Nachts sind alle Katzen grau [Fortsetzung von "Und morgen kommt der neue Tag"]

  • Hi ihr alle :)
    So, endlich bin ich dazu gekommen meine neue Story fertig zu schreiben.
    Ich weiß, es hat zeimlich lange gedauert. Tut mir leid :( aber ich hatte
    in der Schule viel zu tun und hatte deswegen nur wenig Zeit.
    Nachts sind alle Katzten grau ist eine Fortsetzung der Story Und morgen kommt
    der neue Tag
    . Es wäre sinnvoll zu wissen was darin grob vorgekommen ist um
    diese Geschichte zu verstehen ;)
    naja gut, dann will ich mal nicht zu viel reden :D
    es geht los...








    Nachts sind alle Katzen grau







    Prolog



    Ein höllischer Schmerz durchzuckte Toms ganzen Körper als er
    mit dem rechten Arm auf dem harten Steinboden aufkam. Streiber, der auf ihn
    gefallen war, machte diesen Schmerz keinesfalls erträglicher. Tom hatte sich schon
    halb zur Seite gedreht, als ihn eine starke Hand mit eisernem Griff im Genick
    packte und wieder zurück in Rückenlage zog. Streiber hatte die Knie auf seine
    am Boden liegende Beine gelegt und drückte sie nun fest auf die nassen Steine.
    Den Ellenbogen des linken Armes setzte er nun blitzschnell auf Toms Hals. Noch
    bevor Tom wirklich registrierte was er vorhatte war es schon zu spät. Er spürte
    den heftigen Druck auf seiner Kehle. Seine vergeblichen Versuche zu Atem zu
    kommen scheiterten kläglich.
    Wild zappelt versuchte er mit den Händen um sich zu schlagen
    und versuchte sich mit den Beinen aus Streibers Griff zu winden. Vergebens.
    „Zeit zu sterben Kranich.“ Voller Abscheu spuckte Streiber
    ihm die Worte ins Gesicht. Ein höhnisches Lächeln auf den Lippen. Ein
    überlegenes, siegessicheres Lächeln.
    Seine schwachen Lungen schienen zu explodieren und eine
    gähnende Leere breitete sich in seinem Kopf aus. Eine Leere die alles andere
    verschlang. Alles Licht und auch den winzigen Funken Hoffnung, der noch eben in
    ihm erklommen war. Er spürte noch wie seine Glieder erschlafften. Das war das
    Ende. Das wurde ihm auf einmal auf eine schreckliche Art und Weise bewusst. Das
    einzige was er sicher wusste. Was die Leere noch nicht verschluckt hatte. Das
    Ende. Das Ende. Der Tod







    Kapitel 1



    Noch einmal atmete Caro tief durch ehe sie die Pforte durchquerte.
    Rechts und links am Wegesrand waren Gräber. Unterschiedlich groß, manche mit
    bunten Blumen und Kerzen geschmückt, andere trist, mit einfachen Grabsteinen
    aus Stein.
    Der Schnee Knirschte unter ihren Schuhen als sie langsam den
    Kiesweg entlang ging und ihr Atem hing in weißen Wölkchen in der Luft. Fröstelnd
    zog sie ihren Jackenkragen höher.
    Der Sommer war dieses Jahr sehr heiß gewesen. Dafür war der
    eisige Winter schneller gekommen als ihr lieb war. Es war nun Anfang November
    und der Schnee bedeckte wie Puderzucker den Boden. Auch auf den Dächern und den
    Bäumen hatte sich eine dicke Schneedecke gebildet.
    Sie wusste nicht genau wo sich das Grab ihrer Mutter befand,
    aber der Friedhof war auch nicht besonders groß. Im Gehen warf sie immer einen
    Blick auf die Inschriften der Grabsteine auf beiden Seiten. Es dauerte nicht
    lange, da hatte sie es gefunden. Ein einfaches grau-weißes Marmorgrab. Sie
    hatte es noch nie zuvor gesehen, aber die Inschrift verriet ihr, dass sie hier
    richtig war. Als sie näher kam entdeckte sie eine abgebrannte Kerze, die auf
    dem Grab stand. Sie musste schon lange Zeit hier stehen, denn sie war von dem
    Schnee fast ganz bedeckt.
    Vorsichtig wischte sie den Schnee vor dem Grabstein etwas
    zur Seite. Ein paar klägliche Blumen kamen zum Vorschein, deren halbvereiste
    Blätter zerbrachen als sie sie berührte. Caro hatte nicht viel Ahnung von
    Blumen, aber sie tippte auf Stiefmütterchen oder vielleicht Primeln. Bedächtig
    legte sie den bunten, duftenden Rosenstrauß auf die Schnee freie Stelle und
    richtete sich dann wieder auf. Sie sah in den grau blauen Himmel, in dem die Schneeflocken
    tanzten und beobachtete dann wie sich eine dünne Schneeschicht auf den
    Blumenstrauß legte.
    Immer noch hatte sie ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre
    Mutter damals allein gelassen hatte. Sie war schon immer labil gewesen, das
    hatte sie gewusst, aber damals hatte sie wahrscheinlich mehr an sich selbst
    gedacht. Caro biss sich auf ihre Unterlippe, doch trotzdem kamen die Tränen.
    Sie vermisste ihre Mutter sehr. Wie gerne hätte sie die Zeit zurück gedreht.
    Doch das war leider nicht mehr möglich.
    „Es tut mir leid Mama.“ Flüsterte sie leise.




    ***

  • So, weil ich denke das einige von euch keine Lust dazu haben noch meine andere Story zu lesen und diese hier eine Fortsetzung darauf ist, habe ich beschlossen noch mal eine "kurze" Zusammenfassung zu Und morgen kommt der neue Tag zu machen. Sie ist zwar schon etwas länger, aber es ist glaube ich wirklich alles wichtig was darin steht um den Zusammenhang zu der anderen Geschichte zu verstehen. Bitte nehmt euch die Zeit sie zu lesen.



    Der folgende Teil ist also nur eine Zusammenfassung der vorangegangenen Handlung (/ der ersten Geschichte) und hat nichts mit der aktuellen Story zu tun.




    Zusammenfassung: Und morgen kommt der neue Tag



    In kurzer Zeit werden 3 Menschen auf die gleiche Art und
    Weise ermordet. Tom und Semirs Ermittlungen scheinen alle ins Dunkel zu führen.
    Sie finden keine Anhaltspunkte.
    Sie ahnen nicht das kein Serientäter sondern Mark Streiber
    diese Leute aus Hass ermordet hat, weil sie damals an seiner Verhaftung
    beteiligt waren. Streiber hatte früher mit Drogen gedealt, dann aber aufgehört
    als er seine Frau kennengelernt und diese ein Kind bekommen hatte. Dann aber
    hatte er seinen Job verloren und sie waren immer ärmer geworden. Einer der
    Drogendealer von damals bot ihm einen Job an, den er dann aus lauter
    Verzweiflung annahm. Er konnte nicht wissen das zwei verdeckte Ermittler an dem
    Fall beteiligt waren. Tom und sein früherer Kollege Markus Förster. In
    Streibers Gefängniszeit starb seine Frau schließlich an ihren schweren
    Depressionen und seine Tochter verschwand ebenfalls. Er legte sich einen Plan
    zu Recht mit dem er sich an allen rechen wollte. Vor allem an Tom und Markus
    denen es schließlich gelungen war ihn zu überführen.
    Als Tom dann schließlich verschwindet ermittelt Semir auf
    Hochtouren. Es dauert allerdings einige Zeit bis es ihm gelingt eine Verbindung
    zwischen Tom, Streiber und den anderen ermordeten zu finden. Tom wird derweil
    von Streiber unter Drogen gesetzt. Als Semir schließlich durch Zufall zu der
    alten Fabrikhalle findet in der Tom festgehalten wird scheint es schon zu spät
    zu sein. Semir kämpft mit Streiber und gewinnt schließlich knapp. Streiber
    stürzt durch ein Fenster in die Tiefe in einen reißenden Fluss. Tom wird mit
    einer schweren Lungenentzündung und leichten Verletzungen ins Krankenhaus
    gebracht. Zuerst steht es kritisch um ihn doch dann schafft er es schließlich
    doch. Der Arzt teilt Semir mit dass er über den Berg ist er aber psychische
    Schäden wegen des Heroins nicht ausschließen kann. Semir ist jedoch überzeugt
    das sein Partner es schaffen wird.

  • So,
    und jetzt gibts noch ein kleines Stück von der eigentlichen Story =)






    Er wollte sich losreisen, aber er konnte nicht. Unsichtbare Seile ketteten ihn an eine nasse
    Steinmauer. Alles war dunkel. Er wollte um Hilfe schreien, doch seine Kehle war
    wie zugeschnürt. Da tauchte auf einmal etwas aus der Dunkelheit auf. Ein
    Gesicht. Ein schrecklich bekanntes Gesicht mit weit aufgerissenen Augen und
    fettigen blonden Haaren. Ihm zog der unverkennbare, scheußliche Geruch nach
    Schweiß und feuchter Erde in die Nase. Verzweifelt riss an seinen Fesseln, aber diese gaben
    nicht nach. Die Hand mit der Spritze näherte sich. Er wollte es nicht, aber er
    wusste genau, dass er es brauchte! Ein gehässiges Lachen.

    Schweißgebadet und am ganzen Leib zitternd fuhr Tom hoch und
    atmete stoßweise ein und aus. Immer noch schmerzte seine Brust wenn er sich so
    sehr aufregte. Er brauchte lange um sich wieder einigermaßen zu beruhigen.
    Hektisch sah er sich im Zimmer um. Nichts. Alles noch so, wie er es am Vorabend
    hinterlassen hatte. Es war nur ein Traum gewesen. Ein schrecklicher Alptraum.
    Müde und erschöpft sank er wieder zurück in die Kissen. So
    lag er dann einfach nur da. Horchte dem Ticken der Wanduhr, während er hellwach
    zur Decke hinauf starrte. Er hatte Angst davor wieder einzuschlafen. Angst vor
    den Träumen. Angst vor den Bildern, die er dann wieder sehen würde.




    ***

  • Für Gittis tollen Metzgerspruch gibts dann jetzt wie gewüscht ein gaaanz langes Stück :P






    Es war kalt in seinem BMW obwohl er die Heizung
    eingeschaltet hatte. Erneut sah er auf die Uhr. Er war spät dran, weil er die
    Scheiben noch hatte frei kratzen müssen. Gedankenverloren sah Semir geradeaus.
    Sie hatten abgemacht, dass er Tom zu seinem ersten Arbeitstag abholen solle.
    Die Chefin hatte zwar anfangs noch
    protestiert, aber mit vereinten Kräften hatten Tom und er sie dann doch noch
    rumgekriegt. Aber war es nun wirklich richtig, dass Tom wieder Arbeiten ging?
    Immerhin hatte er nun zwei Monate lang im Krankenhaus gelegen. Für Tom, der sich
    sonst immer nach ein paar Stunden selbst entließ, eine scheinbar unendliche Zeit.
    Die Ärzte meinten zwar, dass bis auf die schwere Lungenentzündung, die noch
    etwas Zeit brauchen würde, alles soweit gut verheilt war, aber was ihnen Sorgen
    machte waren die Drogen. Tom hatte innerhalb von wenigen Tagen viel Heroin gespritzt
    bekommen und nun hatte er natürlich damit zu kämpfen. Das schlimmste hatte er
    jedoch Überstanden, hatten die Ärzte gemeint und Semir lief es bei der
    Erinnerung daran immer noch kalt den Rücken herunter.
    Er erinnerte sich wieder an die schlimmste Zeit des Entzugs,
    in denen er Tom nicht wieder erkannte.
    Innerhalb von Sekunden hatte seine Laune plötzlich
    umgeschlagen. Er war wütend geworden, hatte geschrieen und die Nachtischlampe
    auf den Boden geschmettert, dessen Glühbirne dann in tausend Scherben
    zersplittert war. Er war vom Bett aufgesprungen und hatte versucht sich die
    Nadel mit der Infusion aus dem Handrücken zu reißen. Sein Blutdruck war rasend
    schnell gestiegen und auch seine Atmung immer schneller geworden. Semir selbst
    hatte dann versucht ihn zu beruhigen, aber in diesen Momenten war Tom für ihn unerreichbar
    gewesen. Es schien als wäre er dann jemand anders gewesen, den er nicht kannte.
    Dann hatte er nur auf seinen Partner einreden können, bis er von den
    herbeieilenden Ärzten bei Seite geschoben wurde. Dann hatte er nur zusehen können
    wie sein bester Freund von ein paar starken Händen auf das Bett gedrückt wurde
    und sie ihm eine Beruhigungsspritze gaben. Konnte nur zusehen, wie seine
    Stimmung von Zorn in tiefe Traurigkeit wechselte und er kraftlos in die Kissen
    zurücksank. Es hatte ihm das Herz gebrochen ihn so zu sehen.
    „Ah, Idiot!“ erschrocken brachte Semir den BWM mit quietschenden
    Reifen zum stehen. Zum Glück war die junge Frau noch zur Seite gesprungen.
    Semir sprang sofort auch aus dem Wagen.
    „Entschuldigung…das….das tut mir wirklich Leid…ich…ich hab
    sie gar nicht gesehen!“ stotterte Semir
    nur und reichte ihr die Hand um ihr hoch zu helfen, aber sie beachtete sie nicht.
    „Pah! Nicht gesehen? Das hier ist ein Zebrastreifen, falls
    sie das schon einmal gehört haben!“ meinte sie statt dessen wütend, stand auf
    und klopfte sich den Schnee von der Hose.
    „Es tut mir wirklich Leid.“
    „Schon gut.“ Sie war nun beim Anblick von Semirs
    entschuldigender Miene wieder etwas besänftigt und lächelte sogar.
    „Na ja, ist ja nichts passiert. Ich werde schon nicht sofort
    die Polizei rufen.“
    Jetzt lächelte auch Semir.
    „Darf ich mich vorstellen: Semir Gerkan. Autobahnpolizei.“
    „Ach wirklich?“ meinte sie belustigt.
    „Ja, wirklich!" antwortete Semir und zeigte ihr seinen Ausweis.
    „Wo wollten sie eigentlich hin?“ fragte er dann und
    deutete auf die Stadtkarte in ihrer Hand.
    „Ach ich wollte mein Auto in der Werkstatt Unger abholen.“
    „Da sind sie hier aber komplett falsch. Wenn sie wollen kann
    ich sie bis dahin mitnehmen.“
    Die junge Frau musterte Semir von Kopf bis Fuß, aber
    anscheinend war er ihr auf den ersten Blick an sympathisch, denn sie nickte lächelnd.
    Semir hatte sie auch auf Anhieb gefallen. Sie war noch sehr
    jung, vielleicht 20 oder 21 Jahre alt und wenn sie lächelte bildeten sich
    kleine Grübchen in ihren Wangen. Ihr Lachen war herzlich und offen. Die blonden
    langen Haare lugten teilweiße unter ihrer roten Wollmütze hervor und eine widerspenstige
    Strähne fiel ihr immer wieder in das hübsche Gesicht, wodurch es noch frecher
    wirkte. Sie stellte sich als Caroline Sommer vor und erzählte ihm, dass ihr alter
    Opel schon sehr oft den Geist aufgegeben hatte, ihr aber niemand genau sagen
    konnte woran das lag.
    Als sie sich schließlich an der Werkstatt von ihm
    verabschiedete, war er wieder guter Dinge. Dieses Mädchen war etwas ganz
    besonderes. Es kam ihm so vor als hätte sie eine positive Einwirkung auf alles
    und jeden den sie ansah. Lächelnd schüttelte er den Kopf über sich selbst.
    Wahrscheinlich war das alles nur Einbildung und er wurde er auch schon langsam
    verrückt






    Wenn ihr wollt gibts dann heute Abend noch ein klitze kleines Stückchen ;)

  • Schade das sich bis auf jullchen, Jenni91 und littlegitti keiner für meine Geschichte interessiert ;(
    Ihr könnt ruhig sagen wenn sie euch nicht gefällt :(







    Kapitel 2



    Gefrühstückt hatte Tom nicht. Er hatte keinen Bissen runter
    bekommen. Es war ungewohnt wieder einen Anzug anzuhaben, aber es gefiel ihm. Er
    hatte lange genug überlegt ob er wieder in den Polizeidienst zurückkehren
    sollte und er hatte sich schließlich dafür entschieden. Er hätte es nicht übers
    Herz gebracht all seine Kollegen und Freunde und vor Allem Semir, der alles
    Menschen mögliche für ihn getan hatte, im Stich zu lassen. Zwar sollte er sich
    noch schonen, aber er musste jetzt endlich wieder auf andere Gedanken kommen.
    Er stand ihm Wohnzimmer und betrachtet sein Spiegelbild, das
    ihn aus dem großen Wandspiegel unsicher ansah. Unter seinen Augen lagen dunkle
    Schatten und sein Gesicht wirkte ausgemergelter als sonst. Es schien, als seien
    auch seine Augen trübe geworden und sein Blick ein wenig abgestumpft.
    Er wandte den Blick ab. Das war nur Einbildung. Ganz sicher!
    Es klingelte an der Tür und Tom zuckte bei dem lauten Geräusch
    der Klingel unwillkürlich zusammen. Hektisch fiel sein Blick auf das kleine Döschen
    auf dem Küchentisch. Zögernd bis er sich auf die Lippen. Sollte er es
    mitnehmen? „Nur in Notfällen!“ hörte er den Doktor wieder sagen und erinnerte
    sich lebhaft an dessen ernste Miene, als er ihm das Döschen mit den
    Methadon-Tabletten in die Hand gedrückt hatte.
    Es klingelte wieder. Tom biss sich auf die Unterlippe,
    steckte die Dose in seine Hosentasche und ging mit einem schlechten Gewissen zur
    Haustür.
    „Hey, na wie geht’s? Können wir?“ Semir musterte Tom von
    Kopf bis Fuß. Er sah wesentlich besser aus als vor ein paar Wochen, aber noch
    nicht wieder so wie früher. Tom lächelte unsicher und nickte dann.




    ***

  • Und jetzt pünktlich zu meinem Geburtstag
    Tada
    Noch ein Stück
    :D


    In diesem Teil ist wieder ein Stück fett gedruckt. Das ist, wie auch schon in der vorherigen Geschichte eine Erinnnerung an die Vergangenheit. :P







    Während der Fahrt dachte Caro nach. Im Auto konnte sie das
    immer am besten. Da wurde sie nicht vom Klingeln an der Haustür oder vom
    Telefon gestört.
    Sie bog in die Straße ein und hielt den Wagen vor dem
    Mehrfamilien Haus. Es war nicht besonders und auch nicht sehr schön, aber wie
    geschaffen für einen Neuanfang. Als sie den Wagen abschloss kam gerade ihre
    Nachbarin aus dem Haus und grüßte sie freundlich. Caro grüßte lächelnd zurück
    und betrat nun ebenfalls das Treppenhaus. Die Fußmatte war nass und durchweicht
    und auch auf den ersten Treppen lagen noch braune Schneereste. Das Treppenhaus
    wurde nicht geheizt und deshalb war es hier fast genauso kalt wie draußen.
    Sie stieg die Treppen hoch bis in den dritten Stock und
    schloss die Haustüre auf.
    In ihrer kleinen Wohnung angekommen, drehte sie zuerst die
    Heizung auf die höchste Stufe, dann machte sie sich einen heißen Tee und setzte
    sich damit auf das Sofa. Ihre Hände umschlossen die heiße Tasse und sofort
    breitet sich die Wärme in ihrem Körper aus. Sie nahm einen Schluck Tee, stellte
    dann die Tasse ab und legte den Kopf in den Nacken.
    Zurzeit half sie in einem Hotel als Aushilfe an der
    Rezeption aus, doch das war nur vorübergehend. Sie wollte sich endlich einen
    richtigen Job suchen, denn mit dem spärlichen Gehalt kam sie gerade noch so
    über die Runden und das ewige frühe Aufstehen machte sie allmählich fertig.
    Müde schloss sie die Augen. Nur ein paar Minuten ausruhen. Nur ein paar
    Minuten.
    Im nächsten Moment war sie tief und fest eingeschlafen.



    Mitten in der Nacht wacht sie auf. Sie hört Schreie.
    Laute Schreie. Sofort weiß sie, dass es ihr Vater ist. Sie schlägt die
    Bettdecke zurück und steht auf. Lautlos öffnet sie die Tür und schleicht die
    Treppe herunter. Langsam setzt sie einen Fuß vor den anderen. Ihre nackten Füße
    sind kalt, obwohl ihr viel zu großer Schlafanzug ihr bis weit über die Knöchel
    reicht. Nun hört sie auch ihre Mutter schreien. Kurz darauf ein Klatschen. Sie
    weiß genau was das für ein Geräusch ist. Oft genug hat sie gehört. Die
    Geräusche werden immer lauter. Nun steht sie
    vor der Küchentür. Die Tür ist nur angelehnt und ein Lichtschimmer
    erhellt den Flur.

    „Du bist meine Frau!“ hört Caro ihren Vater schreien.
    Sie zuckt bei seiner lauten Stimme zusammen.

    „Ich lass mich nicht länger von dir fertig machen!“
    schreit ihre Mutter zurück.

    Leise stößt Caro die Tür auf und blinzelt in das helle Licht der Küchenlampe.
    Die Eltern haben sie nicht bemerkt. Ihre Mutter steht mitten in der Küche vor
    dem kleinen Esstisch und ihr Vater kommt nun auf sie zu. Die Mutter weicht ein
    paar Schritte zurück bis sie mit dem Rücken an die Kante des Tisches stößt.
    Caro sieht ihren Vater an. Immer noch bemerkt sie niemand. Sie sieht in sein
    von Zorn verzerrtes Gesicht. Sie weiß
    genau was jetzt kommt. Mit einer Blitzschnellen Bewegung schlägt er ihrer
    Mutter ins Gesicht, so dass diese zu Boden geht. Sie schreit auf als sie auf
    dem harten Steinfließen aufkommt und fängt an zu weinen. Sie weint leise und
    gibt dabei keinen Ton von sich. Hätte Caro nicht das glitzern in ihren Augen
    gesehen hätte sie es nicht bemerkt.

    „Ich lass nicht zu das du auch noch das Leben meiner
    Tochter zerstörst.“ Hört sie sie leise, fast lautlos sagen. Immer noch liegt
    ihre Mutter auf dem Boden und funkelt Caros Vater durch den Tränenschleier
    wütend an. Eine Weile stehen sie sich so gegenüber. Keiner sagt ein Wort. Caro
    verharrt lautlos in der Tür und traut sich kaum zu atmen. Dann geht er
    plötzlich auf sie los. Blitzschnell ist
    er über ihr und schlägt und tritt auf sie ein. Caro ist für einen Moment wie
    erstarrt, dann rennt sie los so schnell sie ihre kurzen Beine tragen. Sie muss
    ihrer Mutter helfen. Sie rennt auf ihre Eltern zu. Die Mutter hat schützend die
    Arme vors Gesicht geschlagen, aber der Vater schlägt trotzdem ohne Pause auf
    sie ein. Endlich ist Caro neben ihm und mit aller Kraft die sie aufbringen kann
    trommelt sie mit ihren kleinen Fäustchen auf ihn ein. Endlich hat er sie
    bemerkt und dreht sich zu ihr um.

    „Lass Mama in Ruhe!“ ruft sie mit hoher, dünner Stimme, aber er sagt nichts. Sie schlägt ihm
    immer weiter in den Bauch, aber es scheint ihm nicht weh zu tun. Nun steigen
    ihr die Tränen in die Augen und laufen heiß ihre Wangen herunter. Mühelos packt
    er sie an der Hüfte und hebt sie hoch. Sie schreit und tritt um sich, aber er
    legt sich das kleine zappelnde Bündel einfach mühelos über die Schulter. Caro
    sieht über seine Schulter hinweg ihre Mutter die am Boden liegt. Sie atmet
    schwer. Auch sie weint. In ihren gebrochenen Augen kann sie den Schmerz
    sehen. Der Vater trägt sie die Treppe
    hoch bis in ihr Zimmer zurück und setzt sie dort auf dem Bett ab.

    „Du solltest lieber schlafen.“ sagt er nur ruhig, als wäre nichts gewesen „Morgen ist deine Einschulung und da willst du
    doch nicht müde sein oder?“

    Caros Unterlippe bebt und sie wischt sich mit dem viel
    zu langen Schlafanzugsärmel über die Augen. Der Vater verlässt das Zimmer ohne
    ein weiteres Wort zu sagen oder gar eine Antwort abzuwarten. Er schließt die
    Tür und Caro hört wie sich der Schlüssel im Schloss dreht. Immer noch sitzt sie
    dort auf dem Bett wo ihr Vater sie abgesetzt hatte. Sie umschlingt die angezogenen
    Knie ganz fest mit beiden Armen, als könne sie damit bewirken, dass das
    Zittern, das immer wieder ihren kleinen, zierlichen Körper schüttelte, aufhören
    würde. Dann zieht sie die Bettdecke bis unters Kinn. Stille herrscht im ganzen
    Haus und sie fühlt sich furchtbar einsam und verloren.



    ***

  • und weiter gehts...






    „Und du bist dir wirklich sicher, dass du wieder arbeiten
    gehen willst? Ich meine, du kannst ruhig sagen wenn…“
    „Ja Semir. Wirklich. Alles in Ordnung.“ Tom lachte.
    Fast so wie früher, dachte sich Semir. Fast.
    Inzwischen waren sie an der PAST angekommen.
    „Semir?“
    Semir, der gerade aussteigen wollte, verharrte mit der Hand
    auf dem Türgriff und sah seinen Partner fragend an.
    „Ich wollte nur…“ begann Tom unbeholfen „Ich wollte dir nur
    sagen, dass… also in den letzten Wochen… All das was du für mich getan hast…
    Ich meine… Danke.“ Er schluckte, anscheinend froh darüber diese Worte endlich
    los zu sein.
    Semir schaute ihn an. Er war froh, fast schon gerührt
    darüber, dass Tom das gesagt hatte.
    Tom erwiderte seinen Blick. Warm und freundschaftlich, auf
    seine eigene Art und Weise, wie nur er es konnte und niemand sonst.
    Semir lächelte und auf einmal breitete sich unbändige Freude
    in seinem ganzen Körper aus.
    Da war er wieder. Endlich. Sein Partner und bester Freund,
    die er all die Wochen im Krankenhaus so sehr vermisst hatte.






    Kapitel 3



    So ein Mist! Da war sie doch tatsächlich eingeschlafen.
    Sie sah auf die Uhr. Es war fast schon Mittag. Sie würde es
    unmöglich noch zu ihrer Verabredung schaffen.
    Seufzend stand Caro auf, kramte das Handy aus der Tasche und
    wählte Saskias Nummer. Eigentlich wollten sie sich um 12 in der Kölner
    Innenstadt zum Shoppen treffen.
    Nun war es schon 10 vor 12 und Saskia war sowieso immer überpünktlich.
    Wahrscheinlich stand sie sich längst schon an der Bahnhaltestelle die Beine in
    den Bauch.
    Es ging nur die Mailbox dran. Ausgerechnet heute musste sie
    ihr Handy aushaben. Caro überlegte kurz ob sie trotzdem zum Treffpunkt fahren
    sollte. Entschied sich jedoch dagegen. Die nächste Bahn würde erst in 15
    Minuten fahren und bis sie an der Haltestelle wäre, wäre es mindestens 1 Uhr
    und Saskia längst weg.
    Sie massierte sich die Schläfe und lies sich wieder auf das
    Sofa sinken. Sie wusste nicht warum, aber irgendwie fühlte sie sich jetzt nur
    noch müder als zuvor. Vielleicht lagen die Müdigkeit und die Kopfschmerzen aber
    auch nur an den schlechten Träumen. Sie kannte es nicht anders. Schon seit Jahren
    quälte sich damit herum. Auch die Schlaftabletten, die sie manchmal nahm
    konnten dem nicht entgegenwirken.
    Sie nahm die Teetasse vom Boden. Der Tee war längst kalt und
    ein Teil hatte sich schon am Boden abgesetzt. Angewidert trug sie die Tasse in
    die Küche und spülte sie dort gründlich aus.
    Danach stand sie eine Weile unschlüssig herum, bis sie sich
    entschloss nun im Internet nach einer Stellenanzeige zu suchen. Sie schob es
    immer wieder vor sich hin, aber es wurde schließlich langsam Zeit! Sie klappte
    ihren Laptop auf und nur Sekunden später war sie in die grenzenlose Welt des
    Internets eingetaucht.



    ***

  • So, und jetzt zum Jahresabschluss ein extra langes Stück.
    Ich wünsche euch allen ein guten Rutsch, feiert schön und kommt gut ins neue Jahr!
    :)






    Vor dem alten Fabrikgebäude war es still. Kein Mensch war
    weit und breit zu sehen. Das rot-weiße Absperrungsband flatterte im eisigen
    Wind. Ein großes, vergilbtes Schild war neben der schiefen Tür angebracht. Betreten
    des Gebäudes verboten! Eltern haften für ihre Kinder!
    Der Verputz bröckelte von den Wänden und die wenigen verglasten
    Fenster waren von den letzten Unwettern gezeichnet.
    Er wusste nicht warum er hierher zurück gekehrt war.
    Vielleicht weil hier das neue Kapitel seines Lebens angefangen hatte. War er
    sich nicht seines Vorhabens so sicher gewesen? Hatte er nicht gedacht er könnte
    endlich von neu anfangen und hätte seine Rache bekommen?
    Er betrat hinkend das Gebäude. Jeder Schritt bereitete ihm
    Schmerzen. Immer noch. Nach all den Monaten.
    Hinkend ging er die Treppe hinauf, bis in den zweiten Stock.
    Die Tür stand offen, doch das Absperrband im Türrahmen versperrte
    ihm den Weg. Mit einem wütenden Aufschrei, der von den Wänden widerhallte, zerriss
    er es. Nichts schien sich verändert zu haben. Auf dem Boden lagen noch immer
    die Glassplitter des riesigen Fensters. Ein paar dunkle Flecke auf dem Boden.
    Blut.
    Bei jedem Schritt den er tat wuchsen die Schmerzen. Aber auch
    die Wut die sich über die Monate in ihm gestaut hatte. Er atmete in kurzen
    hektischen Stößen. Dann stand er vor dem Fenster und senkte langsam, wie in
    Zeitlupe den Blick. Er sah hinab auf den reisenden Fluss 20, vielleicht 30
    Meter unterhalb des Fensters.
    Fetzten der Erinnerung blitzten in ihm auf. Er fiel. Und
    Schrie. Gleich würde er unten Aufkommen. Er schloss die Augen. Diese Angst.
    Dieser Schmerz.
    Ihm wurde schwindelig. Er schloss die Augen. Öffnete sie
    wieder. Die Bilder verschwanden nicht. Ruckartig trat er vom Fenster zurück und
    lehnte sich gegen die eiskalte Betonwand. So stand er wenige Sekunden bis ihm
    schließlich die Beine nachgaben. Die Glasscherben auf dem Boden bohrten sich in
    seine Knie.
    Er fiel. Und fiel. Tiefer. Bodenlos.




    ***




    Was würden wohl die anderen sagen? Ob sie ihn vergessen
    hatten? Hatten Hotte und Dieter ihn vermisst? Hatte die Chefin es genossen als
    er weg war?
    All diese Fragen schossen Tom durch den Kopf als er aus dem Wagen
    stieg und hinter Semir den kurzen weg bis zum Eingang der PAST ging. Semir ging
    selbstsicher voran. Ob er es mitbekam wie aufgeregt er innerlich war?
    Semir öffnete die Eingangstür der PAST und trat in das
    Großraumbüro. Tom blieb dicht hinter ihm. Er schluckte. Nie hätte er sich
    träumen lassen, dass er sie alle noch einmal wiedersehen würde, aber jetzt war
    es soweit. Dann trat Semir zur Seite und gab Tom den Blick frei.
    Ausnahmslos alle Köpfe waren ihnen zugewandt. Einige
    blickten sie noch ungläubig an. Andere waren aufgestanden. Tom lächelte
    unsicher. Dann waren auch schon Hotte und Dieter neben ihm. Dann kamen Siggi,
    Möller und all die andren Kollegen. Tom sah in strahlende und lächelnde
    Gesichter, wurde umarmt und er spürte wie ihm ein paar Hände auf die Schultern
    klopften. Sein Lächeln wurde offener und mit einem Mal spürte er wie sich eine
    Wärme in seinem ganzen Körper ausbreitete. Wie konnte er jemals gedacht haben,
    dass sie ihn vergessen hatten? Das hier war sein zu Hause, seine Familie. Hier
    gehörte er her.






    Kapitel 4



    Entschlossen schwang Mark sich den Rucksack auf den Rücken
    und lies noch einen letzten Blick durch den Raum schweifen. Es fiel ihm nicht
    sonderlich schwer die Fabrikhalle zu verlassen. Im Gegenteil. Er freute sich
    darauf endlich wieder in einem beheizten Zimmer zu sein und anständiges Essen
    zu bekommen. Das inzwischen hart gewordene Brot und den angeschimmelten Käse
    würde er hierlassen. Auch die kaputte Matratze und die von motten zerfressenen
    Wolldecken würde er nicht mehr brauchen.
    Er ging los. Verlies den heruntergekommen Raum und
    schließlich die Fabrikhalle. Vorbei an dem Absperrband, an den Warnschildern und
    an den alten knorrigen Bäumen, dessen Äste kahl und schwarz in den Himmel
    ragten.
    Er mochte den Winter. Er gaukelte einem nichts vor und
    präsentierte sich schwarz, weiß und kalt.
    Ein paar Krähen kreißten über den Feldern und stießen
    gelegentlich krächzende Laute aus. Sonst war alles still. Eine unangenehme
    Stille, die sich wie Watte auf seine Ohren legte.
    Die Träger des Rucksackes schnitten in seine Schultern ein.
    Seine Beine waren müde. Am liebsten hätte er eine Pause gemacht, doch er zwang
    sich zum weiter gehen.




    ***

  • und weiter gehts...





    Mit dem Auto war es nicht weit gewesen von der Innenstadt
    bis zu der alten Fabrik, doch zu Fuß schien es Mark ein unendlich langer Weg zurück
    zu sein. Ein paar Mal hatte er anhalten müssen, weil sich seine Beine weigerten
    ihn zu tragen. Als er schon aufgeben wollte hatte er zum Glück eine
    Bushaltestelle entdeckt.
    Mit dem Bus gelangte er bis in die Kölner Innenstadt.
    Hier ging er nun mitten in der Menge von drängelnden
    Menschen, die sich wie Ameisen von einem fleck zu anderen bewegten. Im Fluss
    wurde er weiter geschoben. Mark sah sich um. Ihn blendeten die vielen Bunten
    Farben und Leuchtreklamen. Die Stimmen der Leute drangen dröhnend an seine Ohren
    und er wünschte sich nichts mehr als das sie endlich schwiegen. Diesen ganzen
    Trubel hier war er nicht mehr gewohnt, sondern die stille und Einsamkeit.
    Er blieb stehen um seine, sich überschlagenden Gedanken zu
    ordnen.
    „Können sie nicht aufpassen?!“
    Ein junger Mann mit einem Handy am Ohr rempelte ihn an und
    warf ihm einen wütenden Blick zu. Mark wollte etwas erwidern doch der Mann war
    schon wieder in der Menge verschwunden. Eine Tasche streifte seinen arm und bei
    dem Versuch einem Kinderwagen auszuweichen stieß er versehentlich gegen einen
    Jungendlichen.
    „Hau ab Mann!“
    Er roch nach Alkohol und Zigarettenrauch und schubste ihn
    grob in die Menge zurück.
    Mark strauchelte und taumelte ein paar Schritte rückwärts.
    Endlich entdeckte er eine Seitenstraße und kämpfte sich dorthin durch.
    Er hatte eindeutig zu lange in der Einsamkeit gelebt. Es
    wurde Zeit das er einen Schlussstrich zog.




    ***




    Müde klappte sie den Laptop zu. Das konnte doch nicht wahr
    sein. Es war schon viertel nach drei. Sie war drei Stunden im Internet gewesen
    und hatte nicht eine Stelle gefunden, die etwas für sie war. Im Moment war es
    wie verhext.
    Gähnend verschränkte sie die Arme im Nacken und lehnte sich auf
    dem Stuhl zurück. Sie fühlte sich nun nur noch müder als zuvor. Ihre Augen
    brannten und sie schloss sie für einen Moment. In dieser Dunkelheit fühlte sie sich
    schon gleich viel wohler.
    Aber dann, ganz plötzlich, ohne irgendeine Vorwarnung, sah
    sie die Bilder vor sich. Diese Bilder. Die sie immer sah sobald sie die Augen
    schloss. Diese Bilder, die sie nie wieder loslassen werden.



    Sie schiebt Oliver in die Küche, wo ihre Mutter am
    Tisch sitzt, vor sich eine Tasse Tee und ein Buch. Ihre Mutter sieht verwundert
    auf. Ein Lächeln huscht über ihr schmales Gesicht. Caro bringt nie einen Freund
    oder eine Freundin mit. Es ist das erste Mal obwohl sie schon in die dritte
    Klasse geht.

    „Kriegen wir Saft Mama?“
    Die Mutter lacht.
    „Hast du vergessen, wo der Kühlschrank ist?“ Sie steht
    auf und gibt Oliver die Hand.

    “Und wer bist du?“
    „Caros Freund.“ antwortet dieser freundlich.
    Es stimmt. Er ist ihr Freund. Sie sitzen in der Klasse
    nebeneinander, und Oliver hat sie schon mehrmals beschützt, erst neulich noch,
    als dieser Hund auf dem Heimweg aus einem der Gärten geschossen kam. Da hat
    Oliver sich einfach zwischen Caro und den Hund gestellt und ihn verjagt.

    Oliver hat keinen Hund. Seine Familie wohnt in einem
    Haus mit siebzehn Stockwerken. Da sind Haustiere verboten. Und Reden und Lachen
    im Treppenhaus auch. Und auf dem Rasen ums Haus herum darf man nicht spielen.
    Dazu gibt es extra einen Spielplatz, ein Stück weiter weg. Ein paar mal ist sie
    mit Oliver dort gewesen. Sie haben eine Sandburg gebaut und zusammen
    geschaukelt. Oliver hat auch kein eigenes Zimmer. Er teilt es sich mit seinen
    beiden älteren Brüdern.

    Er sieht sich in der Küche um während er seinen Saft
    trinkt. Erstaunt betrachtet er die vielen Bilder, den großen Kühlschrank und
    die Espressomaschine.

    Ob er ihr dieses Haus verübeln wird? Den Garten mit dem Pavillon? Wie wird er auf das
    Wäldchen reagieren, den Teich und die Enten? Wird er sie um die Katzen beneiden
    und um den Hund?

    Der Hund liegt draußen vor der Küchentür. Er wartet
    auf ihren Vater. Erst wenn er die ganze Familie beisammen hat, ist die Welt für
    ihn in Ordnung.

    Der Vater. Caro wünscht, er würde sich verspäten. Das
    tut er ja oft. Hoffentlich auch heute. Sie möchte Oliver noch ein bisschen für
    sich alleine haben, ihm alles zeigen. Aber so, dass er nicht neidisch wird.
    Noch nie hat sie einen Freund gehabt oder eine Freundin.

    Der Hund begleitet sie durch den Garten und dann durch
    den Wald. Sein Fell leuchtet rot in der Sonne. Immer wieder dreht er sich um
    und schaut sie an mit seinen honigfarbenen Augen.

    Ohne zu zögern, nimmt sie Oliver mit auf die kleine
    Lichtung, ihren Lieblingsplatz. Dort schaut er sich staunend um. Sie merkt, wie
    sehr es ihm hier gefällt.

    Sie sammeln Tannenzapfen und bringen sie lachend vor
    dem Hund in Sicherheit. Das Sonnenlicht lässt Olivers Haar schimmern und legt
    sich warm auf Caros Gesicht. Eine Weile bleiben sie hier, dann streifen sie
    weiter durch das grüne Licht des Waldes. Ihre Rufe und ihr Lachen schwingen
    sich hoch hinauf in die Kronen der Bäume.

    Auf einmal läuft der Hund bellend los und verschwindet
    im Unterholz. Da weiß Caro, dass ihr Vater nach Hause gekommen ist. Sie zieht
    die Jacke vor der Brust zusammen. Es scheint von einem Moment zum anderen kühler
    geworden zu sein.

    Nach einer Weile kommt der Hund zurück, springt
    freudig an ihnen hoch. Und dann steht Caros Vater vor ihnen und starrt Oliver
    an. Caro sieht Oliver schrumpfen. Er
    hält Vaters Blick nicht stand.

    „Dein kleiner Freund?“ fragt der Vater.
    Dieser Satz reicht aus um Oliver zusammenzucken zu
    lassen. Caro nimmt seine Hand. Finster erwidert sie den Blick ihres Vaters. Und
    lässt ihn dann einfach stehen.

    „Manchmal.“ sagt sie zu Oliver, „ist er richtig blöd.“
    Oliver lächelt sie an. Aber etwas zwischen ihnen, das weiß sie, ist zerstört und wird
    nicht wieder ganz.

  • Kapitel 5



    Auf seinem Schreibtisch türmten sich beschriebene Blätter
    und Aufzeichnungen. Stifte, Büroklammern und Posticks lagen herum.
    Alles war noch immer so wie er es verlassen hatte. Damals. Vor langer Zeit.
    Doch er konnte sich noch genau an den Tag erinnern an dem er
    das Büro zum letzten Mal verlassen hatte. Er hatte sich mal wieder mit Semir
    gekabbelt, weil er ihm nicht zugehört hatte und dann war noch bei Petra
    gewesen. Petra. Er vermisste sie jetzt schon, obwohl sie heute Morgen erst
    Telefoniert hatten. Die Fortbildung dauerte 3 Wochen, aber danach würde sie
    noch für eine Woche zu ihren Eltern fahren, die ebenfalls in München lebten.
    Jetzt erst wurde Tom bewusst wie eng ihre Beziehung in den letzten schweren
    Monaten geworden war.
    „Du vermisst sie, was?
    Tom lächelte. Semir verstand ihn auch so, ohne Worte. Immer
    noch. Nach all der Zeit.
    „Ja, aber ich freue mich auch für sie. Sie hat ihre Eltern
    schon so lange nicht mehr gesehen. Naja, wir telefonieren wieder.“
    Semir sah ihn an und wieder hatte er das Gefühl von seinem
    Blick geröntgt zu werden.
    „Wie hat sich eigentlich Hotte in den letzten drei Tagen
    geschlagen?“
    „Ach frag nicht. Genau wie damals als Andrea weg war. Der
    erste Tag ging, aber dann…er hat wieder angefangen zu rauchen, hat zugenommen
    und versinkt im Chaos…“
    Tom sah durch die Scheibe zu Hotte, der gerade versuchte zu
    telefonieren, etwas zu notieren und mit einem Kollegen gleichzeitig zu
    sprechen. Ein Aktenordner fiel vom Tisch als er den Zettelberg durchsuchte und
    Siggi ein beschriebenes Blatt reichte.
    „Das hält der eh nicht lange durch!“ meinte Semir lachend.
    „Lass uns lieber was Streife fahren bevor er wieder durchdreht.“




    ***




    „Und wo fahren wir jetzt hin?“
    „Lass uns doch nach Köln fahren.“ Schlug Saskia vor.
    „Gute Idee!“ stimmte Caro zu und fuhr Richtung Autobahn. Sie
    war zwar schon müde, aber das war sie ihrer besten Freundin schließlich
    schuldig nachdem sie sie versetzt hatte.
    „Bist du sicher, dass wir es bis dahin schaffen?“ meinte Saskia
    belustigt.
    „Wieso…ach Mist!“
    Jetzt hatte auch Caro einen Blick auf die Tankanzeige
    geworfen. Der Zeiger stand kurz über dem roten Strich.
    Jetzt lachte ihre Freundin wieder.
    „Ist doch nicht schlimm. In zwei Kilometern ist eine
    Tankstelle. Da kannst du raus fahren.“
    Kurz darauf waren sie an der Tankstelle angekommen. Caro
    stellte den Wagen an der Zapfsäule ab und ließ das Benzin in den Tank laufen.
    Halb voll. Das musste reichen. Sie würde dann halt wieder mit dem Fahrrad zum Hotel
    fahren müssen. Auch wenn es kalt war.
    Sie seufzte. Es war schon ein kleines Wunder, dass sie sich
    das Auto überhaupt noch halten konnte.
    Sie zurrte ihre Jacke enger zusammen und ging Richtung des
    Tankstellenhäuschens. Wieder einmal war sie in Gedanken. Deshalb erfasste sie
    die Situation erst als es schon zu spät war.
    Nur noch knappe zehn Meter trennten vom Tresen, als sie den
    maskierten Mann entdeckte.
    Er trug eine dunkle Jogginghose, eine Jeansjacke und eine
    Strumpfmaske über den Kopf. In der einen Hand hielt er eine Waffe, die auf die
    vor Angst zitternde Kassiererin gerichtet war, die mit fahrigen Fingern das Geld
    aus der Kasse in eine Tasche packte und sie ihm schließlich reichte.
    Caro stolperte ein paar Schritte rückwärts und stieß dabei mit dem Arm gegen eins der Regale.
    Polternd landeten einige Dosen auf dem Boden.
    Der Mann fuhr herum
    und richtete seine Waffe auf sie. Er starrte sie durch die schmalen Schlitzte
    seiner Maske an.
    Caro war mit einem mal wie erstarrt. Sie wollte Schreien,
    wegrennen, aber ihre Beine gehorchten ihr nicht. Wie versteinert starrte sie in
    den Lauf der Waffe.
    Die Kassiererin sah von dem Mädchen zu dem maskierten Mann.
    Sie wusste genau was jetzt kommen würde und ihr gellender Schrei zerriss die
    Stille „Nein! Nicht!“




    ***



    Er sah Tom noch einmal zu, dann stieg er aus. Gerade wollte
    er den Tankdeckel aufschrauben, als er plötzlich einen lauten Schrei hörte.
    „Tom!“
    Er sah herüber zum Tankstellenhäuschen. Durch das Glas
    erfasste er mit einem geschulten, flüchtigen Blick de Situation. Fast im
    gleichen Moment fing er an zu rennen so schnell ihn seine Beine trugen.
    „Tom!“
    Tom war nun auch ausgestiegen. Er sah verwundert zu Semir, der
    gerade um den Wagen herum spurtete.
    Nun sah er es auch. Ein maskierter Mann stand am Tresen des
    Tankstellenhauses. Seine Waffe auf ein Mädchen gerichtete...

  • Nun lief auch er los. Im selben Moment erreichte Semir das Haus.
    Er nahm sich nicht die Zeit um es herum zur Tür zu laufen, sondern rannte
    geradewegs auf die Glasfront zu, schlug beide Hände vor das Gesicht und sprang
    durch die Glasscheibe.
    Tom hörte das Glas splittern. Er sah wie Semir das Gleichgewicht
    verlor und in mitten der Glasscherben auf dem Boden landete. Er rollte sich ab
    und zog die Waffe. Fast im selben Moment fielen auch schon die ersten Schüsse.
    Die Kassiererin hatte sich schreiend hinter den Tresen
    geworfen. Doch das Mädchen stand immer noch wie versteinert Mitten im Raum.
    Im Rennen gab Tom ein paar Schüsse ab, dann sprang er
    ebenfalls in den Raum und rannte auf das Mädchen zu. Doch der Mann hatte ihn
    nun auch bemerkt, wich einem von Semir Schüssen aus und zielte nun in Toms Richtung.
    Der war nun gerade bei dem Mädchen angekommen. Mit einem Arm
    umfasste er ihre Taille und zog sie aus der Schusslinie, hinter eins der Regale.
    Fast im selben Moment spürte er ein brennendes Stechen im rechten Arm. Er
    ignorierte den Schmerz und wandte sich stattdessen an das zitternde Mädchen,
    das neben ihm hockte und ängstlich zu ihm aufsah.
    „Alles in Ordnung?“
    Sie nickte vorsichtig.
    „Tom, der ist hinten raus!“
    Tom warf dem Mädchen
    noch einen letzten Blick zu, dann rannte er hinter Semir her. Er sah wie der
    maskierte Mann jemanden aus einem dunkel grünen Opel zerrte. Dann raste der Opel
    los. Semir war nun auch bei seinem BMW und ein paar Sekunden später neben Tom.
    „Alles Ok?“
    „Bei dir?“ grinste Semir und beschleunigte den Wagen.
    „Ein bisschen zu viel Blei für meinen Geschmack…“
    Tom setzte das Blaulicht aufs Dach und griff zum Funk
    „Zentrale für Cobra 11. Verfolgen einen dunkelgrünen Opel Senator A2, Kennzeichen
    K CS 89 auf der A3 Richtung Köln. Erbitten Verstärkung. Und schickt bitte einen
    RTW zum Rastplatz Eifeltor. Ende.“
    „Das machst du ja noch richtig gut.“ meinte Semir in
    gespieltem Ernst.
    „Haha. Guck lieber das du dran bleibst!“
    Der Opel war jetzt unmittelbar neben ihnen. Semir setzte
    sich auf der Überholspur daneben, während Tom die Kelle aus dem Handschuhfach
    holte. Er öffnete das Fenster und winkte lächelnd damit.
    „Das war’s für dich mein Freund! Keine Zukunft!“ schrie er
    gegen den Fahrtwind an.
    „Du darfst jetzt aaanhalten!“
    Der Maskierte im Auto neben ihnen hatte sie jetzt auch
    bemerkt. Ein paar Sekunden lang starrte er Tom an. Dann zog er mit einem mal
    das Lenkrad scharf nach links...

  • so und jetzt noch ein Stückchen für die lieben Feeds und weil ich erst morgen nachmittag wieder da bin :P





    „Ah…verdammt!“
    Blech krachte und Tom fiel die Kelle aus der Hand. Der BMW
    geriet gefährlich ins Schlingern und streifte die Leitplanke. Semir bremste,
    schaffte es jedoch irgendwie den Wagen in der Spur zu halten.
    Der Opel zog nun auf die rechte Spur und überholte auf dem Standstreifen
    den mit Baumstämmen beladenen LKW vor ihnen.
    Das Fenster an der Fahrerseite öffnete sich und aus den Augenwinkeln
    sah Tom wie sich die Hand mit der Waffe langsam, fast schon wie in Zeitlupe aus
    dem Fenster schob. Mit zwei gezielten Schüssen zerschoss der Mann die Bänder,
    die die Ladung hielten. Dann trat er das Gaspedal durch und raste an dem LKW
    vorbei.
    „Semir Achtung!“
    Fast im selben Moment gerieten die Baumstämme ins Rollen.
    Mann hörte Reifen quietschen und Glas splittern.
    „Aaaah!“ Semir ging in die Eisen, als der LKW vor ihnen sich quer stellte.
    Ein roter Honda krachte in die Baumstämme, die nun auf der
    ganzen Fahrbahn verteilt lagen, mehrere Autos folgten. Die meisten konnten
    nicht mehr rechtzeitig reagieren und rasten in die bereits ineinander
    verkeilten Wagen hinein.
    Blech krachte. Reifen quietschten.
    Endlich kam der BMW zum Stehen. Tom und Semir, beide die
    Augen vor Schreck weit aufgerissen, wechselten einen kurzen alles sagenden
    Blick. Dann stießen sie fast gleichzeitig die Türen auf. Tom rannte zu der Unfallstelle,
    während Semir auf dem Standstreifen den noch fahrenden Autos entgegen rannte.
    „Halt! Stoooopp!“ schrie er laut und gestikulierte wild mit beiden Armen.
    Endlich, nach einer halben Ewigkeit zeigte es Wirkung. Ein
    paar Autofahrer hielten kurz vor der Unfallstelle.
    Semir blieb stehen, senkte die Arme und schloss schwer
    atmend für einen Moment die Augen.
    Tom hatte derweil den Leuten aus ihren Wagen geholfen. Zum Glück
    schien keiner von ihnen ernsthaft verletzt zu sein.
    Er sah zu Semir, der nun langsam auf ihn zukam. Es war ihm
    gelungen wenigstens einige der Wagen zu stoppen.
    Tom stieß hörbar Luft aus.
    Eigentlich hatte er sich seinen ersten Arbeitstag etwas ruhiger vorgestellt.







    Kapitel 6



    Man hatte sie zu dem RTW geführt und ihr eine Wolldecke über
    die Schultern gelegt. Einer der Sanitäter drückte ihr nun lächelnd eine Tasse
    mit warmem Tee in die Hände.
    „Danke.“ brachte sie mühsam hervor, nahm einen Schluck und
    merkte wie sich die Wärme vom Hals bis in ihre Fingerspitzen ausbreitete.
    Endlich konnte sie wieder klar denken. Für einen Moment schloss sie die Augen.
    Als sie sie wieder öffnete setzte sich gerade ihre Freundin neben sie.
    „Wie geht’s dir?“ fragte sie und musterte sie mit einem
    besorgten Blick.
    „Geht schon wieder. Ich hatte verdammtes Glück.“ Caro atmete
    tief durch und merkte zu ihrer Verblüffung, dass sie diese Worte ernst meinte.
    Sie hatte wahnsinniges Glück gehabt, dass die zwei Polizisten rechtzeitig
    dagewesen waren. Sie hätte Tod sein können, war aber noch nicht einmal leicht
    verletzt. Was hatte sie also für einen Grund zu klagen?
    „Tut mir echt Leid mit deinem Wagen.“ riss sie Saskias
    zerknirschte Stimme aus ihren Gedanken.
    „Der Wagen ist doch unwichtig. Hauptsache dir ist nichts passiert.“
    „Naja…trotzdem…“
    In diesem Moment kam ein silberner, ziemlich ramponierter
    BMW auf den Rastplatz gescheppert. Der rechte Seitenspiegel war abgebrochen,
    eine Felge fehlte und auf der Beifahrerseite prangte eine riesige Beule. Ganz
    zu schweigen von den vielen Kratzern auf beiden Seiten.
    Als zwei Leute ausstiegen machte Caros Herz auf einmal einen
    riesigen Satz. Das waren die beiden Polizisten von eben, die ihr das Leben
    gerettet hatten. Sie kamen nebeneinander auf sie zugeschlendert. Der Kleinere
    gestikulierte wild mit den Händen Sie stritten anscheinend miteinander.

  • und noch ein Stückchen...
    Wie wärs mit ein klein wenig Feedback? :love:






    „Jetzt guck mal wie mein Auto aussieht! Hättest du ihn nicht
    so mit deiner Kelle provoziert, hätte der uns gar nicht erst gerammt! Dann
    hätte ich den ausbremsen können!“
    „Du und ausbremsen, na sicher! Hätte ich dich nicht gewarnt
    wärst du einfach in den LKW rein gefahren. Dann wär dein Auto Totalschaden
    gewesen.“
    „Jaja.“
    „…Du bist mal still?“
    „Nur weil heute dein erster Tag ist.“
    Jetzt sah der Kleinere auf. Den kannte sie doch!
    „Herr Gerkan?“
    Er sah verwirrt zu ihr hinüber. Dann schien auch bei ihm der
    Groschen zu fallen.
    „Caroline?“
    „Caroline?“ wiederholte Tom fragend und sah von dem Mädchen
    zu Semir und wieder zurück.
    „Wir haben uns heute Morgen erst…erst… kennen gelernt.“ erklärte
    Semir ausweichend.
    Caro stand auf und ging zu ihnen hinüber.
    „Ich wollte mich noch bedanken…für eben, dass sie beide mir das Leben gerettet haben.“
    Die beiden lächelten.
    „Keine Urasche, Caroline.“ meinte jetzt der Große. Er sah
    freundlich aus. Genau wie Semir. Die beiden passten zu einander fand sie. Sie
    schienen beide Draufgänger zu sein und waren ihr auf Anhieb sympathisch.
    „Ihr könnt ruhig Caro zu mir sagen.“
    „Tom. Und das ist Semir. Er ist meistens etwas sprachfaul,
    musst du wissen.“ fügte er noch hinzu und sah zu seinem Partner, der ihm
    daraufhin in die Seite boxte.
    „Sie sind sich wirklich sicher, dass sie in Ordnung sind?“
    Der Sanitäter war wieder zurück gekommen und musterte Caro.
    „Ja, alles bestens, aber die Zwei.“ sie deute mit dem Finger
    in Richtung Semir und Tom „Ich glaube, die könnten sie sich mal ansehen.“
    Tom und Semir tauschten einen alles sagenden Blick. Doch es
    war schon zu spät. Der Sanitäter ließ seinen Blick über Semirs, von den
    Glasscherben zerschnittene, Hände und über Toms blutigen Ärmel schweifen.
    „Ich würde vorschlagen, dass die Herren mit mir ins Krankenhaus kommen.“
    Er hatte noch keine Ahnung, dass dies nicht so einfach
    werden würde und sich seine Patienten dagegen mit Händen und Füßen wehren
    würden.
    Aber er hatte Glück, denn in dem Moment kam Anna Engelhard
    auf sie zu und sie sah keinesfalls glücklich aus. Sie schien ziemlich schlechte
    Laune zu haben.
    „Na das nenne ich ganze Arbeit meine Herren.“ herrschte sie
    Tom und Semir an „Der erste Tag mit ihnen beiden zusammen und alles ist
    Schrott. Wie schafft man es in fünfzehn Minuten eine halbe Autobahn in Schutt
    und Asche zu legen? 34 kaputte Autos! 10 Baumstämme über der Fahrbahn verteil! Zum
    Glück nur leicht Verletzte! Für nichts und wieder nichts!“
    Caro konnte sehen wie sie unter der scharfen Stimme der hysterisch
    wirkenden Frau immer kleiner wurden.
    „Und Semir, denken sie nicht, dass ich ihnen so ohne weiteres
    einen neuen Dienstwagen zur Verfügung stelle! Sie werden ihn noch so lange
    nehmen, bis er nicht mehr fährt! Sie können aber natürlich auch zu Fuß
    ermitteln. Vielleicht wäre das sowieso besser so!“
    „Aber Chefin…“
    „Keine Widerrede!“
    „Ich unterbreche sie nur ungern.“ Meldete sich jetzt der
    Sanitäter zu Wort. Man konnte sehen wie unangenehm ihm diese Situation war.
    „Aber ich würde die Beiden Herren jetzt gerne mit ins Krankenhaus nehmen.“
    „Das ist nett von ihnen aber wirklich nicht nötig. Wir
    wollten gerade…“
    „Nicht nötig? Schauen sie sich mal ihre Hände an Gerkan!“
    Tom versuchte ein Lachen zu unterdrücken und kassierte dafür
    von Semir einen bösen Seitenblick.
    „Sie brauchen gar nicht so zu grinsen Tom. Denken sie nur
    weil das ihr erster Tag ist müssen sie nicht mit?!“
    Tom war nun das Lachen vergangen.
    „Sie gehen jetzt mit ins Krankenhaus und lassen sich dort
    verarzten. Und um das klar zu stellen: Das war weder ein Vorschlag. Noch eine
    Bitte. Das war eine dienstliche Anweisung!“
    Ihr Tonfall duldete keine Widerrede. Sie sah den Beiden noch
    einmal zu bevor sie auf dem Absatz kehrt machte.
    „Na die hat ja mal wieder eine Laune…“ raunte Semir Tom zu,
    der nur seufzte und dem Sanitäter in den RTW folgte.
    „Na super. Das wird jetzt bestimmt genäht. Wie ich das
    hasse...“
    „Selber schuld.“
    „Willst du zugucken?“
    „Nene, lass mal…“
    Das war das letzte was Caro hörte bevor die Türen des RTWs
    sich schlossen. Lächelnd stand sie da. Sie mochte Diese zwei Chaoten auf Anhieb
    und irgendwie war sie sich sicher, dass sie sie nicht zum letzten Mal gesehen
    hatte.




    ***

  • Es war das gleiche Krankenhaus wie damals. Die gleichen
    endlos langen Flure. Die gleichen in sterilem Weiß gehaltenen Wände.
    Schon als sie es betraten wurde Tom flau im Magen, doch er
    versuchte Semir gegenüber sich nichts anmerken zu lassen.
    Schon immer hatte er eine Art Krankenhaus-Phobie gehabt,
    aber die Gefühle die er nun dafür hegte, waren nicht damit zu vergleichen.
    Die Schuhe quietschten über den glatten Gummiboden. Man
    hörte hektische Schritte, Stimmengewirr.
    Im vorbeigehen zählte Tom die Zimmernummern 117, 118, 119.
    es schien endlos so weiter zu gehen.
    Eigentlich hatte er gedacht, er hätte das alles überwunden.
    Hätte es in irgendeiner Schublade ganz weit hinten in seinem Kopf verstaut. Gut
    genug weggeschlossen, als das er wieder und wieder daran denken müsste.
    Aber da hatte er sich getäuscht. Es war noch ein langer und
    beschwerlicher Weg bis dorthin.




    ***




    „Seh ich sehr schlimm aus?“
    „Soll ich lügen oder willst du eine ehrliche Antwort?“
    „Lüge.“
    „Du siehst wunderschön aus.“
    „Bist ja mal wieder sehr aufbauend.“
    Schon die ganze Fahrt vom Krankenhaus zur PAST zupfte Semir an
    den dicken Verbänden um seine Hände herum. Tom warf ihm erneut einen neckenden Seitenblick zu. Der Streifschuss an seiner
    eigenen Schulter war dann doch nach einigem Protest seinerseits genäht worden.
    „Warst du eigentlich deswegen so spät heute morgen?“
    „Wegen was?“
    „Na wegen dieser Caro.“
    „Was…äh…nein. Sie ist mir vors Auto gelaufen.“
    Tom grinste nur belustigt.
    „Warst wieder mal in Gedanken, ne?!“
    „Ja vielleicht so ein bisschen….“
    Semir grinste nun ebenfalls. Alles war so wie früher. Wie
    sehr er diese Gespräche und Wortgefechte mit seinem Partner das vermisst hatte.
    Fast war es so als wäre Tom nie fort gewesen.







    Kapitel 7



    Caro schloss die die Wohnungstür und sah auf die Uhr. Kurz
    vor halb sechs war es jetzt. Saskia war nach dem aufregenden Nachmittag noch
    etwas mit zu ihr gekommen. Sie lächelte bei dem Gedanken an sie.
    Saskia war eine wahre Freundin. Sie hatten sich in der
    fünften Klasse kennen gelernt. Damals schon hatten sie in der Schule
    nebeneinander gesessen und sich oft getroffen. Meistens heimlich. Ihrem Vater
    hatte sie von diesen Treffen nie erzählt. Nur ihrer Mutter. Die hatte sie immer
    verstanden. Ihre Mutter. Bei dem Gedanken an sie biss sie die Lippen fest auf
    einander.
    Stopp! Aufhören! Sie durfte nicht immer an die Vergangenheit
    zurück denken. Sie lebte im hier und jetzt und ihr war es endlich gelungen ein
    neues Leben anzufangen. Das war das war zählte.
    In diesem Moment klingelte ihr Handy.
    Froh über eine Ablenkung nahm sie ab.

  • „Ja?“
    „Hallo? Frau Sommer?“ hörte sie eine laute, hektisch
    wirkende Männerstimme fragen.
    „Ja?“
    „Sie waren heute doch bei dem Tankstellen Überfall
    beteiligt.“ Gerade wollte sie antworten als die Mann am anderen Ende schon weiter
    redete. „Wir haben ihren Wagen gefunden.“
    „Wer ist wir?“
    „Horst Herzberger ist mein Name. Kripo Autobahn.“
    „Ah.“ Caro atmete auf und „Wo kann ich ihn den ab…“ Mit einem
    Mal wurde der Mann am anderen Ende laut. Erschrocken hätte Caro um ein Haar ihr
    Handy fallen gelassen.
    „Mensch, Dieter, siehst du nicht das ich gerade am
    telefonieren bin…ja, die Nummer habe ich hier...Was heißt wo…nein
    hier…irgendwo…ah! Verdammt!!!“
    Caro gelang es nicht wirklich den Zusammenhang der Worte zu
    verstehen. Es schien als würde dem Mann am anderen Ende die Arbeit über den Kopf
    wachsen. Ein Poltern war zu hören. Dann meldete sich die Stimme wieder.
    „Wenn sie Zeit haben dann können sie vorbei kommen.“
    „Ok, mach ich….Wiedersehen.“ fügte sie noch rasch hinzu. Sie
    hatte keine Lust weiter mit dem gestressten Mann zu reden.
    Kurzerhand steckte sie das Handy wieder in ihre Hosentasche
    und nahm ihren Schal und die Winterjacke von der Garderobe. Wenn sie sich
    beeilte würde sie den nächsten Bus noch kriegen.




    ***




    „Was haben sie denn mit euch schon wieder gemacht?“ wurden Tom
    und Semir von Dieter Bonrath begrüßt, der kurz von seiner Arbeit aufsah.
    „Ist schlimmer als es aussieht.“ winkte Tom ab. Semir war
    immer noch mit den Verbänden beschäftigt.
    „Was ist denn mit Hotte los?“ Tom sah zu Horst Herzberger,
    der mit einer Zigarette in der Hand in dem Blätterstapel auf dem Tisch
    herumwühlte. Dabei grummelte er immer wieder zornig.
    „Ach der wurde eben von der Chefin zusammengefaltet.“
    Antwortete Dieter beiläufig „Die hat heute irgendwie schlechte Laune. Dann
    meinte sie noch zu ihm, dass er diesen Saustall endlich einmal aufräumen soll,
    aber irgendwie kriegt er das nicht so ganz auf die Reihe…also an eurer Stelle
    würde ich den heute nicht mehr ansprechen…“
    Tom nickte nur und folgte Semir zum Büro.
    „Na Hotte alles klar?“ fragte Semir übertrieben lächelnd.
    Hotte, der gerade ein paar herunter gefallene Ordner vom Boden aufhob, richtete
    sich erschrocken auf und stieß mit dem Kopf gegen die Tischkante.
    Schnell kam Tom hinter Semir ins Büro und schloss die Tür,
    aber selbst durch die Glasscheibe hörte man Herzberger noch toben.
    Semir verzog das Gesicht zu einer unschuldigen Miene und sah
    durch die Scheibe zu dem wie wild gestikulierenden Hotte, der Semir böse ansah
    und vor sich hin grummelte. Die eine Hand hatte er fest an den schmerzenden
    Hinterkopf gepresst.
    In diesem Moment klingelte das Telefon.

  • „Tom Kranich, Autobahnpolizei...Ja Hartmut…welcher Wagen…achso
    der...wie der ist nicht da?...ja, ich warte.“
    „Was ist denn?“ fragte Semir. Immer noch hatte er den Blick
    nicht von Hotte abgewendet.
    „Hartmut meint der grüne Opel, den die Kollegen gefunden
    haben, der sei noch nicht in der KTU und…Ja Hartmut ich bin noch da…Ja sag ich
    doch…kannst du nicht kurz…….jaja schon verstanden…ok bis morgen.“
    Semir hatte sich jetzt zu Tom umgedreht und sah ihn fragend an.
    „Und?“
    „Ja, der Wagen ist gerade in der KTU angekommen. Hartmut
    meinte nur er sei heute Abend verabredet und macht ihn deshalb erst morgen…“
    „Der? Verabredet. Also wenn das wieder so eine Nummer wie
    mit dieser Nathalie wird, dann Gute Nacht…“
    „Danach habe ich jetzt nicht gefragt…“
    „Naja gut, du musst dich auch erst wieder einleben.“ grinste Semir.
    Tom schüttelte nur lächelnd den Kopf.
    „Du hast dich echt nicht verändert.“




    ***




    Autobahnpolizei stand
    unübersehbar auf dem Schild am Eingangstor, aber war sie hier wirklich richtig?
    Zögernd ging Caro los. Vor dem großen, flachen Gebäude
    standen mehrere Polizeiwagen, aber auch ein schwarzer Lexus, ein blauer Mercedes
    und…ihre angespannte Miene wich einem Lächeln. Sie entdeckte den ramponierten
    BMW sofort.
    Beschwingt ging sie die letzten Meter bis zur Einganstür und
    öffnete sie. Hier sah es aus wie in einem ganz normalen Büro. An den an
    einander gereihten Schreibtischen saßen Männer und Frauen in Polizeiuniform.
    Telefone klingelten und viele Stimmen waren zu hören. Es war nicht zu laut,
    sondern eine Angenehme Atmosphäre. An einem Schreibtisch in einer Ecke sah sie
    einen dicklichen Mann sitzen. Er rauchte eine Zigarette und telefonierte
    gleichzeitig. Auf seinem Schreibtisch stapelten sich Blätter, Akten und Ordner.
    Einige waren auf den Boden gefallen. Caro war sich sicher, dass sie zuvor mit
    diesem Mann gesprochen hatte.
    „Kann ich ihnen helfen?“
    Als Caro sich umdrehte entdeckte sie einen großen, schlaksig
    wirkenden Mann neben sich. Er trug ebenfalls Polizeiuniform und hatte ein
    freundliches Lächeln augesetzt.
    „Ja, gerne Herr…“
    „Bonrath.“
    „Herr Bonrath, ich bin Caroline Sommer und wollte meinen
    Wagen abholen. Einen grünen Opel Senator A2. von dem Tankstellenüberfall heute Mittag.“
    „Ich frage mal nach. Wartest du solange kurz?“ fragte er freundlich.
    „Ja, sicher.“
    Der Mann, der sich als Bonrath vorgestellt hatte ging zu dem
    Schreibtisch des dickeren Mannes, der gerade aufgelegt hatte.

  • Danke Leni, hat mich echt rieig gefreut wieder etwas Feedback zu kriegen :)




    „Kann sich da nicht mal jemand anders drum kümmern?“ hörte
    Caro den einen sagen.
    „Ach Mensch Hotte! Das wirst du doch wohl noch hinkriegen.“
    „Das werde ich noch hinkriegen? Weißt du eigentlich wie viel
    Arbeit das ist?“ Der dicke Mann fing nun an zu toben worauf Bonrath nur
    aufstöhnte und Caro ihn in das benachbarte Büro gehen sah. Dieses Büro konnte
    man wegen der herunter gezogene Sonnenblende nicht einsehen. Es dauerte jedoch
    nicht lange bis sie Bonrath wieder aus dem Büro treten sah, dieses Mal hatte er
    zwei weitere im Schlepptau. Tom und Semir. Caro erkannte sie sofort.
    Tom hatte immer noch das an der Schulter zerrissene Jacked
    an und Semir hatte die Hände dick bandagiert. Sie sah wie er immer wieder an
    den Verbänden herumzupfte.
    „So sieht man sich wieder.“ Begrüßte Semir sie mit einem
    neckischen Lächeln.
    „Ich wollte eigentlich nur meinen Wagen abholen und dann wäre
    ich auch schon weg…“ Caro grinste ebenfalls. Immer noch spürte sie die tiefe Dankbarkeit
    zu diesen beiden Polizisten.
    „Meinst du deinen Opel?“
    „Ja, ein anderes Auto habe ich ja nicht.“
    Tom wandte sich jetzt fragend an Semir „Der Opel ist doch
    grad erst in die KTU gekommen oder?“
    „Soweit ich weiß…“
    „Ihr Kollege hat mir gesagt ich kann ihn abholen. Horst Herzberger,
    hieß er.“
    Tom und Semir tauschten einen belustigten Blick.
    In dem Moment trat die Frau vom Mittag aus einem
    benachbarten Büro und kam direkt auf sie zu.
    „Was habt ihr jetzt schon wieder gemacht?“ hörte Caro
    Bonrath den beiden zuraunen.
    „Dieses Mal nichts. Ehrenwort.“ antwortete Semir
    wahrheitsgetreu.
    „Was stehen sie da alle rum?“ fragte die Chefin kaum das sie
    sie erreicht hatte „Gibt es irgendein Problem?“
    „Caro…Caroline wollte auf Hottes Anruf hin ihren Wagen
    abholen nur scheinbar hat der irgendetwas falsch verstanden.“ klärte Semir sie
    auf.
    Die Frau stöhnte auf und schloss für einen Moment entnervt
    die Augen. Als sie sie wieder öffnete sah sie Caro direkt ins Gesicht.
    „Entschuldigung. Anna Engelhard.“ Sie reichte ihr die Hand.
    Ihr Händedruck war fest und entschlossen. Sie schien beherrscht und eine
    dominante Frau zu sein und trotzdem war sie Caro nicht unsympathisch.
    „Na das wird sich mit Sicherheit gleich aufklären.“ Sie ging
    gefolgt von Caro, Semir und Tom zu Hottes Schreibtisch. Bonrath hatte sich
    wieder hingesetzt und beobachtete die Situation lieber aus sicherer Entfernung
    von seinem Schreibtisch aus.
    „Herzberger.“
    „Ich hab jetzt grade wirklich keine…oh Chefin, sie sind’s.“ fügte
    er rasch hinzu, als er seine Chefin entdeckte.
    „Was hat das mit dem Opel auf sich? Wer hat ihnen gesagt,
    dass man ihn schon abholen kann?“
    „Ich dachte halt, weil…“
    „Also niemand?“
    „Dieses Programm hier…“ Er deutete auf den Bildschirm. „Ich
    kriege das ja noch nicht einmal geöffnet. Da steht ja drin wo und wann…“ Er brach
    ab und sah Hilfe suchend zuerst die Chefin, dann Semir und dann Tom an.

  • Für die lieben Feeds :love:




    Caro hatte inzwischen über Semirs Schulter hinweg auf den Bildschirm
    gesehen.
    „Ist doch ganz einfach.“ Sie trat neben den verdutzten
    Hotte, anscheinend hatte der noch gar nichts von ihrer Anwesenheit mitbekommen.
    Sie tippte eine Tastenkombination auf der Tastatur ein und sofort öffnete sich
    auf dem Bildschirm ein neues Fenster.
    „Das hier ist dann das Menü.“ erklärte sie Hotte, der wie
    gebannt auf den Bildschirm starrte „Und von hier aus können sie dann auch die
    verschiedenen Option auswählen.“
    Nicht nur Hotte, Semir und Tom sondern auch Anna Engelhard
    schien über die Fähigkeiten des Mädchens überrascht zu sein.
    Caro sah auf in ihre verdutzten Gesichter. Ihr schien nicht
    wohl zu sein bei dem Gefühl im Mittelpunkt zu stehen denn sie antwortete
    schnell: „Ich habe bis vor kurzem in einem Hotel ausgeholfen. Dort haben sie
    das gleiche Programm benutzt. Deshalb kenne ich mich damit aus.“
    Bis vor kurzem? Was redete sie da? Aber es stimmte ja eigentlich, sie wollte dort
    aufhören sobald sie etwas Neues gefunden hatte.
    „Ah interessant. Kommen sie mal bitte mit in mein Büro. Dann
    können wir den Rest in Ruhe besprechen.“
    Anna Engelhard zeigte mit der Hand in Richtung ihres Büros
    und Caro folgte ihr dorthin.







    Kapitel 8



    „Und, was machen wir jetzt noch?“
    Semir sah seinen Partner unschlüssig von der Seite her an.
    „Lass uns doch dann heute mal pünktlich Schluss machen, oder
    was meinst du?“
    „Von mir aus…Von der hab ich heute echt genug.“
    Semir nickte mit dem Kopf in Richtung Engelhards Büro.




    ***

  • Während des Gespräches wurde ihr diese Anna Engelhard immer
    sympathischer. Sie war eine nette und offene Frau, aber sie schien auch sehr
    beherrscht. Caro schmunzelte. Das musste sie wahrscheinlich auch sein, um ihre
    Leute zusammenzuhalten und den nötigen Respekt zu bekommen.
    „Wir werden sie selbstverständlich benachrichtigen, sobald
    unser Techniker mit ihm fertig ist. Er scheint bis jetzt recht unfallfrei zu sein.“
    „Vielen Dank Frau Engelhard.“
    „Das ist doch wohl selbstverständlich. Achso, eine Frage
    hätte ich noch. Sie sagten, dass sie bis vor Kurzem in einem Hotel gearbeitet
    haben?“
    „Ja.“ Caro stutzte. Worauf wollte sie hinaus.
    „Haben sie denn im Moment eine Arbeitsstelle, wenn ich fragen darf?“
    „Nein, ich bin noch auf der suche nach einer…“ Jetzt
    verstand sie endlich und sah durch die Glasfront des Büros zu dem Schreibtisch
    an dem noch immer dieser Horst Herzberger saß und versuchte fluchend Ordnung in
    das ganze Chaos zu bringen. Als sie sich schließlich wieder umdrehte, sah sie
    in das entspannt lächelnde Gesicht einer plötzlich völlig anderen Frau Engelhard.




    ***




    Als sie Türe hinter ihm ins Schloss viel breitete sich
    wieder die Stille im ganzen Haus aus.
    Semir hatte ihn nach Hause gefahren und war dann ebenfalls
    zu Andrea gefahren.
    Tom verharrte für einen Moment in der Stille. Es war ein
    guter erster Tag gewesen. Die Kollegen hatten ihn wieder mit offenen Händen
    aufgenommen und es schien ihm fast so als wäre er nie fort gewesen. Fast. Denn
    er wusste, dass er Zeit brauchen würde um sich wieder vollständig zu
    rehabilitieren.
    Er seufzte, zog Mantel und Schuhe aus und ging zum
    Kühlschrank. Mit einer Flasche Bier kehrte er schließlich ins Wohnzimmer zurück
    und schaltete den Fernseher ein. Erst gegen Mitternacht beschloss er schlafen
    zu gehen. Seine Glieder schmerzten. Früher hatten ihn solche Tage kalt
    gelassen, aber seit er im Krankenhaus war hatte er reichlich Kondition
    verloren. Besonders das Renne viel ihm schwer. Immer noch bekam er dann schlecht
    Luft.
    Er zog sich um und legte sich ins Bett. Es war seltsam still
    und einsam hier ohne Petra. Mit der Zeit hatten sie sich so sehr aneinander
    gewöhnt, dass sie ihm jetzt besonders fehlte.
    Petra. Das war das letzte, das er dachte bevor ihn
    schließlich der Schlaf übermannte.

  • Kapitel 9



    Die Wochen vergingen und Caro gewöhnte sich gut ein auf der
    PAST. Sie hatte es geschafft sich mit ihrer lockeren, aufgeschlossenen Art bei
    allen beliebt zu machen. Es dauerte nicht lange, da war sie mit allen per du. Auch
    die Arbeiten am Schreibtisch erledigte sie schnell und gewissenhaft und hatte
    bald schon Ordnung in das ganze Chaos gebracht was Hotte ihr hinterlassen
    hatte.
    In den ersten Tagen kam sie immer mit dem Fahrrad zur PAST.
    Es war ein ziemlich langer und beschwerlicher Weg bis dorthin, doch sie blieb
    eisern da sie wusste dass sie sich es zur Zeit nicht leisten konnte viel mit
    ihrem Auto zu fahren. Semir, der im Gegensatz zu Tom schon immer pünktlich zur
    Arbeit erschien bemerkte natürlich nach einiger Zeit wie geschafft Caro auf der
    PAST ankam. Also bot er ihr an sie morgens bei sich zu Hause abzuholen und dann
    abends wieder zurückzubringen. So, so dachte er, hätte er dann wenigstens eine
    Ausrede früher Schluss zu machen und Tom die letzten paar Berichte schreiben zu
    lassen.
    Heute war wieder einer dieser Tage.
    Frau Engelhard war wieder schlecht gelaunt nachdem Tom und
    Semir nun auch noch bei einer Verfolgungsjagd über die Autobahn Toms Mercedes
    zerlegt hatten. Sie verdonnerte die Beiden zur Büroarbeit und saßen sie schon
    seit ein Uhr Mittags im Büro und schrieben alte Berichte.
    „Du Tom…“
    „Mmmh.“
    „Wir haben ja gleich schon sieben oder?“
    „Mmmh.“
    „Meinst du ich kann jetzt gehen und du schreibst meinen
    Bericht noch zu Ende?“
    Nun sah Tom auf. Er musterte Semir und runzelte die Stirn.
    „Dir geht’s aber noch gut oder?“ meinte er in gespielter
    Besorgnis.
    „Jaja, aber ich habe Caro versprochen dass ich sie heute
    pünktlich nach Hause fahre und…“
    Tom seufzte auf. So ging es schon seit zwei Wochen. Immer
    beschloss Semir frühzeitig zu verschwinden und er konnte dann meistens noch
    eine Nachtschicht einlegen.
    „Weißt du was Semir? Ich kann sie auch nach Hause fahren
    wenn du willst. Mach ich doch gern für dich.“
    Als Tom Semirs erschrockenes Gesicht sah musste er lachen.
    „Ach komm verschwinde schon! Dann komm ich halt morgen früh
    was später.“
    Nun musste auch Semir lachen.
    „Danke Partner. Bis morgen.“
    Semir ließ alles stehen und liegen und verließ eilig das
    Büro bevor es sich Tom vielleicht doch noch mal anders überlegte.




    ***




    Genervt sah Semir in den Rückspiegel.
    „Na los, dann fahr doch vorbei!“
    Nun sah auch Caro nach hinten. Ein großer weißer Lieferwagen
    fuhr dicht hinter ihnen, machte jedoch keine Anstalten sie zu überholen.
    Semir stöhnte verärgert. Er hatte wirklich keine Lust darauf,
    wieder bei der Chefin nach einem neuen Wagen zu fragen und so zog er jetzt auf
    die rechte Spur. Doch der Lieferwagen fuhr nicht an ihnen vorbei. Im Gegenteil.
    Er zog direkt wieder hinter sie.
    Und dann, ganz plötzlich, ohne Vorwarnung ging ein Rucken
    durch den ganzen BMW. So stark, dass Semir und Caro nach vorne, in ihre
    Anschnallgurte geworfen wurden.
    „Verdammt noch mal!“
    Semir sah wieder nach hinten. Der Lieferwagen hatte sich
    jetzt von ihnen gelöst, doch nur für einen kurzen Moment. Erneut holte er aus
    und rammte den BMW wieder. Diesmal stärker als zuvor. Verzweifelt versuchte
    Semir den schlingernden Wagen in der Spur zu halten. Es war ihm gerade halbwegs
    gelungen, da knallte es wieder. Semir versuchte gegenzulenken und kurbelte am
    Lenkrad, aber vergebens.
    Er konnte Caro neben sich schreien hören, als sich der BMW
    überschlug. Alles um ihn herum drehte
    sich. Wo war jetzt oben? Wo unten? Er schloss die Augen und schlug beide Hände
    schützend vors Gesicht. Im nächsten Moment schlug er mit dem Kopf gegen etwas
    Hartes und verlor das Bewusstsein.




    ***