinsend. „Woher willst du das wissen?“ fragte Semir wütend. „Sie hat mir dir gesprochen. Fast normal sogar.“ lachte Tom „Sie hat nur nach dir gefragt! Wenn ich jetzt eine Kugel geschluckt hätte, wäre es ihr vermutlich völlig egal gewesen!“ gab Semir zurück. „Ach komm…Andrea liebt dich und du weißt es genau. Und umgekehrt genauso!“ kam von Tom. „Ich? Diese Frau lieben? Nie!!“ empörte Semir sich sofort. Doch als er auf die Straße sah stieß er einen heiseren Schrei aus. „Sind die wahnsinnig?“ fauchte er, als er sah wie riskant die Überholmanöver des Toyotas waren. Nur knapp fuhr er an einem Tankwagen vorbei und schrammte sogar die Karosserie an diesem hoch explosiven Fahrzeug. „Die spinnen doch!“ schrie nun aus Tom. Der Toyota rammte einen Kleinbus und brachte diesen Fahrer in extreme Schwierigkeiten. Der Bus knallte mit voller Wucht gegen die Leitplanke und durchbrach sie. „Cobra 11 an Zentrale! Schwerer Unfall bei KM 170! Vermutlich mehrere Verletzte! Schickt Rettungswagen! Wo bleibt die Verstärkung!“ schrie er ins Mikro. „Sind schon unterwegs! Warum haltet ihr euch nicht einmal etwas zurück!“ gab Andrea durch. „Wir machen gar nichts! Diesmal ist es der Toyota!“ verteidigte Semir sich. Tom nahm ihn das Mikro aus der Hand. „Andrea! Der Toyota hat einen Schulbus gerammt. Wir vermuten mehrere verletzte Kinder in dem Wagen. Wir brauchen dringend Rettungswagen.“ erklärte er noch einmal. „Sie sind unterwegs Tom. Sei bloß vorsichtig!“ mahnte Andrea ihn. Wieder musste Tom grinsen. Andrea war verdammt sauer auf Semir, das kam nun durch. „Verstanden..“ gab er durch und hängte das Mikro ein. „Okay..ich korrigiere mich. Sie ist stinksauer!“ lachte er. Im nächsten Augenblick schlugen Kugeln in die Karosserie und die Hauptkommissare gingen in Deckung. „Schön dass du dich daran so ergötzen kannst. Wie wäre es wenn du den Wagen jetzt stoppst?“ fauchte Semir ihn an. „Wie wäre es, wenn du mal auf die Schüsse reagierst? Aber bitte auf die Reifen zielen!“ lachte Tom zurück. Semir nickte. „Die kommen mir gerade Recht. Ich bin eh schon wütend…aber die machen mich extrem sauer!“ gab er zurück. Er zog seine Waffe und lehnte sich aus dem Fenster. Dann versuchte er zu zielen und drückte nach wenigen Sekunden ab.

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  • „Verdammt die Bullen! Wir müssen sie abschütteln!“ schrie Lorenz als er im Rückspiegel die Verfolger sah. „Ramm den Wagen! Das wird sie aufhalten!“ fauchte Paul ihn an. Lorenz tat was er verlangte doch der Wagen der Polizisten kam an dem gerammten Wagen vorbei. „Toller Plan! So werden wir sie nicht los! Knall sie ab!“ fauchte er seinen Freund und Komplizen an. Dieser zog die Waffe und lehnte sich aus dem Beifahrerfenster und gab die ersten Schüsse auf den Polizeiwagen ab. Der Fahrer von dem Fahrzeug schlingerte als die ersten Schüsse auf die Karosserie trafen. Doch die Verwirrung dauerte nicht lange. Paul sah wie sich der Beifahrer nun aus dem Fenster lehnte und die Schüsse erwiderte. Immer wieder musste er in Deckung gehen. Erneut versuchte er sein Glück. Diesmal hatte er viel mehr davon, als gut war. Er traf den Beifahrer zwar nicht, aber er traf den Außenspiegel auf seiner Seite. Sofort verschwand der Mann wieder im inneren des Fahrzeugs. Lorenz sah seinen Vorsprung immer weiter schwinden. „Schieß dem LKW den Reifen platt!“ forderte er seinen Partner auf. „Und dann?“ harkte Paul nach. „Dann stellt er sich quer und die Bullen müssen bremsen wenn sie nicht platt gemacht werden wollen.“ grinste Lorenz. Paul nickte und wartete auf den richtigen Augenblick. Dann endlich waren sie auf der Höhe die eine gute Chance bot. „Los!“ forderte Lorenz auf. Paul zielte und schoss. Der Reifen des LKWs platzte und der Fahrer war so erschrocken dass er gegenlenkte aber nicht in die Richtung die Lorenz und Paul eigentlich gehofft hatten. Der Wagen brach aus und kippte. Er versperrte die Autobahn gerade als die Polizisten ihn überholten. „Verdammt! Sie sind immer noch da!“ knurrte Lorenz. Schon im nächsten Augenblick fing der Wagen an zu schlingern und Lorenz hatte jede Menge zu tun um den Wagen in der Spur zu halten. Langsam drosselte er das Tempo und lenkte den Wagen gekonnt auf den Standstreifen. Nun kamen weitere Polizeiwagen und die beiden Räuber mussten aufgeben. Die Polizisten aus dem Mercedes stiegen aus und kamen mit gezogenen Waffen auf sie zu. Lorenz stieg aus, als sie auf ihn zielten. „Sie sind verhaftet!“ stieß der große der Polizisten aus. Er stieß Lorenz an den Wagen und trat ihn die Beine auseinander. Dann wurde er abgetastet und seine Hände mit Handschellen auf den Rücken gefesselt. Bei Paul passierte das gleiche. Nur wenig später wurden sie abgeführt.


    Semir lehnte sich zufrieden an den Wagen und sah seinen Partner an. „Jetzt haben wir unsere Süßigkeit aber verdient.“ grinste er. „Ja, die nächste Tankstelle gehört uns. Ich muss eh tanken.“ gab Tom zurück. Sie stiegen ein und fuhren die nächste Abfahrt runter um direkt wieder auf die Autobahn zu kommen. „Wir könnten dann den Besitzer mal interviewen was die Kerle gestohlen haben.“ schlug Semir während der Fahrt vor. Tom stöhnte auf. „Lass das doch Dieter und Hotte machen.“ setzte er dagegen. Semir lachte auf. „Du hast Recht…die können auch mal arbeiten.“ stimmte er zu. Tom lenkte den Wagen auf die nächste Tankstelle und Semir tankte den Wagen voll. Dann ging er in Richtung Laden um zu zahlen. „Vergiss die Gummibärchen nicht!“ rief Tom ihm hinterher. Semir hob die Hand ohne sich umzudrehen. Hinter ihm kam ein junger Mann mit langen blonden Haaren in den Laden und sah sich um. Semir ignorierte den Mann und ging direkt zu den Süßwaren. Er griff eine große Tüte Gummibärchen und nahm sich einen Schokoriegel sowie eine Tüte Traubenzucker aus dem Regal und ging zur Kasse. „Säule 4 bitte und das hier, “ lächelte er die junge Frau an. „Gern doch.“ gab sie zurück und scannte die Artikel ein. „Macht dann 48,50“ gab sie an. Semir griff seine Brieftasche und zog einen Fünfziger heraus. „Stimmt so…“ lächelte er und wollte sich gerade umdrehen als er eine Bewegung hinter sich spürte. Nur kurz darauf spürte er etwas Hartes im Rücken. „Ganz ruhig…dann passiert niemanden etwas!“ hörte er eine männliche Stimme. Semir versteifte sich. Eine Hand griff nach seiner Waffe. „Du wirst dich auch ruhig verhalten, Bulle. Denn du bist der erste der ins Gras beißt wenn unsere Forderungen nicht erfüllt werden.“ warnte ihn die Stimme. „Schon klar….ganz Ruhig..“ versuchte Semir die Situation zu retten. „Halt dein Maul!“ fauchte ein zweiter Mann der nun in Semirs Blickfeld geriet. Dieser trug eine abgesägte Schrotflinte und zielte auf die junge Frau. „Mach die Kasse auf!“ forderte er sie auf. Sie tat was er wollte. „Was soll der Quatsch? Ist das alles?“ harkte er nach. Scheinbar hatte er mit viel mehr Beute gerechnet, doch die Kasse war fast leer. „Ich…habe…nicht so viel eingenommen…“ stammelte sie. Und noch etwas sah der Mann. Die junge Frau drückte einen Knopf. „Verdammt! Die Schlampe hat Alarm gedrückt!“ fauchte er wütend und schlug mit der Schrotflinte zu. „NEIN!!“ schrie Semir als sie mit einem Stöhnen zu Boden ging. „Alle auf den Boden und die Hände in den Nacken!“ forderte der Mann hinter ihm auf. Semir kam den Befehl langsam nach.

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  • Tom lehnte draußen am Wagen und wartete auf Semir, der sich wohl nicht von der hübschen Kassiererin trennen konnte. „Komm schon du Don Juan…Andrea wartet…“ sagte er leise grinsend. „Cobra an alle! Überfall auf der Tankstelle bei KM 133 an der A3 in Richtung Köln!“ hörte er aus dem Funk und stutzte. Das war doch hier wo er stand. Aber hier war kein Überfall oder doch? Er griff zum Mikro. „Hier Cobra 11! Wir stehen derzeit an der Tankstelle wie ist der Alarm gekommen?“ fragte er sofort. „Stiller Alarm!“ gab Andrea zur Antwort. „Verdammt!“ stieß Tom aus und sah zum Laden. „Was ist, Tom?“ fragte sie sofort nach. „Semir ist im Laden!“ erklärte Tom nun. Doch wenn er auf eine hörbare Reaktion von Andrea hoffte so wurde er enttäuscht. „Hast du irgendwas bemerkt?“ ging die Fragerei weiter. „Nein..ich werde zum Laden gehen und mal rein sehen.“ ging es bei Tom weiter. „Aber pass auf dich auf!“ mahnte Andrea ihn. Oh Oh…Semir. Da hast du aber einiges gut zu machen, dachte er nur und hängte das Mikro ein. „Es ist doch wieder mal ganz typisch. Zu privaten Verabredungen kommt Herr Gerkan immer zu spät, aber bei solchen Sachen ist er stets pünktlich“ hörte er noch aus dem Funk als er in Richtung Laden ging. Tom schüttelte den Kopf. Sie machte sich doch Sorgen um ihn. Er wusste genau dass die Trennung zwischen Semir und Andrea nie lange hielt. Dazu waren die Beiden zu sehr ineinander verliebt. Er kniete sich hin um vor Blicken von innen geschützt zu sein und sah nur vorsichtig über den kleinen Holzvorbau hinweg. Semir konnte er nicht entdecken, dafür aber zwei bewaffnete Männer die sich im Laden aufhielten. Es war auch kein weiterer Kunde zu sehen, doch anhand der Autos die hier standen mussten es noch welche geben die drin waren. Ein junges Pärchen kam gerade aus der Toilette und wollte in Richtung Laden gehen. „Hauen Sie ab!! Schnell verschwinden Sie!“ schrie Tom und gab so seine Deckung preis. Die Köpfe der Männer im Laden ruckten herum und schon fielen die ersten Schüsse. Tom zuckte zusammen und duckte sich noch weiter. Das Pärchen suchte schnell das Weite. Tom kroch zum Wagen zurück und griff zum Mikro. „Cobra 11 an Zentrale!“ rief er. „Anna Engelhardt hier. Tom wie sieht es aus?“ harkte seine Vorgesetzte nach. „Chefin…Semir ist im Laden. ES handelt sich um zwei bewaffnete Männer zwischen 20 und 30 Jahre. Ich vermute mehrere Geiseln im Laden.“ Berichtete er. „Okay…ich komme rüber und bringe das SEK mit. Und Tom! Sie werden nichts unternehmen! Sie warten bis ich da bin!“ warnte Anna. Tom nickte und rollte die Augen. „Verstanden Chefin.“ gab er durch.


    „WAS?“ schrie Hotte Herzberger in sein Handy und Dieter Bonrath drehte sich erschrocken zu ihm um. Sie hatten sich gerade mit den Besitzern und den Kassierern der Tankstelle unterhalten als das Handy sie unterbrach. „Ja…sicher..wir sind schon unterwegs!“ stieß Hotte aus und beendete das Gespräch. „Was ist denn los?“ fragte Dieter. „Du wirst es nicht glauben aber die Raststätte gegenüber wird gerade überfallen und Semir ist mittendrin“ stöhnte Hotte. „Na das ist ja wieder mal ganz typisch für ihn.“ stöhnte auch Dieter. „So das wars. Wir kommen aber wieder und nehmen dann die Aussage auf. Sie müssen auf jeden Fall zum Revier kommen und unterschreiben!“ mahnte er schnell die Leute und schon waren er und Hotte verschwunden. „Wie konnte das denn wieder passieren?“ harkte er bei Hotte nach. „Keine Ahnung. Vielleicht haben die getankt und was weiß ich denn? Gib lieber Gas, nicht das wir erst kommen wenn alles vorbei ist.“ fauchte der dicke Polizist. „Ja ja….ist ja gut..“ knurrte Dieter zurück. Mit Blaulicht und Sirene ging es zum Einsatzort. Tom Kranich erwartete sie bereits. „Danke, das habt ihr toll gemacht. Wenn sie bisher nicht wussten das die Polizei da ist, dann jetzt!“ fauchte er sie an. „Ja wie jetzt? Wir sollten schnell machen und ohne Martinshorn kommst du nun mal nicht durch den Verkehr!“ beschwerte Dieter sich. „Stiller Alarm? Schon mal davon was gehört. Nur Blaulicht…“ erinnerte Tom sie wütend. „Hey Bullen! Ich warne euch! Wir haben einen von euch hier drinnen!“ hörte er in diesem Augenblick die Stimme aus dem Laden. Tom rollte die Augen und sah Dieter und Hotte an. „Genau das meinte ich.“ erklärte er. „Was wollen Sie?“ rief er zurück. „Einen schnellen Fluchtwagen und 500.000 Mark in kleinen Scheinen!!!“ forderte der Verbrecher. Tom schluckte schwer. „Okay!“ gab Tom zurück. „Ich will das Geld und den Wagen in spätestens einer halben Stunde hier haben sonst stirbt die erste Geisel!“ kam von dem Erpresser. „Das ist zu wenig Zeit! Wir brauchen mehr!“ gab Tom zurück. „Okay…eine Stunde…aber mehr nicht!“ erklärte der Erpresser und verwunderte Tom mit diesem Einlenken. Dieter sah ihn ebenfalls an. „Was ist das denn für ein Idiot?“ fragte er erstaunt. „Ein ziemlich gefährlicher Idiot.“ gab er zurück.

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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Gegenwart:


    Semir sah auf Andrea als er eine Pause in seiner Erzählung machte. Bevor er weiter reden konnte betraten zwei Schwestern das Zimmer. „Entschuldigen Sie die Störung Herr Gerkan, aber wir müssen Ihre Frau umdrehen und etwas versorgen. Würden Sie bitte draußen warten?“ bat die ältere der Beiden. Semir nickte und stand auf. Ich hole mir einen Kaffee.“ lächelte er sie an. Er verschwand und stand nur zehn Minuten später an dem großen Fenster von dem aus er auf Andrea sehen konnte. Die Schwestern wuschen sie und legten sie auf die Seite. Sie wechselten die Verbände und zum ersten Mal sah Semir die Wunden in ihrem Gesicht. „Oh mein Gott…“ stieß er aus. Das ganze Gesicht war rötlich und an einigen Stellen sogar aufgeplatzt. Andere Stellen waren schrumpelig und erinnerten an eine alte Frau. Tränen stiegen in ihm auf. Andrea war immer stolz auf ihr Aussehen und achtete sehr auf sich. Sie hatte auch nach Emilys Geburt alles daran getan um wieder ihr Gewicht zu bekommen. Und nun? Sollte dieser Unfall jetzt alles verändern? Wieder spürte er die Wut in sich aufsteigen. Wut gegen diese hinterhältigen Täter, die er am liebsten selbst gejagt hätte, aber Kim Krüger hatte Recht. Andrea brauchte ihn mehr als sonst. Die Schwestern machten ihre Arbeit sehr gründlich und Semir bewunderte ihre Vorsicht mit der sie Andrea versorgten. Er sah wie sie mit Stäbchen in ihren Mund gingen und ihn scheinbar reinigten. Andrea konnte froh sein, das sie scheinbar wirklich nur das Gesicht verbrannt hatte. Nicht aus zu denken wenn es noch schlimmer gewesen wäre. Dann verließen die Schwestern das Zimmer und Semir wollte gerade rein. „Der Physiotherapeut kommt gleich noch um bei Ihrer Frau einige Bewegungsübungen zu machen. Das ist sehr wichtig damit sie bewegt wird.“ erklärte die Schwester. Semir nickte. Er sah auf die Uhr. Es war gerade mal 14 Uhr. Er war schon vier Stunden bei ihr und irgendwie fühlte er sich leer. Warum war er nicht an ihrer Stelle? Warum musste sie so leiden? Es klopfte an der Tür und ein junger Mann trat ein. Argwöhnisch begutachtete er ihn. „Guten Tag….ich bin Frank Scharf…Physiotherapeut. Ich werde Ihre Frau quasi bewegen, damit sie wenn sie aufwacht nicht zu große Anlaufschwierigkeiten hat.“ Erklärte der recht junge Mann. „Darf ich dabei sein?“ fragte Semir. „Natürlich…ich zeige Ihnen ein paar Sachen und dann können Sie sogar mitmachen.“ lächelte der junge Mann. Semir nickte.


    Ben saß hinter dem Tresen an der Tankstelle und wartete auf den nächsten Kunden. Er hatte einen Crashkurs bekommen was das bedienen der Kasse anging. Natürlich war die Tochter des Hauses stets anwesend, doch Ben schickte sie sehr oft nach hinten, wenn Kundschaft kam. Er wollte sie keiner Gefahr aussetzen. Nur schien der Erpresser auf sich warten zu lassen. „Der könnte es sein.“ Meinte sie nur als sie einen Mann auf den Laden zukommen sah. „Ist er denn maskiert wenn er reinkommt?“ wollte Ben wissen. „Julia…schon vergessen?“ fragte sie. “Was?“ kam von ihm. „Mein Name… Julia...“ lächelte sie. „Ach so….ja…ich bin Ben. Sie haben Recht, es sieht unverfänglicher aus, wenn wir uns siezen..“ grinste er. „Gut, Ben..dann ist es ja geklärt. Dieser Kerl kommt meist unerwartet zu uns. Beim ersten Mal wollte er nur Geld und Vater hat ihn regelrecht rausgeworfen. Doch dann passierten sonderbare Dinge. Eine Zapfsäule fiel aus…oder die Waschstraße machte was sie wollte. Der Schlauch platzte obwohl der Druck gar nicht so kräftig war. Und dann….“ Julia stockte. „weil Sei nicht gezahlt haben wurde der Hund getötet. Sie versuchen Angst zu streuen und das können sie…“ vollendete Ben und dachte wieder an Semir und Andrea. „Warum wollen Sie den Kerl wirklich kriegen? Ich meine das mit der Frau ist ja grausam, aber Sie werden doch ständig mit solchen Fällen konfrontiert oder?“ stellte sie nun die Gegenfragen. Ben nickte. „Ja normalerweise würde ich zur Tagesordnung übergehen, aber die Frau war die Ehefrau meines Kollegen.“ erklärte Ben. Julia sah ihn erschrocken an. „Das ist ja grausam….das tut mir wirklich leid. Ich hoffe der Kerl bekommt was er dafür verdient.“ spie sie wütend aus. „Ganz sicher.“ bestätigte Ben. Der Mann den sie gerade beobachteten betrat den Laden und Ben spannte sich. „Guten Tag…“ grüßte der Mann. Ben nickte nur. „Zapfsäule 4…und bitte eine Packung Marlboro.“ bestellte der Mann. Ben nickte und suchte die Zigaretten heraus. Er kassierte und wünschte dem Mann noch einen schönen Tag. Dann verschwand der Mann und fuhr davon. „Fehlanzeige..“ stöhnte Ben leise. „Nun ja…ist doch irgendwie zu viel verlangt, das am ersten Tag jemand kommt..“ lächelte Julia. „Du hast Recht… vielleicht ist er jetzt auch vorsichtiger und wird ein paar Tage abwarten.“ stimmte Ben zu.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Kim saß in ihrem Büro und studierte die Akte, in denen die Fälle der Erpressung von Tankstellen und Raststätten vermerkt waren. Doch egal wie oft sie es auch las, sie fand nichts wo sie ansetzen konnte. „Das gibt es doch nicht… Es muss irgendwo eine Spur geben..“ grummelte sie leise. Sie zuckte zusammen, als es klopfte. „Guten Abend Frau Krüger..“ kam von Hartmut Freund. „Hartmut…sagen Sie mir, dass Sie etwas an dem Sprengsatz gefunden haben, bitte…“ flehte sie. „Tut mir Leid…leider nicht. Aber ich habe Fingerabdrücke sichern können. Sie gehören diesem Mann hier. Harald Neumann. Dieser Typ ist vorbestraft wegen Diebstahl und räuberische Erpressung und hat sicher noch mehr auf dem Kerbholz.“ Verkündete der Techniker. Kim sah ihn an. „Das ist ja wunderbar. Dann brauche ich nur noch die Adresse von diesem Schwein und ich werde ihn persönlich verhaften.“ Versprach sie. „In den Weiden 19 in Köln-Langel. Habe ich bereits für Sie getan.“ Meinte Hartmut leise. Kim lächelte. „Danke Hartmut. Das war sehr gute Arbeit.“ lobte sie den Mann. Hartmut grinste leicht. „Wissen Sie schon wie es Andrea geht?“wollte er wissen. Kim schüttelte den Kopf. “Leider nein. ich denke aber auch, das Semir erst morgen anrufen wird. Er wollte den ganzen Tag bei ihr sein. Ich hoffe nur, sie kommt durch und sie kämpft weiter so.“ stöhnte Kim. Sie kannte die Ehefrau ihres Kollegen mittlerweile sehr gut und war eigentlich schon befreundet. Doch noch schlimmer war, dass ein kleines wenig dieser Ungewissheit blieb. Die Angst, dass sie es nicht schaffen könnte und das Semir Gerkan daran zerbrach. Sie wusste ja auch wie tief diese Liebe zwischen den Beiden war. Man sah es ihnen an, wie glücklich sie waren und es wäre wirklich sehr schade, wenn dies zerbrechen sollte. „Wenn Sie wollen, dann kann ich Sie ja unterstützen..“ bot Hartmut an. Kim lächelte. „Darum wollte ich Sie gerade bitten. Wir fahren zu diesem Neumann und werden ihn vernehmen. Mal sehen was er von sich gibt.“ stimmte Kim zu. Sie fuhren in Kims Wagen zu der angegebenen Adresse. Kim sah Hartmut an. „Am Besten Sie warten hier.“ schlug sie vor. Hartmut war einverstanden. Kim verschwand im Haus und klingelte an der Tür mit dem Namen Neumann. Doch es öffnete niemand. „Herr Neumann! Bitte öffnen Sie, Polizei!“ rief sie laut. Nichts passierte. Scheinbar war niemand mehr in der Wohnung. Leise seufzend ging sie zur Treppe und wollte gerade runtergehen, als sie die Tür einer Nachbarwohnung öffnete und ein Mann heraus kam. Er war völlig verschwitzt und sah sie an. „Herr Neumann?“ fragte sie. „Ja?“ kam zur Antwort. „Kim Krüger...Autobahnpolizei. Hätten Sie einen Moment für mich?“ bat sie freundlich. „Ja sicher...ähm...kommen Sie doch rein…“ lächelte er freundlich.


    Semir sah dem Therapeuten zu, wie er Andreas gesundes Bein bewegte und die Arme und Hände. Alles wurde bewegt. Sogar die Finger wurden einzeln gebeugt und wieder gestreckt. „Wozu ist das gut?“ harkte Semir nach. „Damit die Gelenke beweglich bleiben. Es wäre doch grausam, wenn die Schlafenden nach dem Erwecken nichts mehr bewegen können. Die Gelenke sind sehr empfindlich. Haben Sie schon mal einen Gips getragen?“ harkte der Therapeut nach. Semir nickte. „Ich habe mir unter anderem mal den Arm gebrochen.“ bestätigte er. „Und als der Gips ab kam, hatten Sie Probleme die Finger, die Hände und die Schulter zu bewegen richtig?“ kam die nächste Frage. Semir lächelte. „Ja das stimmt…es war alles irgendwie steif gewesen.“ gab er zu. „Sehen Sie, und damit es bei Ihrer Frau nicht auch so ist, werden alle Gelenke täglich bewegt. So als würde sie laufen, stricken oder sonst etwas tun.“ lächelte Scharf doch nach guten fünfzehn Minuten war es beendet. „So…nun darf sie wieder in Ruhe schlafen.“ verabschiedete er sich. Semir sah ihm nach und dann auf Andrea. „Hey Schatz…wenn du hier raus bist, dann werden wir gemeinsam Urlaub machen. Wir werden drei Wochen irgendwo hinfahren und dann nur einfach zusammen sein. Weißt du…der Arzt sagt zwar, dass einige Narben bleiben, aber es ist mir egal. Für mich bist du die schönste Frau der Welt und das wirst du immer bleiben. Außer natürlich meine Töchter. Sie sind auch sehr schön. Ich liebe dich Andrea. Für immer und Ewig. Du wirst immer die Königin meines Herzens sein.“ schwor er und küsste sie auf den Mund. Dabei hielt er auch Andreas Hand und es war ihm als würde sie seinen Druck erwidern. Nur ganz schwach aber es war da. Sie hörte also alles was er sagte und er war sich jetzt sehr sicher dass sie schon bald wieder war wie vorher. Semir ging zur Tür und sah sich noch einmal um. „Bis morgen Schatz...“ sagte er leise und verschwand dann. Margot hatte ihren Wagen draußen stehen und ihm die Schlüssel überlassen, da sie keine Kindersitze hatte. Nun wollte er ihr den Wagen zurück bringen damit sie mit den Kindern die nächsten Tage etwas unternehmen konnten. Er fuhr zügig und sicher durch den einsetzenden Abendverkehr und ließ den Wagen auf der Auffahrt zu seinem Haus stehen. Kaum hatte er die Wohnung betreten kam auch schon Margot auf ihn zu. „Wie geht es ihr?“ wollte sie besorgt wissen. „Es geht ihr denke ich mal gut. Sie ...ich glaube jedenfalls daran, hat meine Hand gedrückt. Nur ganz leicht, aber ich weiß das sie kämpft. Sie wird zu mir zurück kommen. Wann fahrt ihr?“ wollte er wissen. Margot lächelt. „Ja das wird sie. Die Kinder warten im Kinderzimmer auf dich. Emily ist ganz schön traurig weil die Mama nicht da ist und Ayda...ich glaube sie weiß genau was los ist. Ayda will nicht weg. Sie will bei dir bleiben. Also bleiben wir alle hier. Sie ist sehr schweigsam...“ kam von Margot. Semir ging die Treppen hoch und sah noch einmal zu Margot. „Danke…“ strahlte er. Dann ging er zu seinen Töchtern. „PAPA!!“ riefen sie freudig und fielen ihm regelrecht in die Arme. „Hallo meine Schätze.“ strahlte er. „Was ist mit Mama? Kommt sie wieder?“ wollte Ayda sofort wissen. Semir nickte. „Natürlich kommt sie wieder, aber es dauert noch etwas. Mama hat sich ziemlich weh getan, aber wenn alles gut geht, dann könnt ihr nächste Woche auch zu ihr.“ versprach er. Ayda nickte, doch plötzlich ging das Mädchen in ihr Zimmer und schloss die Tür. Emily weinte leicht. „So meine Süße... dich legen wir jetzt mal schlafen. Du bist ja ganz müde..“ sagte er zu ihr. Tatsächlich rieb sich die zweijährige die Augen. Semir legte sie hin und gab ihr noch ein sanftes Küsschen. Das Mädchen lächelte leicht und schlief binnen weniger Sekunden ein. „Schlaf gut mein Engel...“ hauchte er leise und verließ das Zimmer. Er wollte zu Ayda. Denn irgendwas bedrückte das Mädchen.

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