„Semir? Ist alles in Ordnung?“, wollte Andrea sorgenvoll wissen und ließ sich langsam neben ihrem Mann nieder, strich ihm vorsichtig über Die Schulter und merkte, wie er zusammenzuckte. „Andrea? Ich...ich hab Angst...dieser Mensch hat gesagt, dass ich, um vollkommen gesund zu werden, wahrscheinlich tablettensüchtig werden muss.“, stieß der Deutschtürke aus. „Nein...nein, das wirst du nicht...Herr Friedlich hat mit uns gesprochen...wir passen auf dich auf...Hast du gehört, Semir? Du bist nicht allein?“, fragte Andrea und nahm ihren Mann fest bei den Schultern. Langsam richtete er sich auf und sah seine Frau an. „Da...Danke...“, kam es leise schluchzend von Semir. Ben konnte es kaum ertragen, seinen Freund und Kollegen so zu sehen. Hoffentlich schlägt die Heilung bald an. Semir musste einfach wieder der Alte werden. Ein kurzes Schlagen der Tür ließ Bens Kopf nach hinten schnellen. „So, ich mache uns jetzt mal Mittagessen.“, gab Gregor bekannt und hatte dafür einen schon gerupften und vollkommen ausgenommenen Vogel in den Händen. „Ich helfe...“, kam es leise von Semir und langsam stahl er sich an Andrea und Ben vorbei. Gregor nickte nur und alle gingen dann in die Küche zurück.
Nach dem Mittagessen hatte Ben eine Idee. Angeln beruhigte doch die Nerven, hatte ihm sein Opa mal beigebracht und so holte er vom Speicher das alte Angelgerät, überprüfte alles und stieg dann wieder runter ins Wohnzimmer, wo Semir vor dem Kamin saß und sich den Bauch hielt. Er schien zu schlafen, doch er hatte nur die Augen geschlossen. „Ich weiß, dass du mich beobachtest, Ben.“, kam es nur kurz von Semir, der dann wieder die Augen aufschlug und seinen Partner ansah. „Ähm Semir, ich wollte dich nicht stören, aber vielleicht würde dir eine kleine Nervenberuhigung ganz gut tun.“, meinte Ben. „Das wäre schön, nur leider wüsste ich nicht, was ich hier zur Beruhigung meiner Nerven tun könnte.“, kam es nur knapp von Semir zurück. Doch Ben grinste und hob die Angeln hoch. „Komm, lass uns fischen gehen.“, meinte er und streckte seinem Partner eine der Ruten hin. „Ich soll...Oh nein, ich bin kein Angler...“, kam es nur abweisend von Semir zurück. „Versuch es doch wenigstens mal...vielleicht hilft es dir.“, entgegnete Ben nur und hielt immer noch die Angel fest, sah Semir mit einem eindringlichen Blick an. „Na schön, aber es wird nichts werden...ich werde nichts fangen.“, gab der Deutschtürke von sich und ging mit Ben zum Weiher hinunter, der inmitten des Waldes lag. Beide ließen sich auf zwei Baumstämme nieder und beide machten ihre Köder bereit. „Dann mal los...“, meinte Ben nur und warf die Angel aus. Semir tat es ihm gleich und wartete dann.
Andrea und Gregor saßen derweil im Wohnzimmer, wo Gregor den beiden Kindern seiner Gäste beim Spielen zusah. „Du hast echt liebe Kinder...“, meinte er zu Semirs Frau. Diese lächelte und sah nur zu Felix und Sina, die auf dem Boden lagen. Felix sah die Hündin immer wieder mit misstrauischen Augen an, als diese sich nähern wollte. Ein Mal hieb er mit seiner Pfote nach ihrer Nase. „Hey, der Kater ist ja ganz schön angriffslustig. Ist wohl ein Kampfkater, was?“, lachte Georg und Andrea stimmte in das Lachen mit ein. Es tat ihr auch mal gut, nicht an diese Sache erinnert zu werden. Doch das würde sie noch früh genug. „Gregor, ich danke ihnen so sehr, dass sie uns bei sich wohnen lassen. Obwohl wir doch sicher ihren ganzen Alltag durcheinander bringen.“, meinte Andrea entschuldigend. „Wie kommen sie denn da rauf? Ich freue mich, endlich mal wieder Besuch zu haben. Mein Sohn besucht mich ja eher selten und meine beiden Enkel haben auch mehr mit sich zu tun. Da ist es schon in Ordnung, wenn es mal ein bisschen lebhafter im Haus ist.“, lächelte er und sah dann weiter den Kindern beim Spielen zu. Aida und Layla schoben sich gegenseitig die Bauklötze zu und Layla versuchte sich mit ihren noch nicht vorhandenen Zähnen daran, während Aida einen hohen Turm versuchte, der irgendwann Felix Aufmerksamkeit erregte. „Nein Felix...nicht...“, kam es nur von der Fünfjährigen, doch schon hatte der Kater mit seiner Tatze ausgeholt und schreckte dann hinter die Couch zurück, als die Klötzer mit einem lauten Knall umfielen und sich in der ganzen Gegend zerstreuten. Andrea und Gregor mussten laut lachen.