In the Army now


  • Die Bankfiliale der Nordrhein-Westfälischen Sparkasse, die neu eröffnet und direkt an der Autobahn lag, bot in den ersten Morgenstunden an diesem ersten Frühlingstag einen trostlosen Anblick. Zwar hatte sich das Unternehmen alle Mühe gegeben, das Gebäude schön und einladend zu gestalten, doch im Moment lag es eher in einem fahlen Nebeldunst. Bianca Zimmermann, eine der Angestellten, fuhr auf den Mitarbeiterparkplatz vor. Sie war noch recht jung und gerade mit ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau fertig geworden. Dies war ihr erster, richtiger Arbeitstag nach der Praktik- und Einführungswoche. Mit einem dickem Kuchenpaket ging sie auf den Eingang zu und pfiff vor sich hin. Heute konnte ihr nichts und niemand die Laune verderben. Ihr erster Tag, das Wetter war angenehm für die frühe Uhrzeit, der Schnee wich langsam dem Grün des Frühlings und in wenigen Minuten würden die ersten Kunden kommen. Da wusste Bianca Zimmermann noch nicht, was für Kunden sie gleich an ihrem ersten Arbeitstag haben würde.


    „Mensch Semir, wie kann man sich nur den Arm brechen?“, tadelte Ben, als er Semir half, ins Auto zu steigen. Das Grinsen auf dem breiten Gesicht des Jungkommissars war deutlich sichtbar. Grummelnd sah Semir nur zu seinem Partner auf. „Hör mal, ich bin nicht schuld daran, wenn diese dämliche Leiter auch einfach so umfällt.“, knurrte er und stieg auf dem Beifahrersitz ein. „Wenn du auch die Leiter auf die Treppe stellst, nur, weil das Bild schief hing, dann musst du dich nicht wundern.“, kam es lässig von Ben. Wieder ein tödlicher, alles durchbohrender Blick von Semir. „Du findest das wohl sehr komisch, oder?“ „Ja, warum nicht?“, erwiderte Ben und schlug die Fahrertür zu, nachdem er eingestiegen war. „Na fein, dann macht es dir ja wohl nichts aus, wenn ich die nächsten vier Wochen bei dir wohne.“ „Hey, mach mir keine Angst am frühen Morgen.“, warf Ben sofort ein. „Ahhh... das gefällt dem Herren dann doch nicht.“ Jetzt war Semir derjenige, der grinste, als er Bens geschocktes Gesicht sah. „Ich fahr dann mal los...“, meinte Ben und startete den Motor. Semir ließ sich, so gut es sein Gipsarm in der Schlinge zuließ, die er gekonnt vor dem Bauch trug, in den Beifahrersitz zurückgleiten und hatte nur ein Grinsen für seinen Kollegen übrig. Irgendwann mussten aber beide lachen und die Sticheleien, die ja bekanntlich jede Beziehung, sei es eine berufliche oder private, beleben, waren vergessen. „Fahr doch bitte noch zur neuen Sparkasse am Rastplatz vor der PASt. Ich muss noch Geld abheben.“, meinte Semir. „Okay, dann komm ich mit. Du bist ja im Moment eher ein einarmiger Bandit.“, lachte Ben und steuerte den Mercedes auf die Autobahn. „Ja, ja.“, kam es nur von Semir.

  • Niels und Jens saßen in ihrem Dienstfahrzeug und beobachteten die Bank ihnen gegenüber. „Okay, hast du dir alles gemerkt?“, fragte Jens seinen Beifahrer und dieser nickte nur. „Gut, dann lass uns noch einmal alles durchsprechen. Wir gehen rein, nehmen die eine Kassiererin gefangen, zwingen sie, den Tresor zu öffnen und lösen alle Konten auf. Dann wird sie gefesselt und wir machen uns mit dem Geld aus dem Staub.“, erklärte der Ältere der beiden Soldaten. „Aber wir werden sie nicht töten?“, kam es ängstlich von Niels. „Nein, nein, wir fesseln sie nur und dann weg.“, entgegnete Jens und holte seine Gasmaske mit verspiegelten Augengläsern hervor. Niels tat es ihm gleich. Beide setzten erst eine Sturmhaube auf, zogen dann die Gasmaske über und fuhren direkt vor die Bank. Schnell stiegen sie aus, zogen ihre Waffen und sprinteten in die Bank. „Hände hoch... das ist ein Überfall.“, schrieen Beide und sofort zuckte Bianca zusammen. Erschrocken hob sie die Hände in die Luft und zitterte am ganze Körper. „Los, ab nach hinten und keinen Mucks.“, fauchte der Mann mit der Pistole, während der mit der Maschinenpistole und der Tasche über der Schulter nur hinterher kam. „Was... was wollen sie? Ich... ich hab den Schlüssel... Bitte, tun sie mir nichts.“, flehte Bianca und hatte im nächsten Moment schon eine Hand auf dem Mund, die ihr vollkommen die Luft abschnürte und jeglichen Laut erstickte. „Sei still und zeig uns einfach den Safe.“, knurrte der Mann und drückte die junge Frau nach hinten. Schon standen sie vor dem Safe. „Bitte, ich hab keinen Schlüssel... das müssen sie mir glauben.“, kam es weinend von Bianca. „Den brauchen wir auch nicht. Los, Kleiner, mach dich an die Arbeit. Ich versorge das Baby hier.“, knurrte der Mann und stieß Bianca wieder in den Vorraum, warf sie auf den Boden und begann, sie zu fesseln.


    Niels nickte, legte die Tasche ab und begann, den Tresor zu verminen. Wenige Minuten und viele, viele Schweißperlen später war er soweit, zog sich hinter einen Aktenschrank zurück und drückte den berühmten roten Knopf. Ein dumpfer Knall ertönte und die Tresortür sprang wie von Geisterhand auf. Leider löste aber gerade das einen furchtbaren Krach aus und Alarmanlage und Feuermelder sprangen zur gleichen Zeit an. „Okay, das Baby ist verschnürt. Los, schnapp dir die Kohle und dann nichts wie raus hier.“, zischte Jens und beide schnappten sich das im aufgesprengten Geldschrank befindliche Geld. „Und jetzt weg von hier.“, fauchte Jens. Beide nahmen ihre Waffen und schnellten aus dem Geldinstitut. „Mmmmmmmmhhhhhhh.“, kam es von Bianca. „Tut mir Leid, Süße, aber wir haben leider keine Zeit zum Flirten.“, lachte Niels nur. Wenige Sekunden brausten sie in ihrem Fahrzeug auf und davon. Doch das Glück verließ sie schon, als das erste Polizeiauto im Rückspiegel auftauchte.


    ...

  • „Achtung... an alle Einheiten... verfolgen einen Bundeswehrfahrzeug nach erfolgtem Banküberfall an der Autobahnsparkasse. Erbitten dringend Verstärkung.“, kam es aus dem Funk. Ben und Semir sahen sich nur an. „Na, schaffst du es mit einem Arm die Lichtanlage anzuschalten oder soll ich Andrea anrufen?“, fragte Ben nur und sah Semir schief an. Semir grummelte und streckte den Arm nach der Sonnenabblende aus. „Danke, das kann ich noch allein.“, erwiderte er und griff dann zum Funk. „Zentrale für Cobra 11... unterstützen vor Ort befindliche Einheiten. Geben sie uns Position des flüchtigen Fahrzeugs durch...“, bat Semir. Einige Augenblicke herrschte Pause. „Gesuchtes Fahrzeug befindet sich etwa vier Kilometer vor euch, Jungs.“, kam die brummende Stimme von Hotte zurück. „Und lasst euer Auto in einem Stück.“, setzte er lachend hinterher. „Schon klar, Hotte, danke.“, entgegnete Semir und hängte das Mikro wieder ein. Ben startete durch und holte alles aus seinem Mercedes raus, was der Motor hergab.
    Der Mercedes schnellte wie ein Gepard davon und holte die vier Kilometer Abstand rasant auf. „Da... ich sehe ihn.“, stieß Semir aus und deutete auf das mit Flecktarnmuster lackierte Fahrzeug. „Ach, du meinst das, was von drei Streifenwagen verfolgt wird? Darauf wäre ich jetzt nicht gekommen, Semir.“, grinste Ben und gab noch mehr Gas. „Deswegen sag ich es dir ja.“, konterte Semir ebenfalls grinsend. „Cobra 11 an Cobra 8, 5 und 10... wir werden uns vor das Fahrzeug setzen und ihn ausbremsen. Nehmt ihr ihn an den Seiten in die Zange. Lasst ihn aber nicht nach hinten entwischen.“, gab Semir durch den Funk an die verschiedenen Einheiten durch. Ben blickte ihn an. „Ähhh Semir, dir ist schon klar, dass das mein Wagen ist, oder?“, kam es von Ben. „Ja, weiß ich.“, entgegnete der Deutschtürke nur und sah zu seinem Partner. „Na fein, du willst also, dass ich den Anschiss von der Krüger kriege, wenn die Sache schief läuft, stimmt’s?“ „Japp.“, grinste Semir nur. „Verstehe... dann breche ich dir aber den zweiten Arm.“, konterte Ben lachend. „Bitte, wenn du willst, dass Andrea dich tötet.“ Semir verstand es wunderbar, Ben an diesem Morgen aufzuziehen. Dann kehrte aber der Ernst zu Beiden wieder zurück. „Los, jetzt holen wir uns den Kerl.“, zischte Ben und setzte sich langsam vor den Jeep.


    „Verdammt Jens, da kommen die Bullen schon angebraust.“, zischte Niels, als er in den Rückspiegel sah. Jens blickte nur kurz durch und grinste dann. „Hier... im Koffer sind spezielle Eier für unsere Freunde da hinten. Wirf ihnen einfach eine vor den Bug und dann kuschen die schon. Aber zähl ab... du weißt ja, wie es geht.“, meinte Jens und gab Niels die große Überraschung für die Polizei hinüber. „Hehe... das wird sie umhauen.“, grinste er und ließ das Fenster herunter. Er nahm eines der Dinger aus dem Koffer, zog den Knauf ab und zählte. Nach ein paar Sekunden warf er es aus dem Fenster und wartete. Krachend ging das erste Ei hoch und erzeugte eine kurze Druckwelle. Jetzt war klar, dass es sich dabei um Handgranaten handelte. „Die haben immer noch nicht genug. Ich gebe ihnen noch eine, damit sie uns gleich in Ruhe lassen.“, meinte Niels und warf die nächste aus dem Fenster.

  • „Verdammt Semir, die werfen mit Handgranaten nach uns.“, schrie Ben und wich dem zweiten Ei aus. Wieder krachte es hinter ihnen, doch dieses Mal erwischte die Druckwelle einen Streifenwagen und verriss den Vorderreifen. „Man, wir müssen was dagegen tun. Die können doch uns nicht so einfach diese faulen Eier vor die Nase werfen.“, stieß Semir wütend aus. „Du kannst sie ja gerne fangen und zurückwerfen, wenn’s dir Spaß macht.“, kam es gleich von Ben zurück. Semir knurrte nur kurz und hielt sich weiter am Griff fest. „Achtung, die ist für uns.“, stieß Ben aus und riss erneut das Steuer rum, als eine weitere Eiergranate aus dem Auto geworfen wurde. Dieses Mal war die Zündzeit allerdings gut bemessen, denn sie explodierte in dem Moment, als Ben an ihr vorbeifahren wollte. „Scheiße...“, schrieen Beide im Chor, als sich der Wagen, von der Druckwelle erfasst, durch die Luft bewegte und mit lautem Getöse und nach mehrmaligem Überschlagen auf dem Dach in der mit Schneematsch bedeckten Grünanlage landete. „Semir?“, kam die leidliche Frage von Ben. Doch keine Antwort. „SEMIR?“, schrie Ben lauter und im nächsten Moment schnellte ein Gipsarm auf sein Gesicht zu. „Was?“, fragte eine Stimme verwirrt. Ben hörte nichts. Zu groß und allgegenwärtig war der Schmerz, der seine Nase und sein ganzes Gesicht durchfuhr. Den kupferhaltigen Geschmack seines Blutes, das ihm zuhauf in seinen Mund rannte, konnte er deutlich auf der Zunge schmecken. „AU!!!“, schrie Ben wie ein Löwe. „Ben? Alles in Ordnung?“, kam es benommen von Semir. „Das... Das fragst du jetzt ehrlich? Ja danke, mir geht’s gut. Mal abgesehen von der Tatsache, dass mir mein eigener Partner gerade eins aufs Maul gegeben hat. Aber sonst geht’s mir gut. Und wie geht es dir, Semir?“, kam es voller Sarkasmus aus Bens Mund. „Der Arm ist dran und gebrochen scheint auch nix zu sein, außer das, was schon gebrochen ist.“, entgegnete Semir, ohne auf Bens Anschuldigung einzugehen. „Aha... und sonst hast du mir nichts zu sagen?“ „Doch... du hast mal wieder einen Wagen geschrottet.“, grinste Semir. „Semir?“ „Hm?“ Im nächsten Moment ein Aufschrei. „Ahhh... hey, was soll das? Du kannst mir doch nicht auf die Nase hauen?“, schrie der Deutschtürke. „Gleichfalls... jetzt sind wir quitt... und wie kommen wir hier wieder raus?“


    ...

  • „Ben... Semir, seid ihr okay?“, hörten die Kommissare ihre Kollegen rufen. „Uns geht’s gut, aber besser, ihr holt uns hier mal irgendwie raus. Es wird nämlich auf Dauer ungemütlich.“, kam es erwidernd von Ben. Schnell wurden sie von den Kollegen aus dem Wagen gezogen und standen, mehr schlecht als recht, auf ihren eigenen Füßen. Nun erst sah Semir, dass er wirklich Bens Nase mit seinem Gips demoliert hatte. „Sorry Ben, das tut mir Leid.“, meinte er kleinlaut. Der Jungkommissar grinste nur. „Schon gut... hab dir ja den Konter schon verpasst.“, meinte Ben und sah sich dann um. „Man, was für ein Trip.“, stieß er aus und sah Semir an. „Stell dir mal vor, die wären mit nem Panzer gefahren. Das wäre wesentlich schlimmer.“, gab Semir zu bedenken. Ben musste über diese Äußerung nur lachen. „Stimmt, aber die Krüger wird uns dennoch den Marsch blasen, weil wir wieder einmal unseren Wagen haben schrotten lassen.“, erklärte Ben und wies auf den auf dem Dach liegenden, rauchenden Mercedes, vor dem sie standen. „Na komm, fahren wir erstmal zur Bank und stellen erste Ermittlungen an.“, meinte Semir und Ben nickte. Während des Gehens zum Streifenwagen der Kollegen gab der Deutschtürke die Anweisung das Kennzeichen zu überprüfen, dass er sich während der Verfolgung notiert hatte.


    Wenige Minuten später fuhr der Wagen vor der gerade überfallenen Bank vor, machte halt und ließ die Kommissare aussteigen. Sie gingen auf die Bank zu und kamen dabei an den vielen Schaulustigen vorbei, die sich hinter den Absperrungen drängten. Warum müssen Verbrechen immer so viele Dumme anziehen, dachte Semir. Wie Motten, die immer zum Licht fliegen mussten, so scheinen auch diese Menschen so gepolt zu sein, dass sie immer den Sensationen nachjagen müssen, alles hautnah miterleben müssen, damit sie auch ja was zum Erzählen haben. „Man, was wollen diese Aasgeier nur hier schon wieder?“, kommentierte Ben das Ganze. Mit einem Lächeln gab Semir ihm zu verstehen, dass er ihn nur zu gut verstand. „Hallo Jungs.“, begrüßte Hartmut die Beiden und sah aus seiner knienden Position auf. „Hallo Hartmut, hast du schon eine Ahnung, wie die Typen es angestellt haben?“, wollte Ben gleich wissen. „Noch nicht... bin ja auch gerade erst gekommen und wollte eigentlich in den Tresorraum und mir den Safe ansehen. Nur mein Schuh ist aufgegangen.“, erklärte er und band sich seinen rechten Schuh wieder, erhob sich und ging dann in den Tresorraum. Semir und Ben betraten den Schauplatz des Verbrechens.

  • „So, erst die Zeugin, dann zu Hartmut?“, schlug Ben vor. „Warum nicht. Dann hat der Junge auch Zeit, sich auf uns vorzubereiten.“, grinste Semir und beide gingen auf die zitternde, in einem Stuhl kauernde Bankkauffrau zu, die von einem Notarzt stationär versorgt wurde. „Hallo mein Name ist Semir Gerkhan, Kripo Autobahn, und das ist mein Kollege Ben Jäger.“, stellte sich der Deutschtürke in seiner gewohnten Routine vor, vergas aber, dass er einen gebrochenen Arm hatte und stieß einen kurzen Schrei aus, als er ihn bewegen wollte. Sein Partner rollte mit den Augen. „Komm, alter Mann, ich mach das mit den Ausweisen.“, grinste Ben flüsternd und zeigte der Frau seinen Dienstausweis. Sie nahm ihn kaum wahr, sah nur nach vorn auf die Topfblumen, die an den einzelnen Pfeilern standen. „Können sie uns einige Fragen beantworten?“, wollte Semir dann wissen, sah seinen Kollegen dann noch einmal mit einem warnenden Blick an und wartete dann darauf, dass die Frau antwortete. „Dies sollte mein erster Tag werden... mein erster, richtiger Tag als Angestellte. Warum muss mir immer so etwas passieren?“, kam es leise, kaum hörbar über die Lippen der jungen Angestellten, die nun den Kopf hob und die Blicke zu den beiden Kommissaren schweifen ließ. Jeder hätte in diesem Moment in den Augen der Frau deutlich lesen können, wie nah ihr die Sache ging und wie sehr sie die ärztliche Untersuchung nötig hatte. Ihr Blick war gebrochen und die Freundlichkeit, die solch schöne Augen ausstrahlen mussten, war wie hinweggefegt. Ihr ganzer Körper zitterte, doch ihre Hände bebten. „Können sie uns dennoch einige Fragen beantworten? Ich weiß, wie schwer ihnen das fallen muss, aber nur so können wir die Täter schnellstmöglichst finden.“, erklärte Semir der noch recht jungen Frau, deren Alter sie auf Mitte 20 schätzte.


    ...

  • „Ich will’s versuchen.“, kam es leise von ihr. Ben zückte sofort seinen Kugelschreiber und holte aus der Tasche seinen Block hervor. „Können sie die Männer beschreiben?“, wollte der Jungkommissar wissen. „Sie hatten solche Uniformen an... so mit Flecken übersäht und dann diese schwarzen Masken mit einer Gasmaske darüber.“, erklärte sie und musste dabei schlucken. Ihr ganzer Mund war vollkommen ausgetrocknet. Sie fühlte sich an, als ob sie die ganze Zeit Sand geschluckt hätte. „Bitte... kann ich einen Schluck zu trinken haben?“, bat sie und streckte einen zitternden Arm aus. „Natürlich... ich hole ihnen was.“, entgegnete Ben und ging nach hinten in die Küche, kam wenige Augenblicke später mit einem Glas Wasser wieder und reichte es der Angestellten. Hastig trank sie und stellte das Glas vor sich ab. „Können sie uns noch etwas sagen? Wie sind die Täter hier hereingekommen?“, kam plötzlich die Frage von Semir, der sich inzwischen in der Bankhalle umgesehen hatte. „Sie... sie standen plötzlich in der Eingangshalle und hatten mir ihre Waffen entgegen gehalten. Ich... ich hatte solche Angst. Sie wollten, dass ich den Tresor öffne und ich ... ich habe es getan...“, erklärte sie und sah auf. „Niemand wird ihnen einen Vorwurf machen.“, meinte Semir und kniete sich zu ihr hinunter. „Wissen sie, wie viel Geld gestohlen wurde?“, wollte Ben wissen. „Das... das sollte heute unser erster, richtiger Tag werden. Dementsprechend war auch die Geldsumme, die wir im Tresor hatten. So in etwa um die 280.000 Euro.“, erklärte sie und beide Kommissare pfiffen, als Zeichen ihres Erstaunens. „Kann... kann ich jetzt nach Hause? Bitte, ich will nicht mehr...“, stammelte sie. „Sicher... einer unserer Kollegen wird sie nach Hause bringen.“, erklärte Semir und winkte einen uniformierten Beamten heran. „Man, das arme Kleine.“, meinte Ben und sah ihr mit Anteilnahme nach. „Wie machen wir jetzt weiter?“, wollte er dann von Semir wissen. „Gehen wir mal zu Hartmut und dann ins Büro zurück. Mal sehen, was Susanne schon für uns hat.“, erklärte der Deutschtürke und lenkte seine Schritte zum Tresorraum. Ben folgte ihm.


    „Hartmut, wie sieht’s aus?“, kam prompt die Frage von Semir, kaum das er die Tür des Tresorraumes durchschritten hatte. „Sie haben ihn aufgesprengt. Astreine Arbeit, das muss man ihnen lassen.“, erklärte der Techniker. „Weißt du schon womit?“, wollte Ben wissen. „Tja, das ist ein bisschen schwierig. Ehrlich gesagt, kann ich ohne Untersuchung im Labor nichts sagen. Nur so viel... die Kerle wussten, was sie taten.“, erklärte Hartmut. „Das... das ist mir zu wenig. Ruf uns an, wenn du mehr hast.“, knurrte der Deutschtürke. „Hey, mach mich nicht dafür verantwortlich. Ich kann dir auch nicht mehr sagen, als das, was du hier siehst. Also, ich melde mich, sobald ich mehr hab.“, knurrte Hartmut zurück und ließ die Kommissare mit dieser Antwort im Raum stehen. „Der ist heute aber wieder empfindlich.“, grinste Ben. „Wird Zeit, dass er eine Freundin findet.“, kam es prompt von Semir. „Okay, fahren wir ins Büro zurück. Ich hoffe, Susanne hat die Halterabfrage schon geklärt.“, meinte der Deutschtürke und beide fuhren zurück zur PASt.

  • „Susanne, hast du schon was über den Halter herausbekommen?“, wollte Semir wissen, als sie vor dem Schreibtisch der Sekretärin standen. „Noch nicht... es ist ein bisschen schwierig auf die Daten Zugriff zu bekommen. Sie sind außerordentlich gut gesichert.“, erklärte sie und sah auf. „Heißt das, wir können nicht erfahren, ob der Wagen echt war oder ein gefälschtes Bundeswehrfahrzeug?“, fragte Ben skeptisch und mit miesepetrigem Unterton. Doch Susanne fing nur an zu grinsen. „Das habe ich nicht gesagt, es wird nur länger dauern.“, erklärte sie und machte sich sofort wieder an die Arbeit. Die Autobahnpolizisten sahen sich nur an. „Wir sind in unserem Büro.“ Semir und Ben wollten gerade gehen, als Kim sich ihnen in den Weg stellte. „Meine Herren... darf ich sie sofort in mein Büro bitten...“, knurrte sie noch ungemütlicher als sonst, wenn ein Dienstwagen wieder reif für die Schrottpresse war. „Oh je... das hört sich nicht gut an.“, flüsterte Semir seinem Partner zu. Ben nickte. „Vielleicht sollten wir uns auf eine Eiszeit gefasst machen.“


    „Meine Herren, haben sie im Lotto gewonnen?“, wollte sie mit knirschenden Zähnen wissen. Als sie nur fragende Blicke zur Antwort bekam, fuhr sie fort: „Oder warum können sie mir dann erklären, warum schon wieder ein Wagen reif für die Schrottpresse ist?“ Ihr Ton war von einem Knirschen in vollkommene Wut übergegangen. „Frau Krüger, das mit dem Wagen war jetzt aber nicht allein unsere Schuld.“, fing Semir an und hielt sich mit der gesunden Hand seinen eingegipsten Arm fest. „Ähhh... genau, wer sollte denn ahnen, dass die gleich mit Handgranaten nach einem werfen?“, wollte Ben wissen und sah die Chefin an. „Hören sie... was auch immer geschehen ist, es ist mir egal. Sie haben schon wieder einen Wagen verloren. Was meinen sie, wie ich das wieder dem Polizeipräsidenten erklären soll?“, fauchte Kim. „Frau Krüger... das waren doch die Gangster. Sollen die doch dafür zahlen.“, knurrte Ben zurück. Einen Moment herrschte bedächtiges Schweigen. „Herr Jäger... das wird erst dann möglich sein, wenn sie die Täter dingfest gemacht haben.“, erklärte Kim mit gepressten Zähnen. „So, und jetzt machen sie sich an die Arbeit. Ich will Ergebnisse haben und das zwar flott.“, zischte Kim und schickte ihre Kommissare auf die Jagd nach den Dienstwagen schrottenden Ganoven.


    ...

  • „Was denkt sich diese...“, fauchte Semir sofort los, als sie wieder in ihrem Büro waren. „Immerhin wurden wir angegriffen. Ich möchte ehrlich mal sehen, dass diese Frau in so einer Situation noch die Kontrolle über ihren Wagen behält.“, ging es weiter. Ben sagte nichts, hörte einfach nur zu und grinste sich einen. „Was lachst du denn so?“, wurde er dann von seinem Partner angemotzt. „Semir, ich finde es immer wieder erstaunlich, wie du dich in Rage bringen kannst.“, konterte Ben nur gelassen. „Was soll ich den auch sonst machen? Ich meine, wir riskieren da draußen täglich unseren Hals und diese ... Person hat nichts besseres zu tun, als sich über einen geschrotteten Wagen Gedanken zu machen. Manchmal könnte ich sie echt...“, stieß Semir aus. „Herr Gerkhan...“, ertönte es plötzlich hinter ihm. Schlagartig verstummte Semir. „Kommen sie doch noch einmal kurz in mein Büro.“, bat Kim mit eindeutigem Nachdruck und ging dann wieder Richtung ihr Büro. Ben lachte lauthals, als er den roten Kopf von Semir sah. „Oh man Semir, jetzt hast du dich aber um Kopf und Kragen geredet.“, lachte er. „Idiot.“, knurrte der Deutschtürke und ging mit langsamen Schritten auf Kims Büro zu. Was wollte die Chefin denn jetzt von ihm? Hatte sie seine Hasstirade gehört oder nicht?


    Jens und Niels kamen mit ihrem Wagen auf dem Stützpunkt an. „Okay Kleiner, ich vertraue dir das Geld an. Versteck es gut. Wir werden es einige Zeit lang nicht ausgeben können, bis Gras über die Sache gewachsen ist.“, erklärte der ältere Soldat. „Aber... aber ich muss doch in den nächsten Tagen nach Afghanistan. Wie soll ich denn da auf das Geld aufpassen?“, wollte Niels wissen. „Keine Sorge, ich sorge dafür, dass du nicht gehen musst. Ich werde mich an deiner Stelle melden. Du bist noch zu junge dafür, Kleiner. Jetzt los, bevor wir noch von unseren eigenen Leuten gesucht werden.“, stieß Jens aus und beide trennten sich, rannten zu ihren Unterkünften. Niels sah sich um, als er in seine Stube kam. Seine Zimmerkameraden waren alle scheinbar ausgeflogen. Natürlich, es war ja noch Sonntag und die meisten Soldaten aus seiner Stube hatten Wochenendurlaub bekommen. Nur er wollte nicht. Seine Familie war, bis auf seinen verhassten Stiefvater und seiner über alles geliebten Schwester, nicht mehr am Leben. Was sollte er auch dort draußen? Nein, hier fühlte er sich wohler. Jens war für ihn so eine Art Ersatzvater geworden. Beide hatten sie viel durchgemacht und nun hatten sie das erste krumme Ding gedreht. Warum auch nicht? Der Sold war ja wohl für so zwei voll ausgebildete und so überqualifizierte Soldaten wie Jens und ihn einfach zu mickrig. Nein, da wollten sie sich schon vom Staat das wieder holen, was ihnen auch zustand. Und irgendwann würde es sowieso in den Auslandseinsatz gehen. Dann sollte seine kleine Hanna alles bekommen.

  • „Gefreiter Haferkamp... sofort zum Feldwebel.“, fauchte einer seiner Kameraden, als dieser in die Stube gestürmt kam und in der Tür stehen blieb. „Ja, Herr Obergefreiter.“, kam es erschrocken von ihm zurück. Er hatte vor Schreck die Tasche fallen gelassen und stand stramm, wie er es in all den Monaten der strapaziösen Grundausbildung gelernt hatte. „Sehr gut... weitermachen.“, knurrte der Obergefreite und verließ die Stube wieder. Niels verharrte noch einige Momente in dieser Position und entkrampfte dann seinen Körper langsam wieder. Verdammt, er hatte vergessen, sich für den Morgenappell zu entschuldigen und jetzt auf die Krankenstation zu gehen, hatte auch keinen Sinn mehr. Der Feldwebel würde ihn zur Schnecke machen. Das war ihm aber egal. Er hatte, was er wollte und nun musste er nur noch ein geeignetes Versteck finden. Ein Versteck, was nur er kontrollieren konnte. Da... da fiel ihm die lose Diele unter seinem Bett ein... Das Versteck kannte nun wirklich nur er. Mit einem gekonnten Griff schob er das nicht am Boden befestigte Doppelbett zur Seite, nahm die Feldkiste hoch und lockerte die lose Diele. Schnell verschwand die Tasche in dem Versteck, die Diele wurde geschlossen und die Feldkiste wieder auf ihren angestammten Platz gestellt. Das Feldbett wieder zurecht zu rücken, war eine seiner leichtesten Übungen. Nun konnte er zum Feldwebel gehen und sich die Standpauke abholen, die er sich als disziplinloser Soldat verdient hatte.


    ...

  • Semir kam mit eingeknickten Ohren zu Kim ins Büro, streckte nur den Kopf rein und wartete auf das Donnerwetter seiner Chefin. Man, warum musste er auch so ein großes Mundwerk haben? Er verfluchte sich selbst dafür, dass er so vorlaut war. „Semir... kommen sie bitte rein.“, knurrte die Chefin. „Und schließ sie die Tür hinter sich.“ Der Hauptkommissar tat, was die Chefin verlangte und ließ sich danach ganz ruhig und ohne hastige Bewegung auf dem Stuhl nieder, der vor Kims Schreibtisch stand. Er hatte zwar vor dieser Frau keine Angst, aber im Moment war die Situation ähnlich der eines Dompteurs, der, mit blutigem und lecker riechenden Fleisch behangen, vor einer Gruppe ausgehungerter und wildgewordener Tiger saß. „Semir, ich will ehrlich zu ihnen sein. Ehrlich gesagt, mach ich mir Sorgen um sie.“, kam es, vollkommen zu Semirs Überraschung, in einem sanften Ton und ohne jegliche Böswilligkeit von Kim. „Wie? Was? Was meinen sie, Frau Krüger?“, wollte Semir wissen und kratzte sich nervös am Gips herum. „Ich meine das da...“, sie deutete auf Semirs Gipsarm. „Semir, so können sie unmöglich Dienst schieben. Geschweige denn, einen Verdächtigen verhaften, ihn zu Fuß verfolgen oder sich sonst irgendwie verteidigen.“, erklärte die Kriminalrätin ihrem Kommissar ihre Besorgnis. „Aber Chefin, ich komm schon damit klar. Machen sie sich bitte keine zu großen Sorgen um mich.“, wiegelte Semir ab und spielte das Ganze runter, obwohl er vorhin, als der Wagen sich überschlug, mehrmals merkte, wie sich seine im Heilen begriffenen Muskeln und Knochen verkrampften und höllisch schmerzten. Auch jetzt pochte es noch immer. „Semir, bitte... ihre Frau erwartet ihr zweites Kind. Wollen sie sich nicht die Wochen frei nehmen und ihr ein bisschen zur Hand gehen?“, versuchte Kim durch den Dickschädel zu dringen, der auf den Schultern des Deutschtürken saß. „Sorry Chefin, aber mir geht es gut und damit ist das Thema für mich erledigt.“, meinte er knapp und stand auf. „Na gut... ach und Semir? Sollten sie noch einmal über mich reden, schauen sie sich erst um und machen sie dann den Mund auf.“ Mit leisen Schritten und vollkommen rotem Gesicht verließ er das Büro und ging zurück zu Ben.


    Jens kam in sein Quartier und ließ sich angestrengt auf die Couch fallen. Da er ein etwas altgedienterer und höherrangiger Soldat war, konnte er eine Dienstwohnung auf dem Stützpunkt sein Eigen nennen. Er atmete tief ein, behielt die Luft lange in seinem Körper. Der Kopf wurde nach hinten geworfen und die Luft entwich langsam durch seinen einen Spalt geöffneten Mund. Jetzt, da er einem Jungsoldat geholfen hatte, das Ding seines Lebens zu drehen, konnte er mit ruhigem Gewissen in den Auslandseinsatz gehen. Er würde dafür sorgen, dass Niels nicht an den Hindukusch musste. Dann würde er in seinem Namen gehen und alles war gut. Die Polizei würde zwar nach dem Fahrzeug suchen, doch bis zur Überprüfung war der Wagen schon längst in der Schrottpresse gelandet. Die BW bekam doch immer wieder neue Serienfahrzeuge gestellt. In seine Überlegungen hinein, merkte er kaum, wie das Telefon klingelte.

  • „Leutnant Kupfer...“, meldete er sich, als er den Hörer am Ohr hatte. „Herr Leutnant... hier ist ein Abschleppwagen am Tor, der ihren Wagen zur Verschrottung abholen soll.“, erklärte der Posten am Tor. „Ja, das geht in Ordnung... lassen sie ihn durch. Er soll den Wagen sofort mitnehmen. Ach ja und den Wagen mit der Nummer 4598 ebenfalls. Der Motor macht es einfach nicht mehr und unser Mechaniker meinte, er wäre nicht mehr zu retten.“, erklärte Jens Kupfer. „Sehr wohl, Herr Leutnant.“, erwiderte der Posten und legte auf. Jens atmete schwer ein. Jetzt waren sicherlich gleich alle Beweise vernichtet. Dann war alles erledigt. Erledigt... genau, wie er. Ein stechender Schmerz durchfuhr seine Brust und ließ ihn kurz zusammensacken, konnte sich aber an der Couchlehne festhalten. Dieser verdammte..., dachte er und ließ die Welle der stechenden Schmerzen über sich ergehen, bevor er fähig war, zu seinem Schreibtisch zu gehen und die Schmerzpillen zu nehmen. Schon bald würde aller Schmerz von ihm fallen und er würde auf eine sehr lange Reise gehen, eine Reise ohne Wiederkehr.


    „Semir, Ben, ich habe den Wagen überprüft, den ihr mir gegeben habt. Er gehört zur Versorgungseinheit, die in einer abgelegenen Kaserne im Westen von Köln stationiert ist.“, erklärte die Stationssekretärin der Autobahnpolizei. Sofort war die Aufmerksamkeit der beiden Kommissare bei der Sekretärin, die im Türrahmen lehnte und mit dem Ergebnis in der Hand herumwedelte. „Dann würde ich sagen, fahren wir doch mal hin, oder?“, schlug Semir vor und Ben nickte. Auf dem Weg zum Parkplatz kam es unweigerlich zu einem Gespräch über die unterschiedliche Wehrdienstzeit der beiden Kommissare. „Sag mal Semir, hast du eigentlich deinen Grundwehrdienst abgeleistet?“, wollte Ben wissen und sah seinen Partner an, während er mit der anderen Hand die Zentralverriegelung des Autos mittels Knopfdruck löste. „Ich wollte erst, aber dann hat mein Vater mir auf seine Art einen Sinneswandel aufgezwungen.“, erklärte der Deutschtürke und sah Ben vielsagend an. „Das heißt wohl, er hat dich so lange bearbeitet, bis du von selbst Zivildienst gemacht hast.“, konkretisierte Ben. Sein Gegenüber nickte. „Wie war es eigentlich bei dir und deinem Vater?“, wollte Semir wissen, obwohl er sich die Antwort schon denken konnte. „Seh ich so aus, als würde ich zur Hirnlos-Truppe gehen? Freiwillig?“, kam es empört von Ben und mit seinen Handflächen zeigte er auf sich. Semir musste grinsen. „Na wenigstens hättest du dann einen ordentlichen Haarschnitt verpasst bekommen.“, lachte er. „Ja, und Herr Gerkhan hätte endlich gelernt, wie man einem Vorgesetzten gehorcht und ihn nicht hinter seinem Rücken zur Sau macht.“, konterte Ben. Semir brummte nur, dass er losfahren solle, ehe er ihn eigenhändig die Haare schneiden würde.


    ...

  • „Was wollen sie?“, fragte die Wache am Schlagbaum des Kasernentores und sah in den Wagen der beiden Kommissare mit argwöhnischem Blick hinein. „Wir wollen mit dem zuständigen Kommandanten sprechen. Kriminalhauptkommissar Semir Gerkhan und Kriminalhauptkommissar Ben Jäger.“, erklärte Semir und hielt den entsprechenden Dienstausweis der Wache unter die Nase. „Und in welcher Angelegenheit?“, fragte der mürrisch aussehende Soldat. „Das würden wir gerne mit ihm selbst besprechen.“, grummelte Ben und sah den Mann an. Doch plötzlich kam ihnen ein Abschleppwagen entgegen. Ben sah rüber und erkannte das Autokennzeichen, dass er sich gemerkt hatte, als sie auf der Autobahn mit Granateiern beworfen wurden. „Hey Semir, der Wagen... die wollen den Wagen verschwinden lasen.“, stieß Ben aus. Sofort war Semir aus der Beifahrertür gesprungen und hatte sich vor den LKW gestellt. „Hey, was soll das?“, fauchte der Wachposten und wollte Semir am Arm greifen. Doch Ben, der ebenfalls ausgestiegen war, stellte sich dem Mann in den Weg. „Hey, du verrückter Türke... geh mir aus dem Weg.“, fauchte der LKW-Fahrer und lehnte sich aus dem Fahrerhaus raus. Doch Semir blieb gelassen vor dem Wagen stehen. „Halten sie die Klappe. Ich will den Wagen dort überprüfen. Er wurde heute morgen bei einem Überfall benutzt und sie machen sich gerade der Beweisvernichtung schuldig.“, fauchte Semir und wollte seinen kranken Arm heben, ließ es aber bleiben. Dafür ging er zur Fahrertür, zog sie auf und kletterte hoch, bis er mit dem Fahrer auf Augenhöhe war. „So, und jetzt wiederholen sie doch noch einmal, was sie eben gesagt haben.“, bat Semir grinsend und hielt dabei seinen Dienstausweis dem Fahrer unter die Nase. „Ohhhh, Herr Hauptkommissar, ich wusste das ja nicht.“, stotterte der Mann. „Sehr schön. So, sie fahren jetzt beide Wagen zur KTU nach Köln und bleiben dort, bis ich sage, dass sie fahren können.“, kommandierte Semir den Mann herum. „Ja, okay...“, stammelte der Mann und wollte losfahren, als Semir runtergestiegen war.


    „Sagen sie mal, sind sie wahnsinnig? Das ist Eigentum der Bundeswehr. Das können sie nicht so einfach beschlagnahmen.“, fauchte der Wachsoldat, als er aus seiner Stube wiederkam und sich vor Semir aufbauen wollte, hielt dabei den LKW wieder an. „Ach nein? Sehen sie das? Das berechtigt mich dazu.“, zischte der Deutschtürke und hielt wieder seinen Dienstausweis in die Luft. Der Soldat wich zurück. „So und jetzt will ich mit dem Kommandanten sprechen.“, fauchte er und sah sich um. „Dann sprechen sie mit ihm. Er steht genau hinter ihnen.“, kam es plötzlich von einer herrischen Stimme. Sofort drehten Ben und Semir sich um. Vor ihnen stand ein hochgewachsener Mann in genau dergleichen Flecktarnuniform wie der Posten am Tor, doch waren bei dem Offizier, wie er sich zu erkennen gab, wesentlich mehr Sterne und Streifen auf den Schulterklappen. „Sind sie der Kommandant der Kaserne?“, fragte Semir und der Mann nickte.

  • „Major Ulrich von Wittgenstein. Was kann ich für sie tun, meine Herren?“, wollte der Mann mit dem festen Blick und den nach hinten gekämmten Haaren wissen, die fest an seinem Kopf anlagen, ebenso wie die Ohren. Die gerade Nase und das martialische Kinn gaben ihn das gefürchtete Aussehen eines typischen Befehlsgebers, der sich breitbeinig vor die Truppe stellte und mit Genuss seine Befehle über den Kasernenhof brüllte. „Sie haben eben einen Transport der Bundeswehr beschlagnahmt, wie ich sehen konnte.“, fing er an, und, ohne auf Semirs Einwand zu warten, brachte er seine Bedenken zur Sprache. „Sie wissen schon, dass sie das ohne richterliche Genehmigung nicht dürfen.“ „Heute morgen wurde ein Banküberfall mit eben diesem Fahrzeug begangen. Wir konnten, dank des Kennzeichens, ermitteln, dass der Wagen hier stationiert ist. Und jetzt sehe ich ihn auf einem Transporter davonfahren. Welchen Schluss würden sie da ziehen?“, fragte Semir und sah den Mann genau an. Doch er konnte kein Mienenspiel entdecken. Weder eins, dass ihm verriet, dass der Kommandant irgendwas wusste, noch irgendein anderes.


    „Was soll ich ihnen da sagen? Ich kann mir da nichts vorstellen, aber ich bin bereit ihnen zu helfen und ihnen den entsprechenden Wagen zu übergeben. Doch vorher zeigen sie mir den richterlichen Beschluss, der ihnen erlaubt, hier irgendetwas zu beschlagnahmen.“, forderte von Wittgenstein. Semir sah Ben hilfesuchend an. „Hören sie mal, das ist eine polizeiliche Untersuchung und...“, fing Ben an, wurde aber sofort vom Major unterbrochen. „Und sie haben keinerlei Beschluss, oder?“, kam es feststellend vom Major. Wieder tauschten die Kommissare vielsagende Blicke aus. „Dachte ich es mir doch.... Gefreiter, sagen sie dem Fahrer, dass er die Wagen wieder auf den Hof zurückbringen soll.“, wies der Major an. „Ja, Herr Major.“, stieß der Wachposten aus und wies den LKW-Fahrer an, wieder umzudrehen. Knurrend folgte dieser den Anweisungen des Soldaten. Der Offizier wandte sich dann an Semir und Ben. „So, und jetzt, wenn sie einen richterlichen Beschluss bringen, kriegen sie auch den Wagen. Was kann ich noch für sie tun?“, wollte der Mann wissen. „Wir würden gerne wissen, wer diesen Wagen als letztes gefahren hat. Gibt es so etwas, wie ein Fahrtenbuch oder eine Liste, in die man sich eintragen muss?“, wollte Ben wissen. „Nun ja... so was haben wir. Bitte kommen sie mit.“, bat der Major und ging voraus. Semir und Ben folgten ihm


    ...

  • „Gefreiter Haferkamp... wo waren sie heute morgen beim Appell?“, wollte der Feldwebel in solch einem harschen Ton wissen, dass jeder, wirklich jeder, von sich stramm gestanden hätte. So auch Niels Haferkamp. Er stand vor dem Schreibtisch, die Hände dicht an der Hose angelegt und den Kopf senkrecht im 90Gradwinkel haltend, die Augen nur nach vorn gerichtet. Als keine Antwort kam, fragte er ein zweites Mal. „Geben sie mir gefälligst Antwort oder wollen sie Löcher in die Wand bohren mit ihren Blicken?“, fauchte der Feldwebel. Niels regte sich nicht. „Ich... ich kann ihnen keine Erklärung geben.“, gab Niels seinem Feldwebel zur Erklärung. Dieser wusste nicht, was er sagen sollte. Stattdessen nahm er sein Wasserglas und warf es gegen die Gipswand. „Ich frage sie jetzt nur noch einmal.... wo waren sie heute morgen?“, fauchte der Feldwebel und sah den Soldaten mit eindringlichen, einschüchternen Blick an. Niels jedoch schüttelte nur mit dem Kopf. Ein Funkeln in den Augen des Feldwebels und im nächsten Moment sah Niels eine Hand auf sich zuschnellen. Der Feldwebel packte ihn am Kragen. „Wissen sie was? Es wird meine Freude sein, sie persönlich für diesen Verstoß in Arrest zu stecken.“, fauchte der Feldwebel Niels an. „Tun sie, was sie nicht lassen können. Aber ich werde nichts sagen.“, kam es von Niels. „Raus mit ihnen. Sie hören von mir.“, grummelte der Vorgesetzte.


    Niels ging aus dem Büro und sah kurz über seine Schultern zurück, setzte dann aber seinen Weg aus dem Gebäude fort und ging über den Kasernenhof zu seiner Unterkunft zurück. Er musste sich fertig machen. Gleich würde es auf den Schießplatz gehen und er musste noch seine ganze Ausrüstung aus dem Spinnt holen. Er blickte sich um und sah, wie der Kommandant, sein Major, mit zwei fremden Männern über den Hof ging. Niels blieb stehen und erkannte, das es die beiden Polizisten waren, die ihn und Jens verfolgt hatten. Niels wusste nicht, ob er grinsen oder sein Gesicht abwenden sollte. Immerhin hatten sie Eiergranaten nach den Wagen der Polizisten geschmissen und sogar getroffen. Nach wenigen Minuten setzte er seinen Weg fort, holte seine Sachen und ging damit zu seiner Truppe auf den Übungsplatz.

  • „Wie viele Soldaten sind denn hier stationiert?“, wollte Ben vom Major wissen und sah zu dem Mann mit der Flecktarnuniform und dem adelig klingenden Namen. „So um die 1400 Soldaten und 780 zivile Mitarbeiter.“, erklärte er. „Und wer ist für den Wagenpark verantwortlich? Die Soldaten oder zivile Mechaniker?“, kam es von Semir. „Teils, teils. Wissen sie, die Bundeswehr bietet verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten an. Einerseits für junge Leute, die später als Berufssoldaten oder Zeitsoldaten oder in der Reserve dienen wollen, die hier bei uns dann ihre gewünschte Ausbildung machen. Aber auch für zivil motivierte Menschen, die einfach nur bei der Bundeswehr arbeiten wollen, ohne eine Waffe in die Hand zu nehmen.“, erklärte von Wittgenstein. „Und der Wagenpark untersteht wem?“, wiederholte sich der Deutschtürke und Wittgenstein sah ihn an. Der Offizier lachte laut los. „Sie lassen niemals locker, oder?“ „Nie.“, grinste Semir zurück und merkte nicht, wie Ben mit einer sarkastischen Geste den Kopf schüttelte. „Das gefällt mir. So sollten einige Soldaten heute auch sein.“, bemerkte er. „Sie meinen, damit sie den Feind besser töten können?“, fiel Ben dem Offizier ins Wort und sofort wurde die ablehnende Haltung Bens für den Offizier klar erkennbar. „Ich meine, Herr Jäger, dass sie den ersten Kampf überleben. Soldaten sind wie Kinder: Man muss ihnen durch Ordnung und Disziplin das vermitteln, was sie für das bevorstehende Leben brauchen.“, erwiderte der Offizier und sah Ben mit einem scharfen Blick an. Ben jedoch erwiderte das tödlichen Starren. „In diesem Falle, wie sie Menschen töten.“, konterte der junge, rebellische Hauptkommissar. „Im Krieg heißt es: töt oder du wirst getötet. Fragen sie einem Gangster, der sie mit der Waffe bedroht, ob er weiß, was er tut? Nein, für ihn zählt ihr Leben nicht. Also müssen ihn erschießen, um sich selbst zu retten.“, argumentierte der Major und ging mit den beiden Polizisten weiter über den Hof. Ben wollte etwas erwidern, doch ein zur Ordnung rufender Blick von Semir ließ ihn schweigen und so ging er hinter dem Offizier nur noch her.


    ...

  • Nach einer Weile standen sie vor einem abgesperrten Gebiet, hinter dem jede Menge Fahrzeuge, Jeeps, LKWs mit Anhänger und einigen Panzern, standen, aber auch normale Dienstfahrzeuge mit dem Aufdruck „Bundeswehr“. „So meine Herren. Hier haben wir den gesamten Fuhrpark unseres Standortes. Und da...“, von Wittgenstein deutete auf einen einsam in der Ecke stehenden Wagen „ist ihr Beweisstück. Wenn sie mir den Bescheid geben, dann kriegen sie ihn.“, erklärte der Major. Semir nickte, wollte weiter auf das Auto zugehen, doch sofort stellte sich ein Posten mit im Anschlag befindlichem Gewehr vor ihm hin. „Halt! Keinen Schritt weiter!“, fauchte der Soldat und Semir wich zurück. Major von Wittgenstein trat hinzu und sofort nahm der Soldat das Gewehr wieder runter. „Ist schon okay, Gefreiter. Lassen sie den Hauptkommissar passieren.“, erklärte er und Semir nickte dankend. Ben warf dem Soldat und danach dem Offizier einen abfälligen Blick zu und folgte seinem Kollegen. Beide sahen sich das Auto mit dem besagten Kennzeichen genau an. „Hmmm, Ben, was stimmt hier nicht?“, wollte Semir wissen. Der junge Hauptkommissar prüfte mit scharfen Blicken die Reifen des Wagens und vor allem die untere Karosserie. „Der Wagen ist komplett sauber. Aber das kann doch nicht sein.“, stieß Ben aus und Semir nickte nur zustimmend. „Weißt du auch, was das heißt?“


    „Entweder der Wagen hat uns nicht verfolgt oder er ist gereinigt worden.“, kommentierte Ben und wieder antwortete Semir mit einem zustimmenden Nicken. „Damit können wir das Auto vergessen. Jedenfalls spurentechnisch.“, knurrte Ben und richtete sich wieder auf. Dann ging er auf den Offizier zu, der immer noch am Zauntor stand und mit Argusaugen die beiden Kommissare beobachtete. „Könnten sie mir bitte die Liste der letzten Fahrer dieses Wagens bringen.“, bat Ben in besonders freundlichem Ton, den er sich mit großer Mühe abringen musste. Der Major grinste, wusste genau, dass Ben ihn nicht leiden konnte, und blieb dann noch eine Weile vor dem Jungkommissar stehen, ehe er sich auf dem Weg machte und in die Garage verschwand. „Oh man, ich kann diesen Mistkerl nicht ausstehen.“, fauchte Ben, als er wieder bei Semir stand. Der Deutschtürke grinste. „Das muss wohl mit seinem adeligen Namen zusammenhängen. Bist wohl neidisch, dass du nicht auch von Jäger heißt.“, scherzte Semir.

  • „Hallo? Ich bin schon froh, dass ich nicht in der Firma meines Vaters arbeiten muss. Warum soll ich da einen hochtrabenden Namen haben wollen?“, fauchte Ben empört. „Also, rufen wir Hartmut an oder nehmen wir das Fahrzeug gleich mit?“, wollte er dann wissen und Semir sah ihn nur an. „Wie willst du das hier raus bekommen?“, fragte der Deutschtürke und sah seinen Partner an. „Ganz einfach. Ich besorge die richterliche Anordnung und du bleibst als Wachhund hier beim Wagen.“, grinste der Jungkommissar. „Haha, sehr witzig. Hör mal, ich bin der Dienstältere und deswegen werde ich mit unserer liebreizenden Bulldogge reden und du passt auf den Wagen hier auf.“, entgegnete Semir. „Was? Du willst mich hier allein zurücklassen? Das... das kann nicht dein Ernst sein? Ich unter all diesen Spinnern, die hier mit Waffen und viel zu engen Stiefeln rumrennen, die verhindern, dass einem das Blut in den Kopf steigt.“, knurrte Ben. „Wenn du willst, schicke ich dir Dieter her.“, meinte Semir lässig und ging dann zum Wagen zurück. „Vielen Dank, Herr Gerkhan.“, rief Ben ihm böse nach.


    Ulrich von Wittgenstein sah dem vorbeilaufenden Hauptkommissar mit verwunderter Miene nach. „Wo wollen sie denn jetzt hin?“, wollte er wissen. Semir drehte sich nur um und grinste, kommentierte die Frage oder seine Geste mit keinem Wort. Der Major wandte sich dann zu Ben um, der sich gegen die Motorhabe des Wagens lehnte und so jegliche weitere Spurenvernichtung verhindern wollte. Was er nicht wusste, war, dass er nicht nur von dem Major und Kasernenkommandanten beobachtet wurde. Leutnant Jens Kupfer, der mit seinen Leuten vom Schießstand kam, sah, dass der Wagen noch nicht abgeholt worden war und blieb stehen. „Leutnant, alles in Ordnung?“, wollte einer der einfachen Soldaten wissen. „Ja, gehen sie in ihre Unterkunft und reinigen sie ihr Gewehr, verdammt noch eins.“, fauchte er zurück und blieb weiterhin da stehen. Warum stand der Wagen noch dort? Das durfte doch nicht sein. Der sollte schon seit einer Stunde nicht mehr als ein handlicher, kleiner Würfel sein. „Da muss ich mich wohl drum kümmern.“, dachte er murmelnd und ging hinter die Umzäunung entlang. Jetzt musste er schnell handeln. Vorerst musste der Posten da vorne weg und dann der Bulle. Sicher war dies einer dieser Zivi-Bullen von der Autobahn. Für eine Kampfmaschine wie Jens Kupfer war dies eines der kleineren Probleme. Vor allem der Posten musste weg. Da hatte Jens eine Idee.


    ...

  • Semir war inzwischen auf dem Weg zur Bulldogge, der liebreizenden, aber bärbeißigen Staatsanwältin Dr. Isolde-Maria Schrankmann. „Dieter? Semir hier... pass auf, Ben braucht deine Unterstützung auf dem Bundeswehrstützpunkt Köln West. Er wartet dort auf dich. Beeil dich bitte.“, wies der Hauptkommissar per Handy an. „Au ja... endlich wieder Zivil tragen.“, stieß Dieter vor Freude aus und legte auf. Semir musste lachen. Hotte wie auch Dieter waren doch wie kleine Kinder, wenn man ihnen eine Freude machen konnte. Wenige Augenblicke später fuhr er auf dem Parkplatz der Staatsanwaltschaft vor, stieg aus und ging in das Gebäude hinein. Er suchte auf dem großen Personalplan am Eingang das Zimmer von Staatsanwältin Schrankmann und stieg dann die entsprechenden Treppen hinauf. Als er vor der Tür stand, klopfte er und horchte dann, ob sich drinnen etwas rührte. Doch es kam nichts. Wieder klopfte er und wartete ab. Nach dem dritten Klopfen nahm er die Klinke in die Hand und drückte sie nach unten. „Oh, tut mir Leid.“, stieß er sofort aus und wollte die Tür wieder schließen. „Moment, kommen sie doch bitte rein.“, kam es vom Inneren des Büros. Semir öffnete wieder die Tür und trat ins Büro ein. Ein Mann in Semirs Alter saß hinter einem großen Schreibtisch und schrieb mit seinem Kugelschreiber seinen Wilhelm auf Papiere, legte sie auf einen Stapel, nahm sich ein neues Blatt und unterschrieb erneut. Dann sah er auf und blickte den Deutschtürken mit neugierigem Blick an, während er seinen Kugelschreiber beiseite legte. „Sie wünschen bitte?“, wollte der Mann wissen. „Mein Name ist Semir Gerkhan, Kriminalhauptkommissar bei der Autobahnpolizei, und ich brauche von ihnen eine gerichtliche Verfügung zur Abschleppung eines Wagens, der bei einem Überfall benutzt wurde.“, erklärte Semir und sah den Mann mit großen, verwunderten Augen an. Sein Gegenüber lachte.


    „Herr Gerkhan, sie fragen sich sicherlich, wer ich bin. Nun, Karsten Löwe, ich bin die Vertretung von Staatsanwältin Schrankmann.“, erklärte er und sah, wie Semir noch neugieriger dreinschaute. „Ach? Wo ist denn Frau...“ „Sie meinen, die Bulldogge?“, lachte Löwe. „Sie ist auf einem Kongress in Amsterdam und wird erst in drei Wochen wieder hier sein.“, erklärte er. „Aber jetzt zum Thema... für das Beschlagen eines verdächtigen Fahrzeugs brauchen sie doch keine richterliche Genehmigung, oder?“ „Leider doch... es handelt sich um ein Dienstfahrzeug der Bundeswehr.“, erklärte Semir und schilderte den Sachverhalt des heutigen Tages in kurzen Einzelheiten.

  • „Ich verstehe... nun, dann will ich ihn mal diesen Wisch ausstellen. Nehmen sie so lange Platz.“, bot Löwe an, brachte seinen Computer in Gang und druckte das erforderliche Dokument aus. Dann füllte er die entsprechenden Leerstellen aus, setzte hier und da ein Kreuz und unterschrieb mit Datum das Dokument. Dann reichte er es Semir rüber. „So, dann holen sie mal den Wagen. Aber ich weiß nicht, was das bringen soll, wenn die Spuren schon verloren sind.“, meinte der Staatsanwalt. Semir grinste nur als Antwort. „Keine Sorge, wir haben einen Techniker, der selbst das kleinste Staubkörnchen findet. Er ist wie ein Bluthund, der alles findet, was es zu finden gibt.“, grinste Semir, faltete das Blatt zusammen und ging aus dem Büro. „So, dann zeig mal, was du kannst, Hartmut.“, kommentierte Semir und startete seinen Wagen, machte sich auf den Rückweg zum Bundeswehrstützpunkt.


    Ben sah sich um. Noch immer war von Dieter nichts zu sehen. Ihm war Langweilig und so beobachtete er den Posten, der vor dem Zaun auf und ab ging und immer wieder einen misstrauischen Blick auf den Kommissar warf. „Guck nicht so, ich kann dich auch nicht leiden.“, murrte Ben leise vor sich her und blickte für einen Moment zur Seite, betrachtete sich die viel interessanteren, großen Fahrzeuge. Als er seinen Blick wieder zum Zaun wendete, sah er, dass der Posten weg war. Stutzend erhob sich Ben aus seiner ans Fahrzeug gelehnten Haltung und ging einige Schritte auf den Zaun zu. Er blickte nach rechts und links, doch der Posten war weg. „Eine Arbeitsmoral haben die hier.“, grummelte Ben und drehte sich wieder um. Doch genau in diesem Moment sah er eine Faust auf sich zuschnellen. Im letzten Moment duckte er sich, doch dann kam schon das Knie auf ihn zu. Mit einem gekonnten Schlag wurde er zu Boden geworfen, doch Ben war vorbereitet und kam wieder hoch. Er spürte dennoch, wie ihm das Blut aus der Nase trat. Der Kommissar holte aus und schlug zu, verfehlte aber sein Ziel. „Das war wohl nichts.“, fauchte der vermummte Mann, der vor Ben stand. Dieser holte erneut aus und schickte Ben dieses Mal ins Reich der Träume. Benommen landete der Kommissar auf dem harten Betonboden und merkte nicht, wie er hinter einen großen LKW gezerrt und mit seinen eigenen Handschellen gefesselt wurde. „So, das dürfte für den Moment ja reichen.“, grinste der Angreifer und widmete sich wieder seinem Vorhaben.


    ...

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