Timmy

  • So - nun will ich nochmal einen Versuch starten! Viel Spass dabei! :P :baby:
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    Es war Freitagnachmittag und Tom und Semir kamen gerade aus der Dienststelle, um ihre Runde auf der Autobahn zu fahren. Semir setzte sich ans Steuer und startete den Motor. "Na dann wollen wir mal, die bösen Buben warten," meinte er grinsend zu Tom. Der sah ihn von der Seite an und schmunzelte. "So gut gelaunt heute? Wie das denn? Hat das vielleicht was mit Andrea zu tun? Habt euch wohl wieder versöhnt, was?" Tom hatte den Streit zwischen den beiden am Tag zuvor mitbekommen.
    "Du hast es erfasst, Partner. Das schönste am Eheleben sind die Versöhnungen nach Streitereien - aber davon hast du ja keine Ahnung! Du bist ja nicht verheiratet." Grinsend lenkte er den Wagen in Richtung Autobahn.
    "Da hast du Recht, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich werd mir dann bei dir Rat holen, wenns soweit ist. Du hast im Versöhnen ja schon ziemlich viel Übung. Und nun los - die bösen Buben warten." Tom lachte.
    "Ach ja, eh ichs vergesse, kannst du mal da vorne anhalten? Ich muss noch schnell was erledigen." Semir sah seinen Partner von der Seite an. "Mensch Tom, muss das sein? Wir sind eh schon spät dran heute. Kannst du das nicht nach Feierabend erledigen?" Semir klang leicht ungehalten.
    "Tut mir leid, aber ich muss meine neue Kreditkarte abholen. Bis ich Feierabend hab, ist die Bank längst zu. Dauert auch nicht lange!"
    Semir stichelte: "Du weisst aber schon, dass eine neue Karte auch nichts an deinem katastrophalen Kontostand ändern wird, oder?"
    "Sehr witzig, Semir. Halt einfach an und ansonsten deine Klappe, klar?" Semir gab sich geschlagen und lenkte den Wagen an den Straßenrand genau vor dem Bankgebäude. Tom stieg aus und ging auf den Eingang der Bank zu. "Beeil dich, ich warte nicht ewig. Ausserdem steh ich hier im Halteverbot," rief ihm Semir hinterher. Tom winkte ihm kurz zu und drehte sich dann wieder um, um die Bank zu betreten. Die automatische Eingangstür öffnete sich und Tom ging hinein.


    Einer der drei Maskierten, die gerade dabei waren, den Kassierer davon zu überzeugen, dass er ihnen das gesamte Geld herausgab, sah aus den Augenwinkeln, dass jemand zur Tür hereinkam. Da seine Nerven sowieso schon zum Zerreissen gespannt waren, richtete er reflexartig die Waffe auf den Eindringling und drückte ab.


    Tom betrat gerade die Bank. Er registrierte noch, dass hier etwas im Gange war, sah die Waffe, die auf ihn gerichtet war und warf sich instinktiv zur Seite. Keine Sekunde zu früh. Der Schuß krachte und Tom konnte den Luftzug der Kugel spüren, die an seinem Kopf vorbeipfiff. Unsanft landete er auf dem Steinboden des Eingangsbereiches.

  • Einen Moment blieb Tom bewegungslos liegen. Er hörte die panischen Schreie der Bankkunden, dann wieder einen der Bankräuber. "Verdammt nochmal, hast du sie noch alle?" herrschte der eine seinen Kumpel an. "Da kannst du auch gleich die Bullen rufen. Sie nach, ob du ihn erwischt hast."
    Tom lag da und überlegte, was er nun tun sollte. Offenbar war er hier gerade in einen Banküberfall geplatzt. Hoffentlich kam Semir nicht nach, dann wäre hier das Chaos perfekt. Er merkte, wie einer der Gangster auf ihn zu ging. Sollte er versuchen, ihn zu überwältigen? Aber das machte keinen Sinn und brachte nur die restlichen Geiseln in Gefahr. Der Kerl war ja nicht alleine. Nein, das hatte keinen Zweck. Er musste sich fürs Erste geschlagen geben. Er spürte den vertrauten Druck seiner Waffe an seiner Seite. Das gab ihm etwas Sicherheit. Hoffentlich bemerkten die Kerle nicht, dass er bewaffnet war.
    "Hey, steh auf!" Brüllte der Bankräuber und stieß ihn mit einem Fuß an. Tom richtete sich langsam auf. Er versuchte, im Schnellgang die Lage zu erkunden. Es waren drei Bankräuber, mehr konnte er wenigstens nicht sehen. Die Angestellten und die Geiseln saßen ängstlich in einer Ecke auf dem Boden. Unter den Geiseln war ein kleiner Junge von etwa 10 Jahren, der entsetzt zu ihm sah. Ausserdem waren da noch ein älteres Ehepaar und eine junge Frau mit Kinderwagen, ein Herr im dunklen Anzug, die drei Bankangestellten und der Filialleiter.
    "Pfoten hoch und da rüber," herrschte ihn der Mann an. Tom hob die Hände und ging langsam in die angegebene Richtung zu den anderen. Plötzlich stutzte der Räuber. Tom wurde es siedendheiß. Der Kerl hatte seine Waffe gesehen!!!
    "Verdammte Scheiße, der hat ne Waffe! Das ist ein Bulle!" brüllte er hektisch und zielte mit der Pistole auf Tom. Der zweite Bankräuber kam auf Tom zu, der immer noch mit erhobenen Händen dastand. "Rühr dich nicht, oder du bist tot." Er griff unter Toms Jacke und förderte die Waffe zutage, die er an seinen Komplizen weitergab. Dann griff er sich die Handschellen und Toms Ausweis. Er hielt Tom die Handschellen hin. "Wenn du die Dinger schon dabei hast, dann solls nicht umsonst gewesen sein. Leg sie an." Langsam nahm Tom die Fesseln und ließ das Schloß zuklicken. Er hatte keine andere Wahl. Wenn er sich jetzt zur Wehr gesetzt hätte, hätten ihn die Kerle gnadenlos abgeknallt.
    "Bist du nun ein Bulle, oder nicht?" fragte ihn der Mann, den Tom für den Anführer hielt.
    Tom sah ihm ruhig in die Augen. "Sehen Sie doch nach, sie haben ja meinen Ausweis. Oder sind sie Analphabet?" Das hätte Tom besser nicht gesagt, denn im selben Augenblick traf ihn ein Faustschlag in den Magen, der ihm die Luft nahm. Tom klappte zusammen, wie ein Schweizer Messer und hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Ein zweiter Schlag ins Gesicht hob ihn dann endgültig von den Beinen und warf ihn zu Boden. Der Bankräuber stand vor ihm und sah auf den Ausweis. "Hauptkommissar Tom Kranich," las er verächtlich vor und warf Tom den Ausweis vor die Nase. "Da haben wir ja netten Besuch bekommen."
    Tom rappelte sich langsam wieder auf und wischte mit dem Ärmel über die aufgeplatzte Lippe. "Da rüber zu den anderen," brüllte er und zur Bekräftigung gab er Tom einen Stoß, dass dieser fast in die anderen Leute gefallen wäre. Tom setzte sich neben den Jungen, der ihn interessiert musterte.

  • Während sich in der Bank die Ereignisse überschlugen, hatte Semir draußen im Wagen gesessen und auf Tom gewartet. Plötzlich hörte er einen Knall. Er dachte an eine Fehlzündung und blieb sitzen. Als Tom nach einigen Minuten noch nicht zurück war, wurde er ungeduldig. Er dachte wieder an den Knall. Ob das ein Schus gewesen war? Oder war er durch seinen Beruf nur übersensibel und sah hinter allem ein Verbrechen? Immer wieder sah er auf den Eingang der Bank. Schließlich hielt es ihn nicht mehr auf dem Autositz. Er stieg aus und ging Richtung Eingang. Er ging so auf den Eingang zu, dass er zwar hinein sehen konnte, man ihn aber von drinnen nicht ohne weiteres sah.


    Als er nahe genug dran war, sah er vorsichtig um die Ecke in den Schalterraum. Das Blut gefror ihm fast in den Adern. Da stand Tom, der von einem Maskierten mit einer Waffe bedroht wurde. Plötzlich schlug ihn der Mann nieder. Semir lehnte sich mit dem Rücken an die Wand. Da drinnen war ein handfester Banküberfall im Gange und Tom war mittendrin! Wieder sah Semir um die Ecke. Er konnte noch zwei weitere Maskierte ausmachen. Es waren also mindestens drei Täter. Semir ging zurück zum Wagen. Alleine konnte er hier nichts ausrichten. Er musste das SEK informieren - die ganze Maschinerie. Sie mussten genau abwägen, was jetzt zu tun war. Wenn unüberlegt gehandelt wurde, gab es hier ein Blutbad.


    Er setzte sich in den Wagen und informierte die Chefin. Anna Engelhardt fiel aus allen Wolken. "Wie bitte? Ein Banküberfall? Und Tom mittendrin? Wie haben sie das wieder geschafft?" Semir konnte förmlich sehen, wie sie die Augen verdrehte. "Bleiben sie, wo sie sind, wir kommen sofort. Aber unternehmen sie nichts, verstanden?" Semir nickte. "Natürlich Chefin."


    In der Bank waren die Räuber inzwischen unruhig geworden. "Mensch, wenn das ein Bulle ist, dann ist er nicht alleine. Die tauchen doch immer im Doppelpack auf.Was machen wir jetzt bloß?"
    "Halt das Maul, ich muss nachdenken." Der Anführer der drei ging nervös auf und ab. "Okay, wenn wir schon so hohen Besuch haben, dann werden wir auch Kapital draus schlagen. Wir verlangen Lösegeld. Für einen Bullen werden die bestimmt was locker machen." Er lachte zufrieden. So schlecht lief das doch gar nicht. Jetzt konnten sie zu der Kohle aus dem Tresor noch ein hübsches Sümmchen für den Bullen rausschlagen.


    Tom saß inzwischen auf dem Boden und beobachtete die Kerle.
    "Bist du wirklich ein Polizist?" fragte ihn plötzlich der Junge leise. Tom sah ihn an und lächelte. "Ja, bin ich." Der Kleine war ein netter Kerl. Er hatte dunkle Haare und machte einen aufgeweckten Eindruck. Offenbar war er alleine hier, soweit Tom das feststellen konnte. Wieder sprach in der Junge an. "Ich bin Timmy, und wie heisst du?" "Ich bin Tom. Tom Kranich," antwortete Tom leise. "Hast du auch einen Partner? Im Film sind die Polizisten doch immer zu zweit." stellte Timmy flüsternd fest. Tom nickte. "Ja, hab ich. Er ist draussen und wird schon gemerkt haben, was hier los ist. Du musst keine Angst haben, er holt uns bestimmt hier raus." Timmy sah Tom von der Seite an und meinte selbstbewusst: "Ich hab keine Angst." Tom musste wieder lächeln. Der Kleine war in Ordnung.


    Einer der Bankräuber hatte bemerkt, dass die beiden flüsterten und schrie barsch. "Klappe da hinten!" Timmy zuckte kurz zusammen. Ganz so angstfrei, wie er Tom gegenüber behauptet hatte, schien er doch nicht zu sein. Tom griff mit seinen gefesselten Händen zu ihm rüber und nahm Timmys Hand, um ihn etwas zu beruhigen. Auch die anderen Geiseln waren total verängstigt. Der alte Herr hielt seine Frau im Arm, die leise vor sich hin schluchzte. Die Frau mit dem Kinderwagen versuchte, ihr Baby ruhig zu halten, das nun auch noch anfing zu wimmern.

  • Es juckte Semir gewaltig in den Fingern, irgendwas zu tun. Aber es war viel zu gefährlich. Wenn sie es nur mit einem Bankräuber zu tun gehabt hätten, dann wäre es keine Frage gewesen, aber so? Er konnte jetzt nur noch dafür sorgen, dass niemand mehr in die Bank ging, bis das SEK da war.


    Erleichtert sah er, dass die Wagen um die Ecke bogen und in einiger Entfernung anhielten. Anna Engelhardt kam auf Semir zu. "Wie siehts da drinnen aus?" besorgt blickte sie über die Straße zur Bank.
    "Es sind auf jeden Fall mindestens drei Täter und etliche Geiseln, soweit ich sehen konnte."
    "Ist Tom verletzt?"
    Semir schüttelte den Kopf. "Ich glaube nicht, sie haben ihn vorhin zwar zusammengeschlagen, aber ich glaube nicht, dass er ernsthaft was abbekommen hat." Seufzend fügte er hinzu. "Hoffentlich bleibt das auch noch so, wenn sie feststellen, dass Tom Polizist ist." Er machte sich Sorgen ums einen Freund.
    Inzwischen hatte das SEK die Umgebung der Bank abgeriegelt. Das Gebäude war umstellt.


    Der Maskierte, der auf Tom geschossen hatte, stand am Fenster und sah nervös durch die Jalousien. "Verdammt - da sind überall Bullen!" Seine Stimme überschlug sich fast. "Wie kommen wir jetzt hier weg?" Er sah wütend zu Tom und schnauzte. "Das haben wir alles dem zu verdanken - ich mach ihn kalt!" Wütend stürmte er auf Tom zu und fuchtelte mit der Pistole vor ihm rum. Tom merkte, dass die Nerven des Kerls nicht mehr viel vertrugen. Offenbar wuchs ihm die ganze Sache über den Kopf. Er musste ihn irgendwie beruhigen, ehe sich die Lage hier noch weiter zuspitzte. Tom stand langsam auf und ging 2 Schritte auf ihn zu. "Hören Sie, lassen sie die Geiseln frei, dann sorge ich dafür, dass sie hier raus kommen. Sie haben keine andere Chance. Meine Kollegen haben die Bank umstellt." Tom sah das funkeln in den Augen seines Gegenübers, der immer noch auf Tom zielte. Das verhieß nichts Gutes. Aber noch ehe er weiter denken konnte, hörte er Timmy schreien. "Nein, das dürfen sie nicht! Sie dürfen ihn nicht erschießen!" Der Maskierte war genau so perplex, wie Tom und drehte sich zu Timmy um, da war der schon auf ihn zugerannt und hatte ihn in die Hand gebissen.
    "Verdammt - die Kröte hat mich gebissen, schrie der Bankräuber und schleuderte Timmy von sich, der unsanft vor den anderen Geiseln landete. Blut tropfte von seiner Hand. Tom sah zu Timmy hin. Er konnte gar nicht fassen, was der Kleine gemacht hatte. Timmy hatte ihm wahrscheinlich das Leben gerettet, mit seiner "Beißattacke" Schnell war er bei ihm und stellte sich schützend vor ihn. Timmy schluchzte: "Er wollte auf dich schießen......" Tom strich ihm beruhigend über den Kopf und sah dem Anführer entgegen, der langsam auf sie zukam.


    Er stellte sich vor die beiden und sah Timmy an. "Noch einmal so eine Aktion, du Rotznase, dann jag ich dem hier," er deutete dabei auf Tom, "...eine Kugel in den Kopf. Verstanden?" Ängstlich lugte Timmy hinter Tom hervor und nickte.
    "So, dann wär das ja geklärt." Er wandte sich an seinen Komplizen, der immer noch jammernd seine Hand begutachtete. "Und du hör auf zu jammern, du Memme.Der Kurze hier hat ja mehr Courage, als du."

  • Anna Engelhardt dachte kurz nach, dann gab sie dem SEK-Einsatzleiter, der neben ihr stand, die Anweisung: "Machen sie mir bitte eine Telefonverbindung zur Bank. Ich will mit den Geiselnehmern Kontakt aufnehmen." Sie wandte sich wieder zu Semir. "Solange die nicht wissen, dass Tom Polizist ist und eine Waffe hat, haben wir einen Trumpf im Ärmel." Semir nickte. "ja, solange sie es nicht wissen........"
    "Frau Engelhardt - die Verbindung steht gleich." Anna nickte dem Beamten zu. "Danke." Sie nahm das Telefon, das er ihr hinhielt. Der Verbindungsaufbau war im Gange.


    Die Geiseln in der Bank hatten sich nach der Aufregung wieder etwas beruhigt, als das Telefon läutete. Es klingelte einmal, zweimal, dreimal.....!
    "Wollen sie nicht rangehen? Das sind bestimmt meine Kollegen," versuchte Tom, den Anführer zum Abnehmen zu bewegen.
    "Ein bißchen Warten schadet nicht, das macht sie mürbe," grinste der, ehe er dann doch den Höhrer abnahm. "Ja?" fragte er barsch.
    Anna Engelhardt nickte Semir zu, als am anderen Ende abgenommen wurde.
    "Hier spricht Anna Engelhardt. Ich bin die Einsatzleiterin der Polizei. Ergeben Sie sich, es ist ihre einzige Chance." Gespannt blickte Semir auf das Bankgebäude.
    "Hier spricht der böse Bankräuber," machte sich der Anführer lustig. "Mein Name tut nichts zur Sache. Reden wir nicht drumrum, Frau Engelhardt. Wir haben sogar gute Chancen. Wir haben hier mehrere Geiseln, darunter ein Kollege von Ihnen, wie sie wahrscheinlich bereits wissen. Sie besorgen uns 5 Millionen und einen Fluchtwagen, dann passiert den Leuten hier nichts. Das Ganze innerhalb von 2 Stunden."
    Die Chefin atmete durch. Sie wussten also schon, dass Tom Polizist war, dieser Trumpf war keiner mehr. Im Gegenteil - für Tom verschlimmerte das die Lage noch.
    "Wir schaffen das nicht, in 2 Stunden so viel Geld zusammenzubekommen....." versuchte sich mit dem Bankräuber zu verhandeln.
    "Frau Engelhardt - natürlich schaffen sie das. Falls nicht, dann werden wir nach den 2 Stunden die erste Geisel erschießen, und dann alle halbe Stunde eine weitere. Ende der Durchsage!" Der Anführer knallte den Hörer auf den Tisch. "Die will uns verarschen," brüllte er in Toms Richtung. "Aber nicht mit mir. Wenn die nicht zahlen, dann seid ihr alle fällig."
    Tom sah sich um. Die Leute waren völlig verängstigt. Auch Timmy schien inzwischen das Herz in die Hose gerutscht zu sein, was ja auch kein Wunder war. Er drückte sich ganz nah an Tom und beobachtete die Szene mit großen Augen.

  • Semir ging aufgeregt vor der Chefin auf und ab. "Und was machen wir jetzt? Wir bekommen das Geld doch niemals in 2 Stunden zusammen. Wir müssen irgendwas unternehmen....."
    Anna Engelhardt schüttelte den Kopf. "Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen. Vielleicht lassen sich die auch auf eine Fristverlängerung ein. Aber wir können auf keinen Fall stürmen, das gäbe ein Blutbad."


    In der Bank war die Stimmung gespannt. Das Baby der jungen Frau schrie immer wieder und ileß sich kaum noch beruhigen. Tom sah besorgt zu ihr rüber. Er musste es irgendwie schaffen, dass sie wenigstens die Frau mit dem Baby freiließen - und Timmy! Das Babygeschrei zerrte an den Nerven der Geiselnehmer. "Verdammt, halt endlich dein Balg ruhig. Mir geht das Geschrei auf die Nerven." Der nervenschwächste der Maskierten brüllte die Frau an.
    "Aber was soll ich denn machen. Es hat eben Hunger und ich hab nur Tee dabei." Die Frau wiegte verzweifelt das Kind in den Armen, das sich die Lunge aus dem Leib schrie.
    Tom stand auf und ging einen Schritt vor. "Lassen sie die Frau und die Kinder gehen. Sie haben doch noch genug Geiseln." Der Nervöse trat auf Tom zu und zischte. "Ah, unser superschlauer Superbulle.....die Frau bleibt hier." Das Baby schrie noch lauter. Tom sah ihn verächtlich an. "Ach, sie sind wohl einer der Kerle, deren Mut nur dazu reicht, Frauen und Kinder fertig zu machen. Zu mehr reichts wohl nicht." Tom wusste, dass er hoch pokerte. Wenn der Kerl die Nerven verlor, hatte er ruckzuck eine Kugel kassiert. Aber ihm blieb keine andere Wahl.
    Der Maskierte stierte ihn an, Tom hatte ihn bis aufs Blut gereizt, das konnte er sich nicht gefallen lassen. Blitzschnell holte er aus und schlug Tom die Pistole an den Kopf. "Halt die Klappe Bulle." Tom wurde zu Boden geschleudert und lag einen Moment benommen da. Er rappelte sich wieder auf und sah, wie der Kerl auf die junge Frau zuging. "Und der Brüllaffe hier ist auch gleich ruhig, garantiert." Er zielte mit der Waffe auf die Frau, die starr vor Schreck da stand, und ihr Kind im Arm hielt. Tom war schlagartig klar, dass er abdrücken würde. Das konnte er nicht zulassen. Obwohl er noch leicht benommen war, kam er auf die Beine. "Lassen sie die Frau in Ruhe......." Er schnellte nach vorne, der Kerl drehte sich zu ihm um und drückte ab. Tom spürte den gigantischen Schmerz, als ihn die Kugel traf und von den Beinen riß. Stöhnend lag er am Boden. Die Aktion war gründlich schief gegangen. In der Bank herrschte kurzzeitig das Chaos. Die Geiseln schrien, das Baby schrie....und Tom hatte alle Mühe, nicht ohnmächtig zu werden. Timmy stand da und starrte fassungslos auf Tom. Er sah das Blut, das sich auf Toms Hend ausbreitete.


    Der Anführer stand breitbeinig im Raum und brüllte. "Ruhe, verdammt nochmal! Der Bulle hat recht, die Frau soll gehen, ich halte das Geschrei nicht mehr aus - aber der Junge bleibt hier."
    Tom schluckte. "Lassen sie den Jungen doch auch gehen, was nützt er ihnen denn?" versuchte er keuchend, zu erreichen, das Timmy in Sicherheit kam.
    Der Mann stand vor Tom und raunzte ihn an. "Unser Held hat ja schon wieder eine große Klappe. Reicht es dir nocht nicht? Ich sagte: der Junge bleibt hier, basta."
    Er wandte sich an die Frau mit dem Baby. "Los verschwinde hier, bevor ich es mir anders überlege." Die Frau sah zu Tom, der nickte ihr zu und sie ging langsam mit ihrem Kind auf dem Arm Richtung Ausgang.

  • Draussen hatte man den Schuss gehört. Semir zuckt unwillkürlich zusammen. "Was war das?" Entsetzt blickte er die Chefin an, der man ansah, dass sie ein ungutes Gefühl hatte.
    "Verdammt, da drin wurde geschossen, ich will....." Anna Engelhardt fasste Semir am Arm. "Sehen sie doch...." Semir blickte rüber zur Bank. Er sah, wie die Tür auf ging und eine junge Frau mit einem Baby auf dem Arm heraustrat. Sie blieb kurz stehen und sah sich unsicher um. Semir winkte ihr zu. "Hierher, kommen sie hierher...." Die Frau ging erst langsam und dann immer schneller in Semirs Richtung. Jeder ihrer Schritte brachte sie weg von dem was sie eben erlebt hatte, brachte sie in Sicherheit. Anna nahm die Frau in Empfang. Jetzt, da sie in Sicherheit war, löste sich die Anspannung der letzten Stunden, die Frau fing hemmungslos an zu weinen. Anna Engelhardt legte ihren Arm um sie und führte sie zu dem RTW, der bereit stand. Sie nahm ihr das Baby ab, das inzwischen vom Schreien müde geworden war, und schlief, und reichte es einem Sanitäter. Der Arzt kümmerte sich um die Frau, die mit den Nerven völlig am Ende war. Semir stand etwas hilflos daneben. Er hatte so viele Fragen - aber erst musste sich die Frau beruhigen, das sah er ein.


    Nach einigen Minuten hatte sich die junge Mutter wieder etwas beruhigt. Semir setzte sich neben sie. "Mein Name ist Semir Gerkhan, Kripo Autobahn. Frau ......?"
    "Balser. Judith Balser," sagte die Frau leise und putzte sich die Nase. "Frau Balser, ich weiss, was sie da drinnen durchgemacht haben, aber könnte ich ihnen ein paar Fragen stellen. Es wäre wirklich wichtig." Judith Balser nickte und sah zu ihrem Baby, das von dem Sanitäter liebevoll gewiegt wurde. "Frau Balser, was war vorhin da drinnen los? Wir haben einen Schuss gehört."
    Judith Balser sah Semir mit rot verweinten Augen an. "Die Männer haben auf ihren Kollegen geschossen....." wieder begann sie zu schluchzen. Semir starrte sie an. Auf Tom geschossen? War er......? Semir wollte den Gedanken nicht zu Ende denken.
    "Frau Balser, " versuchte Semir behutsam, die Befragung fortzuführen. "...was ist mit meinem Kollegen? Ist er verletzt?" Die Frau nickte. "Ja, hier!" Sie deutete mit ihrer linken Hand auf einen Punkt, etwa eine halbe Hand breit unter dem rechtenSchlüsselbein. "Er hat fürchterlich geblutet. Er hat...." wieder kam ein Schluchzen. "....er hat meinem Baby und mir das Leben gerettet. Der Kerl wollte mein Baby erschießen, weil es geschrien hat. Es war so furchtbar....sie müssen die Leute da rausholen, die Kerle sind zu allem fähig. " Wieder schossen ihr die Tränen in die Augen. Nachdem sie sich abermals beruhigt hatte, machte sie noch Angaben über die Zahl der Maskierten und der Geiseln. Dann wurde sie mit ihrem Baby ins Krankenhaus gebracht.


    Semir ging zum Dienstwagen. "Ich ruf jetzt da drüben an. Ich will mit Tom sprechen. Wie siehts mit dem Geld aus? Schaffen wir es rechtzeitig?" Anna blickte auf die Uhr. "Es wird knapp werden, aber es könnte reichen."


    Tom hatte sich inzwischen aufgesetzt und saß mit dem Rücken zur Wand auf dem Boden. Die Schusswunde in der rechten Schulter schmerzte höllisch. Er versuchte, es zu ignorieren, er wollte Timmy nicht beunruhigen, der neben ihm saß und ihn immer wieder ängstlich ansah. "Tut es sehr weh?" fragte er besorgt. Tom schüttelte den Kopf. Selbst das bereitete ihm Schmerzen. Der Schlag mit der Pistole war nicht spurlos an ihm vorübergegangen. "Nein, nicht sehr. Es geht schon." Er lächelte Timmy aufmunternd zu. "Aber es blutet sehr...." Timmy hatte Angst um seinen neuen Freund. Musste der jetzt sterben? Der alte Herr, der mit seiner Frau etwas abseits stand, kam auf Tom zu und reichte ihm ein sauberes, noch gefaltetes Taschentuch. "Hier, legen sie das auf die Wunde, etwas anderes hab ich leider nicht." Tom nickte dankbar. Er nahm das Tuch, knöpfte das Hemd auf und legte es auf die Schußwunde. Dabei sog er die Luft ein und schloß kurz die Augen. Ihm war schwindlig und er wünschte sich, dass der Albtraum bald ein Ende hatte. Aber er musste sich zusammenreißen und durchhalten. Schon wegen Timmy.

  • Plötzlich zerriss das Läuten des Telefons die angespannte Stille im Raum. Wieder ließ es der Anführer ein paar Mal klingeln, ehe er den Hörer abnahm.


    Semir hörte, wie am anderen Ende abgenommen wurde, es meldete sich aber niemand. "Gerkhan, Kripo Autobahn. Was war da eben los?" Semir musste sich beherrschen, sachlich zu bleiben.


    "Ah noch ein Bulle," Tom vermutete, dass Semir am anderen Ende der Leitung war."Der Bulle hier hat sich daneben benommen und ne Kugel kassiert - das ist passiert. Ist die Kohle schon da?"


    "Hören Sie, ich will mit meinem Kollegen sprechen, er braucht vielleicht einen Arzt."


    Der Anführer grinste zu Tom rüber, während er in den Hörer sprach. "Sicher braucht er einen Arzt. Sieht nicht gut aus, der Kollege. Alles voller Blut. Er wird einen Arzt bekommen - wenn wir die Kohle haben und verschwunden sind, und keine Sekunde vorher." Er machte eine kurze Pause. "Ach ja, noch was. Vergessen sie nicht: wenn die 2 Stunden um sind, wird hier die erste Geisel erschossen." Er knalle den Hörer wieder aufs Telefon.


    Semir wollte noch etwas erwidern, aber da war das Gespräch schon zu Ende. Was sollten sie jetzt tun? "Chefin," er wandet sich an Anna Engelhardt, die gerade dabei war, etwas mit dem SEK-Einsatzleiter zu besprechen. "Chefin, die Kerle meinen das ernst, ich bin sicher, die erschießen die erste Geisel nach zwei Stunden. Wir müssen etwas unternehmen."
    "Semir, wir lassen jetzt erst mal die zwei Stunden verstreichen, vielleicht schaffen wir es bis dahin, das Geld zu beschaffen. "
    "Und wenn wir es nicht schaffen, was dann?" Semir machte sich Sorgen. Tom war verletzt und brauchte dringend ärztliche Hilfe.
    Anna Engelhardt blickte rüber zur Bank. "Dann haben wir ein Problem, dann müssen wir irgendwie bluffen - stürmen können wir in keinem Fall.


    Die Zeit verstrich quälend langsam. Tom bemerkte, dass die Bankräuber immer nervöser wurden. Auch die Geiseln waren mit ihren Nerven inzwischen fast am Ende. Ein Blick auf die große Wanduhr zeigte ihm, dass die Frist in 10 Minuten um war. Für Tom bestand kein Zweifel, dass die Männer ihre Drohung wahr machen würden. Er musste irgend etwas tun, aber was? Er war gefesselt und zudem verletzt. Ausserdem waren die Kerle in der Übermacht - und mit der Hilfe der Geiseln konnte er nicht rechnen. Die Lage war überhaupt nicht rosig.


    Die Minuten verstrichen und alle Geiseln blickten immer wieder ängstlich auf die Uhr. Man hörte das Klicken, wenn der Zeiger wieder um eine Minute vorsprang. Noch zwei Minuten!
    "So - nun wollen wir doch mal sehen, wer die Ehre hat, als erster abzukratzen." Der, der schon auf Tom geschossen hatte, ging langsam an der Reihe der Geiseln entlang. Er weidete sich an den ängstlichen Gesichtern der Leute. Er hob die Waffe und zielte nacheinander auf jeden. Timmy, der immer noch neben Tom saß, drückte sich ganz eng an ihn. "Keine Angst Timmy, dir passiert nichts." versuchte Tom, den Jungen zu beruhigen, obwohl auch ihm nicht wohl in der Haut war.
    Dann stand er vor Tom. Tom blickte genau in den Lauf der Waffe. "Ich hab da eine Idee," man konnte die Ironie aus der Stimme heraushören. "unser Held hier bestimmt, wer als erster dran kommt." Tom schluckte. Wie irre war der Kerl denn? "Na du Superbulle? Wer soll als erster ins Gras beißen?" Auffordernd fuchtelte er mit der Pistole vor Toms Gesicht herum und blickte dann auf die Uhr. "Es ist soweit! Also, wer?"
    "Lassen sie das," versuchte Tom mit fester Stimme, das Kommende abzuwenden. "Wenn es hier Tote gibt, dann haben sie überhaupt keine Chance mehr."
    "Lass das dumme Gequatsche Bulle, ich hab dich was gefragt. Also: wer?" Als keine Antwort kam, ging er blitzschnell auf Tom zu, packte ihn am Arm und zog ihn auf die Knie. Tom hätte schreien können, so groß war der Schmerz, der durch seinen Körper fuhr. Er hatte genau den rechten Arm erwischt, dessen Schulter durch die Kugel malträtiert war. "Wenn du dich so schlecht entscheiden kannst, dann wirst du die Ehre haben."
    Tom kniete auf dem Boden, die Hände gefesselt, in seiner Schulter pochte der Schmerz. Er spürte, wie ihm der Gangster die Waffe ins Genick drückte. Er hörte das Klicken, als der Hahn gespannt wurde. Toms Blick fiel auf Timmy, der entsetzt da stand und ihn anstarrte. Was musste jetzt in dem Jungen vorgehen? Wenn er das hier mit ansehen musste, bekäme er die Bilder sein Leben lang nicht mehr aus dem Kopf.
    "Nicht vor dem Jungen," schrie Tom verzweifelt. "Erschießen sie mich -aber nicht vor dem Jungen!" Sein Peiniger sah zu Timmy, der Druck der Pistole in Toms Genick ließ aber nicht nach. "Warum nicht? Soll die Kröte sehen, was passiert, wenn man eine große Klappe hat."
    Tom brach der Schweiß aus. Wieder sah er rüber zu Timmy, dem die Tränen über die Wangen liefen.
    "Timmy - sieh nicht her, hörst du? Sieh nicht her!" rief Tom ihm verzweifelt zu. Er sah, wie die alte Dame neben Timmy trat und ihn in die Arme nahm. Timmy vergrub sein Gesicht im Rock der alten Dame und weinte bitterlich.
    Tom kniete auf den kalten Fliesen und schloß die Augen. Jetzt konnte ihm nur noch ein kleines Wunder helfen.

  • Toms Herz schlug schmerzhaft in seiner Brust. Die einzelnen Schläge dröhnten wie Paukenschläge in seinen Ohren. Warum war es nicht endlich zu Ende? Wieso drückte der Kerl nicht endlich ab? Ihm war, als ob er schon Stunden auf dem Boden knien und auf den Knall des Schusses warten würde. Da zerriss das Läuten des Telefons die Stille. Tom zuckte zusammen. Er hielt den Atem an. Da merkte er, dass der Druck der Waffe in seinem Genick nachließ. Er hörte, wie der Anführer telefonierte, aber er verstand nicht, was er sagte. Alles drehte sich um ihn, er fürchtete, umzukippen. Lebte er wirklich noch? Langsam atmete er tief durch. Ja, er lebte. Das Läuten des Telefons hatte ihm das Leben gerettet. Vielleicht nur vorübergehend, aber im Moment war die Gefahr von ihm abgewandt. Er bekam wieder mit, was um ihn herum geschah, er hörte Timmy, der immer noch leise weinte und die alte Dame, die beruhigend auf ihn einredete. Als Timmy merkte, dass sich der Kerl von Tom abgewandt hatte, lief er zu ihm und klammerte sich an ihm fest. "Tom......" Timmys Gesicht war tränenverschmiert.. Es war ein rührendes Bild: Tom kniete auf dem Boden, Timmy hatte seine Arme um Toms Hals gelegt. Wären Toms Hände nicht gefesselt gewesen, hätte er den Jungen in den Arm genommen und nicht mehr losgelassen. Der kleine Kerl war ihm in den wenigen Stunden, die er ihn kannte, bereits ans Herz gewachsen. "Ist ja schon gut, Timmy. Mir gehts gut," versuchte er, den Jungen zu beruhigen, obwohl er selbst mit den Tränen kämpfte. Auch die anderen Geiseln atmeten erleichtert auf. Sie waren froh, dass das grausige Ritual nicht vollzogen worden war - noch nicht!


    "Heut ist wohl dein Glückstag, Superbulle," brachte ihn die Stimme des Anführers wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. "Das waren deine Kollegen, die Kohle ist da. Hast ja nochmal richtig Glück gehabt." Er sah aus dem Fenster und fügte hinzu: "...fürs Erste jedenfalls."


    Währenddessen standen Semir und die anderen Einsatzkräfte auf ihrem Posten und warteten auf das Geld und den Fluchtwagen. Semir schaute auf die Uhr. "Wenn sie jetzt nicht kommen, müssen wir uns was einfallen lassen, Chefin. Die Zeit ist gleich um." Er war furchtbar nervös. Eine Geiselnahme war immer eine heikle Situation - und hier war Tom in Gefahr, und er musste hier stehen und warten - zur Tatenlosigkeit verurteilt.
    Plötzlich rief Anna Engelhardt. "Da vorne, der Wagen. Sie sind da. Geben sie mir das Telefon." Sie ließ sich sofort die Verbindung zur Bank geben.
    "Engelhardt hier - das Geld ist da!"
    "Oh, Frau Engelhardt, sie machen es aber spannend. Eine Sekunde später und ihr Kollege wäre ein toter Kollege. Respekt! Sehr gutes Timing."
    Anna Engelhardt atmete erleichtert aus.
    "Und wie geht es nun weiter?" fragte sie.
    "Rufen sie in 10 Minuten nochmal an." blaffte der Anführer ins Telefon und legte auf.


    In der Bank standen die drei Maskierten beisammen und beratschlagten. Tom hatte sich wieder hingesetzt und an die Wand gelehnt. Timmy wich nicht von seiner Seite. Der Schmerz in seiner Schulter hatte sich inzwischen wieder verstärkt. Aber vielleicht nahm er ihn nur wieder stärker wahr, das konnte auch sein.


    "Du gehst mit dem Kassierer in den Tresorraum und holst die Kohle, aber nur die Scheine," wies der Anführer seinen Kumpel an. Der nickte und verschwand mit dem total verängstigten Angestellten im hinteren Teil der Bankräume.
    Als er wieder kam, hatte er zwei große Stoffbeutel in den Händen, die er lachend hochhob. "Hat sich gelohnt," rief er laut.


    "So, die Herrschaften, nun heisst es wohl Abschied nehmen." Der Geiselnehmer ging langsam an der Reihe der verängstigten Leute vorbei. Mit einer Kopfbewegung zu seinem Kumpel meinte er. "Bring die Memmen in den Tresorraum, da sind sie fürs erste gut aufgehoben und machen uns keine Scherereien." Mit einem Blick auf Tom meinte er: "Der Bulle bleibt hier, der wird uns begleiten. Nicht wahr, Superbulle? Du bist doch so freundlich?" Tom sagte nichts dazu. Er war froh, wenn die anderen in Sicherheit waren. Im Tresorraum konnte ihnen wenigstens nichts mehr passieren.

  • Wieder läutete das Telefon.
    "Der Wagen steht vollgetankt vor dem Eingang, das Geld liegt in einer Tasche auf dem Rücksitz." Anna Engelhardts Nerven waren gespannt. Würden die Bankräuber die Geiseln freilassen?
    "Gut so, Frau Engelhardt. Gut, dass sie so kooperieren. Die Leute hier werden es ihnen danken. Wir kommen gleich raus - und wenn auch nur die kleinste Kleinigkeit passiert, dann müssen sie sich nach einem neuen Kollegen umsehen!" Der Anführer legte wieder auf. Mit einer Kopfbewegung zu der kleinen Gruppe der Gefangenen wies er seinen Kumpel an. "Los, weg mit denen, es wird Zeit."


    Langsam gingen die Leute nacheinander an Tom vorbei Richtung Tresorraum.Als die alte Dame mit Timmy bei Tom stand, riss sich dieser los und fiel Tom um den Hals. "Ich will nicht ........ ich will bei dir bleiben ..... die dürfen dir nichts tun....!" Tom versuchte, Timmy zu trösten. Er nahm Timmys Gesicht in die gefesselten Hände und blickte ihm in die Augen. "Timmy, du gehst jetzt mit der Dame mit. Es ist besser so. Mir passiert schon nichts. Ich versprechs dir." Timmy schluchzte. "...aber wenn sie dir wieder weh tun...." Tom strich durch Timmys Haare. Der Junge tat ihm leid. "Das werden sie nicht, Timmy. Mach dir keine Sorgen. Es wird alles gut!" Timmy schluchzte noch ein oder zweimal und nickte dann tapfer. "Versprichst du mir das?" Tom nickte. "Ja, ich versprech es dir ..... und jetzt geh, ja?" Timmy stand auf und die alte Dame nahm ihn in ihre Obhut.
    "Passen sie gut auf ihn auf," sagte Tom und nickte ihr zu. Timmy blickte noch einmal zurück zu Tom und trottete dann neben der Frau her. Tom blickte ihnen nach. Der Junge war wirklich ein Prachtkerl. Der Vater von Timmy musste der glücklichste Mensch sein.


    Als die Leute alle im Tresorraum eingesperrt waren, trat der Anführer zu Tom. "Los, aufstehen, wir machen einen kleinen Ausflug - na mach schon!" Tom rappelte sich mühsam hoch. Als er endlich auf den Beinen stand, bemerkte er, wie schwach er war. Der Blutverlust durch die Schusswunde hatte ihn wohl mehr geschwächt, als er wahr haben wollte. Er schwankte und hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Für einen kurzen Moment musste er sich an die Wand lehnen. "Oh - hat unser Held Pudding in den Beinen?" kam es spöttisch von einem der Bankräuber. "Wenn du schlapp machst, dann knallen wir dich ab und nehmen den Kleinen als Geisel," drohte er. Tom riss sich zusammen. Er musste durchhalten, er musste sich einfach nur zusammenreissen, dann würde es schon gehen. Der Anführer packte ihn am Kragen , schob ihn vor sich und hielt Tom die Pistole an den Kopf. "Damit da draussen keiner auf dumme Gedanken kommt," meinte er und schob Tom vor sich her in Richtung Ausgang. Dahinter kamen die zwei Komplizen mit der Beute. Auch sie hatten ihre Waffen auf Tom gerichtet. Als sie kurz vor der automatischen Tür waren, öffnete sie sich. Tom ging noch ein paar Schritte weiter und blieb dann stehen. Draussen dämmerte es bereits und die Szene vor der Bank war durch Scheinwerfer ausgeleuchtet. Tom musste die Augen zusammenkneifen, um nicht geblendet zu werden.


    "Semir, sie kommen!" Anna Engelhard deutete in Richtung der Bank. Nun sah es auch Semir. Im Eingang standen drei Maskierte und hatten Tom als Schutzschild vor sich geschoben. Semir musste schlucken. Tom sah erschöpft aus. Sein helles Hemd war an der rechten Schulter blutverschmiert. Hoffentlich ging das gut!
    "Was machen wir jetzt?" Die Frage kam vom SEK-Einsatzleiter. "Finaler Rettungsschuß? Wenn die ihren Kollegen erst mal im Wagen haben, dann siehts schlecht aus für ihn."
    "Nein," Semir mischte sich ein. "Noch nicht. Tom weiss genau, wie das hier abläuft. Vielleicht hat er was vor. Beobachten sie ihn genau, um schnell reagieren zu können." Der SEK-Beamte nickte und gab die Anweisung an seine Leute weiter. Dann starrten sie gebannt in die Richtung der Bank. Es lag eine Spannung in der Luft, die man fast greifen konnte.

  • Tom stand immer noch da und suchte mit den Augen die Umgebung ab. Er konnte zwar nicht viel sehen wegen der Scheinwerfer, aber er wusste dass da drüben irgendwo Semir mit seinen Kollegen stand und ihn beobachtete. Ausserdem waren sicher überall SEK-Leute verteilt. Was sollte er jetzt tun? Wenn er erst mal mit den Kerlen im Wagen saß, sanken seine Chancen Richtung Nullpunkt. Die Kerle würden ihn nach gelungener Flucht sicher nicht freilassen, darüber machte er sich keine Illusionen. Er musste irgendwas tun - und zwar sofort!


    "Na los, Bulle, oder willst du hier ein Picknick machen. Weiter..." Der Anführer, der hinter ihm stand, gab ihm zur Bekräftigung einen Stoss in den Rücken. Das war die Gelegenheit.......! Wenn die SEK-Kollegen schnell reagierten, konnte es klappen, wenn nicht, dann hatte er sein Versprechen, dass er Timmy gegeben hatte, gebrochen. Er musste es einfach riskieren, es war seine einzige Chance...!


    Blitzschnell ließ Tom sich fallen. Im Fallen spürte er einen brennenden Schmerz an der rechten Schläfe. Der Kerl hinter ihm hatte wohl die Pistole abgefeuert. Die Kugel streifte Toms Kopf. Tom knallte unsanft aus das Pflaster, rollte sich ab und blieb dann liegen. Um ihn herum war augenblicklich das Chaos ausgebrochen. Schüsse fielen, jemand schrie......dann wurde es schwarz um Tom.


    Semir sah Tom fallen, sah wie der Kerl hinter ihm abdrückte....ihm blieb fast das Herz stehen. Was war mit Tom? Er sah seinen Partner regungslos auf der Straße liegen, um ihn herum tobte immer noch eine wilde Schiesserei. Einer der Maskierten fiel getroffen zu Boden. Dann sah er, wie die beiden anderen von den Einsatzkräften des SEK zu Boden gedrückt wurden. Es war vorbei! Die Schüsse waren verhallt. Man hörte nur noch die Befehle, die die Leute vom SEK schrien. Semir stand einen Moment wie starr da, dann rannte er in Toms Richtung.


    "TOM!" Er spürte Angst in sich aufsteigen, eine lähmende Angst. War Tom tot? Weshalb bewegte er sich nicht? Für Semir dauerte es eine Ewigkeit, bis er ihn endlich erreicht hatte. Es kam ihm vor, als ob alles in Zeitlupe ablaufen würde. Die Geräusche, den Lärm um ihn herum, nahm er wie durch Watte wahr. Für ihn zählte nur noch, was mit Tom war. Alles andere war im Moment unwichtig. Endlich war er bei ihm. Er ging neben seinem Freund auf die Knie, berührte ihn fast ängstlich an der Schulter. "Tom....?"


    Plötzlich bewegte sich Tom und stöhnte leise. Er schlug die Augen auf. Semir war unsagbar erleichtert. Tom lebte! Tom versuchte, sich aufzurichten. Semir half ihm, sich an das Rad eines Streifenwagens, der daneben stand, zu lehnen. Tom saß da und schlóß für einen Moment die Augen. Ihm war immer noch schwindlig.
    "Wie gehts dir?" Semir sah Tom besorgt an.
    "Mein Schädel brummt fürchterlich....meine Schulter schmerzt wie die Hölle......und mir tut jeder Knochen weh.......aber sonst gehts mir blendend, danke der Nachfrage," kam es schwach von Tom. "Und wenn es möglich wäre, könntest du mir mal die Dinger abnehmen." Tom hielt ihm die immer noch gefesselten Hände entgegen. Semir musste trotz allem grinsen. Tom hatte seinen Humor nicht verloren, das war ein gutes Zeichen. Er befreite Tom von den Handschellen.
    "Na komm, Partner, schaffst du es bis rüber zum Krankenwagen?" Tom nickte und stand mit Semirs Hilfe auf, um gleich darauf wieder zusammenzusacken. Semir winkte Bonrath zu, der gerade dazukam. "Dieter, hilf mir mal..!" Gemeinsam halfen sie Tom, die wenigen Schritte zum RTW. Tom ließ sich erleichtert auf die bereitgestellte Trage sinken. Erst jetzt merkte er, wie total fertig er war. Die letzten Stunden forderten ihren Tribut. Er lehnte sich zurück und schloß erschöpft die Augen.

  • Zwischenzeitlich hatten die SEK-Leute die anderen Geiseln alle wohlbehalten aus dem Tresorraum befreit. Timmy wollte zu Tom. Immer wieder rief er nach ihm. Ein SEK-Beamter erbarmte sich, nahm den Jungen bei der Hand und brachte ihn zu Anna Engelhardt. "Frau Engelhardt - der junge Mann hier will unbedingt zu ihrem Kollegen...." Er deutete dabei auf Timmy und zuckte hilflos mit den Schultern.
    Anna ging vor dem Jungen in die Knie. "Hallo, ich bin Anna - und wie heisst du?" Timmy sah sie etwas mißtrauisch an. "Timmy - und ich will zu Tom.Wo ist er? Er hat mir fest versprochen, dass ihm nichts passiert......"


    Anna Engelhardt musste lächeln über die Hartnäckigkeit des Jungen. In anbetracht dessen, was er mitgemacht hatte, war er erstaunlich gefasst. Sie nahm ihn bei der Hand. "Na komm, ich bring dich zu ihm."


    "Mann, Tom, das war eben aber eine gewagte Aktion, das hätte gewaltig ins Auge gehen können." Semir sah zu, wie ein Arzt eine Kompresse auf Toms Kopfwunde legte. "Was hätte ich denn deiner Meinung nach tun sollen? Die hätten mich....autsch," Tom sog die Luft ein, als der Arzt die Wunde berührte. ".....bestimmt nicht an der nächsten Haltestelle abgesetzt." Der Arzt öffnete Toms Hemd und besah sich die Schußwunde. Semir verzog das Gesicht und sah zur Seite. Auf den Anblick konnte er verzichten. Tom hatte wieder die Augen geschlossen und biss die Zähne zusammen. Die Spritze, die ihm der Arzt gegen die Schmerzen verabreicht hatte, begann nur langsam zu wirken.


    "Tom ...... hier ist jemand, der sie dringend sprechen will." hörte er die Chefin rufen. Verwundert öffnete Tom die Augen, da sah er auch schon Timmy auf sich zusausen, der sich ihm sofort an den Hals warf. "Nicht so stürmisch, junger Mann, deinem Freund hier gehts nicht so gut." versuchte der Arzt Timmys Überschwan ein wenig zu bremsen. Tom winkte ab und umarmte Timmy mit seinem gesunden Arm. "Timmy, wie gehts dir? Bin ich froh, dass dir nichts passiert ist." Timmy löste sich von Tom. Ängstlich sah er auf die Wunde, die der Arzt gerade notdürftig versorgte. "Musst du jetzt ins Krankenhaus?"
    "Ja, ich denke schon. Aber morgen bin ich wieder fit." Semir rollte bei der Aussage Toms mit den Augen. Das war mal wieder typisch Tom. Solange er nicht klinisch tot war, hielt ihn nichts lange im Krankenbett.


    Timmy hatte Semir bemerkt und musterte ihn. "Wer ist das denn?" fragte er Tom. "Das ist mein Partner, Semir." "Semir, das ist mein Lebensretter Timmy." Timmy schaute Semir von oben bis unten an. "Du bist aber klein. Darfst du da überhaupt schon Polizist sein?" fragte er mit ernstem Blick. Tom prustete los. Der Spruch von Timmy und das verdatterte Gesicht von Semir waren einfach zu köstlich. Da vergaß er für einen Moment seine Schmerzen.


    "Ja, der darf das Timmy. Und er ist sogar ein sehr guter Partner. Er rettet mich meistens - wenn du nicht gerade da bist!" betonte Tom. Timmy stand mit stolz geschwellter Brust da. Dann hielt er Semir die Hand hin. "Okay, wenn das so ist - dann bist du auch mein Freund." Semir hatte sich von seinem "Schreck" erholt und schlug ein. "Okay Timmy!" Der Junge war wirklich in Ordnung.


    "Äh, dürfte ich mal kurz unterbrechen?" meldete sich der Arzt zu Wort. "Herr Kranich, sie sollten zwischendurch vielleicht mal ins Krankenhaus und sich die Kugel rausoperieren lassen.....anschließend können sie das nette Gespräch ja fortsetzen."
    Tom lächelte Timmy zu. "Du hast gehört, was der Arzt gesagt hat. Aber besuch mich doch morgen, ja?"
    "Ganz bestimmt - und dann bring ich meine Mami mit - da wirst du staunen - die ist nämlich sehr sehr hübsch!"


    "Na da bin ich aber mal gespannt! Na komm, Semir bringt dich jetzt nach Hause, ja? Deine Mutter macht sich sicher Sorgen um dich."
    "Okay - dann bis morgen." Timmy drückte Tom einen dicken Kuss auf die Backe. Tom war perplex und gerührt über die spontane Reaktion des Jungen. Nachdenklich sah er Semir nach, wie er mit Timmy zu seinem Wagen ging. Dann schoben ihn die Sanitäter in den RTW und brachten ihn ins Krankenhaus.

  • So, nun will ich mal wieder weiter schreiben - hatte ziemlichen Stress die letzten Tage (wie immer vor dem Urlaub ;)) aber nun hab ich ja Zeit.
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    Tom wurde sofort in den OP gebracht und operiert. Als er aus der Narkose aufwachte, fand er sich in einem Krankenzimmer wieder. Im ersten Moment wusste er nicht, wie er hierhin gekommen war, aber augenblicklich fiel es ihm wieder ein. Der Banküberfall.........die Geiselnahme.......und Timmy! Er lächelte vor sich hin, als die Tür aufging und Semir hereinplatzte. "Morgen Partner! Na? Ausgeschlafen? Wie gehts dir denn?" Erst jetzt bemerkte Semir, dass Tom vor sich hinlächelte. "Was ist denn los? Du wirkst so verklärt. Haben die hier so eine tolle Krankenschwester?" Er sah sich um. "Dann bleib ich auch gleich hier." Semir setzte sich auf den Stuhl neben Toms Bett und legte ihm eine Zeitung auf die Bettdecke. "Hier, du Held! Die ganze Nation ist von deiner Tat begeistert." Tom blickte ihn verständnislos an. Dann nahm er die Zeitung und laß die Schlagzeile: "Hauptkommissar verhindert Blutbad!" Daneben war ein Foto, dass ihn und die Bankräuber zeigte, wie sie gerade die Bank verließen.
    "So ein Blödsinn, wer hat den Mist denn verbrochen?" Tom wurde wütend. Er liebte es überhaupt nicht, im Rampenlicht zu stehen, schon gar nicht, wenn es in seinen Augen unberechtigt war." Semir grinste. "Na irgend so ein Schreiberling, denke ich mal. Presse war ja genug vor Ort, als du die Aktion vor der Bank gestartet hast."
    "Na die können was erleben." Tom schmiß die Zeitung weg.
    "Jetzt aber mal im Ernst, Tom, wie gehts dir?" Semir blickte Tom besorgt an.
    "Oh, ganz gut. Bin noch etwas benebelt von der Narkose, aber sonst gehts. Kannst mich ja heute nachmittag abholen, denke ich mal."
    "Das denke ich mal nicht. Hab eben mit dem Doc gesprochen - bis morgen will er auf keinen Fall auf deine Gesellschaft verzichten." Tom blickte zur Decke und stöhnte.


    Da ging die Tür auf und Timmy stürmte herein. "Tom!" Der Junge umarmte Tom stürmisch. Erst jetzt bemerkte Tom die junge Frau, die hinter Timmy ins Zimmer getreten war und einen großen Blumenstrauss im Arm hielt. Er konnte nicht verhindern, dass er sie einen Moment regelrecht anstarrte. Das musste Timmys Mutter sein. Timmy hatte wirklich nicht übertrieben, die Frau war bildhübsch.....dazu sympathisch. Semir bemerkte Toms Blick und musste schmunzeln. Timmy hatte sich von Tom gelöst und deutete auf seine Mutter. "Ich hab meine Mami mitgebracht. Mami, das ist mein Freund Tom, er ist Polizist." Dann fügte er hinzu. "Und das ist Semir, er ist auch mein Freund." Timmys Augen glänzten vor Stolz. Welcher 10-jährige hatte schon zwei ausgewachsenen Polizisten als Freunde? Die Frau trat auf Tom zu . "Maria Bieler, wie Timmy schon sagte, bin ich seine Mutter."
    Tom konnte die Augen immer noch nicht von ihr lassen. "Tom....Tom Kranich." stammelte er etwas unbeholfen und gab ihr die Hand.
    "Ich möchte ihnen danken, dass sie sich so um Timmy gekümmert haben.....hier das als kleines Dankeschön." Maria Bieler gab ihm den Strauß. "Danke, aber das war doch selbstverständlich," stotterte Tom verlegen. Dann sah er Semir an und hob den Strauß in die Höhe. "Würdest du bitte......?" Semir verstand und ging raus, um eine Vase zu holen.


    Als Semir draußen war, fuhr Tom fort. "Ausserdem hat Timmy mir das Leben gerettet. Wenn er den Kerl nicht gebissen hätte, dann hätte er mich wahrscheinlich erschossen." Tom machte eine kurze Pause und fügte dann hinzu: "Sie haben einen wunderbaren Sohn, Frau Bieler. Sie und Timmys Vater können stolz auf ihn sein." Maria Bieler nickte. "Danke, aber Timmys Vater lebt nicht mehr - er ist bei einem Unfall ums Leben gekommen, als Timmy grad zwei war." Tom war betroffen. "Oh, das tut mir leid...." Maria Bieler lächelte Tom an. Sie hatte wunderbare Augen. "Das muss es nicht, Herr Kranich....." Timmy fiel seiner Mutter ins Wort. Er hatte die beiden beobachtet und fand es doof, dass die Erwachsenen immer so förmlich waren. "Wieso sagst du nicht Tom? Ich mach das ja auch?" Maria Bieler sah Timmy ernst an. "Aber Timmy......."
    "Nein, er hat recht...ich bin Tom," er streckte ihr nochmal seine Hand hin. Maria überlegte kurz. "Na ja, warum nicht......Maria." Sie nahm Toms Hand. Tom war fasziniert von dieser Frau. Es zog ihm förmlcih den Boden unter den Füßen weg, wenn man in Anbetracht dessen, dass er hier im Bett lag, überhaupt davon sprechen konnte. Auch Maria war von Tom angetan. Er war sehr gut aussehend und hatte Charme - und er hatte wundervolle Augen.Plötzlich verzog Tom schmerzhaft das Gesicht, die Schulter schmerzte, weil das Schmerzmittel linzwischen nachgelassen hatte. Maria bemerkte es. "Tuts sehr weh?," fragte sie mitfühlend. "Nein, nein, das wird schon." Dann wandte er sich Timmy zu, um seine Verlegenheit zu überspielen. Er fühlte sich wie ein Teenager beim ersten Date.. "Weisst du was? Wenn ich hier raus bin, besuchst du uns mal auf der Dienststelle. Dann werd ich dir alles zeigen und dich mit den Kollegen bekannt machen. Du hast doch gesagt, du willst Polizist werden." Timmy war begeistert. "Au ja!"


    Sie unterhielten sich noch eine Weile, dann verabschiedete sich Maria ,nicht ohne dass sich Tom mit ihr zu einem Abendessen verabredet hatte. Tom blickte ihr und Timmy nach und schloß dann seelig die Augen. Diese Frau war der Hammer - und dazu noch zu haben. Er musste seine Gefühle erst mal in Reih und Glied bringen.
    "Na? Hast du Engel gesehen, Tom?" Semir stand plötzlich wieder vor seinem Bett. Tom hatte überhaupt nicht bemerkt, als er mit der Vase ins Zimmer gekommen war. Semir stellte sie auf den Tisch und nahm Toms Handgelenk und fühlte den Puls. Gespielt besorgt meinte er. "Ich glaub, ich hol mal den Arzt, dein Puls rast ja...." Tom zog die Hand weg. "Lass den Quatsch...." Dann fügte er hinzu. "Semir, hast du die Frau gesehen?" "Na klar, bin ja nicht blind Tom." Semir grinste von einem Ohr zum anderen. "Mann,. dich hats ja mächtig erwischt, Partner.

  • Und mit einem schelmischen Grinsen fügte Semir hinzu. "Ich an deiner Stelle würde dran arbeiten - wo sonst bekommst du so eine Rassefrau gleich im Doppelpack mit einem Prachtsohn?!?" Unter normalen Umständen hätte Tom Semir jetzt einen vernichtenden Blick zugeworfen, aber er sah nur nachdenklich aus dem Fenster.


    Zwei Tage später wurde Tom aus der Klinik entlassen. Semir holte ihn ab und sie fuhren bei Timmy vorbei, um ihn abzuholen. Sie hatten ihm versprochen, ihm die Dienststelle zu zeigen. Timmy war furchtbar aufgeregt, als sie vor der Tür standen. Er begrüßte Tom wie immer stürmisch, während Tom in den Flur schielte und nach Maria Ausschau hielt. Endlich kam sie aus einer Tür und ging auf sie zu. "Oh hallo Tom! Semir! Timmy ist kaum noch zu halten. Ihr werdet eure helle Freude an ihm haben," meinte sie mit einem vielsagenden Seitenblick auf den Jungen, der schon ganz hibbelig war. Tom sah sie an, da trafen sich ihre Blicke. Tom hatte das Gefühl, dass auch Maria etwas für ihn empfand. Augenblicklich breitete sich ein wohliger Schauer in seinem Körper aus. Sie war ihm so vertraut, als ob er sie schon ewig kennen würde. Da zerschnitt Semirs Stimme die angenehm angespannte Situation. "Tom? Kommst du? Timmy ist fast nicht mehr zu halten."
    Tom sah zu Semir. "Ja, ich komme." Dann wandte er sich wieder Maria zu. "Bis heute Abend, ja?" Maria nickte lächelnd und sah den beiden Männern nach, wie sie Timmy in den CLK verfrachteten und davonfuhren. Sie seufzte. Tom war ein aussergewöhnlicher Mann! Irgendwie meinte sie, schon das leise Flattern von Schmetterlingen in ihrem Bauch zu spüren, wenn sie nur an ihn dachte. Und sie hatte durchaus das Gefühl, dass es Tom genauso erging.


    Tom und Semir hatten die Dienststelle erreicht. Als sie das Büro betraten, standen die Kollegen schon bereit, den kleinen Helden in Empfang zu nehmen. Semir hatte ihr Kommen angekündigt. Hotte und Bonrath begrüßten ihn und überreichten ihm eine Polizeikelle und eine Mütze. "Für unseren Ehrenpolizisten!" meinte Dieter theatralisch. Timmy genoß die Situation sichtlich. Er war das erste Mal auf einer Polizeistation und fand alles superspannend.
    Anna Engelhardt kam auf Tom zu. "Hallo Tom, wie gehts ihnen denn?"
    "Oh, ganz gut, denke ich. Der Arzt meinte, ich würde es grad noch so überleben...." grinste Tom. Anna lächelte. "Dann ist ja gut. Aber ich bestehe darauf, dass sie sich die nächsten Tage noch freinehmen und sich auskurieren." Sie erwartete eigentlich Widerspruch von Toms Seite, weil sie das so gewohnt war, aber es kam nichts. Tom nickte nur. "Danke, werd ich machen." und wandte sich wieder Timmy zu. Er schilderte den Kollegen ausführlich, wie ihn Timmy durch seinen mutigen Beissangriff aus der misslichen Lage befreit hatte. "Ohne ihn würde ich jetzt vielleicht nicht mehr leben," meinte er und legte den Arm um Timmys Schultern. Timmy durfte anschließend noch mit Hotte und Bonrath im Polizeiporsche eine Runde drehen und ein Phantombild am Computer erstellen.
    Gegen abend verabschiedeten die Kollegen ihren "Ehrenkommissar" und Tom und Semir brachten ihn nach Hause.


    Als sie Timmy abgeliefert hatten, sagte Semir zu Tom. "Kommst du?" Tom sah zu Maria und meinte dann. "Ne, fahr du mal, ich nehm mir nachher ein Taxi .........äh....Timmy will, dass ich ihm noch etwas Gesellschaft leiste." Semir sah Tom an und grinste. "Ach ja, natürlich, wenn Timmy das will......! Bis morgen dann." Dann fügte er noch vielsagend hinzu. "Denk aber dran: du sollst dich schonen." Tom sah ihn scharf an. "Semir.......!" Semir winkte lachend ab und ging zu seinem Wagen. Er freute sich für Tom und hoffte, das es diesmal was werden würde mit der Beziehung. Die beiden passten auch wirklich prima zusammen.


    Tom brachte Timmy anschließend ins Bett. Als er ihm Gute-Nacht sagte, fragte ihn Timmy mit ernster Miene. "Du....Tom.....magst du eigentlich meine Mami?" Tom war im ersten Moment perplex. Die Direktheit Timmys machte ihn sprachlos. Dann aber lächelte er ihn an. "Ja, Timmy, ich mag deine Mami sehr und dich natürlich auch.....jetzt schlaf aber. Gute Nacht." Timmy kuschelte sich zufrieden ins Kissen und schlief rasch ein.


    Tom und Maria setzten sich mit einem Glas Rotwein auf die Terrasse. Eine ganze Weile redeten sie kein Wort, bis Tom begann.
    "Maria......ich......."
    "Ja.....?" Maria sah ihn erwartungsvoll an.
    "Ich........" Tom fand einfach nicht die richtigen Worte. Langsam beugte er sich zu Maria rüber. Ihre Lippen kamen sich immer näher.....Toms Herz klopfte ........schließlich küssten sie sich innig.


    Was weiter an diesem Abend passierte, wird nicht verraten, das überlasse ich eurer Phantasie!




    So, nun ist die Story zu Ende und ich hoffe, sie hat euch gefallen!