Eine Frage der Schuld

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    Eine Frage der Schuld



    07:05 Uhr



    Semir war auf den Weg zur PAST.Er grübelte darüber nach, was er Andrea morgen zum Geburtstag schenken sollte. Je weniger ihm einfiel, desto ungeduldiger trommelten seine Finger auf dem Lenkrad herum.
    -`Jedes Jahr das gleiche. Was mach ich nur?`-
    Er presste verärgert die Lippen aufeinander und schüttelte abwesend den Kopf.
    Als er gerade auf die B 264 auffuhr hörte er hinten an seinem BMW einen Knall. Augenblicklich blockierte ein Hinterrad.
    Da er zu überrascht war, reagierte er zu spät.
    Semir befand sich schon auf dem Beschleunigungsstreifen und brachte den Wagen nicht mehr unter Kontrolle. Das Auto drehte sich einmal um die eigene Achse, fing sich irgendwie und überschlug sich mehrmals, bevor es an die Leitplanke knallte und auf der Seite liegen blieb.
    Semir blutete aus dem Mund und trug eine klaffende Platzwunde über dem linken Auge davon, als sein Kopf ans Seitenfenster prallte.
    Er hing benommen in seinem Gurt und sah noch wie 2 Gestalten auf ihn zu liefen bevor er das Bewusstsein verlor.



    07:15 Uhr



    Tom stieg gerade in seinen Mercedes und machte sich auf den Weg zur Arbeit als sich die PAST meldete.
    „Cobra Zentral an Cobra 11, bitte melden!“
    -`Ist schon komisch, wenn man eine Männerstimme aus den Zentrale hörte.-`
    Tom sah auf seine Uhr und legte das Headset an.
    -`Ach, Andrea fängt ja erst in einer halben Stunde zu arbeiten an.´-
    „Hier Cobra 11, hört! Was gibt’s schon so früh?“
    „Ein Unfall auf der Auffahrt 17 zur B 264. Fahren Sie bitte vor Ort und sehen Sie nach dem Rechten!“
    Tom war erstaunt.
    „Aber das ist doch Semirs Arbeitsweg. Kann der das nicht machen?“
    „Tut mir leid, aber den erreichen wir nicht.“
    „OK, ich übernehme! Cobra 11, Ende!“
    -´Na, mein Kleiner! Hast wohl verschlafen!?`-
    Tom schaltete das integrierte Blaulicht ein und fuhr an.
    -´So, Semir! Das kostet, mich durch die halbe Stadt zu jagen!`-
    Er grinste Schadenfroh.


    Als Tom am Unfallort ankam erkannte er sofort Semirs BMW. Er sprang aus seinem Auto und sprintete dem Rettungswagen hinterher, der gerade weg fuhr. Vergebens!
    Er lief zu einem Beamten, der die Bremsspuren vermaß.
    „In welches Krankenhaus bringen die den Verletzten?“
    Der Beamte sah ihn fragend an.
    „Welchen Verletzten? Da war keiner!“
    Tom fiel eine Zentnerlast von den Schultern.
    „Wo finde ich dann den Fahrer?“
    „Da war keiner.“
    Tom sah ihn ratlos an.
    „Wie? Da war keiner?“
    „Na, da war kein Fahrer. Hat wahrscheinlich Fahrerflucht begann. Aber den finden wir schon!“
    Gehetzt sah Tom sich um, konnte Semir aber nirgends entdecken.
    -´Das muss sich um einen Irrtum handeln! Warum sollte Semir Fahrerflucht begehen`--
    „Wer ist hier zuständig?“
    „Da, vorne. Hauptwachtmeister Bergmann!“
    Der Polizist deutete auf einen Mann, der gerade in ein Funkgerät sprach.
    Tom ließ den Beamten einfach stehen und ging zu Bergmann. Seine Blicke suchten noch immer nach Semir, nichts.
    „Hauptwachtmeister Bergmann?“
    Tom hielt ihm seinen Ausweis vor die Nase.
    „Können Sie mir etwas über den Verbleib, des Unfallfahrers sagen? Wie kam es zu diesem Unfall?“
    „Zeugen sahen plötzlich Rauch unter dem BMW. Gleich darauf muss er sich überschlagen haben und blieb hier liegen.“
    Er deutete auf das demolierte Auto.
    „Was den Unfallfahrer betrifft! Eine Zeugin hat gerade ausgesagt, dass zwei Männer zum BMW liefen und einen bewusstlosen Mann rauszogen. Die haben den Fahrer in einen Van gelegt und sind weggefahren. Sie nimmt an, dass diese den Bewusstlosen in ein Krankenhaus fahren.“
    „Wo ist die Zeugin?“
    „Sie sitzt dort im Notarztwagen. Der Doc wollte ihr etwas zur Beruhigung geben!“
    Tom bedankte sich bei Bergmann und ging zum Notarztwagen.
    -´Wer nimmt einen Bewusstlosen so einfach mit? Warum warten die nicht auf den Krankenwagen?`-
    Ein mulmiges Gefühl machte sich in seiner Magengegend breit.
    Er hielt der Frau den Ausweis hin.
    „Kripo Autobahnpolizei, Kranich! Sind Sie die Zeugin, die gesehen hat was mit dem Fahrer des BMW´s geschehen ist?“
    Eine attraktive, blonde Frau Mitte dreißig sah ihn an.
    „Ja! Mein Name ist Terftz Melanie.“
    Sie reichten sich die Hand.
    „Können Sie mir, bitte genau erzählen, was Sie gesehen haben!“
    „Ja, natürlich!“
    Tom ging neben ihr in die Hocke, da sie auf den Beifahrersitz des Notarztwagens saß.
    „Also! Vom Unfall selbst, hab ich nichts mitbekommen. Ich sah nur vereinzelt Teile rumfliegen. Ich bin dann hierher gelaufen, um zu helfen. Aber es waren schon zwei Männer am Auto und haben den bewusstlosen Fahrer rausgezogen. Die haben ihn in einen dunklen Van gelegt und sind mit ihm weggefahren. Ich nehme an, dass sie den Mann in ein Krankenhaus bringen.“
    „Haben Sie gesehen, von welcher Marke der Van war? Oder vielleicht das Kennzeichen?“
    „Ich glaube, es war ein Mercedes Vito. Das Kennzeichen? Ich hab eigentlich nicht darauf geachtet. Ich weiß nur, dass es eine Kölner Nummer war. Irgendwas mit einem A als ersten Buchstaben und die letzten beiden Ziffern waren 34! Mehr weiß leider nicht. Tut mir leid!“
    „Das ist schon in Ordnung, Frau Terftz! Sie haben mir trotzdem sehr geholfen. Haben Sie vielen Dank! Auf Wiedersehen!“
    Tom reichte ihr die Hand und lief zu Bergmann zurück.
    „Wies aussieht, haben die ihn wirklich mitgenommen. Können Sie sich denken, warum die das machten?“
    Bergmann sah ihn teilnahmslos an.
    „Vielleicht war der so schwer verletzt, dass die beiden Angst hatten, dass er stirbt bis der Krankenwagen eintrifft.“
    Tom wurde kalkweiß im Gesicht.
    „Daran hatte ich noch gar nicht gedacht!“
    „Geht’s Ihnen nicht gut? Was haben Sie den auf einmal?“
    Tom wurde schlecht.
    „Der Unfallfahrer ist mein Partner.“
    Bergmann erkannte, was er mit seiner Bemerkung angerichtet hatte und wollte ihn trösten.
    „Vielleicht hatten die ja auch nur Panik, weil er bewusstlos war. Das muss doch gar nichts bedeuten!“
    Tom atmete tief duch.
    „Ja, warscheinlich. Lassen Sie den BMW bitte in die KTU bringen! Ich möchte, dass er ordentlich untersucht wird!“
    Er drehte sich um und ging schleppend zu seinem Mercedes zurück. „Fuck!“
    Im Auto legte er seine Headset an und wollte in der PAST bescheid geben, als ihm einfiel dass Andrea in der Zwischenzeit ja ihren Dienst angetreten hatte.
    -´Ich sollte Ihr das lieber persönlich sagen!`-
    „Scheiße!“
    Er startete seinen Wagen und fuhr an.
    „Fuck!“



    Los gehts :D Wie findet Ihr den Anfang ?( ?( ?ber jede Menge Feedbacks w?rde ich mich sehr :D :D :D freuen :] :]

    Edited once, last by galadriel ().

  • :baby:Bitte laßt Euch nicht irritieren :] Diese Geschichte handelt in der Zeit, als Semir und Andrea noch kein Paar waren. :( :) :)



    08:45 Uhr


    Tom betrat die PAST und ging sofort zu Anna Engelhardt ins Büro.
    „Chefin?!“
    „Morgen, Tom!“
    Ihre Blicke suchten jemanden hinter ihm.
    „Wo bleibt Semir?“
    Sie sah verärgert auf ihre Uhr und dann erwartungsvoll Tom an.
    „Semir kommt heute nicht! Der Unfall, zu dem ich gerufen wurde. Das war Semir. Der BMW ist nur noch Schrott.“
    Anna Engelhardt erschrak sichtlich und ihre Augen weiteten sich.
    „Wie geht es ihm? Was ist passiert?“
    „Das ist es ja, Chefin!
    Tom setzte sich ihr gegenüber und erzählte ihr alles was er bereits wusste.
    Anna war entsetzt.
    „Diese Idioten! Wieso warten die nicht auf den Krankenwagen?“
    „Ich weiß nicht, Chefin! Außer ...“
    Tom wurde wieder ganz weiß im Gesicht.
    „Außer, was?“
    Er starrte sie an.
    „Außer! Semir ist so schwer verletzt, dass die keine Zeit verlieren wollten!“
    Anna Engelhardt fuhr sich müde durchs Gesicht.
    „Mein Gott!“
    Ernst sah sie Tom an.
    „Wir müssen das sofort klären!“
    Sie stand auf und ging zu Andrea an ihrem Schreibtisch.
    „Andrea!“
    „Ja, Chefin?“
    „Rufen Sie bitte in allen Krankenhäusern der Stadt und Umgebung an! Fragen Sie nach, ob Semir oder eine unbekannte Person bei ihnen eingeliefert wurde. Autounfall! Er wurde von Privatpersonen gebracht, keine RTW oder Notarzt. Erledigen Sie das sofort“
    Andrea starrte die Chefin geschockt an.
    -´Semir, Unfall, Krankenhaus! Ich muß mich verhört haben! Das kann nicht sein!`-
    Ich Gesicht nahm einen gequälten Ausdruck an und wurde Totenbleich.
    „Mein Gott, Semir!“
    Andrea bemerkte nicht, dass Tom neben ihr stand und ihr eine Hand tröstend auf die Schulter legte.
    „Keine Sorge, Andrea! Ihm wird nicht viel passiert sein. Wir finden ihn im Handumdrehen!“
    Andrea war überrascht. Kann man es den so deutlich sehen, was sie für Semir empfand?
    „Tom! Ich..“
    Plötzlich rannten ihr Tränen übers Gesicht.
    Er nahm sie in die Arme.
    „Schon gut, Andrea!“
    --` Semir muss total blind sein, dass er das noch nicht gemerkt hat.`--
    „ Fang bitte gleich mit den Krankenhäusern an!“
    Er drückte sie an ihren Schultern sanft von sich und sah ihr fest in die Augen.
    „Es wird alles gut! OK?“
    Andrea schniefte.
    “OK!”
    “Ich hol Dir einen Kaffee! Ich kann nämlich auch einen vertragen!“
    „Was ist passiert?“
    Tom erzählte ihr alles was er wusste.
    Andrea stürzte förmlich aufs Telefon, während Tom Kaffee holte.




    10:20 Uhr


    „Nichts.“
    Andrea stand bei Anna Engelhardt im Büro und ließ kraftlos die Schultern hängen.
    „Nichts! Semir ist in keinem Krankenhaus?“
    Es kostete Andrea sehr viel Kraft nicht in Tränen auszubrechen.
    „Es ist nirgends ein männliches Unfallopfer von Privatpersonen eingeliefert worden. Nirgends! Ich habe auch versucht sein Handy zu orten, bekomme aber kein Signal.“
    Allmählich machte sich bei Anna Panik breit.
    „Wo ist Tom?“
    „Er ist in der KTU und hilft Hartmut, bei Semirs BMW.“
    „Ruhen sie sich aus, Andrea! Wo sind Herzberger und Bonrath?“
    „Die sind noch auf Streife.“
    „Funken Sie die beiden an! Sie sollen sofort zurückkommen!“
    „Ist gut, Chefin!“
    Anna nahm den Telefonhörer und wählte die Nummer der KTU.
    „Engelhardt, hier. Tom, kommen Sie bitte so schnell wie möglich in mein Büro! Semir ist in keinem Krankenhaus aufgetaucht.“
    Sie legte auf und dachte fieberhaft nach, was geschehen sein könnte.




    10:45 Uhr


    Tom, Andrea, Herzberger und Bonrath saßen bei der Chefin im Büro und diskutierten, was das alles zu bedeuten hatte.
    Tom lief nervös hin und her.
    „Was, wenn das alles gezielt war? Wenn die es bewusst auf Semir abgesehen hatten?“
    Anna nervte das hin und her gelaufe von ihm:
    „Sie meinen eine Entführung?“
    „Ja! Feinde haben wir doch genug, und was anderes fällt mir dazu nicht ein.“
    „Und was bringt Sie zu der Annahme?“
    „Ein Zeuge sagte, dass plötzlich Rauch unter Semirs BMW hervorkam.“
    Anna Engelhardt nahm den Telefonhörer:
    „Engelhardt hier! Ist Hartmut schon mit Semirs BMW fertig?“
    Alle Augen richteten sich auf sie.
    Sie legte mit einem eisigen Blick auf:
    „Sie haben Recht, Tom! Semirs Hinterachse war manipuliert. Jemand hat eine Bombe mit Fernzündung angebracht. Sie blockierte ein Hinterrad. Die müssen direkt hinter ihm gewesen sein.“
    Für einen Augenblick waren alle erstarrt.
    „Andrea!“
    Andrea bemerkte momentan nicht, dass die Chefin sie meinte. Tom stubste sie an.
    „Äh – Chefin?“
    „Sie überprüfen das Kennzeichen das die Zeugin Tom angegeben hat. Dann suchen Sie die Akten, der Leute die Tom und Semir verhaftet haben und in den letzten 12 Monaten entlassen wurden raus!“
    Andrea stand wie in Trance auf und ging zu ihrem Schreibtisch.
    Als sie draußen war fuhr sich Anna müde übers Gesicht:
    „Meine Herren! Sie passen mir bitte auf Andrea auf! Ich möchte nicht, dass sie sich aus Sorge um Semir übernimmt und uns zusammenklappt!“
    Alle drei sahen Anna erstaunt an. Sie hat es also auch bemerkt.
    Anna lächelte kurz:
    „So was ist doch nicht zu übersehen. Sobald Andrea was gefunden hat machen Sie sich an die Arbeit. Herzberger und Bonrath!“
    Sie blickte die beiden an:
    „Sie überprüfen die Vans, die in Frage kommen! Tom!“
    Ihr Blick war sachlich, wie immer wenn es brenzlig war und alle einen kühlen Kopf behalten mussten:
    „Sie nehmen sich die Ex-Knackis vor. Aber seien Sie um Gotteswillen vorsichtig und unternehmen nichts auf eigene Faust! Ist das angekommen?“
    Tom senkte deprimiert seinen Blick:
    „Ja, Chefin!“
    „Gut! Dann müssen wir nur noch warten!“
    Tom, Dieter und Hotte verließen das Büro. Mit ernster Mine sah Anna zu, wie die drei sogleich zu Andrea eilten, sie trösteten und unterstützen.
    -´Ich hab das beste Team, das es gibt.`-
    Anna musste trotz der ernsten Lage in der sich Semir wahrscheinlich befand lächeln.




    11:15 Uhr


    Andrea überreichte Dieter ein Blatt Papier:
    „Hier ist die Liste mit allen Vans, die auf das Kennzeichen zutreffen könnten. Es sind leider 12.“
    Hotte nahm sie in den Arm:
    „Mach Dir keine Sorgen! Du wirst sehen, wir finden Semir im Handumdrehen!“
    „Ach, Hotte! Was wenn er verletzt ist und einen Arzt braucht?
    Sie fing heftig zu weinen an. Hotte ließ ihr Zeit, sich wieder zu fangen.
    „So schnell lässt Semir sich nicht unterkriegen! Das weißt Du doch!“
    Andrea fing sich wieder und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht:
    „Nun fahrt schon! Je länger Ihr hier rumsteht, umso länger ist Semir allein da draußen.“
    Mit einem mitleidigen Blick auf sie nahmen die Beiden ihre Jacken und verschwanden Richtung Ausgang.
    Andrea machte sich nun an die Liste der Ex-Knackis.
    Tom hatte mittlerweile eine Idee und rief bei Hauptwachtmeister Bergmann an.
    „Autobahnpolizei, Kranich! Der Unfall heute Morgen, an dem mein Partner Semir Gerkahn beteiligt war. Können Sie mir bitte die Adresse und die Telefonnummer von Frau Terftz geben! Ich hätte noch ein paar Fragen an die Dame.“
    Er schrieb mit.
    „Danke, Herr Hauptwachtmeister! Noch etwas, bitte! Den Fall übernehmen ab sofort wir! Schicken Sie bitte sämtliche Aussagen und Berichte diesbezüglich an die PAST!“
    ...
    „Ja, genau! Danke nochmals, Wiedersehen!“
    Er unterbrach das Gespräch und wählte sogleich die Nummer von Frau Terftz.
    -„Terftz!“-
    „Guten Tag, Frau Terftz! Autobahnpolizei, Kranich! Sie erinnern sich? Der Unfall heute Morgen!“
    -„Ja, natürlich. Sie waren bei mir am Notarztwagen. Was kann ich für Sie tun?“-
    „Ich wollte fragen, wie es Ihnen geht?“
    -„Mir geht es gut. Nur der Schock war etwas größer als ich angenommen hatte. Aber das ist doch sicher nicht der einzige Grund für Ihren Anruf, oder?“-
    „Nein, sie haben Recht! Ich wollte von Ihnen wissen, ob Sie die Männer die Sie gesehen haben wieder erkennen würden?“
    -„Ja, sicher! Einen würde ich sofort wieder erkennen. Beim zweiten bin ich mir nicht so sicher. Den konnte ich nur teilweise sehen, da er vom Vordermann immer verdeckt wurde.“-
    „Könnten Sie bei uns vorbei kommen und sich ein paar Fotos ansehen? Eventuell auch ein Phantombild erstellen lassen?“
    Die Frau überlegte kurz.
    „Ist das nicht ein bißchen viel Aufwand für einen Unfall?“
    Tom kam zu der Ansicht, dass er ihr eine Erklärung schuldig war.
    „Wir nehmen an, dass es sich um eine Entführung handelt. Das Unfallopfer ist ein Polizist und in keinem Krankenhaus aufgetaucht.“
    „Oh, das tut mit Leid! Natürlich komme ich sofort zu Ihnen. Wo befindet sich Ihr Revier?“
    „Am besten, ich schicke Ihnen ein Taxi! Ok?“
    „Gut, bis dann!“
    „Ja, bis dann!“
    Tom rief ein Taxi für Frau Terftz.
    Als das alles erledigt war, stützte er für einen Moment den Kopf in seinen Händen. Er war müde und nervös.
    -´Hoffentlich bringt das was! War Semir schwer Verletzt? Lebte er überhaupt noch? Warum riefen die Entführer nicht an? Wenn man jemanden entführt, will man doch was! Aber was?`-
    Er ging zur Toilette und wusch sich mit kaltem Wasser das Gesicht aus und blickte in den Spiegel.
    -´Du meine Güte, seh ich schlecht aus.`-
    Er sah die Sorge in seinen eigenen Augen.
    -´Wie soll ich Andrea eine Hilfe sein, wenn ich selbst verrückt vor Sorge bin?´-
    Er wusch sich noch mal und hielt gleich den ganzen Kopf unter Wasser. Tom sah wieder in den Spiegel und grinste sich zu.
    -´Schon besser! Jetzt glaub mir Andrea wenigstens ein bißchen was.`-
    Er legte sich einen optimistischen Gesichtsausdruck zu, wie auch immer der aussehen mag, und ging zu Andrea. Mittlerweile dürfte sie schon ein paar Kandidaten zusammen haben.
    „Wie siehts aus? Was hast Du bis jetzt?“
    Besorgt betrachtete er ihr müdes und fahles Gesicht. Tapfer sah Andrea zu ihm auf. Die Angst in ihren Augen konnte man fast greifen.
    „Ich druck Dir gerade das wichtigste aus! Es sind 8 entlassen worden. Aber keiner von denen ist ein Schwerverbrecher. Die meisten saßen wegen fahrlässiger Tötung. Sie hatten Unfälle mit Todesopfern verursacht.“
    Tom kam auf ihre Seite des Schreibtisches und ging neben ihrem Stuhl in die Hocke. Vorsichtig drückte er ihren Arm und lächelte ihr aufmunternd zu. Er besah sich die einzelnen Personen genau.
    „Sei so lieb, bitte und häng noch ein Jahr dran! Vielleicht haben wir dann etwas mehr Glück! Ich meine so eine Entführung plant man nicht von heute auf morgen. Das braucht alles seine Zeit!“
    Andrea atmete tief durch und machte sich wieder an die Arbeit.
    „Ok!“
    Jan nahm den Stapel Blätter aus dem Drucker.
    „Nachher kommt eine Frau Terftz! Sie hat einen der Männer gesehen, die Semir aus dem Auto geholt haben. Sie will sich die Fotos ansehen!“
    Andrea sah ihn an und ein Hoffnungsschimmer glomm in ihren Augen auf.
    Tom stand auf.
    „Sie ist sich sicher einen der beiden wieder zu erkennen.“
    „Hoffentlich geht es ihm gut!“
    er streichelte ihr über den Rücken.
    „Bestimmt! Die wollen ihn nicht töten! Wenn Die das vorgehabt hätten, hätten sie am Unfallort alle Gelegenheit dazu gehabt. Dafür hätten die ihn nicht mitnehmen brauchen. Du wirst sehen, die melden sich bald bei uns und schon haben wir...“
    Sein Lächeln sollte aufmunternd sein, aber irgendwie strafte es ihn Lügen.
    „…hast Du Semir wieder!“
    Andrea schloß die Augen und umarmte ihn.
    „Danke!“
    Dann begann sie den Computer zu malträtieren, als ob ihr Leben davon abhinge.
    Tom ging mit den Papieren zur Chefin, um ihr von Frau Terftz zu erzählen

  • :baby:Tut mir leid :rolleyes:daß es ein bißchen gedauert hat :(aber jetzt geht es weiter 8)


    10:50 Uhr


    Das erste was Semir wahrnahm, war diese erdrückende Hitze. Er konnte kaum atmen. Es kostete ihn viel Kraft endlich die Augen zu öffnen. Verwirrt blinzelte er und konnte nicht verstehen warum alles so komisch aussah. Irgendetwas stimmte wohl mit seinen Augen nicht mehr. Er wollte sich bewegen, als ihm furchtbare Schmerzen durch den ganzen Körper fuhren, hauptsächlich durch das linke Bein und in der linken Schulter. Sein linker Arm brannte wie Feuer und er konnte seine Hand nicht bewegen. Auch sein Kopf begann zu brummen und pochen als ob ein Bergwerk darin wäre. Stöhnend presste er die Augen und den Mund zusammen.
    -´Oh, mein Gott! Was ist den los?´-
    Er versuchte bewusst tief durch die Nase zu atmen, um die Schmerzen unter Kontrolle zu bekommen. Irgendwie half das aber nicht so richtig.
    Semir blieb ganz still liegen, bis die Schmerzen abgeklungen waren. Er bemerkte den muffigen Teppich -´Wenigstens funktioniert meine Nase noch.`-, auf dem er lag. Allmählich sahen auch seine Augen wieder klar Zumindest eines, aber Semir war sich gar nicht sicher welches es war, und er konnte den Raum erkennen in dem er lag.
    Er versuchte noch mal sich zu bewegen und begriff plötzlich, dass er gefesselt auf seiner rechten Seite lag.
    -´Was ist passiert? Warum bin ich gefesselt?`-
    Er schloss wieder die Augen,
    „Scheiße!“
    presste er über seine Lippen und öffnete die Augen wieder.
    Plötzlich schossen ihm die Bilder durch sein geistiges Auge. Er sah den Rauch hinter sich, bemerkte dass der Wagen schleuderte und er sich überschlug. Er sah die Leitplanke auf sich zukommen und dann ´Aus`.
    „Ein Unfall! Ich hatte einen bescheuerten Unfall.“
    Semir hob den Kopf etwas, aber der meldete sich sofort mit Sternen. Er ließ es lieber bleiben.
    Zu seinen Füßen sah er eine Wand, vor der stand ein alter verstaubter Aktenschrank und daneben stand ein altes verstaubtes Sideboard. Wenn er geradeaus blickte, sah er einen einfachen kleinen Tisch mit einem Stuhl daneben. Beides sah benützt aus. Als Semir den Kopf ein wenig in den Nacken legte konnte er eine Tür erkennen, die zu war.
    -´Ob die abgeschlossen ist? Wahrscheinlich!`-
    Er verspürte unsagbaren Durst und seine Kehle tat ihm weh, so ausgetrocknet war sie. Er versuchte sich vorsichtig auf den Rücken zu drehen.
    -Ích muss mein Bein sehen!`-
    Er hatte Glück, dass er auf der rechten Seite lag, so brauchte er sein Bein und seine Schulter nicht zu belasten.
    Semir verlor fast das Bewusstsein, als er auf dem Rücken lag.
    „Aahhh! Shit!“
    Er hatte das Gefühl, als ob ihm jemand die Schulter rausreißen wollte. Nachdem sich der Schmerz etwas gelegt hatte, drehte er den Kopf nach rechts. Er sah eine Heizung und darüber ein Fenster. Semir bemerkte, dass sein linkes Auge verklebt war, das konnte eigentlich nur Blut sein.
    -´Bin ich froh, dass ich keinen Spiegel hab!´-
    Er musste bei diesem Gedanken sogar etwas lächeln.
    Da er direkt neben der Wand mit der Heizung lag, reifte eine Idee in seinem gemarterten Kopf heran.
    -´Ich muss mich aufsetzten und an die Wand lehnen! Wäre doch gelacht, wenn die ewige Schinderei im Fitnessstudio nicht doch für etwas gut wäre!`-
    Semir spannte seinen Bauch an und versuchte seinen Oberkörper an zu heben. Seine Schulter und sein Arm explodierten vor Schmerzen und diesmal verlor er das Bewusstsein. Die Hitze, der Durst und diese Schmerzen.
    Er spürte nicht, wie sein Kopf auf den Boden aufschlug. Auch nicht, wie sich unter seinem Hinterkopf eine Blutlache ausbreitete.
    In der Tür wurde ein Schlüssel umgedreht und sie öffnete sich nach innen.
    Eine Frau mit sehr kurzen schwarzrn Haaren betrat das Zimmer in dem Semir lag. Sie trug eine Bundeswehrhose in tarnfarben und ein schwarzes Tanktop. Sie wirkte dadurch sehr maskulin. Ihre Arme und das Gesicht glitzerten vor Schweiß. Sie besaß einen durchtrainierten Körper und ging mit leicht federnden Schritten auf Semir zu.
    In der rechten Hand hielt sie eine Wasserflasche.


    Sie ging neben Semir in die Knie und erschrak als die das frische Blut unter seinem Kopf sah. Sie drehte vorsichtig Semirs Kopf und besah sich die Platzwunde.
    „Auf eine Wunde mehr oder weniger kommt´s Dir bestimmt nicht an!?“
    Sie drehte ohne auf zu stehen ihren Kopf Richtung Tür und rief:
    „Peter, komm schnell!“
    An Semirs Hals überprüfte sie seinen Puls:
    „Etwas schwach, aber regelmäßig. Das ist gut!“
    Als sie Schritte hinter sich vernahm, stand sie auf und drehte sich um.
    „Was ist? Ist er tot?“
    Der Mann hatte ebenfalls sehr kurze schwarze Haare und trug Bundeswehr Kleidung. Er war um einen Kopf größer als die Frau, obwohl die nicht klein war. Seinen grünen Augen blickten ungerührt auf Semir nieder.
    Sie Frau sah ihn wütend an.
    „Nein! Gott sei Dank! Und Du solltest Froh darüber sein, schließlich ist er Deine Kapitalanlage, oder?“
    „Was regst Du Dich so auf? Ist doch nur ein vedammterr Bulle!“
    Er wollte wieder gehen aber sie hielt ihn sanft am Arm zurück.
    „Du musst mir Verbandszeug und eine Matratze besorgen! Sieh Dir sein Bein an! Seine ganze Hose ist voll Blut und wenn er sich falsch Bewegt kann es sein, dass er verblutet.“
    Sie bemerkte das Zögern des Mannes.
    „Er nutzt Dir nicht mehr viel, wenn er sich den Schädel eingeschlagen hat oder verblutet ist!“
    Ihr Blick hielt zärtlich den seinen fest.
    „Ok! Ich hol das Zeug!“
    Sie lächelte ihn an und ging mit ihm aus dem Zimmer.
    Als sie zurückkam hatte sie eine Schüssel mit Wasser und eine paar Tücher dabei. Sie wusch behutsam Semirs Gesicht und löste seine Fußfesseln. Sie drehte ihn auf die Seite um die Handschellen zu entfernen und drehte ihn ganz vorsichtig wieder auf den Rücken. Mit einer Schere schnitt sie das linke Hosenbein auf und begutachtete das verletzte Bein. Eine sehr tiefe Schnittwunde zog sich vom Knöchel hoch bis zur Kniescheibe. Vorsichtig bewegte sie erst den Fuß und dann den Unterschenkel. Sie erkannte sofort dass nichts gebrochen war, aber das Bein ließ sich zu leicht bewegen. Es mussten ein paar Sehnen gerissen sein.
    -´Nichts, was nicht wieder in Ordnung kommen würde!`-
    Sie zog Semir den Schuh und die Socke aus, dann wusch sie vorsichtig das Blut weg.
    Da Semir ein T-shirt trug, brauchte sie an seinem verletzten Arm nichts aufschneiden. Sie sah nur oberflächige Schnittverletzungen an beiden Armen und dem gesamten Oberkörper. Die Schulter sah merkwürdig aus, sie tastet sie ab und nickte wissend.
    „Gut für Dich, dass Du bewusstlos bist!“
    Sie stand auf, stellte sich auf Semirs linke Seite und nahm seinen linken Arm am Handgelenk. Einen Moment zögerte sie noch, atmete tief ein und stelle ihren rechten Fuß auf Semirs linke Schulter. Einmal holte sie noch tief Luft und zog mit ganzer Kraft und einem einzigen Ruck an seinem Arm. Das Geräusch, das die Schulter verursachte als sie wieder in ihre ursprüngliche Lage rutsche ging ihr durch Mark und Bein. Das schlimmste aber war Semirs stöhnen das er trotz seiner Bewusstlosigkeit von sich gab. Er bewegte ein wenig den Kopf, dann lag er wieder reglos und mit entspanntem Gesicht vor ihr. Ihr Gesicht drückte Mitleid aus, als sie zu ihm runter sah.
    Peter kam mit Verbandssachen und einer Matratze zurück.
    „Mirijam, bist Du verrückt? Warum hast Du seine Fesseln gelöst?“
    Er bückte sich und drehte Semir grob auf den Bauch. Er nahm die Handschellen und bog Semir die Arme wieder auf den Rücken. Semir begann wieder schwach zu stöhnen.
    Miriam legte Peter die Hand auf die Schulter.
    „Hör auf, Peter!“
    Er sah wütend zu ihr auf.
    „Er kann doch in diesem Zustand unmöglich etwas unternehmen! Sie ihn Dir an! Er ist fast tot. Besser Du legst die Matratze zur Heizung hin und wir legen ihn darauf! Dort kannst Du ihn anbinden, wenn´s Dich beruhigt!“
    Mit einem verhassten Blick auf Semir erhob sich Peter.
    „Hat der ein Glück, dass Du meine Schwester bist!“
    Peter zog Semir ein Stück vor, damit er die Matratze zur Heizung legen konnte. Dann packte er Semir an den Schultern und zog ihn drauf. Brutal ließ er ihn einfach auf den Bauch fallen.
    „Wir müssen ihn auf den Rücken drehen!“
    Peter sah seine Schwester fragend an.
    „Ich muß seine Wunde am Bein noch säubern und verbinden. Komm!“
    Sie bückte sich und nahm Semirs Beine. Peter tat ihr den Gefallen und packte ihn an den Schultern. Gemeinsam drehten sie Semir um. Während Mirijam vorsichtig mit ihm umging, tat Peter so, als ob er einen Sack Kartoffeln in den Händen hielt. Er ließ Semir einfach fallen, wie vorhin. Er stöhnte wieder, wurde aber nicht wach. Peter nahm Semirs Beine und wollte sie an die Heizung binden.
    „Ich glaube, es reicht wenn Du das rechte nimmst! Ich muß das linke verbinden! Er verliert schon wieder Blut.“
    Peter sah wie sich die Matratze rot färbte und gab Mirijams Wunsch nach. Er band nur das rechte Bein am Heizungsrohr fest. Danach nahm er Semirs Hände und machte sie an dem Heizungsrohr, das sich auf Höhe von Semirs Kopf befand mit den Handschellen fest.
    Mirijam wartete bis Peter gegangen war und verband Semirs verletztes Bein. Sie drehte seinen Kopf auf die Seite, damit sie an die Platzwunde am Hinterkopf kam. Mit einem Handtuch tupfte sie das Blut ab und legte ihm einen Verband an. Dann wusch sie seine Arme und das Gesicht vom Blut sauber. Sie sah keine ernsthaften Schnitte und belies es dabei.
    Mirijam nahm ein frisches Handtuch und goss Wasser aus der Flasche darauf. Sie drehte Semirs Kopf wieder so hin, dass sein Gesicht nach oben sah. Sie hielt das Handtuch über seine Lippen und drückte es, bis Wassertropfen auf seine Lippen fielen. Mirijam bewunderte Semirs sanfte Gesichtszüge und in ihre Augen trat eine gewisse Traurigkeit.




    Bitte gebt mir Feedback´s :] :] :] ob es Euch gefällt :D oder nicht X( X(8)

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  • :baby: Danke für Eure tollen Feedbacks :D :D Ich hoffe der nächste Part gefällt Euch genau so gut 8) :) :)


    12:30 Uhr


    Frau Terftz betrat die PAST und sah sich suchend um. Andrea bemerkte sie und wollte gerade aufstehen, als Tom an ihr vorbei ging. Er reichte ihr die Hand
    „Danke, dass Sie gekommen sind!“
    und führte sie zu Andreas Schreibtisch.
    „Andrea, das ist Frau Terftz! Die Dame war Zeugin bei Semirs Unfall.“
    Andrea reichte ihr die Hand.
    „Hallo! Darf ich Ihnen einen Kaffee oder was anderes anbieten?“
    „Kaffee wäre nett, Danke!“
    Tom führte sie in sein und Semirs Büro.
    „Bitte nehmen Sie Platz!“
    „Danke!“
    Tom setzte sich ebenfalls.
    „Wie ich ihnen schon sagte! Wir gehen von einer Entführung aus, das Opfer ist mein Partner Semir Gerkahn. Sie können uns jetzt helfen, die Täter zu identifizieren. Bitte, wenn Sie nachher bei den Fotos auch nur den kleinsten Zweifel haben, sagen Sie es. Es hilft keinem, wenn wir hinter den falschen Tätern herjagen!“
    „Ja, natürlich!“
    Andrea kam mit dem Kaffee und den Fotos zurück. Es waren insgesamt 35 Fotos. Zum Test waren auch immer Bilder von Kollegen dabei. Frau Terftz erkannte den Mann schon auf dem dritten Bild.
    „Das ist er!“
    Tom sah sich das Foto an,
    „Lassen Sie sich bitte Zeit, Frau Terftz!“
    „Ich brauche keine Zeit! Das ist er, da bin ich mir hundertprozentig sicher! Ich stand ja nicht mal 20 Meter von dem entfernt.“
    Sie klopfte zu Bekräftigung ihrer Worte mit dem Finger auf das Foto. Andrea, die im Büro geblieben war stand hinter ihr und schloß erleichtert die Augen.
    -´Gott sei Dank!`-
    Tom nahm das Foto an sich und las den Namen, der hinten drauf stand.
    „Andrea? Würdest Du mir bitte die Akte bringen!“
    Sie nahm mit einem erleichterten Lächeln das Bild und holte die Akte.
    Tom wandte sich wieder Frau Terftz zu.
    „Würden Sie sich bitte auch die anderen Fotos ansehen! Vielleicht ist da noch der Komplize dabei!“
    „Ich kann´s ja versuchen. Aber Versprechen kann ich Ihnen nichts!“
    Tom sah durch die Glasscheibe Andreas erleichtertes Gesicht, während sie wartete bis der Drucker fertig war. Er selbst war auch erleichtert. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sich der Entführer unter den Fotos befand.
    „Tut mir leid, aber ich kann ihn nicht finden!“
    Tom wurde aus seinen Gedanken gerissen.
    „Aber ich habe Ihnen ja schon gesagt, dass ich ihn nicht direkt gesehen habe.“
    „Sie waren eine sehr große Hilfe! Das war´s dann auch schon! Um den Rest müssen wir uns jetzt selbst kümmern. Wir können natürlich nicht die ganze Arbeit von so charmanten Damen wie Ihnen machen lassen!“
    Er stand auf,
    „Ich gebe einem Kollegen Bescheid, der sie nach Hause fährt.“
    „Es freut mich, dass ich Ihnen helfen konnte. Ich hoffe, dass Sie Ihren Partner heil zurückbekommen!“
    „Ja, das hoffen wir auch!“
    Toms Blick wurde plötzlich traurig.
    „Bitte, kommen Sie mit!“
    Tom ging mit ihr zu einem Kollegen, der gleich Dienstschluss hatte und verabschiedete sich von ihr.
    Sofort lief er zu Andrea.
    Der Drucker wurde gerade fertig und Tom und Andrea rissen die Blätter an sich. Tom nahm Andrea bei der Hand,
    „Wir gehen zur Chefin!“
    und zog sie mit sich.
    Herzberger und Bonrath kamen gerade zur Tür herein und sahen die Gesichter von Tom und Andrea. Die beiden sahen zu ihnen und Tom rief.
    „Hotte, Dieter wir haben einen!“
    Die beiden liefen ihnen hinterher ins Büro. Dieter schloss die Tür hinter sich und blieb dort abwartend stehen. Die anderen standen vor Annas Schreibtisch und Tom gab ihr die Akte.
    „Frau Terftz hat eindeutig diesen Mann als einen der Entführer identifiziert. Den anderen konnte sie leider nicht erkennen. Er heißt Peter Husemann und wohnt in Düsseldorf.“
    Anna Engelhardt las sich die Akte durch.
    „Dieser Peter Husemann, ist bis auf den Unfall mit Fahrerflucht vor 6 Jahren ein unbescholtenes Blatt. Warum sollte er Gerkahn entführen?“
    Alle sahen die Chefin erstaunt an. Nur Tom ergriff das Wort.
    „Vielleicht wollte er sich für die 4 ½ Jahre Gefängnis, die er bekommen hatte rächen.“
    Anna lehnte sich in ihren Stuhl zurück. Ich Gesicht drückte Zweifel aus.
    „Dieser Mann hat noch nie irgendetwas verbrochen, ist geschweige denn gewalttätig geworden. Glauben Sie wirklich, dass sein Hass so groß sein könnte um Semirs Leben zu riskieren?“
    Tom stütze sich auf eine Stuhllehne und beugte sich vor.
    „Chefin! Wir haben es doch schon oft genug erlebt, was der Knast aus einem Menschen machen kann. Es kommt immer darauf an, mit wem man sich da drin einlässt!“
    Anna sah zu Hotte und Dieter.
    „Was hat die Überprüfung der Van´s ergeben?“
    Hotte schüttelte den Kopf.
    „Nichts, Chefin! Alle sauber, bis auf einen der vorgestern gestohlen wurde. Alle Halter haben für die Tatzeit ein Alibi.“
    Jetzt beugte Anna sich zu Tom vor und legte ihre Unterarme auf die Tischplatte.
    „Gut, Tom! Dann wollen wir hoffen, dass die Dame sich nicht geirrt hat. Bringen Sie mir Semir zurück!“
    Tom schloss erleichtert die Augen und brachte ein leises,
    „Ja!“
    über die Lippen, als er sich wieder aufrichtete.
    „Herzberger, Bonrath! Sie fahren als Verstärkung mit!“
    „Jawohl, Chefin!“
    kam es gleichzeitig von den beiden zurück. Und sofort folgten sie Tom nach draußen.
    Andrea wollte gerade das Büro verlassen.
    „Andrea?“
    Sie drehte sich um und sah fragend zu Anna.
    „Chefin?“
    Anna lächelte ihr aufmunternd zu.
    „Wir finden Semir! Sie haben ihn bald wieder, also machen Sie sich keine Sorgen!“
    Andrea war gar nicht mehr überrascht, dass die Chefin auch etwas gemerkt hatte.
    „Hoffentlich kommen sie nicht zu spät! Ich habe schreckliche Angst. Was wenn er schwer verletzt ist und Hilfe braucht?“
    Anna lächelte weiter.
    „Er hat schon ganz andere Situationen überstanden. Es wird ihm bestimmt gut gehen, also Kopf hoch!“
    Andrea lächelte tapfer, ihrer Chefin zu liebe und ging an ihren Schreibtisch. Sie machte sich noch immer sehr große Sorgen um Semir und begann zu weinen.
    „Semir?!“
    Sie schlug die Hände vors Gesicht und schluchzte.
    Anna beobachtete sie und wirkte plötzlich um Jahre gealtert. Sie fühlte sich sehr müde und ausgelaugt.
    „Hoffentlich geht das gut aus!“
    Anna nahm den Telefonhörer in die Hand und wählte eine Nummer.
    „Engelhardt hier! Bitte aktivieren Sie die Abhörvorrichtung und verfolgen sämtliche Anrufe, die ab jetzt bei uns eingehen!“
    ...
    „Das erklär ich Ihnen später!“
    ...
    „Ja, gut! Danke!“


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  • :baby: Ein neuer Tag, ein Neuer Part :D Hoffe er gefällt Euch, wie die anderen 8)


    13:10 Uhr


    Semir schlug die Augen auf.
    Diesmal kam die Erinnerung schneller zurück. Sofort merkte er, dass etwas anders war. Langsam erkannte er, dass er auf einer weicheren Unterlage lag, auch war er anders gefesselt. Vorsichtig bewegte er sich und war erleichert, als seine linke Schulter nicht mehr vor Schmerz explodierte. Dieser Schmerz raubte ihm zwar auch beinahe das Bewusstsein und er stöhnte laut auf, aber die Hand war nicht mehr taub. Er sah, dass sich seine Hände jetzt vor seinem Körper befanden und nicht mehr auf dem Rücken. Ein Hoffnungsschimmer keimte in ihm auf, der sofort wieder erlosch als er sah, dass er mit seinen Handschellen an die Heizung gekettet war.
    -´Keine Chance`-
    Diese unerträgliche Hitze ließ ihn Schweiß ausbrechen und erinnerte ihn an seine ausgedörrte Kehle. Als er seine Lage etwas ändern wollte explodierte sein linkes Bein in einer Schmerzwelle, sein Kopf begann zu dröhnen und er dachte jemand will ihm den Brustkorb eindrücken. Die Schmerzen in seiner Schulter waren doch noch so schlimm wie vorher. Er merkte es, als er vor Schmerzen eine ruckartige Bewegung mit dem Oberkörper machte.
    -´Oh mein Gott! Shit!`-
    Er blieb still liegen, bis die Schmerzen etwas abklangen.
    -´Mein Körper ist eine einzige Wunde, hoffentlich habe ich mir nichts gebrochen!`-
    Langsam aber stetig veränderte er seine Lage. Er schaffte es, seinen Oberkörper an dem Eck der Nische, in dem die Heizung installiert war hoch zu schieben. Semir hatte das Gefühl, als ob er Stunden dafür gebraucht hatte. Jetzt lehnte sein Oberkörper schräg an diesem Eck und er war schweißüberströmt. Eine andere Position war wegen seinem angebunden Bein nicht drin. Ihm war plötzlich schwindlig und schlecht. Sein Atem ging keuchend und etwas lief über seine linke Gesichtshälfte. Er konnte nicht mit den Händen hingreifen, aber als er auf sein T-shirt sah, sah er das Blut von seinem Kinn tropfte.
    -´Eine Platzwunde ist aufgebrochen! Warscheinlich hab ich eine Gehirnerschütterung. Tom würde jetzt fragen, Welches Gehirn?`-
    Er grinste schief, als er an Tom dachte.
    -´Ob er schon was bemerkt hatte?`-
    Die Schmerzen ließen zwar nach, aber sie verschwanden nicht mehr. Semir verdrehte ein paar Mal die Augen und musste ein Würgen unterdrücken.
    Als sich sein Kreislauf einigermaßen stabilisiert hatte sah er sich wieder um.
    Verblüfft stellte fest, dass sein Bein verbunden war.
    -´Vielen herzlichen Dank! Wenigsten wollen die nicht, dass ich verblute.`-
    Als er das viele Blut an seinem Hosenbein und der Matratze sah, wurde er weiß wie die Wand.
    -´Scheiße!`_
    Semir lehnte sein Gesicht an den Heizkörper, der war herrlich kühl. Er stöhnte auf, als er seine linke Schulter dabei bewegte. Langsam drehte er den Kopf so, dass er zu dem Tisch sehen konnte. Darauf stand eine Wasserflasche, für ihn unerreichbar.
    „Soll das so eine Art Folter sein, Ihr Schweine?“
    sprach er leise und kraftlos.
    Er schloß seine Augen um nicht mehr hinsehen zu müssen. Als er dachte vor Erschöpfung einzuschlafen hörte er den Schlüssel in der Tür und sie wurde geöffnet.
    Ein Mann, Peter, trat ein.
    -´Mann, ist der riesig!`-
    Peter hielt in der rechten Hand eine Pistole und in der linken Semirs Handy. Als er bemerkte, dass Semir wach war richtete er sofort die Waffe auf ihn. Er überprüfte Semirs Fesseln und hielt ihm dann Pistolenlauf unters Kinn.
    „Gut geschlafen?“
    Peter grinste ihn böse an.
    Semir gab keine Antwort und überlegte, woher ihm dieser Mann so bekannt war, aber er kam nicht drauf.
    „Gib mir Deinen PIN!“
    Als Semir nicht sofort antwortete verstärkte Peter den Druck der Pistole unter seinem Kinn. Semir legte den Kopf weiter nach hinten und stöhnte auf, als er an die Mauer schlug. Mit schmerzverzerrtem Gesicht gab er sie ihm.
    „6309!“
    Peter gab sie ein,
    „Jetzt die Nummer Deines Chefs!“
    „Chefin! Ich habe eine Chefin, und die ist bestimmt ziemlich sauer!“
    Peter bohrte den Pistolenlauf in Semirs Kehle, dieser ächzte und gab ihm die Nummer.
    „Warum denn so störrisch? Ich bekomm ja doch was ich will!“
    „Und hoffentlich noch viel mehr!“
    Peter wählte und wartete, das jemand ran gingl
    „Ich hab hier jemanden für Sie!“
    Mit einem gemeinen Grinsen hielt er Semir das Handy ans Ohr, die Pistole nahm er nicht weg.
    Semir konnte das stöhnen nicht unterdrücken und ächzte,
    „Chefin? Ich bin´s , Semir!“
    Zu mehr kam er nicht, da Peter das Handy wegnahm und selbst mit Anna Engelhardt sprach.
    „Hören Sie zu! Ich will 2 Millionen Euro. Sie haben 5 Stunden um das Geld zu besorgen!“
    Er schaltete das Handy aus und grinste Semir kalt an.
    „Du weißt nicht mehr, wer ich bin, he? Aber dafür weiß ich ganz genau, wer Du bist. Ich hab Dich die ganzen 6 Jahre nicht vergessen und dafür wirst Du bezahlen!“
    „Was...?“
    „Das erfährst Du noch früh genug!“
    Peter gab ihm einen Schlag ins Gesicht und Semir verlor das Bewusstsein.






    13:20 Uhr


    -´Er lebt!`-
    Anna Engelhardt legte auf und wählte gleich wieder.
    „Engelhardt! Jochen, haben Sie den Anruf zurück verfolgen können?“
    ...
    „Kann man wenigstens ein Gebiet eingrenzen?“
    ...
    „Danke, Jochen! Sie haben was gut bei mir!“
    Wütend drosch sie den Hörer auf die Gabel und ging zu Andrea.
    „Semir lebt! Die Entführer habe gerade Kontakt mit mir aufgenommen.“
    Andreas bleiches und verweintes Gesicht drehte sich ihr zu, ihr Blick war ungläubig.
    „Ich hab am Telefon mit ihm gesprochen.“
    Ein Lächeln umspielte plötzlich Andreas Lippen
    „Wie geht es ihm?“
    Anna log sie mit einem Lächeln an.
    „Er konnte nicht viel sagen, aber er hörte sich sehr munter an! Rufen Sie Cobra 11 und Cobra 19!“
    Andrea betätigte den Funkknopf.
    “Cobra 11 und Cobra 19 an Zentrale!!“
    “Hier Cobra 11, was gibt´s Andrea?”
    “Hier Cobra 19, was gibt´s Andrea?”
    Anna Engelhardt schüttelte lächelnd den Kopf. --`Die werden sich alle von Tag zu Tag ähnlicher!´--
    Sie übernahm das Funkgerät.
    „Die Entführer habe sich soeben bei mir gemeldet. Semir geht es gut! Wo befinden Sie sich gerade?“
    „Eine sehr gute Nachricht, Chefin! Wir befinden uns gerade vor dem Haus in dem Husemann seine Wohnung hat.“
    „Überprüfen Sie die Wohnung und kommen dann zur PAST zurück! Und bitte meine Herren, geben sie auf sich Acht! Cobra Zentrale, Ende!“

  • :baby: Na :) dann auf ein Neues :D 8)


    13:25 Uhr


    Tom, Dieter und Hotte standen vor dem Eingang. Tom drückte einfach auf mehrere Klingelknöpfe gleichzeitig.
    „Was machst Du da?“
    Dieter sah auf Namen an den Klingel.
    „Hast Du das als Kind nicht gemacht? Klingel putzen? Einer macht garantiert die Tür auf.“
    Man hörte verschiedene „Hallos?“ und „Jas?“, doch die drei antworteten nicht. Der Türsummer ertönte, sofort waren sie drin. Der Klingel nach zu urteilen, befand sich die Wohnung im dritten Stock. Tom öffnete mit seinem `Spezialbesteck´ die Wohnungstür und sie schlüpften vorsichtig rein. Es war eine heruntergekommene Bude, unaufgeräumt und nicht gerade sauber. Da es nur drei Zimmer gab, nahm sich jeder einen Raum vor. Sie arbeiteten schnell und präzise, fanden aber nichts Brauchbares. Nichts, was auf Semirs Aufenthaltsort hindeutete.
    „Tom, sieh Dir das mal an!“
    Hotte hielt einen großen gefalteten Bogen Papier in der Hand.
    „Lass mal sehn!“
    Hotte faltete den Bogen auf dem Tisch auseinander.
    „Dieter sah ihnen über die Schultern.
    „Sieht aus, wie ein Schaltplan oder so was!“
    Tom studierte den Plan genau.
    „Du hast Recht, Dieter! Das ist auch ein Schaltplan, besser gesagt ein Bauplan für eine Bombe. Das war bestimmt die Bombe an Semirs BMW! Den nehmen wir mit und Hartmut soll ihn sich ansehen!“
    Tom steckte den Plan ein.
    Sie suchten weiter, fanden aber sonst nichts Interessantes mehr. Nach nicht mal 20 Minuten waren sie fertig und verschwanden wieder.



    14:10 Uhr


    Semir erwachte, als etwas kühles und feuchtes sein Gesicht berührte. Zuerst blinzelte er verwirrt, er konnte sich nicht vorstellen was das war. „Bitte bewegen Sie sich nicht! Sonst haben Sie wieder Schmerzen!“
    Er blickte einer Frau ins Gesicht und er erkannte sofort die Ähnlichkeit mit dem Mann.
    -´Seine Schwester?!`-
    „Was..“
    Er erschrak, als er seine Stimme hörte, er erkannte sie selbst nicht. Sein Mund und seine Kehle waren total ausgetrocknet. Semir schloss gequält die Augen und er spürte, dass die Frau ihm etwas an den Mund hielt. Als er das Wasser schmeckte, das seine Lippen berührte öffnete er sie und schluckte gierig.
    Sie nahm ihm die Flasche nach ein paar Schlucken wieder weg.
    „Halt! Halt! Nicht so hastig! Sie dürfen am Anfang nicht soviel auf einmal trinken, sonst übergeben Sie sich!“
    Semir sah sie matt an.
    „Wer sind Sie?“
    „Das wollen Sie gar nicht wissen!“
    In diesem Moment kam Peter rein.
    „Verhätschle ihn nicht zu sehr! Wenn alles klappt, sind wir ihn schon heute Abend wieder los!“
    „Es sind fast 40°im Schatten! Er dehydriert sonst!“
    „Was kümmert uns das?“
    Er warf Semir einen Zeitungsausschnitt in den Schoß und ging wieder.
    Semir löste den Kopf von der Wand und sah auf das Papier.
    „Was ist das?“
    Was ein bisschen Wasser alles vermag. Seine Stimme hörte sich schon besser an.
    „Das ist ein Zeitungsbericht über seine Verhaftung, damals!“
    Sie hob das Blatt auf und hielt es Semir vors Gesicht.
    „Sie haben ihn vor 6 Jahren verhaftet und er wurde zu 4 ½ Jahren Knast verurteilt!“
    Semir konnte nur die Überschrift lesen.
    -´Peter Husemann zu 4 ½ Jahren Gefängnis verurteil! Zwei Menschen starben bei Fahrerflucht!`-
    Er sah die Frau fragend an.
    „Peter ist mein Bruder und ich helfe ihm!“
    „Sie helfen ihm, mich zu töten?“
    „Nein, nur um an das Lösegeld zu kommen. Er hat eine Entschädigung verdient!“
    Semir lehnte seinen Kopf wieder an die Nischenecke. Seine Stimme klang wieder schwächer.
    „Machen Sie mir nichts vor! Ich habe Eure Gesichter gesehen, ich weiß was das Bedeutet!“
    „Peter hat gesagt, dass Ihnen nichts passiert. Wenn wir das Geld haben, setzen wir uns ab. Wenn Ihre Leute Sie finden, sind wir schon lange außer Landes. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen!“
    Sie gab ihm noch mal was zu trinken, diesmal ließ sie die Flasche länger am Mund. Nachdem Semir getrunken hatte verließ auch sie das Zimmer.
    „Verdammte Scheiße!“
    Semir hatte sich schon lange nicht mehr so hilflos gefühlt.
    -´Hoffentlich sind Tom und die anderen schon auf meiner Spur! Wahrscheinlich nicht! Wie sollten sie auch? Wie es wohl Andrea ging?`-
    Er hatte die ganze Zeit versucht Andrea aus seinen Gedanken zu verbannen. Er brauchte einen klaren Kopf, aber es gelang ihm nicht mehr.
    -´Sie wird sich Sorgen machen.`-
    Er hatte ihr nie gesagt, was er für sie empfindet.
    -´Werde wohl auch nicht mehr dazu kommen! Ist es den beiden wirklich egal, dass ich sie identifizieren kann?`-
    Er hob seinen Kopf und versuchte auf die Armbanduhr zu seheh.
    „Verdammt, was will der den mit meiner Uhr?“
    Sie hatten sie ihm weggenommen. Er sah zu Boden und sah am leicht links fallenden Schatten, dass es früher Nachmittag sein musste. Er hatte natürlich, die Stunde für die Sommerzeit abgezogen. Semir versuchte aus dem Fenster zu sehen, was aus diesem Blickwinkel fast unmöglich war. Er versuchte seine Position etwas zu verändern, was ihm sein Körper mit schrecklichen Schmerzen dankte und er stöhnte und ächzte. Er versuchte sich so ruhig wie möglich zu halten und wartete darauf, dass sie vergingen.
    -´Ist es heute früher Nachmittag, oder schon morgen? Shit, wie lange bin ich schon hier??`-
    Semir sah ein, dass er in der momentanen Situation nicht in der Lage war, selbst etwas zu ändern. Mit einem Seufzer ergab er sich und hoffte, dass dieser Husemann einhielt was er seiner Schwester versprochen hatte.
    Als er einen Blick auf seine Hände warf, sah er die Wasserflasche neben dem Heizkörper stehen. Mit der rechten Hand konnte er sie nicht greifen, also benutzte er die Linke. Ein stechender Schmerz fuhr durch seinen Arm, bis in die Hand. Er hielt die Flasche fest, bis er sie auf seinen Schoß fallen lassen konnte. Jetzt kam er auch mit der Rechten ran. Semir klemmte die Flasche zwischen die Beine und öffnete sie. Da er mit den Händen an das Rohr gefesselt war, das an der Heizung nach oben führte hatte er genug Bewegungsfreiheit um zu trinken. Ganz vorsichtig beugte er seinen Oberkörper etwas vor. Wenn er sich langsam bewegte, waren die Schmerzen fast erträglich. Gierig begann er wieder zu trinken.




    14:30 Uhr


    Tom fuhr zur KTU und wollte Hartmut nur schnell den Plan zeigen, währen Hotte und Dieter zur PAST weiter fuhren.
    Tom fand Hartmut bei Semirs BMW und ging zu ihm.
    „Hartmut, sieh Dir das mal an!“
    Hartmut studierte den Plan.
    „Das ist ein Bauplan für eine Bombe, mit Fernzünder. Willst Du etwa eine bauen?“
    Tom war nervös und ging auf die Anspielung nicht ein.
    „Könnte das die Bombe an Semirs Wagen sein?“
    „Das kann ich rausfinden, dauert nur seine Zeit!“
    „Und wie lange ist das?“
    toms Stimme nahm einen scharfen und ungeduldigen Ton an.
    Hartmut überlegte,
    „Ich muss die Teile der Bombe mit dem Plan vergleichen. Etwa 15 Minuten!“
    „Gut! Ich fahr in der Zwischenzeit zur PAST, ruf mich gleich an!“
    „Natürlich, Tom! Wisst Ihr schon was über Semir?“
    „Die Entführer melden sich in 5 Stunden wieder. Wir wissen nur, dass er lebt, nicht ob er verletzt ist.“
    Hartmut klopfte ihm auf die Schulter,
    „Ich ruf Dich gleich an, Ok?“
    „Danke!“
    Tom machte sich auf den Weg und Hartmut an die Arbeit.



    14:55 Uhr


    Anna hatte an ihrer Pinwand einen vergrößerten Kartenausschnitt hängen und stand neben ihr, als Tom das Büro betrat. Dieter und Hotte waren schon im Büro und Anna legte gleich los.
    „Der Anruf war leider zu kurz um ihn genau Orten zu können. Und da Semirs Handy gleich wieder ausgeschaltet wurde, können wir uns auch nicht daran halten! Mittlerweile wurde der gestohlene Van gefunden, er wird gerade in die KTU gebracht.“
    „Haben wir den überhaupt keinen Anhaltspunkt, Chefin?“
    Dieters Stimme klang belegt und er musste sich erst räuspern.
    „Wir können das Gebiet eingrenzen in dem er sich aufhalten muss! Hier,“
    Sie deute auf eine Stecknadel in der Karte.
    „haben wir den Van gefunden. Auf einem Parkplatz! Das deckt sich sogar, mit dem Gebiet in dem sich Gerkahn vermutlich aufhält!“
    Sie umkreiste das besagte Gebiet mit dem Finger.
    „Hier zwischen Quadrath-Ichendorf und Neubottenbroich!“
    Wie auf Kommando standen alle drei bei der Karte und inspizierten den Bereich genau.
    Anna Engelhardt redete derweilen weiter.
    „Ich habe mich nach Objekten erkundigt, in der man unbemerkt jemanden für längere Zeit festhalten könnte. Leider gibt es mehrere!“
    Sie deutete auf einen schwarzen Punkt bei Neubottenbroich.
    „Hier gibt es eine stillgelegte Brikettfabrik!“
    Ihr Finger wanderte weiter,
    „Hier, dieses Gebiet ist eine Verkippung! Genügend Möglichkeiten für ein Versteck. Vor allem, wenn man bedenkt dass Husemann mehr als 1 Jahr Zeit für seine Planung und Vorbereitung hatte!“
    Dann wanderte der Finger Richtung Großkönigsdorf.
    „Hier ist ein Abbau geplant. Laut dem Landratsamtes stehen schon die ersten Gebäude. Der nächste Baubetrieb setzt erst in 2 Monaten wieder ein. Ebenfall eine Möglickeit!“
    Sie ließ ihre Hand sinken und sah alle der Reihe nach an.
    „Im übrigen ist um Neubottenbroich ein riesiges Waldgebiet. Was das Bedeutet, brauch ich Ihnen wohl nicht erklären?“
    Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und trank einen Schluck von ihrem Kaffee.
    -´Kalt!`-
    Anna verzog das Gesicht.
    Während Tom, Hotte und Dieter sich setzten, kam Andrea mit frischem Kaffee rein. Sie hatte auch eine frische Tasse für Anna dabei und eine für sich selbst. Andrea hatte nicht die Absicht sich abwimmeln zu lassen. Sie wollte wissen, wie es stand. Wo Semir war und was die Chefin unternehmen wollte. Sie zog sich einen Stuhl neben Hotte und setzte sich. Ihr Gesicht war kalkweiß, der Gesichtsausdruck versteinert und ihre Augen rot vom weinen.
    Anna ließ sie gewähren.
    -´Wenn das hier vorbei ist, muss ich mal ein klärendes Wort mit den beiden reden! So kann das nicht weiter gehen!`-
    Hotte nahm Andreas Hand und drückte sie tröstlich.
    Tom kehrte noch mal zu Karte zurück.
    „Und wo fangen wir an? Das Gebiet ist zu groß! Selbst wenn wir 500 Mann zu Verfügung hätten. Wir können es unmöglich in weniger als 4 Stunden schaffen!“
    Andrea sah Tom mit angstgeweiteten Augen an.
    Anna straffte sich und wurde sachlich.
    „Das brauchen wir auch nicht, Tom! Ich habe bereits mit dem Einsatzleiter des SEK telefoniert. Es sind bereits 3 Funkortungswagen unterwegs. Wenn um 18:30 Uhr der nächste Anruf kommt, können wir wahrscheinlich das Handy orten. Die Funkwagen werden an strategischen Punkten auf gestellt, so haben sie den größten Teil des Gebietes im Fadenkreuz. Zusätzlich bekommen wir Unterstützung von zwei SEK Einheiten. Mehr ist leider nicht drin! Ebenfalls habe ich mit dem Polizeipräsidenten telefoniert. Er gab grünes Licht für das Lösegeld.“
    Sie sah auf ihre Uhr.
    „In einer Stunde wird das Geld hier eintreffen. Ich habe allen Beamten dieser Station den Befehl gegeben in 30 Minuten hier zu sein. Herzberger, Bonrath!
    „Chefin?“
    -´Irgendwie mussten die beiden Zwillinge sein, ständig antwortete sie gemeinsam.`-
    „Sie teilen die Beamten ein und verteilen sie bei den 3 Funkwagen. Sie beide werden ebenfalls vor Ort sein!“
    „Jawohl, Chefin!“
    -´Schon wieder im Chor.´-
    Anna lächelte zufrieden, auf die beiden war immer verlass.
    „Tom!“
    Auch ihn sah sie ernst an.
    „Sie übernehmen die Geldübergabe und bleiben an Husemann dran!“
    „Ja, Chefin!“
    Zufrieden legte Anna ihre Hände aneinander.
    Sie vertraute ihrer Mannschaft blind und wusste, dass jeder sein bestes geben würde.
    „Andrea!“
    „Ja, Chefin!“
    „Sie übernehmen, wie üblich das Funkgerät und den Überwachungsmonitor! Wir werden dem Geld einen Sender mitgebenl Sie halten die Männer auf dem Laufenden! Sie wissen ja, wie das abläuft!“
    „Ja, Chefin!“
    Sie sah von einem zum anderen, man konnte deutlich die Anspannung in ihren Gesichtern lesen.
    „Dann können wir nur noch warten!“
    Tom setzte sich zu Andrea an ihren Schreibtisch.
    „Du wirst sehen! Heute Abend hast Du Deinen Semir wieder. Dann solltest Du ihm vielleicht mal sagen, was Du für ihn empfindest!“
    Andrea schloss gequält die Augen und schluchzte. Sie sah Tom verwirrt an.
    Er lächelte.
    „Na, dass Du ihn liebst! Er empfindet doch was für Dich. Das kann man deutlich sehn!“
    Andrea weinte wieder.
    „Bring ihn mir erst einmal wieder zurück, Tom! Der Rest ergibt sich dann!“
    Tom reichte ihr ein Taschentuch.
    „Mach, Dir keine Sorgen! Es wird alles Gut!“
    Er gab ihr noch einen Kuss auf die Stirn und ging dann in sein Büro.
    -´Hoffentlich behalte ich Recht!`-
    Seine Gedanken waren keineswegs so Sorglos, wie er Andrea gegenüber vorgab. Er wusste schließlich auch nicht, wie schwer Semir verletzt war. Die Chefin sagte, dass er sich nicht gut angehört hatte.
    Müde legte er das Gesicht in seine Hände, schloss die Augen und wartete auf das Geld.
    Dieter und Hotte teilten bereits die eingetroffenen Beamten ein und machten sich bereit. 16:00 Uhr


    Mirijam kam mit einem Teller voll Essen und einer Gabel ins Zimmer.
    Semir wusste nicht, was er davon halten sollte.
    -´Wie lange wird das hier dauern?`-
    „Ich dachte, dass Sie hungrig sein müssen!“
    Sie setzte sich neben Semir auf den Boden.
    Semir hatte noch immer große Schmerzen, aber er versuchte es auf die witzige Tour. Wenn er sie in ein Gespräch verwickeln konnte, erfuhr er vielleicht etwas über ihren Plan.
    -´Sollte ich mich irgendwann, irgendwie befreien können, kann mir das behilflich sein! Irgendwie!`-
    „Wenn ich stehen könnte, hinge mein Magen bestimmt schon zwischen meine Kniekehlen.“
    Er grinste sie an. Aber durch die Schmerzen wurde es leider nur ein schiefes Lächeln.
    „Wenigsten haben Sie Ihren Humor nicht verloren!“
    Sie sah ich besorgt an.
    „Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus dass ich Sie füttern muss? Peter hat mir verboten Sie loszubinden.“
    Beschämt schlug sie die Augen nieder.
    „Semir grinste.
    „Nein, macht es nicht!“
    Langsam begann sie Semir zu füttern. Erst jetzt bemerkte er, wie hungrig er eigentlich war und aß fast den Teller leer.
    Als sie fertig waren, grinste er sie wieder schief an.
    „So einen Service hat man nicht alle Tage! Da kann man es sogar aushalten!“
    Sie blickte ihn erstaunt an.
    „Sie sind schon ein komische Typ, ganz anders als Peter Sie beschrieben hat.“
    Semir sah sie genau an. Er wusste, dass er nicht übertreiben durfte.
    „Wie heißen Sie?“
    Sofort machte sie wieder einen Rückzieher.
    „Das ist doch egal! Sie werden es später sowieso erfahren!“
    „Wenn ich schon gepflegt und gefüttert werde, möchte ich wenigstens wissen, von wem!“
    Sie sah ihm stolz und aufrichtig in die Augen
    „Mirijam.“
    „Ich bin Semir.“
    „Ich weiß, Peter hat mir alles über Sie erzählt.“
    „So! Was hat Peter denn über mich erzählt?“
    Ihr Blick wurde augenblicklich trotzig und sie stand auf.
    „Das Sie schuld daran sind, dass er eingesperrt wurde!“
    Aus Trotz wurde Zorn und der spiegelte sich in jedem einzelnen Wort wieder, das Mirijam von sich gab.
    „Wissen Sie eigentlich, was die im Gefängnis alles mit ihm gemacht haben? Frischfleisch nennen die jeden Neuen, der reinkommt. Er hatte nie die geringste Chance, sonst hätten die ihn kalt gemacht. Man fühlt sich wie ein totes Stück Fleisch!“
    Ihr liefen Tränen über die Wangen.
    „Peter hat Recht, ich sollte mich nicht mit Ihnen unterhalten.“
    Semir sah seine Felle davon schwimmen und versuchte sie zu beruhigen.
    „Mirijam! Ich habe Peter nur verhaftet. Ich bin nicht schuld, an dem Unfall mit zwei toten Menschen. Auch wenn er es nicht mit Absicht gemacht hatte, er war schuldig und das wissen Sie! Mirijam?!“
    Semir versuchte sie mit Gesten zu beruhigen, aber er hatte bei der kleinsten Bewegung Schmerzen und stöhnte auf.
    Sie stürzte weinend aus dem Zimmer.


    -´Na, das hast Du ja toll hingekriegt, Semir! Anstatt, dass sie Dir hilft, hast Du sie weg gejagt.`-
    Mit einem resignierenden Seufzer ließ er den Kopf hängen.
    -´Verdammt noch mal!`-
    Sein Blick blieb an dem Teller und der Gabel hängen, die sie vergessen hatte. Die Gabel lag auf dem Teller und der stand neben ihm am Boden. Außer Reichweite seiner Hände.
    -´Wie komm ich da ran?`-
    Semir überlegte fieberhaft.
    -´Denk nach! Verdammt!`-
    Mirijam oder Peter konnten jeden Augenblick zurückkommen um das Geschirr zu holen.
    Er kam nur auf eine Möglichkeit, an die Gabel ran zu kommen. Er musste sie mit den Zähnen zu fassen bekommen. Und das schaffte er nur in dem er sich zur Seite fallen ließ.
    Obwohl er nicht wusste wie viel Zeit ihm blieb, bis einer der Beiden auftauchen würde, ließ er sich Zeit. Er atmete ein paar Mal tief durch. In der Gewissheit, welche Schmerzen auf ihn zu kommen würden schloss er die Augen.
    Semir ließ sich so langsam wie möglich zur Seite gleiten. Er unterdrückte einen Schrei, konnte aber ein Stöhnen nicht verhindern.
    Als er mit dem Gesicht vor dem Teller lag, war sein linker Arm zum zerreisen gespannt. Er hatte das Gefühl, als wolle jemand seinen Arm aus dem Schultergelenk reißen und er sah nur noch Sterne hinter seinen geschlossenen Lidern. Die Angst, dass er sein Bewusstsein verlieren könnte wuchs von Augenblick zu Augenblick.
    -´Bitte nicht! Nicht jetzt!`-
    Sein Gewicht zerrte an seiner Schulter und er dachte, dass er vor Schmerzen verrückt werden würde. Er presste seinen Augen noch mehr zusammen und atmete tief und langsam ein und aus.
    Er wusste, dass ihm keine Zeit blieb um die Schmerzen abklingen zu lassen.
    Er hob den Kopf und schob ihn an den Teller ran. Mit dieser Bewegung verlagerte er sein verletztes Bein ein wenig und hässlicher Schmerz durch lief seinen ganzen Körper. Schweiß ran ihm übers Gesicht und er war sofort wieder am ganzen Körper nass.
    Sein Bewusstsein versuchte abzudriften.
    ´-´Nein! Verdammt! Nicht!`-
    Er schaffte es die Gabel mit den Zähnen zu packen.
    -´Geschafft! Jetzt nur nicht den Geist aufgeben! Ruh Dich danach aus solange Du willst! Aber nicht jetzt!`-
    Seine Nasenflügel bebten bei jedem Atemzug. Der Schweiß, der ihm in die Augen rann brannte fürchterlich und ließ ihn unaufhörliche blinzeln.
    -´Ich muss hoch, verdammt!`-
    Semir wusste, dass er sich schnell aufrichten musste. Er hatte Angst vor den Schmerzen, aber er hatte nur eine Chance.
    Mit seiner rechten Hand hielt er sich am Heizungsrohr fest und zog sich hoch. Er biss die Zähne zusammen um nicht aufzuschreien. Der Schweiß lief in Bächen an seinem Körper entlang.
    -´Nur nicht die Gabel verlieren!`-
    Er wusste, dass er es ein zweitesmal nicht schaffen würde. Automatisch half er mit dem linken Arm mit, was mit schrecklichen Schmerzen quittiert wurde.
    Irgendwie hatte er es dann doch geschafft und lehnte wieder an der Nische. Er nahm die Gabel in die Hand und ein mattes leidiges Lächeln umspielte kurz seinen Mund. Sofort versteckte er die Gabel unter der Matratze.
    Sein Puls hatte sich noch nicht beruhigt und die Schmerzen waren noch immer unerträglich, als er den Schlüssel in der Tür hörte.
    Mirijam trat auf ihn zu und er bemerkte ihre verweinten Augen.
    Wortlos nahm sie den Teller und drehte sich wieder um.
    „Mirijam?“
    Sie reagierte nicht auf Semir und verschwand wieder nach draußen.
    -´Wird sie es bemerken?`-
    Semir war so müde und schloß für einen Moment die Augen. Ohne es zu merken schlief er sofort ein.




    Geb mir FB?s 8) :D

  • :baby: Euer Wunsch ist mir Befehl :D :D :D Iris, halt Dir die Augen zu :) damit Du nicht siehst, was mit Semir wieder passiert :rolleyes:


    16:00 Uhr


    Mirijam kam mit einem Teller voll Essen und einer Gabel ins Zimmer.
    Semir wusste nicht, was er davon halten sollte.
    -´Wie lange wird das hier dauern?`-
    „Ich dachte, dass Sie hungrig sein müssen!“
    Sie setzte sich neben Semir auf den Boden.
    Semir hatte noch immer große Schmerzen, aber er versuchte es auf die witzige Tour. Wenn er sie in ein Gespräch verwickeln konnte, erfuhr er vielleicht etwas über ihren Plan.
    -´Sollte ich mich irgendwann, irgendwie befreien können, kann mir das behilflich sein! Irgendwie!`-
    „Wenn ich stehen könnte, hinge mein Magen bestimmt schon zwischen meine Kniekehlen.“
    Er grinste sie an. Aber durch die Schmerzen wurde es leider nur ein schiefes Lächeln.
    „Wenigsten haben Sie Ihren Humor nicht verloren!“
    Sie sah ich besorgt an.
    „Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus dass ich Sie füttern muss? Peter hat mir verboten Sie loszubinden.“
    Beschämt schlug sie die Augen nieder.
    „Semir grinste.
    „Nein, macht es nicht!“
    Langsam begann sie Semir zu füttern. Erst jetzt bemerkte er, wie hungrig er eigentlich war und aß fast den Teller leer.
    Als sie fertig waren, grinste er sie wieder schief an.
    „So einen Service hat man nicht alle Tage! Da kann man es sogar aushalten!“
    Sie blickte ihn erstaunt an.
    „Sie sind schon ein komische Typ, ganz anders als Peter Sie beschrieben hat.“
    Semir sah sie genau an. Er wusste, dass er nicht übertreiben durfte.
    „Wie heißen Sie?“
    Sofort machte sie wieder einen Rückzieher.
    „Das ist doch egal! Sie werden es später sowieso erfahren!“
    „Wenn ich schon gepflegt und gefüttert werde, möchte ich wenigstens wissen, von wem!“
    Sie sah ihm stolz und aufrichtig in die Augen
    „Mirijam.“
    „Ich bin Semir.“
    „Ich weiß, Peter hat mir alles über Sie erzählt.“
    „So! Was hat Peter denn über mich erzählt?“
    Ihr Blick wurde augenblicklich trotzig und sie stand auf.
    „Das Sie schuld daran sind, dass er eingesperrt wurde!“
    Aus Trotz wurde Zorn und der spiegelte sich in jedem einzelnen Wort wieder, das Mirijam von sich gab.
    „Wissen Sie eigentlich, was die im Gefängnis alles mit ihm gemacht haben? Frischfleisch nennen die jeden Neuen, der reinkommt. Er hatte nie die geringste Chance, sonst hätten die ihn kalt gemacht. Man fühlt sich wie ein totes Stück Fleisch!“
    Ihr liefen Tränen über die Wangen.
    „Peter hat Recht, ich sollte mich nicht mit Ihnen unterhalten.“
    Semir sah seine Felle davon schwimmen und versuchte sie zu beruhigen.
    „Mirijam! Ich habe Peter nur verhaftet. Ich bin nicht schuld, an dem Unfall mit zwei toten Menschen. Auch wenn er es nicht mit Absicht gemacht hatte, er war schuldig und das wissen Sie! Mirijam?!“
    Semir versuchte sie mit Gesten zu beruhigen, aber er hatte bei der kleinsten Bewegung Schmerzen und stöhnte auf.
    Sie stürzte weinend aus dem Zimmer.


    -´Na, das hast Du ja toll hingekriegt, Semir! Anstatt, dass sie Dir hilft, hast Du sie weg gejagt.`-
    Mit einem resignierenden Seufzer ließ er den Kopf hängen.
    -´Verdammt noch mal!`-
    Sein Blick blieb an dem Teller und der Gabel hängen, die sie vergessen hatte. Die Gabel lag auf dem Teller und der stand neben ihm am Boden. Außer Reichweite seiner Hände.
    -´Wie komm ich da ran?`-
    Semir überlegte fieberhaft.
    -´Denk nach! Verdammt!`-
    Mirijam oder Peter konnten jeden Augenblick zurückkommen um das Geschirr zu holen.
    Er kam nur auf eine Möglichkeit, an die Gabel ran zu kommen. Er musste sie mit den Zähnen zu fassen bekommen. Und das schaffte er nur in dem er sich zur Seite fallen ließ.
    Obwohl er nicht wusste wie viel Zeit ihm blieb, bis einer der Beiden auftauchen würde, ließ er sich Zeit. Er atmete ein paar Mal tief durch. In der Gewissheit, welche Schmerzen auf ihn zu kommen würden schloss er die Augen.
    Semir ließ sich so langsam wie möglich zur Seite gleiten. Er unterdrückte einen Schrei, konnte aber ein Stöhnen nicht verhindern.
    Als er mit dem Gesicht vor dem Teller lag, war sein linker Arm zum zerreisen gespannt. Er hatte das Gefühl, als wolle jemand seinen Arm aus dem Schultergelenk reißen und er sah nur noch Sterne hinter seinen geschlossenen Lidern. Die Angst, dass er sein Bewusstsein verlieren könnte wuchs von Augenblick zu Augenblick.
    -´Bitte nicht! Nicht jetzt!`-
    Sein Gewicht zerrte an seiner Schulter und er dachte, dass er vor Schmerzen verrückt werden würde. Er presste seinen Augen noch mehr zusammen und atmete tief und langsam ein und aus.
    Er wusste, dass ihm keine Zeit blieb um die Schmerzen abklingen zu lassen.
    Er hob den Kopf und schob ihn an den Teller ran. Mit dieser Bewegung verlagerte er sein verletztes Bein ein wenig und hässlicher Schmerz durch lief seinen ganzen Körper. Schweiß ran ihm übers Gesicht und er war sofort wieder am ganzen Körper nass.
    Sein Bewusstsein versuchte abzudriften.
    ´-´Nein! Verdammt! Nicht!`-
    Er schaffte es die Gabel mit den Zähnen zu packen.
    -´Geschafft! Jetzt nur nicht den Geist aufgeben! Ruh Dich danach aus solange Du willst! Aber nicht jetzt!`-
    Seine Nasenflügel bebten bei jedem Atemzug. Der Schweiß, der ihm in die Augen rann brannte fürchterlich und ließ ihn unaufhörliche blinzeln.
    -´Ich muss hoch, verdammt!`-
    Semir wusste, dass er sich schnell aufrichten musste. Er hatte Angst vor den Schmerzen, aber er hatte nur eine Chance.
    Mit seiner rechten Hand hielt er sich am Heizungsrohr fest und zog sich hoch. Er biss die Zähne zusammen um nicht aufzuschreien. Der Schweiß lief in Bächen an seinem Körper entlang.
    -´Nur nicht die Gabel verlieren!`-
    Er wusste, dass er es ein zweitesmal nicht schaffen würde. Automatisch half er mit dem linken Arm mit, was mit schrecklichen Schmerzen quittiert wurde.
    Irgendwie hatte er es dann doch geschafft und lehnte wieder an der Nische. Er nahm die Gabel in die Hand und ein mattes leidiges Lächeln umspielte kurz seinen Mund. Sofort versteckte er die Gabel unter der Matratze.
    Sein Puls hatte sich noch nicht beruhigt und die Schmerzen waren noch immer unerträglich, als er den Schlüssel in der Tür hörte.
    Mirijam trat auf ihn zu und er bemerkte ihre verweinten Augen.
    Wortlos nahm sie den Teller und drehte sich wieder um.
    „Mirijam?“
    Sie reagierte nicht auf Semir und verschwand wieder nach draußen.
    -´Wird sie es bemerken?`-
    Semir war so müde und schloß für einen Moment die Augen. Ohne es zu merken schlief er sofort ein.





    18:30 Uhr


    Tom und Andrea saßen in Annas Büro. Man konnte die Anspannung beinahe spüren, keiner sprach ein Wort. Alle Augen waren auf das Telefon gerichtet. Neben Tom stand der Metallkoffer mit dem Lösegeld auf dem Boden.
    Als das Telefon klingelte erschraken alle drei.
    Anna sah Tom und Andrea streng an.
    “Es geht los!”
    Sie drückte auf die Freisprechtaste am Telefon.
    „Engelhardt!“
    „Haben Sie das Geld?“
    „Ja!“
    „Gut! Fahren Sie nach Neugrefrath! 10 Kilometer nach dem Ort befindet sich ein Parkplatz im Wald. Schieben Sie den Koffer mit dem Geld unter den Grünglascontainer und verschwinden wieder! Wenn Ihnen das Leben Gerkahns was bedeutet, rate ich Ihnen keine faulen Tricks zu versuchen, verstanden?“
    „Ja, natürlich! Aber ich möchte erst mit Gerkahn sprechen! Woher sollen wir wissen, dass er noch am Leben ist?“



    Peter stieß Semir unsanft in die Seite. Stöhnend wurde er wach.
    „Deine Chefin will mit Dir reden!“
    Peter hielt ihm das Handy ans Ohr.
    Gerade als Semir zu sprechen beginnen wollte, schlug Peter auf sein verletztes Bein.
    „Aaahh! Oh Gott!“
    Semir schrie vor Schmerzen laut auf.


    Andrea schlug die Hände vor den Mund, um nicht zu schreien. Ihre Augen blickten gequält auf das Telefon und füllten sich mit Tränen.
    Anna sah sie scharf an.
    „Semir, wie geht es Ihnen?“


    Semir antwortete schmerzverzerrt.
    „Mir ging´s noch nie besser, Chefin!“
    Peter schlug ihm ins Gesicht.


    Die drei hörten nur noch das stöhnen und ächzen.


    Peter nahm das Handy wieder an sich.
    „Sie haben 30 Minuten, sonst geht es ihm nicht mehr so gut!“
    Er schaltete das Handy aus.
    „Dir werd ich Dein freches Maul schon noch stopfen, darauf kannst Du wetten!“
    Er schlug Semir noch einmal ins Gesicht.
    In dem Moment kam Mirijam in den Raum und starrte entsetzt auf ihren Bruder.

  • :baby:Ja, ja, ja :D :D Es geht weiter 8)



    Anna stand sofort auf und betrachtete die Karte an ihrer Wand.
    „Das ist der Parkplatz, an dem wir den gestohlenen Van gefunden haben!“
    Sie sah Tom an.
    „Das wird knapp, Tom! Sie müssen sofort los!“
    Andrea weinte leise. Die Qualen die sie durchstand, sah man in ihren Augen, dem Gesicht und sogar in ihrer Körperhaltung.
    Tom tat es leid, dass er sie jetzt nicht trösten konnte aber er musste los.



    18:35 Uhr


    Soviel Hass.
    Mirijam hatte ihren Bruder noch nie so gesehen. Sie bekam plötzlich Angst vor ihm.
    -´Sollte Semir Recht behalten und Peter wird ihn töten?`-
    So schnell wie er kam, verwarf sie den Gedanken auch wieder.
    -´Peter würde so etwas nie tun!`-
    Sie sah entsetzt auf Semirs blutenden Mund und Nase.
    -´Ich kenne meinen Bruder. Er ist dazu nicht fähig!`-
    Semir stöhnte und spuckte Blut aus.
    -´Ich kenn ihn doch, oder?`-
    Sie wollte Semir helfen, aber Peter hielt sie grob am Arm zurück.
    „Laß Ihn in Ruhe! Er ist nur ein scheiß Bulle, das gehört zu seinem Berufsrisiko!“
    Semir bemerkte die Zweifel, die Mirijam hatte und flehte sie mit den Augen an, ihm zu helfen.
    Peter zog seine Schwester aus dem Raum.
    Draußen auf dem Flur packte Peter Mirijam an den Schultern und schüttelte sie.
    „Mirijam! Hör zu!“
    Er hörte auf sie zu schütteln, stattdessen nahm er sanft ihr Gesicht in seine Hände.
    „Wir sind fast am Ziel! Ich fahr jetzt los und hole das Geld. Du bleibst hier und passt auf ihn auf. Geh nicht mehr rein, bis ich wieder da bin! Der hat Dich schon ganz kirre gemacht. Hast Du mich verstanden?“
    Mirijam nickte nur zögerlich.
    Peter lächelte sie an, aber seine Augen blieben kalt und gefühllos.
    Er ließ sie los,
    „Geh nicht zu ihm rein!“
    und verschwand.
    Mirijam ließ sich die Wand runtergleiten und starrte, auf dem Boden hockend auf die Tür gegenüber. Sie wusste nicht mehr, was sie machen sollte.
    -´Was ist bloß in Peter gefahren?`-
    Sie begann stumm zu weinen.



    18:45 Uhr


    Semir wartete, bis die Schmerzen erträglich wurden und holte dann die Gabel hervor. Er machte sich daran, das Schloß der Handschellen zu öffnen. Er wusste, dass das nicht leicht werden würde. Mit einer Gabel hatte er es noch nie probiert.
    Als er es endlich geschafft hatte atmete er erleichtert auf.
    -´Jetzt noch den Fuß!`-
    Er stützte sich auf seinen rechten Arm und beugte seinen Oberkörper Richtung Füße. Da er sich nicht traute, sein linkes Bein abzuwinkeln schob er es einfach nach mit der Hüfte vorne. Die Schmerzen, die dabei entstanden waren Gott sei Dank auszuhalten.
    Den Knoten am Seil zu lösen stellte ein neues Problem dar. Semir konnte den linken Arm kaum bewegen und seine Finger waren kraftlos. Ständig wurde ihm schwindlig und er musste mehrmals einen Brechreiz unterdrücken. Ihm kam es so vor, als ob es immer heißer in dem Zimmer werden würde. Der Schweiß rann immer noch in Bächen an ihm herab. Er glaubte, dass es keine Stelle an seinem Körper gab die nicht schmerzte. Er schaffte es schließlich den Fuß zu befreien.
    Nun musste er aufstehen und wenn möglich nicht gleich wieder umkippen. Er zog sich, darauf bedacht nur sein rechtes Bein und seinen rechten Arm zu benutzen an der Heizung hoch.
    Als Semir endlich stand, lehnte er sich mit Kopf an die Wand neben dem Fenster. Sie war etwas kühler als die Luft in diesem Raum. Mit dem rechten Arm wischte er sich den Schweiß aus dem Gesicht.
    Zornig sah er das verschmierte, frische Blut auf seinem Arm.
    -´Das bekommst Du zurück, Du Penner!`-
    Semir drehte sich so, dass er direkt neben dem Fenster, mit der rechten Seite an der Wand lehnte. Vorsichtig schob er seinen Kopf vor um einen Blick nach draußen zu werfen. Er sah eine freie Fläche vor sich und gegenüber ein hallenähnliches Gebäude mit kaputten Fenstern und verrußten Mauern.
    -´Das muss eine verlassene Fabrik sein!`-
    Er sah das Fenster genauer an und stellte fest dass es keine Gitter und kein Schloss besaß.
    -´Das nutzt mir nicht viel! In meinem Zustand komm ich nicht weit. Ich muss an mein Handy und meine Waffe ran! Aber wie?`-
    Er öffnete das Fenster.
    -´Wenn jemand reinkommt, läuft der bestimmt zum offenen Fenster!`-
    Semir konnte sich gerade noch am Fensterrahmen festhalten, als ihm plötzlich schwindlig wurde. Ihm wurde aufeinmal übel und er musste sich übergeben. Sein Körper fühlte sich auf einmal so schwach an, dass er dachte seine Beine geben unter ihm nach.
    Mit geschlossenen Augen atmete er mehrmals tief durch, bis die Übelkeit und die Schwäche etwas nachließen.
    Als es ihm besser ging, ging er auf die Knie. Sein geschundener Körper protestierte mit enormen Schmerzen dagegen. Sein stöhnen kam durch zusammengepresste Lippen. Beinahe hätte er aufgeschrien.
    -´Ich muss da durch! Wie viel Schmerzen kann man den aushalten?`-
    Semir schob krappelnd seinen Körper an der Wand entlang zum Tisch mit dem Stuhl. Am Stuhl angelangt zog er sich daran hoch und musste eine Pause einlegen. Wenn er noch etwas im Magen gehabt hätte, hätte er sich wieder übergeben. So würgte es ihn nur ein paar Mal, jedesmal fühlte er sich schwächer.
    Vorsicht hangelte er sich mit dem Stuhl rückwärts zur Wand neben der Tür. Hier würde er hinter der offenen Tür stehen, wenn jemand rein kam. Er traute sich nicht, sich auf den Stuhl zu setzen weil er wusste dass er nicht schnell genug hoch kommen würde.
    Semir wusste nicht, ob er die Wartezeit, ohne umzukippen überstehen würde. Oder ob er dann noch genügend Kraft besaß den Stuhl hoch zu reißen und damit zu zuschlagen.
    -´Wenigstens muss ich es versuchen!`-
    Er zitterte vor Erschöpfung aber er war fest entschlossen das durchzuziehen.




    18:50 Uhr


    Nachdem Andrea an ihrem Schreibtisch Platz genommen hatte, läutete Annas Telefon erneut.
    „Engelhardt!“
    Sie hörte aufmerksam zu.
    „Danke, Jochen!“
    Sie legte auf und lief zu Andrea.
    Anna setzte sich selbst ans Funkgerät.
    „Cobra Zentrale an alle! Der Anruf kam aus der verlassenen Brikettfabrik bei Neubottenbroich. Alle Mann dort Stellung beziehen! Kein Zugriff ohne meinen direkten Befehl!“


    Alle Einheiten machten sich auf den Weg zur Fabrik.


    „ Cobra 11 an Zentrale!“
    “Hier Cobra 11! Was gibt´s Chefin?”
    „Sie bleiben trotzdem an dem an dem Geldboten dran! Wir müssen damit rechnen, dass Semir wo anders untergebracht wurde und nur der Anruf aus der Fabrik kam. Verstanden?“
    „Ja, Chefin! Ich melde mich, sobald dem Bote mit dem Geld verschwindet. Cobra 11, Ende!“
    Tom fiel eine Zentnerlast von den Schultern, aber das mulmige Gefühl in seinem Magen blieb.
    „Bald haben wir Dich wieder, Partner!“
    Im Gegensatz zu seinen zornig dreinblickenden Augen umspielte ein erleichtertes Lächeln seine Lippen.
    Auf dem Parkplatz schob er sofort den Koffer unter den angewiesenen Container und fuhr weiter.
    Zu seinem Glück befand sich nicht weit weg, vielleicht mal 800 Meter ein Feldweg, der in den Wald führte. Tom fuhr soweit in den Wald rein, bis er sicher war dass man sein Auto nicht von der Straße aus sehen konnte und lief zu Fuß zum Parkplatz zurück. Während er sich auf die Lauer legte, fuhr ein Jeep an ihm vorbei.
    Als sich nach 10 Minuten noch nichts gerührt hatte, rief er in der PAST an.
    „Was ist los, Tom?“
    „Andrea, check mal das Signal vom Lösegeld! Schau, ob es sich schon bewegt!“
    Andrea warf ein Blick auf den Monitor.
    „Es ist immer noch an Ort und Stelle! Ist was passiert?“
    „Nein, eben nicht! Gib mir die Chefin!“
    „Ich verbinde Dich mit ihr!“
    „Engelhardt!“
    „Chefin! Hier tut sich nichts! Seit 10 Minuten lieg ich nun schon auf der Lauer und es kommt niemand!“
    Anna überlegte kurz.
    „Warten Sie noch 10 Minuten, dann sehen Sie nach, was los ist! Melden Sie sich, sobald sich was ändert!“
    Sie legten beide auf.
    Auf Annas Gesicht zeichnete sich Überraschung und Besorgnis ab.
    -´Was hat das wohl zu bedeuten?`-



    Tom schob sein Handy in die Jackentasche.
    Er dachte gar nicht daran, noch zu warten, es stand das Leben seines Freundes auf dem Spiel.
    Vorsichtig näherte er sich dem Container und fasste darunter. Er konnte den Koffer nicht finden.
    Flach auf dem Bauch liegend schob er sich soweit unter den Container wie er konnte. Plötzlich fasste seine Hand ins Leere.
    Er wusste sofort bescheid.
    „Dieses Arschloch hat sich einen Tunnel gegraben!“
    -´Nicht schlecht!`- dachte anerkennend.
    Während er zu seinem Mercedes zurück lief rief er Anna an.
    „Chefin, das Geld ist weg. Der hat sich einen Tunnel gegraben. Ich hätte da liegen können, bis ich schwarz werde. Vor 10 Minuten ist hier ein Jeep vorbei gefahren, vielleicht war er das! Ich bin in 20 Minuten bei Euch an der Fabrik!“
    Am Wagen angekommen rief er Andrea.
    „Andrea! Vergiss das Signal, er hat das Geld aus dem Koffer genommen und ist schon unterwegs. Ich fahre jetzt zu den Brikettfabrik!“
    Tom fuhr los.
    „Dich krieg ich schon, Du Penner! Na warte!“
    Wild entschlossen, seinen Partner und Freund zu retten trat er das Gaspedal voll durch.


    Ich hoffe Ihr seid zufrieden ?( 8)

  • :baby: Futter für cobra1963 :D



    19:05 Uhr


    Wenn Semir den Stuhl nicht gehabt hätte, wäre er schon längst umgekippt. Er dacht schon, es würde nie mehr jemand kommen, als sich der Schlüssel in der Tür drehte.
    Mit aller Kraft, die er noch hatte hob er den Stuhl über seinen Kopf. Er begann gefährlich zu wackeln. Er erkannte Mirijam, aber sie hielt eine Waffe in der Hand.
    -´Mein Gott! Will sie mich etwa...?`-
    „Semir?“
    Mirijam lief zum Fenster und suchte ihn.
    Etwas in ihrer Stimme, als sie seinen Namen rief ließ ihn seinen Gedanken vergessen.
    Semir lieferte sich ihr auf Gedeih und Verderben aus, in dem er den Stuhl nach hinten fallen ließ.
    „Hier!“
    Er kippte zur Wand und wäre daran runter gerutscht, wenn Mirijam nicht zur Stelle gewesen wäre und ihn stützte.
    „Kommen Sie! Wir müssen hier weg!“
    „Aber, Peter?“
    Semir sah sie verwirrt an.
    „Er holt das Lösegeld! Aber er kann jeden Augenblick zurückkommen!“
    Sie hielt ihn so fest, dass er nicht umfallen konnte, als für einen Moment seine Füße wieder unter ihm nachgaben.
    „Wieso?“
    Semir brachte das Wort nur schwach heraus.
    „Ich glaube, Sie haben Recht! Ich habe meinen Bruder noch nie so voller Hass erlebt. Das Gefängnis hat ihn sehr verändert. Als er Sie vorhin geschlagen hat, hab ich soviel Wut und Zorn und Hass in seinen Augen gesehen. Ich erkenne ihn nicht wieder! Kommen Sie endlich!“
    Sie gab ihm seine Pistole und Semir steckte sie sich in den Hosenbund. Nach dem ersten Schritt wollte er sie zurück halten.
    „Haben Sie ein Auto?“
    Mirijam zog ihn einfach weiter.
    „Nein.“
    Diesmal blieb Semir einfach stehen.
    „In meinem Zustand kommen wir zu Fuß nicht weit! Es reicht, wenn ich ein sicheres Versteck finde und Sie dann Hilfe holen!“
    „Ja! Aber nun kommen Sie! Ich habe mir dasselbe gedacht und ein Versteck für Sie gefunden.“
    Jeder Schritt verursachte Semir fast unerträgliche Schmerzen, aber er biss die Zähne zusammen und stöhnte nur leise. Mit Mirijam als Stütze gelangte er ins Freie. Sofort brannte die Sonne gnadenlos auf sie herunter. Sie lief mit ihm nach rechts und dann gleich wieder rechts in eine kleine Gasse zwischen den Gebäuden hinein. Als die das Ende der Gasse erreicht hatten, war Semir mehr tot als lebendig.
    Mirijam deute auf einen Halleneingang ohne Tür im gegenüberliegenden Gebäude.
    „Wir müssen schnell über den freien Platz laufen! Glauben Sie sie schaffen es?“
    Semir konnte nicht sprechen und nickte nur leicht.
    „Sollte das jetzt etwa ein Lächeln sein.“
    Mirijam sah ihn verwirrt an.
    Semir nickte wieder. Seine Beine gaben erneut unter ihm nach und er wäre beinahe hingefallen, hätte Mirijam ihn nicht festgehalten.
    Sie konnte sich nicht lange mit ihm aufhalten und packte ihn rücklings unter den Schultern.
    Semir schrie auf, aber sie gab nicht nach und schleifte ihn rückwärts über den freien Platz zur Halle und zog ihn hinein. Sie zerrte ihn zum nächst stehenden Hochofen. Semir hatte das Bewußtsein verloren und sie ließ ihn zu Boden gleiten.
    Mirijam kroch auf dem Bauch mit den Füßen voran in die Feuerluke, dann packte sie Semir am Kragen und zog ihn hinter sich her.
    Im innern des Ofens stand sie auf und zog Semir ganz rein. Sie lehnte seinen Oberkörper sachte an die Ofenwand und tätschelte sein Gesicht.
    „Semir?“
    Sie schlug ein bisschen kräftiger zu.
    „Semir! Komm zu Dir!“
    Er kam zu sich und stöhnte wieder auf.
    „Semir?“
    „Ja!“
    „Du bist hier in Sicherheit!“
    „Wo sind wir?“
    „In einem der Hochöfen. Ich gehe zurück und versuche Hilfe zuholen! Du bleibst hier und wartest! Ich mache zwar die Feuerluke zu, aber ich verriegle sie nicht!“
    „Warum tust Du das für mich?“
    „Ich will meinen Bruder von einem Mord abhalten. Ich will nicht für Deinen Tod verantwortlich sein, nicht mal für meinen Bruder!“
    Etwas trauriger sagte sie.
    „Wenn er denn noch mein Bruder ist. Ich ...“
    Sie senkte den Kopf und kroch durch die Feuerluke.
    Semir wollte protestieren, aber Mirijam war schon weg.
    Als sie die Feuerluke schloss, wurde es im Ofen ganz dunkel.
    „Tolle Aussichten!“




    19:25 Uhr


    Tom fuhr auf der Autobahn A4 und holte alles aus dem Mercedes raus. Um freie Fahrt zu haben hatte er sein Blaulicht eingeschaltet.
    Er überholte gerade einen Sattelschlepper als vor ihm ein Mercedes von rechts zum Überholen ausscherte.
    Tom schrie erschrocken auf und trat voll in die Eisen. Der Brummifahrer neben ihm erkannte sofort die Situation und machte dasselbe. Worauf sich der Auflieger selbständig machte und nach links ausbrach.
    Tom erwischte den Mercedes vor sich auf der linken Heckseite und schleuderte diesen nach vorne. Er selbst geriet ins Schlingern und versuchte nicht unter den Sattelschlepper zu geraten. Noch mal erwischte er den Mercedes, diesmal an der Seite, da dieser sich quer gestellt hatte. Der Mercedes überschlug sich und flog über die ganze Fahrbahnbreit nach rechts. Die Leitplanke fing ihn auf und er blieb auf dem Dach liegen.
    Toms Mercedes stand beinahe und sah in den Rückspiegel um den Nachfolgenden Verkehr zu beobachten. Seine Augen weiteten sich vor Angst, als er den quer stehenden Auflieger auf sich zu kommen sah.
    „Ach Du Scheiße!“
    Sofort trat er das Gaspedal wieder durch, in der Hoffnung schnell genug zu sein.
    Der Auflieger kam mit voller Breitseite auf ihn zu und donnerte auf Toms Mercedes.
    Der Mercedes wurde durch die Wucht in die Luft geschleudert, fing sich am Führerhaus und fiel mit der Beifahrerseite nach unten wieder vor den Auflieger. Die restlichen Meter wurde Tom von dem Sattelzug mit geschleift. Als er endlich zum stehen kam befreite er sich sofort aus dem Wagen und lief auf die Standspur. Tom hatte eine mächtige Beule und eine Platzwunde an der Stirn. Sein linkes Bein gab beim Laufen ständig nach. Er achtete nicht darauf. Ein Blick auf das Führerhaus des Brummis reichte, um zu erkennen dass dem Fahrer nichts Ernstes fehlte.
    Im Laufen griff er zu seinem Handy und rief die PAST an.
    „Unfall auf der A4, Kilometer 45,9!“
    Hinter dem Sattelschlepper krachte es immer noch, Bremsen quietschten und Rauch machte sich breit.
    „Mehrere RTW, die Feuerwehr und die Polizei! Ich bin mitten drin und der Mercedes ist Schrott. Ich brauch sofort den Heli!“
    Er hatte seinen Lauf nicht unterbrochen und steckte sein Handy wieder ein.
    Tom erreichte den Mercedes, des Unfallverursachers und versuchte verbissen die Tür aufzubekommen. Erst als ihm der Brummifahrer zu Hilfe kam schafften sie es. Der Fahrer sah ziemlich übel aus und war bewusstlos. Sie zogen ihn aus dem Wagen, als Tom im Augenwinkel eine Bewegung ausmachte. Er drehte den Kopf entgegen der Fahrtrichtung und sah auf der Standspur ein Auto auf sich zurasen.
    „Weg hier!“
    Schrie er dem Brummifahrer zu, packte den Bewusstlosen und riss ihn mit sich zur Leitplanke. Er sprang über die Leitplanke und der Brummifahrer half ihm den Mann rüber zu heben, wobei er selbst auch sprang. Sie ließen sich in dem Moment ins Gras fallen, als das Auto in den Mercedes raste.
    Beide Autos verwandelten sich sofort in einen Feuerball und Tom, der Brummifahrer und der Bewusstlose wurden nach hinten geschleudert. Zu ihrem Glück fiel das Geländer sehr steil nach unten ab, so dass sie nicht die ganze Wucht der Explosion traf. Tom rappelte sich unten sofort wieder auf und sprang etwas von den brennenden Autos entfernt wieder auf die Autobahn. Dem Fahrer in dem brennenden Auto war nicht mehr zu helfen. Der war schon bei der Explosion tot. Er erreicht die ersten Autos hinter dem Sattelschlepper. Die Auffahrunfälle hatten zwar noch nicht aufgehört aber es waren schon weniger geworden. Er sah eine Frau in den Gurten hängen und holte sie raus.
    „Können sie alleine gehen?“
    Der Schock saß der Frau in den Knochen,
    „Ja! Natürlich!“
    Sie brach in Toms Armen zusammen. Er trug sie zur Seite und legte sie auf der Standspur ab. Er sah einen Mann, der unverletzt aussah.
    „He!“
    Der Mann sah zu ihm her.
    „Bleiben Sie bitte bei dieser Frau! Sie hat einen Schock. Die Krankenwagen kommen gleich!“
    Der Mann setzte sich neben die bewusstlose Frau und hielt ihr die Hand.
    Endlich war der Krach verstummt und Tom sah sich das Ausmaß des Unfalls an. Es waren mindestens 20 Autos darin verwickelt.
    Er nahm noch mal sein Handy zur Hand.
    „Chefin! Ich sitze auf der Autobahn fest! Es hat einen Massenunfall gegeben. Ich hab den Heli angegfordert. Ich komm dann gleich zu Euch raus!“
    Er steckte es wieder weg und begann sich, trotz seiner Sorge um Semir um die Verletzten zu kümmern.



    Hoffe es gefällt Euch :rolleyes: 8)

  • :baby: Hier ist der Nachtisch 8)



    19:30 Uhr


    Anna Engelhardt beobachtete den Jeep, der gerade auf die Fabrik zu fuhr und wartete in welches Gebäude der Fahrer gehen würde. Als der Mann in einem Gebäude verschwunden war, wollte der SEK Einsatzleiter seine Männer los schicken.
    Anna hielt ihn zurück.
    „Noch nicht! Wir wissen nicht, wie viele sich dort aufhalten! Ich möchte meinen Mann nicht gefährden, nur weil wir nicht warten konnten!“
    Der Einsatzleiter hörte einen seiner Männer über Kopfhörer.
    „Frau Engelhardt! Eine Person ist von der Rückseite des Zielobjekts ins Haus gegangen!“
    „Eine Person? Von wo kam sie?“
    Der Einsatzleiter zeigte es ihr an einem Gebäudeplan, der auf der Motorhaube ihres Wagens lag.
    „Wurde sonst noch jemand gesehen?“
    „Nein!“
    Anna nahm das Fernglas wieder zur Hand.



    19:35 Uhr


    Peter gab seiner Schwester eine Ohrfeige dass sie zu Boden stürzte. Mirijam sah ihm ängstlich und mit schmerzverzerrtem Gesicht an.
    „Wo hast Du ihn versteckt?“
    Trotzig stand sie auf und sah ihm fest in die Augen.
    „Dort wo Du ihn nicht finden kannst!“
    Er packte sie an den Schultern.
    „Warum tust Du mir das an, Mirijam?“
    „Ich will ...“
    Tränen der Verzweiflung liefen ihr plötzlich über die Wangen.
    „Ich will Dich doch nur Beschützen, Peter! Wenn Du ihn tötest, begehst Du einen großen Fehler!“
    In Peters Blick lag nur Verachtung für sie.
    „Du stellst Dich gegen mich? Auf seine Seite?“
    Als sie ihm keine Antwort gab ließ er sie los und ging in das Zimmer, das dem Raum in dem Semir festgehalten wurde gegenüber lag. Als Mirijam Pieptöne hörte trat sie ebenfalls ein und sah nach, was er machte.
    Entsetzt sah sie dass er eine Bombe platzierte und den Zeitzünder auf 10 Minuten einstellte.
    „Was machst Du da?“
    Sie hatte plötzlich große Angst.
    Peter drehte sich nicht zu ihr um.
    „Ich jage jedes Gebäude hier in die Luft! Irgendwo steckt er und ich werde ihn erwischen!“
    Peter lief nach draußen und nahm unbewusst den gleichen Weg wie zuvor Mirijam und Semir. Sie lief ihm hinterher.
    „Peter! Das kannst Du doch nicht machen!“
    Er lief einfach weiter und kümmerte sich nicht um sie.
    Er kam in die Halle mit den Hochöfen, Mirijam stürzt ihm hinterher.
    Sprachlos sah sie zu, wie am ersten und letzten Ofen eine Bombe anbrachte und die Zünder einstellte.
    Peter rannte durch die Halle in das nächste Gebäude.
    Mirijam stand unentschlossen da. Ihr Blick schoss zwischen dem zweiten Hochofen und der Verbindungstür hin und her.
    Sie wusste nicht, ob der Ofen die Explosion überstehen würde. Wenn sie Semir jetzt rausholte dann bestand die Gefahr, dass Peter ihn doch noch sah und ihn erschoss! Oder Semir erschoss Peter! Sie hatte noch ein paar Minuten Zeit und lief Peter hinterher.
    „Peter! Bitte lass das! Du hast doch das Geld! Warum verschwindest Du nicht einfach?“



    19:40 Uhr


    Der SEK Einsatzleiter meldete Anna.
    „Wir haben zwei Zielpersonen gesichtet! Sie kamen aus dem Gebäude1!“
    Er deutete auf den Plan vor Anna.
    „ Und befinden sich jetzt in Gebäude 6!“
    Er deutete wieder auf den Plan.
    „Sie laufen gerade durch eine Verbindungstür in das angrenzende Gebäude!“
    Anna sah ihn fragend an.
    „Können Ihre Männer erkennen, ob sich eine dritte Person in Gebäude 6 oder den anderen befindet?“
    „Negativ! Nur diese beiden!“
    „Was mag das wohl bedeuten?“
    Sie sagte das mehr zu sich als zum Einsatzleiter. Ihr Gesichtsausdruck wurde immer besorgter, obwohl sie dachte dass das nicht mehr ginge.

  • :baby: Ein neuer Happen für Euch :D :D :D


    Peter sah Mirijam erschrocken an.
    „Kommst Du denn nicht mit mir?“
    Entschloßen sah sie ihm fest in die Augen.
    „Nein, ich kann nicht! Aber Du musst Dich in Sicherheit bringen, bitte!“
    Ihre Stimme und ihre Augen flehten ihn an.
    Peter war von einem Moment auf den anderen Niedergeschlagen, er drehte sich einfach um und machte weiter.



    19:45 Uhr


    Mirijam konnte nicht anders, sie lief zu Semir zurück.
    Gerade als die in die Halle mit den Öfen zurück kam explodierte das erste Gebäude. Erschrocken warf sich Mirijam auf den Boden. Als sie merkte, daß ihr keine Gefahr drohte sprang sie auf und lief noch schneller zu dem Ofen, in dem Semir war.


    Dieter und Hotte duckten sich automatisch, als das Gebäude in die Luft flog. Als sie ihre Köpfe wieder hervor streckten erklang auch schon das,
    „Zugriff!!“
    aus dem Funkgerät.
    Mit vier SEK Männern stürmten sie auf Gebäude 6 zu.


    Mirijam kroch zu Semir in den Ofen.
    „Mirijam? Was ist da draußen los?“
    „Peter, jagt ein Gebäude nach dem anderen in die Luft! Er hofft Dich so töten zu können! Wir müssen hier weg! Sofort!“
    Sie half Semir zur Luke und wie vorhin kroch sie rücklings auf den Bauch raus. Diesmal ging es etwas schneller, da Semir sie einigermaßen unterstützen konnte. Sie zerrte Semir auf die kleine Hintertür der Halle zu, als sie im Nebengebäude Schüsse hörten. Mirijam blieb wie angewurzelt stehen und sah in die Richtung in der sich ihr Bruder befand. Pure Angst stand in ihren Augen.
    „Peter?“
    Semir erkannte, dass Mirijam nahe daran war zu ihrem Bruder zu laufen.
    „Mirijam!?“
    Sie sah ihn an und blickte irgendwie durch ihn hindurch.
    „Mirijam, bitte! Du kannst nichts für ihn tun! Wir müssen hier raus!“
    Sie sah noch einmal in die Richtung aus der immer noch die Schüsse hallten. Dann packte sie Semir noch fester, so dass dieser aufschrie und begann mit ihm auf den Ausgang zu zulaufen. Semir dachte er müsse vor Schmerzen sterben, aber er gab nicht auf.
    In dem Moment wurde die Ausgangstür aufgestoßen und zwei Polizeibeamte mit vier vermummten Gestalten stürmten in Halle. Semir hob den Kopf und konnte verschwommen Hotte erkennen. Seine Augen tränten vor Schmerzen und er rief mit aller Kraft.
    „Raus hier! Hier sind Bomben!“
    Semirs Beine gaben nach und er wäre beinahe aus Mirijams Griff geglitten, als ihn zwei starke Hände festhielten.
    „Aber nicht ohne Dich, Kumpel!“
    Dieter legte sich Semirs rechten Arm um die Schultern und lief mit Mirijam weiter. Nach zwei Schritten war auch Hotte bei ihnen und befreite Mirijam von ihrer Last. Er legte sich Semirs linken Arm um die Schultern. Semir schrie und bäumte sich auf. Gleich darauf sackte er zusammen und verlor das Bewußtsein. Die beiden klemmten ihn zwischen sich und trugen ihn so schnell sie konnten zur Tür.
    Mirijam lief zu einem der SEK Leute und rief ihm zu.
    „Eine Bombe! Raus! Raus!“
    Sie winkte mit dem Arm während sie lief.



    Die Beamten und SEK Leute vom Nebengebäude hatten Peter überwältig. Er hatte eine Kugel ins linke Bein und eine in den rechten Arm bekommen. Einer der SEK Männer legte ihm gerade Handschellen an, als einer der Polizisten eine Bombe entdeckte.
    „Alle Mann raus hier! Da ist eine Bombe! Nichts wie weg!“
    Zwei SEK Männer packten Peter links und rechts unter den Armen und schleiften ihn mit.


    Dieter und Hotte mit Semir waren vielleicht 30 Meter vom Gebäude 6 entfernt. Mirijam und die SEK Männer etwas weiter als die zweite Bombe und gleich darauf die dritte detonierten. Die Druckwelle riss alle zu Boden.
    Dieter warf sich über Semir und versuchte ihn so gut wie möglich zu schützen. Mirijam wurde von etwas getroffen und wurde mit einem Aufschrei zu Boden geschleudert.


    In diesem Moment tauchte der Heli mit Tom auf. Voller Angst sah Tom auf das Inferno unter sich.
    „Semir!?“
    Verzweiflung lag in seinem Schrei. Er wies den Piloten an, hinter dem gerade explodierten Gebäude zu landen, als das nächste in die Luft flog. Sofort drehte der Helipilot ab. Befehl hin oder her, er wollte sein und Toms Leben nicht riskieren.
    Tom hatte Dieter und Hotte erkannt, die reglos am Boden lagen.
    -´Wo ist Semir?`-
    Sein ängstlicher Blick suchte das Gelände ab, aber er konnte ihn nicht sehen.
    „Semir?“
    Seine Stimmer war leise und voller Angst.
    -´Sind wir zu spät?`-
    Der Heli setzte etwa 50 Meter von Dieter und Hotte zur Landung an. Er berührte noch nicht mal den Boden, als Tom schon raus sprang. Durch sein verletztes Bein fiel er hin. Tom rollte über den Boden und rappelte sich wieder auf. Verzweifelt humpelte er auf seine Freunde zu. Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, bis er bei ihnen war.
    Hotte erhob sich gerade und blickte ungläubig auf das Flammenmeer hinter sich. Auch Dieter erhob sich gerade und Toms Blick fiel auf Semir, der seltsam verkrümmt am Boden lag.
    „Semir?“
    Er ließ sich sofort auf die Knie fallen und packte seinen Partner an den Schultern und schüttelte ihn.
    „Semir!“
    Als Semir sich nicht rührte betastete er ängstlich die Halsschlagader.
    „Er lebt!“
    Er grinste die beiden erleichtert an.
    „Er lebt!“
    Dieter und Hotte klatschten sich erleichtert gegen die Hände.
    Tom tätschelte vorsichtig Semirs Gesicht.
    „Semir? Komm schon Partner, wach auf!“
    Er hörte nicht damit auf, bis Semir stöhnend einen Arm hob um die Schläge abzuwehren.
    „Nicht!“
    Die drei strahlten um die Wette.
    Semir öffnete die Augen und sah sie erstaunt und verwirrt an.
    „Warum hat das so lange gedauert?“
    Tom lachte.
    „Ich habe versucht, meinen Mercedes so spektakulär, wie Du Deine BMW´s zu schrotten. Bin nah dran gekommen!“
    „Tom?“
    Semir hob seine rechte Hand und Tom ergriff sie.
    „Ja, Partner?“
    „Könntest Du das Nächste mal damit warten bis Ihr mich gerettet habt?“
    Toms Grinsen wurde noch breiter.
    „Sicher, Semir! Sicher!“
    Semir wollte sich erheben, ließ es aber mit einem lauten Stöhnen bleiben.
    Hotte und Dieter wollten etwas sagen, als sie ein anderes Stöhnen hörten.
    Dieter stand auf und ging darauf zu.
    Semir hatte es auch gehört.
    „Wo ist Mirijam?“
    Dieter rief ihnen zu.
    „Hier liegt eine Frau!“
    „Mirijam? Bringt mich zu ihr!“
    Tom und Hotte schauten sich verständnislos an. Hotte hob die Schultern.
    Beide halfen Semir hoch. Als sie Semir zu Mirijam begleiteten, kamen schon Sanis mit Tragen und ein Notarzt auf sie zugelaufen. Tom und Hotte ließen Semir so sachte wie möglich neben ihr zu Boden gleiten. Er nahm ihre Hand in die seinen und betrachtete sie Besorgt. Aus ihrer rechten Hüfte ragte ein großes Metallteil und sie blutete sehr stark.
    Semir strich ihr zärtlich über die Wange.
    „Es ist vorbei, Mirijam!“


    Während der Arzt sich zuerst um Mirijam kümmerte kam Anna Engelhardt zu ihnen.
    „Semir? Wie geht es ihnen?“
    Er sah sie traurig an.
    „Ich werd´s überleben, Chefin! Aber bei ihr ist das noch nicht sicher!“
    Semir sah wieder zu Mirijam hinüber.
    „Sie hat mir das Leben gerettet!“
    Habt Ihr Taschentücher parat ?( ?( Dann kommt das Ende nämlich noch heute :(;( ;( 8)

  • :baby: So Taschentücher raus :] :] :]



    Semir stand auf eine Krücke gestützt neben der Trage mit Mirijam.
    Sie öffnete die Augen.
    „Semir?“
    „Hier, Mirijam!“
    Er nahm ihre Hand und lächelte sie an.
    „Wo ist Peter?“
    „Er ist schon auf dem Weg ins Krankenhaus! Er wurde angeschossen. Aber es ist nicht lebensgefährlich.“
    Sie schloss dankbar die Augen, Tränen rannen ihr aus den Augenwinkeln. Er sah sie mitfühlend an.
    „“Warum hast Du das alles für mich gemacht?“
    Sie sah ihn unendlich traurig an.
    „Weil ich mich in Dich verliebt habe, schon als wir Dich in die Fabrik brachten.“
    Semir erschrak und senkte verlegen den Blick. Er wusste, dass er ihr Rechenschaft schuldig war. Schließlich hatte sie für ihn ihr Leben riskierte und verliert es vielleicht noch.
    Er streichelte sanft ihre Wange und sah sie ebenfalls traurig an.
    „Tut mir leid, aber ich kann das nicht erwidern! Du bist eine sehr hübsche ...“
    -´Verdammte Scheiße! Was rede ich den da?`-
    Er kam sich so hilflos vor und wusste wie abgedroschen dies alles klang.
    Er fing noch mal an.
    „Es gibt da bereits eine Frau!“
    Als er das sagte, wurde sein Blick unendlich zärtlich.
    Mirijam konnte die Liebe, die er für diese Frau empfand in seinen Augen sehen.
    Semir wusste nicht warum er ihr das erzählte, aber er sprach einfach weiter.
    „Sie weiß es nur nicht. Sie weiß nicht, dass ihr mein Herz schon seit langem gehört.“
    In seinem Blick flackerte Ungewissheit, als er den Blick in die Ferne richtete.
    Mirijam drückte seine Hand, so fest sie konnte. Das war in ihrer momentanen Verfassung wirklich nicht fest und kostete sie viel Kraft. Er sah sie an.
    „Du solltest es ihr sagen! Gleich wenn Du sie wieder siehst!“
    Sie konnte plötzlich die Angst in seinen Augen sehen.
    „Oh, nein! Ich weiß ja nicht mal, was sie für mich empfindet. Sie mag mich zwar, aber ...“
    Er sah wieder in die Ferne und dachte voller Sehnsucht an Andrea.
    -´Hat sie Angst um mich gehabt? Sicher hatte sie dass, weil sie mich mag. Aber lieben?`-
    Er sah Mirijam wieder an.
    „Sie ist die beste Frau, die es gibt! Und die schönste! Wenn ihr irgendwann einmal was passieren würde ...! Ich glaub, ich würde es nicht überleben, wenn sie nicht mehr da wäre!“
    „Du musst es ihr sagen, Semir! So wie ich Dir! Was nützt es Dir, wenn Du nicht weißt was sie für Dich empfindet?“


    Was beide nicht bemerkt hatten, war dass Andrea schon ein paar Augenblicke hinter ihnen stand. Sie konnte nicht mehr in der PAST bleiben ohne verrückt zu werden. Sie musste an Ort und Stelle sehen wie es Semir ging. Sie liebte ihn so sehr! Nun hörte sie das Gespräch unabsichtlich mit.



    Tom war erstaunt, als er Andrea hier sah. Sie ging auf Semir und Mirijam zu. Er wollte zu ihr hin gehen, als er einen leichten Druck auf seinem Arm spürte. Er sah Annas Hand, die ihn sanft zurück hielt. Fragend sah er sie an aber sie blickte nur wissend zu Semir und Andrea. Tom blieb neben ihr stehen und beobachtete mit ihr, Dieter und Hotte Semirs Abschied von Mirijam. Sie waren außer Hörweite, aber nahe genug um zu helfen, falls Semir sie brauchte.


    Man sah Semir an dass ein Ruck durch seinen Körper ging. Er drückte Mirijams Hand ganz vorsichtig und zärtlich.
    „Ja! Du hast Recht!“
    Seine Augen begannen zu strahlen.
    „Gleich wenn ich zurück bin und sie sehe, werde ich es ihr sagen! Ich sage ihr, dass ich sie liebe!“
    „Versprich mir das!“
    Semir beugte sich zu Mirijam nieder und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf den Mund.
    „Ich verspreche es! Danke!“
    Mirijam sah ihn unendlich traurig an.
    „Besuch mich wenigstens mal im Gefängnis!“
    Sie ließ Semirs Hand los und gab den Sanis ein Handzeichen, dass sie bereit zur Abfahrt war. Semir sah ihr nach, bis der Rettungswagen hinter einer Kurve veschwand.


    Andrea liefen die Tränen übers Gesicht, als sie Semir und Mirijam beobachtete. Sie wollte das Gespräch nicht belauschen, konnte aber nicht anders. Sie stand so nahe bei ihnen, dass sie unweigerlich jedes Wort hören konnte.
    Einerseits war sie überglücklich dass es Semir so weit gut ging. Andererseits.
    -´Wer war diese Frau, von der er sprach? Die er liebte!`-
    Andrea war voller Panik. Sie wusste nicht, ob sie gehen oder bleiben sollte.


    Semir drehte sich um und nahm ihr somit die Entscheidung ab. Völlig überrascht starrte er sie an.
    „Andrea? Was machst Du den hier?!“
    Er war verwirrt, Andrea war sonst nie am Einsatzort.
    Andrea schluckte und nahm allen Mut zusammen.
    „Ich hielt es in der PAST nicht mehr aus. Ich musste mit eigenen Augen sehen, wie es Dir geht – gleich!“
    Das letzte Wort war kaum zu hören, so leise sprach sie es aus.
    Semir strahlte plötzlich über das ganze Gesicht. Was ziemlich grotesk aussah, da er komplett mit Russ, Staub und Blut verschmiert war. Aber seine Augen strahlten wie zwei helle Sterne in der Nacht. Er bemerkte nicht, dass er vor Überraschung die Krücke hat fallen lassen. Als er einen Schritt auf Andrea zu ging fiel er stöhnend auf die Knie. Mit der rechten Hand stützte er sich am Boden ab. Andrea rannte auf ihn zu und versuchte ihn zu stützen. Sie kniete sich dazu vor ihm hin und griff ihm unter die Arme. Semir stöhnte noch mehr auf. Sie lockerte ihren Griff und hielt ihn am Oberkörper fest, so dass er nicht umfallen konnte. Semir legte seinen rechten Arm um ihre Schultern und zog sie leicht an sich.
    Andrea sah ihn überrascht an.
    Er setzte sein spitzbübisches Lächeln auf und sah ihr ernst in die Augen.
    Semir beugte seinen Kopf vor und gab ihr einen zärtlichen, zaghaften Kuss auf den Mund.
    Angstvoll bemerkte er ihren verwirrten Blick.
    Andrea nahm sein Gesicht in ihre Hände und küsste ihn voller Leidenschaft. Als sich ihre Lippen lösten war in ihren Augen nur noch die Liebe zu sehen, die sie für einander empfanden. Sie hielten sich an der Hand fest. Andrea ließ nun ihrem Schmerz, dem Kummer und der Angst der letzten Stunden freien Lauf. Schluchzend weinte sie. Semir zog sie an sich und hielt sie mit dem rechten Arm fest. Als die Tränen versiegt waren, sah er ihr in die Augen.
    „Ich liebe Dich!“
    Andrea wollte was erwidern, als Semir die Augen verdrehte und zur Seite kippte.


    Hotte strahlte übers ganze Gesicht, als er Dieter auf die Schulter klopfte.
    „Das wäre geschafft!“
    Als Semir in Andreas Armen zusammensackte, rannten sie alle vier gleichzeitig los.




    02:25 Uhr


    Als Semir diesmal erwachte, lag er in einem angenehm temperierten Raum in einem saubern Bett. Der Blick aus dem Fenster sagte ihm dass es Nacht war. Über seinem Bett brannte eine kleine Lampe, so dass es im Zimmer etwas hell war und er fast alles erkennen konnte. Sein Oberkörper war mit dem Bett etwas hochgestellt. Seine linke Schulter fest ein bandagiert und an seinem Bein befand sich ein neuer Verband. Er bemerkte dass jemand seine rechte Hand hielt und sah hin. Andrea saß auf einem Stuhl neben seinem Bett. Ihr Kopf lag auf seinem Oberarm und sie hielt schlafend seine Hand.
    Er sah sie liebevoll an und lächelte.
    Tom saß in der Ecke des Zimmers auf einem Stuhl und hielt ebenfalls Krankenwache. Als er merkte dass Semir wach war, stand er auf und kam zu ihm ans Bett.
    „Hallo, Partner!“
    Tom flüsterte um Andrea nicht zu wecken.
    Semir sah ihn an.
    „Hallo, Partner!“
    Tom wirkte verzweifelt und niedergeschlagen. Traurig sah er Semir an.
    „Tut mir leid!“
    Semir wusste nicht was er meinte.
    „Was tut Dir leid?“
    „Das ich nicht zur Stelle war, als Du mich am meisten brauchtest!“
    Semir hob seine linke Hand und Tom ergriff sie. Semir drückte Toms Hand.
    „Hey, Freund,“
    Semir lächelte ihn erleichtert an.
    „Du kannst nicht überall sein! Ok!“
    Tom nickte verlegen.
    „Und im übrigen, kannst Du das alles wieder gut machen!“
    Semir lächelte sein Spitzbubenlächeln und Tom sah ihn misstrauisch an.
    „Wie meinst Du das?“
    „Ich brauche doch jetzt eine Zeitlang ein Kindermädchen. Als erstes, kannst Du mir morgen gleich ein paar Sachen vorbeibringen! Was ich halt hier so brauche.“
    Tom musste lachen.
    „Eins sag ich Dir aber, Semir! Alles lass ich mir aber nicht gefallen!“
    „Na, das werden wir schon sehen! Und jetzt bekommst Du Deinen zweiten Auftrag!“
    Toms Blick wurde noch misstrauischer.
    „Du fährst jetzt nach Hause und schläfst Dich aus, Ok! Du siehst doch, dass ich in guten Händen bin!“
    Sein Blick fiel zärtlich auf Andrea, die soeben langsam erwachte.
    „Also verzieh Dich, Partner!“
    Tom sah ebenfalls auf Andrea nieder.
    „Du hast Recht! Sie hat sich tapfer gehalten!“
    Er schlich sich leise aus dem Zimmer.
    Semir hätte gerne Andreas Haar berührt. Aber da sie auf seinem rechten Arm lag und der linke Arm so an seinen Oberkörper bandagiert, dass er nur die Hand bewegen konnte ging das leider nicht. Er flüsterte zärtlich.
    „Hallo mein Schatz!“
    Andrea hob den Kopf und sah ihn sorgenvoll an.
    „Wie geht es Dir, mein Held!“
    „Der Arzt meint, ich darf mich nicht anstrengen. Also komm mit Deinem Ohr näher zu mir! Ich darf nicht so laut reden.“
    Andreas Sorge wuchs sofort. Sie hielt Semir ihr Ohr an den Mund.
    Semir lächelte und flüsterte ganz leise.
    „Du musst den Kopf etwas drehen! So dass Du mich ansehen kannst!“
    Andrea sah ihn fragend an.
    Semir flüsterte ganz leise und zärtlich.
    „Ich lass Dich nie mehr los!“
    Andrea verschloss ihm mit einem Kuss die Lippen.



    ENDE




    :baby: Hoffe, es ist nicht zu kitschig geworden :rolleyes: :rolleyes:
    Gute Nacht zusammen 8)