ausnahmsweise mal zwei Teile heute...
Carla weinte in ihr Kissen. Wie konnte Ben so gemein zu ihr sein? Wie konnte er ihr das die ganze Zeit seit sie wach ist. Er wusste mehr von ihr und sagte nichts…wieso nicht? Warum heuchelte er die Liebe vor? Warum tat er ihr so weh? Was wollte er damit erreichen? Sie fühlte sich doch so geborgen in seinen Armen und nun kam er mit dieser Lüge….warum….? Warum? Sie spürte nicht wie die Tür aufging. „Hallo Carla…“ hörte sie eine Frau sagen. Carla wischte sich schnell die Tränen weg und drehte sich um. Eine Frau im Rollstuhl wurde von einem Mann herein geschoben. „Wer sind Sie?“ wollte sie wissen. „Ich bin…Isabella….Hilgers…“ stellte sich die Frau vor. Carla sah sie musternd an. Irgendwie kannte sie diese Frau, doch woher….? „Wir kennen uns?“ fragte sie deshalb. „Ja…wir kennen uns…wir kennen uns schon sehr lange….“ bestätigte die Frau. Carla nickte. „Sie sind die Frau, die mein Leben weiß?“ kam nun die Frage. „Ich weiß sehr viel von dir….wenn du mir zuhören willst, dann werde ich dir alles erzählen…“ bestätigte die Frau. Carla setzte sich auf. Sie konnte sogar schon die ersten Schritte machen und war stolz darauf. Erneut musterte sie die Frau. „Sie waren auch in der Maschine?“ fragte sie heiser weiter. „Ja…ich war auch da…und ich werde morgen an der Wirbelsäule operiert, weil sich ein Nerv eingeklemmt hat…ich..wir….wir waren Freundinnen. Die Besten die es gab. Wir haben nach jedem Flug…ein Hotelzimmer geteilt und in Köln wohnten wir zusammen..bis ich vor vier Jahren geheiratet habe….“ erzählte Isabella. Carla hörte schweigend zu. „Vielleicht sollte ich aber von vorn anfangen..“ schlug Isabella vor. Carla nickte. „Das hätte was…ist das aber nicht zu anstrengend?“ wollte sie wissen. Irgendwie fühlte sie sich verantwortlich für die Frau. „Es geht schon…ich werden heute noch nicht alles sagen, aber einen großen Teil. Aber eines vorweg….Ben…Jäger….ist der wundervollste und beste Mann, den du jemals bekommen könntest… Wolfgang..mein Mann...sagte mir, dass er jeden Tag in Frankreich an deinem Bett gesessen hat, genau wie er an meinem….er hat geweint….er hat alles getan dass es dir gut geht…Hier war er auch sofort bei dir und hat dich umsorgt…hat mit dir gesprochen…“ zählte Isabella auf. „Aber er hat mich belogen…“ kam trotzig von Carla. „Aus Rücksicht….auf deine Gesundheit und auf Anraten der Ärzte…was hättest du an seiner Stelle getan?“ wollte Isabella wissen. „Ich? Woher soll ich es wissen? Ich weiß nicht einmal wer ich bin, oder was ich war…was in meinem Leben passiert ist…ich weiß gar nichts!!“ schrie Carla wütend. Isabella nahm es gelassen hin.
Ben fuhr zum Supermarkt und kaufte sich ein Sixpack. Damit ging es dann nach Hause. Er warf seine Jacke in die Ecke und den Schlüssel auf den Tisch. Dann nahm er eine Flasche Bier und leerte sie fast in einem Schluck. Direkt danach die nächste und die dritte. Gegen zwei Uhr morgens ging er ins Bett und fiel in den Schlaf. Mit dem Bier hatte er wenigstens keine Gedanken an Carla verschwendet. Doch er hörte auch nicht den Wecker, der ihn daran erinnerte, dass es Zeit war, den Dienst anzutreten. Er warf das Ding gegen die Wand und drehte sich einfach um. Das nächste was er vernahm war ein nerviges Klingeln. „Oh man…lasst mich doch einfach in Ruhe!!“ schrie er wütend und drückte sich das Kissen auf die Ohren. Doch das Klingeln hörte nicht auf. „Ich bin nicht da!!!“ schrie er wütend. „BEN! Mach Auf…ich bin es Semir!!“ rief eine dumpfe Stimme. „Oh man…nicht einmal in Ruhe schlafen…kann man…“ stieß Ben wütend aus. Dennoch ging er zur Tür und öffnete. „Was willst du denn?“ fragte er stöhnend. „Der Dienst hat für dich vor vier Stunden angefangen…und du bist nicht da…was soll ich wohl wollen?“ stellte Semir die Gegenfrage. Dann sah er sich in der Wohnung um. Leere Bierflaschen lagen am Boden. „Was hast du denn hier veranstaltet?“ wollte Semir wissen. „Nichts…..“ fauchte Ben wütend. Doch das konnte Semir nicht von seinen Gedanken erlösen. „Ist es wegen Carla?“ harkte sein Partner nach. Ben nickte. „Ich habe ihr erzählt, was passiert ist und….sie hat mich raus geworfen….ich sei nur auf meinem Vorteil bedacht und würde sie gar nicht lieben..weil ich es ihr sonst vorher gesagt hätte…bla bla bla..“ kam klagend von Ben. „Oh…“ kam von Semir erstaunt. „Ja..sie hat gemeint ich würde mich an ihrem Leid laben und sie wolle mich nie wieder sehen…Semir..ich liebe sie doch..ich hab es ihr gesagt, aber…..was soll ich tun?“ fragte Ben und sah seinen Freund hoffnungsvoll an. Semir setzte sich neben ihn. „Weißt du was…Frauen sind dafür bekannt, ihre Meinungen sehr schnell zu ändern. Lass ihr ein paar Tage….sie wird sich schon besinnen…glaub mir und in einer Woche, seid ihr wieder glücklich…ich kenne das doch von Andrea..was meinst du wie oft wir uns in der Wolle haben…und dann geht jeder ein paar Tage seinen Weg und danach ist alles wieder gut…“ erklärte Semir tröstend. „Ich halte das nicht aus….Semir…hilf mir doch….wie kann ich sie wieder bekommen? Ich kann sie nicht vergessen…“ flehte Ben. Semir sah ihn entsetzt an. So war Ben nicht einmal nach dem Tod von Saskia. Er musste extrem schwer verliebt sein, wenn er sich so gehen lässt.