Verzeifelte Bitte um Vergebung

  • Hallo Leute! Also ich bin noch ganz neu hier! Da sich meine Schwester Jenni aber so sehr eine Geschichte von mir gewünscht hat, habe ich gedacht ich wage mich mal an eine kleine heran! Ich hoffe sie gefällt euch! :rolleyes: :S Und dir Jenni! ;)
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    Zwei grelle Lichter durchbrachen die tiefe Dunkelheit. Das Funkeln der Sterne verblasste.
    Ein schwarzer VW Golf mit vier Insassen näherte sich in hohem Tempo und verschreckte eine Füchsin die gerade mit ihren Jungen die Straße hatte überqueren wollen.
    "Komm trete auf`s Gas Thomas,ich möchte nach Hause." Patrick drückte sich aus seinem Rücksitz und schob sich nach vorne,was sich in seinem Zustand recht schwierig gestaltete. In seiner rechten Hand hielt er eine Bierflasche, mit der linken krallte er sich an der Lehne des Vordersitzes fest.
    "Hey, hast du vielleicht das Verkehrsschild an dem wir gerade vorbei gefahren sind nicht gesehen? Da stand 80kmh." Thomas behielt seinen Blick fest auf die Straße gerichtet und ließ sich nicht von seinem Freund ablenken. Warum musste sich Patrick bei jeder Party so volllaufen lassen,dachte er leicht genervt.


    Julie die neben ihm auf dem Beifahrersitz saß,wande ihren Blick vom Fenster zurück ins Wageninnere. Sie grinste. "Komm lass ihn", meinte sie beschwichtigend. "Spätestens morgen ist er wieder ganz der Alte!" "Ja, bis er sich das nächste Mal die Kante gibt", antwortete Thomas sarkastisch.
    "Jetzt lasst ihn doch mal!", beschwerte sich Cindy und versuchte ihren Freund wieder nach hinten zu ziehen.
    "Lass mich!", lallte dieser und entzog ihr seinen Arm. Stattdessen zog er sich weiter nach vorne und drehte die
    Musikanlage auf, ehe er sich einen weiteren Schluck aus seiner Flasche gönnte. "Och muss das sein!",stöhnte Thomas
    und wollte schon nach dem Schalter greifen. Doch Patrick hielt ihn ungahnt schnell auf. "Ej, das ist meine Karre ok!?
    Also kann ich auch bestimmen, ob Musik läuft oder nicht." Zufrieden ließ er sich zurück in seinen Sitz fallen und rülpste lautstark.


    "Ich bitte dich, das nennst du Musik!?" fragte Julie amüsiert. "Hör nicht auf diese Kulturbanausen. Ich finde diesen Sound echt gut!",ließ Cindy verlauten während Patrick sich wieder auf ihren Schoß sinken ließ. "Siehst du, das nenne ich Loyalität", plärrte Patrick. "Na klar, das sagst du ja auch nur weil du mit diesem besoffenen Typ da, zusammen bist", spottete Julie. "willst du dir nicht endlich einen anderen suchen?" "Hey was soll das?Ich liebe meinen Freund." Und wie um das zu beweisen, täschelte sie sanft Patricks Kopf.
    "Oh man ist mir schlecht!" Etwas angwidert starrte Cindy auf ihren Freund. "Du wirst jetzt aber nicht kotzen! Diese Hose ist neu! Ich warne dich!Komm geh hoch!", sagte sie fest und schob Patrick von sich. "Vonwegen du liebst mich!"


    Schwerfällig rappelte er sich auf. Mühsam betätigte er die Fensterkurbel, sodass die Musik nun ungehindert nach draußen trang und die Stille der Nacht zerriss. "Was soll das, ich habe keine Jacke mit!", quengelte Cindy nun und zog sich in die andere Seite des Wagens zurück. "Gott,ihr seit wirklich ein Traumpaar! Julie hatte sich umgedreht
    und lachte nun schallend. Normalerweise war sie die ruhigste der vier Freunde, doch heute war auch sie sehr aufgekratzt.
    Wahrscheinlich durch den Alkohol und diese scheußliche Musik, dachte sie und drehte sich wieder nach vorne.
    Normalerweise ließ sich sich auch nicht auf solche Partys schleppen. Viel lieber hätte sie sich mit Thomas zusammen im Bett verkrochen. Doch Cindy hatte diesmal keine Ausrede gelten lassen. Wenigstens war sie nicht allein mit diesen verrückten Irren, dachte sie und lächelte in sich hinein. Die Sache mit Thomas war noch ganz frisch. Sie hatten es sich lange Zeit sehr schwer gemacht, doch nun waren sie endlich glücklich zusammen und sie wünschte sich nichts sehnlicher,als mit ihm alleine zu sein. Thomas schien ihre Gedanken gelesen zu haben, denn auch er lächelte kurz.



    "Hey, ist noch Bier da?" Patrick hatte sich offenbar wieder erholt. Mit einem schiefen Lächeln beugte er sich nach vorne.
    In seinen Händen baumelte die fast leere Bierflasche. "Patrick, du bekommst heute keinen Schluck mehr!" Thomas warf einen kurzen Blick in den Rückspiegel, in dem sich das verqollene Gesicht seines Freundes spiegelte. "Sieh dich nur an. Es ist Schluss!Das einzige was du heute noch tust, ist dich in dein muffiges Bett zu legen und deinen Rausch auszuschlafen." Julie neben ihm kicherte leise. "Für mich ist noch lange nicht Schluss! Im Gegenteil es geht gerade erst los!" Leicht wankend drückte er sich nach oben und kurbelte das Dachfenster auf. Die leeren Bierflaschen die überall auf der Rückbank verteilt lagen, klirrten als er sich nach draußen zog.



    "Patrick was soll das?Komm wieder rein!" Eine feuchte Kälte zog durch das Auto und Cindy spürte wie sie eine Gänsehaut bekam.
    "Gott, dieser Kerl macht mich verrückt!", stöhnte sie und versuchte Patrick wieder zurück in den Wagen zu ziehen. Doch dieser beachtete sie garnicht. "Seid doch nicht so steif! Das hier wird die Party des Jaaahhhrhunderts...", johlte er. "Und niemand wird uns aufhalten!"
    Mit einem Ruck riss er seine Rechte in die Höhe.


    Das nächste passierte in nur wenigen Sekunden. Patrick rutschte auf einigen der Bierflaschen aus, wobei seine eigene aus seiner Hand rutschte und ins Wageninnere flog. Der restliche Inhalt ergoss sich über das Lenkrad und die Vordersitze.
    "Verdammt Patrick, pass doch auf!" Thomas versuchte blitzschnell die Flasche zwischen seinen Füßen hervor zu ziehen, bevor sie unter die Pedale rollte, als es plötzlich laut krachte und das Auto von seiner Fahrbahn gerissen wurde. Gellende Schreie zerrissen die Dunkelheit.
    Panisch tauchte Thomas unter dem Steuer auf und versuchte das Auto, dass wild über die Straße schlingerte, wieder unter Kontrolle zu bekommen.
    Nach einer scheinbar endlosen Ewigkeit kam der Wagen quer über der Straße zum stehen. Stille. Die Welt schien stehen geblieben zu sein.
    Mit vor Schrecken erstarrten, weit aufgerissenen Augen, schauten Julie, Thomas und Cindy hinaus in die Dunkelheit. Der Schock und die Angst schwebte wie eine dunkle Wolke über ihnen. "Thomas... was war das!?" Julie war die erste die das Schweigen brach, aber auch sie brachte nicht mehr als ein Flüstern zustande.
    In diesem Moment rutschte Patrick zurück in den Wagen. Sein Gesicht war leichenblass. Doch... "Patrick du blutest!"

  • Entschuldigt!Habe es gestern doch nicht mehr geschafft!Hier also das nächste kleine Stück.




    "Also ich mache mich jetzt auf den Weg!" Etwas steif erhob sich Semir von seinem Schreibtisch und streckte sich genüsslich.
    Draußen war es bereits dunkel und ein Blick auf die Uhr sagte ihm das es schon kurz vor 19 Uhr war.
    "Was??? Und was ist mit der ganzen Arbeit hier? Soll ich das etwa alleine machen?" Genervt schaute Tom von dem Stapel Papieren vor ihm auf. "Komm das schaffst du schon. So viel ist es ja auch garnicht mehr.", versuchte Semir ihn zu überzeugen. "Außerdem bist du mein Freund und wozu sind Freunde da,wenn nicht dafür einen in solchen Situationen zu unterstützen!?"fügte er hinzu und war ganz zufrieden mit seiner Rede. "Von welchen Situationen sprichst du bitte? Wo willst du denn hin?" "Ich bin mit jemandem verabredet.", antwortete er geheimnissvoll. "Aha, das muss aber jemand ganz besonderes sein, wenn du mich dafür sitzten lässt." Tom lehnte sich in seinem Stuhl zurück und schaute prüfend in Semirs Gesicht. "Komm wer ist es?" "Na gut.Andrea!" In Semirs Gesicht zuckte es, bei dem Versuch ein Grinsen zu unterdrücken. Tom musste ja nicht gleich alles wissen. Doch seine dunklen Augen strahlten. "Ach jetzt geht mir ein Licht auf. Deswegen ist Andrea den ganzen Tag so gut gelaunt gewesen. Ich habe sie sogar einmal erwischt, da ist sie summend in das Büro der Chefin gerauscht." "Ach wirklich?!" Nun konnte Semir doch nicht umhin zu lächeln.
    "Dich hat es aber schwer erwischt oder!?" Tom erwiederte sein Lächeln. "Ja also in einer Stunde bin ich mit ihr verabredet." Semir deutete auf die Uhr, die rechts von ihnen an der Wand hing.
    "Hau schon ab!" Tom nickte in Richtung Tür. "Und viel Spaß!", fügte er dann noch hinzu. "Danke!" Semir nahm glücklich seine Jacke vom Stuhl und zog sie sich über. Schon war er bei der Tür. "Schönen Abend noch!" Ja klar, dachte Tom ironisch. "Ach Semir!?" Dieser war in Gedanken wohl schon ganz wo anders. Trotzdem drehte er sich noch einmal um. "Ja?" "Ich habe noch was gut bei dir!" Das war keine Frage. Ein freches Grinsen huschte über Tom`s Gesicht. "Jaaa klar!" Semir wande sich zum gehen. Nur mit Mühe konnte er sich ein Lachen über das Lausbubengesicht seines Freundes verkneifen.



    Entsetzt starrten Julie und Thomas auf Patrick und mussten feststellen das Cindy recht hatte. Patricks Kopf war voller Blut und auch sein Hemd hatte unzählige rote Spritzer und Flecken. "Was soll das? Was glotzt ihr mich so an?!" Panisch griff sich Patrick an den Kopf. Seine Augen weiteten sich vor Angst, als er das Feuchte an seiner Stirn spürte. Stumm ließ er seine Hand sinken, die voller Blut war. "Das alles ist ein ganz schräger Traum... ein verdammt schräger Traum.", murmelte er vor sich hin und betastete wiederum seinen Kopf. Erst langsam, dann immer hektischer. "Warte Patrick! Wir müssen die Wunde verbinden!" Cindy versuchte seinen Arm zu fassen, doch es gelang ihr nicht. "Halt still!", schrie sie und als er immer noch nicht reagierte wande sie sich an Thomas und Julie. "Haltet ihn fest. Ihr müsst ihn festhalten!" "Ich kann nicht!" Julie würgte. Alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewischen. "Ich mach das schon." Thomas wollte nach hinten klettern, als Patrick schrie: "Wartet, das bin nicht ich!" "Was!?" "Das bin nicht ich!", wiederholte er. "Das ist nicht mein Blut. Ich habe nirgends eine Wunde." Bist du sicher!?" fragte Cindy ängstlich. "Aber...", Thomas hielt in seiner Bewegung inne. "Wenn das nicht dein Blut ist, wessen ist es dann!?" Die Frage schwebte wie ein großes Unheil über ihnen. "Na hast du dich vielleicht mal gefragt, wieso wir von der Fahrbahn abgekommen sind!?", schrie Patrick lauter als er eigentlich gewollt hatte. "Nein, entschuldige, aber ich hatte leider zuviel damit zutun den Wagen unter Kontrolle zu bekommen und festzustellen ob mein Freund vielleicht gerade am verbluten ist!", brüllte Thomas zurück. "Hey hört auf.Wir müssen versuchen ruhig zu bleiben.", sagte Julie und versuchte gelassen zu wirken, obwohl sie sich beiweiten nicht so fühlte. Sie holte tief Luft ehe sie weitersprach: "Darüber das wir gerade irgendwen oder was angefahren haben sind wir uns doch einig,oder!?" Sie wartete einen Moment, aber niemand antwortete ihr, also sprach sie weiter: "Wir müssen rausgehen und schauen was es war!" Cindy zog tief die Luft ein.
    "Und dann? Was machen wir dann?" Patrick lehnte sich stöhnend in den Sitz zurück. "Das weiß ich nicht. Wir können jedenfalls nicht einfach weiter fahren.", antwortete Julie entschlossen. "Thomas?", bittend schaute sie in dessen Gesicht. "Gut.Gehen wir." Kurz drückte er Julie`s Hand und langte dann nach dem Türgriff.
    Langsam stieg er aus dem Auto. Julie tat es ihm nach und nach einigen Sekunden folgten ihnen auch die anderen beiden.

  • Ein leichter Nebel war aufgezogen. Kein Laut drang aus der Dunkelheit. Julie konnte nur den schwachen Atem ihrer Freunde vernehmen, die dicht neben ihr standen. Ihr Herz rasste und sie war sich sicher, das es den anderen ebenso ging. Unsicher trat sie einen Schritt nach vorne. "Verteilt euch auf der Straße. Vielleicht liegt es am Straßenrand." Sie benutzte bewusst das Wort "es". Sie wollte sich garnicht ausmalen, was sie eben angefahren hatten.
    Während Cindy und Patrick die rechte Straßenseite absuchten, nahmen Thomas und Julie den linken Straßenrand.
    "Sicher war es nur ein Reh oder vielleicht ein Wildschwein.", sagte Patrick trotzig mit dem Gesicht auf den Boden gewand. "Und wenn du dieses Wildschwein wärst, fändest du es da schön wenn man dich einfach am Straßenrand verbluten lässt!?", gab Cindy zurück, die sich über den Tonfall von Patrick ärgerte. "Der Unterschied von mir zu diesem Wildschwein ist aber, das ich nicht mitten in der Nacht über die Straße rennen würde!" Patrick war stehen geblieben und hatte sich zu seiner Freundin umgedreht. "Ach ja!?So viel Grips hätte ich dir garnicht zugetraut!" Zornig funkelten sich sich an.
    "Ach du kannst mich mal." Wütend wande er sich um. Sein Fuß donnerte gegen die Leitblanke.


    Julie fuhr herum. "Was war das?" "Oh, sicher nur die anderen beiden" Auch Thomas hatte den Lärm ein Stück hinter ihnen gehört. Beruhigend strich er über Julies Arm. "Ich kann sie garnicht mehr sehen." Angestrengt strarrte sie durch den Nebel der immer dichter wurde. "Komm suchen wir weiter. Falls sie irgendetwas finden werden sie schon rufen." "Ja du hast Recht." Entschlossen lief sie weiter. Thomas war dicht hinter ihr. "Warum zum Teufel habe ich mich nur von Cindy überreden lassen auf diese Party mitzukommen!? Und warum musste ich dann auch noch dich mitschleppen?" Ein dunkler Schleier voller böser Vorahnungen hatte sich um ihr Herz gelegt. Die nackte Angst kroch ihr den Rücken hinunter. Es schüttelte sie. "Hey, jetzt hör auf damit! Wir werden jetzt diese Straße entlang gehen und heraus finden was es war.
    Damit dieser Alptraum endlich aufhört." Sie waren nur wenige Meter voran gekommen, als der Nebel sich vor ihnen auftat. Das kalte Licht des Mondes warf einen silbernen Schimmer auf eine dunkle Masse die in weniger Entfernung vor ihnen auf der Straße lag.
    Julie stockte der Atem. Sie lief erst langsam, dann immer schneller.


    "Neeeeeeiiiiiinnnn!" Ein lang gezogener fürchterlicher Schrei zeriss die Stille wie ein Peitschenhieb. Einige Vögel in der Nähe stoben erschreckt von ihren Bäumen auf.Blätter raschelten und Äste knackten.
    "Was..." Entsetzt blickten Cindy und Patrick sich an. Dann rannten sie los. Sie schienen Flügel zu besitzen.
    Die Angst trug sie in Sekundenschnelle zu Julie und Thomas. Die beiden standen wie reglos am Rand der Straße und starrten auf den Boden. "Es war ein Mensch...ein Mensch!", hörte Cindy Julie schreien.
    Geschockt standen die vier vor der verkrümmt am Boden liegenden Gestalt. Cindy hatte die Hände vor den Mund gerissen. Julie lief die Schinke über das verweinte Gesicht. "Neeiinn!" Diesmal war Julie`s Ausruf eher ein tiefer Schluchzer als ein Schrei. Verzweifelt ließ sie sich auf die Knie fallen.
    Cindy die dicht neben ihr stand, fand ihre Stimme wieder:"Jemand muss seinen Puls fühlen. Vielleicht lebt er noch!" "Waas!? Vergiss es! Wenn du willst dann mach du das doch, aber ich..." "Halt den Mund!", unterbrach Thomas Patrick. "Cindy hat Recht!" "Stimmt,und du wirst das machen schließlich hast du ihn überfahren, oder etwa nicht!?" "Sag mal spinnst du!? Wer hat denn die Flasche ins Auto fallen lassen." "Fühlt seinen Puls!", schrie Julie und Thomas verstummte. Er warf einen kurzen Blick auf Patrick und näherte sich dann vorsichtig der dunklen Gestalt. Widerwillig ging er vor ihr in die Hocke. "Wer ist es!?", fragte Cindy. Thomas starrte auf das Gesicht, oder dorthin wo es einmal gewesen war.Die Kleidung war vollkommen zerrissen,dreckig und voller Blut. Die Arme lagen irgendwo verschrängt unter dem Rücken und die Beine standen in einem seltsamen Winkel ab. Es war ein Mann. "Ich weiß nicht. Sein Gesicht ist völlig zermatscht." "Oh mein Gott!" "Schau nach seinem Puls." wiederholte Julie. "Ja... ich..." Er verstummte.
    Widerstrebend näherte Thomas sich dem Hals, des scheinbar Toden, mit seinen kalkweißen, eiskalten Händen.
    Die Haut fühlte sich feucht und warm an. Doch mehr spürte er nicht. Kein sanftes und regelmäßiges Pochen. Es schien für immer verstummt. Langsam ließ er seine Hand sinken. "Ich fühle nichts. Ich glaube er ist tot."

  • Tom hatte noch eine ganze Weile zügig weiter gearbeitet. Doch von Minute zu Minute war er immer müder geworden. Er hatte sich einen Kaffee in der Küche gemacht, doch auch der hatte nicht gewirkt.
    Als er irgendwann mit dem Gesicht auf seinem Schreibtisch liegend erwachte, blickte er sich verwirrt um. Er hatte nicht gemerkt das er eingeschlafen war. Müde schüttelte er den Kopf und reckte sich. Mit einem Blick auf die Uhr stellte er fest das es bereits auf Mitternacht zuging. Es war 23.39 Uhr.
    Oh man, ich sollte nach Hause fahren, dachte er und erhob sich von seinem Platz hinter dem vollgestabelten Schreibtisch. "Das räume ich morgen auf", sagte er zu sich selbst. "Nein das räumst du morgen auf." Grinsend blickte er auf ein Bild, das gerade noch zwischen den Papieren hervor lugte und das lächelnde Gesicht von Semir zeigte. Er mochte dieses Bild. Damals war er mit Semir auf einer Safari in Afrika gewesen.
    Auch Semir hatte dieses Bild auf seinem Schreibtisch.
    "Mit dir ist einfach alles viel schöner... selbst der Schreibkram hier." Liebevoll nahm er das Bild in die Hand. Nachdem er es einige Sekunden betrachtet hatte, stellte er es wieder zurück, diesmal deutlich sichtbar. Dann verließ er den Raum.
    Als er nach draußen kam holte Tom tief Luft. Er schaute in den Himmel. Die Sterne waren kaum zu sehen, dazu war es zu neblig. Der Mond ließ den Nebel unwirklich schimmern. Schnell stieg er in seinen Wagen. Es war wirklich Zeit nach Hause zu fahren. Er startete seinen Mercedes und verließ die PAST.
    Einige Minuten später bog er auf die Autobahn. Auf der Straße war es ruhig. Kaum ein Auto kam ihm entgegen und keins verließ in seiner Richtung die Stadt.
    Müde rieb Tom sich die Augen und schaltete das Radio ein um wach zu bleiben.


    "Wir müssen einen Notarzt rufen.", rief Julie verzweifelt. "Was!? Aber er ist tot!" "Das kannst du nicht sagen. Du bist kein Arzt.", hielt Julie an ihrer Meinung fest.
    "Sie werden uns kriegen. Wir werden wegen Mord angeklagt und für Jahre hinter Gitter gehen!" Cindys Stimme kippte. Sie stand einge Schritte von den anderen entfernt und blickte verzweifelt auf die Leiche.
    Julie schaute betroffen auf ihre Freundin. So hatte sie das ganze noch garnicht betrachtet. sie schluckte hart. Und trotzdem. Sie hatten ihn angefahren, mussten sie jetzt nicht auch dafür gerade stehen?
    "Aber es war ein Unfall!Wir werden ihnen einfach alles genau so erzählen wie es war.", meldete sich jetzt Thomas zu Wort. "Ja klar und die werden uns natürlich alles glauben!", sagte Patrick. Thomas schaute ihn verständnislos an: "Was soll das heißen?" "Überleg doch mal. Das Auto gehört mir und ich bin total besoffen. Die werden nie glauben das ich nicht gefahren bin. Außerdem ist das ganze Wageninnere voller Bier!" "Aber wir haben doch nichts getan...", versuchte es Cindy noch einmal. Sie konnte es nicht glauben, dass das alles passierte.
    "Ich sag euch was!" Patrick hielt einen Moment inne und blickte reihum in die Gesichter seiner Freunde.
    "Wir werden es niemanden sagen und...", jetzt schaute er Julie fest in die Augen. "...wir werden keinen Arzt rufen. Der Kerl ist sowie so tot." "Was!? Das meinst du jetzt nicht ernst!" Julie fuhr sich wütend durch die Haare. "Sag doch auch mal was!" Ihre Augen fungelten in Thomas Richtung, doch dieser schwieg.
    "Was ist?" "Julie... vielleicht hat er Recht!" Thomas blickte unsicher in ihr Gesicht. "Nein"! Da mach ich nicht mit verstehst du!? Damit will ich nichts zutun haben!" Ihre Stimme geriet außer Kontrolle.


    Als ein helles Licht sie traf verstummte sie geschockt.
    "Da kommt ein Auto!", schrie Cindy. "Verdammt!Was machen wir jetzt!? Panisch blickte Thomas sich um.
    Das Auto kam immer näher. "Wir müssen ihn von der Straße schaffen." Auch Patrick schaute sich um. "Wir legen ihn dort in den Straßengraben!" "Das könnt ihr nicht tun!", sagte Julie hart. "Julie! Danach können wir immer noch überlegen was wir machen!", schaltete sich Cindy jetzt ein.
    "Komm fass mit an." rief Patrick in deren Richtung. "Und ihr geht diesem Auto entgegen und lenkt den Fahrer irgendwie ab." Als sich keiner der drei regte schrie er: "Na kommt!"
    Er packte die Leiche bei den Armen, die er vorher hastig unter deren Rücken hervor gezogen hatte. Cindy griff mit verzogenem Gesicht nach den Beinen.
    Thomas und Julie liefen dem Auto entgegen, das wenige Meter vor ihnen zum stehen kam.

  • Würde mich sehr über eure Feeds freuen, damit ich weiß wie die geschichte bisher so ankommt!


    Als Tom den Wagen mitten auf der Straße stehen sah, weiteten sich seine Augen vor Überraschung.
    Was war hier denn los!? Doch wohl kein Unfall!Bitte nicht! Für heute reicht es wirklich! Stöhnend brachte er sein Auto zum stehen und sah wie zwei Personen auf ihn zugelaufen kamen. Sicherheitshalber entsichererte er noch seine Waffe. Man konnte ja nie wissen. Dann stieg er aus.
    Keuchend kamen die zwei Personen vor ihm zum halten. Das eine war ein Mädchen, vielleicht 18 oder 19 Jahre alt. Sie hatte dunkles Haar und braune Augen. Ihr Gesicht war erhitzt und kleine Schweißperlen standen ihr auf der Stirn. Neben ihr stand ein Junge,vielleicht ihr Freund. Er war etwas älter als das Mädchen und auch sein Gesicht war gerötet. Dunkle Locken fielen ihm vor die Augen, die er nervös fortstrich.
    "Guten Abend. Hattet ihr einen Unfall? Ist jemand verletzt?" Tom sah abwechslend in die beiden Gesichter. Ja, sie sahen wirklich sehr nervös aus, doch zunächst dachte er sich nichts dabei.
    "Was!? Nein kein Unfall!" antwortete das Mädchen. "Unser Freund da..." sie deutete hinter sich und Tom folgte ihrem Fingerzeig. Etwas von ihnen entfernt standen zwei weitere Personen, der eine gebeugt über die Leitblanke. "... er hat wohl was falsches gegessen und wir wollten nicht das er die guten Polster vollkotzt.", beendete sie ihren Satz und lächelte.
    "Braucht ihr einen Arzt? Ich bin Polizist,ich kann euch helfen." Das war wirklich das letzte was er jetzt wollte, aber was sollte er tun. Er wollte sich schon abwenden um sein Handy aus dem Wagen zu holen, doch der Junge der bisher geschwiegen hatte hielt ihn auf:" Nein danke, das brauchen sie nicht.Ich meine das ist wirklich sehr nett von Ihnen aber es geht ihm sicher gleich besser und dann bringen wir ihn nach Hause." "Außerdem ist Julie hier Krankenschwester und falls wirklich etwas sein sollte kann sie ihm helfen." Er nickte mit dem Kopf zu seiner Nachbarin die ihn erstaunt anschaute.
    "Nicht wahr Julie?" Thomas versetzte ihr mit dem Ellenbogen einen Schubs in die Seite. "Ja klar!", brachte sie hervor. "Sie können ruhig weiter fahren. Sie wollen doch sicher auch nach Hause.", fügte Sie hinzu und merkte das sie ins Schwarze getroffen hatte, als sich das Gesicht des Polizisten bei diesem Gedanke fast unmerklich erhellte.
    Ja das ist wahr, dachte Tom. Doch konnte er jetzt einfach weiter fahren? Wollten diese Jugendlichen ihn vielleicht los werden? Nein sicher nicht. Die beiden machten einen ganz vernünftigen Eindruck auf ihn.
    "Gut wer fährt den Wagen?", fragte er und nickte in Richtung des Autos. "Ich würde ganz gerne noch den Führerschein sehen. "Ähm, das bin ich.", antwortete der Junge und griff hastig in seine Hosentasche.
    "Thomas Schneider, aha." Tom blickte von dem Führerschein hoch, den ihm der Junge gereicht hatte.
    "Warum steht denn der Wagen fast quer über der Straße?" Auf diese Antwort war er jetzt wirklich gespannt.
    "Äh..", Thomas trat nervös auf der Stelle. "Er musste schnell anhalten." antwortete das Mädchen statt ihm. "Das ist wohl etwas schief gelaufen.", gab sie zu. "Thomas fährt den Wagen selbstverständlich sofort an den Straßenrand.", sagte sie noch und schaute ihren Freund auffordernd an. Gott hatte sie eine Angst. Was wenn der Polizist das Blut und die Dellen auf der Motorhaube bemerkte.
    Thomas hatte sich indessen eilig zum Auto begeben. Er startete den Motor und lenkte es an den Straßenrand. Julie zog entsetzt die Luft ein, als sie für wenige Sekunden das Blut im Mondlicht schimmern sah.
    Sie wande ihren Blick zurück zu dem Polizisten, doch der schien nichts bemerkt zu haben. "Sagen Sie, woher sollen wir eigentlich wissen das Sie wirklich ein Polizist sind?", fragte sie und wusste selber nicht woher sie den Mut zu dieser kecken Frage her nahm.
    Tom schaute überrascht. Dann zog er seinen Dienstausweis und streckte ihn ihr entgegen."Kriminalhauptkommissar Tom Krahnich. Überzeugt Sie das!?" Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. "Ja das tut es denke ich."
    "Ja dann fahre ich mal weiter. Und Sie sehen auch zu das Sie nach Hause kommen." Tom steckte seinen Ausweis zurück und griff nach der Wagentür.
    "Machen wir. Wiedersehen!" Tom nickte zur Antwort und stieg in sein Auto.
    Er sah nicht den erleichterten Blick von Julie, als er losfuhr.

  • Patrick erhob sich sofort aus seiner unbequemen Haltung, als er sicher war das das Auto verschwunden war. "Oh man, das war knapp.", sagte Cindy neben ihm erleichtert und wande sich zu Thomas und Julie. "Wer war das denn!?" "Irgend so ein Polizist.", winkte Thomas ab. "Was machen wir jetzt!? Ich meine an unserer Situation hat sich nicht viel verändert.Wir stehen immer noch mitten in der Nacht auf der Straße mit einer Leiche im Straßengraben und wir haben riesiges Glück eben nicht erwischt worden zu sein."
    "Du hast Recht. Die Leiche liegt im Straßengraben. Und dort wird sie auch bleiben." "Jetzt fang nicht schon wieder damit an.", empörte Julie sich. "Wir werden ihn nicht einfach hier liegen lassen!"
    "Das ist vollkommener Stuss.", stimmte Thomas ihr zu. "Hier wird man ihn sofort finden. Und dann sind wir dran!" "Aber wer will denn beweisen das wir ihn umgefahren haben!?", fragte Cindy. "Das ist doch klar! Verstehst du denn nicht!? Wenn sein Blut an meinem Auto klebt, so ist auch etwas von meinem Wagen an ihm!", erklärte Patrick genervt. "Ja aber was sollen wir denn dann machen!?", fragte Cindy halb zu den anderen, halb zu sich selbst.
    "Wir werden ihn ganz einfach hier vergraben!", sagte Patrick. "Aber warum hier?Sollten wir ihn nicht irgendwo anders hinbringen?" warf Thomas ein. "Nein!Ich will diesen Kerl nicht in meinem Auto haben!Das wären nur noch mehr Spuren von ihm an dem Wagen!"
    "Ich fass es nicht!Du machst da wirklich mit!" Julie blickte hasserfüllt zu Thomas. "Julie, was sollen wir denn sonst tun!?Ich will nicht für Jahre hinter Gitter gehen, für etwas wofür ich im Grunde überhaupt nichts kann. Und dieser Kerl ist tot. Wenn sie uns wegsperren bringt ihn das auch nicht wieder zum leben!"
    "Aber das kannst du nicht machen! Das ist unrecht. Das bist nicht du!" Tränen liefen ihr erneut über die Wangen. "Ich kann keinen Menschen lieben der so etwas tut." Sie wartete in der Hoffnung das er irgendetwas sagte, doch Thomas starrte sie nur an.
    "Cindy! Bring Julie zum Auto und pass dort auf sie auf! Und wir verpuddeln den Kerl." Patrick schien Herr der Lage zu sein. "Ach und mit was? Du hast nicht zufällig eine Schaufel dabei?", fragte Cindy ironisch und nahm Julie in den Arm. "Komm süße, wir gehen zum Auto. Dort kannst du dich einbisschen ausruhen.", sagte sie zu zu ihr gewand doch diese schien sie garnicht zu bemerken. Noch immer starrte sie auf Thomas.



    Nach dem sie die Leiche mühsam vergraben hatten sprangen sie eilig ins Auto. "Der Wagen muss auch noch sauber gemacht werden. Und wie willst du deinen Eltern die Dellen erklären!? ", fragte Thomas und drehte sich im Sitz um. "Das werde ich schon! Und nun fahr los!" Thomas startete sofort den Wagen. Auch er wollte endlich hier fort.
    "Halt warte!", schrie Patrick auf einmal. "Erst müssen wir noch etwas klären!" Er wartete einen Augenblick bis er sicher war das die anderen ihm zuhörten. "Das was hier passiert ist...", sagte er langsam, "das nehmen wir mit ins Grab. Keiner von uns wird das je einem anderen erzählen. Ist das klar?" Er ließ seinen Blick reihum schweifen. "Cindy!?" "Ja ist klar!" Ihre Haare fielen ihr zerzaust in ihr Gesicht. Ihren Kopf hielt sie gesenkt.
    "Thomas!?" "Ja sicher!" Ihn fröstelte es. "Julie!???" Julie reagierte nicht. Das monotone Summen des Motors drang in ihren Kopf und schien ihn vollkommen auszufüllen. Sie hätte ihn am liebsten wild geschüttelt, doch stumm blieb sie sitzen. "Julie!?" Diesmal war es Thomas. Das Summen des Motors. "Antworte! Du behältst das für dich, dein Leben lang!" Das Summen des Motors. Patrick wollte sich auf sie stürzen und sie wild schütteln doch Thomas hielt ihn auf. Das Summen des Motors. "Ja, ich behalte es für mich. Ein Leben lang.", flüsterte Julie. Sie wollte das es aufhörte.
    "Geht doch!" Patrick ließ sich in den Sitz fallen. "Komm fahr los!"

  • "Sag mal kennst du eigentlich das Gefühl, bei dem man nicht weiß ob man schon wach ist oder noch träumt!?"
    Semir schaute gedankenverloren nach draußen.
    Er war gerade zusammen mit Tom auf dem Weg in die PAST. Die Sonne stand noch nicht lange am Himmel, als Tom vor seiner Tür gestanden hatte.
    Inzwischen war es schon fast 8 Uhr. Draußen zogen duftig grüne Bäume vorbei.
    "Das muss ja eine besonders schöne Nacht gewesen sein!", antwortete Tom lächelnd und warf einen kurzen Blick auf seinen Freund. Seine grünen Augen blitzen.
    Er freute sich sehr für Semir, das er und Andrea sich endlich wieder zusammen gerauft hatten. Die beiden waren seiner Meinung nach alleine einfach nicht vollständig.
    Außerdem war es auch für ihn belastend, wenn seine beiden Kollegen mit hängenden Gesichtern herum liefen oder im Büro wütend aufeinander los gingen.
    Da war es so doch viel angenehmer.
    "Ja das war sie auch! Bis du vor meiner Tür standest und mich hier in dieses Auto gezerrt hast." Semir grinste. Er glaubte nicht das ihm heute irgendetwas den Tag verderben konnte.
    Dafür war er viel zu glücklich. Außerdem würde er Andrea ja in der Mittagspause treffen. Natürlich wäre es schon nicht schlecht jetzt noch bei ihr im Bett zu liegen, dachte er verschmitzt.
    "Ich kann auch nichts dafür. Die Chefin hat mich noch viel früher, als ich dich mit ihrem Anruf geweckt und gesagt, das sie uns dringend im Büro sehen will. Dich konnte sie ja nicht erreichen.", sagte Tom etwas anzüglich.
    "Würdest du es denn riskieren wollen, an so einem Abend gestört zu werden?" "Nein natürlich nicht und ich hoffe du kannst mir verzeihen, das ich es doch getan habe."
    "Na ich weiß nicht!" Semir grinste und wendete seinen Blick wieder aus dem Fenster.


    Eine viertel Stunde später trafen sie in der PAST ein. "Sie kommen eine halbe Stunde zu spät.", empfing sie Frau Engelhardt vieldeutig lächelnd.
    "Kommen Sie in mein Büro!", sagte sie nach einer kurzen Pause und deutete ihnen ihr zu folgen.
    "Also meine Schuld ist das bestimmt nicht!", antwortete Semir an Anna Engelhardts Rücken gewand und als er Tom`s empörten Blick auf sich ruhen sah, zuckte er lässig mit den Schuldern."Ist doch so!" "Ja klar,immer auf die Großen!" "Das mag ja sehr wohl sein.",unterbrach Frau Engelhardt die beiden und ließ sich auf den Stuhl hinter ihrem Schreibtisch sinken. "Aber ich dachte ich hätte deutlich gemacht, wie dringend es ist!" Ihr Gesicht war streng geworden. "Tut uns leid Chefin!", sagte Tom leicht schuldbewusst und setzte sich ihr gegenüber. Semir nahm neben ihm Platz. "Aber was ist denn nun so dringend?"
    "Auf der A4 wurde eine Leiche gefunden. Ich habe noch keine genauen Daten erhalten, deswegen sollen Sie dort hinfahren.Ich würde sagen, Sie machen sich gleich auf den Weg."

  • Mühsam öffnete er seine Augen, was sehr schwer war, da sie völlig verkrustet waren. Was ist hier los, dachte er. Eine Welle von grausamen Schmerzen durchlief seinen Körper, doch was noch viel schlimmer schien, war das er keine Luft bekam. Verzweifelt versuchte er seine Lippen zu öffnen, doch er hatte so wenig Kraft und die Schmerzen waren so stark, das ihm auch das unmöglich schien.
    Schließlich nahm er seine gesamten Kräfte zusammen und hob die Lider. Es war Tag, doch trotzdem umgab ihn eine sanfte Dunkelheit. Er konnte nicht erkennen wo er war. Alles verschwamm vor seinen Augen. Ein schwaches Stöhnen entfuhr ihm.
    Die Wut über seine Hilflosigkeit, die ihn plötzlich durchfuhr, gab ihm die Stärke seinen Arm zu heben. Schwerfällig drückte er sich nach oben und spürte wie er wieder etwas besser Luft bekam.
    Vorsichtig, da die kleinste Bewegung große Schmerzen in seinem gequälten Körper veranlassten, schaute er sich um. Er lag umgeben von einigen Bäumen. In der Nähe konnte er eine Straße erkennen. Er lag nur wenige Meter von ihr entfernt und doch war es zu weit, als das ihn irgendjemand hier hätte entdecken können.
    Seufzend lies er sich zurück sinken. Der Boden unter ihm war feucht und doch warm. Er ließ seine Finger über nasses Gras und weiches Moos gleiten. Wie war er nur in diese Lage geraten? Und wer hatte ihm das angetan? Wieder stützte er sich hoch und blickte verschommen an sich herunter. Bevor er sich erhoben hatte war er von Erde und Laub bedeckt gewesen. Der meiste von dem Dreck war herab gefallen und gab den Blick auf seinen geschundenen Körper frei. Seine Kleidung war zerissen und voller Blut. Auch seine Hände waren bedeckt von großen, blutig, verkrusten Wunden.
    Übelkeit stieg in ihm auf. Wiederum ließ er sich auf den Boden sinken. Er versuchte noch auf die Geräusche in seiner Umgebung zu lauschen. Vielleicht konnte er sich ja doch irgendwie bemerkbar machen? Doch dann wurde es schwarz um ihn.


    Autos brausten in hoher Geschwindigkeit auf der Gegenfahrbahn vorbei, als Tom und Semir halb 10 an der Fundstelle der Leiche erschienen. Eine große Geschäftigkeit umgab sie. Ein Krankenwagen fuhr eben davon, ein Streifenwagen suchte sich seinen Weg um die vielen Autos seiner Kollegen. In all diesem scheinbaren Durcheinander eilte Hotte mit einem Klemmbrett unter dem Arm auf die beiden zu. "Gut das ihr da seid. Habt ihr das schon mal erlebt!? Eine Leiche mitten auf der A4 und niemand weiß wo sie herkommt." Energisch drückte er Semir das Klemmbrett in die Hände. "Noch keine Spuren?", fragte Tom, über Semirs Schulter blickend. "Nein nicht wirklich. Tatzeit ist noch nicht raus. Das wird uns die Obduktion sicherlich später mitteilen." Stöhnend holte er ein Taschentuch hervor und wischte sich damit über die Stirn. "Und die Spurensicherung konnte bisher nichst hilfreiches finden. Keine Tatwaffe oder so."
    Resigniert schaute er in die Gesichter von Tom und Semir. "Na toll. Und wo liegt sie?" Semir runzelte die Stirn.
    "Er. Es ist ein Mann so mitte 20, soweit man erkennen kann. Kommt ich bring euch hin. Er lag dort vorne im Seitengraben. Der Kerl der die Leiche gefunden hat ist dort bei Bonrath. Er verhört ihn gerade." "Ja gut das übernehmen wir dann gleich." Semir blieb neben Tom stehen, dessen Augen auf die Leiche gerichtet waren. Semir folgte seinem Blick. "Ziemlich übel zugerichtet oder!?" Auf der Stirn des Toten klaffte eine große Wunde. Das Blut war scheinbar in großen Rinnsalen daraus hervor gelaufen. Die Kleidung war fast vom Körper herunter gerissen. Auf seinem ganzen Körper waren weitere Wunden und blaue Flecke erkennbar.
    Semir hörte wie Tom tief Luft holte. "Was ist?", fragte er. Tom antwortete nicht sofort. Mit starrem Blick wande er sich ab und fuhr sich mit der Hand über den Kopf und weiter zu seinem Mund. Dann ließ er sie fallen.
    "Ich glaube ich kenne ihn."

  • "Wie bitte!?" Fassungslos starrte Semir in das Gesicht seines Freundes. "Ja. Ich bin mir ganz sicher. Das ist Christian Berger. Er ist der Sohn von Sabine Berger, einer Freundin aus der Polizeischule." Er brach ab.
    "Ok..." Behutsam strich Semir über die Schulter von Tom. "Ist das schlimm für dich? Ich meine kanntest du ihn sehr gut?" Tom blickte auf, in das Gesicht von Semir, dessen braune Augen verständnisvoll in seine schauten. "Es geht.", antwortete er mühsam. "Keine Angst, ich schaffe das schon." "Bist du sicher!?" "Ja klar!" Tom atmete tief durch. "Gehen wir zu diesem Kerl, der die Leiche gefunden hat." Ruckartig wande er sich ab und lief auf Bonrath zu, der den Mann immer noch verhörte. Semir schaute ihm hinterher:"Ach Tom..", sagte er leise. Dann folgte er ihm.
    "Guten Tag. Mein Name ist Tom Krahnich, Autobahnpolizei. Das ist mein Kollege Semir Gerkhan." Tom wandte sich kurz zu Semir der eben neben ihn trat. "Sie haben also die Leiche gefunden?", fragte Semir den Mann. "Ja das habe ich, aber das habe ich doch schon eben ihrem Kollegen erzählt." er deutete auf Bonrath.
    "Tut uns leid, das wir Sie aufhalten. Ich hoffe Sie können uns trotzdem noch ein paar Fragen beantworten.", antwortete Semir geduldig. "Sie heißen Oliver Fuhrmann?" Er musterte den Mann vor ihm kurz. Dieser trug einen grauen Anzug, eine Kravatte und sein Haar war streng nach hinten gekämmt. "Ja. Ich war auf dem Weg ins Büro, als ich ihn fand. Er nickte in Richtung der Leiche. "Wie kommt es, das Sie ausgerechnet hier angehalten sind?", fragte Tom. "Ich hatte Probleme mit dem Wagen." Tom und Semir schauten an ihm vorbei auf einen dunkelbllauen BMW. "Aha, ich hoffe die konnten Sie beheben.", sagte Tom ohne wirkliches Interesse an den Problemen des Mannes zu zeigen. "Ich denke schon.", gab Fuhrmann auf die gleiche Art zurück. "Was mich aber mehr interessiert ist wie Sie von dieser Seite der Straße, die Leiche entdecken konnten." Semir blickte durchdringend in das Gesicht seines Gegenübers. "Ich weiß nicht...", antwortete dieser unsicher. "Es kann sein das ich etwas gehört hatte... ich weiß es wirklich nicht. Tut mir Leid."
    Einen Moment herrschte Stille. "Gut, danke für ihre Hilfe. Wenn sie noch Fragen haben wenden Sie sich doch bitte an unseren Kollegen hier. Bonrath nickte.
    "Schon komisch wie schnell er von seinem großem Gehabe herunter gekommen ist, als du ihn das gefragt hast. Findest du nicht?", fragte Tom grimmig, als Bonrath sich zusammen mit Fuhrmann entfernte. "Was!? Ach solche Kerle sind so!", winkte Semir ab. "Aber weiter sind wir jetzt trotzdem nicht. Ich würde sagen wir fahren mal bei Sabine Berger vorbei." Prüfend schaute er zu Tom. "Ja ich denke das ist das Beste." Tom war schon auf dem Weg zu seinem Wagen.



    Als er wieder zu sich kam, waren seine Schmerzen fast noch schlimmer. An meiner Situation hat sich also immer noch nichts geändert, dachte er und wieder stieg Wut in ihm auf. Ich muss zu dieser Straße. Vorsichtig drehte er seinen Kopf in deren Richtung. Dann fasste er einen Entschluss. Mit großer Anstengung und laut stöhnend vor Schmerz, drehte er sich auf den Bauch. Ohne zu zögern, weil er Angst hatte das ihn seine Kräfte verlassen könnten, verlagerte er sein Gewicht nach vorne, stützte sich auf die Ellenbogen und begann sich vorwärts zu ziehen. Sein Gesicht verzog sich zu einer grausamen Grimasse, angesichts der unertäglichen Qualen, die er auf den wenigen Metern zur Straße hin, zu erleiden hatte. Jeder Zentimeter schien so lang wie Hundert Meter. Der Hass auf den, der ihm das angetan hatte wurde mit jedem Stück das er sich vorwärts zog größer.
    Als er endlich den Straßenrand erreicht hatte, ließ er völlig erschöpft das Gesicht auf die kühle Erde sinken.
    Erst nach einigen Minuten schaffte er es sich aufzusetzen. Mühsam lehnte er sich an einen Baum und wartete wiederum mehrere Minuten um sich etwas zu erholen.
    Es dauerte eine ganze Weile ehe er sich dazu im Stande fühlte sein Vorhaben zu beenden. Mit letzter Kraft drückte er sich an dem Baumstamm hinter ihm auf die Beine. Zitternd blieb er einen Moment stehen, ehe er unsicher vorwärst auf den Straßenrand zuwankte. Es schien ihm unmöglich auch nur für die wenigen Schritte auf den Beinen zu bleiben, zu schwer war die Last die sie zu tragen hatten, doch schaffte er es oben zu bleiben und, um sich bemerkbar zu machen, den rechten Arm zu heben und nach rechts und links schwenken zu lassen. Irgendjemand musste anhalten, sollte sein Plan gelingen.
    Mit Genugtuung sah er wie kurz danach ein dunkelblauer BMW neben ihm zumstehen kam.

  • "Das kann doch nicht wahr sein." Genervt schaute Oliver Fuhrmann auf seine Uhr. Er hätte schon seit einer halben Stunde im Büro sein müssen. Doch als ob es nicht genug war, das ihn die Polizei so lange festgehalten hatte, jetzt stand da auch noch irgend so ein verlotterter Kerl an der Straße und winkte nach einem Auto.
    Eigentlich wäre er ja einfach weiter gefahren. Seit wann kümmerte er sich denn um andere. Und doch brachte er den Wagen zum stehen und kurbelte das Fenster auf der Beifahrerseite herunter. "Kann ich Ihnen helfen?", fragte er und blickte in das zerschundene Gesicht des Mannes der sich zu dem offenen Autofenster herunter gebeugt hatte. "Mein Gott wie sehen Sie denn aus?" "Könnten Sie vielleicht so nett sein und mich ein Stück mitnehmen?", fragte der Mann und lächelte schief. "Ja, aber wie kommen Sie denn hier her?" "Man hat mich überfallen. Ich bin mit meinem Auto stehen geblieben, wie Sie und dann hat man mich zusammengeschlagen und hier liegen gelassen." Nun wurde sein Lächeln noch schiefer: "Könnten Sie mir helfen, in dem Sie mich zur nächsten Polizeistelle mitnehmen? Das wäre wirklich sehr freundlich von Ihnen."
    "Natürlich, steigen Sie ein." Fuhrmann beugte sich über den Sitz und öffnete die Beifahrertür. "Oder brauchen Sie Hilfe?" "Nein danke, es geht schon." Müsam stieg er ein und schloss die Tür mit einem heftigen Rucker seines rechten Armes.
    Fuhrmann warf einen kurzen Blick auf ihn und startete dann den Wagen. Zunächst fuhren sie eine Weile ohne ein Wort zu verlieren, bis ein Schild über der Fahrbahn ihnen die nächste Stadteinfahrt anzeigte und der fremde Mann sagte: "Schönes Auto haben Sie da." Er ließ seinen Blick im Innenraum des BMW schweifen. Zuletzt blieb sein Blick auf Fuhrmann hängen. "Danke. Ist auch ganz neu. Sie glauben garnicht wie meine Frau gestaunt hat, als ich den nach Hause gebracht habe." Er grinste stolz bei dieser Erinnerung. Den Blick des Mannes merkte er dabei nicht. "Schön für Sie.", sagte dieser leise. Wieder herrschte Schweigen. Doch nur für einen kurzen Augenblick. "Halten Sie dort vorne." Die Stimme des Fremden hatte sich gewandelt. Sie klang nicht mehr bittende oder dankbar. Vielmehr hart und befehlend. "Wie bitte? Warum halten? Ich dachte ich sollte Sie zur nächsten Polizeistelle bringen!?" Verwirrt blickte Fuhrmann zu dem Mann. Dessen Blick war eiskalt. "Was...." Vielleicht waren es auch nur die Schmerzen. "Nein wir halten hier. Und Sie steigen aus." "Jetzt reicht es aber. Was soll das? Ich nehme Sie mit und das ist der Dank dafür?" Seine Stimme überschlug sich. Empörung ließ sie ganz schrill klingen. "Sie steigen jetzt sofort aus!Und keine Faxen! SOFORT!", schrie er. "Und warum sollte ich das tun? Ich lass mir von Ihnen doch nicht mein Auto wegnehmen!" Fuhrmanns Augen quillten vor Empörung aus ihren Höhlen.Seine Hände krallten sich in den Lenker. "Warum Sie das tun werden, kann ich Ihnen zeigen." Langsam griff er neben sich und... zog eine Pistole. "Reicht Ihnen das als Überzeugung?", fragte er und legte seinen Kopf schräg. Fuhrmann nahm seinen Blick von der Straße und schluckte als er sah was der Mann in seiner Hand hielt. "Warten Sie! Was habe ich Ihnen den getan?", stammelte er. "Nichts. Sie sind angehalten und haben mich mitgenommen. Aber jetzt brauche ich sie nicht mehr.Obwohl...", er überlegte kurz. "Vielleicht haben Sie Recht. Sie werden weiter fahren. Sie könnten der Polizei ja etwas über mich ausplaudern und das wollen wir ja nicht oder!?" Er grinste verschlagen. Fuhrmann schluckte widerum. "Aber..." "Fahren Sie!", unterbrach der Mann ihn patzig. "Ich möchte nichts von Ihnen hören. Sie nehmen jetzt die nächste Aufahrt und den weiteren Weg erkläre ich Ihnen." Er schwieg kurz und fügte dann hinzu:"Und keine Faxen!"

  • "Tod!?" Tränen liefen über das Gesicht von Sabine Berger. Und sie schienen nicht mehr enden zu wollen. "Aber das kann nicht sein. Ich meine er ist schon öfters nicht nach Hause gekommen..."
    Tom und Semir saßen mit versteinerten Gesichtern vor ihr. "Es tut uns leid.", sagte Semir und wusste doch das es nichts half. Er hatte keine eigenen Kinder, doch konnte er sich nur zu gut vorstellen, was jetzt in der Frau vorging. "Sicher ist es ein anderer Junge." Verzweifelt suchte Sabine nach einem Ausweg. "Das kann nicht mein Junge gewesen sein. Nicht mein Junge..." Sie konnte nicht weiter reden. "Er war es." Tom der bisher eisern geschwiegen hatte schaute auf. Mühsam holte er Luft. Man konnte ihm leicht ansehen wie schwer ihm das reden fiel. "Wenn ich irgendetwas für dich tun kann..." Vorsichtig griff er über einen kleinen Couchtisch nach der Hand von Sabine. Er konnte spüren wie sie am ganzen Körper zitterte.
    "Etwas für mich tun?", presste sie hervor. Sekunden lang herrschte Schweigen. Es war wie die Stille vor dem Sturm. "Dann bring mir meinen Jungen zurück! Hörst du? Bring mir meinen Jungen zurück." Das Schluchzen brach sich einen Weg aus ihr wie ein wilder Wasserfall. Verzweifelt riss sie die Hände vor ihr Gesicht. Semir öffnete den Mund, wolte irgendetwas tröstendes sagen, aber ihm fehlten die Worte.
    Tom erhob sich rasch und nahm Sabine fest in die Arme. Sanft schob er ihren Kopf an seine Schulter und streichelte durch ihr blondes Haar. "Ist schon gut. Es wird alles wieder gut.", flüsterte er. Tränen glitzerten in seinen Augen.



    "Ja das alles entwickelt sich besser als ich dachte." Er lächelte in sich hinein. Gerade lenkte Fuhrmann neben ihm den BMW in einen kleinen Vorhof am Rande der Stadt. Er war umgeben von alten, schmutzig wirkenden kleinen Gebäuden.
    "Schön so. Aussteigen jetzt!", rief er energisch und rammte die Pistole die er immer noch in seiner Hand hielt, in Fuhrmanns Seite. "Was wollen wir hier?", wande sich Fuhrmann vorsichtig an den anderen. "Das geht dich nichts an. Steig aus verdammt noch mal." Seine Augen funkelten zornig. "Und dann kommst du auf meine Seite und hilfst mir raus." Als Fuhrmann nach der Tür griff hielt der Mann ihn noch einmal auf:"Und sei dir gewiss, die hier ist in jedem Moment auf dich gerichtet." Er hob seine Pistole um zu zeigen was er meinte. "Los jetzt!", brüllte er, als Fuhrmann ihn stumm anstarrte.
    Eilig stieg Fuhrmann aus und umrandete den Wagen. Zitternd öffnete er die Autotür und packte den Mann am Arm um ihn aus dem Auto zu ziehen. Dieser rammte ihm seine Waffe noch einmal in die Seite, diemal schmerzhafter. "Hey, schön langsam! Dort rein!" Er wies auf das größte der vier Gebäude, direkt vor ihnen.
    Sie bildeten ein seltsames Paar, wie sie sich auf das Haus zuschleppten. Der fremde Mann humpelnd vor Schmerz und Fuhrmann der fast die gesamte Last des Mannes zu tragen hatte und dessen Seite von den Schlägen des Mannes fürchterlich stach.
    Mit seiner freien Hand öffnete Fuhrmann eine morsche Tür die laut in ihren Angeln heulte. Schon lange schien hier niemand mehr gewesen zu sein. "Wohin?",fragte er und schaute sich um. Sie waren in einem kleinen Vorraum angelangt."Dort!" Der Mann nickte nach rechts. Zentimeter dicker Staub bedeckte den Fußboden und dämpfte ihre Schritte. Dreckige Fetzten Tabete hingen von den Wänden. Zaghaft stoß Fuhrmann die halb angelehnte Tür auf und trat in einen großen, recht dunklen und stickigen Raum. Die Dielen knarzten laut bei ihrem Eintreten. An einem Fenster stand ein kleiner Tisch, davor ein wackeliger alter Stuhl. Auf der gegenüberliegenden Seite stand eine muffige Couch und neben der Tür ein großer Kleiderschrank, dem eine Tür fehlte. Alles in allem war der Raum völlig herunter gekommen.Ein sanfter Luftzug strich über Fuhrmanns Gesicht. Er schaute zum Fenster. Dort fehlte eine kleine Scheibe. "Dahin." Wieder nickte der Mann nach rechts, hin zu dem Sofa.
    "Und jetzt?" Fuhrmann blickte verwirrt um sich. "Bring mir das Telefon dort." Er winkte zu dem Tisch. Dort lag tatsächlich ein schwarzes kleines Mobiltelefon. Fuhrmann gab es ihm. "So jetzt werde ich mir einwenig Unterstützung holen." Er grinste und wählte eine Nummer.

  • Fuhrmann sagte nichts. Seine Lippen zitterten. Würde er ihn umbringen? Es war sicher zu gefährlich für ihn, ihn leben zu lassen. Wäre er nur einfach ausgestiegen, als es ihm der Mann befohlen hatte. Sicher dann wäre er sein Auto los, aber wenigstens noch am Leben. Verzweifelt schaute er sich um, während der Mann das Telefon ans Ohr hielt und kurz wartete das jemand das Gespräch annahm. Er brauchte nicht lange zu warten. Scheinbar hatte sich jemand am anderen Ende der Leitung gemeldet, denn der Mann sagte: "Ja ich bins. Du ich habe ein Problem. Oder eher zwei." Misstrauisch beäugte er Fuhrmann. "Kannst du vielleicht vorbei kommen?" Gespannt wartete er auf eine Antwort und ließ dabei Fuhrmann nicht aus den Augen. "Ja gut." Befriedigt nickte er mit dem Kopf. "Ich bin auf dem Hof von Simon. Ja der alten Hütte. Etwas ist schief gegangen. Ich erklär dir das dann später. Wann bist du da?" Fuhrmann lauschte gespannt. "18Uhr. Gut, aber beeil dich." Grinsend legte er auf. "Wir bekommen bald Besuch.", sagte er an Fuhrmann gewandt.


    Dieser hatte sich während des Gespräches vorsichtig auf dem Stuhl nieder gelassen. Er dachte nach. Vielleicht konnte er abhauen bevor die Person kam, mit der der Mann gesprochen hatte. Denn der war ja nun absolut nicht auf der Höhe seiner Kräfte. Allerdings war da noch die Pistole. Konnte er es riskieren von ihr getroffen zu werden? Und wenn, was war wenn eine Kugel ihn so schwer verletzte das er nicht mehr fliehen konnte. Dann war er verloren. Er musste umbedingt einen Weg finden, um an die Pistole zu kommen. Er schaute auf. Der Mann hielt sie immer noch fest in seiner Hand. Auch das schien unmöglich. Der Mann würde sie wohl kaum außer Acht lassen. Er musste sich beeilen. Vorsichtig linste er auf seine Armbanduhr. "Was machst du da!?" Fuhrmann zuckte zusammen. Der Mann hatte ihn beobachtet. "Nichts. Ich habe nur auf die Uhr geschaut.", antwortete er wahrheitsgemäß. "Ah... freust dich schon auf unseren Besuch was!?" Diesmal antwortete Fuhrmann nicht. Es war fast Mittag. Er hatte also noch sechs Stunden Zeit. Aber auch die konnten wie im Flug vergehen. Was sollte er jetzt tun? Unauffällig schaute er nach draußen. Dort stand sein Auto. Und... der Schlüssel steckte. Wenn er es schaffte aus diesem Raum zu kommen, gab es eine reelle Chance von hier zu fliehen. Er musste es schaffen. Er wendete seinen Blick ab, zurück in das im halbdunkel liegende Zimmer.
    Der Mann hatte seinen Blick immer noch fest auf ihn gerichtet. Doch scheinbar hatte er mit Müdigkeit zu kämpfen. Sicher war er geschwächt durch seine Verletzungen. Wenn er Glück hatte, schlief der Mann ein und er konnte sich davon machen. "Geh zu dem Schrank dort." Fuhrmann schreckte auf. Fragend blickte er in das Gesicht des Mannes, dann stand er auf. "Bück dich. Irgendwo darunter muss ein Schlüssel liegen.", befahl der Mann. Fuhrmann tat wie ihm geheißen. Was sollte das jetzt wieder werden, fragte er sich. Suchend ließ er seine Hand über den staubigen Fußboden unter dem Schrank gleiten. Nach wenigen Sekunden spürte er wie seine Finger kaltes Metall berührten. Er schloss sie darum und zog die Hand wieder hervor. Tatsächlich hielt er einen Schlüsselbund in den Händen. Die Schlüssel daran waren schon etwas rostig. Ein kleines Plastikschildchen hing daran. Darauf stand "Simon".
    "Hey! Jetzt probier welcher passt." Der Mann deutete auf die Tür. Fuhrmann starrte ihn an. Er spürte das hier etwas gewaltig falsch lief. Widerwilllig steckte er den ersten der Schlüssel in das Türschloss. Er passte nicht. Er probierte den nächsten. Dieser passte. "Sperr die Tür zu.Und zwar richtig, hörst du!?", lautete der nächste Befehl des Mannes. Fuhrmann reagierte nicht. Wenn er das tat war alles vorbei. "Na los!" Fuhrmann ließ den Schlüssel ins Schloss gleiten.Er spürte die Pistole auf sich gerichtet. Langsam drehte er ihn nach rechts und vernahm ein sanftes Klicken. "Gut bring ihn her!" Resigniert zog er den Schlüssel aus dem Schloss und ließ ihn in die ausgestreckte Hand des Mannes gleiten. Dann setzte er sich zurück auf den Stuhl. Das alles konnte nicht wahr sein. Verzweifelt ließ er seinen Kopf in die Hände sinken. "Hattest gedacht du könntest abhauen, nicht wahr?" Wissend schaute der Mann auf Fuhrmann. "Sieht man mir das so deutlich an?" Fuhrmann wusste das er geschlagen war. "Hhm..." Der Mann nickte. Lange Zeit herrschte Stille.

  • "Ich gehe mal Kaffee kochen." Tom erhob sich vorsichtig und verschwand in der Küche. Man konnte ihn nebenan leise rummoren hören. Semir nickte nur. Sabine saß jetzt stumm auf dem Sofa und starrte auf ihre Knie. Die letzten Minuten hatte sie schluchzend in Toms Armen gelegen.
    "Frau Berger...?" Semir räusperte sich. "Ich weiß wie schrecklich das alles für Sie ist, aber wir müssen Ihnen trotzdem noch einige Fragen stellen." Er wartete kurz und als Sabine nicht reagierte fuhr er fort. "Wenn wir eine Chance haben wollen den Mörder ihres Sohnes zu finden, müssen wir alles bedenken. Jede Kleinigkeit die so vielleicht unwichtig erscheint, kann im Zusammenhang von ungeahnter Bedeutung sein."
    "Fällt dir irgendetwas ein, was uns vielleicht weiter helfen könnte?" Tom war gerade zurück in das Zimmer gekommen. In den Händen hielt er drei Tassen Kaffee die er behutsam auf dem Tisch abstellte und sich dann wieder neben Sabine setzte. Verständnisvoll schaute er in ihr trauriges Gesicht.
    "Ich weiß nicht... Er war in letzte Zeit viel öfters fort, aber ich glaube nicht das das wichtig ist." Sie schluckte hart und brach ab. "Hat er dir denn nie erzählt wo er hin ist? Ihr wart euch doch immer sehr nah!", ermunderte Tom sie zum sprechen. "Nein. Ich habe ihn oft gefragt, aber er hat mir nie etwas erzählt.Allerdings hatte er sich schon etwas verändert. Er war immer so ausgeglichen... Hannah, seine Freundin... sie haben letzte Woche Schluss gemacht. Ich habe keine Ahnung was sie auseinander gebracht hat. Ich meine sie wollten sich verloben!" Wieder schwieg sie und nahm sich den Kaffeebecher,den Tom vor ihr abgestellt hatte, froh etwas zum festhalten zu haben. "Was wird sie sagen wenn sie erfährt das Christian tot ist!?" Wieder lief eine Strom anTränen ihre Wangen herunter.
    Sanft strich Tom über Sabines Schulter.
    "Macht es Ihnen etwas aus, wenn wir uns das Zimmer von Christian anschauen?", meldete Semir sich zu Wort. "Nein, gehen Sie nur. Aber bitte verzeiht wenn ich euch nicht begleite. Ich kann nicht..." "Das ist schon ok. Bleib hier sitzen. Aber du wirst verstehen, das wir dann vielleicht noch ein paar Fragen haben. Ich weiß das das was du jetzt durchmachst schrecklich ist, aber das ist unser Job." Tom stand auf. Semir hatte sich ebenfalls erhoben. Tom schaute in sein Gesicht: "Unser Job." Semir lächelte leicht.
    Sie mussten eine Treppe zum ersten Stock hinauf gehen, um in das Zimmer von Christian zu gelangen. Die Tür war nur angelehnt. Tom trat als vor Semir ein. Gleich als erstes fiel ihm der Computer auf dem Schreibtisch auf. "Als er noch in der Pubertät war, saß ich meistens mit ihm hier. Wir haben oft bis in die Nacht "Rainbow Six Vegas" gespielt, bis irgendwann Sabine kam und mich rausgeschmissen hat." Er grinste bei dieser Erinnerung.
    "Rainbow Six Vegas... aha." Auch Semir lächelte und schaute sich um. Das Zimmer war sehr ordentlich und so fiel die offene Schreibtischschublade schnell auf. Semir bückte sich und zog die Schublade weiter auf. Tom beachtete ihn nicht, er durchsuchte einen anderen Schrank.
    Zunächst konnte Semir nichts interessantes entdecken. Die Schublade beiinhaltete nur ein paar Blöcke und Hefter sowie einige Schulbücher und ein paar wenige Stifte. Er wollte den Schrank schon wieder schließen, als ihm ein Foto in die Hände fiel. Neugierig zog er es zwischen ein paar Papierbogen hervor. Auf dem Bild war ein Junge zu sehen, vermutlich Christian und ein Mann. "Tom?" Semir erhob sich und zeigte Tom das Foto der es interessiert in die Hände nahm. "Wer ist der Mann?", fragte Semir. "Das ist Christians Vater. Aber...", er wendete das Bild, "das muss schon ziemlich lange her sein." Auf der Rückseite war kein Datum verzeichnet. "Christian hatte nie viel mit seinem Vater zu tun. Als er fünf Jahre war, hat Richard ihn und Sabine verlassen. Bis Christian Zehn Jahre war, ist er immer mal wieder hier aufgetaucht, aber dann ist er verschwunden. Sabine konnte mir nie sagen wohin."
    "Hhm..." Semir ließ seinen Blick wieder durch das Zimmer schweifen. "Und wie hat er das verkraftet?" "Ich weiß nicht. Er hat Richard auf jeden Fall gehasst. Er hat nie von ihm gesprochen." Tom legte das Foto auf einen Schrank neben ihm. "Komm gehen wir. Sollte es nötig sein, können sich auch Hotte und Dieter noch einmal hier umschauen." Mit einem letzten Blick auf das Foto verließ er den Raum. Länger hätte er es hier nicht ausgehalten. "Es ist ein schreckliches Gefühl zu wissen das er nie wieder dieses Zimmer betreten wird.", sagte Tom schloss die Tür und lehnte sich für einen Moment mit dem Rücken daran. "Ich weiß." Semir griff verständnisvoll nach seinem Arm: "Komm!"

  • Bin ganz traurig über die wenigen Feeds! ;( Würde mich sehr freuen zu hören obs euch noch gefällt!



    "Wir tappen also immer noch vollkommen im Dunkeln wer der Mörder von Christian Berger ist.", stellte Anna Engelhardt betrübt fest, lies den Kugelschreiber auf den Tisch vor sich fallen und stand auf. "Ja also in seinem Zimmer konnten wir nichts hilfreiches finden. Aber Sabine Berger hat uns erzählt das Christian sich verloben wollte." Tom wande seinen Blick weg vom Fenster und schaute auf seine Chefin die mit verschränkten Armen etwas entfernt von ihm stand. "Wissen Sie auch mit wem?", fragte sie gespannt. "Ja, sie heißt Hannah Ludwig.", antwortete Semir, der bisher stumm auf einem kleinen Aktenschrank neben der Tür gehockt hatte. "Ja worauf warten Sie dann noch." Energisch drängte sie Tom und Semir zur Eile. "Lassen Sie sich die Adresse von Andrea geben. Ich will das Sie den Mörder finden." "Das will ich auch Chefin.", sagte Tom fest und erst jetzt erkannte Anna die tiefe Sorgenfalte auf seiner Stirn. "Semir gehen Sie doch schon mal vor. Ich habe noch etwas mit Tom zu besprechen." Semir nickte nur und verschwand. "Sind Sie sicher, das Sie dieser Fall nicht zu sehr belastet? Immerhin haben sie Christian Berger gut gekannt."
    Tom schaute überrascht:"Woher wissen Sie das?" "Eine gute Chefin weiß über alles Bescheid.", entgegenete Anna Engelhardt. Tom schaute forschend in ihr Gesicht. "Semir hat es Ihnen gesagt." Das war keine Frage. Frau Engelhardt antwortete nicht und Tom fuhr sich wütend mit der Hand durch die Haare. "Chefin mir geht es gut! Bitte lassen Sie mich einfach meinen Job machen." Er wollte das Büro verlassen, doch Anna hielt ihn auf. "Sein Sie Semir nicht böse. Er meint es nur gut." "Sicher." Tom wandte sich eilig ab und verließ das Büro.
    "Gut, das du kommst. Ich habe die Adresse.", sagte Semir nach dem er Andrea einen liebevollen Kuss gegeben hatte. Tom funkelte ihn wütend an:"Die Chefin hätte mir eben beinahe diesen Fall entzogen!",schrie er wütend. Einge Kollegen schauten zu ihnen herüber. "Tom, das wollte ich nicht. Ich mache mir doch nur Sorgen!", versuchte Semir sich zu verteidigen. "Denkst du so hilfst du mir?", rief Tom und seine Stimme zitterte. Semir antwortete nicht und Tom drehte sich wortlos um und ging zur Tür. Dort angelangt schaute er noch einmal zurück. Semir stand noch immer neben Andrea, den Zettel mit der Adresse von Hannah Ludwig halb zerknüllt in seiner Hand. "Was ist, kommst du!?" Ohne auf Semirs Antwort zu warten lief er raus auf den Parkplatz.
    Er zitterete immer noch vor Wut, als er sich in sein Auto setzte und wartete das Semir kam. Am liebsten wäre er einfach los gefahren. Warum war er eigentlich so wütend auf Semir, fragte er sich und ließ seinen Kopf erschöpft auf das Lenkrad sinken. Semir hatte Christian doch nicht umgebracht. Und sicher wollte er ihn nicht daran hindern herauszufinden wer der Mörder war. Ganz im Gegenteil, ging es ihm auf. Er war immer für ihn da gewesen, hatte ihn bei allem was er tat unterstützt und das machte er auch jetzt.
    "Ich Trottel.",sagte er leise. "Stimmt..." Semir hatte unbemerkt die Wagentür geöffnet. Vorsichtig ließ er sich neben Tom auf den Sitz fallen. "Ich wollte dir nur helfen Tom.", sagte er und seinen braunen Augen funkelten selbst in dem Dämmerlicht, das in dem Auto herrschte. Es schien von Semirs Innerem zu kommen.
    "Ich weiß! Es tut mir leid...", antwortete Tom schuldbewusst. "Das braucht es nicht. Ich wäre auch fertig, wenn mir das passieren würde." Semir lächelte. "Fahren wir?", fügte er hinzu. "Ja, weiter gehts..." Tom drehte den Zündschlüssel und zusammen verließen sie die PAST.

  • In dem Zimmer herrschte ein tiefes Schweigen. Oliver Fuhrmann schüttelte es. Irgendwie war es von Minute zu Minute kälter geworden, aber vielleicht bildtete er sich das auch nur ein und es war die Angst die sich langsam aber stetig in ihm ausgebreitet hatte seit er wieder auf seinem Stuhl saß.
    Die Tür war verschlossen und damit sein Weg in die Freiheit. Vermutlich würde er in ein paar wenigen Stunden tot sein. Er würde die Welt verlassen, ohne noch einmal seine Frau und seine beiden Töchter gesehen zu haben. Fassungslos über diese Aussicht starrte er auf den Mann, der ihm das alles eingebrockt hatte. Er kannte nicht mal seinen Namen. Wusste nicht einmal wer sein Leben zerstört hatte und bald auch das seiner Familie. Hass flammte in ihm auf. Der Mann auf dem Sofa schnarchte aufeinmal laut auf und riss Fuhrmann aus seinen Gedanken. Endlich er war eingeschlafen, dachte Fuhrmann erleichtert.
    Und dann schoss ihm ein weiterer Gedanke durch den Kopf. Was wenn er einfach versuchte an den Schlüssel zu kommen!? Viel zu verlieren hatte er ja nicht mehr. Eine neue schon verloren geglaubte Energie durchströmte ihn. Die Kälte schwand dahin. Ja, das war seine einzige und letzte Chance und er würde sie ergreifen.
    "Wenn ich das schaffe...", flüsterte er und erhob sich leise von seinem Stuhl , "werde ich alles ändern! Ich werde mich ändern!" In den letzten Minuten in diesem Raum war ihm mehr klar geworden, als in seinem gesamten bisherigen Leben. Er war zu jedermann, ausgenommen jene die so viel Geld, und einen ähnlich gut bezahlten Job wie er hatten, immer herablassend und überheblich gewesen. Seine Angestellten hatte er Tag für Tag thyrannisiert, angebrüllt und ihnen Überstunden aufgebrummt.
    So leise wie möglich trat er über den knarrenden Holzfußboden auf das Sofa zu. Der Mann schien fest zu schlafen. Sein Gesicht war blutleer und unter seinen Augen lagen tiefe Schatten. Fuhrmann betrachtete ihn. Wo hatte er vorhin den Schlüssel hingesteckt? "Ich Idiot!", fluchte er leise. Langsam streckte er seinen Arm aus. Seine Hand zitterte erbärmlich als er in die Brusttasche der zerrissenen Jeansjacke griff, die der Mann trug. Vorsichtig ließ er seine Finger in jede Ritze fahren, doch ein Schlüssel war nicht in der Tasche. Entdäuscht zog er seine Hand weg von dem Mann. Wo konnte er den Schlüssel noch haben, überlegte er fieberhaft und griff dann zögerlich widerum nach der Jacke und suchte sie nach einer Innentasche ab. Hoffnung flammte wieder in ihm auf, als er auf der linken Innenseite eine kleine Tasche entdeckte. Sie war so klein das nur zwei seiner Finger hineinpassten. Er hielt die Luft an.
    Und tatsächlich... seine Finger berührten wieder das kühle Metall des Schlüsselbundes. Mit klopfenden Herzen zog er ihn heraus, die einzelnen Schlüssel fest aneinander gedrückt um ja keinen Ton zu veranlassen, der den Mann wecken könnte.
    Gepresst ließ er die Luft aus seiner Brust entweichen vor Erleichterung. Jetzt musste er nur noch ruhig bleiben und durfte keine Fehler begehen. Die Schlüssel fest in seiner Hand, trat er zur Tür. Nervös suchte er den richtigen Schlüssel. Irgendwie sahen jetzt alle gleich aus. Am Ende entschloss er sich für den größten und rostigsten. Vorsichtig ließ er ihn in das Türschloss gleiten, das nicht weniger rostig war und stellte mit klopfenden Herzen fest das es der richtige war. Mit einem letzten Blick zurück zum Sofa drehte er den Schlüssel und hörte das Schloss leise klicken. Seine Hand fand den Weg zum Türgriff...
    Doch dann hörte er etwas hinter sich das ihm das Herz stocken ließ: "Stehen bleiben, sofort!"

  • Langsam drehte Fuhrmann sich um. Seine Knie schlugen vor Angst unkontrolliert aneinander. Der Mann stand wacklig und sich nur mit Mühe auf den Beinen haltend vor dem Sofa. Die Pistole hatte er genau auf Fuhrmanns Brust gerichtet. Seine Augen hatten sich zu Schlitzen verengt, was ihm die Ähnlichkeit mit einer giftigen Boa gab. "Komm her!", zichte der Mann. Oliver Fuhrmann bewegte sich nur widerwillig. Seine Augen funkelten dunkel vor Hass, als er vor dem Mann stehen blieb.
    "Wie kannst du es wagen!" Der Mann holte aus und stieß seine Faust in Fuhrmanns Unterbauch, sodass dieser sich stöhnend vor Schmerz zusammen krümmte. "Steh auf Schwachkopf!", rief der Mann und zerrte ihn an seiner Schulter nach oben. "Ich kann dich wirklich nicht verstehen. Hat es dir bei mir denn nicht gefallen?" Und wieder ließ er seine Hand in Fuhrmanns Unterbauch schnellen.
    "Nein, kann ich nicht behaupten!",zwängte Fuhrmann zwischen seinen Zähnen hervor. "Wirklich!? Das tut mir aber leid!", sagt der Mann mit gespielt bekümmerten Tonfall. "Das sollten wir umbedingt ändern." Wieder schlug er aus. Diesmal traf er Fuhrmanns Kopf. Dieser krümmte sich vor Schmerz und ging vor seinem Peiniger in die Knie.
    Höllige Schmerzen jagten durch seinen Körper. Doch zwischen all dem Schmerz, spürte Fuhrmann auch noch etwas anderes, Verzweiflung und eine daraus entspringende Wut die ihm wieder Kraft gab. Völlig unerwartet für seinen Gegner sprang er auf, holte aus und ließ seine Hand mit der vollen Wucht seiner verbliebenen Kraft in das Gesicht des Mannes knallen. Dieser verlor das Gleichgewicht und stürzte zu Boden.
    Ohne weiter auf ihn zu achten sprang Fuhrmann zur Tür und riss sie mit solchem Schwung auf, das sie gegen die Wand knallte. Hastig stürtzte er nach draußen in den dunklen Flur. "Bleib stehen, verdammt noch mal!", hörte er den Mann hinter sich wütend schreien. Ein Schuss verfehlte ihn nur knapp. Fuhrmanns Herz hämmerte in seiner Brust.
    Panisch rannte er zur Tür die nach draußen führte und stolperte auf den Hof. Er wollte zu seinem Wagen rennen, um dann endlich diesem Horror zu entfliehen, doch...
    Ein anderes Auto kam durch die Toreinfahrt auf den Hof gerast. Der Kies prasselte zu allen Seiten davon.
    Blitzschnell duckte Fuhrmann sich hinter seinen Wagen und öffnete dann die Tür. Vorsichtig kroch er auf den Sitz. Erleichtert erkannte er das der Fahrer ihn nicht gesehen hatte. Es war ein Mann in einem dunklen Anzug. Er hatte einen sehr grimmigen Gesichtsausdruck, der noch durch seine kräftigen Augenbrauen verstärkt wurde. Er war ausgestiegen und schaute sich kurz um. Dann trat er auf das Hauptgebäude zu. Dort öffnete sich gerade die Tür und Fuhrmanns Folterer kam herausgestolpert. "Wo ist er!?", schrie er. "Wer?", antwortete der Mann in dem Anzug und schaute verwirrt auf sein Gegenüber. "Jemand ist hier gerade eben rausgerannt. Du musst ihn doch gesehen haben!", plärrte er. "Hier kam niemand rausgerannt.", sagte der andere und sah so aus, als ob er langsam an dem Verstand seines Freundes zweifelte.
    "Schau mich nicht so an Lukas!" plaffte der Mann ihn an.
    Fuhrmann beobachtete gespannt das Geschehen. Er musste darauf hoffen, das der Mann es aufgab und die beiden wieder im Haus verschwanden. Dann würde er abhauen und sicher einen gewissen Vorsprung gewinnen bis die beiden überhaupt verstanden was passiert war.
    "Komm Gregor, gehen wir rein.", sagte Lukas und packte ihn am Arm. "Nein, wir müssen diesen Kerl finden!", schrie Gregor hysterisch und ließ seinen Blick über den Hof schweifen, bis er an Fuhrmanns Auto hängen blieb. "Schau, da nach!",befahl er und zeigte auf den BMW. "Sicher steckt er darin und wartet nur darauf, das ich auf dich Dummkopf höre."
    Lukas antwortete nicht. Wütend wandte er sich von Gregor ab und lief langsam auf den Wagen zu.
    Fuhrmann blieb beinahe das Herz stehen. Was sollte er jetzt tun? Jetzt ging es um alles oder nichts. Leben oder sterben. Ruckartig setzte er sich auf, drehte den Zündschlüssel und packte das Lenkrad. Aus den Augenwinkeln konnte er erkennen wie der Mann der sich Gregor nannte, nach vorne stürzte. Der andere war nicht weniger schnell. Als Fuhrmann das Lenkrad herum riss war er aufeinmal neben der Fahrertür und versuchte sie zu öffnen. Doch Fuhrmann war schneller. Mit aller Kraft drückte er das Gaspedal durch und lenkte auf die Hofeinfahrt zu.
    Lukas der erkannte das Fuhrmann ihm entkommen würde, hastete zum eigenen Auto. "Lass ihn ja nicht entwischen!", brüllte Gregor ihm hinterher. Doch dieser konnte ihn nicht mehr hören. Er hatte schon die Wagentür hinter sich zugeknallt, das Auto gestartet und war hinter Fuhrmann durch die Hofeinfahrt geprescht.

  • Dieses Teil braucht besonderen Lob. Musste ihn wegen einem blöden Tippfehler (was man mit der Tastatur nicht alles anstellen kann^^) zweimal schreiben!!! 8) :S



    "Du ich glaube wenn wir das hinter uns haben, dann brauche ich echt eine Ablenkung.", stöhnte Tom, der in Gedanken schon bei dem Gespräch mit Hannah Ludwig war. Innerlich graute ihm schon davor. Noch ein Mensch dem er beibringen musste, das Christian Berger tot war. Noch mehr Tränen. Noch mehr Verzweiflung.
    "Ok, wie wärs wenn wir was essen gehen?", versuchte Semir ihn aufzumuntern. "Ja, vielleicht." "Komm schon. Ich würde sagen wir gehen zu Schröder." "Ich dachte wir wollten essen gehen.", scherzte Tom und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. "Ja, ich weiß, seine Currywürste haben schon mal besser geschmeckt...", entgegnete er," aber es gibt doch nichts besseres als eine Currywurst!", fiel Tom mit ein und die beiden lachten. Sie hatten gerade Schröders Leitsatz zitiert.
    Fünfzehn Minuten später standen sie vor der Haustür von Hannah Ludwig. Es war ein schönes, großes Altbaugebäude, mit aufwendigem Stuckwerk. "Sie wohnt im ersten Stock.", sagte Semir und trat auf die Haustür zu. Tom folgte ihm, die Hände in seinen Manteltaschen vergraben. Semir klingelte, dann warteten sie stumm. Nichts regte sich.
    Keiner der beiden hatte das sanfte Schwingen einer Gardine in einem der oberen Fenster bemerkt.
    "Denkst du das sie da ist?", fragte Semir und entfernte sich einige Schritte vom Haus um die Fenster zu beobachten. Doch zu spät. Keine Bewegung oder Berührung, nicht einmal der sanfte Hauch eines angespannten Atems, ließ die Gardinen wehen.
    "Ja ich denke das ist sie.", sagte Tom fest und drückte die schwere Tür auf. "Hhm warum nicht gleich so!", sagte Semir und folgte Tom. Gemeinsam stapften sie die Treppe hinauf in den ersten Stock, bis zu der Tür, an der ein Klingelschild anzeigte, das Hannah Ludwig hier wohnte. Keine der anderen Wohnungen in diesem Stockwerk schien bewohnt zu sein, bemerkte Semir, während Tom gegen die Tür hämmerte.
    "Machen Sie auf!Wir wissen das Sie da sind!", rief Tom energisch. "Wir wollen nur mit Ihnen reden.", versuchte er es noch einmal. Für einen Moment schwiegen sie und lauschten. Nichts rührte sich.
    Semir suchte Toms Blick. Dieser verstand und nickte. Beide zogen ihre Pistolen und stellten sich neben der Tür auf. Wie auf ein geheimes Zeichen hin sprangen sie vor. Tom ließ sich mit aller Kraft gegen die Tür fallen. Sie sprang sofort auf. Leise machte Tom einen Schritt in die Wohnung. Semir trat an ihm vor bei und sicherte den ihm nächsten Zimmereingang. Es stellte sich als das Wohnzimmer heraus. Nichts war zu sehen. Er drehte sich um und schüttelte den Kopf. Tom hatte auf dieses Zeichen gewartet. Vorsichtig trat er auf die nächste Tür zu und öffente dieses mit einem Stoß seines Fußes. Semir war ihm inzwischen gefolgt und stand jetzt neben ihm auf der anderen Seite der Tür. Wieder nickte Tom mit dem Kopf und zusammen betraten sie den Raum. Beide teilten inzwischen das Gefühl, das hier irgendetwas nicht stimmte.
    Vielleicht war es die unnatürliche Stille oder einfach die Stimmung in dieser Wohnung, die ein nervöses und fiebriges Kribbeln in der Magengegend verursachte.
    Sie waren jetzt in der Küche. Immer noch war nichts zu sehen. Semir lief an einer Bar vorbei, die den Raum teilte und blieb dann abrupt stehen. "Tom...", sagte er erstickt. Tom umrundete ebenfalls die Bar und blieb neben Semir stehen, der eben sein Handy aus der Hosentasche gezogen hatte und eine Nummer wählte.
    "Andrea!? Wir sind eben bei Hannah Ludwig.", meldete er sich. Tom hatte sich gebückt. Vor ihm lag Hannah auf dem kalten Kachelfußboden. Er fühlte ihren Puls. Nichts. Sie war eben so kalt wie der Boden unter ihr. Er schüttelte den Kopf und stand wieder auf. Semir hatte ihn beobachtet. "Sie ist tot.", sagte er ins Telefon.

  • "Es wäre mir lieber gewesen, ihr sagen zu müssen das Christian tot ist, als sie jetzt selber tot finden zu müssen.", sagte Tom betrübt. "Ja ich auch.", stimmte Semir ihm zu und steckte seine Handy weg. "Warum wurde auch sie umgebracht?", überlegte Tom und sein Gesicht verzehrte sich vor Anstrengung. "Vielleicht kannte sie Christinas Mörder.", sagte Semir. "Aber das würde bedeuten das sie von Christians Tod bereits wusste." Für einen Moment herrschte Schweigen. Beide fragten sich warum Hannah Ludwig hatte sterben müssen.
    Plötzlich knallte es im Nebenraum. Es klang, als hätte jemand eine Vase oder eine Porzellanfigur herunter geschmissen.
    Tom und Semir schauten alamiert auf. Dann rannten sie los. Mit voller Wucht stießen sie die Tür auf und fanden sich in einem kleinen Büro wieder. Vor ihnen stand eine Terrassentür weit offen. Davor lag ein zerbrochener kleiner Porzellanelefant.
    Die beiden brauchten nur wenige Sekunden um die Situation zu erfassen. Semir stürzte wieder nach draußen. Tom hörte die Wohnungstür krachen, während er auf den Balkon rannte. Vor sich sah er einen kleinen Mann auf ein niedriges Vordach springen. Ohne zu zögern folgte er ihm. Er sprang über das Geländer und landete hart auf dem Dach. Nur kurz spürte er, wie die Dachrinne eine lange Wunde in seine Hand riss. Schnell sprang er auf und spurtete auf dem Dach entlang, dem Mann nach. Gerade noch konnte er sehen wie dieser wagemutig absprang und dann aus seinem Blickfeld verschwunden war. Am Rand des Daches angekommen erkannte er das ca. 5 Meter unter ihm eine kleine Gasse entlang lief. Nicht weit entfernt konnte er den Mann rennen sehen. Bevor er sprang sah er noch, wie dieser sich umdrehte und dabei in seiner Hast stolperte.
    "Na warte...", brummte er. Der Kies unter seinen Schuhen knirschte, als er auf dem Boden der Gasse landete. Nur wenige Meter vor ihm rappelte der Mann sich eben wieder auf die Beine und schaute sich panisch nach seinem Verfolger um.
    "Stehen bleiben!", schrie Tom, obwohl er nicht erwartete das der Mann auf ihn hören würde.
    Dann rannte er los. Aus einer Haustür kam eine Frau gelaufen, in den Armen einen großen, bis zu ihrem Kinn reichent, vollgestapelten Wäschekorb. Sie schien ganz in Gedanken versunken und schrie überrascht auf, als der Mann gefolgt von Tom nur wenige Zentimeter an ihr vorbei rannte. Erschrocken ließ sie ihren Wäschekorb fallen und Tom der ihm nicht mehr ausweichen konnte, spang geschickt darüber: `tschuldigung!", rief er der Frau zu und grinste, über deren verdutzten Gesichsausdruck. Dann richtete er seinen Blick wieder nach vorne und sah wie der Mann gerade um eine Hausecke bog.
    "Mist!", dachte er und verdoppelte sein Tempo. Als er ebenfalls um die Hausecke bog, sah er den Mann über einen kleinen Parkplatz rennen, nur wenige Meter von ihm entfernt, lief eine Straße entlang. Auf dieser kam eben Semir mit Tom`s blauen Mercedes angeprescht. "Na endlich!",stöhnte Tom und rannte weiter.
    Auch der Mann hatte den Mercedes bemerkt und flüchtete nach rechts zwischen die Autos. "Na toll!", dachte Tom und wollte ihm folgen, als er einen lauten Knall hörte, der verdächtig danach klang, als wäre eben ein Auto aufgebrochen wurden. Und tatsächlich kam wenige Sekunden später ein silberner VW Golf zwischen den Autoreihen hervor geschossen, nur knapp an Semir vorbei, der eine scharfe Kurve fahren musste und mit quitschenden Reifen neben Tom zum stehen kam.
    "Du warst auch schon mal schneller!",scherzte Tom, spang über die Motorhaube, riss die Wagentür auf und ließ sich auf den Sitz fallen,während der Mann vom Parkplatz brauste und dabei nur um wenige Meter einen anderen Wagen verfehlte.
    Semir wartete nicht bis Tom die Tür geschlossen hatte und trat sofort auf das Gaspedal. "Ich dachte du hättest ihn dir längst geschnappt!", gab Semir frech zurück und grinste. Dann konzentrierte er sich wieder auf den VW vor ihnen.
    Der bog eben in hohem Tempo nach rechts ab und so folgten sie ihm auf die stark befahrene Hauptstraße.
    "Ich glaube der fährt auf die Autobahn.", stellte Semir fest und überholte einen alten Opel, dessen Fahrer wütend die Hand hob und etwas brüllte das sie selbstverständlich nicht verstehen konnten.
    "Nicht wenn wir ihn vorher kriegen.", sagte Tom und warf ihm einen auffordernden Blick zu. "Ja, ja ich kann aber nicht schneller, als schnell fahren.", antwortete Semir und klang gereizt, was Tom nicht ernst nahm. Er warf einen kurzen Blick auf den VW, der direkt vor ihnen über die Straße schlingerte. "Dann übernehme ich das jetzt.", sagte er und öffnete den Sitzgurt. "Wie bitte!?" Semir verdrehte die Augen. "Ja!!! Fahr hinten an den Wagen ran." Tom drückte einen Schalter vor sich, woraufhin sich das Schiebedach öffnete. Dann zog er die Beine an und war schon halb draußen, ehe Semir noch etwas entgegnen konnte.

  • "Es wäre mir lieber gewesen, ihr sagen zu müssen das Christian tot ist, als sie jetzt selber tot finden zu müssen.", sagte Tom betrübt. "Ja ich auch.", stimmte Semir ihm zu und steckte seine Handy weg. "Warum wurde auch sie umgebracht?", überlegte Tom und sein Gesicht verzehrte sich vor Anstrengung. "Vielleicht kannte sie Christinas Mörder.", sagte Semir. "Aber das würde bedeuten das sie von Christians Tod bereits wusste." Für einen Moment herrschte Schweigen. Beide fragten sich warum Hannah Ludwig hatte sterben müssen.
    Plötzlich knallte es im Nebenraum. Es klang, als hätte jemand eine Vase oder eine Porzellanfigur herunter geschmissen.
    Tom und Semir schauten alamiert auf. Dann rannten sie los. Mit voller Wucht stießen sie die Tür auf und fanden sich in einem kleinen Büro wieder. Vor ihnen stand eine Terrassentür weit offen. Davor lag ein zerbrochener kleiner Porzellanelefant.
    Die beiden brauchten nur wenige Sekunden um die Situation zu erfassen. Semir stürzte wieder nach draußen. Tom hörte die Wohnungstür krachen, während er auf den Balkon rannte. Vor sich sah er einen kleinen Mann auf ein niedriges Vordach springen. Ohne zu zögern folgte er ihm. Er sprang über das Geländer und landete hart auf dem Dach. Nur kurz spürte er, wie die Dachrinne eine lange Wunde in seine Hand riss. Schnell sprang er auf und spurtete auf dem Dach entlang, dem Mann nach. Gerade noch konnte er sehen wie dieser wagemutig absprang und dann aus seinem Blickfeld verschwunden war. Am Rand des Daches angekommen erkannte er das ca. 5 Meter unter ihm eine kleine Gasse entlang lief. Nicht weit entfernt konnte er den Mann rennen sehen. Bevor er sprang sah er noch, wie dieser sich umdrehte und dabei in seiner Hast stolperte.
    "Na warte...", brummte er. Der Kies unter seinen Schuhen knirschte, als er auf dem Boden der Gasse landete. Nur wenige Meter vor ihm rappelte der Mann sich eben wieder auf die Beine und schaute sich panisch nach seinem Verfolger um.
    "Stehen bleiben!", schrie Tom, obwohl er nicht erwartete das der Mann auf ihn hören würde.
    Dann rannte er los. Aus einer Haustür kam eine Frau gelaufen, in den Armen einen großen, bis zu ihrem Kinn reichent, vollgestapelten Wäschekorb. Sie schien ganz in Gedanken versunken und schrie überrascht auf, als der Mann gefolgt von Tom nur wenige Zentimeter an ihr vorbei rannte. Erschrocken ließ sie ihren Wäschekorb fallen und Tom der ihm nicht mehr ausweichen konnte, spang geschickt darüber: `tschuldigung!", rief er der Frau zu und grinste, über deren verdutzten Gesichsausdruck. Dann richtete er seinen Blick wieder nach vorne und sah wie der Mann gerade um eine Hausecke bog.
    "Mist!", dachte er und verdoppelte sein Tempo. Als er ebenfalls um die Hausecke bog, sah er den Mann über einen kleinen Parkplatz rennen, nur wenige Meter von ihm entfernt, lief eine Straße entlang. Auf dieser kam eben Semir mit Tom`s blauen Mercedes angeprescht. "Na endlich!",stöhnte Tom und rannte weiter.
    Auch der Mann hatte den Mercedes bemerkt und flüchtete nach rechts zwischen die Autos. "Na toll!", dachte Tom und wollte ihm folgen, als er einen lauten Knall hörte, der verdächtig danach klang, als wäre eben ein Auto aufgebrochen wurden. Und tatsächlich kam wenige Sekunden später ein silberner VW Golf zwischen den Autoreihen hervor geschossen, nur knapp an Semir vorbei, der eine scharfe Kurve fahren musste und mit quitschenden Reifen neben Tom zum stehen kam.
    "Du warst auch schon mal schneller!",scherzte Tom, spang über die Motorhaube, riss die Wagentür auf und ließ sich auf den Sitz fallen,während der Mann vom Parkplatz brauste und dabei nur um wenige Meter einen anderen Wagen verfehlte.
    Semir wartete nicht bis Tom die Tür geschlossen hatte und trat sofort auf das Gaspedal. "Ich dachte du hättest ihn dir längst geschnappt!", gab Semir frech zurück und grinste. Dann konzentrierte er sich wieder auf den VW vor ihnen.
    Der bog eben in hohem Tempo nach rechts ab und so folgten sie ihm auf die stark befahrene Hauptstraße.
    "Ich glaube der fährt auf die Autobahn.", stellte Semir fest und überholte einen alten Opel, dessen Fahrer wütend die Hand hob und etwas brüllte das sie selbstverständlich nicht verstehen konnten.
    "Nicht wenn wir ihn vorher kriegen.", sagte Tom und warf ihm einen auffordernden Blick zu. "Ja, ja ich kann aber nicht schneller, als schnell fahren.", antwortete Semir und klang gereizt, was Tom nicht ernst nahm. Er warf einen kurzen Blick auf den VW, der direkt vor ihnen über die Straße schlingerte. "Dann übernehme ich das jetzt.", sagte er und öffnete den Sitzgurt. "Wie bitte!?" Semir verdrehte die Augen. "Ja!!! Fahr hinten an den Wagen ran." Tom drückte einen Schalter vor sich, woraufhin sich das Schiebedach öffnete. Dann zog er die Beine an und war schon halb draußen, ehe Semir noch etwas entgegnen konnte.

  • Vorsichtig lenkte Semir den Mercedes hinter den VW und näherte sich ihm dann bis auf wenige Zentimeter. Tom hockte schon auf dem Wagendach. Der Fahrtwind schnitt ihm scharf ins Gesicht, doch davon ließ er sich nicht irritieren. Sein Blick lag fest auf dem VW. Konzentriert suchte er den richtigen Zeitpunkt um abzuspringen. Sie waren jetzt nah genug an dem VW . Um sicher zu gehen, vergewisserte er sich mit einem letzten Blick ins Wageninnere zu Semir. Der nickte. Die Muskeln in Tom`s Beinen spannten sich.Seine Augen blickten fest auf einen Punkt des VW`s. Dann sprang er ab. Sekunden später spürte er wie kaltes Metall seine Hände und sein Gesicht berührte. Mit einem Krachen war er auf dem Autodach des VW gelandet. Flach legte er sich an den Wagen, um dem drohenden Wind zu entgehen, der hartnäckig an ihm zerrte. Vorsichtig schaute er sich um. Semir war immer noch dicht hinter ihm. Ein kanariengelber Passat überholte ihn gerade auf der Innenspur. Die Fahrerin, eine kleine Frau Ende 30, starrte zu ihm herüber. Tom musste lächeln. "Das liebe ich an diesem Job.", murmelte er und zog sich dann weiter nach vorne. Die großen Schlangenlinien die der VW inzwischen fuhr, machten ihm klar, das ihn der Mann darin, bemerkt haben musste. "Mich wirst du nicht so leicht los.", dachte er und krallte sich am Rand des Daches fest. Nachdem er sich einigermaßen sicher fühlte, kroch er weiter, bis er vorne an der Frontscheibe angelangt war. Einen Moment lang überlegte er.Sein Blick wanderte nach vorne. Dann fasste er einen Entschluss. Er ließ die linke Hand, mit der er sich bisher am Autodach festgehalten hatte nach vorne gleiten, oberhalb der Fontscheibe vorbei, bis er beide Hände auf der rechten Seite des Daches hatte. Direkt unter ihm war die Beifahrertür. Dann schob er sein Körpergwicht nach vorne, über die Kante des Daches hinweg, nur so weit das er mit der einen Hand den Griff der Tür erreichen konnte. Er musste sich beeilen, das wusste er. Das Blut in seinen Adern pulsierte. Vorsichtig langte er nach unten. Dann spürte er die Erhebung des Türgriffes. Ohne zu zögern zog er daran, was aus seiner Position nicht einfach war. Doch es gelang ihm. Gerade noch rechtzeitig. Er zog sich nach oben und ein lautes Krachen verriet ihm das sein Plan aufgegangen war. Die offene Beifahrertür war gegen den Mast eines Schildes gekracht und weggeschleudert worden.
    Plötzlich hörte er Semir hinter sich schreien. Er blickte sich um und sah ihn den Mercedes eben wieder gerade auf die Fahrbahn lenken und dann wütend mit den Armen fuchteln. Scheinbar war die Autotür geradewegs auf ihn zugeflogen. Entschuldigend zog er die Schultern nach oben.
    Sofort wurde er für seine Unachtsamkeit bestraft. Der Mann hatte den VW wieder ein wilden Schlenker fahren lassen, was Tom die Balance verlieren ließ. Fast wäre er vom Auto auf die Fahrbahn gestürzt, doch Semir hatte aufgepasst. Mit einem schnellen Tritt auf das Gaspedal, hatte er seinen Wagen gegen den VW fahren lassen und ihm somit einen Ruck versetzt, der Tom wieder nach vorne auf das Autodach knallen ließ.
    Tom atmete erleichtert auf, seine Hände hatten wieder den Rand des Wagendaches gepackt. Er wandte sich vorsichtig um und sah Semir der lächlend den rechten Daumen nach oben hielt. Er nickte dankbar und drehte sich wieder nach vorne.
    Und noch einmal kämpfte er sich auf dem Dach des dahin brausenden Autos nach vorne. Der Wind pfiff ihm um die Ohren und ihm war, als würde der VW immer schneller werden. Wieder ließ er seine verkrampfte Hand bis zur rechten Seite wandern. Dann zog er seine beiden Beine an den Körper, drehte sich auf den Bauch und ließ sich vorsichtig über den Rand des Daches gleiten. Verzweifelt versuchte er mit seinem Füßen Halt zu finden, doch der starke Wind zog ihn immer wieder vom Wagen weg.
    Und dann schaffte er es doch. Mit aller Kraft drückte er sich an das Auto. Seine Füße fanden immer innern des Wagens Halt. Dann ließ er sich mit dem Rest des Körpers in den Wagen sinken.
    Neben Tom saß ein grimmig dreinblickender junger Mann. Ärgerlich packte dieser das Lenkrad mit beiden Händen und riss es herum.