Plan B

  • Hey Leute,
    da ich leider in letzter Zeit seeehr viel in der Schule zu tun hatte, hatte ich lange keine Zeit mehr Geschichten zu schreiben oder hier reinzugucken...
    Jetzt bin ich aber endlich fertig mit einer neuen Story =) Sie ist nicht besonders lang, aber ich muss erst wieder ins Schreiben reinkommen.
    Bei dieser hier bin ich mal etwas näher auf eine Person eingegangen die ihr alle kennt (oh Wunder! =D), die aber sonst in den meisten Geschichten und auch Folgen eher im Hintergrund agiert. Natürlich geht es aber auch um Ben und Semir! Also keine Sorge...


    Ich werde versuchen regelmäßig zu posten wenn ihr wollt.
    Würde mich natürlich über Rückmeldungen und über Kritik freuen =)
    Also lange Rede, kurzer Sinn: einen tollen Staffelstart morgen und viel Spaß beim Lesen...





    Plan B






    Prolog



    Eine einsame Träne rann ihr übers Gesicht. Erschrocken
    wischte sie sie an ihrer Schulter weg. Nein. Sie würde jetzt nicht die Nerven
    verlieren. Sie war immer so darauf bedacht gewesen ihre Gefühle zu verstecken
    und sich nicht von Emotionen leiten zu lassen. Sie hätte es sonst nie so weit
    geschafft in ihrem Beruf.


    Doch jetzt hatte sie keinerlei Kontrolle mehr über das was
    passierte. Sie war ihren Entführern ausgeliefert und auf die Hilfe ihres Vaters
    angewiesen. Das wurde ihr nun schmerzlich bewusst. Und was sollte schon sein
    wenn ihr Vater Ben und Semir einschaltete? Würde die sich nach dem gestrigen
    Tag wirklich ein Bein ausreißen um ihr zu helfen. Nun kamen doch die Tränen. Es
    war dumm von ihr gewesen sie so von oben herab zu behandeln.


    Sie wehrte sich nicht mehr gegen die Tränen sondern ließ
    ihnen freien Lauf. Es war ein befreiendes Gefühl. Sie schluchzte und spürte wie
    ihre Wimperntusche verlief als sie blinzelte. Es kümmerte sie nicht.




  • Kapitel 1




    „Ich habe vor dem Polizeipräsidenten lange genug meinen Kopf
    für sie hingehalten. Und deshalb werde ich ihren neuen Dienstwagen solange hier
    behalten bis sie lernen endlich etwas Verantwortung zu übernehmen.“


    Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen ließ sie vor den
    Augen von Semir und Ben die Schlüssel
    ihrer neuen Dienstwagen in die Schublade ihres Schreibtisches fallen.
    Mit Genugtuung registrierte sie den sehnsüchtigen Blick den die Beiden den
    Schlüsseln hinterher warfen bevor sie ihre Schreibtischschublade schloss.


    „Aber Frau Krüger, diesmal war es wirklich nicht unsere
    Schuld!“, beteuerte Semir und auch Ben setzte seinen Hundeblick auf.


    „Es tut uns wirklich leid.“


    Doch auch Bens Entschuldigung konnte Kim Krüger nicht
    friedlich stimmen.


    „Semir, sie sollten sich wirklich eine neue Entschuldigung
    überlegen und sie brauchen gar nicht so zu gucken Jäger. Es tut ihnen nicht
    leid, sie bereuen nichts. So wie immer. Aber das wird sich bald schon ändern,
    glauben sie mir!“


    „Aber…“


    „Nichts aber Semir! Und jetzt gehen sie mir aus den Augen!“


    Geknickt und niedergeschlagen verließen die Beiden das Büro. Es hatte keinen
    Sinn mit Kim weiter über Recht und Unrecht zu diskutieren, das war ihnen klar.
    Sie hatte diesen Montag besonders schlechte Laune und hatte den wütenden Anruf des Polizeipräsidenten am Nachmittag
    nicht gut vertragen. Zum Glück war bald Feierabend. Und morgen sah die Welt
    hoffentlich schon wieder anders aus.





    ***





    Als die Tür zu ihrem Büro geschlossen war schloss Kim für
    einen Moment erschöpft die Augen. Sie stützte den Kopf mit ihren Händen und
    begann mit den Zeigefingern ihre Schläfen zu massieren. Das Pochen in ihrem
    Kopf war schlimmer geworden.



    Vielleicht war sie doch zu streng mit Ben und Semir gewesen.
    Sie hatten ja nicht ahnen können, dass in dem gestohlenen Wagen ein
    Fünfzehnjähriger saß, der keinerlei Führerscheinerfahrung hatte. Was lag da
    näher als dass er auf der nassen Fahrbahn die Kontrolle verlor? Das dies eine
    Massenkarambolage mit sich zog war einfach Pech gewesen. Schon so oft hatte sie
    den Beiden angedroht dass ihr Handeln Konsequenzen hatte. Fast nie hatte sie es
    durchgezogen. Sie würde die Beiden nicht ändern können. Das hatte auch ihre
    Vorgängerin nicht geschafft. Und um ehrlich zu sein wollte sie das auch gar
    nicht. Sie klärten mehr Fällen auf als alle anderen Polizisten zusammen. Klar
    musste sie des Öfteren streng mit ihnen sein, damit sie nicht übertrieben, aber
    dennoch, heute war sie zu weit gegangen. Sie wusste ja wie sehr sie an ihren
    Autos hingen. Sie würden sie nie mit Absicht schrottplatzreif fahren.



    Wie auch immer. Sie stand auf
    griff nach ihrem Mantel und ging aus dem Büro. Sie freute sich auf eine warme
    Badewanne und eine Aspirin wenn sie zu Hause war.


    Noch wusste sie nicht dass es dazu nie kommen würde.




    ***

  • und weiter geht's...




    Normalerweise wäre sie wahrscheinlich auf den großen
    schwarzen Jeep aufmerksam geworden, der ihr mit ausgeschalteten Scheinwerfern
    in einigem Abstand folgte. Aber sie war zu müde und zu erschöpft um ihn
    wirklich wahrzunehmen. Sie stellte den Motor ab, stieg aus und betätigte die
    Zentralverrigelung. Ein Piepsen und das
    kurze Aufblinken der Scheinwerfer verriet ihr das der Wagen verschlossen war.
    Für einen kurzen Moment blieb sie stehen und atmete die frische Herbstluft ein.
    Ihre Kopfschmerzen schienen augenblicklich besser zu werden. Sie ging den
    schmalen Weg zum Haus hinauf und schloss die Haustür auf. Als sie eintrat und
    die Tür schloss umgab sie sofort die Stille. Schon oft hatte sie überlegt in
    eine kleinere Wohnung zu ziehen, aber sie hatte sich nicht von ihrem Haus
    trennen wollen. Auch wenn es ihr manchmal unheimlich war keine unmittelbare
    Nachbarschaft zu haben.



    Sie ließ den Schlüssel auf die Kommode fallen und schaltete
    das Radio ein. Sofort drangen die Töne des neuesten Radiohits an ihr Ohr. Sie
    drehte die Lautstärke höher, so konnte sie auch in der Küche noch die Musik
    hören.


    Allerdings merkte sie so nicht wie sich jemand an ihrer Tür
    zu schaffen machte und diese nach kurzer Zeit aufsprang. Zwei maskierte Männer
    schlichen durch die Tür. Das Geräusch ihrer Schritte auf dem Parkett wurde von
    der Musik übertönt.


    Kim hatte sich grade ein Glas Wasser eingegossen und ließ
    die Aspirintablette hinein fallen, als sie glaube einen Schatten an der
    Küchentür vorbeihuschen zu sehen. Sie wirbelte herum, doch es war nichts zu
    sehen. Ohne den Raum aus den Augen zu lassen tastete sie mit der rechten Hand
    nach der Fernbedienung die auf dem Küchentisch lag. Sie schaltete die Musik aus
    und lauschte. Außer dem leisen Zischen und Blubbern welches die Tablette von
    sich gab während sie sich in dem Wasser löste war nichts zu hören.


    Kims verkrampfte Schultern lockerten sich ein wenig. Sie sah
    anscheinend schon langsam Gespenster. Sie nahm das Glas und leerte es in ein
    paar Zügen. Immer noch war nicht das Geringste zu hören. Sie drehte sich um und
    wollte die Musik wieder einschalten als sie plötzlich von hinten von ein paar
    kräftigen Armen gepackt wurde. Sie stieß einen spitzen Schrei aus und ließ das
    Glas fallen. Mit einem Klirren zerschellte es auf dem marmornen Fußboden.


    Als sie herum wirbelte sah sie in das Gesicht eines
    maskierten Mannes. Er grinste und legte ihr seine linke Hand auf den Mund. Die
    Rechte hatte er immer noch in einem Schraubstockartigen Griff um ihre Taille
    gelegt.


    „Shht.“ Hörte sie eine dunkle Stimme sagen „ Wenn du schön
    brav bist passiert dir nichts.“


    Für einen Moment war sie starr vor Angst. Dann erwachte der
    Tiger in ihr. Mit aller Kraft biss sie in die Hand die immer noch über ihrem
    Mund lag. Der Mann schrie auf vor Schmerz und für eine Sekunde lockerte sich
    sein Griff. Das genügte Kim um sich loszureißen. Sie stieß ihn von sich weg und
    rannte in Richtung der Haustür.

  • Falls noch jemand ließt :pinch:








    „Das Biest hat mich gebissen!“ hörte sie ihn rufen und schon
    da hätte klar sein sollen, dass er nicht allein war. Aber für einen Moment
    hatte ihr Verstand ausgesetzt. Sie sah nur noch die Eingangstür die ihr so
    erreichbar nah vorkam.



    Tatsächlich schaffte sie es bis drei Meter vor die Tür. Dann
    riss ihr von hinten jemand die Beine weg. Sie verlor den Boden unter den Füßen
    und landete der Länge nach auf dem Fußboden. Es gelang ihr nicht mehr sich mit
    den Armen abzustützen, so schnell war alles gegangen. Ein Schmerz durchzuckte
    ihren Körper und sie spürte wie ihre Lippe aufplatzte. Für einen Moment blieb
    sie benommen liegen.



    „Schön langsam aufstehen.“ Hörte sie eine andere,
    selbstgefälligere Stimme. Sie hörte ein altbekanntes, metallisches Klicken und
    als sie den Kalten Stahl in ihrem Nacken spürte, verflüchtigte sich jeder
    weitere Fluchtgedanke.



    Langsam, wie ihr befohlen, stand sie auf und drehte sich um.
    Ein anderer Mann, größer als der zuvor, auch maskiert stand vor ihr. Eine Waffe
    auf sie gerichtet. Sie kniff wütend die Augen zusammen. Es widerstrebte ihr
    seinen Befehlen zu folgen. Nun kam auch der erste Mann aus der Küche zu ihr
    hinüber. Seine Augen funkelten wütend. Er hielt mit der rechten Hand seine
    Linke umklammert.



    „Alles klar bei dir?“, fragte der Mann der vor Kim stand
    seinen Kollegen ohne sich um zu drehen. Die Worte klangen spöttisch. Der
    Angesprochene antwortete nicht. Stattdessen zog er stumm ein paar Kabelbinder
    aus seiner Tasche.



    Als er hinter ihr war spürte Kim wie ihr Brutal die Arme auf
    den Rücken gedreht wurden. Sie verzog das Gesicht, aber sie würde keinen Laut
    machen. Diese Genugtuung wollte sie ihm nicht verschaffen. Der Mann zog die
    Kabelbinder so fest das sie tief in ihre Haut einschnitten. Dann trat er wieder
    vor sie und sah ihr wütend in die Augen. Er war fast einen Kopf größer als sie,
    aber sie sah nicht auf sondern blickte starr weiter geradeaus. Mit der rechten
    Hand griff er nach ihrem Kinn und drückte es nach oben so dass sie gezwungen
    war ihn anzusehen.



    „So hübsch und doch so dumm. Ein Jammer…“



    Er ließ ihr Kinn los und holte aus. Sein Schlag traf sie
    hart gegen die Schläfe. Noch bevor sie auf dem Boden aufschlug hatte sie
    bereits das Bewusstsein verloren.

  • danke Isa für die aufmunternden Worte =)




    Kapitel 2


    Als er eintrat hörte er wie das Telefon klingelte. Schnell spurtete er hin um den Anrufer noch zu erwischen.
    „Hallo?“ Er war etwas außer Atem als er sich meldete.
    „Ich will es wiederhaben. Alles.“ Eine kühle, empfindungslose Stimme am anderen Ende der Leitung. Sie kam ihm bekannt vor.
    „Wer ist da?“
    Ein
    spöttisches Lächeln. Dann ein Atemzug und gleich darauf ein
    genüssliches Ausatmen als würde der Mann am anderen Ende eine Zigarre
    Rauchen.
    Moment. Diese kühle Stimme. Zigarren. Da klingelte doch was.
    „Oh Gott bist du das Brezzler?“, fragte Alex Christo spöttisch.
    „Wie gesagt ich will es wiederhaben. Alles was du mir gestohlen hast.“
    Christo
    musste schmunzeln. Wie gut dass der Mann am anderen Telefon das nicht
    gesehen hatte. So konnte er nun wieder seinen ernsten Ton aufsetzten.
    „Brezzler, ich hab keine Ahnung wovon du redest.“
    „Na dann wird dir das vielleicht etwas auf die Sprünge helfen. Bringt sie her!“
    Verwirrt drückte Christo den Hörer fester an sein Ohr. Am anderen Ende der Leitung hörte er jemanden fluchen.
    „Dieses widerspenstige kleine Biest! Sie hat mich schon wieder gebissen!“
    Dann wieder Brezzlers Stimme: „Na los sag was zu deinem Papa Kleine.“
    Christo
    hätte vor Schreck fast den Hörer fallen gelassen. Er hielt die Luft an
    und presste das Telefon wieder fester ans Ohr. Seine Knie wurden weich
    und er ließ sich auf den Sessel fallen
    „Lass meine Tochter da raus,
    Erik! Das ist eine Sache zwischen dir und mir!“ Seine Stimme war kaum
    mehr als ein heißeres Flüstern.
    „Nun sag endlich was!“ Brezzlers
    Stimme wurde nun lauter und zu Christos Entsetzten hörte er das
    Entsichern einer Waffe. Zu gut kannte er dieses Geräusch. Er würde es
    unter Tausenden wiedererkennen.
    „Papa, ich bin’s.“ hörte er leise die
    Stimme seiner Tochter. Sie klang nicht ängstlich sondern eher trotzig
    und widerwillig, aber Christo kannte seine Tochter zu gut um nicht zu
    erkennen das sie Angst hatte.
    „Wenn du ihr was antust, ich schwöre bei Gott…“
    „Du hast mich bestohlen Alex. Und ich will alles wiederhaben. Ich melde mich wieder. Halt dich bereit.“
    Es
    dauerte eine Weile bis Alex registriert hatte, dass Brezzler aufgelegt
    hatte. Wie durch einen Schleier hörte er das Tuten an seinem Ohr. Seine
    Finger zitterten und das Telefon glitt ihm aus der Hand. Lautlos landete
    es auf seinem Schoß. Seine Atmung beruhigte sich nur langsam. Ein paar
    Minuten lang blickte er einfach nur mit leeren Augen geradeaus.
    Das hatte er also nun davon.
    Er würde es nicht alleine mit Erik aufnehmen können, das war ihm mehr als
    bewusst. Und in dieser Situation gab es nur zwei Menschen denen er
    glaubte vertrauen zu können. Kim tat es zumindest, hatte sie ihm bei
    einem ihrer wenigen Besuche erzählt. Und sie hatte schon immer ein gutes
    Gespür dafür gehabt.
    Langsam stand er auf und kramte in einer der Schubladen seines großen Eichenholzschrankes
    nach einem Zettel. Für den Notfall ! Stand oben in roter Schrift. Das war ein Notfall.

  • Kim hatte ihm nach ihrem letzten Zusammentreffen wortlos den Zettel in die Hand gedrückt.
    Er erinnerte sich noch genau an diesen Moment.
    An ihren warnenden Blick. Ihre warmen Hände.
    Er schüttelte die Gedanken ab.


    Unter der Überschrift standen drei Nummern. Die erste war Kims Büronummer und die
    beiden anderen Nummern zweier ihrer Mitarbeiter.
    Er wählte die erste aus und tippte sie in sein Telefon ein.


    Er zögerte einen Moment, dann drückte er die grüne Taste.


    Rufaufbau.




    ***



    „Und während du da sitzt und isst muss ich arbeiten oder was?“


    „Ich bin fertig!“, hörte Semir Ben unverständlich durch die Überreste seines Sandwichs protestieren.


    „Du könntest zumindest mal deinen Schreibtisch aufräumen wenn wir schon nichts zu tun haben!“


    „Du bist auch immer nur am meckern.“


    „Du kannst mir nicht erzählen das du da noch was findest.“


    Semir nickte in Richtung von Bens Schreibtisch, auf dem sich Mappen, Hefte,
    fertige und halbfertige Berichte und lose Blätter nur so stapelten. Die Farbe
    des Tisches war nicht mehr zu erkennen. Zwischen all den Blättern fanden nur
    noch Tastatur, Maus und Telefon platz.


    „Man du bist so ein Spießer!“


    Ben verdrehte die Augen und biss wieder in sein Brötchen.


    „Ich weiß auch nicht wie die Krüger sich das vorstellt. Es ist jetzt gleich kurz nach eins,
    sie ist immer noch nicht da und sagt uns nicht was wir machen sollen. Ich meine ohne Auto…
    Der Bericht über den Unfall gestern liegt fertig auf ihrem Tisch. Was will sie denn mehr?“


    Semir legte die Füße auf den Tisch und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Er schloss die Augen.


    „Hmm, da hast du nicht ganz Unrecht…“


    Ben nahm den letzten Bissen seines Brotes, der sogar für ihn etwas zu groß schien.
    Genau in diesem Moment Klingelte sein Handy.


    Semir schmunzelte, als er hörte wie Ben auf der Suche nach seinem Handy einige Hefte auf den Boden warf.


    „Wohl doch nicht so’n Durchblick was?“, meinte Semir belustigt ohne die Augen zu öffnen.


    Ben warf ihm einen genervten Blick zu. Er versuchte etwas zu erwidern und verschluckte an einem Krümel.
    Hustend nahm er das Gespräch an.


    „Jäger.“, meldete er sich heißer.


    „Ben…Ben Jäger?“ hörte er den Mann an der anderen Leitung unsicher fragen.


    Wieder musste Ben husten. Langsam kam er wieder zu Atem.


    „Ja... Wer ist denn da?“


    Für einen Moment war nur das Rauschen der Leitung zu hören.
    Der Mann schwieg.
    Er schien zu überlegen ob er seinen Namen wirklich preisgeben sollte.


  • „Hallo?“, fragte Ben noch einmal und war drauf und dran aufzulegen, als der Mann am anderen Ende sich doch fürs Reden entschied.


    „Ich will das nicht am Telefon besprechen. Könnten sie und… Semir Gerkhan bei mir vorbeikommen.“


    Ben stutzte als der Man seine Adresse nannte. Irgendwo her kannte er sie, aber er wusste nicht mehr woher.


    „Warum sollten wir zu ihnen kommen wenn sie uns nicht mal ihren Namen verraten oder sagen worum es geht?“


    Misstrauisch kniff Ben die Augen zusammen. Sein Beruf brachte es mit sich solchen Anrufen nicht gerade mit Vertrauen zu begegnen.
    Schon zu oft waren sie in einen Hinterhalt gelockt worden.


    „Hier ist Alex Christo, es geht um Kim. Sie wurde entführt.“


    Für einen Moment hatte es Ben die Sprache verschlagen, dann antwortete er mit belegter Stimme.


    „Wir sind in fünfzehn Minuten da.“


    Er legte auf und blickte Semir zunächst fassungslos an.


    „Die Krüger wurde entführt.“









    Kapitel 3


    Kim hatte bereits jedes Zeitgefühl verloren. Seit dem Anruf bei ihrem Vater, hatten ihre Entführer sie wieder in den kleinen Raum gesperrt.
    Sie wusste nicht wo sie war, da sie hier erst am Morgen wach geworden war. Sie musste die ganze Fahrt lang bewusstlos gewesen sein.
    Ihr Kopf schmerzte noch mehr als vorher und sie spürte das getrocknete Blut an ihrer Schläfe. Auch ihre Lippe schien angeschwollen zu sein.
    Ihre Hände hatte der kleinere Mann ihr nach ihrer letzten Bissattacke mit Handschellen auf den Rücken an ein Heizungsrohr gefesselt. Sie saßen nicht zu fest, aber auch nicht locker genug um sich befreien zu können.


    Es hatte ihr widerstrebt mit ihrem Vater zu sprechen. Sie war es nicht gewöhnt jemanden um Hilfe zu bitten. Schon gar nicht ihn. Keine Ahnung was er diesem Erik Brezzler gestohlen hatte, aber sie hasste ihn dafür. Dafür dass sie es ausbaden musste. Hoffentlich war er wenigstens klug genug die Polizei einzuschalten und dachte nicht, dass er alleine mit diesem eiskalten Mann fertig würde.
    Vielleicht war er sogar klug genug den Zettel zu gebrauchen den sie ihm geschrieben hatte. Sie hatte ihm dort die Handynummern von Ben und Semir aufgeschrieben und gesagt, dass er ihnen vertrauen könne. Misstrauisch hatte er sie angesehen. Wie immer. Sie hasste ihn dafür. Immer musste er all ihre Handlungen hinterfragen. Und manchmal hatte sie sogar das Gefühl als könne er ihre Gedanken lesen und würde geradewegs durch sie hindurch sehen. Er konnte das wie kein Anderer.


    Eine einsame Träne rann ihr übers Gesicht. Erschrocken wischte sie sie an ihrer Schulter weg. Nein. Sie würde jetzt nicht die Nerven verlieren.
    Sie war immer so darauf bedacht gewesen ihre Gefühle zu verstecken und sich nicht von Emotionen leiten zu lassen. Sie hätte es sonst nie so weit geschafft in ihrem Beruf.

  • Doch jetzt hatte sie keinerlei Kontrolle mehr über das was passierte. Sie war ihren Entführern ausgeliefert und auf die Hilfe ihres Vaters angewiesen. Das wurde ihr nun schmerzlich bewusst. Und was sollte schon sein wenn ihr Vater Ben und Semir einschaltete? Würde die sich nach dem gestrigen Tag wirklich ein Bein ausreißen um ihr zu helfen. Nun kamen doch die Tränen. Es war dumm von ihr gewesen sie so von oben herab zu behandeln.
    Sie wehrte sich nicht mehr gegen die Tränen sondern ließ ihnen freien Lauf. Es war ein befreiendes Gefühl. Sie schluchzte und spürte wie ihre Wimperntusche verlief als sie blinzelte. Es kümmerte sie nicht.



    ***


    „Ben sieh es ein. Der Plan ist idiotisch!“


    Semir sah Ben nachdenklich an. Sie saßen zusammen mit Christo an dessen Küchentisch und grübelten schon seit geraumer Zeit wie sie Kim heil aus der Sache heraus bringen könnten. Sie hatten keinerlei Zeit mit Höflichkeitsfloskeln verschwendet sondern waren sofort zur Sache gekommen.
    Alex Christo hatte ihnen erzählt dass zwischen ihm und Erik Brezzler schon seit Jahren ein Konkurrenzkampf stattfand. Schließlich war es so weit gekommen dass Krüger ihm eine wertvolle Sammlung Antiker Vasen gestohlen hatte.


    „Ich glaube der Plan könnte funktionieren.“, stimmte Christo Ben nach einer geraumen Zeit des Nachdenkens zu.


    Ben zog die Augenbrauen hoch und sah Semir mit seinem siehst-du-hab-ich-doch-gesagt-Blick an. Erschrocken meldete Semir sich zu Wort:


    „Nein Ben du brauchst gar nicht so zu gucken. Der Plan hat so viele Stellen die dem Zufall überlassen sind. Das werde ich nicht zulassen. Ich bin der Dienstältere und...“


    „Jetzt fang nicht wieder so an!“ schnitt Ben ihm das Wort ab „Wir haben keine andere Möglichkeit und keine Zeit. Wir müssen es einfach versuchen.“


    Ergeben schloss Semir die Augen. Er seufzte besorg, doch er wusste dass Ben recht hatte. Zugegeben sein Vorschlag war nicht schlecht, aber gefährlich. Brandgefährlich.


    „Ok dann werden wir jetzt zur KTU fahren und alles nötige in die Wege leiten. Christo sie werden uns sofort Bescheid geben falls Brezzler noch mal anruft.“


    „Das ist der Semir den ich kenne!“ meinte Ben schmunzelt und sie erhoben sich vom Tisch.
    Er brauchte endlich wieder eine richtige Aufgabe. Einen Nervenkitzel.


    Sie verabschiedeten sich von Christo und fuhren KTU.




    ***

  • Als Christo hinter den beiden Polizisten die Tür geschlossen hatte war er wieder zuversichtlich. Sie schienen zu wissen was sie taten und ebenso an Kim zu hängen wie er es tat. Er stellte sein Handy lauter um den Anruf ja nicht zu verpassen. Dann ging er ins Schlafzimmer. Er öffnete den Kleiderschrank und zog einige Decken heraus. Eine hölzerne Kiste wurde sichtbar. Er öffnete sie und zog eine große, schwarze Stofftasche heraus. Er öffnete den Reißverschluss und besah sich die goldenen Vasen, die im Sonnenlicht das durch das Fenster hineinfiel, immer wieder aufblitzten.
    Das also war der Preis für das Leben seiner Tochter. Die Wut kochte in ihm hoch. Am liebsten hätte Die Tasche aus dem Fenster geworfen. Wie konnte jemand nur dieses wertlose Zeug über das Leben eines Menschen stellen?
    Erschöpft ließ er sich aufs Bett sinken und stützte den Kopf in die Hände. Er hoffte, betete dass alles gut gehen würde.




    ***




    Als Semir geendet hatte sahen Hotte und Dieter ihn entgeistert an.


    „Und ihr seid euch sicher dass das funktioniert?“, fragte Hotte und sah abwechselnd zu Semir und dann zu Ben die ihnen gerade den Plan erläutert hatten.


    „Sicher sind wir sicher!“, antwortete Ben schmunzelnd.
    Er freute sich schon richtig auf die Aktion, auch wenn es wahrscheinlich wieder ziemlich brenzlig werden würde.
    Den Minisender den Hartmut ihnen gegeben hatte, hatte er schon in seinem Schuh versteckt. Der Hubschrauber war auch organisiert, das SEK wusste Bescheid und die Schlüssel ihrer neuen Dienstwagen hatten sie sich aus Kims Schublade geholt.Christo hatte die Sporttasche vorbeigebracht. Sie lag vor ihm auf dem Tisch. Nervös saß er da und kaute auf seiner Unterlippe während er auf Brezzlers Anruf wartete.
    Dann klingelte endlich das Handy.


    „Christo?“, meldete er sich schon nach dem ersten Klingeln.


    „Ich hoffe du hast was ich will.“ Hörte er die kühle Stimme Brezzlers „In einer halben Stunde auf dem Parkplatz hinter der Lanxessarena. Sei pünktlich!“


    Bevor Krüger noch etwas sagen konnte war das Gespräch beendet. Auf die fragenden Blicke von Semir, Ben, Hotte und Dieter antwortete er:


    „In einer halben Stunde auf dem Parkplatz hinter der Lanxessarena.“


    Ein Lächeln huschte über Bens Gesicht.


    „Es geht los…“

  • Kapitel 4



    Pünktlich, eine halbe Stunde nach dem Anruf brachte Ben seinen BMW auf dem Parkplatz zum stehen. Hoffentlich hatte er Recht und
    Brezzler würde wirklich seine Handlanger schicken um ich und die Tasche zu holen. Er wusste dass es ziemlich hoch gepokert war zu glauben dass Brezzlers Handlanger Krüger nicht persönlich kannten und daher auch nicht wussten wie er aussah. Dennoch glaubte er immer noch felsenfest an seinen Plan.
    „Semir?“

    „Ja?“, hörte er die Stimme aus seinem Ohr.
    „ Ich werd jetzt das Headset abnehmen. Das wird mir nur noch Ärger einbringen. Ich schalte dann den Sender ein wenn sie mit Kim unterwegs sind.“
    „Ja mach das und Ben! Sei vorsichtig und… pass auf dich auf. Riskier nichts in Ordnung?“
    Semirs Stimme klang besorgt. Anscheinend hatte er sich immer noch nicht so ganz mit dem Plan angefreundet.
    „Semir mach dir keine Sorgen.“, meinte Ben beschwichtigend.
    „Ich hab einen Sender in der Jackentasche, du bist hinter mir und wir haben den Hubschrauber zur Luftraumüberwachung. Wird schon schief gehen!“
    „Trotzdem so ganz wohl ist mir bei der Sache nicht... Ich glaube sie kommen!“
    „Ja ich glaub’s auch.“ Ben sah im Rückspiegel einen großen, schwarzen Jeep.
    „Ok bis dann.“
    Schnell zog er sich das Headset aus dem Ohr und beendete das Gespräch.
    Er griff sich die Sporttasche vom Beifahrersitz und stieg aus dem Wagen. Als er die Tür hinter sich zuzog hielt der Jeep etwa fünf Meter neben ihm an. Zwei Männer stiegen aus und kamen auf ihn zu.
    „Krüger?“, fragte der Größere von beiden.
    Ben atmete auf. Sein Plan schien vorerst zu funktionieren. Er ließ sich nichts anmerken und nickte nur leicht.
    „Die Tasche in den Kofferraum!“, befahl nun der Andere.
    Ben zögerte. Um die Tasche in den Kofferraum zu legen musste er den Männer den Rücken zu kehren.
    „Na wird’s bald!“
    Er hatte keine andere Wahl. Er ging in Richtung des Kofferraums und wuchtete die Tasche hinein. Er traute dem Frieden nicht und das
    auch zu Recht. Als er sich gerade wieder umdrehen wollte fühle er einen harten Schlag im Genick. Der Schmerz durchzuckte seinen Körper wie ein Blitz und er kippte bewusstlos zur Seite.




    ***




    „Ach du scheiße!“ stieß Semir besorgt aus als er sah was auf dem Parkplatz vor sich ging. Er presste sich das Fernglas weiter an die Augen und sah wie die Männer den bewusstlosen Ben in den Kofferraum legten. Der Kleinere schnappte sich die Sporttasche, sah hinein und verstaute sie dann im Inneren des Wagens. Der andere zog Ben seine Jacke aus und begann ihn zu durchsuchen.
    „Nein, nein, nein! Nicht die Jacke!“
    Am liebsten hätte Semir eingegriffen, doch er wusste genau dass er das jetzt nicht konnte. Und wenn sie jetzt keinen Sender mehr hatten, so war er immer noch an dem Wagen dran und sie hatten ja auch noch den Hubschrauber.
    „Semir, was ist los?“ Aus dem Funkgerät war Hottes besorgte Stimme zu hören.
    „Sie haben Ben bewusstlos geschlagen und wir haben keinen Sender mehr.“
    „Ach du scheiße!“, brachte Hotte nur hervor. Genauso wie Semir zuvor.

  • Ließt jemand oder soll ich lieber aufhören? :S





    Semir ließ den Parkplatz nicht aus den Augen. Er sah wie der Kofferraum geschlossen wurde, beide Männer einstiegen und sich der Jeep langsam
    wieder in Bewegung setzte. Er ließ ihm genug Vorsprung bevor er seinen BMW startete und hinterher fuhr. Er war geübt darin genug Abstand zu halten um den Wagen nicht aus den Augen zu verlieren und gleichzeitig nicht zu wenig zu haben um aufzufallen, aber in der Innenstadt gestaltete sich das Ganze schwieriger.
    Der Jeep kam an einer roten Ampel zum Stehen. Drei Fahrzeuge befanden sich zwischen Semirs BMW und dem Jeep. Dann schaltete die Ampel auf Grün, doch der Jeep bewegte sich keinen Zentimeter. Semir ahnte Böses. Schon nach kurzer Zeit begann ein Hupkonzert, doch der Fahrer ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Das Fenster öffnete sich und der Mann am Steuer Schnippte eine Zigarettenkippe aus dem offenen Fenster.
    „Was zum Teufel hast du vor…“ flüsterte Semir vor sich hin und Blickte wie versteinert auf das große, schwarze Auto.
    Die Ampel schaltete langsam auf Gelb, dann auf Rot. Semir hörte wie der Motor des Jeeps aufheulte. Dann schoss er davon.
    „Scheiße!“
    Semir zog an den immer noch empörten Autofahren vor ihm vorbei in den Gegenverkehr. Ein Golf der auf ihn zukam konnte gerade noch auf
    den Bürgersteig ausweichen um nicht mit ihm zusammenzustoßen. Es kümmerte ihn nicht. Auch nicht als sich das Fenster öffnete und der Fahrer ihm wüste Beschimpfungen hinterher rief. Er musste einfach an dem Jeep dranbleiben. Doch die Kreuzung war zu befahren um auf mit dem Auto auf die andere Seite zu gelangen. Verzweifelt riss er die Tür auf und sprang aus dem Auto. Er sah wie der Jeep nach rechts einbog und in einem Parkhaus verschwand. Haken schlagend wie ein Hase versuchte er über die dreispurige Straße zu gelangen. Bremsen quietschten
    und zwei Autos rauschten in einander bei dem Versuch ihm auszuweichen. Er drehte sich nicht um. Hatte nur noch das Parkhaus im Blick das immer näher kam.
    Fast hatte er die Straße überquert als ihn der Seitenspiegel eines ausweichenden Wagens hart an der Hüfte traf. Es warf ihn zu Boden und er
    spürte wie seine Hose an den Knien zerriss. Er verlor keinen Zeit damit sich über mögliche Verletzungen zu kümmern. Schon war er wieder auf den Beinen und rannte weiter. Humpelt erreichte er das Parkhaus und gelangte über die Rampe auf die erste Etage. Nichts. Er rannte weiter auf die zweite Etage. Wieder nichts. Außer Atem erreichte er die dritte. Dort sah er ihn. Der Jeep stand mitten auf der Fahrbahn zwischen den parkenden Autos. Die Türen standen offen. Er war leer.



    ***

  • Da doch noch einige lesen =)
    Danke :thumbup:




    Langsam kam Ben wieder zu sich. Alles war dunkel. Mit den Armen ertastete er seine Umgebung. Der Enge und dem Schaukeln nach zu urteilen
    schien er sich immer noch im Kofferraum zu befinden. Dann spürte er wie der Wagen langsamer wurde. Zuerst dachte Ben dass er anhalten würde doch dann ging ein Ruck durch das Auto sodass er mit dem Kopf an die Decke schlug. Er stöhnte auf doch es wurde nicht besser. Der Wagen ruckelte über eine Unebene Fläche und Ben konnte sich nur schützend die Hände über den Kopf halten um das Schlimmste zu verhindern. Anscheinend fuhren sie eine Art Feldweg entlang. Dann, endlich, nach einer halben Ewigkeit, kamen sie wieder auf Asphalt. Es war eine Wohltat
    und Ben atmete auf. Dann wurde der Wagen wieder langsamer. Diesmal war Ben auf das Schlimmste gefasst, doch stattdessen hielt der Wagen und er hörte wie sich ein Tor öffnete. Langsam setzte sich das Auto wieder in Bewegung und hielt schon nach kurzer Zeit wieder.
    Ben hörte wie die Türen aufgingen und merkte wie der Wagen hochging als die beiden Männer ausstiegen. Dann fielen die Türen wieder ins Schloss und näher kommende Schritte und Stimmen waren zu hören.
    „Habt ihr ihn?“ konnte Ben gedämpft eine kühle Stimme hören. Er grinste, das musste Brezzler sein. Der würde gleich ein blaues Wunder erleben.
    Er hörte wie sich jemand am Schloss zu schaffen machte, dann sprang der Kofferraum auf. Zuerst war Ben von dem Licht geblendet, er blinzelte
    und konnte einen weiteren dicklichen Mann vor sich erkennen. Dieser grinste breit doch als sein Blick auf Ben fiel verschwand das Grinsen und verwandelte sich in pure Wut.
    „Tada!“ machte Ben immer noch grinsend angesichts dem wütenden Blick den Brezzler seinen Handlangern zu warf. Er drehte sich in Rückenlage um einen besseren Blick auf das Geschehen zu haben.
    „Ihr Idioten! Das ist nicht Krüger!“, schrie Brezzler wutentbrannt. Seine Handlanger wagten nicht zu antworten. Sie vermieden jeden Blickkontakt mit ihrem Boss. Sie schienen eine riesen Angst zu haben.
    „Damit hätten sie wohl nicht gerechnet, was?“ freute sich Ben wie ein kleines Kind. Sein Plan funktionierte tatsächlich genauso wie er sich es vorgestellt hatte.
    Mit diesen Worten zog er Brezzlers wütenden Blick auf sich. Er sah ihn von oben bis unten abschätzend an. Die Wut aus seinem Blick verschwand allmählich und er setzte wieder seinen ausdruckslosen, kalten Blick auf.
    „Auf die Beine mit ihm.“
    Die beiden Männer schienen froh endlich wieder etwas tun zu können. Sie eilten zum Wagen und zogen Ben grob aus dem Kofferraum. Der Größere stellte sich hinter Ben und drehte ihm brutal die Arme auf den Rücken. Ben, der ohnehin noch wackelig auf den Beinen war hatte nicht die geringste Chance sich aus diesem Griff zu befreien. Schon nach dem ersten Versuch gab er auf. Er brauchte seine Kraft noch. Der kleinere Mann stellte sich nun neben ihn und sah wieder zu Brezzler. Er erinnerte an einen Hund, der sehnsüchtig zu seinem Herrchen aufblickt und auf einen Befehl wartet.

  • „Ihr Idioten! Das ist nicht Christo!“, schrie Brezzler wutentbrannt. Seine Handlanger wagten nicht zu antworten. Sie vermieden jeden Blickkontakt mit ihrem Boss. Sie schienen eine riesen Angst zu haben.
    „Damit hätten sie wohl nicht gerechnet, was?“ freute sich Ben wie ein kleines Kind. Sein Plan funktionierte tatsächlich genauso wie er sich es vorgestellt hatte.
    Mit diesen Worten zog er Brezzlers wütenden Blick auf sich. Er sah ihn von oben bis unten abschätzend an. Die Wut aus seinem Blick verschwand allmählich und er setzte wieder seinen ausdruckslosen, kalten Blick auf.
    „Auf die Beine mit ihm.“
    Die beiden Männer schienen froh endlich wieder etwas tun zu können. Sie eilten zum Wagen und zogen Ben grob aus dem Kofferraum. Der Größere stellte sich hinter Ben und drehte ihm brutal die Arme auf den Rücken. Ben, der ohnehin noch wackelig auf den Beinen war hatte nicht die geringste Chance sich aus diesem Griff zu befreien. Schon nach dem ersten Versuch gab er auf. Er brauchte seine Kraft noch. Der kleinere Mann stellte sich nun neben ihn und sah wieder zu Brezzler. Er erinnerte an einen Hund, der sehnsüchtig zu seinem Herrchen aufblickt und auf einen Befehl wartet.
    Brezzler selbst stand etwa 5 Meter von ihm entfernt. Seine Miene war wieder verschlossen. Nichts an seiner Körpersprache deutete mehr auf
    den Wutausbruch von eben hin. Er sah ohnehin seltsam aus. Nun war es an Ben ihn von oben bis unten zu mustern. Er trug einen aschgrauen Anzug, der ihn noch blasser erscheinen ließ als er ohnehin schon war. Sein Gesicht war rund und seine Statur eher dicklich. Tiefe Falten hatte er auf der Stirn und seine Mundwinkel waren nach unten gezogen. Seine Augen waren ebenfalls grau und er hatte eine Kälte in seinem Blick die er sonst
    nur von Frau Krüger kannte wenn sie wirklich sauer war. Er zog eine Zigarre aus einem Etui seiner Anzugtasche und zündete sie sich an. Genüsslich zog er an ihr und paffte dann den Rauch in die Luft.
    „Was bist du für ein Clown?“, fragte Brezzler Ben nun ohne ihn anzusehen.
    „Sie waren doch nicht wirklich so dumm zu glauben, dass Alex Christo persönlich kommen würde oder?“, spottete Ben.
    Brezzler ging nicht darauf ein. Er verzog keine Miene sondern nickte dem kleineren Mann neben Ben fast unmerklich zu. Der Schlag gegen die Wange traf Ben so unerwartet, dass er beinahe hingefallen wäre. Lediglich der unnachgiebige Griff des Mannes hinter ihm bewahrte in davor. Doch er verlor keinen Laut. Immer noch grinste er provozierend. Seine Lippe war aufgeplatzt und immer noch fühlte sich die komplette rechte Seite seines Gesichts taub an. Er schmeckte kupferartiges Blut im Mund und spuckte es vor Brezzler auf den Boden.
    Brezzler lächelte Ben an. Es sah unnatürlich aus und schien ihm eine Menge Mühe zu kosten.
    „Ich werde dir dein dämliches Grinsen schon noch aus dem Gesicht wischen!“

  • Danke für euer Feedback Leute =)
    Das motiviert einen richtig !!





    Ein erneuter Schlag traf Ben in die Magengegend. Er krümmte sich vor Schmerzen zusammen. Seine Muskeln waren zum zerreißen gespannt und er musste sich zusehends bemühen nicht zu schreien.
    „Wie ist dein Name?“, fragte Brezzler nun wieder. Das gekünstelte Lächeln war von seinem Gesicht verschwunden.
    Ben hing mehr in dem Griff, als dass er auf eigenen Beinen stand. Langsam gelang es ihm seine Atmung wieder unter Kontrolle zu kriegen. Er sah von unten auf zu Brezzler. In seinem Blick lag der pure Hohn.
    „Sie können mich mal…“
    Für einen Moment lang starrte ihm Brezzler in die Augen. Keine Reaktion war zu sehen. Er blinzelte nicht einmal. Dann sah er wieder zu seinem Handlanger. Erneut trat dieser vor Ben und ließ seine Fingerknöchel knacken.
    „Ich warne dich! Mach das nicht nochmal!“, fauchte Ben nur. Er atmete nun wieder ruhig und gleichmäßig und sah seinem Gegenüber fest in die Augen. Dieser lächelte nur schwach angesichts Bens scheinbar hoffnungsloser Lage. Dann holte er mit der Faust aus und schlug zu. Doch diesmal hatte er seine Rechnung ohne Ben gemacht. Kurz bevor die Faust sein Gesicht erreichte zog er den Kopf zur Seite. Der Schlag traf den Mann, der hinter ihm stand und ihn festhielt, mitten ins Gesicht. Er geriet ins Straucheln und sein Griff lockerte sich für einen Moment. Dieser Moment genügte.
    Ben riss sich los und schlug dem Mann vor sich mit aller Kraft in die Rippen, als dieser erschrocken und vor Schmerz aufschrie, kümmerte Ben sich um den Riesen hinter sich. Mit aller Kraft rammte er ihm von vorn den Ellenbogen in den Bauch wirbelte dann blitzschnell herum und schlug ihn zu
    Boden, wo er benommen liegen blieb. Geschickt wich er einem Schlag des anderen Mannes aus, der sich inzwischen von der ersten Attacke erholt hatte und traktierte ihn mit weiteren Schlägen in die Magengegend. Der Mann taumelte benommen ein paar Schritte rückwärts.
    „Ich hab dich gewarnt.“, zischte Ben und holte schon wieder aus als er ein altbekanntes, metallisches klicken hinter sich hörte. Er erstarrte. Für einen Moment war es still. Nur das Stöhnen des am Boden liegenden Mannes war zu hören, der allmählich wieder zu sich kam.
    „Ganz ruhig Brauner! Wer wird sich denn gleich so aufregen!“
    Ben ließ die Faust sinken und drehte sich langsam um als er Brezzlers Stimme hinter sich hörte. Damit hatte er nicht gerechnet.
    „Weißt du was? Ich mag dich… Wirklich.“, fügte Brezzler auf Bens spöttischen Blick hinzu „Du hast Mut. Schade nur dass du auf der falschen
    Seite stehst.“
    „Was wollen sie eigentlich von mir?“, kam Ben nun wieder zu Wort „Ich habe ihnen doch gebracht was sie wollten!“ Er deutete wütend in Richtung der Sporttasche, die im Wagen lag. „Ich bin nur an Christos Stelle hier um mich zu vergewissern, dass es seiner Tochter gut geht!“
    Langsam ließ Brezzler die Waffe sinken. Er Schien zu überlegen.
    „Es ist also alles da was ich verlangt hab…“, meinte er nachdenklich.
    Ben nickte und zog fragend die Augenbrauen hoch.

  • Sorry für die lange Pause, hatte viel zu tun -.-
    Jetzt gehts aber hoffentlich wieder regelmäßig weiter ! =)





    Kapitel 4



    Mit einem abwesenden Blick blickte Kim ins Leere. Sie hatte jede Hoffnung auf Rettung aufgegeben. Ihre Entführer hatten sich seit dem Telefonat nicht mehr blicken lassen. Sie kannte diese Entführungsfälle nur zu gut. Den Angehörigen der Geisel wurden mit dem Telefonat Hoffnung gemacht. Die entsprechende Summe wurde bezahlt und dass Entführungsopfer nie oder nur sehr selten tot aufgefunden. Warum sollten sie bei ihr eine Ausnahme machen?
    Hatte ihr Vater das Geld gezahlt? War er womöglich auch schon tot? All diese Fragen schossen ihr durch den Kopf und obwohl sie die Antworten nicht kannte war es ihr Gleichgültig. Ein sonderbares Gefühl.
    Ihr Magen knurrte und ihr Mund schien ausgetrocknet. Sie hatte schrecklichen Durst. Die leere Wasserflasche lag neben ihr auf dem Boden. Mit der Zunge fuhr sie sich über die spröden Lippen.
    Noch nie war sie in einer so aussichtlosen Situation gewesen. Doch inzwischen hatte sie sich damit abgefunden. Sie seufzte und gab sich geschlagen. Mit geschlossenen Augen lehnte sie ihren Kopf gegen die kalte Wand. Die Stille legte sich wie Watte auf ihre Ohren.
    Dann, plötzlich, wie aus dem Nichts, drang eine Stimme an ihr Ohr. Eine Stimme die sie nur zu gut kannte. Sie riss die Augen auf und spitzte die Ohren. War das Einbildung oder war Ben wirklich hier? Aber warum sollte er hier sein? Hatte er wirklich sein Leben aufs Spiel gesetzt um ihres zu retten? Und wo war Semir dann? Sie wusste genau dass er nicht weit sein konnte, wenn Ben tatsächlich hier war.
    Die Stimme wurde immer lauter und ihr Herz machte einen Satz. Sie war sich sicher. Es war Ben.
    „Danke fürs Bringen Jungs! Und sorry noch mal wegen eben. Aber ich hatte dich ja gewarnt. Wie heißt du noch gleich?“
    Die Tür öffnete sich und Kim erkannte ihre beiden Entführer und ihrer Mitte Ben. Die rechte Seite des Gesichts angeschwollen und Blutflecken im Gesicht und auf seinem T-Shirt. Gerade als sein Blick auf sie fiel wurde er von den wütenden Männern brutal in den Raum gestoßen. Da seine Hände gefesselt waren schlug er der Länge nach auf dem unnachgiebigen Steinboden auf.
    Kim kniff bedauernd die Augen zusammen. Das musste weh getan haben.
    Als die Tür hinter den Männern ins Schloss fiel und verriegelt wurde schlug Ben wieder die Augen auf.
    „Hi Frau Krüger Wie geht’s?“ Sonderbarer weiße grinste er immer noch. Besorgt musterte sie ihn. Anscheinend hatte er einen Schlag zu viel auf den Kopf bekommen.
    Und trotzdem. Noch nie hatte sie sich so sehr gefreut ihn zu sehen. Wenigstens war sie jetzt nicht mehr allein.
    „Jäger um Himmelswillen! Was tun sie hier? Und wo ist Gerkhan?“
    „Der erwartet sie wahrscheinlich schon.“
    Verwirrt legte Kim ihre Stirn in Falten.
    „Keine Sorge, wir haben einen wasserdichten Plan!“, meinte Ben nun ernst.

  • „Wir haben nur nicht all zu viel Zeit, also hören sie gut zu.“
    Ben drehte sich immer noch auf dem Bauch liegend in eine etwas bequemere Position und verzog dabei vor Schmerzen das Gesicht.
    „Ihr Vater hat diesem Brezzler, der sie entführt hat eine wertvolle Sammlung goldener Vasen gestohlen. Die hat er als Lösegeld verlangt. Ich habe ihm die Vasen überbracht allerdings fehlt eine, die wir in ihrem Haus deponiert haben. Brezzler wird gleich zurückkommen, weil er es gemerkt hat. Er wird wütend sein und mich fragen wo die Vase ist und dann kommen sie ins Spiel.“
    Kim sah ihn konzentriert an. Auch wenn es sie sehr viel Mühe kostete versuchte sie sich jedes seiner Worte genau einzuprägen.
    „Sie müssen abwarten bis er die Vasen erwähnt. Auf keinen Fall dürfen sie früher ein Wort darüber verlieren, sonst fliegen wir auf! Sie werden sagen dass ihr Vater ihnen diese Vase geschenkt hat. Er wird sie dann mit seinen Handlangern zu ihnen nach Hause schicken um die Vase zu holen und
    mich als Pfand hierbehalten. Bei ihnen zu Hause wird das SEK schon warten. Ich habe einen Sender in meinem Schuh, den werde ich betätigen damit Semir weiß dass es los geht und wo mein Standpunkt ist.“
    Ben holte tief Luft. Das Reden hatte ihn sichtlichangestrengt.


    Immer noch sah Kim ihn fassungslos an. Besser durch ihn durch. Ihr Mund stand etwas offen, ihre Schminke war verlaufen. Ihr schwarzer Blazer und die passende Hose waren an einigen Stellen schmutzig und zerrissen. Die langen Haare verknotet und die einzelnen Strähnen fielen ihr ins Gesicht. Sie sah so anders aus als sonst. Ohne die Mauer, die sie sonst so achtsam um sich baute um ja niemanden zu nah an sich heran zu lassen, wirkte sie furchtbar einsam und schutzlos. Besorgt zog Ben die Augenbrauen hoch.


    „Stimmt was nicht?“
    Endlich löste sie sich aus ihrer Starre und sah ihm nun festin die Augen.
    „Warum tut ihr das für mich Ben?“
    Ben stutzte. Noch nie zuvor hatte sie ihn geduzt. Die Rollen waren immer klar verteilt gewesen.
    Er setzte wieder sein unwiderstehliches Lächeln auf.
    „Wir sind ein Team, und wir stehen füreinander ein.“
    Kim versuchte mühsam sein Lächeln zu erwidern. Doch immer noch stand ihr die Besorgnis ins Gesicht geschrieben.
    „Und wenn was schief geht? Wer garantiert, dass er dir nichts antut wenn ich weg bin?“
    Ben kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Nicht nur das sie ihn duzte, sie schein sich wirklich Sorgen zu machen. Alles hatte er erwartet von dieser Frau, aber sie so vorzufinden, damit hätte niemand rechnen können.
    Er wich ihrem Blick nicht aus als er auf ihre Frage antwortete und versuchte so viel Zuversicht wie möglich in seine Stimme zu legen.
    „Dann gibt es immer noch Plan B.“
    „Plan B?“
    Just in diesem Moment waren auf dem Gang Schritte zu hören. Schritte beschrieb es nicht wirklich. Es war eher ein wütendes, hastiges Stampfen.
    „Wir schaffen das. Ich versprech‘s.“
    Hörte Kim Ben noch sagen bevor dieser sich in seine alte Position auf dem Boden drehte und die Augen wieder schloss.
    Verwirrt runzelte Kim die Stirn. Was hatte er vor?

  • Das Gestampfe verstummte für einen Augenblick, dann hörte sie wie sich jemand an der Tür zu schaffen machte. Sie wurde aufgestoßen und tatsächlich erkannte sie im hellen Licht das den Raum flutete Brezzler. Genauso wie Ben es vorausgesagt hatte. Sein Gesicht war wutverzerrt als er in den Raum stürmte. Er nahm keinerlei Notiz von ihr als er zu brüllen begann.
    „Du kleiner Bastard! Ich hab meinen Teil der Abmachung gehalten und du wagst es mich anzulügen ohne rot zu werden?“
    Ben rührte sich nicht. Er lag einfach nur da, die Augen geschlossen. Sein Atem war ruhig und gleichmäßig. Da wurde Kim auf einmal klar was er vorhatte.
    „Sie mich gefälligst an wenn ich mit dir rede!“
    Er ging auf Ben zu und holte mit dem Fuß aus.
    „Halt!“ Kims heißere Stimme füllte den Raum „Er ist bewusstlos! Sehen sie das denn nicht?“
    „Halt dich da raus Kleine.“, zischte Brezzler ihr zu, doch tatschlich warf er Ben nur noch einen prüfenden Blick zu und wandte sich dann seinen Handlangern zu die im Schatten der Tür standen und das Schauspiel aus sicherer Entfernung beobachteten. Kim hatte es geschafft.
    „Was soll das?“ Der Zorn richtete sich nun ganz auf sie.
    „Tut uns Leid Boss, aber er hat uns provoziert…“
    „Halt dein Maul!“, brachte Brezzler den Mann sofort wieder zum Schweigen. Dieser zuckte unter seiner Stimme zusammen, als ob er ihn geschlagen hätte.
    „Ihr seid zu nichts zu gebrauchen!“, fauchte er sie an „Rüber mit ihm.“ Er nickte mit dem Kopf in Richtung eines alten Holzstuhls der an der Wand stand. Sofort waren die Männer neben ihm und schleiften Ben, der seine Rolle immer noch überzeugend spielte, hinüber zu dem Stuhl. Sie stellten
    sich an beide Seiten neben ihn, warteten auf weitere Anweisungen.
    Kim hielt die Luft an. Was würde nun geschehen? Sie durfte die Vase nicht erwähnen, bevor Brezzler sie erwähnte, hatte Ben gesagt. Ziemlich einleuchtend, aber wie lange würde es dauern? Auf ein erneutes Nicken von Brezzler hörte Kim einen dumpfen Schlag. Sie fuhr herum und sah wie Bens Kopf zur Seite schnellte und er erschrocken die Augen aufriss. Sein Atem ging schnell. Verwirrt blickte er sich um, sah zu Brezzler, dann zu Kim. Er sah erleichtert aus und versuchte ein Lächeln.
    „Kim, Gott sei Dank! Geht’s dir gut?“
    Kim musste sich ein Lächeln verkneifen. Hätte sie nicht gewusst, dass Ben die ganze Zeit wach gewesen war, sie hätte es ihm abgekauft.
    Doch sie spielte sein Spiel mit.
    „Ja Ben mir geht’s…“
    „Halt die Klappe.“, raunzte Brezzler ihr zu, dann wandte er sich wieder Ben zu „Ich hab meinen Teil der Abmachung erfüllt und du? Du meintest es wär’ alles da was ich verlangt habe.“
    Ben sah Brezzler verwirrt an.
    „Ist es auch.“, antwortete er dann und ein erneuter Schlag traf ihn daraufhin hart gegen die andere Wange. Er war so heftig das sein Kopf gegen die Mauer hinter ihm prallte. Er Stöhnte auf und schmeckte erneut das Blut in seinem Mund. Er spuckte es auf den Boden.
    „Ich lass mich von dir nicht verarschen Kleiner! Zum letzten Mal wo ist die Letzte?“
    .

  • Kims Blick haftete immer noch auf Ben. Der sich bemühte wieder zu Atem zu kommen. Er sah schrecklich aus. Nicht nur die Blessuren im Gesicht sondern nun auch noch die Schürwunden am Kinn und an den Armen von seinem vorherigen Sturz. Sie biss sich auf die Lippen um sich die Worte zu verkneifen, die drohten ihren Mund zu verlassen.
    ‚Ich hab die verdammte Vase. Ich hab sie. Lass ihn in Ruhe‘, spukten die Wörter immer wieder durch ihren Kopf. Lange konnte sie nicht mehr tatenlos zusehen wie Ben litt. Warum konnte er nicht endlich das verdammte Ding erwähnen?
    Ben sah nun wieder auf in Brezzlers hässliches Gesicht. Er taxierte den wutentbrannten Blick den er ihm zuwarf und versuchte sich für das zu wappnen was kommen würde. Dann sprach er die Wörter aus die er sich schon zu Recht gelegt hatte.
    „Brezzler, ich hab nicht die leiseste Ahnung wovon sie reden…“
    Von dem einen auf den anderen Moment änderte sich Brezzlers Laune. Er schien nicht mehr länger bloß wütend zu sein. Es war als wäre eine Sicherung in seinem Kopf durchgebrannt als er merkte dass Ben sich ihm anscheinend wirklich zu widersetzen versuchte. Kim stockte der Atem als sie sah wie er auf Ben zustürmte. Seine Männer sprangen erschrocken zu Seite. Er griff Ben mit beiden Händen an den Hals und drückte seinen Kopf nach oben, so dass er gezwungen war ihn anzusehen.
    „Wo…ist…sie?“, zischte er.
    Ben versuchte erschrocken zu Atem zu kommen, doch es gelang ihm nicht. Der Griff um seinen Hals wurde immer fester. Von nah sah Brezzler noch viel wahnsinniger aus. Eine Ader trat an seiner Stirn hervor und Ben konnte sehen wie sie pulsierte. Seine Augen waren geweitet.
    „Wo ist die letzte Vase?“
    Endlich! Die Worte sprudelten nur so aus Kim heraus.
    „Vase? Mein Vater hat mir vor kurzem eine goldene Vase geschenkt.“
    Brezzler zuckte beim Klang ihrer Stimme zusammen. Anscheinend hatte er ganz vergessen dass sie noch da war. Er schien für einen Moment zu überlegen ob er ihr glauben sollte.
    Kims Blick fixierte immer noch Ben der kein Wort mehr herausbrachte. Er wand sich auf seinem Stuhl und sein Gesicht nahm eine ungesunde Farbe an.
    Dann. Endlich. Nach einer halben Ewigkeit löste Brezzler seinen Griff und wandte sich ihr zu. Es war still. Nur noch Bens rasselnder Atem war zu hören, als er stoßweise Luft holte. Zusammengesunken kauerte er auf seinem Stuhl.
    „Die blufft doch nur Boss! Die stecken doch unter eine Decke.“, kam der kleinere Mann zu Wort. Anscheinend war er fixiert darauf Ben noch weiter Leiden zu sehen.
    „Dummkopf. Wie soll sie denn wissen dass die Vase aus Gold war? Er war doch die ganze Zeit bewusstlos!“
    Brezzler drehte sich nicht um als er sprach. Immer noch sah er Kim an, als hätte er sie grade zum ersten Mal in seinem Leben gesehen. Diese hielt seinem Blick stand und versuchte so aufrichtig wie möglich auszusehen.
    „Du weißt also wo sie ist?“, begann Brezzler dann endlich. Kim atmete innerlich auf. Es schieen tatsächlich zu funktionieren.




    ***

  • Als die Tür hinter Brezzler und den anderen ins Schloss fiel atmete Ben erleichtert auf. Für einen Moment hatte er dann doch an seinem Plan
    gezweifelt. Er hatte nicht geahnt, dass Brezzler so wütend reagieren würde. Entweder war die Vase von größerem Wert als sie angenommen hatten, oder aber Brezzler konnte es einfach nicht vertragen verarscht zu werden. Er tippte auf Letzteres. Schließlich hatte er auch Kim nur entführt um Krüger Eins auszuwischen.
    Wie dem auch sei. Er musste sich beeilen. Als er sicher war, dass Brezzler und seine Männer mit Kim nicht wiederkamen, stand er auf und durchquerte das Zimmer zu der Stelle an der Kim eben auf dem Boden gesessen hatte. Die leere Glasflasche war ihm sofort ins Auge gefallen als er zu Kim gesehen hatte. Genau das was er jetzt brauchte. Da seine Hände immer noch auf dem Rücke gefesselt waren, stellte er sich mit dem Rücken zu der Flasche und ging vorsichtig in die Knie um sie aufzuheben. Er brauchte ein paar Anläufe um sie zu ertasten. Als er wieder aufstand, die Flasche in der Hand, vergewisserte er sich, dass nichts zu hören war. Er wollte nichts riskieren. Doch alles blieb still.
    „Na dann.“, sagte er zu sich selbst und warf die Flasche auf den Steinboden. Ein Klirren war zu hören und er spürte wie die Glasscherben gegen seine Beine sprangen. Erneut bückte er sich und ertastete mit den Fingern eine der Glasscherben. Mit den Händen drehte er sie in die richtige Position und begann damit den Strick zu bearbeiten der die Handgelenke verband. Nach ein paar Minute und mehreren mehr oder weniger schmerzhaften Schnitten fiel der Strick endlich zu Boden.
    Ben ließ die Glasscherbe fallen und rieb sich die schmerzenden Handgelenke. Dann streifte er den rechten Schuh von seinem Fuß und griff in die Socke. Hartmuts Minisender kam zum Vorschein. Er schien immer noch unversehrt zu sein. Ben betätigte den einzigen Knopf. Ein kurzes Piepen war zu hören und er sah wie die winzige rote Lampe immer wieder aufblinkte. Vorsichtig legte er seine Lebensversicherung auf das einzige Fensterbrett des Raumes, welches kurz unter der Decke lag. Er zog den Schuh wieder an und ließ sich erschöpft an der Wand hinunter gleiten. Seine Arbeit war getan. Nun lag es an Semir und dem SEK ihn und Kim hier raus zu holen.
    Er konnte nur noch warten. Und hoffen.



    ***




    Wie ein Tiger im Käfig lief Semir schon seit Stunden im Büro auf und ab. Hartmut saß an Bens Schreibtisch. Den Laptop aufgeklappt. Er hatte den Kopf in die Hände gestützt und starrte hypnotisierend auf den Bildschirm. Hotte und Dieter saßen draußen an ihrem Schreibtisch und warfen Semir immer wieder mitleidige Blicke zu.
    Semir blieb stehen und rieb sich die schmerzende Stirn. Die ganze Aktion war ordentlich schief gelaufen. Er hätte nie einwilligen sollen. Seit der Übergabe heute Morgen hatten sie nichts mehr von Ben gehört. Auf dem Überwachungsband des Parkhauses war nichts zu erkennen gewesen und auch sonst gab es keine Spur mehr. Der schwarze Jeep der Entführer war erst letzten Abend als gestohlen gemeldet worden. Geschlagen ließ sich Semir auf den Stuhl fallen. Was sie wohl mit Ben und Frau Krüger gemacht hatten? Ob sie überhaupt noch lebten?

  • Noch jemand da? :whistling:





    Plötzlich sprang Hartmut am Tisch vor ihm auf als hätte er einen elektrischen Schlag bekommen. Semir zuckte erschrocken zusammen und sah auf in Hartmuts erstauntes Gesicht. Semir sah ihn fragend an.
    „Ich hab ein Signal, Semir!“, sagte er dann fassungslos.
    Semirs Augen weiteten sich. Dann sprang auch er auf und war mit einem Satz neben Hartmut. Tatsächlich. Ein blinkender roter Punkt zeichnete sich deutlich auf dem Bildschirm ab. Eine Lagerhalle an einer Schnellstraße keine fünfzig Kilometer entfernt.
    Semirs Gesicht hellte sich auf. Er strahlte Hartmut an und klopfte ihm auf die Schulter.
    „Ich wusste es!“
    Er stürmte aus dem Büro zu Hotte und Dieter hinüber die ihm angesichts seines strahlenden Gesichts verwundert anblickten.
    „Es geht los Leute! Wir haben ein Signal!“





    Kapitel 6



    Während der Fahrt zu ihrem Haus hatte Kim endlich Zeit ihre Gedanken zu ordnen. Viel zu viel war in den letzten Minuten geschehen. Nie hätte sie damit gerechnet, dass Semir und Ben wirklich so viel für sie riskierten. Sie war überrascht und doch machte sie es glücklich.
    Sie warf dem kleineren Mann der rechts neben ihr auf dem Rücksitz saß einen prüfenden Seitenblick zu. Er hatte die linke Hand, in der er die Waffe hielt, locker auf dem Sitz abgestützt und sah gedankenverloren auf die Straße. Der andere Mann saß am Steuer und war auf die Straße konzentriert. Eigentlich die perfekte Gelegenheit um etwas zu unternehmen, aber sie tat es nicht. Zu tief saß die Angst dass Brezzler Ben etwas antun könnte.
    Immer noch hatte sie seine vor Hass funkelnden Augen vor sich, als ihr drohte Ben umzubringen wenn sie nicht innerhalb von zwei Stunden mit der Vase wieder da waren. Er bluffte nicht. Das hatte sie an seinem Blick erkannt.
    Also dachte sie auch nicht einmal daran einen Fluchtversuch zu unternehmen als sie an ihrem Haus angekommen aussteigen. Stattdessen suchte
    sie die Straße nach einem möglichen Zeichen ab, das Bens Plan bestätigte. Was wenn der Sender gar nicht funktionierte? Wenn womöglich niemand vom SEK hier war um sie herauszuholen? Sie würde Brezzler die Vase bringen. Und dann? Dann würde er sie und Ben vermutlich ohne zu Zögern umbringen. Sie zuckte die dem Gedanken unwillkürlich zusammen und ließ die Schlüssel fallen die sie schon in der Hand hatte um ihre Haustür aufzuschließen.
    „Nun mach schon! Dein Freund hat nicht den ganzen Tag Zeit!“, hörte sie die höhnende Stimme hinter sich.
    Verärgert bückte sie sich um den Schlüssel aufzuheben. Da sah sie es. Einen schwarzen Schatten auf dem Dach eines verlassenen Gebäudes
    auf der anderen Straßenseite. Hatte sie ihn sich eingebildet oder war er wirklich dort gewesen. Sie zwang sich wegzusehen. Ihre Entführer sollten auf keinen Fall auf etwas aufmerksam gemacht werden. Man konnte jetzt nur noch das Beste hoffen.