Urlaub, Sonne und Mord


  • „Andrea, wir müssen dann los.“, rief Semir nach oben und hievte die Koffer ins Auto. Mittlerweile waren seit der Geiselnahme in seinem Haus sieben Wochen vergangen. Alles hatte sich wieder eingerenkt. Nur sein damals gebrochener Arm schmerzte noch etwas und wollte noch nicht so mit der Feinmotorik, aber Autofahren ging schon wieder sehr, sehr gut. „Semir, nimmst du bitte auch die Tasche aus dem Wohnzimmer mit...und denk an die Kamera.“, rief sie nach unten. Der Mann sah sich um. Wo war jetzt die Kamera nur? Semir hatte diesen Camcorder extra für sein bald ankommendes Kind gekauft. Eigentlich, so hatte er zu Andrea vor einer Woche noch gemeint, wäre es unsinnig, jetzt in den Urlaub zu fahren, da das Baby doch jeden Tag kommen konnte. Doch seine Frau hatte ihn beruhigt. „Semir, der Termin ist erst in sieben Wochen. Also, lass uns die drei Wochen auf der Insel genießen.“, hatte sie ihm gesagt. Damit gab sich der Deutschtürke zufrieden. Vergeben suchte er die Kamera. „Schatz? Wo liegt denn die Kamera?“, wollte er rufend von seiner Frau wissen. Einige Momente der Stille verstrichen. „Die müsste auf dem Kamin sein.“, gab sie bekannt und kam dann mit einer kleinen Tasche die Stufen runter. „Hast du sie?“, fügte sie hinzu. „Hier...“, meinte Semir triumphierend und hielt die Kamera mit erfolgreichem Grinsen hoch. „Fein, du Superheld. Pack sie ein und nimm noch einige CDs für die Autofahrt mit.“, bat sie. „Ist Aida schon im Wagen?“, wollte er dann wissen. „Sie wollte noch ein Stofftier aussuchen. Vielleicht hilfst du ihr dabei.“, lächelte Andrea nur und ging schon zum Wagen vor. „Klar, mach ich gerne.“


    Aida stand vor ihrer Stofftierecke und sah diese mit ihren großen Augen an. „Aida?“, hörte sie die Stimme ihres Papas, der die Stufen hinaufstieg und dann einen prüfenden, aber liebevollen Blick in ihr Zimmer warf. „Papa, hilf mir.“, bat die Dreijährige und deutete auf die Stofftiere. „Was ist denn, mein Schatz?“, wollte Semir wissen und kniete sich neben seine Tochter. „Soll ich Bobo oder meinen Tiger mitnehmen?“, wollte sie mit ihrer kindlichen Stimme wissen. Semir lächelte sie nur an. „Weißt du was, wir nehmen beide mit. Bobo, damit er auf dich aufpasst und Tiger, damit er auf Bobo aufpassen kann.“, schlug Semir vor. „Au ja.“, rief sie erfreut aus und drückte ihrem Papa einen dicken Schmatzer auf die Wange. Semir sah sie die Treppe runterrennen, nahm dann ihren kleinen Koffer und brachte auch noch das restliche Gepäck zum Wagen. Als dann alles verladen war, ging die Fahrt los. Vor der kleinen Familie lag eine Strecke von 751 Kilometern und sieben Stunden Autofahrt, wenn sie mit dem Verkehr Glück hatten. Endlich Urlaub...oder etwa nicht?

  • „Boah, ich geh hier bald ein.“, schimpfte Ben und warf die nächste, erledigte Akte auf einen kleinen Stapel auf Semirs Seite. Rechts neben ihm befand sich allerdings noch ein großer Haufen mit Akten. Alles Berichte, die noch unvollständig, nicht unterschrieben oder noch gar nicht geschrieben waren. Wieso muss dieser Kerl auch gerade dann Urlaub machen, wenn die Krüger mir solche Schreibarbeit auftischt, dachte sich Ben. Müde stand er auf, reckte sich und ging in die Küche, um sich einen Kaffee zu holen. „Und, wie weit sind sie mit den Berichten?“, wollte Kim gerade wissen, als sie ihn im Vorbeigehen ansprach. Schlagartig stoppte er seine Schritte. „Frau Krüger, ich habe gerade erst angefangen. Lassen sie mir ein bisschen Zeit.“, bat Ben nur und setzte seinen Weg weiter in die Küche fort. Mit einem Kaffee und einem Baguette bewaffnet begab er sich wieder an seinen Arbeitsplatz. „So, dann wollen wir mal.“, spornte er sich selbst zur Arbeit an, nahm sich eine Akte nach der anderen, fügte hier und da etwas hinzu, strich Wörter oder Wendungen aus oder setzte seine Unterschrift unter den Berichten. „So, das war der leichtere Teil.“, meinte er dann, nachdem er mindestens die Hälfte seines Brötchens in achtzig Prozent der Akten verteilt hatte. Doch der Großteil war geschafft. Nur vier leere Hüllen waren noch mit Berichten zu füllen. Ben lehnte sich zurück und sah auf die Uhr. „Tja, meine Mittagspause beginnt. Schade.“, lachte er, stand auf und schnappte sich seine Jacke.


    „Herr Jäger? Wo wollen sie denn hin?“, kam es vorwurfsvoll und stoppend von der Chefin, als sie ihn auf dem Weg zum Parkplatz abfing. Wieder blieb Ben stehen, setzte einen genervten und verzweifelten Blick auf, atmete tief durch und drehte sich dann um. „Frau Krüger, es ist zwölf. Ich wollte gerade...“ „Sie wollten doch nicht etwa Mittagspause machen, oder?“, fragte sie streng, aber mit einem Lächeln auf den Lippen. „Eigentlich... doch.“, erklärte er und knetete seine Jacke. „Erst die Berichte und wenn sie damit fertig sind, kommen sie bitte in mein Büro. Dann können sie auch Mittag machen.“, erklärte sie. Ben formte seine Augen zu kleinen, gemeinen und todbringenden Schlitzen. „Bis ich damit fertig bin, ist es Mitternacht.“, knurrte er nur, gab sich dann aber seinem Schicksal hin und machte sich an die Arbeit.


    ...

  • Nach einigen Stunden kam Ben, vollkommen erschöpft und hungrig, aus seinem Büro und lehnte sich erstmal an den Türrahmen. „Warum muss die Klimaanlage immer an heißen Tagen kaputt gehen?“, wollte er wissen und strich sich sein an seiner Stirn klebendes Haar aus dem Gesicht. Susanne sah den leidenden Kommissar nur lächelnd an und nahm ihm die Berichte ab. „Na komm, nur noch zur Chefin und dann darfst du essen.“, meinte Susanne und klopfte Ben aufmunternd auf die Schulter. Dieser nickte nur und verschwand dann zu Kim ins Büro. „Chefin, sie wollten mich sprechen?“, fragte er und wartete darauf, dass sie von ihren Pflanzen, die sie gerade goss, sich zu ihm umdrehte. „Ja, das wollte ich. Ben, kennen sie einen Florian Stern?“, wollte Kim dann wieder wissen, als sie auf ihrem Stuhl sah. Der Jungkommissar setzte sich ihr gegenüber und hatte die Stirn in nachdenkliche Falten geschlagen. „Das ist doch der, der vor einigen Jahren diesen Raubüberfall auf die Diamantenmesse Wuppertal durchgeführt hat, oder?“ „Genau, seine Flucht führte ihn durch das ganze Landesgebiet bis Neuss. Dort wurde er gestellt, aber die Beute wurde nie gefunden. Deshalb konnte er auch nicht wegen dem Raub verurteilt werden. Allerdings musste er fünf Jahre wegen Diebstahles eines Pkws unter Vorhalt einer Waffe absitzen. Und jetzt raten sie mal, wo Stern ist...“ Kim legte ihrem Kommissar eine Akte vor. „Das BKA ist brennend an dieser Beute interessiert und da es im Moment auf der Autobahn mehr als ruhig ist, habe ich entschieden, dass sie diesen Fall übernehmen. Stern ist in Köln und sie werden sich an seine Fersen heften. Wenn er sie nicht bemerkt, führt er uns wahrscheinlich zur Beute.“, meinte Kim. Ben nickte, während er die Akte las. „Wer hat eigentlich damals die Verhaftung durchgeführt?“, wollte er wissen. „Steht in der Akte. Studieren sie die gut und machen sie sich an die Arbeit.“, wies Kim ihn nur ab und ging an ihre Arbeit, während Ben das Büro verließ. Neugierig blätterte er nach vorne. Wer war der Kommissar, dem dieser Fang glückte?

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  • „Papa, ich muss mal.“, ertönte es von der hinteren Rückbank mit hellgreller Stimme und einem Kinderlachen auf den Lippen. „Ich auch.“, meinte Semir nur und setzte den Blinker auf die nächste Raststätte. Andrea, die kurz eingeschlafen war, hob langsam und verschlafen den Kopf. „Sind wir schon da?“, wollte sie wissen. „Noch nicht ganz. Wir sind gerade an Hamburg vorbei. Nur leider müssen Aida und ich mal kurz die örtlichen Keramikgefäße testen.“, meinte ihr Mann lächelnd und verschwand mit Aida auf die Örtlichkeiten. Es dauerte keine zehn Minuten dann waren beide wieder da. „Semir, lass uns was essen.“, schlug Andrea vor und streckte sich ein bisschen, als sie aus dem Auto stieg und einige Schritte um das Fahrzeug tat. „Okay, wir haben ja schon ein großes Stück geschafft.“ Mit diesen Worten ging die Familie auf das Restaurant zu und ließ sich dort nieder, bestellte einige Speisen und machte sich dann, als das Essen an ihren Tisch gebracht wurde, über das lecker riechende Gedeck her. „Semir, wie weit haben wir es denn noch zu fahren?“, wollte Andrea wissen, als sie den ersten Bissen nahm und ihn mit der Gabel in den Mund führte. Der Mann hielt inne und überlegte. „Wir sind jetzt bestimmt an die 500 Kilometer gefahren, ich denke noch etwa 200 Kilometer. Höchstens zwei Stunden.“, meinte er sicher und biss in die Hähnchenkeule genüsslich rein, sah dann mit einem väterlichen Lächeln zu seiner Tochter hinüber. Aida hatte eine kleine Nudelsuppe mit Fleischbällchen und kleinen Möhrchen vor der Nase. Im Gegensatz zu anderen Kindern ihres Alters, löffelte die kleine Prinzessin die Schüssel mit einem Heißhunger leer, den Semir nur von einem kannte. „Aida hat den gleichen Appetit wie Ben.“, lachte er und strich seiner kleinen Tochter über den Kopf. „Wer weiß, was die beiden machen, wenn Ben wieder babysittet.“, unkte Andrea lachend. „Ben zeigt mir, wie man richtig isst.“, kam es von Aida. Semir setzte einen skeptischen Blick auf. „Ich sollte doch mal mit meinem Partner reden.“


    ...

  • Nach über fünf Stunden Autofahrt erreichte die Familie aus Köln endlich das lang ersehnte Reiseziel. „Willkommen im Seeheilbad Ahlbeck“, stand auf dem Ortschild, als sich der BMW durch die Straße schlängelte. „Sieh mal Aida, eine Pferdekutsche.“, machte Andrea sie auf einen vorbeifahrenden Kutscher aufmerksam. Das Mädchen lugte mit ihren großen Augen aus der Windschutzscheibe und betrachtete die großen, weißen Pferde, die eine schwarze Kutsche mit roten Rädern über die Straße zogen, unbeeindruckt von den rechts und links vorbeifahrenden Autos. „So, und wo ist nun unser Hotel?“, wollte Semir wissen und sah auf den Zettel mit der Anfahrtsskizze. „Hotel Meereswelle... das muss hier doch irgendwo sein.“, knurrte er und sah nach rechts. „Semir, da links.“, wies Andrea ihn auf ein Schild, wo eben jenes Hotel ausgeschrieben war. „Ah, praktisch.“, meinte er. „Ja, wenn man lesen kann.“, fügte Andrea lächelnd hinzu. „Hey, ich kann lesen.“, lachte er nur und gab seiner Frau einen Kuss auf die Wange. Semir lenkte den Wagen nach links und tatsächlich fand sich dort das familiengeführte Hotel „Meereswelle“ wie es in der Beschreibung stand.


    Als sie gerade auf den Parkplatz fuhren, kam ein junges, hochgewachsenes Mädchen mit feuerroten Haaren und Sommersprossen auf der Nase aus einer Tür, lächelte freundlich und ging gleich auf den Wagen zu. „Sie müssen Familie Gerkhan sein, hab ich recht?“, fragte sie gleich direkt und reichte Semir die Hand. „Jaaa, aber woher...“ „Wir haben heute nur eine Ankunft aus dem Westen. Ich habe einfach ihr Nummernschild gesehen.“, erklärte sie und nahm gleich die Koffer in die Hand. „Ich bin übrigens Franziska Rose, aber alle nennen mich Franzi... die Tochter und quasi der gute Geist im Haus.“, stellte sie sich vor. „Und das ist Oskar... unser fauler Hofhund.“, meinte sie, als plötzlich eine jaulende, fellbesetzte und große Kreatur neben Aida stand, mit den Schwanz wedelte und an dem Mädchen schnupperte. Das Mädchen gluckste vergnügt und strich dem Bobtail durch das weiche grau-weiße Fell. „Keine Sorge, er ist sehr kinderlieb.“, versicherte Franzi dem wieder skeptischem Blick von Semir. Nickend folgte die kleine Familie der jungen Frau. „Ach Semir, ich bin froh, dass wir endlich hier sind.“, gestand Andrea und harkte sich bei ihrem Mann unter. „Ich auch... der arme Ben, was der sich wohl gerade von der Krüger anhören muss.“, grinste der Deutschtürke und musste bei dem Anblick des Hundes mit seinen langen, struppigen Haaren unweigerlich an seinen Partner denken.

  • „Tom Kranich und Semir Gerkhan...“, murmelte Ben vor sich hin und musste lachen. Klar, wenn der Fall auch vor seiner Zeit bei der Autobahnpolizei war, so war es doch die Zeit von Semir. Was stand in den Akten, wann war der Fall? Wieder blätterte er in der Akte herum. 2005... da war er gerade frisch gebackener und ein junger Hauptkommissar beim LKA Düsseldorf. Wie doch die Zeit vergeht, dachte er nur und ging in sein Büro, fing an, die Akten zu studieren. Hatte er einen neuen Wohnsitz? Dies stand jedenfalls nicht in den Akten. So schnappte sich Ben den Telefonhörer und wählte die Verwaltungsstelle der Justiz an. „Ja schönen guten Tag, Ben Jäger am Fernsprecher... sagen sie, ich habe eine Frage. Sie haben doch sicher die neue Adresse von Florian Stern, als sein Sozialhelfer.“, wollte Ben wissen und wartete einige Minuten.


    „Ja, das ist richtig. Herr Stern ist bei uns in der Kartei, aber warum sollte ich ihnen darüber Auskunft geben?“, wollte die hohe Fistelstimme am anderen Ende der Leitung wissen. Offensichtlich eine sehr genaue und mürrische Beamtin, dachte Ben nur, während er die Augen verdrehte. „Hören sie, ich kriege ihre Auskunft, da ich von der Polizei bin.“, erwiderte Ben. Ein verächtliches Lachen kam am Ende der Leitung hervor. „Ha, das müssen sie erstmal beweisen. Nee, ohne richterlichen Beschluss kann und werde ich ihnen die Adresse nicht geben.“, meinte die Beamtin und legte auf, ehe Ben auf diese harsche Abweisung reagieren konnte. „Ähhh, Hallo? Hallo, sind sie noch dran?“, fragte der Kommissar und musste dann feststellen, dass die Frau aufgelegt hatte. „So was gibt es doch nicht.“, knurrte er und versuchte es erneut. Dieses Mal musste er doch Glück haben. Es konnte nicht sein, dass seine Recherchen gleich zu Anfang scheiterten. Die hatte ihn ja wie einen Polizeischüler im ersten Semester behandelt. „Verwaltungsamt JVA Ossendorf.“, meldete sich eine männliche Stimme. „Kriminalkommissar Jäger, Kripo Autobahn. Ich hätte gerne die jetzige Meldeadresse von Florian Stern.“, knurrte er hörbar und ungeduldig in den Hörer. „Sicher, einen Moment bitte.“, ertönte es als Antwort. Warum nicht gleich so, dachte der Kommissar nur kopfschüttelnd.


    ...

  • „Hallo? Sind sie noch dran?“, wollte die Stimme am anderen Ende wissen. „Ja sicher, was ist nun mit der Adresse?“, kam es eilig von Ben. „Sehr schön... die Adresse lautet: Am Weidenweg 29 in Köln-West.“ Ben schrieb sich die Adresse mit und bedankte sich dann bei dem Beamten. Was die Frau davor für Probleme hatte, konnte sich Ben nur in Gedanken ausmalen. Doch dazu blieb ihm keine Zeit. Jetzt musste er erstmal diesen Stern finden und ihn beschatten. Ben schnappte sich seine Jacke, warf sie sich über die Schulter und stieg in seinen Mercedes. Obwohl dieser Wagen auffällig war, würde sein Motorrad noch auffälliger sein, wenn er die ganze Zeit an der Maschine gelehnt vor dem Haus sitzen würde. Er spähte nach dem Büro der Krüger... nirgends war die Chefin zu sehen und er wollte ihr auch unter keinen Umständen über den Weg laufen. Wer weiß, was sie dann wieder für Aufgaben für ihn hatte. Er blickte sich um. Schnell durchquerte er das Büro und hatte beinahe die Tür zum Parkplatz erreicht, als sie ihm entgegenkam. „Ah Ben, wo wollen sie denn hin?“, wollte Kim mit einem Lächeln auf den Lippen wissen. „Ich... ich will zu diesem Stern und ihn beschatten, wie abgesprochen.“, meinte er nur und merkte, wie nervös er wurde, als er die körperliche Nähe von Kim spürte, als sie sich durch den engen Spalt zwischen en und den Türrahmen drückte. Junge, du hast eine Freundin, dachte er nur und versuchte, an etwas harmloses zu denken. „Können sie nicht mal Platz machen?“, knurrte Kim und drückte sich am Kommissar vorbei. „Oh... Natürlich.“, meinte er nur und atmete tief durch, als er endlich sein rettendes Auto erreichte. Was war das nur gerade, dachte er. Immerhin war er seit einigen Wochen wieder in festen Händen. Emily Christie war die perfekte Frau für ihn, das wusste er. Ben beschloss, das eben passierte zu vergessen und sich ganz auf seine bevorstehende Arbeit zu konzentrieren.


    Florian Stern, 37 Jahre alt, saß in seiner noch spärlich eingerichteten Wohnung. Seit einigen Wochen war er wieder draußen. Die Jahre drinnen waren nicht einfach für ihn, doch jetzt würde er sich an der Freiheit erfreuen. Bald würde er genug Geld haben. Doch ihm war auch klar, dass die Polizei sich noch für die Beute interessieren könnte oder für ihn selbst. Deshalb musste er mehr als vorsichtig sein, bei allem, was er nun tun würde. Seit drei Tagen hatte er einen Job in einem Krematorium. Er hatte nur immer dafür zu sorgen, dass die Leichen eingeäschert wurden und sollte dann die Asche in die Urne füllen. Das war eine Arbeit, die nicht schwer war und auch nicht so zeitgebunden. So konnte er alles planen und seine Beute aus dem Versteck holen, sie zu seinem Hehler bringen und mit dem erbeuteten Geld gut und beschaulich leben.

  • Florian ging in die Küche und schmierte sich Stullen für die Arbeit. Sein Blick fiel auf die Straße und auf einen, seinem Haus gegenüber abgestellten Mercedes. Nichts dabei denkend, widmete er sich wieder seiner Arbeit, schmierte sich die Stullen fertig, packte sie weg und suchte sich seine Sachen zusammen. Gleich hatte er wieder eine Einäscherung. Noch arbeitete er nur halbtags, aber das würde sich vielleicht später ändern. Sein jetziger Chef wusste zwar, dass er gesessen hatte, hatte ihm aber auch eine zweite Chance gegeben. „Bewähr dich und mach deine Arbeit gut.“, hatte er Florian an seinem ersten Tag gesagt. Und das nahm er sich zu Herzen.
    Ben sah von seiner Autozeitschrift kurz auf und verharrte, als er die Person erkannte, die in den Akten als Florian Stern ausgeschrieben war. „Da bist du ja.“, meinte er und ließ sich weit im Sitz hinuntergleiten. Florian ging an Ben vorbei und merkte nicht, wie der Kommissar ihm durch den Seitenspiegel nachsah. „Jetzt führ mich mal zu deinem Schatz.“, kommentierte der Jungkommissar nur und wollte gerade starten, als ihm ein anderer Gedanke kam. Warum nicht erstmal sich in der Wohnung umsehen? Das wäre eine Möglichkeit, eine Wanze oder so etwas dort zu deponieren. Ben sah sich wieder um. Niemand war zu sehen. Schnell hatte er seinen Wagen abgeschlossen, ging zum Haus und schlüpfte, als eine Bewohnerin das Haus verließ, durch die Tür hinein. Die Anordnung der Briefkästen schien nach Wohnungen sortiert zu sein. So fand Ben schnell heraus, dass sich die Wohnung von Florian Stern im dritten Stock befand. „Dann wollen wir mal.“, meinte er, als er vor der Tür stand und seinen Dietrich aus der Tasche zog. Doch es sollte alles anders kommen.


    Florian ging zur Haltestelle, wo gerade ein Bus stand. Aus der Tasche wollte er seine im Portemonnaie befindliche Fahrkarte ziehen. „Ach Shit.“, stieß er aus und merkte, dass er diese auf seiner Kommode liegen gelassen hatte. Wohl oder übel musste er zurück, wollte er nicht Schwarz fahren, da er sich ein neues Ticket ohne Geld schlecht kaufen konnte. Der Bus fuhr weg und Florian ging schnellen Fußes zu seiner Wohnung zurück. Schnell hatte er die Tür aufgeschlossen und stieg die Treppen hinauf. Mit einer routinierten Handbewegung zog er seinen Schlüssel hervor und drehte ihn im Schloss um. Merkwürdig, dachte er, ich habe doch zwei Mal abgeschlossen. Auf der Kommode im Flur lag sein Portemonnaie. Schnell packte er es in seine Tasche und war schon wieder am Gehen, als er auf seinem weißen Läufer einen Fleck in der Form eines Schuhabdrucks sah. Ungebetene Gäste, schoss es ihm sofort durch den Kopf. Langsam glitt er in die Küche und holte ein Messer hervor. Bewaffnet schlich er durch seinen Flur, sah in jedem Raum nach, bis er dann auf seinen Balkon stand. Hatte er die Balkontür offen gelassen? Eigentlich nicht. Vorsichtig stieg er auf den Balkon hinaus und sah über die Brüstung auf die Straße runter. Hm, keiner da, dachte er wieder und kehrte zur Tür zurück. Er schloss die Balkontür, ging aus seiner Wohnung, dieses Mal mit Portemonnaie, und hechtete, ohne sich umzusehen, zur Bushaltestelle. Wo war nun aber der ungebetene Gast abgeblieben?


    ...

  • Ben hing an der Regenrinne, direkt über dem Balkon Sterns. „Das war knapp.“, stieß er nur aus und wollte wieder runterklettern, als ein merkwürdiges Knarren, Biegen und Brechen zu hören war. Erschrocken sah er die Verankerungen der Rinne an, wie sie sich langsam aus der Wand des Hauses lösten und in die Tiefe fielen. „Bitte nicht.“, stieß Ben aus und wollte höher klettern, sich auf den Balkon darüber retten, doch als er die Hand ausstreckte, brach die letzte Verankerung und der Kommissar stürzte in die Tiefe. „Ahhhhhhhhhh...“, schrie er und schloss schon mit seinem Leben ab. Doch der Zufall kam ihm zu Hilfe. Einige Minuten vorher hatte sich ein Lkw vor das Haus gestellt. Ben sauste mit der Regenrinne direkt durch dessen Dach und landete vollkommen weich und unbeschadet in einem Meer von Teddybären. Erleichtert erhob sich Ben aus seinem Landebereich und sah sich unauffällig um. „Dafür bin ich doch wirklich zu alt.“, meinte er, wollte gerade aus dem Laderaum hüpfen, als er an sein Rendezvous heute Abend mit Emily dachte. „Warum nicht.“, sagte er zu sich selbst, drehte sich um und schnappte sich einen seiner plüschigen Retter. Dann verschwand er zu seinem Wagen und fuhr zur PASt zurück. Im Moment konnte er nur herausfinden, wo Florian Stern arbeitete. Danach würde er zu Hartmut fahren und sich eine dieser kleinen Mini-Wanzen und einen Peilsender borgen, von denen der rothaarige Techniker ihm immer so vorschwärmte, wenn er dazu kam, und wo Ben nur verächtlich die Augen verdrehte. Doch dieses Mal, so hoffte er, würden sie ihm gute Dienste leisten.


    Semir und Andrea packten ihre Sachen aus, während Aida aus ihrem kleinen Köfferchen die Sachen nahm und an ihren Papa weiter reichte. Dieser lächelte erfreut und als alles verstaut waren, ging die Familie nach unten zur Rezeption, um sich vollständig anzumelden. Franzi stand hinter dem Tresen und wartete schon auf die Familie. „So Familie Gerkhan, hier habe ich erstmal die Scheine für die Kurtaxe. Diese sollten sie immer bei sich tragen. Auch, wenn sie nur am Strand entlang spazieren.“, erklärte sie. Semir nickte und steckte die Scheine in seine Tasche. „Okay, dann gebe ich ihnen noch einen Stadtplan mit und ein Programmheft über die verschiedenen Angebote in unserer Stadt.“

  • Semir und Andrea warfen einen kurzen Blick rein, während Aida mehr Interesse für das große Zottelfell von Oskar zeigte, der faul auf der Türschwelle lag und seinen Mittagsschlaf hielt. „Gut, dann werden wir erstmal einen Strandspaziergang unternehmen und uns die Stadt ansehen.“, schlug Semir vor. Andrea nickte nur zustimmend und so gingen sie mit Aida einige Schritte, bis Semir merkte, dass er die Kamera oben im Zimmer vergessen hatte. „Semir, langsam wirst du vergesslich.“, lachte Andrea und gab ihm den Zimmerschlüssel. Schnell sprintete der Mann zurück ins Hotel, über den schlafenden Hund hinweg und die Treppen hoch. Mit wenigen Handgriffen hatte er die Kamera gefunden und sprintete dann die Treppen wieder runter. In der Eingangshalle fiel sein Blick auf eine kleine Nische, in der sich Franzi mit einem jungen Mann befand. Beide küssten sich und liebkosten ihre Gesichter mit den Händen. Grinsend über das Verliebt sein junger Leute ging Semir mit der Kamera in der Hand zu seiner eigenen Familie und unternahm wie geplant den Ausflug zum Strand hinunter.


    „Semir, das ist sooo herrlich hier.“, schwärmte Andrea, als sie den weißen Strand entlang gingen und das Rauschen der Ostsee ihre Ohren umschwärmte. „Ja, das ist es wirklich.“, entgegnete er und sah auf die nie still stehende See hinaus. Aida jagte inzwischen den am Strand auf Brot hoffenden Möwen hinterher und trieb sie immer wieder auseinander. Das kleine Mädchen hatte dabei einen riesigen Spaß. Semir nahm alles mit der kleinen Kamera auf. Wie gut, dass Andrea ihn daran erinnert hatte, dachte er und schwenkte das Aufnahmegerät von Aida zu seiner Frau, die mit einem Lächeln in die Kamera sah, und dann weiter auf die in die Ostsee ragende Seebrücke, auf der sich ein Restaurant direkt über der Ostsee befand. „Wollen wir heute da essen?“, fragte Andrea und zeigte auf das eben aufgenommene Restaurant. „Warum nicht, nur sollten wir heute vielleicht nicht erstmal in unserem Hotel essen? Das Ding da läuft uns ja nicht weg.“, meinte er und zog seine Frau dicht an sich. „Hmm, du hast Recht. Komm, gehen wir ein lecker Eis essen.“, schlug sie vor. „Au ja.“, grinste Semir nur.


    ...

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  • Nachdem die Familie das Eis genossen hatte, gingen sie die Strandpromenade entlang. „Papa, schau mal...“, gluckste Aida plötzlich und zog ihren Papa zu einer kleinen Gruppe Zirkusleute, die mit einigen Tieren, kleinen Hunden und einem kleinen Braunbären, der einen kleinen Ball auf seiner Nase zu balancieren versuchte. Dazu spielte einer der Schausteller auf einer Violine. „Semir, nimm das mal auf.“, schlug Andrea vor. Ihr Mann nickte, wollte seiner Kamera hervorziehen, doch dann merkte er, dass er nur noch das lose Band um die Schulter hatte. „Hey, bleib stehen, du Mistkerl.“, schrie Semir, als er den Dieb in der Menge ausfindig gemacht hatte. Er erkannte den Mann. Er war es, der mit der Wirtstochter in der Ecke vorhin geschmust hatte. Mit einem Satz war Semir losgerannt und holte immer weiter auf. „Semir...“, rief seine Frau ihm nach, doch er hörte schon nicht mehr. Warum einem diese Typen im Urlaub nicht einmal in Ruhe lassen konnten, dachte der Deutschtürke und legte einen Zahn zu. Mehr und mehr holte er auf, dann schlug der Junge jedoch einen Haken, doch für einen alten Hasen wie Semir war das Manöver mehr als voraussehbar. Er sprintete über den Rasen und kam dem jungen Mann gefährlich nahe. „Komm her, du...“, stieß er aus, bekam aber nur die Kamera zu fassen. Lieder fiel er dabei auch auf den Rasen, die Kamera hielt er jedoch hoch. „Ich krieg dich schon.“, rief Semir ihm nach, als er sich wieder aufgerappelt hatte. Prüfend sah er an sich hinunter. Die Jeans war am linken Knie aufgerissen und eine leichte Blutung war zu erkennen. „Und das alles wegen einer Kamera.“, meinte er erschöpft und kehrte zu Andrea zurück. „Sag nur, du hast ihn erwischt?“, wollte sie wissen. Ihr Mann schüttelte den Kopf. „Aber ich habe die Kamera zurückbekommen.“, entgegnete er und hielt das kleine Aufnahmegerät in die Höhe. „Wow Semir, ich bin stolz auf dich.“, lächelte sie und küsste ihren Helden. „Papa blutet.“, kam es aufgeregt von Aida. „Aber nicht schlimm...“, lächelte er und strich seiner Tochter über den Kopf.


    Ronald rannte die Bergstraße runter und wagte es nicht, sich umzublicken. Dieser verdammte Tourist...warum musste er auch nur hinter ihm herrennen? Dabei wollte er nur diese Kamera. Er brauchte das eigentlich nicht, aber er war wie eine Elster... wenn er was glitzerndes sah, musste er es haben. Und diese Kamera war mehr als silberfarben und damit glitzerte sie so wunderbar in der Sonne. Er musste vorerst von hier weg. Und dazu brauchte er Geld. Viel Geld. Wieso bat er nicht Franzi darum? Nein, das konnte er nicht. Das durfte er nicht. Franzi war die erste Frau, die seine „Krankheit“ so akzeptierte und ihn liebte. Sie war es auch, die versuchte, seine „Krankheit“ zu bekämpfen, indem sie die gestohlenen Gegenstände immer wieder unauffällig zurückbrachte.

  • Dennoch musste er weg von hier. In seinem Versteck hatte er noch etwas Geld. Das durfte für ein Ticket nach Hamburg oder Berlin reichen. Dort konnte er weitermachen. Die Touristen dort waren wesentlich einfacher zu handhaben und nicht so wehrhaft wie die Nordlichter. Langsam beruhigten sich seine Schritte wieder und er sah sich das erste Mal um. Keiner folgte ihm mehr. Tief atmete er durch und nahm sein Handy hervor. Er tippte eine ihm bekannte Nummer. „Hey Süße... hör zu, ich... ich muss für eine Zeit verschwinden...Bitte, sag jetzt nichts. Ich werde sobald wie mir möglich ist, zurückkommen. Sei bitte nicht traurig.“, meinte Ronald in Kurzform und legte, ohne Widerworte abzuwarten, auf. Der Junge schaltete es aus, steckte es in seine Tasche zurück und kehrte zu seinem Versteck zurück. Mit wenigen Handgriffen hatte er die kleine Porzellankachel an der Wand gelöst, hinter der sich ein Hohlraum befand. Plötzlich hörte er ein Geräusch und drehte sich erschrocken um. „Du?“, stieß er aus und sah dann das große Fleischerbeil in der Hand. „Nein...tu das nicht...bitte...“, flehte er. Doch im nächsten Moment wurde ihm mit der Küchenaxt der Schädel gespalten. Das Blut spritzte durch den kleinen Raum und zurück blieb eine Leiche mit eingeschlagenem Kopf, nachdem die Person die kleine Kammer verlassen hatte.


    „Herr Jäger, das war eine der dümmsten Aktionen, die sie sich geleistet haben.“, fauchte Kim, als Ben ihr einen Bericht gab. „Ich konnte doch nicht ahnen, dass er so schnell wieder zurückkommt.“, zischte er nur. „Was haben sie sich dabei nur gedacht, Ben? Er wird doch nicht die Beute in all den Jahren bei sich tragen“, knurrte Kim. „Ich dachte mir nur, ich könnte einen Hinweis in der Wohnung finden.“, entgegnete Ben. „Und? Das haben sie aber nicht.“, kam es vorwurfsvoll von der Chefin zurück. „Er war auch nicht so freundlich, anzukündigen, dass er zurückkommen würde.“, entgegnete Ben bissig. „Na schön... was haben sie jetzt vor?“ „Ich werde zu Hartmut fahren, mir eine Wanze holen und die in der Wohnung deponieren. Dazu eine kleine Kamera, damit ich weiß, was er macht.“, erklärte Ben. Kim konnte dem Plan nichts gutes abgewinnen. „Ben, das halte ich für keine gute Idee...was, wenn er mitkriegt, dass wir ihn beobachten?“, kam es nachdenklich von Kim. „Keine Sorge, ich werde aufpassen.“, versicherte Ben. „So wie heute? Hören sie, ich habe keine Lust, Herrn Gerkhan zu erklären, dass er sich aufgrund der Leichtsinnigkeit seines Partners einen neuen Kollegen suchen muss.“, knurrte Kim und Ben nickte. „Das will ich auch nicht.“, kam es leise von Ben. „Also, dann nehmen sie sich das nächste Mal Herzberger oder Bonrath mit. So haben sie wenigstens eine Sicherheit, dass sie noch auf normalem Wege aus der Wohnung rauskommen.“, erklärte Kim und entließ damit ihren Kommissar aus der Besprechung.


    ..

  • Tief durchatmend nahm Ben den Teddy, den er vom Lkw hat mitgehen lassen, und ging durch das Großraumbüro zu seinem Wagen. Von Susanne hatte er sich die Adresse der derzeitigen Arbeitsstelle Florian Sterns raussuchen lassen. Dennoch wollte er erst zu Hartmut fahren und die Technik holen, die er brauchte und dann konnte er endlich Feierabend machen. Seine Emily wartete doch auf ihn. Mit seinem Mercedes rauschte er über die Autobahn, der KTU entgegen. Die Uhr zeigte ihm an, dass er sich beeilen musste. Hartmut war für seinen pünktlichen Feierabend bekannt, stand keine große Analyse an. Und im Moment war in den einzelnen Dienstbereichen nichts großartiges von Bedeutung los. „Komm schon, fahr da weg.“, schnauzte Ben einen Tanklaster an, der auf der linken Spur einen anderen Lkw überholte. Mit Lichthupe schaffte er es schließlich, sich an diesem Koloss vorbei zu schmuggeln. Kurze Zeit später erreichte er das Gelände der KTU. „Hartmut, wo bist du?“, rief Ben mit lauter Stimme durch sämtliche Räume. Doch aus keiner Nische eine Antwort. Weder in den Büros noch in den Laboren war Hartmut zu finden. Bleibt nur noch die Werkstatt, dachte sich Ben und ging die entsprechende Treppe hinunter.


    „Ah, hier bist du endlich.“, stieß er aus und sah, dass der Rotschopf über seiner Lucy gebeugt war und an dem Fahrzeug bastelte. Hartmut sah auf, nahm die Schutzbrille und die Ohrenschützer ab. „Ben? Was machst du denn hier?“, wollte der KTU-Techniker wissen. „Ich brauch dich und deinen Technikverstand und das sofort.“, erzählter der Jungkommissar knapp, zog Hartmut von seiner Lucy weg. „Was kann ich denn für dich tun?“, fragte er Ben mit zurückhaltender Freundlichkeit. „Ich brauch von dir eine dieser kleinen Mikrofone, wo ich wirklich alles höre und dann noch eine dieser Minikameras.“, erklärte Ben knapp. „Wofür?“, kam die nächste Frage von Hartmut und sein Blick verriet Ben, dass er sich große Sorgen um seine technischen Spielereien machte. „Keine Sorge, du kriegst sie ja wieder.“, versicherte der Jungkommissar. „Fragt sich nur in welchem Zustand.“, grummelte der Techniker. „Hartmut, sieh es doch mal so... Was für James Bond Q ist, das bist du für Semir und mich.“, versuchte es Ben und legte seinen Arm freundschaftlich auf die Schultern von Hartmut. Doch der lachte nur verächtlich auf. „Bond hat die Sachen auch immer in einem anderen Zustand zurückgebracht, als er sie bekommen hatte. Also schön, aber du quittierst mir die Ausgabe.“ „Klar doch...“, versicherte Ben. Nach wenigen Minuten hatte Hartmut Ben die Sachen rausgesucht und in die Hände gelegt. „So, dann unterschreib mal hier.“, forderte der Techniker. „Äh Sorry, gerade ganz schlecht...hab momentan keine Hand frei.“, grinste Ben. „Ein anderes Mal, Hartmut.“ „Ey Ben...Moment... Ben...so geht das nicht.“, versuchte der Rotschopf noch hinterher zu rufen, doch da war Ben schon aus der KTU verschwunden. Und wieder hatte er sich an der Nase herumführen lassen. „Wenigstens kann ich mich jetzt wieder Lucy widmen.“, murrte er nur und ging zu seinem heißgeliebten Auto zurück.

  • „Papa, ich möchte auch so einen Teddy haben.“, kam es von Aida, als die Familie vor einem Spielwarengeschäft mit großen Stofftieren im Schaufenster stand. Mit ihren großen Augen klebte sie förmlich an der Fensterscheibe und lugte hinein. Semir sah grinsend zu Andrea. „Wieso nicht... es ist ja schließlich Urlaub.“, meinte sie und alle Drei gingen in den kleinen, gemütlich aussehenden Laden hinein. „Hallo...“, begrüßte die freundliche, alte Dame die Familie. „Hallo...wir möchten gerne einen Teddy kaufen.“, gab Semir bekannt und beugte sich dann zu seiner Tochter hinunter. „So Aida, aber nur einen Teddy, okay...“, meinte Semir streng, aber freundlich. Seine Prinzessin nickte voller Freude und stürzte sich gleich ins Getümmel. Die Regale, die an der Wand entlang liefen, waren voller Stofftiere der unterschiedlichsten Art und Größe. „Such dir eines aus, Kleine...“, meinte die Verkäuferin und ging hinter der kleinen Maus her, um ihr, wenn notwendig, zu helfen. Semir ging hinter der Verkäuferin und passte wie ein Luchs auf, obwohl er seinen kriminalistischen Spürsinn hier getrost abschalten konnte. „Den da...“, kam es von Aida und die kleine Prinzessin zeigte auf einen großen Stofflöwen. „Oh, eine sehr gute Wahl.“, meinte die Frau, nahm den kleinen Tritt, der neben dem Regal stand, und holte das Tier aus dem Regal heraus. „Dann gib ihm mal ein gutes Zuhause.“, lächelte die Dame und reichte dem kleinen Mädchen den großen Löwen, der gerade mal knapp unter den Arm von Aida passte. Stolz knipste Semir ein Foto seiner Tochter mit der neuen Errungenschaft und zog dann sein Portemonnaie hervor. „Das macht dann genau... 59,95 Euro.“, meinte die Dame. An seiner eigenen Spucke verschluckend, sah Semir mit großen Augen auf. Dann aber erblickte er die strahlenden Kinderaugen seiner Tochter. Zu seiner Frau brauchte er gar nicht mehr gucken. „Hier bitte...“, meinte er knirschend und bezahlte. „Viel Freude damit.“, lächelte die Verkäuferin. „Den werden wir haben.“, knurrte Semir nur, als sie das Geschäft verließen.


    ...

  • „Das war ein herrlicher Tag.“, schwärmte Andrea und hakte sich bei ihrem Mann unter. „Bis auf die Störung auf der Promenade...ja.“, grinste Semir und küsste seine Frau auf die Wange. „Ich bin auch glücklich.“, kam es fröhlich von Aida und stolz hielt sie ihren Stofflöwen in die Luft. „Komm her, meine Prinzessin.“, lächelte Semir und hob seine Tochter samt dem Stofftier hoch, drückte ihr einen dicken Kuss auf die Wange. Das Mädchen kicherte und erwiderte den großen Schmatzer auf die von Bartstoppeln kratzende Wange ihres Papas. Andrea nahm die Kamera und bat die Beiden, dass sie sich zu ihr umdrehten. Mit einem kurzen Klick war das Idyll eingefangen und für die Nachwelt festgehalten. „Kommt, jetzt lade ich meine Frauen zu einem leckeren, großen Eis ein.“, schlug er vor und fand sofort die Zustimmung von Beiden. „Oh ja... sieh mal Semir, da drüben das Café sieht doch nett aus.“, meinte Andrea und deutete auf ein kleines Eckcafé, direkt an der Promenade. Eine Treppe führte auf eine erhöhte Terrasse, von der man gemütlich auf die Ostsee hinausblicken konnte. Zum Glück der kleinen Familie wurde gerade ein Tisch am schmiedeeisernen Zaun der Terrasse frei, sodass sie den wirklich schönen Blick auf das Meer genießen konnten. „Hallo, was darf ich ihnen bringen?“, wollte der junge Kellner wissen, der gerade mit seinem Tablett ankam und die von den vorherigen Gästen zurückgebliebenen Gläsern abräumte. Semir bestellte für sich einen großen Becher Schokoladeneis, Andrea für sich einen Latte Macchiato und einen Fruchttraum und Aida bekam einen Micky-Maus-Eisbecher. Der Mann, offensichtlich ein Schüler, der sich in den Ferien mit einem Nebenjob etwas dazu verdiente, nahm freundlich und zuvorkommend die Bestellung auf, brachte außerdem noch einen kleinen Becher Schlagsahne. „Auf Kosten des Hauses.“, meinte er lächelnd. Semir bedankte sich freundlich und machte sich, wie seine beiden Damen, über das Eis her.

  • Die Familie ging es zurück zum Hotel. „Oh Semir...das war wunderschön heute.“, gurrte Andrea und stieg mit Aida die Stufen hoch. „Das stimmt. Geht schon einmal vor. Ich will mir mal die Prospekte in der Auslage ansehen. Mal sehen, was wir morgen unternehmen können.“, lächelte er und reichte seiner Frau den Schlüssel hinauf. „Bis gleich.“ Während Andrea und Aida auf ihr Zimmer gingen, machte sich Semir auf, um sich die Prospekte anzusehen, die einige Meter weiter in den Regalen lagen. „Hm, große Auswahl...“, staunte er. Vom Reitausflug bis zum Erklimmen der Steilwand oder dem ganztägigen Dampferausflug auf die Ostsee war alles vertreten. Semir nahm von jedem etwas mit und wollte gerade wieder zur Treppe zurückkehren, als er plötzlich in eine Blutlache trat, die unter einer Tür hervorquoll. „Was ist das denn?“, stieß er aus und drückte vorsichtig mit seinem Ellenbogen die Klinke herunter. Langsam schwang die Tür auf und ein Bild vollkommenes Entsetzen bot sich dem Hauptkommissar. Die Lache des roten Lebenssaftes zog sich einige Meter weit, bis es endlich zum Vorschein kam. Eine übel zugerichtete Leiche. In Semir stiegen Übelkeitsanfälle und Brechreize hoch, wie er sie nur vom ersten Tag seiner Polizeilaufbahn kannte, als er das erste Mal eine Leiche gesehen hatte. Hier zu überprüfen, ob noch ein Puls spürbar war, schien ihm überflüssig zu sein. Vorsichtig wich er aus dem Raum zurück und musste erstmal an die frische Luft. Tief durchatmend sog er förmlich die leicht salzige Seeluft in seine Lungen ein, ließ sie im ganzen Körper zirkulieren und stieß sie dann wieder langsam aus. Als er wieder zurückgehen wollte und mit seinem Handy die Polizei zu rufen, vernahm er einen grellen Schrei.
    Sofort stürzte Semir die Stufen hoch, war im Nu an der Tür, die er geöffnet hatte und sah dann Franzi im Blut knien, die Hände vor das mit Entsetzen verzerrte Gesicht geschlagen. Sie schrie stumm. Der Deutschtürke wagte sich auf sie zu, legte vorsichtig seine Hand auf ihre Schulter. Die Berührung muss sie aus der Trance gerissen haben, denn sie schnellte hoch, wollte nach Semir schlagen, doch er wusste, dass es eine vorrübergehende Reaktion war. Gekonnt fing er sie ein. „Franzi...Franzi, ganz ruhig bleiben...“, redete er auf sie ein. Langsam beruhigte sich das Mädchen und schmiegte sich zitternd an die Schultern des Mannes. Schluchzend klammerte sie sich an den Körper und suchte die beruhigende Wärme. „Franzi, wir müssen die Polizei rufen...Wo ist euer Telefon?“, wollte Semir wissen, nachdem er sich von der jungen Frau gelöst und sie auf einen Schemel abgesetzt hatte. Zitternd deuteten ihre Finger in Richtung des Tresens. Schnell, aber sich immer vergewissernd, dass das Mädchen aufrecht sitzen blieb, ging der Polizist zum Tresen, nahm den Hörer und tat den routinierten Griff auf dem Tastenfeld für den Notruf.


    ...

  • Sicher, dass Florian Stern noch auf seiner Arbeit war, ging Ben wieder zur Wohnung von dem zu Überwachenden zurück. Dieses Mal war er sich sicher, dass ihn keine unerwarteten Überraschungen dazwischen kamen. „Dieter...siehst du ihn?“, fragte Ben in sein kleines Mikro. „Nee, die Straße ist sauber...du hast freie Bahn.“, erklärte der unten im Auto wartende und auf Spionageposten sitzende Streifenpolizist in zivil. „Okay...ich befestige jetzt das Mikro und stelle die Kamera auf.“, gab Ben bekannt und suchte in der kargen Wohnungseinrichtung nach dem passenden Versteck. Hmm, das Mikro am Besten unter dem Tisch, dachte er, hob den kleinen Couchtisch an und platzierte den kleinen hemdsknopfgroßen Apparat in der Mitte der unteren Platte. Mit vorsichtiger Präzision stellte er den Tisch wieder in die Abdrücke, die er im Teppich hinterlassen hatte. Nur noch die Kamera, dachte Ben und sah sich um. Das Ding war kaum größer, als sein Autoschlüssel. „Ben...Gefahr im Anflug...er steigt gerade aus dem Bus.“, stieß Dieter ins Mikro aus. Shit, dachte Ben, suchte sich schnell ein Bücherregal, packte die schmale Kamera zwischen zwei Büchern und überprüfte, ob sie auch wirklich auf die Couch gerichtet war. „Ben, schnell. Er ist schon im Hausflur.“, kam es wieder warnend von Dieter. Ben sah zu, dass er alles so zurückließ, wie er es vorgefunden hatte.


    Schnell schnappte er sich seine Schuhe, die er am Eingang vorsorglich ausgezogen hatte und wollte gerade die Stufen hinunter, als er den drohenden Schatten seines Beobachtungsobjekts sah. Geistesgegenwärtig machte er kehrt und rannte lautlos nach oben. Während er auf halber Treppe wartete, zog er sich wieder seine Schuhe an. Wieso fand er denn nie zwei gleichfarbene Socken, dachte er nur. Na wenigstens hat das hier kein Loch, grinste er in Gedanken und hörte dann, wie die Tür ins Schloss fiel. „Ben...Ben, bist du da? Sag doch was, Junge?“, kam es fordernd und besorgt von Dieter. „Ja, ich bin okay... alles erledigt.“, meldete sich der Jungkommissar endlich und schlenderte die Stufen hinunter, ließ sich neben Dieter auf den Beifahrersitz fallen und grinste breit. „Man, du hast mir einen Schrecken eingejagt. Ich dachte schon, er hat dich entdeckt.“, meinte der hochgewachsene Polizeibeamte. „Hey, gelernt ist halt gelernt. Jetzt wollen wir doch mal sehen, ob das Mikro auch klappt.“, meinte Ben und schaltete den Transistor ein.

  • Florian Stern kam in seine Wohnung, ließ die Tasche fallen und ging, nachdem er sich die Schuhe abgestreift hatte, in sein kleines Wohnzimmer. „Jetzt erstmal einen gepflegten Kaffee.“, meinte er zu sich selbst, ging in die kleine, nur durch einen Tresen vom Rest der Wohnung getrennte Küche und stellte die Maschine an. Dann nahm er aus einem kleinen Regal eine Rolle heraus, zog den Deckel auf und förderte eine Landkarte zutage. Hier hatte er die Stelle markiert, wo er seine Beute versteckt hatte. Damals war er noch so clever gewesen und hatte ein GPS-Gerät benutzt, sich die Koordinaten aufgeschrieben und das Gerät dann vernichtet, ehe die Polizei ihn finden konnte. Danach hatte er jedoch nicht mehr so viel Glück. Nachdem er die Beute versteckt hatte, wurde er von der Bahnhofspolizei aufgegriffen und von denen verhaftet. Wie gut, dass er einen findigen Rechtsanwalt sich besorgt hatte, der ihn aus dem Gröbsten rausholte. Schon ein windiger Fuchs, dieser Mann. Und dafür hatte er ihm zwanzig Prozent seiner Beute versprechen müssen. Doch, das würde sich auch irgendwie regeln lassen, dachte Stern nur und ging mit der Karte zurück in die Küche, nahm sich den Kaffee und setzte sich an seinen Tisch. Er schaltete die Musikanlage an und ließ die lauten Rock’n Roll-Töne an sein Ohr dringen.


    ...

  • Ben und Dieter hörten die Musik aus dem Mikro dringen. „Okay, das Ding funktioniert.“, knirschte Dieter und hielt sich das linke Ohr zu. Ben grinste. „Was hast du gegen diese Musik?“, wollte der Jungkommissar wissen und sah seinen vorrübergehenden Partner an. „Das ist was für deine Generation...nicht für meine.“, erwiderte er lächelnd und startete den Motor. „Wohin jetzt?“, wollte er wissen. Ben grinste. „Du wirst hier weiterhin auf Horchposten bleiben und ich...ich fahren jetzt nach Hause.“, erwiderte der Kommissar nur und stieg aus. „Ben...das ist jetzt nicht dein Ernst oder?“, fragte Dieter Ben hinterher rufend, doch dieser winkte nur und ging einfach weiter. Er hatte ein Rendezvous mit seiner Emily und wollte das um keinen Fall verpassen. An der Ecke nahm er ein Taxi, fuhr zur PASt zurück und stieg in seinen Wagen, bevor er dann zu einem nahegelegenen Blumenladen fuhr und einen großen Strauß Nelken kaufte. Mit flinken Schritten erklomm er die Treppe zur Wohnung seiner Angebeteten, die Blumen hinter seinem Rücken haltend. Ben klingelte und wartete kurz. Schon im nächsten Moment hörte er das Gebell von Angus, dem schwarzen Riesenschnauzer seiner Freundin, hinter der Tür. „Angus, geh auf deinen Platz.“, hörte Ben die Stimme seiner Freundin. Kurz darauf wurde die Tür geöffnet und das wunderbare Antlitz von Emily erschien im Türrahmen. „Oh Ben, du bist es...“, kam es erstaunt von ihr und ehe sie fortfahren konnte, hatte ihr Freund auch schon die Blumen hinter seinem Rücken hervorgezaubert. „Sind die für mich? Die sind ja wunderschön.“, gestand sie, nahm sie an sich und gab die Tür frei. Gerade wollte Ben eintreten, als auch schon die wedelnde Rute von Angus und dessen ganzer Prachtkörper hinter seiner Herrin erschien, Ben mit großen Augen ansah und begeistert an dem Kommissar hochspringen wollte. „Angus, aus...“, kam es nur energisch von Emily und schon verzog sich der Hund in seinen Korb. „Komm, ich habe gerade was gekocht.“, meinte die Engländerin und führte ihren Freund an der Hand in die Küche.
    Ben wurde von seiner Freundin auf einen Stuhl gesetzt und sah die aufgetischten Speisen mit einem tropfenden Zahn an. Vor ihm stand ein typisch englisch zubereitetes Roastbeef, angerichtet mit gerösteten Kartoffeln, in Fett geschwenkten Möhrenscheibchen und dazu der typisch englische Yorkshire Pudding. Der Tisch war aber noch mit anderen Speisen gefüllt: Schottische Eier, Eier, die, von einer Fleischmasse umhüllt, frittiert wurden, gebackene Bohnen auf Toast, britischer Käse und das typische Fish and Chips. „Wollen wir das alles essen?“, fragte Ben lachend, doch Emily lachte nur zurück. „Das ist das typisch englische Abendessen. Wir nehmen immer von jedem etwas, wie von einem Buffet.“, erklärte sie. Ihr süßer Akzent verzauberte Ben sofort und war wohlklingende Musik in seinen Ohren.

  • Er nickte nur, rieb sich die Hände und griff nach dem Besteck. Emily lächelte, als ihr Freund sich die erste Portion des Roastbeefs auftat und einen abgeschnittenen Streifen in den Mund führte. „Boah, ist das lecker.“, stieß er aus und aß immer weiter. Auch Emily machte sich über das frisch zubereitete Essen her und beobachtete dabei immer wieder Ben. Grinsend schob sie sich die nächste Gabel in den Mund. Gute dreißig Minuten später lehnte sich Ben im Stuhl zurück, streckte seinen prall gefüllten Bauch vor und klopfte sich kurz drauf. „Man, das war lecker.“, stieß er aus und lächelte seiner Freundin liebevoll zu. „Du bist die beste Köchin. Ich liebe dich.“, gurrte er und nahm vorsichtig ihre Hand. „Weißt du eigentlich, dass du wunderschön bist?“, wollte er wissen und guckte ihr verliebt in die Augen. Sie zog die Mundwinkel hoch und strich Ben über die Handfläche. „Komm, ich habe ein Dessert für uns...im Bett.“, lachte sie und zog ihren Freund vom Stuhl hoch. „Ohhhh...“, machte Ben nur verliebt und ging mit Emily mit. Beide verschwanden im Schlafzimmer und liebten sich heiß und innig.


    Blaulicht und Sirene ertönten in der Schlucht der Straße und erhellten die Häuserwände, die sich schon in das abendliche Ostseerot getaucht hatten. Drei weiß-grüne Streifenwagen und zwei silberne Zivilfahrzeuge mit aufgesetzten Blaulichtern bogen um die Ecken der engen Straßenzüge. Nach wenigen Augenblicken bremsten sie vor dem Hotel mit der Treppenterrasse. Sofort stellte sich an die Türen die Polizeiposten und die restlichen Beamten, die Kommissare und die Spurensicherungstechniker gingen mit ihren Koffern und Gerätschaften durch den Eingang und folgten den Kommissaren zu einer offenen Tür, wo sich schon das Blut ihnen als Wegweiser anbot. „Okay, beginnt schon mal mit der Untersuchung. Ich nehme mir jetzt erstmal die Zeugen vor.“, meinte der ermittelnde Beamte und zog einen Kaugummi aus seiner Jackettbrusttasche, wickelte ihn aus dem Papier und ließ ihn, indem er ihn auf seine Zunge legte, diese einrollte und zurückzog, in seinen Mund verschwinden. „Okay, wer hat denn die Leiche gefunden?“, wollte er in die Runde wissen, stemmte seine Arme in die Hüften und sah sich suchend um. Viele Leute standen in den angrenzenden Türen zur Lobby und dem an diesen Raum angrenzenden Saal des Restaurants. Man sah dem Kommissar an, dass er sich in Gedanken seinen ersten Zeugen ausmalte. Es schien ihn zu beschäftigen, was ihm der Mann oder die Frau erzählen würde, wie zuverlässig diese Aussagen waren und was man davon eventuell brauchen könnte. Ließe sich von der Aussage der Tathergang oder, im optimalsten Fall, die Tatzeit eingrenzen? Hatte der Zeuge den Täter gesehen oder womöglich, konnte er ihn genau beschreiben? „Ich...ich fand die Leiche.“, hörte er plötzlich eine Stimme


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