Nur 24 Stunden Zeit

  • 09:00 Uhr (06.08.2015)


    „Nun spiel doch mit deiner Puppe! Wir sind gleich bei der Mama und dann kannst du richtig spielen.“ Jennifer sah ihre dreijährige Nichte Sarah an. Sie waren auf der A3 unterwegs und das Mädchen fing an zu quengeln. Noch knappe 30 km trennen sie von dem Zuhause. Maria, Jennifers Schwester hatte sehr viel Glück im Leben gehabt. Ihr Mann war Bürgermeister von Oberhausen und sie waren auch noch glücklich. Zwei Töchter waren im Hause. Zum einen waren dort die 12jährige Melanie und die 3jährige Sarah. Maria kam heute von einem dreitägigen Lehrgang zurück und Melanie war auf Klassenfahrt. Jennifer hatte sich, da sie arbeitslos war, bereit erklärt, das Küken der Familie zu betreuen. Normalerweise kam sie mit Sarah sehr gut zu Recht, doch heute was das Mädchen unerträglich. „Weißt du was, ich fahre gleich auf den Rastplatz und dann bekommst du ein Eis.“ Doch auch dieses Versprechen ließ das Mädchen nicht ruhig werden. Jennifer reihte sich ein und verließ die Autobahn. Nur wenig später löste sie die Gurte des Kindersitzes, nahm Sarah auf den Arm und wollte gerade zu dem kleinen Kiosk gehen, als sie eine Bewegung im Rücken bemerkte. Bevor sie sich umdrehen konnte, packte sie jemand und hielt sie fest. Jennifer schrie, doch ihre Stimme wurde durch das Tuch gedämpft, das ihr vor Mund und Nase gehalten wurde. Mit einem Mal fühlte sie sich benebelt, nahm die Umgebung nur noch schemenhaft wahr. Farben gingen in ein tiefes Schwarz über und dann verlor sie jegliche Kontrolle über ihren Körper.


    Semir und Alex waren ebenfalls auf der A 3 unterwegs, jedoch befuhren sie diese in die Richtung. Während Semir sich auf den Verkehr konzentrierte, trällerte Alex leise ein Lied. „Whow, hast du so eine tolle Nacht hinter dir?“ Alex sah ihn an und grinste. „Kann man so sagen.“ „Lass mich raten, Nela?“ „Ja, eine wunderbare Frau. Du glaubst gar nicht, wie sie mich verwöhnt hat.“ „Verschone mich bitte mit Einzelheiten, aber es gefällt mir, dass du ins Leben zurück gefunden hast. Wurde ja auch Zeit.“ Alex reckte sich. „Ach ja, ich hätte nichts gegen eine Wiederholung der Nacht. Sie ist einfach wunderbar. Ihr Humor, ihr Engagement, ihre Schönheit…“ „Jetzt ist aber gut.“ „Cobra 11 für Zentrale!“ Alex griff zum Mikro und meldete sich. „Cobra 11 hört!“ „Wir haben eine Kindesentführung an der A3, Rastplatz Hohenlind!“ „Wir sind gerade dran vorbei! Okay, wir fahren hin!“ Semir schaltete Blaulicht ein, fuhr die nächste Ausfahrt runter, um auf die richtige Seite zu fahren. Er wusste, dass er dadurch wertvolle Zeit verlor, doch auch er musste sich an die Regeln halten. Die Auffahrt zur Autobahn kam. Er fuhr rauf und trat das Gaspedal durch. Sie brauchten dennoch gute zehn Minuten bis zu dem besagten Rastplatz. Also sie dort ankamen, sahen sie eine Menschentraube und einen Rettungswagen. Semir hielt seinen Wagen an und gemeinsam stiegen sie aus. Der Notarzt sah sie und hob die Hand. „Gerkhan, Kripo Autobahn, mein Kollege Brandt. Was ist hier los?“ „Wir haben hier Frau Wienand bewusstlos aufgefunden. Sie wurde mit Chloroform betäubt, das haben wir schon rausgefunden. Sie schreit jetzt die ganze Zeit nach einer Sarah. In dem Fahrzeug von ihr, ist jedoch niemand mehr. Nur ein leerer Kindersitz.“ Alex und Semir wechselten einen Blick und ahnten, was hier passiert war. Sie wandten sich an die Frau, die gerade in den Rettungswagen gebracht wurde.


    „Hallo, ich bin Semir Gerkhan von der Kripo. Was ist passiert?“ „Meine Nichte…wo ist Sarah? Sie war bei mir. Ich habe auf sie aufgepasst. Wo ist sie? Haben Sie sie gefunden?“ „Ganz ruhig. Wie lange ist das her?“ „Eine Stunde, höchstens. Ich wollte ihr doch nur ein Eis kaufen. Bitte suchen Sie sie, sie ist doch erst drei.“ Die junge Frau fing an zu weinen. „Wir müssen die Frau nun ins Krankenhaus bringen! Sie braucht jetzt Ruhe!“ Semir sah den Notarzt an. „In welche Klinik wird sie gebracht?“ „Johanniter Krankenhaus! Das ist das nächste.“ Semir nickte. „Okay, habt ihr euch umgesehen, ob ein Kind hier herumirrt?“ „Ja, aber da war nichts. Die Dame dort hinten, hat aber etwas gesehen! Sie ist wohl dazwischen und von den Tätern zu Boden gestoßen worden. Dabei hat sie sich vermutlich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen.“ Der Sanitäter wies nun auf eine ca. 50jährige Frau, die auf einer anderen Transportliege lag. „Danke…“ Semir und Alex gingen zu der Frau. „Hallo, ich bin Semir Gerkhan von der Kripo. Sie haben etwas beobachtet?“ „Doris Reeken. Ja, ich…ich war gerade im Kiosk und habe mir Zeitschriften angesehen. Da hab ich gesehen, wie die junge Frau dort mit einem Kind auf dem Arm und plötzlich kamen zwei Männer zu ihr. Der eine packte das Kind und der andere hielt die Frau fest. Er hat ihr den Mund zugehalten und dann ist sie zu Boden. Ich habe sofort nach dem Handy gegriffen und die Polizei angerufen und bin dann raus. Ich konnte noch einen der Männer packen, doch der hat sich befreit und mich heftig zu Boden gestoßen. Danach hab ich nur noch Schmerzen gefühlt und konnte nicht mehr aufstehen. Ich musste zusehen, wie die Männer mit dem Kind weg gefahren sind.“ Semir nickte anerkennend. Zivilcourrage war heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Viele hatten Angst, dass sie selbst in Gefahr gerieten und hielten sich bedeckt. Dann gab es die Anderen, die solche Dinge filmten und sie ins Internet stellten. „Haben Sie das Kennzeichen gesehen?“ Doris Reeken schüttelte den Kopf.

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  • 10:00 Uhr


    Alex stand noch bei Jennifer Wienand und nahm die Personalien auf. „Ihre Tochter ist drei, ist das richtig?“ „Sie ist nicht meine Tochter. Sie ist meine Nichte. Sarah ist die Tochter von Maria und Wolfgang Friedrich.“ „Wolfgang Friedrich? Der Bürgermeister von Oberhausen?“ Jennifer nickte. „Ich …ich weiß nicht, wie ich es ihr erklären kann. Ich hatte die Verantwortung für Sarah. Das wird mir Maria nie verzeihen.“ Wieder weinte die Frau. „In aller Liebe für eure Arbeit, aber wir müssen jetzt los!“ Der Sanitäter wollte die Türen schließen und nahm dabei auch nicht wirklich Rücksicht auf Alex. „Ja sicher…gute Besserung für Sie, Frau Wienand. Wir werden jetzt die Eltern benachrichtigen.“ Alex ging ein Stück zurück und sah dem abfahrenden Rettungswagen nach. Auch Semir war mit seiner Vernehmung fertig. „Die Frau hat versucht, die Täter zu verschrecken. Ist leider schief gegangen. Sie hat vermutlich einen Oberschenkelhalsbruch. Leider hat sie weder das Kennzeichen vom Auto der Täter, noch die Marke erkannt.“ Alex nickte. „Das ist ziemlich dürftig. Und ausgerechnet bei so einem Fall. Das Mädchen ist die Tochter vom Bürgermeister.“ Semir sah ihn an. „Von welchem Bürgermeister?“ „Von dem von Oberhausen.“ „Oh verdammt! Dann sollten wir sehen, das wir umgehen zu ihm fahren.“ Alex nickte. Sie fuhren direkt nach Oberhausen zum Stadthaus und erreichten es nur eine halbe Stunde später. Weitere zehn Minuten später saßen sie im Sekretariat des Bürgermeisters.Dieser kam nur zwei Minuten später aus seinen Büro. „Kripo Autobahn? Was kann ich für die Polizei tun?“ Semir sah Alex an. „Herr Friedrich, es geht um Ihre Tochter Sarah.“ „Ja, aber ich bezweifle, dass sie zu schnell gefahren ist. Sie ist erst drei.“ Der Bürgermeister lachte herzhaft. Semir sah wieder zu Alex. „Darum geht es leider nicht. Wir haben eben Ihre Schwägerin, die auf Sarah aufgepasst hat, ins Krankenhaus gebracht.“ Das Lachen verschwand. „Bitte was? Hatte Jenni einen Unfall? Ist Sarah verletzt?“ „Frau Wienand hatte keinen Unfall. Sie wurde überfallen. Von Sarah fehlt jede Spur. Eine Zeugin sagte, dass sie von zwei Männern mitgenommen wurde.“ Der Bürgermeister wurde blass. Er taumelte kurz. „Das ist nicht wahr! Das kann nicht wahr sein!“


    Semir sah den Mann an. „Haben Sie einen Verdacht, warum Sarah entführt wurde? Haben Sie Feinde?“ Wolfgang Friedrich sah ihn an. „In der Politik hat man immer Feinde. Hören Sie, Sarah ist schwer Nierenkrank. Sie muss regelmäßig an die Dialyse!“ „Oh verdammt! Wieviel Zeit bleibt ihr?“ „Wenn Jenni sie noch an die Dialyse hatte, dann bleiben höchstens 24 Stunden bis zur nächsten. Wir müssen sie finden! Egal was es kostet! Ich zahle jede Summe! Wir müssen sofort zu mir nach Hause! Meine Frau, sie … sie wartet sicher schon auf Jenni und Sarah. Oh mein Gott, mein kleiner Engel… bitte finden Sie sie! Bitte!“ Der Mann im Anzug, der eben noch einen sehr harten Eindruck machte, war am Weinen. Semir sah Alex betreten an. In diesen Situationen wünschte er sich einen anderen Beruf. „Herr Friedrich, wir werden tun, was wir können. Aber die hiesige Polizei muss eingeschaltet werden. Allein können wir das nicht bewältigen. Sie müssen jetzt mit der Polizei zusammenarbeiten, damit wir die Täter schnell bekommen und wir Sarah noch rechtzeitig finden. Wie schwer ist ihr Leiden?“ „Sie sollte in einer Woche eine neue Niere bekommen. Wissen Sie, weder ich noch meine Frau noch Jenni sind geeignete Spender. Jetzt stand sie ganz oben und sollte operiert werden. Es wäre alles so wunderbar gewesen. Die Heilung sollte bis Weihnachten abgeschlossen sein und Sarah würde ein wundervolles Leben führen, wenn das Organ richtig angenommen wird.“ „Ist Sarah seit ihrer Geburt krank?“ „Ja, sie kam nur mit zwei nicht ausgereiften Nieren zur Welt. Die Organe waren nicht dazu in der Lage ihr Blut zu reinigen, daher auch die Dialyse. Bitte lassen Sie uns nach Hause fahren. Ich sage alle Termine ab!“


    Maria Friedrich sah auf die Uhr. Jennifer, ihre jüngste Schwester, schien sich zu verspäten. Sie wollte schon vor einer halben Stunde mit Sarah hier sein. Ach, wie freute sie sich auf ihren kleinen Engel, der in seinem kurzen Leben schon so viel Leid haben musste. Sie hörte einen Wagen, sah aus dem Fenster und war doch recht erstaunt.Der Wagen ihres Mannes fuhr gerade vor, doch es war noch lange kein Feierabend für ihn. Sie ging zur Tür und bemerkte einen weiteren Wagen, der vorfuhr. Hier stiegen zwei Männer aus. Maria spürte ein ungutes Gefühl aufsteigen. Sie fühlte Angst und konnte sich nicht erklären, warum das so war. Ihr Mann sah sie an. In seinen Augen sah sie Tränen. „Was ist los?“„Frau Friedrich, lassen Sie uns doch reingehen.“ „Wer sind Sie? Was wollen Sie von uns?“ „Semir Gerkhan, Kripo Autobahn. Das ist mein Kollege Alexander Brandt. Es geht um Sarah.“ Maria spürte, dass sie weiche Beine bekam. „Hatte Jenni einen Unfall? Sind die Beiden verletzt?“ „Lass uns reingehen, Maria. Bitte…“ „Ja sicher…“Sie ging vor und die Männer folgten ihr. Im Wohnzimmer sah sie wieder zu ihren Mann. „Maria, Sarah…sie wurde entführt. Jenni liegt im Krankenhaus.“ Es platzte aus ihren Mann heraus und die Tränen flossen. Maria schüttelte den Kopf. „Nein, das ist nicht wahr. Das ist ein Scherz. Das kann nicht sein! Sag mir, dass es nicht wahr ist! Sie ist Krank!!! Du weißt doch, dass sie krank ist!!! Sie muss ihre Dialyse haben!!“ Maria schrie die Worte heraus. Ihr Mann ging zu ihr und nahm sie in den Arm. „ich weiß. Aber sie wurde entführt. Ich weiß nicht, wer es getan hat, aber die Polizei wird sie sicher finden.


    Maria griff zum Telefon und rief ihre Schwester an, die sich nach einige Male Klingeln meldet. „Warum hast du nicht aufgepasst? Was hast du damit zu tun? Ist das einer deiner nutzlosen Freunde? Dann sag ihnen, wenn ich sie kriege, dann bringe ich sie um! Hörst du, ich bringe sie um! Ich bringe alle um!“ „Maria, bitte… ich konnte nichts machen. Ich wurde betäubt. Und es war ganz sicher keiner meiner Freunde. Sie haben mich betäubt. Ich liebe Sarah doch auch! Ich wusste doch, dass sie so krank ist. Glaubst du wirklich, dass ich ihr ein Leid antun kann?“ Man hörte deutlich, dass Jenni weinte. „Gib mir meinen Engel zurück!! Bitte, ich zahle jeden Preis! Nenn ihn mir, Jenni! Was willst du für sie haben!! Bitte gib sie mir zurück! Bitte gib sie mir zurück!!“ Maria brach zusammen und weinte nur noch. Wolfgang eilte zu ihr und hielt sie fest. Er nahm ihr den Hörer aus der Hand. „Jenni, es ist alles gut. Ich weiß, dass du keine Schuld hast. Du konntest nichts dafür. Ich werde mich um Maria kümmern. Sei ihr nicht böse. Sie ist …“ Von Jenni war nur ein Schluchzen zu hören. Wolfgang legte auf. „Warum tut sie mir das an? Warum macht sie das? Ich bin doch ihre Schwester! Sie darf mir Sarah nicht wegnehmen.“ Maria sah ihn mit völlig geröteten Augen an. „Jenni war es doch gar nicht. Komm, leg dich hin. Beruhige dich.“ Mit einer harschen Bewegung befreite Maria sich von ihm. „Ich will mich nicht beruhigen!!! Sie hat Sarah! Ich will Sarah zurück!!! SARAH!!! SARAH!!!“ Wolfgang wollte sie an sich drücken, doch nun schlug Maria auf ihn ein. Immer wieder schlug sie ihm mit ihren Fäusten auf die Brust. „Ich will sie wiederhaben!! Ich will sie zurück!! Ich will sie zurück!“ Dann brach sie weinend zusammen.

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  • 11:00 Uhr



    Semir und Alex befragten Maria und Wolfgang Friedrich gründlich, bevor die Kollegen der ortsansässigen Polizei vor Ort waren. „Was ist mit der Schwester? Habt ihr sie schon befragt?“ Semir schüttelte den Kopf. „Bisher nur am Tatort. Sie wurde mit Chloroform betäubt und als sie aufwachte, war das Kind weg. Eine Zeugin konnte zwar eingreifen, aber nicht verhindern, dass die Täter mit dem kranken Kind flohen. Die Zeugin selbst wurde verletzt. Leider konnte sie uns keine Angaben zu den Tätern machen. Außer dass es zwei Männer waren.“ „Okay, also ich würde sagen, wir arbeiten zusammen. Es bleibt euer Fall, weil er an der Autobahn angefangen hat. Wir werden eine Soko „Sarah“ gründen und alle Fakten, die zusammen getragen werden, teilen.“ Semir nickte und auch Alex war mit dem Vorschlag einverstanden. „Wir werden den Rastplatz gleich noch mal anfahren und nachhaken ob es dort Videoüberwachung gibt. Vielleicht können wir dort verdächtige Personen erkennen. Sie müsste ja verfolgt worden sein, wenn die Täter es auf Sarah abgesehen hatten.“ „Das ist ein guter Plan. Wir werden hier eine Fangschaltung installieren lassen und somit die Überwachung der Anrufe sicherstellen. Sollten Lösegeldforderungen eingehen, dann können wir schnell reagieren.“„Das ist auch gut. Okay, hier ist meine Karte. Sobald Sie neue Informationen haben, rufen Sie mich an. Ich werde es umgekehrt auch machen.“Er sah zu der Frau, die gerade von einem herbeigerufenen Notarzt eine Beruhigungsspritze bekam, da Maria einen totalen Nervenzusammenbruch erlitten hatte. „Herr Bürgermeister, haben Sie einen Augenblick?“ wandte sich der Kollege an Wolfgang Friedrich. „Ja natürlich.“ Friedrich kam zu Semir und den Kollegen. „Herr Bürgermeister, es ist sehr wichtig, dass wenn der Erpresser anruft, Sie möglichst neutral reagieren. Versuchen Sie Informationen zu bekommen. Verlangen Sie, mit Sarah sprechen zu können und sagen Sie dem Erpresser, dass Sarah krank ist! Versuchen Sie bei dem Mann Mitleid zu wecken.“



    Wolfgang Friedrich nickte. „Herr Bürgermeister, könnten Sie uns eine Liste erstellen, die Personen enthalten, die Ihnen schaden wollten?“ Alex sah den Mann an. „Ja, natürlich. Aber mir fällt im Augenblick wirklich niemand ein. Ich wüsste nicht, wen ich dort nennen könnte. Klar, ich hab meine Feinde, aber die würden sich doch nicht an einem kranken Kind vergreifen.“ „Es ist gut möglich, dass die Entführer gar nicht wissen, wie krank Sarah ist.“ „Dann ist es keiner, den ich kenne. Alle in meinem Bekanntenkreis wissen von Sarahs Erkrankung.“ Semir senkte den Kopf und atmete durch.„Dennoch wäre eine Liste hilfreich. Was ist mit dem Gegner im Wahlkampf?“ „Martin Rösch? Das ist ein armer Idiot. Keine Ahnung von Politik!“ Wolfgang lachte verachtend auf. „Nun um ein Kind zu entführen, muss man nichts von Politik wissen. Vielleicht weiß der Entführer ja auch von der Erkrankung und macht sich das zu Nutze.“ warf Alex ein. Das Telefon klingelte und alle zuckten zusammen. Der Bürgermeister ging ans Telefon und wollte es anheben, als der Kollege seine Hand festhielt. „Einen Augenblick! Herr Bürgermeister, noch ist die Fangschaltung nicht gelegt. Wir brauchen Informationen! Versuchen Sie möglichst viele Informationen zu bekommen.“ Friedrich nickte. Er nahm den Telefonhörer und meldete sich mit einem zaghaften „Ja?“ „Ich habe Ihre Tochter, Friedrich… wenn Sie sie zurück haben wollen, dann zahlen Sie mir drei Millionen Euro! Sie haben genau bis morgenfrüh Zeit. Sie wissen doch, das Sarah dann an die Dialyse muss.“ Es knackte, bevor Wolfgang Friedrich antworten konnte. Er ließ sich in den Sessel fallen und hielt den Hörer noch in der Hand. Er war kreideweiß im Gesicht. „Er weiß das sie krank ist….er weiß es.“ kam tonlos von ihm.



    Semir und Alex verabschiedeten sich mit gemischten Gefühlen von den Kollegen und versprachen, sich möglichst schnell zu melden, wenn sie etwas fanden. „Wenn ich das richtig verstanden habe, dann muss die Kleine bis morgen früh um Neun wieder an die Dialyse. Das sind nicht mal mehr 24 Stunden. Wie sollen wir denn so schnell Ergebnisse finden?“ „Wir werden uns jetzt am Tatort umsehen. Wenn die auch Videoüberwacht sind, dann dürfte die Entführung auf den Bändern sein. Ich meine, sie war nicht weit von dem Kiosk entfernt.“ Alex nickte nachdenklich und Semir bemerkte natürlich, das ihm etwas beschäftigte. „Was ist?“„Der Entführer weiß das Sarah krank ist, das heißt er muss das Mädchen kennen. Oder aber er kennt die Verhältnisse. Es könnte jemand aus dem Krankenhaus sein, wo das Mädchen behandelt wird. Ich meine, der Vater sagte, dass sie nächste Woche operiert werden soll. Ich will ja nicht unken, aber könnte es nicht sein, dass das Mädchen vorgezogen wird, weil sie die Tochter vom Bürgermeister ist?“ Semir sah ihn an. „Du meinst, dass sie nur an der Spitze der Liste ist, weil sie die Tochter von Friedrich ist?“ „Ja genau, was wenn es eigentlich ein anderes Kind gibt, das an der Listenspitze stand und nun abgesetzt wurde, damit Sarah diesen Platz einnimmt?“ „Das halte ich zwar nicht für ausgeschlossen, aber so ein Organ kann man ja nicht einfach mal so einsetzen. Ich meine, ein Organ muss passen, sonst wird es abgestoßen, weil die Blutgruppen sich nicht vertragen. Das ist sicher nicht einfach. Aber es könnte auch so sein, dass das Organ bei dem anderen Kind nicht passt. Es ist ja schon grausam genug zu wissen, dass dein Kind sterben wird.“ „Dennoch sollten wir auch diese Spur verfolgen.“ „Das werden wir auch! Aber jetzt erst einmal die Videoaufnahmen.“



    Sie trafen am Tatort ein und wurden von der Kioskbesitzerin hektisch begrüßt. „Ich habe die Videoaufnahmen gesichtet. Ich habe wirklich etwas von der Tat darauf! Kommen Sie!! Kommen Sie!!“ Sie griff Semir am Arm und zerrte den Hauptkommissar in einen der hinteren Räume. „Hier! Sehen Sie…da schnappen sich die Männer das kleine Kind und fahren weg!“ Semir löste sich mit sanften Griffen und sah auf den Bildschirm. Tatsächlich konnte man auf dem kleinen Monitor die Entführung miterleben. Semir sah, wie die junge Frau mit dem Kleinkind ausstieg und auf den Kiosk zukam. Dann packen zwei Männer zu. Einer nahm ihr das Kind aus dem Arm und der zweite betäubte die junge Frau. Semir schluckte, als er sah, wie brutal die Männer mit der Zeugin umgingen, die heldenhaft versuchte, das Kind zu retten und sie zu Boden gestoßen wurde. Dann rannten die Männer mit dem Kind zu einem Auto. Leider wurde das Kennzeichen von dem Fahrzeug der jungen Frau verdeckt und man konnte es nicht erkennen. Auch die Farbe war nicht zu sehen, denn die Aufnahmen waren in schwarz-weiß. „Haben Sie das Auto gesehen?“ „Nein, ich war ja gerade kurz hinten eine Lieferung annehmen.“ „Die Aufnahmen müssen wir auf einen Stick sichern und dann auswerten. Können Sie das machen oder sollen wir einen Techniker dafür holen?“ „Nein, das kann ich machen. Das geht schnell. Ich habe hier noch ein paar Rohlinge liegen.“ Die Besitzerin des Kioskes kopierte die Daten auf DVD und reichte den Datenträger an Semir weiter. „Danke.“ Er ging wieder zu Alex. „Wir haben die Aufnahmen von der Entführung, aber leider kann man das Kennzeichen nicht sehen. Soweit reicht die Kamera nicht. Aber wenn, dann stand er sicher schon dort und wurde sicher von dieser Jenni gesehen.“ Alex sah ihn an. „Meinst du sie steckt doch dahinter?“ „Es kann Zufall sein, dass das Kennzeichen verdeckt wird. Wir sollten sie noch einmal fragen. Ich denke dass die Fangschaltung auch gleich steht und der nächste Anruf aufgezeichnet werden kann. Lang war das Gespräch ja nicht. Mir wäre wohler, wenn Hartmut vor Ort wäre. Ich meine, er liefert immer verdammt gute Arbeit ab.“ Alex nickte nachdenklich. „Lass uns mal mit dieser Jenni sprechen. Wenn sie wirklich dahinter steckt, dann können wir sie auch knacken.“ „Also gut, fahren wir ins Krankenhaus.“

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  • 12:00 Uhr



    Jennifer Wienand sah auf, als die Tür zu ihrem Krankenzimmer öffnete. Sie sah den Polizisten, den sie schon am Tatort gesehen hatte ins Gesicht. „Haben Sie schon eine Spur?“ „Leider nein. Frau Wienand, wir müssen alles wissen. Haben Sei bemerkt, ob Sie verfolgt wurden?“ Jennifer dachte kurz nach und schüttelte dann den Kopf. „Nein, zumindest nicht bewusst. Gott, meine Schwester verflucht mich. Ich wollte doch nicht, dass Sarah in Gefahr gerät. Wäre ich nur weiter gefahren. Aber sie hat so geschrien und ließ sich einfach nicht beruhigen. Ich hab gedacht, es wäre besser, wenn ich sie mit einem Eis beruhige. Ich wollte doch nur das Beste für sie… und nun ist sie vielleicht schon tot.“ Sie weinte ein wenig. „Frau Wienand, Sie wurden von zwei Männern überfallen. Diese Männer hatten den Wagen vor dem von Ihnen geparkt und so wurde das Kennzeichen verdeckt. Das heißt Sie müssten den Wagen gesehen haben.“ Jennifer sah Alex, der dies sagte entsetzt an. „Sie glauben, dass ich damit etwas zu tun habe? Ich bin Sarahs Tante! Ich weiß, dass sie ohne Dialyse stirbt! Ich würde sie doch nicht so eine Gefahr aussetzen!“ Die Stimme wurde lauter. „Frau Wienand, das sind Routinefragen. Wir müssen in alle Richtungen ermitteln. Versuchen Sie sich doch bitte daran zu erinnern, ob Sie diesen Wagen gesehen haben.“ „Kann sein, dass ich ihn gesehen habe, aber sicher nicht bewusst. Ich meine, ich war mit der Kleinen beschäftigt. Vielleicht ist er an mir vorbei gefahren, als ich die Gurte löste.“ „Das ist gut möglich, die Kamera reicht leider nicht so weit. Versuchen Sie es dennoch. Ist Ihnen ein Wagen aufgefallen? Er soll dunkel gewesen sein. Die Zeugin, die Ihnen helfen wollte, sagte er wäre blau.“ Jennifer versuchte alles, doch ihr fiel nichts ein. „Ich weiß es nicht. Gott, warum kann ich mich nicht daran erinnern?“ „Es ist gut möglich, dass es an dem Chloroform liegt. Okay Frau Wienand, für uns steht sicher, dass Sie verfolgt wurden. Denn wenn es nicht so wäre, dann war es auf dem Parkplatz ein Treffen und das würde dann heißen, dass Sie mit in der Entführung stecken.“ „Ich war es nicht! Ich schwöre, ich habe nichts damit zu tun!“



    „Man hör auf zu plärren! Du gehst mir auf den Senkel!“ Max Liebermann sah auf das kleine Kind, welches vor ihm im Bett lag. „Ich will zu meine Mama….aua….Mama…..“ Das Mädchen flehte ihn an, doch er ließ sich nicht erweichen. Er packte das Mädchen und schüttelte sie. „Halt deine Schnauze! Oder ich sorge dafür, dass du die Klappe hältst!“ Hart warf er sie auf das Bett zurück. Sarah weinte leise. „Was machst du denn da?“ Er drehte sich zu seine Frau um. „Die jammert hier nur rum.“ „Aber du kannst doch nicht so mit ihr umgehen.“ Sie setzte sich auf das Bett und nahm das Mädchen, das nun leise wimmerte, in den Arm. „Ist ja gut, Sarah…ist alles gut. Bald bist du wieder bei der Mama.“ Sie strich dem Kind sanft über die Haare. „Verhätschel sie doch nicht so! Sie ist unsere Geisel, schon vergessen? Sie soll uns Geld bringen! Geld was wir für Lina brauchen!“ „Sie ist krank. Das weißt du. Sie hat Schmerzen. Du kennst es doch von Lina.“ „Dann gib ihr ein paar von den schönen bunten Pillen, die Lina bekommt!“ Max Liebermann machte ein paar ironische Gesten. „Das geht nicht. Die Tabletten sind doch auf Lina abgestimmt. Ich hab dir gesagt, dass es der falsche Weg ist. Du hättest das Mädchen nicht entführen dürfen.“ „Ach ja? Und wie willst du Lina retten? Sie stand an erster Stelle! Sie hätte die Niere kriegen sollen, die jetzt dieses Gör dort bekommt!“ „Aber du weißt doch gar nicht, ob die Niere auch bei Lina gepasst hätte. Vielleicht haben die Blutgruppen nicht gepasst. Du weißt doch auch, dass es nicht so einfach ist.“ „Das ist mir egal! Lina wäre die Erste gewesen und nicht Sarah!!! Nur weil dieser verdammte Mistkerl mit Geld diesen Platz gekauft hat. Geld regiert die Welt, aber das wird es bei uns demnächst auch.“ Gaby sah ihren Mann an. Sie konnte nicht glauben, was sie hörte. War ihr Mann wirklich so skrupellos, dass er das Leben des kleinen Mädchens aufs Spiel setzte?


    Semir und Alex mussten ohne neuen Erkenntnisse zur PAST. Susanne hielt sie auf, als sie eintraten. „Ich habe ein paar Erkenntnisse, die euch vielleicht helfen könnten.“ „Okay, welche?“ Alex sah sie neugierig an. „Ich habe, wie von euch gewünscht diesen Vieze - Bürgermeister durchleuchtet. Martin Rösch ist ein guter Bekannter von uns. Also von der Polizei allgemein. Er saß schon wegen Erpressung und Hehlerei. Wie der in die Politik kommt ist mir echt schleierhaft. Aber, er hat wohl nach seiner Haft noch ein Fernstudium in Politik gemacht und auch abgeschlossen. Dann ist er nach Oberhausen und hat sich für die Wahl als Bürgermeister aufstellen lassen.“ Semir und Alex wechselten einen Blick. „Interessant. Dann wäre es doch möglich, dass er aus Rache, dass er nicht gewonnen hat, dem Bürgermeister jetzt eine auswischen will.“ „Gut möglich. Dann sollten wir den Herrn doch mal besuchen.“ Sie machten wieder kehrt und verließen die PAST. Diesen Martin Rösch wollten die Beiden doch jetzt mal kennen lernen. Sie fuhren zur angegebenen Anschrift und waren erstaunt, als sie vor einem einfachen Mietshaus standen. Sie klingelten an der Tür und warteten bis geöffnet wurde. Eine Frau von knapp 40 Jahren öffnete. „Ja bitte?“ „Gerkhan, Kripo Autobahn. Wir sind auf der Suche nach Martin Rösch!“ Die Frau musterte die Beiden. „Mein Mann liegt seit gestern mit einem Blinddarmdurchbruch im Krankenhaus. Er wurde gestern Abend in der Uniklinik notoperiert. Kann ich ihnen helfen?“ Semir lächelte und schüttelte den Kopf. „Danke, nicht mehr nötig.“ Enttäuscht verließen die beiden Hauptkommissare das Haus. „und jetzt?“ „Wir werden in die Kinderklinik in Oberhausen fahren, wo Sarah behandelt wurde. Vielleicht finden wir da etwas heraus.“

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  • 13:00 Uhr


    Semir und Alex fuhren ins Krankenhaus und wurden direkt zum Chefarzt gebracht. Sie erklärten ihm, warum sie hier waren. „Das ist doch absurd! Ich bevorzuge doch keinen Patienten, nur weil die Eltern mehr Geld haben, oder höher angesehen sind! Es geht hier um Kinder, die um ihr Leben kämpfen.“ „Damit haben Sie unsere Frage nicht beantwortet. Gab es ein weiteres Kind, welches eine Niere braucht?“ Der Arzt lachte verbittert auf. „Wissen Sie, wie viele Kinder eine Niere brauchen? Es gibt über 5000 Kinder, die auf ein Organ warten! Es gibt eine Liste, die streng kontrolliert wird, da kann man nicht mal eben einen Namen an die Spitze setzen. Egal wieviel Geld die Eltern auch haben.“ „Das ist ja auch nicht gesagt worden, aber die Eltern eines anderen Kindes könnten es anders sehen. Also, gab es ein weiteres Kind in Ihrer Klinik, welches ebenfalls auf eine Niere warten?“ „Nicht bei uns. Wir sind zwar die Besten in Sachen Transplantation, aber nein. Außer Sarah Friedrich gibt es keinen weiteren Patienten. Sehen Sie, diese Transplantate werden uns durch die Bundesärztekammer vorgegeben. Sie entscheiden, wer das Organ bekommt. Das Sarah jetzt schon eine Niere bekommt, ist also nicht unsere Entscheidung. Es gibt ein Organ, was transplantiert werden kann und es passt auf Sarah. Das heißt, sie hat die Punkteanzahl, die sie benötigt um das Organ zu erhalten. Sehen Sie, jeder Transplantationspatient hat ein sogenanntes Punktekonto. So kann man verhindern, dass es Komplikationen gibt. Je mehr Punkte übereinstimmen, umso geringer ist die Möglichkeit, dass das Organ abgestoßen wird. Sarah hat wirklich Glück gehabt.“ Semir nickte. „Doktor, kann es denn nicht dennoch sein, dass die Niere vielleicht auf zwei Patienten passt?“ „Natürlich ist das immer möglich. Aber leider kann ich Ihnen da nicht weiterhelfen. Glauben Sie mir, es ist nicht einfach. Sogar die Tochter meiner Stationsschwester wartet seit zwei Jahren auf eine Niere.“ Die Hauptkommissare sahen sich kur an. „Ist es möglich, dass sie…“ „Nein! Das ist ausgeschlossen! Gaby Liebermann ist eine sehr loyale und stark engagierte Krankenschwester! Sie können sie ja selbst fragen. Ihr Dienst fängt in einer Stunde an.“ „Ich wollte Ihnen nicht zu nahe kommen, aber wir müssen jede Möglichkeit betrachten. Wo wohnt Frau Liebermann denn?“ „Das weiß ich selbst nicht. Da müssten Sie schon im Personalbüro nachfragen.“ Semir nickte und gemeinsam mit Alex stand er auf und verabschiedete sich von dem Arzt.


    „Kümmer dich um Lina! Sie braucht dich!“ „Ich werde Sarah mit zu Lina nehmen. Die Mädchen können zusammenspielen. Dann ist sie auch abgelenkt.“ Max Liebermann sah seine Frau an. „Warum?“ „Was warum? Sarah kann doch nichts dafür, dass sie nun bevorzugt wird. Du weißt doch wie das mit dem Punktekonto läuft. Sie hat Glück und Lina nicht. Es ist Schicksal und du kannst doch nicht so ein kleines Kind dafür bestrafen.“ „Lina hat das Glück verdient! Sie ist genauso krank wie Sarah! Sie soll die Niere bekommen! Ich will das sie die Niere bekommt!“ Max griff einen der Bücher, die auf dem Tisch lagen und warf es gegen die Wand. Gaby zuckte zusammen und auch Sarah weinte wieder lauter. „Stell dieses verdammte Gör ab! Sie nervt mich!“ Wütend verließ er den Raum. Gaby nahm Sarah auf den Arm und trug sie aus dem dunklen Zimmer. „Ist schon gut Sarah. Er wird dir nichts tun. Ich werde mich um dich kümmern. Du bekommst gleich etwas zu essen und dann kannst du mit Lina spielen. Sie ist genauso krank wie du, weißt du?“ Gaby sprach mit dem kleinen Kind, obwohl sie wusste, dass es sicher nur die Hälfte von dem verstand, was sie sagte. Sie betrat das Zimmer von Lina, die in ihrem Bett lag und sie ansah. „Wer ist das?“ wollte das siebenjährige Mädchen wissen. „Das ist Sarah, sie ist auch so krank wie du.“ Lina richtete sich auf. „Mama, warum ist sie hier?“ Gaby lächelte leicht. „Ich dachte, du würdest gern mit jemandem spielen.“ Lina stand auf und jetzt fiel Gaby wieder auf, wie blass ihre Tochter doch war. Mit ziemlich unsicheren Schritten kam Lina zu ihnen und strich Sarah über das Gesicht. „Sie ist ja ganz heiß. Sie braucht Hilfe. Warum bringst du sie nicht ins Krankenhaus?“ Lina sah ihre Mutter an. „Mama, ist das das Mädchen, wo Papa sagte, dass sie meine Niere bekommt?“ Gaby zuckte zusammen. Hatte ihr Mann wirklich schon mit Lina darüber gesprochen? „Lina, Sarah bekommt eine neue Niere, ja. Aber sie war nicht für dich bestimmt. Es gibt da ein paar Dinge, die bei dir nicht passen und…“ Lina nickte. „Mama, du musst nicht traurig sein. Ich weiß, dass es nicht immer möglich ist. Heute Nacht war jemand bei mir und hat gesagt, dass er mich bald holen kommt. Er hat mir versprochen, dass ich keine Schmerzen mehr haben werde. Das sollte dich doch auch freuen. Wenn ich nicht mehr da bin, dann musst du dir keine Sorgen mehr machen.“ Gaby konnte nicht verhindern, dass die Tränen ihr bei diesen Worten über das Gesicht liefen. Lina lächelte und wischte sie weg. „Nicht traurig sein, Mama…ich werde dich wiedersehen und dann können wir gemeinsam viele Dinge erleben.“


    Gaby stand auf und verließ den Raum. Sie sah auf die Uhr. Es war fast Zeit zum Dienst zu fahren. Doch sie musste sichergehen, dass Max der kleinen Sarah nichts tat. Sie ging zu ihm. Max lag auf der Couch und hatte den Fernseher eingeschaltet. Vor ihm standen zwei Flaschen Bier, die er wohl trinken wollte. „Du wirst das Mädchen nicht anfassen! Ich muss gleich zum Dienst.“ Max sah sie kurz an. „ja, ja…“ war die Antwort die sie bekam. „Ich mache den Kindern etwas zu essen. Willst du auch etwas?“ „Nee, deine Küche kann man nicht genießen. Da gehe ich lieber nachher in die Kneipe zu Willi. Der kann wenigstens kochen!“ Gaby schluckte diese Bemerkung runter. Sie ging in die Küche und kochte für die Mädchen eine Hühnersuppe und nur eine halbe Stunde später fütterte sie Sarah, während Lina allein aß. „Sie ist sehr lecker, Mama. Ich glaube das werde ich ein bisschen vermissen. Aber du musst Sarah beschützen. Papa ist sehr wütend und ich glaube, er wird ihr etwas tun.“ Gaby nickte. „Wenn ich gleich gehe, dann lege ich dir die Tabletten hin. Du weißt wie du sie nehmen musst. Ich werde deine Tür verschließen. Papa wird sicher so viel trinken, das er sie nicht aufbekommt.“ Lina nickte. „Ich werde wenn du raus bist, die Türklinke sperren. Dann kann er nicht rein. Ich werde Sarah auch beschützen. Mama, du musst ihr helfen. Bitte versprich mir, dass du ihr hilfst. Der liebe Gott hat sie für die Niere vorgesehen, dann soll es so sein. Vielleicht kann ich ja auch eine bekommen.“ Gaby nickte. Sie schluckte einen schweren Kloß runter. Ihre siebenjährige Tochter hatte mehr Mut und Verstand als ihr Mann. Sie hätte es niemals zulassen sollen, dass er sich Sarah holt. Schließlich hatte sie ihm die Daten gegeben. Sie erinnerte sich an den Tag, als sie Max erzählte, dass die kleine Sarah eine neue Niere bekam.

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  • 14:00 Uhr



    Gaby Liebermann kam in der Klinik an und wurde direkt ins Arztzimmer zitiert. „Oberschwester Gaby, wir hatten heute die Polizei im Haus. Es geht um die dreijährige Sarah Friedrich. Sie wurde entführt und die Polizei glaubt nun, dass irgendwelche Daten von uns verfälscht wurden, damit Sarah an erster Stelle der Empfänger steht. Sie vermuten, dass es mit Geld gekauft wurde.“ „Aber das ist doch völlig absurd! Wie sollen wir das denn machen? Wir haben doch gar keinen Einfluss darauf.“ „Das habe ich den Herren auch gesagt, aber die haben sich nicht wirklich damit zufrieden gegeben. Sie werden nachher noch Besuch von zwei Herren der Polizei bekommen, die ein paar Fragen an Sie haben.“ Gaby schluckte schwer. „Ja Herr Dr.“ Sie verließ das Zimmer und griff zum Handy um ihren Mann anzurufen. Doch es meldete sich nur die Mailbox. Sie holte Luft und wollte gerade die Informationen durchgeben, doch dann dachte sie sich, dass sich hier die Chance gab, das Leben von Sarah zu retten. Sie steckte das Handy weg und zog sich ihre Arbeitskleidung an. Ihre Kollegin Stella kam ebenfalls in die Umkleide. Stella hatte jetzt Feierabend und machte sich für den Rest des Tages fertig. „Stell dir vor, da wird dieses arme Kind entführt, die armen Eltern. Also ich wüsste nicht, was ich tun würde, wenn das passiert. Grausam. Einfach grausam“ Gaby sah ihre Kollegin an. „Wer weiß was der Entführer für Gründe hat.“ „Gaby! Es gibt keinen guten Grund ein dreijähriges Mädchen zu entführen! Diese geldgierigen Verbrecher sollten doch wenigstens ein Herz haben. Sarah ist krank! Sie wird vielleicht sogar sterben!“ „Das ist doch gar nicht gesagt. Die Polizei wird sie sicher finden, bevor es soweit ist.“ Gaby war fertig und stellte ihre privaten Sachen in den Spind. „Na ich wünsche dir eine ruhige Schicht. Heute ist es ruhig. Sogar die Frau Speyer auf Zimmer 509 ist ruhig heute.“ Gaby nickte. „Ja danke…dir einen schönen Feierabend.“



    Semir und Alex hatten sich die Stunde mit dem Austausch der Informationen mit den Kollegen beschäftigt und sich einen Kaffee gegönnt. Jetzt fuhren sie wieder auf die Etage und suchten die Oberschwester Gab Liebermann auf. Im Schwesternzimmer saßen drei Schwestern. Semir klopfte an die offene Tür und warf einen „Guten Tag..“ in den Raum. Die Köpfe ruckten hoch. „Frau Liebermann?“ Eine blonde Frau sah ihn an. „Ja, das bin ich.“ Sie stand auf und kam zu ihnen. „Gerkhan, Kripo Autobahn. Das ist mein Kollege Brandt. Ich denke, der Arzt hat Ihnen schon erklärt, weshalb wir hier sind.“ „Ja, es geht um die dreijährige Sarah. Ich wurde von Dr. Schwengel bereits informiert. Es ist schlimm.“ „Das kann man so sagen. Sie wissen sicherlich, dass Sarah möglichst schnell gefunden werden muss, denn sonst schwebt sie in Lebensgefahr. Hat sich in den letzten Tagen vielleicht etwas ergeben, was nicht üblich war? Konnte ein Besucher vielleicht an die Krankenakten kommen, oder hat einer von Ihnen Informationen weiter gegeben?“ Gaby schüttelte den Kopf. „Nein, mir ist nichts aufgefallen. Es ist grausam, das Sarah…“ Ihre Stimme erstickte. Innerlich kämpfte sie gegen sich selbst. Sie musste sich entscheiden! Entweder rettete sie Sarah das Leben und verlor ihren Mann oder aber sie sagte nichts und würde dann für den Tod von Sarah verantwortlich sein. Was würde dann aus Lina werden? Ihr Mann würde sicher ins Gefängnis gehen und sie als Mitwisserin vermutlich auch. Lina würde in ein Heim gebracht werden. Nein!Sie wollte dieses Spiel nicht mitspielen. „Ich wollte es doch gar nicht. Nicht so! Nicht auf diese Art und Weise.“ Semir sah sie an. „Was wollten Sie nicht? Wissen Sie wo Sarah ist?“ Gaby nickte. „Meine Tochter Lina. Sie ist sieben Jahre alt und sie braucht eine neue Niere. Bis vor kurzem war sie an oberster Stelle der Empfängerliste, doch dann wurde Sarah hochgestuft. Mein Mann glaubt, dass es daran liegt, weil sie die Tochter von dem Bürgermeister ist. Wenn ich gewusst hätte, was er vorhatte, hätte ich ihm nicht davon erzählt.“ Gaby Liebermann schluchzte und wurde von einer Kollegin in den Arm genommen.



    Semir sah betreten zu Alex, doch er wusste auch, dass er jetzt keine Zeit mehr hatte. „Frau Liebermann, wo ist Sarah? Sie muss in ärztliche Behandlung! Sie wissen doch, wie es um sie steht!“ Gaby Liebermann nickte. „Sie ist bei uns zuhause. Max, mein Mann ist wütend und er lässt die Wut an die kleine Maus aus. Ich hab versucht, sie zu schützen und sie zu Lina gebracht. Er liebt Lina. Glauben Sie mir, Max ist normalerweise ein sehr liebevoller Vater und Ehemann. Aber diese Angst, das Lina keine Niere bekommt, weil die Spenderniere nicht auf sie passt, macht ihn wahnsinnig. Lina ist unser einziges Kind.“ „Das rechtfertigt nicht die Entführung eines schwerkranken Mädchens. Sarah ist gerade drei!“ Semir wurde ein wenig lauter. „Wir werden jetzt zu Ihnen fahren und das Kind rausholen! Sie werden uns dabei helfen!“ Gaby Liebermann nickte. Sie verließ mit Semir und Alex das Krankenhaus und fuhren so schnell es ging zur Adresse von den Liebermanns. Als sie dort ankamen, war die Wohnung leer. „Nein!! Nein, das darf er nicht!! Das kann er doch nicht machen!!“ Gaby Liebermann brach weinend zusammen, als sie bemerkte dass auch ihre Tochter nicht mehr da war. Während Alex die Zimmer durchsuchte, versuchte Semir das Ziel des Mannes heraus zu finden. „Frau Liebermann, wohin könnte Ihr Mann mit den Kindern gefahren sein? Denken Sie bitte nach. Es geht auch um das Leben ihrer Tochter!“ Sie sah ihn mit tränengefüllten Augen an. „Ich weiß es nicht… Ich weiß es wirklich nicht.“ „Gibt es ein Ort, wo Sie und ihr Mann glücklich waren? Gibt es irgendwo etwas? Denken Sie nach! Sie können helfen, die Kinder zu finden!“ Semir sprach eindringlich auf sie ein. Gaby Liebermann dachte nach. „Vielleicht das Haus seiner Eltern. Dort waren wir sehr oft in den Ferien. Es liegt in der Eifel…“ Semir sprang auf. „ALEX!! Komm, wir müssen in die Eifel!“ „Bitte nehmen Sie mich mit! Lina braucht mich, wenn wir sie dort finden. Bitte….bitte…“ Gaby fiel auf die Knie und sah die Polizisten flehend an.

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  • 15:00 Uhr



    Max Liebermann sah kurz in den Rückspiegel und sah, dass die beiden Mädchen immer noch schliefen. Er hatte ihnen etwas zu essen gemacht, nachdem er sich beruhigt hatte. Doch er bekam plötzlich Angst. Seine Frau war sehr labil und sie könnte ihm verraten. Die Polizei durfte ihn nicht daran hintern, was er vorhatte. Er mischte ein paar von den rezeptfreien Schlaftabletten ins Essen der Kinder und wartete einfach bis sie eingeschlafen waren. Er musste doch dafür sorgen, dass Lina die Niere bekam. Dieses ganze Gerede von Parametern die nicht passten, konnte nicht stimmen. Der Vater von Sarah konnte sich diese Niere erkaufen. Mit all seinem Geld, hatte er erreicht, das Lina das Todesurteil erhielt. Nach einer Stunde Autofahrt hatte er das kleine Haus in der Kapellenstraße in Simmerath erreicht. Er fuhr den Wagen direkt in die Garage und trug dann erst Sarah ins Haus und dann holte er Lina. Die Mädchen wurden nicht wach, als er sie ins Bett legte. Während er recht unsanft mit Sarah umging, strich er seiner Tochter liebevoll eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Mein Engel, ich werde dein Leben retten. In wenigen Stunden wird Sarah sterben und dann bist du wieder an erster Stelle. Dann wirst du die Niere bekommen und dann wirst du leben. Egal was es kostet, ich will dich aufwachsen sehen.“ Er küsste seine kleine Tochter auf die Stirn. Dann sah er zu Sarah. Das Mädchen schwitzte stark. Er fühlte ihre Stirn und bemerkte, dass sie ziemlich hohes Fieber hatte. Er kannte es ja von Lina. Wenn es ihr schlechter ging, dann bekam sie auch immer Fieber. Bei Lina würde er handeln, doch bei Sarah war es ihm egal. Er erhob sich und verließ das Zimmer. Die Tür verschloss er sorgfältig. Er lachte leise, als er daran dachte, dass der Bürgermeister und dessen Frau sicher vor Angst vergingen und auf seinen zweiten Anruf warteten. Doch er wusste auch, dass die Polizei sicher schon eine Fangschaltung gelegt hatte. So hatte er es schon mehrmals im Fernsehen gesehen. Vielleicht sollte er sich die Waffe seines Vaters, die hier im Keller lag holen. Er war immer mit seinem Vater auf der Jagd, aber davon wusste seine Frau nichts. Wenn Gaby etwas verriet, dann würde nicht nur Sarah sterben, sondern auch Lina. Notfalls würde er erst die beiden Mädchen und dann sich töten. Ohne Lina würde das Leben nicht mehr lebenswert sein.



    Semir trat das Gaspedal durch. Blaulicht und Sirene waren eingeschaltet und so kamen sie gut durch den beginnenden Feierabendverkehr. Alex orderte bereits ein SEK-Team zu der von Gaby Liebermann genannten Anschrift. Sie hofften inständig noch rechtzeitig zu kommen, doch sie wussten auch, dass Max Liebermann, aufgrund seines Verhaltens und nach den Angaben seiner Frau, sehr wohl gewalttätig werden konnte. Besonders wenn er getrunken hatte, war er unberechenbar, so Gaby Liebermann. Auf die Frage allerdings, ob sie von ihm geschlagen werden würde, antwortete sie mit einem klaren Nein. In ihren Augen war Max lediglich ein besorgter Vater, dem das Wohl seiner Tochter über alles ging und für das er alles in Kauf nahm. Wenn es sein musste, auch den Tod eines kleinen unschuldigen Mädchens. „Frau Liebermann, hat Ihr Mann Waffen?“ „Waffen? Nein, Max mag keine Waffen. Aber sein Vater hatte mal Waffen. Ich glaube, sie lagern im Keller. Aber Max kann nicht damit umgehen, das weiß ich. Denken Sie, er wird den Kindern etwas antun?“ Semir sah in den Rückspiegel. „Sagen Sie uns das. Trauen Sie Ihrem Mann zu, dass er es tut?“ „Ich kenne ihn nicht mehr. Seit er von dieser Transplantation weiß, ist er wie ausgewechselt. Max ist nicht böse und ich denke er wird wieder zu sich finden, aber er wird es sicher nicht allein schaffen.“ Sie wischte sich wieder eine Träne weg. „Keine Sorge, wir werden ihm helfen. Wir werden versuchen mit ihm zu sprechen. Kennen Sie die Eltern von Sarah?“ Gaby Liebermann nickte. „Ja, wir haben uns oft im Krankenhaus gesehen, wenn Sarah an der Dialyse lag. Meistens war ich als Krankenschwester dabei, auch wenn Lina selbst an der Dialyse war. Aber wir haben uns nie wirklich unterhalten.“ Sie sah aus dem Fenster und Semir spürte, dass sie sich alles andere als wohl fühlte. „Sie haben Angst, dass Ihr Mann es nicht verstehen wird oder?“ Gaby nicke. „Er wird mich für eine Verräterin halten. Und vermutlich hat er sogar Recht damit. Ich meine, ich müsste auch alles für Lina tun. Und ich würde es auch, aber ich kann nichts machen. Mir sind die Hände gebunden. Man kann einfach nichts machen, als das Schicksal zu akzeptieren.“ Die Stimme wurde immer leiser. „Rufen Sie ihn an und versuchen Sie mit ihm zu sprechen.“



    Max hatte die Waffe geladen und stellte das Gewehr direkt neben seinen Sessel. Dann stand er auf und holte sich ein Bier aus dem Kühlschrank. Hier in diesem Haus fühlte er sich geborgen, doch er wusste auch, dass Gaby dieses Haus kannte. Sein Handy klingelte. „Ja?“ „Max… bitte sag mir wo du bist! Wo sind die Kinder?“ „Sie sind bei mir. Sarah wird sehr bald sterben und dann kann Lina die Niere bekommen. Sie wird leben!“ „Max, ich hab doch versucht dir zu erklären, dass es nicht so einfach ist. Bitte sag mir wo du bist? Bist du in Papas Haus? Ist Sarah auch bei dir?“ Max schwieg. Er spürte wie eine Träne über seine Wange lief. „Gaby, ich kann Lina nicht sterben lassen. Hilf mir doch! Bitte, ich will nicht das sie stirbt.“ „Sie wird nicht sterben. Ich bin mir sicher, dass wir bald eine Niere für sie bekommen. Aber jetzt musst du mir sagen, wo du bist. Bitte mach dich nicht unglücklich. Bitte…“ „Du weißt doch, dass ich dann ins Gefängnis muss. Dann kann ich Lina nie wieder sehen. Ich will nicht ohne sie leben. Ich kann nicht ohne sie leben.“ „Das musstdu doch auch nicht. Lina wird nicht sterben. Es ist doch noch nicht zu spät. Bitte….lass mich zu Sarah und sie ins Krankenhaus bringen.“ Max sagte nichts mehr. Er drückte das Gespräch weg und fing an zu weinen. Was war nur mit ihm los? Wie konnte er solche Dinge tun? Sarah konnte ja nichts dafür, dass sie die Niere bekommen sollte. Gaby hatte Recht, sie war unschuldig. Wieder klingelte sein Handy, doch er ging nicht ran. Er ging durch das Haus und schloss alle Läden. Die Tür im Keller verbarrikadierte er und auch die Wohnungstür manipulierte er so, dass sie nicht so einfach zu öffnen war. Dann lud er seine Waffe und setzte sich ans Fenster und sah hinaus. Gaby würde sicher mit der Polizei kommen Er war sich sicher, dass sie ihn verraten hatte. Sie war einfach zu naiv. Vielleicht wäre es besser, wenn er mit den Kindern in die Hütte fuhr, die Gaby nicht kannte. Da war er allein und da war er sicher. Nein! Er würde nicht davon laufen. Er würde hier um das Leben von Lina kämpfen!

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  • 16:00 Uhr



    Semir und Alex trafen mit Gaby Liebermann an dem Haus der Schwiegereltern an. „Sind Ihre Schwiegereltern auch zuhause?“ „Meine Schwiegereltern sind vor drei Jahren bei einem Unfall verstorben. Seit dieser Zeit hat sich auch Max verändert.“ „Haben Sie einen Schlüssel für das Haus?“ Alex sah die Frau an. „Nein. Ich habe keinen Schlüssel. Ich war nach dem Tod von seinen Eltern nicht mehr hier.“ Semir stieg aus. „Das SEK ist noch nicht da. Pass auf Alex, ich werde mich mal umsehen, ob ich etwas entdecken kann. Nicht dass wir hier umsonst hergefahren sind.“ Alex nickte. „Ich warte hier auf die Kollegen. Aber Semir, pass bitte auf! Du weißt nicht, ob der Kerl nicht völlig durchdreht und doch bewaffnet ist!“ Semir nickte. Er betrat das Grünstück vor dem Haus und sah neugierig zur Eingangstür. Doch dann hallte ein Schuss. Semir spürte einen Einschlag am linken Arm und stieß einen Schrei aus. Sofort warf er sich zu Boden und robbte dann auf die Straße wo ihn die parkenden Fahrzeuge Deckung boten. „Bleibt draußen!!! Ich knalle euch alle ab! Ich bringe die Mädchen um!“ Semir besah sich seine Wunde und stellte fest, dass es lediglich ein Streifschuss war, der allerdings ziemlich brannte.Alex hatte den Schuss natürlich gehört und war nun neben ihn. „Ich sagte doch, du sollst aufpassen!“ „Hab ich doch! Ist nur ein Streifschuss.“ „Ach ja? Das ist mir ziemlich egal! Du bist getroffen!“ „Was ist mit dem SEK?“ „Steht bereit. Sie wollen wissen, was du gesehen hast.“ Semir nickte. „Okay, dann gehen wir rüber.“ Sie gingen geduckt wieder zu ihrem Fahrzeug, wo sich der Einsatzleiter des SEKs gerade mit Gaby Liebermann unterhielt. „Semir! Was hast du? Streifschuss?“ „Ja Alex. Mehr ist das nicht. Schön dich munter zu sehen.“ „Gleichfalls. Auch wenn du schon wieder was abbekommen hast. Mach weiter so, und auf deinem Arm kann man Blockflöte spielen. Also gut, ich habe mich schon mit Frau Liebermann unterhalten. Hast du den Mann gesehen?“ „Nein, aber er hat auf mich geschossen und er hat gesagt, dass er die Mädchen umbringt, wenn wir versuchen ihn zu holen.“



    Max Liebermann sah angestrengt aus dem Fenster. Den Mann hatte er erwischt, soviel war klar. Aber wenn es ein Polizist ist, dann war er sicher nicht allein. Vermutlich hat er eine ganze Armee mitgebracht und sie hatten nur ein Ziel vor Augen. Sie wollten verhindern, dass Lina eine neue Niere bekam. Verdammt Gaby hatte ihn also wirklich verraten. Wie konnte sie das tun? Liebte sie ihn denn nicht mehr? War Lina ihr egal? Sie schien für Sarah mehr zu empfinden, als für ihre eigene Tochter. „Mama….“ erklang es aus dem Schlafzimmer. Max stand auf und ging ins Zimmer. „Lina, Schatz. Die Mama ist noch beim Dienst. Kann ich dir helfen?“ „Papa, Sarah ist ganz heiß. Sie stirbt. Bitte hilf ihr doch. Ich will nicht, dass sie stirbt.“ Max lächelte sie an und strich ihr sanft durch das Gesicht. „Lina, sie wird nicht sterben. Aber sie darf nicht gehen.“ „Aber wenn sie nicht geht, dann stirbt sie. Papa, es ist nicht gut, was du tust. Es ist nicht richtig, wenn sie sterben muss, damit ich leben kann. Ich habe Mama schon gesagt, dass es nicht so schlimm ist, wenn ich gehen muss. Ihr müsst nicht traurig sein. Ich weiß, dass es für mich dann besser wird und das sollte auch euch beruhigen. Lass Sarah gehen. Sie braucht Hilfe. Sie stirbt doch. Willst du Schuld daran sein? Wie soll ich glücklich werden, wenn ich weiß, dass sie wegen mir gestorben ist? Papa, du hast mich doch lieb oder?“ „Ja sicher hab ich dich lieb! Ich würde alles für dich tun, mein Schatz.“ „Dann lass sie gehen.“ Linas Worte klangen hart und entschlossen. Max musste innerlich zugeben, dass sie viel erwachsener klang als sieben Jahre. Sie sah die Dinge nicht so, wie er. Er wollte sie nicht verlieren, doch sie schien schon sicher zu sein, dass sie sterben musste. „Lina, ich kann das nicht für dich tun. Wenn Sarah nicht mehr ist, dann wirst du die Niere bekommen.“ „Ich will sie nicht, wenn Sarah stirbt.“ Lina klang entschlossen. Bei Max stiegen die Tränen auf. „Ich will dir doch helfen.“ „Du hilfst mir damit nicht. Bitte Papa…bitte…“ Max stand auf. Er holte eine Flasche Wasser und gab Lina etwas zu trinken. „Papa, ich muss auch bald an die Dialyse. Weißt du das?“ „Ja, das weiß ich. Wir schaffen das, wirklich. Wir schaffen es. Du musst mir nur helfen.“



    Semir wurde im Rettungswagen, der nun angefordert wurde, behandelt und trug seinen Arm nur wenig später in der Schlinge. „Es tut mir sehr leid, dass mein Mann Sie verletzt hat. Er ist wirklich verzweifelt. Er will doch nur Lina das Leben retten und in seinem Wahn sieht er nicht, dass er den falschen Weg geht. Bitte helfen Sie ihm. Ich liebe ihn und ich brauche ihn. Bitte verzeihen Sie ihm.“ Semir lächelte leicht. „Frau Liebermann, er wird sich für seine Taten verantworten müssen. Aber ich werde alles Mögliche tun, um ihm zu helfen. Doch jetzt sind Sie dran. Sie müssen ihn überreden aufzugeben. Sie müssen es versuchen.“ Gaby Liebermann nickte. „Ich werde es versuchen, aber ich glaube nicht, dass ich es schaffe. Er ist so ein Sturkopf.“ „Dennoch, versuchen Sie es!“ Gaby nahm ihr Handy und wählte ihren Mann an. „Max…ich bin es, Gaby! Bitte gib auf! Bitte lass uns zu Sarah und Lina! Bitte… wir wollen doch nur helfen. Bitte gib auf! Ich liebe dich doch!“ „Gaby, ich habe eben mit Lina gesprochen. Sie will nicht leben, wenn Sarah sterben muss. Es geht ihr sehr schlecht. Was hab ich nur getan? Ich wollte ein Kind töten, ich habe einen Polizisten angeschossen, ich bin ein Verbrecher!“ „Nein, nein, du bist verzweifelt und wir können das alle verstehen! Bitte komm mit den Kindern raus! Bitte! Lina braucht doch auch ihre Medikamente! Hast du an sie gedacht?“ „Oh verdammt! Nein! Ich habe sie nicht mitgenommen! Ich habe sie nicht…. ich töte auch meine Tochter!“ Gaby hörte Max weinen. „Max, wir haben hier ein ähnliches Medikament, aber dazu müsste ich zu dir kommen.“ „Nein! Du wirst nicht hier reinkommen! Ich will das nicht! Ich will nicht, dass du mich so siehst!“ „Okay, dann lass einen der Ärzte rein! Oder einer der Polizisten! Bitte Max…bitte!“ Doch das Handy war tot. Max hatte das Gespräch abgebrochen.

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  • 17:00 Uhr


    Alexander Hoffmann sah auf die Karte. „Also wenn ich das richtig sehe, dann gibt es außer der Eingangstür keinen Zugang. Die Rollläden sind unten und so ist der Zugang über die Terrasse nicht möglich. Die Kellertür ist mit einem schweren Gitter versehen. Keine Möglichkeit sie zu durchdringen. Die Fenster sind ebenfalls mit Gitter gesichert. Da ist ein Eindringen nicht möglich. Also wenn ihr ne Idee habt, dann sagt es mir.“ Semir sah kurz zu Alex und dann zu dem SEK-Mann. „Alex, das heißt doch, dass wir nur durch Zureden was erreichen können. Ich werde reingehen und mit ihm reden!“ „Semir, du bist angeschossen! Der Kerl ist unberechenbar!“ „Ja, ich weiß. Aber er wird mich nicht für einen ernsthaften Gegner halten, da ich verletzt bin. Wir müssen dafür sorgen, dass er aufgibt. Seine Frau muss uns helfen.“ Alex Brandt sah seinen Partner an. „Du wirst ganz sicher nicht da reingehen! Semir, der Kerl ist wie Alex sagt, unberechenbar! Was wenn er dich erst gar nicht ins Haus lässt, sondern dich abknallt? Was dann?“Semir sah seinen Partner lächelnd an. „Ich denke nicht, dass er so weit gehen wird. Er ist verzweifelt. Ich kann ihn sogar verstehen.“ „Für das, was er da getan hat, kann man kein Verständnis haben!“ „Doch Alex! Er ist Vater eines schwerkranken Kindes und auch wenn du es nicht verstehen kannst, wenn man Kinder hat, dann will man nur ihr Bestes und dafür gehen die Eltern manchmal auch auf falsche Wege. Ich werde ihn überzeugen, aufzugeben. Gib mir die Chance.“ Alex stieß einen knurrenden Laut aus, doch dann nickte er.



    Gaby Liebermann lief hinter der Polizeisperre auf und ab. Sie knetete nervös die Hände. Wie konnte sie Max nur davon überzeugen, endlich aufzugeben. Sie hatte so große Angst nicht nur ihn, sondern auch Lina zu verlieren. Der angeschossene Polizist kam zu ihr. „Frau Liebermann, rufen Sie ihn noch einmal an und sagen Sie ihm, dass ich reinkomme. Ohne Waffen. Ich will mit ihm reden, mehr nicht.“Sie sah ihn mit verweinten Augen an. „Ich weiß nicht, ob er überhaupt ans Telefon geht.“ „Versuchen Sie es dennoch! Sagen Sie ihm, dass ich die Medikamente bringe, die Lina braucht. Wir müssen Sarah da rausholen und auch Ihre Tochter. Tun Sie es!“ Gaby nickte. Sie nahm ihr Handy und wählte ihren Mann an. „Ja?“ hörte sie nur wenig später. „Max, bitte gib auf. Bitte…lass Sarah und Lina gehen. Bitte….ich liebe dich doch…“ „Wenn du mich lieben würdest, dann hättest du mich nicht verraten.“ „Ich habe dich nicht verraten! Ich will dir helfen. Bitte, Lina braucht ihre Medikamente. Bitte gib uns die Chance. Bitte…“ „Wie soll es aussehen? Willst du die Polizei hier mit Maschinengewehre reinschicken? Sie schießen alles kurz und klein und töten mich? Vielleicht auch die Kinder?“ „Nein, das will ich natürlich nicht. Der Mann, den du angeschossen hast, wird zu dir kommen. Er trägt keine Waffen und hat die Medikamente bei sich. Bitte lass ihn zu den Kindern. Bitte…lass dir helfen.“ Sie hörte wie Max tief durchatmete. „Er kommt allein?“ „Ja, er wird allein kommen.“ „Und er trägt keine Waffen!“ „Nein, er trägt keine Waffen.“ „Okay, er soll sich bis auf die Unterhose ausziehen! Er wird keine Sender tragen!“ Gaby sah Semir an, der das Gespräch mitbekam und nickte. „Also gut…er wird das machen, was du sagst.“ „In fünf Minuten soll er vor der Tür stehen!“ Ein leises knackendes Geräusch zeigte an, das Max aufgelegt hatte.



    Semir zog sich aus und stand nur wenig später in Unterhosen da. „Was ist mit dem Medikament? Wie soll Lina es bekommen?“ „Sie muss, da es ein anderes Medikament ist, zwei Stück nehmen. Ich löse ihr die Tabletten immer im Kirschwasser auf, dann schmecken sie ihr nicht so unangenehm. Wichtig ist, dass sie sie nimmt. Und wenn Sie es schaffen, dann bringen Sie Sarah mit raus. Ich hoffe inständig, dass Sie es schaffen und ihn wieder zur Vernunft bringen. Er ist kein schlechter Mensch. Er ist nur verzweifelt.“ Semir sah Gaby an. „Ich weiß. Ich werde alles versuchen, ihn zum Aufgeben zu bewegen, aber leider kann ich auch nichts versprechen. Sie wissen, dass er nicht straffrei ausgehen wird, wenn er es macht?“ Gaby nickte. „Ich weiß. Er wird für seine Taten die Verantwortung tragen müssen. Was denken Sie, wird er bekommen?“ „Nun, ich denke das Gericht wird auch die Hintergründe beleuchten, aber er wird sicher für eine Weile ins Gefängnis müssen.“ „Ich verstehe. Dann werde ich mit Lina ganz allein sein. Sind die Eltern von Sarah schon informiert?“ „Nein, ich denke nicht und es ist gut so, denn sonst würde es hier nur eskalieren. Sie müssen sich vorstellen, wenn der Vater erfährt wie es seiner Tochter geht, dann wird er mit Sicherheit ausrasten, was ja auch verständlich ist.“ Gaby senkte den Kopf und wieder flossen Tränen. „Ich würde ihn, wenn Sarah meine Tochter wäre, töten.“ Semir schluckte. Es klang als war es ernst gemeint. „So ich gehe jetzt hin. Geben Sie mir die Tabletten bitte!“ Gaby nickte. Sie sah den Arzt an, der als Notarzt hier im Rettungswagen tätig war und nickte ihm zu. Dann kam er mit mehreren Tabletten zu ihnen. „Frau Liebermann, das ist wie gesagt ein ganz anderes Präparat, als Lina es bekommt. Wir wissen nicht, wie sie darauf reagiert.“ Er gab Semir die Tabletten und dieser machte sich daran, zum Haus zu gehen. Er hatte die gesunde Hand erhoben.

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  • 18:00 Uhr

    Während man vor dem Haus in der Eifel alles versuchte, Sarah und auch Lina zu retten, ging es im Haus Friedrichs beängstigend ruhig zu. Alle warteten auf den Anruf, wo die Lösegeldübergabe stattfinden sollte. Wolfgang Friedrich lief die ganze Zeit im Wohnzimmer auf und ab während seine Frau am Fenster stand und in den Garten starrte. Sie reagierte kaum und Wolfgang hatte große Angst, dass sie diese Situation nicht schaffte. Die Angst um Sarah, war extrem. Das Telefon klingelte. Sofort ruckte sie herum und Wolfgang ging ans Telefon. Der Kommissar, der bei ihm war nickte ihm aufmunternd zu. „Wichtig ist, das Gespräch hinauszuzögern!“ „Ja, ich weiß…“ Er nahm den Hörer in die Hand und räusperte sich noch einmal. „Hallo…?“ „Hallo Papa, hier ist Melli. Ich wollte euch nur sagen, dass es mir super gut geht. Ich bin heute am Strand gewesen und…“ „Melanie! Schön, dass du anrufst. Ich…ich kann aber jetzt nicht reden. Bitte versteh mich…“ „Geht es Sarah schlechter? Wo ist Mama?“ Wolfgang sah zu seiner Frau, doch diese rege sich überhaupt nicht. „Mama ist mit Sarah im Krankenhaus. Es geht ihr soweit gut. Du musst dir keine Sorge machen, aber sie wird sicher gleich anrufen, dass ich sie abholen muss.“ „Aber warum ist Mama denn nicht selbst gefahren?“ „Melanie, Schatz… bitte ich muss das Telefon freihalten. Aber mach dir keine Sorge, Mama ruft dich an, das verspreche ich dir.“ „Also gut Papa….gib Sarah von mir einen Kuss und sag ihr, dass ich sie sehr lieb habe.“ Wolfgang schluckte. „Das tue ich…“ Er beendete das Gespräch. Tränen liefen ihm über die Wangen. Die Bande zwischen Melanie und ihrer Schwester waren so eng, doch er konnte seiner großen Tochter nicht sagen, was mit Sarah war.


    Jennifer Wienand lag wach im Bett. Sie war zwischendurch aufgestanden und hoffte endlich eine Information zu bekommen. Am liebsten wäre sie nach Hause, doch die Ärzte wollten sie 24 Stunden hier behalten, um Folgeschäden auszuschließen. Folgeschäden? Von was denn? Von diesem Narkosemittel, welches die Ärzte viele Jahre benutzten? Warum sollten jetzt Folgeschäden passieren? Was war mit Sarah? War sie schon gefunden? Lebte sie noch? Hatte Wolfgang wohl das Lösegeld bezahlt? Ihr Handy klingelte. Sie sah auf das Display. „Wolfgang! Habt ihr sie wieder? Wisst ihr wo sie ist?“ „Leider nein. Maria ist völlig am Ende. Sie könnte dich hier gebrauchen. Meinst du, du könntest kommen?“ Jennifer warf während des Gespräches die Decke zur Seite. „Ich komme. Ich werde mich selbst entlassen und werde in einer Stunde bei euch sein. Meine Schwester ist mir wichtiger als alles andere! Aber ich habe kein Geld für ein Taxi.“ „Das werde ich zahlen! Wichtig ist, dass du hier bist!“ „Ich komme, das verspreche ich dir!“ Das Gespräch war beendet. Sie wählte den Taxiruf an und bestellte sich einen Wagen zum Krankenhaus. Anschließend zog sie sich an und ging auf den Flur. Sie sah sich um. Keine Schwester oder Arzt war zu sehen. Sie nahm ihre Handtasche und verschwand. Sie stellte sich vor den Eingang und wartete auf ihren Wagen, der nur zwanzig Minuten später anhielt. Jennifer stieg ein und nannte dem Fahrer die Anschrift. Sie brauchte guten fünfzehn Minuten, bis sie endlich vor dem Haus ihrer Schwester stand. Als sie klingelte öffnete ihr ein fremder Mann. „Ich ähm…ich wollte zu Maria.“ „Kommissar Hofmeyster, kommen Sie rein!“ Der Mann gab ihr die Tür frei und Jennifer ging sofort ins Wohnzimmer, wo Wolfgang und Maria saßen. „Wolfgang, Maria, es tut mir so leid! Ich wollte ganz sicher nicht, dass Sarah etwas passiert.“ Maria reagierte nicht. Sie starrte einfach nur auf den Teppich, doch Wolfgang stand auf und zog Jennifer aus dem Wohnzimmer. „Sie hat ein starkes Beruhigungsmittel bekommen. Ich weiß, dass du nichts dafür kannst, aber du musst uns erzählen, was passiert ist. Der Entführer verlangt 3 Mio. Euro Lösegeld. Ich habe bereits angewiesen, das Geld zu beschaffen.“


    Jennifer nickte. „Ich war mit Sarah schon auf den Weg zu euch. Sarah war so unruhig und ich habe ihr ein Eis versprochen. Deshalb habe ich auf dem Parkplatz angehalten. Gott, wenn ich es nicht getan hätte, dann wäre sie hier und alles wäre gut.“ Jennifer fing an zu weinen. „Du kannst doch nichts dafür. Was ist dann passiert?“ „Ich habe Sarah losgeschnallt und dann wollte ich zum Kiosk gehen. Dann bekam ich etwas auf Mund und Nase gedrückt und bin zu Boden. Ich habe nur noch mitbekommen, wie Sarah aus meinen Armen gezerrt wurde, dann gingen die Lichter aus. Das nächste was ich wieder gesehen habe, war der Notarzt und die Polizei. Wolfgang, du musst mir glauben. Ich würde Sarah nie etwas antun. Ich liebe sie, das weißt du doch.“ Wolfgang nickte. „Ja, das weiß ich. Maria weiß es auch. Sie hatte nur Angst, dass du sie zurück haben willst und deshalb diese Entführung inszeniert hast.“ „Nein! Ich habe gesagt, dass wenn ihr Sarah bekommt, es für immer ist! Ich bin nicht in der Lage, mich um sie zu kümmern. Ich bin schuld, dass sie so krank ist! Wenn ich nicht so viele Drogen und so viel Alkohol gehabt hätte, als ich schwanger war, dann wäre sie nicht in dieser Verfassung. Aber sie ist meine Tochter. Ich habe Angst um sie. Ich will sie aufwachsen sehen.“ Wolfgang nahm sie in den Arm. „Ich weiß, Jenny. Wir lieben Sarah und sie wird leben, das verspreche ich dir. Sie ist ja auch meine Tochter.“ Jennifer lächelte bitter. „Weiß Maria dass du ihr Vater bist?“ „Ja, ich habe es ihr gesagt. Sie hat mir den Fehltritt verziehen und sie liebt Sarah über alles.“ Jennifer nickte. „Das ist gut. Ich hoffe nur, dass sie mir irgendwann verzeiht, dass ich dich verführt habe.“ „Das habe ich schon getan, Jenny.“ Jennys Kopf ruckte herum. Maria stand in der Küchentür. „Maria! Wie geht es dir?“ Sie umarmte ihre Schwester. „Ich bin soweit in Ordnung. Jenny, ich wollte dich nicht so am Telefon niedermachen. Ich habe nur Angst um Sarah. Sie ist doch schon so krank.“

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  • 19:00 Uhr

    Semir ging nur noch mit Unterhose bekleidet auf das Haus zu. Die Eingangstür wurde geöffnet und er sah in die Mündung eines Gewehres. Der Mann dahinter sah ihn nervös an. „Kommen Sie rein! Aber ich warne Sie, der nächste Schuss geht sicher nicht so glimpflich aus.“ „Herr Liebermann, hören Sie mich an, bitte. Ich kann Sie verstehen. Wenn meine Tochter so krank wäre, dann würde ich auch alles versuchen, sie zu retten. Aber das ist der falsche Weg. Ich habe die Medikamente für Lina dabei. Lassen Sie mich zu den Kindern, bitte.“ Semir sah den Mann regelrecht bettelnd an. „Okay, sie liegen im Nebenzimmer, aber ich werde Sie nicht aus den Augen lassen. Wenn Sie auch nur einen Trick versuchen, dann knalle ich Ihnen die Birne weg!“ Semir ging an den Mann vorbei und drehte ihm den Rücken zu. So wollte er ihm demonstrieren, dass er ihm vertraute, auch wenn er sich nicht wirklich wohl dabei fühlte. Semir betrat das Schlafzimmer und sah die Mädchen im Bett liegen. Lina sah ihn an. „Bist du ein Doktor?“ „Nein, aber ich habe deine Medizin hier.“ „Ich werde keine Medizin nehmen.“ Semir sah das Mädchen an. „Aber dann wird es dir schlechter gehen.“ „Ich weiß, aber ich will, dass Sarah ins Krankenhaus kommt. Erst dann werde ich die Tabletten nehmen.“ Semir drehte sich zu Max Liebermann an. „Sie haben es gehört.“ „Ja, aber das ändert meine Meinung nicht! Lina, du wirst jetzt die Tabletten nehmen! Sofort!“ „Nein, Papa. Ich will dass du Sarah gehen lässt und dann holst du Mama her! Wenn du das nicht tust, dann wirst du nicht nur Sarah umbringen, sondern auch mich.“ Lina zog Sarah an sich und Semir sah sofort, dass es dem kleinen Kind gar nicht gut ging. „Hören Sie auf Ihre Tochter. Sie hat doch Recht. Können Sie damit leben, wenn Sie Lina töten?“ Max fing an zu weinen. „Sie soll eine neue Niere bekommen, ich will doch nur, dass sie lebt. Sarahs Eltern können sich alles kaufen, aber der arme Sack hat mit dem Schicksal zu kämpfen. Das ist nicht fair!“ „Nein, das ist nicht fair. Aber sind Sie sicher, dass es so ist? Man hat Ihnen doch sicher erklärt, dass es nicht so einfach ist, eine Niere zu ersetzen. Es gibt Parameter, die stimmen müssen, denn sonst stirbt der Patient. Glauben Sie, dass Sie mit Lina glücklich werden, wenn Sarah stirbt? Was wenn die Niere, die für Sarah bestimmt ist, nicht auf Lina passt? Dann haben Sie Sarah getötet und ihre Tochter ist nicht gerettet.“


    Max sah den Polizisten an. „Es tut mir so leid! Was soll ich denn tun? Ich will doch nur, dass Lina lebt! Bitte, ich will sie nicht verlieren! Schatz, nimm deine Tabletten bitte… du brauchst sie!“ „Dann lass Sarah gehen. Lass sie gehen und dann wird alles wieder gut.“ Semir sah zu dem Mädchen, welches ihm derzeit viel erwachsener erschien, als der Vater. „Geben Sie auf. Ich denke, der Richter wird hier auch die Umstände berücksichtigen. Sie sind verzweifelt, aber es ist der falsche Weg. Ich werde Ihnen helfen, das verspreche ich Ihnen.“ Max schluchzte, doch er wusste, dass er sehr vorsichtig sein musste. Der Polizist könnte ihn täuschen. „Und dann werde ich ins Gefängnis gehen und Lina nicht aufwachsen sehen. Sie wird sterben, wenn sie keine Niere bekommt, verstehen Sie das? Und wenn Lina nicht leben darf, dann soll Sarah auch nicht leben.“ „Sie sind nicht Gott! Sie können nicht entscheiden, wer leben soll und wer nicht! Hören Sie, Max… noch ist nichts passiert. Für die Entführung bekommen Sie vielleicht zwei Jahre, vielleicht mildernde Umstände sogar nur eineinhalb. Das kann zur Bewährung ausgesetzt werden und Sie sehen wie Ihre Tochter aufwächst. Aber wenn Sie Sarah sterben lassen, dann ist es Mord und dann werden Sie 15 Jahre bekommen. Wollen Sie das wirklich?“ Max schüttelte den Kopf. „Ich habe Sie angeschossen…“ Semir lächelte leicht. „Ich bin gestolpert und leider in die Flugrichtung Ihrer Kugel geraten. Ein kleiner Betriebsunfall, wenn Sie wollen. Geben Sie auf.“ Max ging ins Wohnzimmer. Semir fühlte die Stirn von Sarah. „Sie ist ganz heiß. Sie braucht was zu trinken, aber sie wacht nicht auf. Ich habe Angst, dass sie stirbt.“ Lina sah ihn an. „Helfen Sie Sarah, bitte. Ich will nicht, dass sie stirbt.“ „Lina, ich will es auch nicht. Aber wenn dein Papa nicht hören will, dann kann ich nichts machen.“ „Okay, Sie dürfen gehen.“ Semir stand auf und nahm Sarah auf den Arm. „Ohne sie!“ „Max, bitte…lassen Sie das Kind mit mir gehen. Sie kann Ihnen doch nicht schaden. Lassen Sie es sein. Ich werde Ihnen helfen, das verspreche ich.“ Semir trug Sarah vorsichtig aus dem Zimmer. Er ging auch an Max vorbei und Lina folgte ihm. Dann stand Semir an der Tür und wollte sie öffnen. Ein Schuss fiel und Semir spürte wie die Kugel dicht an seinem Kopf vorbeiflog. „PAPA!! NEIN!!“ Langsam drehte Semir sich um. Lina stand nun zwischen ihm und Max. „Papa, hör auf! Lass uns zusammen rausgehen! Hör auf, bitte… ich liebe dich! Ich will nicht ohne dich leben.“ Lina fing an zu weinen und Max ließ die Waffe sinken. Semir ging auf ihn zu und streckte seine Hand in Max Richtung. Vorsichtig nahm ihm die Waffe ab. Max ließ es geschehen. „Es tut mir Leid! Ich wollte es nicht! Ich wollte nicht, dass es so kommt!“ „Ich weiß…lassen Sie uns gehen.“


    Alex Brandt starrte wie sein Namensvetter gebannt auf die Tür. Sie alle hatten den Schuss gehört. Dann öffnete sich die Tür. Die Scharfschützen hoben sofort ihre Waffen und zielten in die Richtung. „NICHT SCHIESSEN!“ hörten sie Semir rufen. Tatsächlich kam der Kollege, nun mit einem kleinen Kind auf dem Arm, aus dem Haus. Hinter Semir kam ein zweiter Mann mit einem weiteren Kind raus. Sofort nahmen die Sanitäter die Kinder und brachten sie zum Krankenwagen. Alex Brandt kam zu Semir und dem Täter. Er legte dem Mann, der keinen Widerstand leistete die Handschellen an und ließ ihn abführen. Doch bevor Max Liebermann weggebracht werden konnte, kam auch Gaby Liebermann zu ihm. „Max, ich liebe dich….ich werde auf dich warten und dann fangen wir zu dritt ein neues Leben an.“ Max nickte und ließ sich abführen. „Frau Liebermann, Ihre Tochter braucht sie. Sie wollte die Tabletten nicht nehmen, solange ihr Mann Sarah nicht gehen ließ.“ Gaby nickte und ging nun zum Krankenwagen. Dort lag Sarah auf der Liege und wurde vom Notarzt behandelt. Er sah sie nur kurz an. Ihre Tochter ist im zweiten Wagen!“ kam etwas grob von dem Mann. „Ich weiß…ich wollte sehen, wie es Sarah geht.“ „Wenn wir sie sofort ins Krankenhaus bringen, hat sie eine Chance. Es steht sehr schlecht um sie. Bitte steigen Sie aus! Wir fahren umgehend in die Uniklinik!“ Sofort ging Gaby raus und in den Wagen, wo Lina war. „Mama!!“ Das Mädchen umarmte ihre Mutter. „Lina, du bist ein sehr tapferes Mädchen. Der Polizist hat mir erzählt, dass du da drinnen gemacht hast. Aber deine Tabletten…du musst sie nehmen.“ „Nein, das muss sie nicht. Wir wissen ja nicht wie sie auf das fremde Präparat reagiert. Wir fahren direkt ins Krankenhaus und dort kann sie dann mit ihrem gewohnten Medikament behandelt werden. „Wo ist Papa? Muss er jetzt ins Gefängnis? Er wollte mir doch nur helfen.“ Gaby strich ihrer Tochter über die Wange. „Ich weiß, Schatz. Aber er muss für das, was er getan hat, die Verantwortung tragen. Aber wir werden es gemeinsam schaffen.“ Lina nickte.

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    Der Welt gehen die Genies aus,
    Einstein ist tot
    Beethoven wurde taub
    und ich fühle mich auch nicht gut. :D:D

  • 20:00 Uhr

    Semir und Alex fuhren zum Haus der Friedrichs. Als sie ins Wohnzimmer kamen sahen drei Personen gespannt zu ihnen. „Sarah ist auf dem Weg in die Uniklinik. Es geht ihr nicht besonders gut, aber sie lebt.“ Maria stand auf und sah Semir an. „Ist das wahr? Sie haben sie gefunden und gerettet? Sie lebt?“ Semir nickte. Maria weinte und fiel ihm regelrecht um den Hals. „Schon gut…es wird sicher alles wieder gut.“ „Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken kann. Egal was es ist, sagen Sie es mir, bitte!“ Semir lächelte leicht. „Es ist mein Job. Sie lebt, aber mehr weiß ich nicht über ihren Gesundheitszustand. Sie sollten möglichst schnell zu ihr fahren.“ Maria nickte und auch Wolfgang und Jennifer machten sich bereit. „Moment! In dem Zustand, in dem Sie jetzt sind, kann ich Sie nicht fahren lassen!“ Semir sah Hofmeyster an. „Dann fahren wir sie hin! Alex?“ „Klar! Ich fahre sie hin. Du bleibst hier und wartest auf mich!“ Semir nahm die Schlinge ab. „Ich werde auch fahren! Ein Streifschuss hält mich nicht davon ab!“ Alex schüttelte den Kopf. „Also gut…los geht es!“ Gemeinsam fuhren die Beiden mit den drei Angehörigen zur Uniklinik. Alex schaltete Blaulicht und Sirene an, damit die Eltern möglichst schnell zur Klinik kamen. „Haben Sie den Entführer gestellt?“ Semir sah Wolfgang Friedrich an. „Ja, wir haben ihn.“ „Wer ist es? Kenne ich ihn?“ „Tut mir leid, aber das können wir Ihnen nicht sagen. Wir müssen auch die Täter schützen.“ „Dieser Kerl hat meine Tochter fast umgebracht! Ich will ihn wenigstens einmal in die Augen sehen!“ „Herr Friedrich, Sie werden die Chance haben, wenn der Mann vor Gericht gestellt wird. Vorher werden Sie keine Daten von uns bekommen.“ Alex Handy klingelte. Er meldete sich. „Hallo Schatz…ja, ich liebe dich auch. Hast du Sehnsucht nach mir?“ Er sah Semir kurz an, der ihm sofort das Handy wegnahm. „Schatz, er muss fahren. Aber sobald er Feierabend hat, kommt er zu dir!“ Er beendete das Gespräch und grinste Alex an. „Handy am Steuer ohne Freisprechanlage? Und das als Polizist?“ Alex warf ihm einen kurzen Blick zu. „Das sagt gerade der Richtige! Aber ist in Ordnung. Den Feierabend haben wir uns verdient.“


    Während die Helden mit den Eltern und der Tante unterwegs waren, ging es in der Klinik hoch her. Die Ärzte kämpften um Sarahs Leben. Sie war an der Dialyse angeschlossen und ihr Blut wurde gewaschen. Gegen das Fieber bekam sie ein Antibiotikum und die Schwestern machten ihr einen kalten Wickel um die Beine. Sarahs Atem ging stoßweise und und jeder hier sah, dass es ernst war. „Gib ja nicht auf, Kleines! Du wirst noch gebraucht!“ Er sah zu der Schwester, die dem Mädchen gerade einen Tropf anlegte, damit der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden konnte. „Herr Doktor, die Eltern sind draußen!“ Dr. Wiegel nickte und sah die Schwester an. „Bleiben Sie bei der Kleinen! Ich werde die Eltern informieren.“ Er zog sich die Handschuhe aus und verließ das Krankenzimmer. Kaum auf dem Flur kam sofort eine Frau auf ihn zu. „Herr Doktor! Wie geht es Sarah?“ „Frau Friedrich…es geht ihr den Umständen entsprechend. Sie liegt jetzt an der Dialyse und danach können wir sie genauer untersuchen, aber so wie es aussieht hat sie keinen weiteren Schaden erlitten. Sie hat allerdings sehr hohes Fieber, was wir bereits bekämpfen. Sie wird heute auf jeden Fall auf der Intensivstation liegen bleiben. Möchten Sie zu ihr?“ Maria nickte. „Aber nur kurz. Sie braucht vor allem Ruhe. Es war schon schlimm genug“ „Darf ich auch zu ihr?“ Jennifer sah den Arzt an. „Tut mir leid, aber heute darf nur die Mutter rein.“ Jennifer nickte und senkte den Kopf. „Ja, ich verstehe.“ Sie wandte sich Wolfgang zu, der sie in den Arm nahm.


    Maria betrat mit einem mulmigen Gefühl das Zimmer in dem ihre Tochter lag. Sarah schlief und war extrem blass. „Oh mein kleiner Engel! Was hat er dir nur angetan?“ Sie ging an das Bett und griff die kleine Hand. „Sie ist ganz blass. Läuft die Dialyse schon?“ „ja, Frau Friedrich. Sie läuft. Sarah bekommt über den Tropf Flüssigkeit und etwas gegen das Fieber. Sie wird es schaffen.“ Maria sah die Krankenschwester an. „Danke…danke für alles, was sie für meinen kleinen Engel tun. Ohne Sie, wäre es sicher gar nicht möglich.“ Die Krankenschwester kam zu ihr und nahm sie kurz in den Arm. „Wenn die keine Maus aufwacht, dann ist es für mich Belohnung genug, denn dann habe ich meinen Job gut gemacht. Sie sollten jetzt auch mal ein wenig schlafen. Wenn Sie wollen, dann kann ich ein Bett in eines der Aufwachräume schieben lassen, damit sie nah bei Sarah sind und ich Sie sofort holen kann, wenn sie wach wird.“ „Das wäre sehr schön.“ „Kein Problem. Ich lasse es gleich herrichten.“ Die Schwester verschwand. Maria hielt immer noch Sarahs Hand und wollte gerade gehen, als sie ein ganz leises, zaghaftes „Mama…“ hörte. „Sarah? Schatz…Mama ist hier. Mama ist hier, sie lässt dich nicht mehr allein. Es wird alles wieder gut.“ Sie strich dem Kind sanft die Haare aus dem Gesicht. Doch die kleine Maus öffnete die Augen nicht. „Mama…“ „Sarah…Mama ist hier. Schau mich doch mal an. Mach die Augen auf…“ Eine Hand legte sich auf ihre Schulter und Maria zuckte zusammen. Der Arzt stand hinter ihr. „Frau Friedrich. Sarah muss jetzt schlafen. Sie wird sicher morgen besser ausschauen. Warum fahren Sie nicht nach Hause?“ „Die Schwester sagte mir, dass sie ein Bett ins Nebenzimmer stellt. Ich könnte hier schlafen…sagte sie.“ „Ach so…na dann sollten Sie sich auch hinlegen. Sie sehen sehr blass aus.“ Maria nickte. Sie gab Sarah noch einen Kuss auf die Stirn und verließ dann den Raum.

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  • 21:00 Uhr


    Jennifer und Wolfgang sahen Maria an, als sie aus dem Raum kam. „Wie geht es ihr?“ „Sie hat hohes Fieber, aber der Arzt sagt, sie wird wieder. Ich möchte gern hier bleiben. Die stellen mir ein Bett zur Verfügung. Ich will sie nicht allein lassen.“ Wolfgang lächelte leicht. „Klar, aber du rufst mich an, wenn etwas ist, ja?“ Maria nickte. „Und du versprichst mir, Jennifer in Ruhe zu lassen und umgekehrt genauso!“ Maria sah ihre Schwester und ihren Mann an. „Glaub mir, das würde ich nie wieder tun. Ich habe aus dieser Sache damals gelernt.“ Jenny umarmte ihre Schwester. „Sag Sarah, dass ich sie liebe.“ „Das mache ich, wenn sie wach ist. Sie braucht jetzt ganz viel Ruhe.“ Während Wolfgang und Jennifer das Krankenhaus verließen, ging Maria in das eigens für sie hergerichtete Zimmer. „Kann man Sarah nicht zu mir bringen? Ich kann dann direkt reagieren, wenn etwas ist. Herr Doktor, kann das Fieber, was sie jetzt hat, hinderlich für die Operation am Montag sein?“ „Wir müssen die OP verschieben, bis das Fieber runter ist. Sarahs Körper ist schon sehr geschwächt und das Fieber fordert alle Kraft von ihr. Anders ausgedrückt. Ja, wir müssen die Operation verschieben, bis das Fieber fort ist. Und auf Ihre erste Frage, ob man Sarah zu Ihnen bringen kann. Nein, das geht nicht. Sie ist dort in ihrem Zimmer gut aufgehoben und Sie können jederzeit zu ihr. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, aber wir müssen jetzt jede Möglichkeit, dass Sarah sich infizieren kann, verhindern. Sie hat schon genug mitgemacht. Vertrauen Sie uns, Frau Friedrich. Wir tun alles, was in unserer Macht steht.“ Maria nickte und setzte sich auf ihr Bett. Der Arzt verschwand wieder und Maria atmete tief durch. Die Schwester brachte ihr noch einen Fernseher rein, damit sie sich ablenken konnte. „Alles in Ordnung?“ Die Schwester sah sie prüfend an. Maria nickte und lächelte leicht. „Das erste Mal, seit das passiert ist, spüre ich wieder Hunger. Meinen Sie, es ist möglich, das ich etwas zu essen bekomme?“ „Ich werde mich darum kümmern.“


    Auch Gaby war mit Lina ins Krankenhaus gefahren, wo das Mädchen direkt an die Dialyse angeschlossen wurde. „Die Werte sind zwar bedenklich, aber nicht lebensbedrohlich. Sie wird sicher schnell wieder fit sein.“ Gaby nickte. „Sie hat eine Menge durchgemacht, aber sie ist sehr stark.“ „Ja, dennoch. Es reicht ihr auch für heute. Sie wird gleich erst einmal schlafen.“ Der Arzt sah sie streng an. „Danke Doc. Ich hoffe immer noch, dass es gut wird. Das alles gut wird. Sarah wird ihre neue Niere bekommen und für Lina bleibt die Hoffnung, dass es auch irgendwann soweit sein wird.“ „Nun Frau Liebermann, da kann ich Sie schon mal beruhigen. Wir haben heute ein Unfallopfer hereinbekommen. Der kleine Junge ist von seinen Eltern zur Organspende freigegeben worden. Die Niere passt auf Lina. Wir können also in drei Tagen die Operation durchführen.“ Gaby schluckte. „Wirklich? Ist das wirklich wahr? Was ist mit dem Jungen passiert? Ich meine, wie….wie ist er gestorben?“ „Er wurde von seiner alkoholkranken Mutter zu Tode geprügelt. Als wir sie fragen, ob wir seine Organe entnehmen dürfen, meinte sie lediglich, wenn sie dafür ein paar Flaschen Wodka bekäme, könnten wir ihn ausschlachten.“ Gaby sah ihn bestürzt an. „Wie kann man sein eigenes Kind zu Tode prügeln? Was sind das für Eltern?“ „Nun, die einen würden alles für ihre Kinder tun und andere tun alles um ihnen zu schaden. Die Frau wird sich für das, was sie getan hat, sicher zur Rechenschaft gezogen werden.“ Gaby nickte. „Die Gerechtigkeit wird in Form von Entziehungskur und Gefängnis vollzogen werden, denke ich mal. Wie alt war der Junge?“ Der Arzt sah in die Akte. „Der Kleine war gerade sechs Jahre alt. Wir sollten jetzt aber an Lina denken. Sie wird bis Montag hier bleiben und von uns auf die Operation vorbereitet.“ Gaby sah ihn an. „Am Montag?“ „Ja, wir werden die Niere am Montag hier haben und dann können wir operieren. Davor wird Lina von uns vorbereitet werden.“ „Danke Doktor…das ist eine sehr gute Nachricht.“


    Nachdem Semir und Alex die Familie vor den Krankenhaus abgesetzt hatten, ließen sie den Fall Revue passieren. „Was ist das für ein Schicksal? Da gibt es zwei Kinder, die neue Nieren brauchen, es gibt aber nur eine und der eine Vater denkt, dass sich der andere Vater, weil er mehr Geld hat, sich die Gesundheit der Kinder erkaufen kann. Ich meine, ich kann Max Liebermann ja verstehen, dass man wirklich alles versucht, aber dieser Weg war eindeutig falsch.“ Alex nickte nachdenklich. „Ja, weißt du wie viele Kinder eine neue Niere brauchen? Oder ein neues Herz? Oder eine Lunge? Die Organspenden werden immer weniger und das ist sehr traurig. Was ist mit der Nächstenliebe? Ich meine, jeder Mensch weiß, dass man auch mit einer Niere leben kann. Da könnten doch die einen für den Anderen spenden…“ Semir sah ihn an. „Würdest du eine deiner Nieren hergeben? Wenn ja, was wenn deine eine Niere versagt? Das werden sich viele Menschen fragen. Denn dann brauchen sie einen Spender und dann fängt das Ganze von vorn an. Das sollte man auch bedenken. Die Spender haben einfach Angst, aber vielleicht ist die Forschung ja irgendwann soweit, dass man Ersatzteile herstellen kann. Ich meine, ich hab gelesen, dass die schon viele Dinge klonen können. Zumindest in Amerika. Da sind die nicht so vorsichtig wie bei uns. Genmanipulation, Klonen und andere Dinge, die die Amerikaner schon in die Welt gesetzt haben, wären sehr sinnvoll. Aber gut. Ich hoffe nur, dass beide Kinder leben dürfen.“ Alex nickte erneut. „Na, wir haben unseren Feierabend sicher verdient. Hast du Hunger?“ Semir grinste. „Oh ja…ich habe einen Bärenhunger.“ „Currywurst und Pommes?“ Alex sah ihn kurz an. „Ja, sehr gern.“


    Wie ging es weiter:


    Sarah konnte genau wie geplant am Montag operiert werden und erholte sich immer mehr. Auch Linas Operation war erfolgreich. Max wurde wegen Entführung, Erpressung unter Einbeziehung eines psychologischen Gutachtens zu dreieinhalb Jahren verurteilt. Er musste ins Gefängnis und wurde dort von Gaby regelmäßig untersucht. Sie hielt zu ihm und besuchte ihn mit Lina regelmäßig.


    Ende

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