Dunkelheit - Definitive Comebackstory

  • Hallo liebe Leute
    Nachdem ich ja mit "Kinderherz" einen ziemlichen Bock geschossen habe, kommt hier nun wieder eine Story à la "Back to the beginning". Ich habe versucht ein wenig "Ich" und viel Neues reinzubringen - sprich mehr Action und einen besser durchdachten Fall (*hust* ^^). An dieser Stelle möchte ich mich noch bei Chris und Elli bedanken die noch die letzten Logikfehler korrigiert haben und mir das offizielle Okay gegeben haben. Und um zu beweisen das ein Wechsel ansteht, ist der Banner FARBIG!!! (boaaaaah :D)
    Viel Spass mit...







    Mittwochmorgen, Köln, Autobahn, die Sonne schien, die Gemüter waren besänftigt. Bis auf eines, dass in einem silbernen 3er BMW sass.
    „Ich fasse es einfach nicht, da fällt man für zwei Tage wegen einer Grippe aus und in meinem Auto sieht’s aus wie bei Hempels unterm Sofa!“, beklagte sich Semir, als er zusammen mit Ben Streife fuhr und selbst am Steuer sass. Ben zeigte sich unberührt, knabberte sogar an ein paar Kartoffelchips, die er immer wieder aus einer Tüte herausholte. „Du kommst mir manchmal echt vor wie Aida! Uneinsichtig und auch noch Weltmeister im Ignorieren!“ Ben grinste. „Ach komm, reg dich ab, die paar Sachen…“
    „…EIN PAAR SACHEN?“ Semir glaubte, einen Tobsuchtsanfall zu kriegen, er musste sich ziemlich zusammennehmen und tief durchatmen, „Auf der Rückbank liegen lauter Verpackungen von Fastfoodketten die ich nicht mal kenne! Unter meinem Brems- und Gaspedalen musste ich tausende Pappbecher hervorholen und meinen Aschenbecher hast du noch mit Folie zugemüllt – ich glaub ich spinn!“ Ben sah nach hinten und verzog den Mundwinkel, tatsächlich war das ein riesen Chaos. „Ich räume es auf versprochen!“, meinte er ein wenig reuig und Semir nickte zufrieden. „Gut, nach der Streife hast du Zeit, denn ich muss mit der Chefin die Ferienplanung besprechen.“
    „Meine hast du ja bekommen“, meinte Ben und Semir grinste. „Ja, einmal in deinem Leben warst du pünktlich“, stichelte er und Ben verzog theatralisch das Gesicht. „Immer mit dem Finger in die Wunde“, seufzte er lächelnd und Semir zuckte mit den Achseln. „Damit musst du klar kommen, aber ja, ich habe alle, Krüger und ich können also einteilen.“
    „Bitte dieses Mal aber in einem ruhigen Ton, nicht wie vor kurzen, wo’s wieder ums Budget ging!“ Auf Bens Satz hin verzog Semir das Gesicht. Er und die Chefin hatten sich wie zwei Kinder benommen gehabt. Obwohl das Büro damals verschlossen war, konnte man sie bis draussen hören. Und das war Beiden danach mehr als peinlich.
    „Ich werde mich hüten, ausserdem konnten wir ja schon ein paar Vorbereitungen treffen.“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Semir? Ben?“ Susannes Stimme erklang aus dem Funkgerät und Ben nahm dieses in die Hand. „Ja Susanne du Sonnenschein was hast du denn für uns?“ Semir rollte mit den Augen. Ben konnte es einfach nicht lassen.
    „Gerade ging ein Notruf vom Parkplatz direkt in eurer Nähe ein. Eine männliche Leiche wurde aufgefunden.“ Ben sah Semir an und dieser nickte. „Alles klar wir übernehmen!“ Ben legte das Gerät wieder zurück und Semir fuhr direkt auf den Parkplatz zu. Lauter Passanten hatten sich zu einer Gruppe versammelt gehabt und sassen alle bei einem dieser Holztische die fürs Picknick gedacht waren. Semir parkte den Wagen und stieg gemeinsam mit Ben aus. Sie zückten ihre Ausweise hervor und liefen auf die Gruppe zu. Semir ergriff das Wort. „Gerkan und Jäger, Kripo Autobahn. Wir haben einen Notruf erhalten…“ Ein alter Mann stand auf und nickte. „Ich habe Ihre Kollegen angerufen“, meinte er mit krächzender Stimme und wie mit zitternder Hand auf die Herrentoilette, einem kleinen grauen Kastenbau, „da drin ist der Tote“, murmelte er und Semir nickte dankend. „Bitte bleiben Sie hier, wir müssen Ihre Aussagen aufnehmen – das gilt auch für die anderen.“ Als Semir und Ben sich umdrehten war ein Gestöhne und Gezeterte zu hören. Ein Schimpfwort war schlimmer als das Andere. „Was musste die blöde Kuh auch hier sterben und wieso musste der alte Trottel sie auch noch finden und die Polizei rufen? Ich habe keine Zeit für dämliche Fragen“, schimpfte eine junge Frau im Anzug noch hörbar und Semir rollte mit den Augen.
    „Nicht mal mehr Respekt vor den Toten und dem Alter, mit unserer Jugend geht’s definitiv bergab!“, kommentierte er das Geschehene und Ben sah Semir grinsend an. „Wieso, ich habe jeden Tag Respekt vor dem Alter wenn ich dich sehe!“ Semir holte kurz mit dem Ellbogen aus und puffte seinen Partner in die Seite. Dieser stiess einen kurzen, spitzen Schrei aus. „Das sass“, knirschte er und Semir öffnete die Tür zur Toilette.


    Sofort drang ihnen der beissende Geruch von frischem Urin und Kot in die Nase. „Boah, zum Glück hab ich noch nicht gefrühstückt“, meinte Semir und hielt sich die Hand vor Mund und Nase. „Und ich hätte die drei Beagles stehen lassen sollen…“, stöhnte Ben kurz und musste schlucken, doch tat er es seinem Partner gleich. Semir ging voraus und öffnete die Toilettenkabine, dessen Boden mit Blutspitzer bedeckt war. „Semir stiess einen undefinierbaren Laut aus, als er die Leiche sah. Ben kam hinterher und er gab ein „Ach du heilige Scheisse“ von sich, als er den Toten erblickte.
    Das Opfer war ein Mann zwischen vierzig und fünfzig. Er trug einen Anzug edelster Marke. Die Hosen waren heruntergelassen, das Wichtigste wurde mit dem Hemd bedeckt. Die Haare waren kurz geschoren und so war das Einschussloch an der Stirn deutlich sichtbar. Daraus waren viele Rinnsalen Blut geflossen und die Wand hinter dem Hinterkopf war mit einem riesigen Blutfleck beschmutzt worden.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Semir nahm sein Handy hervor und rief den Gerichtsmediziner und die KTU an. „Keine Wunder hat er noch zwei Treffer gelandet, seinem Gesichtsausdruck zufolge hat er mit dieser Überraschung nicht gerechnet gehabt.“ Semir hängte auf und sah Ben nach dessen Kommentar tadelnd an. „Was denn?“, fragte dieser und bekam keine Antwort. „Jedenfalls können wir hier, ohne Handschuhe, noch nichts tun, ich hab drum keine dabei und wenn, würde ich sie in dem Chaos nie finden!“ Ben hob die Arme in die Luft. „Darf ich mir das bis zum Ender der Woche anhören?“
    „Wieso bis zum Ende der Woche?“, fragte Semir zurück und Ben wusste nun, dass diese ganzen Vorwürfe bestimmt über einen Monat anhalten würden.


    Knapp eine halbe Stunde später, wurden die Zeugen von den uniformierten Polizisten verhört, während Ben und Semir den Mediziner dabei beobachteten wie dieser die Leiche untersuchte. „Also die Todesursache muss ich euch ja wohl nicht nennen“, begann er als er aufstand und sich die Handschuhe abstreifte, „und wie ihr richtig vermutet habt, ist er, nun ja, während seiner „Sitzung“ verstorben. Genaueres kann ich natürlich erst nach der Obduktion sagen – bis dahin, ist’s euer reich!“
    „Wie aufmerksam!“, meinte Semir sarkastisch und klopfte dem Mediziner zum Abschied auf die Schulter, bevor dieser verschwand.
    Semir und Ben liehen sich von ein paar Mitarbeitern ein paar Handschuhe aus. Während Semir den Toten durchsuchte, überprüfte Ben den Tatort an sich.
    „Na sieh mal einer an“, begann der Deutschtürke, zog eine Geldbörse aus der Hosentasche des Opfers hervor und klappte sie auf, „Geld ist noch drin, also kein Raubüberfall! Hier haben wir auch schon den Ausweis!“ Ben gesellte sich neben Semir und blickte auf die Karte. „Severin Levi. 44 Jahre alt. Geschäftsmann!“, entnahm Semir aus dem Ausweis und überreichte ihn Ben. „Mir sagt er jedenfalls nichts.“ Semir zuckte mit den Achseln. „Mir auch nicht, jedenfalls war der Täter gründlich. Auf den ersten Blick kann man nichts erkennen. Da muss die KTU ran“, berichtete Ben und Semir nickte verstanden. In dem Moment kamen Dieter und Hotte rein. „Da seid ihr ja!“ Die beiden, angesprochene Kommissare zogen ihre Handschuhe aus und gingen auf ihre Kollegen zu. „Wir haben eure Zeugen angehört und nun ja, mehr als die Entdeckung können sie nicht berichten. Auch waren sie nicht gerade kooperationsbereit.“ Semir stemmte, nach Hottes Bericht, die Hände in die Hüfte. „War nicht anders zu erwarten, so wie sie uns angeraunzt haben!“
    „Ausserdem hatten sie nicht gerade viel Respekt, vor allem hatte eine gesagt, das der Tote eine „blöde Kuh“ ist, da kann man ja nicht viel erwarten“, meinte Ben kritisch. „Gut Hartmut wartet mit seinen Leuten draussen…“, kündigte Dieter an und Semir verschränkte die Arme. „Dann werden wir mal herausfinden, wer unser Opfer so ist.“ Die Beiden gingen hinaus und bewegten sich auf ihren Wagen zu.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • In der PAST wartete bereits Susanne auf sie. Sie lächelte, wie immer, wie ein kleiner Sonnenschein. „Morgen Jungs“, begrüsste sie ihre Kollegen herzlich und hatte bereits eine Akte in den Händen. „Dieter und Hotte hatten mich angerufen, als ihr vom Tatort weggefahren seid. Deshalb hab ich für euch schon über den Toten recherchiert. Ziemlich harter Brocken – kann ich euch sagen!“ Semir nahm die Akte entgegen, bedankte sich und ging mit Ben ins Büro.
    Nachdem die Beiden ihre Jacken an der Garderobe aufgehängt haben, setzten sie sich an ihre Schreibtische und starteten ihre PCs.
    Während dies geschah, sah sich Semir die Akte an. Immer wieder gab er erstaunte Laute von sich, was Ben irgendwann aufregte. „Darf ich an deiner Ekstase teilhaben?“, fragte er ein wenig genervt und Semir wippte mit dem Kopf hin und her, doch dann nickte er. „Also, hör dir das gut an. Dieser Levi ist eben wie schon erwähnt ein grosser Geschäftsmann, ein bekannter Importeur von Luxusartikeln. Er ist ein Nachfahre einer berühmten Judenfamilie Levi, eine Familie der nachgesagt wird das von ihnen auch viel Gold entwendet wurde und zu dem verschwundenen Nazigold gehört!“ Bens Augen weiteten sich. „Wow, das ist wirklich heftig. Meinst du, wir haben dadurch unser Motiv?“ Semir machte eine eindeutige Geste des Zweifels. „Nein, wir können nun nicht mit dem Tunnelblick darein gehen.“ Ben bestätigte dies mit einem kurzen „Ja – du hast recht.“.
    In dem Moment klopfte es an der Türe und Kim Krüger trat herein, sie liess die Türe aber einen Spalt offen. „Meine Herren, ich habe gehört, dass das Opfer Severin Levi ist!“ Die beiden Männer nickten ein wenig verwirrt – wie zum Teufel wusste die das schon wieder?
    „Bonrath und Herzberger haben mich informiert“, antwortete sie auf die nicht laut gestellte Frage und lächelte kurz lausbübisch, „gegen Levi liegt nämlich ein Verfahren vor. Er hat illegal Land umgegraben und dabei ein paar geschützte Ländereien beschädigt. Ausserdem ist er aufsässig gegen Polizisten geworden und hat einen dabei verletzt.“ „…soweit war ich noch nicht“, meinte Semir erstaunt und blätterte in der Akte. Tatsächlich. Sein Strafregister war beachtlich.


    „Levi ist also nicht nur unsere Sache“, begann Krüger dann wieder und Semir stöhnte genervt, „keine Sorge Gerkan. Ich habe schon dafür gesorgt, dass jemand kommt, mit dem sie vertraut sind!“ Semir und Ben sahen sich fragen an. Kim grinste, öffnete die Türe und ein junger Mann mit kurzem Haar, neckischem Grinsen stand an der Türschwelle. Ben und Semir kanten dieses Grinsen genau. „Lukas!!!“ Semir stand auf und rannte auf seinen „Ziehsohn“ zu. Er umarmte ihn stürmisch. Kim lächelte und verschwand.
    „Gut siehst du aus Junge“, meinte Ben auch und klopfte ihm auf die Schulter. Lukas löste sich von Semirs Griff und schenkte beiden ein Lächeln. „Schön, dass ihr euch freut, dass ein SOKO-Futzi euer Reich betritt“, scherzte er und steckte die Hände in die Hosentaschen seiner Jeans. Dabei trug er noch ein Jackett – ein exotische Mischung.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Du bist bei einer SOKO, welcher denn?“, fragte Semir neugierig nach. „Wir kümmern uns um die Verbrechen rund ums Nazigold. Deshalb bin ich hier bei euch. Severin Levi war alles andere als ein netter Geschäftsmann. Er wollte das Gold seiner jüdischen Familie unbedingt zurück und ihm war dafür jedes Mittel recht. Er war leider einer der wenigen, der das tragische Schicksal seiner Familie als Druckmittel nehmen wollte!“
    Ben und Semir sahen sich kurz an, danach schenkten sie ihre Aufmerksamkeit wieder Lukas. „Verstehe, also geht man von einem Racheakt bezüglich dessen aus?“ Lukas machte die gleiche Geste wie Semir kurz zuvor. „Wir wollen nur auf Nummer sicher gehen.“ Ben klopfte nochmals auf Lukas Schultern. „Finde ich gut. Jedenfalls müssen wir nicht befürchten, dass jemand unsere Methoden anzweifelt! Schliesslich wurden sie dir ja beigebracht!“, sagte er danach und grinste dabei Semir an. „Bei ihm hat’s ja auch gewirkt“, erwiderte dieser jedoch stichelnd und Ben gab auf.


    Lukas schüttelte kurz, lächelnd, den Kopf und nahm aus seiner Umhängetasche, die er bei sich trug, ein Dossier hervor. „Wir hatten diese von Levi beschlagnahmt gehabt. Sie zeigt seine Recherchen und glaubt mir, auch wenn ich’s ungern zugebe, der Typ war uns bei weitem voraus!“ Semir holte kurz einen Stuhl und bot Lukas an sich zu setzten. Dieser tat dies und befand sich nun zwischen Semir und Ben, die stehend, neben ihm waren.
    Lukas schlug die Dokumentation auf. „Seinen Recherchen zufolge, befindet sich ein Teil des Goldes im Rhein – hier in Köln. Laut seinen Forschern gibt es in der Erde Rückstände von Metall.“
    „Dann könnte das Gerücht also wirklich stimmen?“, meinte Ben erstaunt und sah Semirs zweifelndes Gesicht. „Ich weiss nicht, wenn es wirklich Gold vergraben im Rhein gibt, wieso hat es dann niemand gefunden?“ Lukas strich sich kurz durchs Haar. „Nun ja, es gab immer wieder Überschwemmungen und Hochwasser in diesen 60 Jahren und mehr. Was, wenn es verschoben wurde dadurch, oder sich noch mehr in die Erde gegraben hat?“ Dies überzeugte Semir nicht. „Wir werden es ja sehen“, meinte Lukas und schlug das Dossier wieder zu, „zuerst gilt es sowieso herauszufinden, wieso Levi eigentlich nun ermordet wurde. Vielleicht ist es ja gar nicht deswegen. Jedenfalls werde ich euch begleite und mal sehen, was sich da rausstellt!“ Die beiden Autobahnpolizisten gaben dem Jungen recht.
    „Wenn wir aber schon in diese Richtung ermitteln: Gibt es irgendwelche Feinde, neben der Polizei, die Levi vielleicht gefährlich waren?“ Lukas seufzte auf Semirs Frage. „Leider zu viele! Viel zu viele…“, stöhnte er und stand auf. „Ich habe Hunger. Wollen wir was essen gehen?“ Semir und Ben nickten. „Ich habe Kohldampf!“, meinte Ben und lief voraus. Lukas grinste. „Er hat sich in dieser Beziehung nicht verändert oder?“ Semir schüttelte mit dem Kopf. „Ein absoluter Vielfrass!“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • In der Kantine gönnten sich alle das Tagesmenü, das aus dem berühmten Schnitzel mit Pommes bestand. Sie hatten sich abseits an einen kleinen Tisch gesetzt, um Ruhe zu haben. Schliesslich hatten man sich lange nicht mehr gesehen. Lukas musste nach dem grossen Fall mit dem Festival, lange aussetzten und hatte sich ins Ausland abgesetzt gehabt. Ausserdem hatte er seinen Job beim BKA aufgegeben gehabt und wollte zur LKA zurück, wo er, so wie Ben, seine Ausbildung absolviert hatte.
    „…und dann bin ich eben bei der SOKO gelandet“, beendete Lukas seinen Bericht und Ben grinste. „Jedenfalls hat dir die Auszeit gutgetan, du siehst toll aus“, lobte Semir und Lukas nickte. „Ich habe die Entscheidung niemals bereut gehabt. Du bist ja alsbald nach deiner Genesung zurück gegangen. Ich hätte das nicht gekonnt!“ Semir zuckte mit den Achseln. Auch er war damals schwer verletzt worden. „Erstens wäre mir schnell langweilig geworden und zweitens, glaubst du wirklich ich könnte den da alleine lassen? Stell‘ dir die Katastrophe mal vor!“ Ben wusste sofort das er angesprochen war und zog auf Semirs Kommentar hin die Augenbraue hoch. „Bist du heute irgendwie auf dem „Ben-Ärger-Modus“?“, fragte er gespielt beleidigt und Semir grinste wie ein Honigkuchenpferd. „Wer mein Auto als Müllhalde benutzt, muss sowas aushalten.“ Ben liess dies so im Raum stehen – jegliche Erwiderungen waren zwecklos. Semir war voll in Fahrt und da hatte er keine Chance.
    „Und bei euch? Läuft’s auch? Wie geht es deinen Töchtern Semir?“
    „Sehr gut danke. Sie entwickeln sich prächtig und sie haben einen tollen Patenonkel – um Ben mal zu loben!“ Ben lächelte stolz. „Ich hätte dich gar nicht als kinderlieber Onkel eingeschätzt!“, meinte Lukas erstaunt. „Sagen wir’s so, ich konnte vorher schon mit Kindern umgehen, aber seit ich der Patenonkel von Semirs Kindern bin wachsen mir Kinder ans sich immer mehr ans Herz!“


    In dem Moment klingelte Semirs Handy. Er zog es aus der Hosentasche und sah auf den Display. „Das ist Hartmut!“ Mit einem Klick nahm er den Anruf an. „Hartmut, was gibt’s denn?“ Semir nickte immer wieder und gab ständig kleine „Mhm’s“ von sich, während Ben und Lukas ein wenig verwirrt dabei zusahen. „Gut, danke Hartmut, wir kommen sofort vorbei…ja dir auch noch einen Guten Appetit! Und iss‘ mal wieder mehr, mit einem Sandwich am Tag kommst du nicht durch!“ Mit diesen Worten hängte Semir auf und steckte sein Handy wieder ein. „Und?“, fragte Ben neugierig. „Er hat schon ein paar Ergebnisse, wir sollen vorbei kommen. Also, rasch fertig essen! “ Ben und Lukas taten wie ihnen befohlen und machten sich dann mit Semir und Lukas Audi zu Hartmut, der sie schon erwartete und sie mit vollem Mund begrüsste, da er noch immer an seinem Sandwich knabberte. „Oh, Lukas, schön dich auch mal wieder zu sehen!“ Lukas winkte kurz.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Also Hartmut, was hast du für uns?“ Hartmut schluckte kurz und warf dann die Folie in den Müll, die das Sandwich umhüllt hatte. Danach schlug er das Mehl vom Brot von der Haut ab und zog seine Handschuhe an.
    Er bat die drei zu sich und zeigte ihnen die Geldbörse des Opfers. „Ich habe mir die Geldbörse genauer angesehen. Eigentlich sieht sie total normal aus, wenn man jedoch die Geldbörse auf den Kopf stellt und sich dann das Innerfutter anschaut…“m Hartmut führte es vor und leuchtete mit einer Lampe hinein, „entdeckt man eine Art Testament. Ich habe es bereits fotografiert und zusammengestellt.“ Er wies nun auf den Computer und zeigte ihnen ein Bild. Ben sah sich den Text an und las ihn vor. „Werte Polizei, wenn ihr dies liest, bin ich nicht mehr. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen entschuldigen, die ich durch meine Passion verletzt habe. Ich habe mich in eine Art Trance begeben und das war niemals gedacht. Ich war wie in einem Drogenrausch.
    Ich denke, wenn ich schon in jungen Jahren sterbe, dann bin ich nicht freiwillig oder durch Gottes Hand gestorben.
    Ich habe viele Feinde, also geben Sie bitte auf sich acht. Ich habe keine Familienangehörige mehr. Also möchte ich, dass mein Nachlass denen gespendet wird, dessen Hab und Gut ich zerstört habe.“


    „Reue in den alten Tagen?“, fragte Lukas und Semir sah ihn ein wenig beleidigt an. „Wieso alte Tage? Ich bin nicht viel Jünger!“ Lukas hob schützend die Hände. „Tut mir leid, war nicht böse gemeint“, entschuldigte er sich und wirkte nachdenklich. „Reue okay…aber vor einem Monat, als wir ihn das letzte Mal verhört haben, hat er sich nicht so gezeigt…“ Ben rieb sich kurz die Augen. „Vielleicht ist etwas in diesem Monat passiert, was ihn verändert hat, ich meine, Menschen können sich ändern.“ Hartmut räusperte sich zurzeit, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. „Das ist nicht das Einzige, das ich entdeckt habe, ich war fleissig in den drei Stunden in denen ihr sicher in der Kantine ward.“ Er nahm eine Aservatentüte hervor in der ein Ring gebettet war. „Der Gerichtsmediziner hat mir einen Bericht gesendet. Man hatte dem Opfer versucht den Ring gewaltsam abzunehmen. Der rechte Ringfinger war nämlich gebrochen. Ich habe mir den Ring genauer angesehen. Ich habe Schweiss darauf gefunden. Die DNA gehört einem gewissen Konrad Roth, 39 Jahre alt. Ein kleiner Fisch, laut seiner Akte…“
    „…bis jetzt“, vollendete Semir den Satz und Hartmut nickte zustimmend. „Ich habe eurer Chefin Bescheid gesagt. Susanne hat ihn gefunden, er lebt in Hürth, hier ist die Adresse und ein Foto.“ Er überreichte Semir einen Zettel mit der Adresse, sowie das Bild. „Danke Hartmut, gibt’s sonst noch was?“ Hartmut schüttelte mit dem Kopf. „Der Wagen des Opfers kommt erst, die Kollegen hatten ihn gefunden. Den durchsuche ich naher, sollte ich etwas finden, lasse ich es euch sofort wissen!“ Semir und die Anderen bedankten sich und verliessen die KTU.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Roth…der Name sagt mir was“, murmelte Semir und die anderen Beiden sahen ihn neugierig an. „Na klar, der war mal in einer Raser-Clique. Allerdings ein grosser Feigling, mag sich sicher nicht mehr an mich erinnern. Ich habe damals noch mit Tom zusammengearbeitet.“ Beim letzten Satz wurde Semirs Stimme schwer und traurig. „Also, dann schnappen wir uns den Typen, vielleicht hat er uns was zu erzählen“, meinte Lukas ablenkend und Semir nickte. „Ich hole das Auto Lukas…wenn’s dir recht ist! Wartet ihr hier auf mich?“ Lukas nahm seinen Schlüssel aus der Jackettasche und überreichte ihn Semir, welcher mit leicht gesenktem Kopf voraus, um das Auto zu holen.


    „Er hat anscheinend immer noch dran zu knabbern“, murmelte Lukas und Ben seufzte. „Tom war der Partner vor Chris, wenn ich mich recht entsinne oder?“ Lukas bestätigte dies. „Er war sein längster Partner, wenn man die Pause nicht dazu zählt. Bei den anderen Partnern konnte er gut über den Tod hinweg kommen. Aber Tom war sein bester Freund…ausserdem kam er ja zurück, nach dem dieser Jan einfach abgehauen war. Er kam für Semir zurück und das, so glaube ich, macht es für ihn noch doppelt schwer…“ Lukas spürte, wie Ben sich Sorgen machte. „Hör zu Ben. So wie ich Semir kenne, und ich kenne ihn ja schon lange, hat er dich schon sehr in sein Herz geschlossen. Pass bitte auf dich auf! Du bist ein guter Kerl.“ Ben lächelte traurig. „Keine Sorge, wenn ich untergehe, dann mit Semir!“
    In dem Moment fuhr der Wagen vor und Semir lächelte schon wieder. „Hey Ben, sieh mal, Lukas hat ein sauberes Auto!“ Ben schnaubte kurz und Lukas musste lachen. „Steigt ein!“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Die Wohnung Roths befand sich in einer Blockhütte in Hürth. Die drei Polizisten liefen die Treppen hinauf, als sie ankamen, weil sich die Behausung im zweiten Stock befand. „Wer will klingeln?“, fragte Semir und Ben wies auf Lukas. „Ich denke, die Jugend hat Vortritt!“ Lukas bedankte sich und betätigte die Klingel. „Konrad Roth? Steiner, Gerkan und Jäger, Soko Köln und Kripo Autobahn. Wir möchten gerne mit ihnen reden!“ In dem Moment rumpelte es. „Wieso müssen die immer fortlaufen“, stöhnte Lukas und Ben hatte schon die Waffe gezogen. „Macht ja nichts, wir haben einen Universalschlüssel!“ Er schoss in das Schloss und Semir trat die Türe auf. Sofort blickten sie auf einen Mann, der auf der Fenstersims stand und die Drei geschockt ansah. Es war der Mann auf dem Foto. „Roth, sofort stehen bleiben!“, schrie Lukas und zog zusammen mit Semir die Waffe. Doch Roth sprang. „Verdammt!“, schimpfte Ben und Semir reagierte. „Lukas, du gehst hinten rum! Ben von vorne. Ich springe hinterher!“ Die Beiden nickten und taten sofort wie ihnen befohlen.
    Semir nahm den Satz und sah während des Sprungs, wie Roth sich schon aufrichtete und losrannte. Auch Semir konnte mit einer Hechtrolle sanft landen und kam selbst schnell auf die Beine. „Roth das bringt doch nichts!“, mahnte er keuchend doch Roth rannte weiter, bis er direkt in Bens Faust lief und ohnmächtig zu Boden ging.


    „Ziemlicher Dickkopf“, zischte Ben und rieb seine Faust, während Lukas keuchend von der anderen Seite kam. „Ihr seid wirklich blitzschnell“, lobte er und wusch sich der Schweiss von der Stirn. Semir grinste und fesselte den Flüchtigen mit Handschellen, denn Roth kam langsam zu sich. „Na, wieder unter den Lebenden?“, fragte Semir stichelnd und Roth versuchte sich loszureissen, doch er schaffte es nicht.
    „Am besten, unterhalten wir uns im Präsidium!“ Sie liefen auf den Audi zu. Während Lukas sich ans Steuer setzte und Ben sich den Beifahrersitz sicherte, nahm Semir mit Roth auf der Rückbank Platz.
    Dieser schwieg, von der Fahrt in die PAST; bis zur Überführung in den Verhörraum. Einsam sass er da und sagte nichts. „Das ging aber schnell meine Herren“, lobte Kim, als sie auf die Drei zuging und durch das Fenster auf den Verdächtigen sah. „Na ja, der Typ war ja schon in der Datenbank, wegen unzähliger kleiner Verbrechen“, meinte Semir und sah Ben an, „Jugend wieder Vortritt?“ Ben nickte und reichte Lukas die Mappe mit Roths Straftaten. „Zeig’s ihm!“ Lukas nahm mit einem Lächeln die Mappe entgegen und betrat den Verhörraum.
    „War wohl eine richtige Entscheidung, den Jungen zu nehmen, schliesslich hat er sich schon einmal bewiesen!“ Semir nickte, lächelte seine Chefin an und sie erwiderte es. Sie hatten manchmal noch immer gewisse Differenzen, doch seit dem Fall in dem Kim direkt involviert war und der Geburt seiner zweiten Tochter, hatte sich das Verhältnis erheblich gebessert gehabt. Und Beide waren froh drum, das sah jedenfalls Ben so.
    Lukas setzte sich hin und legte die Akte auf den Tisch.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „So Herr Roth…beachtliche Liste an kleineren Straftaten, die sie da vorzuweisen haben“, begann er doch Roth zeigte keine Regung, „nun gut. Ich möchte eigentlich nur wissen, wieso Sie von uns weggerannt sind. Ich meine, sehe ich zum Beispiel wie ein böser Bulle aus?“ Wieder nichts.
    „Ein harter Brocken“, murmelte Ben doch Semir grinste, „aber nicht für Lukas! Sieh dir den Jungen doch an, er lässt sich überhaupt nicht aus dem Konzept bringen. Seine Hände sind ruhig und sein Blick unberechenbar!“ Kim schmunzelte. „Das hat er bestimmt nicht von Ihnen“, sagte sie und Ben musste sich zusammennehmen um nicht laut loszulachen. Semir sah sie kurz beleidigt an, widmete sich dann aber wieder dem Geschehen.


    „Wissen Sie, Sie stehen unter Mordverdacht und das ist Ihnen auch sicherlich bewusst. Besonders bei der Brutalität, können Sie für sehr lange Zeit in den Knast landen! Und ich sehe hier gerade, dass Sie Vater eines dreizehnjährigen Sohnes sind. Wissen Sie, was das bedeutet? Ihr Junge weiss, was Sie getan haben, ob er da noch mit Ihnen reden wird…aber eben, das ist Ihre Entscheidung.“ Lukas, schlug die Akte zu, klemmte sie unter den Arm, stand auf und wollte zur Tür gehen, als Roth zum ersten Mal seine Lippen bewegten. „Ich habe ihn nicht umgebracht…“, murmelte er leise und Lukas drehte sich um.
    „Wer dann?“, fragte Lukas neugierig und setzte sich wieder hin. Er faltete die Hände und betete seinen Kopf darauf. „Wer weiss ich nicht. Ich habe Geldschulden…sehr grosse Geldschulden. Da bekam ich einen Auftrag, anonym natürlich. Ich sollte jemandem bei einer Sache helfen. Ich wurde zu dieser Parkplatztoilette bestellt…doch als ich dort ankam sah ich, wie der Mann tot war. Mein Auftraggeber war mit einer Skimütze bekleidet dort gewesen. Er hatte die Waffe, die so einen Schalldämpfer hatte noch in der Hand und…da sah ich den Kerl…! Erschossen, die Sauerei…“
    „Was ist dann geschehen?“, fragte Lukas nach und Roth atmete tief durch. Er zitterte am ganzen Körper und seine Augen waren weit aufgerissen. „Er sagte mir, ich solle den Ring abnehmen und an mich nehmen. Das sei mein Auftrag, doch ich bekam das Scheissteil nicht ab und als ich dann hörte dass jemand kam, bin ich durch die Hintertür getürmt! Aber ich schwöre bei Gott und meinem Sohn, ich habe ihn nicht umgebracht!“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Liebe Leut, liebe Leut
    Es gibt eine einwöchige Pause, da ich in den (hoffentlich wohlverdienten) Urlaub gehe. Ich gönne mir ein wenig ruhe und wer weiss, vielleicht lasse ich euch ein wenig daran teilhabe, ihr werdet es noch sehen :)
    Bis in einer Woche
    Grüsse
    Jenni

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Glaubst du ihn?“, fragte Ben und Semir nickte. „Ich weiss nicht wieso, aber er klingt glaubwürdig. Er wirkt verzweifelt!“ Kim stimmte Semir mit einem kurzen „Tut er“, zu. Sie sahen, wie Lukas kurz durchatmete. „Was sollten Sie mit dem Ring machen?“, fragte er dann und Roth hob seine Jeansjacke an und nahm aus der Innentasche einen Zettel hervor. „Ich sollte dorthin, heute Abend.“ Lukas nahm den Zettel entgegen, nachdem er sich Handschuhe angezogen hatte und las ihn kurz. Er war eine Lagerhalle. Sie gehörte zu Levis Standorte am Hafen, das erkannte er genau. „Okay. Hören Sie Roth, im Moment ist Ihre Unschuld damit noch nicht vollkommen bewiesen, doch ich glaube Ihnen und werde dafür sorgen, dass Sie eine Strafmilderung erhalten werden, denn selbst wenn Sie ihn nicht umgebracht haben, waren Sie dort.“ Roth nickte betroffen und sogleich dankbar.
    Lukas stand auf und ging hinaus. Er wies in den Raum und zwei Uniformierte nahmen Roth mit. „Das war gut“, meinte Kim lobend und Lukas lächelte kurz verlegen. Er bedankte sich und zeigte ihnen den Zettel. Ben schrieb sich die Adresse ab, damit Lukas den Zettel in eine Aservatentüte stecken konnte. „Geben Sie ihn Susanne, Sie wird es dann in die KTU schicken.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich die Chefin und Semir war stolz wie Oskar. „Du hättest sie dir mal ansehen sollen, sie war sehr beeindruckt!“ Luka wurde immer röter und verlegener. „Wir müssen nun sehen, was wir da machen wollen“, murmelte er und sauste im Eilschritt davon.
    „Süss“, meinte Ben mit erhöhter Stimme und Semir lachte. „Mach‘ dich nicht über den Kleinen lustig Ben, er hat Talent!“


    „Habe ich das bestritten? Ich find’s nur süss dass er so rot wird ab dem wenig Lob! Stell dir mal vor, er geht eines Tages doch wieder zum BKA zurück. Da muss er vielleicht auch mal vor der Kanzlerin stehen – was will er dann machen, sich eine tonnenschwere Make-Up-Schicht auftragen damit es nicht auffällt?“ Semir lachte und gemeinsam gingen auch sie wieder zurück ins Büro, wo Lukas sie erwartete. Er hatte den Touchscreen eingeschaltet gehabt und er zeigte ein Foto einer Lagerhalle. „Das ist die Halle die auf dem Zettel stand“, begann er und Ben sah auf seinen Zettel, „die gehört zu Levis Firma.“ Ben und Semir sahen sich an. „Das macht aber keinen Sinn“, sagte Semir verwirrt und Lukas pflichtete ihm bei. „Ist die Halle eigentlich in Betrieb?“ Lukas schüttelte auf Bens Frage den Kopf und zog aus der Dateiliste einen Vertrag. „Levi hatte den Vertrag erst vorgestern unterschrieben gehabt. Die Halle ist also noch leer.“
    „Woher hast du den Vertrag her?“, fragte Semir erstaunt. „Ich hab da so meine Kontakte – und frag mich nicht, sonst muss ich dich töten!“
    „Alles klar James Bond“, entgegnete Ben grinsend und Lukas zwinkerte mit einem Auge. „Kleiner Scherz. Ich kenne viele von denen Maklern in der Firma, kurzes Telefon und eine Ansage das man n‘ Bulle ist, das reicht!“

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Gut, ich denke eine kleine Überraschung würde dem Auftraggeber doch recht gefallen, meint ihr nicht auch?“ Ben und Lukas nickten auf Semirs Vorschlag hin. Es klopfte an der Tür und Susanne kam herein. „Der Bericht des Gerichtsmediziners lieg nun auch für uns vor!“ Sie reichte Semir diesen und ging danach wieder aus dem Büro.
    „Darf ich?“, fragte Lukas und Semir reichte sie ihm. Schliesslich war er am wenigsten informiert. „Ich werde ein SEK-Team anfordern lassen und die Chefin drüber informieren!“, kündigte Ben an, druckte sich ein paar der Unterlagen aus und ging aus dem Büro. Semir sah ihm dabei hinterher und Lukas erkannte den Blick genau.
    „Den Blick hattest du bisher nur bei einem Partner“, murmelte Lukas und Semir drehte sich zu ihm um. Der Kopf des Jungen war gesenkt und doch schenkten die Augen Semir die volle Aufmerksamkeit. „Wie meinst du das?“ Lukas lächelte. „Ben scheint dir sehr ans Herz gewachsen zu sein, denn so hast du bisher nur bei Tom geguckt.“ Semir verschränkte die Arme. „Bist du Bulle oder die „Super-Nanny?““, fragte er und Lukas zuckte mit den Achseln. „Ich kann mir die Haare wachsen lassen und meine Stimmlage erhöhen, wenn dir das lieber ist!“ Semir lächelte kurz. „Wer hat dich zu einem so frechen Dachs erzogen?“ Lukas schlug die Mappe zu und lehnte sich nach hinten. „Schwierige Frage, aber ich denke, dass sich diese Person hier im Raum befindet!“ Semir sagte nichts sondern schmunzelte nur.


    Ben legte die Dinge auf Kim Krügers Pult und diese verschaffte sich einen Überblick, obwohl sie ja am Verhör dabei gewesen war. „Ich bin da Ihrer Meinung. Eine Überraschung würde gut tun, ausserdem wäre ich mal froh, wenn sich eine Sache schnell erledigen würde!“ Ben stimmte ihr mit einem Seufzer zu und lehnte sich gegen die Wand, dabei steckte er seine Hände in die Hosentaschen. „Ich werde also ein SEK-Team anfordern. Dann machen wir eine kleine Party.“ Kim grinste. „Ich werde dabei sein – ich möchte wirklich gerne wissen, was es da auf sich hat!“ Ben richtete sich wieder auf. „Gut, dann werde ich mich darum kümmern. Möge die Macht mit uns sein!“ Mit diesen Worten ging er aus dem Büro und liess eine kopfschüttelnde und doch grinsende Kim zurück. „Gott, worauf habe ich mich da nur eingelassen?“, kicherte sie und legte die Mappe zur Seite.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Die Sonne ging langsam hinter der Stadt unter und tauchte Köln in ein blutiges Rot. Semir, Ben und Lukas standen vor der Lagerhalle. Sie trugen Waffen, Handschuhe und Schusswesten. „Okay, in fünf Minuten ist’s soweit. Ben, Lukas, Seiten- und Hintereingang okay? Ihr greift nur ein, wenn ich Hilfe brauche!“ Die Beiden nickten und schlichen sich um das Gebäude herum.
    Kim Krüger gesellte sich, ebenfalls in der Aufmachung gekleidet, neben Semir und entsicherte ihre Waffe. Semir tat es ihr gleich.
    „Ich werde Sie begleiten, sicher ist sicher!“
    „Dann kann ich ja beruhigt sein“, erwiderte Semir und Kim rollte kurz mit den Augen. „Okay, Showtime“, sagte sie, nachdem sie auf die Armbanduhr geblickt hatte. Sie öffneten die Rolltore und hielten die Waffen im beidhändigen Anschlag. Schwache Sonnenstrahle erhellten den Raum noch ein wenig, ansonsten war es düster und die Beiden konnten nur eine Silhouette erkennen. „Sie haben ihn also erwischt!“ Die Stimme war dunkel, kratzig und gedämpft. „Verstecken spielen liegt mir nicht“, meinte Semir, unbeeindruckt von dieser Scharade und versuchte genaueres zu erkennen, „also zeigen Sie sich!“
    „Wieso sollte ich mir diese Mühe machen…“ In dem Moment ging ein grelles Licht an, das Semir und Kim für einen kurzen Moment erblinden liess, als sie wieder klar sehen konnten, waren sie von lauter Männern umzingelt. Sie alle trugen Masken, um unerkannt zu bleiben. „Scheisse“, zischte Kim und auch Semir musste schlucken, doch packte er den Kragen seines Shirtes, wo der Knopf befestigt war und gab ein knappes „Jetzt!“ von sich. Die SEK-Männer stürmten aus ihren Verstecken, hinter denen sie sich positioniert hatten, um zuzuschlagen. Viele der maskierten Männer zuckten zusammen und liessen sich leicht überrumpeln.
    Nur eine kleine Gruppe konnte sich befreien und rannten auf einen Van zu. Sie schossen und Semir musste zusammen mit Kim Schutz suchen. Sie erwiderten immer wieder das Feuer, bis das Quietschen von Reifen zu hören war. „Scheisse!“, fluchte Semir, richtete sich auf und sah, wie der Van davonfuhr. Doch sogleich fuhr Ben in seinem silbernen Mercedes vor.
    Er öffnete Beifahrertüre. „Steig ein!“, forderte der Jüngere seinen Partner auf und der Deutschtürke sprang hinein. Sofort drückte Ben mit dem Fuss aufs Gaspedal und startete die Verfolgungsjagd.


    „Wo ist Lukas?“, fragte er keuchend. „Ein paar Männer haben versucht, wegzuschleichen, er kümmert sich grade um sie!“ Bens Blick war starr auf die Strassen des Hafens gerichtet. Der Van war nicht weit entfernt, also einholbar. Semir steckte ein neues Magazin in seine Waffe und liess sie dann einmal kreisen, bevor er sie entsicherte. „Die wussten, dass Roth versagt – oder sie haben es jedenfalls geahnt“, meinte Semir wütend. Ben erwiderte nichts. Er konzentrierte sich lieber auf die Verfolgung.
    Denn ehe sie sich versahen, lehnte sich einer der Männer aus dem Fenster und feuerte mit einem Maschinengewehr auf ihren Wagen. Kugeln durchstiessen das Metall und prallten immer wieder an den Felgen ab.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Verdammte Scheisse“, schrie Semir erschrocken und auch Ben war zusammengezuckt. „Zeig’s ihnen mein türkischer Hengst!“ Ben liess die Fensterscheibe auf Semirs Seite herunter und dieser streckte seinen Waffenarm hinaus. Er erwiderte das Feuer und musste seinen Arm immer wieder einziehen, damit er nicht von einer Kugel getroffen wurde.
    „Maschinengewehre, die Typen sind einfach unfair!“, beschwerte sich Semir und Ben sah in den Rückspiegel, als er ein drittes Auto weit entfernt hörte. Er erblickte Lukas Audi. „Aber wir bekommen Hilfe! Dein Schützling schreitet zur Tat!“ Semir erwiderte nichts sondern wechselte das Magazin und begann dann wieder, das Feuer zu erwidern.
    Bis zu dem Zeitpunkt, als eine der Kugeln der Gegner sich in einer der Vorderreifen bohrte. „Oh nein!“ Ben versuchte mit aller Kraft den Wagen unter Kontrolle zu halten. Seine Arme zitterten dabei heftig. Dabei drückte sein Fuss stark auf die Bremsen, bis die Reifen laut quietschten. Doch bevor Ben den Wagen vollends unter Kontrolle bringen konnte, schoss einer der Männer noch in den zweiten Vorderreifen und Ben konnte nichts mehr tun. Der Wagen verlor jeglichen Bodenhalt und begann sich zu überschlagen.


    Kim, die mit Lukas im Audi sass, stiess einen kurzen und spitzen Schrei aus, bevor sie diesen erstickte, in dem sie sich die Hand vor den Mund schlug. „Oh nein…“ Lukas Stimme war leise und zitternd. Als Bens Mercedes auf dem Dach zum Stehen kam, bremste Lukas ab und er musste zusammen mit Kim ansehen, wie der Van verschwand. Doch die Chefin der Autobahnpolizei schnallte sich sofort ab, stiess die Autotür mit einer Wucht auf und rannte auf das Wrack zu. „Gerkan, Jäger!“, schrie sie besorgt und hoffte auf ein Lebenszeichen. Auch wenn sie es ungern zugab, so lagen ihre besten Männer in diesem kläglichen Überrest eines Autos.
    Lukas ging zu seinem Kofferraum und holte ein Brecheisen hervor, danach hastete auch er zu dem Mercedes.
    Kim kniete sich bei der Beifahrerseite nieder und versuchte, einen Blick zu erhaschen. Die Fenster waren zertrümmert, lauter Kratzer hatten den Lack zerstört und der Wagen war reif für den Schrottplatz.
    „Gerkan…“ Sie vernahm ein leises Stöhnen. „Chefin?“ Diese Stimme konnte nur einem gehören. Kim streckte ihren Arm in das Auto und sie berührte mit ihrer Hand einen Körper. „Gerkan, sind Sie okay? Was ist mit Jäger?“
    „Ich weiss nicht, ich kann nichts erkennen…mir geht es gut, ein paar Kratzer mehr nicht. Ich versuche zu überprüfen, wie es Ben geht!“ Kim zog ihre Hand zurück, stand wieder auf und versuchte, die Türe zu öffnen, doch sie war eingeklemmt. „Warten Sie!“ Sie sah Lukas, wie er auf ihre Seite kam und das Brecheisen in einen der wenigen Spalten steckte.
    „Woher…?“
    „Wenn man ab und zu auf Schatzsuche ist, braucht man einen eigenen Schlüssel!“, antwortete Lukas bloss und drückte das Brecheisen nach unten, rutschte aber ab. „Scheisse…“
    Kim rief unterdessen den Notruf.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Semir inzwischen, suchte mit den Händen die Halterung, die den Gurt festhielt und drückte den Knopf, damit sich das Band löste. Er landete mit dem Rücken auf den Dach und für einen kurzen Moment blieb ihm die Luft weg. „Au…“, jammerte er und sammelte sich wieder. „Ben, bei dir alles gut?“ Keine Antwort. Ein leichtes Unbehagen machte sich in Semir breit. Er konnte kaum was sehen, da das Dach ziemlich eingedrückt war und die Sonne den Asphalt kaum noch berührte. Er holte seine Mini-Taschenlampe aus der Hosentasche und knipste sie an. Der Lichtstrahl suchte seinen Partner und er fand ihn. Auf der Seite liegend, nahe der Frontscheibe. „Ben…komm schon Kumpel sag‘ was!“ Semir packte seinen Freund bei den Schultern und rüttelte ihn. Erst jetzt, konnte er einen Blick aufs Gesicht erhaschen und was er da sah, liess ihm das Blut in den Adern gefrieren. Sein Magen verkrampfte sich und seine Hände begannen zu zittern.
    Aus Bens geschlossenen Augen lief Blut, feuerroter, frische Lebenssaft. Wie Tränen glitt das Lebenselixier in kleinen Rinnsalen die Wangen entlang. „Scheisse…oh scheisse…! CHEFIN!“ Semirs Stimme überschlug sich, klang beinahe wie die eines hilflosen Kindes.
    Die Türe ging auf und ging scheppernd zu Boden, da sie sich von der Haltung gelöst hatte. Das Licht der Abendsonne blendete Semir kurz, doch dann erkannte er seine Chefin und Lukas. Und obwohl er die Beiden kannte, beugte er sich über den bewusstlosen Ben wie ein Schutzpanzer.
    „Gerkan was ist?“ Kim erblickte Bens Gesicht und auch sie war geschockt. „Verdammt“, stiess sie aus und Lukas war sogar so entsetzt, dass er nur ein undefinierbares Geräusch von sich gab.


    „Wir brauchen sofort einen Arzt!“ Semirs Stimme bebte, war voller Angst. „Ich habe schon einen gerufen, wir müssen hier raus!“ Semir reagierte auf Kims Aufforderung und nickte Lukas zu sich. „Hilf mir!“ Lukas atmete kurz durch um den Schock zu verarbeiten und ging Semir dann zur Hand. Sie schafften es, Ben aus dem Wagen zu ziehen und in Sicherheit zu bringen.
    Semir beugte sich sofort wieder über seinen Partner. „Ben wach auf bitte…“, flehte er, „was hast du bloss…?“ Er konnte seinen Blick nicht von dem Blut nehmen, dass noch immer aus den Augenwinkeln lief.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Das St. Marien Krankenhaus war ruhig und strahlte beinahe eine tödliche Stille aus. Semir war vor dem Eingang, da er sein Handy am Ohr hatte. Seine Hand war verbunden, da er sich diese beim Unfall böse aufgeschürft hatte, ausserdem wurde eine kleine Platzwunde an der Stirn mit einem Pflaster zugeklebt.
    Er sass auf der Treppe und hörte der beruhigenden Stimme seiner Frau Andrea zu und berichtete ihr, was geschehen war.
    Direkt nach Bens Bergung war der Rettungswagen gekommen. Die Ärzte hatten sich wie Aasgeier über Semirs Partner gebeugt gehabt. Kein Wort wurde geredet, nichts war ihm mittgeteilt worden.
    Seine Chefin, musste ihn ins Krankenhaus bringen. Lukas hatte anerboten, sich um die Organisation der Tatortuntersuchung zu kümmern. Ein Angebot, dass Semir nur recht war.
    Als er und die Chefin beim Krankenhaus angekommen waren, war Ben bereits in den OP-Saal gebracht worden und wieder hatte man Semir nichts gesagt gehabt. Man wollte zuerst mit den Angehörigen sprechen.
    „…dabei habe ich denen erklärt, dass Konrad Jäger und Julia geschäftlich unterwegs sind und wegen eines Wetterproblems von dort nicht wegkommen, sie wollen mir einfach nichts sagen!“, beendete Semir die Erzählung. Tränen schwangen in seiner Stimme mit. „Andrea da lief Blut aus seinen Augen! Aus den Augen, verdammt!“
    „Schatz da muss noch nichts heissen“, versuchte Andrea in ihrem, bekannten warmen Ton, ihren Mann zu beruhigen, doch war auch sie geschockt über diese Tatsache, „vielleicht ist’s nichts.“ Semir stand auf und trat gegen das Treppengemäuer. „Semir du haust aber jetzt nicht alles kurz und klein oder?“ Ertappt schluckte Semir kurz. „Sicher nicht! Aber ich bin sein Partner Andrea, ich darf doch auch erfahren was los ist!“
    „Natürlich, sie werden es dir auch früh genug sagen! Soll ich die Kinder zu meiner Mutter bringen und kommen?“ Semir schüttelte mit dem Kopf, was Andrea ja nicht sehen konnte. „Nein…nein bleib bei den Kindern. Ich komm‘ schon klar…ich liebe dich mein Schatz…“ Semir hängte auf und setzte sich wieder. Immer wieder holten Familien ihre Liebsten ab die entlassen wurden. Es war pure Ironie.


    Er hörte, wie die Türe hinter ihm aufging. „Gerkan?“ Semir stand auf und wusste genau, wer ihn da gerufen hatte. „Gibt’s etwas neues, Chefin?“ Die Angesprochene nickte. „Die Operation ist fertig. Konrad Jäger hat per E-Mail eine Erklärung an den Arzt geschickt, dass Sie für Jäger verantwortlich sind. Denn so wie es scheint, kommt er nicht so schnell von seinem Aufenthaltsort weg. Also muss der Arzt uns nun informieren…“
    „Sie hätte er ja so oder so informiert, Sie sind unsere Vorgesetzte!“ Kim winkte ab. „Und Sie sein bester Freund – also kommen Sie!“ Semir lief ihr hinterher und kam sich wie ein Chihuahua vor, der sich an Paris Hilton Ferse geheftet hatte.
    Am Empfang wartete ein Mann im weissen Kittel. Er war ungefähr in Semirs Alter, aber einen Kopf grösser. Er lächelte zerknirscht als er Kim sah. Auf seinem Namensschild konnte man „Hermann“ in einer verschnörkelten Zierschrift lesen.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • „Frau Krüger, da sind Sie ja, und ihre Begleitung auch…“ Semir verschränkte die Arme. „Die Begleitung hat auch einen Namen“, giftete er und Kim gab ihm mit dem Ellbogen eine in die Seite. „Verzeihen Sie Kommissar Gerkan“, entschuldigte sich der Arzt und seine Miene wurde auf einmal ernst, „die Ursache für die Augenblutung bei Kommissar Jäger konnte geklärt werden, es waren Splitter der Frontscheibe.“ Semirs Augen weiteten sich. „Und das heisst?“, fragte er ängstlich nach. „Zurzeit ist Kommissar Jäger leider erblindet. Die Operation jedoch ist gut verlaufen. Soll heissen, in zwei Wochen werden wir sehen können, ob wir noch eine zweiten Eingriff wagen können, um das Sehvermögen wieder vollends herzustellen.“
    „Wieder vollends? Hiesse das, es besteht Hoffnung?“ Der Arzt nickte auf Kims Nachfrage. „Allerdings. Jedoch gebe ich mich nur verhalten optimistisch. In den nächsten zwei bis drei Wochen jedenfalls muss Herr Jäger auf sein Sehvermögen vorübergehend verzichten müssen. Wir werden ihn hier behalten und immer wieder Kontrollen an den Augen durchführen. Er trägt einen Verband um die Augen vor Licht zu schützen. Er muss auch lernen, sich zurechtzufinden. Sie müssen nun Geduld mit ihm haben.“
    Semir nickte langsam. Blind – sein Partner war blind. Das Wort „vorübergehend“ hatte er schon beinahe nicht mehr mitbekommen gehabt und bei „verhalten Optimistisch“ war bei ihm sowieso vorbei.


    „Ich möchte mich im Übrigen noch bei Ihnen entschuldigen Kommissar Gerkan. Meine Kollegen vom Notdienst hatten einen stressige Schicht hinter sich, momentan herrscht bei uns wieder Personalmangel – ich hoffe, Sie können uns diese Unannehmlichkeiten verzeihen!“
    „Machen Sie sich darüber keine Gedanken“, entgegnete Semir heiser und atmete tief durch. „Er wird gerade vom Aufwachraum ins Zimmer gebracht. Stehen Sie sich nahe?“ Semir lächelte traurig. „Wir sind beste Freunde…“ Der Arzt nickte und hatte ein mitleidiges Lächeln auf den Lippen. „Sie sind nun seine Stütze. Sprechen Sie ihm Mut zu. Ich bringe Sie jetzt zu ihm!“ Er sah auch zu Kim doch diese winkte ab. „Gehen Sie alleine Gerkan, ich warte hier auf Sie!“ Semir nickte dankend, denn er wusste, dass sie dies nur für ihn tat. Sicherlich hätte auch sie gerne gesehen, wie es Ben ginge, doch nun brauchte dieser Unterstützung und die konnte ihm nur einer geben.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Semir schritt mit dem Arzt zu einem Zimmer und sie blieben vor der Türe stehen. Der Held in weiss sah genau, wie Semir mit sich kämpfte. „Sie schaffen das. Und ihr Partner auch. Es klingt immer so dämlich aber, Freundschaft kann Wunder bewirken!“ Semir lächelte - ja das konnte sie. „Danke Doktor und…entschuldigen Sie den Kommentar von vorhin…“ Der Arzt winkte ab und verabschiedete sich.
    Semit holte nochmals Luft. Eine solche Situation hatte er noch nie. Dem Tod, hatte er auf Grunde seiner Partner des Öfteren gegenüberstehen müssen, aber wo etwas war ihm neu. Doch er musste Ben nun helfen. Schliesslich waren sie beste Freunde und das sollte auch so bleiben.
    Er klopfte kurz und öffnete die Türe. Da inzwischen der spätere Abend angebrochen war, musste das Zimmer mit der Lampe erhellt werden, weil die Sonne inzwischen untergegangen war.
    Ben lag im einzig besetzten Bett. Die Finger hatten die Bettdecke umklammert. Tatsächlich war ein Verband um Bens Kopf gebunden worden, direkt über die Augen. Auch konnte Semir noch zwei Pflaster erkennen. Anscheinend wollte man wirklich auf Nummer sicher gehen. Durch eine Kanüle nahe des Handgelenkes, konnte eine Infusion angeschlossen werden, die Ben mit Medikamente versorgte. Semirs Partner trug einer dieser geschmacklosen Krankenhaushemde, die Semir schon immer verabscheute.
    „Semir…?“ Bens Stimme war schwach, brüchig. Semir schluckte kurz und lief dann ans Bett. Vorsichtig nahm er Bens Hand, so dass dieser nicht erschrak. „Ich bin hier Partner…“ Semir hörte wie Ben erleichtert ausatmete. „Gott sei Dank…dir ist nichts…“, doch dann umfassten Bens schwache, zittrige Hände Semirs verletzte Hand, seine Finger, spürten den dicken Verband, „du bist verletzt!“ „Nur ein paar Kratzer“, erwiderte Semir und war erstaunt, dass Ben nichts erwähnte, doch da hatte er sich getäuscht. Denn nach einer kurzen Stille: „Ich denke das hattest du noch nie…“ Bens Hände umklammerten die Semirs und dieser spürte, wie sie zitterten. „Was hatte ich noch nie?“, fragte Semir leise. „Einen Partner, der dich nicht mal mehr sehen kann…“ Semir schluckte kurz, doch dann nahm er Ben in den Arm, passte dabei aber auf die Infusion auf.
    „Du wirst mich wieder sehen Ben…das weiss ich! Der Arzt hat doch gesagt es sähe nicht schlecht aus. In drei bis vier Wochen werden wir wieder über die Autobahn rasen und die Chefin terrorisieren!“ Je mehr Semir sprach, umso mehr glaubte er selbst seinen Worten. Nein er gab seinen Partner nicht auf! Und auch dieser, lächelte kurz, die Hoffnung, starb bekanntlich zuletzt.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Kim Krüger wartete geduldig draussen vor dem Eingang. Auch sie wusste noch nicht so recht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollte. Bei einer Schussverletzung, oder einem Beinbruch konnte man schnell die Sache abtun, aber so etwas?
    Sie band ihr Haar, das ständig vom Wind verweht wurde, zu einem Pferdeschwanz zusammen und lehnte sich gegen eine der Eingangssäulen. Sie massierte sich kurz die Augenlider und vergass dabei das Make-Up, dass sie mit den Fingern verschmierte. Sie erschrak, als ihr Handy in der Hosentasche klingelte, nahm jedoch den Anruf entgegen, nachdem sie auf den Display geschaut hatte.
    „Was gibt’s Steiner?“, fragte sie müde. „Wir sind hier fertig, und was wir gefunden haben ist nicht ohne, ich zeige es Ihnen morgen, Hartmut lässt die Sachen zu sich und zu uns ins Büro bringen. Sein Team hat volle Arbeit geleistet! Der Mercedes ist ebenfalls auf dem Weg zur KTU…“, danach würde es für eine kurze Zeit still, „…was ist nun mit Ben?“ Kim atmete tief durch, auch sie spürte ein Unbehagen jedes Mal, wenn die Worte des Arztes wieder ihr Gehirn einnahmen. Jedoch erzählte sie Lukas von der Diagnose.
    „Heilige Scheisse…“, murmelte dieser und sie hörte Schritte, anscheinend lief er zu seinem Wagen. „Gehen Sie nach Hause Steiner und berichten Sie Ihrem Vorgesetzten von den Ermittlungen, wir treffen uns morgen wieder okay?“
    „Wie geht es Semir?“
    „Ich passe auf ihn auf keine Sorge, ich bringe ihn auch nach Hause, ruhen Sie sich aus!“ Mit diesen Worten hatte Kim aufgelegt.
    Inzwischen waren zwei Stunden vergangen. Zwei Stunden, in denen Semir nun bei Ben war. Doch Kim übte sich in Gelassenheit. Sie versuchte auch, die Geschehnisse nicht zu nah an sich ranzulassen. Da Ben nun ausfiel, musste sie stärker eingreifen.


    Als sie sich mit dem Gedanken abgefunden hatte, öffnete sich die Türe und Semir trat an sie ran. „Sie hätten nicht warten müssen Chefin“, sagte er und doch hörte sie die Dankbarkeit in seiner Stimme. „Ich habe doch gesagt, dass ich auf Sie warte Gerkan, kommen Sie, ich bring Sie nach Hause!“ Sie wies auf ihren Wagen und gemeinsam stiegen sie ein. Nachdem sie sich angeschnallt hatten und der Schlüssel gesteckt war, startete Kim den Wagen und fuhr los.
    „Chefin…wie geht es nun weiter?“, durchbrach Semir die Stille. „Meinen Sie bei Jäger oder bei dem Fall?“
    „Beides!“
    „Bei Jäger warte ich ab, sollte er wirklich sein Sehvermögen zurückbekommen, sehe ich keinen Grund, ihn zu suspendieren oder gar aus dem Dienst zu entlassen. Ich sehe es momentan als das an was es ist, Ausfall durch eine Verletzung, nicht mehr und nicht weniger“, sie hörte, wie Semir erleichtert ausatmete, „bei dem Fall machen wir weiter. Nun will ich diese Schweine sowieso kriegen! Ich hätte Sie und Jäger verlieren können Gerkan, und Ausfälle kann sich die Autobahnpolizei momentan einfach nicht leisten!“
    Semir musste grinsen. Diese faktische Erklärung war nur eine flüchtige Ausrede, damit Kim nicht die Wahrheit sagen musste. Sie hatte sich unheimliche Sorgen um ihre Männer gemacht gehabt.
    „Danke…“, meinte Semir warm und leise und Kim lächelte.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
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