Unter Verdacht

  • Halloa!
    Die FF hier hat es, wie einigen von euch vielleicht auffallen wird, schon ein mal gegeben. Allerdings ist sie von Grund auf überarbeitet worden, so dass es sich auch für Kenner lohnt, sie noch einmal zu lesen.


    Viel Spaß beim Lesen! Und nicht vergessen zu reviewen ;) :D



    P.S: Die Geschichte ist nicht geklaut... nur noch mal so am Rande....




    Unter Verdacht


    Tom und Semir waren auf dem Weg zurück in die PAST. Beide waren schlecht gelaunt. Seit gut 4 Monaten versuchten sie nun schon Christoph Lehmann wieder in den Knast zu bringen.


    Lehmann war vor gut einem halben Jahr zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hatte die gesamte Familie eines Freundes umgebracht. Dies bestritt er jedoch bis zum Schluss und beteuerte seine Unschuld, was ihm aber keiner glaubte, da die Beweislage erdrückend war. Man hatte die Tatwaffe mit seinen Fingerabdrücken bei ihm gefunden, er hatte ein überzeugendes Motiv und es war ausreichend DNA-Material am Tatort sichergestellt worden.
    Dass der ermordete Mann ein Polizist war, sorgte gerade unter Kollegen für Entsetzen. Sollte jemand ihn finden, würde kein Kollege es ihm übel nehmen, wenn er Lehmann aus Versehen erschießen würde.
    Um so viel erschütternder war die Sicherheit, dass irgendein Polizist, oder Schließer aus dem Knast, ihm zu dieser Flucht verholfen hatte.


    Da Gernodt Hilsdorf mit seiner Familie auf einem Rastplatz ganz in der Nähe der Autobahnpolizei erschossen wurde, hatten Tom und Semir die Ermittlungen ?bernommen.
    Semir hatte damals vor Wut geschworen, beide zu töten. Lehmann, und den Menschen, der ihm aus dem Knast geholfen hatte, da Hilsdorf ein guter von ihm Freund gewesen war..


    Als beide auf der PAST angekommen waren, gingen sie als erstes, wie immer in den letzten Wochen, zu Andrea, um zu hören, ob die Fahndung schon irgendetwas ergeben hatte.
    Andrea hatte anscheinend jedoch schon Feierabend gemacht.
    "Wo ist sie denn hin?" fragte Semir den vorbeigehenden Herzberger. "Keine Ahnung, sie hat heute früher Schluss gemacht... glaube sie wollte ihre Mutter besuchen oder so"


    ***

    Sein warmer, anmutiger Körper lag wärmend über ihrem. Am ganzen Körper fühlte sie, wie seine sanften Lippen sie berührten.
    In vollen Zügen genoss sie jede einzelne dieser Berührungen. Ein wohltuender Schauer lief ihr den Rücken hinunter, als er mit seiner Zunge ihren Busen liebkoste.
    Immer wieder sah sie in seine so, klaren, großen und ehrlichen, Augen. Solche Augen, so ausdrucksstark, hatte sie noch nie zuvor gesehen.
    Neben ihnen im Kamin, brannte ein Feuer in kleinen, schüchternen Flämmchen vor sich hin.
    Das Feuer, welches sich zwischen ihnen aber aufbaute, war längst zu einem helllodernden Großbrand heran gewachsen.
    Es war Herbst, und draußen brach die Dunkelheit über die kleine Hütte herein. Die einzige Lichtquelle im Inneren war jetzt nur noch das kleine Feuer im Kamin.
    Die Zeit, die sie miteinander verbringen konnten, war knapp bemessen. Deswegen nutzten beide jede so kostbare Sekunde, in der sie die Nähe des anderen fühlen konnten.
    Beide wussten aber auch, dass sie in Teufels Küche kommen würden, wenn man sie so zusammen sehen würde. Zwei engumschlungene Körper die eins wahren.


    Gegen halb 11 erhob sie sich von der Matratze, auf welcher sie sich die vergangenen Stunden geliebt hatten.
    "Ich will nicht dass du gehst, bleib die Nacht hier bei mir!"
    "Das geht nicht. Ich kann nicht hier bleiben." So schnell gab er sich allerdings nicht geschlagen. Er wusste zwar ganz genau dass er ihr, in allem was sie tat, nicht widerstehen oder "Nein" sagen konnte, aber auch, dass es ihr nicht viel anders erging.
    Er hielt sie am Arm fest.
    "Bitte bleib!"
    "Nein, ich..."
    "Bitte." Er zog sie wieder zu sich hin und wusste, dass er aus dieser Diskussion als Sieger hervor gegangen war. Jetzt würde sie gewiss nicht mehr gehen.
    Sie überlegte, und war hin- und hergerissen. Eigentlich musste sie wirklich gehen, aber zum einen konnte sie seinem Charme nicht widerstehen und zum anderen wollte sie auch nicht gehen, sondern viel lieber noch so viele Stunden wie möglich mit ihm, hier in dieser Hütte, auf dieser Matratze, verbringen.
    ***


    "Morgen!"
    "Morgen Semir..., nein frag nicht! Die Fahndung nach Lehmann war bis jetzt ohne Erfolg!"
    "Danke, genau das wollte ich wissen...? Er grinste Andrea frech an. "Wo warst du gestern Abend eigentlich?"
    "Bei meiner Mutter.... Warum?"
    "Och ich hatte gedacht, dass wir vielleicht mal wieder zusammen essen gehen könnten."
    "Ja vielleicht, ich habe jetzt aber zu tun." Damit war für Andrea das Gespräch beendet.
    Kopfschüttelnd ging Semir in sein Büro, wo Tom schon auf ihn wartete.
    "Wie kommt es, dass du schon hier bist?" ärgerte Semir seinen Partner.
    "Ha, ha... Steht für heute irgendetwas Besonderes an?", wollte Tom wissen.
    "Nein, nicht das ich wüsste, aber wer weiß, vielleicht fangen wir ja heute Lehmann ein..."
    "Na wers glaubt... maybe.... Das würde unserer Karriere bestimmt nicht schaden`"
    Zusammen fuhren die beiden auf die Autobahn raus, um dort Temposünder zu stellen.


    "Und, was machst du gleich noch so?" fragte Tom seinen Partner, als sie nach einem doch sehr anstrengenden Arbeitstag wieder auf dem Parkplatz der PAST eintrafen. "Ich wollte gleich noch joggen gehen, kannst ja mitkommen." antwortete Semir.
    "Joggen? Nee Danke, lass man gut sein. Ich habe heute keine Lust mich zu bewegen."
    "Och warum denn nicht? Ich hatte gehofft, dass du mitkommen würdest. Alleine joggen ist langweilig." Semir grinste seinen Partner an.
    "Nein, ich möchte heute wirklich nicht."
    "Ja ja.... Das habe ich schon hundert Mal gehört...Du bist eine kleine faule Sau!" Frech grinsend ging Tom in sein Büro.
    "Ich bin also eine kleine Sau, ja? Schon mal in den Spiegel geschaut?" Semir tat verletzt.
    "Das war fies von dir", meinte Andrea schmunzelnd. Nun war es Tom, der einen auf beleidigt machte.
    "Bis morgen Partner.", verabschiedete sich Semir.
    Er nahm seine Jacke und ging zu seinem Wagen. Auch Andrea hatte zur selben Zeit Schluss gemacht wie er.
    "Tschüss, bis morgen"
    "Ach Andrea, hast du nicht Lust mit mir joggen zu gehen?"
    "Nein, ich gehe heute mit einer Freundin ins Kino."
    "Naja, schade. Bis morgen."


    Es war herrlich so durch den Wald zu laufen. Die kalte Luft wehte angenehm in Semirs Gesicht. Seit gut einer Stunde lief er nun schon so. Langsam verringerte er das Tempo.
    Schräg vor ihm lag eine kleine Hütte, aus deren Schornstein es rauchte. Als er an der Hütte vorbei lief, warf er kurz eine Blick auf den Mann, welcher vor der Hütte Holz hackte.
    Der Atem stockte ihm und das Blut in seinen Adern schien zu gefrieren. Damit der Mann kein Verdacht schöpfte, lief er noch ein paar Meter weiter.
    Er konnte es nicht fassen.
    Der Mann, der da so harmlos am Holz hacken war, hatte vor fast einem Jahr eine ganze Familie getötet: Christoph Lehmann!



    Semir blieb stehen und versteckte sich hinter einem Baum. Er atmete ein paar Mal tief ein und aus.
    Er wollte eigentlich Tom anrufen, musste aber feststellen, dass er sein Handy im Auto vergessen hatte. Was sollte er nun machen? Alleine versuchen, den Mann zu überwältigen? Semir wusste sehr wohl, dass das wieder einer von diesen nicht ungefährlichen Alleingängen werden würde, die die Chefin so überhaupt nicht leiden konnte. Aber das störte ihn jetzt herzlich wenig. Er hatte den Entschluss gefasst, es zu riskieren. Koste es, was es wolle!

    Geduckt und so leise er konnte schlich er sich an die Hütte heran. Semir warf erst einen kurzen Blick ins Innere, um sich zu vergewissern, dass Lehmann alleine war. Er war es.
    Sehr vorsichtig schlich sich Semir an der Hauswand entlang. Das Herz schlug ihm heftig gegen die Rippen. Als er an der Ecke angekommen war, griff er nach einem herum liegendem Stock. Semir atmete noch einmal tief durch, bevor er weiterging und sich Lehmann von hinten n?herte.
    "Bitte! Dreh dich jetzt nicht um... Hack schön das Holz mit deiner Axt klein, aber bitte dreh dich nicht um..." betete Semir.
    Es kam ihm vor, als ob die vielleicht fünf Schritte bis zu Lehmann eine halbe Meile gewesen wären. Aber jetzt stand er hinter ihm und holte kräftig aus. Der Stock schlug auf der Schulter von Christoph auf.
    Der sackte zu Boden, verlor jedoch nicht das Bewusstsein. Schnell wie eine Schlange drehte er sich um. Semir war schneller.
    Mit einem gezielten Tritt trat er ihm die Axt aus der Hand. Nun war Lehmann nicht mehr bewaffnet, so dass Semir sich auf ihn stürzen konnte. Er schlug ihm mit der Faust ins Gesicht, was eine stark blutende Platzwunde nach sich zog. Aber Lehmann konnte anscheinend einiges ab und Semir hatte eindeutig die Kraft seines Gegners unterschützt.
    Dieser packte ihn nun am Hals und würgte ihn. Die Lage, in der sich der Polizist nun befand, schien ziemlich aussichtslos: Den um einiges stärkeren Lehmann drückte ihn zu Boden und die Luft aus den Lungen.
    In letzter Sekunde, vor dem fast sicherem Tod durch Ersticken, rettete ihn ein gezielter, kräftiger Schlag in den Solarplexus seines Gegners. Keuchend vor Schmerzen und nach Luft ringend ließ Lehmann von ihm ab.
    Semir erhob sich und rutschte auf Knien auf Christoph Lehmann zu, welchen er im Polizeigriff an den Boden nagelte.
    "Jetzt hab ich dich, du Schwein!! Das wars! Du landest wieder im Knast wo du hingehörst!!`"
    Doch es kam ein wenig anders: Semir war gerade dabei Christoph mit seinem eigenen Gürtel zu fesseln, als er hinter sich plötzlich schnelle Schritte, die wie aus dem Nichts gekommen waren, wahrnahm. Es war zu spät:
    Noch bevor er sich umdrehen konnte, um die Person zu sehen, fühlte er einen schmerzhaften Schlag auf den Hinterkopf. Sofort wurde es schwarz vor seinen Augen. Semir fühlte nur noch den feuchten Waldboden an seiner rechte Wange. Dann war alles nur noch dunkel um ihn...

  • Leichte Ohrfeigen holten Semir schließlich ins Leben zurück, und ein beißender Rauchgeruch stieg ihm in die Nase. Als er langsam die Augen öffnete, sah er ins Gesicht eines Feuerwehrmanns.
    "Hallo? Könne sie mich hören? Geht es ihnen gut?" Semir nickte benebelt und rappelte sich langsam auf. Verwirrt blickte er zu der brennenden Hütte hinüber, die bereits unter dem Beschuss mehrerer Wasserschläuche stand. Allmählich kehrte die Erinnerung zurück.
    Das Joggen... Lehmann... der Kampf...
    Etwas wackelig auf den Beinen, aber ansonsten unversehrt zog er sich an einem Bäumchen hoch.
    ?Kann ich mal ihren Funk benutzen? Ich bin Polizist.? wandte er sich an den Feuerwehrmann. Dieser hob leicht die Augenbrauen, ließ ihn jedoch gewähren.


    Es dauerte nur knapp 30 Minuten bis Tom, Hotte, Dieter, ein Paar Jungs von der Spurensicherung und die Chefin an der Hütte ankamen.
    Anna Engelhardt sah alles andere als glücklich aus. Zum einen sah sie sehr verschlafen aus, und zum anderen war sie auch so nicht begeistert von dem erneuten Alleingang eines ihrer beiden Spezialisten dafür.
    ?Was haben sie sich nur wieder dabei gedacht, Gerkhan?! Sie hätten tot sein können! Sie wissen doch wohl selber mit am besten, dass mit diesem skrupellosem Killer nicht zu spaßen ist, oder?" begann sie sofort mit Semir zu meckern.
    ?Ja sicher Chefin.... Aber ich hatte alles im Griff, bis eben dieser zweite Mann aufgetaucht ist!" verteidigte Semir sich.
    ?Ja sicher. Semir, sie können froh sein noch zu leben! Warum haben sie nicht Verstärkung gerufen?!" "Weil ich mein Handy im Auto liegen habe..."
    Anna verdrehte die Augen. Das war typisch für ihn.
    "Gerkhan, ich habe diese Alleingänge langsam gestrichen satt!! Sollte nochmal einer von ihnen beiden einen unternehmen," Sie sah auch Tom scharf an, der sich bis jetzt beträchtlich zurück gehalten hatte, "dann wird dies nicht wenige unerfreuliche Konsequenzen für sie beiden haben! Habe ich mich unmissverständlich ausgedrückt?!" Die beiden Kommissare nickten stumm.
    Während Semir von einem der Sanitäter noch einmal gründlich durchgecheckt wurde, sah sich Tom zusammen mit einem Mann von der Spurensicherung am Tatort um.
    "Aus der Hütte ist nichts mehr rauszuholen" Er deutete auf die verkohlten Überreste. "Außerhalb der Hütte haben wir nur die Fingerabdrücke auf der Axt gefunden, Fußspuren sichergestellt, die Spuren eines Kampfes und erstaunlicherweise Schleifspuren von der Hütte weg."
    "Wie jetzt?"
    "Schauen sie selbst: Dort drüben haben wir ihren Kollegen gefunden, hinter einem Gebüsch und im sicheren Abstand zum Feuer, und dort hat er ursprünglich gelegen, wo er ziemlich sicher verbrannt wäre.? Tom nickte nachdenklich.




    PS: Ich freu mich immer super doll ü?ber Feedback.... aber das sollte bitte in das dafür vorgesehene Thread...
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    Fortsetzug: 28.12.06



    "Jetzt halt doch endlich still... Die Wunde muss gereinigt werden..." Lehmanns Kopf lag in ihrem Schoß. Er biss die Zähne zusammen. Das Desinfektionsmittel brannte einen Augenblick lang wie Feuer. Der Schmerz ließ jedoch schnell nach. Zum Schluss klebte sie noch ein Pflaster auf die Wunde. Christoph strich sich kurz darüber.
    "Perfekt! Du hättest eine gute Krankenschwester abgegeben."
    "Tja, hat sich aber anders ergeben....." Zärtlich küsste sie ihn.
    "Wo soll ich jetzt untertauchen?" fragte er nach dem sich ihr Lippen wider von einander gelöst hatten. Einen Moment lang sah sie ihn nachdenklich an.
    "Ich denke," begann sie "du wirst wohl hier bleiben müssen. Irgendwie muss das gehen..."
    "Wie, hier bleiben? Du meinst, hier in dieser Wohnung? Hier mit dir? Nur wir zwei? Ganz alleine?" Er strahlte sie mit einem breitem Krokodilgrinsen an.
    "Ja, ungefähr so mein ich das..." Auch ihr Lächeln war über ihr ganzes Gesicht gezogen.
    Gedankenverloren ließ sie sich in seinen Arm sinken. Vor einem Jahr waren sie sich zu ersten Mal begegnet. Sie schloss ihre Augen und dachte an die Zeit zurück.


    Sie hatte damals eine Freundin in Hamburg besucht. Das Wetter war wunderschön gewesen. Sie hatten einen langen Spaziergang am Hafen gemacht.
    Wie als sei es erst gestern gewesen erinnerte sie sich daran, wie sie gerade an der Cap San Diego? gestanden hatte und er mit einem Fahrrad von hinten angerast gekommen war.
    Es kam wie es kommen musste: Er konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen und hatte sie im Vorbeifahren gestreift. Beide waren zu Boden gefallen.
    Sie war fürchterlich wütend auf ihn gewesen und ihn vor allen Leuten lauthals angeschrieen, was das denn sollte und ob er nicht aufpassen könnte.
    Schon damals fand sie es erstaunlich, wie ruhig und freundlich er geblieben war. Er hatte sich erneut entschuldigt und gefragt, wie er es denn wieder gutmachen könne.
    Da sie ihn nicht kannte und zu dem Zeitpunkt auch noch nicht kennen lernen wollt, da sie eigentlich? in festen Hä?nden war, meinte sie nur, dass er doch bitte etwas langsamer fahren und das nächste Mal besser aufzupassen sollte.
    Das aber reichte ihm nicht. Er hatte sein Gegenüber sehr genau und mit großem Interesse gemustert, als sie ihn so zurecht gewiesen hatte.
    Sie war etwa so alt wie er selber, mittelgroß, hatte Gesichtszüge, die ihm sehr gut gefielen, und darauf schließen ließen das sie nicht dumm war.
    Außerdem hatten ihre Augen ihn schon zu der Zeit gefesselt. Das war nicht gerade einseitig. Auch sie hatte ihn abschätzend gemustert. Ihr waren vor allem seine beachtliche Größe von einem Meter neunzig, seine wasserblauen Augen und die schwarzen, lockigen Haaren aufgefallen.
    Also lud er die beiden Frauen für den Abend in das Musical Tanz der Vampire ein. Beide hatten ihn verblöfft angestarrt und sie wollte diese Einladung auf keinen Fall annehmen.
    Ihre Begleiterin war aber sofort Feuer und Flamme.
    Also gab er ihr den Zettel, auf dem er die Nummer, unter welcher er die Karten an der Abendkasse hinterlegen würde, in die Hand. Er selber könne sich jedoch nicht das Musical ansehen, da er arbeiten mü?sse. Sich nochmals entschuldigend verabschiedete er sich von ihr.


    Danke für das Feedback!
    ;)


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    Fortsetzung vom 29.12.06



    Als sie am Abend samt Freundin, die sie überredet hatte, die Einladung anzunehmen, an der Abendkasse stand und der Dame die Nummer gab, um die Karten zu bekommen, bekam sie zusätzlich noch einen Brief, der an die Dame die ich auf meinem Fahrrad mitgenommen habe adressiert war. Sie ö?ffnete ihn und las:

    "Ich hoffe das Sie die Vorstellung genießen können. Werde mich bemühen alle Töne zu treffen. Ich würde mich sehr freuen wenn Sie nach der Vorstellung noch in den 'Stage Club' kommen würden."
    Mit freundlichen Grüßen ihr Obervampir Von Krolock



    Jetzt wusste sie auch, wie er so ohne weiteres an Karten drangekommen war. Die Plätze auf denen sie saßen, waren in der dritten Reihe und man konnte alles perfekt sehen. Sie stellte sofort fest, dass er wesentlich besser singen als Radfahren konnte.


    Nach der Vorstellung, die ihr sehr gut gefallen hatte, ging sie tatsächlich noch in den Stage Club. Der Obervampir hatte ein wenig Ihr Interesse geweckt.
    Ihre Freundin, die mü?de war und, wie sie meinte, nicht stören wollte, fuhr schon eher nach Hause, ließ Ihr aber einen Schlüssel da.
    Also wartete sie alleine. Nach einer Viertelstunde kam Christoph dann schlie?lich. Sie unterhielten sich bis spät in die Nacht. Als sie sich gegen halb drei verabschiedete, bat Christoph um ein erneutes Treffen. Da er ihr in den letzten Stunden immer sympathischer geworden war, willigte sie ein. So kam es, dass sie sich am nächsten Tag an der Cap San Diego trafen. Sie verabredeten sich noch vier weitere Male, bis sie wieder zurück nach Köln musste.
    Sie bedauerte es sehr, da sie nicht glaubte, dass sie sich in der nächsten Zeit, wenn überhaupt, wiedersehen würden. Aber es kam anders.
    Als es drei Wochen später an ihrer Tür klingelte, stand plötzlich Christoph Lehmann davor.
    Sie wusste noch genau, wie überrascht aber auch erfreut sie gewesen war. Christoph meinte dass er frei hätte und nur zufällig in der Stadt sei, was sie ihm aber nicht glaubte.
    Sie gingen am Abend zusammen Essen.
    Da Christoph noch kein Hotelzimmer hatte, bot sie ihm an bei sich auf dem Sofa zu schlafen. Bei einem Glas Rotwein waren sie sich dann jedoch sehr viel näher gekommen. So kam es dazu, dass Christoph nicht auf Ihrem Sofa, sondern in ihrem Bett geschlafen hatte.


    So in Gedanken versunken schlief Sie dann schließlich ein.


    ***


    "Morgen Andrea, gibt?s was..." weiter kam Semir nicht, da Andrea ihn wütend ansah.
    "Semir, du fragst mich jetzt jeden Morgen dasselbe! Semir, es nervt!"
    "OK, OK..." Er ging weiter in sein Büro. Tom war noch nicht da, was ihn aber nicht wunderte. Eine Viertelstunde später kam der dann schließlich eingetrudelt.
    "Morgen Semir... Ich habe hier was, was uns weiter bringen könnte." Er legte den Bericht der Spurensicherung auf den Tisch.
    "Oh, das ging aber schnell... Was steht denn drin?"
    "Es wurde ein Fußabdruck sichergestellt, der nicht von Lehmann oder dir stammt."
    "Woher wissen die, dass er nicht von Lehmann ist?" hakte Semir nach.
    "Wenn Lehmann nicht in Frauenschuhen herumläuft, die ihm viel zu klein sind, dann müssen sie von einer Frau sein."
    "Woher soll ich wissen, dass er nicht in Frauenschuhen herumläuft? Sonst noch etwas"
    "Die Frau ist vermutlich um die 165cm- 170cm groß und schlank..."
    "Na das ist ja nicht viel..... Das passt auf fast jede Frau..."
    In diesem Moment betrat die Chefin das Büro.
    "Und, gibt es Neuigkeiten?" fragte sie.
    "Ja. An der Hütte wurden Fuß?abdrücke sichergestellt. Sie stammen von einer Frau. Mehr leider nicht..."
    "Das ist doch immer hin schon etwas. Von einer Frau sagten sie?"
    "Ja, aber nichts besonderes. Keine Auffälligkeiten." antwortete ihr Tom. "Finden sie heraus, von wem dieser Abdruck ist. Es ist doch möglich dass es die Freundin oder Geliebte von Lehmann ist."
    "Das ist möglich... aber in den Akten steht nichts von einer Freundin..."
    "Was aber nicht heißt, dass es sie nicht gibt. Zur Zeit ist sie unsere einzige Spur."
    Als sie das Büro verließ hörte Semir, wie sie vor sich hin murmelte: "Wer würde sich freiwillig mit so einem Kerl abgeben...?


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    Fortsetzung vom 2.1.07



    Tom und Semir riefen noch einmal Verwandte und Freunde von Lehmann in Hamburg an. Die aber wussten immer noch nichts von einer Freundin oder Geliebten.
    "Hast du etwas herausgefunden?" fragte Semir nach einer guten halben Stunde.
    "Nein nichts, nach Angaben der Mutter war Lehmann seit einiger Zeit Single. Die Überprüfung der vorherigen Freundinnen hat auch nichts ergeben. Wir haben jetzt alle Verwandten und Bekannten durch. Wer könnte sonst noch etwas darüber wissen?"
    "Wem würdest du denn davon erzählen?" fragte Semir.
    "Na, dir.."
    "Ja! Und ich bin ein Kollege!"
    "Also rufen wir auch noch alle Kollegen an..." Tom stöhnte auf. Das klang nach ?Üerminuten. "Wo und als was hat der noch mal gearbeitet?"
    "Ähm... Er ist, war," Semir sah kurz in den Akten nach. ".... Musicaldarsteller."
    "Gut, rufen wir im Theater, das ihn zuletzt beschäftigt hat..."
    Die Befragung der Kollegen brachte sie leider auch nur ein kleines Stückchen weiter.
    "Also Semir, einer der Kollegen wusste auch nur, dass es da eine neue Frau in seinem Leben gab. Er hat sie in Hamburg kennen gelernt, war wohl auch einmal in der Vorstellung. Wie sie aussieht konnte er aber nicht mehr sagen. Nur noch dass sie aus Köln kommt."
    "Aus Köln? Das ist ja immer hin ein wenig." meinte Semir.


    Es klopfte an der Tür und die Chefin betrat das Büro. Hinter ihr stand ein Mann im Anzug.
    "Meine Herren, kommen sie bitte mal in mein Büro?" Die beiden folgten ihr. In ihrem Büro stellte sie Tom und Semir den Mann im Anzug vor.
    "Kranich, Gerkhan, das ist Hauptkommissar Lars Grote vom BKA. Er wird ihnen alles weitere selber erklären. Setzen sie sich doch."
    Nachdem Tom und Semir saßen, fing Herr Grote an zu reden.
    "Meine Herren, das BKA wird im Fall Lehmann weiter ermitteln. Sie sind nicht weiter befugt. Ich persönlich werde diese Ermittlungen leiten."
    "WAS? Aber das können sie nicht machen!!" fingen die beiden Helden sofort an. Dabei wurden beide sehr laut.
    "Tom, Semir!" Wurden sie von der Chefin zurechtgewiesen.
    "Herr Gerkhan, ich muss sie bitten, mir alle Akten und Ermittlungsergebnisse im Fall Lehmann zu geben. Sie sind hier nicht weiter befugt!! Sie beide nicht!"
    "Ja, aber nur wenn sie gaaanz lieb Bitte sagen!" Die Chefin stand erzürnt auf.
    "Semir, die Akten! Sofort!" Sauer stand Semir auf und holte alle Sachen, die er finden konnte.
    "Sollte es noch etwas geben was ich vergessen habe, werde ich es ihnen selbstverständlich zukommen lassen." Es kostete Semir viel Energie, das alles so freundlich zu sagen.

  • Sooo... es geht doch noch (endlich) weiter, nachdem mein Account freigeschaltet wurde.
    Gestatten: Ich bin die Co-Autorin von 'Unter Verdacht' und werde wohl auch in Zukunft weiter und wenn möglich regelmäßig updaten. Und jetzt viel Spaß mit dem neuen Teil von 'Unter Verdacht'! .... reviewen nicht vergessen ;)




    "Ich danke ihnen. Und jetzt entschuldigen sie mich." Lars Grote verabschiedete sich noch von Frau Engelhardt und verließ dann das Büro. Sofort fingen Tom und Semir an, sich bei der Engelhardt lauthals zu beschweren.
    "Mir gefällt das doch auch nicht! Aber das BKA ist auch sehr an der Aufklärung das Falles interessiert. Immer hin war der Getötete, Gernodt Hilsdorf, ein Beamter des BKA. Und jetzt hören sie auf, an mir ihre schlechte Laune auszulassen!" Das war für Gerkhan und Kranich die Aufforderung das Büro zu verlassen.
    Draußen vor der PAST war Grote an seinem Auto angekommen. Als er im Inneren saß, holte Lars sofort sein Handy heraus.
    "Ja ich bins. Ich habe die Akten. Alle... Ja, diese Idioten von der Autobahnpolizei werden uns nicht mehr im Weg sein. Bis später." Mit durchdrehenden Reifen verlie`ß er den Parkplatz.


    ***


    Gegen neun Uhr kam Sie nach Hause. Christoph hatte schon etwas gekocht. Sie sah sehr mitgenommen aus.
    "Was ist mit dir?"
    "Das BKA ermittelt jetzt wieder in deinem Fall."
    "Mist! Aber können wir denn nicht irgendwie meine Unschuld beweisen?"
    "Wie denn?"
    "Uns fällt schon was ein. Lass den Kopf nicht hängen! Das wird schon alles wieder!"
    "Christoph , ich will dich nicht schon wieder verlieren!? Er lächelte sie breit an.
    "Das wirst du nicht!" Zärtlich küsste er sie. Sie war jedoch nicht so optimistisch.
    "Christoph, du bist naiv!" Sie war in letzter Zeit fürchterlich gereizt, was er allerdings nachvollziehen konnte, da sie unter extremen Druck stand.
    Langsam wurde es eng......


    ***


    Tom und Semir, aber vor allem Semir, waren am nächsten Tag immer noch schlecht gelaunt. Für beide stand fest, weiter zu ermitteln.
    "Ich lasse mir doch nicht von so einem feinen Pinkel, der beim BKA arbeitet, sagen, wo ich ermitteln darf und wo nicht! Der ist bestimmt schwul! Hast du sein Auto gesehen? Ein quietscheentchengelber Golf!" stieß Semir wütend aus.
    "Es ist doch wohl selbstverständlich, dass wir weiter machen!"
    "Das werden sie nicht! Und ich glaube nicht, dass er schwul ist." Keiner von beiden hatte bemerkt, dass die Chefin das Büro betreten hatte. Sie warf Semir einen mahnenden Blick zu.
    "Gerkhan, sie selber müssten am besten wissen, wie gefährlich Lehmann ist. Ich glaube, dass es besser ist, wenn das BKA wieder ermittelt.?
    "Aber Chefin, wir können es doch wohl noch mit diesem Kerl aufnehmen!!" erzürnte sich Semir.
    "Gerkhan ich zweifele auch gewiss nicht an ihren Fähigkeiten. Aber ich will nicht meine beiden besten Männer verlieren! Außerdem haben wir hier genug Arbeit! Haben wir uns verstanden?!" Die Chefin sah ihre beiden Draufgänger eindringlich an.
    "Ja" antworteten beide trotzig. Sie schnappten sich ihre Jacken und gingen zu Toms Wagen.
    "Was machen wir jetzt?" fragte Semir.
    "Streife fahren..." Sauer stiegen sie in das Auto.
    Auf der Autobahn war überhaupt nichts los. Also setzten sich die beiden in die nächste Raststätte und beratschlagten wie es weiter gehen könnte. Beide hatten aber keine Ideen.


    ***


    Christoph Lehmann saß in der Wohnung seiner Freundin. Er langweilte sich zu Tode. Als er sich in der Küche ein Glas Wasser holen wollte, musste er feststellen, dass keine Flasche Mineralwasser mehr in der Wohnung war.
    Er überlegte hin und her, ob er kurz in den Keller gehen sollte. Da er keine Lust mehr hatte, nur herum zu sitzen, ging er schließlich. Er nahm sich den Wohnungs- und Kellerschlüssel und ging herunter. Es war sehr unwahrscheinlich, dass eine der anderen Mieterinnen auch in den Keller gehen würde.
    Mit den Wasserflaschen beladen machte er sich auf den Rückweg. Noch im Keller stockte ihm der Atem. Eine der Mieterinnen kam direkt auf ihn zu...
    "Entschuldigung, haben sie meine Brille gesehen?" Die alte Dame kam dicht an ihn heran.
    "Ähm, nein, habe ich nicht..."
    "Ach Gott! Ich sehe doch ohne Brille nichts! Ich muss sie verlegt haben... Wer sind sie eigentlich?"
    "Ich bin der... Freund von einer ihrer Nachbarinnen..."
    "Von welcher denn? Von der Kleinen ganz oben?"
    "Ja. Auf Wiedersehen." Christoph ging schweißgebadet wieder hoch in die Wohnung. Das war noch einmal gut gegangen. Schwer atmend stützte er sich gegen die Wand im Flur.


    Sie stand immer noch unten im Hausflur und traute ihren Augen nicht. Christoph, der auf sämtlichen Fahndungslisten stand, marschierte am helllichten Tag im Haus auf und ab. Sie war gerade nach Hause gekommen und hatte noch gesehen, wie er die Treppen hochging.
    Beiläufig grüßte sie die alte Nachbarin, die gerade aus dem Keller kam und zum Glück halb blind war, und eilte nach oben.
    Nachdem sie die Wohnungstür hinter sich geschlossen hatte, legte sie sofort los.
    "Sag mal bist du eigentlich bescheuert?! Spazierst mir nichts, dir nichts im Haus herum, und wirst gesehen!!? Sie war rasend.
    "Na ja gesehen.... Die Dame kann doch eh nichts sehen... und du... du siehst mich gerade auch.? Sie war kurz davor ihm eine zu scheuern.
    "Es hätte dir auch jemand anderes begegnen können! Wenn sie dich gesehen hätte, wären wir beide hochgegangen!! Willst DU unbedingt wieder in den Knast? Hat es dir da besser gefallen!? Dann geh doch zum nächsten Polizeirevier! Aber lass mich da raus!!!"
    Christoph merkte eindeutig, dass er zu weit gegangen war.
    "Es tut mir Leid... Aber was würdest du machen, wenn du den ganzen Tag nur rumsitzen könntest. Deine Wohnung ist genau so ein Gefängnis wie jede JVA auch. Nur etwas luxuriöser und mit netteren Bewohnern..."
    "Ich würde mich zusammenreißn! Und mich nicht wie ein kleines Kind benehmen!" Sie war so aufgebracht, dass sie ohne weitere Worte nach Ihrer Jacke griff und die Wohnung wieder verließ.
    "Schatz, bitte warte doch...? Doch weiter kam er nicht. Die Tür war schon zu. Niedergeschlagen setzt er sich in das Wohnzimmer. Er hätte wenigstens den Rest des Tages nicht alleine verbringen wollen.


    Sie saß in der Zwischenzeit in Ihrem Wagen und ärgerte sich ein wenig über sich selber. Natürlich war es fahrlässig gewesen, die Wohnung zu verlassen. Aber Sie konnte ihn auch verstehen. Immer nur in der Wohnung zu sein, das war nichts anderes als eine andere Art von Gefängnis.
    Trotzdem war sie immer noch w?tend auf Christoph. Das BKA konnte ihnen gefährlich werden... Aber jetzt wollte sie erst mal ihre Ruhe haben. Deswegen fuhr sie in den Stadtpark, um einen langen Spaziergang zu machen.
    Es war bereits neun Uhr, als Sie nach Hause kam.


    ***


    Tom und Semir saßen immer noch im Büro. Es hatte sich aber gelohnt. Einer der Gefängniswärter, den sie noch einmal befragten, hatte die Vermutung geäußert, dass einer der Briefe, die Lehmann während seines kurzen Aufenthalts empfangen hatte, nicht von einem Mann sondern von einer Frau geschrieben worden war. Er nannte ihnen zusätzlich noch die Adresse, die auf dem Umschlag gestanden hatte.
    Und jetzt standen sie vor dem angegebenen Haus.
    ?Das ist eine Fabrik.? stellte Semir geistreich fest.
    ?Jo. Schwarz, qualmt und stinkt.?
    ?Na toll. Und hier soll unsere geheimnisvolle Schönheit also wohnen.?
    ?Vielleicht ist sie eine der Arbeiterinnen. Einen Versuch ist es wert.? Sie wollten sich gerade auf die Suche nach einem Eingang machen, als hinter ihnen zwei schwarze Mercedes mit quietschenden Reifen zum Stehen kamen.
    Einem von ihnen entstieg Lars Grote, der sofort wie ein wütender Drache auf sie zugeschossen kam.
    "Was tun sie beide denn hier?"
    "Dasselbe könnten wir sie fragen...?
    "Ich ermittele, wozu ich, im Gegensatz zu ihnen, auch befugt bin. Und ich sehe hier keine Autobahn, also verschwinden sie!"
    "Vielleicht wird hier ja mal eine gebaut? Außerdem, wer sagt, dass wir uns nicht nur die Füße vertreten wollten?" provozierte Semir.
    "Verschwinden sie sofort, oder ich lasse sie festnehmen?
    "Uh, jetzt krieg ich aber Angst!?
    "Semir, lass uns gehen? zischte Tom beunruhigt aus dem Mundwinkel.
    "Ich werde mich morgen früh über sie beide bei ihrer Vorgesetzten beschweren.?
    "Jetzt haben sie es mir gegeben! Jetzt brauch ich nen Arzt! Sie hören von meinem Anwalt!" Semir knallte die Tür etwas heftiger als nötig zu. Tom sah ihn tadelnd an.
    "Musste das sein?"
    "Ja, wenn diese arrogante Schwuchtel hier auftaucht und uns durch unsere Ermittlungen tänzelt mit seinen Stilettos... hey, Moment! Er könnte unsere Frau sein und er will nicht, dass wir seinen Liebhaber..."
    "Semir, jetzt halt mal die Klappe! Ist dir denn nichts aufgefallen?"
    "Er hatte keine Stilettos an?"
    "Semir, ernsthaft!"
    "Nein, nichts. Außer, dass er aufgetaucht ist."
    "Eben. Woher wusste er so plötzlich von dem Brief und der Adresse?"
    "Hm... stimmt, das ist schon ein komischer Zufall..."
    "Entweder es war wirklich ein Zufall...?
    "... oder er hat unser Telefonat belauscht."
    "Genau. Aber was machen wir jetzt?"
    "Umdrehen und ihn verhaften?" fragte Semir begierig.
    "Semir!"
    "Okay... die Engelhardt sollte davon wissen.?
    "Wenn wir jetzt telefonieren, dann kriegt Grote es vielleicht mit..." Semir grinste.
    "Also fahren wir einfach vorbei."
    "Es ist ganz schön spät." gab Tom zu bedenken.
    "Es ist aber wichtig. Und deswegen fahren wir da jetzt vorbei.? Semir schien heute Abend sehr auf Krawall gebürstet zu sein. Tom seufzte schwer, bog dann aber doch in die richtige Richtung ab.

  • TJa, nach dem meine Mitautorin es nun auch endlich geschafft hat sich hier zu regestrieren, (Nimms nicht persönlich! :P ) Geht es jetzt wieder zügiger vorran!!
    Viel Spaß beim lesen! :D




    Um viertel vor zwölf standen Kranich und Gerkhan vor der Wohnungstür ihrer Vorgesetzten.
    ?Dann klingle doch auch.? meinte Tom zu Semir. Semir zögerte dann doch kurz, bet?tigte aber die Klingel.
    Von innen hörten sie Schritte. Dann wurde die Tür geöffnet.
    Anna Engelhardt stand im Bademantel vor ihnen. Sie sah sie überrascht, aber nicht gerade einladend an.
    ?Haben sie schon mal auf die Uhr gesehen?!? begrüßte sie die beiden. Tom war das Ganze sichtlich unangenehm.
    ?Entschuldigen sie, dass wir zu so später Stunde stören. Aber... Können wir trotzdem kurz reinkommen?? fragte Semir.
    ?Semir, sie stören.? Sie sah ihn durchdringend an.
    ?Aha, wobei?? fragte er geradeheraus. Tom wollte im Boden versinken, während sich die Augen der Chefin zu Schlitzen verengten.
    Doch dann sah Semir etwas, was selbst sein loses Mundwerk fürs Erste schloss.


    Nur mit einem Handtuch um die Hüfte bekleidet kam der Mann, der ganz oben auf der Fahndungsliste stand, aus dem Bad. Christoph Lehmann!
    Er hatte geduscht und nicht mitbekommen, dass jemand gekommen war.
    Für ein paar Sekunden bewegte sich niemand.
    Christoph sah die beiden Polizisten an. Der kleinere von beiden, dem er schon mal begegnet war, erwiderte den Blick. In seinen Augen las Christoph Hass, Wut, Entsetzen und tiefstgrändige Verachtung. Der größere der beiden sah erst ihn und dann seine Freundin an.
    Pl?tzlich ging alles blitzschnell. Tom und Semir, denen der Schreck immer noch tief in den Knochen sa?, reagierten nicht rechtzeitig.
    Die Chefin hatte schneller gehandelt: Sie stie? Semir zur Seite und gelangte so an seine Waffe. Tom wurde von dem fallenden Semir ebenfalls zu Boden gerissen.


    "Keine Bewegung! Sie bleiben wo sie sind!" Die Chefin hatte die Waffe auf Gerkhan und Kranich gerichtet.
    Christoph brauchte 2 Minuten um sich anzuziehen. Dann stürmte er die Treppe herunter. Anna warf ihm ihren Autoschlüssel zu.
    "Verschwinde!" rief sie ihm zu.
    "Aber...?" Anna schüttelte den Kopf.
    "Mach endlich, dass du weg kommst!? Christoph sah sie noch einmal an und verschwand dann. Das war Toms Chance.
    Die Chefin war einen Moment lang unaufmerksam. Tom trat ihr die Waffe aus der Hand und nagelte sie dann im Polizeigriff an der Wand fest.
    "Semir, schnapp ihn dir!!" Semir war allerdings schon unterwegs.


    Tom war nun ziemlich hilflos. Er lockerte den Griff ein wenig.
    "Ich glaube, ich muss sie jetzt verhaften, weil sie einem verurteilten Straftäter zur Flucht verholfen und ihn beherbergt haben... ähm... ich schlage vor, sie ziehen sich jetzt vielleicht erst mal was anderes an...? ... Ich schließe sie im Bad ein... und geb ihnen die Sachen. äh... wo finde ich die?? Die Chefin bedachte ihn mit einem tödlichen Blick.
    "Im Schlafzimmer vielleicht?"
    "Oh, ja... klar doch. Ich... schließ sie dann jetzt ein." Er verschloss die Tür und begab sich ins Schlafzimmer. Mit Jeans und Bluse bewaffnet kam er zurück und reichte sie ins Badezimmer.
    "Ist das alles?? Tom überlegte, lief feuerrot an und drehte wieder um. Völlig verschämt gab er die fehlenden Kleidungsstücke an seine Chefin weiter.
    "Tom?"
    "Ja?" kam es leidend. "Fehlt noch was?"
    "Nein... aber ich möchte, dass sie mich verstehen." Tom atmete einmal aus.
    "Okay. Versuchen sie es, Chefin."
    "Er ist unschuldig. Er hat niemanden umgebracht, und er ist kein kaltblütiger Killer."
    "Die Beweise sagen aber was anderes aus."
    "Und warum ist Semir noch am Leben?"


    In diesem Moment kam dieser wieder.
    "Er ist mir entwischt!" brummte er wütend.
    Semir sah seine Vorgesetzte, die gerade von Tom aus dem Bad gelassen wurde, voller Hass an. Wie konnte sie so einen Menschen schützen?!
    "Frau Engelhardt, ich verhafte sie aufgrund des dringenden Verdachtes einem Mörder zur Flucht verholfen zu haben und diesem Unterkunft gewährt zu haben. Alles was sie sagen kann und wird vor Gericht gegen sie verwendet."


    ***

  • Und der nächste Teil... viel Spaß damit!




    Die Fahrt auf das Revier verlief schweigend. Als sie das Großraumbüro betraten, sagte keiner der Kollegen ein Wort. Alle sahen, was sich vor ihnen abspielte. Tom und Semir hatten offenbar ihrer allen Vorgesetzten verhaftet. Keiner konnte sich darauf einen Reim machen, bis Semir zu sprechen begann.
    "Nun Kollegen! Unsere Vorgesetzte war es, die Christoph Lehmann aus dem Knast geholt hat!!" Totenstille.
    "Sie scheint dem Charme eines Mörders nicht widerstehen zu können!!? Unruhiges Gemurmel breitete sich aus. Es gefiel Semir, Anna Engelhardt so bloßzustellen.
    Die Verhaftete wurde ohne Umwege in den Verhörraum gebracht. Die Mühe, ihr die Handschellen abzunehmen, machte Semir sich nicht.
    Die beiden Kommissare setzten sich ihr gegenüber.
    Zuerst sagte keiner etwas. Semir war es dann schließlich, der die Stille durchbrach.
    "Wie ist es dazu gekommen, dass sie so tief gerutscht sind?!" Auf diese Frage bekam er keine Antwort.
    "Also gut... Wie haben sie es angestellt, das ein fünffacher Mörder, der offensichtlich ihr Geliebter ist, aus dem Knast ausbrechen konnte? Sind noch mehr Leute in die Sache verstrickt?"
    Anna schwieg sich weiter aus. Langsam wurde es Semir zu bunt.
    "Ich habe ihnen eine Frage gestellt!!!" Er sprang auf und schlug mit der Handfläche so kräftig auf den Tisch, dass die anderen im Raum zusammenzuckten. Die Engelhardt hatte bis jetzt zu Boden geschaut. Nun sah sie Semir direkt in die Augen.
    "Ich erwarte nicht, dass sie mein Handeln verstehen." begann sie. "Auch nicht, dass sie mir glauben. Ich kann es nur hoffen. Christoph Lehmann ist kein Mörder. Er ist unschuldig."
    Semir sah sie noch eine Moment lang an. Plötzlich begann er laut los zu lachen. Semir kugelte sich vor Lachen.
    "Unschuldig! Das ist gut.... prustete er. Es dauerte eine ganze Weile bis er wieder runter kam. Genauso plötzlich, wie er angefangen hatte zu Lachen hörte er dann auch wieder auf. Jetzt sah er die Engelhardt wieder wutentbrannt an. Nun geschah etwas, was sich niemand der drei je erträumt hätte. Vor allem aber nicht Kranich und Anna.
    "Sagen sie mal.. hat der Kerl alle ihre Hirnzellen aus ihnen rausgevögelt?!!.....unschuldig..." Anna riss die Augen auf. Tom hielt die Luft an. Semir schien alle Beherrschung über sich und das, was er sagte verloren zu haben.


    "Semir!! Ich bitte dich! Das ist jetzt genug!"
    "Was denn? Vielleicht steht sie ja auf Nervenkitzel und Handschellen! Und was kommt da besser als einen Killer im Bett zu haben?!" Tom konnte darauf nichts mehr sagen. Es verschlug ihm die Sprache. Die Engelhardt hatte ihre Stimme wiedergefunden.
    "Das geht zu weit Gerkhan!! Es ist mir egal, ob sie mir glauben oder es bleiben lassen! Aber jetzt sind sie übers Ziel hinaus geschossen!!"
    "Sie haben mir gar nichts zu sagen!!!" Semir war wieder aufgesprungen.
    "Semir, kommst du bitte mal mit raus?!" bat Tom seinen Partner. Widerwillig folgte Semir ihm.


    "Semir, was ist nur in dich gefahren?"
    "Was denn?!" motzte Semir.
    "Semir, du bist da drin gehörig übers Ziel hinaus geschossen!?
    "Lass mich bloß mit deinem Geschwafel in Ruhe!?
    "Semir, ich kann verstehen, dass du auf die Engelhardt sauer bist. Aber das war einfach zu viel."
    "Sauer??! Sauer nennst du das!!!?"
    "Beruhig dich! Wir gehen da jetzt wieder rein und du wirst nichts machen außer zuhören, verstanden?" mahnte Tom ihn.
    "Du hast mir nichts..."
    "SEMIR!"
    ?OK, OK...?
    Die beiden betraten den Verhörraum wieder. Tom schloss die Tür hinter sich. Dann stellte er das Tonbandgerät ab.
    "Semir... ich glaube, da könnte schon was dran sein... vielleicht." meinte Tom zu seinem Partner. Er hatte sich die Fakten noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Zum einen war da die Tatsache, dass Semir noch am Leben war. Ein Mann, der die Polizei monatelang an der Nase herumführte, wäre sicher nicht so dumm gewesen, die Tatwaffe bei sich zu lagern. Fingerabdrücke konnte man theoretisch fälschen. Und die Chefin hatte schon öfter den richtigen Riecher gehabt.
    "Was, fängst du auch mit dem "Lehmann ist unschuldig" Blödsinn an??" Semir glaubte seinen Ohren nicht. Auch die Chefin sah Tom überrascht an.
    "Semir, es könnte aber so gewesen sein. Ich meine, du lebst noch..."
    "Ja und?"
    "Ja, dann ist er vielleicht doch nicht in der Lage zu töten!"
    "Vielleicht hatte er einfach keine Lust, da zu töten, weil sein kleines Frauchen angefangen hätte zu kreischen." Tom gab es endgütig auf. Semir hatte sich augenscheinlich so verrannt, dass er nicht in der Lage war, noch etwas anderes zu denken.
    "Okay, ich glaube, das hat hier keinen Zweck." Tom überlegte noch einen Bruchteil einer Sekunde lang.
    Zwei Minuten später starrte die Engelhardt perplex auf das mit Toms und seinen eigenen Handschellen an die Heizung gekettete Häuflein Semir, das verzweifelt versuchte, die Packung Taschentücher auszuspucken.

  • Nachdem sie Semir im Verhörraum zurückgelassen hatten, waren Tom und Anna von der PAST geflohen und fuhren mit Toms Privatwagen in Richtung Düsseldorf. Keiner von beiden merkte, dass ihnen ein großer Geländewagen mit getönten Scheiben folgte.
    "Woher kommt der plötzliche Sinneswandel? Ihnen ist schon klar, dass sie einer mutmaßlichen Verbrecherin zur Flucht verhelfen?"
    "Eben, mutmaßlich. Solange nichts anderes bewiesen ist." Tom grinste sie kurz an. "Außerdem kann ich mir sie schlecht als Verbrecherin vorstellen."
    Tom nahm die nächste Abfahrt und folgte der Landstraße in Richtung Olpe. Plötzlich drängte der sie verfolgende Wagen sie von der Straße ab.
    "Was zum Teufel...!" fluchte Tom. Er versuchte alles, um den Wagen unter Kontrolle zu halten. Unglücklicherweise war die Leitplanke im Weg. Und als der Geländewagen sie wiederholt rammte, wurde sie bei der Geschwindigkeit zu einer Sprungschanze.
    Anna schrie auf und riss sich die Arme vors Gesicht. Der neben ihr sitzende Tom tat dasselbe. Bei dem Aufprall überschlug sich der Wagen mehrfach.
    Drei maskierte Männer sprangen aus dem Gel?ndewagen und holten die Verunglückten aus dem Auto. Beide waren sie nicht bei Bewusstsein. Der Mann hatte sich bei dem Unfall an der Schulter verletzt. Es blutete stark. Die Frau hatte ein Platzwunde über der linken Schläfe. Zwei der Männer packten Tom und brachten ihn in den Geländewagen. Der andere legte sich Anna über die Schulter und brachte auch sie in das Auto. Mit quietschenden Reifen entfernte es sich von der Unfallstelle.


    ***


    "Semir!" Aufgeregt stürmte Andrea in sein Büro.
    "Was ist denn...!?"
    "Sie haben Toms Wagen gefunden!"
    "Wo!?"
    "Auf einer Landstraße in Richtung Olpe. Sie hatten offenbar einen Unfall."
    "Wo sind Tom und die Engelhardt?" Andrea zuckte mit den Schultern.
    "Keine Ahnung, der Wagen war leer..." Ohne weitere Worte machte Semir sich auf den Weg zu der Unfallstelle.
    Kollegen und die Jungs von der Spurensicherung waren schon vor Ort. Als Semir ausgestiegen war, verschaffte er sich einen Überblick über das Chaos. Obwohl es nicht so schlimm war wie bei vielen anderen Unfällen, die er und sein Partner gesehen hatten. Trotz seiner Wut auf die beiden Flüchtigen lief es ihm kalt den Rücken herunter, als er das Auto sah.
    Der Wagen war völlig zerstört. Das Dach war eingedrückt und der Teil, wo vorher der Motor gewesen war, war nur noch halb so groß. Türen und Seitenkästen waren ebenfalls eingedrückt. Offenbar hatte das Auto sich mehrfach überschlagen.
    Semir ging zu Herzberger hinüber.
    "Hat man schon etwas gefunden?" wollte Semir wissen.
    "Die Kollegen von der Spurensicherung haben jede Menge gefunden. Du solltest zu Hartmut gehen. Aber hör mal, ist das wirklich wahr mit der Chefin? Ich kann das nicht glauben."
    "Es ist aber so" knurrte Semir. "Und jetzt entschuldige mich." Er machte sich auf den Weg zu Hartmut.
    "Hast du schon etwas gefunden?" fragte Semir erneut.
    "Einiges. Fangen wir doch vorne an der Straße an. Komm mal mit." Beide Männer entfernten sich ein Stück von der Unfallstelle.
    "Hier haben wir die ersten Reifenspuren gefunden. Diese hier," Hartmut deutete auf Spuren direkt vor seinen Füßen. "stammen höchstwahrscheinlich von dem verunglückten Wagen. Diese hier von einem zweitem. Die Spuren stammen von einem Reifen, der wesentlich breiter war. Vermutlich von einem Geländewagen. Wenn du mich fragst, ein Landrover."
    "Also haben wir einen Zeugen der den Unfall gesehen hat." schloss Semir daraus. Hartmut grinste besserwisserisch.
    "Der Zeuge war an dem Unfall beteiligt. Wir haben an dem Volvo Lackspuren sicher stellen können. Ich würde sagen: das Auto wurde abgedrängt." Semir sah ihn fragend an.
    "Warum sollte jemand den Wagen abdrängen?"
    "Das raus zu finden, ist dann deine Aufgabe. Ich sammel nur den Müll auf. Jedenfalls hat der zweite Wagen dann hier gehalten. Drei Leute sind ausgestiegen und sind zu dem Wrack hingelaufen. Der Boden ist sehr schlammig. Sie sind hingelaufen, aber nicht alleine zurück gekommen. Die Spuren, die hin führen sind nicht so tief wie die in die entgegen gesetzte Richtung. Sie haben also eine zusätzliche Last getragen." beendete Hartmut seinen Bericht und grinste ihn von oben herab an. Das war einiges.
    "Kannst du mir auch noch die Schuhgröße nennen, Winnetou?"
    "Hm... ich würde sagen, 42 oder 43. Farbe weiß ich leider nicht." Semir war wieder kurz davor, zu explodieren. Dann schaltete er jedoch wieder seinen Verstand ein.
    "Eine Entführung also."
    "Sehr wahrscheinlich, ja. Im Auto haben wir an den Sitzen und an den Armaturen überall Blut sichergestellt. Es ist unwahrscheinlich, dass die Insassen bei Bewusstsein waren, nach dem Flug."
    "Wenn die Auswertung der Fußabdrücke was ergeben hat, melde dich doch bitte bei mir."
    "Selbstverständlich. Auf Wiedersehen." Mit einem Nicken verabschiedete sich Hartmut von Semir. Dieser erteilt noch den Kollegen Anweisungen und fuhr dann zurück in die Zentrale.
    Semir setzte sich nachdenklich in sein Büro. Das passte einfach nicht zusammen. Warum wurden Tom und die Engelhardt entführt? Irgendetwas war hier oberfaul. Semir wusste nur noch nicht, was.
    Mittlerweile war es drei Uhr morgens. Semir beschloss nach Hause zu fahren und sich wenigstens für ein paar Stunden hinzulegen. Morgen würde er als erstes zu Lars Grote fahren.

  • Eine Stunde später wachte Tom, gefesselt und geknebelt, auf einem feuchten Betonboden liegend auf. Seine Schulter schmerzte stark. Langsam öffnet er seine Augen.
    Tom lag in einem Kellerraum, der nur ein kleines Fenster hatte. Neben ihm lag seine Vorgesetzte. Sie war noch nicht wieder zu sich gekommen. Tom spürte irgendetwas Spitzes, das ihn in die Seite stach. Die Fesseln um seine Hände waren schlampig gemacht.
    Nach fünf Minuten hatte er sich befreit. Als erstes griff Tom sich an die Stelle, wo er den stechenden Schmerz fühlte. Ein Stück Metall hatte sich in seinen Bauch gebohrt. Er biss die Zähne zusammen und zog es aus der Wunde. Ein leiser Schmerzensschrei entfuhr ihm. Nachdem er die Blutung mit seinem Hemd notdürftig gestillt hatte, wandte er sich zu der neben sich liegen den Frau.
    "Hallo! Hey! Aufwachen!? Tom ohrfeigte sie leicht. Sie zeigte nicht die geringste Reaktion. Nach einer Viertelstunde gab er es auf. Tom war selber noch zu schwach, sodass er wieder auf den Boden sank und einschlief.


    ***


    "...dies ist die Vodafone Mail-Box von 01745897441. Nach dem Signalton haben sie die Möglichkeit eine Nachricht zu hinterlassen....." Christoph legte wieder auf. Eigentlich hätte Anna ihn schon lange anrufen müssen. Irgendetwas musste schief gegangen sein. Er lehnte sich zurück in die Sitze. Christoph fror und war todmüde. Heute konnte er nichts mehr machen. Morgen musste man sehen, wie es weiter gehen sollte. Das war das Letzte, an das er dachte, bevor ihm die Augen zufielen.


    ***


    Tom wachte da gerade wieder auf. Auch er fror. Der Betonboden unter ihm war eiskalt. Erst jetzt sah er, was ihn geweckt hatte. über ihn gebeugt stand ein Mann. Sein Gesicht konnte Tom nicht sehen, da der Fremde eine Sturmhaube trug.
    "Steh auf! Nun mach schon!!" Unsanft wurde Tom hoch gezogen. Er und Anna, die immer noch nicht zu sich gekommen war, wurden in die Wohnräume des Hauses gebracht, in welchem sie sich befanden.
    Die beiden Polizisten wurden in einen Raum, in dem ein Sessel und eine Couch standen, gebracht. Ein Mann mit einer Tasche wartete bereits auf sie.
    Nachdem Tom in einen der Sessel verfrachtet worden war, kam dieser auf ihn zu und sah sich kurz seine Verletzungen an.
    Der Mann reinigte Toms Wunden, verband sie und spritzte ihm ein Mittel. Tom vermutete dass es eine Blutvergiftung vorbeugen sollte. Als der Arzt mit ihm fertig war, ging er zur Engelhardt hinüber, die auf der Couch lag.
    Zuerst hielt er ihr ein kleines Fläschchen unter die Nase, woraufhin diese nach ein paar Sekunden ihre Augen öffnete.
    Anna blickte sich verunsichert in dem Raum um. In einem Sessel zu ihrer Rechten saß Tom. Um sie herum standen vier Männer, alle maskiert. Einer von ihnen desinfizierte offenbar gerade eine Verletzung, die sie an der Stirn hatte. Es brannte einen kurzen Moment wie Feuer.
    Nachdem der Arzt ihr ein Pflaster auf die Stelle geklebt hatte, wurden sie beide von den übrigen Männern hoch gezogen und aus dem Raum gebracht. Allerdings ging es nicht zurück in den Keller sondern hoch in den vierten Stock. Sie mussten sich also in einem sehr großen Haus befinden. Der Raum, in welchen sie gebracht wurden, hatte ebenfalls nur ein kleines Fenster. Auf dem Boden lagen zwei alte Matratzen sowie zwei Decken.
    Unsanft wurden beide in den Raum gestoßen. Einer der Männer stellte noch ein Tablett, auf dem vier Brötchen und zwei Wasserflaschen lagen, ab, bevor die Tür verschlossen wurde. Tom besah sich sofort das Fenster und prüfte, ob die Tür auch richtig verschlossen war. Er musste aber feststellen, dass es kein Entkommen gab.

  • Unausgeschlafen und schlecht gelaunt kam Semir morgens gegen neun Uhr in der PAST an. Nachdem er sich erkundigt hatte, ob es irgendetwas Neues gab, machte er sich auf den Weg zum BKA.
    "Bonrath, du kommst bitte mit."
    Auf der Fahrt nach Düsseldorf fragte Dieter Semir nach allem was am gestrigen Tag geschehen war.
    ?Ich kann das alles noch nicht glauben! Die Chefin und Tom haben die Seiten gewechselt.... Warum?? fragte Dieter, als Semir zu Ende berichtet hatte.
    ?Ich weiß nicht, was in den Köpfen von solchen Menschen vorgeht. Und ich will es ehrlich gesagt auch gar nicht!?
    Mittlerweile waren sie vor den Gebäude des BKA angekommen. Die zwei Polizisten stiegen aus ihrem Wagen aus und gingen in das Haus. Innen wurden sie von einer schlecht gelaunten Sekretärin in Empfang genommen.
    ?Was wünschen sie?? fragte sie genervt. Semir wusste sofort, was sie alles an Andrea hatten. Sie war nie so unfreundlich und um einiges hübscher.
    "Guten Tag. Gerkhan, Kripo Autoahn. Ich suche Hauptkommissar Grote."
    "Herr Grote ist heute nicht hier. Er hat den Tag frei genommen. Was wollen sie denn von ihm?"
    "Das möchte ich ihm doch lieber selber sagen."
    "Dann kann ich ihnen leider nicht weiterhelfen... Sie entschuldigen? Ich habe zu tun..." Mürrisch drehte sich die Frau wieder um. Kopfschüttelnd gingen Bonrath und Semir zurück zu Semirs Dienstwagen. Auf der Fahrt nach Köln telefonierte Semir mit Andrea.
    "Andrea, kannst du mir mal bitte raussuchen, wo Lars Grote wohnt? Dieter und ich wollten ihm einen Besuch abstatten."
    "Klar, kann ich machen. Einen Moment kurz... Ich habs. Parkstraße 36 hier in Köln."
    "Danke dir. Sag mal, hast du heute Abend schon was vor...?
    "Nein, noch nicht. Aber ich weiß auch nicht, ob ich mit dir Essen gehen will.."Mit diesen Worten legte sie auf. Bonrath musste ein wenig grinsen.
    "Frauen, die soll man einer verstehen..." murmelte Semir vor sich hin.


    Grote wohnte in einem großem Haus. Es schien gerade erst gebaut worden zu sein.
    "Meine Güte! Was verdienen die beim BKA eigentlich?? fragte Semir.
    "Mehr als du und ich zusammen, wenn man das Haus hier sieht...? antwortete Bonrath ihm. Semir und er gingen auf den Eingang zu.
    Gerade als Semir klingeln wollte, fiel ein Schuss. Reflexartig zogen die Polizisten ihre Waffen.
    "Lauf du nach hinten und pass auf, dass niemand dort abhaut!" rief Semir Bonrath zu, bevor er die Tür eintrat. Vorsichtig schlich er von Zimmer zu Zimmer und prüfte, ob sich niemand darin befand. Im Wohnzimmer lag Grote auf dem Boden. Er hatte eine Einschusswunde in der Brust. Als Semir sich über ihn beugte, öffnete dieser kurz die Augen. Er gab Semir zu verstehen, sich runter zu beugen. Mit leiser, rauer, Stimme sprach er. Semir hatte Schwierigkeiten, es zu verstehen.
    "Im Keller..." Grote musste ein paar Mal Luft holen.
    "Was ist im Keller?" fragte Semir.
    "Werkbank... Video..." weiter kam Lars nicht mehr.
    "SEMIR! Der Schütze will vorne herum fliehen!? hörte Semir von draußen Bonrath rufen. Er ließ den Toten liegen und rannte zur Tür. Ein schwarzer Jaguar raste die Straße entlang. In Windeseile machte Semir sich an die Verfolgung.
    "Cobra 11 an alle! Verfolge schwarzen Jaguar auf der Frankfurterstraße in Richtung Autobahn! Erbitte dringend Unterstützung! Cobra 11 Ende!"
    Semir lieferte sich mit dem unbekannten Schützen eine wilde Verfolgungsjagd durch Köln. Der Flüchtige nahm alles mit, was ihm in die Quere kam. Auch in der Kölner Fußgängerzone nahm er den Fuß nicht vom Gas.
    "Der ist doch völlig durchgeknallt!!" rief Semir, als das vor ihm fahrende Auto mehrere Passanten streifte.
    An einer Kreuzung, kurz vor der Autobahn, hatte Semir den Flüchtigen fast eingeholt.
    "Jetzt hab ich dich!" dachte er sich voller Genugtuung. Leider hatte er einen LKWü?ber sehen, der von rechts kam und ihn nun ein paar Meter vor sich herschob. ?So eine verfluchte Scheiße!!!!? Wutentbrannt stieg Semir aus seinem BMW und sah zu, wie der Jaguar auf der Autobahn verschwand. Zum Glück war der BMW nicht allzu stark beschädigt, so dass Semir zurück zum Haus von Grote fahren konnte. Dort war inzwischen die Spurensicherung, ein Notarzt und zahlreiche Kollegen eingetroffen.


    Ohne zu zögern ging Semir in den Keller. Dort war er alleine. "Was hatte er gesagt?" murmelte Semir vor sich hin.
    "Werkbank... Video...? Er sah sich kurz um. An der Wand stand eine alte Werkbank. Er untersuchte sie, aber weder hatte sie Schubladen noch etwas unter die Platte geklebt. Auch im Werkzeugkasten fand sich nichts.
    "Wo kann man denn sonst noch was an einer Werkbank verstecken?!" Langsam glaubte Semir, dass Grote ihm nicht die Wahrheit gesagt hatte. Als er die Keller schon fast wieder verlassen wollte, fiel ihm auf, dass die Werkbank zweigeteilt war und die beiden Teile nicht ganz zusammen standen. Mit vereinten Kräften zog er eine zur Seite.
    Und tatsächlich wurde er fündig: In die Tischplatte hatte Grote einen Hohlraum geschnitten, und in diesem Hohlraum lag eine Videokassette.

  • "Was machst du da, Semir?" Bonrath war auch in den Keller gekommen. Blitzschnell ließ Semir die Kassette unter seinem Pulli verschwinden. Warum er das tat, wusste er selber nicht. Es war mehr ein Reflex als eine rationale Handlung.
    "Och, nur gucken... Hat die Spurensicherung schon etwas gefunden?" lenkte er ab.
    "Nein. Keine Fingerabdrücke oder sonstige DNA..."
    "Tja, da kann man nichts machen... Sag mal Dieter, braucht ihr mich hier noch?"
    "Nein, eigentlich nicht."
    "Gut, ich fühle mich nicht so gut. Wenn ihr hier noch etwas finden solltet, ruft mich doch bitte an."
    Semir lieh sich einen der Streifenwagen aus und fuhr in die PAST, um sich das dubiose Video anzuschauen.


    ***


    Es war bereits Mittag, als Christoph erwachte.
    "Was mache ich jetzt?" fragt er sich laut. Er hatte Hunger. Großen Hunger. Aber in einen Supermarkt gehen und sich etwas zu essen kaufen, war für ihn unmöglich. Zumal er auch kein Geld hatte. Nach kurzem Überlegen fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.
    "Natürlich... Ich Esel!" Er holte das Handy seiner Freundin hervor und wählte blitzschnell die Nummer einer der wenigen Leute, denen er trauen konnte und die an seine Unschuld glaubten. Gerade als er auf Anrufen drücken wollte hielt er inne. Was wäre wenn die falschen Leute dieses Gespräch mit anhören würden?
    "Mist!? fluchte er. "Aber egal. Wenn nicht über Telefon, dann eben persönlich."


    Semir kam gegen halb eins wieder auf der PAST an. Andrea kam sofort auf ihn zu gelaufen. Erwartungsvoll sah sie ihn an.
    "Ist der Jaguar schon gefunden worden?"
    "Ja. Der Wagen ist auf einem Parkplatz abgestellt worden. Keine Fingerabdrücke oder sonstiges."
    "Ein Profi..." schloss Semir daraus.
    "Habt ihr bei Grote irgendetwas gefunden?" wollte Andrea noch wissen.
    "Nein, bis jetzt nichts. Die Jungs von der Spurensicherung sind ja noch vor Ort. Vielleicht finden die noch etwas." Semir ging im Büro auf die Suche nach einem Videorekorder. Er wurde auch schnell fündig. Allerdings ließ sich das Ding auch nach mehrmaligem Draufhauen nicht dazu überreden, anzuspringen. Also holte er sich, als gestandener Mann, den Werkzeugkasten und begann den hilflosen Rekorder auseinander zu legen.
    Da Semir schwer beschäftigt schien, und man auch sonst nichts tun konnte, beschloss Andrea Mittagspause zu machen. Sie wollte sich ein wenig die Beine vertreten.
    Als sie sich ein Stückchen von der Zentrale entfernt hatte, wurde sie plötzlich in ein Gebüsch gezogen. Jemand hielt ihr die Hand vor den Mund, sodass sie nicht um Hilfe schreien konnte.
    "Sshh! Ganz ruhig... Ich bin es." hörte sie eine wohlbekannte Stimme hinter sich flüstern.
    "Bist du wahnsinnig hier aufzutauchen?" rief sie.
    "Leise! ... Es ging nicht anders..."
    ?"Christoph, wenn sie dich erwischen!!"
    "Ich weiß, aber anrufen war zu riskant... Wo ist Anna?" wollte Lehmann wissen. Andrea sah ihn jetzt wesentlich freundlicher an.
    "Entführt. Tom auch."
    "Was? Von wem und warum?"
    "Keine Ahnung. Es gibt nicht den geringsten Hinweis. Aber... Lars Grote ist tot. Er hat in deinem Fall ermittelt. Es scheint also mit dir zu tun haben."
    "Grote?..." fragte Christoph forschend nach.
    "Ja. Kennst du ihn?" wollte Andrea sofort wissen.
    "Anna erwähnte diesen Namen kurz.?
    "Gut. Christoph, du musst hier verschwinden."
    "Aber wohin?" fragte dieser.
    "Zu mir in die Wohnung. Ich bringe dich hin."
    "OK." Er zog sich seine Kapuze tief ins Gesicht.
    Es ging alles glatt. Ohne gesehen zu werden betrat Christoph Andreas Wohnung.
    "Ich muss wieder los. Nimm dir alles was du brauchst."
    "Danke Andrea.? Erschöpft ließ er sich auf die Couch im Wohnzimmer sinken. Die Frau, die ihm was bedeutete, war vermutlich seinetwegen entführt worden. Das hatte er bestimmt nicht gewollt. Er überlegte, ob es nicht besser sei, sich der Polizei zu stellen. Dann hätte wenigstens alles endlich ein Ende.


    Semir hatte sich inzwischen umentschieden. Der Versuch, den Videorekorder zu reparieren, war völliger Schwachsinn gewesen. Denn jetzt lag der in tausend Einzelteilen vor ihm, und er hatte keine Ahnung, welches Teil jetzt wo hin gehörte. Andrea, die gerade aus ihrer Mittagspause wieder kam, kam ihm daher sehr gelegen.
    "Andrea, kommst du mal bitte? Es ist wichtig." Neugierig, was Semir von ihr wollte, folgte Andrea dieser Aufforderung. Nachdem sie das Büro betreten hatte, schloss Semir sofort die Tür hinter ihr. Es schien also streng vertraulich zu sein.
    "Was gibt es denn?" fragte sie schließlich.
    "Also," begann Semir. "du hast doch einen Videorekorder, oder?"
    "Äh... ja, hab ich. Aber ich werde keinen Videoabend mit dir machen."
    "Nein, nein, aber... das Video hier hab ich bei Grote mitgehen lassen..."
    "Aha" Unterschlagene Beweise?"
    "Also so tät ich das jetzt nicht ausdrücken... aber... ja. Ich vermute, dass da was wichtiges drauf ist. Und...? Er schielte auf das zerlegte diensteigene Gerät.
    "Schön, aber bei mir ist das gerade ganz schlecht."
    "Andrea, es sind wichtige Beweise! Also komm schon!"
    "Ja, das... aber..." Semir hatte sich jedoch schon seine Sachen geschnappt und war auf dem Weg zum Auto. Andrea lief ihm hilflos hinterher.

  • "Semir," Bevor sie ihre Wohnungstür aufschloss, wandte Andrea sich nochmals an ihn. "Gib mir bitte deine Dienstwaffe."
    "Was soll ich?"
    "Gib sie mir oder ich lasse dich nicht rein! Und du siehst dein Video nicht!"
    "Aber..."
    "Gib sie her!" Widerwillig und sehr überrascht gehorchte Semir. " Okay. Erschreck dich jetzt bitte nicht..." Sie öffnete. Semir war sehr gespannt, was um aller Welt in ihrer Wohnung so schrecklich sein konnte.
    Christoph, der gehört hatte, wie die Tür aufgeschlossen wurde, lauschte im Wohnzimmer gespannt auf. Wenn das Andrea war, war sie viel zu früh. Leise stand er auf und schlich hinter die Tür. Man konnte ja nie wissen...
    Und sein Instinkt hatte ihn richtig geleitet. Es war nicht Andrea, die da ins Zimmer kam, sondern der Kleine von gestern Abend.
    Andrea blieb fast das Herz stehen, als Christoph wie der Teufel aus dem Kasten hinter der Wohnzimmertür hersprang und sich auf Semir stürzte.
    Der hatte nicht den Hauch einer Chance. Beide landeten hart auf dem Boden. Semir glaubte, sein Brustkorb müsste platzen, als sein Angreifer direkt auf ihm landete.
    "Schluss ihr beiden! Christoph, lass ihn los!" Der gehorchte nur sehr widerwillig. Semir rappelte sich stöhnend auf. Als er sah, wer ihn da überfallen hatte, griff er automatisch nach seiner Dienstwaffe. Andrea hielt sie zufrieden grinsend hoch.
    "Was geht denn jetzt ab?!" zeterte Semir los, doch Andrea unterbrach ihn.
    "Ich erklärs dir später! Und jetzt schau dir deine wichtigen Beweise an!"
    Semir entschied, dass es besser war, Andrea jetzt nicht zu widersprechen. Möglichst ohne Lehmann den Rücken zuzukehren, schob er das Video in den Rekorder. Die Qualität war mittelmäßig, aber man konnte trotzdem gut erkennen, was vor sich ging.
    "Das ist ein Rastplatz... hm." Auch Lehmann sah jetzt etwas interessierter auf die Mattscheibe. Semir spulte ein bisschen vor, bis ein Auto ins Bild gefahren kam.
    "Das ist Gernodts Auto!" rief Christoph plötzlich sehr aufgeregt.
    Zusammen sahen die Zuschauer, wie ein Mann den Ort des Geschehens betrat. Dieser zog plötzlich eine Waffe und schoss auf die Kamera. Das Bild flimmerte kurz, war danach aber wieder klar, wenn auch etwas verrückt. Und so wurden sie Zeugen, wie jemand anderes den fünffachen Mord beging, den nach bisherigen Ermittlungsergebnissen eigentlich Christoph hätte begehen müssen. Danach zog der Unbekannte eine kleine Plastiktüte hervor und verteilte etwas daraus in der Umgebung. Anschließend verschwand er in die Richtung, aus der er gekommen war.
    Semir stieß hörbar die Luft aus.
    "Also, ich sage... das gibt dem Ganzen einen neuen Anstrich." Auch Christoph atmete schwer aus.
    "Das... das... Das beweist meine Unschuld ja endlich! Das Video können wir dem Staatsanwalt zeigen!" Erleichtert lachte er auf.
    "Schon. Aber noch nicht jetzt. Ich werde das Gefühl nicht los, dass dieselben Leute, die Grote erschossen haben, auch Tom und die Chefin entführt haben..."
    "Aber wer sind denn die?" fragte Lehmann nun verzweifelt.
    Diese Kerle standen zwischen ihm und seiner Freundin und zwischen ihm und seiner Freiheit. Semir stützte das Kinn auf seine Hand und dachte kurz nach.
    ?Ich denke, dass es Leute sind, die über all dem stehen und die die Möglichkeit haben, solche Videos verschwinden zu lassen. Höhere Beamte vom BKA vielleicht..?


    ***
    Und weiter geht es!
    Vielen Dank für die Reviews!

  • Die Tür von ihrem Gefängnis wurde mit einem lauten Knarren aufgeschlossen. Kranich und seine Vorgesetzte sahen auf. Drei Männer betraten die kleinen Raum. Auch ihre Gesichter waren vermummt und sie trugen alle drei Maschinenpistolen.
    Als letztes betrat ein ca. 1,75m großer Mann mit dunklen Haaren und eisblauen Augen das Zimmer. Da er keine Maske trug, konnte man sehen, dass er breit lächelte. Anna erkannte ihn sofort wieder.
    "Jason..."
    "Hi!" begrüßte er sie, scheinbar blendend gelaunt. "Entschuldige bitte die Umstände, aber... na ja, ließ sich halt nicht anders machen."
    "Sie kennen den Kerl, Chefin?" fragte Tom verblüfft.
    "Klar, wir waren zusammen auf der Polizeischule. Hast du etwa nie von mir erzählt? Ich bin schwer enttäuscht" antwortete Jason Isaacson. Sein Lächeln hatte sich mittlerweile zu einem Grinsen ausgebaut.
    "Was willst du?" fragte Anna jetzt geradeheraus. Isaacson seufzte.
    "Immer noch die Alte. Aber gut." Das Lächeln fiel ihm aus dem Gesicht. "Wo ist Lehmann?"
    "Woher sollen wir das wissen? Der hat sich bei uns nicht abgemeldet!" brauste Tom auf.
    "Mit dir spreche ich nicht." Jason wandte die Augen nicht von Anna und fing wieder an zu lächeln. "Hättest du wohl die Güte?" Anna lächelte genauso charmant zurück.
    "Du bist der Letzte, dem ich das sagen würde." Jason ließ den Kopf hängen.
    "Das ist nicht nett von dir. Ich habe schließlich höflich gefragt"
    "Was willst du überhaupt von ihm?"
    "Ich bitte dich!" empörte er sich. "Christoph Lehmann ist ein Schwerverbrecher! Es ist meine Pflicht als BKA-Beamter den Bürgern gegenüber, einen solch gefährlichen Mann aus dem Verkehr zu ziehen!"
    "Sagen sie mal, haben sie n Rad ab?" fragte Tom dazwischen. Ein Wink von Isaacson, und einer der Männer trat ihm in die Rippen.
    "Ich mag keine Beleidigung" deklamierte Jason mit gekräuselter Nase. "Also, wo ist er?"
    "Leck mich am Arsch" keuchte Tom mühsam.
    "Nein Danke. Das ist ja eklig." Er wandte sich Anna wieder zu. "Hast du mir noch was anderes zu sagen?"
    "Du widerst mich an." Isaacson guckte wie ein getretener Hund.
    "Das war gemein! Ich hab schließlich auch Gefühle! Also gut. Ihr hattet eure Chance. Jetzt bin ich an der Reihe. Abführen!" Die übrigen Männer packten die beiden Gefangenen und brachten sie runter in den Keller.
    "Nicht so grob, ja? Das sind schließlich unsere Gäste. Halt!" befahl Isaacson. "Bringt sie nicht nach unten. Das mache ich persönlich. Geleitet sie nach oben. Ich komme gleich nach und kümmere mich um sie...? Jason wandte sich an Tom und die Männer, die ihn festhielten.
    "Macht ihn da fest."
    Tom wurde in der Mitte des d?steren Raum an zwei Ketten, die von der Decke herabhingen, fest gemacht.
    "Der Pulli.? kommandierte Isaacson weiter. Einer der Kerle schnitt Tom aus dem Pulli. Jason lächelte ihn grimmig an.
    ?Wollen wir doch mal sehen, ob sie nicht doch anfangen zu reden... Fangt an.? Die beiden Männer, die ihn fest gemacht hatten, stellten sich an den Rand des Raumes. Nun traten noch zwei weitere ein. Sie hatten keine Sturmhauben auf. Und waren oben rum nicht bekleidet.
    Tom musste schwer schlucken. Die Kerle hatten Muskeln, dass selbst Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone blass geworden w?ren. Isaacson nickte ihnen erneut zu. Sie fingen gleichzeitig an, auf Tom einzuschlagen. Nicht so, dass sie ihn ernsthaft verletzten, immer nur so, dass es möglichst starke Schmerzen verursachte. Tom schrie auf. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, bis er Isaacsons Stimme erneut hörte.
    ?Wo ist Lehmann?? flüsterte er Tom ins linkes Ohr. Tom schwieg weiter. Er lag erschöpft in den Ketten, die ihn an der Flucht hinderten.
    ?Nein? Müssen wir ihnen noch mehr helfen sich zu erinnern? Wie sie wollen... weiter machen.? Jason ging zur T?r. Er wandte sich an einen seiner höheren Mitarbeiter. Juan Pablo Verta.
    "Sollte er noch immer nicht reden, legen sie ein Eisen nach... Nach oben hin gibt es nur die Grenze, dass er nicht sterben darf. Noch nicht.? Der schwarzhaarige Kolumbianer mit dem Zopf nickte und Isaacson verließ den Raum. Verta gab den beiden Folterknechten den Befehl zum weitermachen. Erneut betrat Tom eine Hölle aus Schmerzen.
    Toms Körper fühlte sich taub an. Er merkte erst gar nicht, dass die Kerle von ihm abgelassen hatten. Ihm tat alles einfach nur noch weh.
    "Wo ist Lehmann?" hörte er erneut jemanden fragen. Er wandte diesem jemand seinen Kopf zu.
    "Du kannst mich mal!" Tom spuckte dem Mann vor die Füße.
    "Na schön... wie sie wollen!" Juan drehte sich zu einem der Umstehenden. "Macht das Eisen heiß"... Tom wurde schlecht, als er das hörte. Er wollte jetzt auf der Stelle das Bewusstsein verlieren.
    "Ich weiß nicht, wo Lehmann ist!? brü?llte Tom verzweifelt. Seine Peiniger grinsten bloß? selbstzufrieden.


    ***


    "Ihr geht jetzt raus. Das ist privat" wies Isaacson zwei Stockwerke höher Annas Bewacher an. Er wartete, bis sie den Raum verlassen hatten und ging dann zu seiner kleinen Bar.
    "Möchtest du was trinken? Wasser, Saft... Champus hab ich auch..."
    "Was willst du von mir?" Das freundliche Getue ihres Ex-Kollegen beunruhigte Anna langsam aber sicher.
    "Ein bisschen über die alten Zeiten plaudern... und wissen, wo Lehmann ist.?
    "Wie kommst du darauf, dass ich weiß, wo Lehmann ist??
    "Weißt du... ich habe von deiner Verhaftung erfahren. Und du warst doch sonst immer so korrekt. Also?"
    "Ich weiß es nicht."
    "Eine Frau sollte wissen, wo ihr Mann ist... das ist kein gutes Omen für eure Beziehung. Obwohl sie ja allgemein unter einem ziemlich schlechtem Stern steht."
    Als Anna auch darauf nicht reagierte, zuckte Jason gleichg?ltig mit den Schultern.
    "Hör mal, meine Leute bringen deinen Kollegen gerade zum Reden. Irgendwoher werde ich die Information, die ich haben will, schon bekommen.? Er sah sie auffordernd an.
    "Tom weiß nicht wo sich Christoph aufhält! Er hat mit der ganzen Sache nichts zu tun!!"
    "Hat er nicht? Oh, das tut mir leid. Das wusste ich nicht. Dann wird er also völlig umsonst gefoltert! ärgerlich." Sein "Gast" riss entsetzt die Augen auf.
    "Lass ihn gehen, verdammt noch mal!"
    "Nein. Aber wenn du mir sagst, wo Lehmann ist, dann werde ich meinen Leuten sofort sagen, dass sie aufhören sollen. Du kannst deinem Untergebenen also einen riesengroßen Gefallen tun und ihm einige Schmerzen ersparen." Er lächelte sie freundlich an.
    "Um Gottes Willen Jason, ich weiß es nicht!"
    "Das sagtest du bereits. Und das ist nicht die Antwort, die ich hören will!"
    "Jason ich..."
    "Halt den Mund!" unterbrach er sie schroff und kam mit schnellen Schritten auf sie zu. Als er sich vor sie kniete, lächelte er wieder freundlich.
    "Ich formuliere es vielleicht einfach mal anders: Du kannst nicht nur deinem Kollegen, sondern auch dir eine ganze Menge ersparen. Und es ist so einfach. Nur ein paar Worte...? Anna wich in Panik so weit es ging von ihm zurück.
    "Also. Ein letztes Mal: Wo finde ich Christoph Lehmann?"
    "Warum er?" fragte Anna ihn anstatt zu antworten. Dass das ein Ablenkungsmanöver war, war offensichtlich, aber Jason ging trotzdem darauf ein.
    "Och, das ist eine lange Geschichte. Ich bin mit ihm zusammen zur Schule gegangen. Der gute Christoph hat mir mit seiner Clique das Leben zur Hölle gemacht. Hat er dir das gar nicht erzählt? Er war wirklich böse und gemein zu mir.? Er krempelte seinen Hemdsärmel hoch. "Siehst du die Narbe da? Die hab ich wegen Christoph. Seinetwegen hat mich mein Vater ziemlich durch die Mangel genommen, nachdem er unser Auto zu Schrott gefahren und mir im gleichen Zug auch noch die Freundin ausgespannt hat."
    "Und was kann ich dafür?"
    "Stimmt... eigentlich gar nichts. Aber Christoph hatte meine Freundin... und jetzt nehme ich mir seine vor. Hilsdorf war uns schon lange eine Last am Bein und eine Bedrohung. So konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen." erklärte Isaacson.


    Anna handelte in einer Kurzschlussreaktion. Mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, stieß sie ihren Kidnapper vor die Brust. Der fiel nach hinten über. Sie nutzte diese Chance und flüchtete durch die Tür. Die zwei Männer davor, die aufpassen sollten, waren so überrascht, dass sie einige Sekunden brauchten, um ihr zu folgen.
    Anna rannte den Flur entlang. Hinter ihr schoss einer der Männer eine Salve auf sie ab, bis Isaacson brüllte.
    "Schieß doch nicht, du Vollidiot!" Sie floh die Treppe hinunter ins Erdgeschoss. Da endete ihre Flucht allerdings abrupt, als nämlich Verta aus dem Keller kam. Sie rannte in ihn hinein und beide kamen zu Fall. Anna versuchte sich freizutreten, doch der Kolumbianer hielt sie eisern fest, bis die zwei Bewacher von oben sie ihm abnahmen.
    Isaacson erwartete sie im Gang.
    "Okay, eine Etage höher. In mein Zimmer." Trotz aller Gegenwehr wurde Anna in den betreffenden Raum gebracht. Die Männer ließen sie erneut mit Isaacson allein. Der schloss die Tür sorgfältig ab und legte den Schlüssel auf den hohen Schrank, ehe er sich ihr zuwandte. Sein Lächeln schickte ihr einen kalten Schauer den Rücken hinunter. Ohne Vorwarnung holte er aus und schlug ihr mit dem Handrücken ins Gesicht.
    Als sie wieder klar denken und sehen konnte, war sie bereits mit Handschellen am Kopfende seines Bettes festgemacht.


    ***


    Hrm... Reviews?

  • Vor Toms Augen wurde der Eisenstab erhitzt. Ein langer Stiel. Unten dran war ein Quadrat befestigt, welches jetzt orange glühte. Wie in Zeitlupe sah Tom, dass einer der Männer das Eisen aus der Glut nahm und damit auf ihn zu kam. Dann fühlte Tom einen markerschütternden Schmerz an seinem rechtem Oberarm. Er schrie so laut er konnte.
    Es roch nach verbranntem Fleisch. Sein eigenes. Das heiße Eisen brannte sich in seine Haut und Muskeln ein. Langsam. Ganz Langsam. Seine Haut wurde an der Stelle schwarz. Es zischte.
    Nach etwa 5 Sekunden hörte es auf, nur um kurz darauf an einer anderen Stelle zu beginnen. Irgendwann lag das Eisen endlich vor seinen Füßen. Der Schmerz war aber immer noch so stark wie vorher. Einer seiner Folterer trat zu ihm und streute ihm etwas in die frischen Wunden. Tom schrie erneut auf. Es war Salz. Von ganz weit weg hörte er eine Stimmen.
    "Wo ist Lehmann?" Tom hätte geantwortet, wenn er es denn gewusst hätte. Doch in diesem Moment wurde es schwarz vor seinen Augen.


    ***


    Isaacson musterte sein Opfer mit Genugtuung. Er liebte es, Angst in den Gesichtern anderer Menschen zu sehen.
    Wie ein Raubtier, das sich seiner Beute sicher ist, tigerte er um das Bett. In aller Seelenruhe knöpfte er sein Hemd auf, legte es zur Seite, setzte sich hin und band seine Schuhe auf.
    ?Ich hasse Dreck im Bett? erklärte er entschieden während er seine Socken abstreifte. ?Frühstücken müssen wir morgen fr?h also leider wo anders.? Anna starrte ihn nur mit aufgerissenen Augen an. Gen?sslich löste er seinen Gü?rtel.
    Geschmeidig krabbelte er aufs Bett und setzte sich rittlings auf sein Opfer. Aus seinem Nachtschrank holte er ein Messer hervor.
    Mit der stumpfen Seite fuhr er an ihrer Kehle entlang. Sie fing an vor Angst zu zittern und Trä?nen liefen ihr die Wangen herunter. Das erregte ihn ungemein. Er grinste.
    Isaacson trennte nun jeden einzelnen Knopf der Bluse seines Opfers ab. Dann fuhr er mit der Klinge über ihren Bauch- und Brustbereich.
    ?Bitte nicht... Ich flehe dich an... Bitte!? hö?rte er Anna winseln. Das erregte ihn nur noch mehr. Er konnte nicht mehr warten. Die Mü?he, ihre Hose zu öffnen machte er sich nicht. Isaacson schlitzte ihr sie lieber auf.
    Voller Verzweiflung schloss Anna ihre Augen. Sie wollte dass es aufhörte. Dass dies alles nur ein schlimmer Albtraum w?re und sei gleich in ihrem Bett neben Christoph erwachen w?rde. Doch dem war nicht so.
    Eine kalte Stimme befahl ihr die Augen zu öffnen. Anna folgte diesem Befehl nicht.
    ??ffne deine Augen!!!? hörte sie die Stimmen erneut sagen. Sie tat es nicht.
    Als nä?chstes fühlte sie einen brennenden Schmerz unterhalb ihres Schlüsselbeins. Warmes Blut lief ihr die Brust herunter. Isaacson sprach erneut.
    ??ffne deine Augen!! Oder muss ich sie dir ausstechen?? Anna f?hlte die Klinge des Messers an ihrer Wange. Sie ?ffnete die Augen und sah die blutige Klinge nur wenige Zentimeter vor ihrem Auge. Isaacson l?chelte b?se.
    ?Und du lässt sie auch auf, verstanden? Sonst...? Er kam mit der Klinge noch ein wenig n?her. Die Befriedigung seiner Lust fand er nicht in dem eigentlichen Akt selber, sondern in der Demütigung seines Opfers. Die Demütigung, die er in den Augen ablas.
    Dann drang er ein. Er durchbrach jeden Widerstand mit purer Gewalt. Isaacson stieß zu. Immer und immer wieder. Anfangs langsam. Er wollte sich doch nicht sofort verausgaben, sondern viel Zeit haben und es in allen Zßgen voll und ganz genie´ßen. Später wurde er immer schneller und stieß fester zu.


    Verta, der gerade den Raum betreten wollt, hielt inne. Von innen hörte man eine Frau schreien. Juan wusste, dass er da jetzt besser nicht reinplatzen sollte. Er konnte sich das Szenario gut vorstellen. Er kannte Jason jetzt schon lange genug und so mit auch seine Vorlieben. Die Bestätigung kam mit dem Stöhnen eines Mannes, das Juan als nächstes hörte. Er wartete geduldig. Nach gut sechs Minuten war Ruhe. Verta wartete noch eine Minute bis er die Tür öffnete.
    Jason war über die Polizistin gebeugt. Ein Messer in der Hand. Verta konnte von Weitem erkennen wie der Körper der Frau bebte.
    "Was gibt es, Juan?? fragte Isaacson mit ruhiger Stimme.
    "Der Bulle unten ist bewusstlos. Was sollen wir jetzt mit ihm machen?"
    "Hat er das Maul auf gemacht?? wollte Jason noch wissen.
    "Nein. Noch nicht. Aber ich glaube, das wird er nicht mehr tun. Ich glaube, der weiß wirklich nichts."
    "Geh wieder runter. Ich komme gleich nach." Verta nickte kurz und verließ dann den Raum.



    Danke fü?r die reviews!!!!!! :baby: :D

  • Isaacson sah auf Anna nieder.
    ?Er wei? also wirklich nichts. Dumm gelaufen, w?rde ich sagen. Bleibst also wirklich nur noch du.? Er l?ste kurz eine Handschelle und drehte Anna auf den Bauch. Anschlie?end entfernte er die ?berreste der Bluse. ?Ein h?bscher R?cken kann auch entz?cken? grinste er zufrieden und nahm sich seinen Lederg?rtel.
    Das Leder hinterlie?e rote, breite Striemen auf ihrem R?cken. Anna dr?ckte ihr Gesicht in die Kissen, damit man ihre Schmerzenschreie nicht h?rte.
    Nach mehreren Hieben h?rte er auf und beugte sich vor.
    ?Wo ist Lehmann?? fragte er dicht neben ihrem Ohr, so das sie seinen Atem auf ihrer Haut f?hlen konnte. Engelhardt reagiert nicht.
    ?Du bist so dumm, Anna. So unendlich dumm...? Jason nahm nun das andere Ende des G?rtels in die Hand, so dass er mit der Schnalle zuschlagen konnte.
    Die Schnalle hinterlie? blutige Striemen. Anna war kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren. Nach einiger Zeit h?rte es erneut auf und Isaacson beugte hauchte ihr wieder ins Ohr:
    ?Noch mal: Wo ist Lehmann?? Wieder zeigte sie keine Reaktion auf seine Frage. Ihr Peiniger war mit seiner Geduld am Ende.
    W?tend sprang er auf und schlug dieses Mal kr?ftiger zu, so dass das Metall eine tiefe Fleischwunde hinterlie?.
    Dann ?berlegte Jason es sich, diabolisch grinsend, allerdings anders. W?rde er so weiter machen, w?re sie tot, ehe sie reden konnte.
    Er setzte sich auf die Bettkante. ?Ich glaube das bringt uns so nicht weiter. Ich gebe dir jetzt noch eine Chance: Wenn du mir sagst, wo ich deinen Lover finde, dann lasse ich dich in Ruhe. Sagst du es mir nicht, ?berlasse ich dich meinen M?nnern...? Er wartete kurz und fuhr dann fort:
    ?Hier im Haus sind zur Zeit 28. Insgesamt sind es 54. Und glaub mir, die meisten hatten schon lange keine Frau mehr...?
    Er musterte sie gen?sslich. Anna hatte das Gesicht zur Seite gedreht und starrte ihn aus vor Angst schwarzen Augen an.
    ?Es ist ganz einfach. Du muss mir nur sagen, wo ich ihn finde...? Isaacson strich ihr eine Str?hne aus dem Gesicht.
    ?Ich wei? es nicht...? Sie weinte bitterlich. ?Er ist geflohen und ich bin aufs Pr?sidium gebrachte worden..?
    ?Shh...? Er legte ihr einen Finger auf den Mund und sch?ttelte l?chelnd den Kopf. Dann stand er auf und ging zur T?r
    ?Nein!? Anna kreischte panisch und begann an ihren Fessel zu r?tteln.
    ?JUAN!? t?nte Jasons Stimme durchs Haus. Es dauerte einen Augenblick, bis der Kolumbianer den Raum wieder betrat.
    ?Juan, mein Freund. Unseren Gast kennst du ja bereits. Ich lasse euch zwei am besten gleich alleine.?
    Verta sah ihn fragend an.
    ?Na...? Isaacson machte eine entsprechende Geste. Juan hob eine Braue und sah zum Bett hin?ber.
    ?Nu los!? dr?ngte sein Boss weiter. ?Hab deinen Spa?...?
    Anna wusste sich nicht mehr anders zu helfen, um dieser erneuten Qual und Dem?tigung zu entgehen.
    ?Andrea...? brachte sie schluchzend hervor. Jason lauschte auf.
    ?Tut mir leid, Juan... Ich glaube, das hat sich erledigt. Warte kurz.? Verta zuckte nur mit den Schultern, w?hrend Isaacson sich wieder auf die Bettkante setzte.
    ?Was sagtest du da gerade??
    ?Andrea... es k?nnte sein, dass sich Christoph bei ihr gemeldet hat...?
    ?Und wo finde ich diese Andrea?? Anna nannte ihm die Adresse.
    ?Gut. Braves M?dchen.? Fast schon z?rtlich strich er ihr die Tr?nen aus dem Gesicht.
    ?Juan, schick nach dem Doktor. Er soll sich um sie k?mmern.? W?hrend er das sagte, nahm er Anna die Handschellen ab.
    ?Du wirst doch wohl hier bleiben, oder?? Jason stand auf, verlie? mit Verta den Raum und schloss die T?r hinter sich ab.


    ***



    Tom hing immer noch bewusstlos in den Ketten. Einer seiner Peiniger hatte einen Eimer Wasser in der Hand, den er jetzt ?ber Tom entleerte.
    Da war er wieder. Dieser brennende Schmerz, der alles andere in den Schatten stellte. Tom ?ffnete die Augen nicht.
    Er wollte nicht, dass seine Peiniger wussten, dass er wieder zu Bewusstsein gekommen war. Wollte nicht, dass sie ihm diese Qualen nochmals bereiteten. Tom h?rte wie Isaacson sprach.
    ?Er ist noch nicht wach?? Er hatte wohl gerade erst den Raum betreten. Nun sprach der Mann, der ihn gefoltert hatte.
    ?Nein, aber das haben wir gleich...? Tom merkte, wie sich neben ihm jemand bewegte. Dann knallte hinter ihm eine Peitsche.
    ?Nein!!? schrie er innerlich. Blitzschnell ?ffnete er seine Augen. Vor ihm stand jedoch keiner...
    der Mann, der die Peitsche in H?nden hielt, sah nicht, das Tom schon wieder zu sich gekommen war. Er schlug zu. Das Leder hinterlie? einen blutigen Striemen auf Toms Haut.
    Tom schrie erneut auf. Wieder schlug die Peitsche zu.
    ?Ich wollte nur sicher gehen, dass sie auch wirklich wach sind...? sagte er zu Tom.
    ?Ihre Chefin hat gerade den Mund aufgemacht. Es war zwar nicht ganz einfach sie dazu zu ?berreden, aber wir wissen jetzt, was wir wissen wollten.? informierte ihn Isaacson kurz. Anschlie?end wandte er sich an einen der M?nner.
    ?Schafft ihn wieder in seine Zelle.?



    Na? :D

  • Semir konnte die Nacht nicht schlafen. Warum, wusste er selber nicht. Irgendetwas in seinem Inneren lie? ihn keine Ruhe finden. Auch Christoph, der auf der andere Couch im Raum lag, konnte nicht schlafen. Die Ungewissheit ?ber den Aufenthaltsort und das Befinden von Anna machten ihn wahnsinnig.
    Semir war es, der als Erster aufstand. Er ging hinaus auf den Balkon. Die kalte Luft tat ihm gut. Die Stra?e vor dem Haus war wie ausgestorben. Hin und wieder fuhr ein Auto dort entlang. Semir beobachtete die Stra?e noch eine ganze Weile. Er wollte schon gerade wieder rein gehen, als ihm drei Autos, die ohne Scheinwerfer fuhren, auffielen. Aus den Wagen stiegen zehn M?nner. Ihre Gesichter konnte Semir nicht erkennen, da sie vermummt wahren.
    Semir reagierte genau richtig und blitzschnell. Er rannte zur?ck in die Wohnung.
    ?Wir m?ssen hier weg! Sofort!? rief er Lehmann zu, der auf der Couch sa?. Dann rannte er weiter in das Schlafzimmer, wo Andrea schlief. Er weckte sie, und die drei verlie?en die Wohnung.
    Semir griff ohne nachzudenken nach der Videokassette, die im Wohnzimmer auf dem Tisch lag. Sie rannten ein Stockwerk h?her.
    ?Ruhe jetzt!? befahl Semir. Keiner r?hrte sich.
    Sie h?rten, wie unter ihnen die T?r aufgebrochen wurde. Das war ihre einzige Chance. W?hrend die M?nner in Andreas Wohnung waren, rannten die drei so schnell sie konnten durch das Treppenhaus hinunter.
    ?Da laufen sie!!? h?rten sie hinter sich jemanden rufen. Das lie? die drei nur noch schneller werden. Lehmann, der die l?ngsten Beine hatte, vorne weg. Auf der Stra?e angekommen rannte sie zu Semirs BMW. Semir sprang auf den Fahrersitz. Andrea und Lehmann nahmen auf der R?ckbank Platz. Mit durchdrehenden Reifen setzte sich der Wagen in Bewegung.
    Die unbekannten Eindringlinge hatten jedoch genau so schnell reagiert und verfolgten die Fl?chtigen jetzt.

    Mit allem, was der Wagen hergab, raste Semir durch die Stra?en.
    ?Was wollen die von uns?? fragte Andrea. Semir zuckte mit den Schultern
    ?Ich wei? es nicht. Vielleicht sind das Leute vom BKA...? In diesem Moment fingen ihre Verfolger an auf sie zu schie?en. Instinktiv zogen alle drei ihre K?pfe ein.
    ?W?rde das BKA auf uns schie?en?? fragte jetzt Lehmann.
    ?Nein... die sind nicht vom BKA!? antwortete Semir, als er den Wagen gerade um eine Kurve man?vrierte. Die n?chsten Sch?sse lie?en die Heckscheibe zerspringen. ?Das reicht jetzt!? Semir wandte sich an Christoph. ?K?nnen sie hiermit umgehen?? Er reichte ihm seine Waffe. Lehmann guckte skeptisch.
    ?Ich denke doch...? Christoph nahm die Waffe in die Hand.
    ?Wenn es eben geht, versuchen sie auf die Reifen zu zielen.? Lehmann gab sich alle M?he. Da er aber kein ausgezeichneter Sch?tze war und Semirs Fahrstil auch nicht gerade f?r einen Pr?zisionsschuss geeignet, traf er die Reifen nicht. Ein Magazin hatte er schon verschossen. Sie hatten auch nur noch eins.
    Andrea sah hilflos zu, wie Lehmann auch die n?chste Sch?sse ins Lehre abgab. Es reichte ihr. Sie nahm die Waffe selber in die Hand.
    ?Was soll das...? protestierte Christoph. Andrea zielte nicht auf die Reifen. Sie wusste sehr wohl, dass auch sie keine Chance hatte, diese zu treffen. Nein, sie zielte auf die Motorhaube des ersten Wagens, der sie verfolgte. Nachdem sie zwei Sch?sse abgefeuert hatte, die ihr Ziel getroffen hatten, wurde der Wagen langsamer. Im n?chsten Moment explodierte er in einer gewaltigen Detonation. Andrea hatte den Motorblock getroffen.
    Lehmann und Semir sahen sie mit offenen M?ndern und gro?en Augen an.
    ?Was denn? Glaubt ihr etwa, dass Frauen so was nicht k?nnen? Oder dass ich so etwas nicht kann?? fragte sie lauernd.
    Verta musste heftig auf die Bremse treten und das Steuer rum rei?en, um dem explodierenden Wagen auszuweichen. Der Wagen geriet ins Schleudern und ?berschlug sich zweimal. Auch der nachfolgende Wagen kam von der Fahrbahn ab. Verta fluchte auf Spanisch laut vor sich hin. Der BMW war um die n?chste Ecke gebogen und war verschwunden.


    ***


    Tom war wieder in das kleine Zimmer mit nur einem Fenster gebracht worden. In dem schwach erleuchteten Raum besah er sich seinen Oberarm. Die Stellen, wo das hei?e Eisen ihn gebranntmarkt hatte, war schwarz und stank nach abgestorbenem Fleisch. Er wusste dass diese Wunden m?glichst schnell ?rztlich behandelt werden musste. Sonst w?rde sie sich entz?nden.
    Tom legte sich auf einer der Matratzen, sprang aber fast im selben Moment wieder hoch. Vor Schmerzen. Er konnte sich nicht auf den R?cken legen.
    Tom hatte jegliche Hoffnung aufgegeben, dass er aus dieser ganzen Sache lebend hervorgehend w?rde.
    ?Wer findet uns schon hier?? fragte er sich laut.



    :( Feedback?

  • Anna lag in Isaacsons Zimmer auf dem Bett und starrte die Wand an. Sie hatte die Beine angezogen und die Decke fest um ihren K?rper gewickelt.
    Die Kraft, sich aufzurichten, hatte sie nicht. Ihr Unterleib schmerzte bei jeder noch so kleinen Bewegung nur noch mehr. Sie f?hlte sich elend, beschmutzt, benutzt. Wollte das Geschehene vergessen. Verdr?ngen. Es gelang ihr jedoch nicht. Die Bilder von Isaacson mit dem Messer ?ber ihr brannten sich in ihren Verstand ein. Auch jede seiner Ber?hrungen brannten wie Feuer auf ihrer Haut.
    Die T?r des Raumes, in dem Anna sich befand, wurde ge?ffnet. Sie h?rte, wie jemand den Raum betrat und die T?r hinter sich verschloss. Schritte n?herten sich dem Bett. Dann stand der Mann, der ihr all das angetan hatte, vor ihr. Isaacson l?chelte auf sie herab.
    Jason beugte sich zu ihr herunter und strich ihr die Haare aus dem Gesicht.
    ?Ich gebe zu, ich bin ein bisschen unentschlossen. Soll ich dich jetzt sofort umbringen oder noch ein bisschen hier behalten? Ich k?nnte dich auch ins Ausland bringen... nach Kuba oder so. Ich w?rde dir auch Gesellschaft leisten. Oder wir k?nnten heiraten, was h?ltst du davon?? Isaacson strahlte auf sie herab. ?Ganz viele kleine Kinderchen... vier schaffen wir doch noch, oder? Wenn wir sofort anfangen...? Anna sagte nichts. Sie drehte sich nur auf die andere Seite.
    ?Wie, zu wenig? Anna, du schmeichelst mir!? Er wartete einige Sekunden auf eine Antwort. ?Ja, wenn du dich nicht entscheiden kannst... ich finde Kinder ganz toll! Und ich w?re der f?rsorglichste Papa der Welt! Und da die Babys nicht vom Storch gebracht werden...? Er grinste diabolisch und drehte sie langsam herum.


    Der BMW raste noch immer durch die Stra?en. Erst jetzt nahm Semir den Fu? vom Gas.
    ?Sag mal Semir... sollen wir so rumlaufen? Im Schlafanzug?? meldete sich Andrea. Semir sah an sich runter. Er war nur mit T-Shirt und Boxershorts bekleidet. ?Fahr hier gleich mal rechts ran...? Semir tat wie ihm von Andrea befohlen. Der Wagen kam vor einer Boutique zu Stillstand.
    ?Andrea.? fragte Semir zweifelnd. ?Du willst da doch nicht einbrechen, oder??
    ?Bl?dsinn! Was denkst du von mir? Ich kenne die Besitzerin.?
    Eine gute Stunde sp?ter waren alle drei neu eingekleidet. Mittlerweile war es sechs Uhr morgens. ?Und? Was jetzt?? fragte Semir, als er wieder hinterm Steuer sa?. Lehmanns Magen legte ein Dauerknurren ein.
    ?Essen?? kam es von ihm hoffnungsvoll.
    ?Wie kannst du jetzt ans Essen denken?!?
    ?Ich nicht, aber mein Magen?
    ?Dann sag deinem Magen, er soll sich gedulden. Wir fahren jetzt zum Staatsanwalt!? Nun schaltete sich Semir ein.
    ?Zum Staatsanwalt? Bist du bescheuert?!!?
    ?Hast du eine bessere Idee wie wir Tom und die Chefin finden sollen?!?
    ?Warum? Wei? der Staatsanwalt wo wir die finden k?nnen?? Andrea verdrehte die Augen gen Himmel. ?Semir, versuch wenigstens halbwegs logisch zu denken! Die Leute, die uns diesen Besuch abgestattet haben, waren doch offensichtlich nicht vom BKA, LKA oder sonstigen polizeilichen Beh?rden. Au?erdem fahren wir mit jemandem am fr?hen Morgen spazieren, der ganz oben auf der Fahndungsliste steht. Und mit einem Besuch beim Staatsanwalt k?nnen wir das ?ndern!?
    ?Toll. Und dann??
    ?H?tten wir schon mal ein Problem weniger. Und wer wei?, vielleicht kommen die Entf?hrer dann ja aus ihren L?chern gekrochen.? Die Diskussion dauerte noch etwa eine Viertelstunde, doch dann stimmte Semir schlie?lich zu. Lehmann hatte bis jetzt still und brav auf der R?ckbank gesessen und das Ende der Streiterei abgewartet. Nun meldete er sich auch einmal zu Wort.
    ?Seit ihr sicher das dass eine so gute Idee ist...? Wenn die Entf?hrer sie dann doch t?ten oder ihnen etwas antun?? Die beiden auf den Vordersitzen drehten sich unisono um.
    ?Komm, lass das mal unsere Sorge sein, ja??
    ?Aber...? versuchte Christoph zu protestieren. Andrea sah ihn scharf an. Diese Blicke kannte er. Es w?re f?r ihn besser jetzt den Mund zu halten.
    Es dauerte nicht lange, bis sie das Haus des Staatsanwaltes Willmes erreicht hatten. Christoph zog sich vorsichtshalber die Kapuze ins Gesicht, als die drei die Auffahrt hinaufhuschten.
    ?Wer klingelt jetzt?? fragte Semir, als sie vor der T?r standen. Christoph stand neben ihm.
    ?Na, du. Du bist doch der Polizist von uns beiden.? antwortete dieser.
    ?Ja aber du willst doch wohl, das deine Unschuld bewiesen wird!? sagte Semir trotzig. Andrea war es, die vortrat und klingelte.
    ?M?nner! Habt ihr keine anderen Sorgen!? Die beiden sahen zu Boden. Es stimmte, was sie hier veranstalteten, war kindisch. Und nicht gerade angebracht.
    Im Haus ert?nten Schritte. Ein Staatsanwalt im Morgenmantel mit zerw?hltem Haar ?ffnete. Als er vor sich zwei ihm bekannte Gestalten und einen gro?en Unbekannten mit halb verborgenem Gesicht sah, blinzelte er zuerst ?berrascht, legte dann aber eine strenge Miene auf.
    ?Sie k?nnen doch wohl schon die Uhr lesen, Gerkhan?? Semir sah ihn von unten her an. ?Schon... aber wir haben da ein Video, das sie interessieren k?nnten...?
    ?Ihre Kindervideos interessieren mich nicht die Bohne? entgegnete Willmes barsch und wollte die T?r schon wieder schlie?en, als Lehmann die Kapuze absetzte. Die Augen des Staatsanwalts fielen ihm fast aus dem Kopf.
    ?Was zur H?lle bringen sie diesen Irren zum mir nach Hause?!?
    ?K?nnen wir jetzt rein?? Ohne eine Antwort abzuwarten schob Andrea den Staatsanwalt zur Seite und ging ins Haus. Lehmann folgte ihr auf den Fu?, Semir versuchte sich ein Grinsen zu verkneifen. Der Staatsanwalt eilte besorgt hinter ihnen her.
    ?Ins Arbeitszimmer bitte... die T?r, genau? Andrea pflanzte sich unverfroren auf den schwarzen Ledersessel vor dem Schreibtisch, w?hrend Lehmann stehen blieb. Ein wenig nerv?s nahm Willmes auf seinem Chefsessel Platz.
    ?Also, ?hm... was f?r ein Video wollten sie mir denn nun zeigen?? Semir suchte seine s?mtlichen Taschen ab, bis er das Video fand und auf den Tisch legte. Staatsanwalt Willmes nahm die Kassette widerwillig und legte sie in den Rekorder. Langsam klappte ihm die Kinnlade herunter.
    ?Also... also das ?ndert einiges... so wie es aussieht sind sie, ?hm... unschuldig, Herr Lehmann?? Christoph nickte grinsend. ?Dann... dann leite ich jetzt mal alles in die Wege, dass das auch der Rest der Welt wei?.?
    Es brauchte geraume Zeit, bis er alle Faxe an s?mtliche verantwortlichen Beh?rden verschickt und alle Telefonate gef?hrt hatte, doch dann, gegen elf Uhr, war Christoph ein freier Mann. Diverse Nachrichtensender strahlten bereits die gro?e Neuigkeit aus.


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  • Isaacson saß nach einigen Recht entspannten Stunden Schlaf in seinem Fernsehsessel, in der einen Hand eine großer Tasse feinsten Bohnenkaffee, in der anderen die Fernbedienung. Gerade als er den Fernseher anstellen wollte, klopfte es. Verta kam um die Tür geschlichen.
    "Ah, Juan, mein Freund? begrüßte Isaacson ihn freundlich, obwohl in seinem Innern bereits sämtliche Alarmglocken schrillten. So kam Verta eigentlich normalerweise nicht zur Tür rein, es sei denn, es gäbe etwas, was seinen Chef nicht sonderlich freuen würde. "Und, hast du sie?" Verta schluckte.
    "Nun... nein, habe ich nicht. Und wir haben... etwas dezimierte Reihen...?
    "Inwiefern dezimiert?" Isaacsons Stimme war ruhig, doch ein bedrohlicher Unterton schwang darin mit.
    "Fünf Männer sind... ähm... nicht mehr ganz lebendig... und zwei Autos sind auch hin?
    "Wo?? Verta sah die Kiefer von Jason mahlen.
    "In der Kölner... Innenstadt? Isaacsons Augen flackerten.
    "Und Lehmann und die Schäfer sind dir durch die Lappen gegangen, ja?"
    "Ja, aber sie waren nicht allein, der Kleine war auch bei ihnen."
    "Und wie genau habt ihr es geschafft, zwei Autos zu demolieren?"
    "Ja, also, da war.... die Frau hat uns den Motorblock zerschossen.....?
    "Die Frau...?" Wutentbrannt drückte Isaacson auf den roten Knopf der Fernbedienung.
    ?...wie Anwohner berichteten, lieferten sich die Autos zuvor eine Verfolgungsjagd mit einem BMW, aus dem geschossen wurde." verkündete eine weibliche Stimme.
    "Die Wagen?" knurrte Isaacson, und Verta nickte kleinlaut. Sein Chef knurrte, bei der nächsten Meldung jedoch rastete er aus.
    ?Heute Morgen scheint ziemlich viel los gewesen zu sein. Wir erhalten soeben die Nachricht, dass der entflohene Christoph Lehmann von den Fahndungslisten gestrichen worden ist! Seine Unschuld wurde durch dieses Video bewiesen, das aus einer Überwachungskamera stammt. Und nun stellt sich die Frage: Wer ist der wirkliche Täter??
    ?VERTA!!!? Der Fernseher zerbarst klirrend an der Wand. Anna, die im Nebenzimmer apathisch auf dem Bett gelegen hatte, fuhr zusammen, als sie nebenan Isaacson einen seiner berüchtigten Wutanfälle ausleben hörte.
    Er schrie zuerst, dann zerbrach etwas an der Wand, gefolgt von weiterem Klirren und Scheppern. Als Finale gab es ein metallisches Klirren, dann war wieder Ruhe.
    Jason hatte im Nebenzimmer die komplette Inneneinrichtung demoliert. Nur sein hei? geliebter Fernsehsessel war von seiner Wut verschont geblieben. Verta kauerte in einer Ecke, um nicht von einer der Vasen getroffen zu werden.
    Isaacson verließ den Raum mit einem Türeknallen, dass der Putz von der Decke rieselte. Auf dem Flur kam ihm ein anderer seiner Handlanger entgegen.
    ?...Boss? Wir haben ein kleines Problem...?
    ?Ich weiß, dass Lehmann frei ist! Und seine Unschuld bewiesen ist! Läuft ja überall in den Nachrichten!?
    ?Ach, er ist frei? Oh... dann haben wir noch ein Problem.?
    ?Und ich wei? auch, dass Vertas Visage gerade durch die gesamte Bundesrepublik flattert? Isaacsons Gegen?ber schrumpfte um ein paar Zentimeter mehr.
    ?Das auch? Boss, da ist aber noch etwas... Die letzte Lieferung Drogen ist an der russischen Grenze beschlagnahmt worden...? Isaacson trat den Mann die Treppe hinunter. Er brauchte etwas um sich abzureagieren. Aber woran?
    Da kam ihm die Erleuchtung. Er würde sich dafür rächen, dass Lehmann die Stirn hatte, zum Staatsanwalt zu eiern und ihm dieses Video vorzulegen. Und wenn er schon nicht Lehmann selbst kriegen w?rde, dann würde er zumindest dafür sorgen, dass es ihm leid täte, seine Unschuld bewiesen zu haben. Er hatte sich schon eine Teufelei zu recht gelegt...
    ?Jungs, bringt mal die Videokamera?


    Etwa eine Stunde später waren Andrea und Semir mit Christoph wieder in der PAST. Christoph schlich noch etwas vorsichtig durch die Räume. Er war sich nicht ganz sicher, ob alle wussten, dass er von s?mtlicher Schuld freigesprochen war. Es schien so, denn niemand sprang ihn mit Handschellen an oder legte irgendeinen Hinterhalt.
    Andrea saß bereits wieder auf ihrem Platz hinter dem PC, als ihr Telefon klingelte. In einer automatischen Handbewegung nahm sie den Hörer ab und meldete sich.
    ?Andrea Schäfer, Autobahnpolizei, guten Tag??
    ?Ah, da bist du also, Schätzchen? kam es hinterhältig vom anderen Ende der Leitung.
    ?Wie bitte??
    ?Tut nichts zur Sache. Sie haben Post. Und hol den Rübezahl Lehmann und den kleinen Zwerg, Schneewittchen?
    ?Wer ist da?!? Die Leitung war still. Nur das Freizeichen tönte.
    ?Wer war das?? fragte Semir, der jetzt hinter ihr stand.
    ?Ein irrer M?rchenfreak, glaub ich. Aber hol mal schnell Christoph ? Sie hatte ihr pers?nliches Postfach geöffnet, in dem tatsächlich eine Mail von einem ihr unbekannten Absender lag. ?Aschenputtel? las sie und sch?ttelte den Kopf. Der Mann musste irgendwelche Identifikationsprobleme haben. In Erwartung einer Sequenz aus Dornröschen öffnete sie den einen Anhang.
    ??Der Glö?ckner von Notre Dame?? grinste Semir, bevor er zur?ckschrak. Andrea unterdrückte ein Würgen.
    ?Das ist Tom? flüsterte sie. Als erstes sah man Tom in den Ketten hängen. Die Kamera zoomte auf sein geschundenes Gesicht. Sein linkes Auge war praktisch zugeschwollen, die Nase gebrochen, die Lippe aufgeplatzt und das Gesicht durch die zahlreichen Blutergüsse entstellt. Die nächsten Bilder waren von einzelnen Partien von Toms Körper, der mit schweren Blutergüssen übersät war, von mehreren Brandzeichen am rechten Oberarm und den Peitschenstriemen auf seinem Rücken. Das Auge der Kamera fiel auf einen Mann mit bloßem Oberkörper und Sturmhaube.
    ?Und jetzt wird der arme Quasimodo von den Bösen verhauen. Viel Vergnügen? ertönte es aus den Boxen. Die gesamte PAST war totenstill. Alle scharten sich um Andreas PC.
    Ein weiterer Mann trat ins Bild. Er hielt einen orange glühenden Eisenstab in der Hand, den er erst ein paar Mal vor Toms Gesicht schwenkte, um dessen Aufmerksamkeit zu erwecken. Tom hob erst den Kopf, als das Eisen drohte, ihm das Kinn zu versengen. Für einen Augenblick sah er direkt in die Kamera.
    Dann zoomte die Kamera wieder zurück, gerade in dem Moment, als das Eisen sich quälend langsam Toms linkem Oberarm näherte. Es zischte und Tom schrie laut auf. Manche der Beamten sahen weg, eine der Frauen stürzte zum Klo. Andrea sah wie versteinert auf den Bildschirm. Christoph ? Augen waren vor Entsetzen weit aufgerissen. Aus Semirs Kehle drang ein krächzender Laut. Dann stoppte das Bild.

  • Mit zitternden Händen öffnete Andrea den zweiten Anhang. Die Schöne und das Biest"
    Ein luxuriöser Raum wurde als erstes gezeigt. Erneut zoomte die Kamera. Sie zeigte nun in Großaufnahme ein Bett. Darauf lag Anna!
    Christoph umklammerte die Lehne von Andreas Stuhl so fest, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten. Ein maskierter Mann trat ins Bild. Er schlenderte ganz gemächlich auf das Bett zu. Der Mann zerrte Anna hoch und schleuderte sie von sich weg. Unsanft landete sie auf dem Boden vor seinen Füßen. Die Kamera zoomte wieder heran.
    Der Kerl fing an auf sie einzutreten. Zuerst nur gegen Arme und Beine. Dann zweimal in den Bauch- und Rückenbereich. Anna war ein vor Schmerzen stöhnender und wimmernder Haufen.
    Andrea zitterte vor Wut. Sie wollte sich das nicht länger ansehen. Dennoch blieb sie sitzen. Der Kerl packte Anna nun und schleuderte sie zurück auf das Bett. Wie ein Raubtier stürzte er sich nun auf sie.
    Man sah wie er sich runterbeugte und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Sie versuchte etwas zu sagen. Der Mann hielt ihr jedoch ein Messer an die Kehle.
    Christoph wurde es schlecht. Alles um ihn herum begann sich zu drehen. Das, was als nächstes geschah, sah er nicht mehr. Er nahm nur noch war, dass sich dort jemand bewegte. Christoph hörte den Rest nur noch. Das markdurchdringende Schreien der Frau, die er liebte und das Stöhnen eines Mannes.
    Dann war es ruhig. Etwas verzögert hörte er wie jemand sagte: ?Man sollte sich nicht mit mir anlegen. Es war t?richt von euch, das Video dem Staatsanwalt zu geben...? Auch dieser Anhang war nun zu Ende.
    Christoph musste sich setzen. ?Es ist deine Schuld! Du warst es, der zum Staatsanwalt gelaufen ist! Du bist Schuld an all dem!? redete er sich immer wieder selber ein.
    Um ihn herum war es totenstill. Semir war der Erste, der sich wieder bewegte. Ihm war etwas aufgefallen. Erneut öffnete er den zweiten Anhang. Vorher hatte er jedoch die Boxen ausgeschaltet. Er spulte vor. Plötzlich stoppte er das Band.
    Semir stellte fest, dass er sich nicht verguckt hatte. Er wandte sich an Andrea, der immer noch das Entsetzen im Gesicht stand.
    ?Andrea. Kannst du das Bild vergrößern und heranzoomen?? fragte er vorsichtig. Andrea sah ihn noch entsetzter an. ?Kannst du das?? fragte Semir jetzt eindringlicher. Andrea nickte. Semir zeigte auf die Stelle, auf die er es abgesehen hatte.
    Kurze Zeit später druckte der Computer den Oberarm von Annas Peiniger aus. Der Ärmel des T-Shirts war hochgerutscht und gab den Blick auf eine merkwürdige Narbe frei. Eigentlich waren es mehrere, aber selbst mit den Lücken dazwischen bildeten sie einen perfekten Kreis.
    ?Na ja... immerhin etwas...? murmelte Semir und legte das Blatt auf den Tisch. Christoph kam gerade von der Toilette zurück und spülte sich den Mund mit Wasser, um den widerlichen Geschmack loszuwerden. Danach nahm er das Blatt apathisch in die Hand, einfach um irgendetwas zu tun.
    Er stutzte, sah genauer hin, und plötzlich arbeitete sein Gehirn unglaublich klar und präzise.


    Als ob es gestern gewesen wäre, erinnerte er sich an eine Spritztour in einem fremden Auto, mit einem Mädchen, das nicht seine Freundin war. Ganz nüchtern war er nicht gewesen, und so hatte er beim Einparken den kleinen Grenzstein hinter dem Auto einfach übersehen und sich den hinteren Unterboden aufgerissen. Zum Glück konnte die Kiste noch fahren, denn so nahm er noch den Zaun des Nachbarn mit, ehe er das Auto seinem eigentlichen Besitzer vor die Haustür stellte. Dessen Sohn hatte sich das Auto eigentlich geliehen, aber zum Fahren war er nie gekommen. Ehe er sich versehen hatte, hatte ihm sein Alptraum aus der Schule die Schlüssel aus der Hand genommen und war mit seiner Freundin abgezogen.
    Christoph erinnerte sich ebenso klar daran, dass Jason die nächsten Tage in der Schule gefehlt hatte, und als er wiederkam, war er immer noch grün und blau und trug einen dicken Verband um den Oberarm. Als jugendlicher Jungspund fühlte er allerdings wenig Reue, was, wie sich jetzt zeigte, ein fataler Fehler gewesen war.


    "Jason Isaacson!"
    "Bitte wer?" Semir und Andrea sahen ihn an, als sei er nun komplett verrückt geworden, was verständlich wäre.
    "Das ist Jason Isaacson! Die Narbe hat er wegen mir!" Semir sah ihn etwas perplex an.
    "Bist du dir sicher?"
    "Natrlich! Die würde ich aus hundert anderen rausfinden!?
    "Isaacson?" fragte Andrea "Der Name kommt mir bekannt vor" Mit noch immer leicht zitternden Fingern gab sie den Namen in den PC ein. Daten flimmerten über den Bildschirm. Semir sah drei Mal hin.
    "Vom... vom BKA?! Ach du...!!!? fluchte er.
    "Der ist beim BKA? Der kleine Jassy ist beim BKA? Wen hat er denn da bestochen?? Christoph war vollkommen durch den Wind. "Und wen fragen wir jetzt, was wir machen sollen?" Andrea und Semir sahen sich an. Beide nickten.
    "Den Innenminister...? Der Innenminister war mit einer der einzigen, die noch ?ber dem BKA standen. Alle anderen Polizeibehörden mussten sich nach dem BKA richten.


    Seit einer Viertelstunde verhandelte Semir jetzt schon mit der Sekretärin des Innenministers. Sie wollte ihn einfach nicht durchstellen. Doch Semirs konsequentes Nerven hatte sich gelohnt. Endlich wurde er durchgestellt.
    Er telefonierte über eine Stunde mit dem Innenminister und erkl?rte ihm alles von Anfang an. Dieser versprach, das Nötige zu veranlassen.
    In den folgenden Stunden wurden Isaacsons Arbeitsplatz, seine Wohnung und auch sonst alles Relevante durchsucht, doch von ihm oder seinem Wagen fehlte jede Spur. Dabei fand man einige Informationen über Schweizer Konten.


    Semir persönlich durchsuchte Isaacsons Wohnung. Er durchw?hlte gerade s?mtliche Unterlagen in dessen Büro. Außer der Bestätigung auf ein Nummernkonto in der Schweiz fand er nichts, das auf Isaacsons Aufenthaltsort hindeuten k?nnte.
    Semirs Blick viel auf ein Foto, das Jason auf seinem Schreibtisch stehen hatte. Er stand dort vor einer großen Villa. Neben ihm stand ein weiterer Mann. Beide strahlten in die Kamera. Semirs angestaute Wut auf diesen Kerl durchbrach plötzlich einen inneren Damm. Er packte das Bild und schleuderte es gegen die Wand.
    "Du elender Mistkerl!!" stieß er hervor. Herzberger, der jetzt neben ihm stand, legte ihm beschwichtigend die Hand auf die Schulter. Er konnte Semirs Wut und Hass auf diesen Kerl voll und ganz nachvollziehen. Er empfand nichts anderes.
    Semir ging zu der Wand und hob das Bild auf. Beim erneuten Betrachten des Bildes erkannte er den Mann neben Isaacson. Es war dieselbe Person, die Hilsdorf erschossen hatte!

  • Andrea saß währenddessen vor dem Computer und suchte nach allem was sie über Isaacson finden konnte. Allerdings war das nicht viel, außer einigen Berichten über das lametta, das er sich erarbeitet hatte. Sie sah keinen wirklichen Zusammenhang zwischen der Entführung von Tom und der Chefin, dem Tod von Hilsdorf und Grote und Isaacson. Da das Ganze in Kreise ging, von denen sie nicht wirklich Ahnung hatte, rief sie bei Interpol an.
    Es dauerte nicht lange, bis eine Beamtin die PAST betrat.
    "Lackmann, Interpol. Wo finde ich die Dienststellenleitung?" Andrea sah sie hilflos an.
    "Das wüssten wir auch gerne... deswegen haben wir sie hergerufen. Sie ist entführt worden, und wir haben den dringenden Verdacht, dass jemand vom BKA dahintersteckt." Lackmann hob die Brauen.
    "Und worauf begründet sich dieser Verdacht?? Andrea schluckte und drehte ihr den Bildschirm zu.
    "Auf dieses Video, das uns zugeschickt wurde. Der Mann wurde anhand dieser Narbe identifiziert." Sie reichte der Beamtin das ausgedruckte Bilddetail, ehe sie das Video startete. Während dessen Verlauf wurde Lackmann merklich blasser. Lehmann kam in der Raum. Als er jedoch sah, was da gerade auf Andreas Computer lief, machte er auf dem Absatz kehrt. Kurz bevor der Film zu Ende war, kam auch Semir wieder ins Büro.
    "Kann ich bitte einen Kaffee haben?" Lackmann ließ sich schwer auf einen Stuhl fallen. "Wie um alles in der Welt ist es dazu gekommen?"
    "Das ist eine lange Geschichte." meinte Semir.
    Nach dem er den Kaffee für sich und Frau Lackmann geholt hatte, setzte er sich ihr gegen über und begann zu erzählen.
    Jetzt wusste die Beamtin von Interpol auch wieder, woher sie das Gesicht des Mannes kannte, der das Büro gerade so überstüzt verlassen hatte. Sie sah zur Seite. In dem Büro zu ihrer linken saß Lehmann. Sie konnte deutlich erkennen dass er weinte. Die junge Frau mit den blonden Haaren hatte sich zu ihm gesetzt und strich ihm beruhigend über den Rücken.
    Frau Lackmann wandte sich wieder an ihren Gegenüber und lauschte dessen Bericht. Als Semir zu Ende berichtet hatte, hatte Frau Lackmann eine G?nsehaut. Das Ganze klang nach einem ganz schlechtem Krimi.
    Nach ein paar Minuten des Schweigens, sah sie Semir sehr ernst und entschlossen an.
    "Wir müssen wissen, wo sich Isaacson und seine Leute aufhalten. Ich lasse jetzt schon eine Einheit des SEK in Alarmbereitschaft versetzen." Semir nickte zu stimmend.
    "Aber wo sollen wir suchen" Vielmehr anfangen?" fragte er.
    "Ist seine Wohnung schon durchsucht worden?"
    "Selbstverständlich. Wir haben jedoch nicht viel gefunden. überhaupt nichts, was auf den möglichen Aufenthaltsort deuten könnte." Semir hielt plötzlich inne. Das Foto in seiner Jackentasche viel ihm wieder ein. ?Außer...? begann er. ?vielleicht das hier." Semir legte das Foto auf den Tisch, das er von Isaacsons Schreibtisch hatte mitgehen lassen.


    Isaacson fühlte sich sicher in seinem Versteck. Er wäre nie im Traum darauf gekommen dass man seine Identität kannte und fieberhaft nach ihm suchte.
    Gelassen saß er in seinem Arbeitszimmer und bereitete alles für die nächste ?bergabe vor. In zwei Tage würden fast dreihundert Kilo Kokain aus Kolumbien in Deutschland ankommen. Und er persönlich würde sie in Empfang nehmen.


    Es klopfte und Verta betrat den Raum. Isaacson sah nicht von seiner Arbeit auf.
    "Die Polizistin hat gerade versucht, aus dem Fenster zu springen." Jason sah auf.
    "Ich habe mir erlaubt, sie wieder am Bett festzumachen. Ich dachte, dass sie am Leben bleiben sollte.? Isaacson nickte, erhob sich und verließ den Raum. Verta tat es ihm gleich. Er hatte noch einiges zu erledigen.


    Jason betrat sein Zimmer und ging zu dem großen Bett hinüber. Ein fieses Lächeln flackerte über sein Gesicht.
    "Anna," begann er. "du gehörst mir. Und ich alleine werde entscheiden, ob du stirbst oder dein elendes Leben weiter lebst. Und im Moment brauche ich dich noch...?

  • Mittlerweile hatten alle Förster aus dem Großraum Köln das Foto von Isaacson und dem Haus zugeschickt bekommen. Die Telefone auf der Autobahn Polizeistation standen nicht mehr still. Bis jetzt hieß es jedoch immer: "Tut mir leid, aber in meinem Zuständigkeitsbereich steht dieses Haus nicht."
    Man konnte die Unruhe im Raum förmlich fühlen. Semir rannte vom einem Telefon zum nächsten. Jedes Mal, wenn er eine neue Absage bekam, knallte er den Hörer härter auf die Gabel. Irgendwann bugsierte Andrea ihn in sein Büro.
    Es war bereits 17 Uhr, als endlich der entscheidende Anruf in der PAST einging. Ein Förster außerhalb von Köln kannte dieses Haus. Es stand einsam gelegen mitten im Wald.


    Nun ging alles blitzschnell:
    Semir trommelte ein paar Streifenbeamte zusammen, die die Straßen großräumig um das Gebiet absperren sollten. Frau Lackmann gab dem SEK- Kommando Bescheid. Innerhalb von zwei Minuten waren alle abfahrtbereit.
    "Semir!? Christoph rief nach ihm. Im Laufen drehte Semir sich nochmals um.
    "Kann ich mitkommen? Bitte!" Semir zögerte kurz.
    "OK. Aber du bleibst in der mobilen Einsatzzentrale!" Christoph kam hinter ihm hergerannt. Als der 40 Mann starke Trupp an dem Haus ankam, goss es in Strömen.


    "Einsatzleitung an alle!" ertönte die Stimme von Lackmann durch die Funkgeräte. "Zugriff!" Wie abgesprochen stürmte das SEK ohne viel Aufsehen zu erregen. Die Beamten sicherten die Eingänge und blieben dort erst einmal stehen.
    Semir stand an einem der Kellereingänge. Er würde mit einer kleinen Truppe von dort aus als erstes in das Gebäude gehen.
    Christoph saß wie auf Kohlen. In der mobilen Einsatzzentrale lief er auf und ab. Frau Lackmann war rausgegangen, um auf alles ein Auge zu werfen.
    Christophs Blick viel plötzlich auf etwas, das in dem Bus lag. Ohne lange nachzudenken griff er nach den Sachen. Eine kugelsichere Weste mit der gelben Aufschrift Polizei und eine Sturmhaube.


    Nachdem die Tür geöffnet worden war, setzten die SEK-Beamten die dahinter stehenden Wachen schnell und lautlos au?er Gefecht.
    Semir ging hinter zwei Beamten her. Sein Blick fiel in einen Kellerraum zu seiner rechten. Von der Decke hingen zwei schwere Ketten herab. Er erkannte den Raum sofort wieder.
    Es war der Raum, in dem Tom gefoltert worden war. Erneut stieg Wut in ihm auf.
    Die Truppe um Semir herum kam gut voran. Keiner hatte gemerkt, dass sich ihnen ein weiterer Mann angeschlossen hatte.
    Plötzlich kamen aus einem der vielen Räume zwei mit Maschinenpistolen bewaffnete Männer.
    "Die Bullen!!" hallte es durch das Gemäuer. Gefolgt von mehreren Schüssen. Um Tom und Anna nicht noch mehr in Gefahr zu bringen, musste jetzt alles noch schneller gehen. Semir gab den "brigen SEK-Leuten Bescheid, dass sie stürmen sollten. Er selber stand mittlerweile in der großen Eingangshalle.


    Isaacson glaubte nicht richtig zu hören, als er die Schüssen vernahm. Doch Verta, der in den Raum gestürzt kam, bestätigte es ihm.
    "Boss! Die Bullen! Hier sind überall Bullen!"
    "Dann kümmer dich um sie!" befahl Isaacson. Er selber rannte in sein Zimmer und holte seine eigene Maschinenpistole. Sein Blick viel nochmals auf Anna.
    "Tut mir leid, mit dem Heiraten... das wird erst mal nichts." Er beugte sich noch einmal über sie. "Tut mir leid, mein Schatz." Er küsste sie sanft auf die Stirn, und im selben Moment fühlte Anna einen brennenden Schmerz in der Bauchgegend. Fragend sah sie in sein lächelndes Gesicht und dann auf den Messergriff, der aus ihrem Körper ragte.



    ~~~


    Oops... Cliffie :P


    Lots of Love an all die lieben Schwarzleser... :baby: Wir sehen euch!

  • Isaacson rannte gerade aus der Tür, die Maschinenpistole im Anschlag. In der nächsten Sekunde kam er allerdings ohne Waffe wieder reingeflogen. Ein Beamter des SEK folgte.


    Isaacson stutzte, als der Mann auf ihn zukam und die Tür verschloss.
    "DU!" Die Stimme des ?olizisten ließ Jason erstarren. Jetzt, als der Mann sich die Sturmhaube runterriss, wurde ihm schlecht. Er hatte diesen Mann seit seiner Schulzeit nicht mehr gesehen. "Christoph... Sieh an..." Mit noch größerem Entsetzen musste Jason feststellen, dass Christoph noch größer geworden war und auch in den Schultern wesentlich breiter. 90 Kilo Muskeln bewegten sich gerade auf ihn zu. Isaacson wusste, dass er eine Waffe brauchte. Schnellstens.
    Eine Pistole hatte er jedoch nicht mehr in seinem Raum. Ihm blieb nur das Messer. Mit einem Hechtsprung warf sich Jason über das Bett. Christoph tat das gleiche. Er packte Isaacson bei den Beinen. Dieser hatte sein Messer jedoch schon in der Hand. Mit einem Ruck zog er es aus Annas Bauch heraus. Blut lief nun aus der Wunde auf das Parkett. Eine Lache bildete sich.
    In letzter Sekunde erkannte Christoph die Gefahr. Er sprang auf die Füße. Isaacson tat es ihm gleich.
    Die beiden Männer standen sich gegenüber. Genau wie damals, nur das es hier um einiges mehr ging. Dann stürmten beide aufeinander los. Isaacson getrieben von Angst. Lehmann getrieben von Hass und Wut.
    Anna hörte noch, wie die beiden Männer sich kämpfend auf dem Boden wälzten. Dann wurde es schwarz vor ihren Augen...


    Vor Isaacsons Augen wurde es langsam auch schwarz. Er bezog ordentlich Prügel. Erst als ein Polizist den Raum betrat, hörte Christoph auf. Jetzt galt seine ganze Aufmerksamkeit Anna.
    "Schnell, einen Arzt!"



    Semir war mittlerweile zu Tom vorgestoßen. Er betrat gerade den Raum in dem Tom lag.
    "O Gott! Tom!" Semir stürzte auf seinen Partner zu. Dieser öffnete die Augen als Semir bei ihm war. Ein schwaches Lächeln flackerte über sein Gesicht.
    "Semir... Schön dich zu sehen.."
    "Tom... Wie geht es dir...? Diese Frage war eigentlich überflüssig. Es war klar, dass Tom dringend ärztliche Hilfe brauchte.
    Das Gebäude war inzwischen vollkommen gesichert, sodass sich ein Arzt zu Tom durchkämpfen konnte. Nachdem er transportfähig war, wurde er in die nächstbeste Klinik eingeliefert. Semir wollte eigentlich mitfahren, wurde aber von der Lackmann ordentlich zurechtgestutzt, als er ihr mit der Idee kam. Als er noch leicht pikiert in der Eingangshalle stand und zusah, wie Tom verladen wurde, kam Isaacson gerade die Treppe herunter bzw. wurde getragen. Er war, gelinde gesagt, leicht lädiert. Semir hatte kaum Zeit, sich zu wundern, als von oben Rufe einiger SEK-Beamten kamen. "Haltet ihn auf!"
    Auf der Treppe gab jemand eine gute Imitation des Stierstreibens in Pamplona, zumindest hörte es sich so an. Als nächstes stürmte ein wutentbrannter Christoph die Stufen hinab, die Augen noch immer lodernd auf Isaacson gerichtet. Die zwei größten SEK-Beamten in der Halle stellten sich ihm in den Weg, und weitere zwei kamen hinter ihm hergehechtet. Zu viert schafften sie es mit knapper Not, ihn zu bändigen. Semir ging zu ihm und begann mit ruhiger, eindringlicher Stimme, mit ihm zu reden. Christoph war allerdings immer noch nicht davon überzeugt, Isaacson doch nicht den Hals umzudrehen. Der schien derweil sichtlich erleichtert dar?ber, dass die Beamten ihn etwas schneller als zuvor wegtrugen.
    Christoph gab erst Ruhe, als die Sanitäter mit der Trage die Treppe hinunterkamen. Der Arzt ging neben her und betätigte den Ambobeutel.
    "Legt mal einer Schritt zu!" befahl er den Sanitätern. Als sie unten in der Halle angekommen waren, hörten Semir und Christoph ein lautes durchdringendes Piepen und das hektische Reden des Arztes...


    Christoph konnte sich nicht bewegen. überdeutlich spürte er das Holz der Treppenstufen und das Geländer an seinem Rücken. Die Handschellen hielten ihn fest. Er hörte Isaacson lachen. Der Verbrecher stand noch in der Tür der Eingangshalle, und die Abendsonne schien ihm in den Rücken. "Ich hab es dir gesagt Lehmann: Irgendwann zahl ich dir heim, was du mir angetan hast!" Das Piepen wurde immer grässlicher, von Sekunde zu Sekunde. Die Ärzte und Sanitäter standen stumm um die Trage, auf der Anna lag. Ihr lebloses, kalkweißes Gesicht war von den zahlreichen Blutergüssen entstellt, und durch das Piepen hindurch hörte man nur das leise, tropfende Geräusch des fallenden Blutes, das eine Lache unter der Trage bildete. Einer der Sanitäter mit einem unbewegten, mitleidslosem Gesicht beugte sich vor und zog das weiße Tuch über ihr Gesicht...