Mondscheinsonate

  • „Los Semir, tritt aufs Gas...“, stieß Ben immer wieder aus. „Was glaubst du, was ich hier mache? Fußball spielen?“, zischte der Deutschtürke nur zurück und lenkte seinen Wagen durch den abendlichen Berufsverkehr. „Man, macht Platz da vorne...Vorsicht, der zieht rüber...“, stieß der junge Hauptkommissar plötzlich aus, als eine Zugmaschine auf ihre Fahrbahn lenkte. Semir stieg in die Eisen, bremste ab und hupte wie wild. „Pass doch auf...“, schrie er nur und machte eine grobe Handbewegung. Semir beschleunigte wieder und fuhr mit seinem Auto einen Slalom um die anderen Fahrzeuge. Wo sich auch nur eine Lücke bildete, versuchte er mit seinem BMW durchzuschlüpfen, manchmal nur sehr knapp. „Sag mal, funktioniert überhaupt unser Blaulicht richtig?“, wollte Ben nervös wissen. „Wenn du so erpicht drauf bist, dass die anderen Platz machen, halt doch einfach deinen Kopf aus dem Fenster und mach Lalülalülalü...“, grinste sein Partner nur. „Man wird ja wohl noch fragen dürfen.“ Endlich erreichten sie die rettende Ausfahrt, doch nun ging das Ganze in der Stadt weiter und ehe sie ihr Ziel nicht erreicht hatten, war Ben alles andere als ein ruhiger Beifahrer, der sonst immer sein Butterbrot an Semirs Armaturenbrett schmierte oder die Krümel im Fußraum verteilte. „Du bist ganz schön nervös, oder?“, grinste Semir nur. „Natürlich, aber wenigstens falle ich dieses Mal nicht um.“, erwiderte Ben und sprang aus dem Wagen, als dieser endlich vor dem Krankenhaus zum Stehen gekommen war.


    „So ist’s gut...pressen...pressen.“, stieß sie Hebamme im Krankenhaus aus. Julia Jäger bäumte sich auf und kam dem Befehl schmerzbrüllend nach. Peter stand neben ihr und hielt ihre Hand. „Das machst du ganz toll, Schatz...“, versuchte er sie zu beruhigen. „Hör bloß auf zu quatschen...du weißt ja nicht, was für...Ahhhhhhhhhh...“, stieß sie wieder aus. „Ja, gut...weiter so...noch ein Mal pressen und dann...“, doch schon flutschte das erste Baby aus dem Körper der jungen Mutter in die erfahrenen Hände der Hebamme, die es sofort an eine Schwester weiterreichte und auf den nächsten Schub wartete. Auch das nächste Baby schien es mehr als eilig zu haben, das Licht der Welt zu erblicken, denn schon mit der nächsten Wehe kam auch Nummer 2 auf die Welt. „Sehr gut...da sind sie ja...alle beide...“, lächelte die Schwester, wickelte die beiden Würmchen in zwei Decken und reichte sie ihrer Mutter. „Was...was ist es?“, wollte Julia erschöpft wissen. „Zwei süße Jungs...“, erklärte die Hebamme und legte sie dann der Mutter in die Arme. „Hallo meine Kleinen...“, flüsterte sie und wiegte die beiden Kinder erschöpft hin und her. Peter sah auf seine kleinen Söhne und war sofort in sie verliebt. „Schatz, du bist wundervoll.“, meinte er und küsste die fahle, schweißnasse Stirn seiner Frau. „Wir werden die Kinder jetzt erstmal auf die Winzlingsstation bringen, dann können sie sich etwas ausruhen.“, erklärte die Schwester und nahm die kleinen Babys mit. Julia nickte und ließ sich einfach ins Kissen fallen. Julia sah ihn genauso glücklich an. „Wie sollen sie heißen?“, fragte sie. Vergessen waren die Schmerzen die sie eben durchmachte. „Ich weiß nicht…wie wäre es mit Mathias und Markus?“, schlug Peter vor. Julia lachte. „Nein…bitte nicht….ich finde Ben sollte als Onkel die Namen geben. Rufst du ihn an? Ich bin…viel zu müde…“, kam von ihr. Peter lachte leise. „Die stehen schon beide vor der Tür und warten auf die Nachricht.


    Ben zuckte zusammen, als er die Schreie vernahm. „Das sind meine Patenkinder….meine Nichten oder Neffen…meine ….. Schätze…meine…“, stammelte er. Semir lachte leise. „Beruhige dich….du kennst ja die Verpflichtungen, die ein Patenonkel hat. Und dich trifft es gleich doppelt…..du bist ja auch ihr Onkel…“, meinte er nur. Die Tür öffnete sich und Peter trat aus dem Entbindungssaal. „Und? Was sind es? Mädchen? Jungs? Beides?“, überfiel Ben ihn. Peter lachte. „Zwei Jungs…..gesund und groß…..nur haben wir keine Namen….die darfst du aussuchen.“, erklärte Peter. „Dann nehme ich Markus und Mathias…“, strahlte Ben. Peter lachte auf. „Das ist ja klasse…!“, kam von ihm. Ben verstand nicht ganz. „Ich wollte den Jungs die gleichen Namen geben, aber Julia sagte, dass du es machen sollst.“, erklärte er. „Gratuliere erst mal….hallo Peter.“, begrüßte Semir den frischgebackenen Vater. „Danke Semir…ich bin so stolz…die Kinder…wie sie kamen…es war…einfach klasse…so eine Geburt….sie ist was wundervolles.“, strahlte Peter, während Semir immer blasser wurde. Ben bemerkte es natürlich. „Ist dir übel?“, wollte er wissen. Semir schüttelte den Kopf. „Die Luft….sie ist etwas dick….“, gab er zurück. Ben lachte. „Dir ist nicht schlecht, weil Peter eben die Geburt schilderte, oder? Ich meine, du bist ja immer vorher umgekippt.“ Semir sah ihn an und würgte. „Entschuldigt mich…“, meinte er und rannte in den Toilettenraum.


    Auch Konrad Jäger lief in seinem Büro auf und ab. „Frau Schiefer!! Rufen Sie doch bitte im Krankenhaus an und fragen nach, ob meine Enkel schon da sind!“, befahl er seiner Sekretärin. In diesem Augenblick klingelte sein Telefon. „Ja?“, meldete er sich hektisch. „Hallo Opa…“, hörte er seinen Sohn sprechen. „Sie sind da? Was sind es? Jungs? Mädchen? Beides?“, kam hektisch von Konrad. „Es sind zwei Jungs. Mathias und Markus…“, gab Ben weiter. „Das ist toll…das ist sowas von wundervoll. Ich mache mich auf den Weg und dann…Ben sind alle wohl auf? Wie geht es Julia?“, harkte er nach. „Es geht allen bis auf Semir sehr gut. Julia erholt sich von der Geburt…Peter von dem Freudentaumel….und Semir…von den Erzählungen…“, lachte Ben. „Danke.. Ben…das ist ein wundervoller Tag….ein wundervoller Tag. Gib deiner Schwester einen dicken Kuss von mir…“, strahlte Konrad. Er legte auf und ging ins Vorzimmer. „Frau Schiefer!!! Besorgen Sie mir einen Katalog mit Babysachen…ich bin Opa!! Ich bin OPA!!!“, schrie er freudig. „Ich gratuliere Herr Jäger.“, gab Ingrid Schiefer von sich und drückte ihrem Chef die Hand. „Danke…ich gebe Ihnen den Rest des Tages frei!!“, strahlte Konrad. Er war völlig im Glück und wollte seine Angestellte dieses Gefühl auch übertragen. „Danke…das ist sehr nett. Und es passt heute…ich gehe mit meinem Mann in die Oper… „Aida“ und ich freu mich schon so…“, strahlte sie, packte ihre Sachen zusammen und verschwand nachdem sie Konrad einen Katalog von einem Babyausstatter auf den Schreibtisch gelegt hatte.

  • Während sich alle im Familienkreis der Jägers im Babytaumel befanden, schlich Robert Felder durch die Straßen zum Konzerthaus. Er konnte seinen Trieb nicht länger unterdrücken. Er musste...er musste irgendwas tun. Lange würde er dem nicht mehr standhalten können. Vielleicht war heute Abend eine sehr gute Gelegenheit dafür. Ja, das war es. Heute, gleich nach der Oper würde er sich ein geeignetes Pärchen aussuchen und dann...ja, dann. Er rieb sich die Hände und kämpfte gegen den Schmerz in seinem Körper an. Wenn Robert es noch schaffen wollte, dann musste er sich jetzt umziehen und alles mitnehmen, was er brauchte. Die Tasche war gepackt und schnell sprang er unter die Dusche. Er wusch sich gründlichst und schlüpfte dann in seinen besten Anzug. Die Oper war immer was besonderes für ihn...wie liebt er die Klassiker von Verdi, Bizet und Puccini. Aber vor allem liebte er die Mondscheinsonate von Beethoven. Nur nicht die Karte vergessen, dachte er und durchsuchte seine Wohnung. Ah, da sind sie ja...wie immer...da, wo man als letztes sucht, dachte er nur und steckte sie in seine Westentasche. Schnell verließ er das Haus und rannte zum nächsten Taxistand. „Wo soll’s hingehen?“, wollte der Fahrer wissen und sah durch den Rückspiegel nach hinten. „Zum Konzerthaus....und das bitte sehr schnell...“, lächelte Robert und bemühte sich, sein Gesicht so gut es ging zu verstecken.


    Semir kam zurück zu Ben und Peter. „Na alter Mann, geht es dir besser?“, wollte Ben grinsend wissen und klopfte seinem Freund auf die Schultern. „Ja danke...geht besser.“, meinte er leicht grinsend. „So, können wir jetzt auf meine Frau und meine beiden Jungs anstoßen?“, wollte Peter wissen und klatschte kurz in die Hände. „Au ja...los, gehen wir einen trinken.“, kam es nur von Ben. „Ja, ihr dürft trinken und ich muss fahren.“, knurrte Semir nur leicht, grinste aber dann sofort wieder. „Na einer muss mich ja wieder zu Hause absetzen.“, lachte Ben nur und klopfte Semir auf die Schultern. „Okay...sobald dein Vater hier ist und sobald ich euch meine kleinen Lieblinge gezeigt habe, können wir einen heben gehen.“, lachte Peter und wie aufs Stichwort kam Konrad den Gang hinuntergeflitzt. „Hallo Papa...“ „Wo ist sie? Wo sind die beiden Kinder?“, wollte der vollkommen außer Atem seiende Baulöwe wissen und sah die drei Männer an. „Allen geht es sehr gut...kommt, ich zeige sie euch.“, meinte Peter und ging voraus. Semir, Ben und Konrad folgten ihm und standen alsbald vor einem Fenster, wohinter zwei Dutzend Babys lagen. „Welche sind unsere?“, wollte Konrad wissen und drückte seine Nase an der Scheibe platt. „Hier...die beiden direkt vor uns...scheinen es zu sein.“, erklärte Ben und machte große Augen, als er den kleinen Flaum auf den Köpfen der kleinen Säuglinge sah. Immer größer und größer wurden die kastanienfarbenen Augen des jungen Hauptkommissars. „Guck mal, das sieht genau so aus wie Julia...“, stieß Ben vor Freude aus. „Ja, und das andere sieht genau aus wie Peter...“, lachte Semir und alle erfreuten sich an dem Babyglück des jungen Paares.


    Karin Schiefer saß mit ihrem Mann Klaus in den obersten Reihen des Mittelranges und sah auf die Bühne, einige Meter vor ihnen. Das Orchester war schon im Orchestergraben versammelt und wartete nur noch auf den Dirigenten. „Sieh mal, wer das Ganze heute dirigiert?“, meinte sie und verwies auf das Programmheft. Ihr Mann sah kurz rüber und blickte sie fragend an. „Wer denn?“, wollte er wissen und blickte dann wieder nach vorne. „Lars Felder...er ist einer der besten Dirigenten und einer der jüngsten.“, erklärte sie. „Aha...dann hoffe ich mal, dass er seine Sache gut macht.“, meinte Klaus nur und sah dann, wie ein junger Mann abgehetzt in den Rang gelaufen kam. „Warum trägt man denn eine Tasche mit sich rum?“, fragte er seine Frau und deutete auf den Mann. „Keine Ahnung, aber sicherlich hat er danach noch was vor.“, entgegnete Karin und dann reckte sie ihren Hals. „Da...der Dirigent...jetzt kann es nicht mehr länger dauern.“, meinte sie und dann ertönte die Glocke zum Plätze einnehmen. „Jetzt geht es gleich los...“, meinte sie und stieß ihren Mann an. „Ja, ich sehe es.“, kam es nur von ihm. Das Licht ging aus und der Vorhang öffnete sich. Die Scheinwerfer schalteten sich ein und der Dirigent überprüfte seine Noten. Dann zückte er sein Taktstock und hob ihn hoch. Karin genoss die Musik während ihr Mann langsam einnickte. Immer wieder stieß sie ihn leise lachend an. „Benimm dich doch mal.“, ermahnte sie ihn. „Ich habe schon acht Stunden gearbeitet und bin entsprechend müde...genieße du die Musik und ich die Ruhe.“, nörgelte er zurück. Karin schüttelte den Kopf.


    „Und...dann...dann...hab ich gesagt...hicks....ich liebe dich.....“, lallte Peter als er die Geschichte von seinem und Julias Kennen lernen schilderte. „Das...hat...hat...sie...dir abgenommen? hicks....“, wollte Ben ebenso lallend wissen. „Natürlich...hicks...ich...deine.... Schwester... hicks...ist....schlau...wirklich....hicks... schlau...“, gab Peter zurück. Semir schüttelte nur den Kopf. Er durfte nichts trinken, denn er musste Taxi spielen. „Ihr seid doch verrückt.“, stieß er aus und nahm einen Schluck seiner Coke. „Du willst doch nur....selber...was trinken.“, grinste Ben und schlug ihm auf die Schulter. „Pass doch auf!! Mann!!“, stieß Semir aus, als die Coke aus dem Glas schwappte. Ben kicherte albern. „Ich denke ihr habt beide genug...so Papa und Onkel...ab ins Auto und nach Hause...“, lachte Semir. Er hatte Ben selten so betrunken gesehen, aber der Grund war gegeben und auch berechtigt. Es gelang Semir mit Mühe die beiden Trunkenbolde ins Auto zu verfrachten. Doch weder Peter noch Ben waren in der Lage ihre Türe zu öffnen, geschweige denn die Treppen in ihren Häusern zu erklimmen und so nahm er das Opfer auf sich sie bei sich und Andrea unterzubringen. Als er mit den beiden vorfuhr kam Andrea raus und lachte laut. „Das ist ein Bild für die Götter... Vater und Onkel sinnlos betrunken...“, prustete sie. „Na...sinnlos nicht, aber ich hoffe sie haben morgen einen ganz dicken Kopf....“, wünschte Semir ihnen. Andrea küsste ihn. „Na...mein türkischer Hengst ist wohl etwas böse, dass er nichts trinken durfte...dafür bekommst du aber eine andere Chance die sicher mehr für dich ausmacht, als ein Bier...“, gurrte sie und sah ihn tief an. Semir bekam ein breites Grinsen. „Dafür...verzichte ich auf jedes Bier..“, strahlte er. Nachdem er mit Andreas Hilfe Ben und Peter ins Gästezimmer verfrachtet hatte, ging es für das Ehepaar ebenfalls ins Bett.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Robert Felder richtete sich auf. Er war am schwitzen und dennoch fühlte er sich gut. Die Frau zu seinen Füßen sah ihn mit gebrochenen Augen an. „Das war....der beste Sex meines Lebens... mit deinem Mann...“, stieß er aus und schloss seine Hose. Er zog die Leiche ins Gebüsch und wandte sich dann um. Nicht weit von der Frau, lag ein Mann. Ebenfalls die gebrochenen Augen weit aufgerissen. Robert beugte sich zu dem Leichnam und zog ihm den linken Schuh und die Socke aus. Beides steckte er ein und verschwand. Zufrieden legte er sich zuhause in sein Bett. Doch er wusste auch, dass der Drang sicher bald wieder kam und dann noch schlimmer war als jetzt. Zum ersten Mal war es auch Sex mit einer Frau....auch wenn sie tot war. Noch nie hatte er eine Frau... und er verstand auch nicht, was die Männer an diesem Geschlecht liebten. Er wollte die Männer haben. Dieser hier war ein richtiges Leckerechen. Dunkle Locken....fast schwarze Augen..... und einen durchtrainierten Körper. Genau die Sorte Mann, die Robert liebte. Doch nach einer so langen Abstinenz musste er seinen Druck abbauen und nahm sich auch die Frau vor. Robert fiel in einen traumlosen Schlaf. Seine Gedanken gingen an seinen Therapeuten, der ihn seit einigen Monaten behandelte. Genauer gesagt, seit er wieder auf freiem Fuß war. Er machte laut seinem Psychologen machte er sehr gute Fortschritte. Klar das der Arzt das sagte....es war schließlich sein Ruf. Eigentlich sollte Robert Tabletten nehmen, aber er ließ sie weg...seit vier Wochen nahm er keine, weil er ohne leben wollte. Diese Psychopharmaka waren nichts für sein Gemüt. Ja okay....so gab er zu... diese bunten Pillen unterdrückten seinen Drang, doch genau diesen wollte er jetzt ausleben. Er wollte endlich wieder Sex....Sex mit Männern...wilden Sex.....wo sich diese Männer nicht wehrten..... Er drehte sich von einer Seite auf die Andere.


    Karin und ihr Mann fuhren über die Autobahn nach Hause. „Schatz, fährst du mal auf den Rastplatz...ich müsste mal...“, meinte Karin und sah ihren Mann bittend an. Dieser verdrehte nur die Augen. „Hättest du das nicht im Konzerthaus erledigen können?“, knurrte er und setzte den Blinker. „Dann hättest du noch länger warten müssen und wir wären gar nicht mehr weggekommen.“, lächelte sie ihren Mann an. „Ja, ja...“, murrte er nur und fuhr dann auf den Platz raus. Schnell verschwand Karin ins Toilettenhäuschen. Während die Alte weg ist, kann ich ja eine rauchen, dachte er und ging auf eines der Gebüsche zu, blieb jedoch so stehen, dass er seinen Wagen und das Toilettenhäuschen gut im Blick behalten konnte. Er zog aus seiner Jackentasche das Päckchen mit den Glimmstängeln hervor, steckte ihn in den Mund und schnipste dann das Feuerzeug an. Die rot-blaue Flamme ließ das braune Kraut und das umhüllende Papier anbrennen und schon der erste Zug erfüllte Klaus Lungen mit einem alles abrundenden Wohlgenuss. Er sah immer noch in die eingeschlagene Richtung, doch dann blickte er sich um. Irgendwas zog seine Aufmerksamkeit auf ihn. Er war gegen einen Schuh gestoßen. Der Mann ging einen Schritt nach vorn und schob die dichten Sträucher ein wenig beiseite. Oh mein Gott...vor Schreck fiel ihm die Zigarette aus der Hand und er spürte einen Würgereiz aufsteigen. Schnell drehte er sich weg und ließ alles raus, was nur raus wollte. „Klaus, was ist denn? Wo bist du?“, hörte er seine Frau rufen. „Karin, ruf die Polizei...hier...hier liegen zwei Leichen...“, stieß der Mann aus und rannte auf seine Frau zu.


    Lars Felder war noch im Konzerthaus und nahm einen Schluck zu sich. Diese Oper war eine der großen Meisterwerke und er hatte sich für den ersten Abend gut geschlagen, fand er. Das Orchester war gut auf seine Schwingungen mitgegangen und Fehler waren auch so gut wie nicht passiert. Jedenfalls keine für das Publikum hörbaren. Er war mit sich mehr als zufrieden und konnte das Haus mit vollkommener Zufriedenheit verlassen. Lars war noch Single, doch das würde sich bald geben. Zu seiner Familie, seinem Bruder hatte er keinen Kontakt mehr und er wollte es auch nicht. Dieser Mistkerl wollte ihn doch allen ernstes... Lars hielt inne. Noch immer konnte er ihm nicht verzeihen, was er ihm als Heranwachsender angetan hatte. Noch immer war er deshalb in Behandlung. Es war ein wunder Punkt. Eine tiefe Wunde, die immer wieder aufgerissen wurde, wenn er daran dachte. Er wollte das nicht mehr. Jetzt wollte er feiern. Da...der kleine Italiener...das war doch mal was anderes und zu Hause wartete ja keiner auf ihn. Warum also nicht...dachte er und ging auf das Restaurant zu. Er ahnte noch nicht, dass ihm der Abend noch so manche Überraschung bringen sollte.


    Semir tastete nach seinem Handy, als es klingelte. Verschlafen und mit einem geschlossenen Auge ließ er die Hand über den Nachttisch gleiten und suchte nach dem klingelnden, störenden Kommunikationsmittel. Felix, der wie immer, auf Semirs Rücken schlief, fand das Geschaukel seines warmen Bettes gar nicht so schön und fauchte sein Herrchen an. „AU...“, stieß Semir aus, als die Krallen des Tieres durch die Bettdecke in seine Gesäßbacken fuhren. „Du elendes...“, knurrte er und wollte dem Kater an den Kragen, doch der Stubentiger war schneller und auf den großen Schrank gesprungen. „Gerkhan...“, meldete sich Semir mit einem Auge auf den Kater gerichtet. „Semir, Dieter hier...Sorry, dass ich dich störe, aber wir haben hier zwei Leichen. Ich hab schon versucht, Ben anzurufen, doch der geht nicht an sein Telefon.“, hörte Semir die Stimme seines Kollegen am anderen Ende. „Okay...ich komme sofort...“, meinte der Deutschtürke nur verschlafen und schwang sich dann aus dem Bett. Schnell schnappte er sich seine Hose und ein Shirt, schlich sich leise aus dem Schlafzimmer und die Treppen runter. „Ben? Bist du wach?“, machte er sich vorsichtig bemerkbar, als er ins Gästezimmer trat, doch Ben schien noch fest zu schlafen. Lassen wir ihn schlafen, dachte Semir und so machte er sich alleine auf den Weg zum Tatort. Er stellte sein Radio etwas lauter ein, damit er nicht einschlief und erreichte dann nach einer 25minütigen Fahrt den Tatort. „Hallo Doc!“, begrüßte er den Gerichtsmediziner. „Hey...Semir...heute ohne Begleitung?“ grinste dieser. „Ja...die Jugend von heute hat ein außergewöhnliches Schlafbedürfnis. Was haben wir hier?“, wollte Semir wissen. „Nun...die Frau ist ca. 27, der Mann etwas älter...29 Jahre. Bei beiden habe ich keine Papiere gefunden. Aber es ist durchaus möglich, dass Fundort nicht Tatort ist. Die Todesursache ist bei beiden eine Stichwunde direkt ins Herz.“, zählte der Gerichtsmediziner auf. „Raubmord?“, harkte Semir nach. „Nicht unbedingt.....bei beiden fehlt der linke Schuh, bei dem Mann sogar die Socke...“, kam von dem Arzt. Semir sah ihn nur an.

  • Gegen neun wachte Ben auf und duschte ausgiebig. Andrea saß bereits am Frühstückstisch. „Morgen Ben.“, trällerte sie fröhlich. „Schläft dein Mann noch?“, wollte Ben wissen. „Nein...der ist in der Nacht wohl zu einem Einsatz gerufen worden. Gegen drei.“, erklärte sie. „Warum hat er mich denn nicht geweckt?“, maulte Ben und sah auf sein Handy, welches er auf lautlos stehen hatte. „Hast du keinen Anruf bekommen?“, fragte Andrea. „Ähm....nö....“, grinste Ben obwohl er sah, das Dieter mehrfach versucht hatte ihn zu erreichen. „Na...ist wohl, weil Semir mehr Erfahrung hat...“, lachte Andrea. „Was soll das denn heißen? Ich hab mein Handy nur nicht gehört...bin auch direkt auf dem Weg zum Revier.“, widersprach Ben, nahm schnell einen Schluck Kaffee und ein halbes Brötchen und verschwand. Andrea sah ihm kopfschüttelnd nach. „Mama....“, rief Aida von oben. „Ja...hier unten Schatz....komm frühstücken...“, gab Andrea zurück. Nur wenig später saß ihre fünfjährige Tochter unten und frühstückte während sich Andrea um Layla kümmerte. „Heute machen wir im Kindergarten einen Ausflug!“, strahlte die Kleine. „Wo geht es denn hin?“, tat Andrea neugierig, obwohl sie genau wusste wohin der Ausflug ging. „In den Zoo....die haben da den neuen Park gemacht....ganz viele Elefanten und Nilpferde...in ganz viel Wasser und...mit ganz viel Bäumen.“, erzählte Aida stolz. „Ah....das ist ja toll...“, lachte Andrea. „Mama...kommst du auch mit?“, wollte die Kleine wissen. „Ich kann nicht... muss doch mit Layla zum Arzt und dann muss ich sie in die Krabbelgruppe bringen und essen machen...und dann einkaufen.“, zählte Andrea auf. „Na gut...dann geh ich mit meinem Freunden hin.“, meinte Aida etwas gleichgültig. Andrea küsste ihre Tochter auf die Wange. „Du bist eine ganz große...“, strahlte sie vor Glück.


    „Guten Morgen Partner....auch schon da?“, grinste Semir als Ben eintrat. „Ja.... warum hast du mich denn nicht geweckt?“, wollte er wissen. Semir lachte leise. „Ich hab es versucht und Dieter auch....aber du gehst ja nicht ans Handy...und auf Klopfen antwortest du auch nicht...ich wollte deine Träume nicht stören...“, gab Semir zurück. „Ach...danke ...sehr freundlich.... was liegt denn an?“, harkte Ben nach. „Zwei Tote....ein Pärchen....mit dem Messer niedergestochen. Mehr hab ich selbst noch nicht. Der Bericht müsste aber gleich kommen.“, erklärte Semir weiter. In diesem Augenblick kam eine Mail. „Ah...da ist er....so....wollen wir doch mal sehen. Magst du mitlesen oder soll ich vorlesen?“, grinste Semir. „Nee...ich bin wach genug selbst zu lesen.“, knurrte Ben und kam um den Schreibtisch herum. „Oh...sieh mal...hier steht, dass Beide....Geschlechtsverkehr hatten. Aber nicht miteinander....der Mann hatte Sperma...im After....und.....die Frau in Mund und Vagina.... Der Verkehr wurde bei der Frau nach dem Tod vollzogen...wie Abartig ist das denn? Die Analyse läuft noch...Todesursache ist ein Messerstich ins Herz, der Tod trat ca. gegen Mitternacht ein.“, murmelte Semir leise. „Ich lese es doch mit...was ist das denn...soll der Mann etwa vergewaltigt worden sein? Von einem Mann?“, stieß Ben aus. „Scheint ganz so...aber wie kann man mit einer Toten noch Sex haben? Das ist doch widerlich...“, kam von Semir. „Sonst noch irgendwas gefunden?“, wollte Ben dann wissen. „Der Doc nicht, aber vielleicht hat Hartmut was. Wir fahren gleich mal rüber.“, dachte Semir laut und schnappte sich seine Jacke. Ben folgte ihm. Als sie ihm Wagen saßen, gähnte der junge Hauptkommissar laut. Semir lachte nur. „Hey, jetzt wird nicht mehr geschlafen.“, stichelte Semir nur. „Ich bin halt noch müde...“, knurrte Ben nur. „Du hast dich am Abend besoffen, jetzt kannst du auch Dienst tun...“, meinte Semir nur. „Ja, ja...“, fauchte Ben und lehnte sich nach hinten. Gute 15 Minuten später waren sie in der KTU.


    Hartmut hatte sich gerade einen Kaffee geholt, als Ben und Semir zur Tür reinkamen. „Hartmut, hast du was gefunden?“, wollte der Deutschtürke wissen und ging auf den Techniker zu. „Du meinst, bei dem Mord am Pärchen?“ „Nein Hartmut, bei der Fuß-OP eines Nashorns...natürlich der Mord...“, zischte Ben nur. „Gut, ich hab da nämlich was gefunden. Im Jackett des Toten fand ich das hier...“, meinte der Feuerpinsel und reichte Semir zwei Karten. „Aida?“ „Das ist eine Oper von Verdi...“, erklärte Ben nur. „Und da waren unsere Opfer drin...die ist von gestern Abend...tja, leider werden solche Dinger ja nicht mit Namen gekauft.“, resignierte der Deutschtürke. „Nicht ganz...wenn es ein Onlinekauf war, dann kann das zurückverfolgt und der Käufer bestimmt werden.“, erklärte Hartmut. „Dann mach das mal...wir sind im Revier, falls du was hast.“, erklärte Semir nur und ging mit Ben zum Wagen zurück. „Eins möchte ich mal wissen...wieso hat dieser Kerl den Schuh von beiden und vom Mann die Socke mitgehen lassen?“, wollte Ben wissen, als sie sich wieder in den Wagen setzten. „Keine Ahnung...vielleicht sollten wir uns einen Profiler oder einen Psychologen dazu holen, der es uns sagt.“, erwiderte Semir nur und startete den Wagen. „Weißt du, wir sollten jetzt erstmal Mittag machen.“, grinste der junge Hauptkommissar, als sie sich ihrer Lieblingsraststätte näherten. Semir erwiderte das Grinsen nur. „Keine schlechte Idee...“


    Robert stand auf und ging zu seinem „Trophäenschrank“ wie er es nannte. Er hatte es in die Wand eingelassen und ein Bücherregal davor gebaut, dass er wegschwenken konnte. Er nahm sich den Schuh seines letzten Opfers heraus und betrachtete ihn genau. Es war noch dessen Körpergeruch darin. Langsam ließ er die Öffnung zur Nase fahren und sog den ganzen Geruch, der sich in dem Schuh befand, ein. Was war das für ein Kerl, dachte Robert nur. Vielleicht...vielleicht sollte er mit dem nächsten einfach länger seinen Spaß haben. Ja genau...beim nächsten Mal würde er erst die Frau umbringen und dann mit dem Mann die Nacht verbringen, ehe auch er sterben musste. Dann würde er sich auch die Füße des Mannes vornehmen. Er würde ihn ans Bett fesseln und seinem Opfer mit Genuss die Füße bearbeiten. Plötzlich hörte er ein Geräusch. Schnell ließ er Schuh und Socke wieder in dem Versteck verschwinden, zog das Regal vor und ging einen Schritt auf die Tür zu. Nur der Postbote. „Ich habe hier eine Sendung für sie...Einschreiben...“, rief der Briefträger durch die Sprechanlage. Robert betätigte den Summer, unterschrieb dann und nahm das Paket entgegen. Endlich...endlich war es da...damit konnte er seine Opfer noch besser überwältigen. Schon spürte er wieder diesen unbändigen Drang in seinem Kopf und seiner Hose. Bald...bald würde es wieder so sein, dachte er und sah auf den Kalender. Nur noch zwei Tage.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Ben und Semir saßen an ihrem Tisch und aßen. „Weißt du, da ich ja jetzt Onkel bin, sollte ich auch ein Kinderzimmer bei mir einrichten, oder? Ich meine, wenn Julia und Peter mal in den Urlaub fahren oder so...“, fing Ben ein Gespräch an, während er seinen Burger kaute. Semir grinste nur und biss in sein Salami-Baguette mit Ei und Tomate. „Ben, die Knirpse sind gerade mal 18 Stunden alt und du denkst schon über ein Kinderzimmer nach...überhaupt ist in deiner Bude doch gar kein Platz für die Kleinen.“, grinste Semir. „Dann bau ich an oder zieh um...“, konterte der junge Onkel nur. Semir lachte schallend. „Du und umziehen? Du trägst zwei verschiedene Socken mit Belüftungslöchern und willst freiwillig in eine größere Wohnung ziehen?“, lachte Semir und verschluckte sich beinahe an einem Stück Ei. „Was bitte ist daran denn so witzig…? Außerdem hab ich von allen Socken Paare….sogar in verschiedenen Farben.“, grinste Ben. Semir nickte wissen. „Das ist klar…nur Farbe gehört zur Farbe und nicht grau zu blau…oder weiß zu schwarz…“, versuchte er zu erklären. „Das weiß ich auch…aber in der Maschine….da werden die immer vertauscht und ich hab keine Zeit die Dinger zu sortieren...außerdem trag ich Schuhe und da sieht man das nicht.“, lachte Ben. Das Handy von Semir klingelte. „Ja…Hartmut?“, fragte er sofort. „Ich habe euer Pärchen gefunden glaube ich….“, gab der Techniker zurück. „Ach...so schnell? Und wer sind sie?“, wollte Semir sofort wissen. „Nun es gibt sechzehn Paare, die sich gestern die Oper angetan haben. Die Namen schick ich dir gleich per Mail zu…dann können du und Ben sie abklappern…“, kam von Hartmut. „Danke…sehr nett...okay.. ich warte auf die Namen...“, stöhnte Semir und beendete das Gespräch. „Irgendwas Neues?“, wollte Ben wissen. „Ja….Hartmut hat uns sechzehn Paare gefunden, die Aida gesehen haben…“, erklärte der Deutschtürke und wartete auf die Mail.


    Karin fuhr pünktlich ins Büro. Konrad Jäger saß bereits in seinem Zimmer und sah sie an. „Es sind zwei stramme Jungs…“, verkündete er. „Das freut mich… herzlichen Glückwunsch. Wie heißen die Beiden denn?“, harkte Karin nach. „Markus und Mathias…glaub ich….aber das kann Ihnen der stolze Papa, wenn er seinen Rausch ausgeschlafen hat sicher besser sagen. Ich werde morgen schon zurück nach England fliegen…dieser Stress ist nichts mehr für mich.“, lächelte Konrad. „Nun ich fand es gut, dass Sie wieder einmal hier das Regiment angeführt haben. Es ist schön, dass Sie hier waren…warum bleiben Sie nicht noch ein paar Tage…?“, wollte Karin wissen. „Weil ich zuhause auch etwas zu tun habe.“, lachte Konrad. „Schade…aber wenn Sie wieder einmal hier sind, dann kommen Sie doch rein.“, bat sie. „Sehr gern…..“, lächelte er. Er gab es zwar nicht zu, aber er vermisste dieses morgendliche Begrüßen im Büro schon jetzt. Das Telefon unterbrach das kleine Geplänkel. „Ja? Julia…wie geht es dir mein Schatz? Was machen die beiden Kleinen?“, wollte er sofort wissen. „Danke…es geht ihnen und mir gut. Papa…ist Peter bei dir? Ich kann ihn nicht erreichen.“, hörte er seine Tochter fragen. „Nun…Peter ist gestern mit Semir und Ben auf die Piste gegangen und hat die Geburt gefeiert…ich denke, er liegt noch im Bett, allerdings nicht zuhause…ah…warte…er kommt gerade rein.“, lachte Konrad. „Au….Papa...nicht so laut….bitte…“, stöhnte Peter und hielt sich den Kopf. „Deine Frau möchte dich gern sprechen…“, erklärte Konrad leiser. Peter nahm das Telefon. „Hallo Schatz…..wie geht es euch?“, wollte Peter wissen. Er stöhnte mehr als er sagen konnte. „Hast du einen dicken Schädel?“, wollte Julia wissen. „Geh du mal mit Ben in eine Kneipe…..boah….das ist Wahnsinn…sag ich dir. Ich habe bei Semir geschlafen…weil ich nicht mehr laufen konnte..und…nun…dröhnt mir der Schädel..sag ich dir…“, gab Peter von sich.


    „So hier sind die Namen…Anita und Peter Winterhuth… Claudia und Karl Wohlfahrt, Sabine und Christopher Maier, Karin und Klaus Schiefer….“, las Semir die Namen vor. „Und die sollen wir alle durchgehen?“, stöhnte Ben und griff sich an den Kopf. „Hier…Aspirin..nimm am besten zwei.“, grinste Semir und schob ihm die Tabletten hin. „Hey..es war hart gestern...ich musste immerhin für dich mittrinken…“, lachte Ben, doch sofort verzog er sein Gesicht. „Oh…. Du bist ja richtig edel…hast dich für mich geopfert…..sehr nobel..wirklich….sehr nobel….“, lachte Semir. Er druckte sich die Namen aus und gab sie Susanne. „Würdest du mir bitte die Adressen raussuchen?“, bat er die schöne Sekretärin. „Ja sicher…“, gab sie zurück. Es dauerte eine gute halbe Stunde und zwei Tassen Kaffee für Ben bis die Liste vervollständigt war. „Na dann komm du edler aufopfernder Ritter ohne Furcht und Adel…“, grinste Semir und zerrte seinen Partner mit aus der PAST. Sie fuhren zu den ersten drei Paaren, doch da waren alle am Leben oder einer der Partner nicht zu erreichen, doch der andere versicherte den Kommissaren, dass sie ihren jeweiligen Lebensgefährten heute morgen lebend gesehen hatten. So fuhren Ben und Semir zum vierten Paar und klingelten dort an der Tür. Doch es öffnete sich nur die Nachbarstür. Eine alte Dame mit hochgesteckten Haaren lugte mit dem Kopf raus. „Suchen sie die Maiers?“, fragte sie mit flüsternder Stimme. „Allerdings...“, erwiderte Semir und machte einen Schritt auf die Frau zu. „Die sind seit gestern Abend nicht nach Hause gekommen. Ich hab immer noch Engelchen hier...“, erklärte sie. „Engelchen?“, wollte laut prustend Ben wissen und schon im nächsten Moment sah er dann einen schwarzen Schatten, der auf ihn zugedonnert kam. „Wuaaaaa...“, stieß er aus und drückte sich im nächsten Moment an die Wand ran. Vor ihm saß eine große Rotweilerdame, die ihn interessiert ansah. „Ben, der Herzensbrecher.“, lachte Semir nur. „Nimm bitte den Hund weg.“, flehte der junge Hauptkommissar nur. „Frau...“ „Wichtig...“ „Frau Wichtig, könnten sie bitte noch einen Moment auf den Hund aufpassen.“, bat Semir. Die Frau nickte und zog Engelchen zurück in die Wohnung. „So, jetzt komm...wir müssen arbeiten.“ Semir zog seine Dietrichtasche aus der Jacke und öffnete die Wohnungstür.

  • „Dann sehen wir uns mal um.“, meinte er und durchstreifte mit Ben und Semir die Räume der großen Wohnung. Gleich im Flur sah er das Körbchen für Engelchen stehen. Semir nahm sich das Wohnzimmer vor. In der Schrankwand und auf dem Bücherregal standen einige Fotos. Auf dem Hochzeitsfoto erkannte er sofort die beiden Leichen wieder. Er drehte das Bild um. Herbst 2008 war zu lesen. Verdammt, so jung zu sterben war ein beschissenen Los, dachte Semir nur und sah sich wieder um. Alles war sehr geschmackvoll eingerichtet. „Ben, hast du was gefunden?“, wollte Semir wissen, als er ins Arbeitszimmer ging. „Nein, nichts von Bedeutung.“, gab er bekannt. „Gut, dann versiegeln wir die Wohnung und fahren zur PASt zurück.“ Semir nahm eines der Polizeisiegel aus seiner Jackentasche, schrieb Datum und Uhrzeit drauf und klebte es über den Türspalt. „Moment, was wird mit dem Hund? Ich kann ihn doch nicht behalten...“, rief Frau Wichtig den beiden Polizisten nach. Die beiden Beamten sahen sich nur an und Semir grinste. „Dann müssen wir ihn eben ins Tierheim bringen.“ „Können die nicht herkommen? Es reicht doch wohl, wenn die herkommen...“, flehte Ben regelrecht. „Nun hab dich nicht so...es ist nur ein Hund.“ Damit war die Diskussion beendet und Engelchen auf den Rücksitz verfrachtet. Die Fahrt ging ruhig vonstatten, nur ab und zu spürte Ben ein ekelhaftes Kribbeln im Hals. „Semir...sag ihr, sie soll das lassen.“, knurrte er. „Was hast du? Sonst liebst du es doch, wenn dich eine Frau so verwöhnt.“, grinste Semir und hatte sichtlich Spaß an der Situation. Endlich erreichten sie die PASt. „Susanne, ruf mal bitte das Tierheim an. Die sollen die Dame hier abholen.“, bat Semir. „Alles klar...ihr sollt sofort zur Chefin kommen.“, entgegnete sie nur.


    Peter fuhr mit dem Wagen vor der Klinik vor und holte seine Frau und die beiden Söhne ab. Julia kam mit zwei Tragetaschen aus dem Zimmer, als Peter den Gang entlang kam. „Da seid ihr ja...jetzt geht es ab nach Hause.“, meinte er und lächelte gequält. Julia lachte nur und küsste ihn dann auf die Stirn. „Soll ich nicht lieber fahren? Du siehst noch nicht ganz fit aus.“ „Nein, es geht schon, außerdem hat mich dein Vater hergefahren. Er sitzt unten und wartet auf uns.“ „Dann sollten wir ihn nicht warten lassen. Schließlich will er ja seine beiden Enkel sehen.“, grinste Julia und ging mit den beiden Babys und ihrem Mann den Gang hinunter und verließ dann das Krankenhaus. Konrad sah freudig auf seine Tochter und ging mit schnellen Schritten auf sie zu. „Hallo mein Schatz...wie geht es dir?“, wollte er wissen und überschüttete Julia regelrecht mit Küssen. „Papa...du zerdrückst mich noch...“, lächelte sie und hievte dann die beiden Taschen auf die Motorhaube. „Ohhhh...sind die süß...“, schwärmte Konrad und strich beiden gleichzeitig über die Wangen und dann über den Bauch. Markus, er glaubte jedenfalls, es sei Markus, sah seinen Opa mit seinen großen braunen Augen an und wollte nach dem Finger greifen. „Wie könnt ihr sie auseinanderhalten?“, wollte Konrad wissen. „Papa…das ist sehr einfach...den du auf dem Arm hast ist Mathias. Er hat einen Leberfleckt recht auf der Wange..und Markus hat ihn links….“, lachte Julia. „Oh….das muss ich mir dann merken. Aber sie sind so süß….kommst du mit ihnen nach England und besuchst mich?“, bat Konrad. „Ja…sobald sie groß genug sind und fliegen können, werde ich dich eine ganze Woche besuchen.“, versprach sie. „Könnten wir jetzt nach Hause?“, bat Peter, dem der gestrige Abend immer noch in den Knochen saß. Julia stieg ein und setzte sich neben ihre Zwillinge. Die beiden Säuglinge schliefen tief und fest.


    „Frau Krüger?“, fragte Semir als er die Tür öffnete. „Meine Herren…bitte...“, lächelte Kim sie an. Ben und Semir setzten sich. Kim sah Ben an. „Gratuliere zum Onkel. Ich hoffe Kinder und Mutter sind wohlauf…“, fing sie an. „Ja…danke….allen Drei geht es gut.“, bestätigte Ben. „Chefin….wir sind gerade an einem Fall dran…“, versuchte Semir auf den Job zurück zu kommen. „Ja, ich weiß…deshalb hab ich Sie rufen lassen… es scheint nicht der erste Fall zu sein. Ich habe von den Kollegen in Dortmund einen ähnlichen ungeklärten Fall erhalten. Der liegt allerdings schon ein paar Jahre zurück. Das sonderbare ist, dass jedes Mal von dem Mann der linke Schuh und die linke Socke fehlten.“, erklärte sie. Semir sah zu Ben. „Haben die Kollegen einen Verdacht gehabt?“, wollte er wissen. „Leider nein….was für die Kollegen ebenfalls seltsam war, dass der Mann vergewaltigt wurde, die Frau aber nicht. Es scheint….dass hier ein Täter aus dem homosexuellen Bereich kommt.“, erklärte sie. Ben sah zu Boden. „Das heißt, wir müssen in diesem Milieu ermitteln…das wird ein schweres Unterfangen…“, stieß er aus. Semir grinste. „Wir können ja wieder diese Kneipe besuchen, wo du eine flotte Nummer auf dem Parkett gemacht hast.“, gab er zurück. Dafür bekam er von Ben einen Tritt gegens Schienbein. „Aua.“, kam von Semir. „Klappe halten...klar?“, fauchte Ben ihn grinsend an. „Meine Herren bitte….dieser Fall ist alles andere als witzig. Es sind vier Menschen tot….“, gab Kim von sich und schüttelte den Kopf. „Sie lassen den notwendigen Ernst vermissen…“, hängte sie an. „Also gut….entschuldigen Sie, aber…“, versuchte Ben sofort. „Schon gut….suchen Sie den Täter und stellen Sie ihn. Sie haben alle Freiheiten, die Sie benötigen. Das habe ich bereits mit der Staatsanwaltschaft besprochen. Außerdem wird Ihnen ein Profiler zur Seite gestellt. Vielleicht können wir dann den Täterkreis einschränken.“, gab sie bekannt. „Chefin…wir haben den Täterkreis bereits eingeschränkt…es ist ein Schwuler…“, lachte Semir. Der Blick von Kim sagte alles.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Robert sah sich den Jungen auf dem Spielplatz an. Ein Kind….dachte er…. Vielleicht sollte er auch so etwas Mal versuchen? Ein unverbrauchtes….noch nie angefasstes Kind….? Aber was hatte er von so einem Würmchen? Es würde vermutlich weinen und schreien …nein…nein…das war es nicht. Er wollte mal ein Opfer haben, welches sich wehrt..wo er sich ausleben kann…seinen Drang zur Brutalität zeigen kann…nicht nur durch den Sex. Doch das Opfer musste genau ausgesucht werden. Jung sollte es sein….nicht kurz vor dem Herzinfarkt, sondern jemand, der durchtrainiert ist und um sich tritt…sich wehrt….richtig wehrt…ging es in seinen Gedanken weiter während er seinen Blick auf den ca. neunjährigen Jungen weilen ließ. „Ben!!! Komm…wir müssen nach Hause…die Mama wartet…!“, hörte er einen Mann rufen. Sein Blick ging zu dem Besitzer der Stimme. Sein Herz schlug wild gegen die Rippen als er das Gesicht sah. Dunkle lockige Haare….braune Augen….ein gut geformter Mund….eine Figur…..oh mein Gott…nein…dachte er als er die ziemlich verhunzte Figur des Mannes sah. „Papa…ich will noch etwas bitte…!“, bettelte der Junge. Robert stand auf und verließ den Spielplatz. Er fuhr nach Hause. Noch einen Tag….er brauchte noch einen Tag und dann musste er sein Opfer finden. Er musste es einfach….vieleicht sollte er seinen Bruder noch mal besuchen. Mit ihm hatte es auch Spaß gemacht…er hatte sich gewehrt und genau das brauchte er jetzt. Lars…ich komme…dachte er und fuhr los.


    „So, dann bin ich doch mal gespannt, was für einen Profiler wir bekommen...“, ging es bei Semir los, als sie wieder im Büro saßen und Ben sich ein Kühlpad an den Kopf hielt. „Semir, es ist mir egal...ich will bloß diesen Tag überstehen und dann ins Bett.“, knurrte er seinen Partner an und tat leidend. Semir lachte laut los. „Tja, jetzt hast du die Rechnung...was musst du dich auch so wegschießen...“, grinste der kleine Hauptkommissar und schlug ein paar Mal auf den Tisch. „Hey, lass das gefälligst.“, zischte Ben und warf einen Radiergummi nach Semir. Der wich dem Geschoss gekonnt aus. „Ätsch, daneben...“, lachte er nur. „Entschuldigung, aber sind sie die Kommissare Gerkhan und Jäger?“, wollte plötzlich eine Stimme wissen. Beide Polizisten drehten sich zur Tür und blickten in das Gesicht eines jungen, verlegen wirkenden Mannes mit einem braunschwärzlichen Cordjackett und einer hellblauen Jeans. Die schwarzen Haare waren hinter die Ohren gesteckt und die braunen Augen wirkten durch die kleine, unscheinbare Brille klar und ließen auf einen aufgeweckten Menschen schließen. „Das sind wir...wer sind sie?“, wollte Ben wissen. „Johannes Pfeifer...aber Jo ist mir lieber...ich bin der Profiler, den sie bestellt hatten.“, erklärte er und reichte seine Referenzen an Semir weiter. Dieser nickte und sah sich den Ordner an. „Wow, ganz schön herumgekommen...London, Moskau, Paris, Washington...und nun sind sie hier gelandet...“, grinste Semir nur. „Wo ich helfen kann, da helfe ich nun mal...und wenn man mich braucht, dann bin ich meistens zur Stelle.“, erklärte Jo und legte dann seine Tasche ab. „Okay, was können sie mir über den Täter sagen?“, fing er dann gleich an. Ben grinste kurz zu Semir rüber und dieser nahm dann beide Akten hervor. „Es ist folgendermaßen.“, meinte der Deutschtürke und fing dann an, zu berichten.


    Lars ging zur Tür, als es klingelte. Wer konnte das denn jetzt sein? Er musste gleich zur Probe und wollte sich noch umziehen. Schnell nahm er seinen Bademantel vom Haken, zog ihn über und ging zur Tür. Er sah niemanden durch den Spion. Sollte das ein schlechter Scherz sein, dachte er, öffnete aber dennoch die Tür. Sofort stürmte ein Mann mit einer Skimaske durch die Tür, griff mit seinen behandschuhten Händen nach Lars und presste sie ihm auf den Mund. „Hallo...ich bin wieder da...“, lachte es unter der Maske hervor. Die Augen des Dirigenten weiteten sich. Nein, das konnte nicht sein...nicht noch einmal bitte...dachte er und versuchte sich aus dem Griff zu befreien, doch sein Angreifer war stärker, umschlang den schmächtigen Musiker mit seinen Armen, nachdem er ihm einen Streifen Klebeband auf den Mund gepresst hatte. „Oh, du hast dich schon frei gemacht...“, höhnte der Mann und fuhr mit einer Hand hinunter in den Schritt seines zappelnden Opfers. „Ja, so ist es gut...wehr dich...zapple ruhig...das macht mich scharf...“, drang es mit heiserer Stimme an Lars Ohr. Vollkommene Angst beherrschte ihn. Er musste sich aus dem Griff lösen und weg von hier. Nur schnell weg. Er holte mit seinem Kopf aus und schlug den Mann die Nase blutig. „Ahhhhhhh....“, hörte er es aufschreien. Sofort riss sich Lars los, rannte Richtung Terrasse und sprang in den Garten hinaus. Schnell war der Zaun überwunden und er war auf der Straße. „Hey, was soll das?“, schrie plötzlich jemand hinter ihm auf. Lars drehte sich hastig um und sah eine Polizeistreife, die eben angehalten hatte. Erleichtert atmete er auf und ging auf die Beamten zu. Er versuchte zu sprechen, doch er hatte vergessen, dass er noch das Klebeband trug. So riss er es sich schnell ab und erzählte den Beamten, was passiert war. Sofort rannte einer in Lars Wohnung, während der andere den jungen Musiker in den Streifenwagen setzte. „Brauchen sie einen Arzt? Soll ich einen Arzt rufen?“, wollte der Mann wissen. Schwach nickte Lars nur. Die Attacke war ihm zu nahe gegangen.

  • Peter und Julia waren endlich zu Hause angelangt. Konrad war in sein Hotel zurückgefahren. Die beiden Eltern trugen jeweils eines der Babys über die Schwelle in das neue Heim und legten sie in das von Ben und Peter gestaltete Kinderzimmer. Es war in einem hellen Blauton gehalten und an der Decke waren einzelne Sterne aufgemalt, sowie ein großer, lachender Mond mit einer daneben befindlichen Sonne. „So, dann wollen wir mal unsere Kleinen in ihrem neuen Heim willkommen heißen.“, lächelte der stolze Vater und hängte über jede Wiege ein Mobile. „Das ist ein wunderschönes Zimmer.“, gab Julia von sich. „Ja nicht wahr? Das Blau war Bens Idee….er meinte, das würde besser passen…“, kam von Peter. „Mein Bruder….er wäre sicher ein toller Papa…“, lachte Julia und sah auf ihre schlafenden Zwillinge. „Sie sind wunderhübsch…“, meinte sie nur. „Ja… das sind sie. Und du hast mir das Glück auf Erden geschenkt… erst als du mir das Jawort gegeben hast und nun schenkst du mir zweifach unsere Liebe…“, strahlte Peter. Er zog Julia an sich und küsste sie innig. „Ich liebe dich….“, kam leise von Julia. Wieder sah sie auf die Würmchen, die vor ihr in den Wiegen lagen. „Da seid ihr…“, kam von Konrad, der jetzt das Zimmer betrat. „Na ihr könnt euch wohl gar nicht von den beiden losreißen was…“, lachte er leise. Er stellte sich neben Peter und Julia und sah ebenfalls auf die Zwerge. „Sie sind wirklich allerliebst…das ist Markus…und das ist Mathias…“, er wies mit den Fingern auf die Wiegen. Julia lachte. „Umgekehrt…Papa….umgekehrt.“, berichtigte sie.


    „Also was ich jetzt in der Akte sehen konnte, ist der Täter ein Mann…das Alter ist schwer zu schätzen…aber er muss sehr durchtrainiert sein. Er scheint bi-sexuell zu sein, sonst hätte er die Frau verschont...oder aber er hat seinen Weg noch nicht gefunden. Dass er von dem Opfer den linken Schuh und die Socke nimmt, ist sonderbar…aber es scheint ein Ritual zu sein. Diese Täter setzen sich ein Ritual um die Sache zu beenden. Erst wenn er die Socke hat…und den Schuh, ist für ihn die Tat vollendet. Was er damit macht...nun ja...da müssen wir ihn fragen, wenn wir ihn haben.“, erklärte Pfeiffer. „Herr Pfeifer…..Jo…..ich denke das sind keine Neuigkeiten. Wir wissen, dass es ein Mann sein muss, denn schließlich war auch Sperma bei dem Mann zu finden. Die Analyse läuft noch, aber das nicht mehr lange und wir haben einen Namen.“, kam genervt von Semir. Dieser Profiler hat nichts Neues gesagt. „Es ist natürlich auch möglich, dass der Täter extrem pervers ist. Ich würde auch auf Spielplätzen nach dem Mann Ausschau halten, denn es ist gut möglich, dass er sich Kinder vornehmen will.. was ich eigentlich auch gleichzeitig ausschließe, weil er scheinbar den Kampf mit seinen Opfern liebt…“, ging es bei Jo weiter. Semir setzte sich auf. „Wie kommen Sie denn darauf?“, wollte er wissen. „Nun…die Opfer hatten alle Abwehrspuren an sich. Also haben sie sich gewehrt und dennoch konnten sie ihn nicht besiegen. Vermutlich ist es genau das, was er liebt. Sich wehren….Sie sollten sich auf jeden Fall die Schwulenszene vornehmen. Ich kenne da ein paar Clubs, obwohl die Männer dort sicher nicht zum Täter werden…“, erklärte Jo. Ben räusperte sich. „Herr Pfeiffer…woher kennen Sie denn solche Lokalitäten?“, harkte er nach. Jo sah ihn an und lächelte. „Ähm….nun ja…ich….also...ich….“, stammelte er und senkte seinen Kopf. „Sie sind schwul?“, kam trocken von Semir. Jo nickte. „Ja….ich halte es aber nicht für so außergewöhnlich. Wir laufen nicht in Röcken rum und schminken uns wie eine Frau, oder reden so….es ist nur eine Gesinnung und wir können unseren Job genauso gut machen wie Heteros…“, verteidigte sich der Profiler sofort. Ben nickte und sah Semir an. „Nun…wir haben nichts gegen Schwule oder Hetero…..oder bi….es ist uns ziemlich egal, solange wir diesen Typen bekommen….“, gab er ruhig zurück. Jo knetete seine Hände. „Sie werden mit mir zusammen arbeiten?“, fragte er leise nach. „Ja sicher….oder besser nicht so…Sie arbeiten mit uns zusammen. Nur tun Sie uns einen Gefallen und finden Sie mehr heraus…“, lächelte Ben ihn an.


    Robert saß in seiner Wohnung. Verdammt….Lars war stark geworden…. Er hatte nicht damit gerechnet, dass er sich so wehrte. Wie konnte sein eigener Bruder ihm die Nase brechen. Wie konnte er ihn so verletzen? fragte er sich. im Spiegel besah er seine Nase. Sie schimmerte bläulich. „Du hast mir die Nase gebrochen…Brüderchen…dafür wirst du bezahlen….das schwöre ich dir….du wirst mir nie wieder etwas brechen. Aber ich werde dir etwas brechen….deinen Willen…du wirst mir für eine lange Zeit mein Sklave sein….mein Liebessklave…. drohte er seinen Spiegelbild und meinte damit seinen Bruder Lars. Jetzt war es erstmal wichtig, sich ein neues Opfer zu suchen...hoffentlich war bei dem nächsten Opernbesuch ein geeignetes Opfer dabei. Er musste dieses Mal einen Mann bekommen, der auch seine Vorlieben für schöne Füße erfüllte. Oh, wie sehnte er sich nach einem Fuß, den er nach aller Art und Manier verwöhnen konnte. Ja, das wäre es...dachte Robert und suchte sich eines der nächsten Konzerte aus. Hm, wie wäre es mit einem Klavierkonzert. Da waren doch sicherlich auch schnuckelige Kerle zu finden und die Frau würde er dieses Mal einfach abstechen. Er wollte jetzt nur noch den Mann, brauchte nur noch den Mann. Er machte sich fertig, denn sein Psychiater wartete auf ihn. Auch ein sehr schnuckeliger Mann, wäre er nicht etwas zu alt. Ihm waren diese Sitzungen eigentlich egal, aber es war seine Bewährungsauflage. So ging er los und ließ sich wieder mit psychologischen Feinheiten und altweiberischen Weisheiten berieseln.

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    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „Semir, Ben...die Stadtpolizei hat gerade einen Überfall auf einen Mann gemeldet, der von einem Maskierten angegriffen wurde.“, rief Susanne hinein. Jo drehte sich um. „Da hat unser Mann bestimmt wieder zugeschlagen.“, erklärte er. „Warum gehen sie davon aus?“, fragte Ben nur und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Ich bin mir einfach sicher...bitte, ich muss dort hin.“, bat Jo. Semir drehte sich zu seinem Kollegen um. „Na, nachschauen kostet ja nichts...“, meinte er dann und erhob sich. Grummelnd tat Ben es ihm gleich und gemeinsam fuhren sie dann in die Innenstadt. Schon von weitem sahen sie den Rettungswagen und drei Streifenwagen vor dem Haus stehen. „Hallo Jungs...was macht ihr denn hier?“, wollte einer der Kollegen wissen. „Wir haben von dem Fall hier gehört und finden, dass er Ähnlichkeit mit den Fällen von uns hatte.“, erklärte Semir. Der Mann nickte nur. „Dann schaut euch mal um...der Täter scheint nicht zum Schuss gekommen zu sein. Das Opfer hat ihm die Nase eingeschlagen...mit dem Kopf.“, grinste der Polizist nur. „Das Opfer hat sich gewehrt. Das heißt, der Täter könnte es wieder versuchen.“, kam es sofort von Jo. Ben drehte sich um. „Wie können sie sich so sicher sein?“, wollte er mit skeptischer Stimme wissen. „Glauben sie mir...er wird diese Niederlage nicht auf sich sitzen lassen. Entweder wird er das nächste Opfer besonders brutal zurichten oder er wird es bei diesem hier noch einmal versuchen.“, erklärte Jo nur und stieg aus, ging gleich auf den Krankenwagen zu. „Was zum Henker...“, knurrte Ben nur. „Lass ihn mal...“, meinte Semir und hielt Ben fest.


    Lars saß in dem Rettungswagen und hatte eine Decke um den Körper gewickelt. Er konnte es einfach nicht glauben...sein Leben hatte wieder einen Rückschlag erhalten. Warum? Warum nur konnte ihn sein Bruder nicht einfach in Ruhe lassen. Wieder wollte er ihn vergewaltigen und beinahe hätte er es dieses Mal geschafft. Lars merkte nicht, wie ein Mann auf ihn zukam. „Hallo, ich bin Johannes Pfeifer...von der Kripo...ich würde ihnen gerne ein paar Fragen stellen. Sind sie dazu in der Lage?“, wollte er wissen und fasste den Mann kurz an die Schulter. Doch sofort zuckte Lars zusammen und blickte den Mann mit gebrochenen Augen an. „Was?“, fragte er leise. „Können sie mir den Mann beschreiben, der sie angegriffen hat?“, wiederholte Jo seine Frage. „Nein...nein...er...er...hatte...hatte eine...eine Maske auf...“, kam es nur von Lars. „Wissen sie, warum er gerade sie ausgesucht hat?“, wollte der Profiler wissen. Lars schüttelte nur schwach mit dem Kopf. „Okay, ich werde mich noch einmal an sie wenden, wenn sie vernehmungsfähiger sind.“, meinte Jo und ging zu Semir und Ben zurück. „Na, Herr Profiler...was haben sie denn herausgefunden?“, wollte Ben wissen und sah Jo nur an. „Tja, er steht unter Schock...da ist nicht viel herauszuholen. Ich glaube, so pervers es auch klingen mag, aus seiner Leiche hätte ich mehr lesen können.“, resignierte der Profiler. Ben nickte nur kurz. „Hoffentlich ist die DNA-Analyse schon fertig...wir fahren gleich mal rüber ins Labor.“, erklärte Semir und schon in der nächsten Minute waren sie auf dem Weg zum Doc.


    Dr. Michael Wegener sah auf, als Semir und Ben eintraten. „Ich wollte euch gerade anrufen. Die DNA Analyse ist fertig….der Kollege, dem das Sperma gehört ist aber nicht identifiziert, denn er ist nicht in unserer Datenbank.“, erklärte er, bevor jemand fragen konnte. „Verdammt…und wie sollen wir ihn dann finden?“, maulte Ben. Wegener zog die Schultern hoch. „Das ist euer Problem und nicht meins….“, grinste er nur. „Mist….Was ist mit anderen Dingen, an denen wir den Täter wenigstens einkreisen können?“, wollte Semir hoffnungsvoll wissen. „Nun..ich würde vorschlagen, dass ihr in der Schwulenszene eure Nase steckt.“, schlug Wegener vor. Ben sah ihn an. „Ja und du weißt sicher auch, dass es sehr viele Schwule gibt. Wir müssen den Täter eingrenzen, bevor es erneut zu einem Fall kommt…“, knurrte er wütend. „Ben...ich bin Mediziner und kein Taktiker. Ich sage euch, was ich bei der Untersuchung herausgefunden habe…den Rest müsst ihr machen.“ „Schon gut…Ben ist heute mit dem falschen Bein zuerst aufgestanden.“, grinste Semir und schob seinen Partner raus. Wenig später saßen sie im Auto. „Und nun?“, wollte Ben wissen. „Nun fahren wir ins Krankenhaus und verhören das Opfer von eben…“, schlug Semir vor. „Du hast doch gehört, was Jo gesagt hat….er ist nicht vernehmungsfähig.“, stöhnte Ben. „Trotzdem fahren wir hin…vielleicht hat er sich erholt und spricht mit uns.“, entgegnete Semir und fuhr los. „Was wenn nicht?“, wollte Ben wissen. „Nun...dann werden wir die Person mal durchleuchten….vielleicht finden wir den Täter genau in seinem Kreis…“


    Lars lag in seinem Bett und hatte die Augen geschlossen. Er wollte versuchen zu schlafen, doch…die Bilder kamen hoch. Er sah wieder seinen Bruder vor sich. Höhnisch grinsend sah er ihn an. „Du bist mein….Lars…..wehr dich….“, hörte er ihn sagen. „Nein!!“, stieß er aus und richtete sich auf. Doch anstatt in das Gesicht seines Bruders zu sehen, sah er zwei fremde Männer am Bett. „Entschuldigung..wir wollten Sie nicht erschrecken.“, kam von dem Kleineren. „Schon gut…ich…ich…hab nur …schlecht geträumt.“, kam von Lars stockend. „Nach dem, was Sie erlebt haben, ist es nicht schwer Alpträume zu haben. Können Sie uns verraten, was passiert ist?“, fragte der Kleinere. „Wer sind Sie?“, wollte Lars wissen. „Oh…Entschuldigung…ich bin Semir Gerkhan, Kripo Autobahn…. Das ist mein Kollege Ben Jäger….es geht um einen Fall, den wir bearbeiten und Ihr Fall passt irgendwie da rein.“, erklärte der kleine Mann. „Ach so….nun ja..ich..hab schon einem Kollegen gesagt, dass ich nicht viel weiß. Es klingelte an der Tür und….ich hab durch den Spion gesehen, aber niemand war da…also hab ich die Tür geöffnet und nachgeschaut…und…da packte mich der Mann und…zerrte mich in meine Wohnung…und…er…es….“, stammelte Lars. Er schluckte schwer, als er die Bilder wieder vor sich sah. „Haben Sie etwas von dem Täter gesehen, etwas… das uns hilft ihn zu finden?“, mischte sich der größere ein. Lars schüttelte den Kopf. „Nein….“, kam entschlossen von ihm. Es klopfte an der Tür. „Ja bitte?“, fragte Lars und erschrak als die Tür aufging. „Lars..was machst du denn für Sachen? Ich wollte dich besuchen und mir wird gesagt, dass du im Krankenhaus liegst….“, tadelte Robert ihn. „Robert? Was willst du hier?“, kam von Lars ängstlich. Er zog sich in seinem Bett bis an das Kopfende zurück. Die Angst konnte jeder erkennen.

  • Semir beobachtete Lars Felder genau und erkannte dass der Mann Angst hatte. „Das ist mein Bruder…Robert…“, stellte Lars den Mann der eben das Zimmer betrat vor. „Robert…das sind…Semir Gerkhan und Ben Jäger von der Polizei…sie….bearbeiten den Fall…“, kam stockend von Lars. Robert Felder ergriff die Hände und hielt die von Ben etwas länger fest, als die von Semir. Doch den Beiden entging der Blick mit dem Robert Ben fixierte. „Wie geht es dir denn?“, wollte Robert Felder wissen und streichelte seinen Bruder über den Kopf .Doch dieser zog den Kopf weg und Semir registrierte auch diese Abwehrbewegung. „Herr Felder… wenn Sie, sobald es Ihr Zustand zulässt zum Revier kommen könnten, wäre ich Ihnen sehr verbunden. Wir müssen Ihre Aussage noch zu Protokoll nehmen…“, lächelte Semir und wandte sich zum Gehen. „Warten Sie…ich komme direkt mit. Hier im Krankenhaus will ich eh nicht bleiben…“, begehrte Lars Felder auf. „Nein Lars...du lässt dich schön untersuchen...wer weiß, was dir fehlt.“, meinte Robert streng und drückte seinen Bruder zurück in das Bett. Wieder registrierte Semir die Angst in den Augen des Mannes. „Warum eigentlich nicht...ich meine, wenn der Arzt nichts dagegen hat.“, mischte sich Semir ein. Lars schloss erleichtert die Augen und nickte dann. Der Arzt ließ Lars das entsprechende Formular unterschreiben und zog mit den beiden Autobahnpolizisten von dannen. Robert ballte die Fäuste. Das würde er bereuen. Er würde seinem Bruder so das Leben zur Hölle machen. Aber dieser Polizist, der Große, sah wirklich niedlich aus. Er war genau das, was Robert suchte...athletisch, einen gut gebauten Körper, braune Haare und schöne leuchtend braune Augen. Dieser Kerl würde sein Höhepunkt sein, das Sahnestück seiner Sammlung. Doch jetzt musste Robert sich fertig machen und auf das nächste Konzert warten.


    „So, dann unterschreiben sie mal hier bitte...“, bat Semir, nachdem er das Protokoll aus dem Drucker genommen hatte. Lars nahm es und unterschrieb mit zittriger Hand. „Ist alles mit ihnen in Ordnung?“, wollte Ben wissen und wollte dem Mann seine Hand auf die Schulter legen, doch Lars zuckte sofort zurück. „Sorry...“, meinte Ben nur und sah vielsagend zu Semir rüber. „Ist nur der Schock...“, versicherte Lars mit bebender Stimme und verließ dann die Station. Semir guckte ihm nachdenklich nach. „Er hat uns nicht alles gesagt...“, stieß er dann aus. „Hast du gesehen, wie er reagiert hat, als sein Bruder im Krankenhaus aufgetaucht ist?“, wollte der Deutschtürke von seinem Partner wissen. „Hab ich...aber das muss nix bedeuten.“, entgegnete Ben nur und streckte sich. „Wird Zeit, dass Feierabend ist...ich will nach Hause...“, gähnte er. Semir lachte. „Feierabend ist erst in vier Stunden...bis dahin haben wir noch was zu tun...“, grinste er und schnappte sich dann seinen Schlüssel. „Komm, fahren wir Streife...“ Ben nickte und folgte seinem Partner. Doch Semir ließ die Szene im Krankenhaus und eben jetzt nicht los. Mit dem jungen Mann war doch was nicht in Ordnung. Was verbarg er nur?


    Lars fuhr zu seiner Wohnung zurück. Er musste jetzt einfach wieder arbeiten und in drei Stunden war das nächste Konzert. Noch viel war dafür zu tun. Er schloss seine Tür auf und riegelte sofort hinter sich zu. Zuerst wollte er sich vergewissern, ob niemand in seiner Wohnung war. Vorsichtig durchsuchte er alle Räume und kam am Ende ins Wohnzimmer. Hinter der Tür kam ein schweres Atmen hervor. Sein Körper versteifte sich und alles zog sich in ihm zusammen. „Dachtest du, dass du mich so einfach los wirst?“, hörte er die Stimme seines Bruders und schon in der nächsten Minute spürte er, wie dessen Hand in sein Haar fuhr und kräftig zupackte. „Lass mich los...ich...ich hab ihnen nichts verraten...“, stieß der junge Dirigent unter Schmerzen aus. „Das will ich dir auch geraten haben. Ansonsten hättest du dir jetzt deine Knochen zusammen suchen können.“, fauchte Robert und stieß seinen Bruder vorwärts. „Was...was willst du von mir?“, fragte Lars, obwohl er die Antwort schon erahnte. „Du hast mir die Nase gebrochen...dafür breche ich dir deinen Willen, mein liebes Bruderherz...“, knurrte Robert und warf sich auf ihn. „Nein, bitte nicht...bitte...“, schrie Lars und wehrte sich, so gut er konnte, doch sein Bruder hatte ihn am Boden festgenagelt, presste ihm die eine Hand auf den Mund, während er mit der anderen Hand in den Schritt seines Bruders fasste und dessen bestes Stück bearbeitete. „Ja, so ist es gut...Wehr dich...dann haben wir beide etwas davon.“, zischte Robert nur und ließ seinen Trieben freien Lauf.


    Semir und Ben kehrten von ihrer Streife zurück und trafen im Büro auf Jo, der gerade dabei war, eine Clipchart mit den jeweiligen Ermittlungsfortschritten zu füllen. „Jo, was machen sie da? Warum nutzen sie nicht unsere elektronische Wand?“, fragte Semir und hing seine Jacke über den Stuhl. „Ich arbeite so immer am Besten...so weiß ich, wo wir stehen und so kann ich mich auch besser in die Situation hinein versetzen.“, erklärte der Profiler. Ben verdrehte nur die Augen, ließ sich in seinen Stuhl nieder und warf die Füße auf den Tisch. „Okay, Herr Profiler...dann sagen sie uns doch mal was über den letzten Angriff.“, forderte Ben. „Ähm…..nach allem, was ich bisher erfahren habe oder glaube erfahren zu haben?“, fragte Jo. Ben nickte. „Nichts….“, kam von Jo kleinlaut. „Oh…das ist eine große Hilfe…ich dachte, Sie können uns helfen?“, knurrte Ben. „Ich hab doch alles versucht...ich meine…wir haben nichts Greifbares als die Opfer und ich hab Ihnen gesagt, dass es ein Schwuler war…das ist doch schon was… Soll ich Ihnen vielleicht den Täter präsentieren?“, fauchte Jo ihn an, weil er sich ungerecht behandelt fühlte. „Ja okay…war nicht gut….“, entschuldigte Ben sich. Er sah Semir an. „Was machen wir jetzt? Drehen wir Däumchen und warten bis Herr Profiler was gefunden hat?“, stöhnte er. „Ben….Jo macht, was er kann…er arbeitet hier und wir fahren noch mal zu Lars Felder…ich habe ein dumpfes Gefühl, dass dort ein Knoten liegt.“, erklärte Semir geduldig. Ben erhob sich und nickte nur. Sie fuhren los.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „HERR FELDER!! HIER IST DIE POLIZEI!! ÖFFNEN SIE BITTE!!“, rief Semir und hämmerte mit den Fäusten an die Tür. Doch dahinter rührte sich nichts. Er sah Ben an. „Er wollte doch zuhause blieben…“, murmelte er. Ben hob seinen Dietrich hoch. „Lassen wir uns selbst rein?“, schlug er fragend vor. „Mit welchem Grund?“, harkte Semir nach und grinste breit. Ben sah ihn an. „Seit wann willst du das denn wissen?“, kam die Frage. „Frag nicht…mach...!“, lachte Semir und trat zur Seite. Ben machte sich am Schloss zu schaffen. „Du warst auch schon mal schneller…“, stieß Semir nach drei Minuten aus. „Ja...das hier ist aber ein Sicherheitsschloss...“, knurrte Ben. Dann endlich knackte er es und öffnete die Tür. Semir stieß sie auf und trat ein. „Her Felder?“, fragte er nach. Keine Antwort. „Herr Felder? Hier ist Semir Gerkhan…“, wiederholte er. Doch es kam nichts. Semir sah Ben an und nickte. Sie gingen Raum für Raum durch und kamen im Wohnzimmer an. „Scheiße SEMIR!! Hier!!“, schrie Ben. Semir kam angerannt und sah die Blutlache am Boden und dann den Mann, der sich scheinbar die Pulsader aufgeschnitten hatte. „Verdammt...“, stieß er aus und wählte direkt den Notruf, während Ben Druckverbände anlegte. Lars Felder lag in tiefer Bewusstlosigkeit. „Warum begeht er Selbstmord? Bzw. warum versucht er es?“, fragte Semir sich leise. Ben sah ihn an. „Wenn der Notarzt schnell genug hier ist, kannst du ihn ja mal fragen.“, gab er von sich. „So schlecht?“, harkte Semir nach. „Der Puls ist nur sehr schwach…. Nach der Menge zu urteilen, die hier ist, liegt er schon ne ganze Weile hier.“, gab Ben zu.


    Robert legte sich auf seine Couch und rauchte zufrieden eine Zigarette. Das war gut…..Lars war wirklich sehr gut….Robert lachte leise. Sein Bruder hatte sich am Anfang gewehrt und ihn angefleht…doch es brachte nichts. Schade nur, dass er nicht mitbekam, wie Robert zum Höhepunkt kam und sichtlich viel Spaß hatte. Als er fertig war wurde Lars wieder mutig. „Ich werde der Polizei sagen, was du getan hast…ich hoffe, sie werden dich in den Knast stecken und die anderen nehmen dich so, wie du es mit mir getan hast...!“, fauchte sein Bruder unter Tränen. Robert lachte nur und nahm sein Messer. Er setzte es an Lars Hals. „Du wirst niemanden etwas sagen…..du gehörst mir….du bist mein Besitz…“, hatte Robert gelacht. Dann setzte er das Messer an Lars Handgelenk und schnitt es durch. Blut schoss heraus. Lars wehrte sich nicht. Er stand völlig unter Schock. Doch Robert wollte sicher gehen und schnitt auch an der zweiten Hand die Pulsadern auf. Auch hier schoss Blut heraus. Plötzlich richtete Robert sich auf und verließ die Wohnung. Er ließ Lars zum Sterben zurück. Nicht einmal Gewissensbisse hatte er für seinen Bruder übrig. Und nun? Nun lag er hier und genoss die Zigarette. Er dachte an seinen Bruder, als er im Krankenhaus lag. Dieser eine Bulle….er war süß…er sah verdammt gut aus. Dunkle Locken….braune lebendige Augen…..einen Dreitagebart…. Einfach genial. Er musste ihn haben…schon bald würde der Drang wieder groß werden. Wie hieß er verdammt….er hatte den Namen von dem Jungen vergessen. Robert setzte sich auf und nahm einen tiefen Zug. Wie hieß der Kerl noch mal…. dachte er intensiver. Doch es fiel ihm kein Name ein.


    Der Notarzt zog sich die Einweghandschuhe von der Hand und sah deprimiert zu den beiden Kommissaren auf. „Tut mir Leid, aber hier kam jede Hilfe zu spät.“, erklärte er und packte seinen Koffer zusammen. Ben nickte nur. „Dann rufe ich mal unseren Profiler an...jetzt hat er ja die Leiche, die er wollte.“, knurrte Ben nur und griff zum Handy. „Sag mal, was hast du eigentlich gegen ihn? Er ist da, um uns zu helfen...“, stieß Semir aus. „Ich weiß, aber dafür, dass er so viel herumgekommen ist, macht er nicht gerade gute Arbeit, oder?“, gab Ben zurück und telefonierte mit dem Profiler. Jo versprach sofort zu kommen. Währenddessen sah sich Semir in der Wohnung um. Er fand ein altes Foto im Schrank und sah es sich an. Das eine war Lars und das andere musste Robert sein. Shit, ihn hatte man ja noch gar nicht benachrichtigt. Vielleicht sollte Semir ihn anrufen. Er wusste selbst nicht warum, aber sein Bauch sagte ihm, dass mit diesem Kerl etwas nicht stimmte. „So, der Kleine ist auf dem Weg hierher...“, meinte Ben, während er in das Zimmer trat, wo Semir sich befand. Allerlei Musikbücher und Notensammlungen waren dort angelegt. „Dann machen wir für heute Feierabend. Wenn wir hier fertig sind.“, meinte Semir nur und stellte das Foto wieder hin. „Gut, endlich...“


    Robert machte sich für das nächste Konzert fertig. Er hatte die Karte an der Theaterkasse gekauft. Wieder packte er seine Tasche und ging dann zu seinem „Trophäenschrank“. Nochmals nahm er die Socke vor und roch daran. Heute...heute war es wieder so weit und heute sollte es so eine schöne, klare Vollmondnacht werden. Dieses Mal würde er den Mann verschleppen und die Frau einfach ermorden. Er würde sie wegwerfen wie ein altes Bonbonpapier. Schnell zog er sich seinem Smoking an und schnappte sich seine Tasche. Schnell war er in ein Taxi gestiegen und fuhr zum Konzerthaus. Der Platz davor war angereichert mit allen möglichen Leuten, die mit einem Sekt oder eine Apfelschorle auf den Einlass warteten. Robert sah sich mit seinen beutegierigen Auge um. Da...da war ein Mann...dieser passte genau zu ihm. Groß, athletischer Körper, kurze, braune Haare, die vorne eine Tolle hatten. Ein kleiner Ohrring zierte sein linkes Ohrläppchen. Oh man...das war er also...sein nächstes Opfer. Die Frau daneben war sicherlich seine Freundin. Eigentlich schade drum...dachte Robert, doch dann besann er sich und stürzte seinen Sekt die Kehle hinunter. Die Glocke zum Plätze einnehmen erschallte und Robert suchte sich seinen Platz. Oh was für ein Glück...sein zukünftiges Opfer saß nur einige Reihen von ihm entfernt, sodass er ihn immer beobachten konnte. Der Vorhang öffnete sich und die Musik begann. Richtig lauschen konnte er ihr nicht. Immer wieder sah er zu diesem Mann und malte sich in Gedanken aus, was er alles mit ihm anstellen würde. Oh, wäre es doch nur schon zu Ende...dachte er und versuchte sich auf die Musik zu konzentrieren.

  • „Er ist also tot...“, meinte Jo, als er die Leiche besah. „Wie sie es wollten.“, knurrte Ben nur leise. Doch das hatte Jo gehört und fuhr wütend auf. „Ich habe meine Arbeit gelernt...und ich komme meiner Arbeit nach.“, fauchte er wütend und widmete sich dann wieder der Leiche, sah sich dann um. „Er hatte Besuch...“ „Woher wollen sie das denn jetzt wissen?“, wollte Ben wissen. Jo deutete nur hinter den Hauptkommissar. Deutlich waren im Teppich hinter der Tür noch Fußabdrücke zu sehen. „Okay, Mr. Monk...dann machen sie mal weiter...“ Ben verdrehte genervt die Augen. „Tja, aber das sagt uns nur, dass einer hier war...und ich möchte wetten, dass hier ein anderer Grund vorliegt. Werden sie eine Obduktion machen?“, wollte Jo wissen. „Das ist Standart bei uns...“, zischte Ben nur und wurde dann von Semir zurückgezogen. „Jo, egal, was sie finden...alles kann uns helfen...“, erklärte er ruhig und erntete ein dankendes Lächeln. „Okay...ich werde mich jetzt auf den Clipchart konzentrieren. Eigentlich könnt ihr Feierabend machen.“, meinte Jo und stand auf. „Na endlich...“, grummelte Ben und zog Semir mit sich nach draußen. „So, du fährst mich nach Hause...“, forderte Ben. Semir machte große Augen. „Warum sollte ich das tun? Du hast zwei gesunde Beine und einen Arm, mit dem du ein Taxi rufen kannst.“, grinste Semir. Jo beachtete die Beiden nicht mehr und machte sich an die Arbeit. Dabei redete er so laut, das Semir und Ben zuhören konnten, was in seinem Kopf vorging. „Wenn man davon ausgeht wie brutal der Täter gewesen ist, dann könnte man glatt meinen, dass es eine Beziehungstat war…“, hörte Semir ihn sagen. Sonderbarer Weise bekam Semir in Gedanken das Bild von Robert Felder vor die Augen.


    Robert hörte dem Spiel der Musik nicht zu. Er bekam kaum mit, was auf der Bühne passierte sondern beobachtete nur sein Opfer. Wie er sich bewegte. Wie er Beifall gab. Es hatte etwas …er war so niedlich…und nun..lachte er…dabei zeigte sich ein Grübchen in den Wangen, welches durch das sanfte matte Licht reizend wirkte. Nur als der Mann sich zu der Frau beugte und sie küsste bekam er einen Schaueranfall. Nach zwei Stunden war die Oper vorbei. Robert erhob sich steif und wartete bis sein Auserwählter vor ihm war. Er beeilte sich um ihn nicht aus dem Blick zu verlieren und drängte sich zwischen die zum Ausgang strebenden Personen. Sein Auserwählter ging nur wenige Schritte vor ihm. Den Arm um die Frau geschlungen. „Lass uns noch etwas spazieren gehen…die Nacht ist so schön…“, säuselte sie. „Ja….das ist eine geniale Idee. Wie wäre es, wenn wir uns am Rhein noch ein kleines Gläschen gönnen….und dann durch den Rheinpark…“, gab der Mann zurück. Ja….das war eine sehr gute Idee… der Rheinpark ist wundervoll als Hintergrund für sein Vorhaben… dachte Robert als er das Gespräch mithörte. Das Pärchen ging am Rhein entlang, wo viele Kneipen waren. Das Pärchen setzte sich auf eine der Terrassen und bestellte sich etwas zu trinken. Auch Robert setzte sich nicht weit von dem Beiden an einen Tisch. „Mark….wann wollen wir es unseren Eltern sagen? Ich meine, wir wissen, dass wir heiraten wollen….und…meine Alten sind schon ganz fertig…“, klagte das Mädchen. Robert grinste leicht. Du wirst ihn nicht mehr heiraten…dachte er in Gedanken. Sein Getränk kam. Er trank es genüsslich und wartete bis das Pärchen fertig war und in den Park ging.


    Wegener hatte in der Nacht Dienst. Er bekam gerade die Leiche von Lars Felder auf den Tisch. „Na, du armer Kerl…dir haben sie ja was ganz Schlimmes angetan, was? Wer kann denn so grausam sein… der Typ ist krank…aber nur keine Sorge…wenn du mir hilfst, dann verspreche ich dir, dass der Mistkerl bald im Knast sein wird. Also erzähl mir was…“, sprach er auf den Leichnam ein und fing an den Toten systematisch zu untersuchen. Nach einer guten Stunde sah er noch einmal auf den vor ihm liegenden Mann. „Na…wer sagt es denn…die Hautreste unter den Fingernägeln, wird sicher einen Hinweis geben, wer dir das angetan hat. Sperma haben wir auch…..und wenn wir jetzt noch ein Bild von dem Kerl hätten, dann wären wir einen guten Schritt weiter…“, murmelte er nachdenklich. Fein ordentlich machte er sich Notizen. Endlich war er fertig und schrieb den Bericht. Er tütete die Sachen die er gefunden hatte ein und schickte sie ans Labor. Gegen drei Uhr morgens machte auch Wegener Schluss und fuhr nach Hause. Morgen würden Ben und Semir sicher Augen machen, wenn der Bericht bereits im Mailfach lag. Er legte sich ins Bett und schlief recht schnell ein. Alles Weitere würde dann in den Händen von Ben Jäger und Semir Gerkhan liegen, die sicher längst im warmen Bettchen lagen und den Schlaf der Gerechten hielten.


    Der nächste Morgen kam und Semir war zeitig im Büro. Er sah sofort nach dem Bericht des Gerichtsmediziners und fand ihn in seinem Emailfach. Aufmerksam las er den Bericht durch. Dann fiel ihm ein, dass der Bruder von Felder noch nichts über den Tod wusste. Ben war noch nicht in Sicht, also musste er allein hin. Er fuhr los. Eine knappe viertel Stunde später klingelte er bei Robert Felder und weckte den scheinbar noch schlafenden Mann. „Guten Morgen…Gerkhan…Kripo Autobahn. Es geht um Ihren Bruder…“ erklärte Semir und zeigte seinen Ausweis. „Meinen Bruder? Hat er..ist er…?“, stammelte Robert Felder. „Herr Felder… es tut mir sehr leid, aber Ihr Bruder ist tot. Er wurde ermordet…können wir uns einen Augenblick unterhalten?“, bat Semir. Robert Felder sah ihn an. „Aber das kann nicht sein….das geht doch nicht….ich...meine...er…er…“, stammelte er. Semir sah genau, dass der Mann völlig verstört war. Robert ließ ihn in die Wohnung. Semir sah sich um. Die Wohnung war ordentlich eingerichtet. „Wie war Ihr Verhältnis zu Ihrem Bruder?“, wollte Semir wissen. Robert überlegte nicht lange. Er wusste, was er diesem Bullen auftischen musste. Doch er musste ihn auch schnell wieder los werden. Immerhin würde sein „Gast“ bald aufwachen und Alarm schlagen. „Eigentlich recht gut...wie man sich nun mal unter Brüdern so versteht. Ich habe seine Leidenschaft für die Musik immer geteilt.“, erklärte Robert nur und sah den Polizisten abwartend an. Dieser nickte nur. „Können sie sich vorstellen, dass ihr Bruder Feinde hatte? Jemanden, der ihn abgrundtief hasste?“, fragte Semir und beobachtete jegliche Regung des Mannes. Robert verzog die Mundwinkel und spielte eine nachdenkliche Pose. „Nein...nein, eigentlich fällt mir da keiner ein.“, erklärte Robert und sah dann Semir an. „Bitte...könnte ich jetzt alleine sein. Ich möchte um meinen Bruder trauern.“, bat der Mann. Semir nickte nur und verließ das Haus. Auf der Straße drehte er sich noch einmal um. Irgendwas störte ihn an diesem Kerl, er wusste aber noch nicht was. Sein Magen sagte ihm aber, dass hier etwas nicht stimmte.

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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Robert sah dem Polizisten nach und spielte noch eine Weile den trauernden Bruder. Doch als das Fahrzeug die Straße hinunterfuhr, änderte sich sein Gesichtsausdruck. Schlagartig lachte er los und musste sich für sein schauspielerisches Talent loben. So etwas hatte er das letzte Mal im Gefängnis und in der Psychologensitzung drauf. Er hätte nicht gedacht, dass sich dieser Bulle davon so beeinflussen lassen würde. Nun musste er aber machen, dass er in den Keller und dann in sein eigens präpariertes Versteck kam. Sicher würde sein Opfer schon wach sein und er wollte doch wieder eine Runde Sex haben. So richtig guten Sex, wie er ihn schon letzte Nacht bekommen hatte. Er schloss die dicke Stahltür auf, knipste das Licht an und schloss sie dann wieder hinter sich. Die neben der Tür liegende Maske zog er sich schnell über und kletterte dann die Leiter hinunter, die ihn in einen tiefen Schacht führte. Dort ging er einige Meter und kam dann in einen alten, verlassenen Hohlraum, der einst zu einer alten Luftschutzanlage gehörte. Demnach war der Raum mit Luftschlitzen versehen, durch die genug Luft dringen konnte. Auf einem alten Bett, dass mitten im Raum stand, war jemand festgeschnallt, der nun langsam zu zappeln anfing. „Ganz ruhig...beweg dich nicht allzu viel...“, meinte Robert und sah dann, wie erschrocken der Mann ihn ansah. Er gab unverständliche Laute von sich. Zusätzlich zu den Fesseln hatte er seinem Opfer die zweite Socke in den Mund gestopft und das ganze mit Klebeband gut verschlossen. Robert lachte unter der Maske hervor, näherte sich dem Mann auf dem Bett, der wie wild an den Ketten zog, die ihn am Bettgestell hielten, und immer wieder undefinierbare Laute der Angst und der Wut ausstieß. „Ganz ruhig Mark, du hast jetzt einiges zu leisten...“, lachte Robert und legte seine Kleider ab, die Maske behielt er auf. Langsam stieg er zu den Mann ins Bett. Mark ahnte schon, was kam, denn er fing an, wie wild sich gegen die Fesseln zu wehren, doch es war sinnlos und schon spürte er, wie dieser Kerl begann, ihm die Füße zu küssen und sich dann langsam in die obere Region vorzuarbeiten. „Lass dich einfach fallen und mich meinen Spaß haben.“, hörte er nur noch die Stimme seines Peinigers.


    Ben saß derweil hinter seinem Schreibtisch. Wo war Semir? Er hatte ihm zwar einen Zettel hingelegt, aber so lange konnte doch das nicht dauern, oder? Das Telefon schrillte. „Jäger...Kripo Autobahn...“, meldete er sich. Sofort weiteten sich die Augen. „Okay...wir kommen gleich hin.“, erklärte er mit schwerer, wutentbrannter Stimme. „Schon wieder...“, knurrte er und legte auf. Er sah auf die in der Ecke stehende Clipchart. Wo war Jo, wenn man diesen Profiler mal brauchte, dachte er wütend und schnappte sich die Wagenschlüssel. Er brauste an Susanne und Hotte vorbei und stieß in der Tür fast mit Semir zusammen. „Hey, wo willst du denn so eilig hin?“, wollte der Deutschtürke wissen und sah seinen Kollegen an. „Tja, während du unterwegs warst und einen kleinen Ausflug auf Staatskosten gemacht hast, gab es schon wieder einen Leichenfund...eine junge Frau, etwa 24 Jahre alt.“, kam es schwer von Ben. „Wo?“, wollte Semir nur wissen. „An der A1….bei Knappsack auf dem alten Parkplatz, der gerade umgebaut wird. Sie wurde aufs übelste zugerichtet.“, gab Ben von sich, während sie ins Fahrzeug stiegen. „Ich war übrigens bei diesem Robert Felder…ich sag dir…irgendwas stimmt da nicht. Der Typ ist mir nicht ganz koscher.“, meinte Semir nachdenklich. „Dann lass ihn doch von Susanne überprüfen…vielleicht ist er ja doch aktenkundig.“, schlug Ben vor. „Werde ich auch….aber erst mal sehen, was wir für eine Leiche haben. Wo ist denn Jo?“, fiel Semir ein. „Keine Ahnung…vielleicht ist er schon vor Ort.“, knurrte Ben. Er war immer noch nicht gut auf den Profiler zu sprechen.


    „Mein Gott…wie grausam können die Menschen sein...das ist ja absolut ekelhaft.“, stieß Jo aus, als er die Leiche sah. Wegener sah ihn an. „Du hast wohl nicht so oft mit Leichen zu tun, was?“, wollte er wissen. „Ich bin Profiler...und ich sehe in den Opfern mehr von dem Täter als du bei der Obduktion.“, gab Jo wütend von sich. „Na dann sag mir, was ich nicht weiß.“, grinste Wegener. „Nun…da ist zumal die Lage der Leiche. Der Mann, und ich bin mir sehr sicher, dass es ein Mann ist, ist Rechtshänder…denn die Leiche ist so ausgerichtet, dass er alles mit rechts machen kann…“, zählte Jo auf. Wegener lachte leicht. „gut. Das hätte ich vielleicht nicht gewusst. Dass es ein Mann ist, war klar…nur diesmal ist sie nicht vergewaltigt worden. Weder vor noch nach dem Tod…“, kam von seiner Seite. „Ah…da kommen ja die Kollegen der Kripo…“, hängte er an. Jos Kopf ruckte herum. Er sah Ben und Semir ankommen. „Hallo.“, grüßte er die Beiden. „Und was gibt es hier?“, wollte Semir wissen. „Nun…es ist auf jeden Fall der gleiche Täter.“, gab Jo bekannt. „Ja danke Schlaumeier...das hätte ich jetzt nicht gedacht. Kannst du uns vielleicht mal was Nützliches sagen?“, fauchte Ben ihn an. „Ben…ich habe dir nichts getan…also behandel mich nicht, als sei ich für die Toten verantwortlich…“, fauchte Jo nun zurück. „Wegener? Hast du was, das wir noch nicht wissen?“, wandte Semir sich an den Gerichtsmediziner. „Nun…der Tod trat etwas gegen Mitternacht ein. Sie wurde erstochen. Und ihr wurde die Kehle durchgeschnitten.“ Kam von Wegener. „Ach…und haben wir hier Spuren von dem Täter?“ wollte er wissen. „Nun…die Spuren werden gerade ausgewertet. Klar ist aber, dass Fundort nicht Tatort ist. Zu wenig Blut…“ erläuterte der Mann weiter. Semir nickte. „Außerdem…haben wir hier einige Blutspuren gefunden, die etwas sonderbar angeordnet sind…als gehören sie nicht dazu. Es könnte Blut vom Täter sein. Die Tote hatte auch Hautpartikel unter den Nägeln. Sie scheint im Todeskampf ihren Mörder gekratzt zu haben.“, endete Wegener seinen Vortrag. „Gekratzt?“, harkte Semir sofort nach. „Nur ein Verdacht…also nagel mich nicht darauf fest.“, kam sofort von Wegener.


    Robert besah sich im Spiegel. Es war herrlich….der Junge war richtig gut….aber nicht gut genug...es musste noch eine Spur besser werden. Er wusch sich die Hände und sah auf sein Opfer. Reglos lag er da. Die Kratzer im Gesicht waren kaum zu sehen. Warum musste ihn die Schlampe auch kratzen? Und er….? Nun ja….vielleicht langt es noch für ein weiteres Mal, doch dann musste er sich nach einem neuen Opfer umsehen. Jemanden der besser ist…dieser Sex machte nicht wirklich Spaß wenn das Opfer sich nicht richtig wehrte. Dieser hier jammerte nur und flehte unter dem Knebel um sein Leben. Wie affig das war. Aber was soll’s es wird noch etwas dauern, bis er sein tatsächliches Opfer holen wollte. Er musste mehr über ihn erfahren…wo er wohnte…wie er lebte….und vor allem womit man ihn schnappen konnte. Vielleicht war er ja auch so gesinnt und gab es nicht zu? Davon gab es doch viele. Einer konnte ihm sicher etwas von diesem Mann...nein diesem Adonis erzählen…doch wie sollte er ihn dazu bekommen ihm zu erzählen, was er wissen wollte? Nein…besser noch…er würde den Mann beobachten. Ein Stöhnen unterbrach seine Gedanken. Sein Opfer kam gerade zu sich. „Hey…Süßer…du warst gut…wirklich…sehr gut…bis heute Abend...dann bekommst du auch eine Belohnung für deine Mühe.“, sagte er leise und lachte. Erschöpft ließ sich der Mann nach hinten fallen und weinte still vor sich hin. Robert ging wieder aus dem Keller, zog sich die Maske vom Kopf und überlegte, wie er an die Informationen zu seinem nächsten Opfer kommen sollte. Er musste ihn einfach haben, ihn besitzen. Das dürfte nicht so schwer sein, dachte sich Robert und machte sich gleich an die Arbeit.

  • „Okay, haben wir den Namen unseres Opfers?“, wollte Semir wissen, als die Bestatter die Frau in den Sarg gelegt hatten. Jo sah den Deutschtürken nur an und nickte. „Nicole Franke...24 Jahre alt.“ Seine Stimme war mehr als schwer und betroffen. „Verdammt...“, stieß Ben aus und sah sich um. „Leute, ich vermisse hier was...“ „Falls du die männliche Leiche meinst, wie beim letzten Mal...ja, danach hab ich auch schon gesucht. Dafür hab ich das hier gefunden.“, erklärte Jo und hielt eine Opernkarte hoch. „Wieder eine...Okay, was kannst du uns sagen?“, forderte Semir. „Ich denke mal, der Täter sucht sich seine Opfer spontan aus. Und zwar hier...in der Oper. Wahrscheinlich beobachtet er die Pärchen während der Vorstellung...Zeit genug hat er ja...danach schlägt er zu...dieses Mal hat er sich ganz bewusst den Mann ausgesucht und die Frau brutal ermordet.“, erklärte Jo und sah immer wieder auf die Eintrittskarte. „Dann müssen wir das Konzerthaus überwachen lassen. Vielleicht ist da jemand drunter, der zum Täterprofil passt.“, erklärte Semir. „Noch haben wir keins bekommen, außer das wir nach einem Schwulen Ausschau halten, der etwas gegen Pärchen hat.“, knurrte Ben und sah in Jos Richtung. „Okay...nach den neuesten Erkenntnissen kann ich sagen, dass der Täter ziemlich kräftig sein muss...Rechtshänder und einen Faible für Musik hat...oh und er scheint einen Fußfetisch zu haben...“, erklärte Jo. „Warum das?“, wollte Ben durch die Zähne wissen. „Wieder fehlt dem Opfer der linke Schuh und ich wette, dem Mann fehlen, wenn wir ihn finden, Schuh und Socke...“, erwiderte der Profiler. „Okay, fahren wir erstmal zum Revier zurück. Vielleicht hat Susanne ja was für uns.“, erklärte Semir.


    Die Sekretärin sah auf, als sie die drei Beamten ins Revier kommen sah. „Susanne, hast du schon was über diesen Robert Felder gefunden?“, fragte Semir mit ungeduldiger Stimme. „Ja...und nein...“, erklärte sie. „Wie? Was soll das denn heißen?“ „Erinnerst du dich noch an diesen Cyberstorm von vor einem knappen Jahr?“ „Wie könnte ich das vergessen.“, entgegnete Semir nur. „Tja, damals wurden halt doch einige Unterlagen beschädigt. Und zwar die der Eingesessenen von 2003 bis 2008. Ich weiß nur, dass er gemeldet ist und einen Bruder hatte, aber an seine polizeiliche Vergangenheit komme ich nicht ran.“, erklärte die Sekretärin. „Ja, hat denn das Gefängnis oder sonst irgendjemand nicht eine Akte über ihn...ich meine, keine elektronische...sondern als Papier...“, zischte Ben. „Ich hab schon bei den einschlägigen Gefängnissen und Anstalten nachgefragt. Sie wollten sich bei mir melden, wenn sie etwas haben.“, erklärte sie. „Na ganz toll...“, stieß Semir aus und wollte gerade wieder ins Büro gehen, als Kim ihren Kopf hinausstreckte. „Ben, ich möchte sie einen Moment mal sprechen, wenn es möglich ist.“, bat sie. Ben schluckte. Was will sie denn nun von mir, dachte er und ging mit einem unguten Gefühl in das Büro der Chefin.


    „Oh man...sind die süß...“, stieß Andrea aus, als sie Julia besuchte. Sie hatte die beiden Zwillinge auf den Arm und wiegte sie hin und her. „Ja, sie sind unser ganzer Stolz und sie sehen ihrem Vater und ihrem Onkel so ähnlich...“, lächelte Julia nur und nahm dann Markus und gab ihm die Brust, während Andrea mit Mathias nach draußen ging. „Na, du bist ja auch gleich dran.“, lächelte sie und wiegte das kleine Würmchen hin und her. Dieses machte seinen Hunger durch lautes Geschrei deutlich. „Ja, du kriegst ja gleich was...aber erstmal ist dein Bruder dran.“, grinste sie und musste daran denken, wie Aida um ihr Essen bettelte oder Layla es jetzt noch tat. „Sind sie nicht allerliebst?“, fragte plötzlich eine Stimmer hinter ihr. Erschrocken fuhr die Frau herum und lächelte im nächsten Moment. „Hallo Peter...ja, da hast du zwei prächtige Jungs...“, erklärte sie und gab Mathias an seinen Papa weiter. Auch da wurde nach Essen geschrieen. „Er schreit ganz schön kräftig.“, lachte Andrea. „Oh ja…die sind beide nicht ohne.“, bestätigte Peter. „Bring ihn mir bitte.“, rief Julia von drinnen. Peter machte kehrt und bracht auch Mathias hinein. „Mama…guck mal…die trinken…“, kam von Aida die zusah wie die Babys abgefertigt wurden. „Ja… mein Schatz..so hast du damals auch getrunken.“, erklärte Andrea. „Ja und Layla macht das auch bei dir.“, bestätigte das Mädchen. Andrea lachte laut auf. „Ja das stimmt...Layla macht das auch…“


    „Ben….es geht um Johannes Pfeiffer. Ich habe bemerkt, dass Sie ihn nicht mögen. Woran liegt es? An seiner sexuellen Vorliebe?“, wollte Kim wissen. „Nein…Chefin..mir ist so ziemlich egal, ob er Frauen oder Männer liebt. Damit hab ich gar kein Problem. Nur hilft er uns nicht wirklich. Er kann uns nur sagen, dass die Opfer tot sind und das ihnen Schuh und Socke fehlen. Das wissen wir selbst. Außerdem ist er extrem jung und völlig unerfahren…“, knurrte Ben und versuchte seine Sicht der Dinge darzustellen. „Sie mögen ihn nicht, weil er jung ist? Ben… erinnern Sie sich doch bitte, wie es war, als Sie herkamen. Hat man Sie da sofort wie ein vollwertigen Polizisten behandelt?“, harkte Kim nein. „Nein...aber das kann man doch nicht vergleichen…ich bin…“ Ben suchte nach den richtigen Worten. „Okay... wenn Sie mir nicht sagen, was Sie gegen ihn haben, fordere ich Sie auf, ihn entsprechend zu behandeln. Freundlich und Respekt bitte. Auch er hat seinen Job gelernt und nur, weil Sie mit seiner Arbeitsweise nicht zu Recht kommen, kann er ihn dennoch. Haben wir uns verstanden?“, fragte sie. „Ja Chefin….ich werde ihn mit Respekt behandeln…“, knurrte Ben leise. „Ich verlass mich auf Sie…“, kam von ihr, als er das Zimmer verlassen wollte. „Danke Chefin…“, lächelte Ben zurück. Er ging ins Büro zu Semir. Dieser sah natürlich sofort auf. „Und was wollte sie?“, harkte er nach. „Jo…“, gab Ben lediglich bekannt. „Hat er sich beschwert?“, fragte Semir weiter. „Nein…scheinbar war meine Abneigung gegen Mr. Profiler so deutlich, dass sie gesehen hat, dass ich ihn nicht mag.“, gab Ben zu bedenken. Semir grinste. „Nun…dann musst du wohl deine Taktik ändern… entweder, du zeigst es nicht so deutlich…oder verheimlichst es.“, lachte Semir. Er duckte sich, denn Ben warf ihm ein Radiergummi an den Kopf. „Das ist das Selbe du….“, fauchte Ben und grinste auch.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Jo sah sich die Fakten an, die er mittlerweile zusammen getragen hatte. Der Täter war schwul…das war auf jeden Fall klar. Er liebte Socken und Schuhe…aber nur das linke. Demnach müsste er einen Schrank voll haben. Er hasste Frauen, ist ihnen aber nicht ganz abgeneigt und er liebte die klassische Musik. Es war einfach….ja sicher…die Kollegen musste sich lediglich die Opern antun. Sie müssen immer in das Opernhaus gehen, in welchen auch der Täter geht. Die Karten waren immer wieder aus der Kölner Oper, also musste man sich dort auf die Lauer legen. Gut...eine Beschreibung des Täters wäre sehr hilfreich, aber damit konnte er nicht dienen. Es klopfte. „Ja bitte?“, rief er ohne hinzusehen, wer eintrat. „Jo…kann ich dich mal kurz sprechen?“, bat Ben Jäger. „Ben…ja sicher….was gibt es diesmal für Gehässigkeiten?“, kam von Jo mit einem bitteren Unterton. „Ich…also…ich….“, hörte er Ben sagen. „Raus mit der Sprache!“, forderte Jo ihn auf. „Ich möchte mich bei dir entschuldigen…es tut mir wirklich leid… ich wollte dich nicht so denunzieren….“, entschuldigte sich Ben bei ihm. Jo lächelte und stand auf. „Ben…ich bin nicht nachtragend. Schwamm drüber…ich hab übrigens einen Tipp für euch, den ihr euch überlegen solltet…“, gab er bekannt. Ben nickte. „Gut…zum Fall….was gibt es?“ „Nun…ich denke, ich weiß dass der Täter in die Oper geht. Warum versuchen wir ihn nicht zu ködern….du und Semir...ihr könntet doch als schwules Pärchen in die Oper gehen und dann hoffen, dass ihr ihm auffallt. Vielleicht überfällt er euch ja…und dann…“, meinte Jo. Was dann passieren sollte, ließ er jedoch offen.


    Ben stand der Mund offen. „Ich...ich soll was machen?“, stieß er aus und fand kaum seine Sprache wieder. „Na ja...er nimmt sich immer Pärchen vor...ist zwar was anderes, als mit einer Frau, aber so ist es unauffälliger.“, erklärte Jo nur. Ehe Ben antworten konnte, war Semir wieder ins Büro getreten. „Ist was passiert?“, wollte er wissen, als er Bens Gesicht sah. „Ja...Mister Wunderknabe hier schlägt vor, dass wir beide gemeinsam in die Oper gehen sollen...als schwules Pärchen.“, knurrte Ben und sah seinen Partner nur an. Der Deutschtürke lachte auf und krümmte sich. „Das...das ist nicht dein Ernst oder?“, meinte er dann nach einer Weile. „Warum nicht...das wäre doch eine unauffällige Methode um die Oper zu besuchen und sich da umzusehen.“, erklärte Jo nur. „Nein, das geht nicht...ich meine, meine Frau bringt mich um, wenn sie das erfährt. Nein, nein, lieber nicht...aber ihr beide...ich meine...das würde auch viel besser passen.“, grinste Semir nur. Jo sah Ben an. „Eigentlich hat er recht...“, lächelte der Profiler. „Was? Nein, nein...das...das geht doch nicht...“, stammelte Ben nur. „Junge, wollen wir den Täter nun fangen oder nicht?“, entgegnete Semir. „Und was machst du in der Zwischenzeit?“, wollte Ben mit knurrender Stimme wissen. „Ich...ich werde jetzt die Gefängnisse und die Psychiatrien durchgehen, ob die nicht was über Robert Felder haben...“, erklärte Semir. Jo sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an. Irgendwie kannte er den Namen, aber er konnte ihn im Moment nicht zuordnen.


    Andrea kam mit Aida wieder nach Hause und fütterte gleich Layla, die nach Essen schrie. „Ja, ich komme ja meine Kleine...“, meinte sie und ging dann zu ihrer kleinen Tochter. Sofort nahm sie das kleine Ding auf den Arm und gab ihr das, wonach sie so schreiend verlangte. Aida sah ihrer Mama gespannt zu. Felix saß auf der Spitze seines Kratzbaumes und beäugte das Ganze mit müdem Blick. „Felix...komm...Fresschen...“, lockte Aida den kleinen Stubentiger und sofort war dieser von seinem Beobachtungsposten gesprungen und folgte der Kleinen in die Küche. Jetzt bekam er endlich was zu futtern. Diese Maus, die er vorhin im Keller gesehen hatte, wollte sich nämlich nicht fangen lassen. Und nun gab es wenigstens Dosenfutter. Das wehrte sich wenigstens nicht. „Komm....feiner Kater...“, hörte er Aida sagen, die schon mit dem Trockenfutter klapperte. Ich komme ja schon, dachte er nur und lief in die Küche. Schnell und genüsslich machte er sich über das Essen her. „Feiner Kater...“, kicherte Aida und strich ihm über den Rücken. Stör mich nicht beim Fressen, dachte Felix nur und wippte mit dem Schwanz hin und her. „Aida...komm, lass den Felix in Ruhe essen...jetzt wird gebadet.“, hörte sie nur Andrea rufen. „Ich komme, Mama...“, meinte sie nur und in der nächsten Minute saß sie oben im Bad.


    „Na gut Semir, aber das sage ich dir...das zahle ich dir heim, wenn du gar nicht mehr damit rechnest.“, grummelte Ben. Semir grinste nur wieder und wieder. „Ja, das dachte ich mir...keine Sorge Ben, er will mit dir ja nicht in die...“ „Bestimmt nicht, obwohl du ganz süß aussiehst...“, lächelte Jo und schlug Ben kurzerhand auf die Schulter. „Ja, ja...macht euch nur lustig...“, knirschte er mit den Zähnen. „Okay...besprechen wir das nachher...jetzt ist erstmal der Doc dran und dann können wir darüber reden.“, erklärte der Deutschtürke und schon im nächsten Moment waren sie auf den Weg zur Pathologie. Ben sah Jo aus den Augenwinkeln an. Ob das so eine gute Idee war? Er hatte noch nie etwas gegen Schwule gehabt, aber jetzt...wo ihn einer süß fand...nun gut. Soll es halt so sein, dachte er und beobachtete während der ganzen Fahrt Jo durch den Rückspiegel. Semir sah seinen Kollegen nur an. „Ben? Guck nach vorn...“, grinste er nur. „Ja doch...“, grummelte Ben und fuhr die Ausfahrt zur Pathologie hinaus. Schnell war er auf dem Parkplatz und brachte seinen Wagen zum Stehen. „Entstation...aussteigen...“, rief er nur nach hinten, als er sah, dass Jo etwas geschlafen hatte. „Was? Schon da?“, kam es müde von ihm zurück.

  • Robert sah auf sein Opfer. Es blutete aus der Wunde am Hals. „Du warst gut ...mein Schatz...aber nicht gut genug...und du hast einfach keine Phantasie. Schade drum...nun gut...du bist jetzt wenigstens mit deiner Kleinen wieder vereint.“, lachte er leise. Die Leiche wickelte er in mehrere Plastiksäcke und schaffte sie in sein Auto. Er fuhr erneut zu dem Parkplatz, wo er auch die Frau abgelegt hatte. Die Leiche des Mannes legte er vorsichtig ins Gras, als habe er Angst ihn zu verletzen. Dann beugte er sich über den Leichnam und küsste ihn noch einmal auf den Mund. „Wünsche dir ewige Ruhe und Frieden.“, sagte er und verschwand wieder. Zuhause angekommen fing er an den Raum für sein nächstes Opfer vorzubereiten. Als er fertig war überlegte er wie er es anstellen konnte an sein Lieblingsopfer zu kommen. Wie hieß er noch....ja...Ben...Ben Jäger...das wird sein nächstes Opfer werden. Länger als dieser vor ihm hielt er es sicher aus. Vielleicht ist er ja auch so gesinnt und empfindet Spaß daran? Eine spätere Hochzeit ist nicht ausgeschlossen, dachte Robert. Er wischte mit einem Desinfektionsspray alle Spuren weg, die sein Opfer hinterlassen hatte. Das Bett wurde frisch bezogen und der Raum gelüftet. Hier roch man noch die Angst seines Opfers. Ein widerlicher Gestank, empfand Robert und riss das Fenster auf. Es war vergittert und sehen konnte man nur Grün...niemand würde hier etwas hören. Als er mit allem fertig war, legte er sich in seinem Zimmer ins Bett und schlief.


    Semir, Ben und Jo fuhren zurück ins Büro. Semir sah Ben an. „Diese Idee, das ich mit Jo in die Oper gehe, ist so was von bescheuert...“, stieß Ben aus, der immer noch missmutig war. „Ben...Jo hat schon Recht. Die Opfer hatten alle eine Karte von der Oper bei sich. Also müssen sie dort den Mörder kennen gelernt haben. Hast du etwas Angst, dass du fremde Gefühle entwickelst?“, grinste Semir. „Du kannst es doch machen!“, maulte Ben weiter. „Kann ich nicht....sieh mal...ich habe da einen Verdacht....der Pathologe sagte etwas von Kratzern...und weißt du, wo ich Kratzer gesehen habe...?“, wollte Semir wissen. Ben schüttelte den Kopf. „Bei Robert Felder...und wenn ich in der Oper auftauche und er der Täter wäre...ich sagte, wenn er es wäre.... dann erkennt er mich wieder und dann....kannst du dir vorstellen....wird er nichts machen.“, erklärte Semir. „Du denkst Robert Felder ist der Kerl? Glaubst du allen Ernstes, er hat seinen Bruder umgebracht....so grausam? Das war eine Beziehungstat...da ist sich unser Profiler doch sicher...“, knurrte Ben weiter. „Ja...aber Geschwisterliebe ist auch eine Beziehung. So...bevor du mich auch noch misslaunig machst, werde ich jetzt in die Psychiatrie nach Porz fahren. Dort war Robert Felder nämlich laut den Unterlagen untergebracht. Auch wenn die behaupten, das es nicht so war. Abgerechnet haben sie ihn bei der Krankenkasse.“, erklärte Semir und verschwand.


    „Dr. Pfitzenreither....Sie sagen doch eben selbst dass Sie Herrn Felder behandelt haben... warum?“, harkte Semir kurze Zeit später nach, als er den Psychologen gegenüber saß. „Nun...das unterliegt ja der ärztlichen Schweigepflicht und Sie haben ...“, versuchte der Arzt zu erklären. Semir zog ein Stück Papier aus der Tasche. „Hier ist der gerichtliche Beschluss womit alle Bedenken aus dem Weg geräumt sind. Also warum haben Sie Robert Felder behandelt?“, wollte Semir erneut wissen. „Robert Felder? Nein....Sie irren sich...ich habe einen Lars Felder behandelt... traumatisches Erlebnis...er wurde als Kind vergewaltigt....“, stellte Dr. Pfitzenreither klar. „Lars Felder wurde vergewaltigt? Von wem?“, schoss es aus Semir heraus. „Darüber liegen mir keine Details vor. Seine Eltern brachten ihn nach der Tat her und übten sich in Schweigen. Auch aus dem Jungen war nichts heraus zu bekommen. Allerdings ist mir aufgefallen, dass er sehr große Angst vor seinem Bruder hatte. Seine Eltern sagten mir, das Robert Felder wohl sehr beherrschend war und die Familie tyrannisierte. Lars Felder war gut ein halbes Jahr in meiner Behandlung...“, erklärte der Arzt. „Wie sah die Behandlung aus?“, fragte Semir nach. „Nun....Psychopharmaka....Beruhigungs- und Schlafmittel sowie Behandlung durch einen Psychologen um den Jungen aus seinem Trauma zu holen. Nach der Behandlung war Herr Felder nie wieder hier. Er hat es sehr gut verarbeitet und konnte ein normales Leben führen.“, endete der Arzt. „Das Leben ist vorbei..Doc...Lars Felder wurde grausam getötet. Man hat ihn erneut vergewaltigt und anschließend die Pulsadern aufgeschnitten. Mein Verdacht ist, dass sein Bruder damit etwas zu tun hat...“, erklärte Semir leise. Dr. Pfitzenreither nickte. „Das kann ich mir bei seinen Bruder sehr gut vorstellen...“, gab er zu.

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  • Derweil wurden Ben und Jo wieder zum Rastplatz gerufen und trafen zeitgleich mit dem Bestattungswagen dort ein. Dr. Wegener war schon am Arbeiten. „Also, langsam entwickelt sich das Ganze zu einem Massensterben.“, begrüßte er den jungen Hauptkommissar und richtete sich auf. „Wieder eine Leiche?“ „Und dieses Mal wieder erstochen, wie die ersten beiden.“, entgegnete der Mediziner und sah dann Ben an. „Verdammt...okay, was hast du bis jetzt?“, wollte er wissen. „Spuren von Fesselungen an Hand- und Fußgelenken. Er muss mindestens zwei oder drei Tage gefesselt gewesen sein. Die Hautabschürfungen deuten das jedenfalls an.“ „Spuren einer Vergewaltigung?“, fragte Jo sofort nach. „Kann ich erst nach der Obduktion sagen.“, erklärte der Rechtsmediziner und verschwand dann. Ben und Jo sahen ihm nur nach. „Dann widmen wir uns mal den Sachen des Toten...“, erklärte er. Ben nickte und wollte die Sachen des Toten aufnehmen. „Hier...Karsten Dobermann...28 Jahre alt. Was für eine Verschwendung von jungem Leben.“, knurrte der Hauptkommissar nur. Jo nickte zustimmend. „Ben, wir müssen uns alsbald auf die Lauer legen. Er wird wieder zuschlagen, da bin ich mir sicher...“, erklärte Jo. Ben nickte nur. Es durfte einfach keine weiteren Opfer geben. „Okay...dann gehen wir mal heute Abend in die Oper...“, erklärte er und fuhr dann mit Jo zurück auf die Station. Semir war ebenfalls da. „Nun, was gab es in der Psychiatrie?“, knirschte es aus Bens Mund hervor. „Du wirst es nicht glauben, aber nicht Robert sondern Lars Felder war dort in Behandlung...er wurde als Jugendlicher sexuell missbraucht...der Arzt vermutet, von seinem eigenen Bruder.“, erklärte Semir mit angewiderter Stimme. „Was? Das glaub ich nicht...“ „Glaub es ruhig Ben. Wir müssen verdammt vorsichtig sein, das heißt, ihr müsst verdammt vorsichtig sein...dieser Kerl ist gerissen...Einfach wird er sich nicht fangen lassen.“, knurrte Semir. „Keine Sorge, wir passen heute auf uns auf...Heut ist Opernabend mit meinem Schatz hier...“, grinste Ben, legte Jo den Arm um die Schultern und gab ihm einen symbolischen Kuss auf die Stirn. Semir konnte sich kaum halten vor Lachen.


    Der Abend kam schnell und Semir war auf dem Weg nach Hause. Schon sah er sein Haus von weitem und bog in die Einfahrt ein. „Hallo Herr Gerkhan...“, rief ihm Helge Gruber hinüber, als er aus dem Auto stieg. „Hallo...“, erwiderte Semir nur geschafft, hob die Hand und verschwand dann ins Haus. „Papa...“, hörte er schon seine älteste Tochter rufen. „Hey meine Große...wo ist die Mama?“, wollte er wissen und nahm Aida auf den Arm. „In der Küche...ich muss gleich ins Bett...liest du mir noch was vor?“, wollte sie mit ihren großen Augen wissen. „Aber klar doch...geh schon mal hoch, ich komme gleich nach...“, lächelte er und küsste Aida auf die Wange. Das kleine Mädchen hüpfte die Treppen hinauf und Semir ging in die Küche, wo Andrea gerade dabei war, das Abendessen zuzubereiten. „Hallo mein Schatz...“, begrüßte er sie und gab ihr einen langen, intensiven Kuss. „Du bist ja heute früh dran...“, lächelte sie. „Na, sonst komme ich doch noch später...“ „Das meinte ich ja...“, grinste sie nur und rührte weiter im Topf. „Hey...“, grinste er nur und ging dann wieder im Wohnzimmer. „Habt ihr schon diesen Verrückten?“, wollte Andrea wissen, als sie wenig später mit dem Essen ins Wohnzimmer kam. „Noch nicht...aber Ben und Jo sind heute im Oper und halten nach dem Mörder Ausschau...ich hoffe nur, da passiert nichts.“, entgegnete Semir.


    Ben und Jo gingen, in einem passenden Outfit, zur Opernkasse und holten sich eine entsprechende Karte. Immer wieder sahen sie sich unauffällig um. „Irgendwo hier ist er.“, meinte Jo. „Ich kann ihn regelrecht spüren.“ „Dann solltest du dich nicht so auffällig umsehen. Bleib locker und beobachte aus den Augenwinkeln heraus.“, flüsterte Ben, während er die Karten bezahlte. „Alles klar, Schatz...“, grinste Jo nur und lehnte sich dicht an Ben heran. Dieser stieß ihn leicht zur Seite. „Übertreib nicht Schatz…“, stieß Ben aus. Dabei betonte er das Wort Schatz extrem. Jo grinste. Ihm machte diese ganze Scharade Spaß. „Benni….komm schon...sei doch nicht so…“, ärgerte er den Jungkommissaren. „Komm nicht schmollen...gib mir ein Küsschen…“, nuschelte Jo hörbar. Die anderen Besucher die um sie herum standen lachten zum Teil leise oder schüttelten den Kopf. Ben sah Jo warnend an. „Ist ja gut… ich dachte nur, dass es so echter wirkt...“, gab er zu verstehen. „Ich zeig dir gleich wie echt das wirkt. Dann hast du nämlich meine Faust im Gesicht…“, knurrte Ben. Mit einer harschen Bewegung löste er sich von Jo und ging einige Schritte vor. Er bemerkte nicht, dass er dabei beobachtet wurde.


    Ja….ja….er ist auch wie er….das ist gut…das ist Wahnsinn….das ist mehr, als ich gehofft hatte….strahlte Robert heimlich als er in der Oper sein Wunschpartner vor sich sah. Arm in Arm mit einem Mann. Aber was war das? Die Beiden scheinen Streit zu haben. Er…..sein Ben schien in dieser Beziehung nicht glücklich zu sein. Doch Robert war nicht dumm. Er wusste, dass dieser Gerkan in seiner Vergangenheit schnüffelte. Wenn er jetzt zuschlug, dann würde der Bulle vermutlich Alarm schlagen…also wird er ihn erst nur beobachten. Er kaufte sich die Karte und versuchte so nah wie möglich an Ben heran zu kommen. Nahe….am besten direkt die Reihe über ihn oder vor ihm. Er musste hören wie die Beziehung der Beiden war. Wenn Ben und dieser Typ dort….Streit hatten, würde er vielleicht direkt in seine Arme laufen. Die Oper begann und Robert lauschte der Musik. Immer wieder sah er auf Ben, der zwei Reihen vor ihm saß. Sein Freund schien sich bei ihm zu entschuldigen, doch Ben reagierte nicht. Er musste sehr böse auf diesen Kerl sein. Doch plötzlich lenkte Ben ein. Robert spürte Eifersucht aufsteigen. Wie konnte er dem Kerl denn verzeihen? Robert ballte seine Faust. Ben wird noch feststellen, dass er der einzige war, der ihn liebte. Der auch die Gefahr des Berufes mit ihm teilen…er würde alles für diesen Mann geben. Dieser Mann…so athletisch gebaut…kein Gramm Fett zu viel am Körper….Muskeln die man sehr deutlich sehen konnte…und im Krankenhaus..als er nur auf Shirt war….da konnte er doch diese Tätowierung sehen…die war so schön..und sexy…..Ben..ich glaub ich hab mich in dich verliebt…aber erst werde ich deinen Kollegen noch etwas in die Irre führen…Robert stand auf und verließ die Oper bevor sie zu Ende war.


    ...

  • Ben sah gelangweilt auf das Geschehen auf der Bühne. Am liebsten wäre er eingeschlafen, doch jedes Mal wenn er einnickte stieß Jo ihn an. „Schatz…..nicht einschlafen…“, gab er leise von sich. Ben sah ihn an. „Hör auf mit dem Scheiß…ich bin nicht Schatz….man…“, fauchte Ben leise zurück. „PSSST!!!“, kam von vorn. Eine ältere Dame drehte sich wütend zu Ben und Jo um. „Können Sie sich nicht nach der Aufführung streiten?“, fragte sie wütend. „Entschuldigung.“, murmelte Ben leise zurück. „Siehst du Schatz…wie ich es sagte…du solltest leise reden und nicht gleich so aufbrausen..“, grinste Jo ihn an. Ben beugte sich langsam zu Jo und zog ihn an sich heran. „Noch einmal so einen dämlichen Satz und du bist tot… Schatz…war das deutlich?“, fauchte er fast unhörbar in Jos Ohr. Doch dieser grinste nur. Er schien richtig Spaß daran zu haben, jetzt einmal auf der anderen Seite zu sein. Ben hatte ihn an den letzen Tagen immer wieder getriezt und nun war er am Zug. Die Oper endete. Ben erhob sich etwas steif und reihte sich in die Menge ein, die zum Ausgang strebten. Er drehte sich immer wieder um, doch von Robert Felder war nichts zu sehen. Vielleicht war er ja doch unschuldig. Jo kam schnellen Schrittes an seiner Seite und harkte sich ein. Ben machte eine harsche Bewegung. „Lass das! Er ist nicht hier…“, knurrte Ben. Jo lachte. „Man könnte meinen, du magst mich nicht…Schatz…“, grinste er breit. Ben drehte sich Jo zu. „Pass mal auf!! Ich hasse es, wenn du mich Schatz nennst...also lass es!! Ist das endlich angekommen?“, schrie er wütend. „Ben...Schatzi….lass uns noch etwas den Rhein entlang gehen…“, säuselte Jo grinsend.


    Wütend stapfte der junge Hauptkommissar zum Wagen und ließ die Zentralverriegelung aufrasten. Jo kam nach und als sie unbeobachtet waren, drehte sich Ben um und packte den Profiler an der Schulter. „Sag mal, was sollte das denn?“, fauchte er wütend. „Am Liebsten würde ich dir eins auf die Nase schlagen.“ Jo grinste nur. „Das war die Revanche für deine Sticheleien. Jetzt habe ich dich matt gesetzt.“, meinte der Profiler mit lässiger Stimme. „So? Dann hast du ja nichts dagegen, wenn ich dir dafür jetzt eine verpasse, oder?“, knurrte Ben und wollte ausholen. Jo zuckte nur mit den Schultern und ging dann zur Beifahrertür. „Jetzt sind wir quitt, Ben, und ich hoffe, du nimmst meine Arbeit nun etwas ernster und unterlässt deine Scherze. Jetzt darf ich dich bitten, Schatzi, mich zu meinem Schatz zu fahren.“, lächelte der Profiler herausfordernd. „Noch einmal Schatzi und ich lass dich hier stehen...“, knurrte Ben laut. „Ja, ist ja gut...nun fahr mich mal nach Hause.“, gab Jo bekannt und in der nächsten Minute startete der Wagen. Wenig später hielt Ben vor einem großen, sehr gut renovierten Haus mit Außenstuckverzierungen und sah auf. „Hier wohnst du?“, wollte der junge Hauptkommissar erstaunt wissen. „Na ja...mein Freund gehört die Wohnung...er ist Architekt.“, erklärte Jo und stieg aus. „Also, dann bis morgen...Schatzi...“, grinste er und war schnell im Haus verschwunden, ehe Ben nachkommen konnte. „Dieser kleine...“, grummelte er nur und setzte sich dann hinters Steuer. Doch dann fing er an zu grinsen und dieses Grinsen steigerte sich in ein herzhaftes Lachen. Eigentlich war dieser Abend recht nett...mal abgesehen von Jos Avancen, aber irgendwie schien Bens Antipathie gegen den Jungen zu schwinden. Er startete den Wagen und fuhr in seine Wohnung, wo er sich erstmal aus den Anzug schälte und unter die Dusche sprang. Herrlich kühl und frisch ergoss sich der Schwall Wasser über seinen Körper. Nach dieser Wohltat ließ er sich auf die Couch niederfallen und zappte durch das Fernsehprogramm, bis er sich schließlich ins Bett legte und einschlief.


    Robert konnte den Drang nicht länger unterdrücken. Er musste, musste ihn haben, Ben Jäger...er musste ihn besitzen. Dieser Drang...er konnte ihn nicht länger halten. Doch es war zu früh...zu früh um ihn zu holen. Nein, er musste diesen Druck los werden. Aber wie? Wie sollte er sich ausreichend Befriedigung verschaffen. Da kam ihm nur eins in den Sinn...er musste wieder auf die Piste. Wieder hinaus, sich ein neues, ein anderes Opfer suchen, dass erst einmal seinen Drang nach Sex befriedigte. Dieses Mal durfte jedoch die Leiche nicht auftauchen. Nein, denn noch immer lag Gerkhan auf der Lauer und würde ihn bei der erstbesten Gelegenheit festnehmen. Das musste er unbedingt vermeiden. Jetzt würde er ein ganz anderes Muster ausprobieren. Wieso holte er sich nicht einen Strichjungen? Die kosteten zwar etwas, aber er musste ihn ja nicht bezahlen...Ja, das war gut, dachte Robert und ging in die einschlägigen Bars und Bezirke. Schließlich fand er einen und zog sich mit ihm in eine der hintersten Ecken zurück, frönte dort seiner Lust und probierte gleich etwas neues aus. Er würgte den jungen Mann beim Sex. Und dieser wehrte sich dagegen, doch der feste Griff Roberts ließ ihn alsbald bewusstlos werden. Erst jetzt hörte der Mann auf und ergötzte sich an seinem Höhepunkt. Das war der ultimative Kick...das war es, was ihm gefehlte hatte und schon bald würde er es mit seinem geliebten Ben machen.


    Wegener hatte mal wieder Nachtschicht und nahm sich das letzte Opfer vor...Karsten Dobermann. „Dann wollen wir doch mal sehen, was du so für mich hast.“, sprach er auf den Toten ein und untersuchte dessen gesamten Körper. „Sieh mal an...was haben wir denn da? Speichel an den Zehen...“ Sofort holte er die angetrockneten Reste mit einem Wattestäbchen heraus und führte sie in eines seiner Analysegeräte ein. „Dann wollen wir doch mal sehen, ob du in der Kartei bist...aber wahrscheinlich nicht, wenn nicht einmal das Sperma drin war....“, erklärte er sich selbst. Immer wieder musste er gähnen. Wie spät war es eigentlich? Oh man, schon halb zwölf...langsam wollte er doch auch mal Feierabend haben. Doch die Arbeit ging vor...und besonders in diesem Fall. Selbst er als Pathologe wusste er, dass sie es hier mit einem Serienmörder zu tun hatten. Die Spuren, die er an der Leiche sicherte gab er sofort ans Labor weiter. Er rief bevor der Bote kam im Labor an. „Ich weiß...es ist spät....aber mir hängen die Hauptkommissare auch im Nacken. Ich will auch wissen, ob es ein und derselbe Täter war....also vergiss deine Frau und mach dich an die Arbeit Paul....“, fauchte er ins Telefon und legte auf. Nur fünf Minuten später war der Bote da und holte sämtliche Proben ab. Es dauerte ganze drei Stunden bis Paul ihn zurück rief. „Also....es ist ein und der selbe Täter. Die DNA ist die gleiche...das sag deinen Hauptkommissaren....“, knurrte er ins Telefon. „Danke Paul... Viel Spaß mit deiner Frau....geht ihr in die Oper?“, wollte Wegener wissen. „Nein....das kann ich mir jetzt abschminken. Bin schon froh, wenn ich nicht auf der Couch schlafen muss.“, gab Paul zurück und legte auf. Wegener lachte leicht. Er kannte Elsbeth und wusste genau wie gnädig sie war.

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    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Am nächsten Morgen kam Semir ins Büro und fand die Berichte auf seinem Schreibtisch. „Guten Morgen Partner...“, kam von Ben. „Ach morgen Ben...wie war es in der Oper?“, wollte er wissen ohne sich umzudrehen. „Danke...recht amüsant...“, meinte Ben. „Habt ihr euch denn gut verstanden?“, grinste Semir. „Ja sicher Schatz...das nächste Mal gehst du das sag ich dir.“, grinste Ben. „Oh...klingt nach viel Spaß.... ich hab den Bericht von Wegener. Der Tote, den wir zuerst gefunden haben, die Frau, und auch die dritte Leiche wie auch der Mann jetzt, sind alle von ein und dem selben Täter umgebracht worden. Die DNA ist eindeutig. Also haben wir einen Serienkiller.“, gab Semir bekannt. „Tja....dann sollten wir aber unsere Suche nicht nur auf die Oper konzentrieren....denn dort war dein Hauptverdächtiger, dieser Robert Felder, nicht.“, erkläre Ben und legte seine Füße auf den Schreibtisch. „Füße runter!“, fauchte Semir sofort. Ben grinste und tat was sein Partner sagte. „Dennoch ist er der Hauptverdächtige.....ich werde mit der Chefin reden, dass ich ihn überwache. Ich gehe davon aus, dass er noch eine große Schweinerei vor hat. Das ist nämlich seine Masche...er macht auf unschuldig...wo ist Jo?“, harkte Semir nach. „Oh...er hat sicher eine heiße Nacht mit seinem Freund...“, grinste Ben. Semir sah ihn an. „Er hat einen Freund?“, kam von ihm. „Ja sicher...warum denn nicht...er ist Architekt und wohnt in einer verdammt noblen Gegend und...oh...da kommt er...“, grinste Ben und wies zur Tür. „Morgen.....“, murmelte Jo verschlafen. „Habt ihr einen Kaffee?“, wollte er wissen und sah Ben an. „Ben...ich brauche deine Hilfe.....bitte...lehne nicht ab...aber...“, fing er sofort an. Ben setzte sich auf und sah ihn an. „Wenn ich helfen kann, dann helfe ich natürlich Schatzi...“, grinste er. Jos Mundwinkel zogen sich etwas höher. „Genau dabei musst du mir helfen. Mein Freund hat uns gestern gesehen und....er ist tierisch eifersüchtig...bitte sag ihm, dass es wirklich nur beruflich ist...bitte...ich musste auf der Couch schlafen und heute Morgen hat er mich nicht einmal angesehen...bitte...“, flehte Jo.


    Torben saß am Frühstückstisch. Der Platz, an dem sonst Jo saß, war leer. Er war bereits auf der Arbeit. Bei ihm....bei diesem Ben, der nur ein Kollege war...tse...Kollege? Die beiden waren in der Oper. Jo...der sonst solche Veranstaltungen mied....er wollte nie mit Torben ins Theater gehen, geschweige denn in die Oper...aber mit diesem Ben...da ging er in die Oper. Er sah auf den Ring, den Jo ihn geschenkt hatte. Vielleicht sollte er die Verlobung lösen? Sein Handy klingelte. Er sah auf das Display und sah Jos Nummer. Nee....du brauchst mich nicht anrufen.....du bist so hinterhältig....vermutlich lachte er mit Ben über ihn. Torben lehnte das Gespräch ab. Doch es dauerte nicht lange und das Telefon klingelte erneut. Diesmal war die Nummer unbekannt. Torben war neugierig. „Ja...?“, meldete er sich. „Ben Jäger hier...ich bin der Kollege von Jo...bitte legen Sie nicht auf, und lassen sie sich etwas erklären...“, hörte er. Torben überlegte. Vielleicht sollte er auflegen und weiter schmollen oder aber.... „Also gut...ich höre?“, gab er bekannt. „Hören Sie...wir ...also Jo und ich...sind wirklich nur Kollegen. Ich bin so was von Hetero und stehe nur auf Frauen. Alles gestern, ist nur aus beruflichen Gründen gelaufen...ich verspreche Ihnen, dass ich nichts von Ihrem Freund will....ganz sicher nicht.“, hörte er die feste Stimme des Mannes am anderen Ende. Torben wusste nicht warum, aber er glaubte dem Mann. „Ist Jo in Ihrer Nähe?“, fragte er nach einer Weile. „Ja...warten Sie...ich reiche Sie rüber...“, gab Ben bekannt. „Hallo Torben....ich....“, hörte er kurz darauf Jo sagen. „Jo...ich liebe dich...“, hauchte Torben ins Telefon. „Ich dich auch...wollen wir heute Abend essen gehen? Zu unserem Lieblingsinder?“, wollte Jo wissen. „Ja, das wäre klasse. Ranjid vermisst uns schon.“, hörte er seinen Freund durchs Telefon lächeln. Nachdem sie einige Zärtlichkeiten ausgetauscht hatten, legte Jo auf und reichte Ben sein Handy zurück. „Danke...“ „Kein Thema...“, entgegnete der junge Hauptkommissar nur.


    Jochen Däne rieb sich den Hals, als er morgens sich im Spiegel betrachtete. Dieser Kunde von gestern nacht war doch wahnsinnig, dachte er nur und versuchte, die Druckstellen so gut es ging zu überschminken. Der Mann hatte nicht einmal bezahlt. „So ein Schwein...“, stieß Jochen nur aus, schnappte sich seine Tasche und ging zur nächsten Polizeiwache. „Ich möchte Anzeige erstatten.“, posaunte er heraus, als er vor dem Tresen der Wache stand. Ein Beamter sah ihn mit prüfendem Blick an. „Und weswegen?“, kam es desinteressiert von dem Mann. „Diebstahl oder Zechprellung...ja, das trifft es eher.“, knurrte Jochen. „Okay...was hat sich denn zugetragen?“, fragte der Beamte, als er mit Jochen an einen freien Schreibtisch gegangen war. „Ich hatte gestern nacht einen Kunden, der mit mir Spaß haben wollte...“, fing Jochen an. Sofort hob der Beamte die Hand. „Sie hatten einen Kunden? Sind sie ein Callboy oder ein Stricher?“, fragte der Mann sofort. „Weder noch...eine männliche Prostituierte...“, erklärte Jochen. Der Polizist nickte verwirrt. „Und ihr Kunde hat ihnen Geld gestohlen?“ „Nein, er hat noch nicht einmal bezahlt.“, knurrte der junge Mann. „Und dagegen wollen sie Anzeige erstatten?“, fragte der Beamte. „Ja, verdammt...das habe ich doch gesagt.“, stieß Jochen wütend aus und war aufgesprungen. „Nun beruhigen sie sich wieder...“ „Beruhigen? Sie glauben mir ja nicht...wie soll ich mich da nur beruhigen?“, stieß Däne aus und wandte sich zum Gehen. Der Beamte hielt ihn nicht auf sondern ließ die angelegte Datei schnell im Datenpapierkorb schreddern. „Dann eben nicht.“, meinte der Beamte nur lässig.


    Robert saß in seiner Wohnung und überlegte sich, wie er nun vorgehen wollte. Am Besten überraschte er Jäger in seiner Wohnung und...nein, das war zu auffällig. Auch, wenn er ihn hierher bestellte, würde er doch seinem Kollegen Bescheid sagen. Nein, es musste ein Hinterhalt sein, mit dem keiner rechnete. Er musste sich etwas überlegen, doch ihm wollte nichts einfallen. Verletzen durfte und wollte er Ben ja auch nicht. Aber dieser Gerkhan...er war ihm bestimmt schon auf der Fährte und bald würde er ihn jagen. Robert musste sich etwas einfallen lassen. Etwas, wo er seine Lust ungestört ausleben konnte. Aber natürlich...das Haus seiner Großeltern...darauf würde dieser kleine Türke doch nie kommen. Es lag vollkommen abseits an einem See und war mit einem großen Keller ausgestattet. Das war die Idee...gleich in der Nacht würde er alles dorthin schaffen und alles vorbereiten. Danach würde er sich Ben holen und ihn dort hinbringen. Dort würde ihn keiner suchen. Auch gab es dort ein kleines Kabinenboot, auf dem er, wenn es nötig wurde, sein Opfer unterbringen konnte. Das Haus gehörte ihm und Lars und sicher hatte sein Bruder dafür gesorgt, dass es hergerichtet wurde. Sein lieber, kleiner Bruder kümmerte sich immer rührend um das Haus, dachte Robert nur verächtlich. Er wollte doch gleich mal rausfahren und sehen, in was für einem Zustand das Haus war.


    „Tja, heute wird das wohl nichts mehr mit unserem Serienmörder.“, meinte Jo und wollte sich schon seine Jacke greifen, doch Semir zog ihn wieder auf den Stuhl zurück. „Nicht so schnell, mein Lieber...arbeite doch mal die Psyche dieses Mannes durch und sag mir, ob er der Täter sein kann.“, bat Semir und legte ihm das Gutachten von Robert Felder vor, dass ihm der Psychologe mitgegeben hatte. „Semir, hat das nicht Zeit bis morgen?“, wollte Jo wissen und sah immer wieder auf die Uhr. „Ja genau…Semir Schatz….lass unseren Romeo zu seinem Julio gehen..die beiden haben doch noch ein Versöhnungsessen.“, grinste Ben. Semir sah ihn an und warf ein Radiergummi. Ben hatte nicht damit gerechnet und bekam das kleine Kautschukteil direkt aufs Auge. „Aua!!“, fauchte er und lachte dabei. Jo sah von einem zum Anderen. „Mein Schatzi hat Recht...ich muss zu Torben…du kennst ihn nicht, Semir…aber Torben ist wie eine Ehefrau….sie pardon..er…ist sehr Eifersüchtig und wenn ich jetzt nicht zum Essen erscheine…dann…dann...“, suchte Jo nach den richtigen Worten und hielt Bens Hand am Gelenk fest, damit er ihn nicht schlagen konnte. Semir lachte nur. „Dann hau ab!“, gab er bekannt. Jo sah Ben an. „Frieden?“, fragte er. Ben nickte. Jo ließ ihn los. „Und grüß deinen Schatz.“, rief Ben hinter ihm her. Semir schüttelte nur den Kopf.

  • Robert sah sich in dem Haus um. Es war sauber….sehr sauber. Lars war tatsächlich wie ein Putzteufel durch das Haus gegangen. Sicher, es lag etwas Staub auf den Möbeln aber das war kein Problem. Das Leben hier würde eh meist im Keller stattfinden. Robert ging die Stufen runter und sah sich in dem Keller um. Er musste hier ein Bett reinbringen, das war sicher. Sein Opfer soll sich doch wie zuhause fühlen. Und es musste alles weich sein…Robert liebte es weich und Ben….sein Ben war sicher auch der Meinung, dass es besser war, wenn man sich beim wilden hemmungslosen Sex nicht verletzen kann. Auch, wenn Ben eh die meiste Zeit hier eingesperrt sein würde, war es für Robert wichtig, dass er sich wohl fühlte. Und da war er sicher, das würde er tun. Er stieg die Treppen wieder hoch. Doch nun musste er sich noch etwas überlegen, um Gerkan aus dem Weg zu räumen. Nur wie? Der Kerl könnte alles vermiesen. Er musste etwas dagegen tun….eine Warnung? Nein..nein…das würde den Bluthund nur aufwecken und schärfer machen. Er musste etwas tun, damit er aus dem Verkehr gezogen ist. Seine Familie…nein…nein..niemals…es waren alles nur weibliche Personen…damit konnte Robert nichts anfangen. Wie sollte er wissen, was in einer Frau tickte? Nein….er wollte Gerkan persönlich zeigen, dass er sich zurück halten sollte…. Er musste ihn von der Unschuld überzeugen..ja…das war es…Er musste Gerkan einen Täter präsentieren….er musste…..was ist mit diesem Lover von Ben? So war er auch ihn los…ja…das war gut…nein…das war genial….Robert strahlte bei den Gedanken, wie er seine Taten auf diesen Freund schob.


    „Torben…bitte entschuldige, was ich getan habe..aber es war wirklich beruflich bedingt. Wir sind da einem Mörder auf der Spur, der aus unseren Gefilden kommt. Er ist schwul und…er sucht sich seine Opfer immer in der Oper und deshalb waren wir …also Ben und ich…in der Oper. Aber der Kerl hat überhaupt kein Verstand für diese Musik….dabei ist er selbst Musiker…. Aber er mag diese Musik nicht. Ich musste ihn mehrmals wecken und nun ja….aber ich liebe nur dich...wirklich..ich will dir ganz allein gehören...“, schwor Jo und reichte ihm eine rote Rose. Torben sah ihn verlegen. Er nahm die Blume und roch daran. „Jo…ich will doch auch nur dir gehören….Wenn das alles vorbei ist…meinst du, dann könnten wir … ich meine…unsere Hochzeit..es wäre doch legal, wenn wir…die Zeiten haben sich geändert und...ich sehne mich danach, mit dir mein Leben zu verbringen…“, erklärte Torben leise. Jo sah ihn an und strahlte. „Du willst mich heiraten?“, fragte er nach. Torben nickte. „Ja….“, hauchte Jo. Torben lachte „Wirklich?“, wollte er wissen. „Ja….ich will….aber ich will meine Trauzeugen haben….“, grinste Jo. „Deine Kollegen?“, harkte Torben nach. „Ja…“, bestätigte Jo. „Ich denke nicht, dass die Beiden zustimmen….das sind Heteros…die denken anders. Sie werden niemals unsere Ehe bezeugen können.“, lachte Torben. „Du solltest der Welt offener begegnen. In Köln….ist alles möglich. Die Menschen sind toleranter als in den anderen Städten…hier leben Hetero und Schwule nebeneinander, reden ganz normal ja…haben sogar Freundschaften gebildet…“, kam von Jo. „Ja, aber weißt du denn genau, dass sie dir diesen Wunsch erfüllen?“, wollte Torben wissen. „Ich frage sie einfach...“, lächelte Jo und küsste seinen Verlobten. Danach kam Ranjid an den Tisch und die beiden bestellten.


    Robert lief durch die Straßen und dachte nach, wie er seinen Plan umsetzen konnte. Er musste diesen Freund wiederfinden und dann musste er irgendwas tun, damit der Verdacht auf diesen Knaben fiel. Er ging, den starrem Blick auf den Bürgersteig gerichtet, um eine Ecke und stieß mit jemandem zusammen. „Hey, passen sie doch auf...“, knurrte der junge Mann und Robert sah erst jetzt, wen er da umgestoßen hatte. „Entschuldigen sie, ist alles in Ordnung?“, wollte Robert wissen und kam ganz dicht an den Mann heran. Unbemerkt konnte er etwas aus dessen Tasche ziehen. Beide Sachen steckte er ein und verschwand dann mit schnellen Schritten. „So ein Flegel...“, stieß Torben aus und ging dann mit seinem Jo nach Hause. Robert drehte sich um und lächelte. Erst jetzt sah er sich an, was er da erwischt hatte. Ein Tuch mit den Initialen J P und einen auffälligen Schlüsselbund mit einem küssenden Seemann. „Hehe, jetzt, mein Lieber, bist du geliefert.“, lachte Robert nur und sah sich nach einem neuen Opfer um. Dieses Mal musste er aber genauso wieder vorgehen. Die Frau würde er mit dem Tuch erdrosseln und daneben den Schlüsselbund hinlegen. Gerkhan würde dann hoffentlich die richtigen Schlüsse ziehen und er konnte seinen Ben holen. „Ach Ben...bald sind wir beide vereint.“, murmelte Robert nur und ging zum Opernhaus. Sicher war die Vorstellung schon zu Ende und dieses Mal würde es das letzte Mal sein...danach würde sein Ben kommen...er würde ihn einfach holen und...ja, das war die Idee...er würde ihn in einem Taxi entführen. Dazu musste er nur dafür sorgen, dass sein Wagen nicht funktionierte. Eine seiner leichtesten Übungen. Robert rieb sich die Hände und spähte sich ein geeignetes Paar aus.


    „So, dann machen wir mal Feierabend...“, meinte Semir und wollte gerade das Licht ausknipsen, als das Telefon klingelte. Beide blieben wie angewurzelt stehen. „Eigentlich ist ja Feierabend...“, knurrte Ben und sah auf die Uhr. „Du weißt doch, so was haben wir nicht...“, gab Semir resigniert wieder und nahm den Hörer ab. „Gerkhan...Kripo Autobahn...“ Er hörte eine Weile zu und legte dann wieder auf. „Es gab wieder eine Leiche...eine junge Frau...also los...“, gab Semir bekannt. Schon nach wenigen Minuten waren sie vor Ort und auch Wegener war bei der Arbeit. „Hallo Jungs...“, begrüßte er die Kommissare mit schwerer Stimme. „Hallo Doc...das ist wohl nicht gedacht, dass wir uns so häufig wiedersehen.“, meinte Semir nur und kniete sich neben die Leiche. „Eine junge Frau, 28 Jahre alt, wurde mit diesem Tuch erdrosselt. Wieder keine Vergewaltigungsmerkmale.“, meinte der Pathologe und reichte Semir das eingetütete Beweismittel rüber. Dieser nahm es und sah es sich sofort an. „Ein Tuch mit Initialen...J.P. Oh ha...“, kam es sofort von ihm. „Semir, das habe ich da hinten gefunden. Es muss dem Täter aus der Tasche gefallen sein, als er die Leiche hier abgelegt hatte.“, gab Ben bekannt und brachte ein kleines Schlüsselbund mit Anhänger. „Weißt du, wem das Ding gehört?“, fragte er und sah seinen Partner an. Semir schüttelte mit dem Kopf. „Das habe ich bei Jo gesehen.“, erklärte er mit schwerer Stimme. Schlagartig sprang der Deutschtürke auf und ging zum Wagen. „Semir, warte doch mal...“ „Hier, das hat Wegener um den Hals der jungen Frau gefunden. Es sind Jos Initialen. Johannes Pfeifer...“, knurrte Semir nur. „Meinst du, er ist der Täter? Aber das kann ich mir nicht vorstellen. Ich meine, er war doch jedes Mal am Tatort.“ „Ja, und da hatte er genug Zeit, seine Spuren zu verwischen. Doch dieses Mal hat er es scheinbar nicht geschafft. Was hat er uns noch mal erzählt...ein jeder Serienkiller macht einmal Fehler...und das hier war seiner. Jetzt haben wir ihn.“, stieß Semir aus. „Sollten wir nicht erst warten...ich meine, bis die Analyse abgeschlossen ist.“, kam es nachdenklich von Ben. „Nein, der Kerl ist gemein gefährlich...Ben, finde dich damit ab, dass wir einen Mörder in unseren Reihen haben.“, kam es erbost von Semir zurück. Ben konnte nur nicken. Es war mehr als enttäuschend und schockierend zugleich.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

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