Hass und Rache

  • Endlich hab ich mich durchgerungen und starte einen neuen Schreibversuch.
    Viel Spass beim Lesen !
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    Semir und Tom fuhren eben auf den Parkplatz der PAST. Es war kurz vor Dienstschluss, ein nach langer Zeit mal wieder freies Wochenende lag vor ihnen.
    "Mann Tom, ich kann dir gar nicht sagen, wie ich mich auf die zwei freien Tage freue - endlich mal wieder ausschlafen!" Semir stieg aus und reckte sich. Tom grinste ihn an. "Na dann nutz es auch und schlaf dich mal richtig aus, aber wie ich dich kenne, bist du am Montag auch nicht fitter, als heute."
    "Hey, was soll die Anspielung?------ Du bist wohl neidisch?!" Semir bedachte seinen Partner mit einem leicht spöttischen Seitenblick, meinte aber gleich darauf versöhnlich: "Wie wärs, Partner, Lust auf ein kleines Feierabendbierchen? Ich lad dich auch ein." Tom schüttelte den Kopf. "Ne, sei mir nicht böse, aber ich glaub, ich brüte was aus. Mir ist heut nicht nach Bierchen. Vielleicht morgen. Ich glaub ich fahr nach Hause und hau mich auf die Couch." Mit gespielt besorgtem Blick musterte Semir seinen Freund. "Du wirst doch nicht krank werden? An deinem freien Wochenende? Das ist aber ein denkbar schlechtes Timing. Aber gut, kurier dich aus. Ich meld mich morgen mal, dann können wir das Bier ja nachholen. Tschau!" Er winkte Tom zu und ging nochmal ins Büro. Tom hob kurz grüßend den Arm, kramte seinen Schlüssel aus der Tasche und setzte sich in seinen Wagen. Ihm war wirklich nicht gut und er war froh, wenn er zu Hause war und nichts mehr sah und hörte. Er bemerkte nicht, wie ihn ein Mann in einem dunklen Lieferwagen beobachtete - wie schon seit einigen Tagen! Tom fuhr los und der Wagen folgte ihm.


    Benno Heim griff zum Handy. "Er fährt los. Mach es wie besprochen! Ich bin an ihm dran." Seine Stimme klang kühl und besonnen, obwohl er innerllich aufgewühlt war. 6 Jahre - 6 lange Jahre hatte er an nichts anderes denken können, als daran, wie er sich an Tom Kranich rächen konnte. Und nun war es endlich soweit! Wochenlang hatte er den Bullen schon beschattet und der Idiot hatte nichts bemerkt. Heute würde es passieren - heute war der Tag der Tage!


    Tom bog gerade von der Autobahn ab um die letzten Kilometer zu seiner Wohnung die Landstraße zu nehmen. Er war wirklich froh, wenn er zu Hause war und nichts mehr sah und hörte. Er drehte gerade das Radio ab, weil er Kopfschmerzen hatte und ihn im Moment jeglicher unnötiger Lärm störte. Als er wieder nach vorne auf die Fahrbahn sah, sah er eine junge Frau winkend ihm entgegen laufen. Er bremste und ließ die Seitenscheibe herunter. "Kann ich ihnen helfen?" Die Frau kam aufgeregt auf ihn zu. "Da hinten," sie deutete nach hinten, "....da hinten liegt ein Motorradfahrer . Er muss die Böschung hinuntergestürzt sein. Ich glaube, er ist tot." Tom sah in die Richtung, konnte aber nichts entdecken. Aber es konnte durchaus möglich sein. Die Böschung fiel an dieser Stelle steil ab und hier waren schon öfter Motorradfahrer verunglückt. Er stieg aus. "Beruhigen Sie sich, ich seh mal nach." Im selben Moment hielt ein dunkler Lieferwagen hinter Toms Wagen. Anscheinend noch jemand, der helfen wollte. Tom drehte sich zu dem Mann um und bemerkte nicht, wie die junge Frau hinter ihn trat und ihm einen Elektroschocker ins Genick drückte. Er spürte noch den elektrischen Schlag und stürzte wie ein gefällter Baum zu Boden.

  • Gemeinsam verfrachteten sie Tom in den Lieferwagen. Benno fesselte Tom die Hände mit dessen Handschellen. "Ist doch wirklich praktisch, dass so ein Bulle immer das passende Handwerkszeug dabei hat," meinte er grinsend zu seiner Begleitung. Zum Schluß klebte er dem immer noch bewusstlosen Tom einen breiten Klebestreifen über den Mund. "So, der ist erst mal ruhig gestellt." Zufrieden betrachtete Heim sein Werk. Die junge Frau musterte ihn. "Was hast du jetzt mit ihm vor?" Ihr Blick schweifte zu Tom. "Das muss dich nicht interessieren." Heim war kurz angebunden.


    "Du wirst ihn töten, nicht wahr?" Die Frage kam sehr sachlich, es schwang keinerlei Mitleid in der Stimme. Heim ging nicht darauf ein. Stattdessen setzte er sich in Toms Wagen. "Ich fahr den Wagen in den Waldweg da vorne. Warte hier, ich bin gleich zurück." Das Mädchen sah ihm nach. Sie wusste auch so, dass der Mann da drinnen sein Leben verwirkt hatte. Sie wusste, dass Benno seit Jahren nur noch ein Ziel vor Augen hatte: den Tod dieses Polizisten. Und eigentlich wollte auch sie nichts anderes. Immerhin hatte dieser Mann vor einigen Jahren ihren Freund, Bennos Bruder Alex, getötet und dafür sollte er büßen. Allerdings wäre sie nicht bereit gewesen, dafür alles zu riskieren, so wie Benno. Da kam ihr sein Hass gerade recht. Er würde dafür sorgen, dass der Bulle seine Strafe bekam und sie brauchte sich nicht die Hände schmutzig zu machen.


    Heim fuhr den Wagen ein ganzes Stück in den Waldweg. Bis er hier von jemanden gefunden wurde, konnten Tage vergehen. Bis dahin war die Angelegenheit erledigt und was danach kam, war ihm schlichtweg egal. Er spuckte den Kaugummi, den er schon geraume Zeit bearbeitet hatte in den Fußraum und stieg aus. Den Schlüssel ließ er einfach stecken.


    Er ging zurück zum Lieferwagen, wo das Mächen auf ihn wartete. "So, ich fahr dich jetzt bis zur nächsten Bushaltestelle und dann verschwindest du. Ich will nicht, dass du da mit reingezogen wirst. Das ist eine Sache zwischen Kranich und mir. Du verschwindest und wir werden uns nicht mehr sehen." Das Mädchen lächelte und nickte.



    Tom spürte einen tauben Schmerz im Genick. Er wollte mit der Hand an die Stelle fassen, da merkte er, dass er mit einer Hand an die Wand gefesselt war. Er öffnete die Augen und versuchte stöhnend, sich aufzurichten. Wo war er hier überhaupt? Was war passiert? Erst allmählich kam die Erinnerung an den Vorfall auf der Landstraße zurück. Seine Augen suchten den Raum ab, in dem er sich befand. Es musste sich um einen Keller oder etwas ähnliches handeln. Es war ziemlich duster, Licht fiel nur durch einen schmalen Spalt unter der Decke. Als sich seine Augen an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, konnte er mehr erkennen. Sehr gemütlich war es hier jedenfalls nicht. Überall Spinnweben, Staub und Dreck. In einer Ecke sah er einige Holzkreuze stehen, daneben einen großen Kerzenständer mit einer weißen Kerze drauf und noch einige weitere Utensilien, wie leere Blumentöpfe in verschiedenen Größen, Eimer, Besen usw. Er selbst lag in einer leergeräumten Ecke des Raumes auf dem blanken Boden. Seine rechte Hand war mit der Handschelle an einen Eisenring in der Wand gefesselt. In einiger Entfernung von ihm stand ein Holzstuhl, auf dem eine Wasserflasche stand.


    Wo war er da nur wieder reingeraten? Insgeheim verfluchte er sich, dass er Semirs Angebot auf ein Bier abgeschlagen hatte, denn dann säße er jetzt nicht hier in diesem Loch. Außerdem war ihm nicht gut, er hatte Kopfschmerzen. Aber das waren im Augenblick die kleineren Sorgen. Er musste rausbekommen wo er hier war, oder besser noch, wie er hier wieder raus kam.


    Plötzlich wurde die Tür geräuschvoll geöffnet. Der Lichtstrahl einer Lampe traf ihn. Tom musste die Augen zusammenkneifen, um nicht geblendet zu werden. Der Mann, soviel konnte Tom erkennen, stellte die Lampe auf den Stuhl. Tom konnte immer noch nicht sehen, wer er war. "Na Kranich? Zufrieden mit Ihrer Unterkunft?" Die Stimme troff vor Spott. Der Mann baute sich breitbeinig vor ihm auf und plötzlich wusste Tom, wer er war. Diese Stimme würde er unter Tausenden erkennen. "Benno Heim!" Diese Sstimme hatte ihm vor Jahren in einer Gerichtsverhandlung tödliche Rache geschworen. Rache für den Tod seines Bruders Alex.

  • na gut, ihr Quälgeister, dann eben erst schreiben und dann duschen! :D
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    "Na sowas!" Benno Heim grinste hämisch. "Du kannst dich noch an mich erinnern? Das ehrt mich aber!" Er ging zwei Schritte auf Tom zu, der am Boden saß und mit dem Rücken an die Ziegelwand lehnte.
    "Ich hab dich auch nicht vergessen, Kranich! Ich habe jeden Tag in den letzten 6 Jahren an dich gedacht. Kannst du dich auch noch an meinen Bruder erinnern?" Benno hatte sich zu Tom vorgebeugt. Tom sagte nichts. Er konnte sich jetzt wieder genau an den Fall erinnern. Er hatte die Heim-Brüder nach einem Überfall verfolgt. Als Alex Heim auf seinen Kollegen anlegte, um ihn zu erschiessen, schoß Tom. Er hatte keine andere Wahl gehabt. Der Junge wurde getroffen, konnte aber mit Bennos Hilfe fliehen. Die beiden versteckten sich und wurden erst nach einigen Tagen gefunden, da war Alex tot. Gestorben, weil sie keinen Arzt holen wollten, aus Angst vor dem Knast.
    "Sein Name war Alex!" Benno beugte sich noch weiter zu Tom vor. Tom sah in Augen voller Hass. Ihn fröstelte bei dem Anblick. Benno war von Hass förmlich besessen. Er packte Tom am Kragen. "Du hast ihn ermordet! Brutal abgeknallt! Erinnerst du dich nicht mehr?"


    "Er wollte meinen Kollegen erschießen, es war Notwehr. Wenn einer Schuld an seinem Tod ist, dann bist du es. Du hast ihn zu dem Überfall angestiftet - und du hast damals keinen Arzt geholt, dann könnte er noch leben." In Bennos Augen blitzte es kurz auf. Seine Faust schoss blitzschnell vor und traf Tom im Gesicht. Sein Kopf knallte an die Ziegelmauer, seine Lippe platzte auf. Noch ehe er sich richtig besann, prasselten Bennos Fäuste gnadenlos auf ihn ein. Tom versuchte zwar zuerst, sich mit der freien Linken und mit Fußtritten zu wehren, merkte aber gleich, dass das nichts brachte. Er krümmte sich zusammen und legte schützend seinen freien Arm vors Gesicht. "Er wird mich umbringen!" dachte er noch, ehe ihn zwei Fußtritte in die Nierengegend trafen. Doch plötzlich ließ sein Peiniger von ihm ab.


    Tom lag stöhnend am Boden. Benno stand breitbeinig vor ihm und sah spöttisch auf ihn herunter. "Keine Angst Kranich, ich werde dich nicht totschlagen. Du wirst langsam sterben - genau wie Alex! Ich werde dir eine Kugel verpassen und dich hier langsam krepieren lassen. Und ich werde dir dabei zusehen."



    Semir und Andrea hatten es sich zu Hause auf der Couch gemütlich gemacht. "Du Semir," Andrea strich ihrem Mann liebevoll durch die Haare, "sollten wir nicht mal nach Tom sehen? Der Arme liegt jetzt vielleicht krank im Bettund keiner kümmert sich." Semir sah sie an. "Och nee - ich glaube, der will jetzt nur seine Ruhe haben. Er liegt sicher schon im Bett und schläft. Aber wir können ja morgen mal nach ihm sehen." Er drückte seine Liebste in die waagerechte. "Und ausserdem hab ich jetzt was anderes vor - mit dir!" Stürmisch warf er sich auf seine Frau und küsste sie leidenschaftlich. "Semir!" schrie Andrea in gespielter Hilflosigkeit, erwiderte dann aber seine Küsse.

  • Tom schloß kurz die Augen. Ihm war übel. Er zweifelte keine Sekunde daran, dass dieser Irre seine Drohung wahr machen würde.


    Als er die Augen wieder öffnete, sah er in die Mündung einer Waffe. Seiner Waffe - wie er sofort bemerkte. Dieser Kerl legte mit seiner eigenen Waffe auf ihn an. "So Kranich, mach dich bereit, unser Spiel beginnt." Bennos Stimme klang leise und entschlossen. Und gefährlich!


    "Sie sind verrückt! Sie haben Ihre Strafe doch abgesessen. Wenn sie mich jetzt umbringen, dann sitzen sie den Rest ihres Lebens im Knast." Tom versuchte es mit Reden. Manchmal half es, aber hier hatte er das Gefühl, dass er nichts erreichte.
    "Dazu müssen mich die Bullen erst mal erwischen. Und wenn es so ist, dann ist es mir auch egal. Ich habe Alex geschworen, dass du stirbst. Und mein Versprechen werde ich einlösen, was danach kommt ist mir ziemlich egal." Bennos Stimme vibrierte. Tom merkte, dass er kurz davor war, zu explodieren. Er versuchte es erneut. "Mein Partner wird dich finden, egal wo du bist, und dann wanderst du wieder ein - lebenslänglich! Bei Polizistenmord kennen die Richter keine Gnade."
    Benno lachte. "Das wird wohl nichts werden, Bulle. Wie soll dein Partner auf mich kommen? Damals habt ihr noch gar nicht zusammengearbeitet. Er weiss überhaupt nichts von mir."
    Tom schluckte. "Es gibt Akten, Heim - da steht alles drin. Er wird dich finden, glaub mir."
    "Halt die Klappe, Bulle. Ich sagte doch schon, dass es mir scheißegal ist, was mit mir passiert. Hauptsache du gehst drauf. Das allein ist wichtig."


    Wieder hob er die Hand und legte auf Tom an. Tom starrte auf die Waffe. Er hatte verloren! Er konnte nichts mehr tun. Er war diesem Irren hilflos ausgeliefert! Und das Schlimmste war, dass niemand auch nur die geringste Ahnung hatte, wo er war. Inzwischen war ihm klar geworden, wo er hier war - im Kirchenkeller der St. Antonius-Kirche. Genau hier hatten sie damals Alex Heim gefunden. Die beiden waren hier früher Ministranten gewesen und kamen auch später, als die Kirche geschlossen worden war, immer wieder hierher zurück. Es war ihr geheimer Schlupfwinkel gewesen. Aber es half ihm nichts, dass er das wusste - und Semir würde ihn hier bestimmt nicht suchen!


    Immer noch blickte er in den Lauf der Waffe. Ihm brach der Schweiss aus. Sein Herz begann zu rasen. Er sah, wie Benno den Zeigefinger krümmte. Es lief wie in Zeitlupe vor seinem Auge ab. Er hörte ein Klicken - da krachte auch schon der Schuß! Tom sah das Mündungsfeuer und spürte zugleich einen Schlag und furchtbaren Schmerz in seiner rechten Seite. Er krümmte sich auf dem Boden und griff mit der linken Hand an die Stelle - sofort spürte er klebriges, warmes Blut an den Fingern. Sein Blut!

  • Benno steckte die Waffe in den Hosenbund und ging vor Tom in die Hocke. Mit Genugtuung sah er, wie sich Tom stöhnend auf dem Boden krümmte.


    "So, Kranich, die Zeit läuft! Alex hat fast 4 Tage gelitten, ehe er starb, mal sehen, wie lange du durchhälst. Ich lass dich jetzt alleine, aber ich komme wieder." Er stand auf, drehte sich um und stellte die Wasserflasche in einiger Entfernung vor Tom hin. Wenn er sie erreichen wollte, dann musste er sich ganz schön strecken. "Du sollst ja nicht verdursten. Ach ja, noch was: Du kannst ruhig schreien, es wird dich keiner hören. Die Kirche ist schon lange geschlossen und steht in einer ziemlich ruhigen Gegend. Tu dir also keinen Zwang an."" Dann drehte er sich um und ging.


    Tom lag noch eine ganze Zeit benommen am Boden. Schließlich versuchte er, sich aufzusetzen. Nach einer Weile hatte er es geschafft und lehnte mit dem Rücken an der Wand. Mit der linken Hand schob er sein Shirt hoch und begutachtete die Schusswunde. Er schloss kurz die Augen und sog vor Schmerz die Luft ein. Benno hatte ihn fast genau an der selben Stelle erwischt, wie er damals seinen Bruder Alex. Eine Hand breit unter dem rechten Rippenbogen. Er wollte wohl für ihn die gleichen Voraussetzungen schaffen, was ihm auch gelungen war. Die Wunde blutete stark. Tom knüllte das Shirt ein wenig zusammen und drückte es auf die Wunde. Wenn es nicht aufhören würde, zu bluten, dann würde er sicherlich nicht lange durchhalten. Er saß auf dem kalten Boden, den Kopf zurück an die Wand gelegt und schloss die Augen. Wie sollte es jetzt weitergehen? Wie sollte er hier jemals lebend rauskommen?


    Benno Heim hatte scih beim Verlassen des Geländes genau umgesehen, ob jemand in der Nähe war. Aber es war weit und breit niemand zu sehen. Zufrieden setzte er sich in seinen Wagen, den er in einiger Entfernung abgestellt hatte, und fuhr davon. Er würde morgen wieder kommen und nach dem Bullen sehen. Er wollte sehen, wie er langsam krepierte - und er würde es genießen!



    Am nächsten Tag, gegen Mittag, meinte Semir zu Andrea. "Ich ruf mal Tom an, mal sehen, wies ihm geht." Er drückte auf die Taste seines Handys, hörte aber nur das Freizeichen. "Er geht nicht ran. Komisch!" Semir steckte das Handy zurück in die Tasche. "Wahrscheinlich schläft er noch," Andrea werkelte gerade in der Küche rum. Das Essen war fast fertig. "Nach dem Essen fahr ich mal zu ihm, kommst du mit?" Semir stand hinter seiner Frau und angelte gerade eine Tomate aus dem Salat. Andrea klopfte ihm auf die Finger. "Finger weg! Es gibt ja gleich was." Semir drückte ihr grinsend einen Kuss auf die Backe und verließ das Reich seiner Frau. Kochende Frauen sollte man nicht in ihrem Revier stöhren!


    Zwei Stunden später ließ Semir gerade seinen Wagen vor Toms Wohnung ausrollen. "Komisch - sein Wagen ist gar nicht da. Ich dachte, ihm ist nicht gut." Sie stiegen aus und läuteten an Toms Wohnungstür. Aber niemand öffnete. Semir drückte nochmal den Klingelknopf. NIchts! Da kam gerade die Nachbarin die Treppe hoch. "Wollen Sie zu Herrn Kranich?" Semir drehte sich um. "Ja, wollten wir, aber er ist ja nicht da.Wissen Sie vielleicht, wo er ist?"
    Die Frau musterte die beiden. "Keine Ahnung. Ich weiss nur, dass er seit gestern morgen nicht mehr hier war. Hat wohl länger Dienst." Semirs Alarmglocken läuteten. "Er war seit gestern morgen nicht mehr hier, sagen Sie?" "Ja doch, rede ich vielleicht türkisch?" Die Frau war offenbar nicht sehr gut gelaunt. "Dann hätte ichs verstanden," murmelte Semir nur und ging mit Andrea aus dem Haus.


    "Das ist aber komisch. Er war nicht zu Hause, obwohl ihm nicht gut war! Hoffentlich ist da nichts passiert." Andrea sah ihren Mann von der Seite an. "Semir! - Tom hat zwei freie Tage - vielleicht ist er wohin gefahren!"
    "Das hätte er mir doch gesagt. Wir sind doch Partner."
    "Nun mach aber einen Punkt! Ihr seid doch nicht verheiratet. Er muss dir ja nicht alles erzählen. Er wird morgen schon wieder in der Dienststelle auftauchen. Nun fahr los, du hast frei und wir wollen was unternehmen." Andreas Stimme klang wie ein Befehl. Semir startete den Wagen und murmelte "Trotzdem ist das komisch."

  • Semir und Andrea machten sich einen schönen Tag. Aber Semir konnte ihn nicht so recht genießen. Immer wieder dachte er an Tom! Was war da los? War etwas passiert? Oder hatte Tom die Übelkeit nur vorgeschoben, um seine Ruhe zu haben? Bei dem Gedanken daran, wurde Semir ein bißchen sauer, schließlich waren sie Partner und Freunde. Wenn er alleine sein wollte, brauchte er es doch nur zu sagen. Aber einfach so verschwinden? Dann schüttelte Semir wieder den Kopf. Nein, das war nicht Toms Art! Da war etwas passiert!


    Mehrere Male am Tag versuchte er, Tom auf dem Handy zu erreichen. Fehlanzeige! Gegen Abend hielt er es nicht mehr aus. "Andrea, ich fahr mal in die PAST. Ich muss mit der Chefin reden wegen Tom." Er nahm seine Jacke und die Autoschlüssel. "Semir, spinnst du? Tom hat noch frei, er wird sich schon noch melden, wenn er das möchte." Semir sah Andrea an. "Andrea, ich will und kann nicht mehr warten. Glaub mir, da ist etwas passiert. Ich spür das." Andrea sah an Semirs Blick, dass es ihm ernst war. Er machte sich wirklich Sorgen um Tom. Und schließlich beschlich sie das selbe Gefühl. Was war, wenn ihm was zugestossen war und sie das nicht ernst nahmen? "Ich komm mit, Semir, warte." Semir lächelte aufatmend. Gemeinsam fuhren sie zur Dienststelle.


    Semir betrat das Büro. Hotte und Herzberger saßen auf ihren Plätzen und erledigten Bürokram. Erstaunt blickte Hotte auf. "Nanu, hälst du es zu Hause nicht mehr aus, oder was ist los?" Semir beachtete ihn gar nicht. "Ist die Chefin da?" Dieter nickte. "Ja, in ihrem Büro....aber", doch Semir war schon an ihm vorbeigerauscht mit Andrea im Schlepptau.


    Anna Engelhardt blickte erstaunt auf, als sie ihren Beamten, der eigentlich frei hatte, zur Tür hereinkommen sah. "Guten Abend, Semir, was ist denn los? Sie wirken so aufgebracht?"
    "Ich muss sie sprechen, Chefin....Tom ist verschwunden."
    Anna Engelhardt zog eine Augenbraue hoch. "Er hat frei, Semir, er wird weggefahren sein."
    "Nein," Semir schüttelte den Kopf. "Das hätte er mir gesagt. Ich war in seiner Wohnung. Die Nachbarin sagte, dass er gestern nicht zu Hause war. Ich hab den ganzen Tag versucht, ihn zu erreichen....nichts. Wir müssen...."
    "Nun mal langsam," Anna Engelhardt hob beschwichtigend die Hände. "Was müssen wir?"
    "Na, ihn suchen, was sonst?"
    "Und wo sollen wir ihn suchen, wenn ich fragen darf?" meinte Anna Engelhardt fast etwas belustigt, um gleich darauf etwas ernster anzufügen: "Semir, wir können doch keinen Kollegen, der zwei Tage frei hat und nicht zu erreichen ist, zur Fahndung ausschreiben. Wie stellen sie sich das vor? Sie werden sehen, bei Dienstbeginn ist er wieder da," schmunzelnd fügte sie hinzu: "wenn auch wahrscheinlich etwas verspätet, aber das kennen wir ja."
    Semir war fast am Verzweifeln. Warum glaubte ihm niemand? Tom war verschwunden, und niemanden schien es zu stören.
    Anna Engelhard versuchte, Semir zu beruhigen. "Semir, ich mache ihnen einen Vorschlag. Wenn Tom sich bis morgen noch nicht gemeldet hat, dann werden wir was unternehmen, einverstanden? Aber wenn wir jetzt eine großangelegte Suchaktion starten und Tom bei irgendeiner Frau oder sonstwo ist, dann reisst er uns anschließend die Köpfe ab.
    Semir hatte sich wieder etwas beruhigt. Eiinerseits musste er der Chefin recht geben, aber andererseits hatte er so ein komisches Bauchgefühl. Und das sagte ihm, dass Tom in der Klemme steckte.
    "Gut, ich versuchs weiterhin auf seinem Handy und morgen früh leiten wir die Suche ein." Anna Engelhardt nickte erleichtert und sah Semir und Andrea nach, die das Büro wieder verließen. Wenn sie genau darüber nachdachte, dann konnte da durchaus etwas dran sein. Tom und Semir waren mehr als nur Partner, sie waren sehr gute Freunde. Und es war nicht Toms Art, so mir nichts, dir nichts zu verschwinden, ohne Semir Bescheid zu geben. Hoffentlich war er morgen wieder da und der ganze Spuk hatte ein Ende.

  • Semir konnte in dieser Nacht nicht schlafen. Immer wieder schreckte er hoch, weil er Tom im Traum irgendwo hatte liegen sehen. Blutüberströmt und hilflos. Er hörte Tom um Hilfe rufen, sah seinen flehenden Blick.


    Schließlich hielt er es nicht mehr aus. Er sah auf die Uhr, es war kurz vor 3 Uhr. Vorsichtig schälte er sich aus dem Laken, um Andrea nicht zu wecken, die neben ihm lag und gleichmäßig atmete. Er packte seine Hose, sein Shirt und schlich aus dem Schlafzimmer. Im Wohnzimmer zog er sich schnell an und schrieb Andrea einen Zettel, dass er weg sei, um Tom zu suchen. Dann verließ er leise die Wohnung. Er setzte sich in seinen Wagen und fuhr los. Aber wohin sollte er fahren? Wo sollte er suchen? "Verdammt nochmal, Tom, wo steckst du denn? Wenn du nicht in der Klemme steckst, dann kannst du was erleben, wenn du wieder hier bist," redete er laut mit sich selbst. Er fuhr eine Weile ziellos durch die Gegend, sah dann aber ein, dass das nichts brachte. Deshalb fuhr er zur PAST, um sich um die Fahndung zu kümmern. Ihm war es jetzt egal, ob ihn die anderen für verrückt erklärten, oder nicht. Er musste Tom finden!



    Zur selben Zeit hatte Tom, halb sitzend, halb liegend, trotz der Schmerzen, etwas geschlafen. Er war einfach zu erschöpft. Als er aufwachte, hatte er großen Durst. Im Licht des anbrechenden Tages, das durch den Spalt unter der Decke fiel, suchte sein Blick die Wasserflasche, die Heim ihm dagelassen hatte. Er konnte sie nur erreichen, wenn er sich lang machte und versuchte, sie mit den Beinen zu sich her zu rollen. Langsam legte er sich hin, und streckte sich, bis die Handschelle sich spannte und er nicht mehr weiterkonnte. Der Schmerz in seinem Bauch begann sich von neuem aufzubauen. Erst war es noch einigermaßen auszuhalten, aber es wurde von Minute zu Minute stärker. Er berührte die Flasche zwar mit den Füßen, aber sie kullerte nur noch weiter von ihm weg. Aussichtslos, sie zu erreichen. Erschöpft blieb Tom liegen. Sein Atem ging stoßweise. Langsam schob er sich wieder zurück an die Wand und setzte sich hin. Es dauerte eine ganze Zeit, bis sich sein Herschlag wieder normalisiert hatte. Diese kleine Aktion hatte ihn unsagbare Kraft gekostet und ihm gezeigt, wie fertig er schon war. Plötzlich überkam ihn die Wut. Er zerrte an seiner Fessel. Das verdammte Ding musste doch irgendwie loszubekommen sein. Mit aller Kraft, die er noch besaß, zog, riss und zerrte er daran. Aber alles, was er erreichte war, dass sein Handgelenk wund gescheuert wurde und nun auch noch schmerzte. Erschöpft gab er auf.


    Plötzlich hörte er ein Geräusch. Heim kam zurück. Er wollte sich wohl an seinen Qualen ergötzen. "Na, Kranich? Gut geschlafen? Gehts dir auch schön dreckig, oder soll ich nochmal nachhelfen?" Tom sah, wie er die Waffe wieder aus dem Hosenbund zog und sie auf ihn richtete. Fast wünschte er sich, dass Heim ein Ende machen würde, damit es endlich vorbei war. "Du kannst mich umbringen, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass du schuld am Tod deines Bruders bist." Heim verzog hasserfüllt das Gesicht, holte mit dem Fuß aus und trat nach Tom. Er traf genau die Stelle, an der Tom getroffen worden war. Der Schmerz explodierte in Toms Bauch. Er hätte am liebsten laut geschrien, aber er biss die Zähne zusammen, so dass nur ein Stöhnen zu hören war. Er wollte Heim nicht die Genugtuung geben, dass er schrie vor Schmerz. Den Gefallen würde er ihm bestimmt nicht tun. Vorsichtig versuchte er, den Schmerz durch gleichmäßiges Atmen einigermaßen in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig fühlte er, dass seine Hand, die er auf die Wunde presste, wieder feucht wurde - es hatte wieder angefangen zu bluten.


    "Du kannst mich nicht provozieren, Kranich. Ich tu dir nicht den Gefallen, dir den Gnadenschuss zu geben. Das wäre viel zu einfach und ginge viel zu schnell. Es sind erst zwei Tage um, du musst noch mindestens 2 Tage durchhalten.......so wie Alex." Er lachte und ließ Tom wieder allein.

  • Unterwegs entschied Semir, zuerst zu Toms Wohnung zu fahren. Er wollte erst nachsehen, ob er in der Zwischenzeit nicht vielleicht doch zurück war. Er stoppte vor dem Haus und stieg aus. Zu dieser Zeit war noch nicht viel los auf der Straße und nirgends im Haus brannte Licht. Von Toms Wagen war immer noch weit und breit keine Spur.


    Semir kramte den Schlüssel aus der Tasche, den Tom ihm mal für Notfälle gegeben hatte. Und dies war ja ein Notfall. Er schloß die Wohnungstür auf und betrat den Flur. Langsam ging der zum Wohnzimmer. Alles war mehr oder weniger ordentlich an seinem Platz. Hier konnte nichts passiert sein. Ein Blick in Toms Schlafzimmer sagte ihm, dass das Bett unberührt war. Er konnte nichts Auffälliges entdecken. Hier war alles, wie immer. Semir verließ die Wohnung wieder und fuhr nun endlich zur Dienststelle. Er würde jetzt die Fahndung nach Toms Wagen anleiern und sein Handy orten lassen. Er hätte das schon viel früher tun sollen. Als er auf die PAST kam, waren die Kollegen vom Nachtdienst gerade dabei, ihren Platz für die Kollegen der nächsten Schicht zu räumen. Nachdem Semir gesehen hatte, dass die Chefin auch schon da war, steuerte er schnurstracks in ihr Büro. "Guten Morgen Chefin, wir...." Anna Engelhardt ahnte, was jetzt kommen sollte und schnitt ihm das Wort ab. "Guten Morgen Semir....die Fahndung nach Tom läuft bereits." Semir atmete erleichtert auf. Die Chefin machte sich also auch so langsam Sorgen um Tom.

  • "Danke Chefin. Ich bin mir inzwischen ganz sicher, dass da was nicht stimmt. Tom hätte sich längst gemeldet." Anna Engelhardt nickte. "Ja, sie haben recht. Ich hab auch schon Bonrath und Herzberger informiert. Sie halten ebenfalls die Augen offen."


    Traudel und Kurz Waldach machten zu dieser Zeit einen Spaziergang im Wald. "Kurz, sieh mal, hier hat jemand sein Auto geparkt. Unverschämtheit.Mitten auf dem Weg." Ärgerlich ging Traudel Waldach auf den silbernen CLK zu und spähte hinein. "Sieh mal," meinte sie zu Ihrem Mann, der inwzischen neben sie getreten war. "da steckt sogar der Schlüssel. Wie leichtsinnig." Kurt Waldach ging um den Wagen herum. Dann bemerkte er das Blaulicht auf dem Armaturenbrett und das Funkgerät. Auf dem Beifahrersitz lag ein Handy. "Da stimmt was nicht, Traudel, ich glaube, das ist ein Polizeifahrzeug. Siehst du das Blaulicht? Die würden den Wagen doch sicher nicht unverschlossen hier stehen lassen." Der Mann sah sich um. "Vielleicht ist jemand in der Nähe! Hallo......hallo....ist da jemand?" Aber es kam keine Antwort.Seiner Frau war die Sache nicht geheuer. "Du hast doch dein Telefon dabei. Ruf die Polizei an. Vielleicht ist da was passiert." Kurt nickte, kramte sein Mobiltelefon aus dem Rucksack und wählte die "110". Als er das Gespräch beendet hatte, meinte er zu seiner Frau. "Die schicken einen Wagen, wir sollen an der Straße vorne warten."


    Herzberger stürmte ohne anzuklopfen in das Büro der Chefin, wo Semir immer noch saß und mit ihr beratschlagte, was nun zu tun sei. "Chefin.......es kam grad ein Anruf rein.....Spaziergänger haben Toms Wagen gefunden!" Semir sprang wie von der Tarantel gestochen auf. "Und Tom?" Ängstlich wartete er auf Hottes Antwort. Der zuckte mit den Schultern. "Sie haben nur was von einem Wagen gesagt." Semir war schon an der Tür. "Wo?"
    "In einem Waldweg an der Landstraße, die zu Toms Wohnung führt." Im Eilschritt verließ Semir das Büro. Herberger, Bonrath und die Chefin folgten im.
    Als sie an der Stelle ankamen, sahen sie schon das Ehepaar Waldach aufgeregt winkend am Straßenrand. "Da hinten steht der Wagen." Kurt Waldach zeigte in die Richtung. Während Semir mit Hotte und Bonrath zum Wagen ging, befragte Anna die beiden, ob sie sonst noch was bemerkt hätten. Aber beide schüttelten den Kopf. "Gut, kommen sie bitte im Laufe des Tages auf unsere Dienststelle, wir müssen ein Protokoll schreiben. Traudel Waldach sah Anna besorgt an. "Was ist denn passiert mit dem Fahrer?" Anna seufzte und sah in die Richtung, wo Toms Auto stand. "Das wissen wir noch nicht. Der Kollege ist seit 2 Tagen vermisst." Traudel sah ihren Mann an. "Das tut mir leid. Hoffentlich finden sie ihn bald." Anna nickte, verabschiedete sich von den beiden und ging zu den Kollegen.
    "Haben sie schon etwas gefunden? Einen Anhaltspunkt?"
    "Nein, Chefin. Keine Kampf- oder Blutspuren - Gott sei Dank! Toms Handy liegt auf dem Beifahrersitz, der Akku ist leer."
    "Lassen sie den Wagen in die KTU bringen, Hartmut soll sich drum kümmern." Semir nickte und veranlasste alles Nötige. Er ließ auch den Fundort von der Spurensicherung weiträumig absuchen, aber nichts Verdächtiges oder Aussergewöhnliches wurde gefunden.
    Zurück auf der PAST saß Semir an seinem Schreibtisch und starrte auf Toms leeren Platz. Wo war Tom nur? Was war passiert? Sie hatten den Wagen gefunden, aber ansonsten noch nicht den geringsten Anhaltspunkt, wo sie ansetzen sollten.


    Tom dämmerte auf dem harten und kalten Betonboden vor sich hin. Er hatte versucht, durch Rufen und Schreien auf sich aufmerksam zu machen. Aber inzwischen brachte er nur noch ein heiseres Krächzen heraus. Erschöpft saß er mit dem Rücken zur Wand da und sah auf die Wasserflasche, die unerreichbar vor ihm lag. Brennender Durst plagte ihn und die Schußwunde brannte wie Feuer. Jede Bewegung, die er machte, bereitete im höllische Schmerzen. Vorsichtig schob er das Shirt nach oben und zuckte sofort zusammen, als der Stoff über die Wunde streifte. Er sah an sich hinunter. Kein Wunder, dass er bei der kleinsten Berührung solche Schmerzen hatte. Die Wunde hatte sich bereits entzündet, die Ränder waren rot und sahen gar nicht gut aus. Er schluckte. Er wusste, was das zu bedeuten hatte. Wenn man ihn nicht rechtzeitig finden würde, würde er an einer Infektion sterben....!

  • Semir saß immer noch am Schreibtisch und ging in Gedanken die Fälle durch, die er mit Tom in der letzten Zeit bearbeitet hatte. Vielleicht fand sich hier ein Zusammenhang mit seinem Verschwinden. Aber es war wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Er wusste eigentlich gar nicht, wonach er suchte. Verzweifelt vergrub er das Gesicht in den Händen. Er war hundemüde, aber an Schlaf war nicht zu denken, so lange Tom nicht gefunden war. Er hätte trotz Müdigkeit ohnehin kein Auge zugetan.


    Das Läuten des Telefons schreckte ihn aus seinen Gedanken. Es war Hartmut. "Semir? Kannst du mal kommen? Ich glaub, ich hab was gefunden."
    "Bin schon unterwegs." Semir war mit einem Schlag wieder hellwach.
    Als er in die KTU kam, sah er Toms Wagen da stehen, was ein mulmiges Gefühl in seinem Magen verursachte.
    "Und? Was hast du?" Hartmut hörte aus Semirs Stimme die Ungeduld heraus. Aber er konnte das verstehen, schließlich ging es hier um Tom und er machte sich Sorgen. Alle hier machten sich Sorgen um ihn.
    "Also," begann Hartmut,"Fingerabdrücke hab ich nur von Tom und dir gefunden. Auch sonst war nichts im Wagen, was nicht dahin gehörte." Semir sah Hartmut drängend an. "Hartmut.....bitte!"
    "Ach ja, entschuldige," Hartmut räusperte sich. "Aber hier hab ich was, sieh mal." Er hielt Semir einen der kleinen Klarsichtbeutel vor die Nase, in dem sich etwas befand. Es war ein Kaugummi.
    "Ein Kaugummi, und?" Semir wurde langsam ungeduldig.
    "Den hab ich auf dem Wagenboden gefunden. Kaut jemand von euch beiden Kaugummi?" "Nein, jedenfalls sehr selten." Plötzlich machte Semir große Augen. "Mensch Hartmut, vielleicht gehört das Kaugummi zu demjenigen, der Toms Verschwinden zu verantworten hat."
    Hartmut nickte. "Genau. Und ich hab die DNA schon durch den Rechner gejagt. Und du wirst es nicht glauben.....er ist in der Kartei."
    "Und?" Semir sah Hartmut auffordernd an. "Lass dir doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen."
    "Hier," Hartmut zeigte auf den Bildschirm, wo er die Daten von Benno Heim abgerufen hatte. "Benno Heim. Vorbestraft wegen Raubüberfall. Saß fast 6 Jahre in der JVA. Er hatte einen Bruder, der bei dem Überfall beteiligt war und dabei angeschossen wurde. Alex. Er starb nach einigen Tagen an der Schusswunde, weil sich die Brüder versteckt hatten und keinen Arzt holen wollten. Er war gerade mal 21 Jahre alt."
    Semri starrte auf den Bildschirm. "Und was hat dieser Heim mit Tom zu tun?" fragte er etwas ratlos.
    "Das kann ich dir sagen. Der Beamte, der damals seinen Bruder angeschossen hat, war Tom!" Das saß. Bei Semir läuteten sämtliche Alarmglocken. "Dann ist ja jetzt alles klar."
    "Ja, Semir. hier steht, dass Heim bei der Verhandlung Tom aufs Übelste beschimpft hat und ihm geschworen hat, dass er ihn umbringt, sobald er wieder auf freien Fuß ist."
    "Und wieso um alles in der Welt, lässt man den raus, ohne Tom etwas zu sagen?" Semir konnte es kaum fassen. Hätte man Tom von der Entlassung unterrichtet, wäre er gewarnt gewesen. Harmut zuckte nur mit den Schultern. Dazu konnte er auch nichts sagen.
    "Danke, Hartmut, du hast uns sehr geholfen." Semir wandte sich zum Gehen.
    "Semir.....seht zu, dass ihr Tom findet, ja?" Semir nickte.



    Tom wurde zusehends schwächer. Er hatte die Hoffnung aufgegeben, dass ihn hier jemand rechtzeitig fand. Sein Blick schweifte durch sein Gefängnis und blieb an einer Christusstatue hängen, die in einer Ecke stand und mit Spinnweben bedeckt war. Es war schon komisch. Da lag er in einem Kirchenkeller und wartete darauf, dass er starb. Ausgerechnet in einer Kirche. Wie lange war er schon nicht mehr in einer Kirche gewesen? Seit seiner Kindheit nicht mehr. Er hatte nie richtig an das alles geglaubt, was dort gepredigt wurde. Er verließ sich lieber auf das, was er sah. Aber vielleicht gab es doch etwas, das man nicht erklären konnte, das aber doch da war? Sollte er es mit Beten versuchen? Er hatte seit seiner Kindheit nicht mehr gebetet. Und schaden konnte es nicht. Sein Blick hing an der Statue. Er versuchte, sich auf irgendwelche Worte zu besinnen, die er irgendwann mal gelernt hatte. Das einzige, was ihm noch einfiel, war das "Vater unser" Lautlos begannen seine Lippen, die Worte zu formen. Er hatte es nicht vergessen, die Worte kamen wie von selbst.
    Als er fertig war, schwor er sich, dass er, wenn er hier lebend rauskam, in eine Kirche gehen und ein Dutzend Kerzen spenden würde. Oder mehr!
    Dann fiel sein Oberkörper erschöpft zur Seite und er fiel in einen unruhigen Schlaf.

  • Als Semir zurück im Büro war, steuerte er gradewegs auf Hottes Schreibtisch zu.
    "Wir haben ihn. Benno Heim. Hotte, such mir die Adresse des Kerls raus, wir statten ihm einen Besuch ab." Hotte nickte. Endlich konnten sie etwas tun. Endlich hattten sie einen Punkt, an dem sie ansetzen konnte. Semir ging zu seinem Schreibtisch und telefonierte mit dem Archiv. Er ließ sich die Akte des damaligen Falles Benno Heim bringen. Dann ging er zur Chefin und informierte sie über den Stand der Dinge.


    "Gut, fahren sie zu diesem Benno Heim, Semir, aber seien sie vorsichtig, der Mann ist gefährlich. Nehmen Sie Bonrath und Herzberger mit." In dem Moment kam Hotte mit einem Zettel zur Tür rein. "Hier, Semir, die Adresse." Semir nahm den Zettel. "Wir fahren sofort da hin. Hotte, du und Bonrath kommt mit." Endlich kam Bewegung in die Sache. Sie würden Tom finden. Jetzt hatten sie eine Chance.


    Als sie bei der angegebenen Adresse angekommen waren, bauten sie sich vor der Wohnungstür auf. Semir läutete. Benno Heim ging zur Wohnungstür und sah durch den Spion. "Scheiße, die Bullen," fluchte er leise. Wie waren die nur auf ihn gekommen? Das war doch gar nicht möglich. Jetzt hieß es, kühlen Kopf bewahren. Semir läutete noch einmal, diesmal drückte er den Klingelknopf länger. Er war fest entschlossen, die Tür aufzubrechen, wenn Heim nicht öffnete. Gerade wollte er Anlauf nehmen, als Heim die Tür öffnete. Er stand vor ihnen, mit zerzausten Haaren und Trainingshose. Offenbar hatten sie ihn bei einem Schläfchen gestört. Semir hielt ihm die Ausweis unter die Nase. "Gerkhan, Kripo Autobahn. Wo ist mein Kollege?" Benno Heim spielte den Unwissenden. "Wer?" fragte er verdutzt. "Mein Kollege, Tom Kranich, wo ist er?" Benno grinste Semir an. "Woher soll ich denn wissen, wo ihr diesen Kranich versteckt habt? Suchen die Bullen sich jetzt schon selber?" Er lachte höhnisch. Da wurde es Semir zu bunt. Er drängte Heim in den Flur, packte ihn am Kragen und drückte ihn an die Wand. "Noch einmal zum Mitschreiben: WO IST MEIN KOLLEGE ?"
    "Keine Ahnung, verdammt nochmal, woher soll ich das wissen? Ich kenne keinen Kranich." Semir ließ von ihm ab und gab Bonrath ein Zeichen. "Mitnehmen, vielleicht fällt es ihm ja im Verhörraum ein." Heim sträubte sich. "Hey, dazu habt ihr kein Recht." Nochmal packte ihn Semir. "Und ob wir das Recht haben - wir haben noch ganz andere Rechte. Abmarsch!" Er gab Heim einen Stoß, dass dieser gegen Hotte stolperte, der ihn förmlich auffangen musste. Dann verfrachteten sie ihn in den Dienstwagen und fuhren zurück zur Dienststelle.

  • Semir stand im Verhörzimmer vor Benno Heim und stützte beide Hände am Tisch ab. "Nochmal: Wo ist Tom Kranich?" Benno Heim grinste und erwiderte: "Auch zum letzten Mal: ich kenne keínen Kranich."
    Semir nahm die Akte, die vor ihm lag und knallte sie vor Benno Heim auf den Tisch. "Und was ist mit dem Überfall vor 6 Jahren? Mit der anschließenden Verhandlung? Mit ihrer Drohung, dass sie Tom umbringen werden?" Benno heim starrte auf die Akte. Verdammt, da hatten die Bullen doch tatsächlich den Zusammenhang gefunden. Er lehnte sich auf dem Stuhl zurück. "Gut, ich kenne Kranich. Und ich hab ihm den Tod gewünscht damals. Immerhin hat er meinen kleinen Bruder auf dem Gewissen. Aber was hab ich jetzt mit seinem Verschwinden zu tun? Wie kommen sie überhaupt auf mich?"
    Semir setzte sich auf die Tischkante. "Das ist doch schon mal ein Anfang. Und wie wir auf dich kommen, kann ich dir auch verraten. Das nächste Mal solltest du deinen Kaugummi nicht einfach in anderer Leute Autos spucken! - Wir haben den Kaugummi mit deiner DNA in Toms Wagen gefunden." Semir sah Benno Heim ins Gesicht. Der Gesichtsaudruck veränderte sich plötzlich - von spöttisch auf hasserfüllt.
    "Gut - ich hab Kranich! Aber ihr könnt machen was ihr wollt, ich werde euch nicht sagen, wo. Er wird büßen. Büßen für den Tod meines Bruders. Er wird genau so elendig krepieren, wie Alex." Zufrieden schaute er sein Gegenüber an. Dann blickte er auf die Uhr, die an der Wand hing. "Vielleicht ist er schon krepiert. Kann gut sein. Als ich ihn das letzte Mal sah, gings ihm nämlich gar nicht gut."
    In Semir stieg eine unbändige Wut hoch. Er schoß auf Heim zu, holte aus und wollte ihm einen Faustschlag verpassen, was ihm auch gelungen wäre, wenn Bonrath ihn nicht im letzten Moment zurückgehalten hätte. "Semir - mach dir doch an dem nicht die Hände schmutzig. Das bringt nichts." Semir ließ von Benno Heim ab und marschierte wütend aus dem Raum. In seinem Büro setzte er sich an seinen Schreibtisch und vergrub das Gesicht in den Händen. Er saß eine ganze Weile so da, bis Anna Engelhardt in den Raum trat. Sie hatte das Verhör über Mikro verfolgt und konnte sich gut vorstellen, wie es in Semir kochte. Ihr ging es ähnlich, aber sie mussten jetzt einen klaren Kopf behalten.
    "Semir, immerhin wissen wir jetzt, wer für Toms Verschwinden verantwortlich ist. Sie setzte sich an Toms Platz. "Wir werden jetzt nochmal die Akte durchgehen, vielleicht finden wir was." Semir sah sie resigniert an. "Chefin, ich kann die Akte schon fast auswendig - mir ist nichts aufgefallen - nicht das Geringste, was uns weiterhelfen könnte." Anna lächelte. "Dann werde ich sie nochmal durchgehen. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht, und vier Augen sehen mehr als zwei." Semir nickte, während Anna mit der Durchsicht der Akte begann. Es sollte eine lange Nacht werden.


    Tom wachte immer wieder auf. Inzwischen hatte er hohes Fieber. Er fror und war trozdem schweißgebadet. Immer wieder sah er Bilder vor sich, von denen er nicht wusste, ob es Trugbilder waren oder Wirklichkeit. Er sah Hotte und Bonrath, die sich wie immer kabbelten. Dann wieder Andrea hinter ihrem Schreibtisch, die ihm zulächelte. Und schließlich Semir, der ihn ansah und sagte: "Mensch Tom, wo bleibst du denn, wir müssen unsere Runde fahren?!?" Ein schwaches Lächeln huschte über Toms Gesicht. "Tut mir leid,Semir," flüsterte er leise. "ich kann nicht mehr.....ich ....bin.....so müde."

  • Nach etlichen Stunden und nocht mehr Kaffee, tippte Anna Engelhardt plötzlich auf eine Seite in der Akte."Hier!" Semir sah auf und seine Chefin fragend an. "Haben sie etwas gefunden?"
    Anna Engelhard nahm die Akte und ging um den Schreibtisch herum. Sie legte sie vor Semir hin. "Hier steht, dass man Alex Heim im Keller der St.Antonius-Kirche gefunden hat. Die Heim-Brüder waren da früher Ministranten und kannten sich aus. Sie benutzen den Keller öfter als Zufluchtsort. Die Kirche ist seit ein paar Jahren geschlossen." Semir schaute seine Chefin etwas ratlos an. "Und? ---- Wie sollte uns das helfen?" Anna Engelhardt lächelte. "Aber Semir, jetzt stehen sie wirklich auf der Leitung. Heim hat doch gesagt, dass Tom genauso sterben soll, wie sein Bruder Alex. Vielleicht meint er damit auch, dass Tom am selben Ort sterben soll."
    Semir schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. "Ich Esel, dass ich darauf nicht gekommen bin. Natürlich! So könnte es sein......so ist es bestimmt. Kommen Sie....." Er war bereits aufgestanden, als Anna ihn etwas bremste. "Semir, es ist nicht sicher, aber es ist eine Möglichkeit. Wir beide fahren da jetzt hin. Das SEK kann ich nicht einschalten, dazu ist alles zu vage. Aber wenn Tom dort ist, dann finden wir ihn." Beide standen auf, nahmen sich ihre Jacken und ihre Waffen und verließen das Büro. Sie merkten erst jetzt, dass sie sich die ganze Nacht um die Ohren geschlagen hatten, es dämmerte bereits. Der vierte Tag seit Toms Verschwinden war angebrochen....!


    Semir fuhr seinen Dienstwagen durch die Stadt. Es kümmerte ihn dabei nicht, dass er einige Verkehrsregeln nicht ganz so ernst nahm. Sie waren kurz davor, Tom zu finden - hoffentlich - da spielte alles andere keine Rolle. Anna Engelhardt saß auf dem Beifahrersitz und dirigierte Semir zur Kirche. Sie lag etwas ausserhalb in einer ruhigen Gegend. Das Areal, auf dem die Kirche stand, war ziemlich verwahrlost. Man sah, dass sich hier niemand mehr kümmerte.


    Semir und die Chefin stiegen aus und zückten ihre Dienstwaffen. Man konnte ja nie wissen, was passierte. Heim war zwar hinter Schloß und Riegel, aber sie wussten ja nicht, ob er noch irgendwelche Komplizen hatte. Semir ging um die Kirche herum, bis er den Eingang zum Keller fand. Die dicke Holztür war mit schweren Eisenbeschlägen gesichert und mit einem Vorhängeschloß zugesperrt. "Das Schloß ist neu.....," meinte Semir und Anna nickte nur. "Und wie bekommen wir das Ding jetzt auf?" Semir blickte sich suchend um. Er fand eine alte, verrostete Eisenstange und benutzte sie als Hebel. Ein lautes Knarzen - und das Holz gab nach. Die Tür war offen!


    Semirs Herz klopfte bis zum Hals. Er war zwar froh, dass sie ihrem Ziel, Tom zu finden, höchstwahrscheinlich greifbar nahe gekommen waren, aber er fürchtete sich auch vor dem, was sie hier vorfinden würden. Lebte Tom noch, oder war er tot? Das ungute Gefühl breitete sich in Semir aus - von den Zehen bis in die Haarspitzen....! Sie gingen die Treppe hinunter und sahen im Dämmerlicht erst einmal gar nichts. Es dauerte etwas, bis sich ihre Augen daran gewöhnt hatten. Semir ging langsam weiter. Da sah er ihn......da vorne lag er......Tom!

  • na, ich will mal nicht so sein:
    ....................................................................................


    Semir rannte auf ihn zu, während die Chefin erst einmal abcheckte, ob hier noch irgendwer rumschlich.


    Semir kniete vor Tom hin. Der lag zusammengekrümmt auf dem kahlen Boden. Die rechte Hand war mit den Handschellen an einem Eisenring in etwa 40 cm Höhe gefesselt. "TOM!......Tom.....!" mehr brachte Semir im Moment nicht heraus. Er befreite ihn zuerst von der Fessel. Toms Handgelenk war blutig gescheuert, man konnte das rohe Fleisch sehen. Vermutlich hatte er versucht, den Ring aus der Wand zu bekommen, was natürlich nicht geklappt hatte. Wie verzweifelt musste er gewesen sein? Behutsam drehte Semir ihn auf den Rücken - und erschrak! Anna Engelhardt, die inzwischen auch dazugekommen war, brachte nur ein "O Gott, Semir..." heraus. Tom bot einen bemitleidenswerten Anblick. Sein Gesicht war blutverschmiert, an seinem Wangenknochen prangte ein großes Veilchen, auf seiner Stirn und zwischen seinen Bartstoppeln, die in den Tagen seiner Gefangenschaft gewachsen waren, perlten Schweißtropfen. Semir strich ihm über die Stirn und prallte fast zurück. "Mein Gott, er ist glühendheiß....er verbrennt ja....!" Er sah das blutverkrustete Shirt von Tom und musste schlucken. Dieses gottverdammte Schwein, hatte Tom wirklich angeschossen....!


    Anna hatte inzwischen mit dem Telefon einen Notarzt gerufen. "....aber beeilen sie sich......bitte!" fügte sie mit einem Blick auf Tom hinzu. Semir bettete Toms Kopf vorsichtig auf seinen Pullover, den er ausgezogen und zusammengerollt hatte. "Tom, ich bin da ..... es ist vorbei." Immer wieder strich er ihm über die Stirn. Da merkte Semir, dass Toms Lider flatterten. Unter Aufbietung all seiner noch vorhandenen Kraft, öffnete Tom kurz die Augen. Sie glänzten fiebrig. Er merkte, dass Tom etwas sagen wollte, und hielt sein Ohr ganz nah an dessen Lippen. ".......Wasser......." kam es fast unhörbar. Semirs Blick fiel auf die Wasserflasche, die einige Meter neben Tom lag. Er nahm sein Taschentuch und tränkte es mit Wasser. Vorsichtig befeuchtete er mit dem nassen Tuch Toms Lippen. Er wusste, wenn er Tom in diesem Zustand trinken lassen würde, konnte er sich leicht verschlucken und ersticken.
    "Tom.....halt durch.....bitte.....!" Semir flehte förmlich. Er sah, dass Toms Leben nur noch am seidenen Faden hing. Tom sah Semir an und lächelte leicht, dann schloß er wieder die Augen. "Tom......bleib hier.....bitte!" Aber von Tom kam keine Reaktion. "Tom.....wenn du jetzt abhaust, dann red ich nie wieder mit dir....hörst du?" Semir war verzweifelt. Anna Engelhardt stand die ganze Zeit hilflos neben den beiden. Was konnte sie tun? Wenn nur der Notarzt endlich hier wäre. Da hörte sie draussen das Martinshorn des RTW und rannte nach draussen, um die Männer zu holen.

  • Im Laufschritt kamen der Notarzt und zwei Sanitäter mit ihren Taschen die Kellertreppe herunter. Der Arzt ging vor Tom in die Hocke. Mit einem Blick erfasste er die Lage. Er leuchtete Tom mit einer kleinen Lampe in die Augen, dann prüfte er den Puls.
    "Der Mann ist völlig dehydriert und hat hohes Fieber......wir müssen einen Zugang legen." Der Rettungsassistent stach Tom eine Nadel in den linken Handrücken und befestigte daran einen Tropf mit Glucoselösung. Dann schnitt der Arzt mit einer Schere Toms Shirt auf. Als er auf die Wunde sah, zuckte er kurz zusammen und warf dem Assistenten einen vielsagenden Blick zu. Das sah gar nicht gut aus. Die Wundränder waren stark gerötet, die Bauchdecke bretthart. Der Mann hatte eine handfeste Infektion.


    Semir war der Blick des Arztes nicht entgangen. Angst stieg in ihm hoch. Er sah zur Chefin. Sie stand da und schaute geistesabwesend auf die Szene. Sonst war sie eigentlich immer bemüht, klaren Kopf zu bewahren und ihren Leuten beizustehen, aber im Moment war sie selbst geschockt über Toms Zustand - sie hatte einfach Angst um ihn, genau wie Semir.


    "Wie lange liegt er schon hier?" Semir zuckte bei der Frage des Arztes zusammen. Er musste sich räuspern, ehe er antworten konnte. "Ich weiss es nicht genau. Er ist seit fast 4 Tagen verschwunden....." Er sah den Arzt an. Als der nicht antwortete fragte Semir: "Was ist..........? " Der Arzt zog eine Spritze auf, die er Tom verabreichte. "Die Wunde hat sich stark entzündet, er hat hohes Fieber und ist fast ausgetrocknet. Wir geben ihm jetzt Flüssigkeit und eine Spritze, um den Kreislauf zu stabilisieren, damit er überhaupt transportfähig ist." Semir blickte angsterfüllt auf seinen Freund. "Wird er......?" Der Notarzt hielt kurz inne und wandte sich Semir zu. "Ob er überleben wird, wollten sie fragen? Das kann ich ihnen im Moment nicht sagen. Aber es sieht nicht gut aus......" Dann wandte er sich wieder Tom zu. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis Tom so weit war, dass sie ihn auf die Trage heben und in den RTW schaffen konnten. Wie in Trance ging Semir hinterher. Anna Engelhardt, die sich inzwischen wieder etwas gefangen hatte, ging neben ihm. "Semir, geben sie mir den Autoschlüssel, ich fahr sie in die Klinik." Semir griff wortlos in die Jackentasche und händigte Anna den Schlüssel aus. Sie fuhren hinter dem RTW her. Auf der ganzen Fahrt sprach Semir kein Wort. Er musste nur an Tom denken, der da vorne in dem Krankenwagen mit dem Tod kämpfte.

  • Plötzlich bemerkte Semir, wie der RTW langsamer wurde, rechts blinkte und am Straßenrand anhielt. Die Sirene erstarb, nur das Blauclicht drehte sich noch und gab dem Ganzen etwas Gespenstisches.


    "Chefin, was ist da los? Wieso halten die? Ich denke, Tom muss auf dem schnellsten Weg in die Klinik." Semir blickte entsetzt nach vorne. Anna Engelhardt konnte sich schon denken, warum angehalten wurde, aber sie sagte nichts. Sie brachte den Wagen hinter dem RTW zum Stehen.
    "Ich seh da mal nach.....," und schon war Semir draussen.
    "Semir......" Anna wollte ihn zurückhalten, aber es war schon zu spät. Semir war schon am Heck des RTW und öffnete die Tür. Wie erstarrt blickte er auf das, was er sah. Der Arzt und die Sanitäter bemühten sich hektisch um Tom. Der Arzt machte Herzmassage und der Sani gab Tom Sauerstoff. Tom lag reglos da!
    "Was ist los.....?" Erst jetzt bemerkten die Männer Semir. Der Arzt blickte kurz zu ihm. "Ihr Kollege ist kollabiert - Herzstillstand!" Während er das sagte, drückte er immer wieder Toms Brustkorb nach unten. Sein Blick hing an dem kleinen Monitor - aber der zeigte nur eine gerade, grüne Linie!


    Semir war einen Augenblick wie gelähmt! Anna, die inzwischen neben Semir stand, war ebenso geschockt. Nein, das konnte doch nicht sein.....das durfte einfach nicht sein....TOM!


    Plötzlich kam Leben in Semir. Er stieg in den RTW. "Sie können jetzt hier nicht rein..." versuchte der Sanitäter, ihn davon abzuhalten, aber der Arzt nickte ihm zu. "Kommen Sie." Semir nahm Toms Hand, dann brach die ganze Verzweiflung aus ihm heraus: "Verdammt noch mal Tom, was soll der Scheiß? Ich hab dir vorhin schon gesagt, dass du hier nicht einfach abhauen kannst........da draußen wartet jede Menge Arbeit auf uns......ich kann das nicht alleine......ich brauch dich.....hörst du? Und ausserdem sind wir doch Freunde......lassen sich Freunde im Stich? TOM....bleib bitte hier.......TOM.....hör gefälligst zu, wenn ich mit dir rede! TOM!!!" Semir wurde immer leiser, seine Tirade endete schließlich mit einem Flüstern. "Tom....bitte....Tom...." Während Semir sich seine Verzweiflung von der Seele redete, hatten der Arzt und der Sani nicht aufgehört mit den Wiederbelegungsversuchen. Plötzlich hörte Semir den Arzt rufen: "Wir haben ihn wieder...." Dann hörte man auch schon das gleichmäßige Pip-pip-pip des Monitors. Semir starrte auf Tom, Tränen der Erleichterung liefen über seine Wange. Ihm fiel ein ganzer Steinbruch vom Herzen. Auch die Chefin, die das Ganze beobachtet hatte, atmete erleichtert auf. Das war knapp gewesen, verdammt knapp.


    "So, ich glaube wir haben ihn wieder stabil...wir können weiterfahren," Der Arzt blickte Semir an. "Wenn sie wollen, können sie hier mitfahren....es sieht ja so aus, als ob sie einigen Einfluß auf ihren Freund hätten," meinte er lächelnd. Semir nickte nur. Er war unfähig, jetzt zu reden. Der Sani schloß die Hecktür und mit Blaulicht und Martinshorn ging es Richtung Klinik - diesmal ohne Unterbrechung.

  • Als sie dort ankamen, wurde Tom im Laufschritt in die Notaufnahme gebracht. Semir wollte gerade durch die Tür, als ihn der Notarzt zurückhielt. "Tut mir leid, aber hier können sie jetzt wirklich nicht rein, warten Sie hier draussen. Da drin wird alles menschenmögliche für ihren Freund getan." Semir konnte gerade noch einen Blick auf Tom werfen, der soeben von der Trage auf einen Behandlungstisch gelegt wurde, dann ging die automatische Tür zu. Etwas verloren stand er noch einen Moment davor. Er wusste nicht, was er jetzt tun sollte.
    "Semir, setzen sie sich, wir warten hier." Anna Engelhardt hatte ihren Arm um seine Schultern gelegt. Sie konnte sich denken, wie es jetzt in ihm aussah. Semir setzte sich und blickte sorgenvoll auf die Tür der Notaufnahme.


    Nach einer Weile kam der Notarzt wieder heraus. Er hatte die Ärzte über alles informiert und musste seine Schicht fortsetzen. Anna Engelhardt ging ein Stück hinter ihm her. "Herr Doktor......," Der Arzt blieb stehen und schaute sie fragend an. "Ja...?" Anna Engelhardt blickte ihn nachdenklich an. "Kann es sein....," sie machte eine kurze Pause, ehe sie fortfuhr: "....kann es sein, dass das, was Herr Gerkhan da im RTW veranstaltet hat, Herrn Kranich tatsächlich zurückgeholt hat?" Der Notarzt sah die Chefin an und meinte: "Ich persönlich bin davon überzeugt - sonst hätte ich ihn gar nicht reingelassen - aber sicher sagen kann das niemand. Ich weiss nur, dass es schon ähnliche Fälle gab, bei denen Patienten, die wie Herr Kranich quasi schon tot waren, nach ihrer Widerbelebung genau sagen konnten, was während der Reanimation gesprochen wurde, oder wie die Ärzte aussahen - und das, obwohl ihr Herz nicht mehr schlug. Ich bin der Meinung, dass Menschen, die sich sehr nahe stehen, ob Ehepaar oder sehr gute Freunde, einen besonderen Draht zueinander haben. Und das war hier auch so. Herr Gerkhan hat Herrn Kranich wohl zum Hierbleiben überredet....wenn auch mit etwas herben Worten." Der Arzt schmunzelte und gab Anna die Hand. "Ich wünsche Ihrem Kollegen auf jeden Fall alles Gute." Dann verließ er das Krankenhaus. Anna stand noch eine Weile nachdenklich da. Es gab wohl einiges, was man mit klarem Menschenverstand nicht erklären konnte. Dann drehte sie sich um und ging zurück zu Semir.


    Nach einer endlos erscheinenden Zeit kam endlich ein Arzt auf sie zu.
    "Doktor - wie geht es ihm?" fragte Anna ihn. "Nun ja," der Arzt zuckte mit den Schultern. "Ich will ehrlich sein. Es geht ihm nicht gut. Es ist ein Wunder, dass er noch lebt. Herr Kranich hat eine schwere Wundinfektion. Wäre eine der Gliedmaßen betroffen, dann könnten wir amputieren, um sein Leben zu retten. Aber so....." Er machte eine kurze Pause. Semir blickte ihn entsetzt an. "Wir können jetzt nur versuchen, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und die Infektion mit Antibiotika in den Griff zu bekommen. Erst wenn wir das geschafft haben, können wir operieren."
    "Warum nicht sofort? Sie müssen doch die Kugel entfernen!" Semir verstand das nicht.
    "Wenn wir ihn jetzt operieren, stirbt er uns unter den Händen weg! Sein Zustand ist zu instabil, er würde das nicht überstehen. Die Verletzung selbst ist ja auch nicht das Problem, wenn er gleich behandelt worden wäre ..... aber nach fast 4 Tagen......"
    "Aber...." Semir stand immer noch fassungslos da.
    "Wir können jetzt nur abwarten - und hoffen."

  • Semir stand mit hängenden Schultern auf dem Flur. Er fühlte sich total hilflos, wusste nicht, was er jetzt tun sollte. Plötzlich fiel ihm ein, dass er Andrea und die Kollegen informieren musste. Die machten sich Sorgen um Tom und sollten wissen, dass er gefunden war. Anschließend würde er zu Tom gehen. Er musste ihn jetzt einfach sehen.


    "Ich geh mal raus und ruf Andrea und die Kollegen an," sagte er leise zur Chefin. Anna Engelhardt schüttelte den Kopf. "Hab ich vorhin schon getan. Andrea wollte herkommen, sie muss bald hier sein." Semir nickte erleichtert.
    "Semir, ich fahr zurück zur Dienststelle. Bleiben sie hier und rufen sie mich bitte sofort an, wenn sich bei Tom irgendwas ändern sollte." Sie klopfte Semir beruhigend auf die Schulter und ging. Gern wäre sie auch hier geblieben, aber irgendwann musste sie auch wieder an die Arbeit, obwohl sie sich sicher war, dass sie heute nichts vernünftiges mehr zustande bringen würde. Die Sache mit Tom ging ihr einfach nicht aus dem Kopf. Er war noch lange nicht über den Berg und niemand wusste, ob er die kommenden Stunden oder Tage überleben würde.


    Draussen auf dem Parkplatz kam ihr Andrea entgegen. "Wie geht es Tom?" Angst lag in ihren Augen. Die Chefin blickte kurz auf den Boden und dann zu Andrea. "Es geht ihm sehr schlecht, Andrea. Semir will gleich zu ihm. Er ist völlig fertig. Kümmern sie sich bitte um ihn." Andrea nickte, atmete einmal tief durch und betrat das Krankenhaus. Schon von weitem sah sie Semir auf einem Stuhl sitzen. Er hatte das Gesicht in den Händen vergraben. Leise ging sie zu ihm. Als sie fast bei ihm war, stellte sie fest, dass er weinte. Zuerst nur ganz leise, dann aber immer heftiger. Andrea setzte sich neben ihren Mann und nahm ihn liebevoll in den Arm. Sie liebte ihn unter anderem auch deswegen, weil er in der Lage war, Gefühle zuzulassen und nicht krampfhaft versuchte, sie zu unterdrücken.
    "Es wird alles gut, Semir, Tom wird wieder gesund, du wirst sehen," versuchte sie, ihn zu trösten. Nach dem, was sie von Anna gehört hatte, glaubte sie das, was sie sagte, zwar selbst nicht so recht, aber andererseits hielt sie daran fest. Tom musste es schaffen, sie ließ einfach keine andere Möglichkeit zu.
    Semir wischte sich die Tränen vom Gesicht, als er Andrea bemerkt hatte. "Andrea, Tom stirbt vielleicht......dieses Schwein hat ihn angeschossen und einfach liegenlassen........wenn Tom stirbt.....dann....." Wieder nahm ihn Andrea in den Arm und wiegte ihn wie ein kleines Kind.

  • Semir wich in den folgenden Stunden und Tagen nicht von Toms Seite. Nur zum Schlafen ging er nach Hause und das auch immer nur für 3 oder 4 Stunden. Er fiel dann völlig erschöpft aufs Bett um nach wenigen Stunden wieder aufzuschrecken. Dann fuhr er wieder in die Klinik und setzte sich zu Tom. Die Chefin hatte ihn bis auf weiteres freigestellt. Sie wollte selbst, dass Semir bei Tom war. Sie hatte ja mit eigenen Augen gesehen, was es bewirken konnte.


    Auf der Dienststelle lief der Betrieb weiter, aber die Kollegen wirkten alle etwas bedrückt und fragten immer wieder nach Toms Zustand. Der war zunächst unverändert. Tom schwebte zwischen Leben und Tod. Dann endlich, nach drei endlos bangen Tagen, war das Fieber gefallen, die Entzündung der Wunde etwas zurückgegangen.
    "Ich glaube, nun können wir nach vorne sehen, " meinte der Arzt und deckte die Schußwunde an Toms Bauch wieder steril ab. "Wenn nichts mehr dazwischen kommt, dann können wir es morgen wagen, ihn zu opererieren - es wird auch höchste Zeit." Er blickte auf Tom, der immer noch ohne Bewusstsein war. Er war an Monitore angeschlossen, die ihn überwachten. "Ihr Freund hat einen überaus großen Überlebenwillen, und daran haben sie keinen geringen Anteil." meinte er lächelnd zu Semir. Dann fügte er etwas besorgter hinzu: "Sie sollten sich mal gründlich ausschlafen, Herr Gerkhan, sonst können sie das Bett anschließend mit ihrem Freund tauschen." Semir nickte. "Ja, Doktor, sie haben ja recht. Sonst erkennt mich meine Frau nicht wieder, wenn ich vor ihr stehe." Er fuhr sich mit der Hand übers Kinn. "Und eine Rasur könnte mir auch nicht schaden." Er gab dem Doc dankbar die Hand.


    Am nächsten Tag wurde Tom operiert. Er war bis dahin noch nicht wieder aufgewacht, aber die Ärzte meinten, das läge an den Medikamenten, die er bekam. Währen der OP stand Semir noch einmal Ängste aus, obwohl man ihm versichert hatte, dass es ein Routineeingriff wäre, aber er war doch froh, als der Arzt wieder vor ihm stand und Entwarnung gab. Es war alles glatt verlaufen.
    Zwölf Stunden nach der OP machte Tom zum ersten Mal seit über 4 Tagen wieder die Augen auf. Semir bemerkte es nicht einmal sofort. Er stand am Fenster und sah auf den angrenzenden Klinikpark hinaus. Er kannte hier inzwischen schon jeden Strauch und jede Blume. Plötzlich hörte er hinter sich ein leises "Semir". Er wandte sich um und sah, dass Tom wach war. Sofort war er an seiner Seite.
    "Tom, da bist du ja endlich wieder." Semir legte seine Hand auf Toms. Er spürte, wie ihm die Tränen in die Augen traten. "Heulsuse" kam es wieder leise von Tom zurück, der das wohl bemerkt hatte. "Du hast gut reden, Partner! Während du hier faul rumgelegen hast, hab ich Todesängste um dich ausgestanden." Tom lächelte schwach. "So schlimm?" Semir nickte. "Natürlich, auf dich muss man aber auch jede Minute aufpassen - man kann dich nicht alleine lassen." Leiser fügte er hinzu. "Mach das nie wieder, ja?" Tom nickte schwach. "Ich .....werd....mir....Mühe....geben........Partner." Dann fiel sein Kopf zur Seite, er war vor Erschöpfung wieder eingeschlafen.


    Drei Wochen später trat Tom wieder seinen Dienst an. Semir fuhr den CLK über die Autobahn, als Tom plötzlich sagte: "Fahr da vorne bitte mal rechts raus, ja?" Semir sah Tom irritiert an. "Wieso das denn? Da vorne ist die Autobahnkirche - willst du vielleicht beichten? Wär mal notwendig." schmunzelte Semir. "Nein, aber ich hab da noch ein Versprechen einzulösen." Semir fragte nicht weiter und setzte den Blinker. Er fuhr auf den Parkplatz der Kirche. "Bin gleich wieder da." meinte Tom und war schon ausgestiegen. Mit schnellen Schritten ging er auf das Kirchenportal zu und betrat das Gotteshaus. Semir stieg auch aus und folgte Tom. Als er die Kirche betreten hatte, sah er Tom vorne am Seitenaltar stehen. Er zündete eine Kerze nach der anderen an. Es war schon ein komisches Bild: Tom in einer Kirche. So lange Semir seinen Partner kannte, hatte er ihn noch nie in einer Kirche gesehen. Langsam ging Semir den Gang entlang, und blieb neben Tom stehen. Er kramte einen 20,--Euro-Schein aus der Hosentasche und warf ihn in das Kässchen. Dann zündete auch er eine Kerze nach der anderen an, bis keine mehr da waren.
    Tom sah Semir an und lächelte."So, nun können wir wieder, aber das musste sein." Er legte den Arm um Semirs Schulter und gemeinsam verließen sie die Kirche.
    "Auf gehts, die Autobahn wartet," sagte Semir, während sie sich in den Wagen setzten und losfuhren.


    ENDE!


    So, nun seid ihr erlöst! Ich hoffe, euch hat die story einigermaßen gefallen und war euch nicht zu rührselig. Falls doch, dann könnt ihr das aber ruhig sagen - bin nicht empfindlich! =)