Beiträge von Elvira

    Anna fuhr selbst zur Unfallstelle. Sie wurde umgehend zu dem Einsatzleiter gebracht der ihr berichtete was passiert war und wie die Arbeiten voran gingen. “Wir brauchen mindestens noch vier Stunden bis wir bei den Verschütteten sind. Wir müssen die Wände abstützen und außerdem fängt es an zu regnen. Meine Leute werden nass und ....” versuchte der Mann die Situation zu erklären. Anna kniff die Augen zusammen. “Mir ist es so ziemlich egal, ob Ihre Männer nass werden. Die Bergung der Verschütteten hat Priorität. Wo ist mein Kollege?” fragte sie und sah sich suchend nach Jan um. Auch der Einsatzleiter tat es. “Ich weiß nicht...vor zwei Stunden hab ich ihn noch gesehen. Aber ich kann nicht Babysitter spielen.” Maulte der Mann und wandte sich wieder den Bergungsteam zu. Der LKW war mittlerweile aus dem Loch geholt worden. Doch dabei sind einige weitere Brocken in das Loch gefallen. Nur langsam kamen die Arbeiten voran. “JAN!!” rief Anna laut und sah sich suchend um. Ihr Kollege war nirgends zu sehen. Sie rief ihn über Handy an. “Ja Chefin...ich bin unten im U-Bahnschacht und versuche von hier aus an Semir heran zu kommen. Ich könnte hier allerdings Hilfe gebrauchen...” erklärte Jan. “Jan! Das machen die Rettungskräfte. Versuchen Sie Semir psychologisch zu unterstützen. Haben Sie ihn angerufen?” wollte Anna wissen. “Ja....nein... er hatte mich angerufen. Aber jetzt meldet er sich nicht. Dafür ist Georg Paschner bei ihm. Er sagte mir, das Semir das Bewusstsein verloren hat. Vermutlich hat Semir ziemlich starke Schmerzen und er blutet aus der Wunde. Das Bein so hatte Semir mir erklärt ist unter einem großen Brocken begraben. Paschner hatte bereits versucht, den Stein anzuheben, aber scheinbar ist auch der Fuß eingeklemmt und das macht es schwierig. Ich habe ein Loch gegraben und kann wenigstens etwas Licht in dieses Loch bringen. Paschner weigert sich allerdings raus zu kommen.” Endete Jan. Anna nickte. “Ist doch klar, er weiß genau, dass er dann verhaftet wird. Wissen Sie wie es zum Einsturz kam?” harkte sie nach. “Chefin ich melde mich gleich bei Ihnen...ich will versuchen Paschner aus dem Loch zu bekommen....und dann will ich ...” kam von Jan. Ein leises Knacken zeigte an, dass er das Gespräch beendet hatte.

    Georg ließ sich neben Semir nieder. “Hey... komm schon Junge... gib bloß nicht auf...” mahnte er. Ein leises Stöhnen war die Antwort. “Hey... wie geht’s?” fragte Georg besorgt. An der Stimme war zu erkennen, dass er sich wirklich Sorgen machte. “Ich ...habe Schmerzen...” stieß Semir aus. “Ich weiß. Dein Kumpel ist auch da. Nicht weit von dir... aber er kommt nicht durch das Loch. Hat wohl Angst vor mir....” lachte Georg. “Ist das ...Loch groß...?” wollte Semir wissen. “Ja...ich würde durchpassen.” nickte Georg. “Dann geh....warum sind Sie noch hier?” harkte Semir weiter. “Weil ich dir gesagt habe, dass ich dich nicht allein lasse. Ich stehe zu meinem Wort.” kam trotzig von Georg. “Das...ist ....der falsche Moment...um Stolz zu zeigen...” stieß Semir mühsam aus. “Das ist meine Sache..” gab Georg nur zurück. Er spielte die ganze Zeit mit den Handschellen. Die Schlüssel waren nicht mehr da. Irgendwo im Dreck lagen sie. “Paschner!! Hören Sie mir zu! Ich will das Sie raus kommen. Sie können nicht entkommen!” hörte er eine Frau sagen. Semir ließ seine Zähne blitzen. “Du solltest tun, was sie sagt... sie ist meine Chefin....” stieß er aus. “Mir egal...ich bleibe hier!” grunzte Georg. “Sie werden dich holen...” meinte Semir leise. “Mir egal...ich bleibe hier...” wiederholte Georg. “Paschner! Sie können nicht weg...” kam erneut von der Frau. “Hören Sie mir genau zu...ich sagte zu Semir, dass ich ihn nicht allein lasse und gemeinsam mit ihm das Loch verlasse. Ich stehe zu meinem Wort!” gab Georg wütend von sich. “Also gut... wenn Sie bei ihm sein wollen, dann geben Sie ihm wenigstens Wasser. Kommen Sie an das Loch und nehmen Sie die Flasche an. Semir braucht Wasser...” hörte er den Mann sagen, den er als den Kollegen erkannte. “Klar doch... ich bin gleich da...” meinte Georg. Er öffnete die Handschellen und ließ eine um sein Gelenk schnappen. Die Andere bekam Semir angelegt. “Was soll das...?” fragte dieser leise. “Ich kenne die Tricks deines Vereins. So müssen sie uns gemeinsam holen. Ich habe gesagt, dass ich dich nicht allein lasse.” grinste Georg nur. Semir nickte. “Du bist ein verrückter Hund...” erwiderte er

    Der nächste Morgen brach an. Semir sah auf die Uhr und schüttelte den Kopf. Das Ben nicht pünktlich war, war nichts Neues, aber dass er sich um fast drei Stunden verspätete war nicht okay. Dennoch wollte er nichts tun… noch nicht. Semir schrieb seinen letzten Bericht und sah erneut auf die Uhr. Es war halb 12. „So nun reicht es aber...du verdammte Schlafmütze...“ grinste er und griff zum Telefon. Doch Ben meldete sich nicht .Weder am Handy noch am Festnetz. Nun wurde Semir doch etwas nervös. Normalerweise würde er jetzt zu seiner Wohnung fahren und nach dem Rechten sehen. Doch was wenn Ben ausgerechnet dann hier auftauchte und sich wohl möglich noch über seine Besorgnis lustig machen...? Er entschied sich noch etwas zu warten. Nur wenig später klingelte sein Telefon. „Gerkhan..“ meldete er sich. „Polizeioberkommissar Roland Weyer... Herr Gerkhan, wir haben einen tödlichen Unfall zu bearbeiten, der sich vor einer guten Stunde in der Kölner Innenstadt zugetragen hatte..“ erklärte der Anrufer. „Ja und? Was hat die Autobahnpolizei damit zu tun?“ wollte Semir wissen und spielte mit seinem Kugelschreiber. „Nun ja... der Wagen, der in diesem Unfall beteiligt ist, ist ein silberfarbener Mercedes mit dem amtlichen Kennzeichen D-BD 2408 und das ist ein Wagen der Autobahnpolizei...“ gab der Anrufer bekannt. Semir erstarrte in seinen Bewegungen. Er sagte nichts. „hallo? Sind Sie noch dran?“ wollte Weyer wissen. „Ja...ja... wo genau ist der Unfall passiert?“ harkte Semir heiser nach. Er spürte einen dicken Kloß im Hals. „Wir sind hier auf der Inneren Kanalstraße Stadtauswärts....an der Zufahrt zur A57. Aber die Unfallstelle ist bereits geräumt.... Sie werden also nichts mehr vorfinden..“ kam von Weyer. „Was...was ist mit dem Fahrer?“ fragte Semir und hatte Angst vor der Antwort. „Wie ich schon sagte...es war ein tödlicher Unfall. Der Wagen ist ausgebrannt und...es tut mir Leid... aber der Fahrer hatte keine Chance...“ kam die leise Antwort. „Danke... wo...kann ich...den Wagen besichtigen?“ war die nächste Frage von Semir. „Wir haben ihn in die KTU gebracht. Ein guter Bekannter von mir arbeitet dort...Wenden Sie sich an Hartmut Freund..“ bat Weyer. Semir legte auf. Sofort schnappte er sich seine Jacke und raste zu Hartmut.

    Hartmut Freund stand vor den Wagen, der einst Ben Jäger gehörte. Ihm liefen die Tränen über das Gesicht. Wie konnte das nur passieren? Wie konnte Ben Jäger die Kontrolle auf gerader Strecke über den Wagen verlieren? Was war passiert? „Hartmut!“ riss Semirs Stimme ihn aus seiner Trance. „Semir...ich...ich...“ fing Hartmut an. „Schon gut... ich habe es eben gehört...“ kam von Semir. Er legte seine Hand auf Hartmuts Schulter und ging dann zu dem Wagen. Die Scheiben waren alle durch den Rauch und dem Feuer dunkel. Es gab keinen Anschein, dass der Wagen einen Unfall hatte, keine Beule nichts. Semir holte tief Luft und räusperte sich. Er versuchte seine Stimme fest klingen zu lassen, es misslang ihm völlig. „Weißt du was passiert ist?“ fragte Semir leise. „Nein... der Wagen stand im Graben, aber ich fange gerade an...ich meine... ich wollte gerade anfangen...mit der Untersuchung...“ erklärte Hartmut traurig. „Hartmut! Ich weiß dass es kein gewöhnlicher Unfall war. Der Wagen wurde nicht gerammt...keine Beule... finde mir irgendwas...bitte...irgendwas, das darauf schließen lässt, dass der Tote nicht Ben war...bitte...“ flehte Semir regelrecht. Hartmut sah ihn erstaunt an. „Semir... wie soll ich das tun? Ich kann nicht zaubern… wenn ich es könnte, dann…dann würde ich ….ich weiß...du willst es aber...“ fing Hartmut an. „Tu es einfach!! Ich fahre zur Gerichtsmedizin!“ legte Semir fest und verschwand. Als er in seinem Wagen saß, lehnte er seinen Kopf auf das Lenkrad und weinte leise. Nicht schon wieder...dachte er. Ich will nicht noch einen neuen Partner haben... nie wieder... schwor er sich. Als er sich beruhigt hatte fuhr er los.

    Semir versuchte sich zu bewegen. Doch sein Bein schmerzte extrem. “Sie müssen mich losmachen. Erst dann kann ich Ihnen helfen. Ich lasse Sie hier sicher nicht liegen. Bisher habe ich keinen Verletzten die Hilfe verweigert. Ich habe Ihnen das Leben auf dem Dach gerettet, ich habe Sie mit einer Wasserpistole bedroht…. Sie war nicht echt. Haben Sie das nicht erkannt?” fragte Georg. Semir musste einsehen, dass er Recht hatte. “Sie versprechen mir, dass Sie nicht fliehen?” wollte Semir wissen und dann musste er niesen. Der Staub juckte in der Nase. Doch mit diesem Niesen kam auch der Schmerz wieder. Er musste Georg vertrauen. Mühsam holte er den Schlüssel aus der Tasche und hielt ihn fest. Georg war endlich bei ihm. Zum Glück war nachdem sich der Staub nun gelegt hatte nicht mehr stockfinster. Er sah das helle in den Augen des Alten. “Drehten Sie sich um…” befahl er leise. Georg tat es. Semir versuchte die Fesseln zu öffnen. Dabei drehte er sich, welches sofort einen stechenden Schmerz in seinem Bein hervorrief. Er schrie leise auf. “Okay… ich bin frei. Den Rest schaffen wir gemeinsam…” versprach Georg und löste die zweite Schelle allein. Die Handfessel fielen in den Staub. Georg tastete sich zu Semirs Bein vor. “Oh… das sieht nicht gut aus…” meinte er nur. “Was denn?” wollte Semir wissen. “Da liegt ein ziemlich großer Stein drauf. Ich versuche ihn weg zu ziehen und Sie dann das Bein ... okay?” wollte er wissen. “Ja sicher...” stöhnte Semir. Georg hob den Brocken an. Semir spürte wie der Stein angehoben wurde. Doch damit kam auch der Schmerz “Ahhhhhhhhhhhhhhhhhh...........” schrie er laut. “Verdammt....es geht nicht. Dein Fuß ist ziemlich eingeklemmt. Wenn ich den Stein bewege, dann ...” erklärte Georg und ließ den Stein langsam runter. Semir spürte die Tränen des Schmerzes übers Gesicht laufen. “Lass....ich kann nicht mehr....verdammt....Georg...mein Handy... vielleicht funktioniert es noch...in der Tasche...” stieß Semir stöhnend aus. Georg verstand. Semir spürte seine Hände und wie das Handy herausgezogen wurde. Tatsächlich funktionierte es. “Es geht!!” stieß Georg freudig aus. “gib es mir... ich rufe Jan an..” bat Semir. Georg gab es hin. Semir wählte Jan an. “Semir!! Gott sei dank.... bist du in Ordnung?” hörte er seinen Kollegen fragen. “Nicht ganz...ich bin eingeklemmt. Mein Bein....ich denke es ist gebrochen. Holt uns hier raus. Georg ist unverletzt, so scheint es jedenfalls...” gab Semir durch. “Das ist nicht so einfach.... wir müssen die gesamte Straße sperren. Ein LKW hängt mit seinem Führerhaus direkt in dem Loch. Kannst du mir sagen wie es bei dir aussieht?” hörte er Jan fragen. “Ich liege etwa dreißig Meter von dem Tunneleingang entfernt. Kein Licht. Ich sehe hier kaum etwas. Die Luft ist zum schneiden dick und mein Bein ist wie gesagt unter einem ziemlich großen Stein eingeklemmt. Georg hat versucht ihn anzuheben, aber damit quetscht er nur meinen Fuß.” erklärte Semir weiter.

    Jan sah den Einsatzleiter der Feuerwehr an. Dieser hatte natürlich mitgehört. “Okay... wir haben den LKW gleich weg und dann fangen wir an die Brocken zu entfernen. Es wird allerdings noch einige Stunden dauern...” gab er zu verstehen. Jan nickte. Er gab es an Semir weiter. “Ist Paschner auch verletzt?” wollte Jan wissen. “Nein...oder nur leicht, ich weiß es nicht. Mein Bein scheint zu bluten, es läuft etwas warmes aus der Wunde....” kam von Semir. “Okay.... wir holen dich raus, halt nur durch....” versuchte Jan auf Semir einzureden. Jan sah den Einsatzleiter an. “Was meinen Sie wie lange es dauert?” wollte er wissen. “Vielleicht ein oder zwei Stunden, vielleicht mehr. Wenn sich das Wetter nun so verändert, das es regnet, dann wird es kritisch. Und genau danach sieht es aus. Der Kran, der den LKW rausziehen soll braucht etwas länger als gedacht. Wir müssen aufpassen, dass kein Gestein nachrutscht und vor allem das der LKW nicht weiter hineinrutscht. Wie geht es Ihrem Kollegen und dem Anderen?” kam die Gegenfrage. “Mein Kollege ist wie Sie gehört haben eingequetscht. Dem Anderen scheint es sehr gut zu gehen. Ich muss meine Chefin anrufen...” murmelte Jan und rief bei Anna an. Diese reagierte entsetzt, als sie hörte, das Semir verschüttet ist. “Ich werde dafür sorgen, das die Rettungsarbeiten voran getrieben werden. Wie geht es Semir?” wollte auch sie wissen. Jan erklärte es und versuchte dabei sachlich zu bleiben. Er war froh, das Anna nicht die näheren Umstände wissen wollte. Sie versprach sich darum zu kümmern und beendete das Gespräch. Er sah in das Loch wo sein Kollege mehrere Meter tiefer verschüttet war. Die Steinbrocken waren ziemlich groß und er konnte sich vorstellen, wie es da unten aussehen musste. Doch er wollte Semir nicht allein lassen. Vielleicht konnte er von der anderen Seite des Tunnels etwas ausrichten. Man musste doch alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. Verstohlen sah Jan sich um. Niemand schien auf ihn zu achten. Er ging in den U-Bahnschacht zurück.

    Hartmut nahm sich die Harley vor und hatte schon nach knapp einer Stunde dermaßen viel gefunden, dass er Ben umgehend benachrichtigte, der auf dem Hof wartete. „Also wie ich schon sagte ist der Bremsschlauch angeschnitten, die Gangschaltung ist locker und eigentlich ist die Maschine Schrott... also schon vor dem Unfall. Dein Freund hat wirklich Glück gehabt. Wenn der mit der Geschwindigkeit einen LKW geküsst hätte oder sonst was, wäre nicht einmal was übrig geblieben, wofür sich ein Sarg hätte lohnen können.“ endete Hartmut seinen Vortrag. Ben sah ihn nur an. „Hartmut… das ist ganz sicher? Ich meine es kann sich nicht gelöst haben oder?“ wollte er sich vergewissern. „Nein… ganz sicher nicht.“ bestätigte der Techniker. „Danke…Semir komm wir fahren zur Wache. Susanne hat jetzt sicher schon etwas herausgefunden…“ drängte der junge Hauptkommissar. Semir rollte die Augen. Er mochte es gar nicht selbst gehetzt zu werden. Auch wenn er es selbst manchmal tat. Es war etwas Anders, wenn er es mit den Anderen machte. Sie waren gegen Drei am Nachmittag im Büro. „Hab dir alles auf den PC gespielt…“ verkündete Susanne als die Beiden vor ihr standen. „Etwas Besonderes aufgefallen?“ fragte Ben sofort nach. „Nein… eigentlich nichts Besonderes. Er hat ne saubere Weste..“ erklärte sie. Ben nickte. „Danke Susanne….“ gab er von sich und ging zu seinem PC. Nachdem er sein Passwort eingetippt hatte bekam er auch schon die Daten. Semir sah ihn über die Schulter. „hmmm er ist schon ein ziemlich unbeschriebenes Blatt… was…?“ fragte er. Ben nickte. „ja… verdammt aber es muss etwas geben. Warum sollte man ihn denn umbringen…?“ kam die Gegenfrage. Semir lächelte. „Das werden wir schon noch herausfinden. Ben nickte nur. „Ich fahre ins Krankenhaus. Bis morgen….“ sagte er, schnappte seine Jacke und verschwand. Semir sah ihm nach.

    Ben betrat mit gemischten Gefühlen das Krankenzimmer. „Hey….“ sagte er leise zu seinem Freund Robert Esslinger, der im Bett lag. „Ben….schön das du gekommen bist..“ kam schwach vom Bett. Robert trug einen Gips am rechten Bein und einen an der linken Hand. „sieht irgendwie unbequem aus…“ murmelte Ben und ließ sich neben dem Bett auf einen Stuhl nieder. „Wie geht es dir sonst?“ wollte er wissen. „Danke… es wird wieder… weißt du was ich nicht verstehe? Die Maschine mit der ich verunglückt war, die war völlig in Ordnung gewesen. Ich habe sie vor Fahrtantritt durch gescheckt. Das war alles in Ordnung. Ich befürchte wirklich, dass man daran gebastelt hat.“ gab Robert nachdenklich zurück. „Hey… sei froh, dass du überlebt hast. Die Maschine wurde von unserem Techniker untersucht. Und so wie es ausschaut hast du Recht. Die Maschine wurde manipuliert. Nun stellt sich die Frage warum? Gibt es denn jemanden der dir schaden will?“ harkte Ben nach. Robert dachte eine Weile nach. „Nein… ich wüssten niemanden. Aber als ich da das Fliegen lernte und sich die Maschine überschlug… da musste ich an Kai denken. Der arme Kerl sitzt im Rollstuhl und irgendwie sind wir schuld daran..“ kam nachdenklich von ihm. „Ach komm! Das mit Kai war eine Mutprobe….wir haben sie alle gemacht. Woher konnten wir denn ahnen, dass es so ausgeht?“ verteidigte Ben sofort. „Dennoch… ich habe an Kai gedacht. Hast du ihn eigentlich mal besucht? Ich meine nach dem wir uns getrennt haben?“ wollte Robert wissen. Ben schüttelte den Kopf. „Tja… ich muss leider wieder. Wenn du willst, kann ich noch mal wiederkommen. Meine Kollegen werden sicher den Unfall untersuchen…“ gab Ben zu bedenken. „Danke…dass du überhaupt gekommen bist, Ben…“ verabschiedete Robert seinen ehemaligen Schulkameraden.

    Jan ging vorsichtig weiter. “Semir?” fragte er per Funk. Keine Antwort. Gut, es war irgendwie verständlich, das Semir nicht antwortete, vermutlich war er bereits so dicht bei Paschner, dass er sich nicht meldete. Jan ging weiter. Die Verstärkung war bereits angefordert. Nach wenigen 100 Metern kamen ihm die Kollegen entgegen. “Also gut, dann dürfte Semir die richtige Richtung zu haben. Wir gehen zurück!” befahl Jan. In diesem Augenblick hörte er ein großes Getöse. Es hörte sich an, als würde ein Haus einstürzen. “Verdammt!!” fauchte er und rannte los. Es dauerte nicht lang und er stand auf dem Bahnsteig. Eine dicke Rauchwolke kam ihnen entgegen. “SEMIR!!!” schrie Jan und wollte weiter, doch die Kollegen hielten ihn fest. “Lasst mich!! Mein Kollege ist noch da drin!!” schrie er verzweifelt und versuchte sich los zu reißen. “Wir müssen die Feuerwehr informieren. Aber erst einmal raus hier!!” forderte der Kollege und ließ Jan mit Gewalt aus dem Bereich ziehen. “Raus hier… bevor noch mehr abstürzt!” schrie er. “NEIN SEMIR!!! SEMIR!!!” schrie Jan und zerrte wie verrückt. Doch die Kollegen hielten ihn fest. Oben angekommen sah Jan den Kollegen, der ihn rauszerrte an. “Verdammt! mein Kollege ist noch unten!! Er ist in dem Tunnel der eingestürzt ist!!” schrie er wütend. “Herr Richter…. Wir müssen jetzt erst einmal hier oben alles absichern. Der Tunnel war schon lange einsturzgefährdet! Wir rufen die Kollegen von der Feuerwehr und dann beordern wir einen Mitarbeiter der KVB dazu. Sie werden dort nicht runter gehen…!” ermahnte der alte Kollege Jan. Dieser sah auf die Stelle und sah ein, dass der Mann Recht hatte. “Okay… ich bleibe hier… ich bleibe hier…” versprach er und ließ sich auf den Boden nieder. Einer der bereits weg geschickten Kollegen kam atemlos zurück. “Totales Chaos! Die halbe Straße ist weg!! Es ist ein LKW in das Loch gefallen. Nicht ganz, aber….mit dem Führerhaus. Der Fahrer konnte bereits geborgen werden…” stieß er atemlos aus.

    Georg kam zu sich. Es war stockfinster. Der Staub um ihn herum ließ ihn husten. “Au….verdammt…” stieß er aus und rappelte sich so gut es ging mit den auf dem Rücken gefesselten Händen auf. Was zum Teufel war passiert, dachte er. Und dann kam die Erinnerung. Er stand an der Wand und Gerkhan hatte ihm die Handschellen angelegt, als es plötzlich grollte und dann…dann kam die halbe Decke des Tunnels runter. Verdammt wo war Gerkhan…, ging ihm durch den Kopf. “Semir?” fragte er. Keine Antwort. “Semir? Wo sind Sie?” fragte er erneut. Nichts. Sollte der Polizist verschüttet oder gar erschlagen worden sein. “Semir!!! Sprechen Sie mit mir, wenn Sie hier sind?” forderte er wütend auf. Nichts kam. Das Loch wo die beiden waren, schien nicht besonders groß, doch die Handschellen waren extrem hinderlich. “Semir….?” versuchte er es nach einer Weile erneut. Doch nichts. Georg ließ sich vorsichtig auf den Boden sinken. Kein Licht kam durch die Ritzen. Die Luft war zum schneiden dick. Plötzlich hörte er ein Stöhnen. “Semir?” fragte er hoffnungsvoll. “Oh verdammt….was ist passiert?” hörte er die schwache Stimme des Polizisten. “Tja… mein Junge… wir sind verschüttet. So wie es aussieht ist der halbe Tunnel auf uns gefallen. Sind Sie verletzt?” fragte Georg weiter. “Mein… Bein… es ist eingeklemmt…” stöhnte der Polizist. “Okay… ich komme zu Ihnen. Reden Sie weiter, damit ich Sie finde…” sagte Georg leise. “Ich bin hier hinten… Georg…ich kriege keine Luft…” stieß der Polizist aus. “Kommen Sie an den Schlüssel für die Handschellen?” fragte Georg. “Warum?...” kam die Gegenfrage. “Weil ich nur helfen kann, wenn Sie mir die Fesseln abnehmen. Nur keine Sorge… ich fliehe nicht…. Ich werde bei Ihnen bleiben. Entweder gehen wir Beide oder gar keiner...”versprach Georg. “Wie soll ich Ihnen vertrauen?...Sie haben mich bisher immer belogen…Sie haben mich…hust…hust…hust..” kam von dem Polizisten.

    „Semir, Ben... eben kam eine Nachricht rein... Motorradunfall. Der Typ soll über die Böschung gerauscht sein und sich schwer verletzt haben. Das Kennzeichen ist auf einen gewissen Robert Esslinger zugelassen...“ erklärte Susanne. Ben sprang auf, griff seine Jacke und rannte raus. Semir hinterher. Sie brauchten keine fünfzehn Minuten bis sie vor Ort waren. „Da...!“ stieß Ben aus und wies auf das große Feld. „Die Harley!!“ hängte er an. Der Wagen stand nicht einmal richtig da sprang er raus und rannte zum Fahrzeug. Die Maschine war Schrott... „Schade um die Maschine....der Kerl hat wirklich Glück gehabt...“ murmelte einer der Feuerwehrmänner. „Wo ist der Fahrer?“ wollte Ben wissen. „Im RTW....hat großes Glück gehabt, wenn man mich fragt.“ War die Antwort. Ben sah den Mann nur an und rannte zum RTW. Der Arzt behandelte Robert gerade als er in den Wagen sah. „Doc? Wie sieht es aus?“ wollte Ben besorgt wissen. „Er hat großes Glück gehabt, wenn man davon spricht, dass er sich sehr wohl das Genick hätte brechen können. Zwei gebrochene Rippen, das linke Bein und der rechte Arm ebenfalls gebrochen. Ob noch mehr ist, kann ich so nicht sagen... er muss sofort ins Krankenhaus und das Verhör verschoben werden. „Ja sicher....wohin?“ wollte Ben wissen. „Ins Marienhospital....“ gab der Arzt bekannt. „Danke...“ murmelte Ben und ging zu Semir. Dieser sah ihn an. Ben berichtete ihm was mit Robert war. „Dann werden wir die Maschine mal untersuchen lassen. Die sah mir nicht nach Schrott aus...“ meinte Semir und wies an die Harley in die KTU zu bringen. Ben nickte nachdenklich. „Meinst du denn jemand wollte dass Robert einen Unfall hatte?“ harkte Semir nach und zog Ben am Ärmel zum Wagen. „Ist nicht ausgeschlossen. Aber ich kann mir nicht vorstellen. Ich meine er ist Banker und kein Verbrecher. Ich werde nachher mal zu ihm fahren und nachhören, ob er Feinde hat. Aber erst zu Hartmut… er muss die Maschine vorrangig untersuchen.“ gab Ben leise von sich und stieg ein. Semir schüttelte den Kopf doch dann stieg er auch ein. Er hätte auch so gehandelt... Gemeinsam fuhren sie zu Hartmut. Vor sich hatten sie den kleinen Transporter mit der Maschine von Robert. Als sie das Gelände der KTU erreicht hatten ging Ben bereits zu Hartmut, der gerade dabei war den Empfang zu bestätigten. „Hartmut…egal woran du gerade bist…muss alles warten Die Maschine muss erst untersucht werden. Ich will die Ergebnisse so schnell wie möglich auf dem Tisch haben…“ befahl er etwas unfreundlich. „Dir auch einen schönen Tag Ben….was ist das für eine Maschine?“ wollte der Techniker wissen. „Die gehörte meinem Freund und der hat gerade einen bösen Unfall gehabt. Aber sicher nicht aus Leichtsinn. Entschuldige…ich bin…“ versuchte Ben. Hartmut winkte ab. „Schon gut… bin hier eh fertig. Die Maschine nehme ich mir gleich vor…“ lächelte er nur und schob die Harley in seine Werkstatt. Es dauerte nicht mal zehn Minuten bis Ben nachfragte ob er endlich was gefunden hätte. Hartmut verneinte. Weitere fünf Minuten stand Ben immer noch hinter ihm. „Ben…. Du behinderst mich wenn du mir auf die Finger schaust… geh einen Kaffee trinken oder Kuchen essen. Ich ruf dich an, wenn ich was hab…“ kam der freundliche Rauswurf von Hartmut. Semir grinste und zog Ben raus. „Lass unseren Einstein mal allein. Wir werden uns draußen ins Auto setzen. Hartmut! Wir sind in einer Stunde wieder drin…“ gab Semir nach Hinten. „Ja danke Semir…“ erwiderte Hartmut. Schon waren beide verschwunden.

    Kim sah Susanne an. „Wo sind denn Gerkhan und Jäger?“ wollte sie wissen. „Unfall auf der A4. Die Beiden sind hin.“ gab Susanne freundlich zurück. „Hoffe nur es ist kein Unfall wo sie selbst drin verwickelt sind…“ kam von Kim. Sie nahm die Post und ging in ihr Büro. Susanne sah ihr nur kopfschüttelnd nach .Wie konnte man an so einem schönen Tag nur so eine miese Laune haben, dachte sie. Die Sonne schien und es war angenehm warm draußen. Susanne hatte alle Fenster offen und hörte leise Musik. Sie sah ein wenig wehmütig nach draußen. Viel lieber würde sie ein wenig durch den Wald laufen als hier am Schreibtisch zu sitzen, aber es war ja nicht immer machbar. Und aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Sie machte sich wieder an die Arbeit, als das Telefon klingelte. „Ben? Die Chefin hat schon nach euch gefragt..“ gab sie durch, als sie den Hauptkommissaren hörte. „Susanne…. Tust du mir bitte einen Gefallen. Finde mir alles über einen Robert Esslinger heraus. Das ist mein Freund, der heute Morgen bei uns war. Er ist der Unfall wo wir hin sind und wird gerade verletzt ins Krankenhaus gebracht. Ich muss alles über ihn wissen. So wie es aussieht ist die Maschine manipuliert worden. Es hat den Anschein, dass man ihn töten wollte.“ gab Ben durch. „Ja gut…kein Problem. Mach ich…“ versprach Susanne und legte auf. Sie machte sich umgehend an die Arbeit. Bis Ben und Semir zurück kamen wollte sie alles herausgefunden haben, was mit dem Mann so los war. Sie gab den Namen Esslinger, Robert ein. Der Computer fing an zu arbeiten und wenige Minuten später hatte sie das ganze Leben des Bankers vor sich. Sie las es durch und schickte die Daten dann auf Bens Computer, damit dieser umgehend darauf zugreifen konnte.

    Er hatte gehört, was Laurence vorhatte, Sprengstoff mit Hilfe dieses Bens besorgen. Er würde sich bei Laurence als Bens Aufpasser, an Stelle von Mattes, anbieten und so konnte er mit dessen Hilfe Semir vielleicht befreien und die ganze Bande hops nehmen. Ja, das war ein guter Plan, doch woher sollte er davon erfahren haben? Laurence würde diese Frage sicher stellen, wenn er sich als Aufpasser anbot. Da kam ihm ein genialer Gedanke. Er würde Mattes einfach darum bitten. Ja, so würde er es machen. Leonard wird ihn um einen Job bitten, bei dem er wieder Geld verdienen kann. Mattes würde nichts dagegen haben, wusste er doch, was Leonard alles schaffen konnte.
    So ging er aus seinem Versteck direkt zum Eingang und wartete auf Mattes, der auch bald darauf kam. „Hey Leonard. Hab dich ja schon lange nicht mehr gesehen?“, meinte dieser und packte den Fahrer an der Schulter, zog ihn zu sich ran. Leonard sah ihn leicht bedrückt an. „Mattes... ich weiß nicht, wie ich es sagen soll...“ „Was ist denn, Junge?“, fragte dieser und sah den kleineren Mann wartend an. „Ich... hast du mal wieder einen Job für mich?“, fragte Leonard und sah den etwas größeren Österreicher an. „Brauchst du wieder Geld? Tut mir Leid, aber im Moment gibt es wirklich keine Holzlieferung, die du fahren könntest.“, meinte Mattes abweisend. Doch Leonard ließ sich nicht abbringen. „Man Mattes bitte, ich brauch dringend Geld. Ich will meiner Familie endlich eins dieser schönen Häuser bauen und brauche bares.“, flehte Leonard und klang dabei ziemlich überzeugend. Der Österreicher überlegte kurz und sah dann den Fahrer genau an. „Gut, vielleicht kann ich da was für dich machen.“, meinte er und beugte sich zu Leonard hinunter. „Pass auf, machst du wirklich jeden Job?“, wollte Mattes wissen. Leonard nickte heftig. „Dann habe ich was.“, meinte er fies lächelnd.

    Semir saß im Schneidersitz gefesselt in einer sehr kleinen Kammer, bei der er auch noch den Kopf notgedrungen einziehen musste. Verdammt, wo war er da nur wieder hineingeraten? Unbequem und feucht war es hier und es roch nach modrigem Holz. Die Schnüre saßen fest und er konnte nur schwerlich atmen, da auch ein Seil um seinen Hals befestigt war und immer, wenn er versuchte, sich zu befreien, zog es sich nur fester. Lange würde er es so nicht mehr aushalten. Hoffentlich kam bald Hilfe. Egal von wem.

    „Susanne, wo befindet sich das Sägewerk genau?“, wollte Kim wissen. Sie war schon auf dem Weg nach Bergheim und hatte Hotte und Dieter im Schlepptau. „Südlich der Stadt. Noch vier... fünf Kilometer von ihnen aus.“, erwiderte Susanne. „Gut, ich melde mich, sobald wir was gefunden haben.“, meinte Kim und legte dann das Funkgerät weg. Susanne behielt die Augen auf der Karte und folgte dem Signal der beiden Autos mit ihren Augen. Hoffentlich fand die Chefin die Beiden unversehrt und wohlauf. Andrea hatte in den letzten Stunden immer wieder angerufen und sich nach ihrem Mann erkundigt, doch Susanne konnte sie nur vertrösten. Aber auch sie sorgte sich um Ben.

    „Okay, was soll ich machen?“, fragte Leonard und Mattes grinste nur. „Ich hab da eine ganz spezielle Aufgabe für dich.“, meinte Mattes und reichte ihm eine Pistole. „Was soll ich damit?“, wollte Leonard wissen. „Die wirst du brauchen. Du sollst Felix bewachen und uns bescheid geben, wenn er Schwierigkeiten macht.“ „Wenn er Schwierigkeiten macht, kann ich euch wohl kaum benachrichtigen, oder?“, zischte Leonard. Mattes lachte. „Stimmt, aber das kann man ändern. Hier, wenn er irgendwelche Schwierigkeiten macht, drück einfach auf den Knopf hier.“ Er reichte Leonard eine kleine, handliche Fernbedienung und geleitete ihn dann zum Wagen. „Warte hier, ich komme gleich mit Felix wieder.“, meinte er und zog eine weitere Pistole aus seinem Jackett.

    „Lassen Sie meinen Kollegen los!“ forderte Jan Paschner auf. Dieser lachte leise. Jan ging näher ran und spielte so Paschner in die Hand. Dieser stieß Semir so heftig von sich, dass er von Jan aufgefangen werden musste. Beide Beamten gingen zu Boden. Paschner schnappe sich seine Beute und rannte los. Jan und Semir rappelten sich auf. Sie nahmen die Verfolgung auf. „Wir werden uns aufteilen…“ stieß Semir aus. „Nein…wir bleiben zusammen, du scheinst dich etwas zu oft überwältigen zu lassen. Versuchen wir ihn in die U-Bahn zu treiben.“ Schlug Jan vor. „Wirklich guter Vorschlag und er nimmt dann die Bahn und wir gucken in die Röhre!“ fauchte Semir wütend. „Nein…dieser Tunnel ist gesperrt Wassereinbruch vor zwei Tagen…ein Wasserrohr ist geplatzt und hat einen Teil einstürzen lassen.“ gab Jan von sich während sie hinter Paschner her rannten. Sie sahen tatsächlich wie Paschner die Treppen zur U-Bahn herunter rannte. „Jetzt haben wir ihn!“ triumphierte Semir und nahm zwei Stufen auf einmal. Jan rannte hinterher. Sie standen wenig später im Fahrbereich. Doch nun sahen sie sich vor einem Problem. Hier fuhr zwar keine Bahn mehr, aber der Tunnel ging in zwei Richtungen. „Also müssen wir uns nun doch teilen… du rechts…ich links…“ stieß Semir etwas außer Atem aus. Er überprüfte seine Waffe und sah Jan an. „Also gut… aber lass dich nicht wieder verladen!“ ermahnte Jan ihn. „Ganz sicher nicht… in diesem Fall reicht es mir, der Verlierer zu sein…“ grollte Semir wütend. Jan nickte. Sie teilten sich auf. Mit großer Vorsicht betrat Semir den abgesperrten Teil des Tunnels und hoffte, dass er den richtigen erwischt hatte. Er wollte Paschner stellen und er würde ihn stellen. Vorsichtig schlich er vorwärts und horchte immer wieder angestrengt ob er etwas hörte, was ihm verriet, das Paschner in diesem Tunnel steckte. „Jan…ruf Verstärkung…sie sollen von der anderen Seite den Tunnel abriegeln, nicht dass Paschner doch noch ein Schlupfloch findet.“ gab er durch.

    Paschner rannte die Treppen runter. Seine Lunge brannte, da er die schwere Tasche auf dem Rücken hatte. Er erreichte den Bahnsteig. Alles war wie ausgestorben. Verdammt… irgendwas stimmte hier nicht. wo waren die Menschen die sonst die Bahnsteige belebten? Wo zum Teufel waren die kreischenden Geräusche der Bahnen. Paschner hörte wie seine Verfolger angerannt kamen. Gehetzt sah er sich um und wandte sich dann nach links dem großen Tunnel zu. Und hier entdeckte er das erste Schild welches ihm sagte, warum hier keine Menschen waren. "Wegen Wassereinbruch ... Baumaßnahmen.", wies ein Schild ihn darauf hin. Paschner lachte leise. Sein Glück verließ ihn. Dennoch rannte er weiter. Nur wenige Meter später stand er vor einer Mauer. Eingestürzt, dachte er sich. Und er erinnerte sich was hier passiert war. Die Schlagzeilen in der Zeitung sprangen ihm wieder in die Augen. U-Bahn-Schacht wegen Wassereinbruch zusammengestürzt. Ausgerechnet hier musste er nun landen. Dann hörte er schon die Schritte seiner Verfolger. "Paschner... geben sie auf...", hörte er die Stimme des kleinen Polizisten. Doch Georg dachte nicht daran. Panisch blickte er sich um. Da... eine Tür. Schnell rannte er hin, doch sie war verschlossen und das Schloss auf der anderen Seite. Verdammt... jetzt war es aus. "Paschner... stehen bleiben.", schrie Semir und Georg drehte sich langsam um. "Okay Junge... du hast mich. Ich gebe auf.", meinte er und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf. Es arbeitete in seinem Hirn. Er wollte sich nicht so einfach fassen lassen, obwohl er zugeben musste, dass es sicher eine Ehre war von Semir Gerkhan, dem Mann der trotz der Niederschläge nicht aufgab verhaftet zu werden. “Du hast gewonnen…”lächelte er. “Ich gewinne immer…” kam als Antwort. Georg schloss die Augen. Scheinbar hatte dieser Mann die Lektion die er ihm geben wollte nicht gelernt. Der Stolz war hier ungebrochen und somit müsste er eigentlich weiterspielen. “Hör zu… wie wäre es, wenn wir teilen. Wir gehen gemeinsam hier raus und dann teilen wir unter uns beiden…” schlug Paschner vor, obwohl er nicht damit rechnete dass Semir dieses Angebot annahm. “Vergiss es…” kam von Gerkhan. “Schade mein Junge… du warst ein würdiger Gegner…” lobte Paschner ihn. “Hände an die Wand und Beine spreizen!” befahl der Polizist. Paschner führte den Befehl ohne Gegenwehr aus. Doch weder in seinem noch Semirs Blick war der Balken der die Stütze einer ziemlich großen Platte nach oben abstützte. Dieser schien bei jeder Erschütterung oberhalb des Tunnels immer zentimeterweise wegzurutschen.

    Tobias Herder sah zufrieden wie sich Robert Esslinger auf seine Maschine setzte und abfuhr. „So… und nun du Goldjunge ein kleiner Schrecken… und dann hole ich dich zu mir. Du wirst Angst vor mir haben… so richtige Angst wie ich damals… als ich dich beschwor nichts zu sagen. Nichts über die Drogen die ich damals brauchte um den Druck auszuhalten. Aber du wolltest dich ja wichtig tun. Du…der eh schon alles hatte… du der den Goldstaub in den Arsch geblasen hatte. Doch nun wirst du erst einmal deinen Freund ins Krankenhaus bringen.“ lachte er. Seine Wut stieg, wenn er an die Vergangenheit dachte. Er sah sich wieder zurück versetzt ins Internat. Sein Stubennachbar Ben Jäger, Sohn eines großen Industriellen, der es gar nicht nötig hatte zu arbeiten. Dieser Ben, der scheinbar nichts anders wollte als Polizist zu werden. Und da nahm er auch keine Rücksicht auf die, die wirtschaftlich benachteiligt waren. Verdammt warum musste Ben ausgerechnet dann ins Zimmer kommen, als Tobias sich den Schuss setzte. Warum? fragte er sich. Er schloss die Augen und sah wieder was nach dem Eintreten von Ben Jäger passierte. Er sah wieder wie er aus Internat geworfen wurde und wie er auf der Straße landete. Tobias war ganz unten und vermutlich hätte er es nie geschafft, wenn er nicht Willy kennen gelernt hatte. Willy Fauchtwecker…. Ein Streetworker wie er im Buche stand. Er schaffte es tatsächlich, das Tobias eine Therapie machte und von seinen Drogen runter kam. Nun war er zwar seit neun Monaten clean, aber in seiner Zeit als Stricher hatte er sich mit Aids angesteckt. Irgendein Freier war infiziert und hatte es nicht für nötig gehalten Vorsichtsmaßnahmen einzusetzen. Noch war die Krankheit nicht ausgebrochen, doch wie lange würde es noch dauern? Wann würde er es spüren? Er hoffte dass es noch bis zum Ende seiner Rache reichte. Denn Ben Jäger würde seine Schuld bezahlen. So wie alle dafür bezahlen, die an seinem Unglück schuld waren. Tobias konzentrierte sich. Er fuhr mit seinem kleinen unscheinbaren Wagen hinter dem Motorrad her und als die Strecke frei war und der Fahrer der Harley Gas gab, kam für Tobias der richtige Zeitpunkt. Er drückte den Knopf und wartete ab. Nur wenig später geriet der Mann auf der Maschine in Schwierigkeiten und rauschte ab. Ein höhnisches Lächeln umspielte seine Lippen. Auf zu Nr. zwei…dachte er nur.

    Robert fuhr nach Köln zurück. Er liebte es schnell zu fahren und die Autobahn lud um diese Zeit regelrecht dazu ein. So gab er Gas. Ein kleines Knacken ließ er unbeachtet. Er fuhr an die Wagen auf der rechten Spur vorbei und ordnete sich für seine Richtung ein. Doch als er in einen anderen Gang schalten wollte, passierte nichts. Verdammt.... dachte er. Eben war doch alles in Ordnung warum machte die Maschine denn jetzt so etwas? Die Harley fing an zu schlängeln und obwohl er das Tempo drosselte wurde die Maschine immer schneller. Robert sah sich um. Verdammt...einen Sturz bei diesem Tempo konnte er nicht überleben. Nicht so....Er versuchte zu Bremsen, doch es blieb bei dem Versuch. Die Maschine reagierte auf gar nichts. Robert bekam Panik. In seiner Verzweiflung nahm er seine Füße als Bremshilfe, was natürlich keinen wirklichen Einfluss hatte. Doch dann sah er eine Chance. Die Böschung. Dicht an der Autobahn lagen große Strohballen. Wenn er einen von ihnen als Bremshilfe nahm, kam er mit leichten Blessuren davon... so hoffte er jedenfalls. Er zog sein Lenkrad nach rechts und raste auf die ersten Ballen zu. Das diese Dinger auch sehr hart sein konnten, spürte er nur wenig später. Mit 130 Sachen raste er die Böschung runter. Sie war extrem holprig und er hatte genügend zu tun, die Maschine wenigstens in eine annehmbare Richtung zu bringen. Dann kam der Aufprall. Mit immer noch siebzig Sachen knallte Robert auf den Ballen. Kurz zuvor machte er sich noch klein um so wenig wie möglich davon abzubekommen. Dennoch verlor er beim Aufprall das Bewusstsein.

    Tobias Herder sah Peer van Stendal an. „Du wirst mich nie wieder so behandeln… du nicht..“ fauchte er ihn an. Peer zitterte vor Angst. Seit zwei Tagen war er ein Gefangener von Tobias Heer, der vor sechzehn Monaten noch ein kleiner Fixer war und auf den Strich ging. Für ihn. „Ich ….bitte… ich …“ flehte er regelrecht. Tobias lachte. „Oh nein…. Fang gar nicht erst an, dass ich dir vergeben soll. Du hast mich ….auf den Strich geschickt wie man es mit Frauen macht. Weil ich Drogen brauchte… Du hast mich versorgt, nachdem du mich an die Nadel gebracht hast… Verdammt ich habe AIDS!!! Verstehst du…ich bin dem Tod geweiht!!“ schrie Tobias wütend. „Aber…ich wusste doch nicht, dass der Freier infiziert ist. Ich …kann doch keinen Aids-Test von denen verlangen. Tobi…bitte… wir können doch…gemeinsam…ich…wir…“ stammelte Peer. Tobias sah ihn an. Wut funkelte in seinen Augen. „Du wirst nichts mit mir machen. Nie wieder…jetzt wirst du sterben….hier!“ forderte Tobias ihn auf und hielt ihm eine Spritze hin. Peer sah ihn erstaunt an. „Was ist da drin?“ fragte er leise. „Der goldene Schuss…setzt ihn dir, oder ich tue es!“ drohte Tobias. „Aber…nein Tobi…das kannst du nicht verlangen…bitte…ich zahle dir alles…bitte…lass mich leben… bitte…“ weinte dieser Mann, der Tobias in seinen Jahren, als er den Drogen verfallen war, prügelte wie einen Hund und ihn zwang auf den Strich zu gehen, ihm das verdiente Geld abzugeben und dafür Drogen bekam. Tobias war am Ende gewesen und hatte Peer van Stendal dieses Ende zu verdanken. Tobias zog die Waffe und legte sie an Peers Stirn. „Los! Setzt sie dir!“ forderte er seinen Peiniger auf. „Nein! Bitte nicht…Tobi…bitte.. ich hab doch alles für dich getan…bitte..!“ weinte Peer. Doch Tobias zeigte keine Regung. „Ein! … Zwei!!.... “ zählte er. Bei drei spannte er den Hahn. Peer wusste genau, dass es sein Todesurteil war. Egal was er tat. So gab er sich die Spritze und Tobias drückte den Kolben runter. Mit einem genüsslichen Grinsen sah er dem Tod seines ehemaligen Peinigers zu. „Und nun ist der zweite dran. Der, der mich in den Sumpf getrieben hatte...“ kam leise von Tobias und zog ein Foto hervor.

    Robert sah sich um. „Ich wette das Ding da gegenüber von dem Herren ist dein Arbeitsplatz?“ fragte er und sah Ben an. Dieser grinste nur. „Woher weißt du das denn?“ wollte er wissen und spielte empört. „Weil du schon damals keine Ordnung halten konntest.“ gab Robert zurück. Ben überhörte es und wies auf Semir. „Das ist mein Dienstpartner, Hauptkommissar Semir Gerkhan. Semir... mein alter Sandkasten- und Schulfreund Robert Esslinger...“ stellte Ben die Männer vor. Semir sah kurz auf und nickte dem Besucher zu. „Wie lange mussten Sie ihn denn ertragen?“ wollte er beiläufig wissen. Robert sah ihn an. „Wie meinen Sie das?“ fragte er verwirrt. Ben warf Semir ein Radiergummi an den Kopf. „Mach dir nichts draus....er hört schwer...“ grinste Ben verschmitzt. „Ich höre sehr gut... Seit dem Sandkasten kennen Sie diesen Chaoten....oh man....“ lachte Semir. Ben knuffte ihn in die Rippen. „Hör doch mal auf damit...“ ermahnte er ihn grinsend. „Hmmm.... scheint ganz so, als würdet ihr euch sehr gut verstehen...“ nickte Robert. „Ich will nur wissen, was du als Pampersrocker so angestellt hast...“ lachte Semir zurück. „Oh... da gibt es sehr viel zu erzählen....“ lachte Robert, der nun verstand, dass die Beiden scherzten und sich scheinbar sehr gut verstanden. Ben warf ihm einen warnenden Blick zu. „Ich warne dich.....wenn du zuviel verrätst sperre ich dich ein.“ drohte er spaßeshalber. „Nur keine Sorge...ich werde mich doch nicht selbst belasten. Wir kennen uns tatsächlich seit dem Kindergarten. Sind zur gleichen Schule gegangen und erst nach dem Internat trennten sich unsere Wege. Er wollte Bulle werden und ich dann doch lieber Verbrecher...“ grinste Robert. Semir sah ihn etwas erstaunt an. „Nur keine Sorge... Semir... er ist Banker, aber das kommt wohl auf das Gleiche heraus. Wollen wir zusammen essen?“ schlug er vor und lud Semir indirekt mit ein. „Ja sicher...wo denn?“ kam von Robert. „Na bei MacDonalds...wo denn sonst. Von meinem schmalen Gehalt, kann ich mir nicht soviel leisten...“ grinste Ben. Robert sah ihn an. Weißt du was.... ich bin ja nicht kleinlich... wir fahren zu dritt was essen...“ lachte er nur. Ben und Semir waren einverstanden. Semir zog sich schnell seine Jacke über. „Ich fahre!“ bestimmte er. „Oh...Robert...schnall dich bloß an. Mein Kollege ist ein extrem schlechter Autofahrer...“ warnte Ben seinen Jugendfreund. „Noch ein Wort und du läufst die nächste Streife...“ warnte Semir. „Ich sehe schon...ihr passt zusammen. Freut mich.... Ach sagt mal... kann ich meine Maschine solange hier stehen lassen? Ich lebe gern gefährlich und würde eine Autofahrt sich nicht ablehnen.“ bat er. „Ja sicher... die wird hier nicht geklaut...“ nickte Semir. Gemeinsam fuhren sie zur nächsten Raststätte. Die Pause ging etwas mehr als eine Stunde. Anschließend verabschiedete Robert sich von seinem Freund und sie wollten sich am Wochenende treffen. Robert setzte sich auf seine Harley und fuhr los. Ben sah ihn träumend hinterher. „was für ein Sound...“ schwärmte er. Semir lachte. „Was hörst du denn?“ wollte er wissen. „Was? Der Sound der Maschine .... er ist einfach nur Toll...“ gab Ben zurück.

    Jan folgte der Taxe in einem gebührenden Abstand. Scheinbar hatte Semir das Mikro eingeklemmt und so konnte Jan das Gespräch im Wagen mithören. „Paschner…. Hören Sie auf mit dem Wahnsinn. Sie sagten doch dass Sie noch keinen Menschen umgebracht haben. Mir haben Sie auf dem Dach das Leben gerettet, warum?“ hörte er Semir fragen. „Weil ich keine Toten will. Aber ich würde es tun, wenn es mir hilft…“ hörte er den Mann sagen. „Warum machen Sie das?“ kam von Semir die nächste Frage. „Semir…. Ich will es nicht erklären. Fahren Sie bitte dort in die Seitenstraße!“ forderte Paschner seinen Fahrer auf. Jan sah dass die Fahrt hier endete. Eine Sackgasse. Hier gab es keine Möglichkeit zu entkommen. Doch während er sich auf die Fahrt konzentrierte sah er nicht, dass ein Wagen aus der Seitenstraße kam. Erst als das Blech kreischte wurde er aufmerksam. „Fuck!!“ stieß er aus. Sein Wagen zierte ein kleiner silberfarbener Golf. Dieser hatte seine Vorfahrt missachtet. Jan stieg aus und versuchte die Situation zu klären, doch die Insassen bestanden auf die uniformierten Kollegen. Jan durfte den Unfallort nicht verlassen. Und nun kam die nächste Überraschung. Die Sackgasse, war keine Sackgasse mehr. Scheinbar hatte die Stadt ausgerechnet diese Straße ausgebaut. Es verging eine gute halbe Stunde bis die Kollegen der Stadtpolizei auftauchte. Weitere zehn Minuten bis alles aufgenommen war und Jan endlich weiter durfte. Während er nach seinem Kollegen suchte, den er noch per Funk hörte, dachte er über die Erklärung an Anna Engelhardt nach. „Was wollen wir denn hier?“ hörte er Semir fragen. „Hier trennen sich unsere Wege…“ kam als Antwort. „Und was nun?“ kam die nächste Frage von Semir. „Nun wirst du in den Kofferraum gehen.“ Lachte Paschner. „Paschner…. Geben Sie auf… Sie können von hier nicht weg….Sie…“ ging es mit Semir weiter. Doch plötzlich war alles ruhig. Verdammt Semir….. was ist denn los? Fragte Jan sich in Gedanken. Das Funkgerät schien tot zu sein. „Cobra 11 an Alle….habe Semir verloren…wiederhole…habe Semir verloren. Riegelt das gesamte Gebiet bis Köln Mülheim ab! Keiner darf das Gebiet verlassen ohne sich auszuweisen!“ befahl er. So weit konnte er nicht sein. „Andrea! Orte Semirs Handy!“ befahl Jan weiter.

    Semir stieg auf Befehl von Paschner aus. Dieser nahm den Schlüssel und schloss dien Kofferraum auf. „Hören Sie ….“ versuchte Semir es erneut, doch Paschner winkte nur mit der Waffe. Semir hatte die Hände leicht erhoben. „Bitte tun Sie mir ein Gefallen, Semir… steigen Sie freiwillig in den Kofferraum. Ich möchte keine Gewalt anwenden…“ sagte Paschner leise. Semir sah ein, dass es keinen Sinn machte. Er musste tun was Paschner sagte. Dieser Mann wollte keine Gewalt anwenden, doch was würde er tun, wenn er sich weigerte. Einen Versuch war es wert. „Nein…ich werde nicht in den Kofferraum gehen.“ Sagte er überzeugt. Paschner nickte. „Es täte mir wirklich Leid, wenn ich zuschlagen müsste…“ erklärte Paschner. „Sie haben die Wahl, lassen Sie uns über alles reden… Paschner… wollen Sie den Rest Ihres Lebens im Gefängnis verbringen?“ fragte Semir „Das werde ich nicht. Semir…. Steigen Sie in den Kofferraum!“ wiederholte Paschner. „Nein….!“ Gab Semir zurück. Noch immer wagte er es nicht seine Hände herunter zu nehmen, denn die Waffe war auf ihn gerichtet. Paschner nickte anerkennend. „Also gut... dann gehen wir eben zusammen…“ murmelte Paschner. Semir sah ihn erstaunt an. „Wie bitte?“ stieß er aus. „Sie und ich werden gemeinsam gehen. Sie werden mir helfen…“ lächelte Paschner. Er trat ein Schritt auf Semir zu. Dieser nutze die Gunst der Stunden und versuchte Paschner zu überwältigen. Doch scheinbar hatte Semir nicht gelernt, das man Paschner nicht vertrauen durfte. Semir trat aus und schlug Paschner die Waffe aus der Hand und versuchte ihn zu packen. Doch Paschner gab nicht auf. Er drehte sich und ging in den Angriff. Mit einigen schnellen Griffen, schaffte er es Semir den Arm auf den Rücken zu drehen. Semir schrie auf und trat nach hinten aus. „Ich gewinne immer….“ lachte Paschner und drängte Semir in Richtung Kofferraum. „Paschner!! Lassen Sie das!!“ schrie Semir wütend zurück. „Hände hoch!!“ erklang plötzlich eine warnende Stimme die Semir sofort erkannte. „JAN!!!“ stieß er aus. Paschner drehte ihn ruckartig in Richtung des Kollegen und hielt ihn wie ein Schutzschild vor sich. „Waffe weg!“ forderte er auf.

    Jungeninternat Friedenshöhe 1996

    Tobias Herder band sich den Arm ab. Er musste schnell machen. Fertig sein bis sein Stubennachbar ins Zimmer kam. Gekonnt hielt er den Gürtel mit seinen Zähnen fest und nahm die klein Spritze. Darin seine Tagesdosis Heroin. Er war jetzt 18 und ohne dieses Zeug würde er sein Abi sicher nicht schaffen. Dieser Prüfungsstress macht ihn fertig... komplett fertig. Das musste nicht sein. Er wollte Arzt werden. Er wollte studieren. Er musste es … er brauchte es. Die Tür ging auf. „Tobi…komm…der Pauker kommt…Er…“ kam von Ben Jäger der nun erschrocken registrierte was sein Stubennachbar machte. Schnell sprang Ben auf ihn zu und schlug ihm die Spritze aus der Hand. „Was soll das denn? Spinnst du?“ faucht er ihn wütend an. „Ben…ich …ich brauche das…bitte sag nichts… ich will Arzt werden… bitte es ist nur bist zur Prüfung…“ stammelte Tobias. Ben schüttelte den Kopf. „Oh nein…. Das wirst du nicht… du machst dich kaputt…so wirst du nie Arzt!“ schrie Ben ihn an. Wütend verließ er den Raum und nur wenig später kam der Lehrer Ralf Hutschenräuter in den Raum. Auch dieser sah, was hier ablief. Das Urteil war für Tobias Herder hart. Er musste das Internat verlassen. Aus der Traum Arzt zu werden. Aus der Traum einen angesehenen Beruf zu erlangen. Als Tobias ging sah er noch einmal zu Ben Jäger, der sich etwas abseits aufhielt. Er ging zu ihm hin und sah ihn fest an. „Du wirst noch daran denken… du Verräter… du wirst eines Tages dafür bezahlen..“ drohte Tobias. Doch Ben Jäger schien unbeeindruckt. „Tobi… du wärest als Drogensüchtiger kein guter Arzt. Lass dir helfen…mach eine Therapie…“ kam leise von Ben. Doch Tobias wollte davon nichts hören. Er wäre von dem Heroin runter gekommen. Er wäre sicher nicht süchtig geworden. Doch von diesem Zeitpunkt an ging sein Leben bergab. Tobias geriet in den Strudel des Drogensumpfes und musste sich sogar prostituieren. Ein Mann sprach ihn an und sagte, er könnte ihm helfen. Ganz umsonst und für nur eine kleine Gegenleistung auch die tägliche Ration an Heroin bekam. Es hörte sich so einfach an. Tobias nahm das Angebot an.

    12 Jahre später:

    Robert Esslinger war mit seiner Harley auf der A4 unterwegs. Er liebte es in den letzten Sommertagen eine Runde zu drehen. Die Maschine lief rund und alles war in bester Ordnung. Er fuhr bis zur Autobahnpolizei an der sein alter Schulfreund Ben Jäger seinen Dienst versah. Die Wiedersehensfreude wird sicher groß werden, zumal sich die Beiden sei Ende der Schulzeit nicht mehr gesehen hatten. Seine Gedanken gingen zurück dennoch war er konzentriert. Ben und er kannten sich vom Kindergarten an. Roberts Vater war ein erfolgreicher Banker und er ist nach der Schule in die Fußstapfen des Vaters getreten, während Ben als Rebell sich für eine polizeiliche Laufbahn entschieden hatte. Der Wunsch zur Polizei zu gehen, hatte Ben schon ab der siebten Klasse. Und er ließ von diesem Entschluss nicht abbringen. Sein Vater der damals schon sehr erfolgreiche Conrad Jäger hatte alles versucht um ihn davon weg zu bekommen, doch Ben machte sein Ding. Robert bewunderte Ben für diese Entschlossenheit. Er erreichte sein Ziel und stellte die Maschine auf dem Parkplatz um. Er war recht leer. Hier schien nicht wirklich viel los zu sein, dachte er und betrag das große Büro. „Guten Tag.... ich suche Herrn Ben Jäger? Ist er gerade zu sprechen?“ gab er seinen Besuchsgrund an einen baumlangen dürren Polizisten weiter. „Einen Augenblick... wie heißen Sie denn?“ kam die Gegenfrage. Robert grinste leicht. „Sagen Sie ihm einfach der Eisbär wäre da..“ schlug er vor. „Der Eisbär?“ kam etwas abwerten von dem Polizisten die nächste Frage. „ Ja genau... der Eisbär..“ wiederholte Robert geduldig. Der Polizist ging in eines der angrenzenden Büros. Robert sah wie sich ein junger Mann erhob und durch die Scheibe schaute. Das Gesicht war recht überrascht, doch schnell kam ein breites jungenhaftes Grinsen hervor. Robert hob die Hand. Die Tür ging auf. Ben Jäger rannte regelrecht auf ihn zu. „Mensch Robert!!“ lachte er freudig. Die Männer fielen sich um den Hals. „Hey...Benni!! Alter Schwede......“ gab Robert zurück. „Was machst du denn hier? Hast du einen Unfall gehabt oder was?“ wollte Ben Jäger wissen. Robert schüttelte den Kopf. „Nein... ich wollte dich einfach mal wieder sehen. Und meine Sehnsucht war so groß, dass ich deinen Alten angerufen habe und nach dir gefragt hab. Er scheint jetzt ja doch sehr stolz auf dich zu sein...“ meinte Robert nur. „Ja... wir haben unser Kriegsbeil begraben. Komm... wir gehen in mein Büro....“ lud Ben Robert ein. Gemeinsam gingen sie in das kleine gemütliche Büro. Dort saß an einem recht aufgeräumten und sauberen Schreibtisch ein weiterer Mann, der sich erhob, als die Beiden eintraten.

    Ich denke nicht, dass es irgendwann mal in den Folgen zu sehen ist, denn immerhin spielt die Serie um die Fälle der Hauptkommissare. Sicher wäre es schön, wenn man Semir mal trauern sehen würde, gerade um Tom Kranich, aber ich denke es ist einfach so wie im realen Leben mit Kollegen die vesterben. Aus den Augen aus dem Sinn.

    Man sollte auch nicht vergessen, dass es ein ziemlicher Aufwand ist, einen Grabstein zu erstellen und aufzustellen. Es sollte dann ja auch eine Friedhofsatmosphäre entstehen, also müsste man mehrere Gräber neben einander aufbauen und das ist sicher ein Aufwand der sich für die wenigen Augenblicke nicht lohnt.

    Erfreuen wir uns doch lieber an die Lebenden.

    Warum beschleicht mich das dumme Gefühl, das Semir es mal wieder übertrieben hat?

    Ach ich weiß... der letzte Satz des Abschnitts... es bleibt nciht ohne Folgen.... Mann erst muss man hier tagelang warten und dann nur so ein kleines Stück...also wirklich... ich will mehr...mehr...mehr

    „Aber….Aber…. was ist denn hier los?“ fragte der Standleiter als dieser an den Tisch trat. „Die Herren scheinen die Steine alles für Imitate zu sehen.“ Erklärte Jan und stieß einen der Männer sanft zurück. „Das haben wir gleich… Ich nehme doch an, dass die Herren ausgebildete Juweliere sind oder?“ fragte Frank Tottenheimer. Ein allgemeines Raunen ging durch die Reihen. „Sehen Sie…. und die beiden Herren, die sich eben in den Haaren legte kann sich jetzt mit Hilfe meines Glases davon überzeugen, dass wir hier nur ausgesuchte Exemplare haben. Alle echt. Dieser Diamant zum Beispiel hat einen Wert von 38 Karat. Das ist verdammt viel da werden Sie mir sicher zustimmen. Aber bitte überzeugen Sie sich selbst…“ forderte Tottenheimer die Besucher auf. Die Streithähne ließen sich dies nicht zweimal sagen. Dr. Finkwerder aus Köln griff nach dem Glas und untersuchte den Diamanten. „Das ist ja nur Glas…!“ fauchte er plötzlich wütend und warf den Stein zu Boden. Dieser zersprang in tausend Stücke. Tottenheimer sah ihn erschrocken an. „Was sagen Sie da?“ fragte er erstaunt. „Das ist Glas!!“ kam als Antwort zurück. Tottenheimer nahm das Sichtglas und betrachtete die Steine. „Das auch…aber …das ist unmöglich….hier lagen Steine im Wert von fast sechs Millionen Euro auf dem Tisch!!“ stieß er aus. Sein Blick wanderte zu Jan. „Sie wollten doch aufpassen!! Sie haben gesagt, meine Steine sind nicht in Gefahr!!“ schrie er ihn an. Jan stand da wie ein begossener Pudel. Es schien als habe Paschner bereits zugeschlagen. „Semir!! Er war hier! Er hat die Steine ausgetauscht!!“ gab er durch. „Verstanden!!“ kam von Semir. Mehr nicht. Jan ging zum Taxistand und sah gerade noch wie Semir abfuhr. „Verdammt…“ fauchte er, rannte zu seinem Wagen, der nicht weit stand und nahm die Verfolgung auf.

    Semir hielt ein wachsames Auge auf jeden der die Messe verließ. Doch Paschner konnte er nicht entdecken. Als die Tür hinter ihm aufging sah er nicht hin. „Nehmen Sie bitte einen meiner Kollegen, ich habe Pause…“ sagte er freundlich. Doch plötzlich spürte er etwas in seinem Nacken. Er versteifte sich. „Ich fahre lieber mit Ihnen Semir….“ Sagte der Mann hinter ihm. „Paschner….Geben Sie auf… Sie können hier nicht weg. Das Spiel ist vorbei…“ versuchte Semir in einem ruhigen Ton die Situation zu entschärfen. „Fahr los….und keine Tricks. Bisher habe ich niemanden umgebracht, aber ich denke ich werde nicht zögern es zu tun. Die Finger vom Funk und los…“ warnte ihn der Mann. Semir wusste nicht wie er die Situation einschätzen sollte. Würde Paschner tatsächlich abdrücken? War der Mann so kalt? Semir nickte und startete den Motor. Vorsichtig fuhr er los. Er sah sich um in der Hoffnung einen seiner Kollegen zu sehen, doch die schienen wie vom Erdboden verschwunden. „Paschner….geben Sie auf… Wir haben bisher doch ein wunderbares Spiel gehabt, aber jetzt ist es zu Ende…“ versuchte er weiter. Er spürte eine Hand an seinem Gürtel, die ihm die Waffe weg nahm. Es war verdammt ernst. Von Paschner kam keine Antwort. Semir nickte. „Also gut… wohin?“ fragte er. „Rede nicht so viel mein Junge…fahr. Und konzentrier dich genau darauf nicht zu schnell zu fahren. Ich will doch nicht in eine Polizeikontrolle geraten…“ lachte Paschner. Semir tat was der Mann verlangte. „Gib mir deine Handschellen!“ forderte Paschner auf. Semir grinste in den Spiegel. „Ich habe keine dabei…“ sagte er zufrieden. „Oh… das ist nicht gut… dann muss ich dich wohl in den Kofferraum sperren, wenn wir am Ziel sind. Da ist aber sehr schlechte Luft zu bekommen….“ drohte Paschner. Semir sah ihn durch den Spiegel an. „Warum tun Sie das? Haben Sie das wirklich nötig?“ wollte er wissen. Aus den Augenwinkeln sah er einen blauen Mercedes hinter sich. Jan….dachte er. Schon wurde er wieder übermütig. „Paschner… ich mache Ihnen einen Vorschlag. Sie geben auf und ich werde es vor Gericht positiv erwähnen…Das spart sicher ein oder zwei Jahre…“ schlug er vor. „Fahr und quatsch nicht! Da rein!!“ forderte Paschner auf. Immer noch zielte der Mann mit der Waffe auf Semir. Dieser tat wie befohlen.

    Leonard hatte das Sägewerk erreicht. Doch wo sollte er hier suchen? Es gab elf Sägen…. Es war ein riesiges Gebiet. Allein würde er es nie schaffen alles zu durchsuchen. Etwas hilflos sah er sich um. Nichts deutete darauf hin, dass hier etwas oder jemand war. Was, wenn sie Semir in einen andern Unterschlupf gebracht hatten? Vielleicht stammte das Blut ja auch gar nicht von Semir, sondern einer der Mitarbeiter hatte sich verletzt? Vielleicht machte er sich völlig umsonst Sorgen? Nein… da waren zu viele Vielleicht…, dachte er bei sich. Er griff zum Handy und bat Corinna ihm die Nummer von Andrea zu geben. Seine Frau hatte gelernt nicht zu fragen und gab sie ihm. Leonard rief Andrea an. „Semir?“ hörte er sie fragen. „Nein… hier ist Leonard… ich wollte gern Semir sprechen..“, bat er. „Das würde ich auch… aber er ist seit Gestern verschwunden. Ich weiß nicht wo er ist…“, hörte er Andrea ängstlich sagen. Also doch… dachte er. Semir… der Mann der Freundin seiner Frau war in den Fängen von Teufeln… Doch warum belastete Laurence sich mit einem Polizisten? Nur um ihn zu töten? Nein… da musste mehr dahinter stecken… viel mehr… aber das wird er herausfinden.

    Mattes stieg mit Ben aus und führte ihn in eine große Halle hinein. Es war stockduster, sodass Ben die Hand vor Augen nicht sah. „Was soll das Mattes? Was wollen wir hier?“, fragte er nervös und gewöhnte sich nur sehr langsam an die Dunkelheit. Er hörte ein aufgeregtes Stöhnen, was mehr gedämpft klang, als klar und deutlich. „Mattes, was soll der Scheiß?“, stieß Ben aus und versuchte, seine Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen. Doch plötzlich wurde das Licht angestellt. Ben traute seinen Augen nicht, als er das sah, was dort vor ihm war. Auf dem Laufband lag ein großer Baumstamm, an dem war sein Partner Semir gebunden und dieser schrie in das Klebeband, was ihm fest über den Mund geklebt war. Ben wollte etwas tun, gleich zu ihm rennen, doch Semir schüttelte heftig mit dem Kopf. Für die anderen mag dies auf die Kreissäge zu deuten sein, doch Ben wusste, was Semir meinte. „Verrat um Himmels Willen nichts.“ Diese Anweisung verstand Ben sofort, wusste aber noch nicht, was für ein Teufel Laurence war.

    „Hallo Felix, wir haben hier jemanden, den du kennst.“, lachte Laurence und zog an seiner Zigarre. Ben sah immer wieder zu Semir, der an den Baumstamm gebunden war und dessen Augen immer wieder das gleiche sagten. „Halt um Gottes Willen den Mund, Ben.“ Doch konnte er das? Nein, schon allein, weil Semir Frau und Kind zu Hause hatte und er nicht. „Scheinbar will er nicht reden.“, dachte Mattes laut und hatte sich hinter Ben aufgestellt. „Keine Sorge, das wird er gleich.“, entgegnete Laurence und stellte das Laufband an. Mit einem Ruck lief das Band an und langsam bohrte sich die Kreissäge mit einem ohrenabreißenden Kreischen in das Ende des Baumstammes.

    Semir sah auf, als er sich samt des Stammes auf die rotierende Säge zu bewegte. Mit Zurren und Zerren versuchte er sich von den Fesseln zu befreien, doch zwecklos. Auch Ben bekam es mit der Angst um seinen Partner zu tun. „Semir.“, stieß er unweigerlich aus, wollte auf Laurence los, ihm die Fernbedienung aus der Hand reißen, doch Mattes ahnte dies und hatte Ben blitzschnell den Arm auf den Rücken gedreht. Stöhnend vor Schmerzen ging dieser in die Knie und sah zum Laufband hinüber. „Also, redest du jetzt endlich, oder soll ich deinen Freund in zwei Hälften teilen?“, fragte Laurence und hielt die Fernbedienung drohend empor. „Okay, okay, stell die Maschine ab.“, flehte Ben und Semir schloss ergeben die Augen. „Sehr gut. Was willst du bei uns?“, fragte Laurence nun. „Dich einbuchten, du mieses Dreckschwein.“, stieß der junge Hauptkommissar aus und schrie gleich wieder auf, weil Mattes den Arm noch weiter nach oben drückte. „Du hast aber keine feinen Manieren, Felix... Wenn das überhaupt dein richtiger Name ist. Also, wie heißt du?“, fragte er weiter und kniete sich vor Ben. „Mein Name ist Hauptkommissar Ben Jäger.“ „Doch ein Bulle.“, stieß Mattes aus. „Du weißt, ich könnte dich und deinen Partner töten, aber du hast Glück. Ich brauche euch noch. Dich, damit du mir den Sprengstoff holst und ihn“, er deutete auf Semir, „damit du tust, was ich verlange.“

    Georg Paschner fluchte verhalten. Der Junge war echt gut. Vermutlich hat er auch den Plan gefunden, Aber davon ließ er sich nicht abbringen. Er würde ein paar wertvolle Steine mitnehmen. Allerdings durfte er nicht in diesem Outfit erscheinen. Auf der Edelsteinmesse musste er sich sehr adrett kleiden. Doch seine Sachen waren in den Wohnungen verteilt und die standen mit Sicherheit unter Bewachung. Georg dachte eine Weile nach und dann verzog sich das Gesicht zu einem breiten Grinsen. Er stand auf, nahm sich einen kleinen Batzen Geld und ging einkaufen. Natürlich nur in die besten Läden Kölns. Drei Stunden später hätte ihn nicht einmal die eigene Tochter erkannt. Der Bart war ab, die Haare kurz und dunkelbraun, der Anzug kleidete ihn enorm. „So kannst du wieder auf die Straße gehen.“ murmelte er als er sich im Spiegel betrachtete. Anschließend fuhr er in ein Hotel und mietete sich für die nächsten Tage ein. Als der Tag seines Auftritts kam fuhr er gemütlich mit dem Taxi zur Messe. Aufmerksam sah er sich um. Hier waren bereits viele Menschen damit beschäftigt sich an den verschiedenen Tischen umzusehen. Auch Paschner tat es. An einem der Tische stand ein alter Bekannter. Paschner grinste und sah sich um. Wo dieser war, war sein neuer Freund sicher nicht weit. Doch er konnte Gerkhan nirgends sehen. Immer wieder sah er wie diverse Personen scheinbar mit ihren Knöpfen sprachen. Anfänger, dachte er sich nur. Aber es war klar, dass er beobachtet wurde, oder aber dass man hoffte ihn hier zu fassen. Er musste sich erst einmal einen vernünftigen Fluchtweg ausdenken. Georg verließ die Messe und ging zu dem Taxistand. Dort bemerkte ein sonderbares Verhalten einer Taxe. Der Fahrer ließ alle Kollegen vorbei. Paschner ging etwas näher und konnte den Fahrer tatsächlich erkennen. Er musste sein Lachen angestrengt verbergen. Nicht schlecht mein Junge…. Aber nicht gut genug für mich. Die nächste Lektion für dich steht an. Du wirst mich hier wegbringen, dachte er bei sich und ging erneut in die Messehalle.

    Jan sah die Menschen an, die sich hier auf der Messe tummelten. Er stand an dem Stand der in Paschners Plan eine scheinbar große Rolle spielte und hielt Ausschau nach dem alten Mann. Bisher hatte Paschner immer den armen hilflosen Greis gespielt. Würde er es diesmal auch machen? Die Chance zu entkommen hielt auch Jan für sehr gering. Doch wann wollte Paschner zuschlagen? Er ging etwas abseits vom Tisch in eine ruhige Ecke. „Semir?“ fragte er kaum hörbar. „Ja hier….!“ kam die Antwort. „Hast du ihn schon entdeckt?“ wollte Jan wissen. „Bisher noch nicht. Jan…der Mann ist verdammt gerissen. Wir müssen jede Person, die sich dem Tisch nähert, genau beobachten.“ Ermahnte Semir ihn. Jan grinste. Seinem Partner schien es tatsächlich nur darum zu gehen diesen alten Mann, der ihn so triezte zur Strecke zu bringen. „Hast du denn schon was eingenommen?“ wollte Jan wissen. „Nein… ich schicke die Gäste weiter…hab Mittagspause…“ murmelte Semir durch den Funk. „Whow… seit drei Stunden, wirklich gut…“ lachte Jan und beendete das Gespräch. Doch genau in diesem Augenblick ging an dem Tisch eine kleine Zänkerei los. Jan ging sofort hin und versuche Ruhe rein zu bringen. Ein Mann mittleren Alters mit dunklen Haaren stritt sich mit einem anderen am Tisch über die Reinheit des Diamanten welchen er in der Hand hielt. „Meine Herren…. Das kann man doch sicher auch anders lösen…“ meinte Jan, nahm den Stein aus der Hand des Mannes und legte ihn wieder auf den Tisch. Doch wenn er dachte das damit alles ausgestanden war irrte er sich. Denn dieser Mann schien sich gerade richtig aufgeregt zu haben und nahm nun andere Steine in der Hand. „Das sind doch Imitate….so was erkennt man mit geschlossenen Augen, als wahrer Kenner…hier sind ja nur Laien am Tisch…“ moserte er herum. Auch hier nahm Jan die Steine und legte sie auf den Tisch zurück. „Würden Sie sich bitte daran halten und die Steine nicht alle anfassen!“ fauchte er wütend. Er bekam nicht mit, wie ein weiterer Mann die Steine austauschte, weil er mit den Streithähnen beschäftigt war.

    Gratualtion zur 10. Story.... (meine liegt ja schon etwas länger zurück....welche war das eigentlich? ?(8| )

    Egal...klingt ja schon sehr romantisch und ich hoffe du bekommst viele Feeds...sind leider etwas schreibfaul geworden die Leser..... ;(

    Ja aber zurück zur Story....ich wette die Romatik bleibt nciht lange... warum?

    Ganz einfach es ist eine Story von dir Chris.... :D

    Ben kam zwischenzeitlich beim Sägewerk an und wollte gerade auf das Gelände, als er von Oleg aufgehalten wurde. „Wo zum Teufel kommst du her?“, fauchte er ihn an. „Ich? Wo ist Laurence... ich will mit ihm reden!“, fauchte Ben zurück. „Der ist nicht da, kommt aber sicher gleich wieder. Was willst du von ihm?“, wollte Oleg wissen. „Das ist meine Sache.... aber es ist verdammt noch mal wichtig! Sag mir wo er ist und ich fahre zu ihm!“, bat Ben. „Nein... geht nicht. Du würdest ihm nur etwas vermiesen und dann wäre Laurence verdammt sauer. Warte hier, ich rufe ihn an!“, befahl Oleg. Ben nickte. Er mochte diesen Typen nicht. Weder vom Geruch her, noch von seiner Person im Allgemeinen. Er war nicht einzuschätzen und das störte Ben an ihm.

    „Okay, bringen wir ihn ins Sägewerk und setzen wir unsern guten Felix mit dem da unter Druck.“, meinte Laurence und ging voraus. Mattes griff Semir unterm Arm, zog ihn hoch und drückte ihm den Streifen Klebeband wieder auf den Mund. Semir protestierte natürlich und trat aus. Doch Mattes juckte das nicht, er holte nur mit der Faust aus, schlug zu und traf Semir an der Schläfe. Benommen sackte der Polizist zusammen und wurde huckepack genommen. Blut tropfte aus der Wunde an den Boden und zog eine Spur bis zum Wagen. Wieder wurde er in den Kofferraum geworfen und Mattes schlug die Klappe fest zu. „Gut, wir bringen ihn gleich in die Sägehalle und schnallen ihn auf das Fließband. Dann bestellen wir Felix zu uns und zwingen ihn, uns den Sprengstoff zu besorgen.“, erklärte Laurence und stieg ein. Mattes tat dies ebenfalls und startete den Motor.

    Kuno lief angestrengt nachdenkend auf und ab. „Wofür braucht Laurence wohl Sprengstoff?“, dachte er laut. Karlo sah ihn an und zog an einer Zigarette. „Die Bäume will er sicherlich damit nicht fällen.“, meinte er scherzhaft. Dann wurde sein Gesicht ganz ernst. „Was, wenn er diesen Sprengstoff gegen uns einsetzen will?“, spekulierte er. „Das wagt er nicht. Er ist zwar gerissen, aber so etwas würde er nicht wagen.“, fauchte Kuno und stampfte auf. „Doch er würde. Er würde, Karlo. Wir müssen ihn ausschalten, bevor er es mit uns tut.“ „Sollen wir unseren Spitzel dazu nutzen? Dann bräuchten wir uns nicht die Hände schmutzig machen?“, schlug Karlo vor. „Nein... er soll uns nur sagen, wo Laurence ist und dann schlagen wir selbst zu. Diesen Spaß will ich selbst haben. Ich werde diesen arroganten und selbstgefälligen Iren selbst das Licht auspusten.“, meinte er und zog an seiner Zigarre. „Ganz langsam... das ist die Rache für unsere beiden toten Leute. Ich werde es genießen.“, lachte er und zerdrückte förmlich die teure Zigarre in seiner Hand, schmiss dann die Tabakstücke zu Boden und trat sie mit der Spitze seines Schuhs breit.

    Leonard fuhr an der Halle vor, stieg aus seinem Wagen und rannte hinein. Er wusste nicht, ob Semir wirklich hier war, aber es war so ein Gefühl und Laurence würde ihn wohl kaum direkt im Sägewerk unterbringen. Seine Schritte waren schnell und hastig. Er rannte die Gänge entlang, stoppte dann und sah zu Boden. Blut! Das war Blut vor ihm und noch ganz frisch. War es von Semir? Hatte Laurence ihn schon umgebracht? Er hoffte es nicht. Schnell rannte er weiter und fand die leeren Räume im Keller vor. „Verdammt.“, stieß er aus und sah sich um. Kein Anhaltspunkt von Semir. Also doch das Sägewerk? Aber wie würde er ihn dort ungesehen und unbemerkt rausschaffen? Laurence und Mattes würden ihn töten, wenn er es versuchte. Sie kannten mit Verrätern kein Pardon. Wieder waren sie da... die Gewissenskämpfe in seinem Kopf... Gut gegen Böse... das Richtige oder das Falsche.