Andrea verabschiedete sich von Agnes. „Vielen Dank für den Kaffee. Wissen Sie wo Corinna in den Staaten untergekommen ist?“, wollte sie noch wissen. „Nein... aber sie hat mir etwas ausgerichtet. Sie würde sich auf jeden Fall bei mir melden um zu sagen, wie die Operation verlaufen ist. Morgen ist der große Tag für die Kleine und ich bete zu Gott, dass es der kleinen Celine wirklich hilft. Das Kind hat in ihrem kurzen Leben schon soviel mitgemacht, da wird es Zeit, dass der Herr Gott endlich mal Gnade walten ließ. Ob sie nun lebt oder ob sie stirbt, liegt in seinen Händen.“ Agnes faltete die Hände und sah gen Decke. Andrea nickte. „Sie haben Recht... es ist nicht mehr in unserer Hand. Oh.... ich bete so sehr, das Celine es schafft. Sie hat so viel gekämpft und bisher gewonnen, aber man sieht ihr an, dass die Krankheit an ihr zerrt.“, nickte Andrea und verabschiedete sich erneut. Sie setzte Aida in den Kinderwagen, denn sie hatte es ja nicht weit und das Wetter war einfach zu schön um mit dem Auto zu fahren. Agnes beugte sich zu Aida hinunter und streichelte ihren Kopf. „Du bist ja eine richtig süße Maus....“, lächelte sie. Andrea und Aida gingen los . Aida hob ihr kleines Händchen und winkte ihr zu, wie die Kinder es in ihrem Alter taten, indem sie die Faust auf und zu machte. Agnes lächelte ihr hinterher und tat es ihr gleich.
Semir kauerte in seinem Sack und hatte sich ein kleines Guckloch gebohrt, um wenigstens etwas Luft zu kriegen und dementsprechend sehen zu können. „Hier, hier hinter muss er sein.“, hörte er eine Stimme. Sofort fiel er in eine Starre und rührte sich nicht mehr. Nur gut, dass der Sack und er etwas hinter einer Eisentonne stand. Es roch zwar streng, aber er hoffte so nicht entdeckt zu werden. Er hielt den Atem an, als die Schritte immer näher kamen. „Chef, hier ist er nicht.“, hörte er die Stimme von einem der Männer. „Aber er muss dort sein. Die Wärmekameras lügen nicht.“, scharrte es aus dem Funk. Das war es also, so wurde er entdeckt. Verdammt, gleich haben die mich, stieg es Semir in den Kopf. Diese Art von Technik konnte man kaum überlisten. „Wo soll er denn genau sein?“ „Ihr steht nur einige Meter von ihm entfernt.“, kam es aus dem Funk als Antwort. Die Schritte bewegten sich wieder auf ihn zu. Sein Herz pochte so laut, dass Semir dachte, es könne ihn verraten. Er hoffte inständig, dass jetzt ein Wunder passieren würde. „Hey, könnt ich mal kurz da ran.“, hörte er plötzlich Bens Stimme. „Felix? Was willst du denn hier?“, fauchte der Kerl. „Ich muss den Sack noch nach vorne bringen. Der Laster ist da.“, erklärte Ben kurz und knapp. „Gut, dann mach hinne.“, zischte die Gestalt nur. Vorsichtig packte Ben den im Sack befindlichen Semir so, dass dieser keinen Pieps von sich gab und hievte ihn nach vorne. „Eigenartiger Kerl.“, murmelte der Mann und riss dann mit einem Male den Deckel der Eisentonne hoch. Nichts. Dann drehte er sich um und sah das Loch im Zaun. „Laurence, hier ist ein Loch im Zaun. Da könnte er durchgekommen sein.“ „Ich komme zu euch. Sucht inzwischen draußen weiter. Vielleicht ist er ja wirklich schon durch den Zaun abgehauen.“, befahl Laurence seinen Leuten.
„Danke Partner, das war Rettung in letzter Sekunde.“, flüsterte Semir durch die Maschen des Sackes. „Kein Ding, aber du solltest machen, dass du hier wegkommst, bevor die auch noch dein Auto finden.“, zischte Ben und warf Semir auf die Ladefläche des LKWs. „Pass auf, wenn der Wagen weit genug vom Sägewerk entfernt ist, lass dich einfach von der Ladefläche rollen. Der Boden ist hier noch ziemlich weich.“, empfahl Ben und klopfte kurz gegen die Ladefläche. Ruckelnd fuhr das Gefährt mit den Säcken an und damit Semir in die Freiheit. „Felix.“, hörte Ben sofort die Stimme von Mattes hinter sich. „Was ist?“, stieß dieser nur aus. „Hier, mach dich nützlich. Da hinten ist ein Loch im Zaun. Laurence will es geflickt haben und dann sollst du zum Chef kommen, wenn du damit fertig bist.“, befahl der Österreicher und reichte dem jungen Mann eine Kneifzange und einige Meter Maschendraht. Murrend machte sich Ben an die Arbeit und verfluchte sich jetzt schon, dass er sich so schnell auf die Sache eingelassen hatte.