Alte Bekannte

  • Hier ist noch eine sehr alte Story von mir. Hoffe sie gefällt auch. Bitte Feeds


    Alte Bekannte


    Köln im November 2004


    „Hey, lass mich an der Bank raus. Ich muss noch eben Geld abheben.“ sagte Semir zu Tom. „Wie bist du schon wieder pleite“, lachte dieser. „Ha, ha, Ich muss für Andrea noch ein Geschenk kaufen. Wir haben morgen unseren Hochzeitstag.“ „Na dann, kannst du ja froh sein, dass du morgen frei hast.“ „Frei? Wieso habe ich frei? Ich habe Spätschicht. Genau wie du.“ Tom sah Semir an und grinste. „Ach, ja und Andrea?“ „Die hat frei. Wir feiern am Wochenende, da haben wir beide nämlich frei.“ „Dann lade ich mich schon mal ein. Ich habe auch frei“ „Klar, komm ruhig vorbei. Mit wem kommst du den?“ „Mit Jana natürlich. Mit wem den sonst.“ „Jana? Ach ja ihr seid ja wieder zusammen. Bei euch ist es wie bei Andrea und mir in unserer Jugend.“ Tom sah Semir an und dachte wie es bei Andrea und Semir war, sie trennten sich, liebten sich, trennten sich wieder und so weiter. Nun war er, Tom, mit Jana der Schwester von Andrea bereits seit einem Jahr zusammen. Dazwischen waren sie mal auseinander, dann wieder zusammen. Auch immer im Wechsel. Semir hatte Recht, es war zwischen ihm und Jana, wie zwischen Andrea und Semir. Er hielt vor der Bank und Semir stieg aus. „Also bist morgen.“ verabschiedete er sich.


    Sparkasse 14.00 Uhr: Die vier Männer hielten die Waffen auf die Angestellten der Bank. Der Kassierer wurde gerade gezwungen, das Geld aus der Kasse in Taschen zu füllen. Einer der Männer stand an der Tür. „Verdammt, da ist ein Bullenwagen!“ rief er leise nach hinten. Einer seiner Komplizen kam nun ebenfalls zur Tür. „Tatsächlich. Einer steigt aus und kommt direkt hierher. Verdammt, wieso kommen die Bullen?“ Eine Angestellte wurde zur Tür gezerrt und sie erkannte Semir Gerkhan. Er war Kunde der Bank und sie hatte die Bearbeitung seines Kontos übernommen. Daher kannte sie ihn. „Das ist ein Kunde von uns.“ „Ach ein Bulle als Kunde. Wie heißt er?“ „Gerkhan, Semir Gerkhan.“ antwortete anstelle der Angestellten der Anführer der Bankräuber. „Okay, dann werden wir Herrn Gerkhan mal einen Empfang bereiten. Hans, versteck dich hinter der Tür und wenn der Bulle hier drin ist, dann halt ihn die Knarre ins Genick.“ Der Angesprochene nickte und tat, was befohlen war. Die Angestellte musste wieder hinter den Schalter. Die anderen Bankräuber hockten sich hinter die Schalter und waren nicht zu sehen. Andere Kunden waren nicht mehr in der Bank.


    Semir trat an den Schalter. „Guten Tag, Herr Gerkhan.“ begrüßte ihn die Angestellte hinter dem Schalter. Semir zog seine Kontokarte und meinte dann nur: „Ich glaube die Karte ist kaputt. Ich kann kein Geld am Automaten ziehen. Ich brauche wohl eine neue.“ Er lächelte die Angestellte an. „Kein Problem. Es wird aber eine Weile dauern, bis….die neue Karte da ist.“ Sie nahm einen Zettel und schrieb etwas auf. Semir konnte erst nichts erkennen, doch dann schob sie ihm den Zettel hin: `Die Bank wird gerade überfallen. Es sind mehrere Bewaffnete im Raum. Hinter Ihnen steht direkt einer, der die Waffe auf Sie gerichtet hat´. Semir sah sie an. Dann merkte er eine Bewegung hinter sich und wollte sich umdrehen. Er legte die Hand an seine Waffe als er bereits eine Mündung im Genick spürte und hörte: „Lass es lieber! Hände hoch!“ Semir tat was gefordert. Er wurde entwaffnet und dann trat ein maskierter Mann auf ihn zu. „Du hast dir den falschen Tag ausgesucht, um Geld zu holen, Gerkhan.“ Semir sah ihn an. Die Augen… er kannte diese Augen. „Tscherne? Sie leben noch?“ „Verwundert Gerkhan? Ja ich lebe noch. Mich kriegt man nicht so schnell klein. Ich habe neun Leben wie eine Katze. Und nun bekomme ich die Gelegenheit bei dir und Richter das wettzumachen, was ihr mir versaut habt.“ „Tja, daraus wird wohl nichts. Okay ich bin hier, aber Jan ist nicht mehr mein Partner. Er ist weg.“ „Ach ja? Schade. Aber gut ist eben nicht zu ändern.“


    Tom sah Semir in die Bank gehen und fuhr ebenfalls in Richtung Heimat. Er wollte sich einen ruhigen Abend mit Jana gönnen. Doch als er nach Hause kam, war Jana nicht da. Auf dem Tisch lag ein Zettel „Hallo Schatz. Bin bei Andrea, wegen der Feier zum Hochzeitstag von ihr und Semir. Hole mich bitte ab. – Jana“
    „Anscheinend habe ich heute Taxi-Dienst“ dachte sich Tom und verließ die Wohnung und fuhr nach Andrea nach Hause. Es war bereits 15.00 Uhr und er dachte, hätte ich doch eigentlich Semir mit nach Hause nehmen können. Aber da die Bank nicht weit von ihm ist, kann er auch laufen. Er kam etwa 15 Minuten später bei Andrea an. Er klingelte und Andrea öffnete die Tür. „Hey, wo hast du denn Semir gelassen?“ fragte sie. „Den habe ich vor einer Stunde an der Bank abgesetzt. Ist der denn noch nicht zu Hause?“ fragte Tom verwundert, doch dann erinnerte er sich, das Semir ein Geschenk für Andrea besorgen wollte. „Na ja er kommt sicher gleich.“ meinte er und Andrea nickte. Dann kam auch Jana auf den Flur. Tom nahm sie in den Arm und küsste sie. Andrea sah sie an und dachte, mal sehen wann die beiden heiraten. Sie gingen alle ins Wohnzimmer. Es wurde 18.00 Uhr und Semir kam immer noch nicht. Andrea machte sich Sorgen und auch Tom konnte sich nicht erklären wo er blieb. Er nahm sein Handy und rief Semir an.


    Das Handy klingelte, doch Semir konnte nicht ran. Er saß immer noch in der Bank, mit auf dem Rücken gefesselten Armen. Mittlerweile hatte ein Passant die Polizei gerufen, als er merkte, was in der Bank vorgefallen war. Nun war die Bank abgeriegelt. Tscherne kam auf ihn zu, und nahm ihm das Handy ab. „Ach, wer will denn da mit dir telefonieren?“ Er zeigte Semir die Nummer und dieser erkannte die seines Kollegen. „Das ist mein Kollege. Er will sicher wissen, warum ich noch nicht zum Dienst erschienen bin.“ erklärte er fadenscheinig. „Gut, dann wirst du ihm sagen, das dir schlecht ist, und dass du heute nicht erscheinen wirst. Nichts weiter, klar!“ Semir nickte und Tscherne hielt ihm das Handy ans Ohr und drückte die grüne Taste. „Hallo… Semir hier“, meldete er sich. „Ich weiß dass du es bist. Wo bleibst du denn?“ „Hör zu Tom, ich liege gerade im Bett. Mir geht es nicht so gut. Ich werde heute nicht zum Dienst kommen.“ „Was…, Semir alles okay, bei dir?“ „Nein. Bis morgen.“ Tscherne beendete das Gespräch. „Fein gemacht. Gerkhan.“


    „Sonderbar.“ gab Tom von sich, als das Gespräch beendet war. Andrea und Jana schauten ihn an. „Was ist sonderbar, Tom?“ fragte Andrea. „Ich habe Semir angerufen, das hast du ja mitbekommen. Er hat gesagt, dass er im Bett liegt und es ihm nicht gut geht.“ Andrea sah ihn an. „Aber er ist doch gar nicht zu hause.“ stellte sie fest. „Das weiß ich auch. Aber was will er damit sagen. Ich habe ihn bei der Bank raus gelassen. Er ist rein gegangen und ich bin gefahren. Was, wenn die Bank…. Nein, das glaube ich nicht. Aber ich rufe mal die Kollegen an.“ Er wählte eine Nummer und sprach mit einem Kollegen vom hiesigen Revier. Dort erfuhr er, dass es einen Banküberfall gegeben hatte. Es war die Bank, wo er Semir das letzte Mal gesehen hatte. „Verdammt. Andrea, Jana. Ich muss sofort ins Revier. Alles andere erkläre ich später.“ „Nein, jetzt! Wo ist Semir?“ fragte Andrea bestimmend. „Nun, wie es aussieht, ist die Bank, wo Semir ist, überfallen worden. Es hat eine Geiselnahme stattgefunden. Und ich muss befürchten, das Semir ebenfalls darin sitzt. Ich muss hin.“ Andrea sah ihn an und wurde weiß. Ihre Schwester nahm sie in den Arm. „Geh schon, Schatz. Ich kümmere mich um Andrea.“ sagte sie. Tom nickte und verließ die Wohnung und fuhr so schnell er konnte zum Revier. Dort warteten bereits die Chefin und das SEK auf ihn. „Chefin, so wie es aussieht ist Semir mal wieder mitten im Geschehen.“ Engelhardt sah ihn an. „Ich habe ihn an der Bank raus gelassen, tja und wie es aussieht, ist er eine der Geiseln.“ „Oh nein.“ Gab Engelhardt von sich, mehr nicht.


    In der Bank hat sich mittlerweile Tscherne die Maske abgenommen. Er hatte mit dem Einsatzleiter der Polizei gesprochen und gefordert, dass alle Fahrzeuge abziehen oder es gäbe die ersten Toten. Als der Leiter jedoch wenigstens forderte, das die Frauen, die sich unter den Geiseln befinden freizulassen, ist Tscherne darauf eingegangen. Drei Frauen verließen das Gebäude. Es blieben jetzt nur Semir und zwei männliche Angestellte im Schalterraum. Nach einer Stunde wurde Essen und Trinken von Tscherne gefordert. Dies ging ebenfalls nur, wenn er Geiseln frei ließ. Auch die beiden letzten Angestellten durften die Bank nun verlassen. Semir war allein mit den Gangstern. Ihn wollte Tscherne auf gar keinen Fall gehen lassen.


    Tom und Engelhardt waren nun ebenfalls an der Bank angekommen. Sie unterrichteten den Einsatzleiter darüber, dass ein Kollege in der Bank als Geisel festgehalten wird. „Dann haben sie ihn als Geisel behalten. Alle Angestellten haben sie freigelassen. Tscherne, so heißt der Anführer der Bande, hat einen Fluchtwagen gefordert, freies Geleit und so.“ „Tscherne? Sagten Sie gerade Tscherne?“ Frau Engelhardt sah den Einsatzleiter entsetzt an. „Ja, richtig. So hat sich der Kerl vorgestellt, Kennen Sie ihn?“ „Oh ja, er ist bereits öfter mit Semir aneinander geraten. Bis gerade dachte ich eigentlich, dass er tot ist. Er sollte eigentlich bei einer Explosion umgekommen sein. Das war ein Einsatz damals mit Richter, Jan Richter. Er ist jetzt beim BKA. Ich werde ihn anrufen. Tom, kommen Sie.“ Engelhardt und Tom gingen zu ihrem Wagen. Sie setzten sich rein und riefen das BKA an.


    Jan saß an seinem Schreibtisch und dachte gerade an die alte Zeit, als er und Semir noch die Autobahn unsicher gemacht hatte, als das Telefon klingelte. „Engelhardt, Herr Richter, erinnern Sie sich noch an mich?“ „Chefin… äh ich meine Frau Engelhardt, ja sicher. Was verschafft mir die Ehre, des Anrufes?“ fragte er. Er hörte Frau Engelhardt auflachen. „Chefin, bin ich noch. Aber ich habe ein ernstes Anliegen. Es geht um Tscherne.“ „Tscherne, der ist doch tot.“ „Leider nein. Er hat eine Bank in Köln überfallen und Semir ist als Geisel in der Bank.“ „Verdammt, ist dieser Typ denn nicht kaputt zu kriegen. In welcher Bank?“ fragte er. Er bekam die Daten und sagte dann nur noch: „Ich bin schon unterwegs.“ Er legte auf und informierte seinen Vorgesetzten. Dieser hatte absolut nichts dagegen, dass er sich den Fall annahm. Geiselnahme lag ohnehin in den Händen des BKA. „Sollten Sie Hilfe benötigen. Dann rufen sie umgehend an.“ sagte sein Vorgesetzter und wünschte ihm noch viel Glück. Jan sprang in sein Auto und fuhr so schnell er konnte nach Köln.


    „So nun hört mal, da draußen“, meldete sich Tscherne über Funk, „Ich will das ihr mir Richter ranschafft.“ „Tscherne, hier ist Engelhardt. Ich weiß dass Sie einen meiner Männer in ihrer Gewalt haben, Semir Gerkhan. Ich will mit ihm sprechen.“ „Oh, Frau Engelhardt. Wir kennen uns ja noch gar nicht. Sie sind die Chefin von Gerkhan? Na das nenne ich Gleichberechtigung. Aber warum glauben Sie, dass Sie mit ihm reden dürfen?“ „Hören Sie, wenn Sie wollen, dass wir Ihre Wünsche erfüllen, dann sollten Sie uns entgegenkommen.“ „Ich bin euch Bullen doch schon mehr als genug entgegengekommen. Ich habe alle anderen laufen lassen. Nur Gerkhan ist bei uns und es geht ihm noch gut. Wenn ihr wollt, dass es so bleibt, dann solltet ihr jetzt anfangen diesen Richter her zu holen.“ „Ich habe ihn bereits angerufen. Er ist unterwegs. Bitte lassen Sie mich mit Semir sprechen.“ „Nun dann will ich mal nicht so sein. Los Bulle sag deiner Chefin guten Tag.“ „Chefin? Ich bin okay.“ Das Gespräch wurde beendet.


    „Deine Chefin hat wohl Angst um dich, Gerkhan.“ meinte Tscherne als das Gespräch beendet war. Semir hockte am Boden und sah zu Tscherne hoch. „Was haben Sie vor, Tscherne? Was wollen Sie von Jan?“ „Das weißt du nicht? Euretwegen habe ich meine Freundin verloren, eine Menge Geld verloren, mein Leben fast verloren? Und du fragst was ich von ihm will.“ Er trat Semir in die Seite. Dieser stöhnte auf. „Du und Richter werden heute mit mir in die Hölle fahren.“ drohte Tscherne ihn an. Semir sah ihn an. Er ahnte, dass er noch schlimme Stunden vor sich hatte. Er erinnerte sich, das Tscherne und seine Komplizen einmal Andrea fast umgebracht hatte. Und das am Hochzeitstag. Damals war es so knapp gewesen. Und nun ist es schon wieder ein Hochzeitstag, der beiden, und ob dieser zusammen verbracht werden kann, ist nicht sicher.


    Jan war mittlerweile auf der Autobahn in Richtung Köln. Etwa 15 Minuten später stand er vor der Bank. Frau Engelhardt ging ihm entgegen und begrüßte ihn. Sie stellte Tom und Jan vor. Die Männer waren sich direkt sympathisch. „Was hat das mit diesem Tscherne auf sich?“ fragte Tom Jan. „Tscherne war nein ist ein Mörder. Er hat damals meinen besten Freund umgebracht. Semir habe ich dann kennen gelernt. Allerdings war es eher schmerzhaft für ihn. Ich habe ihn verprügelt. Dann haben wir uns zusammen getan und gegen Tscherne gekämpft. Er entführte dann noch die Tochter meines toten Freundes um uns zu erpressen. Wir befreiten sie und dann war Tscherne verschwunden. Ein Jahr später tauchte er wieder auf und hat mit Helfershelfern Andrea entführt und fast umgebracht und das am Hochzeitstag. Tja und jetzt taucht er wieder auf. Wieder ein Jahr her, fast auf den Tag.“ erklärte Jan. „Ja, und morgen haben die beiden wieder ihren Hochzeitstag. Ich werde dafür sorgen, dass die beiden dann auch zusammen sind. Helfen Sie mir dabei, Jan?“ fragte Tom. „Klar. Aber das Sie lassen wir weg. Du und Jan, okay?“ „Gut. Einverstanden.“ Damit waren die Höflichkeitsfloskeln abgeklärt.


    In Der Bank:


    Semir saß am Boden. Die Hände waren mit einem Seil gefesselt. Tscherne stand am Fenster und schaute auf die Strasse. Er erblickte Jan Richter. „Da ist er ja, unser Freund Richter.“ gab er von sich. Er achtete nicht auf Semir, der sich mit seinen Fesseln beschäftigt hatte. Nun waren die Fesseln so lose, das er sie abstreifen konnte. Er schaute sich nach den Komplizen von Tscherne, die waren jedoch damit beschäftigt den Tresor auszuräumen. Er schlich sich langsam an Tscherne ran. Doch anscheinend hatte dieser auch hinten Augen. Kurz bevor Semir an ihm dran war, drehte er sich um und richtete die Waffe auf ihn. Semir hielt inne. „Du änderst dich wohl nie, Gerkhan.“ Er kam auf Semir zu, der nun mitten im Schalterraum stand. Die Arme hingen runter. Man sah ihm an, dass er unter Spannung stand. Doch derzeit war er dazu verdammt, sich ruhig zu verhalten, denn mit Tscherne war nicht zu spaßen. Tscherne stand nun ganz dicht vor Semir. Er hielt ihm die Pistole an die Stirn. „Wenn ich jetzt abdrücke, dann werden bestimmt einige Personen da draußen sehr traurig sein. Ich auch, denn dann wäre meine Rache, die ich mir ausgedacht habe, nur die Hälfte wert. Und damit wäre uns beiden doch gar nicht geholfen, nicht wahr?“ Semir sah ihn an. Er konnte nicht verhindern, dass ihm ein Schauer über den Rücken lief. „Hans! Komm her!“ Sein Komplize kam und staunte, das Semir ohne Fesseln dastand. „Nimm die Handschellen von dem Bullen und fessle ihn damit. Aber bitte ganz fest! Verstehst du.“ Der Angesprochene nickte. Er nahm die Handschellen und zerrte Semir die Arme wieder auf den Rücken. Dann drückte er die Handschellen so eng, dass Semir ein Stöhnen nicht unterdrücken konnte. „So. Nun kannst du noch einmal versuchen, die Fesseln loszuwerden.“ Tscherne grinste Semir ins Gesicht. Er nahm die Pistole vom Kopf und ging wieder zum Fenster. Semir wollte ebenfalls zum Fenster gehen, doch bevor er dort angekommen war, drehte Tscherne sich erneut um und winkte seinen Komplizen Hans. Dieser verstand und stellte Semir ein Bein. Semir fiel darüber und knallte auf den Boden. Da er sich nicht abstützen konnte, schlug er schwer auf. Wieder kam Tscherne zu ihm. Semir drehte sich auf den Rücken und sah Tscherne an. „Was soll das? Wollen Sie damit beweisen, wie dumm Sie sind, Tscherne? Sie wissen doch, dass Sie eigentlich gar keine Chance haben, hier raus zukommen. Dann sind da noch ihre Komplizen. Glauben Sie, dass sie alle hier raus bekommen? Glauben Sie wirklich, dass Sie Jan hier her bekommen?“ „Kannst du eigentlich nie die Klappe halten, Gerkhan?“ stellte Tscherne als Gegenfrage und schlug Semir mit der flachen Hand ins Gesicht.


    „Tscherne!“ rief Jan per Megaphon in die Bank. „Was wollen Sie?“ fragte er weiter. „ Hallo Richter. Nett, das du vorbei kommst“, lachte Tscherne. Jan sah zur Bank. Er konnte Tscherne am Fenster stehen sehen. Von Semir sah er nichts. „Ich will, dass Sie Gerkhan ans Fenster bringen!“ „Richter, Sie haben gar nichts zu wollen. Ich bin es der Ihnen die Vorschriften macht, klar!“ kam es von Tscherne zurück. „Okay, Zeigen Sie mir, das es Semir gut geht, dann können wir weiter verhandeln.“ forderte Jan. Er sah, wie Tscherne sich von Fenster weg bewegte. Kurze Zeit später kam er mit Semir zurück. Jan sah, das Semir gefesselt war, außerdem hielt Tscherne Semir die Waffe an die Schläfe. „So, hier ist er, und nun kommen Sie meinen Forderungen nach, oder Sie können sehen, wie Gerkhan stirbt.“ „Was wollen Sie?“ „Dich, Richter! Nur Dich.“ „Lassen Sie Gerkhan frei, wenn ich mich in Ihre Hände begebe?“ „Nein! Du und er, ihr werdet mich begleiten. Erinnerst du dich an unsere letzte Begegnung, Richter? Du hast mein Mädchen umgelegt, zusammen mit Gerkhan. Dafür werdet ihr beide bezahlen. Wenn du nicht kommst, dann wird Gerkhan es allein ausbaden. Du hast genau zwanzig Minuten Zeit.“


    Jan sah zu Frau Engelhardt und Tom. „Wenn ich da rein gehe, dann hätten Semir und ich bessere Chancen, gemeinsam gegen Tscherne zu kämpfen. Er allein, ich meine Semir, hat keine Chance. Wer weiß wie viele Komplizen Tscherne hat. Nur wenn ich dabei bin, können wir gewinnen… Frau Engelhardt, Sie wissen doch wie brutal dieser Tscherne sein kann. Wollen Sie sich nicht überlegen, ob es besser ist, mich gehen zu lassen?“ Frau Engelhardt hatte sich bis jetzt geweigert Jan gehen zu lassen. Sie sah Jan an. „Glauben Sie, dass es eine Möglichkeit gibt Sie und Semir daraus zu holen? Was wenn er Sie und Semir einfach tötet anstatt sie beide mitzunehmen? Was wenn er Sie in der Hand hat, und Semir erschießt. Nein es ist einfach zu riskant.“ „Aber es unsere einzige Chance“ warf nun Tom ein. „Ich meine die Gefahr für Semir zu verringern. Wenn Jan dabei ist, dann hätten die beiden wirklich bessere Chancen. Chefin… ich stimme Jan zu.“ „Ach … das ist eine Überraschung. Jetzt schließen Sie sich mit Jan zusammen? Sind Sie tatsächlich der Meinung, das Jan und Semir gegen diesen Tscherne was ausrichten können?“ „Zumindest sind sie dann zu zweit. Und damit ist die Chance verdoppelt worden. Semir allein hat gar keine Möglichkeit, gegen Tscherne anzukommen. Chefin bitte… Es ist die einige Chance.“ Tom sah sie an, und an ihrem Blick sah er, dass sie klein beigeben wird. „Okay, Jan. Sie gehen auf eigene Verantwortung, verstanden. Und sie werden einen Sender tragen.“ „In Ordnung. Aber er muss klein sein, damit Tscherne ihn nicht entdeckt.“ Tom drückte Jan einen sehr kleinen Sender in die Hand und dieser versteckte ihn in seinem Schuh. „Dort fällt er am wenigsten auf. Ich habe ihn bereits eingeschaltet.“ Jan nahm das Megaphon und rief: „Tscherne, Sie haben gewonnen, ich komme zu Ihnen rein.“ „Dann komm. Ohne Waffen versteht sich.“ kam von Tscherne zurück. Jan ging auf die Bank zu.


    Semir saß wieder auf dem Boden. Die Handgelenke schmerzen von den Handschellen. Er sah zu Tscherne auf. Dieser grinste ihn an und meinte nur, dass er sich keine Chance ausrechnen sollte, wenn Jan da ist. Semir wunderte sich allerdings, das von den Komplizen nur noch Hans übrig geblieben ist. Die anderen waren überhaupt nicht mehr zu sehen. Tscherne schaute zu Hans rüber, dieser nickte und kam zu Semir. Er zog ihn hoch und hielt ihm dann die Waffe an den Kopf. „Du solltest keinen Fehler machen, Gerkhan. Hans kann sehr gut schießen. Verhalte dich einfach ganz ruhig, verstanden“ Semir nickte. Jan kam auf die Bank zu. Tscherne öffnete die Tür. Jan trat in die Bank. Tscherne untersuchte ihn nach Waffen. Er fand keine. Aber auch keine Handschellen. Tscherne sah ihn an. „Wo sind die Handschellen?“ fragte er. „Ich habe keine dabei.“ meinte Jan nur und sah zu Semir. „Ach, haben die beim BKA keine Handschellen? Nun gut, dann werden wir uns was einfallen lassen.“ Tscherne winkte Hans ran und dieser zog Semir mit. Jan sah, als Semir sich leicht drehte, das die Handschellen anscheinend ziemlich fest saßen. Tscherne zog Semir zu sich heran und hielt ihm dann seine Waffe an die Schläfe. „Hans, binde Richter die Hände ebenfalls zusammen. Ach, und Richter, keine Tricks. Gerkhan badet es aus, klar!“ Jan nickte. Als auch Jan gebunden war, wurden Semir und er zu Boden gedrückt.


    „Hey, wie geht es dir?“ fragte Jan Semir. „Den Umständen entsprechend. Außer das die Handschellen ziemlich fest sind. Aber das lässt sich halt nicht ändern. Tscherne sieht nicht so aus, als ob er mir die Dinger lockerer macht. Wie spät ist es eigentlich?“ „Es müsste jetzt fast 20.00 Uhr sein. Warum fragst du?“ „Weil ich Hunger habe. Mein letztes Essen ist heute um eins gewesen. Und von der Pizza, die Tscherne angefordert hat, habe ich nichts bekommen.“ Tscherne hatte das Gespräch mitbekommen. „Na und. Du brauchst nichts zu essen. Das hat ja gar keine Zeit zum Verdauen mehr. Und du hast Recht, die Handschellen bleiben wie sie sind. Ich hoffe sie tun weh.“ Er lachte. Semir und Jan sahen ihn an. „Sie sind erbärmlich, Tscherne“ gab Jan von sich. Tscherne sah auf ihn runter. „Richter wir werden unseren Spaß noch haben. Aber jetzt ist es Zeit diesen Ort zu verlassen. Ihr beide und Hans und ich.“ „Und was ist mit den anderen?“ fragte Semir. „Die anderen? Die sind weg. Tja, das Geschäft des Banküberfalls ist ein gefährlicher Job. Die anderen haben es leider nicht geschafft.“ Tscherne lachte.


    Frau Engelhardt und Tom standen vor der Bank. Sie konnten nichts unternehmen. Tscherne war unberechenbar und es war ganz sicher, dass er mit Semir und Jan im Schlepptau die Bank verlassen wird. Und dann wird er mit Sicherheit seine Rache an Semir und Jan ausüben. Engelhardt wusste, was Tscherne alles auf dem Kerbholz hatte. Er war skrupellos und nahm noch nicht einmal auf seine eigenen Leute Rücksicht. Toms Handy klingelte. „Ja?“ meldete er sich. „Ich bin es, Andrea. Was ist mit Semir?“ „Andrea, ich kann im Augenblick noch nichts sagen. Semir ist in der Bank. Eben ist Jan Richter rein gegangen. Einer der Bankräuber, er heißt Tscherne, hat die beiden in der Gewalt. Wir wissen noch nicht, was hier passieren wird. Bitte habe Geduld. Sobald ich was weiß, rufe ich dich an. Okay?“ „Nichts ist okay. Du sagtest Tscherne? Kennst du die Geschichte mit diesem Typen? Und Jan Richter? Er ist auch da? Was geht denn da vor?“ „Andrea. Ich kenne die Geschichte. Jan hat mir alles erzählt. Bitte, habe Geduld. Ist Jana noch bei dir?“ „Ja sicher, sie bleibt bei mir.“ „Okay. Bitte gib sie mir.“ Andrea übergab das Handy. „Ja, Tom was gibt es?“ „Jana, bitte kümmere dich um Andrea. Sie braucht dich, okay. Ich weiß nicht, wie lange diese Sache gehen wird. Aber es sieht nicht gut aus.“ „Alles klar. Bis später und viel Glück.“ Jana beendete das Gespräch.


    „So, ihr Zwei. Es geht los.“ Tscherne nahm das Handy von Semir und wählte die Nummer von Tom an. „Also hör zu Bulle. Gib mir Engelhardt.“ Tom übergab das Handy an die Chefin. „Ja, Engelhardt hier.“ „Hören Sie genau zu: Ich werde jetzt mit Gerkhan und Richter diese Gebäude verlassen. Sie gewähren freien Abzug. Ich will einen Wagen innerhalb der nächsten 10 Minuten. Und zwar einen mit Funk, klar!“ „In Ordnung. Der Wagen wird umgehend vor die Tür gestellt.“ „Frau Engelhardt, denken Sie daran, dass einer der Beiden dafür bezahlen wird, wenn Sie irgendwelche Tricks versuchen.“ „Ich gebe Ihnen mein Wort, es wird nichts unternommen werden.“ Das Gespräch war beendet. Engelhardt gab die Befehle, einen Dienstwagen mit Funk vor die Bank zu stellen. Der Fahrer hat sich anschließend umgehend vom Fahrzeug zu entfernen. Die Türen sollten zur Bankseite geöffnet sein. Alles wurde vorbereitet. Hoffen wir, das Tscherne den Sender bei Jan nicht entdeckt, dachte Engelhardt. Sie sah Tom an und versuchte in seinem Blick eine Lösung für diese Situation zu finden, doch auch in seinen Augen spiegelte sich Hilflosigkeit. Sie konnten nur abwarten.


    Als der Wagen vor der Tür stand zog Tscherne Semir hoch. Hans sollte sich Jan schnappen. Doch bevor sie das Bankgebäude verließen, flüsterte Hans Tscherne etwas ins Ohr. Er sah zu Jan und lächelte, dann nickte er. Beiden wurde die Pistole an den Kopf gesetzt. „So und nun gehen wir. Versucht keine Tricks. Ihr könnt nur verlieren, KLAR!“ sagte Tscherne. Semir und Jan nickten. Sie konnten nichts unternehmen ohne sich zu gefährden. Hans ging mit Jan vor. Die beiden setzten sich auf den Fahrer und Beifahrersitz. Dann kamen Tscherne und Semir. Zunächst setzte sich Tscherne ins Auto und zog dann Semir nach. Hans gab Gas und fuhr im hohen Tempo davon. Im Auto herrschte eine gespannte Atmosphäre. Jan drehte sich nach Semir um und sah, dass dieser immer noch die Waffe am Kopf hatte. „Was soll das, Tscherne. Sie können die Waffe doch runter nehmen.“ sagte er. „Wann ich die Waffe wegnehme, bestimme ich, klar. Und du solltest nach vorn schauen. Gerkhan hier, wird sich solange er die Waffe spürt sicher nicht rühren. Nicht wahr Gerkhan?“ Tscherne lachte auf. Semir sagte nichts. Jan sah in den Rückspiegel und suchte den Blick von Semir. Er versuchte ihn Mut zu machen und mit den Augen zu erklären, dass sie nicht ganz verloren sind. Doch auch er hatte keine Ahnung wohin die Fahrt ging und wie sie enden wird.


    Tom und Engelhardt saßen im Auto von der Chefin. Sie sahen auf einen kleinen Monitor und konnten das Signal vom Sender den Jan trug einwandfrei empfangen. „Sie fahren jetzt auf der inneren Kanalstrasse in Richtung Autobahn“ sagte Tom. „Ja, die Frage ist nur wo wollen die hin. Wir müssen unbedingt dran bleiben. Der Sender hat nur eine begrenzte Reichweite. Tom, Sie fahren ich behalte den Monitor im Auge. Los geht’s.“ sagte Engelhardt zu Tom und zum Einsatzleiter des SEK „Sie halten sich im Hintergrund und folgen uns. Aber bleiben Sie außer Sichtweite.“ Der Einsatzleiter nickte und gab nun seinerseits Befehle an die Männer. Tom fuhr los. „Sie sind jetzt auf der Autobahn in Richtung Longerich.“ sagte Engelhardt. Tom nickte. „Die Frage ist wie weit wird er fahren?“ „Wir werden sehen. Auf jeden Fall bleiben wir dran.“ sagte Engelhardt.


    Semir, immer noch die Waffe am Kopf, wollte sich ein wenig bequemer hinsetzen, jedoch verhinderte Tscherne dies. Er drückte die Waffe fester an den Kopf. Semir stöhnte auf. „Bleib ganz ruhig sitzen, Gerkhan. Dann tut es auch nicht weh.“ meinte er. „Lassen Sie ihn in Ruhe, Tscherne! Und lösen Sie ihm wenigstens ein wenig die Fesseln. Bitte!“ sagte Jan. Tscherne griff an die gefesselten Hände von Semir und zog diese hoch. Semir stöhnte kurz vor Schmerzen auf. Die sind doch so gut, oder Gerkhan?“ Tscherne lachte. Man sah ihm an, dass er Spaß daran hatte, Semir Schmerzen zuzufügen. Jan sah, das Semir die Tränen in den Augen traten. „Lassen Sie das, Tscherne! Er hat Ihnen doch nichts getan“ Wieder zog Tscherne die Hände von Semir in die Höhe. Diesmal schrie er vor Schmerzen auf. „Gerkhan, du solltest deinem Freund sagen, dass er die Klappe halten soll. Sonst bekommst du noch mehr zu spüren.“ Jan sah Tscherne an. Semir hatte nichts gesagt, doch Jan konnte sehen, was er dachte. Er wollte nicht das Semir noch mehr Schmerzen ertragen musste. Er verhielt sich ruhig. Tscherne sah die beiden abwechselnd an und lachte. Er ließ Semirs Hände los. Außerdem ließ er nun auch die Waffe weg. Er zog die Schlüssel von den Handschellen und sagte zu Semir: „Dreh dich um!“ Semir tat es und spürte, das Tscherne die Handschellen öffnete, doch er lockerte sie nicht sehr. Sie taten immer noch weh, aber es war erträglich. Semir schloss erleichtert die Augen. Tscherne sah ihn an. „Das war nur der Anfang. Warte bis wir am Ziel sind.“ Semir sah ihn an. Er konnte sich denken, das er und damit meinte er Tscherne, sich an ihn und Jan austoben wird. Wie und vor allem wie lange war ungewiss.


    „Sie sind jetzt auf der 57 in Richtung Krefeld“ sagte Engelhardt an. Tom fuhr ebenfalls auf die Autobahn. „Wo will der nur hin? Er kann sich nirgends verstecken. Vielleicht sollten wir ihn stoppen.“ überlegte er sich. „Wir würden damit nur Jan und Semir gefährden. Wir müssen wissen wohin er will. Wir bleiben erst einmal dran und lassen ihn fahren.“ Tom nickte. „Jetzt haben sie die Autobahn verlassen und fahren auf der B9 weiter. Und zwar in Richtung Willich“ „Okay. Dort gibt es ein neues Gewerbegebiet mit etlichen leer stehenden Gebäuden. Wenn er dort hin will, dann haben wir ihn schnell.“ „Hoffen wir es.“


    Tscherne ließ den Wagen in einem Gewerbegebiet in der Nähe von Willich parken. Sie stiegen aus und wieder hielt er Semir die Waffe an den Kopf. Hans übernahm Jan. Sie gingen in einem der leer stehenden Gebäude, das wie eine riesige Werkstatt aussah. Es hingen Ketten von den Decken bis zum Boden. Die meisten hatten Schellen an den Enden und waren über Räder in der Mitte des Raumes hochziebar. Hans brachte Jan in einer Ecke des Raumes. Tscherne nahm Semir und brachte ihn direkt zu den Ketten. Er nahm zwei der Schellen und legte Semir jeweils eine an die Handgelenke, dann schloss er die Handschellen auf. Doch bevor Semir irgendetwas unternehmen konnte, drückte Tscherne einen Knopf und die Ketten fuhren über die Räder nach oben. Er ließ die Ketten so weit hochfahren, das Semir mit nach oben gestreckten Armen im Raum stand. „Was soll der Mist?“, fragte Jan und wollte zu Semir gehen. „Du solltest lieber stehen bleiben, Richter. Sonst wird Gerkhan gleich hängen.“ gab Tscherne von sich. Zur Bestätigung drückte er erneut den Knopf und die Ketten an den Armen von Semir streckten sich noch mehr. Semir stand bereits auf den Zehenspitzen. Er versuchte Jan anzusehen, doch dieser stand in seinem Rücken und er konnte sich nicht drehen. „So, nun werden wir unseren Spaß haben. Richter ich habe für Sie eine ganz tolle Aufgabe. Ich denke Ihre Kollegen werden uns schon bald gefunden haben, und das sollten wir verhindern. Sie bekommen nun die Fesseln abgenommen dann gehen Sie nach draußen; und zwar gehen Sie zum siebten Gebäude. Dort ziehen Sie sich aus und die sich in dem Raum befindlichen Sachen ziehen Sie an. Dann kommen Sie zurück und lassen Sie den Sender, der sich in Ihrem Schuh befindet dort. Wenn Sie es nicht tun, wird Gerkhan hängen. Anschließend wird er die ersten Kugeln abkriegen. Also sollten Sie tun was ich sage. Verstanden?“ Jan sah ihn verwundert an. „Welchen Sender?“ fragte er. Tscherne drückte den Knopf und Semir hob ab. „Tu was ich sage, Richter.“ Jan sah zu seinem Freund, der kurz über den Boden schwebte. „Lassen Sie ihn runter. Bitte“ Tscherne lachte. „Wenn Sie wieder da sind, kommt er runter.“ Jan sah zu Tscherne: „hören Sie, ich habe keinen Sender.“ Tscherne ging auf Semir zu und schlug ihm die Faust in den Magen. Semir stöhnte auf und Tscherne sagte: „ Siehst du, Gerkhan. Herr Richter ist sehr unkooperativ. Er hat es nicht begriffen, dass du zu leiden hast, wenn er nicht das macht, was ich will. Tja. Dann bekommst du einen Vorgeschmack auf das, was noch kommt.“ Er griff in die Tasche und zog einen Ledergürtel hervor. Diesen rollte er aus und man sah die große silberne Schnalle am Ende des Gürtels. Tscherne drehte sich zu Jan um und fragte noch einmal: „Tust du was ich will?“ „Tscherne, ich warne Sie, treiben Sie es nicht zu bunt.“ Tscherne holte aus und die schwere Gürtelschnalle landete auf Semirs Rücken. Dieser schrie auf. „Noch einmal gefragt. Tust du was ich will?“ Als keine Antwort von Jan kam, schlug er erneut zu. Der Schrei von Semir ging Jan durch Mark und Bein. Tscherne schlug ein drittes Mal zu. Jan stand im Raum und war unsicher. Doch dann nickte er. Er und Hans gingen nach draußen und taten was Tscherne verlangte. Als sie den Raum verlassen hatten, ging Tscherne zu Semir und flüsterte ihm ins Ohr. „Schade. Er ist wohl sehr besorgt um dich. Aber, wenn wir gleich weiterfahren, und du sagst auch nur einen Ton, wirst du sterben. Ich verlange absolutes Schweigen zwischen Dir und Richter. Verstanden?“ Semir sah ihn an, doch er sagte nichts. Schon kurze Zeit kamen sie wieder. Tscherne ließ nach einem Nicken von Hans Semir runter. Er fesselte ihn wieder mit den Handschellen und dann verließen alle wieder das Gebäude. Sie stiegen in das Auto und fuhren ab. Jan wurde nicht gefesselt, doch Tscherne hielt ihn in Schacht in dem er Semir direkt bedrohte. „Richter, du solltest nichts unternehmen. Gerkhan wird es bezahlen.“ Zur Bestätigung seiner Drohung drückte er Semir die Waffe tief in den Hals. Semir stöhnte kurz auf. „Lassen Sie ihn in Ruhe, Tscherne. Ich unternehme nichts.“ gab Jan von sich.


    Semir versuchte den Blick von Jan einzufangen. Er hatte bisher nicht viel sagen können, denn Tscherne hatte von vorn herein verhindert, das er und Jan sich unterhalten konnten. Jedes mal wenn er versucht hatte mit Jan ins Gespräch zu kommen, bedrohte er ihn. Was Jan nicht hörte, denn dazu war Tscherne zu leise. Semir hörte jedes Wort. Es war gefährlich, wenn er sprechen würde, das war ihm klar, aber nun konnte er nicht mehr schweigen. „Jan, er wird mich ohnehin töten. Das hat er eben schon gesagt, als du mit dem anderen draußen warst. Also….“ Die Worte gingen in ein Stöhnen über. Tscherne schlug Semir mit der flachen Hand hart ins Gesicht. „Ich sagte doch auch, dass du die Klappe halten sollst, Gerkhan. Willst du vielleicht einen Knebel haben? Den kann ich dir verpassen.“ „Was soll es denn. Sie werden doch sowieso ........“ Tscherne schlug erneut zu. Dann hatte er ein Stück Tuch in der Hand und drückte es Semir in den Mund. Dieser wehrte sich, doch durch die Fesseln war er im Nachteil. Der Lappen wurde zusätzlich mit einem Klebestreifen befestigt, damit Semir den Knebel nicht ausspucken konnte. Jan sah entsetzt zu. „Lassen Sie das Tscherne.“ Wieder knallte es. „Du sollst die Klappe halten, Richter. Jedes Wort wird Gerkhan spüren.“ lachte Tscherne. Dann holte er einen weiteren Strick aus der Tasche. Aus diesem knüpfte er eine Schlinge und legte sie Semir um den Hals und zog sie zu…



    „So wir haben sie. Die sind in diesem Gebäude. Also sollten wir nun das SEK rein schicken.“ Meinte Engelhard, als sie das Gelände erreicht hatten. Sie gab die Befehle über das Mikro weiter. Das SEK durchsuchte das Gelände. Sie fanden den Sender und die Sachen von Jan, doch keine Spur der beiden. „Mist. Sie haben den Sender entdeckt. Nun können die sonst wo sein.“ fluchte Tom. Engelhardt sah ihn an. „Wir müssen die Akten durchgehen, vielleicht finden wir dort eine Spur wohin er fliehen kann. Wir müssen ihn finden.“ Engelhardt sah Tom verzweifelt an. Tom nickte. Dann fuhren sie zum Revier zurück.



    Semirs Gesicht lief blau an. Tscherne hatte das Seil an seinem Hals zugezogen. Nur mühsam bekam er Luft. Außerdem behinderte der Knebel das Atmen. Jan erschrak. Er dachte nach, wie er Semir Erleichterung verschaffen konnten. Doch egal was er sagte, Tscherne reizte das Spiel aus. Er hatte die Schlinge so eng um Semirs Hals gezogen, dass dieser fast bewusstlos wurde. Das andere Ende hatte Tscherne um sein Handgelenk. „Hans, ich habe ein Haustier“, lachte er seinen Komplizen an. Hans nickte nur. Semir sah ihn an. In seinen Augen sah man die Angst. Er konnte sich jedoch nicht äußern und jede Bewegung quittierte Tscherne mit einem Zug an dem Seil. Auch Jan verhielt sich ruhig, damit Semir nicht noch weiter gequält wurde. „Hey, fahr jetzt links rein. Wir sind gleich da.“ sagte Tscherne zu Hans. Dieser bog ab und Jan konnte sehen, dass sie in ein Waldstück fuhren. Nach kurzer Zeit kam eine Hütte. Sie war abgeschieden und sah ziemlich heruntergekommen aus. Jan drehte sich zu Semir um. Dieser saß ruhig in der Ecke und wagte sich nicht zu rühren. Tscherne sah ebenfalls zu Semir und sprach dann Jan an: „Na, Richter. Meinst du nicht auch, das Gerkhan eine ziemlich ungesunde Gesichtsfarbe hat. Tja es ist ungesund eine große Klappe zu haben.“ Er lachte. Jan antwortete nicht, denn er wusste, das Tscherne nur darauf wartete, das er redet, damit er Semir wieder drangsalieren konnte. Zu Semir sagte er: „Siehst du Gerkhan, Richter hat es verstanden. Er hat es endlich kapiert, dass wenn er redet, dir schadet. Leider bringt das nicht viel, denn du bist der erste, der meine Rache spüren wird. Richter brauche ich noch länger, und ich weiß dass er es überhaupt nicht leiden kann, wenn du leidest. Das wird ein Spaß für mich.“ Er lachte gemein.


    Engelhard und Tom standen im Büro und versuchten Informationen über Tscherne zu bekommen, aus denen hervorging wo er stecken könnte. Doch es war wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen. Es gab einfach keine neue Spur. Tom war verzweifelt. Er hatte die Akte von Tscherne studiert und dieser Mann machte ihm Angst. Er hatte Semir und Jan Rache geschworen und nun waren beide in seiner Hand. Tom konnte sich ausmalen, dass er beide extrem quälen wird. Er konnte sich vorstellen, dass die beiden Kollegen alles versuchen würden, zu fliehen, doch so wie er Tscherne einschätzte wird dieser das zu verhindern wissen. Doch dann hatte er auf einmal eine Idee. „Chefin, ich glaube ich hab´s. Ich denke ich weiß wo er hin ist. Hier in der Akte steht, das Tscherne eine alte Hütte im Waldbröl besitzt. Wir sollten dort hin fahren. Vielleicht ist das eine heiße Spur.“ Engelhardt sah ihn an. Sie nickte. Doch es war mittlerweile fast Mitternacht und vor morgen war nicht daran zu denken. „Wir werden direkt morgen früh hinfahren. Und zwar mit dem SEK“ „Gut, ich werde jetzt nach Andrea und Jana fahren.“ Tom verabschiedete sich und setzte sich in sein Auto. Er fuhr zu Andrea. Als er dort ankam, sah er das dass Licht noch brannte. Er ging zu Tür und klingelte. Jana öffnete. „Schläft Andrea schon?“ fragte er. Jana schüttelte den Kopf. „Wie sollte sie. Sie hat Angst um den Mann, den sie liebt. Sie sitzt im Wohnzimmer. Sie ist fertig. Tom hast du wenigstens gute Nachrichten?“ Jana sah ihn hoffnungsvoll an. Er schüttelte den Kopf und ging ins Wohnzimmer. Andrea sah ihn flehend an. „Was ist mit Semir?“ fragte sie tonlos. „Andrea, dieser Tscherne hat uns abgehängt. Wir wissen im Augenblick nicht wo sie sind. Es tut mir leid. Ich habe versagt. Ich konnte Semir nicht helfen“ „Schon gut Tom. Es ist nicht deine Schuld. Irgendwie zieht Semir die Typen, die ihn nicht ausstehen können an. Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben. Ich weiß, das er lebt.“ sagte Andrea voller Überzeugung. „Andrea, wir sollten versuchen nun zu schlafen. Morgen werden wir noch eine Spur verfolgen, vielleicht haben wir Glück.“ „Nein Tom. Wir werden Glück haben. Und ich werde Semir morgen zum Hochzeitstag in den Arm nehmen. Verstehst du. Tscherne hat mir schon einmal das Liebste nehmen wollen, er hat es nicht geschafft. Das wird er auch jetzt nicht schaffen.“ Tom nahm sie in den Arm. Danach gingen alle schlafen.


    In der Hütte im Wald :


    Tscherne zog Semir an der Schlinge ins Haus. Hans kam mit Jan nach. Tscherne zog Semir dich an sich heran. Da dieser immer noch geknebelt und gefesselt war, wehrte er sich nicht dagegen. Jan wurde in die Hütte gestoßen. Er sah, das Tscherne Semir die Waffe an die Schläfe drückte. „Tscherne, bitte lassen Sie ihn endlich in Ruhe.“ Tscherne zog an der Schlinge, Semir fing an zu röcheln. „Gerkhan, es tut mir irgendwie schon leid. Aber Richter hält einfach nicht die Klappe. Nun gut. Ich hatte ihn gewarnt. Mehrmals. Du bist mein Zeuge nicht wahr, Gerkhan?“ Tscherne sah Semir in die Augen. „Also, dann wollen wir mal anfangen, Richter Manieren beizubringen. Hans! Binde Richter an dem Stuhl fest.“ Der Angesprochene tat was befohlen wurde. Er band Jan auf einem soliden Stuhl fest. Selbst die Beine wurden an die Stuhlbeine gebunden. Er konnte sich nachdem Hans fertig war, nicht bewegen. In dieser Zeit hatte Tscherne Semir den Knebel aus dem Mund genommen. Doch diesem war nicht danach, irgendetwas zu sagen. Außerdem war immer noch die Schlinge um den Hals. Er sah Tscherne nur an und dann wanderte sein Blick zu Jan. Tscherne riss ihm die gefesselten Hände hoch. Semir konnte einen schmerzhaften Schrei nicht unterdrücken. Tscherne nahm ein Seil, das er in der Hütte liegen hatte und band es mit dem Zwischenstück der Handschellen zusammen. Das andere Ende warf er über einen Balken an der Decke der Hütte. Er zog dieses Ende so weit, das Semir die auf dem Rücken gefesselten Hände fast ausgerenkt wurden. Semir stand stöhnend und gekrümmt im Raum. Er sah Jan an. Doch auch der konnte nichts tun. „So, dann wünsche ich den Herren eine schöne gute Nacht.“ sagte Tscherne und wandte sich ab. „Tscherne, Sie sind erbärmlich. Sie können Semir nicht die ganze Nacht dort stehen lassen. Wenn Sie sich an mich rächen wollen, bitte, dann tun sie es auch. Aber lassen Sie um Gottes Willen, Semir da raus.“ flehte Jan regelrecht. Tscherne schüttelte den Kopf und tat einen Schritt auf Semir zu. Dann schlug er zu. Er schlug Semir mit aller Gewalt in den Magen. Dieser stöhnte auf und mit schmerzverzerrtem Gesicht versuchte er den Schmerzen Herr zu werden. Er konnte den Schmerzen nicht entgegen wirken, denn er stand aufgrund der Fesselung bereits gekrümmt im Raum. Die Schmerzen die während des Schlages in den Magen, sich in die Hände und Armen ausbreiteten waren extrem. „Tja Gerkhan, So ist es. Er denkt nur an sich, der Herr Richter. Er nimmt keine Rücksicht auf deine Gesundheit. Ich glaube, wir müssen die Unterhaltung noch weiter führen.“ Semir sagte nichts. Er rang nach Luft. Jan sah erschrocken zu. „Tscherne, es reicht! Verprügeln Sie mich, wenn Sie unbedingt prügeln wollen, aber lassen Sie Semir endlich in Ruhe, verdammt!!!“ Wieder schlug Tscherne auf Semir ein. Dieser sackt bewusstlos in seinen Fesseln zusammen. „Oh, schade. Das war wohl zuviel.“ lachte er gemein und drehte sich um. „Hans ich lege mich schon mal hin. Sorge du dafür, das Richter keine Scherereien machen kann, und dann kannst du Gerkhan abhängen. Er bekommt ein extra Zimmer. Du weist ja schon wohin.“ Hans nickte. Tscherne ging aus dem Raum. Jan wurde von Hans geknebelt. Dann konnte Jan sehen, wie Hans Semir von dem Balken befreite. Er sah besorgt auf Semir. Er war immer noch bewusstlos. Jan war zur Hilflosigkeit verdammt. Er konnte ihm nicht helfen. Er sah, wie Hans Semir auflud und aus dem Raum brachte. Er wusste nicht, wohin Semir gebracht wurde, doch es konnte nicht all zu weit gewesen sein, denn bereits 5 Minuten später war Hans wieder da. Er überprüfte erneut die Fesseln von Jan und ging dann ebenfalls raus.


    Hans hatte Semir in einem ausrangierten Tank gebracht. Dort kettete er ihn mit vorhandenen Handschellen an die Wand. Die Kette, die an den Schellen war, war ungefähr 1,5 m. Lang. Somit konnte Semir hingelegt werden. Hans legte Semir auf eine alte dreckige Matratze im Tank. Er sah sich noch einmal kurz um, verließ den Tank und schloss die schwere Tür. Semir erwachte kurz danach aus der Bewusstlosigkeit. Er zerrte an den Fesseln, doch die Handschellen saßen fest. Er konnte zwar aufstehen, doch viel bewegen konnte er sich nicht. „Jan?“ rief er leise in den dunklen Raum. Keine Antwort. Er dachte, entweder bin ich allein hier, oder Jan ist bewusstlos. Er versuchte zu erkennen, wo er war, doch der Raum war sehr dunkel. Semir konnte nur bis zum Morgen warten. Er setzte sich auf den Boden. Dort bemerkte er, dass es eine Matratze gab. Zwischendurch versuchte er immer wieder an den Handschellen zu zerren, gab jedoch auf, denn diese ließen sich weder öffnen noch lockern. Dazu brauchte er Hilfe. Er legte sich hin, und schlief kurz darauf ein.


    Am nächsten Morgen fuhren Tom und Engelhardt mit dem SEK zu der Hütte nach Waldbröl. Sie sahen schon von fernen das der Wagen den sie Tscherne überlassen hatten dort stand. Engelhardt nickte Tom zu. „Sie sind da. Hoffentlich kommen wir nicht zu spät.“ sagte sie. Tom sah sie an. „Das darf einfach nicht sein.“ erwiderte er. Er schaute ebenfalls zur Hütte rüber. Beide beratschlagten sich mit dem Einsatzleiter des SEK über das weitere Vorgehen. „Das bester wäre, wenn wir die Hütte von allen Seiten angreifen. Wir werden Tränengas einsetzen. Das sollte für die Geiseln das kleinere Übel sein. Also los“
    Das SEK zog los. Tom und Engelhard blieben zunächst zurück. Sie sahen wie das SEK die Hütte einkesselte. Es flogen Tränengasgranaten in die Hütte. Man hörte Husten und Fluchen. Dann stürmte das SEK die Hütte. Es gab zwar ein kurzes Handgemenge, aber das SEK hatte die Situation im Griff. Tscherne und Hans wurden abgeführt, Jan wurde befreit. Tom rannte in die Hütte. „SEMIR!“ rief er, als er bemerkte, dass keiner mehr in der Hütte war. Er ging zu Jan. „Wo ist Semir?“ „Ich weiß es nicht. Dieser Hans hat ihn raus gebracht. In sein Zimmer, wie sich Tscherne nannte. Ich weiß nicht wo es ist. Aber es muss in der Nähe sein. Es hat keine 5 Minuten gedauert, bis dieser Hans zurückkam. Wir müssen das Gelände absuchen“ sagte dieser. Tom sah verzweifelt zu Engelhardt. Sie ging zu Tscherne: „Wo ist Herr Gerkhan hingebracht worden?“ fragte sie. Tscherne sah sie an. „Sucht ihn doch. Aber ich würde mich beeilen. Er ist gut versteckt. Nur ich denke ohne Essen und Trinken wird er nicht lange durchhalten. Außerdem ist in diesem Versteck noch eine Besonderheit angebracht worden. Wenn Sie sehen wollen, was das ist, sollten Sie noch einmal in die Hütte gehen. Dort ist ein Monitor. Und dadurch können Sie Gerkhan sehen. Aber nicht nur sehen, sondern auch hören und sogar mit ihm sprechen. Nur helfen können Sie ihn nicht. Wenn Sie ihn nicht rechtzeitig finden, wird er verhungern und verdursten.“ Engelhardt sah ihn an. Tscherne grinste. „Was ist da außerdem noch? Sie sprachen von der Besonderheit?“ „Ach ja, die hatte ich schon fast vergessen. Also…. Nein.. Ich verrate es nicht. Sehen Sie doch einfach zu.“ lachte er. Tom und Engelhardt gingen in die Hütte. Sie fanden den Monitor und schalteten ihn ein. Auf dem Bildschirm sahen sie Semir. Angekettet an einer Wand in einem Raum. Er konnte sich nicht sehr viel bewegen, höchstens 10 cm zu jeder Seite.


    Semir wurde wach. Im Raum war es nicht mehr sehr dunkel. Doch es war kein Tageslicht, sonder künstliches Licht. Er sah sich um. Der Raum war höchstens 8 qm² groß. Es gab keine Fenster. Die Tür war aus Stahl. Dann hörte er ein komisches Knacken. „Semir?“ hörte er Frau Engelhardt. Er sah sich um, doch er war allein in diesem Raum. „Chefin? Wo sind Sie?“ „Wir sind in der Hütte. Wir haben Jan befreit, Tscherne und diesen Hans festgenommen. Doch wir wissen nicht wo Sie sind. Wissen Sie es?“ „Nein. Ich verstehe nicht? Wieso können wir miteinander sprechen? Können Sie mich sehen?“ „Ja wir sehen Sie. Wie geht es Ihnen sonst? Ich meine körperlich?“ „Bis jetzt noch ganz gut. Ich habe Durst und Hunger. Ansonsten bin ich so weit in Ordnung. Wann holen Sie mich hier raus?“ „Semir, ich weiß nicht wo Sie sind. Tscherne und dieser Hans schweigen sich aus. Tscherne hat außerdem noch gesagt, das er in diesem Raum eine Überraschung eingebaut hat. Wir wissen nicht was er damit meint.“ „Das kann nur eine Teufelei sein. Aber ich sehe hier noch nichts. Wie weit können sie den Raum übersehen?“ „Wir sehen Sie, Semir und nur die Ecke wo Sie sich befinden. Was können Sie erkennen? Vielleicht hilft es uns Sie zu finden.“ „Der Raum ist knappe 8 qm² groß. Es liegt eine Matratze am Boden. Die Tür ist genau gegenüber von mir. Sie ist aus Stahl. Es gibt keine Fenster, es dringen keine Laute rein. Entweder ist der Raum sehr gut isoliert, oder er liegt unter der Erde.“ „Okay, Semir wir werden das gesamte Gelände absuchen. Aber es wird dauern. Wenn etwas ist, dann melden Sie sich. Ich lasse einen Beamten hier am Monitor damit Sie sich nicht so allein fühlen. Ist das Okay?“ „Okay. Frage ist nur, wie lange ich hier bleiben muss.“ „ Wir machen schnell.“ Das Knacken verschwand. Semir war allein.


    Engelhard forderte eine Hundertschaft an um den Wald zu durchsuchen. Ebenfalls wurden Suchhunde eingesetzt. Knappe zwei Stunden standen die Suchmannschaften bereit. Sie durchkämmten die Gegend. Die Suche ging über Stunden und führte zu keinem guten Ergebnis. Sie fanden Semir nicht. Engelhardt war verzweifelt. Es war schon wieder Abend und die Dämmerung kam. Wenn sie ihn nicht fanden, war er dazu verdammt eine weitere Nacht in diesem Raum zu verbringen. Tom ging in die Hütte. Jan hatte die Schicht am Monitor übernommen. Tom sah zum Monitor. Semir hatte sich das Essen und Trinken geholt. Er sah, dass es nicht viel war. Das würde wahrscheinlich gerade mal einen Tag reichen, wenn Semir es sich richtig einteilte. Er sah Jan an. „Was glaubst du? Wo kann er sein?“ fragte er Jan. Jan zuckte mit den Schultern. „Ich habe keine Ahnung. Als dieser Hans ihn raus brachte, war Semir bewusstlos und ich am Stuhl gefesselt. Ich konnte mich nicht drehen, sonst hätte ich wenigstens die Richtung gesehen, wo sie hingegangen sind. Dieser Tscherne hat Semir ziemlich übel mitgespielt. Er hat ihn jedes Mal wenn ich etwas gesagt oder getan habe, geschlagen, ihn gewürgt oder sonst irgendwie Schmerzen zugefügt. Man sah ihm den Spaß, den er dabei hatte, regelrecht an. Ich habe mich noch nie so wehrlos gefühlt. Vor allem, weil ich Semir nicht helfen konnte. Es ist ….“ „Schon gut, Jan. Ich verstehe es. Semir ist hart. Er wird es schaffen. Schade nur, das er seinen Hochzeitstag nicht zu Hause verbringt, sondern in diesem Raum, von dem wir nicht wissen wo er ist und welche Teufelei er sich noch ausgedacht hat.“


    Semir saß auf der Matratze. Er hatte die Beine angezogen und konnte nur abwarten, wann ihn die Kollegen fanden. Er selbst war zum Nichtstun verdammt. „Hey, Leute? Hört ihr mich noch?“ rief er in den Raum. „Ja, Semir. Wir hören dich. Was ist?“ „Ich wollte nur mal sicher gehen, dass ihr noch da seid. Ich könnte es verstehen, wenn ihr das nicht wäret. Wie weit seid ihr? Mein Magen hängt schon durch und der Durst ist quälend.“ „Hör mal! Wir gehen hier zusammen weg. Klar?“ „Hey, Tom. So meinte ich es nicht. Wie spät haben wir es? Ist es Tag oder Nacht?“ „Es ist jetzt 19.30 Uhr. Semir, wir haben fast das ganze Gelände abgesucht aber wir haben bisher noch keine Spur, wo dieser Raum ist und draußen wird es langsam dunkel. Ich fürchte du wirst eine weitere Nacht dort ausharren müssen“ sagte Tom bedrückt. „Ich verstehe. Tja, das ist mein Hochzeitstag. Schade dass Andrea nicht da ist. Wenn…. Wenn ihr mich nicht findet, dann sagt ihr bitte, dass ich sie liebe. Okay?“ „Wir finden dich schon. Und dann sagst du ihr das selbst! Und jetzt fang nicht an Trübsal zu blasen, klar!“ schimpfte Jan. Semir konnte sich sein Gesicht vorstellen. Er musste grinsen. Doch die trüben Gedanken, konnte er nicht verhindern. Was sollte nur aus Andrea werden, wenn er hier sterben muss. So wie es derzeit aussah, wird es ewig dauern, bis man ihn fand. Man sagt doch ohne Essen kann man eine Woche überleben, aber ohne Trinken nur drei Tage. Wenn sie ihn bis morgen nicht gefunden haben, dann muss er verhungern oder verdursten. Und was meinte Tscherne mit der Überraschung? Semir konnte sich vorstellen, das es irgendeine Teufelei war. Aber was? Und vor allem wie lange dauerte es, bis diese Überraschung eintraf? Semir grübelte. Doch irgendwann schlief er dann ein.


    Tom und Jan saßen nach wie vor am Monitor. Sie beobachteten Semir. Er schien zu schlafen. „Verdammt, wo kann dieser Raum nur sein?“ fragte Jan. Er sah Tom an. „Lass und für einen Moment mal Luft schnappen. Wir gehen mal kurz raus.“ Tom sah ihn an und nickte. Er verstand. Jan wollte ihm etwas sagen, was Semir nicht hören sollte. Er holte einen Beamten, der die Stellung am Monitor zu halten. Er ging dann mit Jan aus der Hütte. Draußen stand Engelhardt. Sie sah die beiden Männer an. „Es ist wie verhext“, sagte sie, „wir haben den gesamten Umkreis von der Hütte abgesucht. Nichts. Keine Vertiefung, keine aufgewühlte Erde. Nichts. Wo kann er nur sein? Ich weiß mir keinen Rat mehr. Und darauf dass dieser Tscherne etwas verrät, können wir nicht bauen. Der schweigt wie ein Grab.“ „Was ist mit diesem Hans?“ „Der sagt ebenfalls nichts. Tscherne und er haben sich verschworen. Er spricht überhaupt nicht.“ In diesem Augenblick kam der Beamte, der am Monitor Wache hielt aus der Hütte. „Kommt, da passiert etwas.“ rief er. Alle rannten in die Hütte zum Monitor. Sie sahen Semir, der sich an die Wand drückte. „Semir? Was ist los?“ fragte Tom. Er sah, das Semir panisch schaute. „Ich habe etwas gespürt. Irgendetwas ist mir über den Körper gekrochen. Hier ist etwas drin!“ „Semir, beruhige dich. Bitte, Panik ist schlimmer als Durst oder Hunger. Bitte beruhige dich. Hörst du?“ „Das sagst du so leicht. Wer weiß was das war?“ „Kannst du die Matratze anheben?“ Semir versuchte es. Es gelang. Doch dort war nichts. „Kann es sein, das du es nur geträumt hast, Semir?“ fragte Jan. „Ich weiß nicht. Kann sein. Mann, holt mich endlich hier raus. Ich brauche dringend frische Luft.“ „Das wissen wir. Wir tun alles Mögliche. Okay. Versuch dich bitte wieder zu beruhigen. Du verbrauchst nur mehr Sauerstoff, wenn du dich aufregst.“ „Tja, das ist die nächste Frage. Wie lange reicht der Sauerstoff in diesem Raum aus.“ meinte Semir. Tom und Jan sahen sich an. Daran hatten sie noch gar nicht gedacht. Sie gingen zu Frau Engelhardt. „Was ist mit der Luftzufuhr? Wir wissen nicht, wie lange die Luft da drinnen reicht. Was wenn Semir ersticken muss?“ Engelhardt sah die beiden erstaunt an. „Vielleicht finden wir, Rohre, die Luft in den Raum leiten. Das wäre eine Möglichkeit. Aber wir müssen warten, bis es hell wird.“ Da mussten Tom und Jan zustimmen. In der Dunkelheit werden sie nichts finden. „Du wolltest mir etwas sagen, Jan?“ sagte Tom. „Ja ich wollte nur nicht das Semir es mitbekommen soll. Bevor dieser Hans Semir raus brachte, sah ich wie Tscherne eine Fernbedienung in der Hand hielt. Ich befürchte, dass wenn wir Semir finden, die Gefahr für ihn nicht vorbei ist. Es ist irgendeine Teufelei am Laufen. Wir müssen sehr gut aufpassen. Er hasst Semir wie die Pest.“ Tom nickte. Das war ja nichts Neues für ihn. „Wir sollten uns nun auch ein wenig hinlegen, damit wir morgen Kraft haben, weiter zu machen.“ Jan nickte. Die zogen sich in die Hütte zurück. Doch bevor sie sich hinlegten, beauftragen sie den Beamten am Monitor sie sofort zu wecken, wenn etwas passieren sollte. Tom warf noch einen Blick auf den Monitor. Semir schien wieder eingeschlafen zu sein.


    Am nächsten Morgen, waren die Suchmannschaften bereits um sechs Uhr im Wald unterwegs. Sie suchten nun nach Rohren, die aus der Erde kamen. Engelhardt hatte die Hoffnung so Semir und sein Gefängnis zu finden. Doch auch nach zwei Stunden war noch kein Ergebnis da. Tom und Jan kamen aus der Hütte. „Und?“ fragte Jan. Engelhardt schüttelte den Kopf. „Das heißt, das Semir nur den Sauerstoff hat, der im Raum ist. Aber … was ist mit der Schilderung, das die Tür aus Stahl ist. Wir könnten doch Metallsuchgeräte einsetzen. Dann können wir vielleicht die Tür finden.“ Engelhardt sah Jan an. „Das ist es…. Die letzte Möglichkeit. Ich fordere sofort einige Geräte an.“ Sie verschwand zum Wagen. Nach drei Minuten war sie wieder da. „Die Geräte werden innerhalb der nächsten halben Stunde hier eintreffen. Wir sollten uns so lange mit Semir unterhalten.“ Sie gingen in die Hütte. Sie setzten sich alle vor dem Monitor und sahen auf Semir. Dieser war noch am schlafen. Tom und Jan sahen sich noch einmal in der Hütte um. Unter einem Bett in einen der Nebenräume, fand Tom eine Ferne-Dienung. Er nahm sie auf und ging zu Jan. „Ist das die Fernbedienung die du gesehen hast?“ fragte er ihn. Jan sah sich das Gerät an und nickte. „Das ist das Ding. Aber was für eine Funktion hat sie?“ fragte er. Tom zuckte mit den Schultern. „Wir könnten es ausprobieren, aber, da wir nicht wissen, was sie auslöst, sollten wir es lassen.“ Jan nickte. Es war einfach zu gefährlich.


    Semir wachte auf. „Morgen Leute. Es wird so langsam Zeit, mich zu finden.“ meinte er. Er hatte mittlerweile einen drei Tage Bart und sah ziemlich dreckig aus. „Nun mal mit der Ruhe, mein Freund.“ sagte Tom. „Wir haben Metalldetektoren angefordert. Damit können wir die Stahltür, von der du gesprochen hast, orten. Dann haben wir dich gefunden und holen dich raus. Das dauert aber noch etwas. Hast du einen Wunsch?“ „Ja. Ich will raus.“ meinte Semir trocken. „Hey, Tom. Kannst du Andrea nicht herholen? Ich möchte mit ihr reden.“ Tom sah zu Frau Engelhardt. Sie nickte. Tom nahm sein Handy und rief Andrea an. „Tom. Habt ihr Semir und Jan gefunden?“ war ihre erste Frage. „Ja wir haben Jan befreien können, aber Semir sitzt in irgendeinem unterirdischen Raum gefangen. Wir wissen nicht wo. Aber er lebt. Wir können ihn über einen Monitor sehen und sogar mit ihm sprechen. Er will dich hören. Kannst du dich bitte hier her fahren lassen?“ „Ich komme sofort. Wo seid ihr?“ Tom gab ihr die Daten durch. „Jana und ich sind schon unterwegs.“ Das Gespräch war beendet.


    Andrea und Jana stiegen umgehend ins Auto und fuhren in Richtung Waldbröl. „Hoffentlich geht es ihm gut“, meinte Andrea. Jana fuhr und sah ihre Schwester kurz von der Seite. „Wenn es ihm nicht gut ginge, hätte Tom bestimmt nicht angerufen. Er wäre dann persönlich gekommen. Also mach dir keine Sorgen. Semir lebt und du kannst ihn gleich sehen.“ Andrea sah nun zu ihrer Schwester. Sie hatte Recht, dachte sie. Tom hätte ihr nicht durch das Telefon gesagt, dass es Semir schlecht ging. Doch was war mit ihm. Tom sagte, er sei in einem Raum unter der Erde gefangen und dass sie nicht wüssten wo dieser Raum ist. Aber durch einen Monitor und Mikrofon war es möglich ihn zu sehen, hören und zu sprechen. Hier müsste man ansetzen. Jedes elektronische Gerät sendet Funkwellen aus. Diese müssen nur geortet werden, und dann hatten sie ihn gefunden. „Jana, bitte fahr schneller. Ich glaube ich habe eine Idee, wie wir Semir finden können.“ Jana sah sie an.


    „Semir, Andrea wird gleich hier sein. Wie geht es dir?“ „Ich bekomme schlecht Luft. Ich glaube, die wird hier ziemlich schlecht. Tja, Leute das war es dann wohl. Ich komme hier nicht mehr raus. Ich habe kein Essen und kein Trinken mehr, die Luft wird dünner und ihr habt keine Ahnung wo ich bin.“ seufzte Semir. „Halt endlich die Luft an, Semir. Wir holen dich da raus.“ schimpfte Jan. In diesem Augenblick kam Andrea in die Hütte. „Wo ist er?“ fragte sie. Tom zeigte auf den Monitor. Sie sah ihren Semir. Er war angekettet in einem Raum, wie Tom es gesagt hatte. Er hatte anscheinend wieder einmal Prügel bezogen. Man sah die blauen Flecke, selbst bei diesem fahlen Licht. „Hey, Schatz.“ „Andrea? Bist du wirklich da?“ „Ja, ich bin hier. Und nun werde ich dich finden. Ich weiß auch wie. Aber erst einmal will ich, dass du nicht so viel sprichst und atmest. Mach bitte keine hektischen Bewegungen.“ Semir sah in die Richtung, wo er glaubte die Linse gesehen zu haben. Er nickte. Jetzt wo Andrea da war, ging es ihm besser. Er wollte sie nur endlich wieder in die Arme nehmen. „Ich liebe dich, Andrea“ „Ich weiß. Ich liebe dich auch. Aber bitte sag jetzt nichts mehr.“ Semir setzte sich auf die Matratze. Tom sah Andrea an. „Wie willst du ihn finden. Wir haben das gesamte Stück bereits mehrmals abgesucht. Nichts. Wir wissen nicht wo er ist.“ „Ja, das hast du mir schon am Telefon gesagt. Aber ich bezweifle, dass ihr eine Ortung der elektronischen Strahlen gemacht habt.“ Tom sah zu Jan und Engelhardt. „Darauf sind wir gar nicht gekommen. Andrea du bist und bleibst ein Schatz. Was brauchst du dafür?“ fragte Tom. Andrea gab ihm eine Liste mit den Teilen die sie brauchte. Engelhardt gab Befehle um alle erforderlichen Dinge heran zu schaffen. Nun hieß es wieder warten, bis alles da war.


    Tom sah auf den Monitor. Semir saß ruhig auf der Matratze. „Hey, ich habe Hunger.“ brachte er sich in Erinnerung. „Ja das wissen wir. Wir haben dich gleich. Bitte Gedulde dich noch.“ sagte Andrea. „Wisst ihr den wo ich bin?“ fragte Semir. „Semir bitte, die Luft die dir zum Atmen bleibt ist sehr gering. Bitte habe Geduld.“ Wieder schwieg Semir. Semir bewegte sich ein wenig. Irgendwie hatte er das Gefühl, nass zu werden. „Hey, Leute, wie ist das Wetter? Regenet es?“ fragte er deshalb. Andrea schaute Tom an. „Nein es regnet nicht, warum fragst du?“ fragte sie. „Ich werde nass.“ meinte Semir. Tom sah zu Andrea und zu Jan. „Verdammt, das ist die Besonderheit die Tscherne meinte. Er will ihn ertränken. Der Bau wird mit Wasser vollaufen und Semir hat keine Chance. Das heißt aber auch, dass der Bau am Wasser liegen muss. Oder es müssen Leitungen dort lang gehen. Die Zeit drängt, Leute. Draußen ist es ziemlich kalt und ich glaube das Wasser ist noch kälter.“


    Semir merkte, das er ziemlich nass wurde. Das Wasser drang durch jede Ritze in den Raum. Die Matratze war bereits durchnässt. „Hey, lasst euch was einfallen. Ich will nicht schwimmen müssen. Und soviel Durst habe ich nicht.“ meinte er sarkastisch. „Das Wasser ist ziemlich kalt.“ „Semir halte endlich den Mund“, schimpfte Andrea. „Ich finde dich.“ Sie hatte mittlerweile alles bereit, was sie brauchte um die Sonde zu bauen, womit sie die elektronischen Strahlen messen konnte. Sie ging mit den Geräten durch das Gelände. Tom stand neben ihr. „Wonach suchst du jetzt?“ fragte er. „Die Kamera und auch das Mirko senden Wellen aus. Dort wo die Wellen gemessen werden, sind die Geräte versteckt. Dort wo die Geräte sind, ist Semir. So einfach ist es.“ Andrea ging weiter. Der Weg führte zu einem kleinen See. Die Geräte schlugen aus. „Hier, Tom. Er muss hier sein. Ich empfange eindeutige Signale.“ Tom sah sich um. Hier war nur der See. „Du meinst… Semir ist im See versteckt. Das kann wohl kaum sein, oder?“ „Warum nicht? Das würde auch den Wassereinbruch erklären. Was, wenn es gar kein Raum ist, wo Semir drin ist, sondern irgend ein Behälter, der ins Wasser geschoben wurde, untergegangen und jetzt auch noch undicht geworden ist. Denk doch mal, Semir sprach von einer Stahltür. Was wenn es keine Tür ist, sondern nur eine Luke. Wir brauchen Taucher.“ Tom telefonierte mit der Chefin. Sie sollte umgehend Taucher zum See schicken und dann sollte sie mit Semir sprechen und ihn über den Raum weiter ausfragen. Vielleicht hatte Andrea ja doch Recht.


    Engelhardt ging in die Hütte. Semir stand mittlerweile bis zu den Knöcheln im Wasser. „Semir, Andrea glaubt zu wissen, wo Sie sind. Sie müssen mir jetzt ganz genau sagen, wie der Raum in dem Sie sind aussieht.“ „Chefin, mir ist kalt. Das Wasser ist eisig.“ „Semir bitte. Konzentrieren Sie sich.“ „Okay, ich versuche es. Der Raum ist wie gesagt 8 qm² groß. Er ist länglich. Mir gegenüber ist eine Tür aus Stahl…“ „Semir, ist die Tür rund, oder eckig?“ „Die Tür ist rund. Mir ist kalt.“ „Ich weiß. Bitte halten Sie durch. Andrea glaubt, dass Sie in einem See sind. Ihr Raum, in dem Sie sind, könnte ein Gefäß sein, der sich unter Wasser befindet. Wir haben bereits Taucher angefordert. Sie werden gleich hier sein.“ „Okay.“ sagte Semir und seine Stimme zitterte vor Kälte. Man konnte außerdem sehen, wie schnell das Wasser stieg.


    Semir stand nun bis zu den Knien im Wasser. Andrea meldete sich über das Mikro. „Semir, Schatz. Wir haben dich gefunden. Wir holen dich gleich raus und dann feiern wir den Tag nach. Ich liebe dich.“ „Andrea. Bitte. Ich friere und ich kann gar nicht so schnell zittern. Das Wasser ist eiskalt. Ich werde wohl ne Erkältung bekommen. Hol mich raus hier. Wenn das Wasser weiter so schnell steigt, dann ertrinke ich. Die Ketten halten mich an der Wand fest. Ich kann nicht schwimmen, wenn die Dinger dran sind.“ „Okay, wir haben ihn gefunden.“ sagte einer der Taucher, als er das Wasser verließ. „Er befindet sich in einem Tank. Der Tank ist auf dem Boden des Sees gesunken. Der Eingang ist zugänglich, doch wenn wir den öffnen, dann tritt das Wasser schnell ein. Wir müssen versuchen, den Tank zu heben. Dazu brauchen wir schweres Gerät. Und zwar schnell.“ Der Kran wurde angefordert. Doch vor 16.00 Uhr wird er nicht kommen. Engelhardt, Andrea, Tom und Jan saßen mittlerweile wieder vor dem Monitor. „Semir, wir haben dich. Es dauert nicht mehr lange.“ sagte Andrea. „Schatz. Das Wasser steht mir schon bis zum Bauch. Wenn ihr mich nicht bald rausholt, dann ist es aus. Soviel Durst habe ich nicht.“ versuchte Semir zu scherzen. Doch er geriet so langsam in Panik. Die Ketten hielten ihn fest. Man konnte durch den Monitor sehen, dass er zitterte. „Semir, der Kran ist jeden Moment hier. Halte aus. Du kannst gleich raus.“ sagte Tom. Dann sah er den Kran. „Da ist er. Los wir müssen den Tank endlich heben, sonst ertrinkt Semir.“ Er verließ die Hütte und lief zum See. Er verfluchte, das er nicht an die Möglichkeit gedacht hatte, das Tscherne Semir im Wasser versteckt hatte. Dann hätte er ihn vielleicht früher entdeckt. Semir hätte schon draußen sein können. Der Fahrer des Krans kam zu ihm. „Hören Sie mal, ich kann den Tank nicht heben. Er ist zu tief und vermutlich zu schwer. Der zieht mich ins Wasser wenn ich ihn versuche zu heben. Ihr müsst euch was anderes einfallen lassen.“ Tom sah ihn an. „Was… Wieso…. Ich meine, …“ stammelte er. „Hören Sie mal, da unten ist mein Kollege und Freund in einem Tank gefangen. Er wird ertrinken, wenn wir ihn nicht rausholen. Er ist gefesselt und kann nicht von selbst rauskommen. Also es ist dringend erforderlich, das Sie mir helfen.“ „Das würde ich auch, aber dazu muss zunächst der Kran gesichert werden. Dann kann ich den Tank heben. Aber vorher nicht.“ Tom nickte. Er nahm sein Handy und rief Engelhardt an. „Der Kran, kann den Tank so nicht bergen. Wir müssen den Kran irgendwie sichern.“ „Tom, Semir hat keine Zeit mehr, das Wasser steht ihm bereits bis zur Hüfte. Ich weiß nicht wie lange er noch stehen kann. So wie es aussieht ist das Wasser extrem kalt. Wenn er zusammen sackt, dann können wir ihm nicht mehr helfen. Geben Sie mir den Kranführer“ Tom übergab das Handy. „Hören Sie. Heben Sie den Tank so weit wie es möglich ist. Wir werden dann versuchen, die Tür zu öffnen und unseren Kollegen rausholen. Ist das eine Möglichkeit?“ „Nun, ich denke schon. Die Kette sollte so lang sein, das ich den Tank knapp unter Wasser halten kann. Aber es muss schnell gehen. Der Grund wo der Kran steht ist nicht gerade stabil.“


    Semir stand bereits nun bis zur Brust im Wasser. Er merkte, dass die Kräfte nachließen und er am liebsten zusammen gebrochen wäre. Doch er riss sich zusammen. Er zitterte vor Kälte und die Zähne klapperten von selbst. „Leute, ich kann…. nicht… mehr.“ Plötzlich merkte er, dass es einen Ruck gab. Der Raum wurde instabil. Außerdem merke er, das dass Wasser ein wenig sank. „Semir, wir holen dich jetzt raus.“ hörte er Andrea sagen. Dann ruckte es noch einmal. Semir hatte das Gefühl in einem Boot zu sitzen, das auf den Wellen schaukelte. Er rutschte aus und kam unter Wasser. Erschrocken tauchte er wieder auf und versuchte sich hinzustellen. „Hey, passt doch auf.“


    Mehrere Taucher machten sich nun an der Tür zu schaffen. Tom stand mit Andrea, Jan und Frau Engelhardt am Ufer. Sie starrten gebannt auf das Tun auf dem See, Es dauerte ziemlich lang, bis sie die Tür endlich aufhatten. Dann kroch einer in den Tank. Er kam wieder raus und schüttelte den Kopf. Tom stieg in ein Boot und fuhr zum Tank. „Was gibt es denn für ein Problem?“ fragte er. „Die Ketten sind nicht aufzubekommen. Ich brauche ein Schweißgerät um die Ketten aufzubekommen.“ Tom nickte. Er gab seine Befehle über Handy weiter. Wieder dauerte es fast eine Stunde. In dieser Zeit ging Tom mit zwei Decken in Tank zu Semir. „Hey, Partner. Wie geht es dir?“ „Tom, mir ist so kalt. Ich friere.“ „Du wirst gleich hier raus kommen. Wir müssen nur noch die Ketten loswerden.“ Semir nickte. Tom legte ihm die Decken um und sah ihn besorgt an. Semir hatte eine ungesunde Farbe. Vermutlich lag es an der Kälte. Er stand ja bereits schon einige Stunden in dem kalten Wasser, dazu kam noch der Mangel an Essen und Trinken, sowie die seelische Verfassung. Semir war fertig und sobald er hier raus kam wird wohl ein kurzer Aufenthalt im Krankenhaus unumgänglich sein. Zehn Minuten später kam ein Feuerwehrmann in den Tank. Er schickte Tom raus, damit der Raum nicht zu eng wird. Tom ging. Der Feuerwehrmann hatte den Helm auf, so konnte Tom nicht das Gesicht genau erkennen. Außerdem trug der Mann bereits die Schweißermaske. Auch Semir erkannte den Mann nicht direkt. „Na, dann machen Sie mich mal endlich los. Ich brauche dringend Hilfe und trockene Klamotten.“


    Engelhardt stand immer noch mit Andrea und Jan am Ufer und beobachteten das Geschehen auf dem Wasser. Einer der Beamten kam auf die drei zu. Engelhardt drehte sich zu ihm und was sie dann hörte, war unglaublich. „Tscherne ist den Kollegen entkommen. Er konnte sich befreien. Wir befürchten, dass er als Feuerwehrmann getarnt das Gelände bereits verlassen hat.“ „Das darf doch nicht wahr sein. Wissen wir wo er hin ist?“ „Leider nein. Wir haben einen Feuerwehrmann gefunden, er ist nach eigenen Angaben niedergeschlagen worden, als er das Schweißgerät einpacken und zu Semir fahren sollte.“ Engelhardt starrte ihn an. „Schweißgerät? Oh nein. Eben ist ein Feuerwehrmann zu Semir rein, mit einem Schweißgerät. Verdammt. Ich muss mit Tom reden.“ Sie nahm ihr Handy. Als Tom sich meldete sagte sie: „ Tom, hören Sie mir bitte genau zu. Ist der Feuerwehrmann zu Semir rein gegangen?“ „ Ja und ich hoffe, das er ihn bald frei hat.“ „Tom, es ist Tscherne gelungen, zu entkommen. Als Feuerwehrmann. Ich muss leider befürchten, dass der, der bei Semir ist, Tscherne sein könnte. Bitte erkundigen Sie sich genau, aber seien Sie vorsichtig.“ Tom drehte sich zu dem Tank um und sah gerade noch wie die Tür zugemacht wurde. „Verdammt.“ fluchte er.


    Semir sah den Feuerwehrmann erstaunt an, als dieser die Tür schloss. „Was soll denn das?“ fragte er. „Nun, ich habe nicht vor, das du freikommst, Gerkhan“ der Feuerwehrmann nahm die Maske und den Helm ab. „Tscherne?“ fragte Semir erstaunt und zerrte an seinen Fesseln. „Ja. Unsere Wege sind noch nicht getrennt. Gerkhan. Du bist schon wieder mein.“ lachte der Verbrecher. Semir sah ihn an. Dann donnerte es von draußen an die Tür. „Tscherne machen Sie auf und geben Sie auf. Sie können hier nicht weg!“ hörte Semir Tom rufen. „Tom! HILF MIR!“ rief Semir. Tscherne sprang auf ihn zu und hielt ihm wieder eine Waffe an den Kopf. „So. Gerkhan, wie heißt dein Freund da draußen?“ Semir schwieg. Tscherne drückte die Waffe stärker an den Kopf. „Wie…. heißt dein Kollege?“ „Kranich, Tom Kranich“ antwortete Semir. „Okay Kranich! Ich weiß das Sie mich hören, genau wie ich Sie hören kann. Also ich forderte nun ein Boot, das ich hier wegkommen. Anschließend ein Auto, das am Ufer steht. Außerdem trockene Klamotten für Gerkhan und Essen und trinken. Er wird mich begleiten. Als Fahrer will ich Hans haben. Verstanden! Wenn nicht, dann ist unser Freund Gerkhan ein Sieb“ Semir sah ihn an. Er konnte sich vorstellen, das Tscherne ihn wieder als Geisel benutzen wird um zu fliehen. „Geben Sie doch auf, Tscherne. Es hat keinen Sinn. Ich….“ mehr konnte er nicht sagen, denn Tscherne hielt ihm die Hand auf den Mund. „Halt dein Maul, Gerkhan. Ich will nichts von dir hören, klar. Das nächste Wort, könnte dein letztes sein.“ Er nahm die Hand zurück. Semir sah ihn nur an. Er hatte keine Zweifel daran, das Tscherne ihn eiskalt erschießen würde, wenn er noch ein Wort sagen würde. Er suchte verzweifelt nach einem Ausweg. Er wollte endlich aus diesem Tank raus.


    Tom hörte die Worte von Tscherne. „Das darf doch wohl nicht wahr sein. Dieser Kerl war wirklich eine Plage. Mittlerweile war er auf dem Weg zum Ufer um die Forderungen von Tscherne an Engelhardt weiter zu geben. Sie gab die Anweisungen die Forderungen zu erfüllen. „Wir fahren zur Hütte, dann können wir sehen, was drin passiert.“ bestimmte sie und alle machten sich auf den Weg.
    Jan ging als sie ankamen direkt an den Monitor. „Tscherne, lassen Sie Gerkhan endlich frei!“ forderte er. Er sah wie Tscherne sich zur Kamera drehte. „Ach Richter!. Du kannst mich mal. Gerkhan wird mich begleiten. Er ist der Garant dafür, dass weder du noch einer deiner Kollegen mir dazwischen funkt. Und denk daran, was ich dir in der Hütte gesagt habe. Jedes Wort von dir, spürt Gerkhan.“ Jan sah, wie Tscherne sich wieder zu Semir drehte und zuschlug. Semir ging in die Knie. „Tscherne, lassen Sie das!!“ schrie Jan.


    „Tja, Gerkhan. Richter kann nichts kapieren. Also weiter geht es“ sagte Tscherne zu Semir und trat ihn in die Seite. Semir schrie auf. Dann hörte er die Stimme der Chefin: „Tscherne, lassen Sie bitte von Semir ab. Er hat Ihnen nichts getan. Wenn Sie wollen, das wir Ihre Forderungen erfüllen, dann kommen Sie unserer Forderung nach und hören Sie auf Semir zu quälen.“ „Oh, ich habe nicht vor ihn zu quälen, Frau Engelhardt. Aber sollte ich diesen Richter noch einmal hören, dann wird Gerkhan es spüren. So und nun zu uns. Was ist mit meinen Forderungen? Wagen, Essen, Trinken, Hans und die Klamotten, das Auto?“ „Es ist alles unterwegs. Wann lassen Sie Semir frei?“ „Mal sehen.“ Tscherne grinste in die Kamera. Semir saß am Boden im Wasser. Er hatte starke Schmerzen. Als er sich wieder hinstellen wollte, kam Tscherne auf ihn zu. Er setzte ihm die Pistole an den Kopf. Semir schaute ihn an. „Willst du sterben, Gerkhan?“ fragte Tscherne ihn. Semir schüttelte den Kopf. „Dann bleibe jetzt ganz ruhig, verstanden.“ „Ich will mich nur hinstellen. Das Wasser ist kalt. Ich unternehme nichts.“ sagte Semir leise. „Ich weiß dass das Wasser kalt ist. Aber ich habe eben gesagt, dass ich nichts von dir hören will. Du bleibst sitzen! Klar! Und du hältst den Mund. Ein Ton noch, und du kannst….“ Semir sah ihn erschrocken an. Er blieb sitzen. „Tscherne, seien Sie doch ein wenig menschlich. Ich …..“ Tscherne schlug mit der Waffe zu. Er traf Semir an der Schläfe und Semir sank bewusstlos zusammen.


    Jan, Tom und all die anderen in der Hütte zuckten zusammen, als sie am Monitor sahen, wie Semir bewusstlos zusammen sackte. „Tscherne, lassen Sie das“ forderte Engelhardt ihn auf. Semir lag im Wasser. Er kam zum Glück schnell wieder zu sich. Man sah, wie er sich langsam aufsetzte. „Ach Sie können mich sehen. Sie sind alle in der Hütte? Prima. Dann Leute zeige ich euch jetzt etwas.“ Er lachte und ging zu Semir. Er zog ihn am Kragen der Jacke hoch und hielt ihm die Pistole an die Schläfe. „Also, passt genau auf. Er hier ist meine Lebensversicherung. Wenn ihr irgendetwas unternehmt, wird er es als erster spüren. Aber ich werde ihn nicht erschießen, denn er wird schön langsam sterben. Also haltet euch an die Bedingungen und er kann noch etwas weiterleben. So und nun zu dir, Gerkhan. Sag deiner hübschen Frau lebe wohl.“ Semir starrte in die Linse. Er sagte nichts, doch aus seinem Blick konnte man erkennen, dass er große Angst hatte. Er war mit einem Teufel in einer kleinen Röhre gefangen und konnte sich überhaupt nicht wehren. Tscherne lachte. „Wenigstens einer, der kapiert hat, dass es besser ist die Klappe zu halten.“ Er ließ Semir wieder los. „Wo bleiben die Sachen die ich angefordert habe?“ fragte Tscherne. „Sie sind unterwegs. In ungefähr einer halben Stunde wird alles da sein. Was haben Sie vor?“ „Ich werde mit Hans und Gerkhan abfahren. Das Ziel ist egal.“ „Wann lassen Sie Semir frei?“ „Wollen Sie darauf wirklich eine Antwort, Frau Engelhardt?“ „Ja sicher. Sie sollten sich doch wenigstens dazu äußern können. Wann lassen Sie Semir frei?“


    Tscherne schaute in die Linse und grinste. Semir verhielt sich absolut ruhig. Dann kam der Verbrecher auf ihn zu. Er packte ihn an den Hals und drückte seinen Kopf zum Boden. Dieser gelang unter Wasser. Tscherne hielt Semir wie in Stahlklammern fest. Semir versuchte sich zu wehren und trat um sich, doch er hatte keine Chance. „Lassen Sie ihn los!“ schrie nun eine weitere Frau ins Mikro. Tscherne hielt inne und ließ tatsächlich los. Semir holte ächzend Luft. Er hustete. Tscherne sah in die Linse. „Wer war das denn? Etwa deine Frau?“ Er lachte Semir an. „Nun gut, meine Liebe. Einer schönen Frau kann ich keinen Wunsch abschlagen. Aber das eben war nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird, wenn ich nicht das bekomme, was ich gefordert habe.“ Semir sah ihn ebenfalls an. Er kauerte in einer Ecke, in die er sich trotz der Ketten zurückziehen konnte. So hatte er wenigstens den Rücken frei. Er zitterte, vermutlich jedoch nicht nur vor Kälte.


    „Die geforderten Sachen sind da. Das Boot ist startklar. Dieser Hans ist auch da ebenso Essen, Trinken und die trockenen Sachen.“ sagte Jan. Frau Engelhardt gab es über das Mikro weiter an Tscherne. Dieser nickte und forderte dann, dass Hans mit den Klamotten, Essen und Trinken sowie der Fernbedienung ins Boot stieg und zu ihm kam. Es wurde alles veranlasst. Hans fuhr zum Tank und Tscherne öffnete die Tür. Dann stieg Hans in den Tank und nahm alles mit. Die Tür wurde wieder verschlossen. Alles weitere Geschehen konnte über den Monitor beobachtet werden.


    Jan stand mit Tom am Monitor, während die Frauen sich mittlerweile zu den Autos zurückgezogen hatten. Die Männer sahen, wie Hans in den Tank kam und Tscherne die Fernbedienung übergab. Tscherne drückte einen Knopf und das Wasser verschwand aus dem Tank. Nur kurze Zeit später waren nur ein paar Pfützen übrig. Semir wurden von den Ketten befreit. Er musste sich umziehen. Dann wurde gegessen und getrunken. Anschließend öffnete Tscherne die Tür. Er winkte Semir zu sich heran. Dieser gehorchte und ging zu ihm Dann hörten die Männer den Worten Tschernes zu. “So Gerkhan, Wir werden uns nun auf den Weg machen. Du wirst nichts tun. Ich werde dir die Hände jetzt zusammen binden. Wenn du dich nichts wehrst wird es nicht wehtun. Dreh dich um“ Semir tat was verlangt wurde und Tscherne hatte mit einem Male wieder Handschellen in der Hand. Diese legte er Semir an und drückte die Schellen eng zusammen. Semir zuckte kurz zusammen. Doch es war erträglich. Er fror immer noch. Die Haut war durch das Wasser aufgeweicht. Tscherne zog ihn zur Tür und gab Hans einen Wink. Dieser sagte aber nicht sonder nickte nur. Alle drei verließen den Tank.


    Draußen schien die Sonne und Semir musste die Augen kurz schließen, um sich an das Tageslicht zu gewöhnen. Er war fast vier Tage in diesem Tank gefangen. Und nun war er als Geisel immer noch in Gewalt von diesem Tscherne. Das Boot fuhr zum Ufer. Dort angekommen zog Tscherne Semir aus dem Boot und ging mit ihm zum bereit gestellten Auto. Er setzte sich zuerst rein und zog dann Semir auf die Rückbank. Dann hielt er Semir die Pistole wieder an den Kopf. In dieser ganzen Zeit hatte Semir kein Wort zu sagen gewagt um nicht wieder „bestraft“ zu werden. Er hatte verstanden, dass es besser ist zu schweigen. Tom und Jan waren mittlerweile ebenfalls am Ufer angekommen. „Richter! Willst du nicht auch mitkommen?“ fragte Tscherne lachend. „Du kannst dann ja zusehen, wie ich Gerkhan fertig mache.“ „ Es wäre besser, wenn Sie endlich aufgeben, Tscherne.“ Tscherne fing an zu grinsen und dann schlug er mit der Pistole Semir auf den Kopf. Dieser sank bewusstlos zusammen. Tscherne hielt ihm den Kopf hoch und setzte die Pistole ans Kinn. „Noch ein Wort, Richter? Willst du ihn hier sterben sehen?“ Jan schüttelte den Kopf und Tscherne gab Hans ein Zeichen. Hans fuhr an. Tscherne sah die verzweifelten Gesichter der Herumstehenden und wusste dass er gewonnen hatte. Diese Leute werden nichts unternehmen solange er Gerkhan in seiner Gewalt hatte. Zumindest dachte er das. Doch er hatte nicht gesehen, dass überall Kräfte des SEK versteckt waren. Der Befehl des finalen Rettungsschusses war gegeben worden.


    „Habt ihr ihn im Visier?“ quäkte eine Stimme aus dem Kopfhörer. Einer der SEK-Scharfschützen antwortete mit einem knappen Ja. Dann gab es den Schuss-Befehl. Im Auto sah man das Tscherne kurz zusammen zuckte, dann war es vorbei. Tscherne sackte nach vorn, die Pistole rutschte von Semirs Kopf. Hans hielt das Auto an. Die SEK-Kräfte zogen ihn aus dem Auto und andere brachten Semir außer Gefahr. Tscherne lag tot auf dem Rücksitz. Andrea rannte auf Semir zu, der immer noch bewusstlos war und schloss ihn in die Arme. Dieser erwachte und zitterte am ganzen Körper. Frau Engelhardt brachte ihn zusammen mit Andrea zum Krankenwagen. Dort wurde er gründlich durchgecheckt und festgestellt, dass er unterkühlt war und sofort in ein Krankenhaus gebracht werden musste. „Andrea?“ sagte er leise, „Ich liebe dich. Es tut mir leid, das ich am Hochzeitstag nicht bei dir war.“ „Ist schon gut, Schatz. Ich liebe dich auch. Bitte werde nun erst einmal schnell wieder gesund, und dann feiern wir zusammen.“ Semir nickte. Er war ziemlich mitgenommen. Der Notarzt spritze ihn ein Beruhigungsmittel und kurze Zeit später war er eingeschlafen. Im Krankenhaus wurde er geröntgt. Es waren zwei Rippen gebrochen doch ansonsten gab es keine ernsteren Verletzungen. Die seelischen Verletzungen werden noch eine Weile dauern bis sie verheilt sind, aber jeder wusste, das Semir hart im Nehmen war und auch dies überstehen kann. Semir kam nach zwei Tagen wieder aus dem Krankenhaus. Er wurde auf dem Revier herzlich begrüßt und das Wochenende stand ganz im Zeichen der Hochzeitsfeier zu seinem Hochzeitstag. Als er Andrea in den Arm nahm, flüsterte sie ihm ins Oh: “Hey mein Held. Ich habe eine große Überraschung für dich.“ Er sah sie an „Was denn?“ „Wir werden bald zu dritt sein.“ Er sah sie überrascht an und strahlte über das ganze Gesicht. „Du…. Du bist schwanger?“ „Ja. Ich bin im dritten Monat.“ Er drückte sie ganz fest an sich und sagte dann: „Ich bin der glücklichste Mensch der Welt.“


    ENDE

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D