Fatales Wiedersehen

  • „Okay... Semir, soll ich dir deinen Pullover einpacken? Es wird bestimmt noch kalt da unten sein und noch Schnee liegen.“, rief Andrea ihrem Mann ins Bad nach. Semir streckte den Kopf raus und sah sie überlegend an. „Wir bleiben zwei Wochen, oder? Na, nimm ihn mal mit. Kann sicher nicht verkehrt sein.“, erwiderte er und ging dann duschen, kam aber noch mal raus und ließ Felix auf den Teppich runter. „Wann lernst du es endlich, dass du in der Dusche nix verloren hast, du fauler Kater?“, fragte er und kraulte seinem Pflegetier den Kopf. Maunzend sah das Tier Semir nur mit einem giftigen Blick hinterher. Wieso musste dieser Mensch ihn gerade in seinem schönsten Träumen aus der warmen Dusche schmeißen?, dachte der Kater und ging dann mit erhobenem Schwanz an Andrea vorbei und lief ins Wohnzimmer. „Hast du schon mit Ben gesprochen?“, wollte Andrea wissen, als Semir nach einer halben Stunde wieder aus der Dusche kam. Sich die Haare trocken rubbelnd, sah Semir seine Frau an und nickte nur. „Also wird er sich um Felix kümmern?“, fragte sie. „Sogar mehr, als das. Er wird für die beiden Wochen hier wohnen, damit der Kater nicht aus seiner Umgebung herausgerissen wird. Ben meinte, dass Katzen da einen emotionalen Schaden davon tragen können.“, meinte Semir und rollte mit den Augen. Auch Andrea musste lachen. „Seid wann weiß er denn so was?“, fragte sie lachend. „Tja, seit er weiß, dass wir den Kater haben, meint er, er muss mir Ratschläge geben.“, grinste Semir nur und zog sich wieder an. „Bin gespannt, wie er ab morgen mit dem Katzentier zurechtkommt.“, kicherte er und wusste, dass Felix mehr als wählerisch war, wie er in den letzten Wochen feststellen konnte.


    Die Nachtruhe in der JVA Ossendorf stand an und der Wärter machte seine Runde in den Zellen. Zu guter Letzt warf er einen Blick in eine der abgelegeneren Einzelzellen. „Klein, Licht aus.“, rief er durch das Guckloch, doch von dem Sträfling war nichts zu sehen. Der Mann wurde stutzig und schloss die Tür auf, ging langsam in den kleinen Raum hinein. Doch schon im nächsten Moment spürte er einen festen Handgriff um seinen Hals und wie ihm die Luft abgedrückt wurde. „Ganz ruhig, dann bleibst du am Leben.“, zischte ihm die Stimme des Insassen ins Ohr. Dann ein Schlag ins Genick und der Wärter lag bewusstlos am Boden. Schnell tauschte der Mann die Klamotten mit dem Bewusstlosen, fesselte ihn ans Bett und legte das Bettzeug über ihn. Mit vorsichtigem Blick schloss er die Zellentür ab und ging geradewegs zum Ausgang. Er hatte sich in den letzten Wochen alles ganz genau überlegt. Wenn er hier nur wegkommen würde, würde er sich irgendwo Geld beschaffen und dann raus aus diesem Land, zu dem einzigen Menschen, dem er je etwas bedeutet hatte. Christopher Klein sah sich immer wieder um und verließ dann mit einem heftig schlagenden Herz das Gefängnis. Alles hatte geklappt. Wenn jetzt noch das andere alles klappen würde, bin ich frei, dachte er, und könnte ganz von vorne anfangen.


    Für Michaela und Claudia fing der Tag an wie immer. Ihr Kindergarten lief wunderbar und mittlerweile hatten sie sogar einen Hort für die Schulkinder eingeführt. Sie hatten eine weitere Erzieherin eingestellt und in Laura eine sehr engagierte Kraft hatten. Die Kinder hatten ein riesiges Vertrauen in die junge Frau, die Michaela und Claudia auch sehr entlastete. Während sie sich um die Kleinsten kümmerten, waren die Schulkinder in den Händen von Laura in guten Händen. Doch noch etwas hatte sich verändert. Seit Christopher Klein von Michaela getrennt war, schien sie noch engagierter an die Arbeit heran zu gehen. Sie ging nicht mehr aus und lebte nur noch in ihrem Beruf aus. Claudia sah besorgt auf ihre Freundin, die sich immer mehr einigelte. „Was hältst du davon, wenn wir heute Abend ins Kino gehen?“, schlug sie vor. Michaela sah sie an. „Ich weiß nicht… ich meine…irgendwie hab ich dazu keine Lust mehr…“, gab sie zurück. „Michaela….du willst nicht ins Kino…du willst nicht ausgehen… du willst gar nichts mehr… Verdammt es gibt doch noch ein Leben nach Christopher… es sind doch nicht alle Männer so gemein. Du musst dir einen neuen Mann suchen. Glaub mir… dann geht es dir viel besser.“, sprach Claudia auf sie ein. Michaela sah sie an. „Aber…ich…ich habe Angst… was wenn Christopher plötzlich vor mir steht?“, wollte sie wissen .Claudia lachte leise. „Christopher ist im Gefängnis, wo er hin gehört. Du solltest dich nicht auch in ein privates Gefängnis stecken… und nun keine Widerrede… wir gehen heute Abend ins Kino. Der neue Film mit Brad Pitt läuft an…“, bestimmte Claudia. Michaela lächelte bitter. „Also gut….wir gehen ins Kino…“, stimmte sie nun endlich zu.


    ...

  • Es klingelte an der Tür und Semir ging direkt hin. „Na ist ja toll….ist das alles was du an Gepäck hast?“, wollte er von Ben wissen, der lediglich eine Tasche trug. „Semir… ich wohne knappe 15 Minuten von hier…da werde ich wohl ab und zu nach Hause fahren und mir ein paar Sachen holen können, falls es nicht reicht. Außerdem habt ihr doch wohl ne Waschmaschine oder?“, grinste Ben zurück. „Ja sicher…wir sind ja auch nur 14 Tage weg.“, nickte Semir. „Seid ihr mit Packen schon fertig oder kann ich noch helfen?“, bot Ben sich an. „Helfen? Du beim Packen? Ben… wir wollen was in unseren Koffer rein bekommen…“, lachte Semir, denn Ben war alles andere als Ordnungsliebend. „Ja ist ja gut…. Ist der Kühlschrank voll?“, rief Ben aus der Küche. Andrea lachte auf. „Hast du Angst zu verhungern? Aida ist übrigens bei meinen Eltern. Du musst dich nur mit Felix beschäftigen.“, gab sie bekannt. „Schade… ich wollte meinen kleinen Engel eigentlich verwohnen…“, kam von Ben. „Ja sicher… das Kind würde eher verhungern… oder willst du mir sagen, dass du kochen kannst?“, hörte man Semir aus dem Bad rufen. „Ha …. Ha… wozu gibt es Imbisse…ich kann sie mir ja wenigstens leisten ohne in die Brieftasche zu sehen…“, gab Ben zurück. Es ging mit diesem Wortgeplänkel noch einige Zeit weiter, bis das Ehepaar Gerkhan sich zum Flughafen aufmachte. Ben nahm das Gepäck aus dem Kofferraum und brachte beide zu ihrem Flieger. Auf dem ganzen Flughafen Köln-Bonn waren massive Polizeistreifen präsent. Keiner der Drei dachte sich dabei etwas. Doch keiner sah die drohende Gefahr, die sich schon mit einem Schatten ankündigte. Keiner blickte zu den Fernsehgeräten auf, als über einen Ausbruch in Ossendorf berichtet wurde.


    Christopher hatte sich inzwischen einen anderen Wagen und andere Klamotten unauffällig besorgt und fuhr zu Michaelas Wohnung. Wohnte sie überhaupt noch dort? Immer wieder hatte er ihr Briefe geschrieben, versucht, alles zu erklären, doch es schien sinnlos zu sein. Sie antwortete nicht, alle seine Briefe kamen ungeöffnet mit dem Stempel ~unbekannt verzogen~ zurück. Er parkte den Wagen in einer kleinen Seitenstraße und ging zu den Briefkästen hinüber. Christopher suchte nach dem Namen Frings, doch nirgends war er zu finden. Dort, wo einst Michi’s Namensschild war, stand jetzt ein vollkommen anderer Name. Sie hatte ihn deutlich aus seinem Leben ausradiert. „Na schön, kleine Maus.“, stieß er wütend aus. „Wenn du mich nicht mehr willst, aber ich will dich.“, zischte er und erkundigte sich, in Gestalt eines Paketboten, bei den Nachmietern nach der neuen Anschrift von Michaela Frings. „Tut mir Leid, da können wir ihnen nicht weiterhelfen.“, meinte die junge Frau mit dem Kind auf den Arm. „Danke.“, knurrte Chris nur und verließ das Haus wieder, ohne ein Ergebnis. Konnte er Michi so noch finden? Plötzlich schnellte er auf den Boden. Eine Polizeistreife näherte sich. „Verdammt, verschwindet bloß.“, stieß er aus, als er sah, dass sie neben seinem gestohlenen Wagen hielt und die beiden Beamten ausstiegen. Vollkommen regungslos blieb er hinter den Containern liegen und sah, wie einer zum Wagen zurückging und etwas in sein Funkgerät sprach. Chris wusste, dass, wenn er nicht sofort verschwinden würde, er bald wieder in seiner kleinen Zelle sitzen würde und das vermutlich für den Rest seines Lebens. Er musste weg hier, aus dem Land verschwinden. Aber wohin? Da kam ihm ein grandioser Gedanke.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
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    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „Okay, ich wünsch euch viel Spaß in Wien und denkt dran, bringt was schönes mit. Und ich meine jetzt nicht die Erinnerungsfotos.“, lachte Ben, als er beide zum Gate gebracht hatte. „Keine Sorge, Ben. Kümmere du dich nur gut um unser Haus und gib vor allem auf den Kater acht.“, erwiderte Semir nur. Der Jungkommissar rollte mit dem Augen und versprach, sich gut um die Katze zu kümmern. „Das ist ein Kater und eigentlich würde Ben besser zu ihm passen, als Felix.“, lachte Andrea und gab dem vollkommen entsetzt guckendem Ben einen kurzen Abschiedskuss auf die Wange, bevor die Gerkhans sich auf dem Weg zum Flugzeug machten. Ben winkte den beiden hinterher und ging dann selbst zurück zum Wagen. Erst jetzt warf er einen Blick auf die Fernsehgeräte. Sein Blick war starr, als er das Bild des Ausbrechers sah. „Oh verdammt.“, stieß er aus und rannte zu seinem Wagen, ergriff das Funkgerät und rief Susanne an. „Susanne, ich brauch von dir die Adresse einer Michaela Frings.“, stieß er aus und startete den Motor. Susanne nannte ihm die Adresse und mit schnellen Reifen fuhr Ben durch die Straßen von Köln, direkt zu der Wohnung von Michaela.


    Michaela machte sich gerade ausgehfertig, als es an der Tür klingelte. Jedes Mal zuckte sie zusammen und immer wieder musste sie sich sagen, er kann dich hier nicht finden. Dennoch war die Angst immer da. Sie wusste, wie sehr Christopher sie geliebt hatte. Sie wusste aber auch, was für ein hinterhältiger und grausamer Mensch er war. Sie ging zur Gegensprechanlage und nahm zaghaft den Hörer in die Hand. „Ja?“, fragte sie wie in Trance. „Michaela, ich bin's, Claudia.“, ertönte die Stimme ihrer Freundin aus dem Hörer. Erleichtert fiel alle Angst von ihr ab und sie drückte auf den Summer, lehnte die Wohnungstür nur leicht an und ging wieder zu dem großen Schminkspiegel, der an der Tür der großen Kommode im Flur hing. Sie hörte die leichten Schritte ihrer Freundin und das Schließen der Tür. „Und, bist du fertig?“, wollte Claudia wissen. „Gleich... nur noch die Lippen nachziehen und die Wimpern, dann können wir gehen.“, erwiderte Michaela und nahm die entsprechenden Utensilien aus der Schminktasche. Claudia ging ins Wohnzimmer und stellte den Fernseher für ein paar Minuten an. Es liefen gerade die Nachrichten. „Wollen wir danach noch etwas essen gehen?“, schlug Michaela vor, doch keine Antwort. „Claudia, ich hab dich was gefragt.“, meinte sie und kam ins Wohnzimmer gelaufen. Sie sah, wie ihre Freundin fassungslos vor dem Fernseher saß und auf den Bildschirm starrte. „... hat der Mann einen Wärter gefesselt und einen Lieferwagen gestohlen. Sein Ausbruch blieb nicht lange unbemerkt. Dennoch konnte er bisher unerkannt entkommen. Christopher Klein ist...“ Michaela stellte den Fernseher aus und zitterte am ganzen Körper. „Nein, nein, nicht dieser Alptraum. Bitte nicht das.“, stieß sie aus. Claudia sah sie an und wollte ihre Freundin in den Arm nehmen, als es plötzlich an der Tür klingelte. Sie schraken auf. Wer konnte das sein?


    „Claudia…..wer kann das sein? Was, wenn Christopher das ist?“, fragte Michaela ängstlich. Claudia sah sie an. „Ich glaube nicht, dass er weiß, wo du wohnst. Aber wir sollten Jäger und Gerkhan anrufen. Hast du die Nummern noch?“, wollte sie wissen. Michaela nickte und kramte in ihrer Handtasche. Eine ziemlich zerknüllte Karte kam zu Vorschein. „Von Herrn Jäger…“, sagte Michaela leise. Wieder klingelte es. „Claudia…ich hab Angst…ich will ihn nie wieder sehen….“, fing Michaela an zu weinen. Sie war seit dem Vorfall mit ihrem Freund, der fast einen Polizisten auf dem Gewissen hatte, ziemlich nervös und sehr labil. Sie nahm sie in den Arm. „Michaela… wir rufen Jäger an und sagen ihm was passiert ist…okay…du machst die Tür nicht auf, hörst du?“, mahnte sie ihre Freundin. Michaela nickte nur. Sie ließ sich auf die Couch nieder. Claudia nahm ihr Handy und rief Jäger an. Es dauerte eine ganze Weile bis der Mann sich meldete. „Ben Jäger…“, hörte sie endlich. „Herr Jäger… hier ist Claudia Heinen hier…“, meldete sie sich. „Heinen? Kennen wir uns?“, wollte der Hauptkommissar wissen. „Ja… es geht um Christopher Klein…ich bin die Freundin von der Freundin…von Michaela Frings…“, erklärte Claudia geduldig. „Oh…ja… Sie können aufmachen… ich stehe vor der Tür.“, erklärte der Polizist. Erleichtert schloss Claudia die Augen. „Michaela… es ist Herr Jäger, der vor der Tür steht.“, sagte sie. Sofort rannte Michaela zur Tür und öffnete. Nur wenig später stand Ben Jäger in ihrer Wohnung. „Sie wissen es also schon. Tja… die Presse ist manchmal schneller als wir. Hatten Sie etwas vor?“, wollte der Mann von ihr wissen. „Ja…ich…. Wir wollten ausgehen. Aber ich war noch nicht fertig und Claudia hatte den Fernseher angemacht und…in den Nachrichten… da kam…es durch und…Herr Jäger… ich habe Angst. Er wird mich finden und dann…dann wird er…“, erklärte Michaela stockend. Jäger lächelte sie beruhigt an. „Nur keine Sorge… ich werde Kollegen hier vor der Tür postieren. Er wird nicht an Sie ran kommen…versprochen…“, sagte er zu ihr und orderte tatsächlich Kollegen an.


    ...

  • Christopher Klein hatte sich Geld aus seinem Versteck geholt. Hier hatte er einen Teil der Beute vor den Bullen in Sicherheit bringen können, es war zwar nicht viel, aber immerhin es musste reichen. Mit knapp 18.000 Euro fuhr er zum Flughafen in Köln/Bonn. Sein Wagen würde vermutlich nun auch noch auffallen, denn Christopher sah sich auf dem Flughafen um. Er musste Deutschland verlassen, bevor die Bullen auf seine Spur kamen. Alles hätte so wunderbar verlaufen können, wenn die verdammten Mistkerle von Jäger und Gerkhan nicht gewesen wären. Der Hass stieg in ihn auf. Aber er wusste auch, dass sein Hass ihn schneller ins Gefängnis zurückbringen konnte, wenn er hier bliebe und sich der Rache hingäbe. Er musste erst einmal weg aus Deutschland. In Österreich hatte er einen alten Freund. Dort konnte er sicher für ein paar Wochen unterkommen. Sein Freund wusste zum Glück nicht, was Christopher angestellt hatte, denn der Kontakt war vor einigen Jahren eingeschlafen. Sie schrieben sich zwischendurch mal eine Mail. Also gut… erst einmal in ein Internetcafe und dann eine Mail schreiben. Am Besten sagt er seinem Freund, dass er abschalten musste. Ja…. Er hatte zuviel Stress und musste jetzt einfach eine Auszeit nehmen. Das würde Rolf sicher verstehen. Rolf Steiner…sein alter Jugendfreund. Christopher setzte sich an einen der freien PCs und schrieb seinen Freund an. Hoffentlich war er online und konnte bald antworten. Er musste einfach weg hier. Doch es kam keine Antwort. Also gut… dann würde er eben erst mal nach Österreich fliegen und dort mit Rolf in Verbindung treten. Hoffentlich wohnte er noch dort. Er kaufte sich das Flugticket und checkte ein. Er hatte einen Platz in der Firstclass gebucht und ließ sich auf seinen Platz nieder. Erleichtert eigentlich schon fast aus Deutschland heraus zu sein, schloss er die Augen.


    Semir und Andrea wurden auf ihre Plätze im Flugzeug geleitet. „Das sind Ihre Plätze…einen angenehmen Flug…“, lächelte die Stewardess. „Whow… 1. Klasse… ist richtig gemütlich…“, grinste Semir. „Ja…wir werden es auch einfach genießen. Der Flug ist ja relativ kurz und vermutlich wird nicht mal etwas serviert…“, lachte Andrea. „Na und… ich sitze am Fenster…“, grinste Semir. Er tauschte mit Andrea den Platz und machte es sich gemütlich. „Darf ich ihnen etwas zu trinken bringen oder sonst einen kleinen Imbiss?“, fragte die Stewardess und sah das Ehepaar an. Andrea bat um ein belegtes Brötchen und Semir nahm ein stilles Wasser. Um nichts in der Welt wollte er diesen Flug verpassen. Beide ahnten nicht, dass dieser Urlaub mehr als nur besonders werden würde. Nach etwa drei Stunden landeten sie auf dem Flughafen von Wien. Semir und Andrea wollten gerade ihr Gepäck greifen, als sie in feinstem Wiener Dialekt angesprochen wurden. „Herr und Frau Gerkhan?“ Beide drehten sich um. Ein junger Bursche in einem grau-blauen Anzug mit goldenen Knöpfen und ebenso an den Hosenbeinen. Seine lustig dreinblickenden, grünbraunen Augen strahlten beide an. „Ja, das sind wir.“, erwiderte Semir und hievte seine Tasche auf den kleinen Transporter. „Mein Name ist Maximilian Lievenstein, aber sie brauchen mich nur Max zu nenne. Ich bin vom Hotel Stadtrichter und ihr persönlicher Boy.“, erklärte er und nahm die restlichen Taschen, packte sie auf den Wagen und rollte diesen aus dem Terminal hinaus. Semir nahm seine Andrea in den Arm und ging Max hinterher. Dieser führte sie zu einem großen, geräumigen Wagen und verstaute die Taschen. „So, ich bitte einzusteigen.“, meinte Max und hielt die Seitentür auf. Andrea schlüpfte aus erstes hinein und dann folgte Semir. Der junge Mann schloss die Tür und stieg auf der Fahrerseite ein. „Los geht’s.“, kam wieder von ihm und schon im nächsten Moment fuhren die Gäste aus Köln über die Wiener Prachtstraßen, vorbei an einigen der Prachtbauten dieser alten, europäischen Stadt.


    Auch Christophers Flieger landete in Wien. Als er seinen Pass und die Bordkarte an die Mitarbeiterin reichte, fragte er, wo das nächste Internetcafe sei. „Gleich hier den Gang hinunter und dann nach links. Gar nicht zu verfehlen.“, meinte die junge Dame. Chris grinste zufrieden und ging mit seinen wenigen Habseligkeiten, die er hatte, den Gang entlang und sah sich um. „Chris?“, hörte er plötzlich eine ihm vertraute Stimme. Abrupt blieb er stehen und sah sich um. „Mensch Chris, Bruderherz.“ Seine Augen weiteten sich, als er sah, von wem die Stimme kam. „Sarah? Bist du das wirklich?“, fragte er freudig und kam auf die kleine, zierliche Person zu und packte sie, schwang sie hoch in die Luft. Sarah lachte und ihr blondbraunes Haar flatterte in der Luft herum. Als Chris sie wieder absetzte, sah er seiner kleinen Schwester in die Augen. „Wie erwachsen du geworden bist.“, säuselte er und strich ihr über die mit Sommersprossen versehene Wange. „Wie... was... was machst du in Wien?“, wollte sie wissen und sah ihren Bruder an. „Ich wollte... ich hab's in Köln einfach nicht mehr ausgehalten. Brauchte Luftveränderung.“, erwiderte er. Sie lachte in ihrem herzlichsten und lautesten Lachen, dass sie hatte. „Und da kommst du in das verschneite Wien?“, lachte sie und nahm ihren Bruder am Arm. „Komm, du wohnst für die erste Zeit bei mir.“, meinte sie und zog Christopher davon, ehe er sich dagegen wehren konnte. „Bist du eigentlich immer noch Köchin in diesem Hotel?“, wollte er wissen. „Nein, ich bin sogar Chefköchin. Komm, gehen wir.“

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  • Michaela zitterte immer noch, als Ben gegangen war. „Claudia, ich habe Angst. Was, wenn er nach mir suchen wird? Du weißt, er wird mich finden. Ich kann das nicht ertragen. Nicht mehr jetzt, wo alles in so schönen Bahnen läuft.“, schluchzte sie und sah in die schwarze, nur durch den fallenden Schnee aufgehellte Nacht hinaus. „Mach dir keine Sorgen. Du weißt doch, die beiden da unten werden uns beschützen. Ganz sicher.“, meinte sie und deutete auf die beiden Polizisten, die unten im Wagen saßen. „Komm, wir machen es uns hier gemütlich. Ich koche uns was.“, meinte die Kindergärtnerin und ging in die Küche. „Wie kann ich jetzt was essen, wenn ich weiß, dass ER da draußen frei rumläuft und nach mir sucht.“, zischte Michaela und sprang vom Sofa auf. Claudia ging dennoch in die Küche und bereitete das Abendessen vor. „Na komm, du musst etwas essen.“, meinte sie und reichte Michaela den Teller mit frischem Essen hin. „Ich hab keinen Hunger…“, meinte Michaela nur und schob den Teller wieder bei Seite. Doch sie wusste auch, dass Claudia das nicht einfach zuließ. „Du wirst jetzt essen! Michaela… du hast doch gehört, was Herr Jäger gesagt hat. Wir sind sicher. Draußen stehen Beamte und die passen auf. Iss jetzt!“, forderte ihre Freundin sie erneut auf. Michaela lächelte nervös. „Also gut… schade eigentlich, dass wir nun doch nicht ausgehen.“, meinte sie, als sie das Ei mit der Gabel aufnahm. Es schmeckte wunderbar.


    Ben sah auf Felix. „Hör mal… wenn du was von mir willst, dann sag es doch einfach. Ich hasse es, wenn du mir deine Krallen ins Bein rammst….“, knurrte Ben und rieb sich seinen Oberschenkel. „Miau….“, kam von Felix. „Ja super…und was heißt das jetzt?“, stöhnte Ben. „Soll ich dich kraulen? Hast du Hunger? Willst du was trinken?“, harkte Ben nach. „Miau…“ kam wieder von dem Tier. „Hört sich an, als hast du alles... na gut… komm wir gehen in die Küche.“ Ben erhob sich stöhnend. Der Kater sprang von der Couch und lief hinter ihm her. Ben gab dem Tier etwas zu fressen. Felix machte sich über den Napf her. „Na siehst du... wir verstehen uns ja doch.“, grinste Ben. Er machte sich ein paar Sandwichs. Mit einem voll gepackten Teller und eine Flasche Cola ging er wieder ins Wohnzimmer. Doch Ruhe vor Felix hatte er nicht. Nach dem Essen legte er sich auf die Couch und zappte im Fernsehprogramm herum. Ein leises „Miau“ riss ihn aus seiner Tätigkeit. Schon sprang der Kater auf seinen Bauch. „Hey… ich hab doch eben erst gegessen…“, stöhnte er. Doch das interessierte Felix überhaupt nicht. Er drehte eine Runde auf Bens Bauch und rollte sich anschließend ein. „Du bist ganz schön verwöhnt…“, meinte Ben. Dennoch fing er an den Kater zu kraulen, welches dieser mit einem lauten Schnurren quittierte. Ben grinste leicht. Irgendwie gefiel ihm der Stubentiger.


    Semir und Andrea betraten das Zimmer. „Whow…. Ist das toll… man das ist ja…“, staunte Semir über die Ausstattung des Zimmers. „Ja…ganz toll… und der Ausblick... sieh mal!“, rief Andrea als sie aus dem Fenster sah. „Whow… sogar ein PC… da kann ich mit Ben noch chatten… und ihn hochziehen…“, lachte Semir. Andrea sah ihn an. „Du willst doch nicht am PC sitzen oder?“, fragte sie nach. „Nein… nicht am Tag… und nicht in der Nacht… aber nur hin und wieder.“, grinste Semir zurück. Andrea strich über ihren mittlerweile doch ziemlich sichtbaren Bauch. „Ist alles in Ordnung?“, kam sofort besorgt von Semir. „Ja sicher… er hat nur eben ziemlich stark gestrampelt.“, nickte sie. Semir nahm sie in den Arm. „Vielleicht war der Flug nichts für ihn?“, meinte er besorgt. „Nein.. es ist alles in Ordnung. Wenn nicht… dann werde ich hier einen Arzt aufsuchen. Mach dir keine Sorgen. Der Kleine ist nur sehr munter…“, wiegelte Andrea ab. Sie mochte es nicht, wenn Semir sich sorgte. Das machte ihn unsicher und auch wenn sie hier im Urlaub waren, konnte doch einiges passieren. Sie ahnte nicht, dass es schon bald passieren würde. „Weißt du was… wir könnten doch mal in so einer Kutsche durch Wien fahren…“, schlug Semir auf einmal „Oh ja… im Fiaker…so heißt das nämlich… aber Semir…das ist nicht billig…das weißt du doch oder?“, wollte sie wissen. In diesem Augenblick klopfte es an der Tür.


    ...

  • Christopher wurde von Sarah zum Hotel „Stadtrichter“ gebracht und durch den Personaleingang in die Küche gebracht. „Whow… was für ein Nobelschuppen… und hier bist du Chefköchin? Da musst du ja richtig reich sein.“, staunte er. Sarah lachte hell auf. „Quatsch… ich verdiene hier zwar sehr gut, aber ich bin nicht reich. Du glaubst gar nicht wie eingebildet die Leute sind. Wenn du da mal eine Speise nicht so zubereitest wie die es wollen…dann steigen sie dir auf den Kopf…“, erklärte sie. Christopher ließ sich an dem Tisch nieder. „Hier… iss erst einmal.“, meinte seine Schwester und stellte ihm einen Teller hin. Er aß mit großem Appetit. „Du kannst wirklich sehr gut kochen. Wenn du nicht meine Schwester wärest, würde ich dich sofort heiraten.“, lobte er sie. Sarah sah ihn mit strahlenden Augen an. „Was willst du denn nun machen, wenn du schon einmal hier bist?“, wollte sie dann wissen und sah ihren Bruder abwartend an. Dieser schluckte kurz und blickte auf. Eigentlich reichten seine 18.000 Euro aus, um sich eine passable Wohnung und einen gut gehenden Job zu suchen. „Ich weiß nicht. Vielleicht suche ich mir erstmal einen Job und dann eine Wohnung. Ich hab ein bisschen was in der vergangenen Zeit zur Seite gelegt und hin und wieder was beim Pokern gewonnen.“, log er vor, falls Sarah irgendwann das viele Geld finden würde. „Wenn du willst, wir brauchen immer Leute, die uns in der Küche helfen. Es wird gut bezahlt, glaub mir. Und bis du eine Wohnung gefunden hast, kannst du bei mir wohnen.“, gab sie bekannt, während sie ihrem Bruder noch einen Teller mit einem original Wiener Schnitzel hin. „Danke, das nehm ich gern an. Aber lange fall ich dir bestimmt nicht zur Last.“, meinte Christopher und aß genüsslich, die von seiner Schwester zubereitete Köstlichkeit.


    „Kann ich ihnen noch etwas gutes tun?“, fragte Max, als Semir die Tür öffnete und Andreas und sein persönlicher Page ins Zimmer kam und das Gepäck abstellte. Semir sah Andrea an. „Ja, wenn sie uns einen Fiaker besorgen könnten. Wir würden gerne die Stadt erkunden.“, meinte Semir und hielt dem Boy einen Schein hin. Dieser nahm ihn dankend entgegen und ging dann wieder aus dem Zimmer mit den Worten „Ich werde mich gleich drum kümmern.“ Andrea kam zu Semir. „Schatz, du hast ihm gerade fünf Euro in die Hand gedrückt.“, staunte Andrea. „Und?“, wollte Semir wissen. „Du weißt, wir sind noch vierzehn Tage hier. Du solltest ihm nicht so viel geben.“, schlug sie vor. „Aber irgendwie verdient er das doch.“, lachte Semir und Andrea musste zustimmen. So nett wie Max war, waren bestimmt nicht alle Hoteljungen. „Komm, lass uns auspacken und uns für die Fahrt fertig machen. Es wird bestimmt kalt und sicher schneit es draußen immer noch.“, meinte sie und schon waren beide dabei, ihre Sachen auszupacken. Beide dachten, dass ihnen sicherlich ein herrlicher Urlaub bevorstehen würde. Wenn sie sich da mal nicht geirrt hatten.


    Claudia schlief diese Nacht bei Michaela. Jetzt konnte sie ihre Freundin einfach nicht alleine lassen. Das wollte sie ihr nicht zumuten. Sie wusste, wie sehr Michaela wegen Chris gelitten hatte. Sie liebte ihn, das wusste sie, und sicherlich waren diese Gefühle noch nicht vollends gestorben. Doch sie musste ihn vergessen. Immerhin war er ein Mörder und Erpresser auf der Flucht, der vor nichts zurückschreckt. Claudia hatte es sich auf der Couch gemütlich gemacht, während Michaela in ihrem Bett schlief, doch Claudia hörte, dass ihre Freundin unruhig schlief und immer wieder sich umherwarf. „Hey, Michaela, ganz ruhig bleiben.“, beruhigte Claudia ihre Freundin und hielt sie an den Schultern fest. Nur langsam beruhigte sich Michaela und schlief dann wieder fest ein. Claudia stiefelte zurück in ihr provisorisches Nachtlager und legte sich ebenfalls auf die Ohren. Sie war noch nicht ganz eingeschlafen, als etwas gegen die Balkontür knallte. Erschrocken fuhr sie auf und sofort stand Michaela in ihrem Schlafanzug und mit einem Besen bewaffnet in der Tür und zitterte wieder. „Was... was... war das?“, fragte sie mit zittriger Stimme. Claudia kam auf sie zu und nahm den Besen aus ihrer Hand. „Komm, wir sehen nach.“, schlug sie vor. Doch Claudias Freundin blieb wie angewurzelt stehen. „Nein, nein, ich will nicht. Geh du, ich gebe dir Deckung.“, stammelte sie und stand wie festgewachsen da. „Na gut.“, murrte sie und ging langsam auf die Balkontür zu. Wieder klapperte es und beide Frauen fuhren erneut zusammen. Doch dann machte Claudia eine Entdeckung, die beide aufatmen ließ.

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  • Ben sah auf, als sein Telefon klingelte. Es lag auf dem Couchtisch eigentlich in Reichweite. Doch ein Blick auf Felix verriet ihm, dass dieser schlief. Wenn er sich jetzt bewegte, würde er den kleinen Tiger erschrecken und womöglich würde Ben das nicht gut bekommen. Doch er musste ans Telefon. So nahm er seinen Hausschuh in die Hand und zog damit das Handy soweit an sich ran, dass er es zu fassen bekam. Geschafft, Felix war nicht aufgewacht. Auf dem Display sah er Susannes Nummer aufleuchten. „Ja, Susanne, was gibt’s denn?“, wollte er flüsternd wissen. „Ich hab eben eine Meldung bekommen, dass dieser Christopher Klein wohl auf dem Flughafen Köln-Bonn gesehen wurde. Willst du das übernehmen?“, wollte Susanne wissen. „Ja sicher… ich fahre hin!“, gab Ben und stand auf. Sofort fauchte Felix wütend und ließ seine Krallen in Bens Bauch fahren. „AUA!!“, fauchte Ben. „Was ist denn?“, wollte Susanne sofort wissen. „Oh… der Stubentiger von Semir ist etwas sauer… weil er mich als Kissen benutzt hat…“, erklärte Ben. „Ach ja…“, lachte Susanne nur. „So du kleiner Tiger… jetzt ist Schluss mit Kuscheln… der gute Onkel Ben muss nämlich arbeiten…“, meinte er zu dem Kater, der ihn neugierig ansah. „Miau….“, machte Felix. „Nein… ich kann dich nicht mitnehmen….du musst hier das Bett warm halten…“, gab Ben zurück. „Ich bin verrückt … ich spreche mit einem Kater…“, lachte Ben leise. Er zog sich an und fuhr zum Flughafen.


    Michaela und Claudia traten langsam an das Fenster heran. „Oh nee.. sieh mal…das ist eine Fledermaus. Die hat sich bestimmt verflogen…“, meinte Claudia und leuchtete mit der Taschenlampe auf das völlig verängstigte Tier. „Na komm…. Mein Kleiner… du kannst gleich weiterfliegen.“, sprach sie beruhigend auf das Tier ein und befreite es aus einem Einkaufsnetz was Michaela wohl irgendwann mal auf den Balkon gelegt hatte. Das kleine Tier fauchte leise, doch es machte Claudia keine Angst. mit sanften Griffen befreite sie das Tier und ließ es dann wieder fliegen. „Siehst du… es war nichts. Michaela… wir sind hier unter dem Dach. Da kann keiner über den Balkon kommen. Leg dich wieder hin… willst du vielleicht ne Schlaftablette haben?“, bot Claudia an. „Nein… es geht schon. Ich muss morgen doch wieder fit sein. Dieser Mistkerl schafft es nicht, mir mein Leben kaputt zu machen. Niemals hörst du….er wird mir gar nichts kaputt machen.“ Claudia sah, wie Michaela die Faust ballte. Sie lächelte leicht. „Ja, aber bevor du ihm den Kampf ansagst, ist erst einmal Schlafen angesagt… na los… leg dich hin und schließ die Augen.“, empfahl Claudia. Michaela nickte und lachte plötzlich auf. „Weißt du was? Es ist doch einfach dumm von uns. Wir können morgen Abend ausgehen. Oh ja.. wir werden ins Kino gehen, anschließend essen und dann…machen wir einen Spaziergang am Rhein.“, schlug Michaela vor. Claudia lachte ebenfalls. „Also gut… aber jetzt bitte schlafen. Ich bin hundemüde…“, meinte sie nur. Wenig später schliefen beide Frauen tief und fest.


    Semir und Andrea waren ebenfalls zurück in ihrem Zimmer. „Das war so toll. Semir… ich also diese Fahrt… es war wunderbar.“, strahlte Andrea und küsste ihren Mann. „Mir hat es auch gefallen. Und weißt du was? Morgen werden wir die Altstadt von Wien besuchen. Hier sollen es tolle Bauten geben, die man besichtigen kann. Ich werde morgen an der Rezeption mal nachfragen wie wir dahin kommen.“, schlug Semir vor. Andrea nickte. „Oh ja… das klingt wunderbar…“, strahlte sie. „Ich geh jetzt duschen…“, lachte er und verschwand im Bad. „Oh mein Kleiner… ist dein Papa nicht wundervoll. Er kann so romantisch sein. Na du wirst es ja bald erleben. Wenn du erst mal bei uns bist, dann wird er dich vermutlich so verwöhnen, dass du nicht weißt was du zuerst tun sollst.“, sprach sie und rieb ihre Hand über den gewölbten Bauch. Das Baby darin trat gegen ihre Hand, so als wolle es sagen, dass es sich freute bald das Licht der Welt zu erblickten. „Hast du was gesagt, Schatz?“, wollte Semir wissen, als er sich angesprochen fühlte und noch einmal den Kopf aus dem Badezimmer steckte. „Nein, alles in Ordnung. Mach dich fertig und dann lass uns runter zum Essen gehen.“, bat sie mit verliebter Stimme. Grinsend verschwand Semir im Bad und ließ das heiße Wasser über seinen Körper laufen. Währenddessen zappte Andrea die geschossenen Bilder durch, die sie während der Fahrt mit dem Fiaker mit ihrer Digitalkamera geschossen hatte. Immer wieder musste sie grinsen, wenn sie Semirs Grimassen sah, die er hinter ihrem Rücken schnitt. Mit liebevollen Blicken sah sie Richtung Badezimmertür und dachte nur, wie schön dieser Urlaub werden wird. Hier konnte ihnen keiner den Urlaub vermiesen. So dachte sie jedenfalls.


    ...

  • Sarah ging mit Chris in ihre Wohnung und richtete das Gästebett her. „Na dann mach es dir mal gemütlich. Und morgen spreche ich dann mit dem Hoteldirektor wegen des Jobs.“, meinte Sarah und strich ihrem Bruder fürsorglich über dessen Bartstoppeln. „Danke, meine Kleine. Womit ich dich verdient hab, weiß ich gar nicht.“, lächelte er und küsste sie auf die Wange. Sie grinste nur. „Enttäusch mich nur nicht. Das ist alles, was ich möchte.“, erwiderte sie und ließ ihren Bruder dann mit sich alleine. Er stellte die Tasche ab und sah sich in dem großräumigen Zimmer der großen Wohnung in der Altstadt um. Auf den Dächern war schon eine dicke Schicht Schnee gefallen und die Wiener Bürger schienen ihre alten Weihnachtsbäume durch die Straßen zu tragen und sie auf den irgendwo befindlichen Weihnachtsbaumfriedhöfen loszuwerden. Das alte Kopfsteinpflaster war geräumt und der Schnee türmte sich an den Seiten zu großen Bergen, an denen besonders Hunde und kleine Kinder ihren Spaß hatten. Die gerade angehenden Laternen spendeten allen Licht und die Menschen eilten durch die engen Straßen in ihre warmen Häuser hinein. „Chris... ich hab dir ein schönes Bad eingelassen. Ganz so, wie du es magst.“, rief Sarah plötzlich ins Zimmer hinein. „Danke dir.“, erwiderte er und ging gleich ins Bad. Er betrachtete sich im Spiegel und sah seine kleine, scheinbare Narbe, die ihm damals diese Schlampe von Polizistin zugefügt hatte, als er festgenommen wurde. Warum musste damals nur alles schief laufen, dachte er und betrachtete sich im Spiegel. Eigentlich müsste er sich für den Fall der Fälle vollkommen unkenntlich machen. Hm, den Bart und die Haare wachsen lassen und dann noch ein anderer Haarschnitt, das müsste doch helfen. Hier in Wien kannte ihn doch kaum jemand und das er sich verändern wollte, könnte er leicht seiner Schwester erklären. So stieg er in die heiße Wanne und wusch sich, fing danach an, sich seinen Bart soweit zu rasieren, dass er nur noch um den Mund reichte. So erkannte ihn bestimmt keiner mehr. Wirklich keiner?


    Ben kam am Flughafen an und ging direkt zu den Beamten der Bundespolizei. „Jäger, Kripo Autobahn. Sie hatten uns angerufen?“, meinte er zu dem Beamten. Dieser nickte und geleitete Ben in den hinteren Sicherheitsbereich. „Herr Jäger, wir haben dieses Video heute Mittag aufgenommen und jetzt erst sichten können. Ich denke, das wird sie interessieren.“, meinte der Beamte am Pult und spulte das entsprechende Stück zurecht und drückte dann Play. „Hier sehen sie die betreffende Person.“, meinte er und deutete auf den Bildschirm. Ben starrte wie gebannt hinauf und entdeckte ihn wirklich. „Verdammt, das ist Christopher Klein. Wissen wir, wo er hin wollte?“, fragte Ben und sah sich um. „Allerdings. Er hat die Maschine 12.48 Uhr nach Wien genommen.“, erklärte der Bundespolizist. „Oh shit.“, stieß Ben nur aus. „Ich nehme das Band mit. Schauen sie für mich doch bitte mal nach, wann die nächste Maschine nach Wien startet.“, erklärte Ben und verschwand Richtung PASt. Kim Krüger war noch da und so war es nicht verwunderlich, dass sie aufsah, als Ben in ihr Büro stürmte. „Herr Jäger, was führt sie denn zu so später Stunde noch hierher?“, wollte sie wissen. Ben lächelte nur, war jedoch außer Atem vom Rennen. „Hier, das haben die Kollegen der Bundespolizei aufgenommen, und zwar auf dem Flughafen Köln-Bonn.“, meinte er und legte es in den Recorder ein. Kim sah sich das Video an und stockte an genau der gleichen Stelle, wie zuvor Ben.


    Der nächste Tag brach an. Semir und Andrea waren mittlerweile schon zwei Tage hier im Hotel und für den dritten hatte er sich was ganz Besonderes einfallen lassen. Doch dazu musste er erst einmal erfahren, wohin er mit ihr fahren könnte. Max hatte da geniale Ideen und ließ ein Taxi vorfahren. Semir und Andrea stiegen ein. „Wo geht es hin?“, wollte Andrea wissen. „Nicht so neugierig.. es ist eine Überraschung für dich.“, versprach Semir. Sie fuhren in die Altstadt von Wien. Er und Andrea betraten das Haus des Meeres. Ein Zoo in der Wiener Innenstadt. Sie gingen zunächst durch die einzelnen Räume und bei einem Tier blieb Semir stehen. „Sieh mal… der sieht aus wie Ben, wenn er morgens aufsteht.“, lachte er und wies auf ein Weißbüscheläffchen, das seinen Namen daher hatte, weil er an Seiten jeweils ein weißes Büschel trug. „Sehr süß.“, nickte Andrea. Semir sah sie an „Du findest Ben süß?“, fragte er irritiert. „Nein.. das Äffchen… sei doch nicht schon wieder eifersüchtig.“, tadelte sie ihn lachend. „Ja lach du nur… was hältst du davon, wenn wir die spanische Hofreitschule besuchen?“, schlug Semir vor als sie den Zoo durch hatten. „Darf man da denn einfach so hin?“, wollte Andrea wissen. „Ich denke schon… wenn nicht…dann fahren wir halt im Riesenrad.“, grinste Semir nur. Er genoss die Stunden, die er mit Andrea allein war. Keine Arbeit, kein Druck, kein Stress. Einfach nur Erholung. „Ach so… den Stephansdom…der muss auch noch bestiegen werden und natürlich das Wiener Rathaus.. und dann gehen wir essen. Aber nicht nur in einem Restaurant, sondern im Donauturm. Du kannst von dort auf ganz Wien herunter sehen.“, strahlte Semir. Andrea sah ihn skeptisch an. „Woher weißt du das?“, harkte sie nach, denn Semir war eigentlich ein Kulturbanause. Er setzte sein schelmisches Grinsen auf. „Ich…habe Max gefragt…“, gab er zur und sah etwas verlegen zu Boden. „Semir Gerkhan… ich liebe dich…“, hauchte Andrea und gab ihn einen Kuss.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „Ja und?“, wollte Kim wissen. „Christopher Klein ist auf dem Weg nach Wien. Sie wissen wer noch in Wien ist?“, harkte Ben nach. „Ja sicher.. .aber…Wien ist groß und ich glaube nicht, dass Beide in einem Hotel sein werden.“, wiegelte Kim ab. „Ja sicher.. ist Wien groß. Aber Sie kennen doch Semirs Glück. Ich meine… was wenn dieser Klein doch in dem gleichen Hotel ist? Was, wenn die sich über den Weg laufen?“, wollte Ben wissen. Kim lachte leise. „Die Wahrscheinlichkeit das sich zwei Menschen in Wien über den Weg laufen, die sich in Deutschland spinnefeind sind, ist ungefähr 1 Million zu 1. Warum sollte Gerkhan ihm über den Weg laufen?“, kam mit einem sonderbaren Unterton von Kim Krüger. „Frau Krüger… ich will nur sicher gehen, dass es wirklich nicht passiert.“, bat Ben. Kim sah ihn an. „Sie wollen auch nach Wien? Warum? Sie haben dort doch überhaupt keine Handhabe. Sie können dort nicht ermitteln.“, erklärte sie ihn. „Ja ich weiß…aber ich könnte mit der Polizei dort zusammen arbeiten und dann Klein wieder hinter Gitter stecken.“ Ben zog alle Register. Kim stöhnte auf. „Ich habe keine Kontakte nach Wien. Sie wären auf sich selbst gestellt. Wie wollen Sie Klein dann finden?“, wollte Kim wissen. „Das weiß ich noch nicht. Aber sobald ich dort bin, werde ich mich mit den österreichischen Kollegen in Verbindung setzen und Klein dort mit Hilfe der Kollegen wieder hinter Gitter bringen. Mit Österreich besteht ein Auslieferungsvertrag.“, erklärte Ben. „Also gut… wann geht ihr Flieger?“, wollte Kim wissen. „Um 16:45 Uhr…“, meinte Ben nur. „Sie haben schon gebucht? Obwohl Sie nicht wussten ob ich damit einverstanden bin?“, kam erstaunt von Kim. Ben grinste nur und verschwand.


    „Susanne… ich hab ein kleines Problem… Du liebst doch sicher Katzen oder?“, wollte er wissen und beugte sich zu Susanne runter. „Ja… sicher… aber warum?“, kam die Gegenfrage. „Nun ja… wegen Klein… ich muss nach Österreich und Felix… also der Kater von Semir…der darf ja nicht allein sein… er ist sehr verzogen und…braucht Futter und Trinken und seine Streicheleinheiten. Nur nimmt er nicht jeden an. Allerdings darf er auch nicht aus seiner gewohnten Umgebung rausgerissen werden und….“, erklärte Ben langatmig. „Ich soll also Felix versorgen, während du in der Welt herumfliegst?“, lachte Susanne. „Ja…genau das…“, gab Ben zu. Die Sekretärin lachte auf. „Okay Ben, wenn es weiter nichts ist.“, meinte sie. „Danke, du hast was gut bei mir. Wie wär's mit einem Essen zu zweit?“, lächelte er verschmitzt. „Gerne doch. Da sag ich nicht nein.“, lachte sie. Sie ließ sich von Ben die wesentlichen Einzelheiten für diesen Kater sagen und fuhr dann gleich mit ihm zum Haus der Gerkhans. Gleich, als Ben die Tür aufschloss hörte er schon ein vorwurfsvolles Mauzen aus der Küche. „Oh man, dieser Kater hat ja immer Hunger.“, stöhnte er, als er Felix vor dem Schrank mit den Katzenfutterdosen sitzen sah. Susanne lachte auf. „Da scheinst der Kater nicht der Einzige zu sein.“ Sofort ruckte Bens Kopf herum. Doch bevor er antworten konnte meldete sich Felix zu Wort und mauzte so laut, als wolle er seinen großen Verwandten im Zoo damit Konkurrenz machen. „Ist ja gut. Kriegst ja was zu Fressen.“, stöhnte Ben und holte eine Dose mit Katzenfutter hervor, füllte diese in den Napf und sofort fing Felix gierig an, zu fressen. „Oh man, ihr seid euch wirklich ähnlich.“, lachte Susanne, als sie die Szene sah.


    Nachdem die Einzelheiten dann vollkommen geklärt waren und Susanne und Felix sich angefreundet hatten, der Kater fand schnell Gefallen an der wohlriechenden Sekretärin, packte Ben einige Sachen zusammen, holte einen Koffer aus der Wohnung und fuhr dann mit Sack und Pack zum Flughafen. Schnell saß er im Flieger und war in wenigen Stunden sicher wieder am Boden gelandet. Wien erstreckte sich Ben, als er aus dem Terminal trat, mit einem endlos scheinenden Meer aus von Schnee bedeckten Häuserdächern. „Kann ich ihnen helfen?“, fragte ein Taxifahrer freundlich. Ben sah ihn an. „Wenn sie mir ein gutes Hotel empfehlen könnten?“, bat er und erwiderte das freundliche Lächeln des Mannes. „Allerdings... das Hotel ~zum Stadtrichter~ ist sehr zu empfehlen. Eine gute Küche und wirklich ausgezeichneten Service. Fünf Sterne.“, gab der Mann als Antwort. Ben musste grinsen. Aber nein, er wollte Semir und Andrea nicht den Urlaub vermiesen. „Ähm, ich glaube, das ist nicht ganz meine Preisklasse.“, log er. „Dann eine nette Pension im Herzen der Altstadt. Wird von einer Familie geführt und ist immer bereit, jeden Gast aufzunehmen. Wird vor allem gerne für den kleinen Geldbeutel genommen... zwei Sterne.“, erwiderte der Taxifahrer. Ben nickte und wollte von ihm dort hin gebracht werden. Die Fahrt dauerte nicht lange. Dennoch staunte Ben, als er sich auf der Fahrt zur Pension die vielen Bauten ansah. Der Stephansdom überragte die Stadt, genau wie der Kölner Dom hoch über der deutschen Stadt am Rhein thronte. Dann bogen sie in die Altstadt ab. Hier war es besonders ruhig und die Straßen waren eng geschnitten, wie eine Altstadt nun einmal war: verwinkelt und eng. Die Fahrt endete vor einem alten Haus, dass mit einem großen, roten Schild versehen war. „Zum Nachtwächter“, las Ben und sofort kam ein junger Mann aus dem Haus, der dem Taxifahrer die Koffer abnahm und sie in die Pension brachte. „Ich wünsche einen guten Aufenthalt in Wien.“, rief der Fahrer Ben hinterher, als dieser ihm den Fahrpreis und ein gutes Trinkgeld gegeben hatte. Ben nahm sich ein Zimmer und fiel in einen tiefen Schlaf.


    ...

  • Sarah und Christopher kamen am nächsten Morgen gemeinsam ins Hotel. Vorab schon hatte sie mit ihrem Chef gesprochen und dieser hatte nichts dagegen, dass Christopher in der Küche arbeitete. Im Gegenteil, er stellte den Neuen ohne ein Wort der Erkundigung sofort ein. An Küchenpersonal scheint es wohl zu mangeln, dachte sich Chris und fing sofort an, sich in der Hotelküche nützlich zu machen. Immer unter den wachsamen Augen seiner kleinen Schwester, aber er schaffte alles, was man ihm antrug. Da das Frühstücksbuffet musste aufgebaut und angerichtet werden. Christopher nahm jede Platte und brachte sie auf die langen Tafeln im Essensaal, stellte frisch gepressten Saft, Milch und frischen Kaffee hin und half dabei, die Tische so umzustellen, dass alle genug Platz hatten und dennoch die Kellner durchkamen. „Man, was für ein Gewusel bei euch.“, keuchte er in einer Pause. „Ist denn immer so viel los?“, wollte er von Sarah wissen. Sie lachte wieder. „Keine Sorge, mir ging es am ersten Tag genauso, doch das wird bald zur Routine.“, meinte sie. Schon kamen die ersten Gäste, die Frühaufsteher, an die Tische und holten sich vom Buffet, nach was ihnen der Gaumen tropfte. Es lag ein reichhaltiges Angebot vor. Die Stunden verrannen und so war es nicht verwunderlich, dass bald auch Semir und Andrea zum Frühstück hinunterkamen.


    Chris hielt sich an die Aufgaben die Sarah ihm gab. Es war sonderbar für ihn, die Arbeit von seiner kleinen Schwester aufgetragen zu bekommen, dennoch führte er sie durch. „Sag mal… habe ich nachher bei dir mal die Möglichkeit meine Mails abzurufen? Ich hab Rolf eine Mail geschrieben, weil ich bei ihm im Haus unterkommen wollte und nun würde ich gern wissen, ob er geantwortet hat.“, erklärte er. Sarah sah ihn an. „Rolf Steiner?“, harkte sie nach. „Ja sicher…. Wieso?“, wollte er nun wissen. „Chris… Rolf ist vor einem Jahr verstorben. Es gab einen Brand in seinem Haus. Die Feuerwehr vermutet, dass er mit einer Zigarette im Bett eingeschlafen ist.“, erklärte Sarah leise. „Rolf ist tot???“, kam erstaunt von ihm. Sarah nickte. „Ja…. Er starb an einer schweren Rauchvergiftung. Das Haus steht seitdem leer. Es ist unbewohnbar.“, erklärte sie weiter. „Oh man….das ist… Entschuldige… ich fühle mich nicht wohl… meinst du, ich könnte mir da draußen was vom Tisch nehmen und essen?“, wollte Chris wissen. „Nein… das ist nur für die Gäste. Aber du kannst dir schnell ein Brötchen machen.“, meinte Sarah. Sie drückte ihren Bruder an sich. „Es tut mir Leid, dass du es auf diese Art erfahren hast. Ich hab da gestern einfach nicht dran gedacht…“, entschuldigte sie sich. „Schon gut…“, lächelte Christopher. Dennoch fühlte er sich traurig. Rolf Steiner war ein Freund aus Kindertagen gewesen. Sie hatten den Kindergarten und auch die Schule gemeinsam hinter sich gebracht. Und dann war Christopher nach Deutschland gezogen. Aber der Kontakt brach nie ab. Nur im letzten Jahr, wo er mit Michaela zusammen war und für seine große Liebe einen Bruch begangen hatte, um ihr alles zu bieten, war kein Kontakt da gewesen. Und nun….war Rolf tot. „Meinst du… dass du mich nach Feierabend einmal zum Haus fahren kannst…ich möchte…ich möchte mich symbolisch verabschieden…“, fragte er traurig. Sarah nickte. „Ja sicher… das werden wir machen…“ versprach sie.


    Ben stand gegen neun auf und nahm ein recht karges Frühstück. Gekochtes Ei, zwei Toast, ein Brötchen und gekochten Schicken. Dazu einen starken Kaffee. Dennoch genoss er es. Eigentlich gar nicht schlecht…staunte er. „Sagen Sie… wo ist denn die Kriminalpolizei hier?“, wandte er sich an seine Gastgeberin. Die bekam sofort einen Schrecken. „Sind Sie nicht zufrieden? Wir können sicher was ändern…dazu muss doch die Polizei nicht kommen.“, erklärte sie sofort. „Nein…nein… ich bin mit dem Zimmer total zufrieden und das Frühstück war das Beste was ich bisher bekommen habe.“, wiegelte Ben sofort ab. Es war absolut nicht gelogen. Er hatte ein wunderschönes Zimmer. Sogar Bad und Toilette waren vorhanden, der Fernseher und die Minibar fehlten, aber darauf konnte er auch verzichten. „Ja aber wenn Sie doch zufrieden sind, warum wollen Sie dann zur Kriminalpolizei?“, harkte seine Vermieterin nach. „Ähm…das hat nichts mit Ihnen zu tun. Mehr darf ich Ihnen aber nicht sagen.“, erklärte er freundlich. „Nun gut… Sie müssen die Straßenbahn nehmen. Damit fahren Sie bis zum Stephansdom und dann steigen Sie in den Bus Nr. 943 ein. Damit fahren Sie bis zur Hirtengasse. Dann laufen Sie in die Richtung weiter, in die der Bus fährt und gehen dann in die dritte Gasse… da sehen Sie dann schon das Schild…“, erklärte die nette Frau. Ben schrieb die Wegbeschreibung auf. „Ist ja fast ne Weltreise bis zu den Kollegen.“, murmelte er. „Na…so schlimm ist es nicht… aber Sie sehen was von der Stadt…“, lächelte die Frau. „Vielen Dank… Wien ist eine wunderschöne Stadt.“, gab er zu und trank seinen Kaffee. Nur eine halbe Stunde später ging er auf sein Zimmer und nahm die Akte von Christopher Klein. Diese packte er in seinen kleinen Rucksack. Anschließend machte er sich auf den Weg zu den Wiener Kollegen.

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    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • „Hmmm…ist das lecker…“, kam von Semir, als er sich das letzte Stück Brötchen in den Mund schob. „Oh ja… sehr gut. Ach Semir… es ist ganz toll hier. Was machen wir denn heute?“, fragte Andrea. „Nun heute… werden wir das bekannteste Riesenrad ausprobieren. Und danach…gehen wir an der Donau spazieren und in den Schönbrunner Schlosspark…“, verkündete Semir. Andrea lachte. „Du hast dich wirklich schlau gemacht, was es in Wien gibt. Du bist einfach großartig…“, sie küsste ihn innig. „Noch weißt du nicht, dass wir auch zwei Karten für die Oper haben…“, lache er und hob die Karten hoch. „Oh…Semir…. Danke…das ist …der schönste Urlaub…neben unseren Flitterwochen, den ich mit dir erleben kann.“, strahlte Andrea. „Flitterwochen? Wir waren doch zuhause. Ich meine du warst zuhause und ich lag im Krankenhaus…“, kam etwas verstört von Semir. „Ja… sag ich doch…“, lachte Andrea. Mit einer Grimasse auf dem Gesicht küsste Semir seine Frau und beide gingen nach dem Frühstück auf ihre Zimmer, zogen sich warm an und gingen dann, nach einer Wegbeschreibung von Max, zum Riesenrad. Sie lagen sich im Arm, als sie die winterliche Stadt von oben sahen und auf sie hinab schauten. „Ach Semir, ich wünschte, dieser Urlaub würde nie enden.“, säuselte Andrea und schmiegte ihren Kopf an Semirs starke Schulter. Dieser strich ihr vorsichtig über die Wange und den Bauch. „Ich liebe dich.“, hauchte er und küsste sie innig. Als sie wieder unten angelangt waren, ließen sie sich mit einem Fiaker zum Schlosspark von Schönbrunn fahren und schlenderten die Alleen entlang. „Weißt du, dass hier schon Napoleon und seine Marie Louise entlang geschlendert sind?“, meinte er und sah Andrea an. „Och, da würde ich es doch lieber mit Sissi und Kaiser Franz halten.“, lachte sie und schmiegte sich wieder an Semirs Arm. Beide gingen weiter und ließen den locker gefallenen Schnee unter ihren Füßen knirschen.


    Ben hielt sich an die Anweisungen seiner Wirtin und erreichte alsbald das Gebäude der Polizeidirektion Wien. „Was kann ich für sie tun?“, wollte der Pförtner wissen, als Ben vor der Sperre stand. „Hauptkommissar Ben Jäger, ich möchte gerne einen der zuständigen Beamten sprechen.“, stellte Ben sich vor und erklärte sein Anliegen. „Und wen wollen sie sprechen?“, fragte der Beamte träge, zückte Block und Bleistift. Langsam wurde Ben ungeduldig, doch er durfte die Kollegen hier nicht verärgern. „Ich suche einen ausgebrochenen Sträfling, der sich von Deutschland nach Wien geflüchtet hat und will ihn mit Hilfe der Wiener Kollegen wieder einfangen.“, erklärte der Jungkommissar. „Ahhh, ein Besucher von unseren Brüdern.“, meinte er mit deutlich sarkastischem Unterton. „Da gehen sie am Besten zu Major Ricky Weinek, zweiter Stock, erster Gang nach links und dann die vierte Tür auf der rechten Seite.“, erklärte der Beamte und öffnete für Ben die Sperre, damit dieser durchschlüpfen konnte. Na endlich, dachte er nur, gab dem Beamten aber ein dankbares Handzeichen und ging den beschriebenen Weg hinauf. Vor der beschriebenen Tür machte er halt und sah sich das Schild an. „Major R. Weinek, Oberinspektor der Mordkommission.“, las er und stellte sich in Gedanken vor, was das wohl für ein Typ war, der hinter dieser Tür saß. Bestimmt war dies so ein alter, knorriger Herr, wie der unten am Empfang. Ben musste über seine eigenen Gedanken grinsen. Doch dann nahm er sich zusammen und klopfte an. „Ja bitte...“, hörte er von drinnen und als er eintrat, dachte er, er sah nicht richtig.


    „Kann ich ihnen helfen? Sie sehen so aus, als ob sie Hilfe nötig hätten.“, lächelte Ricky Weinek, eine junge, blondgelockte Frau in Bens Alter mit scharfen blauen Augen und fantastischem Körperbau. Ben stand da und sah aus wie ein Karpfen, der nach Luft schnappte. „Oder haben sie sich nur verlaufen?“, wollte Ricky wissen. Ben schüttelte sich, kam so wieder zu sich. „Ich wollte.... wollte... eigentlich zu Major Ricky Weinek.“, stammelte er und konnte die Augen nicht von dieser wunderschönen Frau lassen. „Ich bin Ricky Weinek, Major und Oberinspektor der Mordkommission. Ricky ist die Abkürzung für Rebecca.“, erklärte sie und lächelte Ben nur an. „Kann ich ihnen helfen?“, wollte sie dann wissen. Ben nickte und kam auf sie zu. „Ich muss einen Ausbrecher fangen, der von Deutschland nach Wien geflohen ist und hier irgendwo untergetaucht ist.“, erklärte er und sah sie an. „Hmm, haben sie die Akte dabei?“, wollte sie wissen und sah in Bens tiefbraune Augen. „Sich.... sicherlich....“, kam es unsicher von ihm und im nächsten Moment spürte er einen Blitz in seine Hand fahren, als Ricky die Akte an der Stelle berührte, wo seine Hand war. Auch die junge Frau von Anfang dreißig zuckte kurz mit der Hand zurück, nahm dann aber die Akte an sich und las sie, während sie Ben einen Platz anbot und eine der berühmten Wiener Kaffeesorten an. „Der Junge hat ja ein ganz schönes Register oder wie wir in Wien sagen ... Was einmal da ist geht nicht mehr weg.“, meinte sie und warf die Akte auf den Tisch. „Irgendwelche Anhaltspunkte?“, wollte sie dann wissen.


    ...

  • Ben sah sein Gegenüber nur an. Was für tolle Augen….dachte er und die Haare….weich und sanft umrahmten sie das schmale Gesicht. Die Grübchen die sich zeigten, wenn sie lächelte. „Herr Jäger? Hallo?“, riss ihre Stimme ihn aus den Gedanken. „Was? Ähm….nein…keine Hinweise…ich...ich weiß nur dass er in Wien ist…“, stammelte Ben. Ricky lachte leise. „Eine kalte Dusche hilf.“, versprach sie. „Oh…entschuldigen Sie… ich bin einfach nur fasziniert. Ich dachte mein Gegenüber würde ein alter knorriger und mies gelaunter Beamter sein, der…“, erklärte Ben leise. „Oh ich verstehe und nun sind Sie enttäuscht, oder was?“, kam etwas spitzfindig von Ricky. „Nein…ganz im Gegenteil. Wollen wir nicht was essen gehen? Ich meine, dann könnten wir den Fall besprechen… und…und unsere Zusammenarbeit ausarbeiten.“, gab Ben etwas nervös von sich. Ricky nickte. „Wie haben Sie denn die Zusammenarbeit vorgestellt?“, wollte sie wissen. „Ich erzählte was vorgefallen ist. Ich meine immerhin ist Christopher Klein hier bei seiner Mutter nach der Scheidung teilweise aufgewachsen, ging dann zum Vater nach Deutschland und hat sich dort strafbar gemacht und wurde wegen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Er ist ausgebrochen und hat dabei einen Beamten verletzt. Der Mann lag die ganze Nacht gefesselt und geknebelt in einem Bett. Tja und ich habe auch sehr üble Erfahrung mit dem Herrn gemacht.“, erzählte Ben den damaligen Vorfall. Ricky hörte schweigend zu. „Das ist zwar bedauerlich, aber wie kann ich da helfen? Sollte Herr Klein tatsächlich hier sein, dann könnte er überall in Österreich sein. Er könnte von Wien aus weitergeflogen sein, er könnte hier in der Stadt wohnen oder…sonst was…“, erklärte Ricky lächelnd. „Ja, aber das kann man doch herausfinden oder?“, wollte Ben wissen. „Ja sicher… nur das geht nicht von heut auf morgen. Ich müsste, sofern mein Vorgesetzter zustimmt natürlich, den Flughafen anschreiben und die Gesellschaften ansprechen, ob Herr Klein mit ihnen geflogen ist oder aber vielleicht hier in Wien geblieben ist.“, war die Antwort. „Na dann fragen wir Ihren Vorgesetzten doch…“, grinste Ben.


    Christopher Klein fuhr zu dem Haus, in dem sein Freund Rolf Stein im Schlaf erstickt war. Das Haus war eine Ruine. Er betrat es und sah sich um. Die Wände im Wohnzimmer waren rußgeschwärzt und auch im angrenzenden Schlafzimmer war es nicht anders. Er ging in den ersten Stock und die Stufen der Treppe knarrten bei jedem Schritt. Christopher sah besorgt auf das Geländer. Hie schien das Feuer aber nicht so einen großen Schaden angerichtet zu haben. Das obere Stockwerk war nicht wirklich vom Feuer betroffen. Und das war irgendwie schön, die Räume waren eingerichtet. Es sah toll aus. Doch der Geruch des Feuers war überall vorhanden. Christopher ging wieder ins Erdgeschoss und von dort in den Keller, doch hier war kein Durchkommen. Alles war durcheinander und völlig dunkel. Es gab kein Licht, keine Elektrizität. Christopher ging zurück und betrat das Zimmer wo sein Freund starb. Er sah das Bett und glaubte sogar darauf den Körper seines Freundes zu sehen. Das war natürlich Blödsinn, aber seine Phantasie spielte ihm hier einen Streich. „Weißt du, wie oft ich verflucht habe, dass du rauchst? Verdammt Rolf… du bist so ein dämlicher Idiot. Ich wollte gerade unsere Freundschaft auferstehen lassen und du haust einfach ab. Das ist nicht fair.“, sagte er leise. Tränen liefen ihn über das Gesicht. Doch dann verließ er das Haus. Auf dem Gehsteig davor wischte er sich die Tränen weg. Sarah sah ihn an. Sie hatte ihn begleitet, doch den Abschied wollte sie ihn allein machen wollen. „Ist alles okay?“, fragte sie besorgt. „Ja sicher… danke... ich versteh es einfach nicht. Wie kann er sich einfach davon machen?“, wollte Christopher wissen. „Aber er hat es doch sicher nicht absichtlich gemacht. Er ist eingeschlafen und hat seine Zigarette vergessen.“, versuchte sie ihn zu beruhigen. Christopher nickte traurig. „Na komm…unsere Pause ist gleich vorbei und wir müssen ja das Abendessen für die Gäste vorbereiten.“, hängte sie an.


    „Oh sieh mal… das ist so schön hier. Semir…. Ich bin einfach nur überwältigt. Aber mir ist kalt, wollen wir nicht schnell noch einen Kaffee trinken oder einen heißen Kakao?“, wollte Andrea wissen. „Ja sehr gern. Hab schon Eisklumpen anstatt Füße. Es ist einfach so schön hier.“, stimmte Semir zu. Sie gingen in eines der schönen Straßencafés und bestellten erst einen Kaffee und dann einen heißen Kakao mit Sahne. Dazu gab es Plätzchen die sich Semir alles einsteckte. „Was willst du denn damit?“, lachte Andrea leise. „Na für Unterwegs… ich will doch nicht verhungern.“, grinste Semir leicht. „Ja die Gefahr besteht natürlich…“, nickte Andrea und nahm einen Schluck. „Ob Ben wohl mit Felix gut zu Recht kommt?“, wollte sie plötzlich wissen. Semir zog die Schulter hoch. „Ich werde ihn nach dem Abendessen mal anrufen und nachhören. Kann ja sein, das unser kleiner Tiger ihn das Essen streitig macht und Ben elendig verhungert.“, grinste Semir verschmitzt. „Kannst du nicht einmal ernst bleiben? Du bist ein Kindskopf…Semir Gerkhan…“, tadelte sie ihn lachend. Semir lächelte verschmitzt und beide gingen zu ihrem Fiaker, fuhren dann ins Hotel zurück, um sich aufs Abendessen vorzubereiten. Semir zog sein neues Jackett und eine Jeans an, so passte er halbwegs in diese gehobene Umgebung, dachte er sich. „Kommst du?“, rief Andrea ins Bad, als Semir noch immer nicht fertig war. Dieser kam raus, blieb im Türrahmen stehen und drehte sich wie eine Modell um sich selbst. „Na?“, fragte er und sah seine Frau fragend an. Diese staunte nur. „Man Semir, du kannst ja richtig elegant sein.“, lachte sie. „Komm, wir gehen essen.“, kam es nur von dem Deutschtürken und beide verließen ihr Zimmer, nichts ahnend, dass dies ein Essen mit Überraschungen werden würde.

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  • Christopher und Sarah werkelten ohne Unterlass in der Küche. Immer wieder kamen die Kellner in die Küche und pinnten die Bestellungen auf die jeweiligen kleinen Spieße, die vor den Köchen standen. So war es nicht verwunderlich, dass bei Chris eine für ihn folgenschwere Bestellung landete. „Zwei Mal Rindsuppe mit Leberknödeln und den Girardirostbraten und den Vanillerostbraten.“, stieß der Kellner aus, bevor er wieder in den Gastraum verschwand. Chris nahm den Zettel und machte sich daran, die Speisen nach Sarahs Anweisungen so schnell, wie möglich zuzubereiten. Wie gut, dass er früher schon Kochen total faszinierend fand. Schnell war die Suppe fertig und er rief dem Kellner beim Abholen die Tischnummer zu, damit er wusste, für wen die Speise war. Schnell war die Hauptessenszeit der Gäste vorbei, doch in der Küche ging es deswegen nicht ruhiger zu. Chris war dabei, die benutzten Geräte und das Geschirr zu spülen, als Sarah zu ihm trat. „Du hat eine richtige Begabung zum Kochen, weißt du das? Ich hoffe, du wirst bei uns als Koch anfangen oder wenigstens in diesem Beruf bleiben.“, meinte sie und ihr Bruder blickte auf. „Denkst du wirklich?“, kam es von ihm. „Würdest... würdest du mir ein Empfehlungsschreiben geben?“, fragte er und mit liebevollem Blick nickte Sarah. „Hey, wir sind doch Geschwister. Warum soll ich dir nicht helfen? Du hast Talent, du solltest es nutzen.“, meinte sie und strich ihrem Bruder über den schon wachsenden Vollbart. Kaum einer hätte ihn so erkannt. Oder doch?


    „Boah, das war so was von lecker. Man, ich glaube, ich werde mich in der Küche bedanken.“, meinte Semir und strich sich über den Bauch, als er das letzte Stück vom flambierten Kaiserschmarrn in sich hinein geschoben hatte. Andrea lächelte. „Dir hat das Essen wirklich geschmeckt? Dabei bist du doch so ein Mäkel-Esser was das Essen im Restaurant angeht.“, lachte sie. Erstaunt sah Semir seine Frau an. „Was soll das denn heißen? Ich mäkele nicht. Ich weiß nur, was gut schmeckt und was nicht. Aber das....“, er deutete auf seinen leer gegessenen Teller, „war außergewöhnlich gut.“ Andrea nickte und sah von ihrem Topfstrudel mit Vanillesauce auf, als der Kellner an den Tisch kam. „Ist alles zu ihrer Zufriedenheit? Wünschen sie noch etwas zu trinken?“, wollte der freundliche, junge Mann wissen. „Oh ja, ich würde gerne, dass sie ihrem Koch sagen, der unser Essen zubereitet hat, dass alles sehr, sehr, sehr gut und wohlschmeckend war und sie ihm das von mir geben...“, meinte Semir und holte einen Zehn-Euro-Schein aus seiner Tasche und reichte ihm den Kellner. „Nein, warten sie, ich will es ihm selbst geben.“, kam es dann von Semir und sofort war er aufgesprungen und ließ sich vom Kellner in die Küche führen. Hätte er geahnt, wer der Koch war, hätte er den Schein dem Kellner gegeben.


    Ricky kam von ihrem Vorgesetzten zurück und sah Ben mit ihren blauen Diamantaugen an. „Sie haben Glück, Herr Jäger. Mein Chef scheint viel daran zu liegen, mit den deutschen Kollegen zusammenzuarbeiten. Auch, wenn sie hier nicht offiziell mitarbeiten und ermitteln dürfen, hat er mir ans Herz gelegt, da sie ja schon einmal Bekanntschaft mit diesem Klein hatten, sie in die Ermittlungen mit einzubeziehen.“, erklärte sie mit ihrem charmanten Wiener Dialekt, der Ben jetzt schon vollkommen verzauberte und dahinschmelzen ließ. „Herr Jäger? Hallo?“, meinte Ricky, als sie das vollkommen abwesende Gesicht von Ben sah. „Ja…ja… entschuldigen Sie…ich war etwas in Gedanken. Das ist wirklich klasse. Ich meine, dass ich da einbezogen werde. Aber wir sollten alles bei einem Essen besprechen. Dann kann ich Sie in allen Dingen informieren und auch die Dinge erzählen, also alles was damals vorgefallen ist und…die Sachen…beim Essen…“, stammelte Ben etwas herum. Ricky lachte leise. „Die Einladung nehme ich an. Aber das eins klar ist…wir arbeiten lediglich zusammen…mehr ist nicht und mehr wird nicht sein.“, ermahnte sie ihn. „Ja klar… es kann auch mehr sein… gar kein Problem…“, lächelte er nur. Ricky schüttelte den Kopf .Der junge Mann scheint etwas verwirrt zu sein. Hoffentlich ermittelt er auch nicht so, wie er im Augenblick tat. Sie schien genau zu wissen, welche Anziehung sie auf das andere Geschlecht hatte. „Herr Jäger… wo wollen wir uns dann treffen?“, wollte sie wissen. „Ich kann Sie abholen.“, schlug Ben vor. „Ja das ist gut.. ich hab um sieben Schluss…am besten dann von hier aus los?“, entgegnete sie .Ben nickte. „Ja…gern…ich hol Sie ab…“, versprach er und verabschiedete sich von ihr.


    ...

  • Semir ging in Richtung Küche. Er hörte schon von weitem das Schwingen der Löffel und überlegte ob er das Trinkgeld nicht etwas erhöhte. Schließlich war nicht nur ein Koch mit den Speisen beschäftigt? Oder ging es nach Tischen. Er klopfte an die Schwingtür. „Aus dem Weg bitte!“, hörte er hinter sich. Semir trat ein Schritt zur Seite, als der Kellner mit Tellern bepackt in die Küche ging. Semir schloss sich einfach an. „Hallo…guten Abend.. ich möchte mich gern bei dem Koch bedanken, der das Essen für Tisch 7 zubereitet hat!“, rief er durch die große Küche. Ein Mann, der direkt hinter Semir stand drehte sich um. Er starrte ihn an und Semir ging es nicht anders. „Sie?“, fragte Semir erstaunt und griff gewohnheitsgemäß dorthin wo seine Waffe sich befand, wenn er im Dienst war. Doch dann fiel ihm ein, dass er gar nicht im Dienst war. Er stand da und sah den Mann an. „Warum sind Sie schon wieder frei?“, wollte er wissen. Seine Stimme klang heiser und sein Blick fiel auf das lange Messer, welches der Mann vor ihm hielt. „Gerkhan… was freue ich mich dich zu sehen…Sarah…das ist mein guter alter Freund Gerkhan…darf ich mir ein paar Minuten für ihn nehmen?“, fragte Christopher Klein ohne seine Schwester anzusehen. „Ja sicher… hinten ist ein Raum, wo ihr euch kurz unterhalten könnt….aber wirklich nur kurz“, lächelte die Frau und sah ihren Bruder nur kurz an um sich dann wieder der Arbeit zu widmen. Christopher tat einen Schritt auf Semir zu und packte ihn am Kragen. „Dann komm…da lang!“, forderte er auf und setzte Semir die Messerspitze an die Rippen. Sein Mund führte er an Semirs Ohr. „Wenn du kein Blutbad willst, dann komm mit!“, forderte er ihn leise auf .Semir sah ein, dass er so keine Chance hatte. Er war unbewaffnet. „Hören Sie...Klein…ich…“, versuchte er. „Schnauze…und los!“, fauchte Christopher ihm ins Ohr.


    Susanne kraulte Felix am Abend und sah fern. „Du bist ein toller Kater. Ein supertoller Kater, der total verwöhnt ist. Hat Semir dich eigentlich überall mit hingenommen?“, fragte sie. „Miau…“, kam von dem Kater. Susanne lachte. Manchmal war es als würde das Tier sie verstehen. Sie erwischte sich dabei, dass sie sich auch so ein Tier wünschte. Etwas das mit ihr nach einem langen Arbeitstag kuschelte. Es wäre so schön….das Fell war so weich und das Schnurren beruhigte sehr. „Weißt du was… wenn du noch Geschwister hast, die ein Zuhause suchen… dann kannst du sie zu mir schicken. Mein Vermieter wird vielleicht nicht ganz zufrieden sein, aber immerhin...hätte ich dann auch was zum kraulen…“, schlug Susanne vor. Doch dann lachte sie. „Ich benehme mich wie eine Oma….und rede mit einer Katze…Felix…nichts gegen dich, aber…ach was soll es…komm…wir gehen in die Küche und nehmen uns noch ein Mitternachtssnack…“, meinte sie. Der Kater sprang auf. Er schien tatsächlich zu verstehen, was Susanne wollte. Sie gingen in die Küche und wenig später gingen sie zu Bett. Susanne hatte sich das Gästezimmer zu Recht gemacht. Felix ließ es sich nicht nehmen ebenfalls im Bett zu schlafen. Nicht auf dem Kopfkissen oder am Fußende, sondern am liebsten auf dem Bauch von Susanne. „Na, du bist aber ein Frecher.“, lachte sie und ließ den Kater gewähren, der sich scheinbar nicht darum scherte, was seine Menschen von ihm dachten. Wieder musste Susanne unweigerlich an Ben denken, dessen Verhalten doch zusehends Felix ähnelte oder war es umgekehrt. Wer guckt von wem ab? Ohne dieser Frage weiter nachzugehen, ließ Susanne ihre Lider sinken und schlief alsbald tief und fest ein.


    Semir befreite sich aus dem Griff, als die Beiden in dem Raum waren. Sofort jedoch kam Christopher mit dem Messer in der Hand auf Semir zu. „Was wollen sie hier?“, fauchte er wütend. Anscheinend wusste dieser Bulle nicht, dass er ausgebrochen war. Mit einem eisernen Blick sah er den Polizisten an. „Ich... ich mache hier Urlaub. Aber sie können unmöglich schon wieder draußen sein. Das geht nicht.“, stieß Semir aus und dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. „Sie... sie sind ausgebrochen, oder?“, stieß er aus und wollte im nächsten Moment wieder zu seiner Waffe greifen, die gar nicht da war. Entsetzt blickte er auf das blitzende Messer, dass der Mann vor ihm in der Hand hatte. Christopher grinste und hob die stählerne Klinge, ging damit auf Semir zu und packte den kleinen Hauptkommissar am Kragen. „Schade, jetzt kennst du mein Geheimnis.“, lächelte er und setzte die Klinge an Semirs Hals. Dessen Augen weiteten sich erschrocken und voller Furcht. Dann jedoch sank die Klinge. „Nein, so leicht mach ich es dir nicht. Du hast mich in den Knast gebracht und jetzt musst du mir auch mein neues Leben versauen. Dafür werde ich dir deines nehmen.“, stieß Christopher aus und drehte Semir blitzschnell um, schlug mit der Faust und dem Knauf des Messers in den Nacken des Mannes. Sofort sackte der Deutschtürke in sich zusammen und wurde von dem Angreifer in einen Sack verfrachtet, dann in einen Kleintransporter gesteckt und die Türen verschlossen. Mit ruhigem Gesicht ging Chris wieder zu seiner Schwester. „Ich hab gerade im Lager nachgesehen. Wir brauchen dringend wieder Kartoffeln. Ich fahr mal schnell zum Großmarkt und bring zehn Säcke mit.“, erklärte er. Sarah nickte nur. Kartoffeln, das wusste sie, waren in dieser Küche meist schnell weg. So ließ sie ihren Bruder gewähren. Sie ahnte nicht, was er vorhatte.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Ben war inzwischen wieder in seine kleine Pension zurückgekehrt und machte sich für das Abendessen fertig. Schnell schwang er sich die Treppe hinunter und fuhr den gleichen Weg wie heute Mittag zum Wiener Polizeipräsidium. Ricky wartete schon in ihrem lässigen Outfit und sah Ben an. „Hallo.“, begrüßte er sie und reichte ihr zaghaft die Hand. Sie nahm sie und erwiderte die Begrüßung. „Wo wollen wir denn hingehen? Ich kenne mich ja in Wien nicht so aus.“, meinte Ben. Ricky lachte nur und nahm ihn bei der Hand. Gemeinsam gingen sie zur Straßenbahn und fuhren in die Altstadt hinein. „Ich kenne da ein gemütliches, kleines Restaurant.“, meinte sie und beide stiegen am Stephansdom aus, gingen noch einige Minuten und dann standen sie vor einem kleinen, unscheinbaren Haus in der Wiener Innenstadt. „Kommen sie, Herr Jäger.“ „Ben... Ben reicht vollkommen aus.“, lächelte er die junge, attraktive Frau an. Mit einem leichten Grinsen nickte sie kurz. „Okay, dann komm mal... Ben.“ Sie gingen eine Treppe hinunter und standen dann in einer rustikal eingerichteten Gaststätte, an deren Wände in üppigen Malereien die Geschichte der Stadt Wien dargestellt wurde. Ricky suchte sich einen freien Tisch und zog Ben dann zu sich. „So, hier lässt es sich gut reden. Aber erst, nach einem kleinen Glas.“, meinte sie und bestellte beim Kellner zwei Grogs gegen die draußen noch immer vorherrschende Kälte. Ben konnte in all der Zeit nicht seinen Blick von der Frau wenden. Auch wenn er sie nicht ansah, suchte er durch die Augenwinkel immer wieder den indirekten Kontakt mit dieser bezaubernden Frau.


    Andrea saß an ihrem Tisch und wurde langsam ungeduldig. So lange konnte das Überreichen des Trinkgeldes doch gar nicht dauern. Wo blieb nur Semir, dachte sie sich und stand dann auf, um selbst in die Küche zu gehen und nach ihrem Mann zu suchen. An der Tür zur Küche sah sie durch das große Guckloch. Von Semir war so nichts zu sehen. Sie ging hinein und wandte sich an eine junge Frau. „Entschuldigung?....mein Mann….er ist hier rein und…das ist jetzt schon ne ganze Zeit her….und ich wollte mal wissen,…“, erklärte sie „Hören Sie mal… wir sind kein Vermisstenbüro. Hier ist niemand, der nicht hier her gehört!“, fauchte die Frau sie an. „Danke…“, kam von Andrea und sie ging wieder. Sie war der Frau nicht böse, bei der Arbeit, die das Personal hatte, konnte man schlecht bei guter Laune sein. Doch wo war Semir? Er musste doch hier sein…oder vielleicht war das Essen schlecht und er war auf der Toilette? Das wäre eine Möglichkeit. Sie ging in die Richtung der Toiletten, doch vor der Tür stoppte sie. Sie konnte da unmöglich rein gehen. Das war die Herrentoilette. „Kann ich Ihnen helfen gnädige Frau?“, hörte sie in ihrem Rücken. Sie drehte sich um. „Gestatten Sie….mein Name ist Alfred….Alfred Albers….Ich bin, wenn Sie es wollen, er Toilettenboy…“, lächelte der Mann. Andrea sah ihn an. Der österreichische Dialekt der hier sehr deutlich heraus kam gefiel ihm. „Nun ja… ich suche meinen Mann…er wollte in der Küche Trinkgeld abgeben aber seit dem ist er weg…“, erklärte Andrea. „Sie meinen den netten jungen Mann, der mir die Küchentür fast ins Gesicht geschlagen hat?“, lächelte Albert. Andrea lachte leise. Das klang nach Semir. „Hatte er eine Anzugjacke und eine Jeans an?“, wollte sie wissen. Albert nickte. „Ja… das hatte er. Aber Sie sagten verschwunden? Nicht in unserem Haus. Ich werde mal in die Toiletten nachschauen…gehen Sie doch mal aufs Zimmer…vielleicht fühlte er sich nicht wohl und hat sich hingelegt…“, schlug Alfred vor. Andrea sah ihn skeptisch an. Doch irgendwie hatte er Recht. Vielleicht fühlte Semir sich wirklich nicht wohl und hat sich hingelegt, aber ohne ihr Bescheid zu geben?


    Christopher fuhr das alte Haus von seinem Freund an. „Hier bist du gut aufgehoben… jetzt muss ich nur noch was finden, womit ich dich festbinden kann, sonst machst du dich noch aus dem Staub…“, lachte er leise. Wie gut, dass die Gegend hier sehr ruhig war. Niemand schien von dem kleinen Transporter Notiz zu nehmen. Christopher hielt an und stieg aus. Wenig später schleppte er den Sack in dem sich sein Gefangener befand ins Haus. Im ersten Stock waren die Räume unbeschadet. Dort konnte er den Mann gut festhalten. Jetzt musste er nur noch den geeigneten Raum finden. Langsam und vorsichtig stieg er die Treppen hoch, die wieder mit jedem Schritt knarrten. Doch er kam unbeschadet oben an. Nach wenigen Schritten hatte er den ersten Raum erreicht. Hier stand nichts an Mobiliar im Raum. Ein Gitter verschloss das Fenster. Christopher grinste breit. Genau das richtige für einen Bullen. Dieser Raum schien ein Gymnastikraum gewesen zu sein. Eine Stange war an der einen Wand befestigt. Sie war sehr stabil und gegenüber war ein Spiegel. Wunderbar… dann konnte der Bulle sogar zusehen, wie es mit ihm zu Ende ging. Er stimmte seinen eigenem Plan zu und ließ den Sack mit Semir auf den Boden gleiten. Dann öffnete er ihn indem er den Jutesack von seinem scharfen Bast zu befreien. „Das ist genau das richtige Material für dich…“, lachte er. Er zerrte den immer noch bewusstlosen Semir an die Wand und fesselte ihm die Hände an die Stange. Doch wäre es nicht besser, wenn er den Mann noch knebelte? Ja…. Viel besser. Man weiß nie wer hier herum krebste. Er suchte nach einem geeigneten Knebel, doch nichts war zu finden. Dann fiel sein Blick wieder auf den Jutesack. „Warum eigentlich nicht…?“ lachte er. Mit einem Stück des Sisalseils knebelte er Semir. Dabei zog er den Strick so eng, dass es tief in die Mundwinkel einschnitt.


    ...

  • Ben sah Ricky an. „Wo wollen Sie denn anfangen zu suchen?“, wollte sie wissen. Ben antwortete nicht. „Hallo? Erde an Ben?“, lachte sie und wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht. „Was?“, fragte er völlig verwirrt. „Wo wollen Sie anfangen zu suchen?“, lachte Ricky. Sie schien genau zu wissen welche Wirkung sie auf Ben hatte. Verlegen dreinblickend und rot anlaufend nahm er sein Glas und nippte daran. „Ich weiß nicht. Wo könnte man denn untertauchen?“, wollte er wissen. „Hier in Wien sind die Möglichkeiten grenzenlos. Ebenso wie in jeder anderen Großstadt dieser Ordnung. Vor allem in den alten Industriehallen am Südbahnhof gibt es tausende von kleinen Verstecken, die gerne von den Obdachlosen benutzt werden.“, erklärte sie. Ben verdrehte geschlagen die Augen. „So finde ich den Kerl nie. Es muss doch einen Anhaltspunkt geben.“, fauchte er und sah auf, als das bestellte Essen kam. „Ahhh, das Essen.“, meinte Ricky und zog den leckeren Bratenduft durch ihre Nase ein. Ben tat es ihr gleich und freute sich schon auf das österreichische Essen. „So zwei Mal die Spezialität des Hauses... Vanillerostbraten.“, meinte der Kellner und stellte ein Bier vor Bens Nase. „Danke Hubert.“, bedankte sich Ricky bei dem ihr bekannten Wirt. Dieser lächelte und ging wieder. „So, dann hauen Sie mal rein. Über den Fall sprechen wir beim Dessert.“, meinte Ricky und die beiden Polizisten machten sich sofort über das Essen her. Noch ahnte keiner, dass dieser Abend schneller enden würde, als sie sich geträumt hätten.


    Andrea ging in ihr Zimmer und sah sich um. „Semir? Mensch, wo steckst du denn?“, rief sie durch die beiden Räume. Doch es kam keinerlei Antwort. Langsam machte sie sich große Sorgen um ihren Mann. „Semir, komm schon. Das ist nicht lustig.“, zischte sie und nahm ihr Handy hervor. Mit wenigen Handgriffen hatte sie Semirs Nummer angewählt und wartete auf eine Antwort ihres Mannes. Doch das Handy klingelte und klingelte und Semir meldete sich nicht. Andrea wurde immer nervöser und nervöser. Was sollte sie nun tun? Sollte sie zur Polizei gehen oder sollte sie Ben anrufen? Ja... ja, Ben musste ihr helfen. Schnell wählte sie dessen Nummer an. Nach einigen Augenblicken nahm dieser ab. „Hallo Andrea... was kann ich für dich tun?“, wollte Ben wissen. „Ben... ich brauche deine Hilfe. Semir ist seit einer Stunde verschwunden und ich hab schon das halbe Hotel auf den Kopf gestellt.“, meinte Andrea klagend. „Was? Das kann doch nicht sein.“, stieß Ben aus. „Wo bist du jetzt?“, kam es von Andrea.


    Christopher verließ das Gebäude und fuhr zum Großmarkt, holte Kartoffeln und fuhr zurück zum Hotel. „Chris, endlich. Hast du die Kartoffeln?“, wollte Sarah wissen. Dieser zeigte nur vier Beutel hoch. „Im Wagen sind die restlichen. Die Rechnung liegt auch drauf.“, meinte er und brachte die Sachen gleich in den Vorratsraum. Sarah kam auf ihn zu und legte ihre Hand auf die Schulter ihres Bruders. „Ist alles in Ordnung? Wer war das eigentlich vorhin, der dir in der Küche so aufgeregt gegenüber stand.“, wollte Sarah wissen. Chris sah seine Schwester an. „Ähhh, tja, eine kurze Bekanntschaft aus Deutschland. Ich will aber darüber nicht sprechen. Es war keine angenehme Bekanntschaft.“, meinte er und widmete sich dann wieder seiner Kochstelle. Sarah nickte nur und ging dann wieder zu ihrer Kochstelle. Chris sah ihr kurz hinterher und überlegte sich in Gedanken, was er nun machen sollte. Was sollte er mit diesem Gerkhan nur machen? Er konnte ihn unmöglich lange dort verstecken oder versorgen. Warum brachte er ihm nicht einfach um und warf die Leiche in die Donau. Tja, das konnte er machen. Aber dann dachte er an sein neues Leben hier. Wer wusste denn schon, dass er hier in Wien und in diesem Hotel war? Nur dieser Gerkhan und seine Schwester. Was sollte er denn noch machen? Sollte er sich unsichtbar machen? Ja, das war die Lösung. In der kleinen, österreichischen Provinz, nahe der ungarischen Grenze, würde ihn sicherlich keiner erkennen. Von dort aus konnte man doch auch leicht über die Grenze laufen. Sicher gab es in den tiefen, österreichisch-ungarischen Wäldern einige Trampelpfade, die man nur finden und studieren musste. Mit Karten würde es doch sicherlich kein Problem sein, diese Wege zu finden. Ja, das würde er machen. Gleich morgen würde er sich über das Internet informieren. Und was seine Schwester anging, so konnte er ja sagen, er habe dort eine gut bezahlte Stelle gefunden. Doch er musste geschickt vorgehen. Sicher würden sie ihn schon per Fahndung in den Nachbarländern suchen. „Hey Chris, nicht träumen... die Soße kocht dir ja über.“, fauchte Sarah ihn an. Sofort reagierte der Mann und nahm den Topf vom Feuer. Er ahnte noch nicht, dass die Polizei ihm bald dicht auf den Fersen sein würde.

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  • „Ich? In Wien…aber beruflich…ich komme direkt zu dir!“, meinte Ben. „Du bist hier? Aber wieso?“, wollte Andrea nun wissen. „Das erkläre ich wenn ich bei dir bin.“, gab Ben durch. Seine Augen hefteten sich auf Ricky, die ihn nur erstaunt ansah. Ben beendete das Gespräch. „Tja… das war es dann mit dem Essen… ich muss zu meinem Kollegen. Der hier eigentlich Urlaub macht…“, lächelte er enttäuscht. „Oh…was ist denn mit ihm? Sorry, aber der Anruf klang etwas besorgt…“, wollte Ricky wissen. Ben nickte. „Nun ja.. noch weiß ich nicht, was dahinter steckt, aber das war die Ehefrau meines Kollegen. Er ist verschwunden. Direkt beim Abendessen im Hotel.“, erklärte Ben, winkte den Kellner herbei und zahlte. „Ich komme mit!“, entschied Ricky. Ben nickte nur. Gemeinsam fuhren sie zum Hotel „Zum Stadtrichter“ . „Oh….Ihr Kollege verdient wohl sehr gut?“, lächelte Ricky, denn das Hotel war für seine extrem hohen Kosten bekannt. „Nein… dieser Urlaub war ein Geschenk von einem Freund. Da…ist Andrea..!“, rief Ben, als er die Frau von Semir sah. „Ben! Endlich….ich bin völlig durch den Wind…ich….wir, also Semir und ich, saßen und haben gegessen und dann wollte er…in die Küche um sich für das leckere Essen zu bedanken und….seit dem ist er verschwunden….“, erklärte Andrea aufgeregt. „Hey.. schon gut…beruhige dich erst einmal. Das ist Major Ricky Weinek von der hiesigen Polizei…“, stellte Ben erst einmal seine Begleitung vor. „Hallo…Andrea Gerkhan….Ben.. wir müssen ihn suchen…ich habe das dumpfe Gefühl, dass etwas passiert ist…bitte…“, flehte Andrea. „Ja sicher.. Frau Gerkhan… haben Sie gesehen, ob Ihr Mann in die Küche gegangen ist?“, wollte Ricky wissen. Andrea nickte. „Ja…er ist rein aber…er …“, kam von Andrea. „Ben…am Besten gehe ich in die Küche und frage nach. Ich meine…die müssen es doch wissen oder?“, lächelte sie. „Aber ich kann doch auch…!“, begehrte Ben auf. „Nein…leider nicht… du darfst hier nicht ermitteln und wenn dein Kollege tatsächlich hier verschwunden ist, dann könnte eine Entführung vorliegen und damit bist du außen vor..“, erklärte Ricky. Sie ging zur Küche, während Ben und Andrea sich an einem der Tische setzten.


    Christopher fluchte verhalten, denn er verbrannte sich an der Soße, die auch auf seine Schürze kam. „Sarah…ich bin mal eben kurz hinten, kannst du bitte aufpassen?“, bat er seine Schwester. „Ja sicher… hast du gekleckert?“, lachte sie. „Ja….und die Flecken müssen sofort einweichen, sonst gehen die nicht raus…“, gab Christopher zurück. „Klar geh schon…“, nicke Sarah. Christopher ging nach hinten als gerade eine junge Frau in die Küche kam. „Mein Name ist Major Ricky Weinek…könnte ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit bitten?“, hörte er gerade noch. Major? Verdammt das war ein Bulle…Christopher verzog sich direkt in die Ecke und ging langsam zur Tür. Er musste hier raus… vermutlich war diese Weinek wegen ihm hier…. Er musste weg… erstmal zum Haus von Rolf…aber da konnte er sicher nicht lange bleiben. Verdammt, woher wussten die Bullen denn das er sich hier aufhielt? War sein Ausbruch so schnell bemerkt worden? Er hörte nicht richtig zu, was die Polizistin wollte und warum sie eigentlich da war. Für ihn war wichtig zu entkommen. Schnell und unauffällig. Verdammt, der Schlüssel von dem Transporter…wo war er? Mist… er lag bei Sarah auf der Tischplatte… also gut… tut mir Leid, Schwesterchen… aber ich brauche deinen Wagen. Christopher schnappte sich die Autoschlüssel seiner Schwester und verschwand mit dem Wagen in Richtung altes Haus.


    Semir erwache aus der Bewusstlosigkeit und sah sich erstaunt um. Er wollte mit den Händen in seinen Nacken greifen, wo sich ein starker Schmerz ausbreitete, erst da spürte er die Fesseln. In seinem Mund spürte er das raue Sisalseil welches in den Winkeln einschnitt. Er sah sich um. Es war dunkel, nur ein keines schummeriges Licht fiel in den Raum wo er sich befand. Er sah einen großen Spiegel genau ihm gegenüber. Oh verdammt… was war denn nur passiert? Und dann erinnerte er sich. Christopher Klein…war in der Küche des Hotels…in Kochmontur und er hatte ihm mit einem Messer bedroht und dann…niedergeschlagen. Andrea machte sich bestimmt schon Sorgen. Verdammt…warum wollte er auch unbedingt das Trinkgeld persönlich übergeben? Er schloss die Augen und versuchte den Kopfschmerzen Herr zu werden, als er plötzlich ein Geräusch hörte. Er verkrampfte sich und versuchte sich durch den Knebel bemerkbar zu machen, doch es wollte nicht unbedingt klappen. Das Seil schnitt so dermaßen in seine Mundwinkel ein, dass ihm jede Bewegung mit den Lippen Schmerzen verursachte. Er drehte den Kopf zur Tür und sah Christopher ins Zimmer stürmen.


    ...

  • „So, wir sind also schon wieder unter den Lebenden.“, meinte er vollkommen außer Atem. Semir sah ihn mit zornigem Gesicht an und drehte sich dann entschlossen weg. Doch ihm blieb nicht die Zeit. Denn schon im nächsten Moment spürte er die Hand seines Entführers an den Fesseln, die seine Hände an der Stange hielten. „Tut mir Leid, Gerkhan, dass ich ihnen den Urlaub vermiese, obwohl sie sich das selbst zuzuschreiben haben.“, meinte Chris und löste dann den Knebel von Semir. Dieser reckte seine Mundwinkel und spürte den leichten, eisenhaltigen Blutgeschmack, der durch die Schürfungen in seinen Mund rannte. „Wie darf ich das verstehen?“, fauchte Semir und zerrte an den gelösten Fesseln. Sie waren locker und so konnte er sich auf seinen Gegner stürzen. Doch noch immer waren seine Handgelenke zusammengebunden. Beide wälzten sich auf dem Boden herum und versuchten, den Schlägen des jeweils anderen auszuweichen. Irgendwann verließ das Glück Semir jedoch und die wuchtige Faust von Christopher Klein erwischte ihn an der Schläfe. Wie ein gefällter Baum rollte Semir auf die Seite und war bewusstlos. Chris kam langsam wieder hoch und betrachtete sich sein Opfer. „So, du kleiner Käfer. Wolltest mich also ausschalten, was?“, zischte er und holte tief Luft. Er musste diesen Kerl ruhig stellen. Wie gut, dass er sich vorher einige seiner Sachen aus Sarahs Wohnung geholt hatte. Er nahm Semirs Hände und löste das Seil darum, band sie dann hinter dessen Rücken wieder zusammen und fesselte ebenso die Füße und winkelte dann die Knie an. Mit einem weiteren Seil verband er die Knie mit dem Oberkörper von Semir. „So, und damit du nicht schreist.“, lachte Chris und zog eine seiner Socken aus der Tasche, rollte sie zusammen und steckte sie in Semirs Mund. Mit einer zweiten fixierte er den Knebel im Nacken seines Opfers. Dann nahm Christopher Klein seinen verschnürten, geknebelten und bewusstlosen Gegner Huckepack und trug ihn zum Wagen, den er in den Innenhof gefahren hatte. Von der Straße aus war der Hof nicht einsehbar und so konnte er sein Opfer ruhig in den Kofferraum legen. „Schade Wien, hier hätte ich alt werden können.“, meinte Klein und fuhr dann mit dem Wagen seiner Schwester los.


    Alle standen in der Küche um den Major herum und sahen Ricky an. Ben war doch dazu getreten und sah sich die Küche genau an. Ebenso die Köche dazu. „Sind jetzt alle anwesend, die anwesend sein sollten?“, wollte Rebecca Weinek wissen und sah sich um. Sarah kam nach vorne. „Frau Major, sagen sie einfach, was sie wollen und lassen sie uns dann wieder an unsere Arbeit gehen. Wir haben hier eine Hotelküche zu führen und die Gäste warten auf ihr Essen.“, stieß die kleine, zierliche Person mit energischer Stimme aus. Ben sah sie an. Er konnte sich nicht helfen, aber irgendwie hatte die Kleine eine frappierende Ähnlichkeit mit jemanden, den er zu kennen glaubte. „Es geht auch ganz schnell, Frau...“, wollte Ricky wissen und zog den berühmten Notizblock mit Stift hervor. Ben grinste. „Sarah Klein.“, erwiderte die Chefköchin. Ben horchte auf. Nein, das kann nicht sein. Solch einen Namen gab es zuhauf. Das musste einfach ein Irrtum sein. „Wir suchen einen Hotelgast. Einen gewissen Semir Gerkhan. Er soll in die Küche gegangen sein und ist danach spurlos verschwunden. Wissen sie etwas darüber?“, wollte Ricky von Sarah wissen. „Nein, da müssen sie meinen Bruder fragen. Dieser kleine Mann kam in die Küche und wollte meinem Bruder ein Trinkgeld für das Essen geben. Die Beiden sprachen miteinander und dann sind sie beide kurz hinausgegangen.“, erklärte Sarah. „Und, wo ist ihr Bruder jetzt?“, wollte der Major wissen. „Er ist da hinten und wechselt seine Schürze.“ Sofort ging Ricky zu besagtem Raum und sah nach. Das gab Ben Gelegenheit mit Sarah zu sprechen. „Verzeihen sie, aber ist das hier ihr Bruder?“, wollte er wissen und zeigte eine Fotografie von Christopher Klein der Frau. Sarah sah auf das Bild und lächelte. „Ja, das ist mein großer Bruder. Sind sie ein Freund von ihm?“, wollte sie wissen.


    „Ein Freund nicht gerade…“, gab Ben zu und zog seinen Ausweis. „Jäger…Kripo Autobahn…“, erklärte er zusätzlich. „Polizei? Aber Sie sind nicht wegen Chris hier oder?“, wollte Sarah Klein wissen. „Leider ja… Ihr Bruder ist in Deutschland aus dem Gefängnis ausgebrochen. Er saß dort für einen Mord, den er begangen hat. Mein Kollege und ich hatten ihn festgenommen und…nun ist er geflohen und…ich habe den starken Verdacht, dass mein Kollege, Herr Gerkhan in seiner Gewalt ist.“, endete Ben. Ihm tat die junge Frau leid. „Das ist nicht wahr…das kann doch nicht wahr sein… ich meine…das geht nicht…er ist mein Bruder…“, stammelte sie. Ben hielt sie fest, als sie schwankte. „Entschuldigung…aber er sagte… der Mann…also Ihr Kollege….wäre ein ehemaliger Freund und…“, kam leise von ihr. Auch Ricky kam zurück. „Dahinten ist niemand…“, gab sie bekannt. „Oh nein…aber er muss doch da sein…. ich meine…er arbeitet doch hier…“, kam erneut von Sarah. „Frau Klein…. Wir müssen Ihren Bruder finden. Wissen Sie, wo er sein könnte?“, wollte Ben wissen. „Ich….? Ich weiß nicht…ich meine…er könnte in meiner Wohnung sein…wir wohnen zusammen…oder am Haus von Rolf…aber ich weiß es nicht wirklich…“, stammelte Sarah. „Fahren Sie mit uns dahin?“, bat Ben sie. Sarah Klein nickte etwas abwesend. „Ich…sage nur eben Bescheid….“, sagte sie zaghaft und ging zum Personalleiter. Es dauerte ganze fünfzehn Minuten bis sie wieder zurück war.

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  • Christopher fuhr einfach durch die Stadt. Er kannte sich nicht wirklich aus, aber er musste raus aus der Stadt. Die Bullen hatten Sarah sicher schon ausgequetscht und die Kleine hat sie sicher bereits zur Wohnung gebracht. Oder aber zum alten Haus. Er musste schnell weg. Christopher hatte sich ein kleines Waldstück ausgesucht. Dort konnte er sich verstecken. Der Wagen war zwar nicht bequem, aber es ging. Es war zum Glück noch nicht kalt. Er warf einen kurzen Blick zu seinen Gefangenen, der sich bereits wieder regte. „Bleib einfach ruhig liegen… Gerkhan.. dann tut dir auch nichts weh.“, meinte er nach hinten. Tatsächlich blieb Gerkhan ruhig liegen. Er hörte ihn schwer atmen. „Stört der Knebel?“, wollte Christopher wissen. „Tja… wenn ich wüsste dass du leise wärest, würde ich dich davon ja befreien, aber ich habe keine Bock auf dein Gelaber…“, lachte Christopher, der nun endlich aus der Stadt raus war. Sarah hatte ihn vor einigen Tagen eine kleine Hütte im Wald gezeigt. Die würde ihn jetzt sehr nützlich sein. Doch er hatte den Weg vergessen. Sein Handy klingelte und Christopher erschrak. Verdammt daran hatte er gar nicht gedacht. Vermutlich hat sogar der Bulle noch ein Handy… Das würde er gleich feststellen. Er sah auf das Display. Sarah…zeigte ihm das Handy. „Hallo Schwesterchen..“ meldete er sich. „Chris…. Die Polizei sucht dich…ist das wirklich wahr? Hast du einen Menschen getötet?“, wollte Sarah wissen. „Hör mal… meine Kleine… es ist alles nur etwas schief gelaufen. Ich muss weg…hörst du... ich danke dir für die schönen Tage…“, gab er durch ohne auf ihre Frage einzugehen. „Hast du diesen Kollegen bei dir? Bitte Chris… lass ihn gehen.. bitte…stell dich…“, flehte Sarah „Tut mir Leid…meine Süße….“, gab Chris durch und beendete das Gespräch. Er schaltete sein Handy ab. Dann hielt er den Wagen an und kletterte in den Lieferraum. Ohne auf seinen Gefangenen etwas Rücksicht zu nehmen, filzte er ihn. Tatsächlich hatte er das Handy gefunden. „Schade… Gerkhan…. Aber das war es….“, lachte er und stieß seinen Gefangen wieder zu Boden.


    Ben sah Sarah an. Sie weinte. „Ich versteh das nicht….er hat meinen Wagen und…er hat…er…“, stammelte sie traurig. „Frau Klein… Sie müssen uns helfen. Ihr Bruder wird meinen Kollegen töten. Nur deshalb hat er ihn mitgenommen, wenn er ihn überhaupt im Wagen hat.“, erklärte Ben. „Ich…weiß nicht, er sagte mir nicht, ob er ihn wirklich hat. Vielleicht hat er ihn ja auch in dem Haus von seinen toten Freund gelassen…“, meinte Sarah. „Toter Freund? Wie heißt er und wo ist das Haus?“, kam sofort von Ricky. Ben sah zu Andrea, die wie ein Häufchen Elend in dem Restaurant saß. Auch Sarah sah zu ihr. Sie stand auf und ging zu Andrea. „Frau Gerkhan… es …es tut mir Leid…ich…würde es gern ungeschehen machen…“, erklärte sie zaghaft. Andrea lächelte bitter. „Sie können nichts dafür…“, gab Andrea zurück. Dennoch machte sich Sarah Vorwürfe. „Ich.... hätte... oh man... das erste Mal fehlen mir die Worte.“, stöhnte sie und ließ ihren Tränen freien Lauf. Ben und Ricky sahen sich nur an. „Kommen sie, Frau Klein, zeigen sie uns doch mal das Haus, wo der Freund ihres Bruders wohnte.“, bat die Oberinspektorin die junge Frau und rief per Handy einen Funkwagen. Gemeinsam fuhren Ben, Ricky und Sarah zum Haus. Doch der Vogel war inzwischen ausgeflogen. „Verdammt.“, stieß Ben aus und sah sich um. Ricky war inzwischen mit den beiden Beamten nach unten gegangen und sah sich dort um. Ben war oben geblieben und entdeckte dann einen schwarzen, kleinen Schuh. „Das ist doch....“, meinte er und hob den Schuh auf. Klar, das war Semirs Schuh. Wie gut Ben den doch kannte. Musste er doch mit seinem Partner letztens erst Schuhe kaufen gehen. „Hier, das ist Semirs Schuh.“, stieß er aus, als Ricky wieder zum ihm kam. „Bist du sicher?“, wollte sie wissen. „Ganz sicher. Ich hab das Ding mit ihm gekauft.“, erwiderte Ben. „Dann waren sie also hier, aber wohin sind sie jetzt?“, wollte Ricky wissen und ging dann mit Ben zu Sarah. „Frau Klein, wo könnte sich ihr Bruder verstecken? Kennt er noch jemanden in Wien oder Umgebung?“, wollte sie wissen. Sarah sah beide an. Was sollte sie denn nun sagen? Immerhin war es ihr Bruder. Auch wenn er ein Verbrecher war, er war Teil ihrer Familie. „Ich weiß es nicht.“, log sie. „Gut, dann werde ich jetzt eine Großfahndung auslösen.“, stieß Ricky aus und machte bei den entsprechenden Stellen Meldung.


    Christopher war mit dem Wagen schon weit aus Wien und dessen umliegenden Stadtteilen hinausgefahren, als er sich umsah. „Mmmmhhhhhh.“, kam es aus dem Laderaum. Sofort drehte sich der Mann um und sah, dass Semir versuchte, sich von den Seilen und dem Knebel zu befreien. „Gerkhan, ich denke, hier endet unsere Reise.“, meinte er und sah den Deutschtürken mit fiesem Blick an. Sofort weitete sich sein Blick und er blickte erschrocken in die kalten Augen des Mannes. „Okay, raus mit dir.“, stieß Christopher aus und zog Semir von der Ladefläche, setzte ihn an einen der umherstehenden Bäume und fuhr weiter. Erst, als der Wagen hinter einer Biegung verschwunden war, atmete Semir auf. Jetzt war er wenigstens in Sicherheit und musste nur noch diese Fesseln loswerden. Er betastete den Baum. Die Rinde schien ziemlich rau zu sein. Schon begann die Befreiungsaktion. Mit einem ausdauernden Elan rubbelte Semir die Seile, die seine Handgelenke aneinander hielten, an der Baumrinde entlang. Er musste sie doch loswerden. Das musste doch gehen. Wäre doch gelacht, wenn ich hier nicht frei komme, dachte Semir und machte immer und immer wieder weiter. Sein Wille, sich zu befreien, war stark. Hätte er gewusst, was gleich passieren würde, hätte er noch schneller mit seiner Befreiung gemacht.


    ...

  • Chris fuhr weiter, bog um die nächste Kurve, bremste aber abrupt ab. „Verdammt.“, stieß er aus, als er den Streifenwagen und die beiden Beamten im Schnee stehen sah. „Shit, shit, shit.“, schrie er und schlug aufs Lenkrad. Was sollte er nur tun? Warum hatte er auch seine Geisel ausgesetzt? Ja, das war die Idee. Zurück. Er musste zurück und seinen Gefangenen holen. Sofort setzte er den Rückwärtsgang, wendete und fuhr die zehn Kilometer zurück, die er schon gefahren war. Hoffentlich war sein kleiner „Gast“ noch nicht die Fesseln losgeworden. Doch dann musste er grinsen. Als er wieder an die Stelle kam, sah er Semir am Baum sitzen und sich die Fesseln daran rieb. Schnell riss Chris die Tür auf und packte den Deutschtürken am Kragen. „Komm, ich brauch dich. Eigentlich wollte ich dich ja nie wieder sehen, aber ich kann es mir halt im Moment nicht aussuchen.“, stieß er aus und zerrte Semir auf die Tragefläche. „Mmmmhhhhhh.“, kam es erschrocken von Semir. Was... was wollte dieser Mann jetzt wieder von ihm? Was sagte er? Nützlich? Wozu sollte Semir nützlich sein und würde er danach am Leben bleiben? Er wehrte sich, stemmte sich gegen den Griff des Mannes, doch es war zwecklos. Doch dann spürte er, dass er die Fesseln etwas lösen konnte. Sollte das seine Chance sein?


    Kim Krüger wählte Bens Handy an. „Herr Jäger! Wie sieht es aus?“, wollte sie wissen. „Frau Krüger….Klein ist mit Semir auf der Flucht. Die Kollegen hier haben ihn bereits zur Fahndung ausgeschrieben. Aber er hat seine Spuren sehr gut verwischt.“, erklärte Ben ihr in kurzen Worten. „Wie zum Teufel hat er denn Gerkhan in seine Hände bekommen?“, stöhnte Kim. „Ähm…Semir und Andrea sind zufällig in dem Hotel untergebracht, wo Klein arbeitete. Seine Schwester ist hier angestellt und nach ihrer Aussage, hat ihr Bruder sie gebeten ebenfalls hier zu arbeiten. In einem alten verlassenen Haus, habe ich einen Schuh von Semir gefunden. Wir haben die Straßen abgesperrt und durchsuchen die gesamte Gegend.“, endete Ben seinen Bericht. „Muss ich auch kommen, oder schaffen Sie es ohne mich?“, wollte Kim wissen. „Nein ist nicht notwendig. Die Kollegen hier unterstützen mich sehr gut. Ich melde mich, sobald ich was weiß.“, erklärte Ben kurz und knapp. „Halten Sie mich auf dem Laufenden und Herr Jäger….bitte passen Sie auf…“, bat Kim Sie legte auf. Und stieß ein tiefes Stöhnen aus. Warum konnte nicht einmal ein Urlaub des Herrn Gerkhans ohne Komplikationen enden?, fragte sie sich.


    Semir arbeitete weiter an seinen Fesseln. Sie lösten sich eindeutig. Wenn er es geschickt genug anstellte und darauf achtete, das Klein nichts mitbekam, konnte er sich während der Fahrt raus werfen. Dem Tempo nach zu urteilen, fuhr Klein nicht sehr schnell. Also würde er sich lediglich ein paar Blessuren einfangen. Nichts, was nicht heilen kann. Semir machte weiter. Die ersten Stricke fielen. Mit einem leisen Seufzer ließ er sich zur Seite fallen. Nun musste er nur noch die Fußfesseln loswerden. Er sah zu Klein, der sich auf den Verkehr konzentrierte. Semir arbeitete emsig weiter und schaffte es sogar die Fesseln um seine Beine zu lösen. Nun sollte es ein Kinderspiel sein, Klein zu überwältigen. Vorsichtig richtete Semir sich auf und schlich sich an Klein heran. Doch scheinbar wollte er kein Glück haben, denn bevor er bei Klein ankam, bremste dieser so stark das Semir für den das Manöver unvorhergesehen kam, durch den Laderaum und schlug mit dem Kopf gegen die Fahrzeugwand. Er ging benommen zu Boden, doch er blieb nicht liegen sondern rappelte sich wieder auf. Der Wagen stand aber wo war Klein? Semir kroch zum Sitz und sah hin. Keine Spur von Klein. „Suchst du mich?“, hörte er hinter sich. Sofort drehte er sich blitzschnell um…und sah als erstes die große Faust die auf ihn zukam. Der Schlag brachte ihn nahe an die Bewusstlosigkeit und als er wieder klar war, hatte er bereits die Fesseln wieder um. „Du solltest mich nicht so reizen…aber weißt du was mir eingefallen ist?“, grinste Klein ihn an. Semir sah ihn nur an. „Die suchen sicher das Auto….Wir müssen das Fahrzeug tauschen….“ nickte Christopher. Semir sah ihn nur an. Sein Mund war durch den Knebel völlig trocken. Die Nacht schien ihr Ende zu nehmen. Und auch der Hunger mache sich bemerkbar. „Mmmmhhh…“, machte er. Klein sah ihn nur drohend an. „Pass mal auf…bisher war ich recht freundlich zu dir, aber ich kann auch anders. Willst du mein Messer spüren? So kurz unter den Rippen? Das ist schmerzhaft aber es tötet nicht…“, drohte Christopher und hob das große Schlachtermesser. Semir schüttelte heftig den Kopf. Er traute Klein alles zu. Klein ließ sich wieder am Steuer nieder und fuhr erneut in Richtung Wien. Semir ahnte, dass er sich dort einen anderen Wagen bemächtigen würde.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D