Taufe mit Hindernissen

  • So, liebe Leute.


    Dann will ich mal wieder mit der neuen Story beginnen. Ich verspreche, es wird spannend, lustig und romantisch. So, wie ihr es von uns gewohnt seid. ;) Und ihr feedet immer schön. :D


    Liebe Grüße und vielen Dank für die lieben Feeds in der letzten Story ;) , Jenni und Christopher007






    "Meine Damen und Herren ... Bitte vorsicht, am Gleis 11 ... es fährt ein ... InterCityExpress 946/947 von Köln nach Berlin. Bitte vorsicht bei der Einfahrt.", dröhnte die metallische Stimme einer Frau durch die große Glashalle des Berliner Hauptbahnhofs. Unsere beiden Autobahncops hat es mal wieder vom Rhein an die Spree verschlagen. Wieder waren sie in Berlin. Aber dieses Mal waren sie nicht dienstlich hier. Ben und Annelie sollten die Pateneltern von Sarahs und Andrés Sohn werden und waren daher mit Semir und Andrea in die Hauptstadt gereist. Langsam kam das lange Stahlross zum Stehen und die Türen öffneten sich eine nach der anderen.


    "Warum mussten wir noch mal mit dem Zug fahren?", fragte Semir mit mürrischem Gesicht, als er aus dem Zug stieg und seinen Trolli auf den Bahnsteig stellte. "Weil wir es mit dir Raser keine sieben Stunden im Auto ausgehalten hätten.", erwiderte Andrea leicht genervt, aber lächelnd. "Hey, ich kann nichts dafür, dass mir dieser Kerl sein Messer in den Oberschenkel gerammt hat.", verteidigte sich Semir. "Du hast es aber auch ziemlich drauf angelegt.", meinte Ben dann und half seiner Annelie aus dem Zug. "Warum das bitte?", fauchte Semir. "Naja, ich wollte ihn ja fahren lassen, aber du wolltest ja unbedingt in seinen Kofferraum sehen.", entgegnete Ben. "Hey, immerhin hat er die Leiche seiner Ehefrau darin transportiert.", meinte Semir dann.


    "Ich sehe, dass ihr gut in meiner Stadt angekommen seid.", meinte plötzlich eine wohlbekannte Stimme hinter den Viern. Alle drehten sich um und sahen in das grinsende Gesicht von Tom Borkmann, leitender Hauptkommissar der Mordkommission beim LKA Berlin. "Hey Tom, schön, dass du uns abholst.", begrüßte Andrea den Freund und umarmte ihn herzlichst. "Seid ihr gut hergekommen?", fragte er dann. "Naja, wenn Semir auf Anhieb die Fahrkarten gefunden hätte, wären wir alle sehr viel glücklicher.", meinte Annelie mit Augenrollen. "Ja ja, reitet nur darauf herum. Ich wusste doch, dass ich sie bei habe.", murrte er und sah sich dann um. Er erblickte eine rothaarige, kleine, zierliche Frau, die mit zwei Kindern hinter Tom stand. "Wer ist das denn?", fragte er, um abzulenken. "Oh, darf ich euch Verena vorstellen, meine Frau. Und das sind Luis und Marie, unsere Kinder.", meinte er stolz. Alle begrüßten einander.


    "Jetzt kommt aber, André und Sarah warten schon in ihrem Haus auf euch.", meinte er und nahm die Koffer der Mädels in die Hände. "Und wir dürfen natürlich wieder unser Gepäck alleine schleppen.", meinte Ben kopfschüttelnd. "Tja, gewöhn dich dran.", grinste Semir nur und wich der Hand aus, die nach seinem Kopf schlug.


    ...

  • Semir wollte gerade seinen Koffer heben, als ein stechender Schmerz durch sein Bein ging, was Annelie natürlich nicht ignorierte. "Gib' her!", befahl sie in ihrer schroffen Art und hob den Koffer auf. Semir lächelte dankend. "Ey, und meins?" fragte Ben und Annelie zwinkerte zu ihrem Freund. "Lass' dir auch erstmal ein Messer ins Bein rammen, dann trage ich auch deine Koffer!" Ben zog eine Augenbraue hoch. "Ach nur dann?" fragte er beleidigt und beugte sich zu Semir. "Hast du dein Taschenmesser dabei?" Semir gab Ben eine Kopfnuss und dieser grinste frech. Luis und Marie hatten ihre Aufmerksamkeit Annelie gewidmet. "Kommst du wirklich aus der Schweiz?" fragte der Junge neugierig und Verena sah ihren Sohn belehrend an. "Das macht doch nichts", winkte Annelie ab und nickte, "ja ich komme aus der Schweiz.Wart ihr denn schon dort?" Luis und Marie schüttelten mit dem Kopf. "Ist es denn schön dort?" Maries Stimme war sanft und hoch. Ausserdem konnte Annelie deutlich die Schüchternheit in ihrer Stimme hören. "Wenn euer Papa das mal erlaubt, werde ich es euch zeigen!" Sofort rannten die Beiden Kinder auf Tom zu. "Bitte Papa!" hörte Annelie sie betteln. "Da hast du was schönes angerichtet!" schrie Tom und die Deutschschweizerin grinste.
    Alle zusammen liefen auf einen weissen Kleinbus zu. "Hast du den extra für uns gemietet?" fragte Ben und Tom nickte. "Ich hoffe ihr wisst das zu schätzen." Man verlud das Gepäck und stieg in den Wagen. An vordester Front Tom mit seiner Frau. In der Mitte Semir, mit Aida auf dem Schoss, Andrea und Ben und Annelie hatte sich zu den Kindern gesetzt, da diese total fasziniert von der Schweizerin waren.


    "Hast du wirklich Tattoos?" Annelie zog ihre Jacke ab und ein Kurzarmtop kam zum Vorschein. Da sie am Fenster sass, konnte sie sich den Rücken zu den Kindern wenden und zeigte einen Phönix im Trivialstyle, der ihre linke Schulter verzierte. "Der ist ja schön!", jauchzte Marie und drehte sich zu ihrem Vater. "Papa, wenn ich gross bin möchte ich auch ein Tattoo!" Während Verena laut zu lachen begann, zuckte Tom zusammen. "Kommt nicht in Frage!", zischte er und Annelie beugte sich zu Marie. "Keine Sorge, wenn du erwachsen bist, kann er dir's nicht verbieten!" "Hör auf meiner Tochter solche Tipps zu geben!" Im ganzen Wagen brach Gelächter aus.
    "Hast du einen Freund?" fragte Luis und Annelie lächelte. "Wieso?" fragte sie zurück und Luis errötete. "Du bist nämlich ein hübsches Mädchen!" Annelie lächelte warm und sah zu Ben. "Komisch, von einer bestimmten Person höre ich das nie!" Ben drehte sich mit einer Schnute um und sah Annelie an. "Ach, aber dass ich dich liebe und ich dir dass immer wieder sage, überhörst du wohl gekonnt!" Luis sah Ben an. "Du bist ihr Freund?" fragte er und Ben nickte. "Und so schnell gebe ich sie auch nicht her!" meinte er gespielt drohend und riss die Augen weit auf. "Nun ja ich weiss nicht", Annelie umarmte Luis und dieser wurde noch mehr rot, "aber ich denke Luis wird ein knallharter Gegner!"


    Sie fuhren zu einem schönen umgebauten Bauernhaus, wo Sarah schon an der Tür stand und auf die Gruppe zukam, als sie ausstiegen. Ihre erste Umarmung galt Annelie, die zweite Andrea. "Hattet ihr eine schöne Reise?" Ben blickte zu Semir. "Na ja, "Mecker-Murat" hat noch immer seinen Kommentar abgeben müssen!" Semir stemmte die Hände in die Hüfte. "Mecker Murat?" fragte er noch einmal nach und Ben grinste breit. Auf einmal kam André aus der Türe. In seinen Armen, der Hauptgrund für die Reise. Der kleine David. Annelie liess sofort ihre Koffer fallen und streckte die Arme aus. "Darf ich?", flehte sie und André nickte. "Sicher, du musst dich doch mit ihm Vertraut machen!" Annelie nahm sanft das Baby in den Arm und betrachtete es genau. Über dem Kopf hatte sich ein kleiner, schwarzer Haarflaum gebildet und die Augen waren geöffnet. Die Farbe war meeresblau. "Oh er ist so niedlich!", flüsterte Annelie und spürte auf einmal ihren Freund im Nacken. "Hallo David-Benjamin", begrüsste Ben mit ungewohnt sanfter, und leiser Stimme und fuhr mit dem Zeigefinger über die sanften Backen des Jungen.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Den Abend verbrachten die ganzen Freunde um den großen Esstisch in einer umgebauten Scheune, die nahtlos an das Haus anschloß. Sarah hatte den halben Tag für das "große Fressen", wie sie das Wiedersehen gern nannte, gekocht und gemacht. Der Tisch war groß genug, um die zehn Großen und den kleinen Strampelanzugträger unterzubringen. David gluckte fröhlich, als er von seinem Papa mit der Baby-Nahrung gefüttert wurde. "Seht euch das an.", meinte Ben vor Freude und sah mit väterlichen Gefühlen auf sein Patenkind. "Ben, das Kind hat bessere Manieren beim Essen, als du.", stichelte Semir. "Vielleicht sollte ich dich demnächst auch nur füttern.", lachte er. "Das kann ich machen, Semir. Ich glaube, das gefällt ihm mehr.", entgegnete Annelie und verschluckte sich fast am Fleisch. "Gott, seid ihr beiden wieder witzig.", maulte Ben und knabberte am Hähnchenflügel.
    Andrea ließ derweil ihre Blicke schweifen. "Wo habt ihr denn dieses schöne Haus in Berlin gefunden? Das muss doch unsagbar selten sein.", staunte sie. Sarah lachte, während sie Tom und Verena dabei beobachtete, wie sie sich verliebte Blicke zuwarfen, während ihre Kinder tuschelten und immer wieder zu Annelie blickten. "Das Haus ist wirklich selten. Es stand Jahrzehnte lang leer, bis dann André eines Tages dieses Haus entdeckte. Da wir sowieo heiraten wollten, haben wir dieses Haus bei einer Versteigerung erstanden, es instandsetzen lassen und jetzt bietet es und Landleben mitten in der Großstadt.", erzählte sie stolz. "Wie weit seit ihr denn von der Stadtmitte weg?", wollte Annelie wissen. "Die S-Bahn ist nur fünf Minuten Fußweg entfernt. Mit ihr ist man in zwanzig Minuten am Zoo.", erklärte André und wischte seinem Sohn den Mund ab.


    Nachdem alle das Hähnchen mit dem selbstgemachten Mischgemüse und den wunderbar schmeckenden Kartoffeln aufgegessen hatten, kam André mit dem Nachtisch: selbstgemachtes Mousse au chocolat. Das war was für Semir und Ben. "Wann ist denn die Taufe?", fragte Semir schmatzend und schlemmend und kassierte einen kurzen Tritt von Andrea. Leider gegen das schlimme Bein, sodass der Aufschrei nicht leise blieb. Alle mussten kurz lachen. "In zwei Tagen. Tom und ich haben uns extra Urlaub genommen, um euch die Stadt zu zeigen.", meinte André. Nach dem Essen zeigte die junge Familie ihren Gästen dann die Zimmer im oberen Teil der umgebauten Scheune. "Wow, ihr habt euch ja richtig ins Zeug gelegt.", staunte Annelie und nahm sofort das Himmelbett in Beschlag. Alle schliefen nach nur wenigen Minuten ein.


    Der nächste Tag begann mit strahlendem Sonnenschein. Semir wachte nach einem genüßlichen Schlaf mit brummenden Geräuschen auf. Er streckte sich und stand dann auf. Andrea war auch schon wach. "Hey, mein Schatz, guten Morgen.", meinte sie verschlafen. "Hallo Schätzchen.", erwiderte Semir und küsste sie zärtlich auf die Stirn. Plötzlich war auf dem Flur draußen ein Getrampel zu hören. Plötzlich riss Ben die Tür auf. "Semir, komm wir müssen sofort mit André ins LKA fahren.", hastete Ben. "Wieso? Ich hab Urlaub. Außerdem, was soll ich im Berliner LKA?", fragte er leicht genervt über diese unverschämte Störung. "Tom ist verhaftet worden.", erklärte Ben. "Was?", schrie Semir und war sofort aus dem Bett gefahren, zog sich seine Klamotten an. Dabei stieß er einen kurzen, aber heftigen Laut aus. Das Bein. Er sollte doch etwas ruhiger vorgehen, hatte der Arzt zu ihm gesagt. Doch er konnte jetzt nicht anders. Schnell gab er seiner Frau einen Kuss und verschwand mit Ben und André auf den Hof, stieg ins Auto und schon waren sie unterwegs zum LKA.



    Tom saß derweil im Verhörraum und wurde von einem scharfen Hund bearbeitet. Sonst saß er auf der anderen Seite des Tisches, stemmte sich mit beiden Händen auf die Kante und schrie die Verdächtigen so lange an, bis sie innerlich zusammenbrachen. Doch jetzt war er der Verdächtige. "Herr Borkmann, laut Aussage der Kollegen fand man keine Waffe bei dem Toten. Und dennoch haben sie ihn erschossen. Warum frag ich mich?", wollte Hauptkommissar Stefan Leubner von der Dienstinternen Ermittlung wissen.



    ...

    Edited once, last by Christopher007 ().

  • Sarah rannte zu Annelies Zimmer die immer noch nichts von dem Tumult bemerkt hatte. Wenn sie schlief, schlief sie wirklich tief und hörte nichts mehr. Sarah stiess die Tür auf, rannte zu ihrer Freundin und rüttelte sie wach. "Annelie! Annelie! Wach auf!" schrie sie der Deutschschweizerin ins Ohr und diese regte sich langsam, richtete sich auf und sah Sarah mit verschlafenen Augen an. "Was'n los?" murrte sie und rieb sich die Augen. "Is'n Lastwagen hier reingestürmt?" Sarah schüttelte heftig mit dem Kopf. "Nein aber das LKA!" Nun war Annelie wach. "Bitte?" Sie schmiss die Decke vom Körper und stand auf. "Tom wurde verhaftet! Die haben einfach geklingelt, waren reingestürmt und haben sich Tom geschnappt! Semir, Ben und André sind sofort dahin! Ich durfte ja nicht mehr mit da ich nicht mehr als Polizistin arbeite!" Annelie verschränkte die Arme. Ihre fransigen Haare fielen ihr ins Gesicht. "Was wird im zur Last gelegt?" fragte sie ruhig und Sarah fuhr sich durch die Haare und atmete tief durch. "Mord!" sagte sie knapp und auf Annelies Stirn bildete sich eine tiefe Falte. "Soll ich hinfahren?" Sarah schüttelte mit dem Kopf. "Nein, bitte bleib hier! Ich möchte bald zu André fahren und Andrea muss auf Aida aufpassen. Bitte pass auf David auf!" Annelie nickte. "Natürlich!" Sarah nickte dankend. "Die Muttermilch ist im Kühlschrank! Wie wärmen weisst du?" Annelie deutete den Handgelenktest an und Sarah lächelte müde. "Gut, danke!" Mit diesen Worten stürmte Sarah aus der Wohnung.


    Andrea kam gerade auf ihr Zimmer zu. "Hast du es gehört?" Annelie nickte. "Ben und Semir regeln das schon! Die schaffen das!" Annelie zog sich um, während sie mit Andrea diskutierte. "Schöner Beginn dieses Ausflugs!" murmelte Andrea enttäuscht und Annelie hob die Schultern. "Was soll man machen? Die Hauptsache ist, dass Tom da heil wieder rauskommt!" Andrea nickte zustimmend und ging auf die Seite als Aida zu Annelie tappste. "Wo Benben?" fragte sie da das Mädchen begriffen hatte, dass Annelie und Ben zusammen waren. Nur in ihren Augen waren sie verheiratet. Für Aida war jedes Pärchen verheiratet. Eine reine Kinderlogik.
    "Benben ist mit Papa schnell nach draussen. Sie kommen bald wieder!" Aida hatte Annelie ins Herz geschlossen. Die Deutschschweizerin hatte eine erstaunliche Eigenschaft. Auf Kinder hatte sie eine magische Anziehung. Nur waren sie und Ben noch nicht bereit für ein Kind. Sie waren erst seit kurzer Zeit zusammen und beide waren Lebemenschen. Kinder in der Umgebung mussten sein.
    In diesem Moment begann David zu weinen. "Um diese Zeit hunger?" Andrea schüttelte mit dem Kopf. "Manchmal wollen Kinder einfach zuneigung!"


    Annelie ging zu David, der in seinen Bettchen lag. Mit grossen Augen sah er Annelie an. Die Deutschschweizerin nahm den Jungen auf den Arm. "Mama kommt gleich wieder!", sagte sie sanft und wiegte den Jungen in den Armen. "Mit Papa, Tom, Ben! Dann machen wir grosse Party okay?" Auf einmal lächelte David und gluckste vergnügt. Annelie bemerkte nicht, wie sie dabei beobachtet wurde.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Aaron stand hinter einem Baum und warf einen Blick in das große Bauernhaus. Starr war sein Blick. Hier lebte also der Mann, dessen Kollege seinen Bruder erschossen hatte, wenn es denn so wäre. Jetzt war der Weg für ihn frei. Endlich konnte er die große Liebe seines Lebens heiraten ohne, dass sein Bruder zwischen ihnen stand. Er musste nur dafür sorgen, dass dieser Bulle als Sündenbock dastand. Und das würde er schon schaffen. Da er selbst bei der Berliner KTU arbeitete war es für ihn ein Leichtes die Beweise so zu manipulieren, dass es anders aussah, als es den Anschein hatte. Keiner wusste, dass beide verwandt waren. Das unterstützte seinen Plan noch zusätzlich. Er würde zwar einen guten Kollegen und Polizisten in den Knast schicken, doch das war ihm egal. Für ihn zählte im Moment nur sein eigenes Glück.


    Semir, Ben und André stürmten die Gänge des LKAs lang, Semir etwas langsamer als die beiden Jüngeren. Dann standen sie vor der Trennscheibe zum Verhörraum und sahen, wie ihr Kollege von den Herren der Internen Ermittlung bearbeitet wurde. André stellte die Sprechanlage an.
    "Herr Leubner, er hat auf mich geschossen. Ich habe nur zurückgeschossen.", verteidigte sich Tom mit energischer Stimme. "Wir haben aber keinerlei Waffe bei dem Mann gefunden und Kugeln, die in ihre Richtung geflogen sind, wurden ebenfalls von der KTU nicht festgestellt.", erwiderte Leubner fauchend. "Und wer hat dann den Kollegen Winkler angeschossen? Soll ich das auch gewesen sein?", fauchte Tom zurück. "Das werden wir auch noch feststellen.", entgegnete Leubner und Tom schüttelte verständnislos den Kopf. "Hören sie, ich habe nur meine Arbeit gemacht. Der Mistkerl hat vier junge Mädchen auf dem Gewissen." "Ah, wollen sie damit sagen, sie haben plötzlich Rachegefühle verspürt, als sie ihm drei Mal in den Rücken geschossen haben?", mutmaßte Leubner plötzlich. Tom erschrak. "Nein, so ... das meinte ich ... ich bin unschuldig.", stammelte er und war der Verzweiflung nahe.


    André sah mit wehleidigen Augen zu seinem Chef hinüber, der von den eigenen Kollegen fertig gemacht wurde. "So eine ungeheure Schlamperei.", stieß er in feinstem Sächsisch aus. Ben und Semir sahen ihren Berliner Kollegen fragend an. "André, worum geht es hier?", wollte Semir wissen. André drehte sich zu den Beiden und erzählte dann, was vor drei Wochen passiert ist.
    Seit einem Monat verschwanden in Berlin immer wieder junge Mädchen zwischen 15-19 Jahren. Die meisten waren mit dem Fahrrad oder zu Fuß durch den abends schummrigen Tiergarten unterwegs. Am nächsten Tag fand man die geschundenen und entkleideten Leichen der Mädchen, alle an denselben Baum aufgehängt. Sie hatten noch gelebt, als man sie dort erhängte. Die Kommissare standen unter Druck, zwar hatten sie eine Sperma-Probe isolieren können, doch ihnen fehlte vergleichendes Material, denn die Person war nicht in der Datenbank registriert.
    Doch bei einem Überfall konnte sich ein Mädchen losreißen und lief einer Polizeistreife, die nun verstärkt im Park unterwegs waren, in die Arme. Das Mädchen entging nur knapp dem Tod. Dadurch hatten sie jedoch eine Zeugin und konnten ein Phantombild anfertigen. Sie gaben das Foto an die Öffentlichkeit und nur zwei Tage später hatten sie einen Verdächtigen, einen unscheinbaren Familienvater, den sie nächtelang verhörten, ihn dann aber wieder laufen lassen mussten, weil er ein Alibi hatte.


    Dann vor drei Wochen hatten sie dem Täter eine Falle gestellt. Eine junge Polizistin hatte sich als Lockvogel ausgegeben und wurde auf die gleiche Tour angesetzt, die die Mädchen für ihren Rückweg benutzten. Das Unternehmen klappte, es war der Verdächtige von vor drei Tagen. Doch der Täter floh in ein alten Speicher an der Spree. Bei dem Schusswechsel wurde ein Polizist lebensbedrohlich verletzt.
    Tom und André trennten sich, gingen alleine in unterschiedliche Stockwerke. Während André das Lager durchstreifte, war Tom auf dem Boden. Plötzlich hallten Schüsse und als André dazukam, sah er nur, wie Tom sich über den toten Leichnahm des Mannes beugte, in dessen Rücken drei Einschüsse waren.


    "Und das wird ihm jetzt angeheftet?", fragte Ben. André nickte. "Ich glaube einfach nicht, dass mein Chef ein eiskalter Killer ist. Sicher gibt es dafür eine logische Erklärung für all das hier.", meinte er und sah wieder zu Tom hinein. Dann kam Stefan Leubner aus dem Raum und erblickte die drei Kommissare.


    ...

  • "Darf ich fragen, wer die sind?" fragte er André und wies auf Ben und Semir. "Wir sind aus Köln. Hauptkommissare Gerkhan", Semir zeigte auf sich und dann auf Ben, "und Jäger!" "André!" Der Angesprochene sah sich um und erblickte seine Frau Sarah, die auf ihn zulief. "Und wer ist das?" Leubner schien sichtlich verwirrt. "Ich bin seine Frau!" sagte Sarah keuchend und Ben sah sie mit grossen Augen an. "Und wer passt auf David auf?" Sarah erzählte, dass Annelie sich dazu bereiterklärt hatte. "Und darf ich fragen was Sie hier wollen?" Auf Leubners Frage hin stemmte Sarah die Hände in die Hüften. "Tom Borkmann ist ein Freund der Familie. Ausserdem war ich ebenfalls Polizistin, ich möchte wirklich wissen wieso sie ihm einen Mord zu Last legen!" "Meine Meinung!", stimmte Ben zu und verschränkte die Arme. "Das sind interne Ermittlungen Meine Herren und meine Dame, das geht sie überhaupt nichts an!" Leubner schien ein harter Brocken zu sein. "Und ich bitte Sie auch, nun das Gebäude zu verlassen! Sollte ich Sie in der Nähe sehen, werden Sie wegen "Behinderungen an den Ermittlungen" ebenfalls verhaften." "Sie mieses..." wollte André schreien doch Ben hielt ihn auf. "Das bringt nichts!" beruhigte er ihn und sie gingen alle gemeinsam heraus. "Geht's dem eigentlich noch?" Sarah versuchte, ihren Mann zu beruhigen doch er riss sich los und fuchtelte heftig mit den Armen.


    "Die haben Tom einfach verhaftet! Das geht doch einfach nicht!" Ben atmete tief durch und sah Semir an. "Wir gehen zuerst mal nach Hause, erzählst uns noch mal alles genau! Dein Sohn sollte nämlich nicht alleine bleiben!" Ben sah Semir mit hochgezogener Augenbraue an. "Annelie ist doch bei ihm!" korrigierte er und Semir nickte. "Natürlich aber, Kinder unter einem Jahr emtfremden sich sehr schnell! David braucht seine Mutter! Ausserdem kann ich mir nicht vorstellen, dass Annelie nach einer Flasche Milch dann Nachschub geben kann. Dann wäre allerdings was verkehrt!" Sarah konnte sich einen kleinen Lacher nicht verkneifen. "Halt die Klappe", wehrte Ben nur mürrisch ab. André fuhr sich kurz durchs Haar und nickte. "Meinetwegen! Ich glaube nämlich auch, dass dieser Leubner ernst macht! Bei der Bulldoggernvisage!" Die Anderen konnten nur zustimmen und stiegen in den Wagen, um loszufahren.


    Annelie ging in den Garten da David schlief. Sie steckte sich eine Zigarette an und zündete sich sie an. Das Babyphone stellte sie auf den Tisch, der sich auf dem betonierten Teil befand. Sie setzte sich auf einen der Stühle und inhalierte den Rauch tief ein. Die Nikotinschwaden schwebten in die Luft und verschwanden im Nichts. Tom wurde also verhaftet. Als Polizistin traute Annelie dem Allen nicht. Irgendwas stimmte doch nicht! Tom würde niemals jemanden umbringen. Niemals. Annelies Menschenkentnisse hatten sie noch niemals getäuscht! Sie zog wieder an der Zigarette und pustete ihn nach etlichen Sekunden aus. Auf ihrer Stirn hatte sich eine tiefe Falte gebildet. "Wenn du so weitermachst! Siehst du wirklich wie 25 aus! Deinem Alter entsprechend!" Annelie sah auf und erblickte Andrea. Sie schnappte sich einen Stuhl und setzte sich neben sie. "Wieso? Sehe ich sonst nicht so aus?" Andrea lächelte. "Ich hätte dir bei unserer Begegnung rund 5 Jahre weniger gegeben und hatte schon Angst, dass Ben in Sachen Alter sich nicht mehr drum scherte!" Annelie lachte und drückte die Zigarette im Aschenbecher aus. Dann sah sie auf einmal jemanden. "Wer ist da?" schrie sie.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Sofort ging Aaron in Deckung. Wie konnte er nur so unvernünftig sein und sich sehen lassen? Schnell musste er vom Grundstück verschwinden, ehe diese Frau in seine Richtung laufen konnte. Zum Glück hatte er sein Auto nicht weit von hier, hinter dem kleinen Wäldchen geparkt. "Scheiße.", stieß er aus, als er sah, dass die Frau in seine Richtung kam. Schnell zog er sich die Kapuze weiter ins Gesicht und rannte los. "Ey, stehen bleiben.", hörte er die schrille Stimme der Frau. "Vergiss es, Süße.", dachte er und sprang über eine Wurzel.
    Annelie sprintete hinterher, ließ eine verwirrte Andrea zurück. "Ey, stehen bleiben.", rief sie aus und verschwand in den Büschen am Ende des Gartens, wäre dabei fas in die gespannte Wäscheleine gerannt. "Annelie.", rief Andrea ihr nach, doch sie hörte es schon gar nicht mehr. Dafür hörte sie, wie David anfing zu weinen. Schnell ging Andrea ins Haus zurück und nahm den kleinen Mann auf ihre Arme. "Mama ist ja bald wieder da.", flüsterte sie und strich durch das kleine, schwarze Haarknäuel auf dem Kopf des Jungen. Langsam beruhigte sich das Baby wieder und hielt das mitgebrachte Stofftier, was Annelie und Ben ihrem Patenkind zur Begrüßung geschenkt hatten, in seinen kleinen Händchen, während es mit der anderen nach Andreas Haaren griff und sie langsam ertastete.


    Aaron rannte hechelnd durch den Wald, immer wieder über Wurzeln, Steine und Moos. "Verdammt, die ist ziemlich hartnäckig.", dachte er, als er sich umsah und sah, wie die Frau mit den schwarzen Haaren immer noch hinter ihm her war. Er pustete heftig, seine Lungen arbeiteten wie ein Hochofen. Sein Herz klopfte gegen die Brust und er fühlte, wie kleine Nadeln sich in seine Seite bohrten, Seitenstiche. Lange hielt er das nicht mehr durch. Er war immerhin nur Techniker, kein durchtrainierter Polizeibeamter. Er durfte jetzt aber nicht schlapp machen. Wenn er jetzt anhielt, hatte er einiges zu erklären, was er nicht erklären wollte. Endlich endete der Wald, doch er musste noch einen Haken schlagen. Beinahe wäre er in einen kleinen Waldtümpel gefallen, die sich nach den letzten Tagen des vielen Regens in den Erdlöchern angesammelt hatten. Endlich war er bei seinem Wagen und suchte verzweifelt nach den Schlüsseln.
    "So, du willst Haken schlagen?", dachte Annelie und rannte geradewegs weiter. Sie konnte das Loch nicht sehen, da davor ein umgekippter Baum lag. Mit einem Satz war sie über den Baum drüber. "Au Scheiße!", stieß sie aus, doch es war zu spät. Platschend landete sie im Dreckwasser, war nass und von oben bis unten mit Modder eingesaut. Doch sie ließ von der Verfolgung nicht ab, kletterte aus dem Schlammloch und sah aber nur noch wie ein Wagen mit rasender Geschwindigkeit wegfuhr.


    André, Sarah, Ben und Semir kamen still beim alten Bauernhaus an und ließen sich erschöpft aufs Sofa fallen. "Ich brauch jetzt einen Schluck Wasser. Wollt ihr auch was?", fragte André, Ben und Semir schüttelten aber nur den Kopf. Während ihr Berlienr Kollege in die Küche verschwand und Sarah nach ihrem Baby sah, unterhielten sich Semir und Ben über das Erzählte von André. "Semir, glaubst du, dass Tom dazu in der Lage wäre? Nach alledem, was André erzählt hat und wie wir ihn kennen, muss es doch ein ungeheurer Druck bei den Ermittlungen gewesen sein.", meinte Ben. "Aber er würde ihn doch nicht erschießen.", erwiderte Semir. "Nein, irgendwie glaube ich, dass da jemand ein falsches Spiel spielt." Ben lachte kurz auf. "Du hast noch nicht einmal Einsicht in den Fall gehabt und sagst jetzt schon, dass da was faul ist. Semir, du bist merkwürdig.", versuchte er zu sticheln. Dann jedoch sah er mit geweiteten Augen in das nasse, wütende und rot vor Zorn gewordene Gesicht seiner Freundin, die tropfend in der Terrassentür stand.


    ...

  • "Ist das eine neue Schönheitskur?" fragte Ben verwirrt, sah jedoch die zerkratzen Arme seiner Freundin. "Sehr witzig", erwiderte Annelie und Andrea kam mit einem Badetuch. "Uns hat jemand beobachtet", begann sie und liess es sein, sich zu setzten. Semir sah Ben mit einem breiten Grinsen an, als dieser aufstand um zu seiner Freundin zu gehen. "Tut's weh?" fragte er besorgt als er die Kratzer erblickte. Annelie schüttelte mit dem Kopf. "Ich hatte ihn fast, doch der Kerl spielte unfair! Einfach mit dem Wagen abrausen!" Semir blickte über der Lehne zu Annelie. "Hast du das Gesicht gesehen?" Annelie schüttelte mit dem Kopf. "Der Mistkerl hatte die Kapuze übergezogen!" zischte sie. "Man sollte die Wunden trotzdem versorgen!" Annelie grinste. "Zuerst, geh ich aber Duschen! Ich habe ehrlich gesagt keinen Bock, in diesem Dreckzeug meinen Tag zu verbringen!" Mit diesen Worten war sie verschwunden.
    "Sag' es!" forderte Semir und Ben stöhnte. "Ja Herrgott! Du hattest recht!" Er setzte sich wieder und rieb sich die dreckigen Hände, die er von Annelie hatte. "Jedenfalls ist Annelie auf Zack!" Ben nickte und alle hörten eine Dusche. "Wenn wir wirklich beobachtet wurden, kann es wirklich sein dass Tom etwas angehängt wird!" "Sag ich doch!" zischte André und genehmigte sich einen Schluck Wasser. Sarah kam wieder mit David, der friedlich in ihren Armen lag. "Ben könntest du ihn mal nehmen?"


    Ben nickte und nahm seinen Patenneffen in den Arm und streichelte ihm mit dem Zeigefinger über die Wange. Semir bekam das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Bens Lächeln war wirklich warm, wenn er den Kleinen in den Arm hielt. Sarah ging inzwischen in das Badezimmer und nahm ihren Notfallkoffer hervor. "Ich werde dann deine Freundin verarzten!", sagte sie mit einem Lächeln und stellte den Koffer auf den Tisch des Esszimmers, dass sich neben dem Wohnzimmer befand. "Damit kann ich leben", erwiderte Ben und widmete seine Aufmerksamkeit wieder David. "Du, ich möchte den gerne noch behalten!" Ben sah zu André der zum ersten Mal an diesem Tag lächelte. "Nichts, da den nehme ich mit!" gab Ben zurück und lachte aus vollem Herzen. Und es gluckste. David hatte die Mundwinkel aufgezogen und kicherte ebenfalls.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Aaron kam neben dem Wagen seiner Freundin zum Stehen. "Hey Süßer, wo kommst du denn her?", fragte sie, erstaunt über die Atemlosigkeit ihres neuen Lebensgefährten, ihres ehemaligen Schwagers. Doch das wusste hier keiner und so sollte es auch bleiben. "Ich war... ich komme...", stammelte er und sah dann, wie seine Freundin einige Koffer in ihren Wagen lud. "Was wird das?", fragte er und stemmte seine Hände in die Hüften. "Na, ich ziehe mit Marleen zu dir, weißt du nicht mehr?", erwiderte sie. "Ist das schon heute?" "Ja, alles andere ist schon in unserer neuen Wohnung. Schätzchen, endlich ist alles vorbei.", meinte sie und kuschelte sich an Aaron ran. Dann wich sie kurz zurück. "Du bist ja ganz nass. Warst du joggen?", wollte sie wissen. "Ich? Ja, ja genau, ich war joggen.", meinte er leicht ertappt und drückte seiner Freundin einen dicken Kuss auf. "Weißt du, heute sollten wir uns fein machen und ganz schick essen gehen. Zur Feier unseres neuen Lebens.", meinte er dann. "Klingt gut.", erwiderte sie und drückte ihrem Geliebten einen innigen Kuss auf die Lippen. Doch bald schon sollte ihr Leben nicht mehr so friedlich sein.


    "André, wir müssen Tom helfen.", meinte Semir und wanderte vor Ben auf und ab, der immer noch David auf dem Arm hatte. Das Baby schien sich bei Ben recht wohl zu fühlen, denn es hatte sich an seine Schulter geschmiegt und schlief still vor sich hin. "Ich bin deiner Meinung Semir, aber wie?" "Kannst du uns Akteneinsicht geben? Wir müssen halt den ganzen Fall noch einmal durchgehen." "Semir, dir ist aber schon klar, dass ihr eigentlich nichts damit zu tun habt.", warf Andrea ein. "Es geht hier um einen Freund und Kollegen, dessen Frau noch verzweifelter sein muss, als Tom.", meinte Ben und André nickte nur. "Okay, gleich morgen früh fahren wir ins Präsidium." "Warum nicht jetzt oder besser heute abend, wenn sowieso keiner mehr im Büro ist?", schlug Semir vor. Ben und André sahen sich nur an. "Okay, besser, hoffentlich läuft uns nicht dieser Leubner über den Weg."


    Am späten Abend, Sarah hatte schon David ins Bett gebracht, machten sich Semir, André und Ben zum Präsidium auf. "Hey, wo wollt ihr denn hin?", kam es plötzlich von Annelie. "Wir wollen Tom aus der Patsche helfen. Deswegen wollen wir den Fall nochmal durcharbeiten, an dem die beiden gesessen haben.", zischte Semir leise, um das Baby nicht aufzuwecken. "Und ihr glaubt, dass ihr da ohne mich hinfahrt?", meinte Annelie und ging an Semir schnurstracks vorbei, der mit offenem Mund einfach nur da stand. "Tja, was willst du machen?", fragte Ben und nahm seine Freundin kurz in den Arm. "Los, bevor Tom noch ganz im Gefängnis versauert."


    Die Straßen Berlins waren selbst in den Abendstunden gut gefüllt. Die letzten Nachtschwärmer und Arbeitswütige wollten auch nach Hause. André parkte den Wagen etwas abseits vom LKA-Gebäude. Plötzlich jedoch. "Schnell runter.", zischte er und drückte Semir nach unten. Ben und Annelie gingen ebenfalls runter. "Was soll das?", fauchte Semir. "Da ist Leubner.", zischte André entschuldigend zurück. "Oh man, beinahe in die Arme der Bulldogge gelaufen.", meinte Semir dankend. Der interne Ermittler ging, immer auf sein Handy schauend, an den in Deckung verweilenden Kommissaren vorbei, ohne sie wahrzunehmen. "Glück gehabt.", dachte Ben laut. Schnell waren sie dann im Gebäude und saßen im Büro der Mordkommission von Tom und André. Während sie die ganzen Akten auf dem Boden verteilten und jedes kleinste Detail noch so akribisch durchsahen, kam Leubner noch mal ins Gebäude. Er hatte seinen USB-Stick im Büro vergessen. Er musste an dem Büro vorbei. Würde er die Freunde sehen?


    ...

  • "Scheisse!" André bemerkte die Bulldoggenvisage und wies auf ihn. "Was machen wir jetzt?" Annelie richtete ihren Hemdkragen. "Lasst mich nur machen", flüsterte sie, "er kennt mich noch nicht! Das mache ich mir zunutze!" Sie stand auf und ging auf Leubner zu. "Guten Abend", sagte sie mit starkem Schweizerakzent und setzte ein breites Lächeln auf. "Darf ich fragen wer Sie sind?" fragte Leubner mit hochgezogener Augenbraue und Annelie zupfte gespielt nervös an ihrem Hemdkragen. "Ich heisse Greteli Stucki. Neue Kriminalbeamtin aus der Schweiz. Und, ich kenne mich nicht so aus hier in der Stadt, suche noch eine Übernachtungsgelegenheit." Leubner errötete. Ein so hübsches Mädchen wie "Greteli" Annelie hatte er schon lange nicht mehr gesehen. "Nun ja", räusperte er sich und lächelte schelmisch, "ich könnte Ihnen ein paar Gegende zeigen!" Annelie klatschte in die Hände und hackte sich bei Leubner ein. "Dann lassen Sie uns doch zur Feier was trinken!" Sie zog Leubner förmlich nach draussen und war verschwunden. Andrés Kopf wurde hinter der Glasscheibe sichtbar. "Hat die Frau irgendwelche Skrupel?" fragte er und sah Semirs und Bens eindeutige Blicke. "Natürlich nicht! Ich hoffe nicht dass sie SO weit gehen wird!" Semir sah Ben mit einem breiten Grinsen an. "Ich denke, so viel Würde hat sie noch. Immerhin ist sie auch Schweizerin. Die sind doch bekanntlich stolze Sturköpfe!"


    Annelie ging mit Leubner zuerst zu einer Apotheke. Unter dem Vorwand "privates" zu kaufen, ging sie alleine hinein und besorgte sich K.O-Tropfen. Sie musste den Kerl loswerden, denn so wie sie seine Blicke deuten konnte, gingen seine Absichten weit über die "Gegend" zeigen hinaus. Aussen hin der perfekte Polizist, doch innerlich ein purer Lustmolch. Früher in Bern als einzige Frau in einer Komissarenposition kannte sie genug solche Typen.
    Sie kam aus der Apotheke und liess sich von Leubner zu einem schicken Hotel führen. Wie sie es gedacht hatte. Er brachte sie in ein Hotelzimmer und öffnete die Minibar. "Lass mich das machen", sagte sie verführisch und ging auf die Sektgläser zu. Sie tröpfelte in ein Glas die Tropfen und reichte das präparierte Getränk Leubner. Dieser redete mit ihr und schlief mittendrin ein. "Sorry Kumpel", begann Annelie nun wieder mit klarem Deutsch, "aber ich habe einen Freund. Und, du bist sowas von nicht mein Typ!" Sie ging mit dem Schlüssel zur Reception. "Mein Begleiter schläft noch dort drin. Sollte er aufwachen und hier anrufen sagen Sie, Sie hätten mich nicht gesehen!" Sie reichte dem Receptionist ihre Visitenkarte als Polizistin und dieser nickte. "Selbstverständlich Frau Kommissarin!" Mit diesen Worten ging Annelie aus dem Hotel.


    Sie kam wieder ins Präsidium, wo ihre Jungs noch immer über den Akten waren. "Und?" fragte sie und sah Bens
    misstrauischen Blick. "Keine Sorge Schatz, der Typ schläft tief und fest. Hoffentlich hab ich's mit der Dosis nicht übertrieben!" André sah sie geschockt an. "Was hast du dem gegeben?" Annelie grinste und nahm das Dösschen mit den KO-Tropfen hervor. Semirs Augen weitten sich. "Du kennst wirklich nichts hä?" "Der Typ hätte mich sicher...ihr wisst schon..." Ben versuchte seine Wut zu unterdrücken. "Wenn er das gemacht hätte, dann wäre ich zu ihm und danach hätte er nie mehr seinen Trieben nachgeben können. Weil sein Werkzeug gefehlt hätte." Annelie gab Ben einen Kuss auf die Wange. "Ich weiss und deshalb habe ich auch die KO-Tropfen genommen!" Sie sah die Akten an. "Habt ihr was gefunden?"

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Wie mans nimmt.", meinte Semir nur und reichte Annelie den Befund des Leichenbeschauers. "Wir wissen nur, dass die Mädchen betäubt wurden, bevor man sie am Baum erhängte." "KO-Tropfen?", fragte sie gleich. "Nein, etwas stärkeres.", meinte André und deutete dann auf die untersten Abschnitte im Obduktionsbefund. "Und zwar mit dem Schlafmittel, dass den Wirkstoff Zopiclon enthält. Der Doc sagte, bei der Dosierung hätte er die Mädchen nicht noch an den Baum zu hängen brauchen.", erklärte er. "Habt ihr bei der Durchsuchung etwas gefunden?", wollte Ben dann wissen. "Leider nein, deswegen mussten wir ihn wieder laufen lassen." Semir sah auf den Bericht, den Annelie noch immer in der Hand hatte. "Vielleicht deshalb nicht, weil er es nicht wahr.", meinte Semir dann. "Was?", stießen plötzlich Ben und André aus. "Hier die gefundene DNA stimmt nicht ganz überein, was bedeutet ..." "Was bedeutet, der Täter ist nicht der Täter, sondern hat einen Bruder.", beendete Annelie den Satz. "Genau.", stieß Semir zustimmend aus.
    "Habt ihr einen Bruder ermittelt?", fragte Ben den Berliner Kollegen. "Hältst du mich für einen Anfänger? Klar, aber das kann nicht sein. Laut Akten starb der Bruder dieses Mannes schon vor fünf Jahren bei einem Motorradunfall in den italienischen Alpen.", erklärte André mit leicht beleidigter Miene. "Schon okay, wollte dir nichts unterstellen.", entschuldigte sich Ben. "Schon okay.", lächelte André. "Okay, lasst uns die Akten mitnehmen. Vielleicht finden wir zu Hause noch was.", meinte Semir dann und knipste die Tischlampe aus.


    Stefan Leubner erwachte mit dröhnenden Kopfschmerzen im Hotelzimmer. "Ooch, diese kleine Schlange.", fauchte er und fasste sich an den Kopf. "Da will man ein bisschen Spaß haben.", dachte er und nahm sein Jackett an sich. Wutschnaufend verließ er das Hotel, nachdem ihm die Rezeptionistin nicht sagen wollte, wohin die ominöse Schönheit verschwunden war. "Und das mir als Polizisten.", dachte er und verschwand.


    Aaron lag wach neben seiner Freundin. Er war vom Umzug erschöpft, aber er konnte nicht schlafen. Die innere Stimme war wieder da und sie war stärker als bisher. Er hatte gehofft, durch diese Frau seinen Trieb unter Kontrolle zu halten. Doch die Frau, die ihn heute verfolgt hatte, ließ alles wieder hochkommen. Sämtlichen Gefühle, die durch den Tod seines Bruders, durch das Zusammenleben mit ihr verschwanden, kamen wieder hoch, als er diese wunderschöne Frau heute sah. Er würde nicht anders können, er musste sie haben. Nur diese eine noch und dann wollte er ein ganz normales Leben führen.


    ...

  • Da Jenni leider krank ist, werde ich den nächsten Teil schreiben ;)


    --------------------------------


    Der nächste Morgen brach an. Annelie brach zu ihrer morgentlichen Jogging-Tour auf. Schnell und mit langen Schritten trugen ihre Beine sie vorwärts. Der Grunewald in Berlin bot ideale Joggingstrecken an und so war es nicht verwunderlich, dass sie die frühen morgentlichen Stunden ausnutzte, um ein wenig in Form zu bleiben. Sie hatte sich aus dem Zimmer geschlichen, Ben brummte nur kurz, als sie sich aus seiner Umklammerung befreite und aufstand, und ihrem Liebsten einen Zettel hingelegt, damit er sich keine Sorgen machte. Sie liebte diese frische Morgenluft, wenn das Grün der Natur noch mit dem Duft des Morgentaus erfüllt war. Schnell und stramm ging ihr Puls, ihr Herz pochte. Diese Waldstrecke war etwas anders, als die Berge ihrer Heimat oder die idyllische Laufstrecke am Rhein entlang.
    An diesem Tag war nicht viel im Wald los. Sie traf auf ein paar andere Läufer, auf Herrchen oder Frauchen, die mit dem jeweils passenden Hund, vom kleinen Sofakissen zum großen Zerstörungkalb war alles vertreten, kamen ihr entgegen. Doch irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass sie verfolgt oder zumindest beobachtet wurde.


    Aaron sah das Objekt seiner Begierde in den Wald laufen. Schon früh hatte er sich von seiner Freundin gelöst, war auf dem Weg zur Arbeit, hatte er erzählt. Sie ahnte vom Doppelleben ihres Freundes nichts und auch, dass nicht ihr toter Ehemann, sondern Aaron die Mädchen vergewaltigt und erhängt hatte. Sie kannte ihn nur als unscheinbare Laborratte, wie er abschätzig von seinen Kollegen und den Hauptkommissaren genannt wurde. Eine graue Maus war er immer gewesen, doch diese graue Maus war ein Wolf im Schafspelz. Ein gefräßiges Ungeheuer, dessen Trieb man nicht unterdrücken konnte. Und jetzt war er wieder da. Dieser Trieb, diese Stimme, die ihm die Befehle gab: "Tu es! Du musst es tun! Dieses eine Mal noch!" Er konnte es nicht kontrollieren.
    Er kannte diese Gegend wie seine Westentasche und er wusste ungefähr, wohin sie laufen würde. Schnell fuhr er mit dem Wagen dort hin, zog sein Blasrohr aus der Tasche und nahm einen präparierten Pfeil aus einer kleinen Schatulle. Dann stieg er aus und stellte sich hinter einem Baum, an dem Annelie vorbei musste. Bald schon, sehr bald schon würde er mit ihr spielen, sie lieben und sie dann in ein besseres Leben bringen.


    Ben drehte sich in seinem Bett um und tastete mit der Hand auf das leere Kopfkissen an seiner rechten Seite. Verschlafen hob er den Kopf und sah, dass seine Liebste nicht mehr da war. Dafür ein kleiner weißer Zettel. "Bin Joggen. Liebe dich, Annelie", las er und sah den kleinen in Herzform gemalten Smiley, den sie unter ihren Namen gesetzt hatte. Lächelnd drückte er dem Stück Papier einen Kuss auf und nahm dann das Kissen an sich. "Wenn nicht schon die Freundin hier ist.", dachte er und nahm einen tiefen Hauch von Annelies Haarduft, der sich im Kissen verfangen hatte. Wenn er wüsste, was in diesem Moment keine 600 Meter vom Haus weg mit seiner Freundin passierte, wäre er nicht mehr so friedlich in den Halbschlaf abgedriftet.


    ...

  • So, da es mir wieder besser geht
    hier wieder ein Teil von mir :) :)


    Annelie blickte sich immer wieder um. Sie wurde das Gefühl einfach nicht los, dass sie beobachtet wurde. Der Wald wurde im innern immer einsamer. Annelie beschleunigte ihr Tempo. Schweiss lief ihrem Körper herunter und kitzelte sie unangenehm. Doch sie ging weiter. Bis sie etwas am Oberarm packte. Sie drehte sich um und erblickte die genau gleiche Kaputze, die sie am vorherigen Tag gesehen hatte. Sie holte mit einem Arm aus, doch der Angreifer wehrte ab. "Wer zum Teufel bist du?", zischte sie und verfing sich in einem erbitterten Kampf mit ihrem Gegner. Jeder musste ziemlich einstecken und Aus Annelies Mundwinkel floss Blut. "Sackgesicht!" stiess sie hervor und wollte einen Fusstritt verpassen, als der Maskierte ihren Fuss packte und gewaltsam drehte. Zwar spürte Annelie ihren Knochen nicht brechen, doch er schmerzte so sehr, dass sie in die Knie ging. Das Letzte was sie schliesslich sah, war die Faust, die auf sie zukam und sie in den Dämmerschlaf versetzte.
    Der Maskierte nahm sie auf den Arm. Aaron sah in ihr zartes Gesicht. Wenn sie sich nicht so streng schminken würde, sähe sie noch wie eine 17 Jährige aus. Wie ein Mädchen aus Porzellan.


    Ben kam zum Frühstückstisch, wo sich alle schon versammelt hatten und genüsslich ihre Mahlzeit verspeisten. "Wo ist denn deine "Gattin"?", fragte André schnippisch und Ben winkte ab. "Joggen! Ich mach' das zwar auch gerne aber nicht früh Morgens!"
    "Du könntest mal ein Beispiel an ihr nehmen", begann Semir, "dann würdest du auch mal pünktlich zur Arbeit kommen und ich müsste mir nicht immer die kuriosesten Ausreden für die Krüger einfallen lassen!" Ein Gelächter ging um den Tisch, während Ben seine Augenbraue hochzog. "Wie wollen wir also Tom da rausholen?" fragte André ein wenig ungeduldig und Semir beruhigte ihn gleich sofort wieder. "Wir müssen das alles gut durchplanen. Besonders wegen Annelies Aktion von uns abzulenken. Diese Bulldoggenvisage ist nun ziemlich sauer. Wer weiss, was der alles vorhat!"


    Annelie erwachte in einem dunklen Raum. Die Hände gefesselt, sass sie auf einem Stuhl und sah sich um. "Wird das jetzt 'ne folternummer?", dachte sie laut und sah sich um. Der Raum war leer. Vollkommen leer. Schmal und klein. War sie in einem Keller? Nichts rührte sich, nichts war zu hören. Sie hasste solche Stille und diese machte sie nervös. Wo zum Teufel war sie bloss?

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Annelie zerrte an ihren Feseln hin und her, doch es rückte und rührte sich nichts. Wenn sie nur wüsste, was dieser Typ von ihr wollte. Das sollte sie jedoch schon bald erfahren. Doch noch saß sie in ihrem kleinen, engen Gefängnis und sah sich um. Doch nichts. Nichts fand sich, um die Fesseln zu lösen, die sehr eng anlagen und ihr fast das Blut abschnürten.
    Plötzlich ging die Tür auf und ihr Entführer stand mit einer Spritze in der Hand in der Tür. "So Liebchen, mach dich bereit. Gleich wirst du ins Traumland abdriften.", lachte er und ließ einige Tropfen aus der Spitze fahren. Weit riss Annelie ihre Augen auf und zerrte noch mehr an den Fesseln. Sie konnte nur ahnen, was dieser Typ von ihr wollte. Sie durfte das nicht zulassen. "Ruhig Süße, ganz ruhig. gleich ist es vorbei.", meinte er und kam langsam auf Annelie zu. "Wenn sie glauben, ich lasse das einfach zu, dann...", fauchte Annelie und schlug mit ihren Bein aus. Wie traf sie doch ins Schwarze.
    Schreiend ging Aaron in die Knie und ließ dabei die Spritze fallen. Er fasste sich schützend in den Schritt und keuchte vor sich her. "Da hast du's.", stieß Annelie aus und kickte die Spritze in eine dunkle Ecke. Sie hörte nur, wie das leichte Glas zerschellte. "Endlich was brauchbares.", dachte sie. Ihre Gedanken wurden jäh unterbrochen, als Aaron mit einem glänzenden Messer vor ihr stand. "Das hättest du nicht tun dürfen, Schätzchen.", fauchte er mit bedrohlicher Stimme und kam langsam auf sie zu. Er holte aus und stach seinem Opfer in den rechten Oberschenkel. Kreischend und wie eine Sirene schrie Annelie auf, sah wie die metallische Klinge in ihrem Bein steckte und das Blut an den Seiten herunterlief. "Ben, wo bist du?", dachte sie und biss die Zähne zusammen.


    Ben saß am Tisch und spielte nervös mit seinem Handy hin und her. Es war bereits nach zehn und von Annelie immer noch keine Nachricht. Sein Blick war starr und aufgeregt auf die flackernde Kerze gerichtet, dessen Licht auf seine Hand zurückfiel. "Ben, jetzt mach dir doch keine Sorgen.", meinte Sarah, als sie mit dem kleinen David auf dem Arm ins Zimmer kam. "Ihr wird schon nichts passiert sein. Der Grunewald ist zwar groß, aber bisher haben wir alle wiedergefunden, die da rein gegangen sind." "Fragt sich, in was für einem Zustand.", maulte Ben und ließ das Handy auf den Tisch sinken. Sarah versuchte zu lächeln, wusste aber, wie Ben sich fühlte.
    David wurde unruhig, wollte von Mamas Arm runter und zu diesem interessanten Mann hin. Quengeld deutete er mit seinen kleinen Händen auf Ben und griff immer wieder in der Luft nach ihm. "Ich glaube, er möchte zu dir." Sarah ließ David an Bens Schulter ab und strich ihrem Sohn durchs Haar. Der Kleine sah Ben genau in die Augen und fasste mit seiner Hand dessen Nase an, drückte sie einmal kurz. Ben gab einen kurzen hupenden Laut von sich, was den Jungen scheinbar erfreute. Er quiekte vergnügt vor sich hin.


    André saß mit Semir auf dem Hof, als plötzlich das Handy des Kommissars schellte. "Oberkommissar Kramer.", meldete er sich. Semir sah, dass sich die Sorgenfalten auf der Stirn des Berliner Kollegen noch vermehrten und er nur ein paar Mal nickte. "Ist gut, ich komme.", beendete er das Gespräch und sah dann tief durchatmend zu Semir. "Was ist?", fragte dieser. "EIne Streife hat auf einer Joggingstrecken im Grunewald eine Kette und ein Stück Stoff mit Blut gefunden. Ein Zeuge hat aus der Ferne beobachtet, wie eine junge Frau angegriffen und verschleppt wurde." Semirs riss seine Augen sofort weit auf. "Annelie", ging es ihm schlagartig durch den Kopf. "Ich muss hin.", meinte André und holte die Autoschlüssel. "Warte, ich komme mit.", kam es von Semir.


    ...

  • Sie kamen gemeinsam zu dem abgesperrten Gebiet, wo ein uniformierter Polizist sie abfing. "Kramer und Gerkhan! Man hat mir mitgeteilt dass sie kommen!" Er nahm aus seiner Tasche ein Bild. "Unser Phantomzeichner ist sofort hergekommen und hat ein Bild der entführten Frau hergestellt! Nach Zeugenaussagen natürlich!" Semir nahm das Bild entgegen und erkannte sofort seine Deutschweizerische Kollegin. "Scheisse", zischte er und schüttelte mit dem Kopf. "Verdammter Mist", murmelte André und und nahm Semir das Blatt ab. "Meinst du es war unsere Bulldoggenvisage?" Semir zog skeptisch eine Augenbraue hoch. "Er ist Polizist, wieso sollte er das tun?" André hob die Schultern. "Was weiss ich!", zischte er genervt. Die Tatsache dass nun auch Annelie entführt wurde, wurmte ihn enorm. "Jedenfalls ist sie verletzt. Schliesslich hat man Blut von ihr gefunden." Semir nickte auf Andrés Vermutung. "Wir müssen Ben informieren, obwohl ich Angst habe, dass der ausrastet!" André nickten und sie gingen wieder zum Wagen. Jede Sekunde die sie noch hier verbrachten, schien ihne eine Verschwendung, das der uniformierte Polizist versprach, Ergebnisse durchzufaxen.


    "Du Mistkerl!", zischte Annelie und Aaron lechzte ihr Blut vom Messer. "Du bist wunderschön!", erwiderte er und Annelie biss die Zähne zusammen. "Und wieso stichst du mir ein messer ins Bein?", fragte sie verwirrt und Aaron lachte. "Deine Schönheit kommt erst zu gute, wenn du leidest meine Schöne. Hast du einen Freund?" Annelie spuckte dem Mann ins Gesicht. "Ich wüsste nicht, was dich das angeht!" Aaron legte das Messer an ihre Wange und zog eine kleine Linie. Annelie spürte das Blut über das Gesicht laufen. "Dein Freund muss sicher stolz auf dich sein, sofern du einen hast!" Annelie hütete sich etwas zu sagen. Das ging ihm sicher nichts an! Ja sie hatte einen Freund, den sie unendlich liebte. Aber das brauchte der nicht zu wissen!


    Semir und André kamen wieder bei dem Bauernhaus an, wo Ben mit David im Arm schon an der Türschwelle stand. Semir und André tauschten ein paar Worte aus. "Ben, gibst du mir bitte David?" Ben gehorchte und gab André seinen Sohn wieder und ahnte schlimmes. Semir winkte seinen Partner zu sich und sie setzten sich auf die Motorhaube. "Wieso seid ihr vorhin plötzlich abgehauen?", fragte er verwirrt und Semir atmete tief durch. "Ben, es geht um Annelie."

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Ben sah Semir mit großen Augen an. "Um Annelie? Was ist mit ihr?", wollte Ben wissen. "Ich war gerade mit André an einem Tatort im Grunewald. Eine junge Frau wurde entführt.", begann Semir mit schwerer Stimme. "Allem Anschein nach handelt es sich dabei um Annelie." Sofort sprang Ben auf. "Das kann nicht sein.", schrie Ben und fuhr sich entsetzt durch sein Haar. Annelie entführt. Von wem? Welchen Grund sollte man hier in Berlin haben? Es kannte sie doch keiner. "Ben, wir haben Blut am Tatort gefunden. Es muss ein Kampf gegeben haben. Sie wird sich gewehrt haben." "Sie ist verletzt?", fauchte er. Dann aber besann er sich. "Was, wenn es sich um das Blut des Angreifers handelt? Habt ihr es untersuchen lassen?", fragte Ben fast panisch. "Ben, die Kollegen hier wissen sicher, was sie zu tun haben. Wir können nur abwarten.", wollte Semir seinen Partner beruhigen, doch das half nicht viel. "Abwarten, ja? In der Zwischenzeit kann dieser Typ sonst was mit Annelie machen.", fauchte Ben und streifte immer hin und her. "Ben, mach dich nicht verrückt. Im Moment können wir nichts tun.", Semirs Stimme war sanft und beruhigend, doch Ben ließ sich dadurch nicht beruhigen. Das Liebste wurde ihm genommen, was er jemals besaß. Er würde Annelie wiederfinden, das schwor er sich. Und wenn er dafür einen Mord begehen müsste.



    Tom saß wieder im Verhörraum und rieb sich nervös die Hände. Unweigerlich kam er dabei an seinen Ehering. Seine Gedanken fielen dabei zu Verena und den Kindern. Wie sehr mussten sie ihn vermissen. Besonders die kleine Marie. Wie sehr sie doch seiner Stimme immer lauschte, wenn er ihr eine Gute-Nacht-Geschichte erzählte. Sie liebte es einfach und konnte auch vorher noch nicht einschlafen, obwohl sie schon fünf Jahre alt war. Dann wanderten seine inneren Augen zu Verena.
    Doch sein Gedankengang wurde unterbrochen, als Stefan Leubner in den Raum trat und eine neue Akte vor Tom auf den Tisch knallte. "So, Herr Hauptkommissar.", fing er an und schlug die Akte auf. Wieder war dieser schadenfrohe Blick da, den er schon von den anderen Verhören kannte. "Sie wissen ja, noch, worum es geht. Ich will immer noch wissen, wie die drei Einschusslöcher durch ihre Dienstwaffe in den Rücken des Mannes kommen." "Ich habe nicht geschossen.", wiederholte Tom mit fauchender Stimme. Sein unrasiertes Gesicht lief dabei wutrot an und die Hand ballte sich zur Faust. Am Liebsten hätte er diesem Fazken einen Rechte verpasst.


    Als die Situation zu eskalieren drohte, kam ein Beamter der KTU rein und brachte neue Ergebnisse. "Herr Leubner, wir haben die Ergebnisse der Ballistik noch einmal überprüft.", fing der Beamte an. "Es handelt sich definitiv nicht um die Dienstwaffe von Hauptkommissar Borkmann, mit der Hendriksen erschossen wurde.", erklärte er. "Was? Wie ist solch ein Schlamperei möglich?", zischte Leubner. Tom horchte genau hin und atmete auf. Endlich war diese Hölle beendet. Leubner drehte sich beschähmt um. "Herr Borkmann, sie können gehen. Es tut mir Leid, aber sie wissen ja, ich habe nur meinen Job gemacht." "Herr Leubner, ihre Entschuldigung können sie sich in den Arsch schieben. Sie sind das letzte Arschloch, was mir begegnet ist.", fauchte Tom und verließ den Raum.


    Annelie saß in ihrem Kellergefängnis und atmete schwer. Die Wunde schmerzte und langsam bekam sie Fieber. "Ben, wo bist du nur?", fragte sie in die Luft hinein.


    ...

  • "Ben, Wut bringt dich jetzt auch nicht weiter", versuchte es Semir noch einmal und sah, dass Bens Wut auch verschwunden war. Sie wich einem besorgten Gesicht. "Sie wird nicht enden wie Saskia", er stand auf und legte eine Hand auf Bens Schulter, "dass verspreche ich dir!" An den früheren Schmerz erinnert, biss sich Ben auf die Unterlippe. "Saskia war aber nicht DIE Liebe Semir! Bei Annelie bin ich mir da sicher! Sie ist es!" Semir atmete tief durch. "Trotzdem kann ich nicht erlauben, dass du einen schrecklichen Fehler begehst! Du bist mein Partner und mein bester Freund Ben. Ich kann nicht gestatten, dich zu verlieren!" Ben sank den Kopf und nahm Semirs Hand von den Schultern. "Falls ich es aber tue, solltest du mich aber dann aufhalten!" Semir nickte mit einem Lächeln. Beide sahen auf, als ein Polizeiwagen sich näherte. André kam aus dem Haus und sah gerade noch, wie Tom ausstieg. "Tom!", stiess er erleichtert aus und konnte nicht anders. Er musste ihn umarmen. "Ich bin auch froh dich zu sehen!" Er war rassiert und sah gesünder aus. "Man hat mich freigelassen. Die hatten bei der Forensik geschlampt!" Tom bemerkte sofort die Bedrücktheit. "Was ist los?" Ben atmete tief durch. "Der Typ, so vermute ich, der dir das alles in die Schuhe schieben wollte, hat Annelie entführt!"


    Aaron trat in den Raum und sah Annelie mit einem Lächeln an. "Hast du Fieber mein Schatz?", fragte er mit zischender Stimme und strich ihr durchs Haar. "Weisst du, wenn du mir gehorchen würdest, könnte ich dich sofort losbinden!" Annelie spukte Aaron ins Gesicht und bekam dafür eine Ohrfeige. "Du dreckiges Luder!" Annelie konterte sofort. "Eher würde ich mit dem Teufel einen Packt schliessen!" schrie sie und keuchte heftig. Das Fieber nagte an ihren Kräften. "Ich bin der Teufel mein Liebes", zischte Aaron ihr ins Ohr und Annelie überkam ein Ekelschauer.


    "Bitte?", fragte Tom entsetzt und Semir nickte. "Man hat ein Teil ihrer Kleidung und Blut gefunden.Sie musste sich gewehrt haben!" Tom strich sich kurz durchs frischgewaschene Haar. Er war zuvor bei seiner Familie. Er musste sie einfach sehen. "Es ist doch nicht meinetwegen oder?" Entschuldigend sah er zu Ben. "Um Gottes Willen Nein!" Ben schüttelte mit dem Kopf. "Und wenn es so wäre, wäre es trotzdem nicht deine Schuld", sagte er leise. Semir verdrehte die Augen. Typische Ben Logik. "Wir müssen sie da raus holen! Wir sind ihr auch einiges Schuldig!" André nickte.

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • "Habt ihr schon die Blutspuren auf DNA-Abgleich untersucht?", fragte Tom gleich. "Die Techniker sind noch dabei. Ich werde informiert sobald sie etwas haben.", erwiderte André. Semir kam zu ihm. "Tom, wir haben uns die Akten vorgenommen und eine Abschrift eines Betäubungsmittels im Blut der Mädchen gefunden. Was ist da dran?", wollte Semir wissen und merkte, wie Ben sich neben die Kollegen stellte. Sein Blick war voller Sorgen und die Stirn schlug mehr Falten als ein Faltenrock. Tom atmete kurz schwer. "Nach allem, was wir wissen, hat er die Mädchen überfallen, betäubt und sich dann mehrmals an ihnen vergangen, bevor er sie getötet hat.", erklärte er. "Sonst noch etwas? DNA oder Fingerabdrücke?", fragte Ben mit lauter, besorgter Stimme. "Ben, wir hätten den Täter schon längst, wenn wir solche Sachen gefunden hätten. Er hat immer ein Kondom benutzt, somit konnten wir auch kein Sperma nachweisen. Er muss sich seiner Sache sehr sicher sein.", entgegnete Tom. André dachte nach. "Wenn das hier jetzt der wirkliche Täter ist, wer war dann der, den wir zuerst verdächtigt haben?", fragte er in die Runde. "Ich glaube fast, wir müssen nochmal ganz von vorne anfangen.", meinte Tom und ließ sich leicht erschöpft auf einen Findling nieder.


    Annelie driftete immer weiter in die Bewusstlosigkeit ab. Doch noch kämpfte sie dagegen an. Wollte nicht aufgeben. Es gelang ihr für einige wenige Minuten sich zu konzentrieren. Aaron saß auf einem Stuhl vor ihr. "Ich würde dir ja die Wunder verbinden, aber du beißt dir ja eher das Bein ab, nehme ich an.", lachte er mit teuflischem Gesicht. "Eher beiße ich dir die Kehle durch.", fauchte Annelie mit schmerzverzerrtem Gesicht. Die Schweißperlen standen ihr wie Regentropfen auf der Stirn, ihr Gesicht brannte förmlich. In ihrem Kopf sah sie Bilder vor sich hertanzen. Bilder von Ben und ihrem ersten Zusammentreffen. Wie er sie aus dem gesunkenen Autowrack zog und sie an Land schwommen. Dann das Abenteuer in Bern und Paris. Dabei kamen sie sich näher und gestanden sich ihre gemeinsame Liebe.
    Doch das entzündende Feuer brachte ihnen die Hochzeit von Josh und Yao in England. Was war das für eine Hochzeit. Ein verletzter Verwandter und die verschwundene Braut. Dann das gemeinsame Lied von ihnen zu Ehren des Brautpaares. Wie sie beschlossen zusammen in Deutschland zu leben und dann die glückliche Nachricht, dass sie Pateneltern werden sollten. Würde sie ihren Ben jemals wieder sehen?


    ...

  • "Müssen wir wohl", meinte André niedergeschlagen und atmete tief durch, als er Bens Blick sah. "Wir werden sie finden Ben, ganz bestimmt!" In Bens Augen zeigte sich keine Regung. Semir atmete tief durch. Das war gar nicht gut. Wenn Ben gar nicht reagierte, musste er sich unter Kontrolle halten. In diesem Moment kamen Susanne und Andrea dazu. "Was ist eigentlich los?" fragte Andrea mit ihrer typischen Stimme. Semir stand auf und ging zu den Frauen. "Ich kläre das mit euch! Ihr Drei bleibt einfach mal hier!" André und Tom nickten.
    Semir führte sie auf die Terrasse. "Semir den Blick kenn ich", meinte Sarah und Andrea nickte zustimmend. "Wo ist Annelie? Sie sollte seit Stunden zurück sein!" Semir atmete tief durch. "Man hat sie entführt", sagte er knapp ohne Umschweife. "Bist du dir sicher?" fragte Sarah, die keine jegliche Regung zeigte. Andrea hatte sich die Hand vor den Mund geschlagen. Eine typische Reaktion. "Überleg' doch mal", begann Semir, "wie du sagtest ist sie vermisst. André und ich waren vorhin am Tatort. Man fand Blut und den Fetzen einer Kleidung, der ziemlich nach Annelies Jogginganzug aussah." Andrea atmete tief durch. Sie sah durchs Fenster zu Ben, der mit André und Tom heiss diskutierte. Sie sah, wie Ben mit den Armen fuchtelte und im Innern konnte sie seine Stimme überschlagen hören.


    "Aber wer sollte Annelie entführen wollen?" fragte sie dann und Sarah zog eine Augenbraue hoch. "Da würden mir schon einige einfallen." Sie konnte den Sarkasmus in ihrer Stimme nicht überspielen. "Sarah!", mahnte Semir und die Angesprochene hob die Schultern. "Entschuldige für ihre junge Karriere hat Annelie schon einige hinter schwedische Gardinen gebracht. Ausserdem kommt nicht jeder mit ihrer Art klar!" Semir nickte langsam. Annelie war wirklich eine Marke für sich. Für eine Schweizerin, inzwischen eingebürgerte Deutsche, war sie wirklich quirlig und aufgestellt. Sie war anders. Aber erfrischend anders. Jedenfalls konnte sie ja Ben damit beeindrucken. "Hoffentlich lebt sie noch!" Auf einmal war Sarahs Stimme still und besorgt. "David braucht seine Patentante." Semir nickte und sah zu Ben. "Und ich brauche meinen Partner."

    Semir: Du blutest übrigens!
    Alex: Ich blute?! Ja, ich blute! Ich habe mir 'ne Kugel für dich eingefangen! Man ich stehe hier vielleicht auf der Fahndungsliste!
    Semir: Alex...
    Alex: Weisst du wie Knast hier aussieht?
    Semir: Alex...
    Alex: WAS?!
    Semir: Ich hab dich lieb...
    Alex: Ja schönen Dank auch!

  • Alle saßen schweigend da, jeder sah auf Ben, dessen Hände sich immer mehr der Kontrolle entzogen und vor Angst um Annelie zitterten. Die Stille wurde von Toms Handy zerrissen. "Borkmann?", meldete er sich und hatte dabei, wie so oft, die Stirn in Falten geschlagen. Doch dieses Mal klärte sich seine Miene etwas auf. "Danke, wir kommen sofort.", meinte er und legte wieder auf. Alle sahen ihn abwartend an.
    "Das Blut, dass wir auf dem Stoffstück gefunden haben, stammt nicht von Annelie.", erklärte er und warf sich seine Jacke über. "Dann muss es vom Täter stammen.", reagierte Ben wieder. "Genau, und unsere Gerichtsmedizinerin macht gerade den Abgleich mit der Datenbank. Wenn wir Glück haben, ist er verzeichnet.", erklärte Tom und streckte seine Hand zu André. "Deinen Wagen.", forderte er. "Hey, ich will mitkommen.", protestierte er auf sächsisch, was er nur machte, wenn er wütend wurde oder einen über den Durst getrunken hatte, und verschränkte die Arme. Tom lehnte sich dicht zu ihm. "Hör zu, Ben ist in keiner guten Verfassung. Ich finde, er sollte hier bei dir bleiben. Damit du ihn ein wenig beruhigen kannst.", meinte sein Chef. Ben und hier bleiben? Das war für André undenkbar. Er wusste doch noch von ihrer ersten Begegnun wie impulsiv und rastlos er war.


    "Semir, ich komme mit.", hörten die Beiden schon Ben fauchen, der vor Andrés Wagen stand und die Hintertür öffnen wollte. "Ben, es wäre mir lieber, du würdest hier bleiben.", mahnte Semir. "Glaubst du, ich habe mich nicht unter Kontrolle?", zischte der Jüngere zurück und baute sich seiner ganzen Körperlänge entsprechend vor Semir auf. "Ben, ich kenne dich.", Semir wollte fortfahren, sah dann aber die entschlossenen Augen seines jungen Kollegen und die Angst, die er um Annelie hatte. "Okay, steig ein, aber beim ersten Ausraster sperr ich dich eigenhändig in den Kofferraum.", drohte Semir. "Ja klar.", murrte Ben und verschwand im Wagen. Nun konnte auch André mitkommen und die vier fuhren zur KTU Berlin.


    Dort angekommen gingen sie gleich in die Labore durch, wo schon Dr. Herzog, die Pathologin und Chefin der KTU auf die Kommissare wartete. "Hallo Sarah.", begrüßten Tom und André die schwarzhaarige, mit ihren braunen Augen streng dreinblickende Technikerin. "Jungs, das ist unser Engel der KTU. Dr. Sarah Herzog.", stellte er Ben und Semir die Frau vor. "Freut mich.", meinte sie nur und wandte sich dann wieder ihrem Mikroskop zu.
    "Sarah, was hast du für uns?", wollte André wissen und alle stellten sich um sie herum. "Ich habe das Blut analysiert und mit der DNA-Probe von der Frau verglichen, die du mir gegeben hast, André.", erwiderte sie. Ben sah den Berliner kurz an. "Hey, ich habe nur ein Haar von ihr genommen.", verteidigte er sich, da Bens Blick mordend war. "Jedenfalls kann ich sagen, dass dieses Blut nicht von ihr stammt.", wiederholte sich die Technikerin. "Von wem dann?", wollte Semir wissen.


    "Das Blut war in der Datenbank verzeichnet. Aber das ist nicht das interessanteste.", meinte sie und ging zu einem großen Monitor, schaltete ihn an und steckte ein weiteres Röhrchen mit DNA in einen Apperat. "Seht her. Links die DNA vom Blut auf dem Stoff und rechts die DNA des vermeintlich erschossenen Triebtäters. Fällt euch was auf?", fragte sie. Alle sahen sich die Diagramme genau an.
    "Sie stimmen fast überein.", schlussfolgerte Ben. "Genau, beide Menschen sind miteinander verwandt und zwar sind es Zwillinge.", meinte Sarah. "Zwillinge?", kam es von den vier Kriminalisten. "Hm, aber keine Eineiigen." "Sarah, wem gehört das Blut auf dem Stoffteil?", wollte Tom wissen. "Das ist gerade das heikle. Einem meiner Mitarbeiter, Aaron Neumann.", gab sie bedrückt bekannt. "Gut, dann werden wir ihn uns vorknöpfen.", meinte Tom und leiß sich die Adresse von diesem Neumann geben. Er wusste ja nicht, dass dieser nicht bei seiner Freundin war, sondern gerade dabei, Annelie erneut zu peinigen.


    ...