Halbstarke

  • So liebe Leute,


    pünkltich zum Wochenstart geht auch eine neue Story von Elli und mir online. Wir wünschen euch viel Spaß dabei ;)
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    „Okay, seid ihr alle bereit?“, wollte Karsten wissen und sah seine drei Freunde Leon, Mirko und Felipe an. Diese nickten nur und zogen sich die Masken und Helme über, stiegen auf ihre Maschinen und brausten los. Bis zur nächsten Tankstelle war es nicht weit und Karsten hatte heute den Tipp bekommen, dass heute dort ein prall gefüllter Geldtransporter eintreffen sollte. Mit ihren kleinen Höllenmaschinen brausten sie über die Autobahn und gelangten schließlich zur Tankstelle. Jetzt hieß es nur noch warten. Leon und Felipe waren hinter den Zapfsäulen versteckt. Es war noch nicht so viel los und daher bemerkte sie auch keiner, während Karsten und Mirko ins Innere der Tankstelle stürmten. „Los hinlegen, und zwar alle.“, schrie er und fuchtelte mit seiner Pistole rum. Die Kassiererin fuhr erschrocken zusammen und die zwei Kunden wurden von Mirko nach hinten geführt und dort eingesperrt. „Okay, wenn der Geldbote kommt, dann winkst du ihm auch hübsch zu. Und Finger weg vom Alarmknopf.“, fauchte Karsten und ging in die Hocke. Weder von außen noch aus dem Laden war er nun zu sehen, doch er hatte immer noch die Waffe auf die Kassiererin gerichtet. Wenige Minuten später rollte der Geldwagen an. Leon und Felipe machten sich bereit, entsicherten ihre Waffen und warteten, bis der Mann in der Tankstelle verschwunden war. Dann schlichen sie um den Wagen herum und schnellten in die offene Tür hinein. „Los, alles Geld her...sofort.“, schrie Leon und schlug einen der Wachmänner mit dem Knauf seiner Waffe nieder. Der andere wollte zum Alarmknopf greifen, doch Felipe schoss ihm in die Hand. „Mach keinen Blödsinn, Alter...“, zischte er. Wenige Minuten später war alles vorbei. Das Geld hatten sie in große Umhängetaschen gepackt und schon schwang sich das Quintett auf ihre Gokarts und rauschten davon.


    „Wie geht es eigentlich den kleinen Zwillingen jetzt? Ich meine, die müssten doch schon...“ Semir überlegte, während Ben nur tierisch grinste. „Drei Monate...drei Monate sind sie alt. Und so knuddelig.“, schwärmte der Onkel von seinen beiden Neffen. Jetzt war es Semir, der grinste. „Du hast sie schon gebabysittet?“, wollte er wissen. „Nein, noch nicht...aber morgen Abend hab ich sie das erste Mal.“ „Was? Julia und Peter überlassen dir ihre Kinder?“, kam es mit gespielt entsetzter Stimme von Semir. „Ja was denn? Auf Aida hab ich doch auch schon aufgepasst.“ „Ja, aber nicht in dem Alter...“ Bevor Ben etwas erwidern konnte, kam ein Funkspruch herein. „An alle Einheiten...Überfall auf die Esso-Tankstelle beim Kreuz Kerpen...ein Verletzter...erbitten dringend Unterstützung...die vier Täter flüchten mit Gokarts...“, schnarrte es aus dem Funk. „Bitte? Mit Gokarts?“, kam es staunend von Semir, doch schon im nächsten Moment rauschten die vier kleinen Gefährte an dem BMW vorbei. „Wow...“ „Na aber hallo...“, stieß Ben aus. „Los, die schnappen wir uns.“, knurrte Semir nur. „Sollte kein Problem sein, wir sind ja eh schneller.“, grinste Ben und schaltete Blaulicht und Sirene ein. Semir trat das Pedal durch und zog mit einem der Fliehenden gleich auf. „Halt an du PENNER!!“, schrie er, doch schon im nächsten Moment bereute er diese Aktion schon. Der Mann im Go-Kart zog eine Waffe und richtete sie auf ihn. „Verdammt….der hat ne Waffe!!“, stieß Semir aus und ging in die Bremse. Die Kugel erwischte dennoch den Reifen. Sofort geriet der Wagen ins Schlingern und Semir hatte alle Hand damit zu tun, den Wagen unter Kontrolle zu bekommen. Die Fahrzeuge, die ihm folgten, reagierten entsprechend mit Verwirrung und es krachte mehrfach.


    „Cobra 11 an Zentrale…Unfall auf der A4 Höhe KM 278…benötigen mehrere Krankenwagen und ein paar Kollegen der uniformierten Art sowie die Feuerwehr!“, gab Ben sofort durch. Semir brachte den Wagen endgültig zum Stehen. Doch nur kurz darauf wurden er und Ben nach vorn geschleudert. Eines der Fahrzeuge, die hinter ihm waren, fuhr auf und schob den BMW an die Leitplanke. Eine halbe Stunde später waren sie mit Hilfe der uniformierten Kollegen am Tatort, wo Kim Krüger sie bereits erwartete. „Semir….wie kann so etwas denn passieren?“, tadelte sie ihren Hauptkommissaren. „Danke…vielen Dank...genau das brauch ich jetzt. Verdammt warum hat uns niemand gesagt, dass die Täter noch bewaffnet sind?“, stieß Semir wütend aus. „Aber Sie haben schon mitbekommen, dass die Männer einen Überfall durchgeführt haben oder? Und das man dabei Waffen benutzt, ist doch wohl üblich….haben Sie wenigstens das Gesicht gesehen?“, wollte Kim wissen. Semir schüttelte den Kopf. Er fühlte sich in der Ehre angegriffen. „Nein...aber ich werde ihn finden…das schwöre ich Ihnen…und wenn ich mir sämtliche Kartfahrer vornehmen muss.“, stieß Semir aus. „Das hoffe ich sehr. Ist die Fahndung schon raus?“, wollte Kim wissen. Semir rollte die Augen. „Chefin…es waren Karts….und die tragen normalerweise keine Nummernschilder. Ben und ich werden gleich die Kartbahnen durchgehen und dort mit der Suche anfangen. Wie geht es den Verletzten?“, wollte Semir nun wissen. „Den Umständen entsprechend. Der eine Mann hat eine leichte Gehirnerschütterung und der Andere wird seine Hand für eine Weile nicht mehr nutzen können. Zum Glück gab es keine Toten.“, bestätigte Kim.


    Karsten, Leo, Mirko und Felipe trafen sich im alten Steinbruch an der A4. Sie hatten, direkt nachdem der BMW den Unfall verursachte, die Abfahrt genommen und versteckten sich nun hier. „Okay….die Farbe von den Dingern runter und dann wieder zurück damit auf die Kartbahn. Nicht, dass der Stallboss die Fahrzeuge vermisst und eine Anzeige wegen Diebstahl macht. Dann wären wir nämlich im Arsch…“, grinste Karsten. „Was ist mit der Beute?“, wollte Leo wissen. „Die teilen wir, wenn die Bullen wieder ruhiger geworden sind. Allerdings ist es nach Mirkos Schuss auf den Bullenwagen nicht gerade einfacher geworden. Was, wenn die die Kugel aus dem Reifen holen? Die werden einen Abgleich machen oder Vergleich und dann können die sogar sagen welche Waffe benutzt wurde…“, erklärte Karsten und sah seinen Freund böse an. „Was hätte ich denn tun sollen?“. wollte Mirko wissen. „Nicht schießen….das macht die Bullen nur wild…das ist alles. Wenn die nämlich Blut lecken, dann lassen die nicht mehr los…“, gab Leo von sich. „Nun lasst doch mal die Kirche im Dorf. Ich meine, so schnell werden die uns nicht finden. Ich meine, wir haben ihnen ja nicht unsere DNA da gelassen.“, kam es nur lässig von Felipe. „Okay, aber der nächste Überfall muss dann erstmal warten.“, kam es nur von Leon. Karsten aber schüttelte den Kopf. „Nein, wir werden nicht warten. Allerdings werden wir eine andere Raststätte nehmen und uns ein bisschen im Polizeifunk umhören. Suchen wir uns doch einfach eine Tankstelle, die an der Stadtautobahn liegt. Da können wir noch besser flüchten.“, erklärte er nur. „Aber, sollten wir nicht doch erstmal warten?“, fragte Mirko nur. „Was willst du denn? Auf der Kartbahn ewig die Flitzer putzen oder die Schrauben nachziehen und dich vom Chef anbluffen lassen? Oder willst du die große Kohle machen?“, fauchte Karsten nur.

  • Semir ging zum Krankenwagen und sah den Wachmann an. „Gerkhan, Kripo Autobahn...können sie mir erzählen, was passiert ist?“, wollte er wissen und sah dann auf den dicken Verband an der rechten Hand. Der Mann hob leicht den Kopf und sah den Hauptkommissar an. „Ich...ich wollte gerade wieder die...die Tür schließen, als zwei Männer mit Helm in den Wagen sprangen und meinen Kollegen mit einer Waffe bedrohten. Als ich...ich den Alarmknopf drücken wollte, da haben sie...haben sie mir...in die Hand geschossen.“, erklärte der Sicherheitsmann. „Bitte, lassen sie ihre Fragen...sie sehen doch, wie fertig er ist.“, knurrte der Notarzt und schloss die Tür. „Nur noch eine Frage...haben sie an der Stimme erkannt, wie alt die Männer waren?“, wollte Semir wissen. Er sah, wie der Mann mit dem Kopf schüttelte. „Das...das war so ein Integralhelm mit so einem Mikrofon drin, dass die Stimme verzerrt.“, kam es nur schwach von dem Mann. „Bitte...lassen sie ihn.“ „Ist ja gut, sie können fahren.“, knurrte Semir und ging dann zu Ben zurück, der im hinteren Raum stand und sich die Bilder der Überwachungskameras ansah. „Sieh mal Semir, hier betreten sie die Tankstelle und fordern von der Kassiererin, dass sie den Wachmann freundlich grüßen soll. Die beiden Kunden werden hinten eingesperrt und ein weiterer Täter versteckt sich vorne zwischen den Regalen.“, erklärte Ben, dann spulte er ein bisschen vor. Nun sah man, wie der Wachmann den Raum betrat. Alles ging blitzschnell. Der Mann zwischen den Regalen schnellte hervor und warf ihn zu Boden, während der hinter der Kasse nun die Kassiererin zu Boden drückte und dann die Kasse ausräumte. Dem Wachmann wurde die Kassette entrissen und beide Täter verschwanden. „Verdammt, die sind ganz schön brutal. Da kann man froh sein, dass nicht mehr passiert ist.“, knurrte Semir. Ben nickte nur. „Woher hatten die aber die Informationen, dass der Geldtransporter heute kommen sollte?“, fragte der junge Hauptkommissar. „Kommen die nicht immer am gleichen Tag?“, entgegnete Semir. Ben schüttelte energisch den Kopf. „Ich hab mich mit der Kassiererin unterhalten. Das Sicherheitsunternehmen wechselt immer die Wochentage und auch die Uhrzeiten. Das heißt, niemand kann davon wissen. Erst eine halbe Stunde vor Ankunft werden die entsprechenden Tankstellen informiert.“, erklärte Ben. „Dann muss es einen Insider geben. Jemand, der den Ablauf und die Vorgehensweise genau kennt.“ Semir sah sich um. „Komm, wir fahren erstmal zurück zur PASt. Hartmut soll alles über die Karts herausbekommen. So viele von den Bahnen kann es ja hier nicht geben.“, stieß Semir nur aus.


    „Leute, ich hab hier was für euch.“, kam es einige Stunden später von Hartmut, als dieser ins Büro der Hauptkommissare trat und einen kleinen Ordner auf den Tisch legte. „Dann schieß mal los, Feuerpinsel.“, grinste Ben ihn nur an. „Also, die Karts waren so genannte Streetkarts, heißt, die sind auch für den Straßenverkehr zugelassen.“, erklärte er nur. „Ja, aber was bringt uns das denn?“, knurrte Semir. „Na pass doch mal auf...es sind Straßenfahrzeuge und als solche müssen sie registriert sein. Hier hab ich euch die Liste gemacht, welche Kartbahn alles Streetkarts besitzt. Es sind ja zum Glück nur fünf.“, grinste Hartmut und verschwand. Semir sah Ben an. „Nur fünf….na das wird ja ein Kinderspiel. Die Täter sind doch dämlich…die müssten sich doch denken können, dass wir alle Bahnen überprüfen.“, grinste Semir. „Sei dir da nicht so sicher…vielleicht wissen die das genau…und nur, weil wir die Bahnen überprüfen, heißt es ja nicht, dass sie aufstehen und sagen... Hier sind wir… und gut ist…“, gab Ben zu bedenken. „Ja du Schlaumeier…das weiß ich auch…aber ich denke, wir können an den Wagen erkennen, ob sie unterwegs waren oder nicht.“, erklärte Semir. „Dann los…fahren wir…wo ist die erste?“, wollte Ben wissen. „In Kerpen…das wäre das Naheliegenste…wenn man den Überfallort betrachtet.“, murmelte Semir nachdenklich. „Da hast du Recht…die Kartbahn Kerpen..ist das nicht die von den Schumachers?“, kam von Ben erstaunt. „Nein…die liegt etwas abseits…“, grinste Semir. Schon waren sie im Mercedes unterwegs.


    Mirko stellte sein Kart in die dafür vorgesehene Box. „Strahlt wie neu.“, gab er stolz von sich, als Karsten zu ihn trat. „Ja…sieht gut aus...hast du auch an die Reifen gedacht?“, wollte er wissen. Mirko nickte. „Alles…wie neu….keiner...Achtung...da kommt jemand.“, ermahnte er Karsten. Dieser drehte sich um und sah die beiden Männer auf sich zukommen. „Gerkhan, Kripo Autobahn….mein Kollege Ben Jäger…wir sind auf der Suche nach Streetkarts.“, erklärte der Kleinere von ihnen. Karsten nickte. „Wollen Sie ein Zweierrennen fahren?“, harkte er nach. „Nein…nein…es geht um einen Überfall… die Täter es waren insgesamt vier sind mit Streetkarts geflohen. Und nun suchen wir die Fahrzeuge.“, erklärte der Polizist. Karsten nickte. „Nun….das ist zwar sehr interessant aber …ach so…Sie denken, dass die Typen hier die Streetkarts gemietet haben und damit den Überfall gemacht haben?“, wollte Karsten wissen. „Das ist durchaus möglich. Aber unsere Karts sind nicht ausgeliehen worden.“, behauptete Karsten. „Haben Sie dafür einen Nachweis? Ich meine, wenn sie ausgeliehen werden…haben sie dann Angaben wenn ein Fahrzeug vermietet wird?“, wollte der große Polizist wissen. „Ja sicher…alle Mieter werden festgehalten. Sie müssen einen Vertrag unterschreiben um uns von allen Schäden, die während der Fahrt passieren nicht durch uns regulieren zu lassen. Der Mieter hat eine Versicherung abzuschließen, die ihn während der Mietzeit versichert. Das kann ich Ihnen gern im Büro zeigen.“, lud er die Männer ein. „Ja sehr gern.“, meinte der Kleinere. „Ja geh du da hin...ich sehe mir die Dinger mal an..“ meinte der Größere. Karsten warf Mirko direkt einen Blick zu und dieser nickte kaum merklich. „Bitte folgen Sie mir…das Büro liegt dort drüben.“, lächelte Karsten und ging voraus. Ihm gefiel es nicht, dass die Polizisten sich trennten, doch er hätte es auch nicht verhindern können.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „Wie schnell sind die Dinger denn auf der Straße?“, wollte Ben von dem Mechaniker wissen. „Kommt drauf an… das hier schafft gut 250 Sachen. Da muss man natürlich fahren können und die Straße muss gesperrt sein. Ich meine…es kann nicht während der Rushhour gefahren werden….denn dann würde es eine Katastrophe geben. Gegen ein Auto hat so ein Kart keine Chance…“, erklärte der Mechaniker. „Sind Sie immer an den Geräten dran?“, harkte Ben nach. „Meistens ja...wir haben insgesamt acht Streetkarts, aber die sind selten unterwegs. Nur wenn die Clubs hier ihre zugelassenen Rennen fahren. Dann geht das schon mal über die Autobahn, aber nur geübte Fahrer werden da zugelassen.“, erklärte der Mechaniker. „Und wie viele gute und geübte Fahrer gibt es hier?“, kam die nächste Frage. „Nun...hier sind höchstens drei Leute, die das Ding so regieren können, dass es nicht ausbricht. Das ist schwer…wirklich...ich hab versucht und hab mich dreimal überschlagen… seit dem bin ich nicht mehr gut zu Fuß….“, grinste der junge Mann. „Danke für die Infos. Werden die Wagen eigentlich in der Nacht verschlossen oder angekettet oder so?“, fragte Ben weiter. „Ja sicher..die Wagen sind immer unter Verschluss.“, bestätigte der Mechaniker. Ben nickte nur und ging dann zu Semir zurück, blickte sich allerdings noch einmal um. Der Mann grinste nur und stand etwas schief da. Ben erwiderte das Grinsen und wartete dann am Wagen.


    Semir ging mit dem jungen Mann ins Büro. Dieser holte dann einen Aktenordner aus dem Schrank und legte ihn auf den Tisch. „Bitte sehr...hier sind alle Ausleihdaten verzeichnet.“, erklärte Karsten dem Hauptkommissar. „Danke...“, murmelte Semir und sah sich die Liste an. Doch für den heutigen Tag waren keinerlei Ausleihen verzeichnet. „Sagen sie, fahren sie auch mit den Karts?“, fragte Semir nach. Der Mann blickte Karsten an. „Nur auf dem Gelände, um herauszufinden, ob alles funktioniert. Wir warten und reparieren nur die Karts. Mehr nicht.“, erklärte Karsten und hob abweisend die Hände. „Okay...mehr also nicht. Dann danke ich ihnen für die Hinweise. Sie melden sich bitte, sobald sie was wissen.“, kam es nur von Semir und reichte ihm eine Karte. Karsten nickte nur dankend und sah dann, wie der kleine Mann zurück zum Wagen ging. Mirko ging auf Karsten zu und sah, wie der Wagen abfuhr. „Was wollten die eigentlich?“, fragte Mirko nur. „Wissen, ob wir was mit dem Überfall zu tun haben.“, grinste Karsten nur. „Tja, da werden sie auf Granit beißen. Leider sind wir ja nur die armen, armen Mechaniker.“, lachte Mirko und ging dann mit Karsten zurück zu den anderen. „Was waren denn das für Typen?“, wollte Felipe wissen, der gerade dabei war, die alten Reifen zu entsorgen. „Bullen...“, entgegnete Karsten lässig. „Was?“, stieß Leon sofort aus. „Aber was wollten die denn hier? Haben die was gefunden?“, wollte er sofort aufgescheucht wissen. „Nun bleib mal auf den Teppich...sie haben sich nur nach den Karts erkundigt und solange sie nichts finden, ist alles in Butter.“, meinte Mirko nur und schlug Leon leicht ins Gesicht. Dieser rieb sich die Wange und blickte dann Karsten an. „Keine Sorge...der nächste Überfall wird wesentlich einfach ablaufen.“, erklärte er.


    „Was denkst du?“, wollte Semir wissen, als sie auf dem Weg zur PASt waren. „Es kommt mir alle normal vor. Wir sollten dennoch die anderen Bahnen überprüfen.“, erklärte Ben. Semir nickte. Doch auch bei den anderen Bahnen war es das Gleiche. Entweder waren die Wagen nicht ausgeliehen worden oder aber in der Werkstatt. „Verdammt, das war ein Reinfall.“, knurrte Ben nur. „Dann machen wir Schluss für heute. Immerhin ist es ja auch schon Zeit für den Feierabend.“, grinste Semir. Wenig später wurde er von Ben vor seinem Haus abgesetzt und schloss die Haustür auf. „Miau...“, kam es sofort von Felix, der vor der Tür saß und seinen Herren mit einem interessierten Blick ansah. „Na, du kleiner Stubentiger...hast du schon Hunger?“, wollte Semir wissen. Felix blickte sich nur um und rannte dann in die Küche. „Alles klar...Andrea?“, rief er durchs Haus, doch von Andrea kam keine Antwort. Semir ging in die Küche und fand dort einen Zettel. „Hallo Schatz...ich musste leider mit Ayda und Layla zu meinen Eltern. Papa hat sich das Bein gebrochen und Mama ist auf große Fahrt unterwegs.“, las er. „Was? Wie lange bist du denn weg?“, wollte er wissen und drehte den Zettel um. „In etwa drei Wochen bin ich wieder da.“ „WAS?“, stieß er aus und sah sich um. Drei Wochen ohne Andrea und die Kids. Was sollte er denn die ganze Zeit machen? „Miau...“, kam es nur laut aus der Küche. „Ja, ich komme ja...“, knurrte Semir nur und ging zu Felix in die Küche. Schnell war eine Dose aufgemacht und in dass Fressnapf gefüllt. Sofort machte sich das Tier über den Futternapf her. Was sollte Semir jetzt nur machen? So ganz alleine? Ben...ja, warum nicht...das klappte doch schon ein Mal.


    Ben saß gemütlich in seiner Wohnung und klimperte ein bisschen auf seiner Gitarre herum. Er saß auf dem Balkon und sah auf die Stadt herunter. Ein herrlicher Blick, dachte er nur und ließ sein Gehirn die Akkorde einfach in seine Finger leiten und diese bedienten die Saiten des Instruments. Plötzlich klingelte es an der Tür. Wer konnte das denn noch sein? „Nö, bin nicht zu Hause.“, grinste er einfach und schloss die Augen. Jetzt wollte er nicht aufstehen, doch das Klingeln wurde lauter und intensiver. „Ich bin doch nicht taub!!“, fauchte er und riss die Tür auf. „Semir? Was machst du denn hier?“, wollte er erstaunt wissen, als er sah, wer vor der Tür stand. Sein Blick fiel auf die Koffer, die er bei sich hatte. Sowie den tragbaren Käfig von Felix. „Sag nichts…Andrea und du...ihr habt euch gestritten...und nun bist du obdachlos...und Felix auch.“, stöhnte Ben. „Nicht ganz…“, grinste Semir. „Ich bin Strohwitwer. Mein Schwiegervater hat sich das Bein gebrochen und Andrea ist mit den Kindern für drei Wochen hin, weil meine Schwiegermutter gerade auf große Reise ist…und da ich nicht allein sein will, hab ich mir gedacht, dass du und ich...hier mit Felix zusammen die Wohnung teilen können...aber nur, wenn du wirklich willst…und ich dich nicht nerve…“, erklärte Semir langatmig. Ben lachte auf. „Sorry…Semir….aber das geht nicht gut…..ich meine du und ich...hier in meiner kleinen Wohnung…..das haben wir doch schon mal versucht und das war die Hölle...für mich….“, klagte Ben. Er wusste nicht genau wie er es seinem Freund beibringen sollte, dass es nicht gut war, wenn er hier für die nächsten Wochen einzog. „Du weist mich ab?“, kam traurig von Semir.

  • Andrea nahm ihre Kinder und betrat das Haus ihrer Eltern. „Papa?“, rief sie. „Ja hier…im Wohnzimmer, Kind.“, kam klagend aus der Richtung. Andrea ging ins Zimmer und sah ihren Vater auf der Couch liegen. „Wie ist das denn passiert?“, wollte sie wissen. „Ich wollte Mama nur einen Gefallen tun und hab die Gardinen gewaschen und beim Aufhängen hab ich einen Tritt daneben gemacht…und…nun ja…dann bin ich gefallen. Das Bein ist gebrochen...ich habe Prellungen im Rücken und mein Kopf tut auch weh...ich glaub ich hab eine Gehirnerschütterung.“, klagte ihr Vater. „Warum bist du denn nicht im Krankenhaus geblieben? Da wärest du doch besser aufgehoben…“, fragte Andrea nach. „Ich mag die Krankenhäuser nicht…da stirbt man ja vor Langeweile….nichts los...Fernseher und Telefon nur gegen Bezahlung…das ist nicht mein Ding….absolut nicht…“, klagte ihr Vater. „Na...jetzt bin ich hier und werde dich versorgen… hast du heute schon was gegessen?“, harkte Andrea nach. „Nein, ich konnte mir ja nichts kochen und auch nicht einkaufen…das ist…ich meine…ich will dir nicht zur Last fallen…“, kam sofort von Hans-Hubert. „Papa..das ist nicht so wild. Ich fahre schnell einkaufen und dann koche ich dir was Feines…“, lächelte Andrea. Ihr Vater schien zu leiden, doch das kannte sie auch von Semir. Männer konnten nach außen hin so stark sein, aber wenn sei verletzt oder krank waren, dann litten sie mehr als andere Menschen. Sie streichelte ihrem Vater über die Stirn. „Hast du sonst noch Probleme?“, wollte sie besorgt wissen. „Nein…jetzt, wo du da bist, geht es mir auch schon viel besser.“, lächelte Hans Hubert und stöhnte leise. „Das höre ich schon…“, grinste Andrea.


    Karsten sah in die Runde. „Der nächste Überfall startet morgen. Und zwar um elf Uhr. Dann ist der beste Zeitpunkt dafür. Du…Mirko wirst dich hier hinter der Wand verstecken. Die Bank ist nicht Videoüberwacht und höchstens zwei Kassierer sind dort anwesend. Das wird also ein Kinderspiel. Der Transporter wird um 11 Uhr 15 dort eintreffen. Wir haben also genau 15 Minuten Zeit uns auf die Situation einzustellen. Und diesmal versucht eure Nerven zu behalten.“, ermahnte er seine Freunde. „Klar…ist kein Problem. Und abdüsen tun wir über die Autobahn. Wie weit müssen wir dann fahren und wo stellen wir die Karts wieder ab?“, wollte Leo wissen. „Na hier auf der Bahn…. Wir müssen doch die Dinger wieder hier einstellen. Rolf wird uns killen, wenn er die Dinger am Nachmittag nicht sieht. Du kennst ihn doch…also der Einsatz ist klar?“ Karsten sah erneut von einem zum Anderen. Nickend stimmten alle seinem Plan zu. „Sehr gut…dann werden wir morgen um gut 25.000 Euro reicher sein…“, lachte Karsten. Felipe und die anderen nickte nur. „Aber was machen wir, wenn uns die Bullen wieder auf den Fersen sind?“, wollte der Deutschspanier wissen und sah Karsten an. „Dann...dann werden wir uns einfach aufteilen...wenn wir alle in verschiedene Richtungen fahren, werden die uns niemals erwischen.“, erklärte er und rollte den Plan zusammen. Alle gingen wieder an die Arbeit und schlossen die Karts in ihren „Ställen“ ein. Die Kartbahn schloss und die Lichter wurden gelöscht. Die vier Jungs fuhren in ihr jeweiliges Zuhause und legten sich schlafen. Morgen würde für sie ein schwerer Tag werden.


    „Komm schon, Ben...ich stör dich auch wirklich nicht. Und Felix ist auch der ruhigste Mitbewohner.“, quälte Semir Ben weiter. „Ruhig? Das Vieh beißt einem in die Zehe und klaut das Essen vom Tisch.“, knurrte Ben nur. Doch der tieftraurige Hundeblick von Semir ließ selbst ihn erweichen. „Eine Woche...eine Woche auf Probe...wenn du in dieser einen Woche auch nur meine Kaffeemaschine um einen Zentimeter verrückst, bist du und dein Kampfkater wieder obdachlos.“, knurrte Ben und gab den Weg in seine Wohnung frei. „Danke Partner...du wirst es nicht bereuen.“, kam es nur von Semir. „Das tu ich schon...“, grummelte Ben und ging wieder auf die Terrasse, ließ sich in die Hängematte fallen und zupfte weiter an seiner Gitarre herum. Doch schon das nächste Poltern ließ ihn wieder aufschrecken. „Hab ich nicht gesagt, es wird nichts angefasst...“, knurrte er leise und ging dem Geräusch nach. Dann sah er aber nur, dass Semir sein Koffer umgefallen war. Felix war sofort, nachdem ihm sein Herrchen aus der Box gelassen hatte, durch die Wohnung geflitzt und erkundete erstmal das neue Domizil, was er sonst nur als Übergangswohnung hatte. „Schon gut, ich weiß noch, wo die Bettwäsche ist.“, grinste Semir und bezog das Gästezimmerbett in weniger als fünf Minuten. „Okay, du rufst, wenn ich dir helfen soll.“, meinte Ben nur und ging dann wieder auf die Terrasse hinaus. Wieder lag er in seiner Hängematte, doch an Ruhe war nun nicht mehr zu denken. Im nächsten Moment spürte er, wie ein kleines, fellbesetztes Tier auf seinen Bauch sprang und es sich dort gemütlich machte. „Hey, geh sofort runter.“, knurrte Ben nur und packte den Tiger wieder auf den Boden. Doch der Kater ließ sich davon nicht abbringen, sprang ein zweites und ein drittes Mal auf den Bauch des jungen Hauptkommissars und immer wieder wurde er auf den Boden zurückgesetzt. Semir kam nach wenigen Minuten dazu und ließ sich in den Liegestuhl fallen. Sofort war Felix da und holte sich seine Streicheleinheiten, die ihm der Hauptkommissar auch zu gerne gab.


    „Soll ich uns nachher was kochen?“, wollte Semir wissen, während er den Kater kraulte. Ben lugte mit einem offenen Auge zu Semir rüber. „Du kannst nicht kochen.“, konterte er grinsend. „Okay, dann anders...soll ich uns was bestellen?“, fragte Semir nun. „Auf deine Rechnung?“, grinste Ben und hob nun vollends den Kopf an. „Okay, weil du mich aufgenommen hast.“, entgegnete Semir. Ben nickte und schon wurde darum geknobelt, was sie sich nun bestellen sollten. „Wie wäre es mit Chinesisch?“, freute sich der junge Hauptkommissar. „Schon wieder...das hatten wir doch erst zum Mittag...“, kam es ablehnend von Semir. „Gut, dann italienisch. Eine leckere Pizza und dazu ein schönes Tiramisu.“, grinste Ben. „Das hört sich schon besser an...okay...eine Funghi für mich und...“ „...eine Hawaii für mich und für uns beide Tiramisu...“, grinste Ben nur und reichte Semir das Telefon. Schnell war alles bestellt und nach einer viertel Stunde klingelte der Bote. Wie versprochen zahlte Semir und die beiden Freunde genossen das Essen auf der lauen Sommerterrasse. Selbst Felix hatte sein Fressen auf der Terrasse bekommen. Nachdem alles verputzt war, pflegten die beiden ihre vollen Bäuche vor dem Fernseher mit einem kühlen Bier. Aber da hier nichts Interessantes lief, gingen die beiden Mitbewohner bald darauf schlafen. Felix ließ es sich nicht nehmen, auf Semirs Bauch zu schlafen. Ben lag noch eine Weile wach und überlegte, ob das so eine gute Idee war, seinen Partner hier wohnen zu lassen. Es hatte letztens schon nicht geklappt, beziehungsweise wäre beinahe in Mord ausgeartet. Doch er konnte Semir jetzt nicht mehr rauswerfen. Über diese Gedanken hinweg, schlief er alsbald ein.

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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Der nächsten Morgen kam und Karsten traf sich mit seinen Leuten. Gegen neun ging die Fahrt los. Zunächst fuhren sie mit dem kleinen Transporter von Karsten auf den Rastplatz in der Nähe des nächsten Überfallorts. „So….alles klar…in zwei Stunden werden wir rüber düsen und dann schnappen wir uns das Geld und ab….den Wagen hier hol ich später ab…der stört hier niemanden.“, gab Karsten bekannt. Leon nickte nur. „Dann lasst uns nochmal die Wagen checken. Nicht, dass einer von uns auf der Strecke bleibt…“, schlug er vor. Karsten nickte. „Ja….Leon hat Recht. Die Wagen müssen ohne Störung laufen. Und wir müssen auch darauf aufpassen, dass keiner von den Leuten dort ausrastet und wir vielleicht ausflippen…also von den Waffen wirklich nur im Notfall Gebrauch machen. Ich will kein Blutbad sondern nur die Kohle…ist das angekommen?“ Er sah in die Runde. Alle vier nickten. „Sehr gut…dann machen wir die Karts klar..“, befahl Karsten bestimmt. Sie stiegen aus und holten ein Kart nach dem anderen aus. „Fahrt am besten eine Runde hier auf den Parkplatz, damit alle rund laufen…“, schlug er vor. Leon überprüfte sein Kart und setzte sich rein. Nur wenig später heulte der Motor auf und er nahm die Fahrt auf. Mit einem Affenzahn raste er um den Parkplatz herum. Karsten tat es ihm nach. Felipe und Mirko folgten ihm. Alle Karts liefen einwandfrei. Doch nun sah Mirko ihn an. „Wie wollen wir denn rüberfahren? In den Karts oder was?“, fragte er. Karsten lachte. „Siehst du die kleine Fußgängerbrücke…sie endet genau vor der Bank. Das ist ein Kinderspiel…“, lachte Karsten. Er lenkte sein Kart auf die Brücke zu und fuhr langsam an den Fußgängern vorbei.


    „Guten Morgen...Ben…ich hab schon mal Kaffee gemacht und..die Maschine steht, wo sie vorher auch stand…“, erklärte Semir, als Ben aus dem Bad kam. Dieser sah sich skeptisch um. „Frühstück? Hmm…..nun ja….sieht nicht schlecht aus. Hast du meinen Kühlschrank völlig ausgeräumt?“, wollte er wissen. Semir sah ihn strafend an. „Ben…du bist so gemein…ich habe nur die Wurst raus genommen, die du am liebsten magst…außerdem ist eh alles bei dir abgelaufen und sollte weg geworfen werden…“, kam leicht beleidigt zurück. „Semir! Ich sagte…du rührst nichts an…damit meinte ich vor allem das aufräumen…ich liebe mein Chaos…und ich finde das Frühstück toll...wollte doch nur wissen, ob du alles rausgestellt hast.“, versuchte Ben ihn zu beruhigen. „Ja…so hörte es sich auch an…“, knurrte Semir zurück. Er ließ den Kaffee in seine Tasse fließen und sah Ben an. „Willst du nun meinen Kaffee probieren oder nicht?“, fragte er etwas bissig. „Ja sicher doch…ist der stark?“, harkte Ben nach. Semir nickte. „Stark und schwarz….so wie ich ihn liebe.“, bestätigte Semir. Ben hielt die Tasse hin. Semir lachte leise. „Na dann…. Lass ihn dir schmecken.“ Er füllte Bens Tasse und nahm sich ein Brötchen. „Die sind gut…..wie spät?“, wollte er kauend wissen. Ben sah auf die Uhr. „Gleich halb Acht.“, gab dieser eben Kauend zurück. „Was? Das ist doch schon spät…wir müssen los!“, stieß Semir erschrocken aus und würgte das Brötchen runter. Ben lachte leise. „Na…nun lass uns doch in Ruhe frühstücken….wenn wir Überstunden machen, stört es doch auch keinen…“, meinte er kauend. Semir sah ihn an. War das Bens Meinung? Kam er deshalb fast jeden Tag zu spät? „Ben…ich bin noch nie zu spät gekommen….“, tadelte er ihn. „Ach echt….kannst du das beurteilen? Ich meine…das müsste Andrea doch besser wissen…. Soll ich sie mal anrufen?“, lachte Ben. Semir verschluckte sich. „Du Idiot!“, lachte auch Semir.


    Ilona Drewes öffnete die die hintere Tür zur Bank. Seit acht Monaten arbeitete sie nun hier und war völlig zufrieden. Die Kollegen waren nett und behandelten sie wie einen Menschen. Nicht wie in ihrer Ausbildung dieser Kassierer, der glaubte das Azubis Freiwild seien und für eine gute Note mit dem Ausbilder ins Bett gingen. Hier respektierte man sie. Sie schritt durch die Schalterhalle. In einer Stunde kam der Geldtransporter doch bis dahin konnte sie die Auslage der Prospekte noch überprüfen und auffüllen. Dann musste sie die Türen öffnen, aber erst einmal die Kaffeemaschine anwerfen und den schwarzen Lebensgeisterweckenden Saft trinken. Danach konnte der Stress anfangen. Sie goss sich den Kaffee in die Tasse und öffnete die Jalousien, ließ die Sonne in die Bank hinein. Jetzt nur noch die Tageszeitung studieren und dann, dann konnte der Tag beginnen. Die Stunde ging schnell vorbei und der Anruf der Sicherheitsfirma kam etwas später, aber kurz danach traf der Geldtransporter ein. „Dann will ich mal aufschließen.“, meinte sie zu sich und lächelte den Mann kurz an, während sie in die Hocke ging und die Tür aufschloss. „Morgen, Frau Drewes...“, begrüßte sie der Mann und ging dann in die Halle. „Morgen...dann folgen sie mir mal...“, lächelte sie und drehte sich um. Doch im nächsten Moment wurden sie zu Boden gerissen. „Liegen bleiben...das ist ein Überfall.“, schrie plötzlich jemand und sofort wurde Frau Drewes und der Wachmann auf den Boden gedrückt, ihre Augen mit Klebeband verbunden. „Los, wo ist der Tresor?“, forderte einer der Männer. An der Stimme konnte sie hören, dass er jung war...noch sehr jung. „Hinten...hinten im Nebenraum.“, erklärte die Frau stammelnd. „Okay, du kommst mit...ich hoffe, du kennst die Kombination.“, knurrte Karsten unter Helm und Maske hervor. Er zog die Frau hoch und ging mit ihr nach hinten. Leon überwachte den Wachmann und zog ihn in eine Ecke. „So, mein Freund...jetzt werden wir dich etwas ruhig stellen.“, knurrte Leon und zog dessen Arme hinter einen Pfeiler. Schnell wurden die Hände mit Klebeband umwickelt, doch es saß locker, als sich Leon wieder aufrichtete und nach draußen sah. Der Geldtransporter parkte genau so, dass jeder Blick nach innen verstellt war.

  • Mirko und Felipe hatten den Mann im Wagen überwältigt und gefesselt. „Ganz ruhig liegen bleiben...gleich ist alles vorbei...“, knurrte der Deutschspanier und kratzte sich am Hals. „Hey, lass das...“, knurrte Mirko nur. „Es ist warm hier drunter...warum müssen wir die Dinger auch tragen...“, stieß Felipe aus. „Damit man dich nicht erkennt.“, fauchte Mirko und schlug seinem Freund auf die Hand. Doch der Wachmann hatte schon gesehen, was er vielleicht nicht sehen sollte. Felipe hatte die Maske ein Stück angehoben und darunter kamen die Ansätze eines grünen Tattoos am Hals zum Vorschein. Schnell drehte er sich weg. Plötzlich hallte ein Schuss. „Scheiße...“, fauchte Mirko, nahm die Tasche mit dem Geld und rannte in die Bank. Auch Karsten kam aus dem hinteren Teil der Bank gestürmt. „Was soll der Scheiß? Ich habe gesagt, Waffen nur im Notfall.“, schrie er, als er sah, dass der Wachmann am Boden lag und stark aus der Schulter blutete. „Er hat mich angegriffen...dabei hatte ich ihn gefesselt.“, stieß Leon aus. „Los, lasst ihn...ich hab das Geld und jetzt nichts wie weg von hier...“, fauchte Karsten und alle sprangen in ihre Karts. Sie rauschten über die Fußgängerbrücke zurück und fuhren ihre Maschinen in den großen Transporter zurück. Jetzt hieß es, schnell weg, bevor die Polizei vor Ort war. Karsten trat das Pedal durch und fuhr los. Jetzt zurück zum Stall, die Karts wieder umspritzen und neue Reifen rauf. „Man, fahr langsam...du weißt nicht, ob der Transporter gesucht wird.“, knurrte Leon. „Du sei bloß ruhig...du hast geschossen, verdammt noch eins...“, fauchte Karsten und sah auf der anderen Seite die Blaulichter an ihm vorbeiziehen.


    Ben und Semir kamen gerade auf der PASt an, als Susanne ihnen schon entgegen kam. „Ihr könnt gleich wieder los...Überfall auf die Bankfiliale am Andreaskreuz...die Täter waren wieder mit Karts unterwegs...die Kerle sind aber schon verschwunden. Ein Wachmann wurde angeschossen.“ „Verdammt. Und wir sind zu spät.“, knurrte Semir nur. Ben sah seinen Kollegen an. „Was soll das denn jetzt heißen?“ „Nichts...komm, lass uns fahren.“, gab der Deutschtürke nur von sich. Sie stiegen ein und rasten los. Am Überfallort angekommen sahen sie die Rettungswagen. „Was genau ist passiert?“, wollte Semir wissen und sah den Notarzt an. „Der gute Mann dort hat eine Schusswunde in der Schulter. Hat ziemlich viel Blut verloren und ist nicht vernehmungsfähig…“, gab der Arzt kurz und bündig von sich. „Wann können wir ihn befragen?“, harkte Semir nach und sah den Mann auf der Trage an. „Nicht vor morgen!“, erklärte der Doc. Die Türen wurden geschlossen und der Rettungswagen fuhr ab. Semir und Ben betraten die Bank. „Er hat…..mich zu Boden gedrückt und dann gefesselt und….ich hatte Angst…ich…ich...“, weinte eine junge Frau, die von einem Arzt betreut wurde. „Gerkhan, Kripo Autobahn…Sie sind die Zweigstellenleiterin?“, wollte er wissen und hielt der Frau den Ausweis vor die Nase. Sie nickte. „Ilona Drewes….“, gab sie schluchzend von sich.


    „Die Frau ist nicht vernehmungsfähig…..sie ist völlig am Ende mit ihren Nerven und das ist ja wohl mehr als verständlich.“, erboste sich der Arzt sofort und schob Semir weg. „Wir müssen unseren Job machen….damit wir die Kerle hinter Schloss und Riegel bringen, also behindern Sie unsere Arbeit bitte nicht!“, begehrte Semir auf. „Ich….ist schon gut….“, kam leise von Ilona. „Wenn Sie sich dafür stark genug fühlen...bitte…dann kümmere ich mich um den anderen Herren.“, meinte der Arzt und sah sich um. Semir setzte sich neben Ilona. Er sah wie Ben sich den zweiten Wachmann vornahm. „Was ist passiert?“, wollte Semir wissen. „Ich habe zeitig die Bank geöffnet und….um viertel nach Elf kam der Werttransporter mit dem Geld…und als er rein wollte, wurde ich plötzlich gepackt und ein Mann drückte mir die Waffe an den Kopf. Er fesselte mich und ich hatte Angst….er zwang mich mit ihm in den Tresorraum zu gehen und dann das Geld auszuhändigen…. Ich habe alles getan…als wir wieder hoch sind, da fiel ein Schuss. Und die Täter waren selbst sehr überrascht…dann sind sie mit Karts abgehauen….ich kann Ihnen leider nicht sagen in welche Richtung….sie waren sehr schnell weg und…ich….ich hab dann die Fesseln lösen können und….die Polizei gerufen…und….den Notarzt. Ist der Mann tot?“, wollte sie wissen und sah zum Krankenwagen. „Nein….aber er ist schwer verletzt. Können Sie die Männer beschreiben?“, harkte Semir nach. „Nein…sie hatten Helme auf und nahmen sie die ganze Zeit auch nicht ab.“, verneinte Ilona. „Haben Sie etwas bemerkt? Irgendwas? Hat vielleicht einer gehumpelt, oder das Bein hinterher gezogen irgendwas?“, fragte Semir hoffnungsvoll. Ilona sah ihn mit ihren verweinten Augen an. „Ich ….muss zugeben, dass ich nicht darauf geachtet habe…ich….hatte nur Angst…verstehen Sie das?“, wollte sie im Gegenzug wissen. Semir nicke und lächelte beruhigend. „Sie sollten sich ins Krankenhaus bringen lassen….zur Beobachtung…und zur Beruhigung. Sagen Sie...eine Frage nur. Wird die Bank videoüberwacht?“, fragte er und wies auf eine Kamera. „Nein…das ist eine Attrappe…“, lächelte Ilona.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Karsten sah Leon wütend an. „Wenn jetzt wegen deiner Ballerei die Bullen eine Spur zu uns finden, dann werde ich dich eigenhändig erledigen ist das klar? Wir haben uns darauf geeinigt, das wir die Waffen nur im Notfall benutzen…!“, fauchte er. Leon senkte seinen Blick. „Ich…hab doch schon gesagt, dass ich das nicht wollte. Verdammt…der Kerl hat sich gewehrt...und beim Kampf hat sich der Schuss gelöst…ich…ich konnte doch nichts dafür…“, verteidigte Leon sich. „Beim nächsten Überfall bekommst du eine Waffe mit Platzpatronen…dann kannst du wenigstens nichts falsch machen.“, gab Karsten von sich. „Ist doch nun gut….er wollte das nicht…Leon hat doch gesagt, dass es ein Unfall war…Sag lieber was unser nächster Job ist.“, lenkte Felipe ein. „Der nächste? Der wird nun warten müssen…wir werden jetzt die Zeit abwarten und sehen was die Bullen machen. Die Karts müssen gereinigt werden und vollgetankt…“, befahl Karsten. Alle machten sich sofort an die Arbeit und waren mit dem Umspritzen, Reinigen und Volltanken gerade fertig, als Ulrich Feigel in die Werkstatt kam. „Was denn? Sind die Dinger denn immer noch nicht fertig? Die Kunden warten schon darauf...“, knurrte der dickliche Mann mit den vielen Goldringen an der Hand. Die Jungs nannten ihn „Goldfinger“, jedoch konnte dieser Mann auch brutal sein. Mirko hatte dies am eigenen Leib erfahren. Dass er mit einem Kart gefahren war, hat Feigel nicht besonders gefallen. Nicht das Kart war schuld daran, dass Mirko nun leicht hinkte, sondern Feigel, nachdem er den Jungen mit einem 6er bearbeitet hatte. Die Jungs machten die Überfalle eigentlich aus zwei Gründen...erstens wollten sie ihre eigene Kartbahn aufmachen und zweitens, diesen Mistkerl dafür büßen lassen. „Sie sind ja schon fertig.“, knurrte Leon nur und schob eines nach dem anderen ins Freie. „Gut, wenn ihr hier mit aufräumen fertig seid, könnt ihr gleich die alten Reifen entsorgen.“, lachte Feigel nur und ging wieder.


    „Können sie mir irgendwas über die Täter erzählen? Konnten sie etwas erkennen, was uns weiterhelfen würde?“, fragte Ben den zweiten Wachmann. „Nein, ich...es ging alles so...so schnell...Halt doch...einer der Kerle fand es unter dem Helm und der Maske zu warm und wollte sie hochnehmen. Er hatte den Hals frei und da...da war etwas, dass aussah, wie ein Tattoo.“, erklärte er nur und nahm einen Schluck aus dem Wasserbecher. Ben sah auf und hielt ihm seinen Block und den Stift hin. „Können sie mir das Tattoo aufmalen...soweit sie sich erinnern.“, bat der junge Hauptkommissar den Wachmann. Dieser ließ das Wasser die Kehle hinunterlaufen und nickte. Mit flinken Bewegungen hatte er ein kleines Bild auf den Zeichenblock gemalt und reichte ihm dann Ben zurück. Dieser warf einen kurzen Blick drauf und versuchte zu erkennen, was das ist. Es war nur ein Teil...aber so im Ansatz sah es fast aus, wie... „Eine Spinne?“, fragte Ben nach. „Es kann auch ein Spinnennetz gewesen sein, ich bin mir da nicht mehr so sicher.“, erklärte der Wachmann. Ben nickte, bedankte sich und ging dann zu Semir zurück. „Und, bei dir?“, wollte dieser nur wissen. Ben zuckte mit den Schultern und reichte seinem Partner das gemalte Bild. „Was soll das sein? Hattest du keine Lust zu schreiben?“, grinste der Deutschtürke nur. „Quatsch...das hat der andere Wachmann am Hals eines der Täter gesehen, als sich dieser die Sturmhaube am Hals hochgezogen hat, weil es ihm zu warm war.“, erklärte Ben nur. „Ist doch immerhin was...Die Kamera da oben ist nur ne Attrappe. Wir haben also keine Bilder vom Überfall.“, knurrte Semir. „Und nun?“ „Zurück zur PASt...es muss doch einen Hinweis geben. Vielleicht steckt eine der Kartbahnen in finanziellen Schwierigkeiten.“, erklärte Semir nur. „Können wir nicht erst Mittag machen...“, flehte Ben regelrecht. Semir lachte laut auf, doch dann knurrte auch sein Magen. „Okay, aber nur eine Stunde...mehr nicht...“, grinste er.


    Semir und Ben fuhren zu Schröder, der inzwischen ein kleines Restaurant neben einer Tankstelle betrieb. „Semir...Ben, ich hab euch ja schon lange nicht mehr gesehen.“, grinste der tüchtige Unternehmer und begrüßte die beiden Polizisten per Handschlag. „Hallo Schröder...wir haben aber nicht viel Zeit.“, lächelte Semir. „Für ein Essen ist immer Zeit...dir ein halbes Hühnchen mit Pommes und für Ben ein ganzes...war doch so oder?“, lächelte er nur und verschwand dann in die Küche. Die Beiden setzten sich in eine der Nischen und labten ihre Kehlen mit den auf den Tischen gestellten Karaffe mit Eistee. Ehe Semir loslegen wollte, rief das Krankenhaus an. „Ja Gerkhan...“, meldete er sich und hörte eine Weile zu. Immer wieder nickte er und legte dann auf. „Was ist?“, wollte Ben wissen, während er sich und seinem Kollegen nachschenkte. „Sie haben eben den Wachmann operiert. Scheinbar hat er alles gut überstanden und wenn es heute Nacht keine Komplikationen gibt, dürfen wir ihn morgen befragen...“, meinte Semir und sah auf, als Schröder mit dem Essen zurückkam. „So, hier bitte Jungs...Na, was habt ihr denn für einen Fall gerade?“, wollte er wissen. „Wir jagen eine Bande die Raubüberfälle mit Karts machen….“, erklärte Semir. Schröder hatte schon öfter in dem einen oder anderen Fall geholfen. Auch wenn seine Vorgehensweise nicht immer einwandfrei war. Auf Schröder konnte man sich verlassen. „Eine Kartbande? Sehr interessant…lass mich raten...es waren vier Leute, richtig?“, wollte Schröder wissen. Semir sah zu Ben. „Ja…das ist richtig…kennst du die etwa?“, harkte Ben erstaunt nach. „Na kennen ist zu viel gesagt, aber hier sind seit einiger Zeit immer wieder eine Vierergruppe, die ihre Karts…echte Streetkarts übrigens...testen und auf meinem Parkplatz fahren. Na und ich sehe denen dabei zu… die Jungs verstehen ihr Handwerk…sind aber sehr liebe nette Jungs…“, lachte Schröder.


    „Du hast sie auch ohne Helm gesehen oder?“ fragte Ben nach. „Nun…. Klar doch….warum fragst du? Ben..nein…nein..du glaubst doch nicht, dass die Jungs da drin hängen….?“, kam entsetzt von Schröder. „Hat einer deiner Freunde vielleicht eine Spinne oder ein Spinnennetz als Tätowierung?“, ließ Ben sich nicht beirren. Schröder dachte nach. Er atmete sichtlich auf. „Nein….ich sagt doch...die Jungs sind harmlos...wirklich…“, lachte er. „Trotzdem…weißt du wie die Jungs heißen?“, harkte Semir nach. „Ja klar…weiß ich das…Der eine heißt Michael Schumacher…aber er hat nichts mit dem Rennfahrer zu tun…“, erklärte Schröder sofort. „Der zweite ist der Thomas Sandhöfer, dann gibt es da den Gregor Reichelt und Ahmet Tayfun…“, zählte er auf. „Ah okay…die Adressen hast du nicht…welche Farbe haben denn die Karts?“, kam die nächste Frage. „Nun…die sind alle gelb…zitronengelb…“, grinste Schröder. „Gelb? Dann sind es nicht unsere….die Jungs sind nämlich kunterbunt. Sind deine Jungs immer mit den gleichen Karts hier?“, versuchte Ben heraus zu finden. „Ja…die sind sogar sehr eigen….keiner darf die Dinger anpacken…ansehen ja…aber sie lassen keinen anderen damit fahren…“, bestätigte Schröder. Ben und Semir aßen ihr Hähnchen und die Pommes. Dann verabschiedeten sie sich. Im Auto hingen beide zunächst ihren Gedanken nach. „Weißt du was…ich glaube, wir werden diese Tätowierung auch in den Computer eingeben. Vielleicht ist er schon mal aufgefallen und deshalb in der Kartei. Das ist das einzige, was wir haben.“, murmelte Ben nachdenklich. Semir nickte. „Werden wir auch…“, bestätigte er.

  • Karsten sah seine Freunde an. „So…..ich denke mal, dass wir in zwei Wochen den nächsten Coup starten. Vorher will ich niemanden sehen. Ich werde jetzt in Urlaub fahren und ihr gebt nicht einen Cent von dem Geld aus! Es ist wichtig, denn wenn jetzt die Scheine auftauchen, dann sind die Bullen schneller an unseren Fersen als uns lieb ist. In zwei Wochen werden wir die Sparkasse an der A1 beehren. Die Höhe des Geldes werde ich bis dahin rausfinden.“, gab er bekannt. Leon sah ihn an. „Woher hast du eigentlich die Informationen, wann sich was lohnt?“, wollte er wissen. Karsten lachte leise. „Das ist mein Geheimnis. Und es hat dich nicht zu interessieren…“, fauchte er sofort. Mirko sah erschrocken zu Felipe. „Also…in zwei Wochen bin ich wieder da…und ihr macht in der Zeit keine Spritztouren oder sowas….nichts ist das angekommen?“, wollte Karsten wissen. „Ja…“, kam im Chor. Karsten stand auf. „Dann bis in zwei Wochen…“, lachte er und verschwand. Die drei Freunde sahen ihm hinterher. „Er macht sich einen Lenz und wir können hier für Goldfinger die Karren pflegen…“, knurrte Leon. „Ja und der kommt gleich….lass uns sehen, dass wir fertig werden und dann nichts wie ab…“, schlug Felipe vor. Die Drei machten sich an die Arbeit. Nach zwei Stunden waren sie fertig und fuhren nach Hause. Leon war der erste, der dort eintraf. „Wo kommst du her?“, wollte sein Vater wissen. „Geht dich einen Dreck an. Nimm deine Pulle und sauf dich zu…!“, schrie er seinen Vater an. „Ich habe Durst!! Gib mir Geld!!“ kam zurück. Leon schloss die Augen. Sein Vater war alkoholabhängig und trank jeden Tag mehr und mehr. Seine Mutter hatte längst aufgegeben und trank aus Mitleid selbst mit. Es gab keinen Tag, wo sie nicht betrunken waren. Viel zu häufig kam es vor, dass beide auf ihn losgingen. Und auch diesmal schien es wieder so auszuarten denn seine Mutter kam ebenfalls zu ihm. „Leon……gib uns Geld…wir haben beide Durst…“, lallte seine Mutter. Leon spie aus. „Ihr seid ekelhaft.“, stieß er aus und drehte sich um. Doch sein Vater war schneller. Er griff ihn und stieß ihn heftig an die Wand. „Ich will Geld!!! Ich will das!!! Ich bin dein Vater!!“, schrie er ihn an und schlug Leon mit der Faust ins Gesicht.


    Felipe und Mirko standen unten und hörten den Streit. Sie wollten noch etwas vor dem Haus warten. Beide kannten die Situation von Leon. „LASS MICH!!!“, hörten sie plötzlich durch das offene Fenster Leon schreien. „Oh man...die schlagen ihn fast tot.“, stieß Felipe aus und schon waren sie im Hausflur, rannten die Treppe hinauf und donnerten gegen die Tür. „AUFMACHEN...LEON...“, schrie Mirko und hämmerte gegen die Tür. Doch von drinnen kam nichts. Mirko sah Felipe nur an. Dieser nickte und Mirko warf sich mit aller Macht gegen die Sperrholztür. Da diese nicht besonders haltbar war, brach sie gleich entzwei und schon standen die beiden Freunde im Flur der Wohnung. „Was...was...wollt ihr denn hier?“, fauchte der Vater und wollte mit einer leeren Bierpulle auf die beiden Jungen losgehen. Doch Felipe war schneller und schlug mit einer auf dem Flurschrank befindlichen Vase zu. Berstend zerplatzte diese auf dem Kopf des Alkoholikers und bewusstlos und an der Stirn blutend fiel er zu Boden. Die Frau kreischte und schrie das halbe Haus zusammen. Mirko nahm sie nur und warf sie auf die Couch zurück. „Leon...Leon, alles in Ordnung mit dir?“, wollte Felipe wissen, als er seinem Freund auf die Beine half. Dessen Gesicht war vollkommen blutverschmiert. Der Blick war gebrochen und die Nase blau unterlaufen. „Komm, bloß weg von hier...“, meinte er und alle drei verschwanden aus der Wohnung, ehe die Mutter reagieren konnte.


    Semir und Ben waren wieder in der PASt und gingen der Arbeit nach. Während Semir sich nach den Vieren von Schröder erkundigte, sicher konnten sie ihnen helfen, die Szene zu durchleuchten, hatte Ben allerhand am Computer zu tun. Er gab die Beschreibung des Tattoos ein und ließ die Suchmaschine durchlaufen. „Wie geht es eigentlich Andrea?“, wollte Ben auf einmal wissen. Semir sah erschrocken auf. „Ach, die habe ich ja vollkommen vergessen. Bestimmt hat sie schon zigmal bei mir angerufen und sich gewundert, dass keiner ans Telefon gegangen ist.“, stieß Semir vollkommen fertig aus. Ben musste grinsen. „Wie kannst du nur deine Frau vergessen...so was von nachlässig.“, tadelte er mit einem seiner breitesten Grinsen, die er je aufgelegt hatte. „Ach, sei ruhig...“, knurrte Semir nur und stürmte aus dem Büro, um ungestört zu telefonieren. Ben lachte nur und schüttelte den Kopf, als sein PC sich meldete. „Ach, sieh mal einer an...“, murmelte er und druckte die entsprechende Seite aus. Das Tattoo war tatsächlich eine Spinne. Es wurde meist von einer Gruppe jugendlicher Rennfahrer benutzt, die illegale Straßenrennen fahren. „Na bitte...wenn das mal nicht ein Treffer ist.“, dachte Ben laut und sah sich das Papier weiter an. Einer der Jungen saß noch im Knast. Vielleicht konnte er ihnen weiterhelfen, ging es dem jungen Hauptkommissaren nur durch den Kopf. „Susanne, finde doch mal raus, wo dieser Stefan Thalheim derzeit einsitzt...ich muss ihn dringend sprechen.“, bat er Susanne. „Wird erledigt.“, kam es nur von ihr zurück. Semir kehrte mit erleichtertem Gesicht vom Parkplatz ins Büro zurück. „Na, deine Frau erreicht?“, grinste sein Partner nur. „Jap, allen vieren geht es gut. Schwiegervater ist auf dem Weg der Besserung, aber sie hält es für sicherer, wenn sie bis zu Margots Rückkehr noch da bleibt.“, erklärte Semir nur. „Wie? Muss ich dich noch länger ertragen?“, lachte Ben und wich dem Radiergummi aus. „Idiot.“

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    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Felipe nahm Leon mit zu sich nach Hause. Seine Eltern hatten zwar auch nicht so viel Geld, aber sie waren wenigstens gastfreundlich und sie kannten die Situation von Leon. Assunta, eine mollige Spanierin mit dunklem Teint und kastanienblonden Haaren, stand in der Küche, als Felipe mit seinem Gast hineinkam. „Olà Mama, ich habe Leon mitgebracht...es ist doch okay, wenn er einige Zeit bei uns wohnt, oder?“, wollte er wissen und zog seinen lädierten Freund in die Küche. „Olà Leon...was haben sie denn mit dir angestellt?“, fragte Assunta sofort und kümmerte sich um den halb erwachsenen Mann, als wäre er ein Kind, ihr Kind. „Mirko und ich haben ihn vor seinem Vater gerettet. Er hätte ihn beinahe totgeschlagen...war wieder besoffen, dieser...“, knurrte Felipe nur. Assunta sah ihn strafend an. „Nicht fluchen Felipe…“, ermahnte sie ihn. Dann nahm sie sich Leon vor. „Komm Junge…leg dich hin….ich werde dir erst einmal das Gesicht saubermachen…. Du solltest aber zum Arzt gehen…das sieht übel aus...und dann zur Polizei. Dein Vater muss bestraft werden, für das was er dir antut.“, erklärte sie fürsorglich. „Schon gut…danke….ich gehe nicht ins Krankenhaus und auch nicht zur Polizei….was hab ich denn davon…die bringen mich eh zurück…“, klagte Leon. Seit er 15 war, hatte er zuhause nichts mehr zu lachen. Sein Vater schlug ihn, wenn er betrunken war und seine Mutter machte mit. Wenn er seine Freunde nicht hätte, hätte er sicher schon Selbstmord begangen. Die Wut über das, was er erlitt, war groß, doch die Angst von den Behörden wieder dorthin zu müssen, war größer. Er war doch erst 17 und damit musste er zu seinen Eltern nach Hause.


    „Was willst du denn im Gefängnis?“, fragte Semir erstaunt, der den Auftrag an Susanne noch gerade mitbekommen hatte. „Der Wachmann im Krankenhaus hat mir was von dem Tattoo erzählt…und da wir sonst nichts haben, ließ ich suchen…im PC…so wie ich es gesagt habe…und ich bin fündig geworden. Eine Jugendbande, die illegale Straßenrennen veranstalteten, hat sich jeder eine Spinne tätowieren lassen. Am Hals, auf der Hand oder auf dem Arm. Sie musste auf jeden Fall sichtbar sein, weil die Bande so nicht unterwandert werden konnte. Dieser Thalheim war einer der Anführer und man hat ihn erwischt, als er einer alten Frau die Handtasche klauen wollte. Er hatte nur Pech, das die alte Dame etwas zu rüstig war und mit ihrem Handstock zugeschlagen hat. Er ging zu Boden und du kennst ja Frauen… die können sehr gefährlich werden und die Dame hatte ziemlich harte Bandagen aufgefahren…. Thalheim wurde von der Polizei gerettet und verhaftet.“, erzählte Ben die Story. Semir grinste leicht. „Eine resolute Dame….gefällt mir….dann wusste der Typ doch wo die Glocken hingen…“ Ben nickte. „Wenn auch auf schmerzhafte Art und Weise…. Gut…also, wenn einer dieser Bande bei der anderen Bande mitmischt dann ist es gut, dass wir wenigstens einen von der Bande ausfindig machen können… und so bauen wir die Spur dann aus.“, erklärte Ben weiter. Semir nickte anerkennend. „Sehr gut….das ist wirklich sehr gut…“, gab er zu. „Ben…dieser Thalheim sitzt in der Vollzugsanstalt in Köln Ossendorf. Ich habe bereits einen Termin für euch gemacht…“, lächelte sie. „Danke Susanne….wie immer sehr umsichtig….“, lobte Ben die Sekretärin.


    Andrea stellte ihrem Vater das Essen vor. „Komm, iss was….“, bot sie an. Hubert richtete sich auf. „Ich bin froh, wenn Mama wieder da ist.“, gab er von sich. „Ja…ich auch…weil ich hab daheim einen Mann, der auf mich wartet…ich hoffe nur, er veranstaltet nicht zu viel Chaos…“, lachte Andrea. „Warum ist Semir denn nicht mitgekommen. Er ist viel zu selten hier… Urlaub kann der Junge doch auch mal machen…oder nicht…?“, wollte Hubert wissen. Andrea sah ihn an. „Klar kann er mal Urlaub gebrauchen, aber er hat einfach keine Zeit…. Die Verbrecher nehmen sich auch keinen Urlaub und er muss doch die Welt retten.“, kam etwas bitter von ihr zurück. „Mein Kind….. ich weiß, das du ihn liebst und er ist mir sehr ans Herz gewachsen, denn er hat mir das Schönste geschenkt… zwei Enkelkinder und dazu noch die Hübschesten…“, strahlte Hubert. „Ja sie sind unsere Prinzessinnen. Ich freu mich schon auf den Tag, wenn Aida in die Schule kommt und Layla in den Kindergarten. Semir wünscht sich so sehr noch einen Sohn…“, lachte Andrea. Stolz war in der Stimme zu hören. „Nun…ihr seid doch noch jung…und ihr habt Zeit. Willst du denn auch einen kleinen Jungen haben wollen?“, harkte Hubert nach. „Ja….eigentlich schon…“, bestätigte Andrea. „Nun dann….was steht dem im Wege?“, lachte er. „Das Essen ist übrigens wundervoll…du kochst so gut wie deine Mutter…“, hängte er lobend an. „Danke Papa….lieb von dir. Aber Mama kocht noch eine Idee besser…“, lachte sie. Nach dem Essen räumte sie den Tisch ab und stellte das Geschirr in die Spüle. „Ich werde die Kinder mal ins Bett bringen…die waren heute den ganzen Tag draußen…“, erklärte sie und verschwand mit den Kindern deren Augen von allein zufielen. Hubert nickte. Er gab seinen Enkelinnen einen dicken Kuss. Aida lachte leise, wie die Bartstoppeln juckten. „Wie bei Papa…, Opa…“, gab sie zu verstehen.

  • Bevor sie Feierabend machen wollten, fuhren Semir und Ben nach Ossendorf in das dortige Gefängnis und ließen sich von einem der Wärter in einen Besucherraum bringen. „Warten sie bitte hier...Herr Thalheim wird gleich zu ihnen gebracht.“, meinte der Vollzugsbeamte. Beide Kommissare nickten nur. Semir ging ans Fenster und sah durch die vergitterten Glasscheiben auf den trüben Hof. So manchen hatte er hier eingebuchtet...aber selbst wollte er nie hier landen. Da kriegt man ja Selbstmordgedanken, dachte er nur spöttisch und drehte sich um, als die Tür aufgeschlossen wurde. Ein junger Mann mit blond gesträhnten Haaren, einem ärmellosem Hemd und einer schwarzen Jeanshose betrat den Raum. Sein eisblauen Augen surrten zwischen den beiden Kommissaren hin und her. „Herr Thalheim?“, fragte Ben. „Steht vor ihnen...“, knurrte der Angesprochene nur. „Mein Name ist Ben Jäger und das ist mein Kollege Semir Gerkhan...wir sind von der...“ „Ich weiß schon, wer ihr seid...ihr seid von den Autobahnsheriffs und wollt von mir wissen, wer was mit diesen Überfällen zu tun hat.“, spielte Thalheim seine Karten aus. Erstaunt warfen sich Semir und Ben nur vielsagende Blicke zu. „Der Buschfunk hier drinnen scheint ja tadellos zu funktionieren.“, meinte Semir nur feststellend. „Man hat so seine Quellen.“, kam es nur von Stefan Thalheim. Langsam ging er zu einem Stuhl und ließ sich lässig darauf fallen. „Es geht um ihr Tattoo...einer der Täter hatte genau solch ein Tattoo am Hals und wir würden nun gerne von ihnen wissen, wer damals alles zu ihrer Bande gehörte...“, forderte Ben und ließ sich gegenüber von Thalheim nieder, schob ihm das Bild mit dem Tattoo hin. Der Knacki warf einen Blick auf das Bild und schob es dann wieder zurück. „Sie glauben doch nicht, dass ich meine Jungs an euch beide verpfeife, oder?“, knurrte er und sah dann zu Semir. „Doch, genau das glauben wir...“, entgegnete der Deutschtürke dann. Verächtlich atmete Thalheim aus, stand auf und hämmerte gegen die Tür. „Sie sind wirklich sehr naiv...“, knurrte er nur und ließ sich dann in seine Zelle zurückbringen. „Das war ja wohl ein Schlag ins Wasser...“, resignierte Ben nur. Dem konnte Semir nur zustimmen.


    Feierabend. Semir und Ben fuhren gemeinsam nach Hause. „So, ich hoffe, dein Kater hat meine Wohnung nicht komplett auseinander genommen.“, meinte Ben, als er den Schlüssel ins Schloss steckte. „Sicherlich nicht...Felix ist ganz und gar pflegeleicht...“, lächelte Semir, war sich aber selbst nicht sicher, ob der Stubentiger wirklich brav gewesen war. Immerhin, bei ihm war Andrea den halben Tag da und passte auf das Tierchen auf. Doch jetzt? Ben öffnete die Tür und beide schritten ins Wohnzimmer durch. Felix lag ruhig auf der Couch und hob leicht den Kopf, als er die beiden Männer sah. „Scheint ja ganz friedlich gewesen zu sein.“, meinte Ben nur und kraulte den Kopf des Katers. „Sieht so aus.“, lächelte Semir nur und sah sich um. Ben ging ins Schlafzimmer. „SEMIR!!!“, schrie er nur und sofort kam sein Partner angerannt. „Was ist denn?“, wollte dieser wissen, doch sofort sah er, warum Ben so schrie. Anscheinend hatte Felix die Gitarre von Ben als Kratzbaum benutzt. Tiefe Rillen waren deutlich zu erkennen und einzelne Saiten waren auch durchtrennt worden. „Oh ha...“ „Oh ha? Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?”, stieß Ben keuchend aus. „Dein Kater hat meine...mein Schätzchen zerkratzt...darauf kann ich doch nie wieder spielen...“, grummelte er und sah seine anderen Gitarren an, doch an denen schien Felix kein Gefallen gefunden zu haben. „Ben, jetzt beruhige dich doch...das kann man doch ersetzen...“, versuchte Semir seinen Partner zu beschwichtigen. „Ersetzen? Das war meine erste Gitarre überhaupt...die hab ich mir damals mühsam zusammengespart, weil mein Vater mir kein Geld geben wollte.“, knurrte der junge Hauptkommissar nur. Er sah sich suchend nach dem Übeltäter um. „Wo ist das Katzenvieh? Ich dreh ihm den Hals um….!“, fauchte er wütend und sah unters Bett. Doch Felix schien sich gut verzogen zu haben. Semir sah grinsend zu. Er betrachtete den Schaden erneut. „Hör mal….die geht sicher noch…die Kratzer sind doch im Gehäuse und nicht auf diesen Drähten…“, meinte er. „Das sind Saiten und keine Drähte..und du hast überhaupt keine Ahnung...such den Kater mit!“, befahl Ben wütend. Semir zog die Schultern hoch. „Felix!“, rief er. Es kam keine Antwort. Ben drehte jede Decke um und nahm jedes Kissen hoch. Doch nirgends war das Tier zu finden.


    Semir schlich in sein Zimmer. Felix lag auf dem Bett und schlief fest. „Hey...sag mal spinnst du eigentlich total? Du kannst doch Bens Gitarre nicht kaputt machen. Der bringt dich um und wirft dich in den Kochtopf…“, redete er auf das Tier ein und kraulte es. Sofort war Schnurren zu hören. „Semir!!! Hast du das Vieh gefunden?“, hörte er Ben rufen. „Versteck dich im Koffer….da bist du sicher…“, sprach er auf Felix ein, der die scheinbar nahende Bedrohung verstand. Schnell sprang der Kater in den Koffer. Die Tür ging auf. „Hast du ihn?“, wollte Ben wissen. „Nein….hier ist er auch nicht….ich versteh das gar nicht…er muss doch irgendwo sein…war die Balkontür offen? Ich meine vielleicht ist er ja raus...oder aber ein anderer Kater hat die Gitarre so zugerichtet…ein Streuner oder so…?“, kam nachdenklich von Semir. „Die Balkontür ist zu gewesen…und es war sicher kein anderer Kater oder eine andere Katze…das war Felix….“, fauchte Ben. Er hörte ein leises Schnurren. „Was ist das?“, fragte er sofort. „Hmm…..was denn?“, tat Semir unschuldig. „Das ist doch Schnurren…. Das ist Felix...ich höre ihn…wo ist er?“, kam harsch von Ben. Semir zog die Schultern hoch. „Ich weiß es wirklich nicht...ich…Ben…er hat es sicher nicht absichtlich gemacht…ich meine, du hattest doch kein Schild auf der Gitarre mit „Kein Kratzbaum“ dran…er hat vielleicht auch keine Ahnung von Musik…“, verteidigte Semir seinen Kater. „Semir!! Wo ist das Katzenvieh?“, harkte Ben nach und sah unter dem Bett nach. Doch dort stand nur Semirs Koffer. „Verdammt er muss hier sein…“, wiederholte Ben. Semir musste leicht grinsen. „Ben…beruhige dich...ich zahle dir die Restaurierung…okay..ich schreibe drei Monate die Berichte….und …. Ich mach alles, aber bitte lass ihn in Ruhe…bitte…es ist doch nur ein unschuldiges Tier…“, schwor Semir auf Ben ein. Dieser sah ihn an. „Restauration? Du zahlst das? Weißt du, was das kostet? Dieses Holz gibt es ja nicht einmal…und was erzählst du von unschuldigem Tier? Alle Tiere sind unschuldig….aber Felix…nein...der nicht…“, kam von Ben. Die Wut war jedoch weitestgehend verschwunden.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Assunta sah Leon an. Dieser schlief auf der Couch und zuckte immer wieder im Schlaf. „Der arme Junge…wie können Eltern so grausam sein?“, fragte sie und strich dem 17jährigen über den Kopf. Doch schon diese Berührung schien Angst in dem Jungen auszulösen. Er schlug die Augen auf und sah sich erschrocken um. „Schon gut…Leon…schon gut…es ist alles in Ordnung…“, sprach Assunta Leon beruhigte sich wieder, als er bemerkte, dass er nicht bei seinen Eltern war. „Ich...habe...Durst…“, kam leise von Leon. „Ja sicher…ich mache dir einen Tee... und dann solltest du auch was essen. Wann hast du das letzte Mal was gegessen?“, wollte sie wissen. Leon setzte sich auf. „Ich weiß es nicht…meine Mutter kocht schon lange nicht mehr….sie wäscht nicht mehr…sie säuft nur noch...ich würde alles geben aus diesem Loch raus zu kommen…alles…“, stieß Leon aus. Assunta verschwand in der Küche und kam nur eine halbe Stunde später mit einem großen Schnitzel und einer Portion Pommes aus der Küche. Sie stellte den Teller vor Leon hin. „Das ist für mich?“, fragte er erstaunt. „Ja sicher…wir haben schon gegessen und wollten dich nicht wecken…iss...es wird dir sicher gut tun…“, lächelte Assunta. „Das reicht ja für eine ganze Familie…“, strahlte Leon und machte sich über das große Stück Fleisch auf den Teller her. „Das ist gut.“, gab er kauend zurück. Assunta sah ihm mit Freuden zu. Er schaffte es den Teller zu leeren und sah Assunta glücklich an. „Das war sehr gut…so viel hat ich schon lange nicht mehr gegessen.“, gab der Junge zu. Assunta lächelte freundlich, doch innerlich kochte sie vor Wut. Wie konnten es Eltern nur wagen, ihr eigenes Kind so zu verelenden lassen, nur weil sie mit dem Leben nicht klar kamen und sich die Hucke voll soffen? „Möchtest du noch einen Nachtisch? Es ist noch reichlich Flan übrig.“, erklärte sie. Leon schaute etwas ratlos. „Was ist das, Flan?“, wollte er wissen. Assunta lachte und zog ihn hoch. Aus dem Kühlschrank holte sie einen hellen, eigelbfarbenen, cremeartigen Turm, der mit purer Karamellsoße übergossen war und oben auf ein Sahnehäubchen besaß. „Felipe hat seinen zweiten nicht geschafft. Vielleicht möchtest du ja.“, lächelte Assunta nur. Leon ließ es sich nicht zwei Mal sagen und aß die spanische Süßspeise mit Genuss auf. Hier ließ es sich leben, dachte er nur. Hoffentlich konnte er noch eine Weile hier bleiben.


    Ben hörte ganz deutlich das Schnurren. „Er ist hier doch irgendwo...“, zischte er und sah Semir genau an. „Wo ist er, Semir?“, knurrte er und kam dicht an seinen Partner heran. „Ben, bitte...ich ersetz dir den Schaden...wirklich...“, flehte der Deutschtürke weiter. „Semir...“, kam es nur gepresst von Ben zurück. Dann fiel sein Blick auf den Koffer, aus dem auch noch ein Kratzen kam und der sich langsam zu bewegen schien. „Du hast ihn in den Koffer gesperrt.“ Sofort war der Koffer auf und Felix sprang raus, aus dem Zimmer raus und flitzte durch die ganze Wohnung. „Bleib hier, du fellbesetztes Monster...“, schrie Ben und rannte hinterher, warf sich einige Male auf den Boden, doch immer wieder entwischte ihm der Kater. Nach dem dritten Versuch gab er schließlich auf, als er sah, dass Felix auf dem obersten Küchenschrank saß und fast triumphierend grinste. „Solltest du da jemals dich wieder runter wagen, zieh ich dir das Fell ab.“, drohte Ben nur und sah dann, wie Semir ins Wohnzimmer kam. „Ben, nun lass doch den Kater...ich werde dir den Schaden ersetzen.“, meinte Semir entschuldigend. „Ach ja...da bin ich ja gespannt, wie du das schaffen willst, bei deinem Gehalt.“, stieß Ben aus und verschwand für eine lange Zeit. Die letzten Worte trafen Semir etwas härter als gedacht, aber das schob er darauf, dass Ben wütend war. Vielleicht sollte er ihn einfach den Abend heute in Ruhe lassen. „Und du? Du bist dir mal wieder keiner Schuld bewusst, was?“, rief Semir seinem Kater hoch, als er ihn auf dem Küchenschrank sah. „Miau...“, kam es nur von dem kleinen Stubenkater. „Ja, ich weiß...“, kam es besorgt von Semir. Er ging sich die Gitarre noch einmal ansehen. Oh man...da hatte der Kater aber wirklich arg zugeschlagen. Was das wohl kosten würde? Moment, da fiel ihm doch einer ein, der das super reparieren konnte und es vielleicht als Freundschaftsdienst machte, wenn er hörte, dass es für Ben war. Schnell griff sich Semir die Jacke, ging mit der Gitarre zu seinem Wagen und fuhr los. „Ja hallo? Elena...ist Nico zu Hause? Ich brauche dringend seine Hilfe.“, erklärte der Deutschtürke durchs Telefon.


    Stefan Thalheim saß derweil in seiner Zelle und grübelte über das, was ihm die Kommissare gesagt hatten, nach. Ihm fiel nur einer seiner alten „Freunde“ ein, der bei so etwas mitmachen konnte. Sofort sprang er auf und hämmerte gegen die Tür. „Wärter...he, Wärter...ich muss mal telefonieren...“, forderte er und wartete, bis sich die Zellentür öffnete. „Was wollen sie, Thalheim? Telefonieren? Das können sie doch wohl morgen machen, oder?“, fauchte der JVA-Beamte. Stefan packte den Kerl nur am Kragen. „Hör mal, soll deine Frau erfahren, was du für Spielschulden hast? Willst du das wirklich?“, fauchte er nur. Erschrocken blickte der Beamte den Mann an. „Woher?“ „Ich weiß es eben...also, krieg ich jetzt meinen Anruf, oder nicht?“, knurrte Thalheim nur. Der Beamte überlegte einen Moment, gab dann aber den Weg frei. Sie gingen zu dem frei stehenden Telefon und der Beamte stellte sich etwas weiter entfernt, als ihm Thalheim einen deutlichen Blick zuwarf. Der Fernsprecher war mit videoüberwacht, wurde aber nicht abgehört. Stefan warf einige Münzen rein und tippte die ihm bekannte Nummer in den Automaten. Es klingelte am anderen Ende, doch niemand nahm ab. Nach einer halben Minute meldete sich endlich jemand. „Ja Hallo?“, wollte jemand am anderen Ende der Leitung wissen. „Hallo, ich hätte gerne Felipe gesprochen. Ist er da?“, fragte Stefan nur. „Wer ist denn da?“ „Ein alter Freund...bitte, es ist dringend.“, versicherte der Mann und sah sich zu seinem Bewacher und der Kamera um. Nur kurz darauf hörte er ein verschlafenes „Ja…?“ „Felipe….was für Scheiße baust du?“, fauchte Stefan. „Stefan? Verdammt wieso? Wie geht es dir?“, stellte Felipe die Gegenfrage. „Jetzt geht es nicht um mich…sondern um dich. Heute waren die Bullen hier im Knast und haben mich nach meinem Tattoo gefragt…ich wollte wissen, warum und da sagte mir einer, das man einen Räuber mit diesem Ding sucht…sag nicht, dass du es bist…“, forderte Stefan auf. „Quatsch…warum sollte ich denn sowas machen…“, hörte er Felipe lachen. „Ich hoffe es… es reicht, wenn ich im Knast bin…du gehörst hier nicht rein…“, gab Stefan durch.


    „Semir? Was ist denn los?“, hörte Semir nur wenig später. „Nico…Gott sei dank…sag mal…..du kennst doch sicher die Gitarre, die Ben hat...oder? Seine erste…meine ich…?“, wollte Semir wissen. „Ja sicher…wenn du seine Sweethart meinst…. Also seine Linus ….nun ja sicher kenne ich sie, was ist mit ihr?“, harkte Nico nach. „Nun ja….also pass auf...ich bin für ne Woche oder auch drei bei Ben eingezogen, weil Andrea nicht da ist …und Felix natürlich auch...und Ben und ich sind unterwegs…das arme Tier hat sich gelangweilt und…nun ja…. Katzen brauchen einen Kratzbaum…nur….bei Ben ist keiner und…“, erklärte Semir umständlich. „Oh nein….sag nicht, dass der Kater die Gitarre für einen Kratzbaum gehalten hat. Semir…die ist aus Riegelahorn…das ist nicht nur extrem teuer, sondern auch nicht mehr zu bekommen...sieht die Gitarre schlimm aus?“, fragte Nico „Nun ja…also ich finde es ist nicht so schlimm…das sind ein paar Kratzer da am Bauch und unter den Drähten…aber sonst ist es eigentlich …also es fällt kaum auf...“, gab Semir durch. „Ich komme gleich mal rüber und schau es mir an...“, lachte Nico. „Nico…warte….sag mir wie teuer es werden würde, wenn man es restauriert?“, bat Semir schnell. „Das kann ich dir erst sagen wenn ich es gesehen habe…aber wenn es so ist, wie du es sagst, dann ist es im Bereich von 2000 Euro…mindestens….denn wenn der Kater unter den Saiten gekratzt hat, ist sie total verstimmt und hört sich nicht mehr gut an. Da muss ein Fachmann ran…“, erklärte Nico. „2000 ? Das ist…oh man…ich bringe den Kater um…“, stieß Semir aus. „Semir…ich sagte, das der Schaden so hoch ist….für einen Freund wie dich mache ich es umsonst…musst du Ben ja nicht erzählen…nenn es einen Freundschaftsdienst…“, schlug Nico vor. „Gut...dann komm nicht raus...ich bring dir das Ding. Dann ist es unauffälliger…ich hab sie eh schon im Wagen...“, lachte Semir erleichtert. „Gut...ich warte auf dich...“, versprach Nico.

  • „Wer war das denn Felipe?“, wollte Assunta wissen. „Ein alter Freund….er….wollte nur wissen ob ich Zeit hätte…“, wich der Junge aus. „Nun gut…sag mal….wie siehst du die Sache mit Leon? Meinst du, seine Eltern werden ihn beim nächsten Mal wieder schlagen?“, harkte sie nachdenklich nach. Sie mochte diesen smarten Jungen, mit dem sich Felipe angefreundet hatte. „Die werden ihn irgendwann totschlagen….das sind Säufer, die ihre Wut an ihn auslassen, wenn sie kein Geld mehr haben für den Stoff. Leon sagte mir, dass er beim letzten Mal kein Geld geben wollte, deshalb haben sie ihn zusammen geschlagen. Er ist mein Freund….ich muss ihm doch helfen…“, kam anklagend von Felipe. „Natürlich…ich habe dich schließlich dazu erzogen. Ich werde Leon hier aufnehmen. Er kann bleiben solange er will. Und das werde ich ihm sagen. Außerdem werde ich zum Jugendamt gehen und versuchen, dass ich ihn in Pflege nehmen kann bis er volljährig ist. Was er danach macht, ist seine Sache…“, erklärte Assunta. Felipe strahlte und umarmte seine Mutter. „Du bist die beste Mama aller Zeiten.“, lachte er und küsste sie auf die Wange. „Danke mein Junge…ich tu nur meine Pflicht…“, beruhigte Assunta ihn. „Und nun gehen wir zu Leon und sagen es ihm…“, schlug sie vor. Gemeinsam gingen sie zu Leon der vor dem Fernseher saß. „Leon…hast du einen Augenblick Zeit?“, bat sie ihn. Leon sah sie entsetzt an. „Sie...ich…ich muss wieder nach Hause oder?“, fragte der Junge ängstlich. Assunta sah ihn an und dann zu Felipe. „Nein….ich werde morgen zum Jugendamt gehen und sagen, dass ich dich hier als Pflegekind aufnehme. Sie werden sicher nichts dagegen haben…“, gab Assunta bekannt. Leon sah sie mit großen, fragenden Augen an. „Aber...aber...aber...“, stammelte er. „Kein Aber...du wirst hier wohnen. Das Zimmer meines Bruders steht sowieso leer, seit dem er wieder in Madrid studiert.“, lächelte Felipe und schlug seinem Freund aufmunternd auf die Schulter. „Da...da...danke.“, kam leise und mit Freudentränen von Leon zurück.


    Semir bremste den Wagen ab und stieg mit der lädierten Gitarre aus. Nico stand schon in der Tür und erwartete ihn. „Hallo Semir...na, dann zeig mal das arme Ding her...“, begrüßte er den Freund und ging mit ihm nach hinten in seine Instrumentenwerkstatt durch. Nico besaß ein Musikfachgeschäft mit angeschlossener Restaurationswerkstatt und so konnte er Semir wahrscheinlich helfen. „Ich bin so froh, dass du mir helfen willst.“, meinte der Deutschtürke, als sich Nico die Gitarre mit einem Vergrößerungsglas ansah. „Kein Thema, ich hoffe nur, ich kriege das entsprechende Holz ran.“, entgegnete der Deutschitaliener, den Ben und Semir aus den Klauen seiner mafiaartigen Familie in Italien gerettet hatten. Langsam fuhr er mit den Fingern über die Kratzer und ertastete die Tiefe. „Oh man...das ist nicht gut...“, kam es dann von ihm. „Was ist? Ist sie nicht mehr zu reparieren?“ Semirs Worte flatterten vor Schock nur so aus seinem Mund heraus. „Das nicht...aber der komplette Deckel muss ersetzt werden. Mal sehen, ob...“ Nico griff zum Telefon und wählte mit flinken Fingern eine Nummer. „Salut Michel...Nico hier...du, ich brauche dringend deine Hilfe...hast du zufällig noch ein paar Platten Riegelahorn? Ja wirklich...Fein, du ich bringe dir gleich eine Gitarre vorbei...es ist die eines Freundes...du würdest mir einen großen Gefallen tun, wenn du sie wieder herstellen könntest.“, meinte Nico durchs Telefon. Semir hörte gespannt zu. „Sehr gut...ich bringe sie dir gleich vorbei...“, erklärte er und legte dann auf. „So Semir, wir beide fahren jetzt damit nach Leverkusen und dann wird das Baby hier wieder einwandfrei klingen.“, lächelte Nico nur. Semir war sichtlich erleichtert.


    Ben schmollte immer noch. Wütend lag er in seiner Hängematte und sah starr auf die in Dämmerung liegende Nacht hinaus. Er wusste gar nicht, wie lange er hier schon lag. Auch nicht, dass Semir seit geraumer Zeit verschwunden war. „Miau...“, hörte er plötzlich hinter sich. „Was willst du denn von mir?“, knurrte Ben, als er Felix sah. Dieser leckte sich nur über seine kleine Schnauze. „Ach, du willst was zu Fressen? Vergiss es, Katzen, die meine Gitarre als Kratzbaum benutzt haben, kriegen von mir keinen Bissen.“, stieß er aus und drehte sich wieder weg. Doch der Kater gab keine Ruhe, hüpfte sogar auf die Füße vom jungen Hauptkommissaren. „Verschwinde Felix, oder ich...“, knurrte Ben wieder, doch der Kater ließ sich nicht verscheuchen. Langsam drehte er sich auf den Rücken und schmiegte sein weiches Fell an Bens Hosenbeine immer entlang. Da musste Ben doch lachen. „Du willst dich entschuldigen, was?“, meinte er mit gereiztem Unterton. Wieder kam ein „Miau“ von dem Tier. Ben nahm die Katze hoch und blickte ihr tief in die Augen. „Wenn ich dir jetzt was zu essen gebe, wirst du dann meine Wohnung in Ruhe lassen, und besonders meine Gitarren?“, fragte er den Kater. „Miau...“, kam es fast zur Bestätigung. „Dann hol ich dir mal dein Fresschen.“ Ben stand auf, ließ den Kater auf seine Pfoten runter und ging dann mit ihm in die Küche. Felix schlich hinterher und hüpfte auf die Küchenzeile, als Ben die Büchse mit dem Katzenfutter öffnete und in den Fressnapf füllte. Gierig aß der Kater sofort, als der Futternapf auf dem Boden stand. „Weißt du, eigentlich müsste ich dich zu Katzenfutter verarbeiten...“, kam es dann von Ben. „Aber irgendwie...ich weiß nicht...wo ist eigentlich dein Herrchen?“, fragte Ben plötzlich, als er merkte, dass Semir nicht mehr in der Wohnung war. „Semir? Hey Partner, wo steckst du denn?“, rief er durch sämtliche Zimmer, doch nirgends war der Deutschtürke zu finden. Ben ging zum Fenster und sah auf den Parkplatz hinaus. Der BMW war auch weg. „So ein...“, stieß er aus und griff zum Handy, doch Semir meldete sich nicht. „Was soll das denn jetzt nur?“, knurrte er und wählte erneut. Doch wieder meldete sich nur die Mailbox. Dann hörte er etwas an der Tür kratzen.

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    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „Und du meinst, dein Kollege kriegt das wieder hin?“, fragte Semir skeptisch. Nico nickte. „Klar, Michel ist der Beste darin so was wieder hinzubiegen…das wird allerdings nicht ganz billig...“, gab er zu verstehen. Semir nickte enttäuscht. „Ich weiß….aber immerhin war es meine Katze. Was meinst du, wird er für die Reparatur nehmen?“, wollte Semir wissen und dachte im gleichen Augenblick wie er Andrea beibringen sollte, dass die nächste Zeit etwas anstrengend werden würde. „Nun…ich denke du wirst nicht unter einem Abendessen bei Andrea vorbei kommen…und zwar mir Michel…seine Frau und mich natürlich….Elena ist mit Mia gerade auf Schullandheimfahrt und ich bin allein...“, grinste Nico. „Ha…dann wird es aber ne Weile nicht werden…weil Andrea ist auch auf Reisen. Ihr Vater hat sich das Bein gebrochen und sie pflegt ihn, so lange ihre Mutter nicht da ist. Und das dauert noch zwei Wochen...aber den Preis zahle ich gern...“, stieß Semir erleichtert aus. Nico hielt seinen Wagen vor der Tür an. „So..hier wohnt er...“, meinte er nur. Semir sah sich das Haus an. „Whow...der hat richtig Geld was?“, grinste er. „Nun ja….der Handel mit Holz ist halt sehr lukrativ.“, lachte Nico. Gemeinsam mit Semir und Bens ramponierter Gitarre betrat er das Haus. „Hallo Michel….“, begrüßte Nico den älteren Mann. „Nico…..wie geht es dir...ach…das ist das Ding?“, wollte er wissen und nahm Semir die Gitarre aus der Hand. „Ja…sie gehört einem sehr guten Freund und das hier ist der Freund des Freundes. Seine Katze hat das Ding als Kratzbaum genutzt und nun ja…“, lächelte Nico. Michel nickte Semir zu. „Setzt euch schon mal hin und trinkt ein Glas Wein…“, lächelte er und verschwand im Hinterzimmer. Semir und Nico setzten sich hin. „Wein?“, fragte Nico. „Nein...ich muss fahren. Nico…ich weiß gar nicht wie ich dir danken soll…ich meine Felix hat sich nicht dabei gedacht…aber...Ben ist so wütend gewesen...“, erklärte Semir.


    Michel nahm die Gitarre vorsichtig auseinander. Er besah sich den Schaden und schüttelte den Kopf. Wie konnte man so eine Gitarre einfach am Boden stehen lassen, wenn man Katzen zu Besuch hatte? Es war doch bekannt, das diese Stubentiger alles nahmen, was sich eignete die Krallen zu schärfen. Na was soll es…eine Stunde und das Ding ist wie neu… Er schnitt ein Stück des Riegelahorns und passte es der Gitarre an. Etwas Leim aufgetragen und mit Hilfe von gepolsterten Schraubstöcken presste er die Seite wieder an die Gitarre. Ganze zehn Minuten dauerte die Prozedur. Dann legte er die Saiten wieder an ihre Stelle und brachte die Gitarre zu Semir und Nico. „So….hier ist das gute Stück und sagt eurem Freund, dass er sie nie in der Nähe einer Katze aufstellen sollte oder aber der Katze den Zugang verwehren…da hilft es manchmal wenn eine Tür verschlossen wird.“, grinste Michel. Nico stand auf. „So...und wie teuer ist das jetzt?“, wollte Semir erneut wissen. Michel sah zu Nico. „Nun….sagen wir es ist ein Freundschaftsdienst...“, kam von Michel. Semir sah ihn erstaunt an. „Kostenlos?“, harkte er nach. Michel lachte. „Ein Freundschaftsdienst ist immer kostenlos…“, klärte er den Deutschtürken auf. „Danke….das...ist wirklich klasse….“ strahlte der Hauptkommissar. „Ach So…Nico…die Gitarre muss gestimmt werden…dafür bist du der Fachmann…“, wandte sich Michel an Nico. „Das mach ich schon…danke für deine Hilfe…“, kam auch von ihm. Gemeinsam mit Semir verschwand er wieder. Bei Nico in der Werkstatt nahm er die Gitarre und stimmte sie. Semir hörte zu als er anschließend ein Teststück darauf spielte. „So….nun klingt sie wie neu. Aber das Essen ist gebongt...auch wenn Michel nichts dafür will oder?“, wollte er wissen. „Klar…das ist gebongt….ich werde Andrea darauf vorbereiten.“, lachte Semir erleichtert. Er nahm die Gitarre und fuhr wieder zu Ben. Im Auto sah er sein Handy und sah auf das Display. Vier Anrufe in Abwesenheit und immer wieder zeigte das Gerät die Nummer von Ben an. Semir grinste leicht. Scheinbar machte sein Partner sich Sorgen um ihn. „Nur keine Angst…wegen einer Gitarre tu ich mir sicher nichts an...“, lachte er und wählte Ben an. „Semir!? Wo steckst du denn?“, hörte er die erleichterte Stimme von Ben. „Ich bin gleich vor der Tür…öffne doch schon mal zwei Bier…“, grinste Semir. „Bier? Semir….ich will auf der Stelle wissen wo du bist...oder wo du warst...!“, forderte Ben auf.


    Peter stand mit den Zwillingen vor der Tür und versuchte den Schlüssel ins Schloss zu kriegen. „Verdammt...das ist doch der richtige Schlüssel...“, knurrte er und im nächsten Moment wurde die Tür aufgerissen. „Peter...!“, stieß Ben nur aus. „Hallo Schwager...hier hast du deine beiden Lieblinge...“, erklärte Peter und ging in die Wohnung hinein, stellte die beiden Tragewiegen auf das Sofa ab und lud noch die große Tasche mit dem Babyzeug ab. „So, ich denke, Julia hat alles eingepackt...Milch und Fläschchen...Windeln und Puder...ach ja, und ihr Einschlafmobile. Immer wichtig, häng es ihnen übers Bettchen und zieh einmal kurz an der Strippe. Sie schlafen dann sofort wie zwei Steine.“, erklärte der sichtlich geschaffte Vater. Ben lachte auf. „Ihr lasst eure Kinder durch ein Spielzeug einschläfern?“ „Ja, glaub mir, es hilft...du wirst noch sehen, was das für lebendige, kleine Teufel sind.“, entgegnete Peter liebevoll und strich seinen beiden Zwillingen über die Wangen. Diese sahen sich mit großen Augen um und grabbelten mit ihren Fingern in die Luft. „So, dann will ich mal wieder...wir holen die beiden am Sonntag dann ab.“, erklärte Peter dann und reichte seinem Schwager die Hand. „Alles klar...ich kümmere mich schon um die Beiden...macht euch keine Sorgen.“, grinste Ben nur. Peter ging und öffnete die Tür. „Hallo Semir...“, begrüßte er den ankommenden Deutschtürken, ehe er verschwand. „Hey Peter...“ Semir durchschritt die offene Haustür und sah Ben, wie er über das Sofa gebeugt war. „Ben, alles in Ordnung?“, fragte er.


    Ben reagierte nicht. Seine Augen hingen an seinen beiden, kleinen Neffen. Alles um ihn herum war nun nebensächlich geworden. „Ben?“, hörte er dann doch und sofort drehte er sich um. „Semir...Komm, guck dir das mal an.“, lächelte er freudig und drehte sich wieder um. Da Semir nun einmal neugierig ohne Ende war, ging er zu seinem Partner und blickte dann auf die beiden Zwillinge. „Hey, die sind ja schon da...“, grinste Semir nur. „Ich dachte, du solltest sie erst am Freitag kriegen...“ „Semir, heute ist Freitag...“, lächelte Ben nur und sah dann, was Semir da in der Hand hielt. „Was hast du denn mit meiner Gitarre gemacht?“, fragte er erstaunt. „Tja, ich war bei Nico und dann bei einem Freund von ihm...der hat die Gitarre repariert und Nico hat sie gestimmt...jetzt ist sie wieder wie neu.“, grinste Semir und reichte das Instrument an Ben weiter. Mit strahlenden Augen und vorsichtig nahm er seine erste Gitarre entgegen und musste gleich ausprobieren, ob sie auch stimmte. Die kurzen Akkorde schienen wiederum die Aufmerksamkeit von Markus und Mathias zu erregen, denn sofort waren die Beiden ganz still und sahen Ben mit großen Augen an. „Guck mal, die reagieren darauf...“, lachte der Onkel und zupfte ein wenig weiter. Die Babys brabbelten etwas und glucksten dann freudig. „Das gefällt ihnen.“, stieß Semir aus. „Komm, wir füttern die beiden erstmal und dann machen wir uns was zu essen. Übrigens danke...damit hätte ich wirklich nicht gerechnet.“, freute sich Ben. „Kein Thema...mein Kater hat sie ja kaputt gemacht. Aber du solltest sie auch nicht so auf dem Boden stehen lassen...sagte mir der Restaurateur.“ „Ja, das weiß ich jetzt auch.“, lachte Ben nur.

  • Assunta ging am nächsten Tag gleich aufs Jugendamt und schilderte dem zuständigen Beamten den Vorfall. „Hören sie...der arme Junge wird von denen täglich geschlagen, wenn die Eltern wieder alkoholisiert sind. Das...das kann ich doch nicht mit ansehen.“, erklärte sie dem Mann hinter dem Schreibtisch. Jörg Löbel lehnte sich kurz vor. „Ich weiß ja, dass sie es nur gut meinen, Frau Zapatero. Ich gedenke ihrem Antrag statt zu geben...allerdings müssen sie sich im Klaren sein, dass die Eltern jederzeit das Sorgerecht zurückfordern können. Es ist jetzt am Gericht, ihren Antrag und die Umstände zu prüfen. Aber ich sehe da kein Problem. Wenn der Junge, wie sie sagten, misshandelt wurde, dann werden die Richter schnell urteilen. Es bleibt nur noch die Frage zu klären, wie es um ihre finanzielle Lage bestellt ist. Sie gehen doch arbeiten, oder?“, wollte Löbel wissen. „Si, halbtags in einer Anwaltskanzlei als Sekretärin. Mein Mann ist Berufskraftfahrer. Wir haben nicht viel Geld, aber für zwei Kinder und meinen Mann und mich hat es immer gereicht.“, erklärte sie stolz. „Sie sagen es selbst…zwei Kinder….wenn jetzt noch ein drittes dazu kommt, dann könnte es arg eng werden…“, gab Löbel zu verstehen. „Nein…das ist nicht arg…mein Ältester studiert in Madrid…er ist gar nicht bei uns...mit zwei Kinder meinte ich das ich mit Leon nun zwei Kinder habe…der Junge tut mir so leid…bitte….lassen Sie ihn bei mir wohnen.“, bat Assunta erneut. Löbel nickte. „Erst einmal bleibt der Junge bei Ihnen. Ich kenne seine Eltern und ich weiß, was dort abgeht…aber es ist nicht einfach einen 17jährigen in eine Pflegefamilie zu bekommen…Sie sind die erste, die es wagen will.“, lobte Löbel.


    Ben stellte seine Gitarre neben dem Sofa und ging mit Semir in die Küche. Den Zwillingen gefiel es gar nicht allein zu bleiben und sie fingen an zu weinen. Sofort kam Ben angerannt… „Hey…was ist denn?“, versuchte er heraus zu finden. „Die wollen nicht allein sein.“, grinste Semir. „Woher willst du das denn wissen? Kannst du babysch oder was?“, knurrte Ben. „Ben…ich bin Vater von zwei Mädchen…und da musst du keine Fremdsprache können…Das sind Vatergefühle...und da du sie nicht hast, kannst du auch nicht wissen, was die Beiden brauchen…pass auf…ich erkläre es dir mal.“, fing Semir an. Ben lachte auf. „Nimm lieber den kleinen Markus und stell ihn mit seiner Wippe auf den Tisch in der Küche. Ich nehme mir Mathias.“, befahl er. „Ja wohl…wenn du nichts von einem Rat wissen willst, ist ja gut…“, knurrte Semir. Gemeinsam mit den Kindern ging es in die Küche. Die Zwillinge waren sofort wieder ruhig, als sie merkten, dass sie nicht allein waren. Ben bereitete die Flaschen zu, während Semir sich mit den Kindern beschäftigte. „Ein Junge…das wäre es…mir fehlt eindeutig noch ein Junge…“, gab er plötzlich von sich. Ben sah ihn an. „Noch eins? Du hast doch jetzt schon Ayda und Layla…warum denn noch ein Junge?“, harkte er nach. „Weil ein Junge was ganz Besonderes ist…es ist ein Teil von dir…und…“, erklärte Semir. „Semir…die Mädchen sind doch auch ein Teil von dir…magst du sie denn nicht?“, wollte Ben wissen. „Doch, natürlich mag ich sie…wie kannst du sowas von mir denken? Ich würde für meine beiden Prinzessinnen alles tun….“, empörte Semir sich sofort.


    Löbel bestellte am nächsten Morgen die Eltern von Leon zu sich ins Büro. Sie kamen tatsächlich. Ordentlich angezogen und keine Fahne. „Was soll das heißen, unser Sohn wird in eine Pflegefamilie gesteckt? Wir tun alles für unser Kind!“, brüllte Wolfgang ihn an. „Herr Wagner….Sie und ich wissen, dass es nicht so ist. Für Leon ist es besser, wenn er von Ihnen getrennt ist. Mir liegen Berichte vor, dass Sie und auch Ihre Frau auf den Jungen einschlagen und dass er sogar schon mit gebrochener Nase in ein Krankenhaus gebracht wurde. Das ist Kindesmisshandlung und wir müssen darauf reagieren.“, erklärte Löbel den Eltern. „Aber das ist doch nicht möglich! Wir tun alles für Leon…und wie dankt er es uns? Er zeigt uns an…so etwas haben wir nicht verdient….“, klagte Marion, Leons Mutter. Löbel schüttelte den Kopf. „Uns liegen mehrfach Berichte vor, dass Sie Beide den Jungen schlagen...und deshalb wird Leon in der Pflegefamilie bleiben.“, gab Löbel bekannt. „Wo ist er? Welche Familie will sich an meinem Sohn bereichern?!“, schrie Wolfgang. Er griff in seine Tasche und zog einen Flachmann raus. Er nahm einen großen Schluck aus der Flasche. Marion stieß ihn an und blickte auf Löbel. „Wir tun unserem Jungen wirklich nichts….das müssen Sie uns glauben. Wir lieben ihn doch…“, weinte sie leise. „Tut mir Leid…ich entscheide zum Wohl des Kindes. Und das ist bei Ihnen in großer Gefahr…“, entschied Löbel. Wolfgang sah ihn wütend an. „Das werden wir noch sehen…Ich werde mir jetzt einen Termin bei Ihrem Vorgesetzten einholen…er wird bei mir sein! Er gehört mir! Komm Marion…wir gehen!“, befahl er seiner Frau und verließ das Büro. Löbel machte sich Notizen über den Besuch. Ein Gericht und auch sein Vorgesetzter werden ihm Recht geben, dass er richtig gehandelt hatte.

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    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Leon sah Assunta an, als sie ins Haus kam. Ein ernster Gesichtsausdruck blickte ihn an. „Was hat der Mann gesagt?“, wollte er wissen und drehte nervös seine Finger ineinander. „Was meinst du?“, fragte Assunta nach. „Muss ich wieder nach Hause?“, kam die ängstliche Frage. „Nein…du darfst bei uns bleiben…“, strahlte Assunta. Leon fiel ihr um den Hals und weinte. „Hey… schon gut, mein Junge….schon gut… jetzt werden wir erst einmal für dich neue Sachen kaufen…. Deine Alten sind alle bei den Eltern und da kannst du schlecht hin…komm…lass uns einfach fahren.“, schlug sie vor. Leon wischte sich seine Tränen weg. Felipe lächelte, als seine Mutter ihm die neue Nachricht erzählte. „Das ist ja klasse...dann hab ich also einen neuen Bruder...“, grinste er und ging dann mit den beiden einkaufen. „Wie gefällt dir das? Oder das hier?“, wollte Assunta wissen und reichte Leon immer mehr Sachen rüber. Dieser staunte nur und zog sich damit in die Umkleidekabine zurück. Die Sachen passten und schon war alles bezahlt. „Danke...ich danke ihnen so sehr...“, stieß Leon aus und küsste seine neue Mama auf die Wange. „Das hab ich gerne gemacht...“, lächelte Assunta und knuddelte den Jungen an sich. Felipe war stolz auf die Entscheidung seiner Mama. Leon war für ihn mehr als ein Freund und endlich war er aus dieser Hölle raus. Jetzt begann für ihn ein neues Leben und wenn Karsten wieder zurück war, dann würden sie nur so in Geld schwimmen.


    Ben und Semir gaben Markus und Mathias die Flasche. Still und friedlich nuckelten die Zwillinge an ihren Flaschen. „So, und was kommt nun?“, wollte Ben wissen. „Jetzt...jetzt müssen die ein Bäuerchen machen...dafür solltest du dir vielleicht ein Handtuch über die Schulter legen.“, meinte Semir grinsend und nahm Markus auf die Schulter und klopfte ihm vorsichtig auf den Rücken. „Ach quatsch...“, kam es nur von Ben, tat es seinem Mitbewohner gleich und klopfte Mathias auf den Rücken. Sofort war ein „Burp“ zu hören und Ben spürte, wie sein Rücken etwas nass wurde. „Ähhh...der Kleine hat mir auf die Schulter gereihert.“, kam es angeekelt von Ben. Semir lachte auf. „Deshalb solltest du dir ja auch was unterlegen.“, grinste er nur. Wenige Minuten später waren die Knirpse eingeschlafen und Ben hatte sich umgezogen. „So, dann wollen wir mal kochen...“, grinste er nur und sah in seinen Kühlschrank. „Oh ha...“, kam es nur von Ben. „Was ist? Hast du denn nix im Kühlschrank?“, fragte Semir. „Sieht so aus...“ „Oh man...wieso hast du denn nix im Kühlschrank? Ich meine, du musst doch was essen...“ „Semir...wir kriegen schon was zu essen. Notfalls bestellen wir uns was oder gehen essen.“, meinte Ben nur lässig und ließ den Kühlschrank wieder zu fallen. „Wir können nichts essen gehen...wir haben die Kinder hier. Wer soll denn sonst auf sie aufpassen? Felix etwa?“, grinste Semir nur. „Na gut, dann bestellen wir was. Ich zahle auch...“, lächelte Ben und wählte schon die entsprechende Nummer im Telefon.


    Das Wochenende war schnell vorbei und die nächsten zwei Wochen passierte nichts, was die Kommissare weiterbrachte. „Man, wir kommen einfach nicht weiter...und dieser Thalheim schweigt eisern.“, knurrte Ben, als sie die Akten noch einmal durch gegangen waren. „Ich weiß...vielleicht sollten wir uns noch einmal die Kartbahnen vornehmen und vor allem nach Mitarbeitern Ausschau halten, die ein Tattoo am Hals haben.“, erklärte Semir. Ben nickte und schon wenige Minuten später waren sie auf dem Weg. Mirko und Leon waren gerade dabei, die Karts zu reinigen, als der BMW auf dem Schotter zum Stehen kam. „Sieh mal einer an...die schon wieder...“, meinte er nur und sah Leon an. Dieser nickte nur kurz. „Hallo Gerkhan und Jäger von der Kripo Autobahn...wir hätten gerne mit euch noch mal über die Karts gesprochen.“, erklärte der kleine Hauptkommissar. „Muss das sein, wir haben viel zu tun und unser Chef sieht es gar nicht gerne, wenn wir uns von der Arbeit abhalten lassen.“, knurrte Leon nur und sah, wie Ben ihn musterte. „Hat einer von euch vielleicht ein Tattoo am Hals...so ein Spinnending...“, wollte der junge Hauptkommissar wissen und sah zwischen den beiden Mechanikern hin und her. „Ach sie meinem, so ein Spinnennetz?“, stieß Leon aus und das so laut, dass sein Kumpel Felipe in der Garage das hören konnte.


    „Und bei wem haben Sie diese Tätowierung gesehen?“, wollte Ben wissen. „Das war vor ein paar Jahren...ein Freund eines Freundes….ich glaub, der hieß Stefan oder so… der hatte eine Tätowierung…..so ein Spinnennetz…“, gab Leon von sich. „Das ist nicht zufällig Stefan Thalheim oder?“, harkte Ben nach. „Ja…genau…Stefan Thalheim…“, bestätigte Leon. Ben stöhnte. „Danke, den haben wir schon befragt. Der kann aber kein Überfall begangen haben, weil er einsitzt….also noch jemanden?“, harkte Semir nun nach. Leon zuckte mit den Schultern. „Nein...sonst kenne ich keinen.“, kam von Leon. „Und die anderen Herren hier?“, harkte Ben nach und sah in die Runde. „Nein…“, kam wie im Chor. Semir und Ben fuhren ohne ein Ergebnis ab. Felipe kam aus seinem Versteck. „Danke Mann.. fast wäre ich aufgeflogen.“, stieß er aus. „Das ist richtig… und das kann ich nicht zulassen...“, kam plötzlich von Karsten. „Hey….sind die zwei Wochen tatsächlich vorbei?“, fragte Leon. „Ja….leider…der Urlaub war richtig gut… was habt ihr in der Zeit so angestellt?“, wollte Karsten wissen und begrüßte jeden seiner Freunde mit einem Handschlag. „Nicht viel...ich wohne jetzt bei Felipe…meine Alten haben sich mal wieder an mir ausgetobt...und wenn Felipe und Mirko nicht gekommen wären, würde ich nicht mehr hier sitzen.“, kam leise von Leon. Karsten sah ihn betroffen an. „Ich könnte deine Alten beseitigen…dann bist du für immer frei…“, schlug er vor. Leon sah ihn erschrocken an. „Nein…das sind doch meine Eltern…ich meine…es geht nicht...ich…ich….“, fing er an. „Was...? Liebst du sie? Die schlagen dich zu Brei und du liebst sie trotzdem?“, lachte Karsten. „Lass ihn! Und lass seine Alten in Ruhe. Das Gericht wird klären, wo er bis zu seinem 18 Lebensjahr leben wird. Meine Eltern haben alles in die Wege geleitet...“, mischte sich Felipe ein. „Felipe…du bist aufgefallen. Dein Tattoo kann alles verraten. Du wirst dir das Ding wegmachen lassen!“, befahl Karsten. „Ja sicher…weißt du was das kostet?“, stöhnte Felipe. „Das ist kein Problem…hier...zweihundert als Vorschuss und nun such dir einen, der dir das Ding professionell entfernt.“, befahl Karsten. Felipe nahm das Geld und verschwand.

  • „Die Jungs halten zusammen. Ich wette 100 Euro, dass die hinter den Überfällen stecken…“, stieß Ben aus. „Ja, aber das müssen wir erst einmal beweisen. Und bisher haben wir nichts in der Hand. Wie willst du das denn anstellen? Die überfallen grundsätzlich Banken, die nicht videoüberwacht sind und wo große Geldbeträge zu bekommen sind, bzw. …ja sicher.. warum sind wir nicht direkt darauf gekommen… das waren doch immer wieder Transporter von V&V…. also muss ein Insider dahinter stecken. Lass und die Firma doch mal aufsuchen...“, schlug Semir vor. „Gut…wenn wir da was finden, dann fresse ich einen Besen.“, stieß Ben aus. „Dann schon mal guten Appetit….“, lachte Semir. Ben lenkte den Wagen in Richtung Köln, wo die Firma V&V ihren Sitz hatte. „Überleg doch mal….immer wird ein Wagen dieser Firma überfallen. Oder aber, die überfallene Bank wurde durch die V&V beliefert. Also wäre da ein Bindeglied drin…und da sollten wir doch mal in Erfahrung bringen, wer von diesen Lieferungen wusste.“, schlug Semir vor. Ben konnte dem nicht widersprechen. Denn hier musste er Semir Recht geben. „Guten Tag…Semir Gerkan…das ist mein Kollege Ben Jäger… wir würden gern den Inhaber der Firma sprechen.“, bat Semir freundlich. „Ich werde nachhören, ob Herr Kaiser Zeit für Sie hat.“, lächelte die Sekretärin. Nur wenig später ließ sich Herr Thomas Kaiser herab, die Beiden zu empfangen. „Was kann ich für Sie tun?“, wollte der Mann wissen. „Gerkan..Kripo Autobahn…Herr Kaiser..wir haben derzeit einige Überfälle aufzuklären.“, erläuterte Semir. „Ja, und was hat das mit mir und der Firma zu tun?“, harkte Kaiser nach. „Nun…die Banken die überfallen wurden bekamen an diesen Tagen immer Geld von Ihnen. Ich denke, es liegt Ihnen doch auch daran, wer die Schuld trägt, dass einer Ihrer Fahrer im Krankenhaus liegt oder?“, wollte Ben wissen. „Ja selbstverständlich. Dieser Vorfall hat mich regelrecht in Misskredit gebracht. Viele Kunden sind abgesprungen. Dennoch verstehe ich nicht, dass Sie hier ermitteln wollen.“, kam von Kaiser. „Nun…es ist einfach…. Einer Ihrer Mitarbeiter scheint mit den Räubern gemeinsame Sache zu machen. Denn woher sonst sollten sie wissen, das große Beute zu machen ist?“, wollte Semir wissen.


    „Das...das kann ich nicht glauben, aber bitte...ich helfe, wo ich kann.“, erklärte er und ging dann zu den Aktenschränken. „Sicher wollen sie die Akten meiner Mitarbeiter haben, oder?“, wollte Kaiser wissen. „Das wäre ganz nett...“, meinte Semir nur und grinste kurz. Ben sah sich um. „Wie viele Mitarbeiter beschäftigen sie hier denn?“, fragte der junge Hauptkommissar. „So um die 48 Fahrer und 14 im Betrieb beschäftigte Mitarbeiter. Diese koordinieren die Routen und informieren die Banken oder Tankstellen.“, erklärte der Betriebsinhaber. „Das wäre meine nächste Frage gewesen...wer hat denn konkret mit den Touren zu tun und weiß über die Geldbeträge bescheid?“, wollte Ben wissen und richtete den Blick direkt auf den Inhaber. „Nun, das sind bei uns nur drei Leute...“, erklärte Thomas Kaiser. „Und wer, bitte?“ „Zum einen ich, weil ich die Pläne abzeichne...dann Frau Krüger, meine Sekretärin und Herr Thalheim...“, erklärte Thomas Kaiser. „Herr Thalheim? Stefan Thalheim?“, fragte Semir erstaunt. „Nein, Dennis Thalheim...das ist, wenn ich richtig informiert bin, der Bruder...“, erklärte Kaiser. „Wo finden wir denn den Herren?“, fragte Semir nur. „Heute hat er seinen freien Tag, aber morgen ist er wieder zu sprechen.“, erklärte Thomas Kaiser nur. „Geben sie uns bitte die Privatadresse...“, bat Ben und der Mann händigte sie den Kommissaren mit der Mitarbeiterliste aus. „Danke...wir haben sicherlich noch ein paar Fragen. Sie sollten also in den nächsten Tagen immer wieder mit uns rechnen.“, grinste Ben und ging dann mit Semir zurück zum Wagen. „Na dann wollen wir mal...Glockengasse 32 in Köln-Lindenthal.“, gab Ben nur an. Semir startete den Wagen und fuhr los.


    Dennis Thalheim schraubte an seiner Maschine herum. „Verdammtes Teil...jetzt erzähl mir mal, was mit dir los ist?“, forderte Dennis und schraubte mit einem 6er an der Bremsleitung herum. „So, da ist ja der Fehler...dann kann ich dich ja morgen wieder zur Arbeit mitnehmen.“, lächelte er und klopfte dann, als er fertig war, auf den Benzintank. „Sind sie Herr Thalheim?“, wollte plötzlich eine Stimme hinter ihm wissen. Dennis fuhr auf. „Ja...und wer sind sie?“, entgegnete er und wischte sich das fettige Öl von der Hand. „Kripo Autobahn...mein Name ist Gerkhan, mein Kollege Jäger...“, erklärte der kleine Mann zu dem die Stimme gehörte. „Was kann ich für sie tun?“, fragte Dennis und fing dann an, zu grinsen. „Geht es etwa um meinen Bruder? Ist er aus den Knast ausgebrochen?“, lachte er nur. „Auch...aber vorerst geht es uns um etwas anderes. Können wir das bitte drinnen besprechen?“, bat Ben nur und alle drei gingen dann ins Haus. „Bitte setzen sie sich. Kann ich ihnen etwas anbieten? Einen Tee, Wasser oder Tomatensaft?“, fragte der Mann nur. „Nein danke...Herr Thalheim, es geht um einige Überfälle, die auf Transporter ihrer Firma oder Tankstellen und Banken, die von ihren Transportern zuerst beliefert wurden, verübt wurden. Immer wussten die Täter über Summe und Ankunft der Transporter bescheid.“, erklärte Semir. „Ach, und da denken sie, ich als ein Bruder von einem Knacki, habe etwas mit den Überfällen zu tun?“, meinte der Mann und goss sich ein Glas Tomatensaft ein. „So ist es...“, grinste Ben nur zurück. „Wenn sie glauben, dass ich wegen meinen Bruder zu einem Verbrecher werde, dann haben sie sich aber geschnitten.“, knurrte er. „Aber irgendwie müssen die Täter ja an die Informationen gekommen sein.“, kam es nur von Semir.

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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Felipe ging zu einem Spezialisten, der keine Fragen stellte. Ein alter Jugendfreund seiner Mama war Schönheitschirurg und half gerne. „Felipe, was führt dich zu mir?“, wollte der Mann wissen. „Paul, ich brauche deine Hilfe...meine Freundin will, dass ich mir das hier wegmachen lasse. Und ich will sie nicht enttäuschen. Kannst du mir da helfen?“, fragte der Deutschspanier nur. „Klar...dann zeig doch mal her...“, lächelte Dr. Paul Hecht. Felipe machte den Hals frei und der Mediziner sah es sich an. „Hmm, das stellt kein Problem dar. Sollen wir gleich oder willst du noch warten?“ „Nein, mach es sofort weg. Wird es sehr schmerzhaft?“, fragte Felipe etwas wehleidig. Der Mediziner lachte auf. „Eine kleine Narbe wird bleiben...aber du wirst nichts merken. Keine Sorge...dann leg dich doch mal hin.“, grinste der Chirurg und machte alles bereit. Felipe legte sich auf die unbequeme Pritsche. „So…ich gebe dir eine örtliche Betäubung, dann wirst du nichts spüren.“, lächelte Dr. Hecht. „Danke….wie lange wird das dauern?“, wollte Felipe noch wissen. „Nun….bei dieser Arbeit…knappe fünfzehn Minuten.“, war die Antwort. Felipe nickte. Er spürte den kleinen Einstich der Betäubung und fühlte sich langsam davon reisen. Das Letzte, was er hörte war, das Sirren einer Maschine. Dr. Paul Hecht war dafür bekannt, stets gute Arbeit zu leisten. Er ließ den Laser langsam über die Stelle gleiten, wo das Spinnennetz war. Die ersten Tage würde Felipe einen roten Hals haben und ihn eincremen müssen, aber das war sicher das kleinere Übel. Wie konnte der Junge nur mit so einer hässlichen Tätowierung rumlaufen?


    Fünfzehn Minuten später war Felipe fertig. Er betrachtete das Ergebnis im Spiegel. „Die Rötung wird in zwei Tagen verschwunden sein. Es wird etwas jucken, aber du darfst nicht kratzen. Hier diese Creme trägst du morgens und abends auf. Übermorgen kommst du noch mal zu mir und dann sehe ich es mir noch einmal an.“, lächelte Paul. „Danke…was bekommst du dafür?“, kam nun die Frage die Felipe am Meisten beschäftigte. „150 Euro….damit sind alle Kosten abgedeckt..und grüß mir die Mama...“, lachte Paul. „Danke….werde ich tun...“, nickte Felipe. Er fuhr nach Hause wo Leon bereits auf ihn wartete. „Mensch Felipe…wo warst du denn?“, stieß er aus. „Ich habe Karstens Befehl ausgeführt. Kein Tattoo mehr...“, grinste Felipe und zeigte seinen roten Hals. „Whow….das hast du echt getan? Du hast doch gesagt, dass es ein Zeichen von Verbundenheit ist…?“, kam erstaunt von Leon. „Leon…die Verbundenheit ist vorbei… ich gehörte nicht mehr zu diesem Kindergarten. Ich bin erwachsen…und du auch...“, lachte Felipe. Assunta kam zu den Beiden. „Leon..ich habe Post vom Jugendamt…“, gab sie bekannt. „Ja und? Was steht darin?“, wollte Leon neugierig wissen. „Warte...ich lese ihn dir vor… * Sehr geehrte Frau Zapatero….mit diesem Schreiben teile ich Ihnen mit, dass wir Ihren Antrag Leon Wagner in Ihre Obhut zu nehmen, zustimmen. Sie haben ab sofort das alleinige Sorgerecht für den Jungen und wünschen Ihnen viel Erfolg. Zu Ihrem Engagement, welches Sie an den Tag gelegt haben, kann man Ihnen nur gratulieren. Wenn mehr Menschen sich für das soziale Umfeld von Kindern befassen würden dann gäbe es weniger Elend und Leid für viele Kinder. Mit freundlichen Grüßen….. Manfred Löbel, Jugendamt der Stadt Köln*…“, las Assunta vor. Leon sah zu Felipe. „Ja…ja…endlich...mein Leben wird endlich lebenswert…“, strahlte der Junge und fiel Assunta erneut in die Arme. „Danke Mama…Danke...“, stieß er aus. Doch gleichzeitig zuckte er zurück. „Frau Zapatero...meine ich…“, entschuldigte er sich sofort. Assunta lachte nur. „Du kannst mich auch Mama nennen wenn du willst. Du bist schließlich mein Sohn…Leon…“, kam von ihr.


    „Nun das ist zwar dumm, dass die Täter informiert sind, aber sicher nicht durch mich. Ich habe mir bisher nie etwas zu Schulden kommen lassen. Also suchen Sie den Schuldigen wo anders!“, fauchte Dennis Thalheim Ben an. „Herr Thalheim…nehmen Sie es uns bitte nicht krumm, aber wir machen nur unseren Job.“, entschuldigte Semir sich. „Ja sicher…schon gut...aber Sie glauben nicht, wie oft die Polizei hier bei mir war. Mein Bruder sitzt im Knast, weil er einen Fehler gemacht hat. Und er wurde zu Recht verurteilt. Und er hat es sicher auch eingesehen, dass er den falschen Weg eingeschlagen hat. Aber ich…ich bin nicht mein Bruder und ich werde auch nie so wie er werden. Ich will was aus meinem Leben machen…verstehen Sie das?“, harkte Dennis nach. „Ja sicher…sagen Sie…Ihr Bruder gehörte doch damals zu dieser Bande wo sich jedes Mitglied ein Tattoo machen ließ. Eine Spinne oder ein Spinnennetz….Ihr Bruder trägt so eins. Kennen Sie die anderen Mitglieder?“, wollte Semir wissen. Dennis dachte kurz nach. „Nein…ich kenne keine Freunde von Stefan. Ich habe meinen eigenen Freundeskreis und da gehörten keine Verbrecher rein.“, verneinte er. Semir und Ben erhoben sich. „Okay… danke… Sollten Sie in der Firma mitbekommen, dass einer Informationen weiter gibt, würden Sie sich dann bei uns melden?“ bat Semir. Dennis nahm seine Karte. „Ja sicher….mach ich...“, lächelte Dennis. Die Beiden Kommissare verschwanden.

  • Karsten verzog sich, nach seiner Arbeit in einen hinteren Teil der Werkstatt. Immer wieder blickte er sich um und sah dann auf sein Handy. Mit flinken Fingern war die ihm bekannte Nummer eingetippt. „Hey, ich bin es...wie sieht es aus?“, wollte er wissen. Wieder durchsuchten seine Augen den abgedunkelten Raum. „Ich habe noch keine Informationen über den nächsten Transport.“, kam es mit heiserer Stimme aus dem Telefon am anderen Ende zurück. „Alle Transporte wurden bis auf weiteres gestoppt.“ „Aber wir brauchen das Geld verdammt...“ „Jetzt hör mal zu...ohne meine Hilfe währt ihr gar nicht an diese großen Summen gekommen. Also hör auf, so gierig zu sein. Im Moment ist es zu heiß...die Polizei war schon hier und hat die Akten der Mitarbeiter mitgenommen. Also haltet fürs Erste die Füße still.“, knurrte der Jemand am anderen Ende und legte dann auf. „Karsten, wo steckst du wieder?“, hörte der Junge im nächsten Moment Ulrich Feigel rufen. „Hier...hier Chef...“, erwiderte er und kam hinter einem Stapel Reifen hervor. „Was machst du hier? Du sollst doch die Karts auftanken...los an die Arbeit, du nichtsnutziger Bengel oder ich verpasse dir einen Satz heiße Ohren mit meiner Zigarre...“, fauchte er und holte schon aus. Karsten rannte an ihm vorbei und begab sich zur Auftankstation. Dieses dicke Nilpferd mussten sie irgendwie los werden, aber wie? Noch brauchten sie ihn und seine Karts, besonders seine Karts. Mit ihnen verübten sie schließlich die Überfälle. Nachdem er damit fertig war, fuhr er nach Hause, duschte und packte sich in sein Bett. Vollkommen fertig schlief er alsbald ein.


    „Wir müssen endlich weiter kommen. Verdammt, es kann doch nicht sein, dass wir nichts haben.“, fauchte Semir nur und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. Ben stimmte nur zu. „Wir müssten wissen, wo sie den nächsten Überfall planen und dann könnten wir uns auf die Lauer legen. Vielleicht erwischen wir einen von ihnen.“, schlug er vor. Semir lachte kurz auf. „Dazu müssten wir hellsehen können, du Schlauberger...“, knurrte er. „Nicht unbedingt...überleg doch mal, wir müssen doch nur herausfinden, welche der Banken oder Tankstellen, die von V&V beliefert werden, über keine Videokamera verfügen und dann noch günstig an der Autobahn liegen. Dann haben wir eigentlich schon das nächste Ziel.“, erklärte Ben nur. Semir legte den Kopf leicht zur Seite. „Ein Versuch ist es wert...also machen wir uns gleich an die Arbeit.“ Und so wurde bis in die späte Nacht gearbeitet, mit Erfolg. „Semir, ich glaube, ich hab da was...das könnte es sein.“, stieß Ben aus. Sofort kam Semir herum und sah auf Bens Ablage. „Hier, die Bank am Jeversplatz...sie liegt günstig an der Stadtautobahn, wird von V&V beliefert und ist gerade erst eröffnet worden. Das heißt, sie verfügen noch über kein Alarm- und Sicherheitssystem.“, erklärte er. Semir nickte und klopfte ihm auf die Schulter. „Fein gemacht...dann werden wir uns morgen gleich einen Plan überlegen. Aber jetzt erstmal nach Hause...sicher hat Felix schon Hunger und du weißt ja, wie empfindlich er ist, wenn er nicht pünktlich sein Fresschen kriegt.“, grinste Semir nur. Und wie Ben das wusste.


    Der nächste Tag brachte Regen, Regen und noch mehr Regen. In der Männer-WG erwachte langsam das Leben in Form eines umherstreunenden Katers. Ohne einen Laut von sich zu geben, flogen seine Samtpfoten über das Parkett und sein Kopf lugte durch die geöffnete Schlafzimmertür hinein. Im Bett, unter der großen, weißen Decke, hob und sank sich ein Körper. Das linke Bein hing nackt aus dem Bett und die linke Hand baumelte in der Luft. Felix schlich langsam an das große Stück Fleisch heran, was da am Ende herunterbaumelte und strich mit seinem Schwanz daran entlang. Der Fuß zuckte weg, war aber im nächsten Moment wieder unten. Felix ging ganz dicht heran und erkundete das Ding mit seiner Nase. Doch es roch nicht besonders. Angewidert zog er sich zurück und schlich um das Bett herum. Mit einem Satz war er hochgesprungen und durchstreifte die große, weiße Welt, die sich ihm da bot. Plötzlich erblickt er ein Gesicht mit ganz vielen Haaren darin. Neugierig ging er mit seinem Kopf dichter und dichter heran. Was war das für ein komisches Ding, was dort mitten aus den Haaren herausblickte? Spitz und irgendwie lecker…Felix fing an das Ding mit der Zunge zu bearbeiten. „Nein…lass das…Ilona….geh…lass mich schlafen...“, murmelte der Besitzer des Dinges, doch Felix ließ sich nicht davon beirren. Erneut ging er mit seiner Zunge an der Nase von Ben entlang. „Lass das…!“, fauchte dieser wieder und schlug die Augen auf. „Aaaaaaaaaaahhhhhhhhhhh Felix!! Hau ab!!“, schrie dieser plötzlich auf, als er sah, wer ihn da liebkoste. Felix erschrak und sprang vom Bett. „Miau…“, machte er. „Ja du mich auch...ich will schlafen…verdammt noch mal…“, stieß Ben aus. Die Uhr zeigte fünf in der Früh. „Kannst du nicht mal länger schlafen…geh dein Herrchen wecken.“, stöhnte Ben. Er drehte sich um und rollte sich in die Decke ein. Felix verließ das Zimmer. Schnell sprang Ben aus dem Bett und verschloss seine Tür. „So du Quälgeist…..jetzt kann ich noch eineinhalb Stunden schlafen…“, knurrte er zufrieden und schlüpfte wieder ins Bett.

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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Für Leon fing der Tag um sechs an. Er musste zur Schule. Jetzt wo er Ruhe in der Nacht bekam, konnte er sich auch wieder auf den Unterricht konzentrieren. Sein Lehrer sah ihn etwas fragwürdig an. „Bist du sicher, dass du heute hier sein willst?“, harkte dieser Mann nach. Er sah Leon prüfend an. „Du siehst gut aus…konntest du dich in deiner Pflegefamilie gut erholen?“, fragte er nach. „Ja danke Herr Habicht….ich bin sehr glücklich dort. Woher wissen Sie das?“, wollte Leon wissen. „Ich bin ein Freund von Manfred Löbel…. Er hat mich gefragt, als deine Pflegemutter ihren Antrag gestellt hat. Leon…ich habe die blauen Flecke, die du hattest, stets bemerkt und auch an das Jugendamt weitergeleitet. Ich weiß…dass du durch diese Behandlung sicher keine Lust hattest in die Schule zu kommen und du hast eine Menge Stoff nach zu holen… ich helfe dir. Dann schaffst du den Abschluss auch noch.“, bot sich Frank Habicht an. Leon strahlte. Sein neues Leben fing tatsächlich an. Das einzige schwarze waren eigentlich nur noch diese Überfälle. Sollte er auch damit aufhören? Sollte er mit allen brechen? Doch was wird dann mit Felipe? Nein…diese Freunde konnte er nicht lassen. Und die Bullen hatten doch eh keine Spur, außer diesem Tattoo was nicht mehr existierte. „Setz dich doch einfach und versuche dem Unterricht zu folgen...“, bat Frank Habicht. Leon nickte und setzte sich auf seinen alten Platz, den er schon seit Wochen nicht mehr benutzt hatte. „Willkommen auf der Folterbank.“, grinste einer der Schulkameraden. Leon lächelte nur. Dieser Typ hatte keine Ahnung, was eine Folterbank war. Er wusste auch nicht, was Leon die ganze Zeit vorher durchmachen musste. „Halt einfach die Klappe...“, fauchte Leon und lauschte den Worten des Lehrers.


    Ben und Semir fuhren nach dem Frühstück direkt zu der Bank die sie als nächstes Überfallsopfer auserkoren hatten. „Herr Wunderlich…wir wissen es natürlich nicht genau, aber wir versuchen hier eine Serie von Überfällen aufzudecken und Ihre Bank passt in das Schema, was sich die Räuber auserwählt haben könnten. Sie werden von der V&V beliefert?“, harkte Semir nach. Wunderlich nickte. „Das ist richtig…V&V ist ein sehr bekanntes und empfohlenes Unternehmen und ich verstraue ihnen.“, bestätigte der Banker. „Wann bekommen Sie denn die nächste Lieferung?“, fragte Ben. „Nun…wir machen in zwei Tagen auf und ich war eigentlich schon auf dem Weg zum Telefon. Ich wollte die V&V bitten mir übermorgen das erste Geld zu schicken. Das ist für unsere Kunden und die Geschäftsleute, so um die 120.000 Euro. Alles Münzen und Scheinen. Viele werden zum Wechseln kommen und da müssen wir natürlich vorbereitet sein.“, lächelte Wunderlich. „Das wäre eine ideale Chance herauszufinden, ob wirklich ein Mitarbeiter von V&V darin verstrickt ist. Ich habe einen Plan...Herr Wunderlich, aber der kann nur mit Ihrer Hilfe gelingen…Wären Sie bereit uns zu helfen?“, wollte Semir wissen. „Ja sicher….und was haben Sie sich bitte vorgestellt?“, harkte nun Wunderlich nach. „Ich denke, wir werden der Bande eine Falle stellen. Und dann werden wir auch herausfinden, wer hinter den Informationen steckt.“, grinste Semir. Ben sah ihn an. „Weihst du mich mal bitte in deine Gedanken ein? Vielleicht gefällt mir das ja nicht.“, knurrte er. „Ganz einfach Ben, einer von uns wird sich als Kassierer ausgeben und dann werden wir sie festnehmen und schön auspressen.“, kam es nur von Semir. „So, und wer von uns soll den Kassierer mimen? Du weißt doch, die haben uns beide schon mal gesehen.“, erklärte Ben nur. Grinsend blickte Semir ihn an.


    „Oh nein...nicht ich...“, stieß Ben nur aus. „Oh doch...du siehst einfach besser aus im Anzug und du kannst so was tragen.“, grinste der Deutschtürke. „Nein Semir, ich mache das nicht...das...das...das...“, versuchte er nach Gründen zu suchen. „Ben, du machst es. Wenn du dir dein Haar nach hinten stylst und dazu eine Brille aufsetzt, dann klappt das schon.“, grinste Semir nur. „Och man Semir, muss das sein?“, knurrte Ben. „Ja, das muss es...natürlich mit ihrem Einverständnis, Herr Wunderlich.“, wendete sich Semir an den Geschäftsführer. Dieser nickte nur. „Wenn ich damit der Polizei helfen kann, dann gerne.“, erklärte er. Semir nickte dankend und machte sich dann mit Ben wieder auf den Rückweg zur PASt, um mit Kim Krüger alles weitere abzusprechen. „Moment, habe ich das richtig verstanden? Sie wollen Ben als Kassenwart ausstaffieren, wissen aber nicht, ob die vermutlichen Täter ihn schon gesehen haben? Und sie wissen auch nicht, ob die Bank, die sie gerade besucht haben, das nächste Ziel des Überfalls wird.“, fasste Kim zusammen. „Das stimmt, aber wir haben im Moment keine andere Möglichkeit.“, entgegnete Semir. Ben saß da und überlegte. „Chefin, vielleicht ist der Plan so schlecht gar nicht. Aber um gute Chancen zu haben, sollten wir auch noch Semir in die Bank bringen. Vielleicht als einer der Sicherheitsleute.“, grinste Ben nur. Sein Partner blickte ihn nur an. „Aber sie haben doch gesagt, dass sie sich sicher sind, dass einer aus der Firma Informationen an die Täter weitergibt.“, meinte Kim. „Ja, aber von den Fahrern sicherlich keiner. Der Geschäftsführer meinte, dass es nur drei Leute gibt, die über Routen und Geldbetrag bescheid wissen.“, entgegnete Ben. „Okay, dann machen wir das so...sprechen sie sich mit den Fahrern ab. Sie Semir fungieren als Fahrer und sie Ben als Kundenbetreuer am Schalter.“, erklärte Kim nur.

  • Nach der Schule fuhr Leon sofort zur Kartbahn hinaus. Er war der Jüngste und der einzige, der noch die Schulbank drückte. „Hey, da bist du ja, mein kleiner Bruder...“, lachte Felipe auf und schlug ihm aufmunternd auf die Schultern, als er kam. „Wie war die Schule?“ „Danke...ganz gut...endlich komme ich vorwärts. Hat Karsten schon was neues?“, wollte er dann wissen. Felipe schüttelte nur mit dem Kopf. „Noch nicht, aber er meinte, wir sollten uns morgen oder übermorgen bereithalten.“, erklärte Felipe. Leon nickte und ging dann in die Werkstatt. Mirko war schon fleißig am Kart wachsen. „Goldfinger hat gesagt, die Dinger müssen auf Hochglanz poliert sein, wenn die Kunden kommen.“, erklärte er mürrisch. „Dann wollen wir mal Goldfinger glücklich machen.“, stieß Leon aus und zog sich seinen Overall an. Felipe tat es ihm gleich und schon begann die schweißtreibende Arbeit. Eine halbe Stunde polierten, wachsten und lackierten sie jeden Kart, der in der Garage stand. Karsten kam in die Werkstatt. „Jungs, ich habe, was wir brauchten. Das ist das ganz große Ding...wenn wir das gedreht haben, brauchen wir uns keine Sorgen mehr zu machen.“, grinste er nur und sofort kamen die anderen auf ihn zu. „Nun erzähl schon...wie machen wir es dieses Mal?“, wollte Mirko wissen. „Die Bank am Jeversplatz...sie wird in zwei Tagen aufgesperrt und mit einem Haufen Geld beliefert. Alles in allem ungefähr um die 120.000 Euro...“, erklärte er. „Wow, damit hätten wir uns saniert.“, stieß Felipe aus. Leon nickte nur. „Das wäre was...“, grinste er nur. „Nur keine Sorge, in zwei Tagen werden wir alles überstanden haben. Doch dieses Mal...keine Fehler verstanden? Wir gehen wieder wie immer vor. Felipe und Mirko werden den Geldboten im Wagen außer Gefecht setzen. Und Leon und ich kümmern uns um den armen Tropf hinterm Schalter.“, erklärte Karsten. Alle nickten. „Und dieses Mal Leon, keine Schießerei, verstanden?“, knurrte Karsten nur. „Ja doch...das mit dem Wachmann war ein Versehen...dieses Mal werde ich ihn richtig fesseln.“, knurrte er. „Oder besser gleich niederschlagen...“, zischte Karsten nur. „Und dann fesseln...“, grinste Leon. Karsten nickte nur. „Wenn du dann glücklicher bist...tu es...aber erschieße niemanden...“, fauchte er erneut.


    Semir und Ben fuhren zu V&V um sich dort mit dem Geschäftsführer abzusprechen. „Sie wollen als Sicherheitsmann bei uns die Tour mitfahren?“, harkte Roland Kaiser nach. „Ja...nur so können wir die Bande stellen. Ich werde als Fahrer fungieren oder aber hinten als Sicherheitsmann mitfahren....Mein Kollege wird in der Bank sein. Es kommt jetzt auf Ihre Mithilfe an...“, erklärte Semir den Plan. „Nun ja....ich meine...es würde auffallen, wenn Sie als Wachmann mitfahren. Denn dazu müssten Sie nach unseren Vorschriften erst einmal eine ganze Weile bei uns sein. Und die Kollegen kennen sich ja. Als Fahrer wäre das in Ordnung. Der bleibt ja auch im Wagen, während der Kollege das Geld zu dem Kunden bringt. Und das war ja auch bei dem Kollegen beim letzten Überfall das Gleiche... Ich habe meinen Fahrern so oft gesagt, dass sie sich bei einem Überfall passiv verhalten sollen... Geld kann man ersetzen...dazu gibt es die Versicherungen, aber ein Menschenleben...das ist nicht zu ersetzen.“, kam leise von Kaiser. Semir nickte betroffen. Dieser Mann schien tatsächlich Mitgefühl mit seinen Angestellten zu haben. „Gut...dann werde ich als Fahrer fungieren. Wann geht die Tour los?“, wollte Semir sofort wissen. „Um sechs in der Früh.....Sie sollten um halb sechs hier sein, um bei der Besprechung dabei zu sein. Da werde ich Sie dann auch den Kollegen vorstellen, der mit Ihnen fährt...“, lächelte Kaiser. Semir bedankte sich und fuhr mit Ben zurück.


    „Du musst aber schon früh da sein...ich erst um neun.“, grinste Ben. „Na und...ich kann auch früh aufstehen....“, gab Semir zurück. „Weißt du was....wenn die vor jeder Tour eine Besprechung machen, dann könnten alle dahinter stecken. Die erfahren doch dann die Route und die Kunden, die dabei beliefert werden.“, meinte Ben nachdenklich. „Nach dem nächsten Bruch werden wir es genau wissen. Du wirst dich, falls der Überfall stattfindet, natürlich zurück halten. Du bist ja einer dieser Bankangestellten, die sich der Gewalt beugen. Nicht übermütig werden oder gar leichtsinnig...“, ermahnte Semir seinen jungen Partner. „Du bist nur der Fahrer....und damit auch ein großer Bestandteil. Bisher wurden die Fahrer immer gefesselt....also...“, grinste Ben zurück. Semir lachte. „Okay... wir sind beide vorsichtig.... Wir werden am Besten Sender tragen und über den Knopf im Ohr stets darüber informiert sein, was der Andere gerade macht....so ist jegliche Gefahr ausgeschlossen...bzw. minimiert. Ich gehe ganz stark davon aus, dass sie zuschlagen werden. Bin mal gespannt, wer dahinter steckt. Wenn Dennis Thalheim es nicht ist, und davon bin ich überzeugt, dann gibt es nur zwei Personen...“, gab er zurück. Ben nickte. „Den Kaiser können wir, denke ich mal, ausschließen. Er hat nichts davon, wenn er seine eigenen Fahrzeuge überfallen lässt.“, kam von Ben nachdenklich. „Nun...das würde nur Sinn machen, wenn er die Versicherung betrügen will. Das wäre für ihn allerdings wenig interessant, weil die Prämie der Versicherung bei jedem Schadenfall steigt und das könnte sich dann nicht rechnen. Dennoch würde ich ihn nicht direkt ausschließen. Was die Sekretärin angeht...diese Frau Krüger....dafür sieht sie mir nicht taff genug aus...“, meinte Semir darauf. „Du siehst doch einem Mörder auch nicht an, das er einer ist. Semir....Gesichter können nichts über das Wesen der Menschen erkennen.“, gab Ben zurück. „Ja stimmt schon...dir sieht man den Millionär auch nicht an.“, lachte Semir. „Weil ich keiner bin... Die Millionen gehören meinem Vater und nicht mir....“, grinste Ben.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

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