Hypnotische Rache

  • So, und weiter gehts, mit einer neuen Story von Elli und mir ;) Viel Spaß
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    „Beeeeen?“ Der Angesprochene reagierte nicht, sondern tippte nur irgendwie auf seinem Handy herum. „Hm.“, kam es dann nur von ihm zurück und achtete gar nicht darauf, wie Semir um seinen Stuhl herum kam und über die Schulter seines Partners auf dessen Handy starrte. „Neue Flamme?“, fragte Semir schnippisch und stichelnd, als Ben das Handy wegzog. „Musst du immer so neugierig sein?“, zischte der junge Hauptkommissar und ließ das Mobiltelefon ganz lässig in seine Hosentasche gleiten. „Och komm schon, sag es mir...“, forderte Semir. „Damit dann gleich das ganze Revier davon Wind bekommt? Nee nee...“, meinte Ben und schnappte sich seine Jacke. „Wollen wir unsere Runde drehen?“, fragte er, um vom Thema abzulenken. „So leicht kommst du mir nicht davon.... das sag ich dir.“, meinte Semir und ging mit seinem Partner zum Wagen.


    Rosa saß am Rheinufer und nahm ihr Handy aus der Tasche, als es piepste. Sie lachte auf, als sie die SMS lag. „Freu mich auf heute Abend... Vermisse dich schon sehr... bis bald... B.“, las sie und schmunzelte. Endlich hatte sie jemanden gefunden, der sie so liebte, wie sie war. Spleenig und mit einem Hauch für vergangene Zeiten. Ihr Freund liebte jedoch genau diese Seite an ihr und war ebenso glücklich über sie, wie sie über ihn. Heute Abend würde sie ihn in ihre Welt einführen... ihr Vater hatte einen Stand auf Burg Falkenstein und dorthin würde sie Ben nehmen... ihm ihre Welt zeigen. Hoffentlich verschreckte ihn das nicht. Bisher waren alle ihre Freunde nach einem solchen Besuch immer abgeschreckt von ihr und ihrem ebenso komischen Vater, der scheinbar in der Vergangenheit festzusitzen schien, genau wie Rosa. Aber Ben war anders... er war ebenso verrückt und er schien sie gern zu haben Das war die Hauptsache.

  • „Semir... kann ich jetzt Feierabend machen? Ich hab heute noch was vor?“, stöhnte Ben, als Semir um den Wagen der Frau herumschlich, den sie gerade raus gewunken hatten. „Moment ja... also, linkes Bremslicht defekt, Reifen abgefahren und Telefon am Steuer... da kommt eine Menge auf sie zu, junge Dame.“, posaunte Semir eine seiner berühmten Standpauken. Die junge Dame, ein junges Mädchen von ungefähr 23, ziemlich arrogant und gleichgültig wirkend, lehnte an ihrem Cabrio und hörte nur mit genervten Augenrollen zu und kaute auf ihrem Kaugummi herum. „Wenn sie meinen...“, maulte sie und sah genervt zu Ben rüber, der etwas auf seinem Klemmbrett eintrug. Semir konnte eigentlich seine Wut nicht mehr zurückhalten und dann platzte ihm der Kragen. „Ihnen ist schon klar, dass ich Ihnen den Führerschein abnehmen kann, oder? Sie haben noch Probezeit! Meinen Sie, die Gesetze zählen nicht für Sie?“, fauchte er die Frau an. „Hey… beruhige dich mal… Opa… ich hab doch nichts getan. Jeder telefoniert beim Fahren!“, behauptete die junge Frau. „Ach ja? Ich nicht!! Für diese Beamtenbeleidigung gibt es noch einmal extra eine Anzeige… Da wären wir dann bei ca. 250 Euro und 6 Punkte in Flensburg!“, fauchte er die junge Frau an. „Och….das macht nichts…das zahlt mein Papa, ohne mit der Wimper zu zucken.“, kam von der Frau die sich nun eine Nagelfeile aus der Tasche zog und ihre Nägel manikürte. Semir sah verzweifelt zu Ben, doch der grinste nur. „Gut… dann können Sie Ihren Herrn Papa anrufen und sich abholen lassen. Der Führerschein ist eingezogen!“, bestimmte Semir und steckte den Führerschein der jungen Frau ein. Er stapfte wütend zum BMW und drehte sich noch einmal um. „BEN!!! Komm!“, befahl er. Ben nickte und verabschiedete sich noch freundlich. Die junge Frau stand einfach nur da und sah dem Wagen nach. Doch dann stieg sie ein und fuhr los. Es schien ihr völlig egal zu sein, dass sie nun keinen Führerschein mehr hatte.


    Ben sah Semir an und stieg ein. „Hast du dich jetzt ausgetobt? Meinst du nicht, dass du mit der Maßnahme übertrieben hast?“, wollte er wissen, als Semir anfuhr. „Oh nein…ganz sicher nicht. Wie willst du sonst so einer verzogenen Göre Manieren beibringen. Weißt du, wie sie mich genannt hat? Opa! Die hat Opa zu mir gesagt!“, empörte Semir sich weiter. „Ach du…lass mich doch bitte am Ebertplatz raus. Du musst doch eh dort hin oder?“, grinste Ben. Semir sah ihn an. „Nee… eigentlich nicht…ich meine das ist ein ziemlicher Umweg und…also gut…“, gab Semir nach, als Ben ihn ansah. „Aber nur wenn du mir verrätst, mit wem du verabredet bist…“ Ben rollte die Augen. „Also gut… ich hab eine Freundin, ja… sie heißt Rosa und ist eine wunderbare schöne Frau. Wir haben uns beim Auftritt kennen gelernt. Sie singt wunderschön und sie ist wunderschön…“, schwärmte Ben verträumt. Semir lachte leise. „Na, was ist Liebe schön…“, grinste er nur. „Aber bitte Semir… behalte das für dich okay?“, bat Ben. Semir nickte „Ja sicher… gar kein Problem…“, grinst er nur.


    Der Abend kam und Rosa wartete bereits auf Ben. Dann kam er endlich rein. Sie sprang auf und fiel ihm regelrecht um den Hals. Ein inniger Kuss folgte. Ben löste sich nur sehr langsam von ihr. „Hast du mich vermisst?“, fragte er leise. „Und wie…Ben…ich liebe dich…“, säuselte sie. „Ich dich auch… aber jetzt essen wir und dann werden wir es uns vor dem Kamin so richtig schön gemütlich machen. Bei mir in der Wohnung, einverstanden?“, wollte Ben wissen. „Ja sehr gern… der Tisch ist da hinten in der Ecke und ich habe dir eine Überraschung mitgebracht.“, versprach sie. „Eine Überraschung? Was ist es?“, wollte Ben sofort wissen. „Na… wer ist denn da so neugierig?“, lachte sie herzlich und zog ihn zum Tisch. Das die Leute im Restaurant über die beiden tuschelten war ihnen egal. Ben bestellte das Essen und die Getränke und der Kellner brachte alles nach einigen Minuten. Der junge Hauptkommissar registrierte, dass die Leute immer wieder zu seiner Freundin sahen, was an ihrem auffällig schweren Kleid liegen durfte, doch ihm gefiel es und er gab nie etwas auf das Getuschel anderer Leute. „Rosa... dein Kleid...“, fing er an und nahm ihre Hand. „Gefällt es dir?“, fragte sie sofort und sah an sich hinunter. „Es... es ist wunderschön und du bist noch viel schöner.“, meinte er mit verliebten Blicken in seinem Gesicht. Sie sah ihn ebenfalls verliebt an und beide küssten sich über den Tisch hinweg und genossen einfach den zusammen verbrachten Abend.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Da das Wetter draußen noch warm und ein wenig luftig war, ließ Ben seinen Wagen vor dem Restaurant stehen und sie beide gingen zu Fuß zu Bens Wohnung. Immer am Rhein entlang, bis sie dann abbiegen mussten und vor der Tür zum Haus standen. Ben sah hoch, drehte sich dann zu Rosa um, nahm ihre beiden Hände in seine und sah etwas verlegen auf den Boden. „Willst du noch mit rauf kommen? Ich meine, wir könnten es uns oben gemütlich machen... einfach vor dem Kamin sitzen und uns eng aneinander kuscheln, bis zum Morgengrauen.“, schlug Ben vor und sah in ihre blau schimmernden Augen. Sie lächelte ihn an. „Ben... das ist lieb, aber ich kann nicht... noch nicht.“, meinte sie zog ihre Tasche nach vorne und holte eine CD heraus. „Aber da du heute Nacht trotzdem was von mir hast... hier... ich habe dein Lied vom letzten Mal gesungen und es aufnehmen lassen. Hör es dir heute Abend an, dann wird es so sein, als ob ich direkt neben dir stehe.“, meinte sie, gab ihm die Hülle und drückte ihm einen Kuss auf seine Lippen. Er hielt sie fest, wollte nicht, dass sie sich löste, aber dann gab er sie dennoch frei. Sie ging zum nächsten Taxi-Stand und ließ Ben vor seiner Tür mit der CD stehen. Er sah ihr lange nach, ging dann leicht enttäuscht in seine Wohnung, warf seine Jacke in eine Ecke und die Schuhe von sich. Dann ging er zu seiner Stereoanlage, öffnete das CD-Fach und schob Rosas CD rein. Mit einem Bier setzte er sich auf die Couch und drückte play, lauschte einfach nur ihrer Stimme und ließ sich fallen.


    „Und, hast du ihm die CD gegeben?“, wollte Anton wissen. Sie nickte nur. „Gut... fahr nach Hause. Ich werde hier auf ihn warten.“, meinte er nur und saß Nägelkauend in seinem Wagen. Rosa tat, was ihr Vater von ihr verlangte und lief weiter zum nächsten Taxistand. Anton wartete nur auf den Freund seiner Tochter und lange brauchte er nicht zu warten. Tatsächlich öffnete sich die Haustür nach wenigen Minuten wieder und ein großer Mann, mit Wuschelhaaren und rebellischem Aussehen kam auf den Wagen zu. Ohne viel Worte oder irgendeinen Blick zur Seite, setzte sich Ben neben den Mann in das Auto und Anton fuhr dann los. Bei der Fahrt reichte er ihm ein Halstuch, eine Sonnenbrille und eine Pistole, zwei weiße Handschuhe lagen im Handschubfach. Ohne eine Änderung des Gesichtsausdrucks legte Ben die Sachen an und nahm die Pistole in die Hand, während der Wagen durch die dunkle Nacht in die Düsseldorfer Innenstadt fuhr.

  • Kemal Ceylan stand in dem Kiosk seines Vaters und hatte die Nachtschicht übernommen... es gab ja immer noch welche, die, besonders an dieser Hauptstraße das Angebot nutzten und sich Kaugummis, Tabak oder einfach nur Getränke holten. Und er hatte heute schon einen guten Gewinn erzielt. Er zählte gerade das Wechselgeld einer Kundin nach, als er plötzlich kaltes Metall auf seiner Stirn spürte. Erschrocken sah er auf und wich einen Schritt zurück. Vor ihm stand ein maskierter Mann mit Sonnenbrille und zielte mit einer Pistole direkt zwischen seine Augen. Fassungslos hob er die Hände in die Luft. Der Mann sprach nichts, deutete bloß auf die Kasse und schien ganz ruhig dabei zu bleiben. „Hoffentlich lässt der mich am Leben.“, dachte Kemal, nahm eine Plastiktüte und nahm das ganze Geld aus der Kasse. Dabei fiel sein Blick auf den Alarmknopf, der direkt unter der Kasse war. Sollte er ihn drücken, dachte er, doch dann spürte er wieder das kalte Metall am Nacken. Schnell nahm er das restliche Geld aus dem Fach und reichte es dem Räuber. Dabei fiel ihm sein linker Oberarm auf. Er trug ein ziemlich kurzärmeliges Shirt und unter dem Ärmel lugten die Ansätze eines Tattoos hervor. Doch ehe er es sich genauer ansehen konnte, war der Mann auch schon wieder verschwunden und stieg in einen Wagen ein. Kemal, sichtlich geschockt von der Situation, sackte hinter der Kasse zusammen und drückte noch den Alarmknopf, bevor er zu weinen anfing.


    ...

  • Er wälzte sich im Bett hin und her, als das Telefon neben ihn unaufhörlich läutete. Ein verwirrter Griff betätigte schließlich die Nachttischlampe und ein Kopf hob sich aus den Tiefen des Kissens hervor. Er betätigte den grünen Knopf seines Handys. „Stolberg?“, meldete er sich und hörte einfach zu. „Gut, ich bin gleich da.“, meinte er dann mit ruhiger Stimme und schwang sich aus dem Bett. „Morgen Chef.“, begrüßte ihn Florian Glade, sein junger Kollege, als Hauptkommissar Martin Stolberg am Tatort eintraf. „Wohl eher guten Abend.“, entgegnete er und ging neben seinem Kollegen her. „Überfall auf einen Kioskbesitzer. Der Täter ist noch auf der Flucht.“, meinte Florian. „Ist der Mann tot?“, wollte Stolberg wissen. „Äh... nein.“ „Warum sind wir von der Mordkommission dann hier?“, grummelte der Hauptkommissar. „Das Raubdezernat ist durch Grippeausfälle und Schwangerschaftsurlaub unterbesetzt und der Polizeichef hat angewiesen, dass wir den Kollegen aushelfen sollen.“, erklärte Kommissar Glade. „Ah, ich verstehe... Wo ist Sofia?“, wollte er von seinem Assistenten wissen und sah sich nach Sofia Lechner, der dritten im Bunde der Mordkommission um. „Sie befragt gerade den Sohn des Ladenbesitzers... er hatte die Nachtschicht übernommen, als sich der Überfall ereignete.“ „Konnte er den Täter beschreiben?“, wollte Stolberg wissen und stand dann direkt in dem Laden.


    „BEN!! Verdammt noch mal!!“, hörte er im Unterbewusstsein Semirs Stimme. Erschrocken setzte er sich auf und sah auf die Uhr. Es war bereits zehn Uhr… „Oh verdammt…“, stieß er aus und schlurfte zur Tür. „Das ist ja mal ganz toll, dass du die Tür öffnest… wirklich sehr schön… Vor zwei Stunden war Dienstbeginn! Du gehst nicht ans Handy! Und meldest dich nicht per Funk, oder Festnetz! Weißt du, was ich mir für Sorgen mache?“, faucht Semir ihn wütend an. „Ja beruhige dich erst mal. Ich hab Kopfschmerzen.“, gab Ben leise wieder. „Ja warum denn? Hast du die Nacht durchgemacht oder was?“, wollte Semir wissen. „Nein…. Ich war gestern mit Rosa aus und bin eigentlich zeitig ins Bett. Der Wecker hat vielleicht nicht geklingelt und… du kennst mich… wenn ich schlafe, dann schlafe ich…“, entschuldigte Ben sich. „Ja schon gut…na komm…. Ich mach einen Kaffee während du duschst. Und dann fahren wir zusammen auf Streife.“, meinte Semir nun schon etwas ruhiger. Ben nickte und ging ins Bad während Semir die Kaffeemaschine anschmiss. Während dieser Zeit sah Semir sich neugierig um. Scheinbar war Ben tatsächlich allein. Schon sonderbar…. Dann grinste er breit. „ Vermutlich war er bei ihr und hat sich dort einen schönen Abend gemacht und ist dann wieder abgedampft… Vielleicht war er gar nicht so lange hier, wie der tat.“, sagte er leise zu sich.


    „Sie können den Mann nicht beschreiben?“, fragte Sofia den Sohn. „Nein…er war maskiert. Er hatte eine Maske auf und eine Sonnenbrille… aber das war eine Markenbrille, das hab ich sofort gesehen. Kein billiges Ding, das hab ich sofort gesehen. Der Mann war ungefähr 190 cm groß… schlank. Aber mehr konnte ich nicht sehen. Die Waffe war eine schwarze Beretta wenn ich mich nicht irre…“, erklärte Kemal. „Hat der Mann was gesagt?“, harkte Sofia nach. Kenal schüttelte den Kopf. „Nein… er hat mit seiner Waffe gefuchtelt und damit seine Befehle gegeben. Ich hatte Angst… ich meine…er hätte vielleicht abgedrückt wenn ich …wenn ich nicht…“, erklärte er. Seine Hände zitterten immer noch. „Schon gut. Wie hoch war die Beute?“, wollte sie wissen. „Das war nicht viel… 360 Euro… ich meine, ich hab ja noch nicht viel verkauft und…ich…. Ich hab nicht immer alles Geld in der Kasse. Einen größeren Teil hab ich hinten. Das wusste der Kerl zum Glück nicht und ist mit dem Geld abgedampft. Danach hab ich die Polizei angerufen. Ich…“, erklärte Kemal. „Kemal..!“ rief plötzlich jemand. „Mein Vater…BABA!!! Tamam!“, rief Kemal zurück. Und kurz darauf kam ein grauhaariger Mann in den Raum. „Bist du okay, Kemal?“, fragte dieser besorgt. „Ja… ich bin okay… aber der Mann hat die Kasse geleert…“, erklärte Kemal und sah seinen Vater verschüchtert an. „Geld! Geld! Es ist wichtiger, dass dir nichts passiert ist. Geld kann man ersetzen. Aber dein Leben ist mir mehr wert, als alles andere…“, erklärte der Mann. Sofia sah ihn an. „Herr Ceylan…. Ist es schon öfter vorgekommen, dass man Sie überfallen hat?“, fragte sie an. „Nein… das war das erste Mal. Ich bin schon seit über zwanzig Jahren hier und nie hat man uns überfallen. Ich bin nur froh, dass nicht Fatima die Nachtschicht hatte.“, erklärte der Alte. „Fatima?“ harkte die junge Kommissarin sofort nach. „Ja… meine Frau…“, kam von Kemal. „Sie ist hochschwanger. In wenigen Tagen ist es soweit und wenn sie hier gewesen wäre, dann…“, Kemal schwieg. Er wollte nicht daran denken, was passiert wäre wenn.

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  • Rosa sah ihren Vater am Frühstückstisch an. „Und?“, fragte sie. „Er hat es getan. Einen kleinen Kiosk zwar nur, aber immerhin ein Anfang. Sobald er die Hypnose vollends verfallen ist, werde ich ihn einen größeren Auftrag geben. Ein Museum vielleicht, oder eine Tankstelle. Oder ein Banküberfall…ja…. Eine große Sache für einen Bullen. Ich finde es nur schade, dass du dich hingeben musst. Rosa… ich weiß, dass es dir nicht leicht fällt. Aber du tust es für mich. Und genau dafür liebe ich dich. Du bist meine liebste Tochter..“, lachte Anton. „Papa…ich bin deine einzige Tochter. Und ich mache es freiwillig… schließlich hab ich auch was davon… er ist sehr spendabel und er ist sehr zärtlich…“, lachte sie leise. „Aber es gibt keine Beziehung… nicht das du im Nachhinein auf seiner Seite stehst…“, warnte Anton seine Tochter. „Keine Sorge Papa... ich liebe nur einen Menschen. Und der bist du.“, erwiderte sie und küsste ihren Vater auf die Wange, als sie aufstand. „Wann willst du ihm die letzte Stufe geben?“, fragte sie. Anton überlegte kurz. „Heute Abend... bring ihn auf die Burg und dann kann ich ihn vollends in Trance versetzen.“, erwiderte Anton. „Du musst mir aber eins versprechen... lass ihn nicht zu sehr leiden.“, lachte Rosa und legte ihre Arme um die Schultern ihres Papas. „Keine Angst, sobald wir genug Geld zusammen haben, wird es sehr kurz und schmerzlos für ihn sein.“, erwiderte Anton.


    „Und? Wie war der Abend?“, fragte Semir, als sie im Auto saßen und auf der Autobahn unterwegs waren. „Hm?“, fragte Ben plötzlich und schien irgendwie geistesabwesend zu sein. „Wie der Abend war? Was ist denn heute los mit dir?“, fragte sein Partner besorgt. „Semir, ich weiß es nicht. Vielleicht bin ich einfach noch müde.“, gab er als knappe Antwort wieder. „Und der Abend?“, wollte Semir dann grinsend wissen. Ben schielte zu ihm rüber. „Warum musst du immer so neugierig sein?“ „Berufskrankheit.“, erwiderte Semir nur schnippisch und lachte kurz. Ben überlegte stark, aber irgendwie schien er eine Nebelwand um die Ereignisse von gestern zu haben. „Warte mal... wir waren Essen, ein wunderschönes Lokal, direkt am Rhein und dann sind wir glaube ich zu mir... und...“, er stockte. „Was und?“, wollte Semir wissen und wartete auf eine Antwort. „Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht erinnern...“, gab Ben zu. Semir musste sich die Hand vor den Mund halten, um nicht laut loszulachen. „Wird da jemand etwa alt?“, fragte er stichelnd. „Quatsch... aber irgendwie... ich weiß nicht.“, gab sein Partner zu. Semir lachte auf, die Situation war doch mehr als komisch. „Ben... du hast wohl zu viel getrunken was...“ „Semir... halt die Klappe.“, meinte er nur grummelnd.

  • Stolberg, Florian Glade und Kollegin Sofia Lechner saßen in ihrem Büro und gingen die Ereignisse der letzten Nacht noch einmal durch. „Also, der Räuber hat nicht mehr als 360 Euro erbeutet... ein bisschen mau oder nicht...“, fragte der erfahrene Hauptkommissar. „Vielleicht war dies eine Tat ohne Plan... ohne jegliche Vorbereitung.“, meinte Florian und kaute an seinem Bleistift herum. „Nein... die Mimik, die ruhige Haltung... alles deutet auf eine gezielte Tat hin.“, entgegnete Sofia und schaltete das Videoband der Überwachungskamera aus dem Kiosk ein. „Da ... um 00.23 betritt der Vermummte den Laden und geht, ohne sich umzusehen, direkt zur Kasse.“, erklärte sie und die beiden Männer sahen angestrengt auf das Video. „Moment.“, rief plötzlich Stolberg aus. „Machen sie mal auf Stopp und vergrößern sie den linken Oberarm des Täters.“, wies er sie an. Sofia tat es und mit wenigen Handgriffen war das Bild größer und schärfer gestellt. „Für was würden sie das halten?“, fragte er in die Runde. „Sieht mir nach einem Tattoo aus.“, gab Florian sofort bekannt. „Hm... machen sie mir bitte einen Abzug davon und dann durchsuchen sie die Karteien der Kollegen vom Raub nach der Beschreibung des Täters.“, wies er seine Kollegen an.


    ...

  • Semir und Ben saßen in einer Raststätte und aßen zu Mittag, als Bens Handy ihn aus seinen Gedanken riss. „Hallo... Jäger?“, meldete er sich und schluckte schnell den Rest seines Brötchen hinunter. „Hallo mein Spatz...“, säuselte er und erregte damit die Aufmerksamkeit von Semir, der gerade noch etwas abwesend in seinem Kaffee gerührt hatte. „Heute Abend... ja, sicher und wohin wollen wir gehen?“, fragte Ben mit neugierigen Blicken. „Aha, klingt interessant. Soll ich dich abholen? ... Alles klar, bis um acht dann.“, verabschiedete sich Ben und Semir sah ihn mit neugierigen Blicken an. „Was ist?“, fragte Ben. „Wohin soll’s gehen?“, wollte Semir wissen und grinste vielsagend. „Herr Gerkhan... haben sie kein eigenes Privatleben?“, fragte Semirs Partner lachend. „Doch, aber deins ist im Moment viel interessanter.“ Ben verdrehte die Augen. Dann klingelte Semirs Handy. „Gerkhan!“, meldete er sich. „Ach Chefin. Was gibt es?“, fragte er freundlich. Ben beobachtete ihn und sah sofort wie das Gesicht von Semir sich verzog. „Moment Chefin…sie hat…“, fing Semir an, wurde scheinbar jedoch von Kim Krüger unterbrochen. „Ja aber…was? Nein… sie hat…“, erklärte er weiter, doch er kam nicht dazu den Satz zu beenden. „Ja…ja…Chefin…ich komme gleich rein… ja…“, er beendete das Gespräch. „Diese verdammte Zicke!!“, stieß er wütend aus. Ben sah ihn an. „Die Chefin? Sei froh dass sie das nicht mehr gehört hat.“, grinste er. „Nein… dieses junge Ding…was ich den Führerschein abgenommen habe. Sie ist die Tochter des Oberbürgermeisters von Düsseldorf. Ann-Marie von Dahmen. Die Tochter von Lothar von Dahmen und der hat sich bei der Chefin beschwert, dass ich als einfacher Polizist seine Tochter genötigt hätte. Du kannst dir ja wohl vorstellen, was das für mich heißt!“, fauchte Semir wütend und lenkte den Wagen auf den Parkplatz der PAST.


    Kim sah auf, als Semir eintrat. „Herr Gerkhan… Wie ich eben schon am Telefon sagte, hat sich Herr von Dahmen über Sie beschwert. Sie hätten unberechtigter Weise seiner Tochter den Führerschein abgenommen. Was ist da dran?“, wollte sie wissen. Jetzt schien sie sich etwas beruhigt zu haben. „Chefin… sie hat Schlangenlinien gefahren, sie hat telefoniert und sie hat mich beleidigt. Sie war total arrogant und eingebildet und ließ sich nicht auf das Bußgeld eingegangen! Was sollte ich denn tun? Vor dem Gesetz sind alle gleich und…“, verteidigte Semir seine Vorgehensweise. Kim nickte. „Gut… und was ist mit der Beleidigung?“, wollte sie wissen. „Sie hat mich Opa genannt. Das ist …für mich schon eine Beleidigung. Sie hat dauernd gesagt, ich sollte nicht so spießig sein. Wo sind wir denn hier, wenn das Gesetz nicht für die Tochter eines x-beliebigen Bürgermeisters gilt?“, fragte Semir wütend. „Der Mann fordert lediglich eine Erklärung für das Verhalten. Seine Tochter wurde kurz darauf von Kollegen erwischt und verhaftet, weil sie keinen Führerschein mehr hatte.“, kam weiter von Kim. Semir sah sie an. „Sie ist ohne Führerschein gefahren? Dafür geht die in den Bau… die sollte wirklich mal in ein Erziehungsheim!“, grinste Semir leicht. „Sie sollten den Bericht fertig schreiben, den ich dann Frau Schrankmann vorlegen kann, die ist nämlich gar nicht so erfreut.“, zog Kim ihn sofort zurück. „Ähm….ja sicher…“, nickte Semir und verließ das Büro.


    Ben saß auf seinem Stuhl und grübelte. Was zum Teufel war nach dem Essen? Wieso kann ich mich nicht daran erinnern? Rosa! Rosa muss es doch wissen. Doch wie wird sie reagieren, wenn er ihr sagte, dass er sich nicht an die Nacht erinnern konnte. Vielleicht war sie bei ihm. Er konnte doch nicht sagen…hallo Schatz… die Nacht war toll, nur erinnere ich mich nicht dran. „Die gibt mir den Laufpass!“, stöhnte er. „Wer?“, wollte Semir wissen, der gerade rein kam. „Was?“, fragte Ben. „Ben du machst mir wirklich Sorgen. Was ist los mit dir. Erst schläfst du wie ein Stein und dann kannst du dich nicht erinnern. Das ist doch nicht normal. Brauchst du Urlaub?“, wollte Semir wissen und sah ihn fest an. „Nein… ich bin okay. Ich fühle mich nur im Augenblick nicht so gut. Ich weiß auch nicht….“, kam von Ben leise. „Na komm…wir gehen erst mal frühstücken.“, grinste Semir. „Das Gespräch mit der Chefin ist wohl gut verlaufen was? Keine Vorwürfe? Keine Bestrafung?“, wollte Ben wissen. „Nein… also nicht wirklich. Sie wurde nach dem Einzug des Führerscheins noch einmal erwischt. Am Steuer. Und das ist eine Genugtuung für mich. Da kann ihr einflussreicher Vater auch nichts machen.“, erklärte Semir seine Gelassenheit.

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  • Immer wieder sah Ben auf die Uhr, doch die Stunden wollten nicht vergehen. Semir saß über seinem Bericht und merkte, dass sein Partner immer wieder auf die große Uhr an der Wand sah. „Wenn du dauernd raufstarrst, bewegen sich die Zeiger auch nicht schneller.“, lachte er und tippte auf seiner Tastatur weiter rum. „Sicher?“, fragte Ben nur grinsend und widmete sich dann wieder seiner Arbeit, doch er konnte sich einfach nicht konzentrieren. Immer wieder versuchte er über die letzte Nacht nachzudenken. So was war ihm ja noch nie passiert. „Ben? Alles in Ordnung mit ihnen?“, fragte Kim plötzlich. „Was? Ja ja... alles bestens.“, gab er wieder, als er erschrocken zusammenfuhr. Er hatte gar nicht gemerkt, wie sie ins Büro gekommen war und Semir nach dem Bericht fragte. „Sind sie sich da sicher?“, kam als nächstes die Frage. „Ja... natürlich. Bin nur etwas müde.“, gab er zu. „Fahren sie auf Streife... vielleicht hilft das gegen die Müdigkeit.“, meinte sie und nahm Semirs Bericht entgegen. Dieser sah seinen Partner nur mit noch besorgterem Blick an. „Na komm... lass uns fahren.“, meinte er und griff sich seine Jacke.


    „Ben... ich mach mir echt Sorgen um dich. Ich meine... dieses Verhalten ist doch nicht normal bei dir. Komm, erzähl mal, was ist los?“, forderte Semir, als sie im BMW über die Autobahn rauschten. Ben seufzte auf. „Okay, pass auf, aber du darfst nicht lachen... ich habe Rosa gestern nach dem Essen gefragt, ob sie noch mit hoch kommen will, es sich bei mir gemütlich machen... na du verstehst schon... Sie drückte mir einen Kuss auf den Mund und von da an weiß ich nichts mehr.“, erzählte er und wider erwarten, grinste Semir ihn an. „Hey, ich hab gesagt, nicht lachen.“, kam es leicht beleidigt von Ben. „Schon okay... vielleicht verträgst du einfach den Alkohol nicht mehr. Wie viel hast du denn getrunken?“, fragte Semir und sah kurz rüber zu Ben. Ben überlegte kurz. „Nur zwei Gläser Wein... wie Rosa auch.“, erwiderte er und fasste sich nachdenklich an die Stirn. Er konnte sich das echt nicht erklären. „Sprich sie doch mal drauf an.“, meinte Semir prompt. „Geniale Idee... Hallo Rosa, der Abend mit dir war klasse, aber kannst du ihn mir noch mal erzählen... ich weiß überhaupt nichts mehr... Semir, die hält mich doch dann für verrückt und lässt mich links liegen.“, zischte er zurück. „Gott, wenn ich nur nicht so müde wär.“, meinte er dann.

  • Der Abend kam dann doch endlich und Ben holte Rosa von ihrer Arbeit ab. Wieder trug sie das wunderschöne Kleid, was er so an ihr liebte. „Hallo, mein Schatz...“, säuselte er und gab ihr einen langen, intensiven Kuss. Lange lagen sich beide in den Armen, bis Rosa sich löste. „Wollen wir los? Ich hoffe, du wirst deinen Spaß heute haben?“, meinte sie und lachte kurz in sich hinein. „Das hoffe ich auch.“, gab Ben wieder und startete den Wagen. Er lenkte seinen Mercedes durch die Kölner Stadt und war dann nach einer halben Stunde auf der Landstraße, näherte sich dem Ziel. Stolz und erhaben ragte der große Wohnturm der Burg Falkenstein in den dunstig blauen Abendhimmel hinein. Die umherziehenden Wolken gaben dem Ganzen ein gespenstisches Aussehen, doch das Leuchten der vielen Fackeln, die den Turm und die Mauern der Burg erstrahlen ließen, hatte einen gewissen Charme. „Hier arbeitet dein Vater?“, fragte Ben und parkte den Wagen. Sie nickte nur. „Ja, er ist gelernter Puppenspieler und Alleinunterhalter und hat mit ein paar Freunden vor ein paar Jahren eine Mittelalterunterhaltungsgruppe gegründet. Seitdem sind sie hier auf der Burg.“, erklärte sie und stieg mit Ben aus. Langsam gingen sie den kleinen Waldpfad entlang, der zum großen Tor der Burg führte.


    Anton Pfeifer saß vor seinem Stand und zeigte einigen kleinen Kindern, was er alles mit einer Marionette machen konnte. Seine Finger bewegten sich sehr schnell mit den kleinen Seilen und die Puppe tanzte nach seinen Befehlen, machte Verbeugungen oder kratzte sich an der Nase. Die Kinder waren begeistert und kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Dann sah er kurz zum großen Tor und entdeckte schon seine Tochter, die mit ihrem Freund angekommen war. „Da ist er ja.“, dachte er nur und setzte ein zufriedenes Lächeln auf, als sie über den mit vielen Buden und Schaubühnen gefüllten Innenhof spazierten.


    ...

  • Ben sah sich alles gebannt an. Er war jetzt in einer anderen Welt gelandet. Erwachsene Leute liefen mit Rüstungen am Körper über den Hof und sahen es als verständlich an. Einige trugen einen freien Oberköper und beeindruckten die Zuschauer mit ihren Feuerschluckkünsten, andere jonglierten mit allen möglichen Gegenständen. „Komm, da hinten ist mein Vater.“, meinte Rosa und zog ihren verblüfften Freund weiter. „Du sag mal… gestern Abend… es war wirklich…“, fing Ben an. Rosa lächelte. „Glaub mir… irgendwann bin ich bereit. Noch nicht… bitte gib mir die Zeit.“, bat sie sanft. Ben nickte. Sollte in der Nacht tatsächlich nichts passiert sein? War er tatsächlich allein? Das gibt es doch gar nicht. „Ich versteh dich und lass dir auch die Zeit, die du brauchst. Versprochen.“, lächelte er und küsste sie. „Nicht vor meinem Vater…bitte.“, ermahnte sie ihn. „Oh…Verzeihung…“, murmelte er. „Hallo Papa… das ist Ben Jäger.“ Anton reichte ihm die Hand. „Anton… Sie kommen gerade richtig. Haben Sie schon mal mit Handpuppen gespielt?“, fragte er. Ben schüttelte den Kopf. „Nicht seit ich acht war.“, gab er lachend zu. „Nun diese Marionetten sind voller Leben… meinem Leben. Wissen Sie… ich habe sie alle selbst geschnitzt. Vor einigen Jahren hatte ich sehr viel Zeit dafür. Und diese Zeit habe ich genutzt. Sag mal Rosa, warum gibst du deinem Freund nicht was zu trinken und zeigst ihm die Burg. Ich mache nur noch die letzte Vorstellung und dann werden wir gemeinsam essen.“, schlug Anton vor. Rosa nickte begeistert. Eine Stunde später war es soweit.


    Ben, Rosa und Anton saßen an einem reich gedeckten Tisch im Speisesaal der Burg. „Ihr seid hier jeden Abend?“, fragte Ben und sah die finsteren Gestalten hier im Raum an der Wand. „Nun ja… ich liebe diese Atmosphäre. Finden Sie nicht, dass es etwas von einem Gefängnis hat? Hier gibt es viele Dinge zu entdecken. Wenn Sie nach dem Essen Lust haben, werde ich Ihnen welche zeigen.“, schlug Anton vor. Ben war begeistert. „Gibt es hier Geister? Ich meine… von solchen Burgen hört man ja immer wieder diese Horrorstorys.“, grinste Ben. „Nun hier soll es die weiße Frau geben. Haben Sie sicher gehört, aber ich bin jetzt seit mehr als drei Wochen hier und habe sie noch nicht gesehen.“, lachte Anton. Der Mann gefiel Ben und es schien Rosa zu gefallen, dass die Männer sich verstanden. „So…“, meinte Anton als Ben fertig war. „Kommen Sie mit, ich zeige Ihnen was ganz tolles…“, versprach er. Ben folgte ihm neugierig.


    Die Tour endete vor einem großen Saal in dem ein einziger Stuhl stand. „Sehen Sie… hier ist ein Stuhl der für die Entspannung genutzt wurde und Sie werden sehen, dass er wirklich bequem ist…“, lud Anton ihn ein. Ben war tatsächlich neugierig und setzte sich. Doch kaum war er in diesem Stuhl schlugen sich Stahlklammern um die Hand- und Fußgelenke. „Verdammt! Was soll das!!“, fauchte er wütend und versuchte sich zu befreien. Er zerrte und wandte sich in den Fesseln. Anton lachte leise. „Nur keine Angst… ich tue dir nichts…“, versprach er und drückte einen Knopf. Dann legte er Ben einen Gurt über die Stirn und befestige es an dem Stuhl. Ben konnte nur an die Decke sehen und dort erschien eine sich drehende Spirale. „Sehen Sie hin…“, forderte Anton auf. Ben versuchte sich gegen diese drehende Scheibe zu wehren, aber es gelang ihm nicht… er versank… „Sie hören nur meine Stimme…. Ich will dass du gleich zur Raststätte fährst und mir den Kasseninhalt bringst. Hörst du…. den gesamten Inhalt der Kasse! Du wirst tun, was ich sage… du wirst tun was ich fordere...Wiederhole!“, kam monoton von Anton. „Ich werde den Kasseninhalt bringen…den gesamten Inhalt…den gesamten Inhalt…“, murmelte Ben nach.

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    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Semir lag bei Andrea im Bett. „Und was hast du?“, fragte sie. „Nichts…warum fragst du?“, wollte er wissen. „Semir… lüg mich bitte nicht an. Ich kenne dich und so, wie du grübelst sieht es ein Blinder, dass dich etwas quält. Also, was ist es?“, forderte sie ihn auf zu reden. „Ben… er ist derzeit etwas abwesend. Also, nicht körperlich… ich meine geistig. Heute Morgen zum Beispiel ist er nicht zur Arbeit erschienen und ich habe ihn aus dem Bett geholt. Er konnte sich nicht an die Nacht zuvor erinnern. Und das obwohl er eine neue Freundin hat und…“, erklärte Semir. Andrea sah ihn an. „Ben hat ne neue Freundin? Whow….wie heißt sie denn? Kennst du sie?“, wollte sie sofort wissen. „Das einzige was ich weiß ist dass sie Rosa heißt. Mehr weiß ich nicht. Er spricht nicht über sie.“ „Tja…ein wahrer Liebhaber schweigt und genießt.“ Lachte Andrea. „Nein… das ist es nicht… Andrea… er saß heute im Büro und redete nicht einmal mit mir. Er sah nachdenklich aus und er fragte mich wie es sein könnte, dass er sich an nichts erinnert. Irgendwas stimmt da nicht mit ihm.“, kam überzeugt von Semir. Doch schon klingelte das Telefon. „Ja, Semir hier?“ meldete er sich. „Kim Krüger. Semir… die Raststelle Reichenau ist überfallen worden. Der Täter ist flüchtig. Fahren Sie bitte umgehend hin, der Täter ist bewaffnet gewesen und hat auch geschossen.“, erklärte Kim ihm. Semir saß aufrecht im Bett. „Bin schon unterwegs!“, gab er nur durch und beendete das Gespräch. Er sah Andrea an. „Tja… die Nacht ist vorbei. Raubüberfall mit Schusswaffengebrauch.“, murmelte er, gab ihr einen Kuss und zog sich an.


    Nur wenige Minuten später war er an Ort und Stelle. Notarztwagen stand vor der Tür und ließ ahnen, dass hier etwas mehr passiert war, als nur ein Überfall. Semir betrat mit gemischten Gefühlen die Raststätte. „Gerkhan... Kripo Autobahn. Was ist hier passiert?“, wollte er wissen und sah sich um. Plötzlich trat ein junger Mann an ihn heran und baute sich vor ihm auf. „Was wollen sie denn hier?“, fragte er mit leicht erboster Stimme. „Ich bin hier zuständig... Wie ich schon sagte, Kripo Autobahn.“, betonte Semir und hielt dem Mann nochmals seinen Ausweis vor die Nase. „Glade, Kripo Düsseldorf... das hier ist unser Fall.“, fauchte der Mann, der nicht viel älter als Ben zu sein schien. „Ach wirklich? Seit wann gehören denn die Raststätte Reichenau zum Düsseldorfer Stadtgebiet?“, fragte Semir schnippisch. „Seitdem der Täter einen Mann niedergeschossen hat.“, kam es von einer ruhigen Stimme, die sofort Semirs Aufmerksamkeit von dem jungen Mann ablenkte. „Stolberg, Kripo Düsseldorf.“, stellte sich der Mann vor, als er neben Semir und Florian Glade stand. „Gerkhan, Kripo Autobahn.“, erwiderte Semir. „Entschuldigen sie, dass wir so einfach in ihr Jagdgebiet eindringen, aber wir hatten einen ähnlichen Fall in Düsseldorf.“, erklärte er und widmete sich dann wieder den Zeugen, ohne sich weiter um Semir zu kümmern.

  • „Gibt es schon eine Täterbeschreibung?“, wollte Semir wissen und hatte sich neben den Kollegen aus Düsseldorf gestellt, als dieser gerade wieder ansetzen wollte. Stolberg atmete kurz ein, schloss die Augen und seinen Notizblock. „Tun sie mir einen Gefallen? Gehen sie raus und jagen sie diesem Kerl hinterher, okay?“, murrte der Hauptkommissar. „Hey, warum können wir nicht gemeinsam an diesem Fall arbeiten?“, fragte Semir, sich wundernd über den rüden Ton des Kollegen. „Ganz einfach... weil ihr Autobahnsheriffs doch nur eure Dienstwagen zu Schrott fahrt, ohne dabei auch nur ansatzweise dem Täter nahe zu kommen. Lassen sie das hier von richtigen Polizisten machen, Herr Gerkhan.“, zischte Stolberg und ging mit dem Zeugen etwas weiter weg. „Was heißt hier richtige Polizisten? Glauben sie, ich habe meinen Ausweis beim Wettschießen auf dem Rummel gewonnen?“, schrie Semir erbost, doch damit brachte er nicht wirklich Ruhe in die Situation. Der Kollege aus Düsseldorf befahl zwei Beamten, den kleinen Mann zu nehmen und ihn vor die Tür zu setzen.


    „So ein...“, zischte Semir, als er draußen stand, sah aber dann den noch nicht abgefahrenen Krankenwagen und seine Chance, das Opfer zu befragen. Schnell und ohne die Blicke der Kollegen auf sich zu ziehen, stieg er ein und setzte sich neben den jungen Kassierer, gerade mal Mitte zwanzig. „Hallo... kannst du mir sagen, was passiert ist? Gerkhan Kripo Autobahn.“, fragte Semir den Jungen vorsichtig, denn die Schusswunde an der Schulter schien ihn vor Schmerz zu betäuben. „Jonas Heimann... der Typ kam rein und fuchtelte... fuchtelte mit seiner Waffe rum, zielte auf mich... hab ihm das ganze Geld gegeben... wollte den Alarmknopf drücken... da hat er ... hat er geschossen.“, erzählte der Junge stöhnend vor Schmerzen. „Kannst du ihn mir beschreiben?“, fragte Semir vorsichtig und machte sich schnell seine Notizen. „Linker Oberarm ... längliches Tattoo. Wuschelige Haare, braune Augen...“, kam es dürftig vom jungen Mann. „Schwarze Skimaske... schwarze Pistole.“ „Herr Gerkhan, was machen sie da?“, hörte Semir auf einmal die Stimme von Stolberg.


    ...

  • Anton sah auf, als seine „Marionette“ zurückkam, völlig in Trance gehüllt und mit einer prall gefüllten Plastiktüte in der Hand. „Wow, sehr gut Ben. Leg sie auf den Tisch.“, befahl er und der Angesprochene tat, was von ihm verlangt wurde. „Papa, das klappt ja super. Das sind bestimmt an die viertausend Euro.“, rief Rosa erstaunt aus, als sie die Tüte auf den Tisch ausschüttete. „Sehr gut, dann werde ich ihn für die restliche Woche programmieren.“, lachte er und befahl Ben, wieder auf dem Stuhl Platz zu nehmen. „Hör zu Ben... konzentriere dich auf meine Stimme ... du wirst mir gehorchen.“ „Ich werde gehorchen.“, wiederholte Ben und sah dabei starr geradeaus. Er war in dem Moment ein willenloses Werkzeug. Wer weiß, was diese Beiden noch alles mit ihm vorhatten. „Ab sofort wirst du alles tun, was ich verlange. Jedes Mal wenn ich dich anrufe und das Wort Vancouver sage, wirst du mir Beute bringen. Du wirst alles hier herbringen… hörst du alles!“, redete Anton auf ihn ein. „Vancouver…alles her bringen… ja…ich habe verstanden…ich habe verstanden…“, murmelte Ben geistesabwesend. Anton wandte sich an Rosa. „Du kannst ihn jetzt nach Hause bringen. Er ist jetzt in meiner Gewalt.“, lachte er leise. Rosa nickte. „Wie willst du ihn denn so nach Hause schicken? Seine Kollegen merken doch was…“, gab sie zu bedenken. „Oh nur keine Sorge… ich regele das.“, kam von Anton und er wandte sich wieder an Ben. „Komm!“, forderte er ihn auf.


    Rosa sah ihrem Vater zu. Sie gingen mit Ben im Trance in das Wohnzimmer und dort ließ Anton ihn auf dem Sofa platz nehmen. „Leg dich hin!“, forderte er auf. Ben tat, was Anton sagte. „Du wirst nun schlafen…tief schlafen… ich zähle bis drei und dann wirst du die Augen aufmachen. Du weißt von nichts.. du erinnerst dich an unser gemeinsames Essen und danach wurde dir schlecht… das du dich hingelegt hast. Nun geht es dir besser. Eins---zwei---drei“ Anton schnippte mit seinen Fingern. Sekunden danach sah Ben ihn und Rosa erschrocken an. „Entschuldigung… aber irgendwie ist mir das Essen nicht bekommen. Es ist unhöflich einfach zu schlafen…“, entschuldigte er sich. „Ach keine Sorge…. Ist ja nichts passiert. Liegt vielleicht auch an der Umgebung und an der langen Fahrt, deinen Dienst…“, gab Rosa zu bedenken. „Ja…kann sein… Ich muss so langsam auch los. Morgenfrüh wird mein Partner mich köpfen, wenn ich wieder zu spät komme. Bist du bereit Rosa?“, wollte Ben wissen und sah sie an. „Du sei mir nicht böse, aber ich würde hier noch gern bei meinem Vater sein.“, kam von ihr. „Ja sicher… kein Problem… ich fahre allein runter. Sehen wir uns morgen?“, wollte er wissen. Rosa nickte. „Ja sicher, wir müssen schließlich noch proben…“, lachte sie und küsste ihn. Die Blicke ihres Vaters sagten alles. Er schien es absolut nicht zu mögen, wenn sie sich hingab. Ben fuhr los. Gegen Mitternacht kam er zu Hause an und legte sich sofort ins Bett.


    Rosa sah ihren Vater an. „Wenn er jetzt das Wort „Vancouver“ hört, wird er alles machen, was du willst?“, harkte sie nach. „Ja… alles…. Ich lasse ihn noch zwei oder drei Überfälle begehen und dann werde ich ihm sagen, dass er Semir Gerkhan töten soll, weil er ihm auf die Schliche gekommen ist. Du wirst sehen, er wird es tun… er wird Gerkhan hierher bringen und hier werden wir ihn ins Verließ einsperren. Ben Jäger wird ihn jeden Tag seiner Gefangenschaft versorgen und verhören. Die alten Geräte sind schließlich schon lange nicht mehr gebraucht worden. Es wird Zeit, dass Gerkhan sich mit dem Gedanken befassen soll, dass sein eigener Partner seine Hinrichtung ausrichten wird. Das wird für mich ein sehr schönes Erlebnis werden. Das letzte vermutlich in meinem Leben, aber das ist es mir wert.“ Anton lehnte sich zufrieden zurück. Ben Jäger würde in kürze als Mörder von Semir Gerkhan gelten und dann gejagt und eingesperrt werden. Niemand wird ihm glauben. Das nächste was Jäger ausräumen wird, ist das Museum für asiatische Kunst in Köln… das ist sogar Videoüberwacht und dann wird man wissen, wer der Täter ist. Wenn er Gerkhan richtig einschätzte, würde dieser alles tun, um die Unschuld zu beweisen. Was anhand der Beweise jedoch nicht so einfach werden wird… Anton war zufrieden. Sein Plan der Rache an den Mann, der ihm die schönste Zeit mit seiner Tochter nicht gönnte. Semir Gerkhan…Semir Gerkhan….Semir Gerkhan… immer wieder rief er sich diesen Namen in sein Gedächtnis.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „Herr Gerkhan ... kommen sie da sofort raus.“, fauchte Kommissar Stolberg, als er Semir im Krankenwagen sitzen sah. „Ich wollte nur...“ „Sie gehen besser, bevor ich sie vom Tatort verweisen lasse.“, zischte der hochgewachsene, grauhaarige Mann mit dem unbestechlichen Blick. „Moment mal, meine Chefin hat mich herzitiert und jetzt jagen sie mich wieder davon?“, fauchte Semir und konnte diesen Mann schon jetzt nicht leiden. „Ihre Chefin? Meinen sie etwa Kim Krüger?“, fragte er nur und verzog keinen einzigen Muskel in seinem Gesicht. „Ja...“, kam es erstaunt von Semir. „Woher kennen sie meine Chefin?“, fragte der Deutschtürke mit erstaunter Stimme. „Ich hatte das Vergnügen, sie auf der Kommissarsschule auszubilden.“, erwiderte er und hatte dabei ein etwas zwielichtiges Grinsen im Gesicht. „So, und jetzt lassen sie mich hier meine Arbeit machen und tun sie die ihre und verfolgen sie den Flüchtigen oder sperren sie den Tatort ab.“, meinte Stolberg und schloss dann die Türen des Krankenwagens, ging zu seinen Kollegen zurück und ließ Semir vor der Raststätte stehen. „So ein eingebildetes ...“, stieß Semir wütend aus und fuhr nach Hause zurück.


    Ben schreckte aus dem Schlaf hoch. Was... Wo war er? Er sah sich um. „Verdammt, ich bin zu Hause.“, stieß er erleichtert aus. Er ließ sich in sein Kissen zurückfallen. Gott, was hatte er nur geträumt? Er stand vor einem jungen Mann, die Pistole auf ihn gerichtet und fuchtelte damit wild in der Gegend umher. Er sah die erschrockenen Augen des jungen Mannes und konnte auch erkennen, dass er nicht viel älter, als 25 zu sein schien. Dann zielt er mit der Waffe und schoss. Das war die Stelle, wo er aus dem Schlaf hochgeschreckt war. Ben schüttelte seinen Kopf, wischte sich mit den Händen über Stirn und Augen. Was hatte er nur geträumt? Langsam schlurfte er ins Bad und spritzte sich einen Schwall kaltes Wasser ins Gesicht und betrachtete sich im Spiegel. Er sah etwas mitgenommen aus. Schnell verschwand er wieder unter seiner Decke und schlief wieder ein. Er durfte um Himmels Willen nicht schon wieder verschlafen... Semir würde ihn umbringen, dachte er und kontrollierte nochmals seinen Wecker. Dann schief er tief und fest.

  • Am nächsten Morgen saß Semir in seinem Büro und ärgerte sich immer noch über die Pleite von gestern. Wie konnte er sich nur so von einem Kollegen beschimpfen lassen? „Na, dir werde ich es zeigen...“, murmelte er mit grummelnder Stimme. „Wem willst du es zeigen?“, fragte Ben, als er abgehetzt ins Büro kam und seine Jacke schnell über den Stuhl hing. „Ach, kommst du auch schon.“, stichelte Semir und verzog aber nicht das Gesicht dabei. „Gestern Abend gab es einen Überfall auf eine Raststätte, der junge Kassierer wurde an der Schulter schwer verletzt.“, erzählte Semir und Ben schien bei diesen Worten angestrengt nachzudenken. „Ben? Alles in Ordnung mit dir?“, fragte Semir dann. „Ja... ich hab nur... hatte letzte Nacht einen Alptraum.“, meinte er abwimmelnd. „Und wem wirst du es zeigen?“, fragte Ben dann schnell, um nicht noch weiter von Semir gelöchert zu werden. „Ach, als ich vor Ort war, um die Arbeit aufzunehmen, waren schon die Kollegen aus Düsseldorf vor Ort... Hauptkommissar Stolberg mit Gefolge. Sie haben mir einfach den Fall abgenommen. Diese LKA-Heinis.“, stieß Semir wütend aus. „Komm.“, forderte er dann und griff sich seine Jacke. „Wohin?“, wollte Ben wissen. „Ins Krankenhaus. Ich lass mir doch nicht den Fall von denen vor der Nase wegschnappen.“, erwiderte der Deutschtürke.


    Jonas Heimann lag erschöpft in seinem Krankenbett und sah zur Tür, als sie aufging und zwei Männer eintraten. „Herr Heimann... Gerkhan Kripo Autobahn... wir hatten im Krankenwagen kurz miteinander gesprochen.“, erinnerte Semir den Mann und dieser nickte nur lächelnd. „Können sie mir helfen? Können sie mir nochmals erzählen, wie der Räuber ausgesehen hat, was er getan hat? Alles würde uns helfen.“, meinte Semir und setzte sich an den Bettrand. Der junge Mann nickte und sah dann zu Ben hinüber. Etwas an ihm ließ ihn jedoch zusammenfahren und seine Hände hielten krampfhaft die Decke fest. Semir sah es und sein Blick folgte dem des Mannes. „Was ist denn?“, fragte er. „Das Tattoo…“, stieß Heimann aus. „Tattoo?“ kam unverständlich von Semir. Heimann wies auf Bens Arm. „Das …sieht genauso aus…“, stieß er aus. Semir sah Ben an. Dieser zuckte mit den Schultern. „Zufall…“, murmelte er, doch Semir sah genau wie sein Blick an Heimann hängte. „Herr Heimann…das ist mein Kollege Ben Jäger. Der Täter trug also ein Tattoo….und es sah so aus, wie das bei meinem Kollegen?“, harkte Semir nach. Heimann nickte. „Nicht nur so.. es ist das gleiche…Die Haare…die Figur…es könnte alles passen…“, stammelte der Mann. Semir sah ihn an und dann Ben. Er machte ein Zeichen mit dem Kopf, das Ben aus dem Zimmer gehen sollte. Ben nickte und verließ den Raum.


    ...

  • „Herr Heimann…lassen Sie mich das Mal klar stellen. Der Mann sieht also meinem Kollegen ähnlich. Sie sagten aber auch, dass Sie das Gesicht nicht wirklich gesehen haben. Wie wollen Sie also sicher sein?“, harkte Semir nach. „Ich bin mir sicher… sogar sehr sicher…“, nickte Heimann. „Worüber sind Sie sich sicher?“, erklang plötzlich eine Stimme hinter Semir. Dieser drehte sich um. Stolberg stand im Krankenzimmer. „Gerkhan! Ich sagte doch, Sie sollen sich raushalten! Ich werde eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Sie veranlassen. Darauf können Sie sich schon mal freuen und nun raus hier!!“, schrie Stolberg wütend. „Passen Sie mal genau auf!“, fauchte Semir zurück und ließ seinen Zeigefinger dabei auf Stolbergs Brust tippen. „Der Überfall ist an der Autobahn passiert und da haben Sie als Stadtbulle nichts zu suchen, also lassen Sie mich meine Arbeit tun!“ Stolberg lachte leise. „Sie sind lediglich in die Ermittlungen eingefallen. Das war bereits ein laufender Fall und zwar bei uns. So Herr Heimann…Sie sagten gerade etwas von Tattoo… welches Tattoo denn?“, kam nun freundlicher von Stolberg. „Das, was sein Kollege am Arm hat. Genau so ein Tatoo war es… die Frisur, die sein Kollege hat stimmt auch…die Größe…alles…stimmt…“, stammelte der Junge. „Das ist doch totaler Blödsinn!“, fauchte Semir und verließ das Zimmer.


    Da Stolberg sich auf keine Zusammenarbeit einlassen wollte, nahm Semir sich vor mit Kim Krüger darüber zu sprechen. Doch als er und Ben ins Büro kamen, war Kim nicht allein. „Ihr sollt sofort reinkommen!“, raunte Susanne den Beiden zu. „Schrankmann?“, stieß Semir aus. Susanne nickte. „Ja leider…“ Semir und Ben klopften freundlich an. „Semir! Ben! Kommen Sie rein. Frau Schrankmann kennen Sie ja… sie hat eine Beschwerde von Hauptkommissar Stolberg der Kripo Düsseldorf über Sie erhalten. Und nun fordert sie, das wir dazu Stellung nehmen.“, erklärte Kim und Semir wollte gerade zur Antwort ansetzen. „Ich habe ihr bereits erklärt, dass Sie lediglich wegen dem Überfall auf die Tankstelle in den Fall geraten sind und mit Herrn Stolberg eine Zusammenarbeit gefordert haben. Stimmt das soweit?“, Kim sah ihn an. „Ja sicher… aber der Herr Hauptkommissar weigert sich…“, nickte Semir. „Ach ja… und da sind Sie dann einfach ermächtigt auf eigene Faust weiter zu ermitteln ja? Herr Gerkhan…wissen Sie eigentlich, wie oft wir schon wegen Dienstaufsichtsbeschwerden über Sie hier zusammen gesessen haben? Warum lernen Sie es nicht, einfach mal nachzugeben. Der Fall gehört den Kollegen aus Düsseldorf! Sie haben doch genug andere Fälle, die Sie bearbeiten können oder?“, fauchte ihn die Staatsanwältin in alter Manier an. „Aber Frau Schrankmann….die Tankstelle liegt in unserem...“, fing Semir an. „Papperlapapp! Sie halten sich da raus…. Und wenn nicht…dann werden Sie sich ihre Pension woanders verdienen müssen, ist das angekommen! Ach und noch was… ich habe erfahren, dass die Beschreibung des Täters auf Herrn Jäger passt. Was sagen Sie dazu, Herr Gerkhan? Oder sind das auch nur Hirngespinste?“, verhöhnte die Frau ihn. Semir ballte die Fäuste. Am liebsten hätte er dieser Frau, mit der er schon seit Jahren Probleme hatte die Meinung gesagt, aber ein Blick von Kim genügte. „Der Mann der überfallen wurde, behauptet lediglich, dass der Täter ein gleiches Tatoo und den gleichen Haarschnitt wie Ben hat. Das ist aber kein Beweis, dass er es war…“, gab er gepresst von sich. „Und wo war Herr Jäger zur Tatzeit?“, wollte sie wissen.


    „Bei meiner Freundin.“, platzte Ben nun hervor, der es nicht verstehen konnte, dass Schrankmann über ihn redete, als wäre er nicht da. „Ein bisschen dürftiges Alibi, oder?“, fauchte die Juristin sofort. Ben lachte verächtlich auf. „Frau Schrankmann... denken sie, ich hätte es nötig, eine Raststätte zu überfallen?“, fragte er verärgert. „Herr Jäger, es sind schon andere aus einem ganz anderen Motiv zum Mörder geworden.“, meinte sie. „Frau Schrankmann...“, fuhr Kim dazwischen. „Ich denke wirklich nicht, dass ein Tattoo und eine gleiche Frisur für etwaige Verdachtsmomente ausreichen, oder?“, kam es von Kim. „Wir werden sehen. Kommissar Stolberg will auf alle Fälle Herrn Jäger befragen, denn der Kioskbesitzer hat auch ein Tattoo beim Räuber bemerkt und wenn es das gleiche, wie von Herrn Jäger ist...“, mit diesen alles verfinsternden Worten verließ sie das Büro und ließ drei entsetzte Autobahnpolizisten zurück. „Was fällt dieser Frau eigentlich ein?“, zischte Semir und ballte immer noch seine Fäuste. „Herr Gerkhan, bitte.“, meinte Kim nur, doch auch sie hatte Wut gegen diese Frau im Bauch. Einzig Ben schwieg und sah erschrocken umher, überlegte dabei stark, was weder Semir noch Kim verborgen blieb.

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  • „Ben, was ist mit ihnen?“, fragte Kim plötzlich und riss den jungen Hauptkommissar aus seinen Gedanken. „Nichts.“, meinte er nur und ging aus dem Büro vor das Revier, um frische Luft zu schnappen. Dabei wäre er fast mit Hotte und Dieter zusammengestoßen, die für alle das Mittagessen gebracht hatten. „Was hat denn der Junge? Es gibt essen... der kann sich doch sonst nicht halten, wenn er Hähnchen süßsauer riecht.“, meinte Dieter erstaunt und sah Semir an, als dieser aus dem Büro von Kim kam. „Semir, was ist denn mit Ben los?“, wollte er wissen. Doch auch Semir konnte ihm keine Antwort geben. Er ging Ben nach und fand ihn auf einem der Blumenkästen aus Stein sitzend. „Ben, was ist los?“, fragte Semir und setzte sich daneben. „Semir... ich... gestern Abend oder besser heute Nacht hab ich davon geträumt, wie ich eine Raststätte überfalle und auf den Kassierer schieße. Semir, ich ...“, er stockte. „Gestern Abend, als ich bei Rosa war, wurde mir nach dem Essen ein wenig flau und ich habe mich hingelegt.“, erzählte er. Semir hörte zu, konnte sich aber keinen Reim darauf machen und begann innerlich wieder zu Zweifeln... die gleichen Zweifel, die er damals hatte, als Ben Opfer eines Komplottes wurde. Doch dieses Mal wollte... nein, er musste ihm glauben. „Komm, lass uns erst mal essen und dann auf die Piste fahren. Vielleicht gibt es eine ganz einfach Erklärung für all die Dinge.“, meinte Semir und klopfte seinem Partner freundschaftlich auf die Schulter. Ben nickte und ging dann mit Semir zurück in die PASt.


    „Und sie sind sich ganz sicher?“, fragte Florian Glade den Kioskbesitzer, als er ihm das Phantombild von dem Mann und dem Tattoo zeigte, dass ihnen Jonas Heimann gegeben hatte. Kemal sah nochmals drauf. „Ja, ich bin mir sicher. Er war zwar maskiert, aber das Tattoo ist unverkennbar.“, meinte der junge Türke und der Polizist bedankte sich, fuhr dann in sein Büro beim LKA zurück.„Chef, der Kioskbesitzer hat das Tattoo identifiziert.“, meinte er, als er ins Büro kam und Stolberg schon auf die Ergebnisse wartete. „Gut... Sofia, was ist mit den Ergebnissen aus der KTU... Was sagt die Ballistik zu der Schusswaffe?“, wollte er wissen. „Laut KTU handelt es sich um eine Beretta 92 9mm. Der Junge hat Glück gehabt. Diese Waffe ist auf diese Entfernung sonst tödlich.“, meinte die junge Kommissarin und sah ihren Chef an. „Überlegen wir mal... wir haben die Beschreibung des Täters, die uns beide Zeugen gegeben haben und der Junge im Krankenhaus hat diesen Ben Jäger als möglichen Räuber identifiziert.“, dachte Stolberg laut. „Sollten wir nicht vorsichtig sein, ehe wir einen Kollegen verdächtigen?“, meinte Florian und sah auf die Akten. „Ich meine, die Aussagen und das alles ist ohne handfeste Beweise und ein Motiv doch etwas dürftig für eine vorschnelle Handlung.“ „Dennoch... bestellen sie den Herren für morgen früh punkt neun Uhr vor.... Machen wir Feierabend.“, gab er bekannt, schnappte sich seinen Mantel und ging.

  • Nachdem der weitere Tag ohne Auffälligkeiten verlaufen war, saß Ben in seiner Wohnung, knetete seine Hände und dachte über das heutige nach. Warum sollte er solch einen Traum haben und der Junge ihn beschuldigen, der Räuber zu sein? Sein Gedankengang wurde vom Telefon unterbrochen. Ben ging mit schlurfenden Schritten zum Telefon und nahm den Hörer. „Jäger!“, meldete er sich. „Vancouver…“, sagte jemand. „Vancouver…verstanden…“, antwortete Ben monoton. „Du wirst dich in das Museum der asiatischen Kunst nach Köln begeben und mir das Schwert des Mongolenfürsten Dschinghis Khan bringen!“, kam der Befehl. „Ja…das Schwert des Mongolenkönigs Dschinghis Khan… verstanden…“, wiederholte Ben. „Heute Abend um neun Uhr!“, ein Knacken zeigte, dass der Anrufer aufgelegt hatte. Ben stand noch eine Weile mit dem Hörer am Ohr einfach da. Doch nach wenigen Minuten legte er einfach auf. Kurz nach Acht verließ er die Wohnung und fuhr nach Köln zum Museum wie es ihm befohlen wurde. Er brach die Tür des Museums auf und ahnte nicht, dass dadurch bereits stiller Alarm ausgelöst wurde. Ben ging wie im Trance durch die Räume und suchte das Schwert wie der Mann am Telefon sagte. Er war so tief in Trance, dass er vergaß eine Maske aufzusetzen. Die Überwachungskameras zeichneten jeden Schritt von ihm auf. Einmal sah er direkt ins Auge der Kamera. Einen besseren Beweis war nicht notwendig. Nur wenig später hörte er die Sirenen. Er nahm das Schwert und kletterte aus einem der ungesicherten Fenster. Mit schnellen Schritten erreichte er die Straßenbahn, die gerade an der Station hielt und fuhr nach Hause. Dort stellte er seine Beute einfach in die große Vase die neben der Tür stand und legte sich schlafen.


    „Ja danke!!“, fauchte Stolberg als er diesmal nach Köln fahren musste. Das Museum für asiatische Kunst meldete einen Einbruch und der Täter trug ein auffälliges Tatoo. Da Stolberg ihn für seinen Täter hielt, den er suchte, wurde er sofort informiert. Bereits am Eingang des Museums wurde er von dem Kollegen der Kölner Kripo begrüßt. „Und Fingerabdrücke oder sonst was Verwertbares?“, wollte er murrend wissen. „Oh viel Besser… Der Kerl wurde von der Überwachungskamera aufgenommen. Ohne Maske.“, erklärte der Kollege und Stolbergs Mundwinkel fingen an sich auseinander zu ziehen. „Wo ist das Video?“, wollte er wissen. Nur wenig später stand er im Kontrollraum des Museums und ließ sich die Aufnahme zeigen. Als er den Täter sah wurde sein Grinsen noch breiter. „Ich hab es gewusst… Das Band wird eingezogen. Es dient als Beweißmittel. Was hat er mitgenommen?“, fragte Stolberg. „Das Schwert des Mongolenfürsten. Es ist von unschätzbarem Wert und eine Leihgabe des staatlichen Museums in Moskau.“, erklärte der Museumsdirektor. „Sie bekommen es schnell wieder, das verspreche ich Ihnen. Sofia… die Adresse von Ben Jäger!“, befahl Stolberg. Sofia machte sich sofort an die Arbeit und gab die Angaben die sie von Stolberg bekam über Funk durch. Es dauerte keine fünf Minuten und die Adresse von Ben war bekannt.

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  • „Hey Semir… hör doch mal auf zu grübeln. Was hast du denn?“, fragte Andrea sanft, als sie ihren Mann in Gedanken versunken auf dem Sofa sitzen sah. „Ben… er macht mir im Augenblick richtige Sorgen. Wir haben da einen Überfall auf einer Tankstelle und…. Dort ist geschossen worden. Schlimm aber eben nicht zu verhindern gewesen. Der Mann jedoch behauptet das Ben der Täter ist. Zumindest hat er das Tatoo beschrieben und es gleicht Bens auf dem Oberarm. Und Ben hatte einen Traum, wo er genau diesen Überfall beschrieb. Als Täter. Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Einerseits will ich ihm glauben, aber…die Fakten…sie sprechen gegen ihn. Es ist wie damals… als man ihn schon einmal was anhängen wollte.“, erklärte Semir leise. Andrea verstand. „Und du hast nun Angst, dass es diesmal wirklich so ist? Semir… Ben ist reich… er braucht doch keine Überfälle zu machen. Er hat ein dickes Konto… keine Sorgen… warum sollte er es tun?“, wollte Andrea wissen. „Das ist es ja… es passt einfach nicht zu ihm. Aber die Beschreibungen…“, erklärte Semir weiter. „Was wenn der Mann sich irrt?“, harkte Andrea nach. Semir sah sie an. „Ich glaube nicht, dass er sich irrt. Ich habe ihn beobachtet. Er hatte Angst vor Ben. Und Ben weiß nur, dass er bei Rosa war und…dass ihm nach dem Essen schlecht wurde. Er ist angeblich eingeschlafen…“, kam bitter von Semir. „Dann frag doch diese Rosa…“, schlug Andrea vor. „Das werde ich... gleich morgen früh.“, meinte er und zog Andrea zu sich ran, küsste sie leidenschaftlich und verschwand mit ihr auf den Armen im Schlafzimmer.