Rheinpiraten

  • „So, Mister Jäger, wenn sie dann bitte hier unterschreiben würden.“, meinte der Engländer zu Konrad Jäger, dem Inhaber von Jäger Invest, einer der größten Baufirmen in ganz Nordrheinwestfalen, und legte ihn einen in einer Mappe liegenden Vertrag zur Unterschrift vor. Konrad nahm seine Brille, setzte sie sich auf die Nasenspitze und überflog diesen, führ ihn mehr als wichtigen Vertrag, sah dann zu seinem Vertragspartner auf. Sir Christopher Holmes, britischer Konsul und Vertreter der Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland in Deutschland, lächelte den Baulöwen freundlich und höflich an. „Die Regierung ihrer Majestät wird auf das Äußerste zufrieden über diesen Vertrag sein. Es ist das erste Mal, dass wir eine deutsche Firma mit dem Bau von neuen Wohnungshäusern in London und Umgebung beauftragen.“, erklärte er in perfektem Deutsch. Kaum war der leichte Akzent zu hören, den er als geborener Schotte nun einmal hatte. „Es ist ein sehr großer Auftrag und dafür werde ich bestimmt die meiste Zeit in London sein müssen, oder?“, wollte Konrad wissen, während er seinen Wilhelm unter den Vertrag und neben das angegebene Datum setzte. „Das ist, denke ich, möglich, aber das sollte sich in Grenzen halten.“, erwiderte Holmes und unterzeichnete das Dokument nun selbst. „Sehr gut, ich will nämlich meine Kinder nicht noch mehr vernachlässigen.“, erwiderte Konrad und stand auf. „Dann bringen sie doch ihre beiden Kinder zu den Feierlichkeiten mit. Auf dem Rheinschiff ist genug Platz und es wäre eine gute Gelegenheit, ihrer Familie von dem Vertrag zu erzählen. Immerhin leisten sie damit eine großartige Hilfe für die sozialschwachen Familien Englands.“, erklärte der Engländer und Konrad nickte. „Warum eigentlich nicht. Ich werde meinen Sohn sofort anrufen.“, entgegnete er.


    Ben und Semir waren auf ihrer Rundfahrt, als Bens Handy klingelte. Er schaute zu Semir rüber. „Sieh mich nicht so an. Das ist dein Handy.“, erwiderte Semir nur und Ben legte sein Brötchen auf die Ablage. „Hey, musst du dein fettiges Mittagessen auf mein frisch geputztes Armaturenbrett legen?“, zischte der Deutschtürke nur. „Ja Tschuldige, aber sonst komm ich nicht an mein Handy.“, erwiderte Ben nur und suchte in seinen ganzen Taschen nach dem schrillenden Mobiltelefon. Endlich hatte er es gefunden. „Nanu... mein Papa.“, meinte Ben erstaunt, bevor er auf den grünen Knopf drückte. „Hallo Papa... das ist ja schön, dass du dich mal meldest.“, meinte Ben und zog eine Augenbraue hoch. „Hallo Ben... hör mal, ich habe heute einen Vertrag abgeschlossen. Hättest du Lust mit mir und deiner Schwester ein wenig zu feiern?“, wollte Konrad wissen. „Also Papa, du weißt, dass...“ Konrad unterbrach ihn. „Bitte Ben, es ist mir sehr wichtig, dass ich das mit euch feiern darf. Es ist ein großer Auftrag, vielleicht der letzte meiner Karriere.“, erwiderte Konrad. Ben seufzte ergeben. „Okay, aber ich bring Semir mit, wenn du nichts dagegen hast.“, entgegnete Konrads Sohn. „Klar, bring ihn ruhig mit. Das wird auch für ihn etwas ganz besonderes. Wir treffen uns heute Abend um acht am Rheinufer.“, erklärte Konrad und verabschiedete sich dann. Semir sah Ben an. „Oh…was wollte der Papa denn?“, grinste er. „Er hat mich eingeladen… zu einer Party. Er hat mich sogar irgendwie befohlen zu kommen.“, knurrte Ben leise. „Hört sich nicht gerade an, als würdest du gern gehen…“, dachte Semir laut nach. „Nun ja…. Die Partys sind immer so langweilig. Er schickt mir nachher eine Mail, wo die Feier stattfindet. Ach ja… du kannst auch mitkommen.“, grinste Ben. „Ach echt? Das freut mich doch…. Wann denn? Ich muss Andrea ja Bescheid geben, dass sie und Aida…“, meinte Semir und sah auf die Straße.


    „Hallo Andrea….schön das du hier bist…“, kam von Susanne, als die Freundin rein kam. „Susanne…. Wo ist Semir denn?“, wollte Andrea wissen und gab ihrer Freundin links und rechts ein Küsschen. „Der ist schon unterwegs… kennst die Beiden ja… Autofahren….“, lachte Susanne. „Weißt du, was ich mir überlegt habe…wir beide haben schon so lange nichts mehr gemeinsam unternommen und ich dachte wir könnten mal ins Kino gehen und dann lecker essen…?“, schlug Andrea vor. Susanne lachte freudig auf. „Oh ja… das ist eine halbe Ewigkeit her….und im Kino läuft doch gerade so ein toller Streifen mit Brad Pitt…“, schwärmte sie sofort. „Na dann….suchen wir und doch den Donnerstag aus….“, nickte Andrea. „Was sagst du Semir? Ich meine, er wird sicher auch was vorhaben… vielleicht will er mit dir und den Kindern…oder besser gesagt den anderthalb Kindern was unternehmen.“, kam von Susanne. „Na….der wird sich daran gewöhnen müssen, dass ich auch mal was unternehme. Außerdem habe ich ja Julia als Kindermädchen…. Die hat nämlich am Donnerstag Zeit. Hab ich alles schon geklärt…“, lachte Andrea. „Du hast also schon alles geplant und fragst mich erst, wenn du fertig bist… wie Semir…“, grinste Susanne nur. „Ja aber Semir entscheidet ja auch direkt über die Köpfe weg. Das mache ich nicht…“, widersprach Andrea sofort.

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    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „Und weißt du wann diese Party ist?“ wollte Semir wissen. „Ja am Donnerstag. Näheres nachher in der Mail….“, murmelte Ben und lehnte seinen Kopf gegen die Stütze. „Bist du müde?“, harkte Semir nach. „Ja… die Nacht war etwas anstrengend…. Bin kaum zum schlafen gekommen…“ nickte Ben und schloss die Augen. „Oh…. So anstrengend… blond oder braun?“, grinste Semir. Ben lachte leise. „Braun und weiß…. Ich hab den Hund meiner Nachbarin in Pflege gehabt gestern… Quasi…Hundesitter…. Und dieses Vieh hatte wohl Verdauungsprobleme…. Alle halbe Stunde musste er raus…“, gab er zurück. „Oh…Hundesitter…. Ja sicher…..“, lachte Semir nur. „Mann…wirklich…. Der Hund heißt Cleo….ja wohl…. Eine liebe nette Bassettdame. 18 Monate alt…“, grinste Ben nur. Semir sah ihn an. „Wow, und dann kein Wunder, dass sie dauernd raus muss.“, erwiderte er und sah vor sich auf die Straße. Ein schwarzer Peugeot zischte an den beiden vorbei. „Wow, der hat’s aber heute eilig.“, stieß Semir aus und sah zu Ben, dem das Ganze nicht interessierte. „Hey, arbeiten.“, knurrte Semir und stieß seinen Partner an. „Hm?“, machte er nur und sah verwirrt und verschlafen auf die Straße. „Arbeiten... Kelle raus.“, kommentierte Semir und wies auf den schwarzen Peugeot, den er verfolgte. Ben schaltete die Lichtanlage ein und Semir überholte den Wagen rechtsseitig und setzte sich dann vor ihn. Ben winkte ihn mit der Kelle auf den nächsten Rastplatz. „So, was haben wir denn falsch gemacht?“, wollte der Jungkommissar vom Fahrer des Peugeots wissen. Ihm fiel nicht der Wagen auf dem Rastplatz auf, der neben einen schwarzen Van parkte.


    „So, hier sind die Waffen, die ihr braucht, um den Job über die Bühne zu bringen.“, meinte Hasan und zog an seiner Zigarette. Gabriel sah ihn an. „Sehr gut. Wir werden die Party schon rocken.“, lachte er und lud die kleine Maschinenpistole durch. Jan und Ilja sahen ihren Chef nur an und grinsten breit. „Die Gäste werden große Augen machen, wenn wir ihnen die hier vor die Nase halten.“, lachte Jan und zog eine Schrotflinte aus dem Kofferraum, doch sofort riss ihm Gabriel die Waffe wieder aus der Hand. „Los, schafft das Zeug in den Kofferraum.“, befahl er und die beiden taten, was von ihnen verlangt wurde. Der junge Mann mit der unscheinbaren Narbe unter dem linken Auge drehte sich wieder zu dem Libyer um. „Hier, dein Geld. Wie verabredet.“, meinte er und reichte dem Mann eine kleine, unscheinbare Tasche. „Wenn ihr wieder was braucht, du kennst ja meine Nummer.“, lächelte er und verschwand dann mit seinem Wagen, nachdem die Waffen den Besitzer gewechselt hatten. „Okay, zurück in unsere Bude und den Plan noch mal durchgesprochen. Außerdem müssen wir noch Proben. Wir wollen doch die Tarnung aufrecht erhalten.“, lachte er und stieg zu seinen Kumpanen ins Auto. Nur der Teufel wusste, was diese jungen Leute mit den Waffen in ihrem Kofferraum vorhatten.

  • „So, dann wissen sie ja, was sie falsch gemacht haben.“, knurrte Ben den Peugeotfahrer an und überreichte ihm den Strafzettel. Dieser knurrte nur und fuhr dann mit seinem Auto davon. „So, und jetzt?“, wollte Semir wissen und sah Ben an, als dieser zu ihm in den Wagen wieder stieg. „Mittagessen... und du zahlst, nachdem ich die Arbeit machen musste.“, grinste der Jungkommissar und Semir erwiderte das Grinsen nur. „Okay, dann fahren wir mal.“, meinte er und wenige Minuten später waren sie auf dem Parkplatz ihrer Lieblingsraststätte und hatten sich in die Reihen der hungrigen Mittagsgäste eingereiht, als Semirs Handy klingelte. „Andrea Schatz... was gibt es? Ist mit euch alles in Ordnung?“, schoss Semir die Fragen ab und nahm den Teller mit der Currywurst vom Koch entgegen. „Ja, bei uns ist alles in Ordnung. Hör mal, Susanne und ich gehen am Donnerstag ins Kino und Julia passt auf Aida auf... Ist das okay für dich?“, wollte sie wissen und stellte ihn quasi vor vollendete Tatsachen. Semir schluckte kurz und sah Ben an. „Ja okay... ich bin auch zu einer Party eingeladen. Somit haben wir wohl beide etwas vor.“, lächelte er, doch innerlich schien es ihm nicht recht zu sein, dass Andrea nicht im Haus war und beide kein gemeinsames Rendezvous hatten. „Semir? Alles in Ordnung mit dir?“, wollte Ben wissen und riss ihn aus seinem Gedankengebäude heraus. „Was?“, stammelte dieser nur und sah seinen Partner an.


    ...

  • Konrad war in seiner großen, verlassenen Villa und dachte über die Worte von heute Morgen nach. England... immer wieder geisterte ihm dieses Wort in dem Kopf herum. Wenn er schon dort baute, warum nicht den Rest seines Lebens dort verbringen, sich irgendwo an der Themse ein kleines, ruhiges Herrenhaus suchen, es wieder liebevoll herrichten lassen und dann mit ein, zwei Hunden und einigen anderen Tieren darauf den Lebensabend genießen. Doch dann fiel sein Blick auf das Gruppenbild der Hochzeit seiner Tochter Julia. Ben und er hatten sich damals wieder versöhnt und richtig ausgesprochen. Mittlerweile waren sie wieder die Familie, die sie am Anfang waren. Was würden seine Kinder sagen, wenn er wirklich hier die Zelte für immer abbrechen würde? Konrad haderte mit sich selbst. Was sollte er nur tun? Warum nicht rüberfahren und sich umsehen, dachte er, schauen kostet ja nix und ist nicht verboten. Gleich, wenn der erste Grundstein für die neuen Bauten gelegt wurde, wollte er rüberfahren. Aber eigentlich konnte er... ja, das war die Idee. Er konnte doch mit Sir Christopher über sein Vorhaben sprechen. Immerhin war er ja Brite und konnte ihm den ein oder anderen Tipp geben, wo es sich denn am Besten wohnen ließe. Aber was würde dann aus seiner Familie werden? Na was soll es…, dachte er. Seine Kinder waren groß und sie konnten ihn besuchen. Außerdem fühlte er sich nicht zu alt, noch mal was Neues zu machen. Sein Schwiegersohn und Julia hatten seinen Laden hier im Griff… er war doch eh nur mehr der Gast in seinem eigenen Unternehmen. Dieses war sein letzter Auftrag und dann würde er sich auf seinem Altenteil zurücksetzen. Ja…das konnte er in England sicher auch gut. Doch nun stand erst einmal die Party an. Er hatte die „Mary Queen“ auf dem Rhein gebucht. Das war das schönste und größte Partyschiff was die Reederei Meyer zu bieten hatte. Zwar nicht ganz billig, aber auf Geld musste er ja nicht achten. Nur wenig später saß er an seinem PC und schrieb seinem Sohn die letzten Instruktionen für die Party.


    Ben sah auf, als die E-Mail einging und sich mit einem hellen Ton ankündigte. „Oh…das wird mein alter Herr sein.“, grinste er und sah zu Semir. „Fein…dann wollen wir doch mal sehen, wo wir hinmüssen.“, gab dieser zurück. „Dir passt es irgendwie nicht, das Andrea und Susanne ausgehen oder?“, wollte Ben wissen. „Nun ja….die beiden Frauen allein…das ist…also nicht das ich eifersüchtig wäre oder so…aber was weiß ich mit wem die sich treffen?“, gab Semir zu bedenken. Ben lachte. „Ja klar….man ihr seid verheiratet und Andrea ist dir mit Sicherheit treu….“, versuchte er seinen Kollegen aufzumuntern. „Du hast Recht…. Ich muss ihr vertrauen…“, nickte Semir doch es hörte sich nicht gerade überzeugend an. Er stand mit einem leichten Stöhnen auf. „Wo findet denn diese langweilige Party von deinem Vater statt?“, wollte er wissen. „Ja…also auf der „Mary Queen“…“, kam etwas überrascht von Ben. „Mary Queen“? Wer ist das denn?“, harkte Semir nach. „Ein Schiff….der Reederei Meyer.“ stöhnte Ben. „Dein Vater liebt wohl das Wasser… weiß der nicht, dass du seekrank wirst?“, lachte Semir. „Warte es ab. Der Kahn wird ja nicht auslaufen…hoffe ich jedenfalls. Was ziehen wir an…Oh…mein alter Herr lernt dazu….legere Abendkleidung dem Anlass angemessen….“, las Ben weiter vor. „Was heißt das?“, kam von Semir. „Nun ja… Jeans und nette Anzugsjacke reichen aus… ich werde mir keinen Anzug anziehen. Mein Vater weiß, wie ich darauf stehe. Wir gehen in unserer legeren Arbeitskleidung hin. Fallen zwar auf, aber er wird uns schon nicht raus werfen.“, grinste Ben. Semir schüttelte den Kopf. „Du musst aber auch gegen alles rebellieren oder?“, wollte er wissen. „Man tut was man kann.“, lachte Ben.


    Gegen 19 Uhr fuhr Semir nach Hause. Andrea hatte bereits das Essen fertig und wartete auf ihn. „Hallo Schatz.“, gurrte sie und küsste ihn. „Hey… ich hab Hunger wie ein Bär..“, gab er zurück. Doch Andrea merkte dass etwas nicht stimmte. „Was hast du? Ist es, weil ich am Donnerstag mit Susanne ausgehen?“, harkte sie sofort nach. „Was? Nein…ich vertraue dir doch…“, beruhigte Semir sie sofort. „Also hattest du doch Zweifel…Semir… ich gehe mit meiner besten Freundin aus….ich bin im fünften Monat schwanger und du denkst ich würde dir fremdgehen?“, tadelte sie ihn. „Nein… ich doch nicht….Andrea…. ich…ich habe nur…ja also gut…“, gestand er ihr, als sie ihn ansah. Andrea lachte leise. „Mein türkischer Hengst ist wie am Anfang immer noch eifersüchtig.“, meinte sie nur. „Ich bin nicht eifersüchtig….nur etwas misstrauisch.“, knurrte Semir leicht beleidigt. Doch dann lachte er. „Du hast Recht…. Ich liebe dich viel zu sehr, als das ich immer noch Angst habe, dass du deinen Traumprinzen findest…“, gab er dann zu. „Semir…. Du bist mein Traumprinz…mit dir kann kein Mann mithalten. Egal, was er verspricht. Und denk daran, ich trage unseren Beweis der Liebe unter meinem Herzen…“, flüsterte sie ihm ins Ohr. „Wo ist Aida?“ wollte er nach einem langen Kuss wissen. „Sie schläft schon. Ich glaube, sie wird krank. Sie hatte heute etwas erhöhte Temperatur und im Kindergarten ist die Grippe ausgebrochen. Ich werde morgen mit ihr zum Doc fahren, nur um sicher zu gehen…“, meinte Andrea besorgt. Semir ging ins Zimmer seiner Tochter. Aida schlief tief und fest, atmete ruhig. Langsam und mit vorsichtigen Schritten trat der besorgte Vater an das Bett seiner Tochter und ließ seine Hand sachte auf Aidas Stirn nieder. Die Stirn war ein bisschen wärmer als sonst. „Mein kleiner Engel.“, murmelte Semir und gab seiner Tochter einen sanften Kuss auf die Stirn. Schnell verschwand er wieder aus dem Zimmer und ging zu seiner Frau, um mit ihr zu essen.

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  • „Du willst, was, Papa?“, stieß Julia verwundert aus, als sie mit ihrem Mann Peter zu Besuch bei ihrem Papa war. „Ich will mich zur Ruhe setzen... in England.“, meinte Konrad ein zweites Mal. Julia stand vor ihm, die großen Augen sahen ihn nur an. Fassungslos blickte sie von ihrem Papa zu Peter und wieder zurück. „Das kannst du uns nicht antun... das kannst du Ben vor allem nicht antun. Gerade jetzt, wo ihr euch wieder versöhnt habt.“, erklärte sie und versuchte, die Motive in seinen Augen zu lesen. „Papa, warum? Warum dieser Entschluss und warum so plötzlich?“, wollte sie mit rauer Stimme wissen. Konrad seufzte. „Schätzchen, sieh mal, meine Firma ist bei Peter und dir in den besten Händen und dieser Auftrag wird mein letzter, als Firmenchef sein. Danach will ich einfach nur noch mein Leben genießen.“, erklärte er. „Aber... aber warum auf dieser Insel? Warum nicht bei uns, hier, mit deiner Familie?“, fragte Julia besorgt. Konrad lächelte nur. „Mein Kind, ihr beide habt euer eigenes Leben und Ben das seine schon sehr viel länger. Es wird Zeit, dass ich auch mein eigenes Leben suche und beginne. Seit Jahren gab es nur noch die Firma, die Firma und die Firma. Nein, das will ich nicht mehr. Ich will endlich leben, ausreiten und endlich wieder segeln gehen. Ich weiß, es wird sehr schwer für euch, ohne mich, aber sieh mal... England ist nur eine Flugstunde von euch entfernt. Ich bin doch nicht aus der Welt. Bitte versteh mich.“, meinte er und strich seiner Tochter liebevoll über den Arm. „Und du sagst dazu gar nichts?“, fuhr Julia ihren Mann an. „Weißt du, ich finde, dein Vater hat recht.“, begann Peter. „Sieh mal, er hat die letzten Jahre fast nur in der Firma oder in deren Arbeit verbracht. Er hat doch auch das Recht auf einen ruhigen Lebensabend.“, meinte Peter und schien damit besser zu seiner Frau durchzudringen, als Konrad es geschafft hätte. Resigniert ließ Julia den Kopf hängen. Ein Seufzer entwich ihr. „Ach Papa, was wird Ben nur dazu sagen?“, murmelte sie und umarmte Konrad. „Das werde ich bald wissen.“, erwiderte er.


    „Yes Prime Minister. Ich versichere ihnen, der Vertrag ist unter Dach und Fach. Die Gebäude werden wie besprochen gebaut. Es ist alles in Ordnung. Ich werde ihnen den Vertrag mit der Diplomatenpost zukommen lassen.“, meinte Christopher Holmes zu seinem Regierungschef am anderen Ende der Leitung. „Sie haben wirklich fantastische Arbeit geleistet, Sir Christopher. Ich werde es bei dem nächsten Gespräch im Buckingham Palace lobend erwähnen.“, meinte der Mann am anderen Ende der Leitung. „Ich danke ihnen, Prime Minister. Bye.“, verabschiedete er sich und legte das Telefon auf die Gabel zurück. Er hatte es eigentlich geschafft. Wieder war eine schwierige Hürde zur Verbesserung seines Heimatlandes genommen. Er konnte noch mehr stolz auf sich sein, weil er es war, der Konrad Jäger darauf angesprochen hat und dieser die Situation, die ihn Christopher Holmes schilderte, verstand.

  • Sein Blick fiel aus dem Fenster. Die winterliche Dunkelheit hatte schon die Straße in ein tiefes schwarz getaucht und für ihn war es Zeit, zu seiner Familie zurückzukehren und mit ihr den restlichen Abend zu verbringen. Wie gern er doch dieses Land hatte, dachte er bei sich, als er draußen neben seinem Wagen stand, die Tür öffnete und seinen Aktenkoffer hineinwarf. Aber noch mehr liebte er seine Insel und er nutzte jede Chance, um die Situation der Menschen dort noch mehr zu verbessern. Großbritannien war einst das gefürchtetste Land auf der Welt und nun mitunter eines der unbeliebtesten, wenn es um die Weltpolitik ging. Dennoch war es eines der reichsten und schönsten Länder dieser Erde und Holmes konnte nicht anders, als sein Leben in den Dienst seines Landes zu stellen. Er wusste nicht, dass ihn das bald zum Verhängnis werden würde.


    Donnerstagmorgen. Semir war auf dem Weg zu Ben, um diesen abzuholen. Als er vor der Tür vorfuhr, stand dieser aber nicht, wie verabredet, draußen. „Nanu? Hat er wieder verschlafen?“, murmelte Semir vor sich her, als er plötzlich ein lautes Bellen und Bens Stimme vom Hof vernahm. Neugierig schnallte sich Semir ab und stieg aus, folgte dann den Geräuschen. Was er sah, war ein Bild für die Götter. Semir lehnte sich an den Zaun und sah dem Treiben zu. „Sag mal Ben….ist es nicht normalerweise so, dass du mit dem Hund Gassi gehst und nicht umgekehrt?“, fragte er. „Ja lach du nur… dieses Vieh ist schlimmer als drei Aidas auf einmal…“, stieß sein Kollege aus und versuchte, den jungen Hund einzufangen. Diesem schien es tatsächlich Spaß zu machen, Ben bis auf wenige Schritte herankommen und sprang dann weiter zurück. „Och Mensch… nun komm schon… ich muss weg…bitte, du süße kleine Maus…“, flehte Ben innig. Cleo schien zu ahnen, dasss Ben sich nicht amüsierte, während sie ihren Spaß hatte. Semir steckte sich zwei Finger in den Mund und pfiff laut. Cleo sah ihn aufmerksam an und rannte zu ihm. Schnell griff Semir zu und hielt den Hund fest. Ben kam leicht außer Atem zu ihm. „Ich hätte das auch ohne dich geschafft…“, knurrte er. „Gut… dann lass ich die Süße wieder los.“, drohte Semir grinsend. Schnell griff Ben zu und hielt den Hund fest.


    ...

  • Andrea trug Aida in die Praxis von Dr. Schönfeld. „Was hat meine Lieblingspatientin denn diesmal?“, fragte er und streichelte Aida über den Kopf. „Halsweh…Fieber… ich hab Angst, dass sie die Grippe hat. Sie hustet bellend und irgendwie glaub ich manchmal, dass sie erstickt…“, zählte Andrea besorgt auf. Dr. Schönfeld nickte. „Nun dann wollen wir doch mal sehen…machst du mal den Mund auf, Aida?“, bat der das kleine Mädchen. Aida tat, was der Doktor sagte. „Seit wann hat sie den bellenden Husten?“, wollte er wissen. „Seit gestern Nacht. Da war es ganz schlimm.“, erklärte Andrea. „Okay… die erhöhte Temperatur auch erst seit gestern?“, harkte der Doc nach. „Nein… schon seit zwei Tagen…“, kam von Andrea. „Nun…. Dann horchen wir doch mal die Lunge und die Bronchien ab. Aber ich denke mal, dass sie den Keuchhusten hat.“, meinte der Doc und horchte an Aidas Brust. Nach wenigen Minuten nickte er. „Ja… er ist es.. Ich verschreibe der Kleinen Antibiotika und ein entkrampfendes Mittel. Sobald sie anfängt zu bellen… geben Sie ihr ein Zäpfchen. Es entkrampft und versuchen sie ihr möglichst ein feuchtes Raumklima zu schaffen. Das erleichtert die Atmung.“, erklärte der Doc. „Wie lange dauert es denn?“, wollte nun Andrea noch wissen. „Der bellende Husten kann noch einige Wochen weiter gehen. Aber das Fieber sollte recht schnell vergehen.“, beruhigte sie der Doc. „Danke….“, meinte Andrea nur und nahm Aida wieder auf den Arm. „Ach Frau Gerkhan…. Sie sollte die nächste Zeit zuhause bleiben. Keuchhusten ist ansteckend.“, ermahnte Dr. Schönfeld. Andrea nickte und verschwand wieder nach Hause. Sie legte Aida auf die Couch und gab ihr die Medikamente.


    Susanne freute sich auf den Feierabend. Der Abend mit Andrea stand bevor und sie hatten sich schon einen tollen Film ausgesucht. Gegen sieben fuhr sie zu Andrea. „Hey… hallo….komm rein. Julia kommt jetzt auch gleich. Aida ist krank. Sie hat Keuchhusten…“, erklärte Andrea. „Oh…willst du zuhause bleiben?“ wollte Susanne sofort wissen. „Nein….Julia ist eine hervorragende Kinderkrankenschwester…“, lächelte Andrea. „Na denn…was sagt Semir denn dazu?“, kam nun von Susanne. „Oh…der ist schon seit heute Morgen raus. Er macht sich natürlich auch Sorgen, aber er hat es mir überlassen. Susanne…es kann sein, dass ich mitten im Film nach Hause will…vielleicht ist das kein schöner Abend für dich…“, gab Andrea zu bedenken. Susanne nickte. „Weißt du was… ich hab einen anderen Vorschlag… ich fahre zur Videothek und leihe mir ein paar Filme aus. Kaufe dann noch etwas zu trinken und zu essen und wir machen uns hier einen tollen Abend… wie wäre es?“, grinste Susanne. „Das ist eine großartige Idee, Suse. Ich werde Julia gleich anrufen und ihr sagen, dass sie nicht kommen brauch.“, erwiderte Andrea und griff gleich zum Hörer. Dem Mädchen war das ganz recht, dass sie nicht Babysitten musste. So konnte sie die Zeit mit Tim verbringen. Susanne machte sich auf dem Weg in die Videothek und holte einige Filme, die sie und Andrea liebten. Beide wussten nicht, dass sie an diesem Abend noch etwas ganz besonderes zu sehen kriegen sollten.


    Gabriel, Jan und Ilja trafen in ihrem Versteck mit den anderen zusammen. Oliver, Roman, Karsten und Holger saßen auf den Instrumentenkoffern und warteten. Rebecca war die einzige Frau in der Gruppe. „So, hier sind die Waffen. Verteilt sie und nehmt euch genügend Munition mit. Man kann ja nie wissen, wie viel Widerstand die feinen Herrschaften leisten wollen.“, lachte Gabriel und bestückte seine Maschinenpistole mit der entsprechenden Munition. „Und was machen wir, wenn einer frech wird und nicht parieren will?“, wollte Oliver wissen. „Tja, dann werden wir ihm eine Ladung Blei in den Körper pumpen.“, grinste Ilja nur und spielte mit seiner Schrotflinte herum. Wieder riss ihm Gabriel die Waffe aus der Hand. „Ich will keine Toten haben, verstanden?“, fauchte er und sah mit bitterem Blick Ilja nickte, doch innerlich schwor er sich, Gabriel irgendwann auszuschalten und seinen Platz einzunehmen. Wenn er ihn noch einmal anpackte, würde er ihn töten. Das schwor er sich. Rebecca würde ihn dann auch gehören. Was sie nur an diesem Möchtegern fand?, dachte er sich und sah, wie sich das blondgelockte Mädchen von gerade einmal 22 Jahren in Gabriels Arme warf und ihn einen Kuss auf die Lippen drückte. Irgendwann würde sie ihm gehören. Das schwor sich Ilja. „So, hört nun den Plan für heute Abend... Oliver und Roman... ihr werdet den Kapitän und den Steuermann festsetzen. Sie sollen das Schiff losmachen und in die Mitte des Rheins bringen. So kann kein Bulle auf das Schiff kommen.“, erläuterte er. „Die anderen halten die Gäste in Schach und nehmen ihnen alles ab, was sie bei sich tragen. Da das nur hoch geladene Gäste werden sie auch sehr viel Bares bei sich haben und für unseren Goldjungen werden wir eine hübsche Summe Lösegeld zusammen bekommen. So lange bleiben auch die anderen unsere Gäste. Wir geben unsere Forderungen dann über den Schiffsfunk durch. Sicher wird die Polizei sich mit uns in Verbindung setzen.“, meinte Gabriel und war damit am Ende seines Plans. „Wie viel Geld werden wir wohl für den Kerl kriegen?“, wollte Holger wissen. „Wir werden 4 Millionen für alle verlangen und für unseren bestimmten Gast noch einmal 4 Millionen.“, erwiderte Gabriel. „Wow, eine Million für jeden von uns. Das ist viel Kies.“, lachte Karsten und rieb sich die Hände. „Gut, dann versteckt jetzt eure Waffen in den Koffern und macht euch fertig. Wir müssen gleich los.“, trieb Gabriel seine Leute an.

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  • Semir und Ben machten für heute Feierabend. Ihr Tag blieb alles in allem doch ruhig und entspannt. Nur einige Raser, die ihnen das Leben schwer zu machen versuchten. Doch die Kommissare waren schneller und erwischten jeden von ihnen. „So Feierabend... holst du mich dann ab oder sollen wir uns direkt vor dem Schiff treffen?“, wollte Ben wissen, als er seine Jacke schnappte und sie sich über warf. „Es ist besser, ich hole dich ab. Wer weiß, was du noch für Probleme mit dem Hund hast.“, lachte Semir und nahm seine Jacke in die Hand, wich dabei Bens Schlag aus. „Sehr witzig. Meine Nachbarin kommt heute zum Glück wieder und nimmt Cleo wieder mit. Dann bin ich dieses Tier endlich los.“, meinte er erleichtert und ließ sich von Semir heim bringen. Schon auf dem Flur hörte er das Kläffen in seiner Wohnung. „Okay Cleo... auf zur letzten Ehrenrunde. Aber wehe, du reißt wieder aus.“, drohte Ben und legte dem jungen Hund die Leine an. Der Hund gehorchte wie aufs Wort. Er schien zu spüren, dass bald sein Frauchen wieder da war. Und tatsächlich. Nachdem Ben zurückkam, stand schon Eleonore, eine bildhübsche, junge Austauschstudentin aus Frankreich vor seiner Tür. Mit ihren langen Wimpern klimperte sie Ben an. „Oh Cleo, wie schön...“, rief sie aus und schon sprang die Bassettdame die Treppen rauf, direkt in die Arme ihres Frauchens. „Isch danke dir, Ben. Du hast mir einen großen Gefallen getan.“, meinte sie und klimperte mit ihren Augen. Ben grinste nur. „Och, das war doch nichts. Wenn sie... wenn du willst, kannst du mir die kleine Dame auch öfter vorbei bringen, als nur die paar Tage.“, meinte Ben. „Sehr gut, ich muss bald nach Frankreich fahren und kann sie nicht mitnehmen. Ich werde einige Wochen weg sein. Danke für dein Angebot. Ich nehm es gerne an.“, lachte sie und ließ einen völlig entrüsteten Ben zurück. „Wie?“, kam es nur von ihm.


    Konrad stand nervös an der Reling und begrüßte die eintreffenden Gäste. Immer wieder sah er nervös auf die Uhr und fragte sich, ob Ben denn nun wirklich kommen würde. Sein Blick wanderte zwischen Ufer und Schiff hin und her. Am anderen Ende gingen gerade die Musiker an Bord. Als er in die andere Richtung des Ufers sah, bemerkte er den BMW. Ein kleines Lächeln umspielte seinen Mund. Ben und Semir stiegen aus. Doch sie hatten keinen Anzug an, wie er es in der Mail geschrieben hatte, sondern waren in Jeans gekleidet. Beide trugen einen Sakko. Es sah nicht schlecht aus, musste Konrad gestehen. Er hob die Hand und winkte die Beiden zu sich an Bord. Dann stand Ben vor ihm. „Hey.. Papa…. Machst ja ein ganz schönen Aufstand um deinen Auftrag…“, begrüßte Ben ihn. „Ja sicher Ben… es ist mein letzter Auftrag vor meinen Ruhestand…“, verkündete Konrad.

  • Ben sah ihn erstaunt an. „Wie war das?“, harkte er nach. Konrad sagte ihm das gleiche, was er auch Julia und Peter gesagt hatte. Ben hörte schweigend zu und drehte sich dann um. Er sah auf den Rhein. „Ben….ich weiß, es kommt überraschend, aber…ich…“, versuchte Konrad zu erklären. Ben lachte leise. „Papa…. Ich verstehe dich. Julia und Peter werden die Firma in deinem Namen fortführen. Peter ist dafür mehr als geeignet. Ich hoffe, du wirst dann auch mal zu Ruhe kommen. Dein Herz hat schon mehrmals Alarm geschlagen…ich Gratuliere dir… zu deinem Entschluss….“, lachte Ben. Konrad sah ihn erstaunt an. „Du bist nicht sauer, wenn ich nach England gehe?“, wollte er wissen. Ben schüttelte den Kopf. „Du bist doch erwachsen, oder… und soweit ist England nicht weg. Ein kurzer Flug und ich bin bei dir.“, meinte Ben nur. Konrad schloss erleichtert die Augen. Er hatte Angst gehabt, das Ben seinen Entschluss nicht akzeptieren würde, doch es schien, als sei sein Sohn weiser als er. Ein leichter Schlag auf der Schulter seines Sohnes. „Komm ich stell dich den Anderen vor.“, meinte er nur. Gemeinsam mit Ben und Semir, der schweigend zugehört hatte betrat er den großen Saal.


    Oliver und Roman versteckten ihre Waffen im Hosenbund. „Einer fehlt noch…dann sind wohl alle da.“, meinte Gabriel. Oliver und Roman nickten. „Sollen wir direkt die Brücke in Beschlag nehmen?“, wollte Oliver wissen. Gabriel sah ihn an. „Ihr könnt dem Kapitän schon mal klar machen, dass wir in Kürze ablegen…genau auf die Mitte des Rheins….“, erinnerte Gabriel ihn daran. Er sah zum Ufer. Gerade kam der letzte Gast an Bord. „Los geht es… und denkt daran…die Gäste werden alle in einen Raum gebracht. Nach und Nach werden wir die Spreu vom Weizen trennen…“, grinste Gabriel. Oliver und Roman gingen in Richtung Brücke. Doch direkt an der Tür wurden sie gestoppt. „Pardon…aber die Brücke ist nur mit Mitglieder der Crew.“, ermahnte ihn ein Steward. Oliver grinste Roman an. Dann zog er die Waffe und presste sie dem Steward in die Seite. „Wir dürfen hier rein…los vorwärts!“, fauchte er ihn an. Der Steward sah ihn erschrocken an. Es kam aber keine Gegenwehr. Langsam betraten sie die Kommandobrücke. Die Köpfe der Männer dort ruckten herum. „Was soll das, Martin?“, wollte der Steuermann wissen. „Wir übernehmen das Kommando…“, grinste Roman ihn an. „Das ist doch wohl…!“, fauchte der Kapitän. „Finger vom Funk!“, brüllte Oliver. Sofort gingen die Hände in die Höhe. „Sie können die Reederei nicht erpressen. Niemand wird ihnen hier Lösegeld einbringen.“, erklärte der Kapitän leise. „Oh das sehen wir anders. Sie haben doch eine super Elite an Bord.“, lachte Roman.


    ...

  • „Das ist Christopher Holmes…Christopher… mein Sohn Ben und sein Kollege Semir Gerkhan…“, stellte Konrad seinen Sohn und dessen Partner seinem Geschäftspartner vor. „Aber wir kennen uns doch, Konrad.“, lächelte der Engländer und schlug beiden Kommissaren auf die Schultern. Ben verdrehte kurz, aber unbeobachtet die Augen. Semir erwiderte das freundschaftliche Lächeln. „Ich hatte schon einige Bekanntschaften und Abenteuer mit den Beiden durch.“, erklärte Christopher, als er Konrads Gesicht sah. „Genießt die Party. Wir unterhalten uns später ausführlich.“, meinte er. Nur kurz war die Unterhaltung und Ben setzte sich mit Semir wieder ab. Semir spürte eine Veränderung an Ben. „Dir gefällt das nicht wirklich, oder?“, fragte er nachdenklich. „Mein Vater ist erwachsen… er muss es wissen. Ich werde ihn sicher nicht davon abhalten. Hier das Programm…“, murmelte Ben und reichte Semir das Blatt. Dieser sah kurz drauf. „Whow…. Livemusik…diese Band …ähm….na Name ist egal…“, grinste Semir, denn er konnte den Namen nicht aussprechen. „Ach echt…?“, lachte Ben und warf selbst einen Blick ins Programm. „Hey…. Die Jungs kenne ich.“, lachte er. „Na dann feierst du halt ein Wiedersehen…. Wenn sie dann auftreten…“, kam von Semir. Er sah auf das Wasser. „Sag mal…. Sagtest du nicht, dass das Schiff nicht ablegt? Ich meine ich kann mich auch täuschen, aber das Ufer scheint doch schon etwas entfernt zu sein…“, hängte er plötzlich an. Ben sah erstaunt durch das Fenster. „Was soll das denn?“, fauchte er und drehte sich um. Doch sofort weiteten sich seine Augen vor Schreck, seine Hand schnellte zu Semir, um ihn auf das aufmerksam zu machen, was auf der Bühne gerade geschah.


    „Okay, alle mal herhören.“, rief Gabriel durch den großen Raum und hielt seine Pistole weit sichtbar in die Luft. Sofort erschraken alle Gäste und drehten sich zur Bühne um. „Wenn sie alle ruhig verhalten, wird ihnen nichts passieren. Wir werden ihnen jetzt alle Wertsachen abnehmen und ich bitte sie, zu kooperieren. Dann wird ihnen nichts passieren. Ansonsten könnte es sehr ungemütlich für sie werden.“, drohte er und schon machten sich die anderen Musiker, ebenfalls bewaffnet, von der Bühne auf den Weg durch die Menge und hielten jedem Gast einen Beutel vor den Bauch, in den er alles werfen sollte, was er an Schmuck und Wertsachen bei sich trug. Ben und Semir saßen weit hinten und schienen noch nicht bemerkt worden zu sein. „Verdammt, was machen wir jetzt?“, wollte Ben flüsternd wissen und sah seinen Partner ratlos an. Dieser sah sich um. Sein Blick blieb an der Tür haften, die aus dem Saal führte. „Wenn wir es bis dahin schaffen, können wir per Handy die Kollegen verständigen.“, schlug er vor und sah, wie Ben sich umblickte. „Semir, mein Vater ist hier drin. Ich kann ihn nicht alleine lassen und vor allem kann ich ihn nicht solch einer Gefahr aussetzen.“, erwiderte der Jungkommissar. „Verdammt, wir müssen doch irgendwas tun.“, zischte Semir, doch ehe er weitersprechen konnte, stand schon einer der Bandmitglieder vor ihm und drückte ihm die Mündung seiner Maschinenpistole ins Gesicht.


    „Was seid ihr denn für Komiker?“, fauchte Ilja und zog Ben auf. „Los, Uhr, Handy, Portemonnaie und das alles ein bisschen plötzlich.“, fauchte er und packte den Kommissar am Kragen. Doch dieser packte nur den Arm des Mannes und drehte ihn auf den Rücken. Ilja schrie auf. Doch sofort war Ben von Karsten und Holger umringt. Holger schlug mit dem Kolben der Schrotflinte Ben in die Magengrube. Keuchend fiel er zu Boden. „Ben... um Gottes Willen.“, stieß Konrad aus und rannte zu seinem Sohn. Doch Ilja, der sich wieder aufgerichtet hatte, nahm seine Waffe in Anschlag und zielte auf den Baulöwen. „NEIN!!!“, schrie Ben keuchend und hörte nur noch den Schuss, als sein Papa getroffen zu Boden fiel. Die Gäste schrieen auf und wichen zurück. Gabriel sprang von der Bühne und sah die sich gebildete Blutlache und den am Boden liegenden Mann, der sich die zitternde Hand auf seine Schulter presste. „Was hast du gemacht, du Schwachkopf?“, stieß Gabriel aus und schmiss Ilja zu Boden, nahm ihm die Waffe ab. „Du Idiot... ich habe gesagt, kein Blutvergießen. Und jetzt?“, fauchte er und trat Ilja in den Hintern. Sofort ließen Karsten und Holger von Ben ab und dieser grabbelte zu Konrad. „Papa... Papa...“, weinte er und nahm die blutgetränkte Hand seines Vaters. Semir stand fassungslos daneben und sah ihn die Runde. Was sollte er jetzt tun?

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    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „Jetzt tun sie doch was. Der Mann braucht einen Arzt.“, stieß der Deutschtürke dann aus und kniete sich neben Ben, der immer noch die Hand von Konrad hielt. „Ben... Ben, es tut mir alles so leid.“, hauchte er und schluckte schwer. „Ich hab dir ewige Vorwürfe gemacht. Das war Falsch. Ich wünschte, ich...“, er stockte. Die Schmerzen waren einfach zu stark und seine Schulter brannte wie Feuer. „Ist hier jemand Arzt?“, schrie Ben in die Runde der Gäste. Ein Mann mittleren Alters meldete sich. „Ich bin Unfallchirurg. Ich kann helfen.“, meinte er und trat vorsichtig einen Schritt vor. „Dann tun sie das.“, fauchte Gabriel und stieß den Mann in die Richtung von Ben. Holger holte den Erste-Hilfe-Kasten. „So, und jetzt widmen wir uns unserem Ehrengast.“, stieß Gabriel aus und ging auf Christopher zu. Nach außen wirkte er ruhig, doch der Schock über die missglückte Aktion saß ihm tief in den Gliedern. „Was zum Teufel wollen Sie?“, fragte Christopher. „Oh das ist ganz einfach… Geld…sehr viel Geld… wir müssen uns doch gegen eine Wirtschaftskrise wehren oder?“, lachte Gabriel. „Sie sollen Ihr Geld haben aber eine Bedingung. Mr. Jäger wird sofort einer Rettungsmannschaft übergeben!“, forderte Christopher sehr selbstsicher. Gabriel sah den Mann erstaunt an. „Sie sind nicht in der Lage, Forderungen zu stellen. Das mit Jäger war ein Unfall. So was passiert schon mal. Sie sollten Ihren Gästen sagen, dass sie sich ruhig und sittlich verhalten. Meine Männer könnten es sonst missverstehen und das wollen wir doch nicht oder?“, meinte er nur leise. Christopher nickte. „Sie mögen Recht haben, aber Sie wollen was von mir oder? Keine Leistung ohne Gegenleistung.“, gab er nur zu verstehen.


    Der Arzt ließ Konrad von Semir und Ben in eine der Kabinen bringen. „Ich kann nicht viel tun, aber ich sehe dass es ein Durchschuss ist. Die Kugel ist nicht drin. Wir müssen was gegen den Blutverlust tun. Normalerweise würde ich die Wunde nähen und dann wäre es gut, aber…ich habe keinen Koffer bei mir.“, erklärte er. „Mein Vater hat schon einen Herzinfarkt gehabt, wir müssen was tun.“, bat Ben und sah besorgt auf seinen Vater, der ohne Bewusstsein im Bett lag. „Nur keine Sorge…. Wir werden die Blutung stoppen… und dann können wir nur hoffen, dass die Kerle da draußen ein Einsehen haben und ihn von Bord lassen. Was wollen die überhaupt?“, fragte der Arzt. „Tja… das werden wir sicher bald erfahren.“, murmelte Semir und wollte aus der Kabine gehen. „Wo willst du hin?“, fragte Ben sofort.

  • „Ich werde diese Kerle jetzt mal nach dem Verstand fragen, was denn sonst?“, fauchte Semir wütend zurück. „Du? Willst du gegen alle allein antreten? Wir sollten versuchen Hilfe zu bekommen!“, meinte Ben nur. „Ach und wie? Sollen wir vielleicht trommeln? Die haben uns die Handys abgenommen!“, erinnerte Semir ihn. „Ja schon gut… aber was ist mit SOS auf einem Tuch? Ich meine diese Kabine zeigt direkt zum Ufer und da werden doch wohl einige Leute stehen, außerdem fahren hier ja auch Schiffe vorbei… wir müssen auf unsere Lage aufmerksam machen!“, erklärte Ben und suchte in den Schubladen nach einem entsprechenden Stift um ein Laken zu beschriften, doch es war vergeblich. „Mist…!“, fauchte Ben und sah wieder zu seinem Vater. „Dann eben doch auf die harte Tour.“, grinste Semir.


    Andrea und Susanne saßen vor dem Fernseher und lachten herzhaft über den Film den sie gerade sahen. „Ach das ist so schön mit dir hier. Wir sollten mal öfter so einen Frauenabend machen.“, gab Susanne von sich. „Ja sicher… schöner wäre es gewesen, wenn wir ausgegangen wären. Aber so…geht es ja auch. Magst du noch ein Glas Wein?“, bot Andrea an. Doch in diesem Augenblick hörte sie Aida husten. „Ich bin gleich da.“, sagte sie und verschwand im Kinderzimmer. Aida saß im Bett und hustete Bellend. „Oh mein Engel… ist ja gut… ganz ruhig…mein Schatz…. Die Mama ist ja da…“, sprach sie beruhigend auf das Kind ein. Es schien zu helfen. Aida beruhigte sich. Andrea gab ihr eines der Zäpfchen und legte dem Mädchen ein feuchtes Tuch auf das Bett. Es half ihr leichter zu Atmen. Andrea streichelte den Kopf ihrer Tochter. Sie war glühend heiß. „Oh mein Schatz….mein armer kleiner Schatz…“, sagte sie sanft. Nur wenig später machte sie kalte Wadenwickel um das Fieber in den Griff zu bekommen. Einige Minuten später schlief Aida wieder. Andrea ging zu Susanne zurück. „Sie hat sehr hohes Fieber…“, sagte sie besorgt. Susanne sah sie an. „Ich glaub das ist normal, bei Keuchhusten. Sie wird es sicher bald überstanden haben. Du….kann ich im Gästezimmer übernachten? Ich habe schon drei Gläser Wein getrunken und Autofahren ist damit nicht drin…“, murmelte sie entschuldigend. „Ja sicher… so kannst du nicht heim…. Ich gebe dir alles nachher. Machst du mal die Nachrichten an?“, bat Andrea.


    ...

  • Semir drückte die Klinke und wollte die Kabine verlassen, doch als er die Tür öffnete sah er in den Lauf einer Waffe. Sofort hob er die Hände. „Keine Spaziergänge…!“, ermahnte ihn der Mann. „Ich wollte nur…“, fing Semir an, doch er sah ein, dass er diesem Typen sicher nichts erzählen konnte. „Wie geht es dem Mann?“, fragte der Bewaffnete. „Er blutet sehr stark. Was wollen Sie?“, forderte Semir die Antwort. „Das geht Sie nichts an. Sie sind Mittel zum Zweck. Hören Sie… das war ein Unfall. Ich wollte niemanden verletzen. Leider ist mein Kollege etwas voreilig und…nun ja… es ist nicht mehr rückgängig zu machen. Er darf an Land wenn unsere Forderungen erfüllt werden.“, gab der Mann zurück. Semir nickte nur. Irgendwie glaubte er dem Mann. „Was ist?“, fragte Ben, als Semir zurück in die Kabine kam. „Ich kann nicht raus. Die Typen stehen Schmiere.“, erwiderte er. „Was ist mit meinem Papa? Wann werden sie ihn frei lassen?“, kam es besorgt von Ben. „Sie sagen, wenn ihre Forderungen erfüllt werden, werden sie ihn frei lassen. Vorher nicht.“, kam es schwer von Semir. „Bis dahin ist er verblutet. Semir, wir müssen was unternehmen.“, stieß Ben aus. Auch Semir war dieser Ansicht, aber was sollten sie von hier aus tun? Und wie kämen sie ungesehen aus der Kabine?


    „...hat in der Kölner Innenstadt eine Prügelei stattgefunden. Die Polizei ermittelt noch.“, dröhnte die Stimme des Nachrichtensprechers aus dem Fernseher. Andrea war gerade dabei, alles für Susanne zurechtzulegen, als sie am Fernseher vorbeikam. „Wie wir gerade erfahren haben, haben unbekannte, bewaffnete Täter die Mary Queen in ihre Gewalt gebracht und auf die Mitte des Rheins gefahren. Ein im Innern des Schiffs gedrehtes Amateurvideo zeigt die Brutalität, mit der die Täter vorzugehen scheinen.“, kam es plötzlich aus dem Fernseher. Andrea blieb abrupt stehen. Mary Queen? Das war doch das Partyschiff, wo Semir und Ben heute Abend eingeladen waren? Zwar war das Video verwackelt, doch in einem Augenblick dachte sie Ben und Semir gesehen zu haben. „Andrea? Alles in Ordnung mit dir?“, fragte Susanne, als ihre Freundin die gesamte Bettwäsche fallen ließ. „Susanne... waren das nicht gerade Semir und Ben im Bild?“, wollte sie erschrocken wissen. Susanne drehte sich zum Fernseher, wo gerade eine Wiederholung des Videos zu sehen war. Auch sie sah das, was Andrea sah. „Oh nein.“, stieß sie aus. Sie erkannte, wer dort niedergeschossen wurde. „Das ist Bens Vater, der dort getroffen wurde.“, kam es erschrocken von ihr. „Wir müssen sofort Frau Krüger einschalten.“, meinte Andrea und nahm das Telefon in die Hand. Schnell wählte sie per Kurzwahltaste Kim an.


    „Es war ein schöner Abend mit dir.“, hauchte Eric ihr ins Ohr, als sie vor ihrer Tür standen. Sie lächelte ihn verliebt an und klimperte mit ihren großen, braunen Augen. Ihre Lippen näherten sich einander und beide verschlangen sich in einem langen, intensiven und innigen Kuss. Beiden kam es wie eine Ewigkeit vor, doch in Wahrheit standen sie nur einige Sekunden da. „Wann sehen wir uns das nächste Mal wieder?“, wollte Eric wissen und sah seine Traumfrau an. „Wenn du willst, am Freitag. Dann können wir es uns über das Wochenende gemütlich machen. Raus in die herbstliche Landschaft fahren.“, hauchte sie. „Oh ja.“, erwiderte er und drückte ihr einen zweiten Kuss auf die Lippen, nahm dann ihre Hand und ging langsam von ihr weg. Die Hände entglitten einander. Bevor er verschwand warf er ihr einen Luftkuss zu. Sie lehnte sich gegen den Türrahmen und verweilte dort noch einen Moment. Ihre Gedanken kreisten nur um ihn, um ihn, ihren Traummann. Plötzlich riss sie ein ihr bekanntes Klingeln aus den Träumen. Sofort schloss sie die Wohnungstür auf und ergriff das auf dem Sideboard liegende Telefon. „Krüger?“, meldete sie sich und hörte schon Andrea Gerkhans besorgte Stimme. „Frau Krüger... es ist etwas furchtbares passiert...“, fing Andrea an und Kim hörte aufmerksam zu. Ihr Blick verfinsterte sich, als die Frau mit ihren Erklärungen geendet hatte. Derweil hatte Kim auch schon die Nachrichten eingeschaltet und sah mit eigenen Augen das Video, von dem Andrea ihr berichtet hatte. „Ich mache mich gleich auf den Weg in die Station.“, erklärte sie, legte auf und schlüpfte aus ihrem Abendkleid schnell in eine Jeans und warf sich einen Pullover über. Mit Waffe und Autoschlüssel in der Hand machte sie sich auf in die PASt.

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  • An Bord wurde die Situation noch gereizter. Ilja saß auf der Bühne und beobachtete Gabriel, der Rebecca an seiner Seite hatte, ging vor den Gästen auf und ab und sah in ihre Gesichter. Warte nur Freundchen, das dicke Ende kommt für dich noch, dachte er und streichelte seine Waffe. Er musste nur einen plausiblen Grund finden, Gabriel den Platz des Anführers streitig machen zu können. Das würde sich sicher bald ergeben, so hoffte er und sah, wie der Mann zu ihrer wichtigsten Geisel ging. „Mr. Holmes…. Ich denke Sie wissen sehr genau was mein Ziel ist. Sie sollten dementsprechend handeln. Oder wollen Sie, dass Ihre Gäste die böse Seite des Lebens kennen lernen?“, hörte er Gabriel fragen. „Sie können Ihre Forderungen durchgeben…ich werde Sie nicht daran hindern…“, lächelte der Engländer stoisch. „Gabriel! Der Typ verarscht dich doch!!“, fauchte Ilja. „Ich denke auch. Wir müssen unserem Freund vielleicht dann mal zeigen, dass wir es ernst meinen… Schade eigentlich…“, knurrte Gabriel. Sofort richteten sich die Augen von Holmes auf ihn. „Also gut… was verlangen Sie von uns oder besser von mir?“, fragte er leise. „Also es geht doch.“, nickte Gabriel. „Sie werden nun Ihre Regierung anrufen und 6 Millionen Euro als Lösegeld fordern. Kommen Sie mir bitte jetzt nicht mit dem Spruch die Regierung lässt sich nicht erpressen!“, hängte er an. Christopher Holms nickte. „Okay… ich werde es tun. Aber Sie müssen mir auch entgegenkommen…“, bat er leise. Gabriel nickte. „Ich sehe da kein Problem. Was?“, fragte er nach. „Lassen Sie Herrn Jäger frei.“, forderte Christopher. Gabriel sah ihn an. „Also gut… ich denke mal Sie meinen den verletzten Mann. Ich werde ihn freilassen, wenn Sie angerufen haben.“, gab Gabriel bekannt. Ilja sah ihn entgeistert an. „Das glaub ich doch wohl nicht… ein Verletzter zwingt die Leute doch schneller zu handeln.“, fauchte er wütend. Ein Blick von Gabriel ließ ihn jedoch schnell verstummen.


    Semir sah Ben an. „Was wollen wir denn machen. Da draußen stehen drei Typen mit Waffen. Wir haben hier gar nichts, womit wir uns wehren können.“, gab er zu bedenken. „Mein Vater muss aber raus hier!“, setzte Ben dagegen. „Ben… ich weiß dass er schnell ins Krankenhaus muss, aber hier müssen wir warten, bis was passiert. Wir können die Bullaugen nicht öffnen. Das geht nur mit einem speziellen Schlüssel und ich hab keinen davon.“, kam von Semir zurück. Er warf einen Blick auf Konrad Jäger, der gerade zu sich kam.

  • „Ben…“, hörte er leise. „Ja Papa.. ich bin hier…wie geht es dir…?“, fragte Ben sofort und setzte sich zu seinem Vater. Er nahm seine Hand und drückte sie fest. „Es tut ziemlich weh…“, stöhnte Konrad. „Bleib liegen… der Arzt hier wird dich versorgen, bis…“ Ben stockte. „Ben… bitte tu nichts Unüberlegtes… es bringt nichts, wenn du mit dem Kopf durch die Wand gehst…“, ermahnte Konrad Ben. Semir musste grinsen. Konrad kannte seinen Sohn scheinbar doch sehr gut. „Aber du musst in ein Krankenhaus…“, gab Ben zu bedenken. Konrad lächelte schwach. „Schon gut… ich schaffe das schon…“, versprach er. Die Tür wurde geöffnet und zwei Männer traten ein. Sofort sprang Ben auf und stellte sich schützend vor seinem verletzten Vater. „Sie und Sie…! Sie beide werden den Verletzten jetzt an Deck tragen!“, forderte der Mann und wies auf Ben und Semir. „Lassen Sie ihn bitte frei…“, bat Ben leise. „Das habe ich vor…es ist ein Deal…ein Boot der Wasserschutzpolizei ist bereits längsseits gegangen. Sie beide werden den Mann dort sagen wir…. Abgeben und wieder an Bord kommen…“, forderte der Mann. Ben sah Semir kurz an und dann nickten beide. „Meine Herren… sollten Sie auf die Idee kommen, den Männern an Bord des Polizeischiffes etwas zu sagen, dann werden Sie den Tod der Menschen hier an Bord verantworten…“, ermahnte der Geiselnehmer die Beiden. Wieder nickten diese nur.


    „Wissen wir schon was die Geiselnehmer fordern?“, wollte die Staatsanwältin von Kim Krüger wissen, als diese informiert war. „Nein…bisher gibt es noch keine Forderungen. Aber von einem Video wissen wir, dass einer der Gäste angeschossen wurde. Es handelt sich um den Vater von Kriminalhauptkommissar Ben Jäger…“, erklärte Kim. Schrankmann sah sie an. „Weiß er schon Bescheid?“, harkte sie nach. Kim nickte. „Er ist ebenfalls an Bord. Genau wie Kriminalhauptkommissar Semir Gerkhan…“, kam leise von Kim. Schrankmann rollte die Augen. „Das ist ja wunderbar…. Die schlimmsten Chaoten, die es gibt…sind mitten im Geschehen. Ich hoffe nur, es artet nicht zu einem Chaos aus.“, stöhnte sie leise. „Frau Schrankmann….weder Herr Jäger noch Herr Gerkhan wollten das. Sie waren eingeladen vom Vater des Herrn Jägers. Sie können die Beiden nicht für alles verantwortlich machen. Was unternehmen wir jetzt?“, wollte Kim wissen. Schrankmann sah sie an. „Wir werden zunächst mal eine Liste der anwesenden Personen an Bord der Mary Queen anfordern und dann werden wir entscheiden, was wir tun. Bis dahin bitte keine Alleingänge…“, ermahnte Schrankmann Kim Krüger. „Schon klar.“, entgegnete Kim und verließ das Büro. Was wusste diese Paragraphenreiterin denn schon von solchen Einsätzen? Die Kriminalrätin beschloss, direkt an den Ort des Geschehens zu fahren und sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.


    ...

  • Vorsichtig nahmen Ben und Semir Konrad hoch und trugen ihn, unter den misstrauischen Blicken der bewaffneten Männer, an Deck. Das Polizeiboot war auf der Steuerbordseite dicht an den Ausflugsdampfer herangefahren und die darauf befindlichen Sanitäter nahmen Konrad Jäger vorsichtig in Empfang und schafften ihn an Bord des Polizeibootes. Ben verständigte sich mit den Beamten nur per Augenkontakt und auch Semir sah, angesichts des im Rücken befindlichen Gangsters mit Maschinenpistole, keine Möglichkeit, mit den Polizisten der Wasserschutzpolizei zu reden. „Los, wieder zurück zu den anderen, klar?“, fauchte Holger die beiden an und stieß sie wieder Richtung des großen Saals. Wieder standen sie bei den anderen und Ben sah dem abfahrenden Schiff nach. „Papa... verlass mich nicht.“, kam es leise von ihm, bevor er sich, wie Semir, mit den anderen auf den Boden setzen musste. „So, und wehe ich hör einen Mucks von euch. Dann setzt es was.“, stieß Holger wütend aus und drehte sich weg. Ben rückte näher an Semir heran. „So, und was unternehmen wir jetzt?“, wollte er leise wissen. Semir sah ihn an. „Lass mich mal überlegen. Mir fällt sicher etwas ein.“, erwiderte er. „Schnauze halten, hab ich gesagt.“, fauchte Holger und drehte sich zu den beiden um.


    Gabriel nahm Christopher das Handy ab, nachdem er fertig telefoniert hatte. „Und?“, wollte Gabriel wissen. „Dass wollen sie bestimmt nicht hören.“, erwiderte er. „Aber ich habe es ihnen ja versucht zu sagen. Regierungen, und besonders die britische Regierung lässt sich ungern auf Verhandlungen mit Terroristen ein.“, meinte Holmes und Gabriel lachte auf. „Terroristen? Wir sind doch keine Terroristen. Wir wollen nur etwas unseren Lebensstil aufbessern.“, lachte er, wurde dann aber sofort wieder ernst. „Ihre Regierung zahlt besser, oder ich fange an, meine Ungeduld an den Leuten auszulassen.“, knurrte er und stieß den Engländer zu den anderen. Dieser ließ sich bei Ben und Semir nieder und verschränkte die Arme vor den Knien. Rebecca kam auf Gabriel zu. „Du willst doch nicht wirklich die Leute erschießen, oder? Du hast gesagt, es würde keine Opfer geben. Und jetzt? Dieser arme Mann... was, wenn Ilja noch weiter durchdreht?“, fragte sie leise und sah ihren Liebsten an. „Keine Sorge, das werde ich nicht. Aber wegen Ilja müssen wir uns etwas einfallen lassen. Ich hätte ihm nie, nie eine Waffe in die Hand geben dürfen. Wer weiß, wozu er noch fähig ist.“, kam es besorgt vom jungen Musiker. Ilja sah, wie die beiden miteinander sprachen und sich ihre Hände berührten. Lange würde er das nicht mehr mit ansehen und schweigend hinnehmen. Rebecca gehörte zu ihm und das würde sie auch bald wissen. Und Gabriel, dieser Möchtegern-Casanova, würde bald bei den Fischen schlafen.


    Kim kam an der Uferpromenade an und sah nur noch, wie die Sanitäter Konrad in den Krankenwagen schoben. „Wie geht es ihm?“, wollte sie wissen und sah besorgt zu dem Notarzt. „Es ist ein glatter Durchschuss. Aber er hat sehr viel Blut verloren. Wir mussten ihn für den Transport stabilisieren.“, erklärte der Arzt und Kim sah zu den bewusstlos auf der Trage liegenden Konrad Jäger. „Wird er durchkommen?“, wollte sie dann wissen. Ein betrübtes Gesicht des Arztes war die Antwort auf ihre Frage. „Ich weiß es nicht. Das liegt nicht in meiner Macht.“, erwiderte er und stieg zu den Sanitätern in den Rettungswagen, der mit eingeschaltetem Martinshorn und Sirene davonfuhr. Mit in Sorgenfalten geschlagener Stirn ging Kim zum Einsatzleiter vor Ort. „Kim Krüger, Kripo Autobahn. Wie sieht es aus?“, wollte sie wissen und wurde von dem Mann nur schief angesehen. „Was will denn die Kripo Autobahn hier? Das ist eine Sache der Wasserschutzpolizei.“, erwiderte er und bekam von Kim nur ein dezentes Lächeln zur Antwort. „Zwei meiner Männer sind auf dem Boot unter den Gästen. Deswegen bin ich hier.“, erwiderte sie. Der Mann nickte. „Jens Steiner, Sondereinsatzkommando der Wasserschutzpolizei.“, stellte er sich vor. „Wissen die Terroristen, das es zwei Polizisten unter den Geiseln gibt?“, wollte er wissen. „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich hoffe jedoch, dass sie es nicht wissen. Das würde das Todesurteil für die Beiden bedeuten.“, gab Kim zurück. „Solange sie uns die Forderungen nicht mitteilen, werden wir nichts unternehmen. Die Gästeliste hat einige Prominente an Bord. Geldadel…keine Politiker…oder Prominente aus der Filmszene. Wir vermuten, dass es hier um Geld geht. Die Liste ist allerdings noch nicht vollständig. Können Sie mit Ihren Leuten in Verbindung treten?“, fragte Steiner. „Wie denn? Die Handys sind sicher schon einkassiert worden, sonst hätten die sich schon bei mir gemeldet.“, fauchte Kim zurück, entschuldigte sich jedoch direkt wieder.

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  • „Wie geht es deinem Vater, Ben?“, raunte Christopher Ben Jäger zu. „Ich weiß es nicht… er hat sehr viel Blut verloren…“, war die Antwort. „Was wollen die Typen?“, fragte Semir dazwischen. Er sah stets zu den Gangstern um nicht aufzufallen. „Geld…was sonst… sie sind wie alle Parasiten…sie wollen das Geld anderer Leute haben.“, knurrte Christopher. „Wie viel und von wem?“, wollte Ben wissen. Doch bevor Christopher antworten konnte raunte Semir ihnen zu: „Achtung wir bekommen Besuch.“, Er drückte sich an die Schiffswand und sah dem Mann, den er als Ilja kannte an. „Haltet die Schnauze, verdammt noch mal!!“, fauchte er die Drei an. Sofort trat Schweigen ein. Auch Gabriel kam dazu. „Ilja… ist jetzt mal gut…“, fauchte er seinen Komplizen an. „Die Drei unterhalten sich! Irgendwas haben die vor, das spüre ich. Ich wäre dafür, sie auseinander zu bringen!“, gab Ilja bekannt. Gabriel sah zu den Dreien. „Du meinst sie brüten was aus? Nun dann wollen wir doch mal friedlich fragen. Mr. Holmes…was haben Sie zu sagen?“, lächelte der Terrorist Christopher an. „Ich habe mich lediglich um das Wohlergehen meiner Gäste gesorgt. Das sollte doch wohl auch in ihrem Interesse sein, dass keine Panik ausbricht oder?“, gab Christopher ruhig wieder. „Das mag ja sein, aber wollen Sie mir Ihre beiden speziellen Freunde nicht vorstellen?“, kam von Gabriel. Christopher sah kurz zu Ben und Semir. „Das geht Sie einen feuchten Kehricht an.“, war die Antwort. „Nun dann fragen wir die Beiden doch selbst… also…wer seid ihr?“, wandte sich Gabriel an Semir und Ben. „Ich bin Ben Jäger…mein Vater wurde angeschossen…von diesem Herren dort…“, stellte Ben sich vor. Dabei betonte er „diesen Herren“ besonders verächtlich. „Und was macht Herr Jäger hier?“, kam die nächste Frage. Ben grinste leicht. „Ich wollte mich amüsieren…“, war die Antwort. „Da stimmt doch was nicht…. Der Typ da neben ihm wollte eben schon aus der Kabine fliehen…irgendwas passt mir an den Beiden nicht…“, erklärte Ilja weiter. Gabriel sah ihn an. „Das werde ich schon raus finden. Geh du zu den Anderen und sorgt dafür, dass sie nicht durchdrehen!“, befahl er. Ilja zog beleidigt ab.


    Holger sah, wie Ilja weggeschickt wurde. Irgendwas lief hier nicht ganz nach Plan. Holger hielt Ilja für den besseren Anführer und stand hinter dem, was er tat. Auch fand er nicht, dass er übertrieben hatte, als Ilja auf den Mann schoss. Doch Ilja hatte Recht. Etwas stimmte mit den Beiden Männern bei Holmes nicht. So schnell wie der eine Typ sich bewegt hatte und seinen Kameraden den Arm auf den Rücken gedreht hatte, musste es geübt sein. Vielleicht waren die beiden die Leibwächter von diesem Holmes. Das würde erklären, warum sie so reagieren. Diese Typen sind ja geschult und sicher waren sie auch bewaffnet… „Hey… Ilja… haben wir die beiden Typen eigentlich schon mal durchsucht?“, wollte er wissen. „Warum?“, kam die Gegenfrage. „Nun ja… was wenn die bewaffnet sind?“, gab Holger zu bedenken. „Das denke ich weniger… dann hätten die die Waffen längst gezogen. Nein…aber mit den Beiden stimmt was nicht. Die zeigen keine Angst.. nicht wie bei den anderen Geldsäcken… die machen sich vor Angst in die Hosen.“, erklärte Ilja.

  • „Wir sollten auf jeden Fall Gabriel davon in Kenntnis setzen, oder aber selbst tätig werden…“, schlug Holger vor. Ilja lachte leise. „Das werden wir auch… sobald Gabriel raus ist, werden wir uns die Drei vornehmen…“, versprach er. Gemeinsam mit Holger sah er auf die Geiseln. Einige der Frauen weinten leise, was Iljas Wut noch mehr ansteigen ließ. Er schoss in die Luft und sofort herrschte absolutes Schweigen in dem Saal. Auch Gabriels Kopf rucke zu Ilja und schon kam er zu ihnen. „Was zum Teufel soll das?!“, fauchte er ihn an. „Hey.. dieses Gejammer geht mir auf die Nerven…die Weiber sollen die Klappe halten!“, verteidigte Ilja seine Vorgehensweise. „Du hältst dich zurück…ist das klar?“, wollte Gabriel wissen und packte Ilja am Kragen seiner Jacke. „Fragt sich nur, wie lange du noch hier zu sagen hast.“, erwiderte der junge Mann und Gabriel sah ihn nur an. „Solltest du auch nur einmal falsch mit der Wimper zucken, bring ich dich um.“, stieß Gabriel aus und sah Ilja mit zornigem Gesicht an. Erschrocken blickte dieser ihn nur an und zog sich in eine Ecke des Schiffes zurück, um eine zu rauchen. Jetzt hieß es eindeutig, entweder er oder Gabriel. Sicherlich würde er nicht darauf warten, dass ihn dieser Emporkömmling zuerst umlegen würde. Nein, er würde mit Holger den Laden übernehmen. Das stand fest.


    Gabriel ging zu Ben, Semir und dem Engländer zurück und sah dem letzten scharf in die Augen. Dieser hielt dem Blick ohne zu zögern stand, schaffte es sogar, den Chef dieser Bande mit seinem Blick zu verunsichern. Gabriel erhob sich und ging wieder zu den anderen. „Was wollen die von uns?“, fragte Ben dann, als er sicher war, dass sie nicht beobachtet wurden. „Sie wollen von meiner Regierung Geld für mich erpressen.... 6 Millionen Euro.“, erwiderte Christopher. „Was?“, stieß Semir aus und verstummte augenblicklich schon wieder, als er etwas zu laut wurde. „Werden sie bezahlen?“, wollte Semir dann wissen, doch das Gesicht von Chris gefiel ihm gar nicht. Er wusste selbst, wie sich Regierungen sträubten, wenn es um das Leben ihrer Mitarbeiter ging. „Ich mach mir nur Sorgen um die Leute hier.“, stieß er aus und sah sich um. Die Leute kauerten in einer Ecke und wimmerten vor sich hin. Immer wieder gingen die bewaffneten Gangster vor ihnen auf und ab. Irgendwas musste ihm einfallen. Sicher würde die britische Regierung einen Vertreter herschicken, der mit diesen Kerlen verhandelt, aber mehr auch nicht. Sollte ihm nicht bald etwas einfallen, würde er hier bald in einem Leichenmeer sitzen.


    ...

  • Gabriel ging auf die Brücke zu Oliver und Roman, die den Kapitän und den Steuermann in eine der Kabinen gesperrt hatten. „Und, wie sieht es unten aus?“, wollte Roman wissen. „Der Verwundete ist von Bord. Jetzt wird es Zeit, denen dort an Land unsere Forderungen durchzugeben.“, meinte er und griff zum Funkgerät des Schiffes. Er stellte sich auf die richtige Frequenz ein und horchte dann, ob sich jemand am anderen Ende meldete. „Spreche ich mit dem Einsatzleiter?“, wollte Gabriel wissen. „Hier spricht Jens Steiner von der Wasserschutzpolizei. Ich bin der Einsatzleiter.“, erwiderte Steiner und hörte dem Mann am anderen Ende genau zu. „Sehr gut, jetzt passen sie mal genau auf. In meiner Gewalt befinden sich mehr als 40 Personen. Für ihre Gesundheit und ihre gesunde Rückkehr an Land fordern wir eine gute Summe.“, fing Gabriel an und horchte, ob auch genau zuhörte. „Und wie viel verlangen sie?“, wollte Steiner wissen. „Ich bin großzügig. Sagen wir 10 Millionen für alle.“, erwiderte Gabriel und sah sich um. „Was?“, stieß Steiner aus. „Sie sind wohl größenwahnsinnig, oder?“, zischte er. „Bitte keine Beleidigungen. Sie haben Zeit bis morgen früh um acht Uhr das Geld heranzuschaffen. Und da es schon drei Minuten nach zwei Uhr ist, sollten sie sich besser beeilen. Mit jeder viertel Stunde, die sie länger brauchen, wird es mit dem Leben einer Geisel zu Ende gehen. Haben wir uns verstanden?“, fauchte Gabriel und hängte auf. Steiner sah Kim geschockt an. „Zehn Millionen Euro und das bis heute acht Uhr.“, stieß er aus. „Wie sollen wir diese Summe nur so schnell zusammenbringen?“, fragte sie und sah auf das Wasser hinaus. „Wir müssen. Mit jeder neuen Verzögerung von einer viertel Stunde wollen sie eine Geisel erschießen.“, erklärte Steiner. „Verdammt.“ „Und damit noch nicht genug.“, hörten beide plötzlich hinter sich eine Stimme mit englischem Akzent. Sie drehten sich um und sahen in ein neues Gesicht, dass sie vorher noch nie gesehen hatten. „Dennis Hall, britischer Regierungsvertreter. Einer unserer Mitarbeiter wird auf diesem Schiff als Geisel gehalten.“, erklärte er und reichte beiden seine Karte.


    Ilja nahm Holger zur Seite. „Hör mal… wie wäre es wenn wir beide das Sagen hier hätten? Wir könnten diese Geldsäcke so richtig ausnehmen. Nicht so lächerliche Beträge wie Gabriel sie will.“, schlug er vor. Holger sah ihn an. „Wie willst du das machen? Die Jungs hier hören auf Gabriel….wir müssten ihnen dann schon was Besonderes bieten.“, gab er zu bedenken. Ilja lachte leise. „Das lass mal meine Sorge sein.“, grinste er nur. „Aber erst werden wir Gabriel in Sicherheit wiegen. Soll er seine Forderungen erst einmal stellen…. Danach werden wir unsere stellen. Mir sind zu viele Geiseln an Bord. Ich muss was über die Drei da hinten herausfinden. Wo ist die Gästeliste?“, wollte Ilja wissen. Holger zog eine Liste aus seiner Hosentasche. „Hier…Da sind alle drauf. Die meisten haben hier echt viel Geld… da kann man richtig neidisch werden.“, gab er zu. Ilja nickte. „Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Okay… ich verzieh mich mal kurz in eine der Kabinen. Die haben hier sogar Computer an Bord. Ich werde sie alle überprüfen….glaub mir…. Ich erfahre vor allem was über unserer drei Spezis da hinten. Gabriel packt die regelrecht mit Samthandschuhen an… und genau das passt mir nicht…“, knurrte Ilja und verschwand mit der Liste. Rebecca kam zu Holger. „Wo will Ilja hin?“, wollte sie wissen Holger grinste sie an. „Warum willst du das denn wissen?“, stellte er die Gegenfrage. Rebecca streichelte ihm über das Gesicht und kurz darauf griff sie in sein lockiges Haar und riss unvermittelt den Kopf in den Nacken. „Ich hasse Gegenfragen! Also wohin!!“, fauchte sie ihn an. „Auf die Toilette…. Er musste mal…“, stieß Holger aus. Rebecca ließ ihn los. „Warum denn nicht gleich so…“, lächelte sie ihn an und tätschelte das Gesicht. Dann ging sie wieder. „Verdammte Schlampe…“, stieß Holger leise aus und rieb sich den Kopf.


    „Ich dachte wir haben dort keine Politiker an Bord.“, faucht Steiner als Hall ihn erklärte, wer an Bord war. „Das war bisher geheim. Niemand, vor allem nicht die Presse, sollte erfahren was Mr. Holmes hier macht. Solange, bis der Vertrag unterzeichnet ist. Das sollte auf dieser kleinen Veranstaltung passieren. Danach sollte in einem Pressetermin die Öffentlichkeit unterrichtet werden.“, erklärte Hall. „Na wunderbar…. Sechs Millionen von den Engländern und zehn Millionen von uns…. Damit machen die einen verdammt guten Reibach…Wie wollen wir vorgehen? Ich denke mal, ihre Regierung verhält sich genau wie meine und sagen Nein…“, mutmaßte Steiner. Hall nickte „Stimmt auffallend. Wir sollen alles ermöglichen, um die Geiseln möglichst unverletzt zu befreien.“, gab dieser bekannt. Steiner stieß einen verächtlichen Laut aus. „Ja sicher… wir sind alles Supermänner… verdammt die haben da über vierzig Geiseln! Wie sollen wir die denn von Bord bekommen?“, wollte er wissen. Hall zuckte mit den Schultern. „Pardon…aber das ist Ihr Job. Ich bin nur hier um Mr. Holmes in Empfang zu nehmen, sobald er frei ist.“, meinte der Engländer. Steiner glaubte nicht richtig zu hören.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Andrea ging im Wohnzimmer auf und ab. Sie sah Susanne an. „Kannst du mir einmal verraten, wie Semir das immer wieder schafft? Warum kann er nicht einfach mal Spaß haben? Ich meine…ich bin froh, dass Aida krank ist und ich nicht mit auf dem Schiff bin. Stell dir das bloß vor….diese Typen sind vermutlich zu allem entschlossen….!“, stieß sie aus und sah wieder auf den Fernseher, der live vom Anlegekai berichtete. Immer wieder kamen Bilder von dem Schiff rüber. Der Transport des Verletzten wurde gezeigt und immer wieder die Bilder die ein Amateurfilmer aufgenommen hatte. „Wie sind die Typen an Bord gekommen? Wer sind die? Verdammt die Kollegen müssen doch was wissen…“, sagte Andrea leise. Sie lief hin und her. Susanne stand auf und nahm sie in den Arm. „Andrea… die Kollegen tun alles was sie können… setz dich hin. Aida braucht dich doch und Semir auch…sobald er wieder da raus ist…. Komm setz dich hin…bitte.“, flehte sie regelrecht. Andrea nickte. Mit einer fahrigen Bewegung wischte sie sich eine Träne weg. „Ich kann das nicht… Susanne…ich habe Angst….“, weinte sie leise. Susanne hielt sie fest. „Ich weiß…. Schhhhhhhhht…. Es wird alles gut… Semir ist doch wie Unkraut und das vergeht nicht…“, versuchte Susanne zu scherzen, aber es gelang ihr nicht wirklich Andrea aufzumuntern.


    Ilja gab die Namen in den PC ein. Zu jedem Namen gab es was. Sogar Bilder waren dabei und die meisten schienen hier wirklich sehr bekannt zu sein. Doch als er an Christophers Namen kam staunte er nicht schlecht. „Das wird ja immer besser… dann wollen wir doch mal Ben Jäger und Semir Gerkhan eingeben… mal sehen was der PC darüber ausspuckt…“, grinste er. Nur wenige Minuten später hatte er die Informationen, die er wollte. „Oh man, ganz schön ausgekochte Burschen.“, grinste er nur und druckte sich die Informationen aus, ging damit zurück in die Halle, wo alle Geiseln saßen. Er warf den Dreien einen verächtlichen Blick zu, ging ohne zu zögern auf Gabriel zu, packte ihn an der Schulter und drehte ihn zu sich um. „Hier, du Superhirn. Du hast uns die Bullen auf den Hals gehetzt.“, stieß er aus und schubste Gabriel zu Boden. Dieser sah Ilja erschrocken an. „Was soll das heißen? Spinnst du?“, fauchte er und sofort waren Karsten und Rebecca bei den beiden. Nur noch Holger stand bei den Geiseln. „Hier... lies selbst.“, fauchte Ilja und warf ihm die ausgedruckten Infos ins Gesicht. „Hör auf damit.“, stieß Rebecca aus und ging auf Ilja los, doch dieser packte sie bei beiden Armen und stieß sie ebenfalls zu Boden. „Lies doch selbst. Das da drüben, neben dem britischen Konsul sind zwei Bullen.“, schrie er durch die ganze Halle. Ben und Semir horchten auf. „Wir sind enttarnt.“, stieß er aus und sah nun, was passierte.