Die Vergangenheit ruht nie ...

  • So, ich habe schon wieder angefangen, an einer neuen Story zu schreiben und möchte sie euch natürlich auch nicht vorenthalten. Vielleicht kann es bei dieser mal ein oder zwei Tage dauern, bis ich den nächsten Teil reinstelle, weil ich halt gerade erst angefangen habe. Aber ich werde mich nach Kräften bemühen, immer schnell hintereinander die Teile reinzusetzten. Ich hoffe ich kann euch auch von dieser Story überzeugen, obwohl ich zugeben muss, dass ich selbst noch nicht geanu weiß, wohin sie führen wird. Deshalb ist sie auch vorerst 'Untitled', weil mir noch absolut kein Titel einfallen will :D! Titel ist jetzt endlich vorhanden ;)!




    Auf Wunsch von Tschona und weil ich zu blöd war, nachzusehen, ob schon jemand diesen Titel verwendet, habe ich ihn jetzt noch einmal geändert. Tschona: Sorry noch mal!


    Und jetzt genug gelaber von mir, viel Spaß beim lesen! ;)



    Die Vergangenheit ruht nie...


    Es war noch früh am Morgen und es war kaum etwas los, als Ben seinen Mercedes über die Autobahn lenkte. Sein Partner und bester Freund Semir saß, noch halb im Tiefschlaf, neben ihm. „Sag mal, hast du nicht genügend Schlaf bekommen?“, fragte er ihn als er sah, dass Semir die Augen immer wieder zufielen. Dieser schüttelte den Kopf, „Nicht wirklich. Aida ist seit drei Tagen absolut nachtaktiv und Andrea hat mich heute Nacht dazu verdonnert, mich um Aida zu kümmern. Ich weiß nicht wie oft ich aufgestanden bin, um sie wieder hinzulegen, oder ihr was vorzulesen, oder sie sonst irgendwie zu schlafen zu bewegen. Aber nichts hat geholfen. Sie ist dann vor zwei Stunden endlich eingeschlafen, aber eine Stunde Schlaf, gleicht nun mal acht Stunden Schlaf nicht aus.“ Ben musste grinsen, als er Semir so zuhörte, „Lass mich raten: Andrea hat dich zum wach bleiben verdonnert, weil sie die anderen beiden Tage nicht geschlafen hat, während du den Schlaf der Gerechten genossen hast, stimmt ’s?“ „Ja ja, lach du nur, pass mal auf, wenn du mal irgendwann Vater wirst, dann wird es dir nicht anders ergehen!“ Als sie einander ansahen, mussten sie loslachen.


    Aus dem Autoradio erklang die Stimme von Pink, sie spielten gerade deren aktuellen Song ‚So what’. Stefanie Hansen, zweiundzwanzig Jahre jung, war auf dem Weg zur Arbeit und sie liebte diesen Song. Sie konnte gar nicht anders als laut mitzusingen., „...so what, i’m still a rock star...“. Ihre Finger klopften im Takt der Musik aufs Lenkrad. Sie war von der Stimmung, die der Song rüberbrachte, so vollkommen eingenommen, dass sie nicht bemerkte, wie ein dunkelgrauer Geländewagen neben ihr auftauchte, dessen Fahrer sie einen Moment lang anstarrte. Dann verzog sich sein Gesicht zu einer grinsenden Fratze und er zog eine Waffe hervor. In genau dem Moment, drehte Stefanie ihren Kopf in eben diese Richtung und ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen. Der Fahrer nehmen ihr zielte, doch sie gab Gas. Damit hatte er nicht gerechnet, doch ihm gefiel, dass sie versuchte zu fliehen, also spielte er das Spiel mit. Auch er trat aufs Gas und nur einen Augenblick darauf, war er wieder mit ihr auf gleicher Höhe. Er wusste er würde sie kriegen, egal wie sehr sie versuchte, ihm zu entkommen. Wieder zielte er mit seiner Waffe, schoss und traf wie beabsichtigt ihren rechten, vorderen Reifen. Stefanies Auto kam ins schlingern, knallte gegen die Mittelleitplanke und überschlug sich.


    „Ben, Semir!“, hörten sie Susannes Stimme über Funk, „Auf der A1, Kilometer 66, hat sich ein Wagen überschlagen. In die Unfallstelle sind noch drei weitere Wagen reingerast.“ „Alles klar, wir sind unterwegs. Wir sind in fünf Minuten da. Semir stellte das Blaulicht an und Ben legte noch einen Schritt zu.

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  • Als sie an der Unfallstelle ankamen, bot sich ihnen der Anblick eines Schlachtfeldes. Die Autos, die in die Unfallstelle gerast waren, hatten sich ineinander verkeilt. Sanitäter kümmerten sich bereits, um die Fahrer, die sich zum Glück nur leichte Verletzungen zugezogen hatten. Dann sahen sie Hotte auf sich zukommen, „Der Wagen, der sich zuerst überschlagen hat, liegt hier vorne.“, rief er den beiden zu. Ben und Semir gingen auf ihn zu und sahen sich den Wagen an. „Wer auch immer den Wagen gefahren hat, ist verschwunden.“, erläuterte Dieter, der ebenfalls am Unfallwagen stand. Ben sah ihn an, „Wie verschwunden?“ „Der Wagen gehört keinem der Fahrer, die gerade versorgt werden.“ „Na dann wollen wir mal sehen.“, meinte Ben und zog sich Handschuhe über, die ihm jemand von der Spurensicherung reichte.


    Er ging zur Fahrerseite, die vollkommen eingedrückt war. Als er in den Wagen hineinsah, konnte Ben erkennen, dass im Fußraum des Wagens ein Portemonnaie lag. Auf der Beifahrerseite, öffnete er die Tür und nahm es an sich. „Dem Blut nach zu urteilen, muss der Fahrer oder die Fahrerin, ziemlich viel davon verloren haben.“, zog den Personalausweis raus, „Es handelt sich bei der Fahrerin offenbar um eine Stefanie Hansen. Wenn das alles ihr Blut ist, dann hoffe ich, dass sie noch lebt.“ Ben zog ein Foto hervor und zeigte es Semir, „Das ist scheinbar ihre Tochter.“ Im gleichen Moment klingelte Semirs Handy, „Ja, Susanne was gibt es..., ja okay, danke Susanne.“ Semir sah Ben an, „Der Wagen ist tatsächlich auf diese Stefanie Hansen angemeldet, Susanne hat mir die Adresse von Frau Hansen durchgegeben.“ „Dann lass uns da mal hinfahren.“, antwortete ihm Ben und gab Stefanie Hansens Geldbörse an die Spurensicherung weiter.


    Als sie aufwachte und sich umsah, konnte sie nicht das geringste erkennen. Um sie herum war es stockdunkel. Sie versuchte sich aufzurichten, doch der Schmerz in ihrer Brust war zu stark, so dass sie wieder in sich zusammen sackte. Sie wusste nicht mehr genau was passiert war. Das letzte an das sich Stefanie erinnerte war, dass sie im Auto gesessen hatte und auf dem Weg zur Arbeit gewesen war. Und wie dieser Mann neben ihr aufgetaucht war, auf ihr Auto schoss und was danach war, war weg, sie hatte keine Erinnerung mehr daran. „Na, endlich wach geworden?“ Stefanie musste die Augen fest zupressen, als das Licht blendend hell aufleuchtete. „Was willst du von mir?“, fragte sie mit Panik in der Stimme. „Wie wäre es erst einmal mit einem Danke? Wenn ich dich nicht schnell rausgezogen und versorgt hätte, wärst du draufgegangen.“, er lachte auf und Stefanie sah ihn jetzt nur noch zornesfunkelnd an, „Ich soll dir dankbar sein? Wofür soll ich dir dankbar sein? Was willst du von mir?“ Seine Stimme senkte sich, als er sie grausam lächelnd ansah, „Das weißt du ganz genau.“, und damit verpasste er ihr eine Ohrfeige.

  • Inzwischen waren Ben und Semir an der Wohnung von Stefanie Hansen angekommen. Als sie klingelten, öffnete ihnen eine ältere Frau, die ein etwa zweijähriges Mädchen auf dem Arm trug, „Ja bitte?“ „Guten Tag. Bitte entschuldigen Sie die Störung. Mein Name ist Gerkhan, Kripo Autobahn und das ist mein Kollege Jäger.“ Die Frau sah sie verwirrt an, „Kripo? Ist was passiert?“, sie drückte die Kleine fest an sich, „Ist Stefanie irgend etwas passiert?“ Ben konnte erkennen, dass ihr Tränen in die Augen traten. Auch Semir fiel es auf, „Dürfen wir vielleicht erst einmal reinkommen, Frau...?“ „Hansen, ich bin Stefanies Mutter. Natürlich, bitte kommen sie rein.“, ihre Stimme zitterte und doch bedeutete sie Ben und Semir sich auf die Couch zu setzten, „Was ist jetzt mit meiner Tochter?“ Ben sah sie an, „Wir wissen es noch nicht. Sie ist in einen Unfall auf der Autobahn verwickelt, aber von ihrer Tochter fehlt jede Spur.“ „Wie meinen Sie das?“ „Wir haben ihren Wagen gefunden, aber ihre Tochter ist verschwunden. Allerdings befürchten wir, dass sie Verletzungen davon getragen hat, die sie daran gehindert haben, den Unfallort allein zu verlassen.“ „Sie glauben, dass Stefanie entführt wurde?“ „Dieser Vermutung müssen wir leider nachgehen, ja.“, sagte Semir. Das kleine Mädchen auf dem Arm von Frau Hansen, begann ungeduldig zu werden, sie wollte runter und spielen. Ben sah sie an, „Ist das die Kleine ihrer Tochter?“ Frau Hansen nickte, als sie sie auf den Boden setzte, „Emma. Sie ist Stefanies ganzer Stolz!“, wieder traten ihr Tränen in die Augen, „Sie ist alleinerziehend müssen Sie wissen. Emmas Vater hat meine Tochter sitzen gelassen, als er von ihrer Schwangerschaft erfuhr.“, schluchzte sie.


    Emma hingegen lief langsam auf Ben zu und sah ihn eine Weile lang an. Als dieser es bemerkte lächelte er die Kleine an und hielt ihr seine Hand hin, „Hey du Süße.“, sagte er zu ihr und Emma griff nach seiner ausgestreckten Hand. Sie kam immer näher und zog sich dann auf seinen Schoß. Ben hielt sie fest und richtete seinen Blick dann wieder auf Frau Hansen. „Wir werden alles tun, um Ihre Tochter zu finden, das versprechen wir Ihnen.“ Diese sah ihn dankbar an und nickte. „Wenn wir mehr wissen, dann werden wir uns bei Ihnen melden Frau Hansen.“, sagte Semir und stand auf, ebenso Ben, der Emma wieder in die Arme ihrer Großmutter übergab. Die Kleine lachte fröhlich, während Ben nur dachte, ‚Gut das du noch nicht verstehst, was hier abgeht.’ Dann verabschiedeten er und Semir sich und stiegen wieder ins Auto, „Und jetzt?, fragte Ben an Semir gerichtet, „Wir fahren in die KTU, vielleicht hat Hartmut ja irgendwas gefunden.“ Ben nickte und fuhr los.


    In der KTU angekommen, hielten sie Ausschau nach Hartmut, welcher seltsamer Weise nicht an seinem angestammten Platz war. „Hartmut!“, rief Semir, als dieser um die Ecke kam, „Ben, Semir, was kann ich für euch tun?“ „Wo warst denn du? Wir sind es ja gar nicht gewohnt, dass du nicht hier herum sitzt, wenn wir kommen.“ , meinte Ben mit leicht säuerlichem Unterton und Semir sah seinen Partner erstaunt an, was Hartmut aber überhaupt nicht mitbekam. „Auch ich muss mal wo hin, lieber Ben.“, versuchte er witzig rüberzukommen. Als dies bei Ben aber nicht ankam, fragte Hartmut nochmals an Semir gerichtet, „Also, was gibt’s?“ „Wir wollten mal wissen, ob du bei der Untersuchung des Unfallwagens schon etwas rausbekommen hast? Gab es irgendetwas ungewöhnliches?“ Hartmut sah die beiden an und schüttelte den Kopf, „Rein gar nichts, wenn man vom Blut absieht. Aber nichts, was es rechtfertigen könnte, dass man der armen Frau den Reifen zerschießt und sie damit schwer verletzten, wenn nicht sogar töten wollte.“ „Was ist mit der Kugel?“ „45er Munition.“, antwortete Hartmut knapp und hielt den beiden eine Tüte mit der Kugel unter die Nasen, „Sorry, aber mehr kann ich nicht für euch tun.“


    Wieder saß Stefanie allein in dunklen Raum, er war gegangen, hatte die Tür wieder abgeschlossen und dann von draußen das Licht gelöscht. Heiße Tränen liefen über ihre Wangen. ‚Wieso war er wieder da? Wie hatte er sie finden können?’ Diese Gedanken schossen nun durch ihren Kopf.Sie hatte immer geglaubt, ihm endlich entkommen zu sein, ihn nie wieder sehen zu müssen, nie wieder an das was geschehen war denken zu müssen. Doch damit hatte sie einfach nur falsch gelegen. Sie rollte sich, soweit die Schmerzen es zuließen, in sich zusammen und weinte.

  • Heute nur ein kleiner Teil, dafür gibt es morgen wieder mehr...



    „Was war das denn eben?“, Semir und Ben saßen wieder im Mercedes und fuhren Richtung PAST. Semir sah Ben noch immer erstaunt an, „Was meinst du?“, brummelte dieser genervt. „Na ja, normalerweise sprichst du nicht so mit Hartmut.“ „Wie habe ich denn mit ihm gesprochen?“ „Dein Ton ihm gegenüber schien mir ziemlich verärgert zu sein und ruppig noch dazu. Das kenne ich sonst nicht von dir.“ „Dann bist du noch nicht dabei gewesen, oder hast nicht richtig hingehört. Ich habe Hartmut schon das ein oder andere Mal angefahren. Brauchst du ein Beispiel? Als Saskia gestorben ist, habe ich ihn am Telefon angeschrieen, weil er nicht schnell genug mit seinen Infos über das Backup rübergekommen ist. Erinnerst du dich? Und dann dieser blöde Witz, oder was das gerade werden sollte...“, Bens Stimme war sehr laut geworden, sodass Semir ein noch erstaunteres Gesicht machte, „Ist ja in Ordnung. Sag mal was ist auf einmal los mit dir Ben? Du warst doch vor gar nicht allzu langer Zeit noch so gut drauf.“ Ben senkte entschuldigend seinen Blick, „Ach,... ich weiß doch auch nicht. Tut mir leid, beachte es am besten gar nicht.“ „Das ist aber ein bisschen schwierig, wenn du so ausfallend wirst. Du weißt, wenn etwas ist, dann kannst du mit mir sprechen.“ Ben rollte mit den Augen, „Auch wenn ich dich damit nerven sollte...“, sagte Semir ,dem Bens Augenrollen nicht unbemerkt geblieben war, „...und ich weiß auch, dass ich dir das schon einmal gesagt habe und dich damit wahrscheinlich auch noch zusätzlich nerve, aber ich werde es gern noch hunderttausendmal wiederholen: Wenn was ist, dann sprich mit mir!“ „Das ist lieb, danke. Aber es gibt nichts zu reden.“, ließ Ben nur von sich hören und schien dann seinen Gedanken wieder hinterher zu hängen. Semir sah seinen Partner an, ‚Muss ich mir eigentlich ständig Sorgen um dich machen, Ben?’, dachte er stillschweigend.


    Zurück in der PAST ging Ben schnurstracks in sein Büro, während Semir an Susannes Schreibtisch halt machte, „Hast du noch irgendwas über Stefanie Hansen gefunden?“ Susanne sah ihn mit einem Blick an, welcher Semir verriet, dass sie tatsächlich noch etwas rausbekommen hatte, „Stefanie Hansen heißt in Wirklichkeit nicht Stefanie Hansen.“, sagte sie und erntete einen verwirrten Blick. „Wie meinst du das?“ „Als ich ihren Namen noch mal durch den Computer gejagt habe, habe ich etwas interessantes rausbekommen..., Stefanie Hansen hat vor drei Jahren ihren Namen ändern lassen.“ „WAS?“

  • So, hier kommt der nächste Teil! Ich hoffe, dass er euch gefällt, ach ja ein paar mehr Feeds wären schön ^^ , gern auch negativ, wenn ich dadurch meine Story verbessern kann!




    Ben ließ sich auf seinen Stuhl fallen, er sah, dass sich Semir noch mit Susanne unterhielt, aber seine Gedanken waren bei einem Ereignis, welches bereits fünf Jahre zurücklag.


    ..::Flashback::..


    Ben war gerade dabei einen Bericht zu Ende zu schreiben, als sein Kollege Andreas das Büro betrat, „Komm, es gibt Arbeit. In der Innenstadt ist auf der Kreuzung ein Auto gerammt worden, muss sich um ein ziemliches Chaos handeln. Laut den Kollegen vor Ort sind anschließend noch vier Autos reingeknallt.“ „Alles klar, dann lass uns mal los.“, nickte Ben und stand auf.


    Keine fünf Minuten später waren sie an besagter Kreuzung angekommen und das Bild, das sich ihnen bot, würde Ben nie wieder vergessen. Die Autos waren dermaßen ineinander verkeilt, dass die Feuerwehr nur mit schwerem Gerät an die Schwerverletzten rankam. Während Andreas sich darum kümmerte, die Zeugen zu befragen, erkundigte sich Ben bei den anderen Kollegen, wie es um die Verletzten stand. Einer der Polizisten sah ihn an, „Es ist schlimm. Die Fahrerin des Polos da vorn,...“, er deutete auf den Wagen, der mittig von den anderen Autos stand, „...ihr wurde von dem Toyota die Vorfahrt genommen. Die Feuerwehr hatte sie als erste aus den Autowracks bergen, aber es war schon zu spät. Dem Mistkerl der sie gerammt hat, ist natürlich kaum was passiert, ein paar Kratzer, sonst nichts, das ist doch nicht fair. Aber sie hat auch die volle Bandbreite an Wucht abbekommen, der Notarzt meinte, sie hätte nicht mehr groß leiden müssen, sie wahr wohl sofort tot. Das schlimme ist, sie hatte ihre zweijährige Tochter bei sich.“ Ben sah den Kollegen erschrocken an, „Die Kleine hatte einen ganz fleißigen Schutzengel, ihr ist unglaublicher weise nichts passiert.“ „Okay.“, Ben drehte sich um und sah, wie man die Leiche der Frau in einen Leichensack legte, er ging auf sie zu.


    „Hey Ben.“, begrüßte ihn der stets schlecht gelaunte Gerichtsmediziner Bauer, „Es ist echt tragisch, die Kleine ist gerade mal zwanzig. Sie hatte ihr ganzes Leben noch vor sich.“ Ben sah auf die Leiche und zog selber leichenblass ab, er fing an leicht zu schwanken und versuchte sich irgendwo festzuhalten. Bauers Assistent dem das aufgefallen war, griff Ben unter den Arm und ließ ihn sich auf die Kante vom einem der Krankenwagen setzen. „Alles in Ordnung? Was ist denn auf einmal los?“, fragte Bauer und redete unsensibel wie er war, manchmal fragte Ben sich ob man das bei dem Beruf auch sein musste, weiter, „Du hast doch schon öfter Leichen gesehen, was ist denn auf einmal los?“ Ben starrte noch immer auf die Frau, die da nur zwei Meter von ihm entfernt, im Leichensack lag, „Ich kenne die Frau.“ Bauer sah ihn nur an, „Ja. Wir kennen sie auch, zumindest wissen wir wer sie ist. Eine...“, er sah noch mal auf seine Aufzeichnungen, „...Claire Neustädter, zwanzig Jahre alt, hat eine zweijährige Tochter, ist alleinerziehend, blablabla.“ Sein Assistent Melzer, sah Bauer an, als ob er ihm gleich eine reinhauen wollte. Er war es zwar gewöhnt, dass sich sein Chef nicht viel aus den Schicksalen der Menschen machte, die später auf seinem Tisch lagen, aber er war der Meinung, dass selbst Bauer hätte merken müssen, dass Ben die Frau nicht nur so zufällig kannte. Also beugte er sich zu Ben hinunter und fragte ihn vorsichtig, woher er sie kannte und Ben antwortete leise, „Sie war meine Cousine.“


    Andreas blieb fassungslos stehen, „Was hast du da gerade gesagt? Das ist deine Cousine?“, fragte er nach. Ben nickte langsam mit dem Kopf, bis ihm ein Gedanke kam, „Wo ist Nele?“ Bauer sah ihn an, „Wer ist Nele?“ „Claires Tochter. Andreas weißt du wo sie ist?“ Bens Kollege schüttelte entschuldigend den Kopf, doch wieder war es Bauers Assistent der sich Ben annahm, „Ich weiß wo sie ist, komm mit.“ Ben stand auf und folgte ihm bis zu einem Krankenwagen, wo sich eine junge Sanitäterin mit der Kleinen beschäftigte. Melzer sprach die junge Frau an, „Hey Sisi. Wie geht es der Kleinen?“ Sisi sah auf, „So ist sie in Ordnung, aber... sie weiß noch nicht was passiert ist, dafür ist sie mit ihren zwei Jahren noch zu jung, aber das was passiert ist, merkt auch sie.“ Ben sah auf das kleine Mädchen, welches in dem Moment seinen Kopf in Bens Richtung drehte und ihn erkannte. Sie streckte ihre Händchen nach ihm aus und ließ sich von Ben auf den Arm nehmen. Sisi wollte protestieren, aber Melzer hielt sie davon ab, er nahm sie zur Seite, „Das ist der Cousin von der Mutter der Kleinen.“, flüsterte er ihr zu und alles was Sisi dazu sagen konnte, war ein mitfühlendes, „Oh.“


    Ben drückte Nele an sich, Tränen liefen ihm über die Wangen. Das kleine Mädchen sah ihn verwirrt an und strich ihm dann mit ihren Händchen die Tränen weg. Ben musste lächeln, „Meine Süße, wie sollen wir nur deinen Großeltern beibringen, was passiert ist? Und wie soll ich dir später mal beibringen, warum deine Mama nicht mehr da?“, flüsterte er ihr zu und Nele musste fühlen, wie schlecht es Ben in diesem Moment ging, denn sie schmiegte sich fest an ihn.


    ..::Flashback Ende::..

    Auch fünf Jahre nach diesem Tag hatte Ben noch immer mit Tränen zu kämpfen, wenn er daran zurückdachte, doch mittlerweile schaffte er es sie zu unterdrücken. Er konnte sich an dies alles noch so genau erinnern, doch woran er sich nicht mehr erinnern konnte, war, wie er damals seiner Tante und seinem Onkel gegenüber gesessen hatte, um ihnen möglichst schonend beizubringen, dass ihre einzige Tochter tot war. Er wusste noch, dass Andreas ihm angeboten hatte, das für ihn zu machen, doch Ben hatte abgelehnt, es war hier um seine Familie gegangen, das hatte er selbst erledigen müssen, war er der Meinung gewesen. Was ihn wütend machte, war, das der Unfallfahrer damals gerade mal zwei Jahre wegen fahrlässiger Tötung bekommen hatte, dafür das er Eltern ihre einzige Tochter und einem zweijährigen Mädchen die liebevolle Mutter genommen hatte. Doch was ihn noch wütender machte war, dass sich Neles Vater nur ein einziges Mal nach seiner Tochter erkundigt hatte und das war gewesen, als er von Claires Unfall gehört hatte. Nachdem er dann erfahren hatte, dass Claire dabei ums Leben gekommen war, es Nele aber gut ging, hatte er sich nie wieder gemeldet, nie wieder danach gefragt, wie es ihr ging. Als Nele das erste Mal danach gefragt hatte, warum sie bei ihren Großeltern leben würde und nicht wie alle anderen Kinder in der Schule bei ihrer Mutter und ihrem Vater, war es Ben gewesen, der Nele über das was passiert war, aufgeklärt hatte. Neles Großeltern konnten auch fünf Jahre später noch nicht über den Tod ihrer Tochter sprechen, also hatten sie Ben darum gebeten. Im Grunde war er so was wie ein Ersatzpapa für sie.

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  • „Ben?“, Semir stand dicht vor Ben und sah ihn an. Ben der seinen Gedanken nachgehangen hatte, schreckte auf, „Sag mal, musst du mich so erschrecken?“ „Was ist los mit dir Ben, du bist nicht bei der Sache.“, fragte Semir eindringlich, doch Ben setzte nur ein unschuldiges Gesicht auf, als ob nicht wisse, wovon Semir sprach, „Es ist alles in Ordnung. Was hast du mit Susanne besprochen?“ Semir seufzte, er wusste, dass Ben etwas vor ihm verheimlichte. Doch da er wusste, dass es nichts brachte Ben zu drängen, ließ er es sein, „Susanne hat herausgefunden, dass Stefanie Hansen, nicht als Stefanie Hansen geboren wurde.“


    Ben sah seinen Partner verständnislos an, „Was willst du damit sagen?“ „Stefanie Hansen hat vor drei Jahren, zusammen mit ihrer Mutter, ihren Namen ändern lassen.“ „Und welchen Grund hatte das, so ganz leicht ist es ja nicht seinen Namen ändern zu lassen.“ Semir zog die Blätter hervor, die Susanne ihm ausgedruckt hatte und legte sie vor Ben hin, welcher sie in die Hand nahm und durchblätterte.


    „Ihr ursprünglicher Name ist Charlotte Paul und der ursprüngliche Name ihrer Mutter war Margret Paul.“, begann Semir zu erläutern, „Stefanie Hansen ist vor drei Jahren von einem Mann namens Ralf Bach vergewaltigt worden, laut Aussage hat er ihr damals damit gedroht, sie umzubringen, sollte sie danach zur Polizei gehen. Doch Stefanie, beziehungsweise damals noch Charlotte, hat sich, nachdem sie bemerkte, dass sie schwanger war, ihrer Mutter anvertraut, warum aber gerade da, hat sie nie gesagt. Kurz nach ihrer Aussage konnte man Ralf Bach festnehmen und dann man hat ihn wegen schwerer Vergewaltigung zu drei Jahren Haft verurteilt. Ein paar Wochen darauf, hat Charlotte einen anonymen Brief bekommen, er war von Ralf Bach. In diesem Brief drohte er damit, sie nach seiner Entlassung umzubringen. Daraufhin ist sie zusammen mit ihrer Mutter von Berlin nach Köln gezogen und hat ihren Namen ändern lassen.“ Ben hatte die ganze Zeit nur da gesessen und aufmerksam zugehört, doch jetzt stellte er die Frage, die auch Semir sich schon gestellt hatte, „Warum hat die Mutter uns davon nichts gesagt?“


    Wieder blitzte das Licht auf und Ralf Bach betrat abermals den Raum in den er Stefanie gesperrt hatte. Stefanie lag noch immer in die Ecke gekauert, doch aufgrund der Erschöpfung war sie eingeschlafen. Ralf trat an sie heran und stieß sie mit dem Fuß an, „Wach auf Miststück!“ Erschrocken wich sie zur Seite und hielt sich dabei die Hand vor die schmerzende Brust. „Wie geht es meiner Tochter?“ Wieder sah Stefanie ihn mit vor Entsetzten geweiteten Augen an, Woher wusste er davon? Sie hatte es nie jemandem gesagt, nur ihrer Mutter. „Wie kommst du darauf, dass meine Tochter von dir ist? Sie ist die Tochter meines Ex-Freundes!“, versuchte sie sich rauszureden, doch im nächsten Moment bekam sie die nächste schallende Ohrfeige verpasst. „Versuch nicht mich zu verarschen. Ich weiß das die Kleine von mir ist und willst du wissen woher? Dein kleiner Ex-Freund, von dem du gerade behauptet hast, sie wäre seine Tochter..., ich habe ihn mal aufgesucht und nach einem bisschen freundlichem Überreden...“, er fing an zu lachen, „...hat er mir ganz lieb und artig gesagt, was ich hören wollte...“, sein Lachen erstarb und seine Stimme begann rau und dunkel zu klingen, „...nämlich, dass ihr gerade erst zusammen gekommen wart als ich mit dir gespielt habe und das er und du noch gar nicht miteinander gespielt hattet,...“, Stefanie musste sich zusammen reißen, ihr wurde schlecht, als sie hörte, wie er die schlimmste Nacht ihres Lebens, als Spiel bezeichnete, „..., du wolltest mir meine Tochter vorenthalten,...“, schrie er nun, „..., du hast mich in den Knast gebracht und du hast geglaubt, mit einer Änderung deines Namens und des Wohnortes könntest du alles hinter dir lassen. Falsch gedacht, ich bin dir über Charly.“ Stefanie merkte, wie sich ihr Magen zusammen krampfte, als er ihren Spitznamen aus Kindheitstagen aussprach, sie sah ihn mit Angsterfüllten Augen an, als er wieder auf sie zukam. Seine Stimme war wieder sanft und leise, „Aber du wirst schon sehen, was du davon hast meine Süße.“, flüsterte ihr, seinen Mund dicht neben ihrem Ohr, zu. Dann zog er sie hoch und Stefanie fing an zu schreien...


    In der Zwischenzeit waren Ben und Semir an Stefanies Wohnung vorgefahren, in der Hoffnung, dass Margret Hansen dort noch immer war. Sie klingelten und mussten nur ein paar Sekunden warten, als Stefanies Mutter auch schon die Haustür aufmachte. „Guten Tag Frau Hansen...“, begann Semir und wurde direkt unterbrochen, „Haben sie Stefanie gefunden? Bitte sagen sie mir das sie sie gefunden haben.“, ihre Stimme ließ ihre Angst erahnen. „Dürfen wir erst einmal reinkommen?“, fragte Ben nun weiter. „Natürlich, bitte setzten Sie sich doch.“ Ben sah Semir an und dieser nickte, zum Zeichen, dass er Stefanies Mutter befragen würde.


    „Frau Hansen, leider haben wir noch keinerlei Spur von Ihrer Tochter. Aber wir hätten da eine Frage an Sie.“, dabei blickte er ihr tief in die Augen, „Aber natürlich, fragen Sie was Sie müssen, um meine Tochter zu finden.“ „Frau Hansen,... warum haben sie uns verschwiegen, dass Ihre Tochter vor drei Jahren vergewaltigt wurde und sie zusammen mit Ihnen, Namen und Wohnort gewechselt haben?“ Erschrocken sah Stefanies Mutter von Ben zu Semir und wieder zurück, „Ich habe gedacht, na ja, ich habe nicht gedacht, dass das wichtig sei. Ich meine es ist schließlich drei Jahre her und wir haben unsere Spuren gut verwischt.“, begann sie stockend, „Glauben Sie etwa, dass er sie entführt hat?“ „Dieser Vermutung müssen wir nachgehen, ja. Aber wie kommen sie darauf, dass solche Informationen nicht wichtig sind?“ „Wie gesagt, ich habe geglaubt, er würde uns nicht finden, aber damit scheine ich mich offenbar geirrt zu haben.“ „Eventuell.“, sagte Semir leise.


    Kurz darauf verließen sie die Wohnung und stiegen wieder ins Auto. Semir fuhr los, während Ben ihn ansah, „Irgendetwas verschweigt uns Frau Hansen. Ganz ehrlich Semir, wenn es um deine Tochter gehen würde, würdest du nicht als aller erstes solch eine Information an die Polizei weitergeben?“ „Ben, ich möchte mir gar nicht vorstellen, dass Aida so etwas passiert...“, Ben sah seinen Kollegen entschuldigend an, „Tut mir leid Semir, so war es nicht gemeint...“ Semir sah ihn an, „Das weiß ich doch und ich gebe dir Recht, ich würde diese Info sofort weitergeben. Irgendwas stimmt da absolut nicht.“

  • „Die Bullen waren wieder da. Sie wissen das ich ihnen Charlys Vergewaltigung verschwiegen habe. Kannst du mir mal sagen, was ich jetzt machen soll?“, hysterisch schrie Margret Hansen die Person am anderen Ende der Leitung an, während sie die Gardine vorsichtig zur Seite schob, um auf die Straße blicken zu können, „Wir haben es drei Jahre lang vertuschen..., was,... ja natürlich habe ich mich unauffällig verhalten, glaubst du ich plaudere irgendetwas aus,... ja, ja ist gut, ich melde mich wieder, aber sieh zu das du das irgendwie gerade biegst.“, damit legte sie auf, „Verdammte scheiße!“


    Zusammengekrümmt lag Stefanie am Boden, als Ralf Bach erneut den Raum betrat. Die Beine hatte sie fest angezogen und ihre Arme um sie geschlungen, nachdem er sie erneut vergewaltigt hatte. Tränen liefen ihr über die Wangen, sie wünschte sich nur noch, dass das alles vorbei wäre. Sie wusste, dass das einzige, was sie am Leben halten würde, der Gedanke daran war, dass wenn sie nicht durchhalten würde, ihre Tochter ohne Mutter aufwachsen müsste. Und das wollte sie unter allen Umständen verhindern. Denn obwohl Emma sie jeden Tag an das was passiert war, erinnerte, so liebte sie ihre Tochter doch über alles. Ralf Bach stand direkt vor Stefanie und sah sie lachend an, „Na Charly, wie geht es dir denn? Das hat doch wirklich Spaß gemacht, nach so langer Zeit mal wieder zu spielen.“ Stefanie blickte ihn ängstlich an, sie befürchtete schon das schlimmste, als sie sah, wie er erneut den Reißverschluss seiner Hose öffnete. „Was ist?“, fragte er sie, als ob er nicht wüsste, wovor Stefanie Angst hatte, dann blickte er auf seine Hose runter und begann zu laut aufzulachen, „Ach so! Angst?“, er schloss den Reißverschluss wieder, „Keine Panik, noch ist es nicht wieder an der Zeit, wir warten noch ein bisschen.“, sagte er hämisch und strich ihr dabei über das Haar. „Deine Mutter hat mich gerade angerufen, die Polizei war wieder bei ihr und offenbar haben die Bullen jetzt auch mitbekommen, dass du eigentlich gar nicht Stefanie Hansen heißt.“ In Stefanies Kopf ratterte es nur so vor lauter Gedanken, die ihr jetzt kamen und dann stellte sie die Frage, die sie sich selbst nicht beantworten konnte, „Wieso hat meine Mutter mit dir gesprochen, was hat sie damit zu tun?“


    Nach Feierabend hatte Ben beschlossen, noch bei seiner Tante und seinem Onkel vorbei zu fahren. Er wollte hören, wie es Nele ging. Er würde sie zwar nicht mehr zu Gesicht bekommen, weil sie in der Schulzeit immer um sieben Uhr ins Bett musste, aber er wollte auch einfach mal wieder mit seiner Tante und seinem Onkel reden. Nicht mal zwei Sekunden, nachdem Ben geklingelt hatte, wurde die Tür aufgerissen und er hatte ein siebenjähriges Mädchen im Schlafanzug am Hals hängen, „Ben!“ Perplex wie er war, wäre er beinahe rückwärts nach hinten, die drei Stufen runtergefallen, konnte sich dann aber doch noch halten. Er konnte sehen, wie seine Tante lachend um die Ecke linste. „Sie hat dich schon gesehen, als du den Wagen abgestellt hast.“ „Warum ist sie denn noch auf?“, Ben krächzte ein wenig, da Nele ihm mit ihrer Umarmung die Luft abdrückte, „Sie hat doch morgen Schule.“ Nele sah ihn lachend an, „Nein, muss ich nicht. Die Lehrer haben morgen irgendeine Besprechung und wir haben frei.“ „Na dann.“, sagte Ben und wirbelte Nele herum. „Jetzt komm doch mal erst herein.“, auch Bens Onkel war mittlerweile an die Tür getreten und beobachte lächelnd, wie sehr sich Nele über Bens Erscheinen freute. Nele immer noch auf dem Arm tragend, ließ sich Ben im Wohnzimmer auf der Couch nieder und erst jetzt ließ die Kleine ihn los. „Was machst du hier Ben?“, fragte sie ihn, „Ich wollte mal hören wie es dir geht.“ „Ich freue mich so das du da bist!“


    Etwa eine Stunde lang saßen sie alle vier im Wohnzimmer und unterhielten sich, bis Ben zu Nele sah und bemerkte, dass sie vor Müdigkeit gähnte. Auch Bens Tante Mia war das aufgefallen, „Komm Kleines, ich bringe dich ins Bett.“ Doch Nele schüttelte den Kopf, „Ich möchte das Ben mich ins Bett bringt.“ „Oma bringt dich ins Bett, Nele, Ben kommt gleich noch mal, in Ordnung?“, schaltete sich Opa Willi nun ein, „Ich muss noch kurz mit Ben reden.“ „Also gut, Nacht Opa.“, dann ließ sie sich von Mia ins Bett bringen.


    „Was ist los Ben?“, fragte Willi seinen Neffen, „Nichts, was soll denn sein?“ „Das weiß ich ja eben nicht, deshalb frage ich dich ja. Irgendwie bist du etwas komisch heute.“ „Erwischt“, dachte sich Ben, „Was ist los, du weißt doch das du mit mir und deiner Tante über alles reden kannst.“ „Ach weißt du, ich darf ja eigentlich nicht darüber reden, aber wir ermitteln in einem Fall, der mich sehr an das erinnert, was mit Claire passiert ist. Die Fahrerin, ist zwar nicht tot, aber wahrscheinlich schwer verletzt und noch dazu verschwunden. Sie hat auch eine zweijährige Tochter.“, man konnte die Traurigkeit in Bens Stimme hören und Willi ging zu ihm und legte seine Hand tröstend auf seine Schulter, doch sagen konnte Willi Neustädter nichts, denn auch in ihm kam nun die Erinnerung wieder hoch.


    Währenddessen stand Mia an der Treppe, sie hatte mitbekommen was Ben gesagt hatte, ließ sich aber nichts anmerken und sagte stattdessen, „Ben! Nele möchte, dass du endlich rauf kommst.“ Ben wischte sich über die Augen, „Ich komme.“, dann ging er die Stufen hoch, zu Neles Zimmer. Als er es betrat, sah er, wie Nele dalag und schon auf ihn gewartet hatte. „Soll ich dir noch etwas vorlesen Süße?“ Nele schüttelte den Kopf, ihre Stimme war leise, „Kannst du mir von Mama erzählen? Bitte.“ Ben spürte, wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete. Sie hatte ihn zwar schon oft gebeten von Claire zu erzählen und er hatte es immer getan, schon allein, weil er wollte, dass Nele wusste, was für eine wundervolle Frau ihre Mama gewesen war, doch heute Abend hatte er nicht da,it gerechnet, darüber reden zu müssen, zumindest nicht mit Nele und trotzdem nickte er. Ben lehnte sich ans Rückenteil von Neles Bett und legte einen Arm um sie, während Nele sich an Ben anlehnte. „Also gut. Deine Mama war ein ganz wundervoller Mensch und vor allem eine wundervolle Mutter. Sie hat dich geliebt, über alles und ich bin mir sicher, sie sieht jeden Abend von da oben zu, wenn du einschläfst. Vergiss nie, sie ist immer bei dir, okay?“ Nele nickte und Ben saß einfach nur da und erzählte weiter, solange, bis Claires Tochter eingeschlafen war.

  • Am nächsten Morgen war Ben schon frühzeitig in der PAST angekommen, sogar noch eher als Semir. Als dieser ihr gemeinsames Büro betrat, sah er seinen Kollegen erstaunt an, „Schon da?“ „Was soll das denn heißen?“ Semir lachte, „Das weißt du ganz genau.“ Nun lachte auch Ben. Semir war zwar nicht im Klaren, woran es lag, dass Ben wieder bessere Laune hatte, doch er war froh darüber. Schließlich wusste er nicht, dass sein Partner am vorherigen Abend noch Verwandte besucht und ihm dieser Besuch gut getan hatte. Vor allem das er seit langem mal Nele wieder gesehen hatte.


    „Und womit befassen wir uns als erstes?“, fragte Ben nun an Semir gewandt. Dieser zuckte mit den Schultern, „Was mich am meisten interessieren würde, ist was ist der wirkliche Grund dafür, dass Frau Hansen uns die Vergewaltigung ihrer Tochter verschwiegen hat. Das sie geglaubt hat, es wäre nicht wichtig, weil sie ihre Spuren ‚Ach so toll’ verwischt haben, kaufe ich ihr nicht ab. Irgendetwas steckt da noch hinter.“, Ben nickte zustimmend, „Der Meinung bin ich auch. Aber glaubst du, sie könnte da mit drin stecken?“ „Das weiß ich nicht, aber ich finde es trotzdem merkwürdig.“ „Aber wenn sie etwas mit der Entführung von Stefanie zu tun hat,...“, begann Ben, „...ich meine die Tränen waren doch echt, als wir ihr die Nachricht von der Entführung überbracht haben. Oder meinst du nicht?“ „Es sah zumindest so aus, als ob sie echt wären. Aber du weißt genauso gut wie ich, dass es Menschen gibt, die gerade einen Mord an einem Familienangehörigen begangen haben und im gleichen Moment in dem die Polizei vor der Tür steht um die Todesnachricht zu überbringen, den perfekten Schauspieler raushängen lassen.“ „Auch wieder wahr.“, stimmte Ben zu.


    In Stefanies Wohnung lief Margret Hansen nervös hin und her. Das diese Autobahnbullen die Vergewaltigung herausbekommen hatten, passte ihr ganz und gar nicht. Das konnte ihren ganzen Plan zerstören und dann liefe es wieder darauf hinaus, dass sie wieder nicht das bekam, was sie schon seit dreißig Jahren wollte. Nervös kaute sie auf ihren Nägeln herum, als sie aus dem Babyfon hörte, dass Emma aufgewacht war. Sie lief die Treppe hinauf und holte die Kleine aus ihrem Bett. Emma war bitterlich am weinen, sie spürte, dass nichts so war wie sonst und Margret hatte alle Mühe sie zu beruhigen. „Schhhh, es ist alles gut mein Schatz. Du vermisst deine Mama, was? Ich weiß wie das ist, jemanden so zu vermissen.“ Dann ging sie mit der Kleinen auf dem Arm runter ins Wohnzimmer, dort angekommen setzte sie sie ab und gab ihr das Spielzeug, als es an der Tür klingelte. Margret ging hin und öffnete, vor ihr stand Ralf Bach. Geschockt zog sie ihn in die Wohnung, „Bist du eigentlich wahnsinnig geworden, ich habe dir doch gesagt, dass diese Bullen wahrscheinlich auf der Suche nach dir sind!“, zischte sie ihn an, doch Ralf sah sie nur lächelnd an, „Was ist das denn für eine Begrüßung,...Mama?“


    Zum gleichen Zeitpunkt in der PAST klopfte es an der Tür und Susanne betrat Semirs und Bens Büro, „Stör ich?“, Ben sah auf, „Nein. Was gibt’s?“ „Ich habe hier die Akte über die Vergewaltigung von Stefanie Hansen, sie ist gerade aus Berlin angekommen.“ Auch Semir blickte nun von seiner Arbeit auf, „Gib mal her.“, dann nahm er ihr die Mappe aus der Hand und schlug sie auf, während Susanne das Büro wieder verließ. „Ralf Bach, mittlerweile dreißig, seit ein paar Monaten aus der Haft entlassen...“, murmelte er vor sich hin und sah dann Ben an, der, wie ihm auffiel, ein Gesicht zog, als ob er sich unbedingt an etwas erinnern wollte, „Was ist los?“ Ben schüttelte den Kopf, „Ich weiß auch nicht, aber irgendwie kommt mir der Name von dem Kerl bekannt vor, so als ob ich ihn vorher schon mal gehört hätte. Aber ich weiß einfach nicht, wo das gewesen sein könnte.“ „Tja, da werde ich dir auch nicht viel weiterhelfen können,...“, meinte Semir und überreichte Ben ein Foto von Ralf Bach, „..., aber vielleicht hilft dir das ja weiter.“ Ben nahm das Foto an sich und Semir sah, wie dieser Kreidebleich abzog. „Ben? Alles in Ordnung?“, wieder einmal schwang Sorge in seiner Stimme mit. Als Ben antworten wollte, war seine Stimme nur ein heiserer Hauch, „Ich kenne den Mann.“ Semir sah seinen Partner irritiert an, „Woher?“ Tränen traten Ben in die Augenwinkel, „Vor fünf Jahren hieß er noch Ralf Bacher und wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.“

  • Danke für eure Feeds. Haben mich heute wieder so richtig zum schreiben gebracht! Ihr seid klasse! :thumbsup:



    „Was? Wie kommst du darauf, dass der Kerl früher Bacher hieß und von einer Gefängnisstrafe wegen fahrlässiger Tötung steht hier auch nichts. Vor Stefanies Vergewaltigung ist er nicht auffällig gewesen, er hatte nicht einmal einen Strafzettel bekommen.“, fragend sah Semir Ben an, dabei fielen ihm die Tränen in dessen Augen auf. Ben konnte nur leise antworten, „Ralf Bach heißt in Wirklichkeit Ralf Bacher und hat vor fünf Jahren meine Cousine bei einem Autounfall umgebracht. Er hat ihr damals die Vorfahrt genommen, Claire war sofort tot.“ Semir spürte das es seinen Partner noch immer schmerzte, über den Vorfall zu sprechen. Er stand auf und legte seine Hand tröstend auf Bens Schulter, „Ich bin damals mit meinem Kollegen Andreas zum Unfallort gerufen worden, die Kollegen die schon vor Ort waren, haben mich darüber aufgeklärt, was passiert ist, hatten aber nicht erwähnt, wie die Tote hieß. Dann bin ich rüber zum Gerichtsmediziner, der gerade dabei war ihre Leiche einzupacken und da habe ich dann gesehen das Claire die Tote war. Sie hatte ihre Tochter mit im Auto dabei, Nele hat das ganze aber glücklicherweise überlebt, ohne etwas abbekommen zu haben. Wenigstens eine von beiden...“, fügte er leise hinzu.


    Semir hatte die ganze Zeit einfach nur zugehört, doch jetzt sah er Ben an, „Das tut mir so leid. Aber bist du dir wirklich sicher, dass er das ist Ben?“ Mit vor Wut funkelnden Augen, sah Ben hoch, „Glaubst du ich bilde mir das nur ein? Nein Semir, ich war da, ich habe ihn am Unfallort gesehen, in einem der Polizeiautos, ich habe ihn am Prozesstag gesehen, die ganze Zeit, ich weiß das er es ist, ich weiß es!“ „Okay, ich glaube dir ja.“, erwiderte Semir ruhig und verstärkte den Druck seiner Hand auf Bens Schulter, „Wenn er Stefanie in seiner Gewalt hat, dann müssen wir sie schleunigst finden Semir. Der Kerl hat keine Skrupel. Am Tag des Prozesses, hat er keinerlei Regung gezeigt, keine Reue, nichts. Als sie die Anklageschrift verlesen haben..., nichts und nachher bei der Urteilsverkündung..., er hat nicht mal mit der Wimper gezuckt, als ob ihn das ganze nichts angehen würde. Dabei hat er einem zweijährigen Mädchen die Mutter genommen.“


    Zur selben Zeit saß Ralf Bach in Stefanies Wohnung auf der Couch und unterhielt sich mit Margret. Dabei hielt er seine Tochter Emma auf dem Schoss. „Und? Wie sieht’s aus? Hast du Charly unter Kontrolle?“, wurde er von seiner Mutter gefragt. „Unter Kontrolle? Mama..., unter Kontrolle ist gar kein Ausdruck, die traut sich überhaupt nicht auch nur den Versuch einer Flucht zu unternehmen. Wäre zwar auch nicht möglich, aber trotzdem. Weißt du, ich brauche nur am Reißverschluss meiner Hose rumzufummeln und schon macht sie was ich will.“, er lachte auf und sah seine Tochter an, „Deine Mama hat Angst vor mir, meine Kleine. Kannst du verstehen, warum die Mama Angst vor deinem Papa hat?“ Emma wusste nicht was vor sich ging, aber sie wusste, dass nichts so war wie es sollte. Die Kleine versuchte die ganze Zeit, vom Schoss des ihr fremden Mannes herunterzukommen, doch Ralf hielt sie mit eisernem Griff fest. „Aber auch wenn du sie unter Kontrolle hast, so bin ich doch der Meinung, dass wir das ganze langsam mal zum Ende bringen sollten. Bevor diese Autobahnbullen womöglich noch mehr rausbekommen!“, gab Margret zu bedenken. „Keine Sorge, morgen Abend ist alles vorbei und dann hauen wir von hier ab, zusammen mit der Kleinen hier.“

  • Ben und Semir saßen über die Akte von Ralf Bach gebeugt. Bens Hand war zur Faust geballt, während er den Bericht las und mit jedem Wort mehr, das er las, wurde die Faust fester, bis die Fingerknöchel weiß hervortraten. Semir bemerkte es, doch sagte nichts, bis es an der Tür klopfte und Susanne eintrat. „Semir, du wolltest doch, dass ich diese Margret Hansen mal durchleuchte.“ „Sag bloß du hast etwas gefunden?“ „Jap. Frau Margret Hansen, beziehungsweise damals noch Paul, stand im Verdacht ihren Ehemann umgebracht zu haben.“ Ben sah auf, „Was sagst du da?“ Susanne lehnte sich an, „Vor drei Jahren, kurz nach dem Prozessende gegen Ralf Bach, wollte die Familie Paul von Berlin nach Köln ziehen...“ „Das haben sie ja auch getan.“, meinte Semir und ließ Susanne weitersprechen, „Das schon, aber ohne den Ehemann. Peter Paul wurde einen Tag vor ihrer Abreise nach Köln, von einer Nachbarin leblos im Garten aufgefunden, aber der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die anschließende Obduktion hat dann ergeben, dass Herr Paul an einer Atemlähmung gestorben ist.“ „Er ist also qualvoll erstickt.“, murmelte Ben vor sich hin. „Ja. Aber haltet euch fest wodurch die Atemlähmung verursacht wurde,.........Zyankali!“ „Was?“, Semir und Ben sahen Susanne an.


    „Bei der Obduktion sind dem Gerichtsmediziner hellrote Schleimhautblutungen aufgefallen und die weisen auf Zyankali hin. Bei näherer Untersuchung konnte man das auch bestätigen. Man hat das Gift in einer Wasserflasche nachweisen können, welche neben dem Opfer gelegen hatte. Als er trank hat er das Gift zu sich genommen und bei Zyankali reicht schon die geringste Menge aus um eine Atemlähmung herbeizuführen. Frau Paul wurde verdächtigt, weil Nachbarn aussagten, dass man schon seit Wochen ständig lautes Streiten aus dem Haus der Pauls gehört habe und auch das ein oder andere Mal etwas zu Bruch gegangen sein muss. Man konnte ihr aber nichts nachweisen. Keine Zyankalireste im Haus und an der Flasche keine Fingerabdrücke, außer denen des Opfers.“ Für ein paar Sekunden herrschte stillschweigen im Büro, bis Ben aufstand und seine Jacke nahm, „Ich glaube wir sollten Frau Hansen noch mal einen Besuch abstatten. Erst dieses Rumgedruckse, warum sie uns nicht von Stefanies Vergewaltigung erzählt hat und jetzt diese Geschichte, da ist was ganz arg faul.“ Semir wusste nichts mehr zu sagen, stand ebenfalls auf und nickte seinem Partner zu.


    Stefanie saß noch immer in ihrem Gefängnis, die Beine angewinkelt. Total verstört dachte sie an die Worte von Ralf, „Deine Mutter hat mich gerade angerufen...“ Sie verstand nicht, was ihre Mutter mit dem allen hier zu tun hatte. Wieso sollte ihre Mutter was mit Ralf zu tun haben. Tränen liefen ihr, abermals, über die Wangen. Wann war dieser Alptraum endlich vorbei? Sie wollte nur noch raus hier, sie wollte nach Hause, sie wollte zu ihrer Tochter. Vorsichtig stand sie auf, der Raum war dunkel und das einzige das sie wusste war, dass er keinerlei Fenster hatte. Also tastete sie sich langsam an der Wand entlang, auf der Suche nach der Tür und mit einem Mal berührten ihre Hände den kühlen Türgriff. Stefanie atmete tief ein, sie hatte nur diese einzige Chance rauszukommen. Wenn sie Glück hatte, dann hatte Ralf es für unnötig gehalten, die Tür wieder abzuschließen. Sie hielt die Luft an, als sie vorsichtig den Türgriff runterdrückte und an der Tür zog..., sie öffnete sich. Langsam sah sie um die Ecke, sie war offensichtlich in irgendeinem Keller versteckt worden. An die Wand gedrückt, schlich sie den Gang entlang, bis sie an die Treppe kam.


    Vorsichtig ging sie die Treppe hinauf, zuckte auf und blieb bei jedem Knarren des Holzes stehen. Doch oben rührte sich nichts, es schien alles still zu sein, also ging sie auch die letzten Stufen hinauf. ‚Bitte lieber Gott, lass die Tür auch auf sein, bitte.’, flehte sie im Stillen und drückte auch diese Türklinke herunter und sie hatte Glück. Wieder lugte sie um die Ecke, alles war ruhig. Noch mal atmete sie tief durch und betrat dann den Wohnraum. Sie sah sich um. Wirklich Wohnung konnte man das nicht nennen, alles war heruntergekommen und schmutzig. Offenbar hatte Ralf sie auf einen verlassenen Bauernhof, oder ähnliches gebracht, denn wenn sie aus dem Fenster sah, konnte sie nur Wald und Felder erkennen. Auf Zehenspitzen schlich Stefanie durch die Zimmer, bis sie auf die Haustür traf. Halb aus den Angeln gerissen, war es ein leichtes für Stefanie, über die Reste zu steigen. Ihre Vermutung wurde bestätigt. Als sie sich umsah, konnte sie sehen, dass sie tatsächlich auf einem alten Bauernhof war. Ohne jegliche Orientierung rannte sie Richtung Wald, in der Hoffnung, dass Ralf nicht allzu schnell zurückkommen würde und sie dann doch noch einholte.

  • In etwa zur gleichen Zeit standen Ben und Semir an der Haustür von Stefanies Wohnung und klingelten, im Fenster neben der Tür wurde die Gardine leicht zur Seite gezogen.


    „Was hast du jetzt mit Charly vor?“ „Ich werde einen netten kleinen Ausflug mit ihr machen...“, grinste Ralf, „...ich habe sie auf einem alten Bauernhof versteckt. Dahinter liegt ein riesiges Waldgebiet und dort werde ich sie uns dann endgültig vom Hals schaffen. Bis man ihre Leiche findet sind wir schon lange weg und du und ich wir haben unsere Rache, auf die wir schon so lange warten.“ Plötzlich klingelte es und Margret sah Richtung Tür, „Ich sehe mal eben nach wer das ist.“ Ralf nickte und versuchte Emma zum lachen zu bringen. Doch die Kleine sah ihn nur ängstlich an. Margret hatte inzwischen die Tür erreicht, vorsichtig schob sie die Gardine zur Seite, „Scheiße! Ralf du musst weg, das sind wieder diese Bullen! Schnell durch die Terrassentür!“ Ralf gehorchte, setzte Emma auf den Boden und rannte raus, dabei stieß er gegen einen Tisch und die darauf stehende Vase, fiel laut klirrend zu Boden.


    „Hast du das auch gehört?“, fragte Ben und Semir nickte. „Frau Hansen machen sie auf!“ Doch nichts rührte sich, also trat Ben die Tür kurzerhand auf, sie betraten die Wohnung und Ben konnte gerade noch sehen, wie jemand über die Terrasse flüchtete. Er nahm die Verfolgung auf. Nur für einen Moment drehte sich Ralf zu Ben um, doch dieser Moment reichte, damit er erkannt wurde. „Bacher! Bleiben Sie stehen!“ Dieser dachte jedoch gar nicht daran und rannte weiter und auf einmal war er verschwunden. „So ein Mist! Verdammte scheiße!“, begann Ben zu fluchen, doch es half ja nichts. Er strich sich mit den Händen durchs Gesicht und lief zurück zur Wohnung, wo Semir inzwischen Margret gegenüber saß, „Frau Hansen, was hat Herr Bach hier gemacht?“, aber die Angesprochene schwieg beharrlich. „Frau Hansen, was haben Sie mit Bach zu tun? Reden Sie endlich! Sie wissen schon, dass der Kerl sehr wahrscheinlich Ihre Tochter hat, oder nicht? ...Frau Hansen, sagen Sie endlich etwas!“, doch egal wie Semir auf sie einredete, Margret Hansen sagte nichts. Sie blieb mit verschränkten Armen vor ihm sitzen und sah ihn aus teilnahmslosen Augen an.


    Nun trat Ben zurück ins Wohnzimmer. Emma kam ihm entgegen und ließ sich von ihm auf den Arm nehmen. Sofort fühlte sie sich wieder wohler, als bei dem fremden Mann vorher. Semir sah ihn an, „Entwischt?“ „Entwischt.“, erwiderte Ben enttäuscht und mit einer gehörigen Portion Wut, dann verdunkelte sich seine Stimme noch mehr, beim Blick auf Margret Hansen, „Redet sie?“ Semir atmete hörbar ein, „Leider nein.“ „Dann würde ich doch vorschlagen, dass wir die Befragung auf dem Revier fortführen.“, antwortete Ben finster und ohne große Gegenwehr ließ sich Margret von Semir zum Auto führen. Als er die Tür geschlossen hatte, drehte er sich wieder zu Ben um, „Und was machen wir mit der Kleinen?“ „Wir nehmen sie erst einmal mit und dann soll Susanne sich solange um sie kümmern, wie wir uns Frau Hansen vornehmen, danach sehen wir weiter.“


    In der PAST angekommen, brachte Semir Margret in den Verhörraum, während Ben mit Emma auf dem Arm auf Susanne zuging, „Sag mal, wer ist denn die süße Maus?“, stellte diese auch gleich ihre Frage, als sie die beiden sah, „Das ist Emma, die Tochter von Stefanie Hansen..., Susanne könntest du mir den Gefallen tun und dich ein wenig mit ihr beschäftigen, solange wir Frau Hansen verhören?“ „Ja sicher, kein Problem.“, sie stand auf und nahm Ben das Mädchen ab. „Emma. Die Tante spielt jetzt ein bisschen mit dir.“, lächelte Ben die Kleine an und kitzelte sie am Bauch. Emma musste lachen.


    Im Verhörraum angekommen, setzte sich Ben, Margret gegenüber, während Semir stehen blieb. „So Frau Hansen, jetzt reden wir mal Klartext. Was hatte Ralf Bach in der Wohnung Ihrer Tochter zu suchen?“ Nichts, die Frau blieb stumm. „Dann eine andere Frage, haben Sie Ihren Mann vor drei Jahren umgebracht?“ Kaum das Ben die Frage ausgesprochen hatte, konnte Margret ein Aufzucken ihres Kopfes nicht mehr verhindern, „Frau Hansen, wir wissen das Sie unter dem Verdacht standen Ihren Mann umgebracht zu haben.“ „Dann wissen Sie ja auch sicherlich, dass man mir damals nichts nachweisen konnte.“ In ihren Augen konnte Semir die bloße Kälte erkennen. „Haben Sie etwas mit dem Verschwinden Ihrer Tochter zu tun? Wenn ja, warum?“ Margret lachte auf, „Tochter? Tolle Tochter.“ Ben sah Semir an, aus Hansens Stimme konnte man den sarkastischen Unterton deutlich raushören.


    „Sie wollen wissen was ich mit Ralf Bach zu tun habe? Ob ich für den Tod meines Mannes verantwortlich bin? Ob ich etwas mit dem Verschwinden von Stefanie zu tun habe? Und wenn ja, warum? Gut, meinetwegen. Ich habe so oder so nichts mehr zu verlieren.“, Margret lehnte sich zurück und verschränkte die Arme ineinander.

  • „Ralf Bach ist mein Sohn!“ „Wie bitte? Was haben Sie da gerade gesagt?“, Semir und Ben sahen sich an, „Wenn ich reden soll, dann sollten sie sich Ihre Kommentare sparen, ansonsten kann ich auch ganz schnell wieder verstummen.“, drohte ihr Gegenüber und Semir nickte zum Zeichen, dass sie weitersprechen sollte, „Ralf ist aus einem One-Night-Stand entstanden. Als mein Mann das damals herausgefunden hat, hat er mir mit der Scheidung gedroht, sollte ich das Kind nach seiner Geburt nicht zur Adoption freigeben. Er wollte kein Kind in seiner Familie akzeptieren, das von einem anderen Mann stammte. Da ich meinen Mann geliebt habe, habe ich zugestimmt. Ralf wurde von einem Ehepaar adoptiert, die gute Freunde von meiner Freundin gewesen sind, dadurch hatte ich auch weiterhin die Chance ihn zu sehen. Natürlich ohne das Peter davon wusste.“, ihre Stimme war leise und warm geworden, doch als sie weiter sprach, war die Kälte zurückgekehrt. „Sieben Jahre später eröffnete er mir, dass er schon seit längerer Zeit eine Affäre gehabt habe und diese Frau von ihm schwanger war. Offenbar hatte sie eigentlich vorgehabt, dass Baby abzutreiben, aber Peter hat sie überreden können das Kind auszutragen und ihm zu überlassen. Ich habe Charlotte später adoptiert, auf Wunsch meines Mannes. Ich konnte mich nie damit abfinden, dass dieses Mädchen in unserer Familie sein durfte, wohingegen ich meinen Sohn weggeben musste. Von Jahr zu Jahr wurde mein Hass auf sie größer, doch sie durfte ja nichts merken. Sie weiß bis heute nicht, dass sie von mir nur adoptiert wurde. Ich habe meinen Hass immer mehr auf Ralf übertragen bis er irgendwann die Vergewaltigung begangen hat.“


    Ben und Semir saßen daneben und sahen sich immer wieder an, sie konnten kaum glauben was sie da zu hören bekamen, doch da sie ahnten, dass Margret Hansen noch lange nicht fertig war mit ihrem Geständnis, sagten sie nichts und ließen sie weiterreden.


    „Ralf hatte ihr klar gemacht, dass sie mit niemandem darüber reden durfte. Doch als Stefanie merkte, dass sie schwanger war, ging sie zu der Person, der sie in dem Moment am meisten vertraute..., mir! Ihrer Mutter, wie sie glaubte. Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt keine Ahnung davon, dass Ralf so etwas vorhatte, als sie es mir jedoch erzählte und mir den Mann der sie vergewaltigt hatte, beschrieb, da wusste ich, dass es sich um Ralf handelte. Also habe ich ihr meinerseits eingeschärft die Sache für sich zu behalten. Doch dieses kleine Miststück ist kurz danach zu ihrem Papi gerannt und hat ihm alles erzählt. Als er dann auch noch von ihr erfuhr, dass sie es mir ebenfalls gesagt hatte, stellte er mich zur Rede. Er wollte wissen, warum ich Stefanie gesagt habe, sie solle es für sich behalten, anstatt mit ihr zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten.“, ihre Stimme zitterte mittlerweile vor Wut. „Ich habe ihm dann erzählt, dass es mein Sohn war, der Stefanie vergewaltigt hat. Peter ist vor Wut fast an die Decke gegangen. Er hat mich angeschrieen und von mir verlangt, meinen eigenen Sohn anzuzeigen. Wenn ich es nicht getan hätte, dann hätte er es gemacht. Wie sie wahrscheinlich wissen, hat Ralf drei Jahre bekommen. Ich habe Peter dafür gehasst! Ich durfte meinen Sohn nicht behalten und musste ihn dann auch noch in den Knast bringen. Ich wollte Peter los werden. Ich habe mir Zyankali besorgt, es in seiner Wasserflasche aufgelöst und es ihm draußen in den Garten gestellt. Es hat keine Minute gedauert, da war alles vorbei. Nachdem unsere lieben Nachbarn dann ausgesagt hatten, dass es bei uns in der letzten Zeit öfters laut geworden war, bin ich natürlich im Verdächtigenkreis auf Platz eins gestiegen, doch man konnte mir nichts nachweisen.“, sie lachte leise, „Aber jetzt hatte ich natürlich immer noch Charlotte als Anhängsel, ich bin mit ihr nach Köln gezogen, wie es geplant gewesen war, sie hat meine Enkelin geboren und ich habe so getan, als ob alles gut wäre. So schwer es mir auch fiel, ich wusste, der Tag der Rache würde kommen, es hat eine Weile gedauert, aber...“, wieder lachte sie auf, „..., jetzt ist der Tag da.“


    Ben und Semir sahen angewidert auf die Frau die dort vor ihnen saß. Er rang mit sich, doch schlussendlich konnte Ben nicht anders als die Frage zu stellen, die ihm noch auf der Seele brannte, „Haben Sie gewusst, dass ihr Sohn vor fünf Jahren, hier in Köln, einen Verkehrsunfall herbeigeführt hat, bei dem eine zwanzigjährige, alleinerziehende Mutter ums Leben gekommen ist und das er damals Bacher mit Nachnamen hieß?“ „Das war noch ein Grund mehr meinen Ehemann zu hassen. Er hat meinen Sohn zum zweiten Mal innerhalb von kurzer Zeit in den Knast gebracht. Ralfs Adoptivfamilie hieß Bacher. Bach heißt er erst seit er die zweijährige Haftstrafe dafür abgesessen hat und wieder nach Berlin gekommen war. Hätte er den Kerl nicht gedeckt, dann wäre er wenigstens nicht allein in den Knast gewandert.“, Ben sah sie fragend an, er konnte sich auf die letzten Worte keinen Reim machen, „Was meinen Sie mit gedeckt?“ „Ich meine damit, dass es kein Unfall war, es sollte nur so aussehen.“ Semir bemerkte, wie sich Bens Augen vor Entsetzten weiteten, hatte dieser doch immer angenommen, dass es tatsächlich nur ein Unfall gewesen war, auch wenn er Ralf Bach über alle Maßen haste, für das was er getan hatte, doch jetzt steigerte sich seine Wut ins unermessliche, während Margret weitersprach, „Ein Kumpel hatte ihn darum gebeten, der Ex-Freund von der Frau die umgekommen ist. Anscheinend war das Kind nicht von ihm, sondern von einem anderen. Die kleine Schlampe hatte ihn betrogen und das wollte er nicht auf sich sitzen lassen.“, Bens Hand ballte sich zur Faust, als Hansen das Wort ‚Schlampe’ aussprach und wäre ihr beinahe an die Gurgel gegangen, wenn Semir ihn nicht davon abgehalten und ihn rausgeführt hätte. „Sie war meine Cousine und keine Schlampe.“, zischte er ihr zu, als er an ihr vorbei ging.


    Als Semir die Tür zum Verhörraum hinter sich geschlossen hatte, lehnte Ben an der Wand an und vergrub sein Gesicht in den Händen. „Ich habe immer gedacht es wäre ein Unfall gewesen, Semir und jetzt erfahre ich, dass es Mord war.“, er begann zu schreien, „NACH FÜNF VERDAMMTEN JAHREN, ERFAHRE ICH DAS ES MORD WAR!“, dann sackte er kraftlos, mit dem Rücken an der Wand entlang, zu Boden. Semir hörte die Verzweiflung in der Stimme und sah die Tränen in den Augen seines Partners. Er hockte sich neben ihn und legte seine Hand auf seine Schulter, während Ben lautlos in seine Hände weinte.

  • Hier ist dann mal der nächste Teil, lasst mir bitte FEEDS da! :D



    Immer noch rannte Stefanie so schnell es ging zwischen den Bäumen hindurch. Sie wusste nicht wohin sie lief, sie wusste nur eines, wenn sie stehen bliebe, würde Ralf sie schneller finden, als es ihr lieb war. Und trotzdem, langsam spürte sie die Müdigkeit in ihr aufkommen, ihre Beine wurden schwer, atmen konnte sie nur noch stoßweise. Zu allem Überfluss wurde es mittlerweile auch noch dunkel, was ihr die Orientierung noch schwerer machte. Doch irgendwann konnte sie einfach nicht mehr, sie lehnte sich an den Stamm eines großen Baumes und schaffte es wieder normal durchzuatmen. Sie horchte und versuchte herauszufinden, ob Ralf sie vielleicht schon suchte. Es war ruhig, nicht mal ein rascheln war zu hören. Erleichtert atmete sie nochmals durch, bevor sie langsam weiter lief. Plötzlich blieb sie stehen, irgendetwas war da. Dem Geräusch nach zu urteilen, lief sie geradewegs auf eine Straße zu...


    Ralf saß im Auto und fuhr zurück zum Bauernhof. Er war am überlegen, woher er das Gesicht des Mannes, der versucht hatte ihm zu folgen, kannte, als es ihm wie Schuppen von den Augen fiel – der Typ war der Cousin dieser kleinen Neustädter, die er für seinen Kumpel erledigt hatte. Er lachte, dann schweiften seine Gedanken zu Stefanie ab. Er freute sich schon darauf ‚seine Charly’ wiederzusehen, er wollte es noch einmal tun, bevor es zu Ende sein würde. Doch je näher er dem Hof kam, desto mehr bekam er das Gefühl, dass etwas nicht stimmte, er trat aufs Gas und kam nur zehn Minuten später, schlitternd zum Stehen. Er sah sich um, nachdem er ausgestiegen war, alles schien wie es sollte und doch..., er trat durch die kaputte Haustür und ging Richtung Keller, als ihm die offen stehende Tür auffiel, „Shit!“, stieß er einen leisen Fluch aus und rannte hinunter, aber Stefanie war nicht mehr da.


    In Panik wählte er die Nummer seiner Mutter, er hoffte, dass die Bullen sie nicht mitgenommen hatten, oder sie laufen lassen mussten und sie zu Hause war, doch nach dreimaligem Durchklingeln meldete sich nur der Anrufbeantworter, „Verdammt! Mama, wenn du das hörst, ruf mich zurück. Wir haben ein Problem. Charly ist abgehauen!“, schrie er ihr auf Band und legte auf, dann rannte er wieder auf den Hof, sah sich um und beschloss in den Wald zu rennen, um sie dort zu suchen.


    Zwischenzeitlich hatte Semir, Hotte und Dieter zu Margret Hansen geschickt, die beiden nahmen sie fest. Als sie an Ben und Semir vorbei geführt wurde, flüsterte sie ihm noch ein, „Und sie war doch eine Schlampe.“, zu, doch Semir hatte seinem Partner schon vorsichtshalber eine Hand auf die Schulter gelegt, um ihn Notfalls davon abzuhalten etwas zu tun, was ihm später wahrscheinlich leid tun könnte. Ben war allerdings wieder erstaunlich ruhig und machte gar nicht erst die Anstalten etwas zu erwidern, oder zu tun. Für ihn zählte jetzt nur noch eins, „Sie wird uns bestimmt nicht sagen, wo Bach Stefanie versteckt hält. Semir, wo sollen wir sie suchen? Wenn Bach auch nur halb soviel Hass auf sie hat wie seine Mutter, dann wird sie nicht mehr lange leben, dann setzt er dem ganzen jetzt ein Ende.“, er sah Semir eindringlich an, dieser nickte, „Ich weiß.“


    Als sie wieder in ihr Büro gehen wollten, sahen sie, wie Susanne immer noch mit Emma spielte. Mit traurigem Blick auf die Kleine wandte sich Ben an Semir, „Was machen wir mit ihr, bis wir Stefanie, hoffentlich lebend, gefunden haben?“ „Susanne wird sich mit dem Jugendamt in Verbindung setzen und die werden sich solange um sie kümmern.“ „Das hat die Kleine nicht verdient.“, sagte Ben leise und musste an Nele denken, sie hatte damals das Glück gehabt, dass sie Großeltern hatte, die sie bei sich aufnahmen. Aber Emma hatte niemanden, wenn sie ihre Mutter nicht lebend finden würden. „Ich weiß Ben, kein Kind hat so was verdient. Aber wir werden Stefanie finden. Wir fahren jetzt erst mal wieder zu ihrer Wohnung, vielleicht finden wir dort irgendeinen Hinweis darauf, wo Bach sie versteckt haben könnte.“, Semir schnappte sich den Schlüssel für seinen BMW und die beiden fuhren los.


    Dort angekommen, sah Semir als erster, dass die Anzeige des Anrufbeantworters blinkte. Er drückte den Knopf, Sie haben zwei neue Sprachnachrichten. Nachricht eins, empfangen gestern, 7 Uhr 49: „Hey Steffi, ich bin’s Nina Müller. Schade, du scheint’s schon weg zu sein, kannst dich ja mal bei mir melden, es geht um unser Klassentreffen. Vielleicht bis dann mal. Ciao.“; Nachricht zwei, empfangen, heute 19 Uhr 34: „Verdammt! Mama, wenn du das hörst, ruf mich sofort zurück. Wir haben ein Problem! Charly ist abgehauen!“; es liegen keine weiteren Nachrichten vor.’ „Na das ist doch mal ne Nachricht. Das Problem ist nur, dass wir immer noch nicht wissen, wo Stefanie ist.“, stieß Semir aus, nachdem sie die Nachrichten abgehört hatten.

  • So und da haben wir dann den nächsten Teil, hoffe er gefällt euch! Ach ja, danke für die Feeds! :D



    Ben sah sich in der Wohnung um, er wusste nicht nach was er genau suchte. Aber er war sich sicher, dass er hier irgendwo einen Hinweis auf Stefanies Verbleib finden würde. Auch Semir sah sich um und er spürte, dass Bens Wille Stefanie zu finden, noch viel größer geworden war, seit sie von Margret Hansen alles über die Umstände ihrer Entführung erfahren hatten. Doch so sehr sie auch suchten, finden konnten sie nichts.


    Mit Müdigkeit in den Augen, lehnte Ben an der Tür der Terrasse und stierte raus auf den Rasen. Dieser Fall hatte Ausmaße angenommen, mit denen er nicht gerechnet hätte. Er wäre nie auf die Idee gekommen, dass er Ralf Bach in seinem ganzen Leben, jemals wieder sehen würde. Und nun? Nun mussten sie Stefanie finden, bevor Ralf es tat und Emma mit Nele das gleiche Schicksal teilen müsste.


    Semir trat neben ihn und legte ihm eine Hand auf die Schulter, als Ben auf einmal aufsah und auf den Rasen hinaus ging. Er bückte sich und hob etwas auf. „Was ist das?“, wurde er von Semir gefragt. „Eine Karte.“, Ben faltete sie auseinander, „Semir sieh dir das an. Irgendjemand hat hier drei verschiedene Stellen markiert und ich würde sagen, dieser jemand könnte eventuell Bach sein. Vielleicht hat er die Karte verloren, als er vor mir abgehauen ist.“ Er gab die Karte an Semir weiter, dieser sah sie sich an und nickte, „Wäre möglich. Sieh mal, die markierten Stellen liegen alle außerhalb von Köln. Vielleicht hat er sich an diesen Stellen nach einem passenden Versteck für Stefanie umgesehen und mit etwas Glück ist wirklich einer der Orte Stefanies derzeitiger Aufenthaltsort.“ „Wir sollten zur PAST fahren und Susanne checken lassen, was sich an den Stellen befindet.“, schlug Ben vor und machte sich bereits auf den Weg zum Wagen.


    In der PAST angekommen, übergaben die beiden ihren Fund direkt an Susanne, die sich sofort an die Arbeit machte. Nur zehn Minuten später stand sie mit den gefundenen Orten bei Ben und Semir im Büro, „Alle drei markierten Stellen sind Bauernhöfe, die schon seit Jahren nicht mehr bewirtschaftet werden, dementsprechend leer stehen und als Versteck für eine Entführte sehr dienlich sind.“, sie übergab Semir einen Zettel, „Hier sind die Adressen.“ Semir sah Ben an, der schon aufgesprungen war, „Zwei der Höfe liegen sehr dicht beieinander, die sollen Hotte und Dieter übernehmen, um den anderen kümmern wir uns, Ben!“, der Angesprochene nickte zustimmend und Semir wandte sich an Susanne, „Gib den Kollegen vom SEK Bescheid, sie sollen zur Verstärkung anrücken, wer weiß welche Mätzchen Bach veranstaltet, sollten wir ihn finden.“ Susanne nickte, „Mach ich.“, dann verließ sie das Büro, gefolgt von Semir und Ben. Sie gaben Hotte und Dieter Bescheid, welche sich kurz darauf auf den Weg machten, bevor sie selbst sich aufmachten Stefanie endlich zu finden.


    Stefanie konnte nicht mehr, immer wieder sackten ihr die Beine weg. Sie hörte, dass die Straße, die sie gehört hatte, nicht mehr weit entfernt war. Diese wollte sie unbedingt erreichen und trotz ihrer schweren Beine lief sie immer weiter, bis sie irgendwo hinter sich einen Schuss hörte. Ein einziger Gedanken fuhr ihr in den Kopf, ‚Ralf!’ Offenbar hatte er ihr Verschwinden bemerkt und wollte ihr nun zu Verstehen geben, dass sie keine Chance hätte und er sie finden würde. Ihre Panik wuchs wieder ins unermessliche und ihre Beine begannen erneut zu rennen, bis sie plötzlich einen Widerstand spürte, der Länge nach hinfiel und aufschrie. Ihr Fuß schmerzte höllisch. Sie war über die dicke Wurzel eines Baumes gestolpert und hatte sich ihren Fuß dabei verstaucht, angeknackst, gebrochen, Stefanie wusste es nicht, doch der Schmerz war fast unerträglich. Dennoch versuchte sie aufzustehen, knickte aber vor Schmerz sofort wieder ein. Sie versuchte es noch mal und noch mal, aber immer wieder knickte sie ein. Langsam lehnte sie sich mit dem Rücken an den Baumstamm an und wieder traten ihr Tränen in die Augen. Sie wusste, ihr blieb nichts anderes übrig, als hier sitzen zu bleiben und auf ihr Schicksal zu warten, welches offenbar nicht mehr weit entfernt war, denn wieder konnte sie einen Schuss vernehmen und er war deutlich näher an ihr dran, als der erste.


    Ralf lief durch den Wald, mit einer Taschenlampe leuchtete er sich seinen Weg, er ärgerte sich über seine eigene Dummheit. Wie hatte er nur annehmen können, dass Stefanie nicht versuchen würde, abzuhauen. Klar sie hatte Angst vor ihm, aber das hatte sie auch schon bei ihrer ersten Begegnung mit ihm gehabt und trotzdem war sie, erst zu ihrer ‚Mutter’ und dann zu ihrem Papi gerannt und hatte ihr von dem Typen erzählt, der sie vergewaltigt hatte. Aber das war jetzt auch egal, jetzt ging es nur darum, sie zu finden und allem ein Ende zu bereiten. Er nahm seine Waffe aus dem Hosenbund und lud sie, dann zielte er nach oben und schoss. Er lachte leise, denn er wusste, wenn sie hier rein gerannt war, dann hätte sie ihn gehört und ahnte, dass er ihr auf den Fersen war. Der Lichtkegel seiner Taschenlampe beleuchtete erneut den Waldboden, als Ralf weiter rannte. Plötzlich blieb er stehen, er hatte einen Aufschrei gehört. Wieder lachte er leise, denn er war sich sicher, das konnte nur Stefanie sein und er schoss ein zweites Mal in die Luft. Anschließend lief er langsam in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war und sagte gefährlich leise zu sich selbst, „Jetzt hab ich dich. Du entkommst mir nicht mehr! Meine kleine Charly!“

  • Semir hatte den Wagen gerade mehr oder weniger zum stehen gebracht, als Ben auch schon halb rausgesprungen war. Semir hielt ihn am Arm fest, „Ben. Nicht so hastig. Willst du ihn sofort warnen, wenn er hier sein sollte?“ „Ist ja schon gut, komm endlich.“, gab dieser zur Antwort und zog seine Waffe. Semir tat es ihm gleich und gemeinsam gingen sie langsam auf das Haus zu. Als sie am Haus entlang sahen, entdeckten sie Ralfs Wagen. Dann gingen sie vorsichtig Richtung kaputte Haustür. Ben war der erste, der über sie hinüber stieg. Langsam wagte er sich weiter vor, während Semir ihm folgte. Dann betraten sie die Küche, „Bach war auf jeden Fall hier, sieh mal, das Brot ist noch ziemlich frisch.“ Sie gingen weiter, als Semir die Tür zum Keller entdeckte. „Ich gehe runter und sehe mich um. Du bleibst hier Ben und achtest darauf, ob wir ungewollten Besuch bekommen.“, Ben wollte protestieren, doch dann sah er ein das dies das Beste war, bevor Bach womöglich zurückkam und sie hinterrücks erschießen würde, weil sie ihn nicht bemerkten, also nickte er.


    Vorsichtig schlich Semir die Treppe hinunter, die Waffe notfalls zur Verteidigung im Anschlag. Unten angekommen sah er die offenstehende Tür, zu Stefanies Gefängnis. Mit der Waffe voran betrat er den Raum. Da sich hier aber niemand befand, ließ er sie wieder sinken. Er schaltete das Licht ein und sah eine blutige Jacke auf dem Boden liegen. ‚Das ist mit Sicherheit Stefanies.’, dachte er bei sich, als er Bens Stimme von oben hörte. Die Waffe wieder gezückt rannte er die Stufen hoch, doch Ben sah ihn nur fragend an, als er so oben ankam. „Was ist los?“, fragte Semir halb außer Atem.


    „Hotte hat gerade angerufen! Sie haben auf keinem der Höfe etwas ungewöhnliches gefunden, nur jede Menge Staub. Sie sind jetzt auf dem Weg hierher.“, Semir nickte, da unten habe ich eine Jacke gefunden, die Stefanie passen könnte, außerdem war sie ziemlich Blutverschmiert.“ „Dann war sie auf jeden Fall hier.“, meinte Ben, „Glaubst du sie hat sich selbst befreien können?“ „Ich weiß es nicht, ich hoffe es.“ „Hier ist sie jedenfalls nicht mehr. Was wenn Bach mit ihr irgendwo hin ist, wo er sie erledigen kann?“ Semir blickte sich im Raum um und sah dabei aus dem Fenster, „Was wenn sie in den Wald sind? Wenn er sie umbringen will, wäre das der beste Ort dafür.“


    Schnell traten sie aus der Haustür und liefen in Richtung Wald, als sie einen Schuss fallen hörten. „Scheiße!“, stieß Ben aus und beschleunigte seine Schritte, ebenso wie Semir. Sie waren halb im Wald, als sie einen zweiten Schuss hörten. Sie mussten immer wieder über Baumwurzeln springen, oder Steinen ausweichen, damit sich ihre Schritte nicht verlangsamten. Beide spürten sie langsam, wie Seitenstiche aufzogen, doch sie ignorierten sie, als plötzlich Bens Handy klingelte. Noch während er rannte, nahm er so schnell wie möglich ab, in der Hoffnung, dass Bach das Klingeln nicht gehört haben mochte. Wieder war Hotte dran, der wissen wollte, wo sie waren. Schnell erklärte er ihnen, dass sie in den Wald gelaufen waren und Hotte versprach mit den SEK-Beamten hinterher zu kommen.


    Ralf war nur noch wenige Meter von Stefanie entfernt. Sie konnte hören wie seine Schritte näher kamen. Zitternd versuchte sie sich so klein wie möglich zu machen, damit er sie nicht hinter dem Baum entdeckte. Vor Angst konnte sie nicht mehr ruhig atmen, ihr Herz raste, sie wusste, wenn jetzt nicht ein Wunder geschah, dann wäre es das gewesen, dann wäre es aus und vorbei. Ihre Gedanken drehten sich dennoch nur noch um ihrer Tochter, sie fragte sich, was aus Emma werden würde, wenn sie es nicht schaffen würde. Denn wenn ihre Mutter wirklich etwas mit alledem zu tun hatte, dann wollte sie auf keinen Fall das ihr kleiner Schatz, dort aufwuchs. Doch den Gedanken, ihre Mutter würde wirklich mit Ralf Bach unter einer Decke stecken, verwischte sie schnell wieder. Das konnte nicht sein, Ralf hatte das bestimmt nur gesagt, um sie noch ängstlicher zu machen, als sie zu dem Zeitpunkt sowieso schon gewesen war. Aber ein leiser Zweifel blieb doch.


    ‚Gleich habe ich sie. Charly ich bin gleich bei dir, meine Süße.’, er konnte regelrecht hören, wie sie stoßweise atmete. Er spürte, dass er nur noch einen Steinwurf von ihr entfernt war und das seine Erregung immer größer wurde. Nur noch einen kleinen Augenblick und er würde dem Ganzen ein Ende machen. Seine und die Rache seiner Mutter würde vollkommen sein. Seine Finger umgriffen die Waffe in seiner Hand noch fester, als er sah, das sich hinter einem der Bäume etwas bewegte. „Charly.“, rief er leise und in einem, im Normalfall, beruhigenden Ton. „Hey meine Kleine, warum bist du denn einfach abgehauen? Du wolltest mich doch nicht allein lassen, in diesem schönen kleinen Haus. Wir wollten doch zusammen einen Spaziergang durch den Wald machen. Du konntest es wohl nicht mehr erwarten.“, in seiner Stimme spiegelte sich der Wahnsinn wieder, er lachte leise auf, zielte auf den Baum und schoss.

  • Die Story läuft auf ihr Ende zu...
    Nicht heute, aber morgen...
    Aber jetzt erst mal viel Spaß mit diesem Teil... :D



    Er hatte mit Absicht neben den Baum geschossen, damit Stefanie merkte, dass er bei ihr war. Sie schrie erneut auf. Ralf trat nun genau neben den Baum und blieb dort stehen, seinen Blick nach vorn gerichtet. Stefanie saß auf dem Boden und konnte sich nicht rühren. Sie schluchzte und mit angsterfüllten Augen sah sie zu ihrem Peiniger hoch, dessen Stimme wieder dunkel wurde und der Zorn, der ihn ihm wieder aufgekommen war, war zu hören, als er weitersprach, „Das hättest du einfach nicht tun sollen Charly. Wir hätten noch bis morgen Abend soviel Spaß miteinander haben können, aber jetzt...“


    Ben und Semir rannten, was ihre Lungen noch hergaben, als sie ganz in ihrer Nähe den dritten Schuss vernahmen. „Wir müssen ziemlich dicht an ihm dran sein.“, meinte Ben und beide verlangsamten ihre Schritte. Sie konnten hören, wie Ralf mit Stefanie sprach und sie vor Verzweiflung schluchzte. Sie zogen ihre Waffen und gingen langsam in die Richtung, aus der die Stimme kam. Mittlerweile war auch der Mond aufgegangen, bahnte sich seinen Weg durch die Bäume und erhellte den Waldboden. Immer weiter pirschten sie sich an Ralf heran, als sie ihn im Mondlicht sahen. Ralf hatte bis dahin nicht bemerkt, was hinter seinem Rücken vorging. Doch dann passte Ben für einen Augenblick nicht auf und stolperte über eine Wurzel. Zwar konnte er sich noch abfangen, aber ihm entfuhr ein, „Shit!“, und Ralf hörte ihn.


    Erschrocken drehte er sich zu Ben und Semir um, doch dann reagierte er blitzschnell. Er zog Stefanie hoch, die vor Schmerz aufschrie, und hielt ihr die Waffe an die Schläfe, „Bleibt wo ihr seid. Waffen weg, oder die Kleine bekommt schneller als ihr gucken könnt, ne Kugel in ihren süßen Kopf.“ Ben sah, wie Stefanie Tränen über die Wangen liefen, dann sah er zu Semir, dieser nickte und langsam legten sie ihre Waffen auf den Waldboden. Ralf lachte, „Na geht doch. Warum denn nicht gleich so?“ „Bach, das bringt doch nichts. Unsere Kollegen sind wahrscheinlich schon hier im Umkreis, Sie haben doch keine Chance, lassen Sie sie los.“, Ben hatte eine Unmenge an Wut in sich, schaffte es aber doch irgendwie, ruhig mit Bach zu reden, „Sie haben doch schon zweimal über gesessen. Wollen Sie jetzt einen Mord begehen, für den Sie noch länger sitzen werden, als Sie es bisher getan haben? Bislang haben Sie ‚nur’ wegen fahrlässiger Tötung und schwerer Vergewaltigung gesessen. Die Zeit die Sie dafür absitzen mussten, ist nichts im Gegensatz zur Haftstrafe für Mord.“, immer noch war Bens Stimme erstaunlich ruhig. Semir wunderte sich, dass er mit keinem Wort erwähnte, dass er wusste, dass die fahrlässige Tötung eigentlich Mord war. Offenbar wollte er ihn in Sicherheit wähnen.


    Doch Ralf schien das ganze nicht sonderlich zu beeindrucken, noch immer drückte er Stefanie die Waffe fest an den Kopf, „Egal wie, in den Knast komme ich sowieso. Allein wegen der Entführung und weil diese kleine Schlampe hier, wieder gegen mich aussagen wird. Also kann ich sie auch gleich umlegen und euch mit, dann lohnt es sich wenigstens.“ Ben ertrug es kaum, zu hören wie Ralf sprach, so ganz ohne Emotion. Seine Stimme kalt wie ein Eisblock. „Bach, Stefanie hat eine Tochter, dass wissen Sie. Ihre Tochter. Sie können ihr nicht die Mutter nehmen.“ „Ihr wisst also, dass die Kleine von mir ist. Wie habt ihr es herausgefunden?“, fragend sah er Ben und Semir an, dann fiel bei ihm der Groschen, „Sie haben mit Margret gesprochen. Sie haben mit meiner Mutter gesprochen! Wie haben Sie sie dazu gebracht es Ihnen zu sagen, haben Sie sie ordentlich unter Druck gesetzt?“ „Sie haben Recht Bach, Ihre Mutter hat es uns erzählt. Aber nicht, weil wir sie zu irgendetwas gezwungen haben, sondern aus freien Stücken. Sie war der Meinung, dass sie nichts mehr zu verlieren hätte.“, erklärte Ben.


    Stefanies Augen hatten sich, während Ben und Ralf miteinander sprachen, vor Entsetzten geweitet, „Was meinst du damit? Was meinst du damit, dass Mama deine Mutter ist?“ Da Ralf noch immer die Waffe gegen ihre Schläfe gedrückt hielt, wagte es Stefanie nicht ihren Kopf in seine Richtung zu drehen, doch ihr Tonfall sprach Bände. Ralf begann zu lachen und seine Stimme wurde noch rauer, „Sie ist nicht deine Mutter! Margret Hansen ist meine Mutter. Meine Mutter, die dein Vater mir weggenommen hat! Mama und ich haben lange auf diesen Tag gewartet, den Tag an dem wir uns endlich rächen können. Und der ist nun gekommen!“, langsam krümmte sich sein Finger um den Abzug. Ein Schuss löste sich...

  • So ihr Lieben, habe mich gestern Abend noch hingesetzt, um den restlichen Teil zu schreiben.
    Ich hoffe, dass er euch zusagen wird. :D
    Danke für die lieben Feeds und viel Spaß beim lesen!



    Ben sah, das Ralf abdrücken wollt. Er zögerte nicht lange, griff nach seiner Waffe, die noch immer auf dem Waldboden lag und zielte. Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte er, ob er mit seinem Schuss nicht dem allen endgültig ein Ende bereiten sollte. Doch dann besann er sich eines besseren, er wäre kaum einen Deut besser, als Ralf, wenn er das nun tun würde. Also zielte er neu, drückte ab und traf Ralfs rechten Arm. Dieser schrie auf, und fiel mit schmerzverzerrtem Gesicht in sich zusammen. Ihm fiel die Waffe aus der Hand und seine linke drückte er auf die Wunde an seinem Arm. Dann ließ Ben seine Waffe fallen, rannte auf Stefanie zu und fing sie auf, als sie zusammenbrach, weil sie sich auf ihrem verletzten Fuß nicht allein halten konnte. Semir nahm Bachs Waffe an sich. Hinter ihnen konnten sie Hottes Stimme hören, „Ben! Semir! Seid ihr in Ordnung?“ „Uns geht es gut.“, dann nickte er Richtung Bach, „Nehmt ihn fest. Und Dieter, ruf bitte einen RTW.“ Sowohl Dieter, als auch Hotte nickten, „Wird erledigt.“


    Ben hielt die zitternde und weinende Stefanie im Arm und strich ihr beruhigend über die Haare, „Es ist vorbei. Er wird Ihnen nichts mehr tun können.“ Kurze Zeit darauf traf der RTW ein und die Sanitäter kümmerten sich um Stefanies weitere Versorgung. Bevor sie sie in den Wagen schoben, sah sie Ben an, „Wo ist Emma?“, fragte sie ihn leise, „Ihr geht es gut. Die Leute vom Jugendamt haben sich um Emma gekümmert. Sie werden die Kleine zu Ihnen bringen.“ „Danke.“, sagte sie noch und brachte ein kleines Lächeln zustande, bevor sich die Türen des RTW schlossen.


    „Alles klar?“, Semir war neben seinen Partner getreten und sah ihn an, während dieser nun mit vor Wut funkelnden Augen Richtung Ralf Bach sah. „Gleich wird es mir zumindest besser gehen.“, meinte er dennoch ruhig und ging auf den Streifenwagen zu, in welchem Bach auf die Abfahrt wartete. Etwa eine Minute lang stand Ben einfach nur da und sah Ralf an. Dieser beachtete ihn überhaupt nicht. Alles was er tat war grinsen. Man konnte Ralf ansehen, dass er sich sicher war, wieder mit einer Haftstrafe von vielleicht vier oder fünf Jahren weg zu kommen und dann würde er es eben erneut versuchen.


    Ben brachte diese Ruhe zum Kochen. Doch anstatt seinem Gegenüber eine rein zu hauen, lehnte er sich einfach an den Wagen an und beugte sich dann zu Bach hinunter, „Wenn du glaubst, dass du mit ein paar Jahren davon kommst, dann hast du dich getäuscht.“, noch immer war seine Stimme ruhig und Semir wunderte sich wie schon zuvor, wie ruhig Ben blieb. Semir wusste, er würde durchdrehen und Bach eine reinhauen, er könnte nicht so ruhig dabei bleiben, aber Ben schaffte es irgendwie, „Deine liebe Mutter hat uns netterweise erlaubt, etwas sehr Interessantes mit aufnehmen zu dürfen, während sie ihre Aussage gemacht hat. Wir wissen das die fahrlässige Tötung keine war. Wir wissen das es Mord war und für Mord gibt es mehr als nur ein paar Jahre.“


    Bachs Gesichtszüge entglitten ihm. Das gerade noch grinsende Gesicht, wurde zu einer entsetzten Fratze, damit hatte er nicht gerechnet. Ben fiel das auf, nun war er es der grinste, „Ein schönes Leben wünsch ich noch.“, damit ließ er Ralf zurück.


    „Besser?“, auch Semir grinste, „Absolut!“



    Zwei Tage später in der PAST...


    Ben und Semir schrieben den Bericht, über ihren abgeschlossenen Fall. Stefanie Hansen war schon wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die Verletzungen die sie sich bei dem Unfall zugezogen hatte, waren nicht so gravierend, wie das Blut hatte vermuten lassen. Sie war mit ihrer Tochter zunächst bei einer Freundin untergekommen, als sie erfahren hatte, dass ihre Mutter, oder die Frau die sie immer für ihre Mutter gehalten hatte, mit ihrem Peiniger unter einer Decke gesteckt hatte. In ihre alte Wohnung wollte sie nicht mehr zurück. Eine Psychiaterin stand ihr zur Seite, die ihr half, diese Dinge, die sie nach so vielen Jahren erst erfahren hatte, zu verarbeiten.


    Ein älterer Mann mit einem Mädchen an der Hand kam auf Susanne zu und fragte nach Ben. Diese nickte in die Richtung von Semir und Bens Büro. Der Mann klopfte und trat ein, als er ein, „Herein.“, hörte. Das Mädchen folgte ihm. Ben sah auf, als die Kleine ihm auch schon um den Hals fiel, „Nele! Onkel Willi! Was macht ihr denn hier?“, er sah zu Semir rüber, der ihn fragend ansah, „Semir, darf ich vorstellen? Das ist Wilhelm Neustädter, der Vater von Claire. Die Kleine hier,...“, er kitzelte Nele, die laut lachen musste „..., die mich ständig fast erwürgt, ist Claires Tochter Nele. Und das hier...,“, nun zeigte er auf Semir, „..., ist mein Partner und Freund Semir Gerkhan.“ Willi Neustädter reichte Semir die Hand und nickte, dann wandte er sich an Ben, „Nele wollte wissen, wo du arbeitest, also hat sie so lange gebettelt, bis ich sie ins Auto gepackt habe und mit ihr hierher gefahren bin.“


    Ben drückte Nele an sich und sie kuschelte sich an ihn, „Das finde ich schön.“, doch dann wurde seine Stimme leiser, „Onkel Willi. Ich muss dir da noch etwas sagen und vielleicht wäre es besser, wenn du dich setzen würdest.“ Dann nahm er Nele von seinem Schoss und brachte sie zu Susanne, „Ich hole dich gleich wieder, aber ich muss jetzt mal eben einen Moment mit dem Opa reden. Bleibst du solange bei Susanne?“ Nele nickte und Ben ging zurück ins Büro. Willi sah ihn an, “Was ist los?“


    „Du erinnerst dich daran, dass ich dir erzählt habe, dass mich der Fall an dem wir gearbeitet haben, mich an Claire erinnert hat. Der Typ, der die Frau entführt hat, war Bacher.“ Willi sah seinen Neffen entgeistert an. „Bevor du etwas sagst. Wir haben noch nicht seine Aussage, aber wir haben von seiner Mutter die Aussage, dass der ‚Unfall’ damals, kein Unfall, sondern Mord war. Und als ich es ihm gesagt habe, sind ihm sein Gesichtszüge so entglitten, das er gar nicht versuchen musste, es zu leugnen. Er wird dafür erneut angeklagt und kommt so schnell nicht wieder raus.“


    Tränen stiegen in Willis Augen, er konnte es nicht glauben. Ben ging zu ihm und legte seine Arme um ihn, „Es tut mir so leid. Aber jetzt bekommt er seine gerechte Strafe.“, flüsterte er ihm leise zu.


    Ben merkte, dass Willi nun Zeit brauchen würde, das alles zu verarbeiten und er nahm an, dass es seiner Tante genauso gehen würde, wenn sie es von seinem Onkel erfuhr, „Was hältst du davon, wenn Nele heute bei mir übernachtet, dann haben du und Tante Mia Zeit für euch.“ Sein Onkel nickte und wischte sich die Tränen weg, als Ben Nele wieder ins Büro holte.


    Ihr Großvater streckte eine Hand nach ihr aus und Nele nahm sie, „Weinst du Opa?“ „Nein mein Schatz. Es ist alles in Ordnung. Sag mal was hältst du davon, heute bei Ben zu übernachten?“ Nele sah ihn an, „Darf ich echt?“ „Ja sicher, komm her!“ Wieder setzte sich Nele auf Bens Schoss, „Das ist super.“ „Hast du noch Sachen von ihr bei dir?“, fragte Willi, als er aufstand um nach Hause zu fahren. Ben nickte, „Ich bringe sie dann morgen irgendwann nach Hause.“ „Ist gut, schlaft gut ihr zwei.“, dann wandte er sich auch an Semir und reichte ihm noch mal die Hand, „War nett sie kennen zulernen, Herr Gerkhan.“ „Ebenso.“, dann verließ Willi Neustädter die PAST.


    Eine halbe Stunde später machten dann auch Semir und Ben Feierabend. Zusammen mit Nele fuhr Ben zu seiner Wohnung, wo er ihr die halbe Nacht wieder von ihrer Mama erzählte.


    ENDE