Der alte Bekannte

  • So, da ich jetzt schon längere Zeit all eure tollen Fictions hier fleißig verfolge, dachte ich mir, trau ich mich auch mal an eine heran. :D Also ich hoffe, dass sie euch gefällt und freu mich auf viele Feeds von euch, egal ob gut oder schlecht! Dann noch viel Spaß beim Lesen!




    „Beeen?? Wo bleibst du denn??“
    „Ja ja… Ich bin ja schon unterwegs! Was hast du’s denn heute so eilig??“
    „Ach, ich hab Andrea versprochen, dass ich heute mal wieder pünktlich heim komme… Die letzten
    Tage wurde es ja doch abends immer später…“
    „Na ja, jetzt ist der Fall ja endlich gelöst.“
    „Ja zum Glück. So jetzt lass uns aber fahren, sonst reißt Andrea mir den Kopf ab!“


    „BEN! SEMIR!“, kam es von Susanne, die ganz außer Atem war.
    „Zum Glück seid ihr noch da!“
    „Ach ne… was gibt’s denn noch? Wir haben doch Feierabend!“, Semir spürte, dass er wahrscheinlich
    doch nicht so schnell zu Andrea kommen würde.
    „Tut mir Leid, aber auf der A4 gab’s einen schweren Unfall, kümmert ihr euch drum?“
    „Können das nicht Dieter und Hotte übernehmen?“ Ben wäre es auch sichtlich
    lieber gewesen, wenn er jetzt Feierabend gehabt hätte.
    „Ne, die haben keine Zeit. Bitte! Ich weiß das ihr die letzten Tage viele Überstunden gemacht
    habt, aber ich würde wirklich nicht zu euch kommen, wenn das jemand anderes
    übernehmen könnte!“ Susanne schaute die beiden eindringlich bittend in die
    Augen. Das half meistens. So auch dieses Mal.
    „Na gut, wir kümmern uns drum…“


    Im Auto nahm Semir sein Handy heraus und wählte Andreas Nummer.
    „Semir, bist du’s?“
    „Ja, hallo Schatz. Du hier gab’s einen schweren Unfall, es wird wohl doch wieder später…“
    „Sag mal, das ist doch jetzt nicht dein ernst, oder? Weißt du was? Am besten fragst du jetzt Ben,
    ob du bei ihm übernachten darfst!“
    „ANDREA!“, rief er, doch das einzige was er nun noch zu hören bekam, war das Tuten, das ihm
    anzeigte, dass Andrea aufgelegt hatte.
    „Stress?“, kam es von Ben, der sich ein kleines Lächeln nicht unterdrücken konnte.
    „Ha ha… Kann ich heute Nacht bei dir schlafen?“
    „Was, so schlimm?! Ja klar, aber gerade Andrea müsste doch verstehen, dass…“ Weiter kam Ben nicht, die
    beiden hatten die Unfallstelle erreicht und ihnen bot sich ein schreckliches
    Bild. Aus dem Unfall schien eine Massenkarambolage entstanden zu sein, Unmengen
    von zerstörten Autos standen auf der Straße und es hatte sich bereits ein
    langer Stau gebildet.
    „Oh Gott, was haben die denn da vorne für ein Chaos veranstaltet?! Hoffentlich gibt’s nicht all zu
    viele Verletzte… Die Kollegen sollen sich mal darum kümmern, dass der Verkehr
    umgeleitet wird, bevor hier noch mehr Unfälle entstehen.“
    Kaum hatte Semir dies gesagt, hatte er schon das Funkgerät in der Hand und gab die Informationen
    an seine Kollegen weiter.



    Ben und Semir hielten an der Unfallstelle an, um sich erst einmal einen Überblick über die
    Lage zu verschaffen.
    Plötzlich sahen sie, wie ein grüner VW-Golf Funken fing. Die beiden verstanden sofort und
    liefen zum Unfallwagen, da in ihm noch Personen zu sitzen schienen.


    Semir machte sich
    an der Fahrertür zu schaffen, Ben nahm sich die andere Seite vor. Der Wagen
    hatte bereits Feuer gefangen, doch die Türen klemmten. Erst mit viel
    Krafteinsatz bekamen die beiden sie geöffnet. Ben sah eine bewusstlose Frau vor
    sich und zog sie sofort aus dem brennenden Wagen in sichere Entfernung. Doch
    als Semir sah, wer am Steuer saß, blieb sein Herz für einen Moment stehen.


    „JAN! NEIN!“
    Sofort zog er den bewusstlosen Mann aus dem Auto. Er konnte sich und den Mann gerade noch in
    Sicherheit bringen, bevor der Wagen in die Luft flog.

    Edited once, last by Juliii94 ().

  • Ben hatte sich sofort um die Frau gekümmert, doch schnell merkte er, dass es zu spät war. Er musste mit Entsetzen feststellen, dass sie tot war. Behutsam schloss er ihre Augen und wandte sich dann Semir zu, der ein paar Meter weiter sich um den Fahrer zu kümmern schien. Erst als er näher kam, bemerkte er Semirs Schreie.


    „JAN! Wach auf! JAN!“
    Gerade als Ben bei Semir ankam, öffnete der Mann auf dem Boden plötzlich seine Augen.
    „Jan! Da bist du ja wieder!“
    Der Mann schien leicht irritiert, bis er schließlich erkannte wer vor ihm stand.
    „Semir?“
    Nachdem er dies gesagt hatte, wollte er sich aufrichten, doch Semir hielt ihn zurück.
    „Bleib liegen. Der Arzt kommt gleich.“
    Doch Jan ließ sich nicht abhalten.
    „Ach quatsch, ich brauche keinen Arzt!“
    Plötzlich sah er sich suchend um.
    „Maike? Wo ist Maike?“
    Semir verstand nicht, doch Ben ahnte etwas.
    „Die… die Frau, die auf dem Beifahrersitz saß?“
    „Ja genau, was ist mit ihr? Wo ist sie?“
    Semir ahnte an Bens Blick, was passiert sein musste.
    „Ich hab sie aus dem Wagen gezogen, aber… für sie… für sie kam jede Hilfe zu spät…“


    „NEIN! Nicht Maike, NEIN!!!“


    Semir versuchte Jan zu beruhigen, aber dieser lief zielstrebig zu der jungen Frau am Boden, die er nun auch entdeckt hatte.


    „Maike, nein, bitte nicht...“
    Semir, der ihm hinterher kam, sah, dass Jan den Tränen nahe war. Behutsam zog er Jan von der Frau weg und nahm ihn dann in den Arm. Jan konnte nicht mehr, er brach vollkommen in sich zusammen und Semir war etwas hilflos. Inzwischen hatten die Krankenwagen den Unfallort erreicht, doch auch sie konnten nur feststellen, was Ben bereits gesagt hatte.
    Schließlich wollte der Arzt sich auch Jan ansehen, dieser ließ die Untersuchung jedoch nur widerwillig über sich ergehen.
    In dieser Zeit widmete Semir sich Ben.


    „Sag mal, wer ist denn der Mann?“, fragte Ben, der Jan ja nicht kannte.
    „Das ist Jan. Jan Richter. Wir waren mal Partner. Sag mal, schaffst du den Rest hier auch alleine? Ich denke es ist das Beste, wenn ich ihn erstmal mit zu mir hole…“
    „Ja klar, fahr du nur. Ich mach das hier schon.“
    „Dank dir!“


    Semir widmete sich wieder Jan. Die beiden setzten sich ins Auto und fuhren los. Jan sprach kein Wort und auch Semir warf lediglich ab und zu einen bedenklichen Blick auf Jan. Er wusste nicht, was er ihm hätte sagen können.

  • Zu Hause ankommen, schloss Semir die Tür auf und die beiden betraten die Wohnung.


    „Sag mal, hast du mich vorhin nicht verstanden? War ich nicht deutlich genug?! Ich hab doch gesagt du kannst die Nacht sonst wo verbringen!“, grade wollte Andrea mit ihrem Vortrag fortfahren, als sie plötzlich Jan entdeckte. Sie zuckte zusammen als sie ihn sah. Sein Blick war so leer, wie sie es bei ihm noch nie gesehen hatte. Seine Augen waren mit Tränen gefüllt und sein Gesicht so weiß wie die Wand, vor der er stand.


    „Jan?“, war das einzige was sie in diesem Moment heraus brachte.
    Doch anstatt einer Antwort zog Semir Andrea bei Seite. Jan setzte sich schließlich auf die Couch, sein Blick war starr aus dem Fenster gerichtet.


    „Was ist denn mit Jan los?“, flüsterte Andrea besorgt.
    „Bei dem Unfall eben kam seine Freundin ums Leben…“
    „Oh mein Gott, der Arme…“
    „Ich dachte es ist das Beste, wenn er erst einmal bei uns bleibt.“
    „Ja, klar…!“


    Jan redete den ganzen Abend kein Wort, auch essen wollte er nicht, erst am nächsten Tag hatte er sich scheinbar etwas gefasst.


    „Morgen Jan, na wie geht’s?“, begrüßte Semir ihn.
    „Morgen… na ja wie soll’s mir schon gehen…“
    Doch Semir war schon froh, dass Jan überhaupt wieder redete. Auch sein Blick schien nicht mehr so leer, wie noch am Tag zuvor.
    „Du, ich bin spät dran… Willst du mit auf die Dienststelle kommen oder bleibst du lieber hier, bei Andrea und Aida?“
    „Aida?“
    „Ja, die Kleine, unsere Tochter!“ Semir war zunächst etwas irritiert, doch Jan schien gestern so weit in einer anderen Welt entfernt gewesen zu sein, dass er Aida gar nicht bemerkt hatte.
    „Warte kurz. Ich komme mit…“, war das einzige was er sagte.

  • So, sorry das so lange nichts kam, hatte leider wenig Zeit... Danke Tschona, freut mich, dass sie dir gefällt :)
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    Ben erwatete die beiden bereits mit einer Tasse Kaffee in der Hand, als Semir und Jan die PAST betraten.
    Alle Blicke lagen plötzlich auf Jan, dem dies sichtlich unangenehm war. Doch keiner brachte ein Wort heraus, alle schienen wie erstarrt.
    Inzwischen hatte auch die Chefin die Beiden bemerkt und bat sie in ihr Büro.


    „Hallo Jan. Geht es Ihnen etwas besser?“ Sie hatte von Ben erfahren, dass er an der Unfallstelle zusammengebrochen war.
    „Hallo… Ja, danke, geht schon.“
    Ben schien die Frage etwas unangenehm in Anbetracht wie schlecht es Jan ging, doch er stellte sie trotzdem.
    „Ähm… also was ist denn gestern eigentlich genau vorgefallen?“
    Doch Jan reagierte zu Bens Beruhigung gefasst. Er hatte damit gerechnet.
    „Maike und ich sind gerade auf dem Weg nach Hause gewesen, als plötzlicher dieser schwarze BMW hinter uns auftauchte. Der schien es ziemlich eilig gehabt zu haben. Ich bin also auf die rechte Spur gefahren und wollte ihn vorbeilassen, doch plötzlich rammte er mich von der Seite, mehrmals hintereinander. Schließlich bin ich ins Schleudern geraten und hatte den Wagen nicht mehr unter Kontrolle. Er hat sich plötzlich nicht mehr lenken gelassen. Ja und dann bin ich gegen die Leitplanke gefahren und der Wagen hat sich überschlagen.“


    Da betrat Susanne das Büro.


    „Chefin? Es gibt Neuigkeiten. Maike Packer, sie ist nicht durch den Unfall gestorben!“
    „WAS?“ Plötzlich sahen alle Drei auf.
    „Ihr wurde kurz zuvor ein Gift verabreicht, wahrscheinlich mit Hilfe eines Getränks.“
    „Ein Anschlag auf sie?“
    „Moment, kurz vorher waren wir noch an der Raststätte! Da hat sie noch ein Wasser getrunken, aber sie hat nur einen Schluck genommen, sie sagte, dass es komisch schmecken würde und hat es stehen lassen. Wir haben uns nichts weiter dabei gedacht…“
    „Okay, Ben, Semir, sie beide fahren jetzt mal zu dieser Raststätte. Vielleicht ist jemandem eine auffällige Person aufgefallen oder sonst etwas Ungewöhnliches.“
    „In Ordnung.“
    Ben und Semir wollten gerade den Raum verlassen, als Jan sich plötzlich zu Wort meldete.
    „Ich komme mit!“
    Semir schien einen Moment zu überlegen, das entging Ben nicht, doch dann sagte er wie erwartet.
    „Ja klar, vielleicht fällt dir ja noch etwas ein.“


    Die Drei machen sich also auf den Weg zur Raststätte. Auf der Fahrt konnte Jan sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen, als er die Kabbeleien zwischen Ben und Semir hörte. Er dachte an die früheren Zeiten zurück, wie viel Spaß die Arbeit mit Semir immer gemacht hatte. Doch die schönen Gedanken verflogen schnell, als sie sich der Raststätte näherten.


    „Da vorne die Raststätte, die war’s.“


    Ben bog also ab und die Drei stiegen aus dem Wagen. Gerade wollten sie die Raststätte betreten, als Jan plötzlich geradeaus weiterlief. Ben und Semir sahen sich an. Sie waren irritiert. Dann blieb Jan stehen und hob einen weißen Schal auf. Semir bemerkte wie sich Jans Augen erneut begannen mit Tränen zu füllen. Schnell ging er zu ihm.


    „Das…der Schal…der gehört Maike… Sie hatte ihn gestern hier irgendwo auf der Raststätte verloren gehabt.“
    Semir legte seine Hand auf Jans Schulter.
    „Vielleicht wartest du lieber im Auto, Ben und Ich, wir machen das schon.“
    Er hatte Angst vor Jans Reaktion, wenn sie die Raststätte betraten.
    Auch Jan wollte jetzt lieber im Auto bleiben. Er nickte also, entschied sich jedoch vor dem Auto zu warten. Kaum hatten Semir und Ben das Gebäude betreten, wurde Jan von einem kleinen Pfeil getroffen. Dann ging alles ganz schnell. Der Schal, den er eben noch so fest in der Hand gehalten hatte, rutschte ihm aus den Händen. Seine Beine wurden schwach und gaben schließlich nach. Dann wurde plötzlich alles schwarz vor seinen Augen und das einzige was er noch spürte, war, wie ihn jemand vom Auto wegzog.

  • Ben und Semir kamen gerade aus dem Gebäude.
    „Das kann doch nicht sein, dass niemand etwas Auffälliges bemerkt hat?!“
    „Ja…aber vielleicht ist ja etwas Brauchbares auf den Überwachungsbändern zu sehen…“
    Plötzlich blieben beide abrupt stehen. Das einzige was sie sahen war Maikes Schal, wie er auf dem Boden lag. Von Jan gab es weit und breit keine Spur! Den Beiden war sofort klar, es musste etwas passiert sein, Jan wäre nie ohne den Schal weggegangen!
    Sie suchten also das ganze Raststättengelände ab, doch sie fanden ihn nicht.
    Als sie also zum Auto zurückgingen, fiel Ben der kleine Pfeil auf dem Boden auf. Er hielt ihn hoch in die Luft, damit auch Semir ihn sehen konnte. Jetzt war beiden klar, Jan musste entführt worden sein! Sofort machten sie sich auf den Weg zurück zur PAST.


    In der PAST angekommen, liefen die beiden sofort zu Susanne.
    „Susanne, gib bitte sofort eine Vermisstenmeldung nach Jan raus!“
    „Was? Nach Jan? Was ist denn passiert?“
    Die Chefin hatte plötzlich hinter den beiden gestanden. Auch sie war nun besorgt.
    „Jan, er wurde an der Raststätte entführt!“
    „Was, aber wie…?“
    Die Chefin stockte und starrte wie gebannt auf die Tür. Schließlich drehten sich auch Semir und Ben um, die beide mit dem Rücken zur Tür gestanden hatten. Doch was sie da sahen konnten sie im ersten Moment gar nicht glauben!
    Da stand Jan! Seine Kleidung war zerrissen und Blut tropfte von seiner Stirn aus einer Wunde.
    Semir fasste sich wieder und lief zu ihm.
    „Jan! Bist du okay?“
    „Ja… ja geht schon…“
    Doch Jan merkte, dass seine Beine wieder schwach wurden, schnell setzte er sich.
    „Was ist denn passiert?“
    Ben hatte Jan ein Glas Wasser gebracht. Dankbar nahm Jan es ihm ab.
    „Ich weiß nicht… Ich stand vor dem Auto und plötzlich hat mich so ein kleiner Pfeil in den Nacken getroffen. Meine Beine haben nachgegeben und mir wurde schwarz vor Augen. Dann hab ich nur noch gespürt wie mich jemand weggezogen hat… Ja und dann bin ich bei mir zu Hause wieder aufgewacht. Das lag neben mir.“
    Jan gab Semir einen Zettel.
    „Das war erst der Anfang. Ich will meine Rache und ich werde sich auch bekommen! Dein Erzfeind. PS: Nette Grüße an Gerkan und seine Familie!“
    Ben dachte kurz nach, dann fragte er.
    „Habt ihr eine Ahnung, wer dahinter stecken könnte?“
    „Ich kenne nur eine Person, die uns so hasst…“
    Er sah Semir an.
    „Du meinst… nein, der sitzt doch noch!“
    Ben war irritiert. Von wem sprachen die beiden?
    Auch die Chefin schien zu verstehen.
    „Oh nein, ich kam noch gar nicht dazu, Ihnen davon zu erzählen! Tscherne ist geflohen!“
    „Na, jetzt wird mir einiges klar!“
    „Wie jetzt? Wer ist denn Tscherne? Moment, den Namen kenn ich doch… Na klar jetzt weiß ich es wieder! Ich war damals noch beim MEK als der in den Knast kam! Hattet ihr auch mit dem zu tun? “
    „Ja, leider…“
    „Was war denn noch mal mit dem? Hatte der jemanden ermordet?“
    „Ja... Tscherne ist und bleibt ein kranker, kaltblütiger Mörder, der vor nichts zurückschreckt…“
    „Ja… und das ist noch harmlos beschrieben! Wie schafft der es bloß immer wieder aufs Neue zu fliehen?“
    „Tja, er hat halt die richtigen „Freunde“… na ja, wohl eher die Falschen…!“
    Jetzt war Ben auch wieder klar um wen es hier ging.
    „Na ja, ich denke kaum das er seine Freiheit lange genießen kann!“
    „Hoffentlich nicht… Der will einfach nur seine Rache… an uns!“
    Semir dachte einen Moment nach.
    „Wir müssen einen sicheren Ort für dich, Andrea und Aida finden!“
    „Ja, aber was ist mit dir?“
    „Ich? Ich hab ja Ben!“
    Grinsend schaute Semir seinen Partner an.
    „Ja ja… nachher kann ich wieder mein Leben wegen dir riskieren…“, neckte Ben ihn.

  • Da kam die Chefin, die für einen Moment in ihrem Büro verschwunden war, mit einem Zettel in der Hand zurück.
    „Hier, das ist die Adresse einer Zeugenschutzwohnung. Ich denke, da sind sie sicher!“
    Anna drückte Jan den Zettel in die Hand.
    „Danke!“
    „Ich habe mich gerade übrigens beim Gefängnis erkundigt. Vermutlich hat Tscherne einen der Gefängnispolizisten bestochen und der hat ihm dafür die Freiheit geschenkt. Um welchen Polizisten es sich genau handelt, steht allerdings noch nicht fest. Das LKA scheint jedoch einen Verdächtigen zu haben. Apropos, das LKA hat mir am Telefon klar gemacht, dass wir uns aus dem Fall heraus halten sollen…“, sagte die Chefin und lächelte dabei leicht.
    Die drei verstanden natürlich sofort und Ben antwortete daraufhin grinsend: „Na wenn das LKA das so will, dann machen wir das natürlich auch so!“
    „Am Besten wir fahren jetzt zu Andrea und der Kleinen und erklären ihr die Situation und dann direkt zur Wohnung. Ich sorg dann noch dafür, dass Hotte und Dieter euch von draußen noch Polizeischutz geben.“, meinte Semir.
    „Denkst du wirklich, dass das nötig ist? Ich bin ja auch noch da.“
    „Ja klar… aber du weißt doch wie Tscherne ist, dem trau ich einfach alles zu!“
    „Na ja, an Hotte und Dieter kommt keiner so schnell vorbei!“ Ben musste lachen. Keiner der Drei ahnte auch nur, was noch alles auf sie zukommen würde…


    Semir und Jan machten sich also auf den Weg zu Andrea. Ben blieb während dessen in der PAST und schaute sich das Überwachungsvideo der Raststätte an. Und tatsächlich entdeckte er den schwarzen BMW auf dem Band. Es war zu sehen, wie der Fahrer unauffällig zu Jans Golf ging und hineinschaute. Dann betrat er die Raststätte und da war es! Der Mann schaute kurz genau in die Kamera. Ben sorgte dafür, dass das Bild vergrößert wurde und der Mann zur Fandung ausgeschrieben wurde. Auf dem Foto war jedoch nicht Tscherne zu sehen, nein! Ben konnte es kaum glauben, aber der Mann, das war doch…


    „Martin Brenner? Noch nie gehört. Na ja, ich schätze mal er arbeitet für Tscherne. Kennst du den denn?“ Semir war inzwischen wieder zur PAST zurück gekehrt.
    „Ja… wir waren mal so was wie… wir waren früher in der selben Klasse. Er war eigentlich immer ein ganz guter Schüler und auch Freund… Aber dann ist er irgendwie mit den falschen Leuten in Kontakt geraten… Die haben ihn an die Nadel gebracht und schließlich hat er nach der 10.Klasse alles hingeschmissen. Seine Eltern wollten nichts mehr mit ihm zu tun haben… er ist total abgerutscht… Am Anfang habe ich ihm ja noch helfen wollen, aber als er mir dann einmal was von dem Zeugs ins Getränk untergemischt hat, um mich auch abhängig zu machen und somit einen neuen Kunden für seinen Dealer beschaffen wollte, um die nächste Ration zu bekommen, war’s für mich endgültig aus mit unserer Freundschaft…“ Semir bemerkte in Bens Stimme etwas Ungewohntes. Er spürte, dass mehr hinter der Sache steckte, bemerkte aber auch, wie Unwohl Ben die ganze Sache war, also entschied er sich, erst einmal nicht weiter zu fragen.
    „Hm… hast du denn eine Ahnung, wo er sein könnte?“
    „Ich weiß nicht, aber früher gab’s am Stadtrand immer so eine alte, heruntergekommene Hütte, da haben wir uns damals oft getroffen…“
    „Na dann lass’ uns doch mal dahin fahren.“
    Die beiden schnappten sich also ihre Jacken und machten sich auf den Weg nach draußen zum Auto.


    Und tatsächlich, die Hütte gab es immer noch, sie hatte jedoch stark gelitten und war noch heruntergekommener als früher. Vor dem Eingang stand ein Auto, sollten die beiden Glück haben und Brenner dort antreffen? Mit gezogenen Waffen betraten sie die Hütte. Es waren keine Stimmen zu hören, doch plötzlich sahen sie den niedergeschlagenen Brenner auf dem Boden liegen. Ben lief sofort zu ihm und tastete nach seinem Puls. Er lebte! Schnell informierte Semir die Kollegen und bestellte einen RTW.
    Brenner kam sofort ins Krankenhaus, Ben und Semir fuhren hinterher. Dort angekommen verschwand er direkt hinter einer Tür und die beiden konnten nur warten. Nach einiger Zeit kam ein Arzt heraus.
    „Jäger, Kripo Autobahn. Wie geht es dem Mann?“
    „Die Verletzungen sind nicht schwer, aber die Drogen in seinem Körper machen uns eher sorgen.“
    „Können wir zu ihm?“
    „Ja, aber bitte nur kurz, er braucht jetzt Ruhe.“
    Ben und Semir folgten dem Arzt, der sie zu Brenner führte.

  • Brenner war an viele Apparate angeschlossen, man sah ihm an, wie schwach er war.
    „B..Ben? Was machst du denn hier?“ Brenner sprach nur sehr schwach.
    „Hallo Martin… ich bin inzwischen bei der Polizei, vielleicht weißt du ja jetzt, was ich hier mache. Im Übrigen haben wir dir dein Leben gerettet, wie es aussieht!“ Semir hörte einen Unterton in Bens Stimme, den er von ihm gar nicht kannte.
    „Ich… ich weiß nicht was du meinst…“, blockte Brenner.
    „Martin, wir wissen, dass du an dem Unfall auf der Autobahn Schuld bist, und wir wissen auch, dass du mit oder für Tscherne arbeitest! Also, jetzt rück’ endlich mit der Sprache raus!“ Ben war im Tonfall lauter geworden und erntete dafür einen bösen Blick von dem Arzt, der draußen vor der Tür stand. Ben entging dies nicht, er fuhr einen Gang runter und fragte wieder in normaler Lautstärke: „Wer hat dich zusammengeschlagen? Tscherne, hab ich Recht?“
    „Man, ich wollte doch nie jemanden umbringen Ben! Aber, Tscherne hat mir gedroht, er hat mich gezwungen, ihr das Gift unter zu mischen und sie dann von der Fahrbahn abzudrängen… Tscherne hätte mich umgebracht, wenn ich nicht gemacht hätte was er sagt und außerdem hab ich das Geld doch für meinen Stoff gebraucht…“
    Jetzt platze Ben der Kragen, er schreite Brenner an.
    „Wie bitte??? Die Frau musste sterben, damit du Geld für deinen scheiß Stoff bekommst?“
    Die Geräte piepten plötzlich lauter.
    „Ben… es tut mir leid! Ich wollte das nicht, bitte du musst mir glauben! Du weißt doch wie das ist, wenn man das Mistzeug braucht!“
    Jetzt betrat der Arzt das Zimmer.
    „So, ich denke es ist besser, wenn Sie jetzt gehen!“
    In seiner Stimme lag ein scharfer Unterton. Doch Ben dachte gar nicht daran, gerade wollte er mit seinem Vortrag fortfahren, als er Semirs Hand spürt, die ihn aus dem Zimmer zog.
    „Jetzt komm mal wieder runter! So bringt das doch nichts. Okay, er hat Maike umgebracht und dafür wird er auch seine Strafe bekommen, aber wir wollen uns doch Tscherne schnappen, oder? Er ist schließlich der Drahtzieher, Brenner ist nur einer seiner Handlanger…“
    „Ja, du hast ja Recht, lass uns zurück zur PAST fahren…“


    Im Auto fragte Semir schließlich, was ihn schon seit dem Krankenbesuch verwirrte.
    „Sag mal, was meinte Brenner eigentlich vorhin?“
    „Womit?“
    „Na, das du doch wüsstest, wie das wäre.“
    „Ach nichts…“
    Semir sah, wie Ben begann unruhig seine Hände zu kneten, das machte er immer, wenn er nervös war.
    „Ben… sind wir Partner oder nicht?“
    „Ja… ich hab dir vorhin nicht die ganze Wahrheit gesagt…“
    Seinen Kopf hielt er immer noch gesenkt.
    „Ich… Martin hatte es geschafft mich an die Nadel zu bringen…“
    Die Worte wollten ihm nur schwer aus dem Mund kommen.
    Semir war geschockt! Ben war abhängig gewesen?
    „Aber….“
    „Irgendwie hab ich dann noch frühzeitig den Absprung geschafft, ich hab mich halt wieder den richtigen Leuten zugewendet. Im Gegensatz zu Martin… Ansonsten würde ich jetzt vielleicht daliegen…“
    Semir wusste nicht, was er hätte sagen sollen.
    „Semir, bitte, es wäre mir ganz lieb, wenn das unter uns bleiben würde.“
    Bittend schaute er seinen Partner an.
    „Ja… ja klar, von mir wird keiner was erfahren.“
    „Danke. Ich wünschte, diese Zeit hätte es nie gegeben…“
    „Aber es bringt auch nichts, sich ewig Vorwürfe zu machen, man kann die Zeit nun mal nicht zurück drehen…“
    Ben nickte leicht und drehte dann seinen Kopf zum Fenster und schaute hinaus. Die ganze Fahrt blieb es ruhig. Semir hatte nicht gewusst, was er hätte sagen sollen und Ben wollte nichts mehr sagen. Seine Gedanken schweiften zurück in die Vergangenheit. Er hasste solche Leute, die anderen das Leben zerstörten, weil sie sie an die Nadel bringen. Und das alles nur für Geld. Alles dreht sich immer nur ums Geld und alle meinen, dass Leute wie er, die einen Multi-Millionär als Vater haben, glücklich sein müssen. Im Gegenteil, Geld sorgt fast immer für Unglück… Wie oft hatte er sich früher gewünscht, in einer ganz normalen Familie aufwachsen zu können. Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum er sich überhaupt auf die Drogen eingelassen hatte, er wollte einfach nur aus dieser Welt der Reichen, aus der Welt in der immer alles perfekt sein muss, fliehen… Er wollte seine Familie schocken und nahm dafür in Kauf, dass sie ihn deshalb vielleicht für immer hassen würden. „So etwas“ passt schließlich gar nicht in das Bild seiner Eltern. Doch sie haben ihm verziehen, trotz all dem, vielleicht aber auch wegen all dem….

  • Als die beiden zurück in die PAST kamen, nahm Susanne gerade den Telefonhörer ab.
    „Autobahnpolizei. Was kann ich für Sie…“
    Weiter kam sie nicht. Ben bemerkte wie Susanne plötzlich stockte und ihre Gesichtszüge sich veränderten. Sie nahm schließlich den Hörer vom Ohr und streckte ihn Semir entgegen. „Tscherne… Er will dich sprechen!“ Semir griff sofort nach dem Hörer.
    „Gerkan, Gerkan! Das mit Martin haben Sie und ihr neuer Partner gut herausgefunden! Aber es wird ihnen nichts nützen!“ Semir konnte sich das Grinsen in Tschernes Gesicht genau vorstellen. „Praktisch, wenn Menschen ihre Drogen brauchen, sie machen wirklich alles für einen.“ Semir hörte Tscherne am Ende der Leitung lachen und Wut stieg in ihm auf.
    „Tscherne, was wollen Sie von uns?“
    Plötzlich wurde Tschernes Stimme ernst. „Rache, Gerkan. Einfach nur Rache! Und glaub mir, die krieg ich auch! Nicht war, Richter?“
    Plötzlich waren Geräusche im Hintergrund zu hören.
    „Jan? Jan?“
    „Richter sitzt neben mir! Gerkan, Sie wollen doch bestimmt nicht, dass ihrer hübschen Frau oder ihrer süßen Tochter neben mir, etwas zu stößt, oder? Wäre ihr lieber Freund Richter hier damals nicht gewesen, wäre alles nach Plan gelaufen und sie wäre tot! Erinnerst du dich?“
    „Lassen Sie Andrea und Aida da raus!“
    Wieder war ein Lachen zu hören.
    „Nun gut Gerkan, du hast Recht. Es wäre wirklich zu Schade um die beiden! Also, ich schlag dir einen Tausch vor, du kommst hier her und ich lass die beiden frei!“
    Ben sah zur Chefin, die über den Lautsprecher inzwischen ebenfalls mithörte. Beide ahnten, wie Semir sich entscheiden würde.
    „Wohin soll ich kommen?“
    „Na also, das ist ja schon mal ein Fortschritt! In einer halben Stunde am alten Fabrikgelände am Rheinufer. Ach und sorg dafür, dass dein neuer Partner schön da bleibt, wo ihr hingehört, auf die Autobahn. Wenn ich nur einen Kollegen von dir hier auftauchen sehe, ist einer von den Dreien dran!“
    Tscherne hatte aufgelegt. Langsam legte Semir den Hörer zurück.
    „Bist du sicher, dass du das machen willst?“ Ben war skeptisch.
    „Ich hab keine Wahl…“ Schon war Semir aus dem Gebäude gerauscht und auf dem Weg zu seinem Auto.


    Im Auto gingen Semir viele Gedanken durch den Kopf. Tat er wirklich das Richtige? Was war mit Andrea, Aida und Jan? Ging es ihnen gut, oder waren sie vielleicht schon längst… Semir traute sich gar nicht den Gedanken zu Ende zu führen. Seine Gedanken schweiften zu Andrea. Er sah ihr Lächeln und vor seinen Augen spielte sich die Szene ab, die bis vor ein paar Stunden noch ganz normal schien. Er sah wieder, wie sie mit Aida auf dem Arm im Wohnzimmer stand und ihn begrüßte, als er von der Arbeit heim kam. Oder als sie… Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen, als andere Autos hinter ihm zu hupen begannen. Er zuckte zusammen. Völlig in seinen Gedanken vertieft hatte er mitten auf der Straße plötzlich angehalten. Wieder in der Realität zurück gekehrt, legte er schnell den Gang wieder ein und fuhr weiter. Jetzt war er vollkommen entschlossen, er würde die Drei retten und schon in wenigen Minuten Andrea wieder im Arm haben, da war er sich sicher! Tscherne würde damit nicht durchkommen!

  • Etwas zu früh erreichte Semir das Gelände. Er zog seine Waffe und betrat das Gebäude. Dort saßen Andrea, Aida und Jan gefesselt auf dem Boden. Tscherne stand hinter ihnen.
    „Ich bin gekommen, genau wie du wolltest.“
    „Ja. Du kannst froh sein, dass ich heute gut gelaunt bin, ausnahmsweise halte ich mich mal an das, was ich gesagt habe. Ich brauche die zwei nicht mehr, ich hab ja jetzt euch beide.“ Grinsend band er Andrea los, die sofort mit Aida auf dem Arm zu Semir lief.
    „So und jetzt verabschiedet euch von einander, ich glaube kaum, dass ihr euch jemals wieder sehen werdet!“
    Semir konnte Andreas Angst in ihren Augen ablesen. Ermutigend drückte er sie fest und nickte ihr dann zu, doch auch in ihm stieg Angst auf. Schließlich ging er auf Tscherne und Jan zu. Andrea verließ zusammen mit Aida das Gebäude.
    Tscherne knebelte auch Semir und band die beiden schließlich jeweils an einem Stuhl fest. An Jans blutüberströmten Gesicht, schloss Semir, dass er bereits einen Kampf hinter sich hatte, den aber anscheinend verloren hatte.
    Skeptisch blickte Tscherne aus einem alten Fenster der Fabrik, doch er konnte niemanden entdecken. Erneut breitete sich das Grinsen auf seinem Gesicht aus.
    Er zückte seine Waffe und ging auf die beiden zu.
    „Heute, scheint ja mal alles glatt zu laufen! Jetzt seid ihr beide an der Reihe! Ich hätte es zwar lieber gehabt, euch qualvoll sterben zu lassen, aber wie ich euch kenne, taucht hier bald doch jemand von eurer Sorte auf.“
    Jan blickte zu Semir. Beide wussten, dass sie so keine Chance hatten.


    Tscherne schien sich einen Spaß daraus zu machen, wen er wohl zu erst erschießen würde. Der Lauf seiner Waffe wechselte von Semir hinüber zu Jan und wieder zurück. So ging das eine ganze Zeit hin und her. Schließlich wurde die Angst in Jan und Semir immer größer. Keiner der beiden wollte zusehen müssen, wie der andere stirbt.
    Plötzlich blieb die Waffe stehen, sie zeigte auf Jan. Während Jan daraufhin die Augen schloss um nicht in den Lauf schauen zu müssen, begann Semir wild um sich zu schlagen. Er wollte nicht sterben, und er wollte schon gar nicht zusehen müssen, wie Jan stirbt! Er versuchte sich aus den Fesseln zu befreien, doch schon bald merkte er, dass er keine Chance hatte, sie saßen einfach zu fest um die Arme und Beine. Allein würde er diese nie gelockert bekommen. Tscherne, der die Waffe für einen Moment verunsichert durch Semir abgesetzt hatte, hatte nun wieder auf Jan angelegt.
    Grinsend setzte er zum Abdrücken an. Semir schloss die Augen, er konnte es einfach nicht mit ansehen. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als es kurz ruhig war. Dann war nur noch ein lauter Knall zu hören, der durch die ganze Fabrik hallte...

  • So, dass ist jetzt der letzte Teil meiner Story. Da wollte ich jetzt noch mal schnell die Chance nutzen mich für eure Feeds zu bedanken! Ich hoffe euch hat meine Fiction gefallen, auch wenn sie bestimmt lange nicht so gut war, wie die anderen hier im Forum!
    Also, dann viel Spaß noch beim letzten Teil ;)


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    Semir zuckte zusammen, er war den Tränen nahe. Jan war tot, da war er sich sicher, aber er traute sich nicht die Augen auf zu machen. Er wusste, was nun kommen würde. Er wollte es einfach nur schnell hinter sich bringen. Seine Augen hielt er immer noch geschlossen, als seine Gedanken zu Andrea schweiften, wie gerne hätte er noch lange zusammen mit ihr weitergelebt. Er hoffte, sie würde nicht zu viel trauern, wenn sie von seinem Tod erfahren würde, er wollte nicht, dass es ihr schlecht geht. Er wartete nur noch auf den Knall, der ihm das Ende anzeigen würde. Doch er hörte nichts, weder einen Knall noch einen Spruch von Tscherne oder sein fieses Lachen. Unsicher öffnete er die Augen.


    Er hatte einfach abgedrückt, Tscherne war Tod. Eine Minute später und Jan und Semir würden wahrscheinlich nicht mehr am leben. Er sah, wie Semir seine Augen öffnete und ihn ansah. Er sah ihm an, dass ihn die Angst vor dem Tod plagte. Auch Jan hatte seine Augen inzwischen geöffnet. Er brauchte einen Moment, um zu begreifen, was gerade passiert war. Er und Semir lebten! Tscherne lag vor ihm auf dem Boden, Blut war überall, er war tot!
    „Ben?!“ Ben hatte Semir inzwischen von seinen Fesseln befreit und machte sich nun an Jans heran.
    Erst jetzt wurde Semir bewusst, dass Jan lebte, der Schuss, das war nicht Tscherne, das war Ben gewesen!
    „Seid ihr beiden okay?“ Ben bemerkte Semirs und Jans Angst.
    Die beiden konnten nur leicht nicken. In dem Moment stand Andrea in der Tür.
    „Semir!“
    Die beiden liefen aufeinander zu und umarten sich, am liebsten hätte Semir sie gar nicht mehr losgelassen. Ben kümmerte sich unterdessen um Jan, der erst langsam zu begreifen schien, dass er noch lebte.
    „Ben? Danke…“ Zu mehr war er im Moment nicht in der Lage zu sagen. Zu tief saßen seine Angst und die Trauer um Maike noch in seinen Knochen.
    „Nicht dafür.“ Stärkend legte er seine Hand auf Jans Schulter und drückte diese fest. Er wusste nur zu genau, wie furchtbar es war, einen Menschen den man liebte zu verlieren. Genau wie damals bei Saskia…


    Sie wussten nicht, wie lange sie noch dort stehen gelblieben sind, alle waren einfach nur noch froh, dass der Spuk ein Ende hatte und Semir und Jan noch lebten. Tscherne konnte ihnen nie wieder etwas antun, was sie Ben zu verdanken hatten. Der Mann, dem sie alle soviel schreckliches zu Zuschreiben hatten, war nun endgültig tot, was sie alle aufatmen ließ.


    ENDE