Weihnachtswunder

  • So Leute,
    Passend zu Weihnachten haben Elli und ich eine Weihnachtsstory geschrieben. Ich hoffe, ihr habt beim Lesen genauso viel Spaß, wie wir beim Schreiben hatten :D Viel Spaß bei unserer zweiten Story ;)


    1. Kapitel – Weihnachtsstress


    Semir sah Andrea an. „Meinst du, dass es der Kleinen gefallen wird?“, fragte er und sah skeptisch auf das große Schaukelpferd. „Ich denke schon. Nur finde ich es etwas zu groß für Aida… sie wird gerade mal drei und das ist eher eins für ein Mädchen von sieben…“, lachte sie. „Egal… wir können ihr ja helfen aufzusteigen. Immerhin ist es sehr hübsch…“, entgegnete Semir. Nur noch knappe vier Wochen bis Weihnachten und diesmal schien sogar Petrus zu verstehen, dass es zu Weihnachten weiß sein sollte. Bereits seit Tagen schneite es und alles lag unter einer weißen Decke. „Komm wir kaufen es…“, lachte Semir und ging, das große Schaukelpferd hinter sich her ziehend, zur Kasse. Nur wenig später lag es im Auto. „So und nun fehlt nur noch dein Geschenk…“, grinste Semir. „Was bekomme ich denn?“, harkte Andrea sofort nach. „Na... du bist etwas zu neugierig. Ich werde dich zuhause absetzen und dann fahre ich und hole dein Geschenk. Ich will nicht dass du es vorher siehst.“, lachte Semir und schwang sich hinters Steuer.


    Ben Jäger saß in seinem Büro und sah raus. Es schneite. Und es sah verdammt kalt aus. Ausgerechnet jetzt hatte Semir Urlaub. Kurz vor Weihnachten. Klar… er hatte ja Familie und musste einiges einkaufen. Aber Ben wollte auch frei haben. Vielleicht sollte er ihn anrufen und etwas necken?, dachte Ben bei sich. Doch dann verwarf er den Gedanken wieder. Semir hatte den Urlaub doch verdient. Er hatte die letzte Zeit einiges an Stress gehabt. Nicht nur mit Andrea sondern auch beruflich. Sollte er sich doch die Zeit totschlagen und Geschenke kaufen. Man es schien heute überhaupt nicht aufzuhören zu schneien. Susanne klopfte an die Tür. „Hey.. du einsamer Held. Auch wenn du eigentlich nicht raus willst. Wir haben einen Unfall mit Todesfolge auf der A2. Vier Wagen sind ineinander gekracht. Fahr bitte hin.“, kam leise von ihr. Ben stöhnte und nickte. Im Großraumbüro stand eine kleine Tanne die voll geschmückt war. Dieses Jahr waren Lila-Töne in den Kugeln angesagt. Dieter und Hotte hatten das in die Hand genommen und Ben musste neidlos anerkennen, dass der Baum richtig toll aussah. Er zog sich seine dicke Daunenjacke über und verschwand. Die Kälte schien ihn regelrecht zu zerreißen. Ben steckte mit zittrigen Fingern den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn. Alles klappte und dann zog er an die Tür. Sie rührte sich nicht. „Oh man!!“, fauchte er wütend. Die Tür war eingefroren.


    „Semir….sei vorsichtig.. die Straßen sind sehr glatt...“, ermahnte Andrea ihn. Semir nickte. Er hatte die Wischer auf hoher Stufe stehen. Der Schnee sammelte sich schnell auf der Scheibe. „Diesmal sieht es ganz danach aus, als würden wir weiße Weihnachten bekommen. Wie schön das wäre. Aida und ich bauen einen riesigen Schneemann…“, strahlte Semir. Andrea lachte. „Ja das finde ich auch toll.“, stimmte sie zu. „Weißt du, ich dachte wir machen die Bescherung gegen sechs Uhr abends. Sie ist fast drei und da bekommt sie Weihnachten zum ersten Mal richtig mit. Die bunten Lichter am Baum…den Schnee… Wunderkerzen….einfach alles…“, zählte Semir auf. Andrea lachte auf. Semir benahm sich in dieser Zeit selbst wie ein kleines Kind. „Semir, das ist eine gute Idee. Übrigens, hast du schon mit Ben gesprochen?“, wollte Andrea wissen. Erschrocken sah Semir seine über alles geliebte Frau an. „Oh nein, das habe ich noch nicht. Aber das werde ich gleich heute Abend machen, wenn er wieder bei uns ist.“, erwiderte Semir. Seit einigen Tagen wohnte Ben bei den Gerkhans, weil in seiner Wohnung die Heizung ausgefallen war. „Weißt du, ich finde es richtig klasse, dass Ben bei uns ist. So kann er sich auch besser auf das Paten-Sein vorbereiten.“, lachte Andrea und sah in die weiße Winterpracht hinaus. Die Bäume waren bedeckt mit einer weißen Schicht und die Wiesen waren voll von kleinen Eisstellen, auf denen die Eltern mit ihren Kinder Schlittschuh liefen. „So, ich setze dich gleich ab und dann fahr ich noch mal los und hole deins und Bens Geschenk.“, meinte Semir, als er die Auffahrt seines Hauses erreichte. „Okay, bringst du nur schnell das Schaukelpferd in die Garage?“, bat Andrea. Semir nickte, parkte den Wagen und setzte seine Mütze auf. Innerhalb kürzester Zeit sah er aus, wie ein Schneemann. Andrea schloss die Haustür und das Garagentor auf und ging dann ins Haus. „Soll ich dir eine heiße Schokolade machen, bevor du gehst oder willst du sie trinken, wenn du wiederkommst?“, fragte Andrea in die Garage rufend. „Nein, ich hol erst die Geschenke.“, rief Semir zurück. „Bis gleich, mein Schatz.“, erwiderte er und im nächsten Moment hörte Andrea nur die Autotür klappen und Semir vom Hof fahren.


    ...

  • Endlich hatte Ben die Tür auf. Wieso hatte er auch das Frostschutzmittel bei Semir zu Hause gelassen? Es war in diesen Tagen einfach besser zu gebrauchen. Er könnte sich ärgern. Aber nun stieg er in seinen Wagen, stellte den Motor an und fuhr die Heizung hoch. „Ah... wie gut, dass ich Sitzheizung habe.“, lachte er und fuhr los. Nach nur wenigen Minuten war er an der Unfallstelle und sah Dieter und Hotte schon bei der Arbeit. „Hallo Ben... sieht übel aus.“, meinte Dieter zur Begrüßung und deutete auf den Blechwürfel, der sich um die mittlere Leitplanke und einen Brückenpfeiler gewickelt hatte. „Wie ist das passiert?“, wollte Ben wissen und zog sich seine schwarze Wollmütze auf und streifte sich seine warmen Handschuhe über, die er in seinem Wagen gelassen hatte. „Tja, die Unfallzeugen sagen aus, dass ein Wagen, die Farbe und Marke konnten sie im dichten Schneetreiben nicht erkennen, mit rasendem Tempo an den Passat vorbei fuhr und dann plötzlich rüberzog, weil er die Ausfahrt noch erreichen wollte. Tja und da der Räumdienst noch nicht bis hier gekommen ist, passierte das.“, beendete Dieter seinen Bericht. „Hm, wer ist der Tote?“, wollte Ben dann wissen. „Der Fahrer des Wagens. Sascha Brombach, gerade einmal 34 Jahre alt, Gymnasiallehrer an einem Kölner Gymnasium.“, erwiderte Hotte, der mit einem kleinen Wesen auf den Arm zu den beiden Kollegen trat. Das kleine Mädchen war in eine Decke gewickelt und schmiegte sich wärmesuchend an Hottes Schulter. Ben bekam einen Kloß im Hals, als er den kleinen Rotschopf an Hottes Schulter geschmiegt sah. „War sie mit im Unfallwagen?“, fragte er dann. Dieter nickte. „Gott sei Dank ist ihr nichts passiert.“, meinte er dann und rutschte auf dem Schneematsch zum Abschleppwagen hinüber.


    In Ben kochte die Wut auf. Wenn er diesen Kerl nur in die Finger bekam, dann... dann würde er ihn... „Ben?“, riss ihn Dieter aus den Gedanken. „Was sollen wir mit dem Auto oder dem Rest davon machen?“, wollte der Streifenpolizist wissen. „Ab zu Hartmut in die KTU. Ich will wissen, ob da nicht fremde Lacksplitter dran sind.“, fauchte Ben und sah, wie der Wagen auf den Abschleppwagen gehievt wurde. Man, der Tag fängt ja beschissen an, dachte er nur und sah wieder zu dem Mädchen hinüber. „Hat die Kleine noch Verwandte außer dem Vater? Was ist mit der Mutter?“, wollte er dann von Hotte wissen. „Sie ist nicht zu erreichen.“ „Was macht sie denn?“, kam die nächste Frage von Ben. „Tut mir Leid, das weiß ich nicht. Ich bring erstmal den kleinen Engel hier zum Notarzt.“, meinte er dann und Ben nickte nur. „Ich bin im Büro zu erreichen.“, rief er dann dem dicklichen Polizist hinterher und stieg in seinen Wagen. Die Fahrt forderte seine ganze Aufmerksamkeit, obwohl die Wut über diesen flüchtigen Fahrer der seine Geschwindigkeit nicht anpassen konnte sehr groß war. Warum rasten die Leute so, bei solch einem Wetter wo man kaum 5 Meter Sicht hatte? Er selbst hatte Probleme den Wagen zu halten, obwohl dieser für den Winter gerüstet war. Niemand konnte sich sicher sein, den Wagen zu beherrschen. Er kam unbeschadet auf dem Parkplatz der PAST an und ging in sein Büro.


    Semir bedankte sich bei dem Juwelier und wollte gerade aus dem Geschäft raus, als die Tür aufgestoßen wurde. Ein junger Mann kam herein und sofort waren Semirs kriminalistischen Sinne geschult. Kein Wunder, der Mann hielt eine abgesägte Schrotflinte in den Händen und richtete sie auf ihn. „Rein da!!“, fauchte er ihn an. Semir hob die Hände. „Hey... schon gut... ganz ruhig....okay?“, versuchte er den Mann zu beruhigen. „Schnauze!! Los Opa!! Mach die Kasse auf!!“, schrie der Mann den Juwelier an, während er Semir nicht aus den Augen ließ. „Du hast doch sicher auch Geld dabei oder?“, fragte er grinsend. „Leider nein.... ich habe...“, gab Semir leise von sich. Er wartete auf die Gelegenheit die Waffe an sich zu reißen und die Situation zu entschärfen. Der Juwelier zitterte vor Angst und tat was der Mann forderte. „Geld raus! Und dann noch die tolle Uhr da!!“, forderte der Räuber. Der Juwelier legte das Geld auf den Tresen. Ein sonderbarer Glanz trat in den Augen des Räubers. Er stieß Semir zur Seite und ließ dabei die Waffe sinken. Das war für Semir der richtige Zeitpunkt. Mit schnellen Bewegungen riss er die Waffe an sich. Doch der Räuber war nur für wenige Sekunden geschockt. Dann holte er aus und traf Semir empfindlich in der Magengegend. Semir ging mit einem Stöhnen in die Knie und der Räuber ergriff ohne Beute die Flucht. Semir raffte sich auf. Doch als er auf der Straße war, sah er nur noch die Rücklichter. Schnell rannte er zu dem BMW und wollte die Verfolgung aufnehmen. Der Wagen machte einen Satz. Semir wusste genau, dass die Wettersituation nun alles von ihm verlangen würde, dennoch wollte er diesen Mistkerl nicht einfach entkommen lassen. Das Schicksal nahm seinen Lauf.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Gino de Gusi sah seine Frau Angela an. „Hallo meine Süße...“, säuselte er und küsste sie. Eben hatte er erfahren, dass er ein weiteres Mal Vater wird. Stolz zeigte Angela das Ultraschallbild. „Das ist eine wunderbare Nachricht...einfach klasse... mein schönstes Weihnachtsgeschenk...“, strahlte er freudig. Angela nickte. „Ja...in sieben Monaten ist es soweit...dann kommt dein Sohn zur Welt. Neben Vanessa ist es dann unser zweites Goldstück.“, lachte sie glücklich. Gino nickte nur. „Ihr seid das Wichtigste, was ich in meinem Leben habe.“, gab er von sich. „So und nun hole ich Vanessa bei ihrer Freundin ab. Du wartest hier, klar?“, forderte er sie auf. Angela nickte. „Ja Papa...ich warte...“, lachte sie. Sie ahnte nicht, dass sie Gino zum letzten Mal lebend sah. Gino stieg in seinen dunkelgrünen VW-Passat und fuhr zu der Freundin von Vanessa, wo die Zweijährige den heutigen Tag verbringen durfte. Gino dachte während der Fahrt an seine Frau, die das zweite Kind unter seinem Herzen trug. Wie glücklich werden sie sein....zu viert....dachte er nur. Dann machte der Wagen einen kleinen Rutscher und Gino wurde daran erinnert, dass er sich auf die Straße konzentrieren muss. Das Wetter war eigentlich wunderschön, wenn man bedachte, dass nun bald das Fest der Liebe kam. Wenig später war er bei Ina und holte seine kleine Tochter ab. Weitere fünf Minuten später war er auf dem Heimweg.


    Semir griff zum Funk. „Cobra 11 an Zentrale!! Verfolge einen dunkelblauen Mitsubishi Colt in Richtung Kölner Innenstadt! Der Fahrer ist ca. 25 Jahre alt und hat eben versucht einen Juwelier zu überfallen. Wir sind jetzt auf der Friedrich-Koch-Straße in Höhe es alten Museums! Brauche Unterstützung!“, gab er durch. „Cobra 11 hier Anton 2....sind in der Parallelstrasse und beteiligen uns an die Jagd!“, kam als Antwort. „Danke und Ende!“ Semir hängte das Mirko ein. „Dich krieg ich noch... mein Freund...so nicht!“, warnte er seinen Gegner und raste auf die nächste Ampel zu. Verdammt, das wird eng, dachte Semir und trat das Gaspedal noch mehr durch. Doch durch den frischen Schnee, den Sand und den Matsch auf den Straßen und der zu hohen Geschwindigkeit wurde Semirs Wagen zu einem tödlichen Gegenstand. Während sein Verfolgter noch gerade so um die Ecke an der Kreuzung bog, konnte Semir nicht mehr rechtzeitig bremsen und schoss in den Verkehr hinein. Sofort hielt sich der Kommissar am Lenkrad fest, trat die Bremsen mit voller Wucht durch, doch es war zu spät. Er rammte einen dunkelgrünen Passat direkt in die Fahrerseite. Für einen Moment dachte er, das Gesicht des Mannes erkennen zu können, bevor sein Kopf auf das Lenkrad schlug. Im nächsten Moment spürte er nur noch das Aufgehen des Airbags und wie sein Blut ihm die Stirn entlang lief. Einen Moment war es still und nichts rührte sich auf der Kreuzung. Nach wenigen Minuten kam Semir wieder zu sich und fühlte einen stechenden Schmerz in seinem Kopf. Vorsichtig und langsam richtete er sich auf und sah das Chaos vor sich. „Der andere Wagen... der Fahrer.“, schoss es ihm plötzlich durch den Kopf. So schnell es seine Verfassung erlaubte, öffnete er seine Tür, rannte um die beiden Fahrzeuge herum und schwang die Beifahrertür des Passats auf. Ein kleines Mädchen saß auf dem Rücksitz des Fahrzeugs und weinte bitterlich vor sich hin. Semir sah erstarrt auf den mit Blut überströmten Mann und streckte seine Hand aus. Er führte sie vorsichtig zum Hals und fühlte den Puls, doch es war zu spät. Der Mann war tot. Geschockt sah Semir ihn an, die Augen waren weit aufgerissen und der Kopf hing zur Seite, Blut trat aus diversen Wunden am Kopf. Erst jetzt wurde Semir durch das Geschrei des kleinen Mädchens aus den Gedanken gerissen. Schnell holte er die Kleine aus dem Kindersitz und dem Auto. Als er neben dem Wrack stand, sah er sich um. Die Schaulustigen sahen mit vorwurfsvollen Blicken auf ihn, deuteten auf ihn und tuschelten.


    ...

  • Kurz, nachdem Semir das Mädchen aus dem Wagen befreit hatte, tauchten auch schon die ersten Kollegen auf. Sofort kamen sie auf Semir zu und sahen ihn an. „Was ist passiert?“, wollte einer der Kollegen wissen und der Deutschtürke sah ihn nur mit tränendem Gesicht an. Ihm war bewusst, dass er soeben einen Unschuldigen Menschen auf dem Gewissen hatte, getötet, weil Semir einen Kleinkriminellen jagen musste. „Ich... ich habe einen Verdächtigen gejagt... er... er ist hier abgebogen und ich... ich bin auf die Kreuzung geschliddert und dann...“, er deutete auf das Autowrack. Der Kollege nickte. „Ist das ihre Tochter?“, wollte der Stadtpolizist wissen. Semir verneinte. „Die Kleine saß in dem Wagen dort. Ihr Vater... er .... er ist tot.“, erwiderte der Deutschtürke mit einem Kloß im Hals. „Kommen sie... ich bring sie zum Krankenwagen.“, meinte er dann und nahm Semir das Mädchen ab. Ergeben nickte der Hauptkommissar und ließ sich zu den eben eingetroffenen Krankenwagen bringen. Von der Trage aus sah er, wie die Kollegen der Unfallaufnahme daran gingen, die vorhandenen Spuren am Tatort zu sichern und alles zu protokollieren. Semir merkte nicht, wie der Arzt Hand an ihm legte und seine Wunde säuberte, mit Desinfektionsmittel reinigte und dann einen Verband anlegte. Er war vollkommen fertig mit den Nerven. Sein Blick fiel auf seine Hände. Sie zitterten und das nicht zu knapp. War das der Schock? Würde das wieder verschwinden oder für immer bleiben?


    Ben saß wieder in seinem Büro und schrieb den Bericht, als die Tür aufging und Susanne reingestürmt kam. „Ben... du musst sofort zum alten Museum fahren... Semir hatte einen Unfall.“, stieß sie aus. Geschockt ließ Ben alles stehen und liegen, schnappte sich seine Jacke und rannte zu seinem Wagen. Mit einem kräftigen Ruck riss er die Tür auf, dabei wäre er beinahe auf dem neuen Schnee ausgerutscht, und schwang sich in seinen Wagen. Mit hoher Geschwindigkeit und eingeschaltetem Blaulicht fuhrt er zum alten Museum und sah schon von weitem die zusammengeschobenen Autos. Bitte, nicht Semir, dachte Ben nur und rannte auf die Unfallstelle zu. Er sah sich um, als er die Absperrung erreicht hatte und entdeckte Semir, aufrecht in einem Krankenwagen sitzend. Erleichtert atmete Ben auf und ging auf den Wagen zu. „Wieso hatten sie das Blaulicht nicht eingeschaltet?“, hörte er dann eine vorwurfsvolle Stimme, die Semir zu befragen schien. „Jäger Kripo Autobahn!“, ging er dazwischen. „Hauptkommissar Wagner, Verkehrspolizei.“, stellte sich der Mann vor. „Ich…ich hab einen Mann umgebracht…“, stieß Semir leise aus. Ben sah ihn betreten an. „Was ist genau passiert?“ fragte er heiser. „Ihr Kollege hat eine Verfolgung veranstaltet. Ohne Blaulicht und ohne Sirene! Völlig fahrlässig hat er dann die Vorfahrt missachtet und ist dann in den Wagen des Herrn de Gusi gerast. Herr de Gusi ist noch hier verstorben, Genickbruch. Seine kleine Tochter wurde eben mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht. Vermutlich innere Verletzungen. Der Kollege behauptet einen Dieb verfolgt zu haben… hat auch über Funk Verstärkung angefordert, konnte aber scheinbar nicht warten.“, kam verächtlich von dem Mann.


    Angela saß am Tisch und wartete auf ihren Mann und der kleinen Gina. Doch die Zeit ging dahin und niemand kam. Dann endlich klingelte es. Sie ging freudig zur Tür und öffnete „Hallo mein….“, fing sie an und stockte. Vor der Tür standen zwei Polizisten. „Frau de Gusi?“, fragte der ältere Mann. Angela nickte. „Ja…was ist? Ist was passiert? Mit Gino?“, fragte sie ängstlich. Der Mann nickte. „Wo ich meine….“, Angela wagte es nicht zu fragen. „Wo…ist Gina?“, kam leise über ihre Lippen. „Frau de Gusi… Ihre Tochter liegt im Kinderkrankenhaus. Sollen wir Sie hinbringen?“, bot der Mann an. Angela nickte. „Ist mein Mann auch im Krankenhaus?“, wollte sie wissen. Betreten sah der Mann zu Boden. „Frau de Gusi… es tut mir Leid, aber Ihr Mann…ist leider am Unfallort verstorben. Die Verletzungen waren zu schwer… Mein Beileid…“, erklärte er leise. Angela sah ihn an und stieß ein irre klingendes Lachen aus. „Das ist nicht wahr…das geht nicht… ich bekomme doch ein Kind von ihm…er kann nicht einfach gehen…er darf nicht einfach… gehen…“, stieß Angela aus und brach im gleichen Moment zusammen. Sofort griff der Polizist beherzt zu. Angela weinte leise. „Bitte bringen Sie mich zu meinem Engel…bitte…“, schluchzte sie. Die Fahrt ging ins Kinderkrankenhaus in der Amsterdamer Strasse. Dort wurde Angela auf die Intensivstation gebracht. Voller Angst stand sie im Flur. „Sie sind Frau de Gusi? Ihr Tochter…sie wurde sehr schwer verletzt bei dem Unfall. Der kleine Kopf muss bei dem Aufprall sehr heftig geschleudert worden sein und…“, erklärte der Arzt, als er aus dem Untersuchungsraum kam. Angela sah ihn stumm an. „Was…soll das heißen?“, fragte sie nach einer Weile. „Gina liegt im Koma. Wir werden alles Mögliche tun, aber wir…wir können nicht sagen wann sie wieder aufwacht. Es liegt nicht in unserer Macht…“, gab der Arzt leise zurück.

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  • Auch Andrea wartete auf Semir. Warum kam er denn nicht? Hatte er sich irgendwo verquatscht? Oder hatte er einen Unfall? Nein… das geht nicht… Semir war ein guter Fahrer. Er steckt vielleicht nur im Schnee fest… ja das wird es sein… das wird es sein, bekräftigte sie sich in Gedanken. Eine Stunde dauerte es. Andrea brachte Aida ins Bett und räumte den Tisch wieder ab. Endlich ging der Schlüssel. „Mensch Schatz, wo warst du denn?“, tadelte Andrea ihren Mann. Doch er war nicht allein. Im Schlepptau hatte er Ben und zwei uniformierte Kollegen. „Was ist passiert?“, fragte sie erstaunt. Ben sah sie an. „Andrea… Semir…hat einen Unfall verursacht und…“, fing er an. „Oh mein Gott… ist jemanden etwas passiert?“, wollte Andrea wissen und hatte auch Angst vor der Antwort. „Der Fahrer des anderen Wagen…er verstarb noch am Unfallort. Semir …er hat…“, versuchte Ben zu erklären. Andrea nahm Semir in den Arm und drückte ihn einfach nur an sich. „Andrea… Semir wird vom Dienst suspendiert und er muss sich wegen „gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr mit Todesfolge“ verantworten… Er steht unter Hausarrest…“, erklärte Ben. „Hausarrest?“, harkte Andrea nach. „Das ist die einzige Möglichkeit ihn vor dem Gefängnis zu schützen…“, erklärte Ben weiter. „Ich habe ihn umgebracht… ich habe ihn einfach umgebracht…ich bin ein Mörder…“, stieß Semir leise aus. Er setzte sich ins Wohnzimmer und starrte einfach vor sich hin. „Ich bin ein Mörder…“ wiederholte er. „Semir! Es war ein Unfall!! Ein schrecklicher Unfall!“, widersprach Andrea. Doch Semir war nicht dieser Auffassung. „ANDREA... ich habe einen Menschen ermordet.“, schrie er seine Frau an und wieder waren Tränen in seinen Augen. Er ließ sich aufs Sofa zurückfallen und weinte bitterliche Tränen. Andrea wagte nicht, sich zu rühren. So wurde sie nur ein einziges Mal von ihrem Mann angefaucht... nach dem Tod von Tom.


    Andrea drehte sich zu Ben um und sah ihn an. „Kann ich dich kurz sprechen?“, bat sie und Ben nickte nur. Gemeinsam gingen sie in die Küche. „Ben, was ist genau passiert?“, wollte sie wissen. Der junge Hauptkommissar holte tief Luft und setzte zum Erklären an. „So wie es aussieht hat Semir einen Verdächtigen gejagt, dabei allerdings weder Blaulicht noch Signalanlage eingeschaltet. Scheinbar hat er dabei ziemlich auf das Gas gedrückt. An einer Kreuzung konnte er dann durch den Schneematsch nicht mehr rechtzeitig bremsen und ist einem Passat direkt in die Fahrerseite gekracht... Der Fahrer verstarb noch vor Ort, seine kleine Tochter liegt mit schwersten Verletzungen im Krankenhaus.“, erklärte Ben und sah mit betrübtem Gesicht zu Andrea. Die Frau hatte sich die Hand vor dem Mund geschlagen und schrie tonlos. „Was wird jetzt mit Semir?“, wollte sie dann nach einer Weile wissen. „Bis die Untersuchungen abgeschlossen sind, wird er hier zu Hause bleiben müssen. Danach... das kann ich beim besten Willen nicht sagen.“, kam es ungewiss von Ben. Andrea sah zu ihrem völlig verstört wirkenden Mann hinüber. Das würden sehr schwere Tage und Wochen werden, das wusste sie. Und es waren noch viereinhalb Wochen bis Weihnachten.


    ...

  • 2. Kapitel - Ich bin ein Mörder


    „Frau Krüger, aus den Untersuchungen geht eindeutig hervor, dass Herr Gerkhan der Unfallverursacher ist. Er muss die Konsequenzen für sein Handeln tragen. Fahren ohne vorschriftsmäßige Ausweisung eines Polizeieinsatzes, überhöhte Geschwindigkeit im Stadtgebiet und überschätzte Selbstsicherheit.“, zählte Kommissar Wagner von der Verkehrspolizei auf. „So leid es mir tut, aber ich muss den Kollegen Gerkhan wegen Unfall mit Todesfolge und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr festnehmen.“, fügte der Mann hinzu. „Herr Wagner, ich verstehe sie ja, aber finden sie nicht, Herr Gerkhan hat es schon schwer genug? Warum müssen sie ihn ins Gefängnis stecken?“ „So sind die Vorschriften, Frau Krüger. Glauben sie, der Witwe wird es begreiflich sein, warum ich den Mörder ihres Mannes noch auf freiem Fuß lasse?“ „Herr Wagner, mein Kollege befand sich in einem Polizeieinsatz... das ist erwiesen. Sie haben doch die Aussage vom Juwelier und den Kollegen der Stadtpolizei, die beide, unabhängig voneinander, bestätigen, dass Semir Gerkhan an den Flüchtigen dran gewesen ist.“, versuchte Kim die Situation zu entschärfen. „Das mag ja sein, aber warum hatte er weder das Dachblaulicht aufgesetzt, noch seine Lichtanlage oder die Sirene eingeschaltet? Wissen sie, für sie von der Autobahnpolizei mögen diese Dachaufsätze ja störend ein, aber in einem Stadtgebiet und vor allem bei solchen Wetterverhältnissen sind sie nun einmal Vorschrift.“, fauchte er und wollte das Büro verlassen, als er sich noch einmal umdrehte. „Und noch eins... die Kollegen haben den Räuber nicht stellen können, er wäre der einzige, der Herr Gerkhans Geschichte noch einmal bestätigten könnte. Den Bericht muss ich an die Staatsanwaltschaft weiterleiten. Es tut mir Leid für ihren Kollegen.“, meinte er und schloss die Tür. Kim ließ sich in den Sessel zurückfallen. „Arschloch.“, stieß sie aus und nahm sich noch einmal den Bericht vor. Sie wollte Semir unbedingt helfen. Er durfte einfach nicht ins Gefängnis kommen.


    Auch der Morgen bei Familie Gerkhan fing nicht gerade rosig an. Semir saß, in seinem Bademantel gehüllt, unrasiert und vollkommen lustlos, in seinem Sessel und starrte in die weiß fallende Pracht hinaus. „Morgen...“, kam es verschlafen von Ben, als dieser aus dem Gästezimmer trat und sich die Augen rieb. Doch Semir antwortete nicht, er sah seinen Partner nicht einmal an. Still und leise saß er da und schluchzte nur. Ben wollte zu ihm gehen, doch Andrea hielt ihn fest. „Er sitzt schon die halbe Nacht so da. Semir hat kaum geschlafen, sich immer wieder im Bett gewälzt und ist schreiend aufgewacht. Als ich ihn beruhigen wollte, ist er ins Wohnzimmer geflohen.“, erklärte sie mit trauriger Stimme und sah Ben an. Dieser wusste nicht wirklich, was er machen sollte. So hatte er Semir noch nie gesehen. „Hey.... willst du reden?“, wollte er wissen und setzte sich neben Semir auf die Lehne. „Was gibt es denn zu reden? Ich habe einer Familie schreckliches zugefügt. Ich bin Polizist und sollte die Menschen beschützen und nicht umbringen...“, stieß Semir verzweifelt aus. „Semir.... es war ein Unfall.“, beschwor Ben ihn. „Ja sicher... ein Unfall den ich hervorgerufen habe... Nein Ben... so einfach ist es nicht. So einfach kann man das nicht abschieben. Ich habe diesen Mann getötet und vielleicht sogar das Kind... die Mutter ist schwanger und ich nehme ihr alles...alles was für sie wichtig ist...Verdammt...ich bin ein Killer!“, Semir fing an zu weinen. Ben wusste nicht wie er sich verhalten sollte.


    Kommissar Wagner fuhr mit seinen Kollegen zum Haus von Semir Gerkhan. Soweit kam das noch, dass nur, weil man Polizist ist, das Gesetz so legt wie man es braucht. Dieser Mistkerl ist mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Straßen gerast und hat eine Familie zur Hälfte ausgelöscht. „Der Kerl kann nur froh sein, dass ihm kein Alkohol nachgewiesen werden konnte. Aber mir ist es ziemlich egal, ob er Kollege ist oder nicht. Solche Raser gehören in den Knast...“, fauchte der Kommissar. Seine Gedanken gingen nur wenige Jahre zurück. Als Janine, süße vier Jahre alt, auf der Straße spielte. In einer verkehrsberuhigten Zone. Er sah noch wie ihre dunklen langen lockigen Haaren im Wind wehten und wie sie lachte. Tränen füllten seine Augen. Er dachte weiter an das, was damals geschah. Gerade kam er vom Dienst nach Hause und wollte seine kleine Tochter in den Arm nehmen, als ein Auto mit mehr als achtzig Sachen durch die Spielstraße fuhr. Seine kleine Janine hatte keine Zeit. Er sah sie, wie sie vom Auto erfasst und wie sie durch die Luft geschleudert wurde. Er sah sie, wie der kleine zarte Körper auf dem Bordstein zerschlug. Nur ein Jahr nach der Beerdigung ging seine Ehe in die Brüche. Patrizia konnte nicht mehr mit ihm leben, weil er nur noch für seinen Beruf lebte und diese Raser von der Straße schaffen wollte. Kein Elternteil sollte diesen Schmerz erleben. Martin Wagner wusste, dass es ein Kampf gegen Windmühlen war, aber er musste es tun. Er hatte es Janine am Grab geschworen, jeden Raser den Garaus zu machen. Und er würde vor Gerkhan keinen Halt machen. Auch er gehörte hinter Gitter.

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  • Andrea ging zur Tür als es klingelte. Vor der Tür standen drei Polizisten. „Wagner.... Verkehrspolizei Köln. Frau Gerkhan?“, fragte der Mann. Sie nickte. „Wo ist Ihr Mann?“, kam die nächste Frage. „Im Wohnzimmer, warum?“, wollte sie wissen. Der Mann zog ein Schreiben heraus. „Wir haben einen Haftbefehl für ihn. Er wird wegen fahrlässiger Tötung und rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr.“ Der Mann drängte Andrea zur Seite und drang in das Haus ein. „Hey!! Das ist doch....!“, empörte sie sich. Wenig später hörte sie Ben fluchen. Sie ging hinterher. Semir wurden die Handschellen angelegt. Er ließ es gewähren. Wehrte sich nicht, mit gesenktem Kopf ließ er sich abführen. „Hören Sie!! Das ist ein Irrtum!! Er hat jemanden verfolgt!“, versuchte Ben alles um die Verhaftung zu verhindern. Doch dieser Wagner schien für keinen Vorschlag zugänglich zu sein. „Lass gut sein, Ben... es ist in Ordnung... ich gehöre in den Knast...“, gab Semir leise von sich. „Das ist doch gequirlte Scheiße, was du da redest!! Ich werde sofort Krüger informieren!!“, kam von Ben. Die Männer fuhren ab. Ben sah Andrea an. Sie hatte Tränen in den Augen. „Ben... Semir geht im Gefängnis kaputt... die Typen da werden ihn fertig machen....“, gab sie ihre Angst bekannt. Ben nickte. „Ja nicht nur die. Im Augenblick ist er die größte Gefahr für sich selbst. Ich fahre zur Krüger.... sie muss Haftverschonung bekommen. Er gehört dort nicht hin...“, kam wütend von Ben. Schon war auch er verschwunden.


    Angela saß am Bett der kleinen Gina. Sie streichelte den kleinen Kopf. „Mein kleiner Engel. Bitte komm zu mir zurück....geh nicht zu Papa...bitte meine kleine Gina....ich brauche dich doch...“, weinte sie leise. Ein Arzt kam herein. „Frau de Gusi...kann ich Sie kurz sprechen?“, bat er. Angela nickte und stand auf. „Wir haben die Computertomografie durch. Ein Gutes ist, dass sie keine Gehirnschädigung hat. Sie wurde durch den Aufprall zwar sehr durchgeschüttelt, aber dank des Kindersitzes konnte eine schlimmere Verletzung verhindert werden. Sie wird wieder gesund. Nur wird es sicher noch dauern. Erst müssen die Brüche im Kopf heilen. Die Schädeldecke weist ein paar Risse auf und wir müssen damit rechnen, dass sich Wasser im Hirn ansammelt, aber solange sie hier liegt, können wir ihr auch helfen.“, gab der Arzt seinen Bericht. Angela hörte nur zur Hälfte zu. Ihr Blick bliebt bei Gina, die mit Maschinen beatmet wurde. Das Piepen des EKGs und des EEGs erfüllten den Raum. Angela weinte leise. „Gina... bitte... komm wieder zu uns zurück.“, weinte sie und betete. Sie betete zu Gott, flehte ihn um das Leben ihrer kleinen Tochter an. „Du hast schon meinen Mann zu dich gerufen. Bitte, nimm mir nicht auch noch meine Tochter.“, flehte sie das Holzkreuz über dem Bett der kleinen Gina an.


    Kim sah auf, als Ben ins Büro gestürmt kam, ohne zu klopfen. „Ben, was soll der...“, weiter kam sie nicht. Ben stützte sich mit voller Wut auf ihren Schreibtisch. „Was gedenken sie zu unternehmen, um Semir aus dem Gefängnis zu holen?“, fragte er laut. Kim sah ihn erschrocken an. „Semir ist... ist...“ „Ja, er wurde gerade vor meinen Augen verhaftet. Ich dachte, der Hausarrest würde reichen, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind. Was soll das Ganze, Chefin?“, fauchte er und in seiner Stimme lag die ganze Schuld, die er Kim zuschob. „Ben... ich... wir... ach, ich weiß doch auch nicht, was ich tun soll. Laut Vorschriften gehört Semir nun mal ins Gefängnis bis die Untersuchungen abgeschlossen sind.“, meinte sie niedergeschlagen und versuchte, den funkelnden Blick von Bens Augen auszuweichen. „Frau Krüger, sie wissen ganz genau, dass Semir dann kaputt geht. Es sitzen doch im Knast mehr Verbrecher, die mit Semir eine Rechnung offen haben, als Wachpersonal da ist. Und im Moment sind die genauso gefährlich, wie Semir für sich selbst. Ich hab einfach Angst um ihn. Angst, dass er sich in seiner Verzweiflung etwas antut. Verstehen sie das?“, fauchte Ben nur und sah Kim erneut an. „Das verstehe ich Ben, aber was sollen wir denn tun? Wir müssten diesen Kleinkriminellen finden. Nur dann können wir beweisen, dass Semir wirklich im Einsatz war. Ich werde inzwischen mit der Staatsanwältin reden und sie davon überzeugen, dass bei Semir keine Fluchtgefahr besteht.“, erwiderte Kim und sah, dass sich Ben langsam wieder beruhigte. Er nickte kurz und machte sich dann an die Arbeit. Auch Kim nahm den Hörer zur Hand und wählte die Nummer der Staatsanwaltschaft.


    ...

  • Semir wurde von den Kollegen nach Ossendorf in das Gefängnis gefahren. Sein Blick war, seit dem Morgen, unverändert. Noch immer starrte er geradeaus und sah weder nach links oder nach rechts. Das große Tor öffnete sich und der Wagen fuhr in den Innenhof. Dann wurde gestoppt und Semir von den Beamten nach draußen in die Kälte gezogen. Ohne ein Widerwort ließ er sich vorwärts drücken. „Was bringst du heute, Wagner?“, fragte einer der Vollzugsbeamten hinter einem Trenngitter. „Einen Raser... Unfall mit Todesfolge.“, erwiderte er und sah herablassend auf Semir herunter. Dieser sah nur geradeaus und immer wieder liefen ihm die Tränen stumm die Wange entlang. „Okay, dann soll er mal alles abgeben, was er an Wertsachen dabei hat und wir suchen ihm dann ein hübsches Zimmer.“, meinte der Beamte verächtlich und reichte durch den kleinen Schlitz einen braunen Briefumschlag. „Hier... alle Wertgegenstände rein.“, fauchte Wagner und hielt Semir den Briefumschlag hin. Ihm wurden die Handschellen aufgeschlossen und ohne jegliche Regung tat Semir, was von ihm verlangt wurde. Einzig seinen Ehering wollte er nicht ablegen. „Den auch, bitte.“, kam es fordernd von dem Beamten und deutete auf den Ringfinger von Semir. Energisch schüttelte Semir den Kopf und hielt seinen Ring fest. Das konnten sie nicht von ihm verlangen. Nein, das war das einzige, was er von Andrea besaß und was ihn an seine Familie erinnerte, sie immer bei ihm zu haben. „Willst du nicht? Wir können auch anders.“, fauchte der Beamte und winkte zwei weitere Vollzugsbeamte heran, die versuchten, Semir den Ring abzunehmen. „Nein.“, schrie er und wehrte sich heftig dagegen. „Seien sie vernünftig, Gerkhan, und geben sie uns den Ring.“, schrie Wagner und griff mit ein. Beinahe brachen sie Semir die Hand und den Finger, doch dann bekamen sie den Ring auch so. Semir hielt sich seine schmerzende Hand und sah den blässlichen Streifen über seinem Ringfinger. „Ich seh schon. Wir beide werden viel Freude miteinander haben.“, lachte der Wärter, der vor ihm stand und grinste mit einem hämischen Lachen Semir an.


    Ben saß derweil am Computer und arbeitete die Akten durch, die die Kollegen vom Raub beim Juwelier angelegt hatten. Viel war es nicht. Der Mann war maskiert und schien ziemlich nervös zu sein. Durch die dichte Bekleidung fielen auch jegliche Merkmale, wie Tattoo oder anderer Schmuck vollkommen weg. Einzig die Fingerabdrücke auf der Schrotflinte waren ein Anhaltspunkt, doch da sie durch Semirs Eingreifen zum großen Teil verwischt worden waren, blieb nur ein Teilabdruck zurück, den die Kollegen aber nicht zuordnen konnten. „Ein Fall für Hartmut.“, dachte Ben, nahm das Beweisstück und fuhr damit zu Hartmut in die KTU.


    „Hartmut!!!“, schrie er laut. „Ja, hier hinten!“, kam zurück. „Ich brauche sofort die Fingerabdrücke hier von der Flinte!“, erklärte Ben. „Ja sicher... kannst du haben. Leg mir das Ding da hin. Ich ruf dich an.“, gab Hartmut zurück. „Ich warte…Hartmut… es geht um Semir!“, erklärte Ben weiter. Hartmut sah endlich von seinem Mikroskop hoch. „Hör mal Ben… jedes Mal wenn ich keine Zeit habe, dann tauchen du und Semir hier auf und macht auf ganz dringend... und wenn ich es dann erkläre, dann habt ihr keine Zeit. Was ist denn jetzt so wichtig?“, maulte Hartmut. „Es geht um Semir…. Er hat einen Unfall gebaut, weil...“, fing Ben an. Hartmut lachte leise. „Ist doch nichts neues… Semir baut ständig Unfälle…“, meinte er nur. Ben sah ihn an. „Ich lache morgen darüber oder wenn Semir aus dem Gefängnis ist.“, fauchte Ben wütend. Das Lachen von Hartmut erstarb. „Was? Wieso Gefängnis?“, wollte er wissen .Ben erzählte ihm, was passiert war. Sofort ließ Hartmut alles liegen und machte sich an die Sicherung der Abdrücke. „In fünf Minuten hab ich das Ergebnis!“, gab Hartmut bekannt. Ben lief derweil auf und ab. Doch das machte den Techniker nervös. „Man Ben! Setz dich hin!“, fauchte er ihn an. „Semir…ist im Knast… er hat völlig abgeschaltet….“, murmelte er. „Kein Wunder… ich meine immerhin ist ein Mensch gestorben und ein kleines Mädchen liegt im Koma. Da würde ich auch abdrehen. Ausgerechnet er…“, meinte Hartmut nur. „Hast du schon was?“, wollte Ben wissen. „Noch nicht… der Computer sucht noch... aber wenn der Typ bekannt ist, dann finden wir ihn auch.“, versprach Hartmut.

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    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Auch Kim Krüger war dabei Semir helfen zu wollen. Sie rief den Oberstaatsanwalt an. „Herr Blumenhagen… es ist zwar richtig, dass Herr Gerkhan fahrlässig gehandelt hat, aber das ist auch verständlich. Er war hinter einem Dieb her, der ihn vorher mit einer Waffe bedroht hat. Gerkhan hat nur seinen Job gemacht. Das der Wagen aus der Seitenstraße kam war doch nicht voraus zu sehen.“, versuchte sie ihm zu erklären. „Frau Krüger… Herr Gerkhan hätte damit rechnen müssen! Aber ich will nicht so sein. Herr Gerkhan hat ja doch schon einige hinter Gitter gebracht und ich denke, es reicht aus wenn wir ihn unter Hausarrest stellen. Sie haben die Verantwortung. Sie sorgen dafür, dass er ständig erreichbar ist. Und Sie werden dafür sorgen, dass er keinen Kontakt zu der Witwe bekommt. Das Entlassungsgesuch wird für morgen früh vorliegen. Er muss leider eine Nacht im Gefängnis verbringen. Aber ich werde dafür sorgen, dass er eine Einzelzelle bekommt.“, versprach Blumenhagen. „Danke… das ist sehr entgegenkommend…“, bedankte sich Kim und legte erleichtert auf. Doch sie griff gleich direkt zum Hörer und wählte Andrea Gerkhan an. „Frau Gerkhan…hier ist Kim Krüger… ich habe die Haftverschonung für Ihren Mann erreicht. Er wird morgenfrüh wieder bei Ihnen sein.“, erklärte sie. „Danke.. Frau Krüger… vielen Dank….“, weinte Andrea. Kim legte auf. Nun musste Ben Jäger nur endlich Spuren finden. Sie mussten den Räuber finden. Nur der konnte Semir Gerkhan entlasten. Aber würde ein Verbrecher zu Gunsten eines Polizisten aussagen? Die Hoffnung darauf war sehr gering.


    Aaron Speck saß in seinem Wohnzimmer und sah gerade die Nachrichten. Den Bullen der ihn verfolgt hatte, hatte er sehr schnell abhängen können. Im Fernsehen lief gerade ein Bericht über einen Unfall mit Todesfolge. Er sah kurz den Fahrer und erkannte den Mann aus dem Juwelierladen. „Tja… da hast du wohl Pech gehabt….“, sagte er leise zu sich. Aber ärgerlich war es doch. Er hatte sich alles so toll ausgerechnet. Und nun... Keine Beute und keine Waffe mehr. Wie sollte er sich jetzt den nächsten Schuss setzten? Aaron merkte langsam, wie der kalte Entzug in ihm aufstieg und ihn schon verrückt machte. Sein ganzer Körper zog sich krampfartig zusammen. Er brauchte dringend Geld für den nächsten Schuss. War da nicht was im Supermarkt an der Autobahn zu holen? Klar. Schnell holte sich Aaron ein langes Messer aus der Küche und ging los. Er würde einige Zeit brauchen, bis er dort war. Doch dann konnte er sich wieder mit Drogen voll pumpen... bis ihm wieder das Geld ausging... er saß in einem Teufelskreis fest. Da selbst rauszukommen war so gut wie unmöglich.


    Semir wurde mit seinen neuen Sachen in den Zellentrakt geführt. Hier sollte er also den Rest seines Lebens verbringen? Das ist das, was ich verdient habe, dachte er sofort wieder und fand sich mit seinem Schicksal ab. „Los, rein mit dir Gerkhan.“, fauchte ihn der Wärter an und hielt eine Zellentür für ihn offen. Semir sah ihn nicht an, ging einfach an ihm vorbei und in sein neues Zuhause. Mit einem großen Knall wurde die Zelle geschlossen und verriegelt. Unbehagen stieg in ihm auf, als er sah, wer sich alles in diesem kleinen Raum, er dürfte noch kleiner als Bens und sein Büro sein, befand. „Ach nee, der Gerkhan. Hat man dich endlich aus dem Verkehr gezogen?“, lachte Paschelke und sprang von seinem Hochbett runter. Mit einem zufriedenen Grinsen kam er auf Semir zu, baute sich vor ihn auf. Der Deutschtürke wich immer weiter zurück. „Was denn? Hast du mich nicht vermisst?“, fragte er und ballte die Faust. Semir wagte nicht, zu sprechen. Er würde ihn sicherlich zu Tode prügeln. Langsam schmiegte sich Semir an der Wand entlang und ging zu dem noch freien Bett, ließ die Sachen auf die Matratze fallen und drehte sich wieder zu Paschelke um. Doch schon in diesem Moment kam die Faust und fuhr Semir in den Magen. Wie ein Klappmesser fiel der Kommissar zu Boden, krümmte sich und hechelte nach Luft. Paschelke trat zu und traf Semir im Gesicht. Der Deutschtürke schrie auf und hielt sich die Hand schützend vor sein Angesicht, wollte die Schläge parieren, doch nun kamen die anderen beiden Zellengenossen und traten ebenfalls auf den am Boden liegenden Mann ein.


    Andrea stand am Fenster und sah den Flocken beim Fallen zu. Ihr Mann würde morgen wieder da sein. „Gott sei Dank.“, stieß sie aus und sah nicht, wie Aida vor ihren Beinen stand. „Wo ist Papa?“, rief die Kleine aus und wollte doch mit Semir heute in den Schnee hinaus. „Och meine Kleine, der Papa musste ganz dringend weg. Er kommt aber morgen wieder.“, meinte Andrea und hob ihre Tochter auf. „Papa wollte mit Aida Schneemann bauen... will Schneemann bauen.“, fing die Kleine an zu quengeln und sah Andrea an. Sie wusste in dem Moment nicht, was sie tun sollte. Stimmt, Semir hatte noch auf der Heimfahrt zu ihr gesagt, wie er mit Aida doch einen Schneemann bauen würde. Hoffentlich würde er das morgen machen, wenn er wieder da war. Semir konnte sich doch nicht so gehen lassen. „Aida will im Schnee spielen.“, quengelte das Kind weiter. „Aida... komm, ich mach dir eine heiße Schokolade und dann gehen wir beide Rodeln, okay?“, meinte Andrea und küsste ihre kleine Tochter auf die Stirn. Sie nickte nur und deutete auf die weißen Flocken draußen. „Will mit Papa im Schnee spielen.“, kam es nur von Aida. Andrea sah sie gequält an und hoffte, dass Semir bald wieder da sein würde.


    ...


    Frohe Weihnachten all unseren Lesern und frohe Feiertage

  • Ben lief nervös auf und ab. „Hartmut, hast du schon irgendwas? Das kann doch nicht so lange dauern?“, fragte er fauchend und trank einen Kaffee nach den anderen. „Ben... setz dich hin und hör auf, meinen Kaffee in dich hinein zu schütten, als wäre es Wasser.“, erwiderte der Techniker fauchend. „Für meinen Geschmack ist das Wasser.“, kam es nur murrend vom jungen Hauptkommissar. Hartmut schüttelte nur den Kopf und konzentrierte sich weiterhin auf seine Arbeit. Plötzlich zeigte der Computer einen Fund an. „Hier Ben, ich hab was.“, meinte er und sofort war der Kommissar bei ihm und schaute dem Techniker aufgeregt über die Schulter. „Aaron Speck…. Glockengasse 3…das passt… Druck mir alles aus!!“, forderte Ben. „Hey.. nun warte mal… der Kaffee scheint dir mächtig den Kopf zu …“, fing Hartmut an. „Nicht reden, machen! Semir will nach Hause!“, faucht Ben zurück. Hartmut zuckte mit den Schultern und druckte Ben das aus was er wünschte. Wenig später war Ben weg. Hartmut schüttelte nur etwas unverständlich den Kopf. Doch er konnte Ben auch verstehen… immerhin ging es hier um Semir. Er stand auf, machte sich neuen Kaffee und dann wieder an die Arbeit.


    Leon Hochberg war einer der Wachleute im Gefängnis und trat seinen Dienst an. „Hey… na alles klar Fritz?“, wollte er von seinem Kollegen wissen, den er ablöste. „Wir haben heute einen Neuzugang. Einen Polizisten, der wegen einem Unfall hier einsitzt…“, erklärte Fritz. „Ach echt.. der Arme…. In welche Zelle denn?“, wollte Leon wissen. „Zelle 67 im Block D. Bei diesem Paschelke und seinen Freunden.“, meinte Fritz nur und zog sich um. „Bei dem Paschelke…spinnst du eigentlich total? Der Typ hat keine Chance zu überleben…“, stieß Leon aus und rannte direkt zum Zellenblock. Er hörte das Grölen und die Anfeuerrufe aus den Nachbarzellen. „Mach den Bullen kalt!!“, hörte er einen der Männer rufen. Sofort gab Leon Alarm. Wenig später drangen sie mit vier Männern in die Zelle und rissen Paschelke und Konsorten von dem am Boden liegenden Mann weg. „Oh mein Gott…“, stieß Leon aus. „Den Arzt!!“, schrie er nach hinten. „Wir bringen ihn raus…“, gab Mark, ein weiterer Wachmann an. Leon nickte und zog Semir vorsichtig aus der Zelle. „Hey… das ist bloß ein Bulle…“, lachte Paschelke. Leon ging zu ihm. „Für die Aktion bekommst du Einzelhaft…ich warne dich…. Das bringt dir noch ein paar Jahre mehr ein…Du bist Abschaum!!“, fauchte er ihn an. Paschelke lachte nur. Der Arzt kümmerte sich vor der Zelle um den bewusstlosen Mann, der aus unzähligen Wunden blutete. Paschelke hatte ihn mit einem Messer bearbeitet und ein paar Schnitte, die zwar nicht gefährlich, aber sicher schmerzhaft waren. „Ins Lazarett!“, forderte der Arzt. „Das heißt Krankenstation…“, ermahnte Mark ihn. „Ist mir egal! Ins Lazarett!“, wiederholte der Arzt. Während Leon die Sachen von Semir nahm, brachten ihn die Anderen ins Gefängniskrankenhaus.


    „WAS?“ fauchte Kim entsetzt ins Telefon, als der Direktor der Vollzugsanstalt sie anrief. „Es tut uns Leid, aber für uns war Gerkhan wie jeder Andere…wie konnten wir denn ahnen, das Paschelke und Gerkhan sich kannten?“, redete er sich raus. „Wie geht es Herrn Gerkhan?“, wollte sie wissen. „Er ist bei Bewusstsein. Zwei Rippen sind gebrochen und er hat ein paar Schnitte in den Armen und im Gesicht. Frau Krüger…. Es tut mir wirklich Leid, dass so etwas passiert ist… aber es wird sicher Konsequenzen für Paschelke haben….“, versprach der Mann. „Herr Paulsen…. Es wird sicher nicht nur für Paschelke Konsequenzen haben, sondern auch für Sie… dafür werde ich sorgen, das verspreche ich Ihnen und jetzt lassen Sie Herrn Gerkhan umgehend ins Krankenhaus bringen!!“, fauchte Kim Krüger wütend und kannte den Hörer auf. Verdammt was für ein Arsch…..dachte sie. Sie griff erneut zum Telefon und rief Ben an. „Herr Jäger….Soeben hatte ich einen Anruf aus dem Gefängnis…Semir ist von mehreren Gefangenen Krankenhausreif geschlagen worden…“, erklärte sie leise. „Was? Verdammt….ich bin auf dem Weg zu einem Verdächtigen… bitte sorgen Sie dafür, dass Herzberger und Bonrath zur Glockengasse 3 zu einem gewissen Aaron Speck fahren. Hartmut hat seine Fingerabdrücke auf der Flinte gefunden. Festnehmen und zur Wache bringen. Ich fahre ins Krankenhaus zu Semir.“, gab Ben durch. „Alles klar…ich kümmere mich drum.“, versprach Kim. Sie rief Hotte und Dieter an und diese versprachen, sich umgehend zu der Wohnung des Verdächtigen zu begeben.

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  • Ben fuhr ins Krankenhaus und fragte sich nach Semir durch. Eine Schwester brachte ihn dann auf das Einzelzimmer. „Aber nur zehn Minuten. Der Patient braucht Ruhe.“, mahnte Sie und Ben nickte nur. Vorsichtig betrat er das Zimmer und sah, wie Semir in seinem Bett kauerte. Schon an der Tür konnte er das Schluchzen hören, so wie er es gestern Nacht gehört hatte. „Semir?“, meldete sich Ben vorsichtig und sofort verstummte das Weinen. „Ben? Bist du das?“, kam es nur von Semir und sofort eilte Ben um das Bett herum und sah in Semirs Gesicht. „Ja, ja ich bin es. Hör zu, alles wird gut. Du kannst gleich mit mir nach Hause fahren.“, erklärte er vorsichtig und hatte bei dem Anblick von Semir einen Kloß im Hals. Sein Kollege und Freund lag da in diesem Bett, zusammengerollt wie ein schutzsuchendes Kind. „Bitte Ben, ich will nach Hause.“, flehte Semir ihn an und nahm die Hand seines Partners. Ben ließ ihn gewähren. „Ich bring dich nach Hause... Andrea und Aida warten sicher schon auf dich.“, erwiderte Ben und sah Semir an, doch dieser wich aus. Sein Blick war leer und vollkommen unbeteiligt. Die Schwester kam wieder rein. „Bitte, sie müssen jetzt gehen. Herr Gerkhan braucht seine Ruhe.“, meinte sie. Ben nickte nur und sah dann zu Semir. „Ich bin gleich wieder da. Ich rede nur mit dem Arzt und dann fahr ich dich nach Hause.“, flüsterte er und merkte, als er Semir an der Schulter berührte, wie dieser sich verkrampfte und anfing zu zittern. Ben wusste nicht, was er tun sollte. Seit dem Unfall war Semir nur noch ein Häufchen Elend. Und es waren noch vier Wochen bis Weihnachten.



    3. Kapitel: Schwere Nächte


    Ben sprach mit dem zuständigen Arzt, Dr. Eduard Weinrich, über Semirs gesundheitlichen Zustand. „Sein gesundheitlicher Zustand ist nicht weiter bedenklich, doch sein seelischer ist weitaus bedenklicher.“, erklärte der Arzt. „Wie meinen sie das, Doc?“, wollte Ben wissen. „In seiner seelischen und psychischen Verfassung gleicht er eher einem potenziellen Selbstmordkandidaten. Sie müssen höllisch aufpassen, dass er sich nichts antut und schnell wieder auf die Beine kommt. Hier... ich empfehle einen guten Psychologen, der mit Herrn Gerkhan das Erlebte aufarbeitet und ihm hilft, damit klar zu kommen.“, meinte der Doktor. Ben nickte und nahm den Zettel an sich. Sicher würde das Semir weiterhelfen und wenn der Doktor Recht hatte? Semirs Zustand, das wusste sogar Ben, war ziemlich labil. Aber wurde er sich wirklich etwas antun? Immerhin hatte Semir Frau und Kind und das zweite Kind war auf dem Weg. Er hatte wirklich allen Grund am Leben zu bleiben. Dennoch nahm sich Ben vor, dass er rund um die Uhr auf Semir aufpassen würde. Frau Krüger verstand das sicherlich, wenn Ben jetzt in dieser schweren Zeit seinem Freund und Partner beistehen wollte.


    Hotte und Dieter fuhren vor der Wohnung von Speck vor und wollten aussteigen. „Warte mal.“, meinte Hotte. „Was denn? Du hast doch gehört, wir sollen ihn sofort zur Wache bringen.“, erwiderte Dieter und wollte aussteigen. „Jetzt warte doch einfach mal. Ich hab so ein Gefühl, als ob wir den gleich auf einem Silbertablett serviert kriegen.“, kam es knurrend von Hotte. Dieter schüttelte zwar mit dem Kopf, doch er blieb im Wagen. „Wenn du falsch liegst, reißt uns Ben und die Chefin die Köpfe ab und unsere Dienstmarken dazu.“, murrte er. „Warts einfach ab.“, kam nur von Hotte und er sollte Recht behalten. Im nächsten Moment kam wirklich Aaron Speck um die Ecke, seine Hände tief in den Taschen vergraben und den Mantelkragen ins Gesicht geschlagen. „Siehste Dieter, das ist wie beim Angeln. Man muss nur Geduld haben, dann beißt auch einer an.“, lachte er und sah seinen Kollegen mit grinsendem Gesicht an. „Okay, dann schnappen wir uns jetzt diesen Kerl.“, meinte er und startete den Wagen. Schnell waren sie auf der anderen Seite und hielten genau auf Speck zu, bremsten vor ihm ab und sprangen aus dem Wagen. Erschrocken wusste der Kleinkriminelle gar nicht, wie ihm geschah, als der Wagen auf ihn zuraste, er gepackt und sein Kopf auf die Motorhaube gedrückt wurde.


    ...

  • Aaron wusste nicht wie ihm geschah. Die Hände tasteten ihn ab. Natürlich fanden die Polizisten sein Heroin den er sich gerade gekauft hatte. „Hey ihr verdammten Bullen!!“, schrie Aaron und versuchte sich loszureißen, doch gegen die Beiden hatte er keine Chance. Hotte las dem Mann seine Rechte vor und ließ ihn dann von Dieter in den Wagen bugsieren. Er selbst setzte sich ans Steuer während Dieter neben Aaron saß. „Was soll das? Was ist denn der Grund?“, wollte Aaron wissen. Dieter grinste ihn an. „Bei der Durchsuchung habe wir das kleine Päckchen hier gefunden…Eigenbedarf was? Das sind, denke ich mal, mehr als 5 Gramm.“, kam von Dieter grinsend. „Das ist mein Wochenbedarf… das ist nicht verboten!!“, widersprach Aaron. „Ach echt… dann gelten für dich vielleicht andere Gesetze als ich sie kenne.“, erwiderte Hotte. Aaron sah ihn grimmig an. „Damit bin ich heute Abend eh wieder draußen…“, knurrte er. „Darauf würde ich nicht wetten. Immerhin haben Sie einen Unfall in der Innenstadt verursacht…“, erklärte Dieter. „Das war euer Kollege, der mich verfolgt hat!! Damit hab ich nichts zu tun!! Wenn er mich nicht verfolgt hätte, dann…“, Aaron verstummte. Dieter grinste breit. „Das kann man als Geständnis werten. Damit ist Semir aus dem Schneider…“, gab er bekannt. Hotte nickte. „Ja… das reicht…“, stimmte er zu.


    Ben führte Semir zu Auto. Das gesamte Gesicht war geschwollen und Semir konnte kaum was sehen. „Die haben dich ganz schön bearbeitet was? Warst du wieder unfair und hast es mit ner Fußballmannschaft aufgenommen?“, versuchte Ben zu scherzen. „Nein… Paschelke und zwei seiner Freunde reichten. Die haben mich zusammen getreten.“, erwiderte Semir tonlos. „Weiß Andrea, dass ich nach Hause komme?“, wollte er wissen. Ben nickte. „Ja ich habe sie informiert. Sie wartet auf dich. Übrigens will Aida immer noch den Schneemann mit dir bauen.“, erinnerte Ben ihn an sein Versprechen. „Der Schneemann… tja… vermutlich wollte das kleine Mädchen im Auto auch mit ihrem Vater einen bauen wollen…. Und wegen mir können sie es nicht.“, gab Semir leise zurück. „Semir! Es war ein Unfall… Verdammt, mach dich deswegen doch nicht so fertig!! Es ist Schlimm, aber vielleicht hat der Mann ja auch nicht aufgepasst!“, fauchte Ben wütend. Semir drehte seinen Kopf zu ihm. „Nein… so einfach ist das nicht Ben… Ich könnte sogar verstehen, dass Andrea mit Aida von mir weg geht. Wer will schon mit einem Mörder zusammen sein.“, erwiderte Semir. „Hör mal… du bist kein Mörder… du hast lediglich einen Unfall verursacht und der andere hatte kein Glück. Das passiert ca. 60-mal am Tag. Du weißt doch selbst, wie oft so etwas vorkommt!!“, widersprach Ben. Wenig später hielt er vor Semirs Haus und brachte ihn rein. Andrea sah ihn erschrocken an. Sie nahm ihn fest in den Arm und drückte ihn an sich. Semir erwiderte die Umarmung nur zaghaft. „Liebst du mich denn noch?“, fragte er leise. Andrea sah ihn erstaunt an. „Ja sicher… bitte hör endlich auf, dich selbst fertig zu machen. Wir bekommen übrigens Besuch… in Kürze wird Frau Krüger mit Dr. Wildenberg herkommen.“, gab Andrea bekannt. Semir nickte. „Ich werde mich in den Keller verziehen… der Psychodoc kann mir auch nicht helfen.“, meinte Semir nur. „Nein…du wirst ein Gespräch mit ihm führen!“, befahl Andrea wütend. „Andrea… ich habe einen Menschen umgebracht… mir kann niemand helfen!“, fauchte Semir seine Frau an. „Damals als ich diesen Mann an der Tankstelle erschoss um dein Leben zu retten, dachte ich auch so. Du hast mir geraten einen Psychologen aufzusuchen und ich hab es getan. Das Gleiche verlange ich jetzt von dir!“, erklärte Andrea sachlich.


    Angela saß immer noch am Bett der kleinen Gina. Sie hatte sich seit dem Unfall nicht mehr geregt. Manchmal hatte Angela Angst dass sie nie wieder aufwachen würde. Sie ging in die Kirche im Krankenhaus, stellte Kerzen auf und betete für Gina. Sie bettelte, das die Kleine ohne Folgeschäden einfach aufwachen würde und mit ihr gemeinsam Weihnachten feiern könnte. Sie hatte es sich so innig gewünscht… Angela wischte sich eine Träne aus dem Gesicht. Ein Arzt betrat das Zimmer. „Frau de Gusi… Sie sollten jetzt auch mal schlafen. In Ihrem Zustand brauchen Sie auch Ruhe… Wir können gern ein Bett für Sie bereitstellen, aber ich möchte, dass Sie sich hinlegen…bitte.“, redete der Mann auf sie ein. Angela hatte große dunkle Ringe unter den Augen. Sie nickte. Der Mann hatte Recht… sie musste schlafen und an den kleinen Gino denken, den sie unter ihrem Herzen trug. Angela legte sich in den kleinen Ruheraum der Ärzte und schlief alsbald ein. Sie schlief unruhig. Immer wieder hatte sie ihren Mann vor Augen und die kleine Gina, wie sie vor ein paar Tagen noch zusammen den Weihnachtsbaum ausgesucht hatten. Und jetzt... jetzt war er tot und ihre kleine Tochter lag auf der Intensivstation. Immer wieder tanzten die Bilder vor ihrem Auge herum und sie schreckte schreiend aus dem Schlaf hoch. Der Arzt kam zu ihr und hielt sie fest. „Frau de Gusi... sie haben nur schlecht geschlafen. Soll ich ihnen eine Beruhigungsspritze geben?“, fragte er und die Frau nickte langsam. Der Arzt zog eine Spritze mit der Medizin auf und ließ die Flüssigkeit in die Blutbahn der Frau hineinfließen. Langsam beruhigte sich Angela de Gusi wieder und fiel in einen traumlosen Schlaf.

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  • Semir sah seine Frau nur an. „Andrea... ich... bitte... lass mich einfach.“, knurrte er und wollte in den Keller gehen. Doch Ben stellte sich seinem Freund in den Weg und versperrte ihm so den Durchgang. „Ben... geh mir aus dem Weg.“, fauchte Semir und wollte seinen Kollegen zur Seite schieben. Doch Ben ließ sich nicht so einfach aus dem Weg räumen. Er blieb wie ein Baum im Türrahmen stehen. „Nein Semir... du wirst nicht in die Dunkelheit des Kellers verschwinden. Du wirst mit dem Psychologen sprechen und wenn ich dich persönlich an deinen Sessel fesseln muss.“, fauchte Ben und drückte Semir vorwärts. Dieser wehrte sich, doch gegen Ben hatte er so gut wie kaum eine Chance. „Ben... lass das oder ich...“, fauchte Semir wütend. „Oder du machst was?“, wollte er wissen und sah den Deutschtürken mit funkelnden Augen an. „Los, setz dich in den Sessel und jetzt will ich keinen Mucks mehr von dir hören.“, kam es bestimmend und wütend von Ben, der Semir in seinen Sessel drückte und sich davor aufgebaut hatte. Andrea sah besorgt auf ihren Mann. Noch nie hatte sie ihn so stur gesehen, obwohl sie seinen Dickschädel kannte. Als es klingelte, ging sie zur Tür und sah, dass Kim davor stand. „Frau Gerkhan, wie geht es ihrem Mann?“, wollte sie wissen. Andrea zuckte nur mit den Schultern. „Tja, seine Verfassung hat sich nicht viel verbessert. Er will auch nicht mit dem Psychologen reden.“, erklärte Andrea und Kim nickte nur. Hinter ihr stand ein hagerer, langgewachsener Mann mit dem typischen Aussehen eines alten Psychologen, Cordweste, Cordjackett und Fliege. Sein schneeweißes, schütteres Haar hatte er nach hinten gekämmt. „Frau Gerkhan, das ist Dr. Erwin Freiwald. Er wird mit ihrem Mann sprechen und ihn behandeln. Semir muss erkennen, dass es nicht seine Schuld war.“, erklärte Kim und der Psychologe betrat das Wohnhaus. „Wo ist ihr Mann jetzt?“, wollte er wissen und Andrea hörte sofort die sanfte, einfühlsame Stimme des Mannes. „Im Wohnzimmer.“, erwiderte sie und ging voraus.


    Semir saß in seinem Sessel und Ben stand vor ihm. „Semir, hier ist ein Herr Freiwald für dich. Er ist Psychologe und will mit dir reden.“, erklärte Andrea, als sie mit Kim und Doktor Freiwald ins Zimmer trat. „Ich aber nicht mit ihm.“, knurrte Semir und wollte sich aus dem Sessel erheben, doch Ben drückte ihn zurück in das Möbelstück. „Du wirst mit ihm reden oder ich such mir einen neuen Partner.“, fauchte er wütend und erschrocken blickte Semir ihn an. „Was?“, wollte er wissen. „Du hast ganz richtig gehört. Solltest du nicht mit diesem Herren sprechen, dann suche ich mir einen neuen Partner, mit dem ich die Dienstwagen schrotten kann.“, knurrte Ben. Semir verstand nicht, was sein Partner so aus der Fassung brachte. Schließlich hatte er keinen Menschen unschuldig auf dem Gewissen. „Ben... ich ...“, versuchte Semir, doch Dr. Freiwald kam ihm dazwischen. „Herr Gerkhan... Semir... ich weiß, wie schwer es für sie sein muss, aber, glauben sie mir, sie schaden sich und ihrer Umwelt nur, wenn sie es in sich hineinfressen. Sie müssen mit mir darüber reden.“, erklärte er und setzte sich Semir gegenüber. „Können Sie den Mann wieder lebendig machen? Nein…Es ist meine Schuld das der Mann tot ist!!! Es ist meine Schuld, dass ein zweijähriges Mädchen im Koma liegt!!! Es ist meine Schuld das…“, schrie Semir plötzlich los. Wieder wollte er aufstehen, doch Ben war wie eine Mauer. Jedes Mal drückte er ihn runter. „Lass mich endlich!!“, fauchte Semir ihn an. „Haben Sie den Unfall absichtlich herbei geführt?“, fragte Dr. Freiwald. „Was? Sind Sie bescheuert??? Ich bin Polizist!! Ich habe einen Verbrecher verfolgt, der mich kurz vor dem Unfall bedroht hat!! Er ist wie ein Wahnsinniger durch die Straßen gerast und…..was hätte ich denn tun sollen? Ihn einfach entkommen lassen? Er hätte bei der nächstbesten Gelegenheit wieder einen Juwelier überfallen!!“, Semir schrie sich alles raus. Dr. Freiwald sah ihn nur an. Ben sah erschrocken zu Andrea, die leise weinte. Semir schwieg plötzlich. „Haben Sie mit der Mutter und Witwe gesprochen? Haben Sie sie mal gefragt, wie sie sich fühlt?“, wollte Freiwald wissen. „Nein….ich kann…ich kann ihr nicht gegenübertreten.“, kam leise von Semir. „Warum nicht?“, wollte Freiwald wissen. Kim zog Ben von Semir weg und verschwand mit ihm in die Küche.


    „Was soll das denn? Ich meine wenn Semir mit der Frau von dem Toten und der Kleinen sprechen muss, dann wird er sich vermutlich noch mehr vergraben…“, kam wütend von Ben. „Nein… Dr. Freiwald sagt, es ist das Beste wenn er damit konfrontiert wird. Er ist doch bereits so tief in Selbstmitleid gesunken, dass er keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.“, widersprach Kim. „Ja sicher… und was, wenn die Frau ihm auch noch Vorwürfe macht? Was wenn sie ihn…?“, wollte Ben wissen. „Ich weiß, dass es riskant ist, aber…ich vertraue Freiwald. Er ist mit solchen Fällen vertraut. Er weiß genau, was er tun muss.“, erklärte Kim. Ben nickte. „Ich will wieder hin…“, erklärte er. Kim nickte. „Gut…gehen wir. Ach Ben… der Mann, dieser Aaron Speck, hat Semirs Aussage bestätigt… sobald er wieder einsatzfähig ist, wird der Dienst wieder angetreten, obwohl ich denke, dass es bei Semir etwas länger dauern wird.“, kam von Kim. Ben nickte. „Das denke ich auch. Ich befürchte sogar, dass er gar nicht mehr Auto fahren will. Man… wie kann man nur so tief sinken…“, stöhnte er leise. Dr. Freiwald kam ihnen entgegen. „Tja… ein sehr schwerer Fall. Er weiß zwar, dass er es nicht hätte verhindern können, aber er gibt sich selbst die Schuld, dass der Mann tot ist. Wir müssen ihn mit dem Mädchen konfrontieren. Ich sehe es wirklich als einzige Möglichkeit ihn aus dieser Lethargie heraus zu holen. Aber wir sollten die Frau darauf vorbereiten.“, ermahnte Freiwald. Kim sah Ben an. „Nee… ich kann das nicht… ich will Semir nicht allein lassen…“, protestierte er sofort. Kim nickte. „Ich werde zu ihr fahren…“, stimmte sie zu.


    ...

  • Angela wachte gegen Abend auf. Sie schoss hoch, was der Kreislauf sofort mit Schwindel bestrafte. „Gina…“, stieß sie aus. Wie konnte sie schlafen, während ihr Kind im Koma lag? War Gina für sie schon tot? Nein….. sagte sie sich selbst. Sie wird wieder gesund…sie wird wieder ganz gesund… und gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder werden sie zu dritt alles meistern. Angela dachte auch an den Unfallverursacher. Wie sonderbar…dachte sie. Was musste in diesem Mann vorgehen? Wusste er, dass er ihr den Mann und die Tochter genommen hatte? Machte er sich Vorwürfe? War er betrunken, als er den Unfall gebaut hatte? Was musste der Mann gedacht haben, als er Gino dort im Wagen sah? Die kleine Gina…? Hatte er sich darüber Gedanken gemacht? Diese Fragen gingen ihr durch den Kopf. „Vielleicht sollte ich mit ihm reden?“, sagte sie zu sich selbst. Es klopfte an der Tür. „Ja bitte…“, rief sie. Der Doktor trat ein und hinter ihm eine junge, braunhaarige Frau. „Frau de Gusi hier ist eine Frau Krüger von der Polizei für sie und möchte mit ihnen sprechen.“, erklärte der Mediziner. „Wie geht es meiner Tochter?“, wollt jedoch die Italienerin wissen. „Besser, doch wir müssen sie noch beobachten. Ich werde sie rufen lassen, wenn es etwas neues gibt.“, erwiderte der Mediziner und ließ die beiden Frauen dann alleine. Kim sah die Frau kurz an, dann setzte sie zum Sprechen an. „Frau de Gusi... mein Name ist Kim Krüger von der Kripo Autobahn. Mein Kollege hat... er...“, Kim suchte nach den richtigen Worten. „Hat er meinen Mann auf dem Gewissen?“, wollte sie wissen und in ihrer Stimme schwang Wut, Zorn und Abscheu mit. „Frau de Gusi... bitte, meinem Kollegen tut es sehr, sehr Leid und er möchte es ihnen gerne persönlich sagen. Sind sie dazu bereit?“, wollte Kim wissen. Angelas Blick zitterte, ihr ganzer Körper bebte. Was sollte sie tun? Wie sollte sie sich verhalten? Sie wollte den Mann sehen, der ihren geliebten Gino, ihr Herz, aus dem Leben gerissen hatte. „Sind sie bereit, ihm gegenüber zu treten?“, wollte Kim wissen. Angela überlegte immer noch. Sollte sie diesem Mann gegenübertreten? Sollte sie sich anhören, was er zu sagen hatte? Was würde er sagen? Würde er sagen, dass es nur ein Unfall, ein dummer Zufall war? Dass ihr Mann zur falschen Zeit am falschen Ort war? Doch sie wollte ihn sehen. Sie wollte einfach.... nein, sie musste ihn sehen. „Ich will ihn sehen.“, kam es dann leise von Angela und sie sah Kim nur an. Sie nickte. „Wollen sie mit ihm alleine sein oder soll ein Arzt, ein Psychologe oder ich dabei bleiben?“, fragte Kim, da sie sich vorstellen konnte, wie unangenehm die Situation sein musste. „Nein, ich will das alleine machen... Bitte, ich muss es alleine machen.“, erklärte die junge Frau und Kim nickte. „Ich werde morgen mit meinem Kollegen hierher kommen.“, verabschiedete sich Kim und ging dann. Angela war verwirrt. Morgen... morgen würde sie dem Mann gegenüberstehen, der ihr das Liebste genommen hatte.


    Semir hatte sich weitestgehend beruhigt und sich auf dem Sofa hingelegt. Es war ein sehr unruhiger Schlaf. Immer wieder sah er den toten Mann vor sich und mitten im Traum drehte sich der Kopf des Mannes zu ihm, die Augen öffneten sich langsam und er hauchte ihm die tödlichen Worte entgegen. „Warum hast du mich getötet?“ Erschrocken fuhr Semir auf und schrie. Sein ganzer Körper zitterte und der Schweiß hatte seinen ganzen Pyjama durchtränkt. Sofort war Andrea da, die in der Küche gewerkelt hatte. „Semir... Schatz, alles okay?“, wollte sie wissen und näherte sich mit den Händen Semirs Schulter, doch als sie die Hand auf die Schulter ihres Mannes legte, zuckte dieser zurück und ließ sich wieder zurückfallen. „Andrea... ich... ich weiß nicht, ob ich das morgen schaffe.“, kam es wehleidig von ihm und das erste Mal seit dem Unfall sah er seine Frau wieder mit einem normalen Blick an. „Semir, du schaffst das und wenn Doktor Freiwald sagt, dass es der einzige Weg ist, dass du von diesem Trauma loskommst, dann solltest du es auf dich nehmen. So schwer es auch ist.“, kam es beruhigend von Andrea. Semir schmiegte sich langsam und vorsichtig an seine Frau und horchte, wie ihr Herz gegen die Brust schlug und in einem Augenblick dachte er, das Baby würde gegen die Bauch treten. Das war für ihn ein Zeichen. Er wollte wieder auf die Beine kommen. Allein schon wegen seiner Familie. „Semir?“, sprach Andrea ihren Mann an. „Es... es hat sich bewegt.“, kam es staunend, aber leise ihm. „Semir... es ist noch nicht zu spüren.“, lachte sie, doch Andrea war froh, dass Semir wieder eine andere Regung zeigte, als nur tagelanges Selbstmitleid.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Ben kam mit Mütze und Schal zur Terrassentür herein, das Gesicht voller Schnee. „Boah, eure Tochter ist hinterhältig.“, schnaubte er und jetzt zeigte sich in Semirs Gesicht das erste Mal ein leichtes Lächeln, was nach und nach zu einem starken Kichern wurde. Aida kam hinters Ben Beinen vor und hielt einen Schneeball in ihren kleinen Händen. „Papa... Schnee spielen.“, rief sie und warf das Ding quer durchs Wohnzimmer. Mit ihrer kleinen Kraft kam sie nicht sehr weit, aber es reichte, um ihn Semir in die Hand zu werfen. Dieser stieß sofort einen spitzen Schrei aus. „Ahhhhhhh... ist das kalt.“, bibberte er und warf ihn zurück gegen Bens Schulter. „Ohhhh... na warte. Komm raus und gib mir eine Möglichkeit, es dir heimzuzahlen.“, forderte Ben ihn heraus und Semir schien darauf einzugehen. „Dich mach ich fertig!!“, lachte Semir und schwang sich vom Sofa... doch sofort spürte er wieder eine kleine Nachwirkung der Tritte, die ihm Paschelke zugedacht hatte. Er holte kurz Luft und zog sich anschließend die Jacke an. Handschuhe und Mütze vergaß er auch nicht. So stürmte er hinter seine Familie her und wenig später fand im Garten ein regelrechter Frau gegen Mannkrieg statt. Andrea und Aida beschossen die beiden Männer, die sich natürlich sehr gern von Aida treffen ließen. Das kleine Mädchen jauchzte vor Freude. Eine knappe halbe Stunde dauerte die Schlacht. Andrea brach ab, als sie sah, das es eindeutig zu kalt für Aida wurde. Mit etwas zornigem Weinen ließ sich das Mädchen dann mit Bestechung zur Aufgabe zwingen. Andrea hatte ihr einen großen heißen Kakao versprochen. Nur weitere 45 Minuten später schlief das kleine Mädchen glücklich in den Armen ihres Vaters ein. Andrea nahm sie und trug sie in ihr Bettchen.


    Semir sah Ben an. „Danke Partner...“, sagte er leise. Ben tat unwissend. „Wofür?“, wollte er wissen. „Dass du mich nicht aufgegeben hast. Ich bin so dämlich gewesen....es war ein Unfall. Würdest du mich morgen begleiten?“, bat Semir und sah ihn mit traurigen großen Augen an. Ben lachte los. „Vergiss den Hundeblick...ich lass dich nicht allein... ich bin bei dir... versprochen...“, nickte er. „Weißt du.... ich versuche die ganze Zeit schon mir die Worte zurecht zu legen. Das, was ich ihr sagen werde....aber irgendwie passt es nicht. Ich habe Angst, die Frau noch mehr zu verletzen...“, gab Semir zu bedenken. Ben zog die Schultern hoch. „Natürlich kann das passieren, aber ich glaube schon, dass du es schaffst. Ich meine, sie weiß, dass es ein Unfall war...du weißt es... und warum sollte sie dich verteufeln. Wenn du es nicht gewesen wärest, dann wäre vielleicht ein Anderer gekommen... Ich denke auch, dass dir die richtigen Worte einfallen werden, wenn du ihr gegenüberstehst. Übrigens.... meine Wohnung ist fast fertig... fehlt nicht mehr viel. Du warst ja die letzten Tage nicht zugänglich...“, grinste Ben. „Ich muss euch richtig zur Last gefallen sein. Ich bin so ein Troll...vergehe in Selbstmitleid und bemerke nicht einmal dass meine Familie mich braucht.... meine Freunde...“, kam von Semir, der scheinbar selbst auf sich sauer war. „Hör auf mit dem Trübsalblasen. Was hältst du von einem Bier?“, grinste Ben. Semir sah ihn an und nickte dann. „Klar doch... im Kühlschrank steht sicher noch was...“, gab dieser lachend zurück. Beide bemerkten nicht, das Andrea das ganze Gespräch angehört hatte. Sie schickte ein Stoßgebet in die obere Etage. Endlich hatte Semir kapiert, dass es nur ein tragischer Unfall war. Endlich...dachte sie. Nun konnte das normale Leben weiter gehen. Wie sehr sie sich irrte sollte sie noch erfahren.


    Angela sah aus dem Fenster. Diese weiße Pracht, die die Wiesen bedeckten, die den Bäumen und Hecken einen weihnachtlichen Schimmer verliehen... es sah so herrlich aus. Gina hätte sich so darüber gefreut mit Gino im Schnee zu spielen, Schlitten fahren....Rodeln.... Schneemann bauen...einfach all das, was man so machte. Und nun...war alles vorbei...dachte sie als die Tür aufging. Zwei Männer traten ein. Angela sah sie an. „Frau de Gusi?“, fragte der größere von den Beiden. Angela nickte. „Ja...das bin ich... Sind Sie die Spezialisten für meine Tochter?“, fragte sie ängstlich. „Nein... wir sind von der Kripo Autobahn.... Ich bin Kriminalhauptkommissar Ben Jäger und das ist mein Partner Kriminalhauptkommissar Semir Gerkhan....“, stellte der Mann sich und seinen Freund vor. „Autobahnpolizei? Ich verstehe nicht....“, kam leise von Angela. „Ich....ich bin derjenige...der Ihnen das angetan hat und....“, fing nun der kleinere Mann an. Angela stand langsam auf. „Sie wurden mir bereits angekündigt. Frau Krüger wollte doch auch herkommen...“, sagte sie leise. Die Männer sahen sich bedrückt an. „Herr Jäger....ich würde mich gern allein mit Herrn Gerkhan unterhalten...bitte...“, forderte Angela den Mann zum Gehen auf. Die beiden sahen sich erneut an. Der Kleinere nickte dann. „Ich warte vor der Tür...“, nickte Jäger und verschwand. Gerkhan stand dort und knetete seine Hände. „Ich höre....“, sagte Angela und die Stimme hörte sich sehr kühl an. Kühler als sie es eigentlich vorhatte. Erschrocken sah sie der kleine Mann an. Sie sah richtig, dass er nach den richtigen Worten suchte.


    ...

  • Semir spürte, dass die Frau ihn hasste. Sie musste ihn hassen, schließlich hat er ihren Mann bei einem Unfall getötet. „Frau de Gusi... es... ich...“, stammelte Semir wirr vor sich her. Wo sollte er nur ansetzen. „Ich bitte sie, verzeihen sie mir. Ich habe ihnen ihren Ehemann genommen. Das ist nicht wieder gut zu machen.“, erklärte Semir dann und sah die Frau mit einem schweren Blick an. Angela stand da, die Arme vor ihrem Körper verschränkt und sah in die Richtung zu dem Mann. Sie sah ihn nicht direkt an, eher an ihm vorbei. Noch konnte sie ihn nicht in die Augen sehen. „Sie haben mir meinen Mann und meine Tochter genommen und glauben sie, dass es mit dem Wort Verzeihung abgetan ist?“, fauchte sie wütend und trat einen Schritt auf Semir zu. Dieser blieb wie angewurzelt stehen. „Meine Tochter liegt im Koma und die Ärzte wissen nicht einmal, ob sie wieder ganz gesund wird. Sie haben nicht nur meinen Mann genommen. Sein Sohn wird nun auch niemals seinen Vater kennen lernen. Wissen sie, wie schwer es sein wird, dem Jungen zu erklären, dass sein Vater durch die Schuld eines Polizisten... noch dazu eines Hauptkommissars... tödlich verunglückt ist?“, fauchte sie und hatte wieder Tränen in den Augen. Beklommen stand Semir da und ließ die Frau sich an ihm abreagieren.


    Langsam aber sicher reagierte sich Angela ab. Eigentlich wollte sie ihm doch zuhören und ihn nicht beschimpfen, aber als sie ihn dort stehen sah und dann erfuhr, dass er Hauptkommissar war... ein Hauptkommissar sollte es doch besser wissen, dachte sie. „Frau de Gusi... ich kann ihren Mann zwar nicht mehr lebendig machen, aber ich kann.... nein, ich möchte ihnen helfen über die schwere Zeit hinweg zu kommen.“, versuchte Semir und schien damit nicht die richtigen Worte getroffen zu haben. Im nächsten Moment spürte er nur noch das Schmerzen seiner linken Wange. Die Frau hatte mit all ihrer Wut zugeschlagen. „Glauben sie mir, wenn ich Hilfe brauche, dann sicher nicht von ihnen und nun gehen sie bitte.“, fauchte sie Semir an und drehte sich wieder um. Eine Weile blieb der Kommissar noch stehen. Dann griff er in seine Jackentasche und holte seine Karte hervor. Mit seinem schwarzen Kuli notierte er seine Handynummer auf der Karte und legte sie der Frau unter die Handtasche und zwar so, dass sie das kleine Kärtchen nicht übersehen konnte. „Falls sie es sich anders überlegen.“, meinte Semir dann und blieb noch einen Moment, doch als die Frau keine Regung zeigte, zog er sich aus dem Zimmer zurück. Angela hörte, wie die Tür ins Schloss fiel und drehte sich um. Ihre aufgestaute Wut legte sich langsam wieder. Ihr italienisches Temperament hatte doch einen stärkeren Einfluss auf sie, als sie sich zugestehen wollte. Immerhin war sie zwar nur Halbitalienerin, aber sie hatte eindeutig das Temperament ihrer Mutter geerbt. Sie wollte den kleinen Mann gar nicht schlagen, aber als er diese... diese Worte über die Lippen brachte, platzte es aus ihr heraus. Langsam ging sie zum Tisch und nahm die Karte an sich. Eine saubere Handschrift, dachte sie, als sie die fein säuberlich notierten Zahlen sah. Sie steckte die Karte ein. Würde sie sein Angebot annehmen?


    Ben sah auf, als Semir zurückkam. „Und?“, wollte er wissen und sah seinen Partner an. Dieser schaute ihn an. Deutlich war die Rötung auf der Wange zu erkennen. Angela hatte mit einer deutlichen Wut zugeschlagen. „Hat sie dich...“, Ben deutete auf die errötete Wange. Semir nickte nur. „Ich habe ihr meine Karte da gelassen, falls sie Hilfe braucht.“, erwiderte der Deutschtürke. „Semir, ist das wirklich so eine gute Idee? Ich meine, du hast doch schon mit deiner Familie so wenig Zeit wegen unseres Jobs und jetzt bietest du einer Frau Hilfe an, deren Mann bei einem Unfall getötet wurde.“, meinte Ben nur, doch Semirs Entschluss stand fest. „Ben... nur durch mich ist es zu diesem Unfall gekommen. Ich muss wenigstens einen Teil meiner Schuld wieder gut machen. Das bin ich der Frau, der Tochter und dem Sohn schuldig.“, erklärte er. Ben nickte nur ergeben. „Wenn du dich da mal nicht verrennst oder dir Ärger mit Andrea einhandelst.“, meinte er, doch Semir hörte ihm gar nicht zu. Er sah nur durch das Fenster auf die Intensivstation, wo das kleine Mädchen lag. „Wegen mir…liegt sie dort.“, sagte er leise. Ben schüttelte den Kopf. „Hör endlich auf…verdammt es war ein Unfall!!“, fauchte er ihn so wütend an, das Semir ihn erstaunt ansah. „Ich weiß es… aber ich kann diese Frau da drinnen sehr gut verstehen… es war eine dämliche Idee hier her zu kommen…“, gab Semir wieder. In diesem Augenblick kam Kim und Dr. Freiwald auf sie zu. Semir drehte sofort um. „Die haben mir noch gefehlt.“, stöhnte er. Ben hielt ihn fest. „Nee…du haust nicht ab…“, sagte er. „Ben bitte…du bist mein Freund… ich kann da nicht noch einmal rein…das halt ich nicht aus…“, flehte Semir regelrecht. Ben blieb stur.

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    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • Kim sah Semir und Ben vor der Tür stehen. „;Meine Herren? Waren Sie schon drin?“, fragte sie erstaunt. Semir lächelte sie an. „Ich….ja.. ich wollte mit der Frau sprechen, aber…“, fing er an. Kim rollte die Augen. „Müssen Sie alles immer überstürzen? Können Sie nicht einmal warten?“, tadelte sie ihn und klopfte an. Semir wollte gehen, doch Kim griff ihn am Arm. „Sie werden mit mir reingehen!“, befahl sie. „Ich war schon!! Sie will mich nicht sehen und ich habe sehr wohl Verständnis dafür!“, gab er wütend wieder und wollte sich befreien, doch Kim schien für ihre zierliche Figur doch einiges an Kraftpotential haben. Sie zog ihn in den Raum. „Ich sagte doch, dass Sie gehen sollen!“, fauchte Angela de Gusi ihn an. „Frau de Gusi… ich habe ihn noch einmal rein gezogen. Er muss darüber mit Ihnen sprechen. Ich weiß, dass es schwer ist, aber nur dann kann er sich auch wieder auf seine Arbeit konzentrieren. Frau de Gusi…ich bitte Sie…ein kurzes Gespräch…“, bat Kim. Angela war einverstanden. „Also gut… aber erst wird er sich meine Tochter ansehen! Ich will, dass er mit seinem Opfer konfrontiert wird!“, forderte Angela. Semir zuckte zusammen. Er wollte das Kind nicht sehen…er wollte nicht, doch Kim nickte. Freiwald sah sie an. „Das halte ich nicht für gut…er selbst ist Vater und...“, raunte er ihr zu. Doch Kim schien es auf die harte Tour machen zu wollen.


    Angela sah Semir herausfordernd an. „Kommen Sie…sprechen Sie mit ihr!“, forderte sie ihn auf. Sie betrat mit ihm das Zimmer, wo die kleine Gina im Bett lag. Semir ging langsam auf das Kinderbettchen zu. Er sah sie an. Dieses kleine Wesen… es lag dort im Bett an Schläuchen angeschlossen. Semir spürte einen dicken Kloß im Hals. „Reden Sei mit ihr! Sagen Sie ihr, dass es Ihnen Leid tut… das Sie es nicht wollten!“, forderte Angela ihn auf. „Wie heißt sie?“, fragte Semir leise. „Gina…“, kam als Antwort. Semir trat ans Bett und nahm das kleine Händchen. „Hey… Gina….ich…..es tut mir Leid….ich… ich weiß nicht wie ich es dir sagen soll… du bist noch so klein und ich….ich hab dein Leben zerstört…ich weiß, dass ich es nie wieder gut machen kann. Ich weiß dass es keine Entschuldigung dafür gibt…ich kann mir auch vorstellen, das…“, Semir holte tief Luft. Ihm tat jedes Wort weh. Jedes Wort was über seine Lippen kam. Wie konnte er von dem Kind verlangen ihm zu verzeihen? Er hatte ihr das Liebste genommen und sie schwer verletzt. Doch in diesem Augenblick spürte er ein Zucken der kleinen Hand. Er sah zu Angela. „Sie hat sich bewegt…“, sagte er leise. Angela starrte ihn an. „Was sagen Sie da?“, stammelte sie. „Sie hat sich bewegt…sie hat meine Hand gedrückt….sie…sehen Sie doch…“, kam leise von ihm. Tränen liefen ihm über das Gesicht, denn er hielt es für ein besonderes Zeichen. Angela stellte sich neben ihrer Tochter und streichelte das Gesicht. Tatsächlich gingen die kleinen Äuglein auf. „Sie ist wach!!! Sie ist wieder wach!!“, weinte Angela überglücklich. Semir nickte. Auch er konnte die Tränen nicht zurück halten.


    Nur wenig später stürmten zwei Ärzte an Kim, Ben und Freiwald vorbei. Sie sahen sich erschrocken an. „Was passiert denn da drinnen?“, wollte Ben wissen. „Keine Ahnung, aber wir gehen nicht rein!“, befahl Kim. „Nein…aber was wenn….ich meine wen Semir….“, fing er an. „Das muss Semir allein durch. Er muss es schaffen!“, gab sie kühl zurück. Semir kam heraus. Er weinte und Ben sah ihn erschrocken an. „Was ist passiert?“, wollte er wissen und sah Semir an. „Sie…ich habe mit ihr gesprochen und…sie… sie ist…“, schluchzte Semir. „Ist sie tot?“, fragte Ben ängstlich. „Nein….nein… sie hat die Augen aufgemacht….sie hat mir verziehen…“, erklärte Semir leise. „Was?“, kam es erstaunt von Ben. Semir nickte und war überglücklich, dass dem Kind nicht allzu viel passiert war. Die Tränen strömten nur so über sein Gesicht, doch es waren Freudentränen. Doktor Freiwald sah mit zufriedenem Gesicht zu Semir hinüber. „Herr Gerkhan, ich sehe, sie sind soweit wieder in Ordnung. Allerdings würde ich doch einige Sitzungen noch mit ihnen abhalten, damit wir auch die letzten Zweifel ausräumen können.“, meinte er nur und Semir nickte. Im Moment hätte er zu allem seine Zustimmung gegeben. Er war einfach nur froh, dass dies vorbei war. Jetzt konnte er wieder Auto fahren und sich auf die Arbeit und seine Familie konzentrieren. Plötzlich spürte er einen Hand auf seiner Schulter. Semir drehte sich um und sah in das glückliche Gesicht von Angela, die ebenfalls Freudentränen in den Augen hatte. „Herr Gerkhan... sie.... ich... meine Tochter ist aufgewacht. Ich... ich wollte mich für die Ohrfeige entschuldigen und ich werde mich melden, wenn ich ihre Hilfe brauche.“, erklärte sie und ging dann wieder zu ihrer Tochter. Semir nickte und drehte sich zu Ben um. „Ich halte das immer noch für eine sehr schlechte Idee.“, erklärte er. „Ach was, lass uns lieber nach Hause fahren.“, meinte Semir nur und ging dann mit den Schlüsseln in der Hand zum Parkplatz. Ben folgte ihm.


    ...

  • Semir setzte sich hinter das Steuer, doch sofort war es wieder da... das starke Zittern in seinen Händen. „Semir? Was ist mit dir?“, wollte Ben wissen, als er das starke Zittern und die Schweißperlen auf Semirs Stirn bemerkte. „Ich... ich... ich kann nicht... ich kann nicht Autofahren.“, stammelte er. „Was? Semir, sag mir, dass du scherzt.“, kam es nur von Ben. „Versteh doch, ich kann nicht mehr Autofahren. Meine Arbeit... ich kann meine Arbeit nicht mehr machen.“, schrie Semir wütend und Ben zuckte kurz zusammen. „Semir... soll ich fahren?“, fragte er dann vorsichtig an. Dieser nickte nur und beide tauschten die Plätze. Der Deutschtürke zitterte am ganzen Körper und der ganzen Fahrt über änderte sich sein Zustand gar nicht. Im Gegenteil, es wurde noch schlimmer, je mehr sich der Wagen gegen den starken Wind und die starke Witterung wehrte. „Ben... ich halt das hier drin nicht mehr aus. Halt bitte an... Ich muss hier raus.“, kam es stoßend von Semir und er packte sich an seinen Hals. „Alles in Ordnung?“, kam es vorsichtig von Ben. „Bitte... halt an. Ich kriege keine Luft mehr.“, kam es fast hyperventilierend von Semir. Sofort fuhr Ben auf den nächsten Rastplatz und Semir sprang aus dem Wagen, noch ehe die Räder standen. Er ging einige Meter und atmete tief die kühle Luft ein. Die Panik in ihm klang langsam wieder ab und er beruhigte sich wieder. Das Zittern verschwand und der Schweißausstoß verringerte sich. „Semir...“, kam es vorsichtig von Ben. Der junge Hauptkommissar kam auf seinen Kollegen zu und setzte sich neben ihn. „Ben... ich kann nicht mehr.... ich kriege Panik, wenn ich mich ins Auto setze. Was, wenn das so bleibt? Was, wenn ich meinen Job nicht mehr machen kann? Ich bin kein Schreibtischhengst. Ich will draußen sein. Wie kann ich das, wenn ich im Auto Erstickungsanfälle bekomme?“, kam es von Semir. Ben sah ihn an. Er wusste nicht, was er dazu sagen sollte.


    Schweigend saßen sie nebeneinander und starrten in den Himmel. „Semir... was sollen wir jetzt machen? Ich meine, du musst nach Hause. Andrea wartet.“, kam es von Ben und Semir sah ihn nur an. Wie sollte er nach Hause, wenn ihm im Auto immer die Luft abgeschnürt wurde. „Ich werde es noch mal versuchen. Es ist ja nicht mehr weit, bis nach Hause.“, kam es dann von Semir und er stieg ein, schnallte sich an, doch im nächsten Moment war das Gefühl wieder da. Das Zittern war das erste Anzeichen, dann die Schweißausbrüche und die Atemknappheit. „Semir... hältst du es wirklich aus?“, fragte Ben besorgt und Semir nickte nur. Der junge Hauptkommissar startete den Wagen und fuhr los, versuchte dabei den Wagen ruhig zu halten und fuhr vorschriftsmäßig. Doch Semir ging das nicht schnell genug. „Ben... bitte bring mich schnell nach Hause... Ich kann nicht mehr.“, stieß er aus und fasste sich an seinen Hals. Besorgt sah Ben zu Semir, der sich immer mehr an den Hals fasste und wirklich Beklemmungen zu haben schien. „Du solltest mit Freiwald sprechen.... das geht so nicht..“, bat er. Semir nickte nur. Als er endlich daheim war stieß Semir ein Seufzen aus. „So kann ich nicht arbeiten... aber das schaffe ich...und zwar schneller als du denkst.“, versprach er und ging ins Haus, während Ben die Arbeit aufnahm. Er ahnte dort noch nicht, wie schnell Semir seine Angst vor dem Autofahren verlor und das Gina und Angela der Grund dafür waren.

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  • 4. Kapitel Schuldgefühle


    Wenige Tage später. Ben versuchte immer wieder Semir ins Auto zu bekommen, aber es ging nicht. Eines Tages ließ er es einfach sein. Er war wütend auf Semir, der sich scheinbar wieder gehen lassen wollte und war froh als er endlich wieder in seiner Wohnung leben konnte. Auch wenn Andrea ihm Leid tat, Ben musste Abstand zu Familie Gerkhan aufbauen. Doch genau in diesem Augenblick schien das einzutreffen, was Ben befürchtet hatte. Semir erhielt einen Anruf von Angela. „Semir...bitte Sie müssen zu mir kommen...es ist wichtig...bitte.“, sagte sie ihm am Telefon. „Ja aber...ich...ich kann...“, Semir suchte nach den richtigen Worten. Angela wohnte am anderen Ende der Stadt und um zu ihr zu kommen, musste er ins Auto. Er schloss die Augen. „Also gut...ich komme...“, stieß er aus. Andrea hatte das Gespräch mitbekommen. „Wer war das denn?“, wollte sie wissen. „Angela...Sie und Gina brauchen mich mal kurz...“, erklärte Semir nachdenklich. „Semir.... wie willst du zu ihr? Du kannst nicht Autofahren... du hast Panikattacken...wie willst du da fahren?“, wollte sie wissen. „Ich schaffte das...es ist zwar ein Crashkurs, aber ich muss....versteh mich doch.. ich habe der Frau alles genommen und sie ist schwanger. Genau wie du.“, sagte er fürsorglich. Andrea nickte. Schon seit einigen Tagen war Semir immer da, wenn es um Gina und Angela ging, aber wenn sie etwas hatte oder Aida, dann blockte er ab mit den Worten...“Sorry im Augenblick ganz schlecht“ oder „Später, hast ja noch etwas Zeit“ Nur für Gina und Angela sprang er regelrecht. Eifersucht kam auf. War da mehr, als nur Schuldgefühle? fragte sie sich. „Gut...dann fahr ich dich!“, bestimmte sie. Semir sah sie erschrocken an. „Nein...du wirst in deinem Zustand kein Auto fahren!“, befahl er. „Wenn Angela jetzt fahren würde, wäre das denn okay? Sie könnte doch genauso gut hier her kommen, oder nicht?“, wollte sie wissen und der Name kam verächtlich von ihren Lippen. Doch Semir schien es überhaupt nicht zu merken. „Ich muss los!“, meinte er nur und verschwand.


    Angela öffnete die Tür und lächelte Semir an, der tatsächlich vor der Tür stand. „Hallo...“, hauchte sie. „Hi...was gibt es diesmal?“, wollte er wissen und reichte ihr die Hand. „Ich wollte dich sehen...Semir...weißt du, seit du mir Gino genommen hast, bin ich einsam. Und ich...ich brauche Nähe...ein Partner der mich wärmt, der mir zuhört und vor allem der mir auch Kraft gibt. Du bist Schuld, dass ich allein bin und Gina weint ständig. Sie will ihren Papa sehen....sie ist noch so klein und begreift nicht, dass er nie wieder kommen wird. Daran bist du Schuld... sei du für sie da...“, forderte sie. Angela war mittlerweile in eine Phase gefallen, wo sie Semir mit ihren Schuldzuweisungen regelrecht in ihren Fängen hatte. Den Tod von Gino hatte sie verkraftet, denn so einsam, wie sie tat, war sie nicht. Aber sie wollte mehr. Es schien ihr um Rache zu gehen. Rache dafür, dass ihr Mann seinen Sohn nicht mehr kennen lernen durfte. Rache dafür, dass sie Tagelang Angst um Gina haben musste, Rache dafür, dass sie sehr viel geweint hatte. Semir war das Opfer. Er machte sich eh Vorwürfe und.... er wird sich für sie aufopfern. Sie würde ihm sein Leben ebenfalls kaputt machen, sobald es soweit ist, wird sie ihn dann fallen lassen. Semir sah sie an. „Ich....weiß das ich Schuld bin. Aber ich habe auch eine Familie und ich muss für sie sorgen. Bitte versteh mich nicht falsch Angela....ich liebe meine Frau über alles in der Welt.“, sagte er mit fester Stimme. Angela sah ihn an. „Wenn du nicht gewesen wärest, dann würde mein Gino das auch tun. Du hast gesagt, du wirst alles für mich tun, also tu es!“, forderte sie ihn auf.

  • Andrea weinte leise. „Mama...warum weinst du?“, riss Aida sie aus den Gedanken. „Nichts... mein Schatz...es ist nichts... mir ist nur etwas in Auge geflogen.“, redete sie sich raus. „Wo ist Papa?“, kam die nächste Frage. Aida hatte es so genossen, dass Semir soviel Zeit für sie hatte, doch nun.... ja wo war er? „Papa kommt gleich wieder...“, versprach sie. Doch war es wirklich so? Seit einigen Tagen war er mehr bei Angela und Gina als bei ihr und Aida. Dabei waren sie doch wohl viel wichtiger als diese Frau...Eifersucht...da war sie. Was, wenn Semir sich in diese Frau verliebte? Was wenn er mehr Gefühle für sie bekam? Würde er sie und Aida dann verlassen? Die Angst und die Eifersucht machten sich in ihr breit. Sollte sie ihn anrufen oder sollte sie ihm nachfahren? Zweifel an Semirs Treue traten deutlich hervor. Die Angst ihren Ehemann an diese... diese ... sie suchte die richtigen Worte... diese Frau zu verlieren, sie war stärker, als es jemals der Fall war. Semir hatte in seinem Beruf oft mit hübschen Frauen zu tun, doch keiner war er bisher so hörig geworden, wie dieser Angela. Sie hatte ihm einer Gehirnwäsche unterzogen, das stand für Andrea fest. Sicher fing sie Semir mit seinen eigenen Schuldgefühlen ein und würde das ausnutzen. Andrea versuchte sich eine klare Erklärung für Semirs Verhalten zu Recht zu legen, um sich von der Eifersucht abzulenken, doch das ging nicht. Sie schwang unweigerlich mit. Was sollte sie nur tun? Wenn sie Semir direkt darauf ansprach, dann würde er sie wahrscheinlich verlassen. Sie musste sich einen ... Nein, sie musste mit Doktor Freiwald sprechen und ihm erzählen, was hier passierte. Nur er und Ben... ja Ben musste ihr auch helfen. Dieser ließ sich aber in der letzten Zeit hier nicht mehr sehen. Warum verstand Andrea nur zu gut. Dennoch nahm sie sich Aida und suchte die Karte von Doktor Freiwald und fuhr mit ihrer kleinen Tochter in die Stadt, ohne Semir eine Nachricht zu hinterlassen. Er sollte sich Sorgen machen, damit er sah, dass er noch eine Familie hatte, um die er sich mehr kümmern sollte.


    Semir sah Angela nur an. „Das... das kann ich nicht.“, stammelte er und sah auf das kleines Mädchen, dass auf seiner Spieldecke saß und mit großen Augen sich zu Semir umdrehte, als dieser im Zimmer stand. Schnell drehte er sich um und sah Angela flehend an. „Angela... bitte zwing mich nicht dazu. Ich ... ich habe selbst eine Tochter und eine wunderbare Frau, die ich in den letzten Tagen zu viel vernachlässigt habe, weil ich bei jedem Telefonanruf von dir gesprungen bin, wie ein unter der Knute stehender Schoßhund.“, versuchte er zu erklären. Funkelnd sah die Italienerin ihn an. „Du hast mir meinen Mann genommen und meiner Tochter den Vater, also wirst du auch deine Schuld begleichen und meiner Gina ein Vater sein.“, zischte sie und sah Semir wie besessen an. „Nein... nein, das kann ich nicht und das werde ich nicht. Hör zu, ich... ich habe dir meine Hilfe angeboten, aber so langsam bekomme ich den Eindruck, als wolltest du mich nur quälen, mich fertig machen für das, was ich dir angetan habe.“, versuchte Semir, doch Angela lachte nur verächtlich. „Glaubst du das wirklich? Ja Semir, das war in den ersten Tagen so, aber nun...“, sie kam dicht an Semir heran, umschlang ihn mit ihren Armen. „Nun brauche ich dich Semir.“, kam es liebevoll von ihr und ihre Lippen näherten sich langsam seinem Hals. Doch Semir drückte sie weg, befreite sich aus ihrem Klammergriff. „Nein, das geht nicht. Das ist falsch, was ich hier mache.“, stammelte er und fuhrt sich durch seine Haare. Doch wenn er geglaubt hatte, dass Angela jetzt so einfach aufgab, hatte er sich total verrechnet. Das italienische Temperament wachte nun vollkommen in ihr auf und fixierte Semir durch die Augen.


    Doktor Freiwald hatte gerade einen Termin hinter sich gebracht, als die Tür aufging und seine Sekretärin kurz den Kopf hereinstreckte. „Verzeihen sie, Herr Doktor, aber hier ist eine Frau Andrea Gerkhan und möchte sie dringend sprechen. Sie sagt, es geht um ihren Mann.“, präzisierte die Dame. Der Psychologe sah auf und nickte. „Sie soll reinkommen und bitte dann keine Störungen, während ich mit der Frau rede.“, mahnte der Doktor. Nickend verließ die Sekretärin das Büro und wenige Minuten später trat Andrea ein. „Herr Doktor... sie müssen mir helfen. Es geht um Semir.“, fing Andrea an und trat mit Aida auf dem Arm in das große Büro des Mannes ein. Dieser begrüßte sie mit einem festen Händedruck und strich Aida über den Kopf. „Wie geht es ihrem Mann?“, wollte Freiwald wissen und ließ sich in seinen Stuhl zurückfallen, schob dabei sein Mittagsimbiss, einen Apfel und etwas Bananenbrot mit Käse, zur Seite. „Ach, Semir gefällt mir gar nicht mehr. Diese Angela....“, Andrea machte eine kurze Pause, das sie schon wieder die Wut in sich aufkochen fühlte. „Diese Frau macht ihm das Leben direkt zur Hölle. Sie ruft ihn an und lässt ihn quer durch die Stadt kommen. Heute morgen hat sie angerufen und von Semir verlangt, dass er zu ihr kommt.... er ist im Auto hingefahren.“ Der Arzt sah erstaunt auf. „Er... er ist wieder Auto gefahren?“, kam es erstaunt von ihm. Andrea nickte. „Ja aber….er gibt uns für sie auf. Er tut alles für diese Angela und Gina aber uns lässt er links liegen…“, erklärte Andrea. Freiwald verstand. „Sie haben Angst, dass er Sie und Aida aufs Abstellgleis stellt?“, wollte er wissen. Andrea nickte.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D