Der nächste Tag brach an und Jaqueline versuchte ihr Leben zu finden. Hier in diesem Haus war es. Das was sie ausmachte, was sie war. Doch wieso erinnerte sie sich nicht? Rolf zeigte ihr Fotos und sie erkannte sich natürlich auf den Bildern. Trotzdem war ihr alles fremd. Alles wirkte irgendwie gestellt. War sie tatsächlich mit diesem Mann verheiratet? Gehörte ihr wirklich diese Firma? „Habe ich noch Eltern?“ wollte sie plötzlich wissen. „Ja… deine Mutter aber die ist sehr krank. Sie hat Alzheimer und erkennt niemanden mehr. Du hast einen Bruder Rudolf. Dein Vater starb vor zwei Jahren und hat dir die Firma überlassen.“ erzählte er ihr Leben. Jaqueline nickte. „Dann bin ich allein?“ fragte sie ängstlich. Rolf lachte leise. „Aber nein… ich bin doch hier. Ich werde dir helfen. Du musst nur Geduld haben. Die Erinnerung kommt sicher bald wieder. Du wirst sehen… und dann ist alles wie früher…“ sagte er leise und versuchte sie zu küssen. Sie ließ es geschehen. Denn die Zärtlichkeit von diesem Mann war genau das, was sie im Augenblick brauchte. Geborgenheit war etwas sehr wunderbares und sie genoss es. Kein Argwohn gegenüber dem Mann, der sie in den Armen hielt. Sie schien zu spüren dass dort eine große innige Liebe zu diesem Unbekannten lag.
Einige Tage später erhielt Semir einen seltsamen Anruf. Er war morgens allein im Büro, weil Ben sich verspätete. Für Semir war es schon üblich, dass Jäger meist natürlich wegen dem Verkehr den Weg ins Büro nicht rechtzeitig schaffte. Und bei jeder Erklärung musste Semir grinsen. Diese hatte er ja schon sehr oft gehört. „Gerkhan!“ meldete er sich als das Telefon klingelte. „Hallo... hier ist Jaqueline Wienert. Herr Gerkhan, ich kann mich an etwas erinnern, aber ich kann nicht hier am Telefon darüber sprechen.“ hörte er leise. „Frau Wienert? Warum sprechen Sie so leise?“ wollte Semir wissen. „Ich kann nicht lauter sprechen. Nur so viel. Ich glaube mein Mann will mich umbringen... Sie müssen mir helfen.“ bat die Frau. Semir hörte deutlich, dass sie große Angst hatte. „Frau Wienert ich komme umgehend zu Ihnen. Wo sind Sie?“ fragte Semir sofort. „Ich bin im Schlafzimmer. Ich hab mich eingesperrt. Bitte beeilen Sie sich. Rolf ist gerade weg gefahren, aber er braucht sicher nicht lange.“ hörte er weiter von Jaqueline. „Bin schon unterwegs.“ Semir warf den Hörer auf die Gabel, schnappte sich seine Jacke und rannte raus. Er rief Susanne kurz zu wo er hin wollte und schon war er weg. Susanne sah ihn kopfschüttelnd hinterher. Auf dem Parkplatz stieß er mit Ben zusammen. „Hey... wo willst du denn hin?“ fragte dieser erstaunt. „Komm! Erklär ich dir unterwegs!“ rief Semir und zog Ben direkt am Ärmel zum Wagen.