Falsche Vergangenheit

  • Buh!
    Jaaa... ihr seht schon recht!
    Wir sind wieder da! Nach langer Zeit vor und nach den Prüfungen haben wir es endlich geschafft unsere nächste Geschichte online-reif zu machen!
    Wie ihr gesehen habt heißt sie "Falsche Vergangenheit" und wir hoffen doch von ganzem Herzen, dass sie bei euch so gut ankommt, wie alle unsere Storys vorher; auch, wenn wir uns mal wieder mit dem Tod beschäftigen! Aber keine Angst, diesmal wird es nicht so dramatisch!


    Na ja, ich laber schon wieder zu viel!
    Viel Spaß beim Lesen und bitte die Feeds nicht vergessen!
    LG
    Juliii und Alex!




    Falsche Vergangenheit
    (Juliii94 & Alexandra)


    Kapitel 1!


    Er weinte. Er hatte seit Jahren nicht mehr geweint, aber jetzt war es mal wieder soweit. Er saß auf ihrem Bett und hatte den Pullover den sie gestern noch getragen hatte fest an sich gedrückt. Wie in Zeitlupe ließ er sein Gesicht hinein sinken und spürte sofort einen heftigen Stich im Herzen; er roch noch nach ihr... nach ihrem Parfum.
    Jetzt hatte sein Vater es endlich geschafft! Sie hatte ihre Koffer gepackt und war gegangen. Neben ihm lag noch ihr Brief...


    Hallo mein Großer!
    Das hier fällt mir nicht leicht. Aber ich halte es mit deinem Vater einfach nicht mehr aus. Du bist inzwischen erwachsen genug um mich zu verstehen, da bin ich mir sicher.
    Es tut mir so wahnsinnig Leid das ich dich alleine zurück lasse, aber ich kann dich nicht mitnehmen, mein Schatz.
    Dein Vater lebt nur noch für seine Firma, er ignoriert mich entweder, oder wir streiten nur noch... ich kann einfach nicht mehr!
    Irgendwann werden wir uns wieder sehen und das wird der Tag sein an dem ich dich zu mir hole, Ben. Es dauert nicht mehr lange, aber zuerst muss ich mein Leben in den Griff bekommen...
    Ich will das du weißt das ich dich und deine Schwester über alles liebe!
    Ihr zwei werdet immer das wichtigste in meinem Leben sein, es zerreißt mir das Herz euch bei diesem Menschen zurück zu lassen.
    Ganz bald sehen wir uns wieder.
    Mein kleiner Ben...
    In Liebe
    dein Mama!


    Der 13-jährige war verzweifelt. Zwar hatte sie versprochen zurück zu kommen; ihn zu holen, doch wann würde das sein? In Monaten? Oder Jahren? Er wusste es nicht!
    Wie sollte er das seinem Julchen nur beibringen?! Die kleine hatte ihre Mama doch so lieb. Genau wie er.
    Jetzt sollten die beiden mit ihrem Vater allein leben? Besser gesagt ganz allein? Er war ja nie da, geschweige denn hatte er sich jemals besonders für seine Kinder interessiert.
    Plötzlich klopfte es an der Tür und ein siebenjähriges Mädchen mit langen, braunen Zöpfen kam ins Zimmer und sah ihren weinenden Bruder.
    „Ben...“, sagte sie leise und kletterte neben ihm auf´s Bett. „Warum bist du so traurig?“, fragte die Kleine und wischte Ben mit der Pfote ihres Teddys die Tränen von der Wange.
    „Julchen... du bist doch mein großes Mädchen, oder?“, stolz nickte die kleine.
    „Die Mama... die ist weggegangen...“, brachte er mühsam hervor, doch sie verzog keine Mine, sondern lächelte weiterhin. „Ich weiß. Sie hat mir geschrieben, aber da muss man doch nicht traurig sein! Sie kommt bald wieder!“
    Etwas überrascht sah Ben sie einige Sekunden an, nickte dann allerdings. Er zögerte kurz, doch dann zog er seine kleine Schwester in seine Arme und verbarg sein Gesicht in ihrem Haar... Ein leiser Schluchzer entfuhr ihm...


    18 Jahre später gähnte Ben Jäger ausgiebig und schlug mit einem dumpfen Geräusch auf seinen Wecker, damit dieser endlich ruhe gab. Mit einem weiteren Gähnen stand er auf, machte sich fertig, frühstückte und machte sich dann mit seinem Motorrad auf den Weg zu Arbeit. Es war ein schöner Morgen, die Sonne schien warm vom Spätfrühlingshimmel und die Vögel gaben ein Konzert, das er durch die Musik in seinen Ohren nicht hörte. Nickelback war es wert dies zu verpassen, dachte er sich, als ein vorwitziger Vogel knapp vor seinem Motorrad über die Autobahn flog...

  • Morgen! :)


    Kapitel 2!


    „Morgen!“, begrüßte Ben seine Kollegen in der Dienststelle als er mit seinem Helm unter dem Arm das Großraumbüro betrat. „Hey, du bist ja mal pünktlich. Wo schreib ich das denn hin?“, murmelte Semir während er eine Akte durchblätterte.


    Ben erwiderte nichts, sondern ließ sich bloß grinsend auf seinen Bürostuhl fallen und streckte sich erst einmal. „Na, was liegt so an?“, fragte Ben immer noch voller guter Laune.


    Gerade wollte Semir ihm antworten, da stürmte auch schon Susanne in das Büro der beiden. „Ben, Semir… Es gab eine Schießerei am Rastplatz Eifeltor. Zwei Verletzte. Die Täter flüchten in einem dunkelgrünem Kombi über die A4!“
    Ben stöhnte auf. „Na toll… Das war’s ja dann wohl mit dem schönem Morgen!“ Damit schnappten sich beide ihre Jacken und liefen nach draußen zum Wagen. Auf den Straßen war im Moment totale Rushhour. Unzählige Menschen waren auf dem Weg zur ihrem Arbeitsplatz, was den beiden das Vorankommen nicht gerade erleichterte. Schließlich erblickten sie jedoch den grünen Wagen, der mit einem Mordstempo über die Fahrbahn bretterte. Semir hatte große Mühe damit den vereinzelten Wagen auszuweichen, die durch die riskanten Überholungsmanöver der Täter ins Schleudern geraten waren.


    Doch als der grüne Kombi gerade einen LKW überholte, scherte kurz vor ihm ein weiterer PKW aus, keiner der beiden Wagen hatte mehr eine Chance zu reagieren. Mit einem ohrenbetäubenden Lärm knallten die beiden Wagen aneinander. Beide gerieten dermaßen ins Schleudern, dass der grüne Kombi neben die Fahrbahn schlitterte und eine Böschung hinunterstürzte...

  • Ist ja gut! Ich mach ja schon weiter! ;)
    Es freut mich, dass ihr uns wieder so mit offenen Armen willkommen heißt!
    Das ist echt lieb vn euch!
    Also, vielen Dank für die lieben Feeds!
    Weiter so! ;)


    LG!


    Mit einem harschen Bremsmanöver konnte Semir gerade noch verhindern, dass sie beide auch noch mit in den Unfall hineingeraten wären. Sofort sprangen beide aus ihrem Wagen, doch stockten sofort als sie sahen, wie die Insassen aus dem Wagen krabbelten. Zu recht, wie sich schnell erwies. Denn sofort gab es einen wahren Bleihagel auf die beiden Polizisten, die sofort in Deckung sprangen.
    „Na die wirft ja scheinbar nix so schnell aus der Bahn…“, nörgelte Ben vor sich hin, bevor auch er zurück schoss. Die beiden Täter liefen auf einen weiteren, scheinbar noch unbeschadeten Wagen zu. Plötzlich schaute Ben genau in das Gesicht, der einen von beiden. Es war eine Frau! Bens Herz blieb beinahe stehen. Nein! Das konnte nicht sein! Das ging doch gar nicht!
    Wie erstarrt schaute er weiter auf sie, doch das Gesicht war wieder verdeckt. Gerade zerrte der Mann eine junge Frau aus dem Wagen und stieg ein. Die andere Frau wollte es ihm gleich tun, als Semir auf sie zielte. Sofort läuteten alle Alarmglocken bei Ben. „Nein!“, schrie er Semir an und riss ihm die Waffe hinunter. Total perplex schaute dieser ihn an, während die Frau bereits in den Wagen gestiegen war und dieser sofort losfuhr und weiter flüchtete.
    Ben schaute immer noch wie gebannt auf die Stelle an der die Frau eben noch gestanden hatte, wurde jedoch schnell von Semir in die Realität zurück geholt. Dieser funkelte ihn böse an. „Kannst du mir bitte mal erklären, was das grade sollte?!“ Semirs harte Worte ließen Ben zusammen zucken. Mit geöffnetem Mund und geschockten Augen schaute er seinen Partner an. Er war nicht fähig irgendetwas zu sagen. Also stand er einfach nur auf, schüttelte den Kopf und ging langsam in Richtung BMW. Semir sah ihn nur fragend und verständnislos hinterher.
    Sofort ließ Ben sich auf den Sitz fallen und vergrub sein Gesicht in seinen zitternden Händen. Nein… er musste sich getäuscht haben. Das was er glaubte gesehen zu haben war einfach unmöglich! Es ging einfach nicht! Aber das Gesicht… Nein… er musste sich getäuscht haben… Er musste einfach!

  • Na, da ihr ja alle zu sterben scheint, weil die Teile so kurz sind... Wir haben uns erweichen lassen!
    Aber dafür die Feeds nciht vergessen, ja? ;)


    Kapitel 3!

    Ben saß mitten in einer Vorlesung. Da klopfte es plötzlich an der Tür und eine Sekretärin trat ein. Doch der Student kümmerte sich gar nicht darum. Er war viel zu sehr damit beschäftigt kleine Autos, Totenköpfe und anderen Krimskrams auf das Papier zu zeichnen, auf dem eigentlich seine Notizen stehen sollten.
    Erst als der Professor etwa zum dritten mal seinen Namen rief bekam er es mit und sah auf.
    „Sofort ins Büro von Dr. Bremer!“, rief er. Ben war völlig perplex... was hatte er angestellt? Schickte der olle Spießer ihn etwa zum Universitätsleiter, nur weil er seinem Vortrag nicht wie alle anderen gespannt gelauscht hatte?! Das konnte doch wohl nicht sein Ernst sein!
    Dennoch stand er widerstandslos auf, packte seine Sachen zusammen und verließ die Vorlesung. Die Sekretärin ging vor; besser gesagt sie wackelte. Sie war eine ältere Dame, ziemlich klein und pumelig. Sie erinnerte an eine liebenswerte Großmutter.
    Schließlich waren sie am Büro von Bremer angekommen, die Dame klopfte an und wies Ben an hinein zu gehen.
    „Bitte nehmen Sie platz.“, bat ihn der Professor schon und auch diesmal gehorchte er widerstandslos. „Ben, hören sie mir zu. Ich muss ihnen eine schlimme Nachricht überbringen, da ihr Vater kurzfristig auf Geschäftsreise musste.“
    „Ist was mit meiner Schwester? Geht es ihr gut?“, fragte er aufgeregt. „Mit ihrer Schwester ist alles in Ordnung.
    Es geht um ihre Mutter.“, der 20-jährige bekam große Augen. Sein Herz begann schneller zu schlagen und ein undefinierbares Gefühl breitete sich in ihm aus.
    „Meine Mutter hat uns vor sieben Jahren verlassen. Ist sie wieder aufgetaucht?“, fragte er skeptisch.
    „Nun... Es tut mir wirklich sehr Leid... Man hat ihre Leiche gefunden... in Neuseeland...“
    Einen Moment sah Ben den Mann einfach nur an. Das musste ein Scherz sein! Er rechnete schon seit Jahren nicht mehr damit dass sie zurück kam, aber tot?! Sie würde nie NIE wieder zurückkommen?! Das konnte... durfte nicht wahr sein!!!
    Wie in Trance stand er auf und lief einfach nur weg. Einfach weg...Der Schmerz schien ihn zu zerreißen... War mit keinen Qualen zu vergleichen...


    Semir riss wütend die Fahrertür auf, stieg ein und knallte sie laut wieder zu. „Ben, was zu Teufel fällt dir ein?! Ich hätte sie erwischt! WARUM hast die meine Waffe weg geschlagen?!“
    Zuerst fühlte er sich nicht in der Lage auch nur einen Ton von sich zu geben. All die schlimmen Erinnerungen... alles war wieder da. Der Verlust seiner Mutter war so schmerzhaft gewesen und jetzt... Jetzt lebte sie?! Die Frau, auf die Semir hatte schießen wollen, das war eindeutig sie gewesen. Auch wenn es 17 Jahre her war, dass er sie zum letzten mal gesehen hatte... das Gesicht seiner Mutter vergaß man nie, egal wie sehr es sich veränderte... wie lange das letzte Treffen her war.
    „Die Frau...“, begann er. „Ja?!“, drängte Semir weiter.
    „Ich kenne sie...“
    „Wenn du mir jetzt damit ankommst das es mal wieder eine Ex-Freundin von dir war, dann schwöre ich dir, reiße ich dir den Hals ab, Herr Hauptkommissar!“
    Immer noch hatte er sein Gesicht verborgen, doch jetzt hob er es aus seinen Händen. Semir sah die Tränen darin schimmern und sofort bereute er seine harschen Worte. Er hatte nicht nachgedacht, was wenn er Ben damit verletzt hatte?!
    „Semir, die Frau war meine Mutter...“, hauchte er verzweifelt.
    „Aber... ich dachte deine Mutter währe tot!“, stieß er überrascht aus.
    Ben sah ihm in die Augen; „Das ist sie offiziell auch...“
    ...

  • Danke für eure Feeds! Macht weiter so! :)


    Kapitel 4!


    „Aber…“, jetzt war auch Semir total baff und schaute Ben fragend an.
    „Ja eben Semir! Aber!“, schrie er Semir fast schon an. „Ich kapier hier die Welt grade nicht mehr, verstehst du?“, fügte er wieder leiser hinzu, bevor er sein Gesicht wieder in seinen Händen vergrub.


    Semir musste schlucken. Er wusste nicht so recht was er sagen, geschweige denn tun sollte. „Und… du bist dir wirklich sicher? Ich meine… du konntest ihr Gesicht bloß für einen Bruchteil einer Sekunde gesehen haben, außerdem muss das doch schon ewig her sein, wo du sie das letzte Mal gesehen hast… Bist du sicher das du dich nicht getäuscht hast?“, fragte er vorsichtig.
    Jetzt hob Ben wieder sein Kopf und funkelte Semir ungläubig an. „Semir! Ich erkenne ja wohl meine eigene Mutter! Ich weiß wie lange das her ist, aber das Gesicht… Semir, das war sie!“


    Für einen Moment herrschte eine bedrückende Stille, bis Semir schließlich weiter fragte. „Was ist mit ihrer Leiche? Irgendjemand muss sie doch einmal identifiziert haben!“ Ben schüttelte den Kopf. „Angeblich hatte sie schon ein paar Jahre in Neuseeland gelebt, sich dort ein neues Leben aufgebaut und neue Freunde gefunden… Von denen ist sie dann auch identifiziert worden.“
    „Das heißt, sie könnte tatsächlich noch leben…“, schlussfolgerte Semir und Ben nickte bloß. „Aber… warum Semir?“ Fragend schaute Ben seinen Partner an, doch der verstand nicht sofort. „Warum das alles… Warum hat sie sich nie gemeldet, warum war sie gerade an einer Schießerei beteiligt? Das… das passt doch alles gar nicht zu ihr…“, murmelte Ben mehr vor sich hin.


    „Ben… wie alt warst du als du sie das letzte Mal gesehen hast? 14? 15?“ „13…“, sagte Ben leise. „Eben. Nehmen wir an sie war es wirklich… Das Ganze ist jetzt 17 Jahre her, das ist eine verdammt lange Zeit…“ „Wie meinst du das?“, fragte Ben und schaute Semir ungläubig an. „Na ja… Menschen ändern sich…“, sagte Semir sanft und schaute Ben direkt in die Augen. „Meine Mutter ist kein schlechter Mensch!“, schrie Ben seinen Partner vollkommen empört an. Wutschnaubend stieg er aus dem Wagen wieder aus und steuerte auf eine Leitplanke zu, auf der er sich letztendlich niederließ. Semir atmete schwer aus, auch für ihn war es nicht einfach mit der Situation umzugehen, konnte er sich doch vorstellen, wie sein Partner sich jetzt fühlen musste.


    Außerdem war er sich unschlüssig. Dass das wirklich Bens Mutter gewesen sein sollte, nur sehr wenig sprach dafür. Aber er hatte Ben schon einmal nicht geglaubt, damals, als er den Mord beobachtet hatte, diesen Fehler würde er nicht ein zweites Mal begehen. Entschlossen stieg auch er wieder aus dem Wagen und ging zielstrebig zu Ben.
    Dort angekommen ließ er sich neben ihm nieder. Er sah das die Hände seines Partners und Freundes zitterten und auch, dass dieser krampfhaft versuchte dieses vor ihm zu verstecken. Doch Semir legte schützend seine Hand auf die Bens. „Ben… ich.. ich kann dir deine Fragen nicht beantworten, aber… wenn deine Mutter noch lebt, dann… ich verspreche dir das wir sie dann finden werden. Dann bekommst du Klarheit über alles.“, sagte er ermutigend.


    Zunächst erwiderte Ben nichts, doch schließlich nickte er und sah Semir dann in die Augen. „Danke…“


    Zur gleichen Zeit schossen auch der Frau aus dem Wagen etliche Fragen durch den Kopf. Sie hatte ihn nur kurz gesehen und doch war sie sich totsicher. Er war es. Ihr Sohn…

  • Danke.... vielen Dank für euer lob!!
    MAcht weiter so... das währe das beste was uns passieren kann! ;):D


    Kapitel 5!


    „Was ist los, Maddie?“, der Mann neben Madeleine warf ihr einen Seitenblick zu. Doch sie antwortete nicht. Das konnte doch nicht wahr sein, doch sie hätte ihn unter Millionen wieder erkannt... ihren kleinen, süßen Sohn... obwohl... klein und süß war wohl nicht mehr der richtige Ausdruck! Eher groß und mhhh... sie schämte sich fast es zu denken... ziemlich sexy... und er war offenbar Polizist...
    Ihr Ben... Er hatte sie gerettet! Er hatte dem kleinen Mann seine Waffe weg geschlagen... doch warum hatte er das getan? Hatte er sie etwa erkannt? Aber das konnte nicht sein. Sie hatte sich sehr verändert in den letzten Jahren und seine Erinnerung an sie musste sehr verblasst sein. Er konnte sie unmöglich erkannt haben. Doch warum sollte er dann eine gewöhnliche Verbrecherin retten?


    Mittlerweile war die Verstärkung angerückt und der Krankenwagen hatte die Verletzten weg gebracht. „Geht´s wieder?“, fragte Semir seinen Partner, der mittlerweile die Augen geschlossen hatte und den Kopf in Richtung Himmel reckte. Das zittern hatte sich wieder gelegt und auch so wirkte er wieder ziemlich gefasst.
    Ben nickte. Es stimmte zwar nicht, da alles in ihm wieder hochgekommen war; jegliche Erinnerungen an sie und natürlich auch der Schmerz, den er unweigerlich mit ihr in Verbindung brachte, doch das war jetzt zweitrangig! Erst einmal hatten er und Semir ihre Arbeit zu erledigen, dann konnte er sich Gedanken über Madeleine Jäger machen und vielleicht auch seine kleine Schwester einweihen...


    Die nächsten Stunden, bis Dienstschluss zogen sich wie Kaugummi. Zeugen befragen, Beweise sichern, der Chefin das Chaos auf der Autobahn erklären, Anzeigen aufnehmen, Berichte schreiben... Wie sie es doch alle beide hassten! Doch das gehörte nun mal zu ihrer Arbeit – neben dem für Sicherheit auf Kölner Straßen sorgen, vorgetäuschte Austauschprojekte mit Frankreich vollziehen und Autos schrotten.
    Doch weder Hartmut, noch seine Leute konnten bis jetzt verwertbare Spuren finden. Sie blieben natürlich weiterhin dran.
    Da es absolut nichts neues gab fuhren die beiden Hauptkommissare schließlich ausnahmsweise einmal pünktlich von Gelände. Semir steuerte natürlich seine Familie an, während Ben sich auf den Weg nach Neuss machte. Julia war mit ihrem Mann vor ein paar Wochen dort hin gezogen...

  • Kapitel 6!



    Auf der gesamten Fahrt dachte Ben nach. Er konnte einfach immer noch nicht glauben, was alles in den letzten Stunden passiert war. Unzählige unbeantwortete Fragen schwirrten ihm durch den Kopf und er wusste, dass nur eine Person diese ihm beantworten konnte. Seine Mutter. Doch in sich fühlte er nur eine große Leere. Im Grunde hätte er sich ja freuen können, schließlich war sie doch noch nicht tot! Sie lebte! Doch im Moment überwog eher die Wut. Wenn sie noch lebte, warum hatte sie das alles gemacht? Warum hatte sie so getan als wäre sie gestorben? Warum hatte sie Julia und ihn im Stich gelassen? Und die Frage, die ihn im Moment fast am meisten beschäftigte… Was zum Teufel hatte sie mit dieser Schießerei zu tun? Hatte Semir wohlmöglich Recht und sie war nun wirklich ein komplett anderer Mensch? Vielleicht war sie ja auch nie anders gewesen und er hatte es bloß als Kind nie gemerkt, oder nie merken wollen… Ben wusste nur eins, bis an den Tag, an dem sie ihre Koffer gepackt hatte, war sie nie eine schlechte Mutter gewesen. Ganz im Gegenteil…


    Ben musste schlucken als er aus seinem Wagen ausstieg und auf das Haus seiner Schwester zu ging. Kaum hatte er die Stufen zur Haustüre hoch genommen, da öffnete sich auch schon die Tür. „Hey Ben!“, rief seine Schwester freudig aus. „Ich hab dich schon kommen gesehen. Was verschlägt dich denn zu mir?“ Ben lächelte sie nur an und betrat dann erst einmal das Haus.
    Alles war noch etwas chaotisch. Vereinzelt standen noch einige Kisten unausgepackt in der Ecke herum. Doch die Einrichtung war soweit vollständig. Es war ein wirklich schönes, gemütliches Haus geworden in den letzten Wochen.


    „Ist irgendwas los?“, fragte Julia ihren Bruder, während sie gerade eine Kiste umstellte. Sie merkte, dass Ben bedrückt war. Dieser nickte, „Können wir mal kurz reden?“, fragte er und zeigte auf die Couch. „Klar, worum geht’s denn?“ Damit ließen sich beide auf das bequeme Sitzmöbelstück nieder. „Es ist…“, Ben wusste nicht so richtig wie er anfangen sollte, er hatte große Mühe damit seine Gedanken zu ordnen. „Es geht um Mama…“ Sofort schluckte Julia. Sie hatte damals sehr darunter gelitten, dass ihre Mutter sie scheinbar im Stich gelassen hatte. „Sie… sie lebt.“ Abwartend schaute er in Julias Gesicht. Doch zunächst geschah nichts. Keine Reaktion. Julia schien wie erstarrt, bis sie schließlich lachend den Kopf schüttelte. „Aber Ben… das ist doch unmöglich. Mama ist tot. Man hat damals ihre Leiche gefunden! Sie wird wohl kaum auferstanden sein… Wie kommst du überhaupt darauf?“


    Äußerlich spielte sie die Realistin, die nur die Fakten sah, aber innerlich brodelte es in ihr. Was wenn das wirklich stimmte? Eine Art Hoffnungsschimmer keimte in ihr auf. Schließlich hatte auch sie soviele unbeantwortete Fragen.
    „Julia… ich bin mir sicher! Ich hab sie gesehen!“ Jetzt wich jegliche Farbe aus ihrem Gesicht. „Aber…“, brachte sie mit zittriger Stimme bloß hervor. „Es war heute Morgen bei einem Einsatz… Ich konnte ihr Gesicht zwar nur kurz erkennen, aber… ich bin mir jetzt hundertprozentig sicher Julia… Sie war es!“ „Wieso denn bei einem Einsatz? Hat sie dich erkannt? Warum konntest du nicht mit ihr sprechen?“, auch in Julias Kopf kamen unzählige Fragen auf.


    Ben schaute nun mit gesenktem Kopf auf den Boden. „Julia… da ist noch was… Der Einsatz… sie ist mit den Tätern geflüchtet…“ Jetzt waren Julias Augen endgültig weit aufgerissen. „Aber wie.. wie meinst du das Ben?“, fragte sie mit schwacher Stimme.
    Doch ihr Bruder schaute weiter auf den Boden. „Im Moment… es sieht alles danach aus, dass… dass sie an einer Schießerei auf der Autobahn beteiligt war…“


    Es herrschte Totenstille. Selbst das Zwitschern der Vögel, was durch das geöffnete Fenster bis eben zu hören war, schien für den Moment verstummt. Plötzlich lachte Julia bitter auf und schaute Ben kopfschüttelnd an. „Das… das ist jetzt nicht dein Ernst oder?“, fragte sie ungläubig. Doch Ben gab ihr keine Antwort.


    Daraufhin sprang Julia auf und lief mit einem Schluchzen aus dem Raum. Ben hörte bloß noch wie sie sich den Schlüsselbund griff und die Haustüre laut zu knallte. Sie war weggerannt. Das hatte sich schon als Kind oft gemacht. Ben erinnerte sich wieder genau daran, wie er am Anfang immer total verzweifelt nach ihr gesucht hatte. Er hatte sich immer so einsam in diesen Momenten gefühlt. Sein Vater war schließlich nie da gewesen, wenn er ihn gebraucht hätte. Irgendwann hatte er aber dann begriffen, dass Julia einfach nur alleine sein wollte und spätestens nach ein paar Stunden wieder nach Hause kommen würde…


    Ben war einfach so sitzen geblieben. Er wusste nicht wie lange, doch irgendwann stand er auf und schnappte sich einen Zettel.


    Ich weiß wie es dir jetzt gehen muss,
    schließlich geht’s mir ja genauso…
    Ich wünschte ich hätte andere Nachrichten für dich gehabt…
    Meld dich, ja?


    Kuss, Ben

  • Kapitel 7!


    Als Ben am nächsten Morgen erwachte hatte er eine Nachricht auf seinem Anrufbeantworter.
    „Hey Ben, ich bins. Ich brauchte Zeit zum nachdenken... was du mir da über Mama erzählt hast; das geht nicht! Ich... ich weiß doch auch nicht. Sag mir bitte Bescheid, sobald ihr was habt, ja? Ich hab dich lieb!“, erklang die Stimme seiner Schwester aus dem Anrufbeantworter. Ben fühlte sich so schlecht wie sie sich angehört hatte; kaum geschlafen hatte er und seine Augenringe bestätigten dies in aller Deutlichkeit. Widerwillig machte er sich für die Arbeit fertig und stieg dann auf sein Motorrad. Die Gedanken an das, was gestern passiert war ließen ihn nicht mehr los; war das wirklich seine Mutter gewesen? Und wenn ja, warum schoss sie dann mit einem Komplizen auf einen unschuldigen Bürger, der völlig sauber war und noch nicht mal einen Punkt in Flensburg bekommen hatte? Komplett weiße Weste. Seine Freundin, die ebenfalls noch um ihr Leben kämpfte war genau so sauber. Er war so in seine Gedanken versunken, dass er noch nicht einmal bemerkte, dass er einen Wagen auf der Autobahn geschnitten hatte um noch rechtzeitig die Ausfahrt zu erwischen.
    „Man, siehst du scheiße aus!“, wurde er mit sanfter Stimme von Semir empfangen; er konnte sich nicht vorstellen, was im Moment in seinem Partner vorgehen mochte. Er hoffte nur das Ben sich ihm anvertrauen würde.
    „Danke für´s Kompliment!“, seufzte er, ließ sich auf seinen Platz fallen, schnappte sich Semirs Kaffeetasse und leerte sie in einem Zug.
    „Gibt´s was neues?“, wollte er dann wissen. Semir musste sich fest auf die Zunge beißen um keinen bissigen Kommentar aufgrund seiner nun leeren Tasse abzugeben. „Mehr oder weniger. Die Phantomzeichner kommen nachher vorbei, sie haben uns eingeschoben. Chris Wailand und seine Lebensgefährtin Marina Lest sind weiterhin im Koma, aber laut den Ärzten werden sie wohl durchkommen. Dann können sie uns sagen was da überhaupt los war. Und Hartmut hat angerufen, wir sollten in die KTU kommen. Er ist mit den Wagen fertig und hat da wohl das ein oder andere interessante Detail gefunden, aber wie er nun mal ist... er will nichts am Telefon verraten.“
    „Ja... und die Flüchtigen...?“, fragte er sehr vorsichtig, als könne etwas explodieren, sobald er die Worte aussprach. Semir schüttelte den Kopf.
    In diesem Moment öffnete sich die Bürotür und Kim trat ein. Die Chefin hatte sich nach der Sache mit Frankreich stark verändert. Sie hatte ihre Eiskalte Hülle abgelegt, sich für Ben stark gemacht, so das sein Eigenmächtiges Handeln um René LaPouré, einer schönen, aber hinterhältigen Halbfranzösin die gegen ihren Willen in kriminelle Machenschaften verwickelt worden war, zu helfen ungestraft blieb. Damit hatte sie sich den Respekt und die Anerkennung ihrer Mannschaft gesichert. Das gesamte Verhältnis war viel entspannter geworden und man konnte mittlerweile sogar darüber nachdenken mit ihr zu reden, wenn man ein Anliegen hatte. Doch in die Sache mit seiner Mutter, da würde Ben sie nicht einweihen. Sie würde ihn für verrückt erklären, sich fragen warum sie sich dafür stark gemacht hatte, dass er im Polizeidienst bleiben durfte. Das ganze war einfach zu unglaubwürdig. „Gutem Morgen, meine Herren! Nun... haben Sie schon Ergebnisse?“, wollte sie wissen, lehnte sich in den Türrahmen und verschränkte die Arme. Semir berichtete alles was sie schon erfahren hatten, Bens Mutter ließ auch er aus dem Spiel, aber er glaubte Ben. Er hatte es einmal nicht getan und es bitter bereut.
    „Gut. Dann fahren Sie in die KTU. Bringen Sie in Erfahrung was Herr Freund herausgefunden hat.“, nickte sich und ging dann wieder in ihr Büro. Die beiden nahmen sich ihre Jacken und stiegen in Semirs silbernen BMW.
    ...

  • Kapitel 8!



    „Hey ihr zwei!“, begrüßte der Rotschopf die beiden Kommissare, als sie die KTU betraten. „Hallo Hartmut… du hast Neuigkeiten für uns?“, fragte Semir direkt. Hartmut nickte. „Wir haben den gesamten Wagen auf den Kopf gestellt… Fingerabdrücke haben wir zwar keine gefunden, aber diverse, kleinere Hautpartikel. Wir lassen sie schon durch den Computer laufen, wird wohl aber noch ein bisschen dauern. Außerdem hab ich noch das hier gefunden…“ Hartmut nahm eine kleine Plastiktüte hervor.


    „Eine teure Goldkette. Im Anhänger ist ein Brillant eingearbeitet. Sieht nach einem Erbstück oder etwas in der Art aus…“, erklärte er und hielt das Tütchen in die Luft. Sofort weiteten sich Bens Augen. Hastig riss er Hartmut die Plastiktüte aus der Hand und betrachtete sie näher. „Hey…“, grummelte Hartmut beleidigt vor sich hin, da Ben die Kette so grob aus seinen Händen gerissen hatte. Ben betrachte sich währenddessen das Schmuckstück näher und schaute dann mit offenem Mund zu Semir, der ihn fragend anblickte. „Was ist?“ „Das ist’s… das ist der Beweis…“ „Beweis? Wofür?“, Semir verstand nicht. „Die Kette… die gehört meiner Mutter…“
    Jetzt war auch Semir erstaunt. „Bist du dir sicher?“, fragte er nach und Ben nickte entschlossen. „Wie Hartmut schon vermutet hat… Erbstück… Die hat meiner Großmutter gehört, kurz bevor sie starb, hat sie sie meiner Mutter gegeben. Sie liebt diese Kette. Sie hat sie immer getragen… Das hat mich damals schon stutzig gemacht… Bei ihrer angeblichen Leiche hat man nämlich nie solch eine Kette gefunden…“, murmelte Ben vor sich hin.


    Semir nickte. Irgendwie erleichterte ihn die Tatsache, dass Bens Theorie nun endlich nicht mehr so unglaubwürdig schien. So ganz wollten ihn die Zweifel nämlich dann doch nicht verlassen, dass Ben sich vielleicht doch nur getäuscht hatte. Doch eine Frau die Bens Mutter ähnlich sah und dann auch noch genau dieses Erbschmuckstück trug, nein… Das wären zu viele Zufälle auf einmal. Er glaubte Ben. Seine Mutter musste wirklich noch leben.


    Als die beiden sich von Hartmut verabschiedet hatten, nachdem dieser versprochen hatte sich sofort zu melden, wenn der Computer etwas ausspuckte, und nun wieder im Auto saßen, schaute Semir auf seinen gedankenverlorenen Partner. „Ben?“ „Hm?“, schreckte der Angesprochene leicht auf und wendete seinen Blick zu Semir herüber. „Meinst du nicht wir sollten die Krüger jetzt mal einweihen? Immerhin haben wir jetzt die Kette…“ Ben schaute skeptisch. „Ich weiß nicht Semir… Die ganze Sache klingt immer noch irgendwie absurd… Nachher zieht sie mich noch vom Fall ab, weil sie denkt ich würde mal wieder spinnen.“, sagte Ben mit hochgezogener Augenbraue. „Ich glaube nicht das sie das riskiert… so ein Tritt gegens Schienbein kann schließlich ziemlich weh tun…“, grinste Semir und auch Ben musste lachen. „Na gut… Irgendwann muss sie’s ja eh erfahren…“ Damit verließ der silberne BMW das Gelände der Kriminal-Technischen-Untersuchung und fuhr zurück in Richtung PAST.



    „Verflucht! Das ist jetzt nicht dein Ernst oder? Du hast doch nicht wirklich diese bescheuerte Kette verloren oder??“, schrie Thomas Madeleine an. Diese zuckte daraufhin unwillkürlich zusammen. Das war wieder einer dieser Momente, in denen sie furchtbare Angst vor Thomas hatte. In der einen Minute war er noch verständnis- und liebevoll und in der nächsten wieder so aggressiv und geladen, dass sie jeder Zeit befürchtete er würde sie schlagen. Immerhin wäre es ja auch nicht das erste Mal. Doch als er sah, wie sie verängstigt in der Ecke stand, versuchte er sich ein wenig zu bändigen. Laut atmete er aus. „Na ja… vielleicht finden sie diese Kette ja nie… und selbst wenn… weiß doch eh keiner das die dir gehört.“


    Das Madeleine glaubte ihren Sohn gesehen zu haben und das dieser auch noch Polizist zu sein schien, verschwieg sie Thomas lieber. Denn das hätte ihn endgültig durchdrehen lassen. Innerlich hoffte sie das es tatsächlich Ben war. Vielleicht würde er die Kette ja erkennen und sie hier raus holen… Endlich… nach all den Jahren… Doch wahrscheinlich war das unmöglich. Für Ben war sie schließlich tot…

  • Kapitel 9!


    Sie hatte es sich auf der Matratze bequem gemacht, sich zusammengerollt und dachte nach. Immer noch schien ihr Herz zu zerreißen, als sie daran dachte, wie sie ihrem Ben den Abschiedsbrief geschrieben hatte...


    Sie spürte den Lauf der Waffe in ihrem Nacken, als sie stumm weinend die Abschiedsworte an ihren geliebten Sohn schrieb. „Jetzt mach schon schneller, Maddie! Wir haben nicht ewig Zeit, wir müssen zum Flughafen!“
    „Thomas, bitte... warum ich?! Ich habe Familie und...“, schluchzte sie, doch er drückte die Waffe noch fester in ihren Nacken. „Warum du? Ganz einfach... weil wir dich durch deine Familie in der Hand haben und weil du nun mal die beste deines Faches bist!“
    „Es gibt doch genug andere...“
    „Aber keiner ist annähernd so gut wie du, kleines. Wir werden in Neuseeland beginnen, dort den Monet stehlen und anschließend deinen Tod vortäuschen, damit niemand auf die dumme Idee kommt, dass du noch leben könntest.“
    „Aber mein Mann... ich habe mich gerade erst mit ihm versöhnt... er wird nach mir suchen!“, startete sie einen letzten Versuch. Doch Thomas lachte nur und befahl ihr weiter zu schreiben.

    Mit schimmernden Augen sah sie aus dem Fenster... Sollte es vielleicht wirklich endlich vorbei sein? Nie mehr Tresore auf der gesamten Welt knacken und Geld, wertvolle Dokumente oder Bilder stehlen?


    „Was?!“, Kim sah die beiden mit großen Augen an, dann lachte sie kurz auf, „Ben, bitte verzeihen sie, aber ihre Mutter ist tot! Soweit ich das aus Ihrer Akte entnommen habe ist sie in Neuseeland bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen, als sie Anfang zwanzig waren.“
    Ben spürte den Stich ins Herz; die Gefühle und Erinnerungen, die in ihm aufgewirbelt wurden, wie weh es damals getan hatte als er von ihrem Tod erfahren hatte. Doch er nahm sich zusammen und holte einmal tief Luft... er wollte und durfte seine Schwäche nicht zeigen, das war nicht seine Art. „Da haben sie recht... das ist die offizielle Version. Sie ging als ich... ich glaube ich war 13. Aber sie hatte keinen Grund. Ich habe mich schon immer gefragt warum. Und dann kam die Nachricht von ihrem Tod und ich habe damit abgeschlossen. Aber gestern, bei der Schießerei... Ich habe sie eindeutig erkannt. Sie ist mit dem Mann geflüchtet, der auf Wailand und seine Freundin geschossen hat.“
    Kim stand auf und ging langsam zum Fenster um hinaus zu sehen. „Ben, hören Sie. Ich würde ihnen wirklich gerne glauben, dass sie noch lebt, aber ihre Mutter ist offiziell tot. Es könnte einfach eine Frau gewesen sein die ihr sehr ähnlich sah... wie lange haben sie sie nicht mehr gesehen? 17 Jahre? Solange sie keine Beweise haben...“
    „Ich habe Beweise!“, erstaunt hob sie die Augenbrauen und sah ihn eindringlich an. Ben zog den Plastikbeutel mit der Kette aus seiner Innentasche. Bevor er sie an seine Chefin weitergab betrachtete er sie einen Moment und noch mehr Kindheitserinnerungen wurden geweckt.
    „Die ist sehr schön... sieht aus wie ein Erbstück... aber was soll sie beweisen?“, wollte sie wissen und drehte das Schmuckstück in ihren Händen um es von allen Seiten betrachten zu können. „Sie gehörte meiner Mutter. Hartmut hat sie in dem Wagen in dem die Täter ankamen gefunden...“ Sie nickte und schien nachzudenken. „Das beweist nichts. Wir können die DNA an ihr untersuchen und feststellen lassen wie alt sie etwa ist. Ihnen ist bewusst das dies ihr Nachteil ist?“
    Sie sah ihren besten Männern fest in die Augen. „Ich verstehe nicht, Chefin...“, sagte Semir verwirrt.
    „Sollte sich ihr Verdacht erhärten muss ich Sie offiziell von dem Fall abziehen. Eigentlich müsste ich das jetzt schon, sie sind nicht mehr objektiv, Ben. Wenn die Schranke davon Wind bekommt...“
    „Wird sie und alle nach Halliog Hoge versetzen...“, beendete Semir den Satz.
    „Aber Chefin!“, begehrte Ben auf, doch sie unterbrach ihn. „Ich werde Sie OFFIZIELL von dem Fall abziehen, falls die Untersuchung etwas ergibt. Sorgen sie dafür das wir die Ergebnisse so schnell wie möglich haben! Und versuchen sie verdammt nochmal etwas anderes zu finden, das uns weiter bringt! Ein Strohhalm an den wir uns klammern können, irgendwas! Ich will nicht das wir in die Negativschlagzeilen geraten.“, nickte sie und deutete auf die Tür. Ben nahm die Kette seiner Mutter und sein Partner und er verließen ihr Büro. „Denkst du das, was ich denke, Semir?“, fragte Ben und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Sie wird uns OFFIZIELL von dem Fall abziehen, feixte der Deutschtürke und grinste breit.
    „Weißt du was? So langsam fangen wir glaube ich an Kim Krüger kennen zu lernen.“, lächelte Ben traurig...

  • Wie heißts so schön? Besser zu spät als nie ;)
    Sry, das es so spät wurde heute!


    Kapitel 10!



    Madeleine lag immer noch einfach da und rührte sich nicht. Stumme Tränen flossen über ihr Gesicht. Es war schon lange her gewesen, dass sie das letzte Mal geweint hatte. All die Jahre in denen sie sich immer tiefer in diesen kriminellen Sachen verstrickt hatte, hatten sie abgebrühter werden lassen. Was hatte sie auch für eine andere Wahl gehabt? Alleine hätte sie es nie geschafft aus den Fängen Thomas‘ zu kommen.


    Sie erinnerte sich noch genau an die Zeit vor 17 Jahren… Und sie könnte sich am liebsten immer wieder aufs Neue ohrfeigen, wenn sie daran dachte wie sie in all das rein geschlittert war. Sie hatte riesige Wut an diesem Abend auf ihren Mann gehabt. Wieder mal war ihm die Firma wichtiger gewesen als seine Familie. Sie wollte das alles nicht mehr. Sie wollte, dass ihre Kinder entweder einen richtigen Vater hatten oder eben keinen. Ja, sie war drauf und dran gewesen sich scheiden zu lassen und mit den Kindern wegzuziehen.
    Sie hatte sich in eine Bar gesetzt und ziemlich viel getrunken. Was genau alles passierte, weiß sie heute nicht mehr im Detail.


    Irgendwann hatte sie auf jeden Fall diesen Mann neben sich sitzen gehabt und verfiel mit ihm in ein Gespräch. Ihre Wut und Trauer und nicht zuletzt ihr schon ziemlich benebelter Kopf hatten dazu geführt, dass sie diesem Mann, den sie ja eigentlich gar nicht kannte, ihr gesamtes Herz ausgeschüttet hatte. Nie wäre sie auf den Gedanken gekommen, welchen perfiden Plan dieser Mann in dem Moment beschlossen hatte. Madeleine erinnerte sich dann erst wieder an den nächsten Morgen, sie hatte die Nacht mit Tobias verbracht und irgendwie, ja… er hatte ihr gefallen. Er war so liebevoll zu ihr, wie sie es von ihrem Mann schon lange nicht mehr zu spüren bekommen hatte. Ein paar Tage ging das ganze so weiter, ohne das Konrad auch nur irgendwas davon bemerkt hatte. Doch plötzlich hatte sich wieder alles gewandelt. Konrad hatte seine Fehler endlich begriffen und ihr wieder gezeigt, dass er sie und seine Kinder liebte.
    Sie hatte ihm verziehen, ja, sie hatte ihm verziehen… Sie wollte die Sache mit Tobias schnell wieder beenden, bevor ihr Mann davon Wind bekam. Doch genau das war der besagte Tag gewesen. Nie hätte sie damit gerechnet, dass all das passieren würde.



    Hinterhältig lachte er auf als sie ihm alles gesagt hatte.
    „Sieh an, sieh an… Du willst mich also verlassen?“, grinste er sie an und Angst begann in ihr aufzusteigen. „Tja meine Liebe, da muss ich dich leider enttäuschen… Du kamst mir wie gerufen.“


    Bedrohlich ging er auf sie zu und drängte sie so in die Ecke. Ohne den Blick von ihren Augen abzulassen sagte er, „Du wirst für immer bei mir bleiben… hörst du? Schließlich brauch ich dich und deine Fähigkeiten doch noch.“


    Ein Ekelgefühl kam in ihr auf. Zusätzlich zu ihrer unfassbaren Angst. Wo war sie hier bloß hineingeraten? Ihr Herz schlug bis zum Hals als er sie an den Armen fasste. Zuerst nur sanft, doch als sie sich wehrte, veränderte sich schnell sein Gesichtsausdruck und auch sein Griff wurde härter.


    Er war viel stärker als sie, alleine hatte sie keine Chance. Unsanft zog er sie unter heftigem Widerstand ihrerseits in einen kleinen dunklen Raum ohne Fenster. Nur eine schwache Glühbirne bat ihr etwas Licht als er die Tür zuschlug und sie alleine ließ…

  • Na denn... weiter gehts!
    Feeds!


    Kapitel 11!


    „Ok, und wie machen wir jetzt weiter?“, fragte Ben und strich sich müde über die Augen, als sie einem Kollegen (unter schwachen Protesten seinerseits) das Erbstück der Familie Jäger übergeben hatten, damit ein Fachmann es sich ansah.
    Semir wollte es seinem Partner gerade gleich tun und sich auf seinem Schreibtischstuhl niederlassen, als Susanne plötzlich die Bürotüre aufriss und ein Stapel Akten, der dahinter gestanden hatte, unter lautem Krachen und poltern in sich zusammen fiel.
    „Oh, sorry!“, sagte sie rasch und ging in die Hocke um das Papierchaos wieder zu ordnen. Ben war aufgestanden und wollte ihr gerade helfen, als sie sagte; „Nein, nein! Ich mach das schon. Ihr beide müsst ins Krankenhaus!
    Marina Lest; die Freundin von Chris Wailand ist aus dem Koma erwacht. Die Ärzte sind sehr zuversichtlich, das sie wieder ganz in Ordnung kommt, ihr könnt mir ihr sprechen!“, informierte die gute Seele sie in raschen Worten.
    „Was hälst du davon wenn wir da ansetzen?“, fragte Semir unter einem lauten seufzen, als er sich erhob.
    „Da währe ich jetzt nie drauf gekommen, danke alter Mann!“, fauchte Ben sarkastisch.
    „Alter Mann?! Wie kommst du dazu ich bin immer noch Top in Form, außerdem ist Aida noch keine drei und....“, während sie sich auf den Weg zu Bens Wagen machten und auch auf der gesamten Fahrt zum Krankenhaus schimpfte Semir seinen kompletten Frust heraus. Er war schließlich kein Alter Mann, sondern immer noch sehr gut drauf!
    Das sein jüngerer Partner ihm keine Beachtung schenkte realisierte er überhaupt nicht.
    Ben war in seine eigenen Gedanken versunken... Würde er jetzt endlich Klarheit bekommen? Würde Lest ihm Informationen über seine Mutter geben und sagen können, worum es bei dieser Schießerei überhaupt ging?
    Fragen über Fragen...
    Es dauerte eine halbe Stunde bis sie das Krankenhaus erreichten und, nun schweigend, das Zimmer der Frau aufsuchten.
    Sie lag schon wieder auf der Normalen Station; also schien sie sich schnell wieder zu erholen.
    Ben klopfte und als ein leises „Herein“, an ihre Ohren drang drückte er die Türklinke hinunter.
    Die Frau war noch recht jung. Ihre langen schwarzen Haare waren auf ihrem Kissen ausgebreitet und bildeten einen starken Kontrast zu ihrer fast schneeweißen Haut. Sie wirkte ziemlich angeschlagen; die Polizisten hatten noch nicht in Erfahrung gebracht welche Verletzungen sie davongetragen hatte. Als sie hörte wie sich zwei Fußpaare näherten drehte sie den Kopf und schlug die Augen auf. „Wer sind Sie?!“, fauchte sie sofort und ihre Hand war schon an dem Rufknopf für die Schwester.
    „Ganz ruhig. Mein Name ist Ben Jäger, das ist mein Kollege Gerkhan, wir sind von der Polizei.“, erklärte Ben mit ruhiger Stimme. Innerlich war er unglaublich aufgeregt und er brodelte. Mit jedem Schritt, der er diesem Zimmer näher gekommen war hatte sein Herz schneller geschlagen; was wusste sie? Was würde ER erfahren?
    Die beiden zeigten ihr die Ausweise und beruhigt ließ sie den Kopf wieder in die Kissen fallen.
    „Was wollen sie?“, nun wirkte sie auf einmal wieder unglaublich müde und vor allem so, als würde sie ein schlechtes Gewissen plagen.
    „Frau Lest, können sie sich das nicht denken?“, Semir zog sich ungefragt einen Stuhl heran. Ben blieb hinter ihm stehen und klammerte sich mit beiden Händen an der Stuhllehne fest. „Warum haben die beiden auf sie und Chris Wailand geschossen.“
    Sie antwortete nicht. „Wir wissen das sie Bescheid wissen. Hören sie, wir gehen davon aus das die beiden unbekannten, die auf sie geschossen haben etwas von ihnen wollten. Was? Wenn sie in Gefahr sind, dann können wir ihnen Helfen, ihnen Schutz geben, sie müssen uns nur vertrauen!“
    Sie schnaubte verächtlich und starrte an die Decke. Semir spürte wie Ben begann zu zittern, wie wütend auch ihn diese Frau machte. Er hielt es für besser abzuwarten.
    „Frau Lest, wenn sie nicht kooperieren, dann können wir ihnen auch nicht helfen. Melden sie sich, falls ihnen etwas einfallen sollte.“, damit legte er ihr eine Visitenkarte auf den Nachttisch und zog Ben an der Schulter hinaus. Er wehrte sich nicht... noch nicht....

  • Kapitel 12!



    Thomas hatte den Raum wieder betreten. Er hatte sich wieder abreagiert und es schien ihm das Herz zu zerreißen als er seine Maddie dort in der Ecke weinend kauernd sah. Sie zuckte zusammen als sie ihn bemerkte und wischte sich schnell die Tränen aus dem Gesicht, doch ihr war klar, dass Thomas das gesehen haben musste.


    Wieder stieg Angst in ihr auf. Sie wusste nicht was jetzt geschehen würde. Wenn er noch immer wütend und rasend war, würde er sie wahrscheinlich wieder anschreien, vielleicht auch schlagen, aber vielleicht war er ja auch wieder der liebevolle Mann, auf den sie damals schon reingefallen war und es heute immer noch oft genug getan hatte. Sie hasste ihn und doch waren dort immer wieder diese Momente, in denen sie alles zu vergessen schien und einfach nur über seine Anwesenheit froh war.


    Kein Wunder, in den Kreisen in denen die beiden sich bewegten, gab es verständlicher Weise kaum liebevolle Menschen und Kontakt zu anderen aufzunehmen, dass hatte er ihr immer unmöglich gemacht. Wäre sie doch sonst schon längst wieder zurück gekehrt, zu ihrer Familie… Also genoss sie jede Sekunde, in der Thomas ihr wieder etwas vorspielte.
    So auch dieses Mal. Ohne ein Wort zu sagen setzte er sich zu ihr und ließ sie sich an ihn schmiegen. Sie brauchte das nun, aber trotzdem war eines anders. Ihr war nun endgültig klar, dass sie kämpfen musste, kämpfen dafür, dass sie endlich wieder aus diesen Kreisen kam…



    Vor der Zimmertür ließ Ben seiner Wut freien Lauf. „Was denkt die sich eigentlich?“, fauchte er Semir an und trat mit seinem Fuß gegen eine dieser Wartebänke, die man in jedem Krankenhaus fand. Sofort kassierte er einen bösen Blick von der diensthabenden Schwester und legte einen entschuldigenden Blick in ihre Richtung auf. „Die wird schon irgendwann reden, da bin ich mir sicher.“, versuchte Semir seinen hitzigen Partner zu besänftigen. Doch Ben war auf 180. „Irgendwann?“, böse funkelte er Semir an und drehte sich schließlich um. Semir ahnte was Ben vorhatte und rief ihm laut hinterher, doch sein Partner war bereits wieder im Krankenzimmer verschwunden.
    Genervt stöhnte Semir auf und rollte mit den Augen. „Warum muss das bloß so ein Sturkopf sein?“, murmelte er vor sich hin während er ihm mit schnellen Schritten folgte.


    „Was wollen Sie denn schon wieder?“, fauchte Marina Lest Ben an als er erneut das Zimmer betrat. Doch ihren Augen war Angst anzusehen, dieser Polizist schien ziemlich aufgewühlt zu sein. „Was ich will? Ich will endlich wissen was da los war! Warum hat man auf sie beide geschossen? Was wollten die von ihnen beiden?“, schrie er völlig in Rage die Frau an. Diese zuckte darauf zusammen und musste schlucken. Nun betrat auch Semir das Zimmer und schenkte Ben sofort einen vielsagenden Blick. Er sollte sich gefälligst zusammen reißen!


    Doch Ben dachte gar nicht daran. Zu viele Emotionen kochten gerade in ihm hoch. Er wusste das er für den Fall eigentlich viel zu tief involviert war und das er sich lieber etwas zügeln sollte, bevor er den Fall wirklich noch abgeben musste. Laut atmete er aus und fuhr dann etwas leiser, jedoch immer noch brodelnd vor Wut fort. „Frau Lest! Wenn Sie uns jetzt nicht endlich sagen, was sie wissen, dann können wir Ihnen nicht helfen!“ Doch Marina verzog keine Miene, sie schien nachzudenken, bis sie plötzlich mehr flüsterte als alles andere, „Das ist unsere Angelegenheit…“, wirklich überzeugt schien sie jedoch nicht zu klingen. „Wenn Sie keine Hilfe wollen, bitte schön! Können wir keinen zu zwingen, aber vielleicht denken Sie auch mal daran, dass auch noch andere Menschen in Gefahr gebracht werden! Haben Sie schon mal dran gedacht, dass auf dem Rastplatz auch noch andere Menschen waren, die hätten Schüsse abbekommen können? Können Sie das etwa mit ihrem Gewissen vereinbaren, wenn Unbeteiligten etwas zustößt?“, fauchte Ben weiter. Doch damit hatte er die Frau am richtigen Punkt getroffen. Sie musste schwer schlucken. Dieser Polizist hatte Recht. Sie wollte auf keinem Fall, dass anderen etwas zustoßen würde…

  • Wunderschönen guten morgen!!!
    Vielen dank für die Feeds!!!
    Weiter so ;)


    Kapitel 13!


    „Nun, ich höre!“, fauchte Ben wütend und beugte sich näher zu ihr.
    Sie wich seinem Blick aus... dieser Kerl war verdammt gut... noch nie hatte es jemand geschafft ihr ein schlechtes Gewissen zu machen, seitdem sie mit Chris Geschäfte machte.
    „Ich...“, begann sie leise, brach dann jedoch wieder ab. Ben drang nicht weiter auf sie ein. Er wusste das er es geschafft hatte sie weich zu kochen, nur noch kurz warten... gleich würde sie quatschen...
    „Chris und ich... wir wurden beschossen, weil... Wir haben Thomas und Maddie ihre Beute geklaut.“
    Ben wich ein Stück zurück. Hatte sie gerade wirklich Maddie gesagt?
    Er schluckte und schloss kurz die Augen. „Wie heißt Maddie mit richtigem Namen?“, fragte er tonlos. „Ich weiß nur das sie Madeleine heißt und ihr Komplize Thomas. Die beiden sind die erste Adresse für Sammler, die bereit sind Millionen, manchmal Milliarden zu zahlen um ihr persönliches Lieblingskunstwerk für ein paar Wochen zu hause zu haben. Sie haben schon alles gestohlen!
    Tja und dann haben wir den Fehler gemacht den beiden etwas zu stehlen...“
    Sie endete abrupt und starrte wieder stur zur Decke. Sie hatte schon viel zu viel verraten und sollte Chris jemals wieder aus dem Koma erwachen würde er sie umbringen. Doch mehr würden sie nicht aus ihr raus bekommen.
    Ben spürte das diese Frau nichts mehr sagen würde, weil sie schon viel zu viel gesagt hatte. Langsam richtete er sich auf und verließ ohne ein Wort das Zimmer. Er ließ Semir zurück und alles andere... die schreckliche Wahrheit.
    Seine Mutter war eine Diebin... sie stahl Kunstwerke um sich eine goldene Nase damit zu verdienen. Er wollte und konnte es vor allem nicht glauben. Seiner Mutter war Geld immer genau so wenig wert gewesen wie ihm. Wie konnte ein Mensch sich nur so sehr ändern? Er war immer fest davon überzeugt gewesen das sie ein guter Mensch gewesen war... immerhin war sie eine wundervolle Mutter gewesen... bis sie verschwand.
    Er war am Ein- und Ausgag der Krankenhauses angekommen und ließ sich auf den Rand eines der großen Blumenkübeln fallen. Nur mit mühe konnte er die Feuchtigkeit, die in seinen Augen brannte, im Zaum halten. Er würde nicht weinen. Nein. Er durfte nicht! Nicht für seine Mutter!
    Wütend und ungeduldig rieb er sich die Tränen aus den Augen und stand auf. Er hatte einen Entschluss gefasst, von dem ihn keiner mehr abbringen würde. Er würde seine Mutter finden und sie zur Rede stellen. Er würde sie anklagen und sie vor die Wahl stellen; entweder sie stellte sich freiwillig der Polizei oder er würde sie ausliefern!
    Doch sein Handy riss ihn aus seinen bitteren Gedanken. „Jäger!“, meldete er sich grantig.
    „Hey Ben, hier ist Mike. Ich habe diese Halskette untersucht, die ihr mir zugeschickt habt.“
    „Und?!“, fauchte er ungeduldig.
    „Wer hat dir denn die Suppe versalzen?“ „Mike!“
    „Ist ja gut! Also, die DNA daran ist höchstens eine Tage alt, schätze ich; genau kann ich es nicht sagen. Sie stammt von einer gewissen... ah, hier stehts ja... Madeleine Jäger, allerdings ist mir da was aufgefallen, Ben. Sie gilt seit Jahren als verstorben, also ich...“, doch Ben unterbrach ihn; „Ich weiß, Mike. Danke.“
    Gerade als er aufgelegt hatte hörte er Schritte; Semir kam auf ihn zu.
    „Das war Mike.“, erklärte er schnell, „ Er... er hat es bestätigt. Die DNA an der Kette ist höchstens eine Woche alt... und es ist die meiner Mutter!“
    „Es... es tut mir Leid, Ben.“, sagte Semir und wollte ihm eine Hand auf die Schulter legen, doch er hielt sie auf, bevor sie ihn berührte und sah ihn verständnislos an; „Was soll das?! Diese Frau ist eine Kunstdiebin, eine geldgeile Frau, die ohne ein schlechtes Gewissen Menschenleben aufs Spiel setzt nur wegen materiellen Gegenständen!“, er schüttelte den Kopf, wandte sich ab und ging zum Auto, „Diese Frau ist nicht meine Mutter. Nicht mehr.“, murmelte er noch, bevor er die Tür schloss und darauf wartete das sein Partner ihm folgte.

  • Wünsch euch allen einen schönen Freitagabend! :)



    Kapitel 14!



    Am Abend stand Ben in seiner Wohnung und starrte aus dem Fenster in die Dunkelheit. Ob er es wollte oder nicht, ständig waren seine Gedanken bei seiner Mutter. Besser gesagt bei einer skrupellosen Diebin. Unheimlicher Hass stieg in ihm auf und der Griff um das Glas Wasser in seiner Hand wurde immer fester. Er konnte es einfach nicht glauben! War er als Kind einfach zu naiv gewesen, oder hatte sie sich wirklich erst in den letzten 17 Jahren so enorm geändert gehabt? Wer weiß, ob sie vielleicht schon mehrere Menschenleben auf ihrem Gewissen hatte. Sie hat sie alle im Stich gelassen. Ihn, Julia und auch seinen Vater… Bei dem Gedanken an seinen Vater musste Ben den Kopf schütteln und hämisch auflachen. All die Jahre hatte er ihm Vorwürfe gemacht. Gedacht, er sei an dem „Tod“ seiner Mutter Schuld. Aber jetzt? Jetzt hatte sein Vater ihm wahrscheinlich Jahre lang die Wahrheit erzählt und er hatte sie ihm nicht geglaubt…


    Ben verharrte einen Moment, stellte dann jedoch entschlossen sein Wasserglas in der Küche ab und schnappte sich seine Jacke und den Autoschlüssel bevor er die Wohnungstür hinter sich schloss.
    Er hatte ein klares Ziel, er wollte nun auf jeden Fall mit seinem Vater sprechen und schnell führte ihn sein Weg zu der Villa in der er aufgewachsen war, über die scheinbar leergefegten Straßen Kölns. Keine zehn Minuten später stand er auch schon in einem der vielen Zimmer in dem riesigen Anwesen seines Vaters als dieser den Raum betrat.
    Man sah Konrad deutlich an, dass er bereits geschlafen haben musste. Dadurch wurde Ben auch erst jetzt wirklich klar, dass es schon nach Mitternacht war. Doch das war ihm jetzt egal. Er musste das jetzt einfach los werden.


    „Ben! Was um alles in der Welt ist so wichtig, dass du mich dafür mitten in der Nacht weckst?“ Doch Bens Blick blieb weiter starr. „Wir müssen reden… ich konnte nicht bis morgen früh warten, ich muss das jetzt los werden…“ Ben hatte seinen Blick gesenkt und setzte sich auf einen der Stühle in dem Zimmer. Konrad spürte, dass es seinem Sohn wichtig war und war nun auch etwas beunruhigt. Er schloss die Tür hinter sich und setzte sich zu Ben.
    Dieser brauchte einen Moment um sich zu sammeln bevor er mit leiser Stimme zu erzählen begann.


    „Es geht um Mama…“ Nun musste Konrad schlucken, wollte Ben ihm jetzt etwa schon wieder Vorwürfe machen? „Es ist… sie… sie lebt.“, Ben musste schlucken bei diesen Worten, langsam hob er seinen Kopf und sah in die weit aufgerissenen Augen seines Vaters. „Aber… das kann nicht sein Ben… das…“ „Ich bin mir hundertprozentig sicher. Ich hab sie mit eigenen Augen gesehen und… wir haben DNA-Spuren von ihr gefunden…“ Von Konrad kam nun erst einmal gar nichts mehr. Er verstand plötzlich die Welt nicht mehr, doch bevor er seine Gedanken weiter spinnen konnte, fuhr Ben fort.


    „Das ist leider noch nicht alles Papa… Es ist inzwischen ziemlich sicher, dass… dass sie eine skrupellose Kunstdiebin ist.“ Konrad saß mit offenem Mund dort und starrte ungläubig seinen Sohn an. Er konnte nicht fassen was Ben da gerade gesagt hatte. „Wie kannst du sowas behaupten?“, fragte er fassungslos. Doch Ben blieb ruhig, den Blick auf den Tisch gerichtet. „Ich wollte es ja anfangs auch nicht wahrhaben, aber jetzt… alle Beweise sprechen gegen sie. Semir und ich haben sie zusammen mit ihrem Komplizen bei einer Schießerei auf der Autobahn erkannt. Außerdem haben wir im Fluchtwagen ihre Halskette gefunden. Du weißt schon, dass Erbstück… Und eine Zeugin hat bestätigt, dass die Frau die wir gesehen haben, Madeleine heißt. Es ist wohl eindeutig…“ Konrad schüttelte den Kopf, er wusste nicht was er sagen sollte, doch in den Augen seines Sohnes sah er Hass, gemischt mit Wut und Trauer aufblitzen. „Ich… ich kann das nicht glauben… Maddie würde doch niemals…“ „Doch sie würde Papa! Auch wenn’s schwer fällt, wir müssen uns jetzt wohl damit abfinden, dass sie uns all die Jahre belogen und betrogen hat!“, fauchte Ben. Konrad musste schlucken und für einen Moment herrschte absolute Stille. „Ich habe jetzt nur noch ein Ziel. Eine Kunstdiebin ausfindig machen, die zusammen mit ihrem Komplizen Menschenleben aufs Spiel setzt. Meine Mutter… die ist jetzt endgültig für mich vor 17 Jahren gestorben!“


    Selten hatte Konrad so eine Entschlossenheit in den Augen seines Sohnes gesehen. Ben stand auf und ging in Richtung Tür. Kurz vorher blieb er jedoch stehen und drehte sich noch einmal rum. „Es tut mir Leid, dass ich dir all die Jahre nie Glauben geschenkt habe…“ Damit verließ er den Raum ohne auf eine Antwort abzuwarten…

  • Kapitel 15!



    „Die Dame mit Sonnenschirm von Monet!“ Madeleine sah überrascht auf, als Thomas den Raum betrat und ihr die Worte an den Kopf schmiss. „Sie hängt normalerweise im Musée d’Orsay in Paris, aber sie wurde Köln ausgeliehen. Das Wallraf-Richartz-Museum beherbergt es ab morgen für drei Tage. Und rate mal wer einen leidenschaftlichen Sammler begeistern konnte?“, er lehnte sich seitlich an den Türrahmen und kreuzte die Beine – eine Haltung die er generell einnahm, wenn er es geschafft hatte einen Auftrag an Land zu ziehen und er so herrlich selbstgerecht wurde. Maddie hatte langsam von dem Heft, welches sie in dem klinisch steril wirkendem Hotelzimmer gelesen hatte aufgeblickt. „Thomas, ich will nicht mehr...“, flüsterte sie leise, doch er übertönte sie mit seinen Plänen, es blieb ihr gar nichts anderes übrig als ihm zuzuhören...


    Es war weit nach Mitternacht, als er endlich eingeschlafen war und sie leise aus ihrem Bett schlüpfen konnte. Schnell streifte sie sich ein paar Kleider über, nahm ihre Jacke und wickelte sich einen Schal um ihren Hals. Noch einmal zog sie den Zettel aus der Tasche und las den Text darauf.


    22.Juni 2009, 23.30Uhr Wallraf-Richartz-Museum... Sie sollten da sein....


    Mehr stand nicht auf dem zerrissenen Stück Papier. Sie hatte sich große Mühe gegeben unordentlich zu schreiben, damit er ihre Handschrift nicht erkannte. Leise schlich sie sich aus dem Hotel und hielt nach dem Taxi Ausschau, welches sie bereits am Nachmittag vorbestellt hatte.
    Sie fühlte sich unwohl um diese Uhrzeit allein als Frau an einer viel befahrenen Straße von Köln zu stehen, doch was blieb ihr schon übrig?
    Gerade als sie ihre Jacke enger gezogen und sich darin vergraben hatte, bog das blass-gelbliche Gefährt um die Ecke und als sie die Hand hob, stoppte es. Ohne zu zöger stieg sie ein... wenn sie jetzt darüber nachdachte, dass sie Kontakt mit ihrem Sohn aufnehmen würde, würde sie wieder einen Rückzieher machen.
    „Wohin darfs denn gehen schöne Frau?“, fragte der Fahrer mit Hamburger Dialekt.
    Sie nannte ihm die Adresse, die sie über einen von Thomas Kontaktleuten herausgefunden hatte und betete stumm sie möge stimmen.
    Eine halbe Stunde dauerte die Fahrt, bis der freundliche Fahrer munter verkündete das sie nun da seien.
    „Bitte warten sie hier auf mich. Es dauert nicht länger als zwei Minuten.“, murmelte sie und wickelte sich ihren Schal um den Kopf um unter keinen Umständen erkannt zu werden.
    „Natürlich men dirn!“, lachte er und stellte den Motor ab.


    Ben stand in seiner dunklen Wohnung. Er war schon im Bett gewesen und trug daher nur Boxer Shorts und T-shirt. Natürlich hatte er nicht schlafen können, wie hätte er auch gekonnt... er hatte beschlossen das seine Mutter für ihn gestorben war, doch so einfach wie es gesagt war, war es nicht getan. Müde und erschöpft legte er seinen Kopf an die große Fensterscheibe und sah hinunter auf die Menschenleere und nur durch ein paar schwache Laternen in Dämmerlicht getauchte Straße. Doch Moment... misstrauisch hob er den Kopf wieder und richtete den Blick auf die Eingangstür zu seinem Haus. Hatte sich da nicht gerade etwas im Schatten des Dachvorsprungs bewegt?
    Leise entriegelte er das Fenster und sah genauer hin. Scheinbar hatte er sich getäuscht oder nur eine streunende Katze gesehen, denn da war nichts mehr.
    Als er das Fenster wieder schloss und noch einmal den versuch startete ein wenig zu schlafen sah er das Taxi, das schon wieder am Ende der Straße war nicht...

  • Oh je leute...
    Es tut mir so leid!
    Ich hab euch heute Morgen völlig vergessen!
    Danke Juli, das du eingesprungen bist!
    Und danke für die lieben Feeds!
    Dann geht´s mal weiter! ;)


    Kapitel 16!


    Schnell huschte Maddie zu der Haustüre. Sie hatte ihre Haare nach vorne gelegt, damit sie im Fall der Fälle keiner erkennen könnte. Sie blickte zu dem Klingelschild, doch das Lesen viel ihr nicht einfach bei dem schummrigen Licht. Als sie den Namen dann schließlich doch entziffern konnte, musste sie trocken schlucken. Hier war es also, hier also sollte er wohnen. Sie wagte einen kurzen Blick nach oben zu den Fenstern, doch dort war alles dunkel. Entweder er schlief oder war gar nicht zu Hause. Sie ertappte sich bei dem Gedanken, einfach zu klingeln, doch schnell verwarf sie diesen wieder. Es war einfach zu riskant. In wenigen Stunden würde sie ihn wieder sehen, das spürte sie. Sie kannte Bens eisernen Willen und wenn er den Zettel gelesen hatte, dann würde er auch kommen. Da war sie sich sicher.
    Ihr Blick fiel auf den Zettel in ihrer Hand und unweigerlich musste sie bemerken, wie ihre Augen feucht wurden. Schnell wischte sie sich die Tränen fort und warf mit großer Entschlossenheit den Brief ein. Und genauso schnell und heimlich wie sie aufgetaucht war, war sie auch wieder verschwunden…


    Der nächste Tag brach an. Ben machte sich wie jeden Morgen auf den Weg zu seinem Briefkasten. „Mal wieder Werbung über Werbung…“, murmelte er leicht genervt vor sich hin, bis sein Blick plötzlich an einem kleinen weißen Stück Papier hängen blieb. Langsam faltete er den Zettel auf und starrte dann wie gebannt auf die Nachricht. Jemand musste sie heute Nacht eingeworfen haben, denn gestern Abend war sie noch nicht da gewesen, da war er sich sicher. Schnell erinnerte er sich wieder an den Schatten in der Nacht. Hatte er sich also doch nicht getäuscht?
    Wieder senkte sich sein Blick auf das Stück Papier. Es schien fast so, als ob jemand extra unordentlich geschrieben hatte, trotzdem erkannte man eine Frauenschrift. Er wusste, dass dies bloß ein wager Verdacht war, doch der Gedanke, dass dies eine Nachricht seiner Mutter sein könnte, wollte ihn einfach nicht verlassen…
    Der 22.Juni, das war heute. Ben war sich unschlüssig was er tun sollte. Vernünftig wäre es gewesen, wenn er Semir davon erzählen würde und sie dort heute Abend mit den Kollegen anrücken würde, aber wenn diese Nachricht wirklich von der Frau sein sollte, die sich einmal seine Mutter nannte, dann wäre das schließlich eine Sache zwischen den beiden. Ja, er wusste das solche Alleingänge schnell gefährlich werden konnten und trotzdem beschloss er alleine dort hin zu fahren. Innerlich hoffte er, dass er noch an diesem Abend Antworten auf all seine Fragen bekäme…
    „Morgen!“, Ben versuchte so normal wie nur möglich zu klingen. Semir sollte ihm bloß nichts anmerken, denn dann würde er nicht locker lassen und Ben müsste ihm von dem Zettel erzählen, da war er sich sicher. Doch er schien Glück zu haben. Sein Partner war bereits tief in den Akten versunken und bemerkte so die Unsicherheit seines Partners an diesem Morgen gar nicht. „Hast du schon irgendetwas neues herausgefunden?“, fragte er interessiert während Ben seine Jacke auszog und über den Stuhl hang. „Bis jetzt noch nicht.“, kam von diesem lediglich zurück.
    Den ganzen Tag über versuchte Ben sich zu konzentrieren, doch sein Unterbewusstsein leitete seinen Blick immer wieder zur Uhr. Doch die Stunden schienen sich wie Kaugummi zu ziehen, jede Minute kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Dies entging Semir natürlich auch nicht.
    „Sag mal… ist irgendwas?“, fragte er direkt als Bens Blick erneut zur Uhr wanderte. Daraufhin schaute sein Partner ertappt auf. „Wieso sollte was sein?“, fragte er scheinheilig. „Du guckst mindestens alle fünf Minuten auf die Uhr!“, sagte Semir mit hochgezogener Augenbraue. „Achso… nein… ich will heute bloß pünktlich weg. Hab noch was vor…“, murmelte er und blickte wieder auf die Akte vor sich. Jetzt musste Semir grinsen. „Ach… Date mit ner Frau?“ Ben legte den Kopf schief. „Vielleicht?“ Das würde die perfekte Tarnung sein. Seine Unruhe, das er pünktlich wegwollte, das passte alles. Und außerdem, angelogen hatte er seinen Partner nicht, schließlich würde er heute Abend vielleicht endlich seine Mutter wieder sehen, und die war schließlich auch eine Frau!

  • Kapitel 17!


    Sie war froh das sie schon Routine in der Vorbereitung für diese Diebstähle hatte, denn sonst hätte sie Fehler über Fehler gemacht. Hatte er die Nachricht gefunden? Würde er kommen? Würde er seine Kollegen mitbringen? Hatte er überhaupt erkannt, oder sich zusammengereimt das die Nachricht von ihr stammte?
    Würde sie ihrem Sohn vielleicht in wenigen Stunden gegenüberstehen und konnte sie vielleicht auch Konrad und ihre kleine Julia wieder sehen?...


    Die Nacht war außergewöhnlich finster, als Ben leise zum Haupteingang des Museums schlich. Sein Herz schlug schnell gegen seine Rippen und das hatte nichts damit zu tun, dass er von seinem Auto bis hierher gerannt war und sich bei jeder Möglichkeit in Deckung begeben hatte, um nicht entdeckt zu werden. Er schaute hinauf; natürlich konnte er nichts sehen. Was blieb ihm übrig...? dachte er wehmütig und seufzte leise. Er konnte nur warten; hier in seinem dürftigem Versteck unter dem Vorsprung des Eingangs, mit seiner Dienstwaffe in der Hand. Er konnte nur hoffen, dass sie es wirklich gewesen war, die ihm die Nachricht geschrieben hatte, das sie auftauchen würde um mit ihm zu reden. Seine Sinne schienen ungewöhnlich geschärft, doch es war nichts zu vernehmen. Der Wind pfiff leise um das große Gebäude und ließ ihn frösteln. Reflexartig zog er seine Jacke enger um seinen Körper und sah hinauf zum Himmel, wo sich dunkle Gewitterwolken zusammengefunden hatten...


    „Wie kann man ein solches Kunstwerk nur mit so lächerlichen Maßnahmen sichern?“ lachte Thomas leise in sich hinein und lehnte sich gefährlich nahe an einen Infrarot streifen.
    „Wenn ich du währe würde ich mit dem Alarmsystem aufpassen. Und außerdem ist dieses Bild nicht besonders schön, ich verstehe nicht wie man so viel Geld dafür bezahlen kann es für drei Wochen in seinem Wohnzimmer hängen zu haben...“, erwiderte Maddie trocken, während sie den Boden abtastete. „Von Kunst verstehst du nichts. Was tust du da überhaupt?“, fauchte er sie an und beobachtete skeptisch ihr tun. In diesem Moment murmelte sie „ah, da ham wirs ja...“ und zog eine kleine Platte aus dem Boden. Schnell orientierte sie sich und schloss ein paar Kabel sowohl, an die kleine Anlage im Boden, als auch an ein Gerät, das dem eines Kartenlesers ähnelte.
    Sofort begann die kleine Utensilie in ihrer Hand zu blinken und ein leises piepen von sich zu geben. Mehrere Zahlen, Buchstaben und verschlüsselte Codes und seltsame Zeichen huschten über das kleine Display, bis plötzlich ein aufgeregtes Piepen aus dem Boden kam und vor dem Monet, der in einem Glaskasten an der Wand hing, erschienen die Typischen, roten Infrarotsensoren.
    „Na dann, schalt diese hübschen kleinen Lämpchen mal aus...“, murmelte Thomas und packte schon mal einen Panzerglasschneider und Saugnäpfe aus.
    Madeleine tippte geduldig und Kommentarlos auf ihr kleines Gerät ein und es dauerte nicht lange, da machte es noch einmal piep und die Sensoren verschwanden.
    Stumm setzte Thomas die Saugnäpfe auf das Glas, saute sie fest und hielt die Griffe in der Hand. Maddie nahm den Glasschneider vom Boden auf und führte an den dünneren Kanten des Glases einen Sauberen Schnitt durch.
    Er hob die entstandene Glasplatte aus ihrer Halterung und legte sie auf dem Boden ab.
    Jetzt hieß es nur noch Sachen zusammen packen und wieder unerkannt mit dem Monet verschwinden.
    Alles hatte reibungslos geklappt, sie waren wieder durch den Personaleingang, von dem Thomas eine Chipkarte hatte fälschen lassen und standen nun am Auto, im Begriff aufzubrechen.
    „Scheiße!“, fluchte Maddie plötzlich und begann ihre Taschen abzuklopfen.
    „Was ist?“, fauchte ihr Komplize, schon halb im Wagen sitzend. „Ich muss mein Handy drinnen vergessen haben. Gib mir die Karte, ich hole es schnell!“
    Etwas von „Weibern“ grummelnd überließ er ihr die Karte, nicht ahnend, das sie keines Wegs vor hatte ihr Handy zu holen...

  • Kapitel 18!



    Maddies Herz klopfte unheimlich schnell. Sie betete einfach nur, dass Thomas ihr die Nummer mit dem Handy abnehmen würde ohne Verdacht zu schöpfen. Aber sie schien Glück zu haben, er blieb im Wagen sitzen, während sie so tat als ob sie wieder im Inneren des Gebäudes verschwinden würde. Als sie sicher war, dass Thomas sie nicht mehr sehen konnte, lief sie möglichst lautlos um das Museum. Doch das Gebäude war größer als sie dachte. Sie benötigte einige Zeit, um vom Personaleingang zum Haupteingang zu gelangen. Die Tatsache, dass sie dafür mitten durch ein Gebüsch laufen musste und es so dunkel war, dass man die Hand kaum vor Augen sehen konnte, machte es auch nicht einfacher.


    Ben zuckte sofort zusammen als er ein Rascheln im Gebüsch hinter sich wahrnahm. Seine Dienstwaffe fest in der Hand haltend blickte er sich suchend um, doch konnte niemanden entdecken. Wahrscheinlich war es doch nur der Wind oder ein Tier gewesen, dachte er sich, doch die Anspannung war immer noch da als er sich wieder in Richtung Haupteingang umdrehte. In dem Moment wich Ben automatisch einen Schritt zurück, sein Herz pochte wild als er die Umrisse einer Menschengestalt vor sich stehen sah. Sofort zog er seine Taschenlampe hervor und richtete sie direkt zusammen mit seiner Waffe auf die Person, die mit langsamen Schritten näher auf ihn zukam.


    Madeleine hob schützend ihre Hand vor ihre Auge als das grelle Licht einer Taschenlampe ihr Gesicht traf. Er war also tatsächlich gekommen. Dort stand er, ihr Sohn. Ihr Ben, den sie seit so vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wie lange hatte sie sich genau diesen Moment gewünscht? Dabei hatte sie die Hoffnung ihn jemals wieder zu sehen, doch eigentlich schon so gut wie begraben. „Ben…“, brachte sie nur leise hervor.
    Ben schossen ähnliche Gedanken durch den Kopf als er seine Mutter erkannte, oder sollte er besser sagen, eine skrupellose Kunstdiebin? Er senkte die Taschenlampe ein wenig, um sie nicht weiter zu blenden, die Waffe behielt er jedoch weiterhin im Anschlag. Er hatte kein Vertrauen mehr zu dieser Frau, nicht mehr.


    Madeleine sah seine Unsicherheit und innerlich tat es ihr weh sehen zu müssen, wie ihr eigener Sohn mit einer Waffe auf sie zielte. Aber… was hatte sie sich denn vorgestellt? Das er sie freudig begrüßen würde? Keiner der beiden wusste was er sagen sollte, dabei hätte es so viel gegeben, was sie hätten besprechen müssen, was sie ihm hätte erklären müssen!
    „Ben ich…“, begann sie erneut, doch Ben unterbrach sie. Seine Stimme klang bitter und verletzt zugleich. „Warum?“
    „Ich…“, ihr fehlten förmlich die Worte… „Ben bitte! Ich erkläre dir alles… Alles! Das verspreche ich dir, aber… du musst mir jetzt erst mal helfen!“ Ihre Stimme klang verzweifelt und Ben musste schlucken. Wie stellte sie sich das eigentlich vor? Ein höhnisches Auflachen entfuhr ihm. „Was? Soll ich jetzt auch noch ein Bild für dich klauen oder was willst du von mir?“, fauchte er sie an.


    Madeleine war den Tränen nah. Sie war selbst erstaunt darüber, wie oft sie in der letzten Zeit geweint hatte, so viele Tränen hatte sie in den gesamten 18 Jahren nicht vergossen. Doch sie musste versuchen einen klaren Kopf zu behalten, auch wenn das furchtbar schwer war in dieser Situation. „Ben… hör mir zu… Du musst mir helfen aus der ganzen Sache raus zu kommen! Thomas… er sitzt hinten im Wagen. Ich hab keine Zeit! Ich muss zurück sonst schöpft er noch verdacht. Und wenn er das hier rausbekommt, dann…“
    „Was dann?“, kam es von Ben. Maddie musste erneut schlucken. „Dann… dann kannst du mich genauso gut hier an Ort und Stelle erschießen.“, brachte sie leise hervor. Daraufhin ließ Ben die Waffe sinken und dachte einen kurzen Moment nach. „Okay… wer ist dieser Thomas?“, versuchte er einen klaren Gedanken zu fassen. „Thomas ist eiskalt, wenn ich nicht in ein paar Minuten wieder bei ihm bin, bekomme ich ganz schön große Probleme. Wir haben gerade den Monet gestohlen… Er wartet hinten im Auto beim Personaleingang…“


    „Falsch gedacht meine Liebe!“, ertönte eine dunkle Stimme und ruckartig drehten sich Ben und seine Mutter in die Richtung um aus der sie zu vernehmen gewesen war. „Thomas…“, kam es mit zittriger Stimme von Maddie, als sie ihren Komplizen sah, wie er mit einer Waffe auf sie beide zielte.
    Ben reagierte sofort und stelle sich schützend vor seine Mutter. „Nehmen sie die Waffe runter!“, schrie er und zielte auf ihn. Zunächst war Thomas darüber geschockt, dass dieser Mann eine Waffe besaß, damit hatte er nicht gerechnet. Schließlich wusste er ja nicht das Ben Polizist war. Doch genauso schnell fasste er sich auch wieder. In Bens Kopf dagegen arbeitete es wie wild, er musste sich schnellst möglich etwas einfallen lassen, wie sie beide glimpflich aus dieser Situation kamen…

  • Kapitel 19!


    „Wer sind sie?!“, fragte Thomas drohend und umklammerte seine Waffe fester. Ben kniff die Augen leicht zusammen. Er wusste nicht was er tun sollte... sollte er schießen... ihn ablenken? Sollte er seine Mutter mitnehmen, oder würde sie ihn nur benutzen um ihren Komplizen los zu werden... würde sie sich vielleicht sogar gegen ihren eigenen Sohn stellen und ihn aus dem Weg räumen?
    „Das geht sie einen feuchten Kehricht an!“, fauchte er überfordert und gab sich alle Mühe nicht zu zeigen wie nervös er würde; wie heftig sein Herz vor Anspannung pochte. Thomas sah von Maddie zu Ben und wieder zurück. Die beiden sahen sich wenig ähnlich, nur eines machte eindeutig das sie Mutter und Sohn waren; Ben hatte die Augen von seiner Mutter geerbt. Farbe, Form und Augenpartie glichen sich bis ins kleinste Detail. „Jetzt sag nicht, das dass klein Benni ist! Wow, der hat sich aber gemacht. Glückwunsch Maddie...“, lachte er.
    Woher kannte dieser Mann ihn?! Hatte er seine Familie ausspioniert? Musste er sich auch Sorgen um Julia und seinen Vater machen, sollte es ihm nicht gelingen diesen Mann fest zu nehmen?
    Plötzlich hörte er ein leises Klicken und dann eine vertraute und in dieser heiklen Situation sehr willkommene Stimme. „Polizei, nehmen sie die Waffe runter!“, Semir Gerkhan sprang aus dem Gebüsch, neben dem Thomas stand und hielt dem Verbrecher seine Dienstwaffe an den Kopf.
    Ben atmete kurz auf; warum auch immer Semir ihm gefolgt war, es war gut das er es getan hatte, denn jetzt...
    Doch er hatte es noch nicht einmal geschafft diesen Gedanken zu ende zu denken, da hatte sich alles gewendet! Thomas ließ seine Waffe sinken, anstatt sich jedoch zu ergeben holte er mit dem Fuß aus und trat Semir die Waffe aus der Hand. Ben riss seine Waffe wieder hoch, doch bevor er schießen konnte hatte Thomas auf Madeleine angelegt.
    Instinktiv schrie er: „Runter!“, und warf sich mit ihr auf den Boden. Er hörte zwei Schüsse, ihren Aufschrei, wie Semir rief: „Stehen bleiben!“
    Schritte.
    Dann war es still.
    Sofort drückte er sich hoch und blickte in die Augen seiner Mutter. „Bist du okay?“
    Sie nickte, doch als er aufstand hielt sie ihn am Hosenbein fest.
    „Wo willst du hin? Ben, du bist verletzt!“, verwirrt sah er sie an, während sie aufstand und seinen Arm begutachtete. Tatsächlich; ein wenig Blut floss aus dem Streifschuss an seinem rechten Oberarm. Seltsam... „Ich spür gar nichts...“, murmelte er. Sie zog ihren Pullover aus und band seinen Arm damit ab. „Lass das! Das is nur ne Kleinigkeit!“, fauchte er, doch sie ließ sich nicht abschütteln. „Du spürst wahrscheinlich nur nichts wegen dem Adrenalin. Das muss sich unbedings ein Arzt ansehen.“...


    „Ben, jetzt bleib sitzen!“, schimpfte seine Mutter und drückte ihn auf den Stuhl zurück. Der Junge versuchte seine Mutter immer wieder abzuschütteln, um den beiden Jungs, die seine kleine Schwester geärgert hatten, hinterher zu laufen und ihnen noch ein paar Schläge zu verpassen. „Ben, ich weiß wer die beiden waren und ich werde ihre Eltern anrufen, aber du musst jetzt sitzen bleiben, ich muss mir deine Platzwunde ansehen!“
    Ben sah ihr ins Gesicht und langsam beruhigte er sich wieder...


    Er fühlte sich wieder wie damals, als er sich mit den beiden Jungs geprügelt hatte, die mindestens einen Kopf größer gewesen waren, als er. Die Blicke der beiden trafen sich und blieben aneinander hängen... Maddie brach es fast das Herz diese Enttäuschung , Wut und Verständnislosigkeit in seinen Augen zu sehen.
    In diesem Moment kam Semir völlig außer Puste zurück gelaufen und blickte seinen Partner finster an; „Er ist weg.“, verkündete er mit dunkler Stimme und wandte sich dann an Madeleine Jäger...