Cobra 11 - mal anders

  • Hallo.
    Hier ist meine erste selbst geschriebene Fangeschichte ich hoffe sie gefällt euch. :)

    Cobra11- mal anders


    Das Spiel ist doof, schrie Vincent und schmiss Papa Tomi eine Bratpfanne an den Kopf. Dann nahm er Tomis Gitarre und stopfte ein Bügeleisen hinein. Prima, murmelte er, das Ding ist schön schwer. Anschließend zog er Tomi die beschwerte Gitarre gepflegt über die Rübe. Autsch, sagte Papa Tomi und setzte sich hin, das tat weh! Nach einer Weile richtete er sich auf kratzte sich nachdenklich das unrasierte Kinn. Yippie rief er plötzlich und hüpfte wie ein Flummie durch den Flur. Wenn das Spiel zu doof für dich ist, dann machen wir’s halt interessanter. Nur eine Minute später saß er am Rechner und forschte wie ein Bekloppter. Vincent fasste sich an den Kopf und dachte, so ein Trottel! Was heckt er bloß jetzt wieder für ein Unsinn aus? Plötzlich rief Papa Tomi: Endlich, ich hab’s! , stürzte zum Telefon, schloss sich im Schlafzimmer ein und ward eine halbe Stunde lang nicht gesehen. Was hat die alte Pfeife bloß vor? , fragte sich Vincent und bemühte sich durchs Schlüsselloch zu spähen. Doch Tomi hatte eine alte Unterhose ins Schlüsselloch gestopft. Der Gestank haute Vincent aus den Schuhen. Nachdem er sich wieder erholt hatte, versuchte er an der Tür zu horchen. Doch der alte Sack hatte sich tatsächlich unter eine Decke begeben, so dass nichts zu hören war. Das haben wir gleich, murmelte Vini, schnappte sich den Bodenschlüssel und ging nach oben. Das Brecheisen, das er mitbrachte, war nicht von schlechten Eltern. Ein Ruck, ein Knarzen und die Tür war lächerlich schnell geknackt. Was machst du da? , schrie Vini und warf sich auf seinen telefonierenden Papa. Seine eiserner Würgegriff veranlasste Papa schließlich aufzugeben und Vini den Telefonhörer ans Ohr zu drücken. Was willst du von mir, du Kröte, sagte die Stimme am anderen Ende der Leitung. Vini erstarrte, die Stimme kannte er doch nur zu gut. Willst du mir wohl antworten, sagte Semir Gerkahn. Vini japste nach Luft, dann fing er sich wieder. Das Spiel Cobra11 ist doof, wiederholte er kleinlaut. Sooo? , fragte Semir, dass Spiel ist also doof? Dann pass mal gut auf, du kleiner Scheißer! In fünf Minuten stehst du gestiefelt und gespornt vor der Haustür. Aber was….konnte Vini gerade noch fragen, doch hatte Semir schon aufgelegt. Nach Zwei Minuten stand Vini in voller Montur vor der Haustür und nur wenig später glitt eine schwarze BMW-Limousine der 7er Baureihe heran. Der Wagen konnte nicht älter als zwei Wochen sein. Vini lief der Sabber aus den Mundwinkeln. Plötzlich ging die getönte Scheibe auf der Fahrerseite herunter und das bekannte Gesicht von Semir Gerkahn erschien. Los, steig ein! , knurrte er. Das ließ Vini sich nicht zwei Mal sagen. Mann, war das ein Geschoss. Ehrfurchtsvoll starrte Vini auf das Innere des Luxusautos. Potzblitz, rief Vini, was für ein PS-Tempel. Beruhig dich wieder, Kumpel! , erwiderte Semir Gerkahn gelassen. Der Wagen schoss nach vorne und Vini wurde sanft in den Sitz gedrückt. Wo fahren wir hin? , fragte Vini. Na wohin wohl? , knurrte Semir Gerkahn, nach Köln natürlich! Kurz vor der Autobahnauffahrt sagte Semir energisch: Los, krabbel mal auf meinen Schoß. Vini gehorchte und kletterte umständlich hinüber. Sooooooo, sagte Semir, jetzt bist du an der Reihe. Zeig mal was du kannst. Vini holte tief Luft, ergriff das Lenkrad und übernahm die Pedalen. Unter ihm arbeitete sich Semir mühsam auf den Beifahrersitz hinüber. Jetzt links, sagte Semir. Vini gehorchte und fuhr direkt auf die Autobahn nach Köln. Gib Gas!, befahl Semir und deutete mit seinem Finger nach vorne. Vini gab Gas. 120, 160, 180. Ich habe gesagt: du sollst Gas geben, wiederholte Gerkahn streng! Na gut, wie du willst, erwiderte Vini und beschleunigte auf 230. Geht doch, knurrte Gerkahn und lehnte sich entspannt zurück. Wie ein Pfeil glitt der 7er BMW über die Autobahn Richtung Süden, gesteuert von einem fast 12 Jährigen. Warum ist das Cobra11 Spiel doof? , erkundigte sich Gerkahn scheinbar beiläufig. Ich mochte es auf einmal nicht mehr, erwiderte Vini und beschleunigte noch einmal bis er bei 270 Stundenkilometern war. Ich weiß nicht, sagte Vini nachdenklich, seit ich das neue Emergency 432 Deluxe-Super-Mega-Geilomat-Coolness-Turbo-GSI habe, wirkt Cobra11 wie eine Schlaftablette auf mich. Plötzlich fühlte sich Vini ein wenig unbehaglich, weil sich der Lauf eines Revolvers in sein linkes Nasenloch gebohrt hatte. So, jetzt pass mal gut auf, du kleine Mistkröte, zischte Semir Gerkahn genervt. Niemand nennt Cobra11 langweilig. Es sei denn, er hat Lust, sich mit mir anzulegen. Erstaunt bemerkte Semir, dass Vini sich nicht im Geringsten durch den Revolver im Nasenloch beeindrucken ließ. Etwas anderes hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Mit offenem Mund starrte Semir auf die Szene, die sich ihm auf der gegenüber liegenden Fahrbahnseite bot. Mit voller Wucht stieg Vini in die Eisen, um sich das Schauspiel in ansehen zu können. Nur 20 Meter entfernt saß ein kleiner Junge, wie Vini etwa 12 Jahre alt, mitten auf der Autobahn und aß in aller Gemütlichkeit einen Hamburger. Das wäre an sich nicht schlimm gewesen, wenn nicht gleichzeitig ein 30 Tonnen schwerer Sattelzug auf ihn zugerast wäre. Semir quollen die Augen aus den Höhlen, als er beobachtete, was nun geschah. Der Laster prallte auf den Jungen, schraubte sich in die Höhe und kippte zur Seite weg um dann etwa 30 Meter weiter zu rutschen. Kristof, schrie Vini quer über die Autobahn hinüber, was hast du wieder angestellt? Du kennst den Jungen? , fragte Semir Gerkahn irritiert. Das ist mein Kumpel, antwortete Vini. Aber, aber, stotterte Gerkahn. Ich weiß, erwiderte Vini gelangweilt. Er ist der einzige Mensch, dessen Hobby es ist, auf der Autobahn Lkws entgleisen zu lassen. Er ist eine Plage. Los Kristof, schrie Vini, komm jetzt, es ist genug. Es war mühsam gegen das Gehupe des Staues, der sich mittlerweile gebildet hatte, gegen an zu schreien. Aber das war heute erst mein vierter Truck, jammerte Kristof beleidigt und stieg widerwillig ein. Semir Gerkahn starrte Kristof an, als wäre der eine blaue Kuh vom Mond. Wie machst du das? , fragte Semir fassungslos. Ochh, das ist ganz einfach, erklärte Kristof, wenn man ein Hamburger isst, dann kann einem nichts passieren. Probier’s doch auch mal aus. Nee danke, erwiderte Semir und schüttelte sich. Vini gab wieder Gas, und jetzt rauschten sie wieder mit 280 Sachen über die Autobahn Richtung Köln. Plötzlich knackte das Funkgerät. Zentrale an Cobra11, hörten sie und Semir ging ran. Cobra11 an Zentrale, was gibt es denn? Ein grauer Mercedes mit Kölner Kennzeichen fährt auf der A1 in Richtung Stadt. Ein Raubüberfall! Vorsicht, die Täter sind bewaffnet. Vini riss Semir das Mikro aus der Hand und schrie hinein, alles klar, Cobra11 übernimmt. Dann drückte er Semir das Mikro wieder in die Hand. Die schnappen wir uns, freute sich Vini und beschleunigte auf 320. Nach fünf Minuten hatten sie die Schweinebande eingeholt. Was soll ich jetzt machen? , fragte Vini. Überholen, und ausbremsen, sagte Semir. Gesagt, getan, aber gerade als Vini sich vor den Mercedes gesetzt hatte, gingen die Scheiben runter und zwei Hände mit zwei Revolvern ragten plötzlich aus dem Auto. Ein lauter knall zerstörte die Scheibe, aber Kristof und Vini hatten sich schnell genug geduckt. Und was machen wir jetzt, schrie Semir, der froh war, dass die Kugeln sich in seinem Ohrring verfangen hatten und ihn dadurch viel interessanter wirken ließen. Allerdings glühte dafür jetzt sein Ohr. Ich glaube, ich habe einen guten Plan, sagte Vini. Kristof, hast du noch einen Burger übrig? Nö, erklärte er, woher denn? Ich habe noch einen im Handschuhfach, mischte sich Semir ein, für Notfälle. Für Notfälle? , wiederholte Vini ungläubig und griff ins Handschuhfach. Okay, was das auch immer zu bedeuten hatte, er hatte einen brillanten Plan. Pass ma auf, Kristof. Du schmeißt dich vor die Bande, wie vorhin bei deinen albernen LKWs. Kristof betrachtete neugierig den Burger, Appetit hatte er schon noch ein bisschen, winkte aber nach ausführlicher Prüfung ab. Das Ding war schon grün an einigen Stellen und schien schon zu leben. Nein danke, erwiderte er schließlich und drückte Vini den Burger in den Mund. Schließlich platzte Semir der Kragen: Du springst jetzt sofort aus dem Auto, sonst werd ich dir den Arsch aufreißen! Manno, erwiderte Kristof beleidigt, riss Vini den Burger aus den Mund und sprang. Doch zu spät, die Gangster waren schon auf der anderen Spur. Nun geschah es: Kristof flog auf die Fahrbahn und prallte sieben Mal, wie ein Stein auf dem Wasser von der Oberfläche ab, bevor er endlich zum Sitzen kam und diesmal nur zehn PKWs zur Massenkarambolage brachte. Mist, fluchte Kristof, kein LKW dabei. Hast du das gesehen? , murmelte Semir schwach. Trotzdem beschloss er mit Vini schnell, Kristof warten zu lassen. Aber der konnte schon für sich selbst sorgen. In einem, seiner Autowracks fand er ein prima Dreirad, saß auf und gab Gas. Schon nach drei Minuten holte er Vini und Semir ein. Semir entdeckte ihn zuerst im Rückspiegel. Ein Blick auf den Tacho zeigt 250 an. Der Typ in der Ferne, der offensichtlich auf einem Dreirad fuhr, war erstens Kristof und zweitens mit ungefähr 300 Sachen unterwegs. Mit wem bist du noch befreundet? , krächzte Semir. Mit Spiderman oder mit Batman? Na, nun übertreib mal nicht, antwortete Vini. Das kann heutzutage jedes Kind. Alles eine Sache der Technik. An unserem Kindergarten, wo ich mit Kristof zusammen war, hat uns mal ein norwegischer Indianer besucht, der uns alles über High-speed-Treting beigebracht hat. Die so genannte Spinnen-Technik. Du musst einfach so tun, als hättest du acht Beine. Aha, grunzte Semir und schüttelte den Kopf. Als Kristof schließlich neben ihnen fuhr, klopfte er gegen die Scheibe, und Semir erschrak. Schließlich drehte er die Scheibe runter. Ich wäre euch auf immer und ewig verbunden, wenn ihr mich rein ließet, erklärte Kristof höflichst bei 250 Sachen und schon ein wenig außer Atem. Semir erbarmte sich und machte per Knopfdruck die Tür hinten auf. Tach, sagte Kristof und ließ sich erleichtert auf die Rückbank plumpsen. Langsam werde ich zu alt für so was, erklärte er schnaufend. Und was machen wir jetzt mit den bösen Buben? Erstmal hinterher, sagte Semir. Nach kurzer Zeit hatten sie es geschafft. Da war er wieder vor ihnen, der graue Mercedes. Vini schaltete das Autotelefon ein und sprach eine Kombination aus Ziffern. Die Leitung stand und es piepte. Schließlich nahm Papa Tomi ab. Und habt ihr Spaß? , wollte er wissen. Laber mich nicht voll, wir brauchen sofort einen Tipp, du Pfeife, zischte Vini und gab kurz einen Lagebericht. Hmm, zögerte Tomi, da fällt mir so spontan eigentlich nur der Giga-Furz ein. Könnte klappen, hatte ich auch schon dran gedacht, sagte Vini und beendete das Gespräch. Oh Gott, der Giga-Furz, stammelte Kristof. Wenn das ma gut geht! Was zum Teufel ist der Giga-Furz? , schrie Semir, dem der Geduldsfaden riss und der gar nichts mehr verstand. Eine höchst spektakuläre Aktion, die auch schnell mal schief gehen kann und höchste Konzentration von allen Beteiligten erfordert, erklärte Kristof feierlich. Okay, Kristof! Wie sieht’s aus, kannst du?, übernahm Vini die Initiative. Muss ja, entgegnete Kristof. Genug Munition habe ich mir ja reingeschoben. Du meinst die Hamburger? , erkundigte sich Semir. Klar, erklärte Kristof, nur manchmal klappt es halt nicht so ganz. Denn mal los, sagte Vini entschlossen und gab Gas. Unterdessen zog sich Kristof seine Jeans aus. Was um Himmels machst du da? , kläffte Semir. Es ist ja nur die Jeans, meine Unterhose behalte ich ja an, erklärte Kristof ruhig. Der Giga-Furz braucht sogar einen gewissen Filter, damit die schweren Inhaltsstoffe einbehalten werden. Nur das leichte, flüchtige Zeug ist für uns interessant. Nun gab Vini Stoff und überholte den grauen Mercedes mit einem waghalsigen Manöver. Gleichzeitig steckte Kristof seinen unterbehosten Hintern aus dem geöffneten Seitenfenster. Los, Feuer! Giga Marsch! , rief Vini und Kristof donnerte los. Die Fenster des grauen Mercedes gingen herunter. Die Hände mit den Revolvern erschienen wieder. Deckung, schrie Semir und duckte sich, diesmal allerdings unnötig. Im Rückspiegel sah man, dass die Hände plötzlich erschlafften und die Revolver verloren. Nur eine Sekunde später erschütterte eine gewaltige Explosion den Mercedes. Der komplette Motorblock durchschlug wie eine Rakete die Motorhaube und flog zur Seite, um mit einem lauten Platsch in einem Tümpel nahe der Autobahn zu landen. Autsch, sagte Kristof, da hat wohl ein Fisch heute Abend ne ziemliche Beule. Vini trat auf die Bremse, denn der Mercedes hinter ihnen rollte antriebslos aus, um endlich zum Stehen zu kommen. Hinaus krabbelten drei verwirrt brabbelnde und sabbernde Gangster in Schwarz, die weinten und immerzu im Kreis liefen. Semir pflückte die traurigen Gestalten wie überreifes Obst ein und legte ihnen Handschellen an. Kurze Zeit später wimmelte es nur so von Polizei. Vini und Kristof waren die Helden. Andauernd kam jemand vorbei und klopfte ihnen auf die Schulterbrach und lobte. Die Chefin von Semir Gerkahn bot ihnen sogar einen Job bei der Polizei an. Sie versprachen es sich zu überlegen. Das Beste aber war, dass auf die berüchtigten Gangster eine Belohnung von einer Million ausgesetzt war, die sie bald kassieren würden. Mann, schwärmte Kristof, hat mal jemand nen Taschenrechner dabei? Ich will ausrechnen, wie viel Hamburger das sind. Wenn ich mal wieder einen schweren Einsatz habe, weiß ich ja, an wen ich mich wenden kann, sagte Semir und grinste die beiden Jungs an. Okay, sagte Vini, und ich verspreche dafür, dass ich mir nächstes Mal wieder das neue Cobra 11 Spiel kaufen werde. Ich hätte da auch schon einen Vorschlag für einen coolen Namen. Wie wärs denn mit Cobra 11- Giga-Engines?


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