Zur Verlobung alles Böse

  • Ben sah auf die Uhr. Es war schon fast elf und Semir war immer noch nicht zurück. Via Handy war er nicht zu erreichen und das war auch etwas schwierig, weil hier ein Funkloch war. Er dachte nur kurz nach und zog sich dann seine Regenjacke an und machte sich auf die Suche nach Semir. „SEMIR!!“, rief er als er vor der Türe des Wagens stand. Die Arme fest am Körper gepresst und mit verbissenem Gesicht durch die Regenwand schauend sah er sich um. Keine Antwort...kein Zeichen...nichts. „Oh man...ich hasse das Wetter...“, stieß er aus und stiefelte in Richtung Gebüsch los. „SEMIR!!“, rief er immer wieder. Doch seine Rufe verhallten ungehört. Er ging auf den Waldrand zu, wo sie gestern die Beeren gesammelt hatten. Dort war ein ziemlich steiler Abhang und vielleicht hatte Semir sich vertreten und war abgestürzt. „Nein...nein...das würde er nicht tun...“, widersprach er sich selbst, dennoch ging er hin um sich zu überzeugen. Als er vor dem Gebüsch stand, wo er und Semir gestern die Beeren gepflückt und Semir einen neuen Freund gefunden hatte, sah er etwas feucht schimmern. Er sah genauer hin und hob das Etwas auf. Es war Semirs Kamera. Verdammt....hier stimmte etwas nicht. „SEMIR!!“, rief er erneut. Etwas ratlos sah er sich um. Dann nahm er sein Handy zur Hilfe und wählte erneut Semirs Nummer. Doch wieder kam nur die Ansage, dass der Gesprächspartner nicht zu erreichen sei. Ben überlegte und wollte zum Wagen zurückgehen als ein leises Knurren ihn zurück schrecken ließ. Ben sah hin und erkannte den neuen Freund von Semir. „Hey...weißt du, wo unser gemeinsamer Freund ist? Hast du ihn schon gesehen?“, wollte er wissen und hockte sich vor dem Tier hin. Doch der Luchs verschwand im Gebüsch. „Blödes Vieh...“, knurrte Ben und machte sich auf den Weg zum Wagen. Wenn Semir nicht in drei Stunden zurück war, würde er die englischen Kollegen informieren müssen um nach ihm zu suchen.


    Semir kam langsam zu sich und wollte seinen Kopf anfassen, als er die Seile spürte. Die Erinnerung setzte mit den Kopfschmerzen ein. Ein sonderbares Spannungsgefühl an der Schläfe ließ ihn erahnen, das dort eine Wunde klaffte, wo das Blut bereits getrocknet war. Doch noch etwas bemerkte er. Die Kälte und Feuchtigkeit seiner Umgebung. Er sah sich um. Es war ziemlich düster hier, wo er war. Als er sich drehte spürte er ein Seil um seinen Hals, welches mit jeder Bewegung, die er machte, enger wurde. „Rubens...“, fluchte er leise. Konstantin Rubens, den er für tot hielt, im Moor versunken und doch wieder auferstanden. Wie konnte es sein? „Du denkst am Besten nicht darüber nach...“, verhöhnte ihn eine Stimme. „Rubens....was soll das?“, stieß Semir aus und schloss noch einmal die Augen. Sein Schädel dröhnte extrem. „Nun ganz einfach... du gehst mir gewaltig auf den Senkel und ich will meine Ruhe habe....aber das kann ich nicht, denn wir begegnen uns immer wieder....und das werde ich jetzt ändern.“, lachte der Verbrecher. „Sie sind wahnsinnig...ich...ich dachte, Sie sind tot und...ich hätte Sie sicher nicht gesucht...“, kam leise von Semir. „Mein Plan mit Franka war genial und warum kommst du mir dabei in die Quere? Du und Jäger!! Ihr seid schlimmer als die Pest. Nichts mit Wohnstand und Ruhe bis zur Rente....ihr habt es mir versaut und dafür werdet ihr nun bezahlen... Nur keine Angst... es wird nicht so schnell gehen...du bist hier sehr gut aufgehoben und deinen Freund Jäger werde ich noch etwas zusetzen...er wird nämlich alles für mich tun, um dich zu retten...alles...verstehst du...“, lachte Rubens und wandte sich zum Gehen. „Rubens!! Lassen Sie den Quatsch!!“, schrie Semir und wollte sich aufrichten. Das Seil um seinen Hals belehrte ihn, dass es besser war ruhig liegen zu bleiben. Rubens bemerkte es natürlich. „Du solltest dich nicht so viel bewegen...es könnte tödlich sein...“, lachte er, nahm Semir das Handy ab und verschwand.


    Ben stand im Wagen und sah durch das Fenster in die Gegend. Immer noch keine Spur von Semir. Verdammt...es wird so langsam brenzlig. Plötzlich klingelte sein Handy. Ben nahm es und sah auf dem Display Semirs Nummer. „Man...wo steckst du denn?!“, fauchte Ben wütend hinein. Dennoch war er erleichtert als er die Nummer erkannte. „Nun mal ganz langsam Jäger....ich soll dir schöne Grüße von deinem Freund Gerkhan ausrichten...“, verhöhnte ihn eine Stimme. Ben stutzte. Er kannte diese Stimme doch er konnte sie nicht zuordnen. „Wer ist da?“, fragte er deshalb nach. „Das wirst du noch früh genug erfahren.“, kam es von der Stimme und wieder war das verächtliche Lachen zu hören. Ben hielt das Telefon kurz von sich, zog es dann wieder an sich. „Ich will sofort mit Semir reden.“, forderte der junge Hauptkommissar. Doch dann ertönte das tödliche, schlussendliche Tuten der Leitung. „Hallo...Hallo...“, stieß Ben noch einmal aus, aber die Leitung blieb ohne Antwort. „Verdammter Mist.“, fauchte er und schlug mit der geballten Faust auf den Tisch. Der kaum haltbare Tisch riss in der Mitte und Bens Hand fing an zu bluten. Einige der Holzsplitter steckten in seiner Hand fest. Ohne sich darüber Gedanken zu machen, zog er sie einfach wieder raus, warf sie vor sich auf den Boden und ging dann in die Knie. Wer? Wer konnte Semir entführt haben? Und vor allem... wo konnte er ihn verstecken. Eins war Ben klar...der oder die Täter müssen sie beobachtet und den richtigen Zeitpunkt abgepasst haben, um Semir zu entführen. Was konnte Ben nun tun? Die Polizei...es war die einzige Möglichkeit.

  • Der nun offiziell zum Inspector beförderte Andrews saß in seinem Sessel und schloss die Akte. „Das war's dann mit dem Fall.“, meinte er und lehnte sich entspannt zurück. Gleich würde er Feierabend haben und zu seiner Familie zurückkehren dürfen. Seine Freundin wartete bestimmt schon auf ihn und der kleine Sean sah bestimmt schon auf die Straße, so wie er es immer tat, wenn er auf seinen Papa wartete. Er schaltete den Monitor aus, knipste die Tischlampe aus und schwang sich die Jacke über die Schulter. Schon den Schlüssel zum Abschließen in der Hand, war er auf dem Weg zur Tür, als das Telefon klingelte. „Nein, bitte nicht...“, stieß er aus und blieb stehen, drehte sich nach dem schrillen Apparat um. Wenn er jetzt nicht ran gehen würde, würde der Anruf in die Zentrale umgeleitet werden. Die würden dem Anrufer doch genauso gut helfen können, wie er, oder?, war sein Gedankengang. Sein Entschluss stand fest. Er zog die Tür hinter sich zu und schloss ab. Sollten sich die Kollegen der Bereitschaft darum kümmern, dachte er und verließ das Revier. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass die Läden noch geöffnet hatten. Also machte er schnell einen Abstecher in den nahe gelegenen Wall Mart und kaufte noch einige Dinge, bevor er sich dann auf den Weg nach Hause machte. Wie er schon erwartet hatte, winkte ihm sein Sohn vom großen Fenster im ersten Stock aus freudig zu. Lächelnd erwiderte er den Gruß und stieg dann die Treppe hinauf. „Daddy...“, kam es aufgeregt von seinem kleinen Stolz, der die Tür aufgerissen hatte und ihn mit voller Wucht ansprang. Robert hatte Mühe die Kraft seines kleinen Prinzen zu bändigen. „Hey, wo ist Mum?“, wollte der Polizist wissen. Sein Sohn deutete nur auf die Essecke im hinteren Teil des Wohnzimmers. „Da bist du ja...fein, dann können wir gleich essen.“, meinte Catherine zu ihrem Lebensgefährten. Wenige Minuten später war die Familie um den Tisch versammelt und genoss das gemeinsame Beieinandersein.


    Semir sah sich in der Höhle um. Er spürte regelrecht, wie die Kälte langsam in ihm hoch kroch und ihn seiner Körpertemperatur beraubte. Er musste sich schleunigst etwas einfallen lassen. Dass er vorhin im Regen nach dem kleinen Luchs sehen wollte, machte sich jetzt teuer bemerkbar. Schon kam der erste Hustenanfall und zwang ihn, sich noch mehr zu bewegen, als er es eigentlich wollte. Was zur Folge hatte, dass sich das Seil um seinen Hals mehr und mehr, langsam aber sicher, zuzog. Vorsichtig versuchte er mit seinen Fingern den Knoten des Verbindungsseiles, dass seine Hände an seinen Füßen hielt, zu lösen. So konnte er sich dann wenigstens ordentlich hinsetzen und dann würde er auch eine Möglichkeit haben, das Seil um seinen Hals zu lockern. Immer wieder versuchte er es, doch immer wieder rutschte er auch mit seinen Fingern ab. „Verdammt.“, stieß er aus und machte eine Pause. Wieder kam aber der Hustenanfall und wieder zog sich das Seil um seinen Hals enger und enger. „Na, sie wollen sich doch nicht schon vorzeitig verabschieden.“, hörte er auf einmal die höhnische Stimme seines Peinigers. Rubens trat vor ihm und lockerte das Seil an Semirs Hals, dies aber bestimmt nicht aus Nächstenliebe. „Rubens...machen sie mich los...sie haben doch keine Chance...“, hustete Semir immer wieder. Langsam spürte er, dass seine Temperatur zu steigen begann. Hoffentlich kriege ich jetzt keine Lungenentzündung, dachte er. „Hören Sie...ich...“, fing er an. Rubens hockte sich neben ihn und legte den Finger auf den Mund. „Ich kann dich auch knebeln....also benimm dich...“, lachte er. Semir sah ihn an. Rubens lachte leise. „Oh...ist dir kalt? Tja...das wird sich wohl erstmal nicht ändern...“, gab er zu. „Was zum Teufel wollen Sie?“, wollte Semir wissen. „Oh...es ist ganz einfach...wie ich schon sagte, wenn du und dein Kumpel nicht gewesen wären, dann hätte ich jetzt so viel Geld wie ich brauche bis ich sterbe...was denkst du bist du deinem Freund wert? 2 Millionen? Oder eher drei?“, stellte Rubens die Gegenfrage. Semir sah ihn nur an.


    Ben hörte das Freizeichen, doch der Mann ging nicht ran. Dann hörte er eine Frauenstimme. „Ich möchte bitte Robert Andrews sprechen...“, gab Ben seinen Wunsch durch. „Sorry, aber Mr. Andrews ist bereits außer Haus...ich hätte aber noch den Constable Moore hier....er kann ihnen sicher helfen.“, antwortete die Frau. Ben schloss die Augen „Nein ich brauche Andrews...kann ich ihn über Handy erreichen?“, wollte er wissen. „Sir...wir dürfen die Handynummern nicht einfach rausgeben...dazu muss es schon einen triftigen Grund geben...“, erklärte die Frau. „Das ist es...es geht um Leben und Tod...bitte...ich verrate auch nichts...“, flehte Ben regelrecht. „Also gut....aber Sie sagen ihm nicht, dass ich sie gegeben habe...“, forderte die Frau. „Versprochen...ganz großes Ehrenwort...“, versprach Ben. „Dann schreiben Sie bitte auf...“, kam von der Frau. Ben schrieb mit. „Vielen Dank...Sie haben vielleicht sogar ein Leben gerettet...“, gab Ben zurück. Er wählte die Handynummer, die er bekommen hat und wartete bis sich Andrews meldete. „Ja...“, knurrte eine Männerstimme. „Kann ich bitte Robert Andrews sprechen...hier ist Ben Jäger...es ist wichtig...“, gab Ben durch. „Mr. Jäger? Ich habe Feierabend...und wollte den Abend mit meiner Familie genießen...“, stieß der Polizist aus. „Ja ich weiß...aber ich wollte nicht mit Moore sprechen.....und Sie ...“, erklärte Ben anfänglich. „Was ist denn los? Ist was passiert?“, wollte Andrews wissen. Scheinbar war die Neugier geweckt. „Ja...aber ich will es nicht am Telefon sagen. Mein Freund und ich sind am Bassenthwaite Lake...campen...und...bis heute Morgen war alles okay...aber...“, versuchte Ben zu erklären. „Mr. Jäger... was ist denn passiert? Hat man Ihnen das Auto geklaut?“, lachte Andrews. „Nein...mein Freund...er wurde entführt...“, stieß Ben nun aus. „Ich bin in einer Stunde bei Ihnen!“, gab Andrews von sich und legte auf. Ben sah irritiert auf das Handy und schüttelte den Kopf. Der Mann gefiel ihm immer mehr.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Robert sah seine Lebensgefährtin an. „Cate...ich....es tut mir Leid...aber ...“, versuchte er ihr zu erklären. Catherine lächelte. „Ich versteh schon...dein Job...immer wieder dein Job....ich hoffe es ist wirklich wichtig....“, gab sie leise von sich. „Bestimmt...es ist eine Entführung...ich muss hin. Ich bin ja nicht nur Inspektor...ich bin jetzt der Chef und....da ist vermutlich noch weniger Freizeit...“, lächelte er entschuldigend. „Weißt du was...ich überlege mir ob ich mir einen Liebhaber anschaffte... für die Abende, die du nicht da bist...“, lachte Catherine. Robert nahm sie in den Arm. „Untersteh dich...ich verhafte ihn sofort wegen Diebstahl...ich bin bald zurück...versprochen...“, gab er zurück und küsste sie. Dann verschwand er zu seinem Wagen. Doch bevor ein einstieg sah er einen Mann am Garagentor lehnen. „Kann ich ihnen helfen?“, wollte er wissen. Der Mann drehte sich um. Es war Oliver Moore. „Was machen Sie denn hier?“, fragte Robert. „Robert...ich....ähm...ich wollte mich entschuldigen...ich war wohl etwas unfair ihnen gegenüber und....nun ja...ich bin jetzt nur noch Constable und muss mich hocharbeiten...würden Sie mir die Chance geben, an ihrer Seite zu arbeiten? Quasi als Hilfskraft...“, stammelte Oliver und sah betreten zu Boden. Robert zog seine linke Augenbraue hoch, wie er es immer tat, wenn er etwas suspekt hielt. „Ich weiß nicht...was hält Miller davon? Sie haben ihn doch gefragt oder?“, harkte Robert nach. „Nein...ich ähm...ich steh nicht so gut zu Miller und...ähm...ich dachte, das Sie vielleicht ein gutes Wort für mich einlegen könnten, damit ich ….also ich meine...“, erklärte Oliver stockend. Robert lachte leise. So klein wie Moore jetzt war, gefiel ihm irgendwie, doch er nahm sich auch vor, nie so zu sein wie Moore es war bzw. ist. Er wollte nicht von oben herab auf die Kollegen und Menschen schauen müssen. „Also, Police Constable Moore...dann ziehen sie mal ihre Uniform wieder an. Wir haben einen Fall...“, kam es bestimmend von Andrews und schon im nächsten Moment machten sie sich auf den Weg ins Revier zurück.


    Ben ging langsam auf dem Zahnfleisch. Immer wieder horchte er nach einem Geräusch vom Wagen oder sonst ein Motor. Aber nur der auf die Fenster pladdernde Regen drang in seine Ohren. „Verdammt, das ist ja zum Wahnsinnig werden.“, fluchte er und wollte sich schon seine Jacke überwerfen und draußen nach Semir suchen. Doch das Klingeln seines Telefons hielt ihn davon ab. „Ja Jäger?“, meldete er sich und horchte auf. „Ich wollte mich nur melden und vergewissern, dass sie auch keine Dummheiten machen.“, lachte die Stimme höhnisch. „Was wollen sie? Und was haben sie mit Semir gemacht?“, fauchte Ben wütend und sah immer wieder aus dem Fenster. „Warten sie auf jemanden?“, wollte die Stimme wissen. Ben erschrak. Beobachtete der Mann ihn etwas? Anders konnte er sich das nicht erklären. „Suchen sie mich? Sie werden mich nicht finden. Das können sie mir ruhig glauben.“, hörte er die Stimme wieder. Irgendwoher kannte er die Stimme. Aber woher...er konnte sich nicht daran erinnern. „Ich höre richtig, wie es in deinem Kopf arbeitet...du denkst nach, woher du meine Stimme kennst.“ Ben konnte spüren, wie der Mann ihn verarschte. „Lassen sie das...ich will sofort mit Semir reden.“, knurrte der Hauptkommissar. „Och, das ist gerade gar keine gute Idee...Jetzt pass mal auf und schnapp dir was zum Schreiben...wenn du deinen Freund wiedersehen willst, dann besorg mal schnell fünf Millionen aus deinem Sparschwein und bring sie mir in zwei Tagen. Ich werde mich wieder bei dir melden, wenn du das Geld hast.“, wies die Stimme an und legte dann auf. „Ey Hallo...hallo, ich will mit meinem Freund reden...Hallo?“, stieß Ben wieder und wieder ins Telefon aus. Doch es kam nur das grässliche Tuten als Antwort. „Verfluchte...“, stieß er aus und wollte das Telefon schon auf den Boden zerschmettern, als er ein Motorgeräusch im Waldweg hörte. „Na endlich.“


    Robert Andrews stieg aus dem Wagen aus und sah sich um. „Constable, sie bleiben hier und warten auf die Kollegen. Ich spreche mit Jäger.“, erklärte der Inspector und ging in den Wald hinein. Er brauchte nicht lange, um das große Wohnmobil zu finden. „Mister Jäger...“, rief er und klopfte an die Tür. Sofort kam Ben raus und sah den Mann abwartend an. „Wo waren sie denn? Haben sie unterwegs noch Tee getrunken?“, zischte er und sah dann aber sofort betreten zu Boden. Andrews zog die Augenbraue hoch. „Entschuldigen sie bitte...es ist nur...wegen Semir...ich...ich mache mir große Sorgen um ihn.“, erklärte Ben nur. „Ist schon okay...also, erzählen sie mir mal, was passiert ist?“, bat der Inspector und kam in den Wohnwagen rein. Ben nickte nur und erzählte ihm, was passiert war. Vom ersten Telefonanruf und von dem letzten mit der Geldforderung. „Okay, haben sie die Summe?“, fragte Andrews und holte seinen Notizblock aus der Tasche. „Nein, aber ich werde meinen Vater um die Summe fragen...er wird sie mir sicherlich geben.“, erwiderte Ben. „Okay, dann werde ich Constable Moore zu ihrem Vater schicken. Er soll das Geld holen und her bringen.“, erklärte Andrews und schrieb sich das gleich auf. „Halten sie das für eine gute Idee...ich meine, es geht immerhin um Semir...“, kam es von Ben. „Hören sie, er mag zwar ein Ekel sein, aber er ist Polizist und dient dem Gesetz.“, knurrte Andrews. Erschrocken über diesen Ton nickte Ben nur. „Okay, ich werde eine Fangschaltung auf ihr Handy installieren lassen. Bis der Mann wieder anruft, werde ich mit meinen Männern den Wald durchsuchen. Ich hoffe, wir finden ihren Freund vor Ablauf der Frist.“ „Das hoffe ich auch. Ich will Andrea nicht erklären müssen, dass ihre Kinder ohne Vater aufwachsen müssen.“

  • Rubens sah auf den am Boden liegenden Semir und grinste höhnisch. „So, und nun bin ich gespannt, wie dein Freund diese Summe in zwei Tagen auftreiben wird. Sollte er es nicht schaffen, nun ja...du kannst wählen...willst du lieber ein Ohr, einen Finger oder eine Zehe verlieren?“, grinste der Mann sadistisch. Semir sah ihn erschrocken an. Er traute Rubens so manche böse Tat zu und glaubte ihm auch, dass er so skrupellos wäre, ihm etwas abzuschneiden. „Das ist Wahnsinn...!“, stieß er aus. „Oh...meinst du wirklich....“, lachte Rubens zog ein Messer und hockte sich neben Semir. Dann fing er an ihm das Shirt zu zerschneiden. „Es ist sogar scharf....sehr scharf...“, lachte er und ritzte mit der Messerspitze an Semirs Brust entlang. Der Deutschtürke stöhnte leise, denn die Kratzer brannten höllisch. „Findest du nicht, dass du es wert bist...?“, lachte Rubens. „Sie werden damit nicht durchkommen...wenn Sie mich...“, fauchte Semir wütend, schwieg jedoch als sich das Messer seinem Hals näherte. „Wir können auch kurzen Prozess machen...!“, meinte Rubens. Dann verschwand das Messer und Rubens richtete sich auf. „Aber du hast Recht...übrigens....dein Freund will ein Lebenszeichen von dir....aber solltest du auch nur ein Wort mehr, als auf dem Zettel steht, sagen, dann wirst du schneller sterben als es dir lieb ist, klar?“, drohte er. Semir nickte nur. Wenn er mit Ben sprechen konnte, war es eine Möglichkeit ihm einen Hinweis zu geben, wer ihn festhielt. Denn Ben würde genauso wenig wie er darauf kommen, dass ihn ein Toter in der Gewalt hat. „So...und nun werden wir uns es gemütlich einrichten....das heißt ich werde es mir gemütlich machen. Du hast es ja gemütlich...“, lachte Rubens und verschwand. Semir holte tief Luft. Ihm war kalt und doch heiß. Seine Hände und auch Füße spürte er durch die Fesslung nicht mehr.


    Robert Andrews nahm Ben zur Seite. „Ich denke, Sie wissen auch was ich sagen will....Sie kennen es aus ihren eigenen Erfahrungen, das es für das Opfer einer Entführung immer schlecht ausgehen kann. Eine Lösegeldübergabe bedeutet nicht gleich die Freiheit für das Opfer. Und Herr Gerkhan wird sich bestimmt auch darüber im klaren sein. Was ich mich frage, wer könnte dahinter stecken? Ich meine, es interessiert die meisten Briten nicht, dass Sie oder Gerkhan hier sind, also muss es jemand sein, der Sie und auch ihren Freund kennt. Wer könnte es sein?“, harkte er nach. Ben nickte. Das gleiche hatte er auch schon gedacht. „Wir waren nur auf dem Grund meines Vaters und hatten mit den Leuten dort Kontakt....mit der Polizei, unserem netten Kollegen Moore und der Anwalt, der mich verteidigen wollte...mit Furgeoson und mit diesem Rubens, der im Moor versunken ist...“, dachte Ben nach. Andrews nickte. „Nun diesen Rubens können wir ja wohl abschreiben...ein Toter kann schlecht eine Entführung durchziehen, Furgeoson ist in Untersuchungshaft und war dort schon, bevor Herr Gerkhan verschwunden ist, wenn ich ihre Zeitangabe nehme.....das heißt, es bliebe nur der Anwalt...“, murmelte Andrews nachdenklich. „Den können Sie getrost abschreiben, der ist mit Semir nicht einmal in Berührung gekommen...was ist mit Moore?“, harkte Ben nach. „Moore ist ein Arschloch aber er ist Polizist...“, gab Andrews zu bedenken. „Ich habe auch schon Polizisten gesehen, die sich auf die andere Seite des Gesetzes stellen...“, kam von Ben. „Ich traue Moore eine Menge zu, aber das nicht. Außerdem weiß er doch auch, dass er damit nicht durchkommen würde...nein, nein....ich denke wir sollten die Ermittlungen im Haus von ihrem Vater anfangen...“, murmelte Andrews nur. Das Gespräch wurde vom Handyklingeln unterbrochen. Ben sah auf das Display. „Das ist das Handy von Semir...“, stieß er aus.


    Rubens schleppte sein Zelt in die Höhle und legte den warmen Schlafsack auf den Boden. „Ach...ist das nicht herrlich hier drin....keine Geräusche dringen hier ein und das Beste...wer sich hier nicht auskennt, der wird sich in den Gängen verirren... erst vor zwei Jahren, so wurde mir erzählt, haben sich drei Kinder hier drin verlaufen....nur eines konnte gerettet werden....also...bevor du dich hier befreist oder auch nur daran denkst....denk an die Geschichte...“, lachte er. Semir sagte nichts. Rubens nahm Semirs Handy in die Hand und wählte Ben an. Dann hielt er es an Semirs Ohr. „Du sagst nur, dass es dir gut geht und das er sich an das halten soll, was ich fordere, klar?“, warnte er ihn noch einmal. Semir hörte das Freizeichen und wenig später Bens Stimme. „Ich bin es......Benjamin...ich.....mir geht es gut...Tu was er sagt...bitte...“, stieß Semir aus und hoffte das Ben verstand...Rubens war zufrieden und legte auf. „Brav so....“, lachte er nur. Semir sah ihn nur an und dachte....wenn du wüsstest. Rubens kehrte Semir den Rücken. „Weißt du, eigentlich sollte ich dich dafür belohnen.“, grinste er und kam dann wieder mit dem Messer auf Semir zu. Erschrocken blickte der Mann auf die Klinge und wandte sich wieder in den Fesseln, vergas aber dabei, dass sich dann das Seil um seinen Hals fester zuzog. „Halt still...ich könnte sonst abrutschen.“, grinste Konstantin und zerschnitt das Seil, dass Semir die Luft nahm. Langsam beruhigte sich sein Puls wieder und auch der Atem ging wieder zurück. „So...und jetzt kannst du dich auch bequemer hinsetzen.“, lachte Rubens nur, dann verstummt aber das Lachen wieder. „Eine falsche Bewegung oder ein falscher Laut und du bist Hundefutter.“, knurrte er, hielt dabei Semir das Messer gefährlich dicht vor dessen Nase. Er nickte nur und sah, wie Rubens im Zelt verschwand.

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  • So da Chris sich auf Kurzurlaub befindet und es sich bei Muttern gutgehen lässt, versorge ich euch mit Lesestoff


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    Ben hatte immer noch das Handy in der Hand. „Leider zu kurz...“, meinte einer der Techniker zu Andrews. Resigniert nickte der Inspector nur und sah dann zu Ben. „Semir...er...er hat mich eben Benjamin genannt.“, kam es verwirrt vom jungen Hauptkommissar. „Ist das nicht ihr voller Name?“, wollte Andrews wissen. „Nein...nein, ich heiße Ben und zwar nur Ben...auf irgendwas wollte mich mein Partner aufmerksam machen.“, überlegte Ben laut und sah immer wieder zum Handy. „Vielleicht einen Hinweis auf den Täter...möglicherweise hat er einen ähnlich klingenden Namen.“, gab Andrews von sich und drehte sich zum Fenster um. Name...ähnlicher Name...jetzt klingelte es Ben. „Rubens...Konstantin Rubens...“, stieß er aus und sah den britischen Polizisten an. „Aber das ist doch unmöglich...mein lieber Freund, ihr Vater hat doch selbst auf diesen Rubens geschossen. Ich meine, er ist in den Sumpf gefallen...mit einer Schusswunde. Da kommt keiner mehr lebend heraus.“, kühl und wissenschaftlich rational klangen die Worte des Inspectors in den Ohren von Ben. Doch dieser lächelte ihn nur an. „Ich weiß, aber nehmen wir mal den Fall, dass es sein könnte...ich meine, sicher kann man doch die Luft anhalten. Der Sumpf ist doch nichts anderes als dickeres Wasser. Nehmen wir mal an, es ist möglich und Rubens wurde wirklich nur angeschossen. Dann muss er sich doch irgendwo behandelt haben lassen.“, erklärte Ben seinen Gedankengang. Aufmerksam hörte der Inspector zu. „Okay, es ist zwar eine verrückte Idee, aber nehmen wir mal an, sie haben Recht, dann kann uns nur der Arzt einen Anhaltspunkt auf den Aufenthaltsort von Mister Rubens geben.“, kaum hatte Andrews diese Gedanken zu Ende gesprochen, griff er auch schon zum Telefon. „Sergeant, ich brauche sofort eine Liste mit allen allein praktizierenden Ärzten in Chelmsford und Umgebung, die in der Lage sind, Schusswunden ambulant zu behandeln.“, meinte er in den Hörer. Der Polizist am anderen Ende versicherte ihm nur, alles prompt und gründlich zu erledigen. „Sollten sie recht haben, was wissen sie über diesen Rubens?“, wollte Andrews wissen. Doch Ben konnte nur mit den Schultern zucken. „Gut, fahren wir zu ihrem Vater und holen das Geld.“


    Oliver Moore kam am Anwesen von Konrad Jäger an und stieg aus. Wieso musste er eigentlich die Drecksarbeit machen?, dachte er nur und stieg die drei Stufen bis zum Eingang hinauf. Er klopfte und wartete dann, sah sich aber um, als er einen weiteren Wagen hörte. „Oh nein...“, fauchte er und drehte sich schlagartig wieder um. „Moore, ist niemand zu Hause?“, wollte Andrews wissen. „Äh...nein Sir...ich habe aber auch eben...“, beide wurden unterbrochen, als Konrad an der Tür erschien und in die drei Gesichter sah. „Was gibt es denn? Ben, ist was passiert?“, wollte Konrad wissen und sah seinen Sohn mit großen, fragenden Augen an. „Ja Papa, leider...können wir reinkommen?“, fragte Ben und drängelte sich an seinem alten Herren vorbei. „Sicher, aber...“, doch Konrad spürte, dass etwas sehr ernstes vorgefallen sein muss. Sonst wäre nicht die Polizei mit dabei. Ben ließ sich auf die große Couch im Wohnzimmer fallen, vergrub das Gesicht in den Händen und blieb still sitzen. Konrad kam in den Raum hinein, bot den beiden Polizisten einen Platz an und setzte sich selbst neben seinen Sohn. „Wo ist Semir?“, kam sofort die Frage von Konrad. „Er...er ist entführt worden, Papa...Der Entführer verlangt fünf Millionen und...und ich...ich dachte mir.“, fing Ben an, doch sofort wurde er von Konrad unterbrochen. „Das brauchst du gar nicht weiter denken...“, kam von ihm. Ben sah ihn erschrocken an. „Aber...“, versuchte er. „Ben...ich stelle dir das Geld ohne Frage zur Verfügung...“, lächelte Konrad. Ben stand auf und nahm seinen alten Herren in die Arme. „Danke...ich werde es sicher....“, kam leise von ihm. „Ben...Semir ist ein Freund....und Freunde stehen für einander ein....wie oft hat er dein Leben gerettet...“, lächelte Konrad.


    Konstantin saß vor seinem Zelt in der Höhle und biss genüsslich in sein Hähnchenschenkel. Zwischendurch sah er kauend zu Semir, der nichts bekommen hatte. „Na...hast du auch Hunger?“, verhöhnte er sein Opfer. Semir antwortete nicht. Es hätte sicher nichts gebracht aber er hatte großen Hunger. Den ganzen Tag hatte er nichts bekommen und nun neigte sich dieser dem Ende. „Was ist? Willst du auch was essen?“, hörte er Konstantin erneut fragen. Er nickte leicht. „Nun...da ich dich noch brauche...werde ich mal nicht so sein....du darfst essen...aber ich warne dich...einen Trick und du kannst es vergessen...klar?“, warnte er. Semir nickte erneut. Er fühlte sich eh nicht stark genug sich gegen den Mann zu wehren. Konstantin löste ihm die Handfesseln und Semir stöhnte auf, als das Blut wieder in die Hände floss. „Hier...und denk ja nicht, dass ich dich nicht wieder festbinde...wenn du ganz brav bitte, bitte sagst, dann kann ich mir auch vorstellen dich etwas wärmer einzuwickeln...aber nur dann...“, lachte Konstantin und gab Semir einen Schenkel ab. Semir aß langsam. Er hoffte irgendwie eine Möglichkeit zu finden, hier weg zu kommen. Seine Füße waren zwar noch gefesselt, dennoch …. wenn Konstantin seine Aufmerksamkeit vernachlässigte, dann war die Chance zur Flucht möglich....er musste es versuchen...Eine dieser Höhlengänge musste ja nach draußen führen und damit in die Freiheit.

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  • „Ja...du hast es doch gehört....5 Millionen...und keine Fragen...ich brauche das Geld bis morgen Mittag...“, fauchte Konrad ins Telefon. Er hörte eine Weile zu und sah zu Ben, der nervös an seinen Fingern fummelte. „Ja...mir ist es egal.....hör mal...wenn du es nicht sofort machst, dann kannst du dir einen neuen Job suchen!!“, schrie Konrad ins Telefon. Wieder herrschte Stille. Dann lächelte er und nickte. „Warum denn nicht gleich so...“, lobte er den Mann am anderen Ende. Er legte auf und sah Ben an. „morgen gegen eins wird es hier sein...“ gab er bekannt. „Danke Papa...das werde ich dir nie vergessen...ich...“, erklärte Ben erneut. „Ben... es ist selbstverständlich...“, meinte Konrad nur. Er ging zu der Bar und schenkte die Gläser voll. „Kommen Sie...meine Herren...ich gebe eins aus...“, lächelte er. Robert Andrews und Oliver Moore sahen sich an. Doch dann nahmen auch sie ein Glas mit feinem Bourbon. „Wir sind im Dienst...“, ermahnte Robert Andrews seinen Kollegen noch. „Nein...heute ist Schluss. Wir können eh nichts machen.“, lächelte Oliver. Ben sah ihn musternd an. Was wenn dieser Mistkerl doch mit dem Erpresser unter einer Decke steckte? Immerhin ist es gut möglich, das er aus Hass gegen Semir oder gegen ihn die Seiten gewechselt hatte. „Herr Jäger? Wenn das Geld da ist, werden wir es mit einer Farbbombe versehen und Sie können es nach den Anforderungen des Mistkerls übergeben...Wir werden zuschlagen, wenn er nicht damit rechnet...“, schlug Andrews vor. „Nein...Robert..... Sorry, das ich widerspreche, aber wenn da eine Farbbombe drin ist, dann ist das Geld auch für Jäger sen. unbrauchbar...ich würde sagen, wir verstecken einen Sender...oder wir greifen ihn direkt bei der Übergabe...“, kam der Gegenvorschlag von Moore.


    Semir aß langsam. Er sah immer wieder zu Konstantin, der mit einem Salat beschäftigt war. „Ich habe Durst...“, bat Semir leise. „Ja sicher...gleich bekommst du Wasser...“, stöhnte Konstantin. Er hatte bisher nicht bemerkt, dass die Fesseln an Semirs Füßen fast gelöst waren. Wenn er es nun geschickt anstellte, dann konnte den Kampf aufnehmen. Konstantin drehte sich zu seinem Rucksack um, ließ Semir einige Sekunden außer Acht. Dies nutzte der Hauptkommissar, gab dem Mann einen gezielten Tritt und hörte nur noch das Aufjammern seines Peinigers. So schnell war Semir aufgesprungen, dass er sich erstmal an einen Tropfstein festhalten musste, weil ihm schwindelig wurde. Doch das hielt nur einen Moment an. Genau, wie der betäubende Schmerz bei seinem Entführer. Schon im nächsten Moment nahm Semir wahr, wie Konstantin sich langsam wieder aufrappelte und nach seiner Pistole griff. „Gerkhan, das wirst du mir büßen.“, schrie Rubens und sah nur noch, wie sein Opfer in einen der schmalen Gänge verschwand. Schnell schnappte sich Konstantin seine Taschenlampe und ging hinterher. Semir sah den Lichtschein hinter sich, doch er rannte immer weiter in das dunkle Unbekannte hinein. Alles, alles war besser, als tatenlos und gefesselt diesem Wahnsinnigen ausgeliefert zu sein. Er musste einen Weg hier raus finden. Doch wie sollte er das anstellen? Er musste kurz verschnaufen. Semir spürte, wie ihm jeder Knochen, jeder Muskel weh tat und das Fieber immer mehr stieg. Warum...warum musste er nur nach dem Luchs sehen?, dachte er bei sich und horchte nach jedem Geräusch, dass sich bot.


    Andrews sah seinen Untergebenen nur an. „Das wäre eigentlich besser, das muss ich zugeben.“, erklärte er, doch Ben schien damit nicht ganz einverstanden zu sein. „Moment mal, was, wenn der Kerl mitkriegt, dass ihr auf Horchposten sitzt...“, schnaubte er wütend. Doch Andrews lächelte ihn nur an. „Mister Ben... wir haben auch einige Erfahrungen mit Entführungen. Glauben sie mir, die British Police sitzt nicht nur auf ihrem dicken Hintern und schlürft den ganzen Tag Tee.“ „Entschuldigen sie, so war das nicht gemeint.“, kam es nur von Ben. Andrews nickte nur und fasste dem deutschen Kollegen sanft auf dessen Schulter. „Wir werden ihn finden. Wenn meine Leute mit der Liste durch sind, haben wir wenigstens einen Anhaltspunkt.“, versicherte Andrews. „Die Hoffnung bleibt, aber wir müssen schnell machen. Die Zeit ist bald um.“, knurrte Ben und wurde von Sekunde zu Sekunde immer nervöser. „Sir, soll ich das Geld holen...zusammen mit Mister Jäger?“, wollte Moore wissen. Ben und Robert sahen ihn an, genau wie es auch Konrad tat. In allen drei Gesichtern war das blanke Misstrauen gegenüber dem Mann zu spüren. „Okay, aber ich werde sie begleiten...zusammen mit Mister Jäger...“, gab Andrews bekannt und nickte Konrad zu. Dieser stand auf, legte seinem Sohn kurz die Hand auf die Schulter und lehnte sich dicht an sein Ohr. „Keine Angst, mein Junge...es wird alles wieder gut.“, meinte er und lehnte seine Stirn gegen Bens, ein altes Ritual, dass sie immer in Bens Kindheit, bevor seine Mutter gestorben war, vollzogen hatten, wenn etwas schlimmes passiert war. „Danke Papa.“

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    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Semir rannte weiter. Seine Augen hatten sich schon an das schummrige Licht gewöhnt, dennoch machte er nur kleine Schritte. In diesen Höhlen, das wusste er aus seinen alten Büchern, die er als Kind immer las, waren allerlei Gefahren zu finden. Immer wieder prüfte er seinen nächsten Schritt, doch dann vernahm er ein bedrohliches Geräusch hinter sich und wurde unruhig. Ein Schritt nach vorne und schon zog ihn etwas in die Tiefe. „Ahhhhhhhhhh....“, schrie der Hauptkommissar und konnte sich noch an einem Spitzstein festhalten. Er versuchte, sich aus eigener Kraft hochzuziehen, doch sein Körper war zu geschwächt. Wenn er nicht Hilfe bekam, dann war er verloren. Doch die einzige Hilfe, war... „Ach sieh mal an...“, hörte er Konstantin Rubens Stimme. „Hat sich das Blatt also gewendet.“, lachte er und leuchtete seinem Opfer ins Gesicht. „Soll ich dich raufziehen?“, wollte er von Semir wissen. Doch Semir gab ihm keine Antwort. „Weißt du, eigentlich könnte ich dich so hängen lassen und zusehen, wie sich deine Finger langsam vom Stein lösen, weil du keine Kraft mehr hast. Aber... du hast Glück. Ich brauch dich noch.“, knurrte Rubens, stand auf und hielt Semir die Hand hin. Dieser zögerte einen Moment, doch dann ergriff er die ausgestreckte Hand und wurde auf stabilen Boden gezogen. „Aber eine Strafe hast du dir verdient.“, stieß Rubens aus, packte die vier Finger von Semirs rechter Hand und knickte sie mit brachialer Gewalt nach hinten um. Das Knacken erschütterte die ganze Höhle und der markerschütternde Schrei, den Semir ausstieß, hätte sie vermutlich noch zum Einsturz gebracht. „Schnauze...das hast du dir verdient...und jetzt werde ich dich so verschnüren, dass du dich weder bewegen noch schreien kannst.“, knurrte Rubens, packte Semir am Kragen und zog den Deutschtürken zum Lagerplatz zurück.


    Trotz der Schmerzen versuche Semir sich zu wehren, er machte sich schwer und ließ sich von Konstantin keuchend durch die Höhle zerren. „So...hier wirst du krepieren....glaub mir...niemand spielt mit mir..“, knurrte er wütend. Er stieß Semir gegen die Höhlenwand. So heftig, das der Deutschtürke benommen zu Boden ging. Er umklammerte seine gebrochenen Finger zu Schutz. Der Schmerz ließ ihn fast bewusstlos werden. Diese Zeit nutzte Konstantin um aus seinem Zelt Stacheldraht zu holen, den er während der letzten Fahrt gekauft hatte und zerschnitt den Draht mit seinen spitzen Stacheln in lange Stücke. Damit ging er zu Semir und zerrte diesem die Hände auf den Rücken. Semir schrie auf, als er den Draht um die Gelenke spürte. Dass er sich hier nicht ohne Hilfe befreien konnte war klar. Schon gar nicht mit den gebrochenen Fingern. „So.....und das wirst du sicher nicht losbekommen...und falls du dich damit beschäftigst, werde ich dir den Rest der Finger auch brechen...ist das angekommen?“, fauchte er sein Opfer an und bog die Finger der unversehrten Hand ebenfalls um. „Nicht...bitte....nicht...“, stieß Semir aus. „Dann sei jetzt friedlich klar?“, warnte er ihn. Semir nickte.... „So ist es gut....und ich will kein Wort von dir hören...“, warnte er ihn weiter. Dann zog er Semir hoch und stieß ihn gegen die Wand.. Eine sonderbare Formung eines der Tropfsteine erinnerte an einen Ring. Konstantin grinste böse, nahm einen Stück Draht und legte Semir ihn um den Hals. Sofort bohrten sich die Spitzen in sein Hals und er stöhnte aus. „Nur keine Angst zur Nacht werde ich ihn dir abnehmen...“, lachte Konstantin als er den Blick von Semir sah. Zum Schluss waren die Füße dran. Auch diese wurden mit Stacheldraht versehen. „So...“, stieß er aus, als er fertig war. „Noch etwas fehlt.....lass mich nachdenken....“, grinste er Semir an, dann zog er eine Klebebandrolle aus der Tasche, löste ein Stück und klebte es über Semirs Mund.


    Oliver Moore saß etwas von den Anderen getrennt und hatte die Arme vor dem Körper verschränkt. Was dachte sich Andrews eigentlich ihn den Fall wegzunehmen? Er war der Bessere und er wollte es beweisen. Wenn dieser Rubens tatsächlich noch lebte, dann war es doch möglich, dass er sich in den Tropfsteinhöhlen mit seinem Opfer versteckte. Moore war als Kind schon einmal dort gewesen und hatte sich verlaufen. In letzter Sekunde konnten ihn die Rettungsmannschaft damals befreien. Damals war er gemeinsam mit zwei Freunden durch die Höhlen gestrichen und hatten sich Räubergeschichten ausgedacht. Doch nur er kam heraus. Seine beiden Freude waren abgestürzt, und hatten sich das Genick gebrochen. Damals war er zehn Jahre alt und hatte sich große Vorwürfe gemacht, dass er überhaupt dort hineingegangen war. Aber es war ein perfektes Versteck. ja.....dort wird er sein...doch wie konnte er...Moment...wenn die kein Lösegeld übergeben können, dann würde ….nein.....nein...er wird das Lösegeld dort zu den Höhlen bringen und Gerkhan befreien...so konnte er sein Können beweisen und würde seinen alten Rang wieder bekommen...er wäre dann wieder der Chief-Inspector und könnte Andrews in den Hintern treten...und nicht umgekehrt. „Moore hören Sie mir vielleicht mal zu!!“, riss ihn die Stimme von Andrews aus den Gedanken. „Entschuldigen Sie Sir...ich...ich war in Gedanken...“, kam leise von ihm. Andrews nickte. „Schon gut...wir müssen jetzt das Geld holen. Sie und Konrad Jäger werden zur Bank fahren und es abholen. Passen Sie aber auf, dass ihnen niemand folgt... Ben und ich werden hier auf Sie warten und hoffentlich mit dem Entführer noch einmal sprechen können. Wir müssen den Übergabeort sichern...“, murmelte Andrews. Moore nickte nur. Konrad ging auf ihn zu. „Fahren Sie bitte...ich fühle mich nicht wohl...“, bat er Moore. „Selbstverständlich Sir...“, lächelte dieser nervös. Er hatte seinen Plan gefasst. Er wollte Gerkhan retten und Rubens stellen....nur so war seine Ehre wieder hergestellt...

  • Ben sah seinem Vater besorgt hinterher. „Ist Ihr Vater krank?“, wollte Andrews wissen. „Ich denke die Ereignisse in der letzten Zeit haben ihn etwas mitgenommen.“, meinte Ben leise und erschrak als sein Handy klingelte. Er sah auf das Display... „Oh nein....“, stieß er stöhnend aus. Robert sah ihn an. „Ist es der Entführer?“, wollte er wissen. Ben schüttelte den Kopf. „Nein... es ist Andrea...Semirs Frau....ich.....“, erklärte er leise und überlegte sich, was er Andrea sagen sollte. Immer wieder sah er auf das in seiner Hand vibrierende Handy. Immer wieder erschien das Bild Andreas auf dem Display. „Was soll ich ihr denn sagen?“, fragte er und sah Andrews hilfesuchend an. „Sagen sie ihr am Besten die Wahrheit, auch wenn es schwer fällt.“, meinte der englische Polizist und ging dann auf die Terrasse hinaus. Schluckend drückte Ben den grünen Knopf und hielt sich dann das Handy ans Ohr. „Hallo...Andrea?“, meldete sich Ben und merkte, wie ihm seine Stimme zu versagen drohte. „Ben...warum geht Semir denn nicht an sein Handy? Was ist denn los bei euch?“, hörte er die aufgeregte Stimme von Semirs Frau. Ben schloss kurz die Augen und überlegte. Was...was sollte er nun sagen? Sollte er die Wahrheit sagen oder war es besser, wenn er...nein, das konnte er nicht. „Andrea, ich...ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll...“, meinte Ben nur und sah immer wieder zu Andrews hinaus, der auf der Terrasse auf und ab ging, wartete, dass Ben es hinter sich brachte. Dieser hörte nur ein furchtbares Durchatmen. „Sag mir bitte nicht, dass etwas mit Semir passiert ist. Ben, was ist mit meinem Mann?“, wollte die zweifache Mutter wissen. „Es...es tut mir Leid...“, kam es von Ben. „Was...was ist passiert?“, wollte sie wissen. „Ist...ist er...ist Semir?“ „Nein, er lebt, aber wir wissen nicht, wo er ist. Er...er ist verschwunden.“, erklärte Ben. Er wollte ihr nicht sagen, dass Semir von einem Wahnsinnigen entführt worden ist. „Ben, ihr seid doch in der Stadt. Wie kann Semir da verschwinden? Oder muss er sich vor jemandem verstecken?“, bohrte Andrea weiter nach. „Semir ist...wir waren...wir sind zusammen weggefahren, wollten uns von den stressigen Tagen erholen. Als Semir nach einem Waldspaziergang nicht wiederkam, hab ich die Polizei gerufen. Andrea, es tut mir Leid.“, nahm er voraus. Wieder ein bedrohliches, tiefes Durchatmen. „Ihr...ihr habt Urlaub gemacht? Dass heißt, Semir hat mich belogen? Und jetzt ist er verschwunden?“, hörte er sie fauchen. Er bejahte diese Frage. „Ich komme sofort und mit der nächsten Maschine...und Ben...das nehm ich dir so was von übel.“, fauchte sie und legte wütend auf. Ben war sich bewusst, was nun auf ihn zukommen würde. Er musste Semir schnellstens finden, bevor Andrea hier auftauchte.


    Moore und Konrad hatten das Geld geholt und fuhren nun zur Villa zurück. Immer wieder riskierte Oliver einen Blick auf den Koffer mit den fünf Millionen. Konrad, der links neben ihm auf dem Beifahrersitz saß, und schlief. Das Geld war hinten im Kofferraum verstaut. Moore schlug kurz auf das Lenkrad. Wie sollte er es nur schaffen, an das Geld zu kommen, während dieser alte Tattergreis auf die Moneten aufpasste und vor allem noch neben ihm saß. Es waren nur noch fünf Minuten zur Villa. Langsam musste ihm etwas einfallen. Moment mal, er brauchte das Geld ja nicht. Er musste einfach nur diesen Rubens lebend fangen und Gerkhan befreien. Die Tropfsteinhöhlen waren hier ganz in der Nähe, jedenfalls einer der Eingänge. Moore stoppte den Wagen und weckte dadurch Konrad. „Was ist? Sind wir schon wieder zurück?“, wollte der nur verwirrt wissen. „Nein Sir, aber ich müsste etwas überprüfen. Bitte...könnten sie die letzten Kilometer zurück fahren. Ich komme dann gleich nachgelaufen. Ist ja nur noch ein Katzensprung.“, bat Moore freundlich. Konrad blickte den Mann skeptisch an, nickte dann aber zustimmend „Sehr schön, ich hole nur noch meine Taschenlampe aus dem Kofferraum und dann können sie losfahren.“, meinte er, stieg aus, nahm sich das Gerät und klopfte dann kurz aufs Wagendach. Konrad verstand und fuhr mit dem Polizeiwagen davon. Moore sah ihm nicht lange nach, sondern begab sich sofort zum Eingang der Tropfsteinhöhlen. Lange musste er nicht danach suchen. Einige Kilometer von der Straße entfernt war ein Spalt, der ihm genug Raum für sich bot. Schnell war die Lampe angeknipst und langsam schlich der Polizist vorwärts, seiner Beförderung entgegen.


    Konstantin schreckte auf, als er ein Geräusch wahrnahm. Sofort steckte er den Kopf aus dem Zelt und sah nur Semir, der seinen geschundenen Kopf hob und ihn mit gebrochenem Blick ansah. „Warst du das eben?“, fauchte Rubens und kam auf Semir zu. Dieser schüttelte sachte mit dem Kopf. Durch den Knebel konnte er ja nicht sprechen und das Stacheldraht bohrte sich bei jeder größeren Bewegung in seinen Hals. „Vielleicht waren es deine Kollegen? Klar...die haben mich gefunden...und weißt du was...das ist gar nicht gut für dich...überhaupt nicht gut...“, drohte er und kam direkt zu Semir. „RUBENS!! Wo sind Sie???“, hörte er jemanden rufen. Konstantin sah Semir an. „Wer ist das?“, fauchte er ihn fragend an. Semir sah ihn nur an. Antworten konnte er nicht. Konstantin nahm den Draht den Semir um den Hals trug und drehte ihn. „Wer ist das?“, wollte er wissen. Mit der anderen Hand riss er Semir das Klebeband vom Mund. Semir stöhnte leise auf. „Ich weiß es nicht......ich schwöre...ich...weiß es nicht...“, stieß er leise aus. Konstantin sah ihn tief in die Augen. Er erkannte scheinbar, das Semir nicht log. „Also gut...dann werden wir uns doch mal mit dem Herren treffen!“, fauchte er, löste Semir die Fußfesseln und zog ihn auf die Beine. Dann packte er seine Hände und berührte natürlich auch die gebrochenen Finger. Semir schrie auf. Sofort presste Konstantin ihn die Hand auf den Mund. „Klappe!!“, raunte er ihn ins Ohr. Semir schloss die Augen. Die Schmerzen waren unerträglich. „Rubens!!“, rief die Stimme erneut. „Rubens! Ich weiß, dass Sie hier sind...ich habe das Geld....hören Sie....ich habe das Geld! Lassen Sie Gerkhan gehen!!“, forderte die Stimme. Doch Konstantin dachte nicht daran einfach aufzugeben und zerrte Semir in eine der Nischen.

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  • Andrea rief ihre Mutter an und bat sie umgehend zu den Kindern zu kommen da sie möglichst schnell nach England musste. Natürlich war Margot erschrocken als sie hörte was Semir im England passiert ist. „Kind...das ist wirklich unverantwortlich was er macht. Du solltest ihn wie einem Kind Grenzen aufzeigen!“, ermahnte sie ihre Tochter. „Mama.... ich will ihn jetzt erst einmal finden.. und dann sehen, wie es ihm geht...ich habe Angst...Ben hörte sich sehr besorgt an und...“, erklärte Andrea weiter. „Ich bin in einer Stunde bei dir...wann geht dein Flieger?“, wollte Margot wissen. „In knapp drei Stunden....“, kam von Andrea zur Antwort. In diesem Augenblick schrie das Baby. „Mama...die Kleine schreit.... Bis gleich...“, beendete sie das Gespräch und kümmerte sich um den Säugling. „Mama....wo ist Papa...?“, wollte Ayda wissen. „Papa ist doch bei Onkel Ben...bei dem Papa von Ben....aber er kommt bald wieder...“, lächelte Andrea und hoffte inständig nicht falsch zu liegen. Margot brauchte nur eine halbe Stunde bis sie vor der Tür stand. „War doch nicht soviel Verkehr...“, erklärte sie und begrüßte ihre Enkelkinder. „Ayda wird immer hübscher....sie sieht aus wie du....nur die hübschen braunen Augen hat sie von Semir...Weißt du, wie es ihm geht?“, wollte Margot wissen. Andrea schüttelte den Kopf. Andrea weinte leise. Sie zeigte es weder Ayda noch ihrer Mutter, doch diese ahnte, dass Andrea Angst hatte. „Hey...nicht weinen....es wird alles gut...glaub mir...es wird alles gut...“, tröstete Margot ihre Tochter. „Mama...ich hab so eine Angst...Ben sagte mir, er weiß nicht, wo Semir ist und ich glaube da ist noch mehr....aber er hat es mir nicht gesagt...ich habe Angst, dass...“, schluchzte Andrea. „Nein...nein...das darfst du nicht einmal denken.... er wird sicher in Ordnung sein...vielleicht ein paar Blessuren, wie immer aber das heilt....“, tröstete Margot sie. Andrea brauche einen kurzen Moment bis sie sich beruhigt hatte.


    Ben sah auf als Konrad ins Haus kam „Ben....dieser Mistkerl...dieser verdammte Mistkerl...er hat mich gelinkt...er hat....das Lösegeld...er...“, stammelte Konrad außer Atem. „Wer?“, harkte Andrews sofort nach. „Moore...er...er wollte nur was überprüfen und bat mich weiter zu fahren. Ich hab es getan, aber hier hab ich gemerkt, dass er das Geld genommen hat...Ben...er ist abgehauen...!“, fauchte Konrad völlig verzweifelt. Ben sah Andrews an. „Also steckt er mit diesem Mistkerl unter einer Decke und vermutlich weiß er genau wo Semir ist...“, mutmaßte Ben. Andrews musste nicken. „Ich kann es nicht glauben...ich kann das einfach nicht glauben. Ich meine, er ist zwar ein Arsch, aber so was...“, zischte er, dann wandte er sich aber Konrad zu. „Wissen sie, wo er ausgestiegen ist? Können sie mir das auf der Karte zeigen?“, bat der Inspector und holte eine Karte von der Umgebung aus seinem Jackett hervor, faltete sie auf und legte sie auf den Tisch. Ein kurzer Griff und Konrad förderte seine Brille zutage, setzte sie sich auf die Nase und warf einen Blick auf die Karte. „Warten sie mal, das war ungefähr...hier.“, gab er bekannt und deutete mit dem Finger auf einen bestimmten Punkt. Ben und Robert warfen gleichzeitig ihre Augen auf den mit dem Finger gekennzeichneten Punkt. „Hmm, das einzige Versteck, dass sich dort bietet, sind die alten Tropfsteinhöhlen...aber die sind weitläufig und ohne Verstärkung kommen wir da nicht weiter. Wenn wir nur den Arzt endlich hätten....“, knurrte Andrews und schlug auf den Tisch. In diesem Moment klingelte sein Handy. „Was gibt’s?“, wollte er knurrend wissen. „Sir, wir haben den Arzt gefunden.“, meldete ihm einer seiner Mitarbeiter und nannte ihm dann auch die Adresse. „Sehr gut...nehmen sie ihn fest und bringen sie ihn gleich hierher.“, forderte Andrews und legte auf.


    Konstantin stand eng an der Wand gepresst, die Waffe hielt er dicht vor Semirs Körper und presste seine Hand luftabschneidend auf den Mund seines Opfers. „Ein falsches Wort und ich...“, drohte er nur und presste Semir die Waffe gegen dessen Halsschlagader. Der Deutschtürke nickte nur und verhielt sich ruhig. „Rubens...kommen sie und holen sie sich ihr Geld...“, fauchte die Stimme weiter. Doch Konstantin gab keine Antwort und verhielt sich immer noch ruhig. Er hörte, wie die Schritte immer näher und näher kamen. Er konnte seinen Gegner sehen, wie er das Zelt und die Feuerstelle entdeckte. Er war jetzt in einem perfektem Schussfeld. Konstantin brauchte eigentlich nur anzulegen und abzudrücken. Dann war das Problem erledigt. Er zielte mit seiner Waffe und krümmte langsam den Finger. Semir erkannte die drohende Gefahr und musste sich irgendwie bemerkbar machen. Aber wie...Er riskierte es, riss sich kurz los und biss in die Hand, die um seinen Mund war, jedoch gelockert wurde. Konstantin schrie auf, schlug aber sofort mit der Waffe in Semirs Nacken. Benommen fiel der Deutschtürke wie ein nasser Sack zu Boden und hörte dann nur noch drei, vier Schüsse. Danach Stille...die Ruhe vor dem Sturm?

  • Toni Smith wurde von den beiden Polizisten die Stufen hinauf gebracht. „Was...was soll ich hier? Ich dachte, wir fahren ins Revier?“, kam es angsterfüllt von ihm. Doch die Polizeibeamten gaben keine Antwort, sondern ließen den Arzt nur auf einen Stuhl fallen. Andrews kam durch die Schiebetür ins Zimmer. „Ist das der Mann?“, wollte er wissen und bekam ein bestätigendes Nicken seines Sergeants zur Antwort. „Das haben wir in seiner Praxis gefunden.“, erklärte er und hielt eine kleine, in einem Plastikbeutel abgepackte Kugel in die Luft. „Sehr interessant...ich nehme an, das da ist Blut...und wissen sie was, Mister Smith? Ich denke, das ist das Blut von Konstantin Rubens. Also, sagen sie mir nur, ob ich Recht habe...“, forderte der Polizist und lächelte den Mediziner vielsagend an. Doch der Arzt schwieg nur. „Machen sie das Maul auf oder ich verspreche ihnen, sie können ihre Lizenz voll und ganz vergessen. Wenn sie uns helfen, dürfen sie wenigstens als Gefängnisarzt noch arbeiten.“, stieß er aus und packte den Mediziner am Kragen. „Okay...okay...ich habe Rubens behandelt und wusste, was er vorhatte.“, gestand der Mann. „Warum nicht gleich so...Also, was hat er vor?“, wollte Andrews dann wissen. „Er...er wollte Rache nehmen...an zwei Bullen...Polizisten...die haben ihm einen großen Deal versaut.“, erklärte er. „Wissen sie, wo er jetzt ist?“, wollte Andrews wissen. Der Mediziner schüttelte nur den Kopf. „Antworten sie, oder ich bring sie eigenhändig unter die Erde...“, knurrte nun Ben und stürzte sich wie ein Wilder auf den Mediziner. Andrews und die beiden Polizisten versuchten ihn, vom Zeugen loszureißen und schafften es nur mit Müh und Not. Ehe eine Standpauke von Robert Andrews folgen konnte, klingelte Bens Telefon. Die Nummer von Semir sprang deutlich ins Auge.


    Konstantin sah erstaunt an sich herunter. In Höhe seines Herzens trat Blut hervor. Er sah auf Semir, der immer noch benommen am Boden lag. Er nahm das Handy aus der Tasche und wählte Ben Jäger an. Noch einmal sah er zu Semir, der sich nicht rührte. Ben Jäger meldete sich mit einem zaghaften „Hallo.“ „Bulle...du hast es versaut....ihr werdet euren Freund nie finden....er wird genau wie ich....krepieren.....wie Moore und ich....“, stieß Konstantin aus und sackte langsam zu Boden. Seine letzte Tat war, dass er Semirs Handy komplett ausschaltete. Damit war eine Ortung des Handys nicht mehr möglich. Mit einem zufriedenem Grinsen schloss er die Augen und starb. Nur wenige Minuten danach regte sich Semir. Er sah vor sich Konstantin liegen. „Rubens?“, fragte er vorsichtig und stieß den Mann mit dem Fuß an. Doch dieser rührte sich nicht. Semir konnte sich nicht bewegen. Denn die Hände waren immer noch gefesselt und die gebrochenen Finger pochten extrem. Wie lange war er nun schon hier? Irgendwie fühlte er sich warm...müde...ja...warum schlief er nicht einfach? Wenn er wieder wach wird, konnte er versuchen den Ausgang zu finden. Aber vorher musste er den Draht an den Händen loswerden. Und die Taschenlampe brauchte er von Rubens, doch wo war sie....Er bewegte sich kurz und stöhnte auf. Mit seinen Fingern bekam er den Draht nicht los. Er blieb ruhig liegen und schloss die Augen. Langsam merkte er wie ihm die Schwäche übermannte. Was soll es denn auch...ohne Hilfe kam er hier nicht weg. Nicht noch einmal würde er durch die Gänge irren um dann vielleicht abzustürzen. Er versuchte sich so bequem wie nur möglich hinzulegen und hoffte das Ben ihn schnell finden wird.


    Ben lief wie ein Tiger im Käfig herum. „Verdammt.. wir müssen anfangen zu suchen...und nicht hier untätig herum sitzen.“, fauchte er wütend. Erneut klingelte sein Handy. Diesmal war es Andrea. „Oh...die hatte ich total vergessen.. Hallo Andrea.....“, rief er ins Handy und in der nächsten Minute öffnete sich sein Mund. „Ja...ja...ich...ja...ich...okay.. ich hol dich vom Flughafen ab.“, gab er durch. Andrews sah ihn an. „Wen holen Sie vom Flughafen?“, wollte er wissen. „Das ist Semirs Frau...sie ist soeben gelandet und will...das ich sie hole...“, stieß Ben aus. Andrews nickte nur. Schon war Ben verschwunden. Er wusste genau, das Andrea nicht lange fackeln würde und notfalls ein Taxi nahm. Während Ben sich mit ihr beschäftigte machten Andrews und ein paar andere Kollegen daran, die Befreiung von Semir vorzubereiten. „Also gut...gehen wir davon aus, das Gerkhan hier ist, dann müssten wir von dort...hier lang und....verdammt...da sind tausende von Gängen...wir brauchen einen Führer, der sich dort auskennt. Gibt es jemanden?“, wollte Andrews wissen. Die Anwesenden sahen sich an und schüttelten fast synchron den Kopf. „Verdammt....ohne Hilfe sind wir verloren...wie sollen wir einen einzelnen Mann dort in dem Gewirr finden? Wie...?“, stieß er aus. Konrad stand nur da und sah aus dem Fenster. Er hatte den Freund seines Sohnes scheinbar zu aufgegeben. „Mr. Jäger...kennen Sie einen Mann der sich auskennt? Irgend jemanden?“, wandte sich Andrews an Konrad. Doch dieser schüttelte den Kopf.

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  • Ben wartete am Ausgang des Terminals auf Andrea und sah sie kurz darauf. „Ben....ich sage dir eins...wenn das ein übler Scherz ist, was ihr hier abzieht, dann werde ich verdammt sauer...dann kann Semir nämlich seine Sachen packen und bei dir einziehen...“, drohte sie. Ben lachte nicht und bewies so dass es kein Witz war. „Ihr wisst wirklich nicht, wo er ist?“, fragte sie leise. „Nein...Andrea...er...es ist möglich, dass er in einer Höhle ist, aber wir wissen nicht wo genau...wir wissen nur, dass der Mistkerl der ihn ...“, erklärte Ben und machte eine Pause. „Er ist also nicht einfach so verschwunden, sondern er wurde entführt? Warum denn? Wir haben doch gar kein Geld...!“, stieß Andrea verständnislos aus. „Es ging dem Mann um das Geld meines Vaters...aber da er nicht an mich herankam, hat er sich Semir ausgesucht...das ist so...“, erklärte Ben weiter. Andrea hörte zu, konnte es aber immer noch nicht fassen, was Ben ihr verschwiegen hatte. „Ben...das...das...ich weiß nicht, wie ich es dir verzeihen kann, dass du mich so angelogen hast.“, fauchte sie und ging zum Wagen vor. Ben konnte Andrea nur verstehen. Semir war ihr über alles geliebter Mann und der Vater ihrer beiden Kinder. Nur verständlich, dass sie sauer war. Jetzt galt es aber vielmehr, dass sie Semir finden würden. Hoffentlich war er nicht allzu schwer verletzt.


    Semir schlief unruhig. Seine Hände spürte er schon gar nicht mehr. Immer noch lag er auf dem kalten Stein und fror. Zitternd zog er sich immer mehr zusammen und merkte, wie sein Fieber immer mehr und mehr stieg. „An...Andrea...Ben...helft...helft...mir...“, kam es schlotternd von ihm. Seine Finger pochten mehr und mehr und schienen blau anzulaufen. „Hi...Hi...Hilfe...“, hauchte er immer wieder und drehte sich mehr und mehr hin und her. Seine Gedanken hingen in der Luft. Er spürte förmlich, wie sein Körper nach und nach schwächer wurde und seine Temperatur immer mehr sank. Semirs Geist sank immer mehr in ein Delirium. Er stand in einer Nebelwand und hörte Stimmen, die ihm bekannt vorkamen. „Semir...Semir...“, riefen sie immer wieder und Semir sah sich um. „Wer...wer seid ihr? Und wo seid ihr?“, fragte er immer wieder und sah in den Nebel hinein. „Semir...komm zu uns...lass los...komm hier her zu uns...“, riefen die Stimmen immer wieder. Langsam merkte Semir, wie seine Füße einige Schritte auf die Stimmen zu machten. „Nein...bitte...ich will nicht...“, meinte er und suchte nach Halt. „Semir, geh nicht zu ihnen.“, kam es plötzlich eindringlich von einer Stimme. Er kannte die Stimme. „Tom? Tom, bist du das?“, fragte der Deutschtürke und sah neben sich in den Nebel. Dort formte sich wie auf wundersame Weise das Abbild von Semirs Partner. „Ja Semir...ich bin es. Hör zu, ich hab nicht viel Zeit. Meine Frist ist kurz. Pass auf, geh nicht auf die Stimmen zu. Bleib standhaft. Andrea braucht dich...sie ist hier und dein Partner sucht dich. Gib jetzt bloß nicht auf, Junge.“, stieß das Gesicht aus. „Tom, ich...ich vermisse dich...“, kam es wehmütig von Semir. „Das weiß ich, aber Junge, ich bin immer bei dir. Außerdem hast du einen der besten Freunde, die man sich denken kann. Man, Ben ist ein Superjunge. Und er sucht nach dir. Gib jetzt nicht auf...Kämpfe...Kämpfe...Kämpfe...“, kam es von Tom, dessen Gesicht sich dann langsam auflöste. „Tom...bleib hier...bitte bleib bei mir...“, stieß Semir aus und versuchte, das Gesicht seines ehemaligen Freundes und Partners zu greifen, doch es entwich ihm. Wieder waren die Stimmen zu hören, die seinen Namen riefen. „Lasst mich in Ruhe...ich komme noch nicht zu euch.“, schrie Semir und stemmte sich gegen den Druck, der ihn zu den Stimmen ziehen wollte. Wie lange konnte er sich dagegen erwehren?


    „Verdammt, wir haben nichts.“, stieß Andrews aus und schlug auf den Tisch. „Sir, vielleicht können wir die Suchhunde einsetzen.“, meinte einer der Männer. Robert Andrews sah den Mann an. Wieso war er nicht selbst darauf gekommen. „Gut, fordern sie die Staffel an und einen Krankenwagen vorsichtshalber auch. Wir wissen nicht, in welchem Zustand der Mann ist.“, erklärte er und sofort ging einer der Polizisten zum Telefon und forderte die entsprechenden Kräfte an. Robert sah Ben und eine hübsche, rothaarige Frau eintreten. Sofort ging er auf die beiden zu. „Inspector Robert Andrews...Sie sind Miss Gerkhan?“, wollte er wissen und reichte der Frau die Hand. Die Frau nickte nur. Die Angst um ihren Mann war ihr deutlich anzusehen. „Bitte, würden sie mir sagen, was mit meinem Mann ist?“, bat sie mit leiser Stimme. „Mam, wir vermuten, dass ihr Mann in den Tropfsteinhöhlen gefangen gehalten wird. Das Problem ist, dass seit dem letzten Anruf des Entführers die Verbindung komplett abbrach. Sämtliche Anrufe wurden vom Handy ihres Mannes geführt. Eine Ortung ist aber unter diesem Gestein kaum möglich. Wir versuchen jetzt, mit Suchhunden uns in die Höhlen zu begeben. Dazu brauchen wir aber etwas, was Mister Gerkhan in den letzten Tagen getragen hat. Etwas, woran sein Geruch haftet.“, bat Andrews und sah Ben dabei an. „Ich sehe gleich nach.“, meinte Ben und sah Andrea kurz an. „Ich verspreche dir, wir finden ihn.“ Mit leeren Blick sah sie Ben nur an, blickte fast durch ihn hindurch. „Bringt ihn mir einfach wieder.“, bat sie.

  • Ben fand ein Shirt was Semir angehabt hatte. Er nahm es und ging wieder zu Andrews. „Hier... das hatte er an, als wir am See waren....“, erklärte er. „Sehr gut... sobald die Hunde da sind bekommen sie es.“, meinte der sympathische Kollege. „Wie stehen die Chancen ihn zu finden?“, wollte Ben wissen und sah zu Andrea. Robert verstand. „Ich will ganz ehrlich sein. Es wird sicher nicht einfach sein. Die Gänge sind sehr verwunden und...selbst die Hunde könnten versagen. Wenn ihr Kollege nicht zu schwer verletzt ist, dann ist es möglich, dass er sich versucht selbst zu befreien und dann könnte in eine der Spalten abstürzen. Moore war damals mit zwei Freunden in die Höhle gegangen und nur er kam raus...“, erklärte er leise. Ben nickte. Er verstand. Die Chance Semir zu retten war sehr gering. „Dann sollten wir direkt aufbrechen....“, stieß er aus. Andrews nickte. „Werden wir auch...was ist mit Miss Gerkhan? Wird sie ruhig bleiben? Ich will sie ungern mitnehmen...“, wollte er wissen. Ben sah erneut zu Andrea. „Ich werde sie bitten, sich bei meinem Vater aufzuhalten.“, erklärte er. Andrews nickte. „Tun Sie das....es ist besser so...“, stimmte er zu. Ben ging zu Andrea und sah sie an. „Andrea...wir werden jetzt aufbrechen... bleib du bitte hier...ich werde dich sofort holen, wenn wir ihn haben...versprochen....“, versuchte Ben. Andrea sah ihn fest an. „Lügst du mich wieder an? Ben....er ist doch …..ich will ihn nicht verlieren...ich brauche ihn...“, kam leise als Antwort. „Ich lüge dich nicht an...ich werde ihn dir wiederbringen....und wenn ich dabei sterben sollte...aber Semir wird wieder zu dir kommen...wirklich...ich schwöre es dir...“, versprach Ben erneut. Andrea nickte. „Gut...ich werde hier warten...“, stimmte sie zu. Ben war erleichtert.


    Es dauerte eine ganze Weile bis die Hundestaffel eintraf. Doch schneller waren sie bei den Höhlen. Einer der Hundeführer trat zu Ben. „Sir....das ist Arpad....er ist der beste Suchhund den wir haben...geben Sie ihm das Shirt...“, bat der Mann. Ben tat es und sah den deutschen Schäferhund an. „Wenn du meinen Freund findest, dann bekommst du eine riesige Wurst...das verspreche ich...“, redete er mit dem Hund, der seinen Kopf schräg legte. Dann schnüffelte er an dem Shirt und sah Ben mit seinen braunen Knopfaugen an. Der Hundeführer ließ dem Hund viel Zeit und ging dann mit ihm zum Höhleneingang. Alle Männer waren mit Seilen aneinander gebunden um ein Verlaufen der Suchmannschaften zu verhindern. Arpad schnüffelte am Boden und stieß ein Jaulen aus, als er die Spur scheinbar aufgenommen hatte. „Er hat was!!“, stieß der Hundeführer aus und ließ Arpad von der Leine. Sofort rannte das Tier in die Höhle rein und bellte laut, damit sein Besitzer ihm folgen konnte. Ben wollte hinterher, doch Andrews hielt ihn fest. „Sie werden hier bleiben...es reicht wenn die Suchmannschaft rein geht.“, wies er an. „Aber Semir braucht mich...verdammt ich kann doch nicht....hier einfach warten und...“, beklagte er sich. „Ben....Sie können nichts ausrichten...wenn die Hunde ihn gefunden haben, dann werden wir ihn raus holen. Versprochen...bitte etwas Geduld...es ist nicht gesagt, dass wir in der ersten Höhle das Glück haben...außerdem haben wir nicht genügend Zeit Sie auch noch zu retten...“, gab Andrews zu bedenken. Ben nickte. Er musste eingestehen, das Andrews Recht hatte. Niemand war damit geholfen, wenn er sich in der Höhle verlief, doch er wollte Semir retten.


    Semir lag einfach am Boden und sah an die großen Zapften über seinem Kopf. Immer wieder versuche er sich zu bewegen, doch es war mit immer mehr Schmerzen verbunden. Vielleicht war es doch besser in Richtung der Stimmen zu gehen. Heiß...ihm war so unglaublich heiß....Hunger und Durst plagten ihn schon so stark, dass er es nicht mehr spürte. Es war vorbei....sein Leben war zu Ende. Er würde hier verhungern und vielleicht sogar erfrieren. Semir wusste sehr genau seine Chancen einzuschätzen. Und die waren verdammt gering. Und selbst wenn...vermutlich mussten seine Finger amputiert werden. Dieser verdammte Mistkerl hatte ihm vier gebrochen. Die Schmerzen waren am Anfang extrem, doch je länger er gefesselt war, um so weniger schmerzten sie. Er hörte ein Bellen.... und glaubte es war ein Traum. Wie sollte ein Hund hier herein kommen... aber vielleicht war es ja ein Wolf auf der Suche nach Beute...dachte er bitter. Und er gab im Augenblick einen großen Happen für einen Wolf ab. Er wusste ja, das Wölfe nie allein unterwegs waren. Habe ich schon Halluzinationen, dachte Semir nur und drehte seinen Kopf zur Seite. Ein tierisch wirkender Schatten tauchte in einem der Höhlengänge auf. „Bitte nicht...“, stieß Semir nur aus und versuchte, aufzustehen. Doch die Schmerzen und das hohe Fieber in seinem geschwächten Körper verhinderte dies. „Komm schon...Semir Gerkhan...nicht aufgeben...“, stieß er aus und rappelte sich auf. Vorsichtig hielt er sich auf seinen Beinen, doch dann versagten ihm diese den Dienst und er sackte wieder wie ein Stein in sich zusammen. War das jetzt das Ende?

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Arpad schnüffelte auf dem Boden hin und her. Hm, hier roch es doch nach Mensch...nach dem gesuchten Mensch. Und der andere hatte ihm eine Fleischwurst versprochen. Hmmm, lecker. Der Schäferhund drückte seine Nase weiterhin auf den Boden und spürte deutlich die Geruchsstoffe in seiner Nase kribbeln. Da...da war es. Schneller lief er über den steinernen und feuchten Boden. Ja...jetzt war es ganz deutlich zu riechen. Arpad lief schnell und bellte seine Herrchen in die Richtung, in die er lief. „Ich glaube, der Hund hat etwas gefunden.“, stieß der Hundeführer aus und pfiff einmal kurz, lotste so die Sanitäter und den Arzt in die richtige Richtung. Schnell war die Taschenlampe angeknipst. „Hey, da...da liegt etwas. Schnell, hoffentlich lebt er noch...“, stieß er aus und rannte los. Die Ärzte folgten ihm. „Oh mein Gott...er ist mit Stacheldraht gefesselt. Schnell, eine Drahtschere...“, zischte der behandelnde Arzt. Der Hundeführer schnitt die Fesseln durch. Wie wabbelige Spaghetti fielen die Arme des Deutschtürken zur Seite. „Er ist stark unterkühlt und hat sehr hohes Fieber...keine sichtbaren Wunden...Moment, vier Finger wurden gebrochen. Der Mann muss schnellstens ins Krankenhaus.“, fauchte er und winkte die beiden Sanitäter herbei. Mit flinken Füßen waren die beiden Männer bei Semir, fassten ihn vorsichtig unter und betteten ihn auf die Trage. „Okay, und jetzt vorsichtig raus mit ihm.“, knurrte der Notarzt. Die Sanitäter hoben den Mann auf und trugen ihn vorsichtig aus der Höhle hinaus. „Ganz vorsichtig...er muss sofort ins Krankenhaus.“, kam es vom Arzt. Ben kam sofort auf die Trage zugestürmt, als die Männer aus der Höhle kamen. „Was ist mit ihm?“, wollte er sofort wissen. „Es sieht nicht gut aus. Er ist stark unterkühlt und hat auch noch dazu hohes Fieber...außerdem vier gebrochene Finger. Wir müssen ihn sofort aufwärmen und das Fieber eindämmen.“, stieß der Arzt aus und wollte gerade die Türen des Krankenwagen schließen. „Ich fahre mit ihnen...“, bestimmte Ben und drehte sich zu Robert um. „Keine Angst, ich benachrichtige seine Frau...wir kommen so schnell wie möglich nach.“, erklärte er. Ben nickte dankend.


    Die Ärzte im Krankenhaus nahmen den Transport sofort in Empfang. „Starke Unterkühlung und bedrohliches Fieber...wahrscheinlich eine Lungenentzündung“, erklärte der Arzt, als sie die Trage durch den Eingang schoben. „Okay, schnell auf die ITS und Antibiotika spritzen. Vor allem braucht er viel Flüssigkeit und Ruhe...Machen sie schon.“, fauchte der Oberarzt die Schwester und die Sanitäter an. Ben hielt er zurück. „Bitte bleiben sie hier...wir kümmern uns um den Mann. Warten sie hier...“ Ben musste zurückbleiben und auf Andrea warten. Er sah, wie Semir hinter einer Schwenktür verschwand und diese sich schlossen. Nun begann das grausame, lange Warten. Kurze Zeit darauf kam Andrea mit Robert Andrews ins Krankenhaus gerannt. „Ben...wie geht es ihm? Ist er...ist er schwer verletzt?“, wollte sie weinend wissen. „Es geht ihm gut...jedenfalls soweit.“, meinte der junge Hauptkommissar und nahm sie in den Arm. Sie ließ es geschehen, obwohl Ben noch immer spürte, dass sie sauer auf ihn war. „Was ist mit ihm?“, fragte sie dann. „Die Ärzte sagten, dass er eine schwere Lungenentzündung hat...außerdem scheinen vier seiner Finger gebrochen zu sein.“, erklärte Ben und sah zu Boden. „Das ist doch noch nicht alles, oder?“, harkte sie nach. Wieder musste Ben ihrem bohrenden Blick ausweichen. „Nein...scheinbar wurde Semir mit Stacheldraht gefesselt. Er hatte Abschürfungen an Händen, Füßen und am Hals.“ „Was? Wie kann ein Mann nur so grausam sein?“, kam es erschrocken von ihr. Dann kam ein Arzt aus der Schwenktür und ging auf die Gruppe zu. „Miss Gerkhan?“, wollte der Mann wissen und Andrea nickte. „Was ist mit meinem Mann? Wie geht es ihm?“, wollte sie wissen und presste die Hände aneinander. „Es sieht schlimmer aus als es ist. Er hat eine beginnende Lungenentzündung und bekommt bereits Antibiotika...den Flüssigkeitsverlust haben wir auch wieder aufgefüllt. Was mir mehr Sorgen machen sind seine Finger...sie wurden ihm ziemlich brutal gebrochen. Wir haben sie zwar gegipst und gut eingepackt, aber...es ist sehr gut möglich, dass sie nie wieder zu gebrauchen sind.“, erklärte der Arzt.


    Andrea sah ihn an. „Doc...ich...“, versuchte sie. Der Arzt lächelte sie an. „Warten Sie einfach etwas ab. Er braucht jetzt erst einmal dringend Ruhe...er muss viel schlafen, damit das Fieber sich senkt und seine Glieder auch wieder heilen. Wenn der Draht nicht sauber ist, dann müssen wir auch mit einer Sepsis rechnen. Aber dafür sind wir gewappnet. Er wird gleich in sein Zimmer gebraucht werden. Sie können dann zu ihm...“, kam von dem Doc. Andrea sah ihn an und nickte nur. Tränen traten ihr in die Augen. „Wann kann er nach Deutschland zurück?“, wollte sie wissen. „Ich denke in einer Woche....so lange sollten wir ihm geben...“, lächelte der Arzt. „Ich werde so lange hier bleiben...“, schlug Ben vor. Andrea lächelte. „Danke Ben...ich....ich bin ungerecht gewesen. Was konntest du auch dafür, dass Semir entführt wird. Aber diese Angst...es ist einfach nur grausam...ich kann nicht solange hier bleiben. Meine Kinder brauchen mich...“, gab sie zu verstehen. „Selbstverständlich. Keine Sorge...Semir wird nicht allein bleiben...“, versprach Ben. Das Bett mit Semir wurde heraus geschoben. Andrea trat ans Bett und hielt ihrem Mann an der gesunden Hand. Die Handgelenke waren bandagiert und auch die Fußgelenke schienen von Mullbinden gesäumt zu sein. Am Hals sah man tiefe Eindrücke und Andrea sah den Arzt an. „Die Wunden am Hals sind nicht tief. Dort hatte sich wohl einige von diesen kleinen Haken gegraben. Aber sie haben keinen wahren Schaden angerichtet.“, beruhigte er sie sofort.

  • Die Stunden vergingen. Irgendwann in der Nacht machte Semir die Augen auf und sah sich etwas irritiert um. Wo war er hier? War er doch den Stimmen gefolgt? Er fühlte eine weiche Unterlage und versuchte sich aufzurichten, doch er schaffte es nicht. Sein Arm war schwer. Und der andere lag in einer weichen Schiene. „Du lässt dir aber auch viel Zeit auszuschlafen...Partner...“, riss eine Stimme ihn aus seinem Tun. „Ben?“, fragte er heiser. „Ja...ich bin hier Kumpel....wie geht es dir?“, fragte sein Partner oder war es doch nur Wunschdenken und er lag immer noch in dieser Höhle? „Wo bin ich? Träume ich nur oder bist du wirklich da?“, wollte Semir leise wissen. Er wandte seinen Kopf und sah tatsächlich Ben vor ihm stehen. „Ich bin wirklich hier...man Partner... das war wieder verdammt knapp...“, stieß er aus. Semir schloss die Augen. „Ich hab Durst...“, bat er leise. „Klar, warte ich gebe dir was. Semir... wie konnte das alles passieren?“, harkte Ben nach. Semir trank vorsichtig. „Ich...wollte meinen Freund den Luchs füttern und...hörte dann ein Geräusch....“, fing er an zu erzählen. Ben hörte schweigend zu. „...und dann wurde Rubens gerufen...ich war nicht in der Lage mich zu wehren oder Moore zu retten, aber...ich es ging nicht...Als die Schüsse fielen, war ich bewusstlos. Ich dachte nur, jetzt ist es vorbei...“, stieß Semir leise aus. „Was ist mit deinen Fingern passiert?“, wollte Ben wissen. „Das war ziemlich am Anfang...ich...wollte fliehen und fast abgestürzt. Rubens war als einziger da und zog mich wieder hoch....zur Warnung hat er sie mir gebrochen...sind sie noch da? Oder hat man sie...?“, fragte Semir leise. „Nein...sie sind noch da...“, beruhigte Ben ihn, doch er verschwieg das die Heilung nicht wirklich sicher war.


    Andrea wurde zu Konrad gebracht, der wie auf Kohlen saß, weil er auch endlich wissen wollte, was mit Semir war. „Frau Gerkhan...? Was ist mit ihm?“, wollte er wissen, als Andrea eintrat. „Sie haben ihn gefunden und er lebt. Er hat gebrochene Finger, ist unterkühlt und hat eine Lungenentzündung und ist dehydriert...“, zählte sie auf. Konrad sah sie an. „Das tut mir sehr Leid...ich hoffe, er erholt sich sehr schnell...“, kam leise von ihm. Andrea nickte und ließ sich in den Sessel fallen. „Ich muss zum Hotel...können Sie mir eins empfehlen? Ich hatte noch gar keine Zeit mich darum zu kümmern.“, wollte Andrea wissen. „Sie können hier schlafen...hier ist doch genügend Platz...“, bot Konrad an. „Danke, das ist wirklich lieb.“, entgegnete Andrea und fühlte, wie sich die Müdigkeit ihrer bemächtigte. „Kann ich gleich aufs Zimmer gehen? Ich fühle mich nicht so besonders.“, meinte die Frau. Konrad nickte und brachte seinen Gast in eines der Zimmer im ersten Stock. „Danke...“, meinte sie nur und verschwand dann ins Zimmer, während Konrad in sein Schlafzimmer ging. Die Nacht war dennoch bei beiden sehr unruhig. Konrad, der sich noch immer Sorgen und vor allem Vorwürfe machte, und Andrea, die sich um ihren Mann sorgte. Semir musste wieder gesund werden. Aber was war, wenn seine Finger nicht wieder richtig zusammenheilten? Was, wenn er sie nie wieder benutzen konnte? Was würde Semir dann tun?


    Die Tage vergingen und noch immer konnte Semir seine Finger nicht bewegen. Seit seiner Rettung waren nun schon acht Tage vergangen. „Herr Gerkhan, wir werden ihnen jetzt einmal den Verband abnehmen und dann überprüfen, ob die Nerven geschädigt sind. Wenn sie etwas spüren, dann haben sie gute Heilungschancen. Sie sollten die Finger jedoch in nächster Zeit nicht zu stark belasten.“, erklärte der Arzt und sah Semir mit einem kurzen Blick an. Dieser nickte nur zaghaft und tauschte einige Blicke mit Ben aus. „Okay, dann mal los...“, kam es von dem Mediziner. Schon wurde die Schere angesetzt und der Gipsverband durchgeschnitten. Die Finger des Hauptkommissars waren vom Gips rot unterlaufen. Doch noch immer konnte er sie nicht bewegen. „Gut, versuchen wir mal etwas Einfaches. Krümmen sie mal bitte den Zeigefinger.“, forderte der Arzt und wartete auf die Reaktion. Gespannt sahen er und Ben auf die Hand von Semir. Zitternd versuchte Semir krampfhaft den Zeigefinger zu bewegen. „Es geht nicht...“, stieß er aus und wollte schon aufgeben, doch dann dachte er an Andrea und versuchte es ein weiteres Mal. „Na sehen sie... es geht doch...Wenigstens ein bisschen.“, meinte der Arzt und nahm dann einen Kugelschreiber aus seiner Brusttasche. „Spüren sie das?“, wollte er wissen und fuhr dann mit dem Stift über Semirs Finger, erst über den Zeigefinger, dann Mittel- und Ringfinger und schließlich den kleinen Finger. „Ja...jaaa...“, kam es erstaunt vom Deutschtürken zurück. „Sehr schön...also, wie sie sehen, können sie ihre Finger bald wieder bewegen. Aber das wird noch sehr lange dauern und viel Übung erfordern.“, erklärte der Arzt. „Kann ich dann nach Deutschland zurück?“, wollte Semir wissen. „Sicher... sie können in ein paar Tagen entlassen werden. Dann können sie in ihre Heimat zurückkehren.“, erklärte der Arzt. „Danke Doc...“, stieß Semir erleichtert aus. Ben lächelte ihn an. „Siehst du... bist ja wieder bestens davongekommen. Dann kann ich ja Andrea sagen, dass sie sich keine Sorgen zu machen braucht.“, meinte der junge Hauptkommissar erleichtert. „Ben...danke...für alles...“, stieß Semir aus. „Hey, du hättest das auch für mich getan...Kein Thema.“, meinte er nur und ging auf den Flur, um zu telefonieren.


    Nur wenige Tage darauf war Semir wieder in „Freiheit“ und bei Konrad auf dem Landsitz, wo er liebevoll von Andrea umsorgt wurde. Die letzten Reisevorbereitungen wurden allerdings schon getroffen und die Heimreise stand unmittelbar bevor. „Andrea...es...es tut mir leid, dass ich dich belogen hab.“, meinte Semir und strich seiner Frau liebevoll durch die Wange. Seine Frau lächelte nur. „Hey, ich verzeih dir...obwohl ich es im ersten Moment nicht fassen konnte. Aber Semir, du bist mein Mann...es war einfach eine dumme Sache, die du nie wieder machen wirst.“, grinste sie vielsagend. „Ich liebe dich.“, hauchte er und küsste sie zärtlich. Sie genoss diese Art der Aufmerksamkeit von Semir sichtlich. Ein Stockwerk tiefer war es jedoch nicht so zärtlich zugange. „Papa, willst du wirklich hier bleiben? Nach allem, was passiert ist?“, fragte Ben seinen Vater Konrad, als er die letzten Koffer in den Flur trug. „Ben, bitte... ich brauche jetzt die Einsamkeit der englischen Landschaft. Weißt du, Lydia oder Franka...jetzt, wo ich weiß, was sie war... es ist nicht mehr so schockierend, wie es auf den ersten Blick war.“, erklärte er, kam dann dich zu seinem Sohn und packte ihn an beiden Schultern. „Fahrt nach Hause... ich komm schon klar.“, kam es von Konrad. Ben nickte nur und sah die Treppe auf, als Semir und Andrea hinunterkamen. „Bist du fertig? Unser Flieger geht in zwei Stunden.“, meinte Semir nur. Ben bejahte das. Die Abschiedsszene war herzlich und alle schworen sich, bald wiederzukommen. „Papa...ich...“, kam es nochmals von Ben. Doch Konrad hob einhaltend die Hand. „Geh, ich komm schon klar.“, meinte er und umarmte seinen Sohn nur. Dann stiegen alle in den Wagen und fuhren davon, kehrten dem nasskalten England den Rücken. Wenige Stunden später flogen sie schon wieder über den Kanal und kehrten sicher nach Deutschland zurück, wo sie sicher schon der nächste Fall erwartete.


    Ende.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

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