La Mort - Der Tod sucht dich heim

  • Hallo ihr.


    Bin hier neu im Forum, doch auch nicht Krimiunerfahren. Werde hier jetzt mal meine erste Story für "Alarm für Cobra11" anfangen. Hoffe, es gefällt euch und ihr habt viel Spaß beim Lesen. Über Kommentare und Feedbacks würde ich mich freuen.


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    So, und los gehts ....


    Ein normaler Arbeitstag ging für die beiden Autobahnpolizisten Ben und Semir zu Ende. Ben war schon vor einer halben Stunde abgehauen und so machte sich auch Semir langsam auf den Weg zu seiner Familie. Beim Verlassen seines Büros verabschiedete er sich von Susanne und Bonrath, die gerade noch ein Protokoll durchgingen. Als Sermir auf dem Parkplatz stand. fiel ihm ja ein, dass sein Wagen in der Werkstatt war und er sich eigentlich von Ben nach Hause bringen lassen wollte. Doch der war schon auf dem Weg zu seiner Freundin und hatte diesen kleinen Gefallen völlig vergessen, aber auch Semir hatte sich so in die Arbeit vertieft, dass ihm das völlig entgangen war.


    "Kann ich ihnen helfen?", fragte netter Mann mit leicht englischem Akzent. Der Mann trug pechschwarzes Haar und ein genauso farbenen Anzug mit weißem Hemd, allerdings fehlte edie Krawatte. Er schien etwas jünger als Semir zu sein. "Soll ich sie mitnehmen?", fragte der Mann erneut. Das muss Schicksal sein, dachte sich Semir, lächelte den Mann freundlich an und nahm sein Angebot gern entgegen. "Gerne, wenn sie in die Stadt fahren, wäre das super.", meinte der Kommissar mit freundlicher Stimme. So stiegen beide in den Jaguar S-Type des Mannes und schon nach wenigen Augenblicken heulte der Motor auf und der Wagen verließ den Parkplatz der PAST.


    Auf der Fahrt sah sich Semir vorrangig das noble englische Auto ganz genau an. Wie gerne würde er die Sportausführung solch eines Wagen gerne mal fahren. Dann wandte sich Semir an den Fahrer, zu neugierig war er doch, was ein scheinbarer Engländer bei der Autobahnpolizei zu suchen hatte. "Entschuldigung, aber ich habe mich noch gar nicht vorgestellt,", kam dann der Mann ihm zuvor. "Mein Name ist Christopher Holmes." "Semir Gerkhan.", erwiderte Semir und reichte dem Fahrer seine Hand.


    ...

  • ...


    Der Fahrer erwiderte den Handschlag und konzentrierte sich dann wieder auf das Straßengeschehen. Semir war doch neugierig und verwickelte seinen Chauffeur in ein unauffälliges Gespräch. "Das ist ein wunderschönes Auto.", meinte Semir und betrachtete die wunderschönen Amaturen des Wagens. "Ja, es hat mich sehr viel Mühe gekostet, ein englischen Wagen hier nach Germany zu bekommen und dazu auch noch eine Werkstatt zu finden.", erwiderte Christopher. "Sie sind also Engländer. Was machen sie hier?", wollte Semir dann wissen. "Ich leite das Büro meiner Firma in Germany. Kennen sie JB Enterprizes?", fragte der Mann und schaute Semir dabei abwartend an. "JB Enterprizes? Diese Firma stellt der Polizei die hochwertigsten technischen Neuerungen zur Verfügung.", meinte Semir erstaunt und war verwundert. "Thats right, mein Grandfather gründete die Firma direkt nach dem Krieg. Heute führt mein Vater die Firma in London und ich leite eines der vier Auslandsbüros in Europa.", erzählte Holmes. Semir war sichtlich erstaunt darüber. Seine Dienstwaffe, seine Türwerkzeug benutzte er so oft, dass ihm nicht einmal in den Sinn kam auf das kleine, eingearbeitete Logo auf den Griff der Waffe einen Blick zu werfen.


    Die Fahrt verging wie im Flug und so langsam verstanden sich die beiden Männer. Beide waren glücklich verheiratet. Semir erzählte stolz von seiner kleinen Tochter und auch Holmes hatte bereits einen kleinen Jungen, auf den er, wie Semir auf seine Tochter, sehr stolz war. Als er Semir vor dessen Wohnung absetzte, lud er den freundlichen Kommissar, den er auf der Fahrt erlebt und kennen gelernt hatte, mit seiner Frau für den kommenden Freitag Abend zum Essen ein. Dankend nahm Semir diese etwas spontan an und ging dann hoch zu seiner gleiebten Frau und erzählte ihr alles.



    Am nächsten Tag wurden Ben und Semir auf einen abgelegenen Rastplatz gerufen. Man hatte dort ein schon länger stehendes Auto gefunden. Als die Kollegen sich den Wagen genauer ansahen fanden sie den Eigentümer mit durchlöcherter Stirn auf der Rückbank unter einer Decke. "Er sieht aus, als würde er schlafen.", meinte Ben und legte dem Opfer die Decke wieder über das Gesicht. Semir sah sich inzwischen am Kofferraum um und fand dort etwas sehr interessantes. "Ben, schau mal.", rief er seinen Kollegen zu sich an den geöffneten Kofferraum. Beide Kommissare sahen in einen großen Koffer, der mit schwarzem Schaumstoff ausgefüllt war, jedoch zwei markante Abdrücke aufwies. "Wow, scheint so, als hätte er das Geschäft nicht überlebt.", meinte Ben. "Sieht so aus. Was meinst du, zu was könnten die Abdrücke passen?", fragte Semir seinen Partner. "Das eine sieht mir verdammt nach einem Gewehr mit Zielvorrichtung aus. Der andere könnte zu einer Pistole passen.", erwiderte Ben und schaute seinen Partner von der Seite an.


    ...

  • Dann wandte sich Ben Hotte zu. "Habt ihr irgendwelche Papiere beim Opfer gefunden?", wollte der junge Kommissar wissen. "Er hatte nichts bei sich, außer diese teure Rolex.", meinte der dickliche Polizist und hielt eine goldene Uhr in einer Plastiktüte hoch. "Man, der hat aber nicht schlecht damit verdient.", meinte Semir erstaunt und doch ernst. Ihm war noch nicht klar, welch eine Wendung dieser Fall nehmen würde. Auf alle Fälle konnten sie hier nur noch der Spurensicherung den Platz überlassen. Vorerst würden sie den Tag damit verbringen, die Datenbänke nach dem Opfer zu durchforsten.


    Und so fuhren Semir und Ben zurück zur PASt und suchten sämtliche Datenbänke nach dem Opfer ab. Plötzlich wurde Ben fündig. "Schau mal Semir, hier hab ich unseren Kunden.", meinte Ben zu seinem Partner und drehte den Bildschirm in Semirs Richtung. Semir sah von seiner Arbeit hoch und erkannte das Gesicht. "Das ist doch Peter Fischer.", dachte er nur laut. "Du kennst ihn?", fragte Ben erstaunt. "Kennen wäre zuviel gesagt, Ich habe ihn einige Male verhaftet, allerdings wegen kleinerer Delikte, wie Einbruch in Autos oder Diebstahls.", erwiderte Semir und sah sich das von einer Narbe gezeichnete Foto genau an. "Scheinbar brauchte er wohl Geld, wenn er Waffen verkauft hat.", meinte Ben. "Dann frage ich mich, wo er die Waffen her hat. Auf dem Flohmarkt kriegt man so ein Ding, wie das, was in diesen Koffer passen würde, bestimmt nicht.", entgegnete Semir. "Sollen wir gleich in die Wohnung fahren?", wollte Ben wissen und hatte sich schon instinktiv die Wagenschlüssel gekrallt. Semir nickte nur, stieß die Akte beiseite und nahm dann seine Jacke vom Stuhl.


    Nach einer halben Stunde Fahrt parkte Ben den Wagen vor einem ziemlich heruntergekommenen Wohnhaus in Düsseldorfs Randstadt. Semir sah sich in der trist grauen Wohngegend um, als er aus der Beifahrertür stieg. Ihm kam es vor, als wenn die beiden Polizisten aus allen Fenstern, die zum Hof hin zeigten, beobachtet wurden. "Man, hier möcht ich aber auch nicht begraben sein.", meinte Ben und schloss den Wagen mit einem Knopfdruck auf die Fernverriegelung ab. Ben und Semir betraten das mit Schmierereien und Grafittis verseuchte Treppenhaus. Als sie endlich im dritten Stock vor der Wohnung des Opfers standen, sahen sie, dass die Tür einen Spalt geöffnet war.


    ...

  • Langsam und vorsichtig schlichen sich die beiden Kommissare durch den Türspalt und verständigten sich für die nächsten Augenblicke nur noch per Augenkontakt oder Handzeichen. Doch sie schienen ins Leere zu laufen. Die Wohnung, oder was von ihr übrig war, war leer und verlassen. "Hier hat aber jemand ganze Arbeit geleistet.", meinte Semir und sah sich in diesem Chaos genauer um. Da vernahm er ein Wimmern, jedoch nur undeutlich und schwach. "Ben.", huschte er seinen Kollegen zu und deutete auf den Kachelofen in der Ecke des Wohnzimmers. Beide standen nun davor unds gingen langsam in die Hocke, um unter den Ofen zu sehen. "Sieh drunter.", meinte Semir leise zu seinem Partner. "Ich denk gar nicht dran - Sieh du doch nach.", erwiderte Ben und verzog sein Gesicht. "Okay, auf drei. Eins - Zwei - Drei !", meinte Semir und beide schauten gleichzeitig unter den Ofen. Jetzt wussten sie auch woher das Wimmern kam. Eine Katze hatte sich unter den Ofen gerettet und mauzte vor sich hin. Ben machte keine Anstalten und zog das arme, ängstliche Ding unter dem kalten Ofen hervor. Als die Katze weg war, bemerkte Semir, dass am Unterboden des Ofen etwas angeklebt war. Vorsichtig zog der Kommissar das ab und holte es hervor. "Ein gutes Versteck für die wichtigsten Dokumente.", meinte er zu Ben, der die Katze inzwischen auf dem Arm hatte und sie schien sich ganz wohl bei ihm zu fühlen. "Mal schaun, was da drin ist.", dachte sich Semir und öffnete den Briefumschlag mit seinen Fingern. Er zog dann einen dieser neuen, leichten Notebooks hervor und eine Chipkarte einer Digitalkamera. "Das soll sich mal Hartmut ansehen. Und was machen wir mit ihr?", fragte Ben und deutete auf die Katze, die sich ein wenig in seiner Jacke verkrallt hatte. Semir musste bei dieser Szenerie ein wenig schmunzeln. "Was soll sein? Hierlassen können wir sie ja kaum.", erwiderte er und verließ mit Ben und der schwarzen Katze die Wohnung, allerdings klebte er noch schnell ein polizeiamtliches Siegel auf die zugezogene Wohnungstür.


    Als sie in ihr Auto stiegen, merkte keiner der beiden Autubahnpolizisten, wie sie aus einer abgelegenen Seitenstraße beobachtet wurden. Sie lieferten die beiden Sachen bei Hartmut mit dem ausdrücklichen Vermerk "Dringlich" ab und fuhren dann, mit der Katze im Arm, zurück zur PASt.


    ...

  • Inzwischen saß der Geschäftsmann Christopher Holmes, Semirs Retter in der Not, an seinem Schreibtisch hoch über den Dächern der Stadt, hatte ein Headset im Ohr und unterschrieb irgendwelche Abrechnungen. Sehr destingulierend schien er sich mit jemandem zu unterhalten. Dabei warf er seinen mit halblangen Haaren versehenen Kopf immer hin und her. Irgendetwas schien gar nicht zu seiner Zufriedenheit zu laufen. "No, thats not okay.", rief er in den Kopfhörer. "Hören sie, das Buisness muss über die Bühne gehen. Dann machen sie den Iren klar, dass wir, und zwar nur wir, für die höchste Sicherheit ihrer Polizisten sorgen können. Bye.", fauchte er noch, nahm das Headset ab und warf es auf seinen Glasschreibtisch. Plötzlich kam seine Sekretärin rein und hielt dabei einen großen Batzen mit Briefen und Schreiben unter ihrem Arm. "Mister Holmes, ihre Post.", unterbrach sie ihren Chef beim Denken. "Danke sehr, bringen sie mir doch eine Tasse Kaffee.", erwiderte der viel beschäftigte Mann. Dann beim Rausgehen, rief er ihr noch zu "Und lassen sie dem Herrn Gerkhan von der Autobahnpolizei eine Erinnerung an das morgige Diner zukommen." Danach begann er den Poststapel durchzuarbeiten. Bei einem Briefumschlag stand kein Absender drauf. Neugierig, doch auch vorsichtig öffnete Holmes den Brief und zog ein loses Blatt Papier heraus. Plötzlich fiel ihm ein Foto in den Schoß. Er nahm das Foto, das seine Frau und seinen Sohn beim gemeinsamen Spielen zeigten, und faltete dann den Brief auf. "Du wirst Leiden erfahren - Es wird dich zerfressen - Death - Zuerst deine Liebsten und dann du - La Mort - Dann bist du mein - Rache.", stand auf dem Papier. Sofort und instinktiv griff er nach seinem Telefon und wählte die Handynummer seiner Frau. "Ich bins. Ist bei euch alles okay?" - "Warum? Nur so. Nein, mir geht es gut. Ja, alles ist bestens. Okay, ich komme heute abend früher. Bye.", meinte er und war dennoch besorgt um seine Familie, doch er wollte noch nichts offizielles unternehmen.



    Semir und Ben betraten die PASt und sofort fielen verwirrte Blicke auf Bens Schulter. Hotte kam auf ihn zu. "Na, was hast du denn da? Hast wohl ne neue Freundin gefunden, was?", meinte der Polizist mit schelmischem Grinsen in seinem Gesicht. "Sehr witzig.", erwiderte Ben, aber behielt sein demonstratives Lächeln bei. Dieter meinte nur: "Lass das nicht die Chefin sehen. Ihr wisst doch, wie sie über Katzen denkt." Doch Susanne schloss das arme Ding sofort ins Herz. "Aber seht doch mal die niedlichen Augen." "Meinst du jetzt mich oder die Katze?", fragte Ben spöttisch und setzte das Tier auf den Schoß der Sekretärin. Sofort entrann ihr ein munteres Schnurren. Sie schien sich bei Susanne wohler als auf Bens Schulter zu fühlen. Semir verdrehte nur zu der Szenerie die Augen. Aber Anna blieb der Trubel, der im Vorraum um Susanne herrschte, nicht verborgen.


    ...

  • "Was soll denn dieser Tumult hier? Haben sie alle nichts zu tun?", fragte sie und schaute in die Runde. Dann erblickte sie die Katze. "Was macht dieses Tier hier?", fragte sie und wurde dabei leicht wütend. Nun sahen alle etwas unsicher zu Ben rüber, was Semir mit einem spitzfindigen Lächeln tat. Er fand die ganze Situation äußerst komisch, obwohl er nicht gerade unbeteiligt daran war, dass eine Katze sich in der PASt aufhielt. "Diese Katze fanden wir in der Wohnung des Opfers. Ich dachte, bevor sie dort verhungert und eingeht, nehmen wir sie lieber mit.", erwiderte Ben und veränderte dabei sein Gesichtsausdruck in keinster Weise, was bei Semir fast zu einem lauthals lachenden Zusammenbruch führte, doch er musste sich einfach beherrschen. Die Chefin kam dann auf Susanne zu und sah sich die Katze prüfend an. Dabei entdeckte sie ein kleines Halsband mit einem Namensschild. "Okay, bis Dienstschluss darf Mozart bleiben. Dann verschwindet er.", meinte sie und ging wieder ins Büro. "Wieso Mozart?", fragte sich Ben Jäger und ging vor Susanne in die Knie. Dann sah er auch das Halsband mit dem Anhänger, auf dem ganz deutlich der Name "Mozart" eingraviert war. "So was, und ich dachte, du stehst auf Frauen.", meinte Semir, als er das überraschte Gesicht seines Partner sah, als er merkte, dass die Katze eine Kater war. Dafür fing er sich einen bösen Blick seines Kollegen ein und verzog sich schnell ins Büro. Dort klingelte gleich das Telefon. Es war Hartmut, der schon einmal die Speicherkarte durchgesehen hatte. "Okay Hartmut, schick mir die Bilder mal rüber. Was ist mit dem Notebook?" "Das ist ein wenig komplizierter. Es ist mit einem Fingerabdruckscanner gesichert. Aber ich tu mein Bestes. Spätestens übermorgen hab ich das Ding geknackt.", erwiderte der Techniker. Als ihn Semir noch nach den Spuren im Wagen und am Koffer der Leiche fragte, meinte er nur: "Kommt doch einfach rüber."


    So verließen Semir und Ben wieder das Revier und fuhren rüber zur KTU. Hartmut saß hinter dem Notebook und versuchte immer noch, den Scanner irgendwie auszutricksen. "Du ver...", weiter kam er nicht, da Ben ihn mit einem freundlichen "Hey" begrüßte. "Na Hartmut, was hast du denn für uns?", fragte Semir und stemmte sich vor den Techniker auf den Tisch.


    ...

  • "Also, am Wagen selbst waren keine Einbruchsspuren zu finden.", fing der Techniker an und schob das Notebook zur Seite. "Heißt, das Opfer muss seinen Mörder gekannt haben.", erwiderte Ben. "Haben wir was über die Todesursache?", fragte Semir mit hochgezogener Augenbraue. Hartmut griff sich eine Akte und reichte sie dem Kommissar. "Das war saubere Arbeit. Ein aufgesetzter Schuss aus nächster Entfernung. Die balistische Untersuchung hat ergeben, dass der Täter neben ihm gesessen haben muss.", entgegnete Hartmut und reichte Semir und Ben dann die ausgedruckten Fotos aus der Speicherkarte. "Diese vier Fotos waren noch drauf. Alles andere war gelöscht worden.", meinte Hartmut etwas geknickt. "Wie? Du hast die anderen Bilder nicht wieder herstellen können? Mensch, Hartmut...", meinte Ben nur ironisch. Semir hingegen schwieg und schaute wie gebannt auf die Bilder. Ben fiel dies natürlich ins Auge. "Kennst du jemanden auf diesen Bildern?", fragte er. Semir nickte entschlossen. Zwei Bilder zeigten eine blonde Frau mit braunen Strähnen, die ein kleines Kind auf dem Arm trug, doch das dritte zeigte eindeutig einen telefonierenden Mann, den Semir seit gestern kannte. "Der Mann hier...", fing er an und reichte seinem Kollegen das Bild, "das ist Christopher Holmes, Chef des deutschen Büros von JB Enterprizes.", erklärte Semir und war verwundert, was ein toter Kleinkrimineller mit den Aufnahmen eines Großindustriellen machte. Ihm schwirrten die komischten Gedanken in seinem Polizistenkopf herum. "Was meinst du, warum Fischer Bilder von einem Industriellen gemacht hat?", fragte Ben seinen Partner. "Keine Ahnung. Vielleicht sollte das uns der Herr hier auf dem Foto selbst beantworten.", erwiderte Semir, wandte sich dann Hartmut zu."Hast du sonst noch was für uns?", fragte der Autobahnpolizist. "Nein, ich ruf euch an, sobald ich den Laptop geknackt habe.", erwiderte der KTU-Techniker. Ben und Semir verabschiedeten sich und fuhren aufs Revier zurück, um die weiteren Schritte mit Anna Engelhardt abzuklären.


    ...

  • "Also nochmal von vorn, wir haben eine Leiche bei denen Fotos gefunden wurden, die einen der führenden Köpfe eines europaweit existierenden Unternehmens zeigen.", meint die Chefin und ging hinter den Rücken ihrer beiden Spitzenleute auf und ab. "So sieht es aus.", bestätigte Ben. "Und, wir haben zwei gestohlene Waffen, die das Opfer jemandem zum Verkauf anbieten wollte. Wissen wir schon etwas über den Verbleib der Waffen?" "Nein, dazu haben wir noch keinerlei Anhaltspunkte. Allerdings erhoffen wir uns vom Laptop des Opfers mehr Auskunft zu erhalten.", entgegnete Semir. "Wir wollten sowieso erst einmal zu diesem Christopher Holmes und ihm ein wenig aufs Zahnfleisch fühlen.", fügte Ben hinzu. "Vielleicht kann man das aber auch auf einem etwas diskreteren Wege lösen.", mutmaßte Semir und drehte sich zu Anna um. "Wie meinen sie das?", fragte sie etwas baff und auch Ben schaute wie ein Fragezeichen. "Als er mich gestern zu Hause absetzte, lud er Andrea und mich für morgen zu sich ein.", begann der Polizist zu erzählen. Anna und Ben sahen gleichzeitig verwundert zu Semir hinüber. "Vielleicht kann ich so etwas aus ihn herauskitzeln, ohne, dass er es merkt.", fuhr Semir fort und grinste dabei etwas vorfreudig. "Gut, aber seien sie vorsichtig und nicht allzu direkt.", meinte Anna. "Er ist ein für die Polizei sehr wichter Mann, der ein noch wichtigeres Unternehmen leitet. Wir dürfen dieses für die Polizei so wichtige Verhältnis nicht leichtsinnig riskieren.", warnte die Chefin ihre Beamten vor unnötig provozierten Handlungen. "Geht klar, Chefin.", kam es aus Semir und Ben gleichzeitig getönt. "Vorerst kümmern sie sich um den Verbleib und die Herkunft dieser gestohlenen Waffen.", schloß sie die Besprechung und entließ die Kommissare.


    "Was meinst du, woher könnte Fischer diese Waffen haben?", fragte Ben seinen Partner interessiert, als sie im Büro saßen und arbeiteten. Semir brachte ihm einen Kaffee und widmete sich dann wieder den Fotos. "Keine Ahnung. Da wir in der Wohnung nichts dazu gefunden haben, können wir bloß darauf warten, dass Hartmut den blöden Laptop entschlüsselt kriegt.", erwiderte Semir und nahm einen großen Schluck aus seinen Kaffeebecher. Dann betrachtete er die drei Fotos. Ben trat hinter ihn und sah auf die Fotos runter. "Weißt du, eigentlich wäre es doch regelrecht gemein, wenn nur du ihn auf den Zahn fühlen darfst.", meinte er und nahm das Foto, auf dem Christopher Holmes telefonierte, an sich und betrachtete es genauer. In dem Moment kam Susanne herein und brachte einen Brief für Semir. Dieser bedankte sich und öffnete den Brief. "Oh, kriegst du jetzt schon Post von heimlichen Verehrerinnen? Ich dachte, du bist glücklich verheiratet?", fragte Ben etwas spöttisch, kassierte dafür aber einen tief-finsteren Blick von seinem Kollegen. "Das ist von unserem Industrie-Spezi. Er erinnert mich nochmal an das morgige Diner.", sprach er und legte die Karte auf seinen Tisch. Dann dachte er einen kurzen Augenblick nach. "Weißt du, es wäre unhöflich, sich nicht dafür zu bedanken, oder?" "Ja eben, das ist ja wohl das Mindeste.", meinte Ben und schnappte sich seine Jacke. Sie ließen sich von Susanne noch den Firmensitz raussuchen und fuhren dann sofort los.


    ...

  • Mit dem Glockenschlag Punkt 18 Uhr parkte Ben den Mercedes auf dem Parkplatz vor einem der großen Glastower in der Düsseldorfer Innenstadt. Bei der ganzen Fahrt fiel ihnen der Wagen hinter ihnen nicht auf. Dieser parkte in einer etwas abgelegeneren Seitenstraße, der Fahrer jedoch beobachtete genau den Haupteingang des Towers und die dort befindliche Ausfahrt der Tiefgarage. Dennoch bemerkten die Kommissare ihren Verfolger nicht. Mit dem gläsernen Fahrstuhl fuhren sie Außen bis in die oberste Etage. Die Sonne war gerade dabei unterzugehen und bot ein romantisches Ensemble mit der Siluette der Gebäude. "Was für eine schöne Aussicht.", meinte Ben staunend und schaute der Sonne entgegen. Doch Semir sah nur auf die Stockwerkanzeige und wartete etwas ungeduldig auf das Ankommen des Liftes. Endlich gingen die Türen auf und die Kommissare standen in einem langen, hellen Flur an dessen Ende ein großer, ovaler Tisch stand. Die Sekretärin schien sehr damit beschäftigt zu sein, Anrufe entgegen zu nehmen und bemerkte die Kommissare erst gar nicht. Dann, nachdem sie den Hörer wieder aufgelegt hatte, atmete sie einmal tief durch. "Probleme?", fragte Ben die Frau, die etwa im gleichen Alter wie Anna Engelhardt war. "Ach, der Chef nimmt im Moment keine Anrufe entgegen und ich muss jetzt die Anrufer ein wenig vertrösten.", erwiderte sie, setzte dann aber ein freundliches Lächeln auf. "Was kann ich für sie tun, meine Herren?", fragte sie und beugte sich abwartend vor. "Wir sind eigentlich hier, um mit Christopher Holmes einen Moment zu sprechen.", erwiderte Semir und lächelte freundlich. "Und wen darf ich anmelden?", fragte si und griff sich einen Block und Bleistift. "Semir Gerkhan und Ben Jäger, Kripo Autobahn.", meinte Ben und sah sich dabei das teuer scheinende Gemälde im Rücken der Frau an. Es sah aus, wie eine Mischung aus Picasso und Van Gogh. "Polizei? Ist irgendwas passiert?", fragte sie dann etwas erstaunt. "Nein nein, es geht um etwas rein privates.", erwiderte Semir abschwächend und hob beschwichtigend die Hände. "Ich werds versuchen, aber seit er heute Mittag die Post durchgesehen hat, will er keinen weder sprechen noch hören.", meinte die Sekretärin, stand auf und klopfte drei Mal an die hölzerne Bürotür. Abwartend standen Ben und Semir hinter ihr. Doch es kam keine Antwort aus dem Büro. "Tja, tut mir Leid, aber...", weiter kam sie nicht, denn plötzlich ging die Bürotür auf und ein ziemlich schlecht gelauntes, nachdenkliches Gesicht kam durch den Spalt heraus. "Ich wollte doch nicht gestört werden.", fauchte Christopher Holmes mit etwas zerlegenem Gesicht. Anscheinend hatte er geschlafen. "Entschuldigen sie, aber daran sind wir schuld.", meinte Semir und lächelte ihn an. "Wir müssten sie einen Moment sprechen.", fügte Semir hinzu, als er sah, dass sich die Miene des Mannes langsam aufklärte. "Right, kommen sie bitte.", meinte Christopher Holmes und geleitete die beiden Beamten in das großräumige Büro.


    ...

  • "Was kann ich für die Autobahnpolizei tun", fragte Christopher etwas verlegen und schritt wieder zu seiner Couch, um sich zu setzen. "Kennen sie einen Peter Fischer?", fragte Ben und musterte den Geschäftsmann genau. Ihm fiel das zerzauste Haar auf und die nachdenklich in Falten geschlagene Stirn. Auch schien er rote Augen zu haben. "Ich glaube, der Name kommt mir bekannt vor.", meinte Herr Holmes, goss sich ein Glas Wasser ein und löste darin eine Tablette auf. "Aber ich weiß jetzt nicht, wer das sein könnte.", fügte er hinzu und trank das Glas in einem Zuge aus. Semir war verwundert über das sonderbare Benehmen dieses Mannes, war er doch gestern noch so gut gelaunt und sein Gesicht strahlte die pure Lebensenergie aus. Und heute schien das alles ausgelöscht worden zu sein. "Entschuldigen sie mich bitte.", meinte der Industrielle und verschwand für einen Moment ins Badezimmer. Während er weg war, nutzte Semir die Gelegenheit und sah sich den Schreibtisch mal etwas genauer an. Dabei fand er auch den Brief und das Foto. "Ben, sieh mal hier.", meinte Semir flüsternd und zeigte seinem Kollegen den Brief. Sofort machte Ben mit seinem Handy ein Abdruck davon und steckte es schnell wieder weg, als Holmes zurückkam. "Entschuldigen sie, aber mir ist jetzt eben eingefallen, woher mir der Name so bekannt vorkommt.", fing er an zu erzählen und schien jetzt nicht mehr so blaß zu sein wie vorher. Als Christopher im Bad war, hatte er beschlossen seine Familie unter allen Umständen zu schützen. Er war nicht umsonst ein meisterhafter Schütze mit der Pistole und hatte es bei der englischen Garde zu Fuß immerhin zum Captain gebracht, bevor er selbstständig aus dem aktiven Dienst austrat, um seinen Vater unter die Arme zu greifen. "Und woher kennen sie ihn?", fragte Semir und war auf die Antwort gespannt. "Ich hatte ihn selbst vor einigen Wochen eingestellt. Er fing als Waffentechniker an.", erwiderte Christopher und setzte sich hinter seinen Schreibtisch. "Was ist mit ihm oder aus welchem Grund erkundigen sie sich bei mir nach Fischer?", wollte er dann wissen und setzte seine Brille auf die Nasenspitze. "Er ist tot. Wir fanden ihn heute morgen mit durchlöcherter Stirn.", erwiderte Ben und schaute zum Industriellen hinunter. "My god, thats terrible.", kam es bedrückt aus dem Munde des englischen Fabrikanten und er sank betroffen nach hinten in seinem Stuhl. "Wir haben diese Fotos bei ihm in der Wohnung gefunden. Wissen sie, wie er darangekommen sein kann?", fragte Semir und stemmte sich auf den Glastisch. Er konnte nun genau in die entschlossenen, nachdenklichen blauen Augen sehen, die, seiner Meinung nach, einen gefährlichen Funken in sich bargen. "I don't know. Eigentlich weiß keiner der niederen Angestellten, wo meine Privatadresse liegt.", erwiderte er und war völlig ruhig geworden. "Wenn sie mich jetzt entschuldigen, meine Familie wartet auf mich und sie haben bestimmt auch noch einiges zu tun.", meinte Christopher Holmes, zog sich Mantel und Schal an, es war draußen schon sehr kühl, und schnappte sich seinen riesig wirkenden Aktenkoffer. Semir und Ben mussten sich erstmal mit dem zufrieden geben, was sie erfahren hatten. Die drei verließen das Büro, verabschiedeten sich von der Sekretärin und fuhren dann gemeinsam mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss.


    Als sie den Ausgang hinter sich hatten und jeder auf dem Weg zu seinem Wagen war, rief Christopher Holmes Semir noch eine mündliche Erinnerung zu, bevor er in seinen Wagen stieg. "Und vergessen sie nicht, morgen pünktlich um sieben.", rief er Semir zu, als plötzlich ein Schuss die Luft durchpeitschte und die hintere Scheibe des schwarzen Jaguars durchschlug. Sofort ging der Engländer in Deckung, war jedoch so überrascht, dass er seitlich auf den Boden fiel. Sofort eilten Ben und Semir mit gezogenen Waffen in seine Richtung. Während Ben den Ursprung des Feuers suchte, zog Semir den großen Kerl hinter das Auto in Sicherheit.


    ...

  • "Verdammt, wo kommen die Schüsse her?", fragte Semir schreiend und kniete hinter dem Jaguar. Bens Blicke fielen auf einen Wagen in einer Seitenstraße, auf dessen Dach er ein Gewehr zu sehen glaubte. Schnell richtete er seine Waffe aus und schoß in diese Richtung. Dann plötzlich ließ der Kugelwechsel nach und das Auto raste mit einem Affenzahn aus der Seitenstraße Richtung Autobahn. Ben rannte auf die Straße und gab noch einige Schüsse auf den Wagen ab. Dann jedoch war dieser außer Reichweite und der Kommissar ging zu seinem Kollegen, um nachzusehn ob alles in Ordnung war. "Ist bei euch alles okay?", fragte Ben und ging neben Semir in die Hocke. "Bei mir schon.", erwiderte Semir, steckte seine Waffe zurück und stand auf. Auch Christopher Holmes hatte sich vom Schrecken erholt und kam langsam wieder auf normale Körperhöhe. "Was bitte sollte das?", fragte Semir mehr den Industriellen, als seinen Partner. Doch Christopher schwieg und sah sich nur die Einschusslöcher in seinem Wagen an. "Hat das etwas mit dem hier zu tun?", fragte Ben und konfrontierte ihn mit dem Abdruck des im Büro gefundenen Zettels. Plötzlich wurde sein Blick ganz starr. "Wo haben sie das her?", fragte Holmes wütend und wollte dem Kommissar das Handy aus der Hand reißen. Doch Ben zog das Handy schnell genug zurück. "Anscheinend hast du recht.", meinte Semir dann zu Ben und nahm den Wutausbruch als Zugeständnis. "Bitte behandeln sie das vertraulich. Ich kann ihnen nicht mehr darüber sagen.", erwiderte Christopher mit einem verzweifelten Blick. "Ich ruf jetzt erstmal die Kollegen an. Die sollen sich das hier genauer ansehen.", meinte Ben und drehte sich dann um. Semir sah den Mann mit ernster und dennoch mitfühlender Miene an. "Sir, sie können mir vertrauen.", fing er an und legte seine Hand auf die Schulter des Mannes. "Was sie mir erzählen, behandle ich vertraulich. Nur mein Kollege wird davon erfahren und sonst niemand.", meinte Semir und sah in die verzweifelten blauen Augen des Mannes. "Semir, ich darf doch Semir zu ihnen sagen?" Dieser nickte nur. "Es wäre vielleicht besser, es ihnen gleich zu erzählen, aber ich kann nicht. Morgen in meinem Haus, da werden sie alles erfahren. Ist auch dann der bessere Ort dafür.", meinte Christopher und quälte sich ein Lächeln heraus. Semir nickte zustimmend.


    Schon nach wenigen Minuten waren die Kollegen und die Spusi am Tatort. "Und Hartmut, kannst du schon was zu der Waffe sagen?", fragte Ben den rothaarigen Techniker, als dieser in der Seitenstraße zugange war


    ...

  • "Also, was ich euch bisher sagen kann, ist herzlich wenig.", meinte Hartmut. Ben schaute ihn unglaubwürdig an und auch Semir schien mit der Antwort nicht zufrieden zu sein. "Ja Mensch Hartmut, du wirst uns doch wenigstens sagen können, aus was für einer Waffe diese Patronen abgefeuert wurden." "Eben, ich glaube kaum, dass man damit auf Tauben schießen kann. Die sehen dann hinterher eher aus, wie ne Fledermaus nach der Wurmkur.", meinte Ben und warf eine der Patronen immer wieder in die Luft und fing sie wieder auf. "Okay, okay - Also, meiner Meinung nach stammen die Partonen von der neuen halbautomatischen Scharfschützen-Maschinenpistole wie sie die Bundeswehr gerade im Testlauf haben.", erwiderte Hartmut und sah dabei in entsetzte und überraschte Gesichter. "Und nun ratet doch mal, wer für diese Waffen den Auftrag bekommen hat?", fragte der Techniker und richtete seinen Blick Richtung Firmensitz von JB Enterprizes. "Das glaube ich nicht.", meinte Ben wütend und warf Hartmut die leere Patrone wieder zu. "Wie konnte Fischer solch eine schwere Waffe an sich bringen, ohne dass es jemand gemerkt hat?", fauchte er und schritt dabei hin und her. "Das rauszufinden, ist nicht mein Problem.", verabschiedete sich der Techniker. "Wir sollten uns diesen Geschäftsführer noch einmal gründlich zur Brust nehmen. Der weiß mehr, als er uns sagen will.", mutmaßte Ben und wollte schon wieder nach vorne stürmen, doch Semir packte ihn am Jackenarm und hielt ihn auf. "Ben, jetzt lass ihn erstmal zur Ruhe kommen. Wior können auch von einem anderen Firmenmitglied erfahren, wer alles an diesem Projekt gearbeitet hat.", meinte Semir mit schützender Stimme. Ben grummelte zwar ein bisschen, ließ aber den Einspruch gelten.


    So sprachen sie mit dem stellvertretenden Leiter der Waffenforschungsabteilung. Dieser erzählte ihnen, dass Fischer die Waffe gestern von der Bundeswehr abholen sollte, weil noch kleinere Feineinstellungen nötig waren. "Was für Feineinstellungen sollten denn vorgenommen werden?", fragte Semir und verschränkte die Arme vor seinem Bauch. "Nun, im Test hatten die Soldaten festgestellt, dass die Waffe beim Magazinwechsel etwas hakte und nicht gleich schoß, wenn man durchzog.", erwiderte der Mann. "Warum wurde dann die Waffe überhaupt zum Test freigegeben, wenn solch Fehler vorhanden waren?", fragte Ben. "Der Chef bestand auf den Termin, weil ihm das Ministerium im Nacken saß.", entgegnete der weißgekittelte Mann und verabschiedete sich wieder von den Kommissaren. Ben und Semir fuhren, nachdem sie für Christopher, der versicherte, dass mit ihm alles soweit okay war, ein Taxi bestellt hatten, wieder in die PASt zurück. Dort angekommen suchte Ben alles raus, was sich über Christopher Holmes finden ließ. Ihm schmeckte dieser Geschäftsmann nicht, was bestimmt auch daran lag, dass er im Gebahren und Verhalten seinem Vater so sehr ähnelte.


    ...

  • Semir und die Chefin standen an den Schreibtisch gelehnt, hatten jeweils einen Becher Kaffee in der Hand und lauschten Bens Worten. "Christopher Holmes, geboren 1964 in Plymouth, Südwestengland. Absolvierte seinen Militärdienst in Deutschland und Großbritannien, ausgebildeter Schütze und guter Fechter. Stammt aus einer der ältesten Familien Englands.", meinte Ben und klickte die verschiedenen Bilder durch, die er zu ihm finden konnte. Anna und Semir hörten in Ruhe zu und Semir musste etwas schmunzeln, da Ben manchmal abfällige Gesten bei seinem Bericht machte. "Was wissen wir über seine Geschäfte? Der Angriff von vorhin könnte doch mit einem Konkurrenten zusammenhängen?", meinte Anna und nahm einen Schluck aus ihrer Tasse. "Da habe ich folgendes gefunden. Nachdem er 1996 aus dem aktiven Dienst ausgetreten ist, übernahm er das Firmenbüro in Antwerpen. Dort wurde ein Auftrag der Polizei vergeben. Nach einem langen harten Verhandlungskampf bekam seine Firma den Zuschlag." "Was passierte mit der anderen Seite?", fragte Semir und schaute nachdenklich den großen Bildschirm an. "Das wird dich interessieren. Gerüchten zufolge wurde an dem Geschäft rummanipuliert, das heißt, es sollen einige bestochen worden sein, damit JB Enterprizes den Zuschlag erhält. Die andere Firma hatte ihr gesamtes Vermögen in diesen Auftrag gesetzt. Nach der Endausschreibung soll sich der Besitzer in seiner Wohnung erhängt haben.", erklärte Ben und schaltete nach seiner Präsentation den Bildschirm aus. "Also, wenn ihr mich fragt, da ist doch das Motiv für den Angriff von vorhin zu suchen.", meinte Ben und warf die Fernbedienung auf einen Aktenstapel. "Sie meinen Rache? Warum dann erst jetzt, nach all den Jahren?" "Keine Ahung, aber es hat offenbar eine Drohung gegen Holmes gegeben.", meinte Semir und zeigte der Chefin den Ausdruck von Bens Handy, den er heute im Büro gemacht hatte. "Okay, finden sie alles über den Deal von damals raus. Ich denke, die Antwort zu dem Fall ist diesmal in der Vergangenheit zu suchen.", erwiderte sie und verließ daraufhin das Büro. Semir und Ben suchten sich alle Akten zu dem damaligen Vorfall raus. Doch Semir war mit seinen Gedanken woanders. Hatte seine Menschenkenntnis so versagt, als er gestern neben Christopher Holmes im Wagen saß und sie sich über Familie und Hobbies unterhielten? Ihm war noch nicht klar, was für eine Wendung dieser Fall nehmen würde.


    ...

  • Christopher Holmes kam bedrückt und noch immer unter Schock stehend in seinem Haus an. Es lag inmitten eines Waldes, die Auffahrt nur schwer für einen Ortsunkundigen zu finden. Hinter dem Haus verlief ein kleiner Waldpfad, der direkt zu einem wunderschönen Rheinplateau führte. Er hatte dieses alte Jagdhaus gekauft, restauriert und modernisieren lassen. In der Auffahrt stand, neben einem Familienvan, ein alter Aston Martin. Sein sonst so geordnetes Leben war heute mächtig aus den Fugen geraten und während er den Schlüssel im Schloss umdrehte, dachte er über das heute geschehene gründlich nach. Ihm war klar, dass der Schuss in die hintere Scheibe nur eine Warnung war, eine Warnung, die die schriftliche Warnung verdeutlichen und Angst schüren sollte. Und das hat es auch bewirkt. Angst machte sich im Körper des Unternehmers breit. Nicht um das eigene Leben, das war er aus Militärzeiten gewöhnt zu riskieren. Nein, Angst um seine kleine Familie. Schnellen Schrittes ging er ins Arbeitszimmer und kontrollierte seine, aus einer verschlossenen Schublade hervorgeholte Waffe. Sie funktionierte noch und war einwandfrei in Ordnung. Doch er konnte sie nicht hier bei sich tragen. Zumal er seiner Frau erst von den heutigen Ereignissen erzählen musste.


    "Hallo, du bist ja schon da?", fragte ihn plötzlich eine honigsüße, engelsgleiche Stimme. Er nickte nur betrübt. Sie kam an seine Schultern, legte ihre kleine, sanfte Hand auf und merkte, dass ihr Mann am ganzen Körper zitterte. "Was hast du? Du zitterst ja? Ist irgendwas passiert?", fragte sie und kniete vor ihrem Mann, sah ihn mit ihren grünen Augen besorgt an. Er konnte diesem Blick noch nie widerstehen. Mit hängendem Kopf erzählte er, was ihm heute widerfahren war. Sie hörte betroffen zu und lauschte den Worten ihres Mannes. "Wer tut so etwas nur?", fragte sie dann und nahm die Hand ihres Mannes fest in die ihre. "Weiß die Polizei davon? Was wird sie unternehmen, um uns zu schützen?", wollte sie dann wissen. "Die Polizei war ja dabei. Sie sind am Fall dran.", meinte Christopher und stand auf, sah in seinen wunderbar angelegten Garten hinaus. "Und was ist mit unserem Schutz?", fragte sie. "Ich werde mit George reden. Er wird uns bestimmt helfen.", meinte ihr Mann.


    Der nächste Tag verlief für Semir und Ben etwas erfreulicher. Endlich hatten sie nämlich Akteneinsicht bekommen und machten sich sofort ans Durcharbeiten. Da fiel Semir eine Tatsache ins Auge.


    ...

  • "Schau mal Ben. Der damalige Handelsgegner hatte einen Sohn. Laut der Ermittlungsakte der Polizei, die damals den Selbstmord untersucht hatte, hat er damals Rache dem Mörder seines Vaters geschworen.", erzählte Semir zusammenfassend. "Wie alt war er denn damals?", wollte Ben wissen. Semir sah in die Akte. "Nicht einmal 17 Jahre.", erwiderte Semir und schloss die Akte. "Dann ist er jetzt so um die 30. Sehen wir doch mal nach, was der Computer über ihn hat.", meinte Ben und begab sich in den Vorraum zu Susanne. Er sprach ein paar Takte mit ihr und kam dann wieder ins Büro zurück. "Also, Susanne kümmert sich darum. Wollen wir dann mal wieder auf die Straße?", fragte Ben und hielt Semir die Wagenschlüssel hin. "Okay, aber ich fahre.", erwiderte er und schnappte sich die Schlüssel. Schon nach wenigen Minuten hatten sie die PASt verlassen und fuhren mit Bens Mercedes vom Hof.


    Sie hatten kaum mit ihrer Runde begonnen, da meldete sich schon Susanne. "Semir, Ben. Ich habe den Namen und die Adresse des Mannes, den ihr sucht. Er heißt Theo Renack und wohnt in einem kleinen Appartement in der Beerenseestraße 45.", meinte sie. "Okay, wir fahren mal hin. Danke, Susanne.", meinte Ben und schaltete den Funk wieder aus. "Hast du gehört?" "ja, da sehen wir uns doch gleich mal um.", meinte Semir und fuhr an der nächsten Abfahrt runter, um zu wenden.


    Nach einer halben Stunde parkte Semir vor dem Mietshaus. Die Kommissare stiegen aus und fuhren in die dritte Etage hinauf. Sie standen vor der Tür und klingelten, doch niemand öffnete die Tür. "Sag mal, hörst du auch diese Schreie?", fragte Semir und griff in seine Jackentasche. "Ja, furchtbar, als ob jemand umgebracht wird.", erwiderte Ben und sah sich ruhig nach allen Seiten um. Mit lässiger Ruhe öffnete Semir die Tür und beide sahen sich in der Wohnung um. Ben sah sich am Arbeitsplatz um. Dabei stieß er, rein zufällig, an einen Stapel Bücher, die mit großem Poltern auf den Boden fielen. "Na, was haben wir denn hier?", fragte er und rief seinen Kollegen zu sich. "Semir, ich hab hier was gefunden.", rief Ben und sofort war sein Kollege bei ihm. "Was hast denn gefunden, dass du hier so rumschreien musst?", wollte Semir wissen, doch Ben gab ihm nur einige ausgedruckte Fotos in die Hand. "Das sind doch dieselben Fotos, die wir bei Fischer gefunden haben?", entwich es Semir. Doch gerade als er den Gedanken ausgesprochen hatte, hörte er Schritte im Flur. Sofort standen Semir und Ben in Hab-Acht-Stellung, hatten aber nicht ihre Waffen gezogen. Dann kam ein junger Mann mit verwuscheltem Haar ins Arbeitszimmer und erblickte das Chaos. Plötzlich sah er nach links und bemerkte Semir. Mit einem Satz drehte er wieder um und rannte aus der Wohnung. "Ey, stehen bleiben.", schrie Ben hinterher und flitzte mit Semir dem Flüchtigen nach.


    ...

  • Ben und Semir spurteten durch das Treppenhaus, direkt die Treppen hinunter. Ihren Vordermann konnten sie nur durch das Trampeln der Schuhe hören. Die Jagd ging durch das gesamte Treppenhaus. Die Kommissare nahmen schon die letzten Treppenstufen durch Sprünge und verringerten so den Vefolgungsabstand. Die Jagd ging auf die Straße hinaus. Quer über den Hof rannte der junge, blonde Mann. Sein Schal flatterte ihm ins Gesicht und nahm ihm vorrübergehend die Sicht. Er spürte regelrecht wie seine Verfolger näher und näher kamen. Er versuchte durch Zik-Zak-Schläge die Verfolger zu verwirren. Doch es nutzte nichts. Beim Umsehen sah er die beiden Männer, einen großen mit strubbligen Haaren und einen kleinen kurzgeschorenen. Doch er sah nicht nach vorne und so stoplerte er über eine leere Kiste. Dennoch überlebte er diesen Sturz, durch eine gekonnte Rolle rückwärts war er schnell wieder auf den Beinen und warf sich an den Zaun. Mit schnellen, hastigen Versuchen kletterte er über das wackelige Ding. Schwer atmend verweilte er kurz und sah dann, dass sich die beiden Männer aufgeteilt hatten. Nur noch der Kleine war hinter ihm her. "Verdammt, wo ist der andere?", fragte sich der Junge und rannte weiter. "Ey, bleib stehen.", rief Semir dem Flüchtenden zu. "Ich bin doch nicht blöd.", bekam er als Antwort und sah, wie der Junge in einen der Keller verschwand. Ben kam in den anderen Hof und sah sich um. Semir schwang sich über den Zaun und kam zu ihm. "Er ist in den Keller gerannt.", meinte Semir, zog seine Waffe und ging mit Ben in den Keller hinein.


    Ben drückte auf den Lichtschalter, doch es flackerte nur eine schwache Glühbirne. "Na toll, dann suchen wir ihn mal.", meinte Semir angespannt und schlich langsam mit seinem Kollegen durch den engen, verwinkelt schachtigen Keller. "Hör mal, wir sind von der Polizei und wollen uns mit dir unterhalten.", rief Ben durch den Keller und hoffte wohl auf eine Antwort, doch es kam keine. "Versammt, wo könnte er sein?", fragte Semir seinen Partner und klang dabei etwas nervös. "Der könnte überall sein.", erwiderte Ben und drückte sich an die Wand, als der Kellergang sich gabelte. Semir deckte ihn und warf einen ersten Blick um die Ecke, doch da waren zwei große Holzbretter über Kreuz genagelt, darauf ein Zettel "Wegen Havarie kann der Waschraum nicht betreten werden." "Hier kann er nicht lang sein.", meinte Ben und nahm die Waffe runter. Plötzlich hörten sie hinter sich ein Geräusch, dann Schritte und die Tür, die ins Schloss fiel. "Scheiße, der hat uns gelinkt.", schrie Semir und sprintete wieder los. Auch Ben war sofort wieder in Bewegung. Er stieß die Tür auf und rannte Richtung Straße. Er konnte nur mit Mühe dem Motorrad ausweichen, dass gerade auf ihn zukam. Am flatternden Schal konnte er ganz deutlich erkennen, dass es sich beim Fahrer um den Flüchtigen handelte. "Verflucht nochmal.", schrie Ben aus und legte auf ihn an. Doch er kam nicht mehr dazu einen Schuss abzugeben. Das Motorrad bog um die nächste Ecke und war verschwunden."Na toll, und nun?", fragte Semir außer Atem und holte tief Luft. "Hast du dir das Kennzeichen gemerkt?", fragte er dann schnippisch. "Wieso immer ich? Der Typ hätte mich beinahe kalt gemacht und du fragst nach dem Kennzeichen. Ich glaubs ja wohl.", murrte Ben etwas wütend. Beide gingen zurück zur Wohnung und verständigten die Spurensicherung.


    ...

  • Hartmunt und seine Kollegen waren fleißig bei der Arbeit. "Hartmut, hast du schon was?", fragte Semir ungeduldig und stolperte fast über den rothaarigen KTU-Techniker, der hinter einem Durchgang kniete. "Mensch Semir, so schnell geht das nicht.", erwiderte er und sah zu seinem Kollegen hoch. Dann widmete er sich wieder seiner Arbeit. Währenddessen sah Ben sich den Laptop an. Zum Glück war dieser nicht mit einem Passwort geschützt und so hatte der Kommissar freien Zugriff auf die Emails. "Semir, ich hab da was.", rief er ins Wohnzimmer und schon nach wenigen Minuten war Semir bei seinem Kollegen im Arbeitszimmer. "Schau dir mal diese Emails an.", meinte Ben und hatte einige Emails aufgerufen. "Er hat mit Fischer per Email geredet?", fragte Semir. "Sieht so aus, und immer nur über ein Thema: den Tagesablauf von Christopher Holmes.", erwiderte Ben und war schon dran, die Emails zu schließen, als seinem Kollegen plötzlich etwas ins Auge fiel. "Warte mal, klick mal auf den Anhang.", bat Semir seinen Kollegen. Ben tat, worum er gebeten wurde. Es öffnete sich ein Ordner mit verschiedenen Bildern einer Frau, die mit einem etwa vier Jahre alten Kind spielte. Beide Kommissare sahen neugierig auf die Fotos und klickten weiter durch. Da tauchte auch der von Ben so verachtete Geschäftsmann im Bild auf, küsste die Frau und nahm das Kind auf den Arm. "Scheint, als hätte es der Mörder nicht nur auf Holmes alleine abgesehen.", schlussfolgerte Ben und sah mit kritischen Blicken auf die Fotos. "Allerdings.", meinte Semir. Kurze Zeit später verließen die Kommissare die Wohnung und fuhren zurück zur PASt. Sofort gingen sie zu Anna und berichteten ihr, was passiert war.


    "Nochmal, sie haben sich von einem potentiellen Mörder und Attentäter austricksen und ihn entkommen lassen? Sind sie Anfänger oder was?", fragte die Chefin etwas außer Fassung und stemmte ihre Arme in die Hüften. "Chefin, was sollten wir machen?", fragte Ben und versuchte sich zu rechfertigen, während Semir tief in Gedanken versunken war. Anna fiel dies natürlich sofort auf. "Woran denken sie, Semir?", fragte sie. "Wenn Renack wirklich der Mörder und der Attentäter ist, dann frage ich mich, warum Herr Holmes uns nicht um Polizeischutz für sich und seine Familie bittet. In dieser Situation würde man es ihm ohne weiteres gewähren.", erklärte Semir seine Gedanken. "Da mögen sie recht haben. Sprechen sie ihn heut abend darauf an, aber diskret, wenn ich bitten darf.", meinte sie und entließ dann ihre Kommissare wieder in den Arbeitsalltag. Kurz vor fünf Uhr machte sich Semir dann auf den Weg nach Hause. Er wollte sich noch duschen und dem Anlass entsprechend zurecht machen, bevor sie abgeholt wurden.


    "Semir, ich leg dir deinen dunklen Anzug aufs Bett.", rief Andrea ins Bad, wo Semir gerade schnell duschte. "Ist gut.", kam es etwas gedrückt zurück. Andrea legte den Anzug und eine dazu passende rote Krawatte zurecht, setzte sich dann zurück an den Schminktisch und zog ihre Wimpern hoch. Nach einer Weile kam Semir, frisch geduscht, rasiert und mit angelegtem Rasierwasser ins Schlafzimmer und war vom Anblick seiner bildschönen, bezaubernden Frau begeistert. Er näherte sich ihr mit sachten Schritten, legte seine Arme um ihre Schulter und küsste ihren Hals. "Du siehst märchenhaft aus.", meinte er und schnupperte nach dem Parfum, dass er so an ihr liebte. Sie zog ihren Hals sanft zusammen. "Beeil dich, wir werden gleich abgeholt.", bat sie ihren Mann. Schweren Herzens ließ er von seiner Frau ab, setzte sich aufs Bett und zog sich seine Hose an. "Welchen Eindruck hat er eigentlich auf dich gemacht?", fragte Andrea und zog ihre Lippen nach. "Ich weiß nicht, das heißt, im ersten Moment dachte ich, er ist ein ruhiger, ausgelassener Geschäftsmann, keiner von der hintertriebenen, kaltblütigen Art. Auch nach allem, was ich gestern und und heute gehört hatte, kann ich mir noch immer nicht so ein rechtes Bild von ihm machen.", erwiderte Semir und band sich seine Krawatte. Plötzlich klingelte es an der Tür. Semir ging zur Gegensprechanlage und fragte, wer dort ist. "Herr Gerkhan, ich soll sie und ihre Frau zu Mister Holmes fahren. Ich bin ihr Chauffeur.", klang es aus dem Lautsprecher. "Wir kommen sofort.", erwiderte Semir und legte auf.


    Semir und Andrea kamen aus dem Haus und wurden mit gezogener Mütze, einem freundlichen Blick und einer offenen Wagentür eines silbernen Rolls-Royce Silver Cloud. Semir kam aus dem Staunen über diesen schicken Wagen nicht mehr heraus. "Darf ich bitten?", fragte der Fahrer und half Andrea beim Einstieg. Er hob den Saum ihres Kleides an und legte ihn vorsichtig und ohne Blickkontakt in den Wagen. Nachdem Semir eingestiegen war, ging die Fahrt los.


    ...

  • Nach einer halben Stunde Fahrt bog der Rolls-Royce in einen gepflegten Waldweg ein. Semir und Andrea staunten nicht schlecht, als sie auf das hell angestrahlte Anwesen zufuhren. "Man, was für ein Haus.", meinte Andrea nur staunend und Semir brachte überhaupt keinen Ton heraus. Ihm fiel nur schlagartig der Unterkiefer in den Schoß. "Da wären wir, Holmes Manor. Ein kleines Stück England mitten in Deutschland.", erklärte der Chauffeur und parkte den Wagen direkt vor der Eingangstür. Sofort stieg er aus, ging ums Auto herum und öffnete die Wagentür auf der Seite von Andrea. Auch hier nahm er den Saumen ihres Abendkleides und half ihr mit charmanten Blicken aus dem Wagen. Semir beobachtete dies mit argwöhnischen Blicken und stieg dann ebenfalls aus. Sie gingen zur Tür und wurden schon von einem steif stehenden, mit einem auf den ersten Blick hochnäsig wirkenden Blick Herrn erwartet. "Guten Abend, darf ich um ihren Namen bitten?", fragte der Mann in sehr gutem Deutsch mit leichtem englischen Touch. "Semir und Andrea Gerkhan.", erwiderte Semir und versuchte dabei sein Staunen mit Gelassenheit zu überspielen. "Bitte folgen sie mir.", meinte dann der Mann und gab die Tür frei. Nachdem er den Mantel und Andreas Jäckchen an die Garderode gehangen hat, führte er sie durch den endlos scheinenden Flur, der mit einigen teuren Bilder behangen war.


    Sie traten in ein viktorianisch eingerichtetes, großes Wohnzimmer. "Mister und Missess Semir Gerkhan.", rief der Butler durch den großen, mit allerlei antiquatem Zeug ausgestatteten Zimmer. "Danke Niles.", entgegnete Christopher Holmes erfreut und kam auf das Paar zu. Mit festem Griff drückte er Semirs linke Hand zur Begrüßung. Auch Semir lächelte freundlich, wenn auch etwas zurückhaltend, was dem Geschäftsmann nicht verborgen blieb. Eine Weile sahen sich die bdieen Herren in die Augen, als ob sie einander mit den Augen duellieren wollten. "Willst du mich gar nicht vorstellen?", fragte Andrea, stieß ihren Mann behutsam aber doch robust in die Seite. "Tschuldige Schatz.", meinte er nur flüsternd. "Darf ich ihnen meine Frau Andrea vorstellen?", meinte Semir und schob seine Frau ein bisschen vor. "Reizend.", flüsterte Christopher und küsste die linke Hand von Andrea. Wieder zog Semir seine rechte Augenbraue hoch und schnaufte kurz. Dann vernahm der Kommissar Schritte, die sich aus einem der Nebenzimmer näherten. Sofort war sein neugieriger Blick auf diese Tür gerichtet und wandelte sich, als eine bezaubernde, rothaarige Frau mit grünen Augen ins Zimmer trat. Christopher drehte sich blitzschnell um, hob einen Arm und führte seine Frau zu den Gästen. "Liebling, darf ich dir Semir und Andrea Gerkhan vorstellen. Das hier ist meine Frau Margret.", stellte er sie vor. Maggie, wie sie selbst am Liebsten genannt wurde, reichte beiden die Hand und führte Andrea durch das Haus. Währenddessen führte Christopher Semir in die Bibliothek, um mit ihm in aller Ruhe reden zu können.


    ...

  • Semir ließ sich in einen der mit grünem Leder überzogenen Ohrensessel fallen und betrachtete ein Gemälde, dass ihm gegenüber hing. Interessiert sah er zu dem Herrn in schwarzer Uniform mit goldenen Knöpfen auf und musterte das strenge Gesicht. Der Kommissar erkannte deutlich einige Ähnlichkeiten mit seinem Gastgeber. "Wer ist das auf dem Gemälde dort?", fragte Semir neugierig und deutete kurz mit dem Finger drauf. "Mein Urgroßvater George Isaac Wendel Holmes. Er war Inspector bei Scotland Yard und soll, laut Familienlegende, Sir Arthur Conan Doyle zu seinem Sherlock Holmes inspiriert haben.", erwiderte Christopher stolz und sah zu seinem Ahnen hinauf. Der Stolz wich jedoch wieder aus seinem Gesicht, als er still schweigend am Kamin der Bibliothek stand und nachdachte. Er suchte die richtigen Worte, um den Polizisten ins vielleicht rettende Vertrauen zu ziehen.


    "Semir, ich weiß nicht, wo ich mit dem Erzählen anfangen soll.", meinte Christopher und goss sich einen Whiskey ein. "Möchten sie auch?" Semir verneinte. "Ich war damals noch neu in dem Geschäft und das Verhältnis zu meinem Vater war ein bisschen gestört.", erzählte er, setzte sich dem Kommissar gegenüber und sah permanent auf den Boden. "Nach meinem Militärdienst, den mein Vater nicht guthieß, übernahm ich das neue Büro in Antwerpen, nachdem mein Onkel, der das Büro bis dahin leitete, bei einem Unfall ums Leben kam.", fuhr er fort und trank das Glas mit einem Zuge aus. "Dann fiel ein großer Auftrag an. Die belgische Polizei wollte ihren Fuhrpark und ihre Ausrüstung erneuern und schrieb das zu einem Wettbewerb aus." "Ich weiß. Wir haben die Akten durchgelesen.", meinte Semir, um das Ganze abzukürzen. "Sie haben den Zuschlag bekommen und damit den anderen Konkurrenten ins Aus und in den Selbstmord katapultiert.", fügte Semir hinzu und sah den Mann mit tiefernster Miene an. "Ich wollte damals meinen Vater noch beeindrucken, wollte zeigen, dass ich ihm gleichwertig bin, da habe ich ...", er schluckte kurz und sah dann Semir an. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort. "Ich habe damals schwere Schuld auf mich geladen. Das Leben eines Menschen habe ich aus lauter Profitsucht ausgelöscht, indem ich seine Existenz mit einer kleinen Unterschrift zerstörte.", erklärte er mit melancholischer Stimme und hilet das Glas fest in den Händen. "Und jetzt ist der Sohn hinter ihnen her, um sich für den Tod seines Vaters zu rächen.", beendete Semir die nachdenklichen Erzählungen seines Gegenübers. Christopher nickte energisch und stand auf. "Und jetzt ist meien Familie selbst in Gefahr. Warum?", fragte er und merkte, wie Semir nur verständnislos den Kopf schüttelte. "Aber wir sollten uns nicht von trüben Gedanken den Abend verderben. Das Essen wartet.", meinte Christopher dann und ging mit Semir zurück ins Wohnzimmer.


    Wenige Minuten später saßen sie um einen ovalen Esstisch herum und aßen genüßlich vom Hühnchen Indisch und dem Coq au Vin. Alle vier ließen sich den Rotwein genüßlich munden. Weder Semir, Andrea, Maggie noch Christopher ahnten, dass durch das Dunkel der Nacht und im Schutz der Bäume das Böse sich näherte.


    ...

  • Langsam und mit bedachten Schritten schlich eine schwarz gekleidete und vermummte Gestalt durch den das Anwesen umrundenden Wald. In seiner behandschuhten Hand trug er eine schwarze, lange Tasche. Siene Augen waren immer auf das beleuchtete Haus gerichtet. Als er gegenüber des großen Terrassenwohnzimmerfensters war, kniete er sich hin, öffnete die Tasche und zog die gestohlene Scharfschützen-Maschinenpistole hervor. Flach legte er sich auf den Boden und suchte sich die geeignete Schussposition. So bereit, legte er sich auf die Lauer und wartete auf einen geeigneten Moment.


    Von all dem, ahnten die vier Menschen im Haus nichts. Andrea und Semir genossen das Hühnchen Indisch. "Das war lecker.", meinte Andrea und tupfte sich mit der Serviette den Mund ab. "Es war ausgezeichnet. Das ist das erste Mal, dass ich Indisch gegessen habe.", fügte Semir hinzu und lehnte sich über den Bauch streichelnd zurück. So gut hatte er schon lange nicht mehr gegessen. Niles kam rein und räumte die Teller vom Tisch weg. "Das Lob gilt einzig unserem Niles. Er ist ein wahrer Künstler in der Küche.", lobte Maggie ihren Angestellten. "Deswegen ist Niles auch einfach unersetzbar.", meinte Christopher und wollte sich gerade seine Pfeife anzünden, als er von seiner Frau einen bösen, durchdringenden Blick bekam. "Excuse me.", meinte er mit eingeknickten Ohren und wedelte den Streichholz aus. "Niles, sie können dann das Dessert servieren.", wechselte er schnell das Thema. "Dessert auch noch.", stöhnte Semir etwas verlegen. Er nahm den restlichen Schluck aus seinem Weinglas, lehnte sich dann zu Christopher rüber, der neben ihm saß, und wollte ihm das Angebot seiner Chefin hinsichtlich des Personenschutzes übermitteln, als Niles mit einem weiteren Tablett wieder ins Zimmer trat.


    Doch plötzlich peitschten Schüsse durch das Fenster und das Zimmer. Voller Schrecken suchte die Abendgesellschaft unter dem Tisch Deckung. Nach wenigen Augenblicken war auch alles vorbei und langsam wagten sie sich wieder an die Oberfläche. "Ist alles okay?", fragte Semir die Beteiligten. So nach und nach bekam er von Andrea und Christopher eine positive Bestätigung. Doch Maggie war nicht wieder aufgetaucht. Semir merkte wie Christophers Blick erstarrte, seine Augen größer und entsetzter wurden. "Mi amore. No, no, NOoooooo!", schrie er, als er ihren leblosen Körper neben dem Stuhl entdeckte. Sofort stürzte er zu ihr und nahm ihren Kopf in den Arm. Auch Semir, ebenfalls mit entsetztem Blick erfüllt, doch rationaler, kniete sich neben ihr und fühlte ihren Puls. Aus der Brust der Frau trat Blut und verschmierte Abendkleid und Boden. "Sie hat noch Puls. Andrea, ruf einen Notarzt und die Kollegen an.", rief er seiner Frau zu. Andrea tat es sofort und hatte nach wenigen Minuten die Zentrale erreicht. Doch Maggie schien nicht das einzige Opfer des heimtückischen Angriffs zu sein. Semir erblickte einen weiteren niedergestreckten Körper in der Tür liegend. Es war Niles. Auch bei ihm fühlte der Kommissar den Puls, doch er sah schon auf dem ersten Blick, dass hier keiner mehr helfen konnte. Der Butler und Koch war durch einen gezielten Schuss in die Stirn getötet worden.


    Schon wenige Minuten später waren RTW, Notarzt und die Kollegen mit Ben an der Spitze vor Ort.


    ...