Beiträge von Elvira

    „Semir? Ist alles in Ordnung?“, wollte Andrea sorgenvoll wissen und ließ sich langsam neben ihrem Mann nieder, strich ihm vorsichtig über Die Schulter und merkte, wie er zusammenzuckte. „Andrea? Ich...ich hab Angst...dieser Mensch hat gesagt, dass ich, um vollkommen gesund zu werden, wahrscheinlich tablettensüchtig werden muss.“, stieß der Deutschtürke aus. „Nein...nein, das wirst du nicht...Herr Friedlich hat mit uns gesprochen...wir passen auf dich auf...Hast du gehört, Semir? Du bist nicht allein?“, fragte Andrea und nahm ihren Mann fest bei den Schultern. Langsam richtete er sich auf und sah seine Frau an. „Da...Danke...“, kam es leise schluchzend von Semir. Ben konnte es kaum ertragen, seinen Freund und Kollegen so zu sehen. Hoffentlich schlägt die Heilung bald an. Semir musste einfach wieder der Alte werden. Ein kurzes Schlagen der Tür ließ Bens Kopf nach hinten schnellen. „So, ich mache uns jetzt mal Mittagessen.“, gab Gregor bekannt und hatte dafür einen schon gerupften und vollkommen ausgenommenen Vogel in den Händen. „Ich helfe...“, kam es leise von Semir und langsam stahl er sich an Andrea und Ben vorbei. Gregor nickte nur und alle gingen dann in die Küche zurück.

    Nach dem Mittagessen hatte Ben eine Idee. Angeln beruhigte doch die Nerven, hatte ihm sein Opa mal beigebracht und so holte er vom Speicher das alte Angelgerät, überprüfte alles und stieg dann wieder runter ins Wohnzimmer, wo Semir vor dem Kamin saß und sich den Bauch hielt. Er schien zu schlafen, doch er hatte nur die Augen geschlossen. „Ich weiß, dass du mich beobachtest, Ben.“, kam es nur kurz von Semir, der dann wieder die Augen aufschlug und seinen Partner ansah. „Ähm Semir, ich wollte dich nicht stören, aber vielleicht würde dir eine kleine Nervenberuhigung ganz gut tun.“, meinte Ben. „Das wäre schön, nur leider wüsste ich nicht, was ich hier zur Beruhigung meiner Nerven tun könnte.“, kam es nur knapp von Semir zurück. Doch Ben grinste und hob die Angeln hoch. „Komm, lass uns fischen gehen.“, meinte er und streckte seinem Partner eine der Ruten hin. „Ich soll...Oh nein, ich bin kein Angler...“, kam es nur abweisend von Semir zurück. „Versuch es doch wenigstens mal...vielleicht hilft es dir.“, entgegnete Ben nur und hielt immer noch die Angel fest, sah Semir mit einem eindringlichen Blick an. „Na schön, aber es wird nichts werden...ich werde nichts fangen.“, gab der Deutschtürke von sich und ging mit Ben zum Weiher hinunter, der inmitten des Waldes lag. Beide ließen sich auf zwei Baumstämme nieder und beide machten ihre Köder bereit. „Dann mal los...“, meinte Ben nur und warf die Angel aus. Semir tat es ihm gleich und wartete dann.

    Andrea und Gregor saßen derweil im Wohnzimmer, wo Gregor den beiden Kindern seiner Gäste beim Spielen zusah. „Du hast echt liebe Kinder...“, meinte er zu Semirs Frau. Diese lächelte und sah nur zu Felix und Sina, die auf dem Boden lagen. Felix sah die Hündin immer wieder mit misstrauischen Augen an, als diese sich nähern wollte. Ein Mal hieb er mit seiner Pfote nach ihrer Nase. „Hey, der Kater ist ja ganz schön angriffslustig. Ist wohl ein Kampfkater, was?“, lachte Georg und Andrea stimmte in das Lachen mit ein. Es tat ihr auch mal gut, nicht an diese Sache erinnert zu werden. Doch das würde sie noch früh genug. „Gregor, ich danke ihnen so sehr, dass sie uns bei sich wohnen lassen. Obwohl wir doch sicher ihren ganzen Alltag durcheinander bringen.“, meinte Andrea entschuldigend. „Wie kommen sie denn da rauf? Ich freue mich, endlich mal wieder Besuch zu haben. Mein Sohn besucht mich ja eher selten und meine beiden Enkel haben auch mehr mit sich zu tun. Da ist es schon in Ordnung, wenn es mal ein bisschen lebhafter im Haus ist.“, lächelte er und sah dann weiter den Kindern beim Spielen zu. Aida und Layla schoben sich gegenseitig die Bauklötze zu und Layla versuchte sich mit ihren noch nicht vorhandenen Zähnen daran, während Aida einen hohen Turm versuchte, der irgendwann Felix Aufmerksamkeit erregte. „Nein Felix...nicht...“, kam es nur von der Fünfjährigen, doch schon hatte der Kater mit seiner Tatze ausgeholt und schreckte dann hinter die Couch zurück, als die Klötzer mit einem lauten Knall umfielen und sich in der ganzen Gegend zerstreuten. Andrea und Gregor mussten laut lachen.

    Nun gibt es zwei Möglichkeiten:) um Semir mal aus "Das Kartell" zu zitieren:

    1. Ben schlägt Peter zusammen und fragt dann wo Semir ist oder aber

    2. Ben fragt Peter wo Semir ist und schlägt ihn dann zu Brei....;)

    mal sehen was du wählst..Chris

    Wo bleiben denn die Feeds????

    Für Leo fing der Tag entspannt an. Er fuhr zur Arbeit und erledigte seine Aufgaben als sei nichts passiert. Alles war wie immer. Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Nichts ärgerte ihn und seine Pausen zog er wie immer pünktlich durch. Dann wurde er ins Büro gerufen. Der Chef wollte ihn sehen. Leo strahlte innerlich. Vermutlich wird der Alte ihm für seine Arbeit loben... Leo ging ins Büro und schluckte kurz. Das ist Amelia...meine Assistentin...“ lächelte die bereits in die Jahre gekommene Chefsekretärin. „Brauchst du denn schon Hilfe Beate? So alt bist du doch gar nicht...und du bist wunderschön...“ säuselte Leo. „Du Charmeur...geh nur rein....“lachte die Sekretärin und wies auf die Tür. Leo betrat das Büro sehr schüchtern. „Leo...kommen Sie rein..“ begrüßte Humpert Lörrach ihn. Leo nickte und trat ein. ER schloss die Tür und sah seinen Chef an. „Herr Lörrach....liegt etwas an?“ fragte er vorsichtig. „Ja ... leider... Leo...setzen Sie sich doch bitte.“ kam als Antwort. Leo fühlte sich nicht wirklich wohl. „Was ist es denn? Gab es Beschwerden über mich?“ harkte er nach. „Nein...wo denken Sie hin. Alle Kollegen und auch die Kunden sind sehr zufrieden mit Ihnen. Ich auch...aber...“ Lörrach machte eine Pause und holte tief Luft. „Aber?“ harkte Leo nach. „Nun ja... Sie wissen sicherlich, dass es im Augenblick wirtschaftliche Probleme in der Firma gibt. Ich musste eine Sozialauswahl treffen und Sie sind nicht nur der jüngste in der Belegschaft, sondern haben auch keine Kinder und Sie sind qualifiziert genug, noch woanders eine Arbeit zu bekommen...Leo...es tut mir sehr Leid... aber....ich muss Sie kündigen..“ erklärte Lörrach. Leo starrte ihn an. „Was? Wie bitte? Aber warum? Warum ich?“ kam unverständlich von Leo. „Das sagte ich doch... Sie sind ohne Familie...und Sie sind gerade mal zwei Jahre hier. Die Sozialauswahl ist gesetzlich vorgeschrieben...ich kann es nicht ändern....Sie bekommen natürlich ein gutes Zeugnis und eine Abfindung..“ erklärte Lörrach weiter. Leo nickte. „Ich verstehe...der Mohr hat seine Schuldigkeit getan...der Mohr kann gehen...nicht wahr?“ zitierte er aus einem Märchen aus 1000 und 1 Nacht. Er stand auf und ging. „Leo...bitte...Sie müssen mich doch verstehen..“ rief Lörrach hinter ihm her. Doch Leo reagierte nicht.

    Leo zog sich in seine Wohnung zurück. Seine Gedanken schweiften zu dem Gespräch was er eben mit seinem Chef...oder besser Exchef hatte. Arbeitslos... er war wieder arbeitslos...nach zwei Jahren gutes Leben hatte er nun wieder die Aussicht jahrlang zuhause zu sitzen und auf die wenigen Kröten vom Staat zu warten, die ihm zustanden. „Scheiße!!“ schrie er wütend und trat gegen den Wohnzimmertisch. Doch er wusste auch, dass es nutzlos war. Er wusch sich, setzte sich auf seine Couch und nahm sein Märchenbuch. Dann schlug er das Märchen Dornröschen auf. Wie schön das Märchen doch war...überhaupt alle Märchen waren schön. Diese Prinzessinnen wurden wie wahre Schönheiten beschrieben und sie bekamen immer am Ende ihren Prinzen. Märchen waren einfach wunderbar und ließen ihn die Sorgen des Alltags vergessen. Er strich über die Zeichnung die die Prinzessin Dornröschen darstellen sollte. So müsste sie aussehen...langes blondes Haar, braune Augen... eine anmutige Figur... ja... Märchen waren wundervoll. Sie gingen immer gut aus. Warum konnte er nicht seine Märchenprinzessin finden? Warum lachten die Frauen ihn immer nur aus? War er so ein Freak? Nein...nein...die Frauen konnten ihn nur nicht einschätzen. Sie konnten nicht einsehen, dass er ein wahrer Adonis war. Er war schön... und er konnte jede haben. Und genau das würde er heute wieder beweisen. Heute Abend würde er dort hingehen, wo seine Prinzessin war. Verborgen unter den einfachen Dirnen...dort würde er sie finden. Am späten Abend fuhr er zum Straßenstrich um sich eines der Mädchen zu holen. Wie sie auszusehen hatte wusste er bereits. Leo sah sich am Strich um und entdeckte eine Frau, die seiner Phantasie sehr nahe kam. Nur die Haare waren kurz und sie hatte blaue Augen, dennoch passte sie. Er hielt an und lächelte. „Hey... ich bin Leo...“ stellte er sich vor. „Ich bin Kira...für vierzig bekommst du ein Märchen geboten..“ bot sie an. Leo nickte. „Dann steig ein...ich liebe Märchen...“lachte er. Kira stieg ein und schon ging die Fahrt los. „Wohin wollen wir denn? Wir können ja auch hier auf dem Platz ein Schäferstündchen machen...oder in deinem Auto...“ gab Kira zu bedenken. „für dich meine Prinzessin kommt nur ein Schloss in Frage....nur dort kann ich meinen Spaß haben...Ich werde dich wieder hier her bringen... versprochen..“ gab er zu verstehen. Kira sah ihn musternd an. „Gut... aber das kostet das Doppelte.“ forderte sie. Leo lachte leise. „Klar doch Dornröschen...das Doppelte...“ bestätigte er. Innerlich jedoch stieg die Wut über so eine Dreistigkeit. Wie konnte diese Schlampe einfach so den Preis erhöhen?

    „Tja...das war wohl nichts...okay...dann auf zum Restaurant..“ stöhnte Semir. Doch auch dort ergab sich nichts Neues. „Dabei hätte der Tag so friedlich sein können...ich werde dann wohl mal die nächsten Abende mit Andrea und Ayda absagen müssen.“ murmelte Semir und stieg in den Wagen. „Sieh es doch mal positiv. Unser Tag ist jedenfalls besser gelaufen, als für die Opfer...“ erwiderte Ben. Sie fuhren zur PAST zurück wo Ben sich über seine Keksrolle hermachte. Semir schüttelte den Kopf. „Verfressen wie immer..“ lachte er leise. Ben überhörte diesen Kommentar und startete seinen PC. „also gut...was haben wir.. wir haben eine Tote die aussah wie Schneewittchen. Vollständig angezogen mit einer Bisswunde am Hals und ein Opfer das aussah wie Rotkäppchen...fast nackt abgesehen von der roten Kutte und der roten Kappe...beide ohne Namen..“ begann Semir. Ben sah ihn an. Er schob sich ein Keks in den Mund und genoss ihn sichtlich. „Soweit weiß ich es auch...aber dann haben wir nichts mehr..“ meinte er kauend und undeutlich. „Genauso ist es...“ bestätigte Semir und sah starrte auf den Bildschirm. „Was machst du da?“ harkte Ben neugierig nach, ging um den Tisch und sah Semir zu. Die Krümel seiner Kekse fielen bei Semir auf die Tastatur. „Mensch...nun pass doch mal auf!“ beschwerte sich dieser. „Sei nicht so kleinlich... das pustest du einfach weg und gut ist..“ lachte Ben und tat es. Semir schüttelte den Kopf. „Ich habe mir doch die Videos geben lassen. Von dem Parkplatz. Das ist hier in etwas der Zeit aufgenommen worden wo die junge Frau umgebracht wurde. Wenn wir davon ausgehen, dass sie von einem LKW dort abgelegt wurde, dann käme dieser hier in Frage. Der Wagen selbst ist nicht in der Nähe der Container, aber dieser LKW ist schon auffällig. Ich habe mir die Nummer aufgeschrieben und werde gleich noch zur Spedition fahren. In diesem Band sind einige Fahrzeuge durchgefahren. Wir müssen alle Halter durchgehen die an diesem Abend die Raststätte angefahren haben...“erklärte Semir sein Tun und machte sich weiter Notizen.

    „Haben Sie vielen Dank für Ihre Informationen... und entschuldigen Sie die Unannehmlichkeiten..“ sagte Semir zu dem Spediteur und reichte ihm die Hand. „Nichts zu danken... Sie machen Ihre Arbeit und wir unsere...das ist in Ordnung..“ lächelte dieser und verschwand wieder ins Büro. Semir stieg in seinen BMW und fuhr zur PAST zurück. Ben sah ihn erwartungsvoll an. „Und?“ fragte er. „Tja...der Fahrer hat lediglich seine vorschriftsmäßige Pause gemacht und seinen Müll im Container geleert. Der Fahrer sagt auch aus, dass dort noch keine Leiche im Container lag. Das war ungefähr um drei in der Nacht....“ erklärte Semir weiter. Ben legte seine Prinzenrolle beiseite und sah ihn an. „Du denkst doch wohl nicht auch, dass wir es mit einem Serienkiller zu tun haben, der sich auf Märchenwesen spezialisiert hat oder?“ harkte er mach. „Es ist nicht auszuschließen...überleg doch mal...erst eine Frau im Kostüm von Schneewittchen und kurz danach Rotkäppchen...was wenn es noch eine gibt?“ stellte Semir dagegen. „Ich meine es gibt verdammt viele Märchen und..“ hängte er nachdenklich an. „Semir....dein Engagement in allen Ehren. Aber ein Mord macht noch keine Mordserie. Vielleicht war die Frau ja auf einem Kostümball. Es gibt so viele Möglichkeiten..“ gab Ben zu bedenken. Semir nickte nachdenklich. Ben hatte Recht aber was wenn es nicht so war? „Das ist schon möglich...aber was wenn es nicht so ist?...“ murmelte Semir. „Dann werden es ziemlich lange Tage in Zukunft werden. Die Chefin wird uns im Nacken kleben und wir bekommen keinen Schlaf mehr. Deiner Tochter wird ohne Märchen ins Bett gehen und...“ überlegte Ben. „Sehr witzig...wirklich... Okay... heute können wir eh nichts mehr anfangen...machen wir Feierabend...“ schlug Semir vor. „Gut...dann komme ich noch zu dir und lese deiner Tochter den Rest vom Rotkäppchen vor...“ grinste Ben. „Ben...Ayda ist fünf...und sie liegt um diese Zeit bereits im Bett. Wir haben es immerhin schon neun am Abend...“ erklärte Semir. Ben dachte kurz nach. „Gut...dann lese ich dir das Märchen zu Ende vor...“ lachte er und duckte sich, als ein Radiergummi angeflogen kam. „Das war ein tätlicher Angriff auf meine Person..“ tadelte er seinen Freund und Kollegen. Jeder fuhr zu sich nach Hause und fielen müde ins Bett.

    Martin setzte sich Semir gegenüber in einen Sessel. „Wollen Sie es mir so erzählen?“, fragte er an. Semir nickte. „Dann bitte…“, forderte Martin ihn auf und Semir atmete tief ein. „Alles fing so harmlos an….ein Toter im Kühlwagen…ich bin Polizist und…ich hab…diesen Fall bearbeitet wenigstens am Anfang. Alles zu schildern ist ziemlich langweilig….Ich weiß nicht einmal, ob man den Mörder bekommen hat…“, fing Semir an. Martin wartete ab. Er beobachtete seinen Patienten sehr genau. „Was ist dann passiert?“, wollte er wissen. „Ich….bekam Urlaub und…fuhr mit meiner Familie campen….alles war so friedlich und ruhig….einfach klasse… Und dann…ich hab einen Mann gesehen, der kurz zuvor verstorben war…“ Semir machte eine Pause. „Sie haben doch sicher öfter mit Toten zu tun….warum hat Sie das erschreckt?“, fragte Martin nach. „Weil dieser Mann lebte…obwohl er laut einem Gutachten verbrannt war…aber er lebte…und…er…“, Semir fing an zu zittern. Martin griff Semirs Hand. „Wir sollten es vielleicht unter Hypnose versuchen. Die Erinnerung an dieser Sache scheint Sie nervlich zu sehr anzugreifen…“, schlug er vor. „Nein…ich will keine Hypnose!! Niemals!!“, fauchte Semir wütend. Martin ließ seine Hand los. „Also gut….was geschah dann?“, fragte er nach. „Ich habe auf meine Familie geachtet…wollte nicht, dass der Mann an sie herankommt…und mir das nimmt, was mir das Wertvollste ist.“, erzählte Semir weiter. „Das ist doch klar… aber was ist dann passiert?“, forderte Martin ihn auf weiter zu erzählen. „Die Tage vergingen, ohne, dass ich den Mann wieder gesehen habe und ich vergaß ihn…ich genoss die Tage mit meiner Familie und ging morgens sogar laufen… und….als ich…im Wald war…da kamen zwei Männer auf mich zu…die drückten mir die Waffe in den Bauch und…ich wehrte mich…bin ihnen entkommen, doch…sie fingen mich ein und brachten mich zu dem Mann, der eigentlich tot war…er hatte die ganze Sache eingefädelt und…er….wollte sich an mir rächen…“, erzählte Semir stockend weiter. Das Zittern wurde immer stärker. Martin stand auf und ging zu der kleinen Bar, die Gregor in seinem Wohnzimmer hatte. Er goss in einem Glas Cognac ein und stellte es Semir hin. „Alkohol beruhigt die Nerven…wenn man es in Maßen genießt…trinken Sie…“, befahl er sanft.

    Gregor ging durch den frühmorgendlichen Wald und sog die frische Waldluft durch seine Nase ein. Das Gewehr hatte er sich um die Schulter geschnallt und ging langsam durch sein Revier. Er hörte das Schnaufen und Graben der Wildschweine. Leise stieg er auf einen kleinen Hügel und lugte durch sein Fernglas. „Na, das ist doch eine Überraschung...“, stieß er aus und sah eine ganze Rotte mit kleinen, erst vor Kurzem geborenen Frischlingen, die sich vollkommen ruhig und nach Wildschweinmanier in einem Erdloch hin und her wälzte. „Na, ihr seid mir eine willkommene Abwechslung...“, meinte Gregor und ging dann weiter. Sein Revier war groß und so ging er weiter, kam nach einem Fußmarsch von etwa 45 Minuten an dem alten Eisenbahnwagen an, den der alte Rolf Bär bewohnte. Dieser war gerade dabei, bei seinem Waldbienen nach dem Rechten zu sehen. „Na Rolf, heut schon den Kopflosen gesehen?“, begrüßte Gregor den alten Mann. Dieser blickte ihn nur wütend an. „Ihr glaubt mir alle nicht, was? Aber ich habe ihn gesehen...er...er schwang sein Schwert und hieb dem Fischer genau den Kopf von den Schultern.“, stieß der alte Trunkenbold aus. „Ja sicher...und das, nachdem du im alten Dragoner wieder zu viel gebechert hast.“, kam es nur verächtlich von Gregor. „Du kennst doch die Legende...bei jeder Vollmondnacht wird der Kopflose herauskommen und mit seinem Geisterpferd nach denjenigen jagen, die ihn nach dem Leben trachteten.“, kam es zähneklappernd von Rolf. „Dann solltest du nicht hier draußen bleiben, sonst bist du wahrscheinlich das nächste Opfer.“, lachte Gregor und ging wieder seines Weges. „Du wirst dich noch wundern...ihr alle werdet euch noch wundern.“, schrie er dem Förster hinterher.

    Andrea und Ben saßen in der Küche. „Hast du die Blicke gesehen, die Semir zu Aida geworfen hatte, als sie ihm sagte, er soll der alte werden. Es hat mir fast das Herz gebrochen. Aida versteht nicht, was mit ihrem Vater ist….und Semir….der sie über alles liebt, kann nicht über ….“, gab Andrea leise von sich. „Nur keine Sorge…dieser Friedlich scheint sein Beruf zu können…Semir brüllt noch nicht…und er ist noch drin...“, grinste Ben. Andrea lächelte bitter. „Ich habe Angst…Semir war noch nie so fertig….was wenn er es nicht packt? Was wenn er….?“, fragte sie leise. Ben nahm ihre Hände. „Semir ist ein Kämpfer…er lässt sich nicht so einfach in einen Sack stecken und fertig. Er tritt um sich und wird sich wieder fangen…da bin ich mir ganz sicher…“, versprach er. Andrea lehnte sich an ihn. „Ich wünschte, du hast Recht. Er ist nicht mehr derselbe Mann, den ich so liebte…ich liebe ihn immer noch…aber…er ist so…so…“, Andrea suchte nach den richtigen Worten. „Ich verstehe dich. Warten wir einfach ab, was Dr. Martin Friedlich herausbekommt und mit ihm macht…“, schlug Ben vor. Er strich der Frau seines Freundes und Partner über den Kopf. „Ich bin davon überzeugt, dass alles gut wird….“, lächelte er nur. Andrea nickte und beide sahen zur Tür, als Gregor wieder reinkam. „Na Opa, hast du deine Runde beendet?“, wollte Ben wissen. „Ja und dabei etwas ganz tolles gesehen...eine Bache mit Frischlingen...“, erklärte der Förster stolz. „Wow, Wildschweine hab ich schon lange nicht mehr in freier Wildbahn gesehen...nur auf dem Teller.“, grinste Ben. „Dann wird es mal wieder Zeit. Ich sollte dich und deinen Kollegen mal mit auf die Nachtpirsch nehmen.“, grinste Gregor nur. Ben blieb vor Schreck die Spucke weg.

    Ben stöhnte leise auf. „Okay....haben wir sonst noch irgendwas auffälliges? Etwas womit wir auch was anfangen können?“ wollte er wissen. „Leider nein. Der Täter war sehr umsichtig... keine Möglichkeit sie zu identifizieren, jedenfalls nicht so schnell...Ach so....es gibt einen Bissabdruck...den ich bei beiden gefunden habe...aber bevor ihr in Jubel ausbrecht...keine Speichelspuren...die Zähne waren so glatt, dass ich vermute, dass der Täter ein Gebiss genommen hat.“ Hängte Wegener noch an. „Oh man... wie pervers ist das denn? Haben Sie Abwehrspuren gefunden? Ich meine ob sie vergewaltigt wurde oder so?“ fragte Semir noch nach. „Leider nein...es kann natürlich auch sein, dass sie nach dem Tod Sex hatte....“ gab der Doc zu bedenken. „Nach dem Tod??? Boah...nee...das ist wirklich pervers...“ stöhnte Ben. „Es gibt halt kranke Typen...“ meinte Wegener nur und verabschiedete sich von den Beiden. Sie gingen zum Wagen und stiegen ein. „Das klingt nicht besonders gut oder?“ fragte Ben nachdenklich. „Nee...nicht wirklich.“ kam von Semir und er nahm sein Handy in die Hand, was er auf dem Armaturenbrett vergessen hatte. „Hartmut hat ne SMS geschickt...“ murmelte er und las. „Verdammt...keine Spuren...gar nichts...“ stöhnte er leise. „Ben.... ich weiß nicht....irgendwas, an diesem Fall gefällt mir überhaupt nicht...“ hängte er an und fuhr los. Ben nickte „Mir auch nicht...und das ist das wir zwei tote Frauen haben, ohne Identität oder Hinweise auf den Täter. Das heißt Überstunden schieben. Sieht alles nach Sexualdelikte aus, oder? Nur frage ich mich, ob der Kerl wirklich so pervers ist und Tote vergewaltigt oder ob sie vor ihrem Tod einvernehmlichen Sex mit den Typen hatte.“ knurrte Ben. Semir nickte und fuhr auf die Autobahn zurück zur PAST. „Dann werden wir Frau Krüger mal Bericht abstatten.... die nächsten Tage und Abende werden wohl sehr ausfüllend sein. Andrea wird mich zerreißen..“ meinte Semir nur nachdenklich. „Nur keine Sorge...wenn das hier vorbei ist, dann werden wir Urlaub nehmen....ein oder zwei Tage..“ schlug Ben vor. „Toller Urlaub..“ lachte Semir nur.

    „Und von dem Täter gibt es keine Hinterlassenschaft? Keine Spermaspuren, oder andere Sachen?“ wollte Kim wissen, als Semir und Ben ihr berichteten. „Nein...das einzige was auffällig ist, dass die Frauen wie Märchenfiguren angezogen waren. Die erste war als Schneewittchen zu erkennen und die zweite als Rotkäppchen.“ Gab Semir von sich. „Und die Identität der Damen?“ harkte Kim nach. „Auch nichts. Wir wollen jetzt die Vermisstenkartei durchgehen und dann gegebenenfalls die Öffentlichkeit mit Hilfe der Medien um Hilfe bitten...“ meinte Semir. „Gut...dann an die Arbeit meine Herren, ich will keine weiteren toten Märchenfiguren an der Straße finden..“ ermahnte Kim. Semir und Ben nickten und verließen das Büro. „Wir sollten uns den Fundort ansehen...vielleicht finden wir dort doch noch etwas.“ Schlug Ben vor. Semir war einverstanden und sie fuhren zum ersten Fundort. Als sie durch das kleine Grünstück gingen sah Ben Semir an. „Also weißt du...irgendwas stört mich hier....irgendwas ist nicht so, wie es sein soll...“ murmelte er nachdenklich. „Und was ist das?“ harkte Semir nach. „Es liegt mir auf der Zuge, nur komme ich nicht drauf...“ gab Ben nachdenklich von sich. „Ist es vielleicht noch der Rest der Schnittchen von gestern Nacht?“ grinste Semir. Ben zog eine Grimasse. „Wie lustig...echt...noch so ein Spruch und ich kleb dir eine...“ warnte er seinen Partner. Semir wich der angedeuteten Faust seines Freundes aus und lachte frech. „Na komm... ich hab das Tablett doch gesehen...du hast die letzten Stücke auch gegessen..“ grinste er . „Ja hätte ich sie heute von Andrea wegwerfen lassen sollen? Dafür waren sie nun wirklich zu schade...Das wäre die reinste Verschwendung gewesen..“ empörte sich Ben. „Wo fangen wir denn jetzt an?“ stöhnte Semir und drehte sich suchend um. „Am Waldrand.“ schlug Ben vor. „Warum da?“ harkte Semir nach. „Ganz einfach... wenn ich Täter wäre und mein Opfer vergraben will, dann natürlich entfernt von allen anderen Sachen. Der Waldrand wäre doch ein guter Ort gewesen um die Vergewaltigung, die eigentlich nach dem Tod stattgefunden haben kann, dort durch zu ziehen.“ erklärte Ben etwas umständlich. Semir nickte und sie gingen hin. Doch hier fanden sie nichts.

    dreist....echt dreist anrufen und Lösegeld fordern obwohl er die Geiseln gar nicht mehr hat...aber was ist mit Semir und Chris? Bekommen sie die Chance zu entkommen oder kommen sie in die Hölle zurück? Wird es schmerzhaft? ich brauche Anregung....bitte Chris. lass mich nicht so ins Bett gehen....sonst bekomme ich Alpträume :D:D

    Georg schloss die Tür. So deprimiert hatte er seinen Vater noch nie gesehen. Er dachte nach. Als Student hatte er jede Menge an Büchern. Und da er Geschichte und Technik studierte, war er auch mit den alten Sagen vertraut. Schon seit einigen Tagen machte er sich einen Spaß daraus, Leute zu erschrecken indem er ein Hologramm erscheinen ließ. Einen kopflosen Reiter. Die Technik war nicht einmal schwer zu besorgen. In den Großstädten konnte man alles bekommen, was man brauchte. In einer Stelle im Wald nahe der Forststation hatte er ein Drahtseil gespannt an dem eine Spiegelfolie hing. Sie war so dicht an dem kleinen Berg, der das Gebiet beherrschte, gespannt, das man ihn nicht einmal wahr nahm. Doch wenn Georg den kleinen Projektor anwarf, dann entstand ein Bild….der kopflose Reiter, der sein Unwesen trieb. Der Sage nach, brachte er in jeder Vollmondnacht einen Menschen um, den er mit in sein Reich nahm. Die Alten hier im Dorf hatten extremen Respekt vor diesen Legenden. Vielleicht konnte man das dafür nutzen um seinen Vater zu helfen. Vielleicht war es möglich, Fritz mit diesem Geist in die Flucht schlagen? Nein…nein…das war keine gute Idee….Fritz war hier geboren und kannte die Legende. Er hatte sicher keine Angst. Aber was wenn er….nein…nicht er…wenn sein Vater etwas gegen den Geist unternahm? Natürlich erfolgreich am Ende….ja…das war eine gute Idee….er würde den Geist spielen und sein Vater wird ihn jagen…ihn erlösen und der Fluch hatte ein Ende. Er würde wieder gewählt werden und alle wären glücklich…ja…das war ein genialer Plan. Nun musste er ihn nur noch durchführen.

    „Fast vier Jahre Ben...“, lachte sie und ging mit der Tasche nach hinten. Nico umarmte seinen Freund und ging mit Ben nach hinten, wo Semir und Andrea in der Sitzecke in der Küche saßen und aufsahen, als die Tür aufging und der Besuch eintrat. Andrea war die erste, die aufstand und den Besuch begrüßte. „Nico, schön euch zu sehen...“, rief sie erfreut aus und umarmte Beide. „Hallo Andrea...wie geht es dir?“, wollte die Tierärztin wissen und küsste sie auf beide Wangen. „Nun ja...es geht...“, meinte sie und deutete kurz auf Semir, der wie benommen in seiner Ecke saß und vor sich hinstarrte. „Was ist denn passiert?“, wollte Elena wissen, doch Gregor kam dazu. „Elena bitte, mein Hund...zuerst die Arbeit und dann kannst du gerne alles bei einem Kaffee erfragen.“, brummte er nur und zeigte auf den Korb, der in der Ecke stand, wo seine Hündin drin lag und traurig auf die Personen hochsah. Elena lachte auf, während Nico nur die Augen verdrehte. „Okay...okay...dann seh ich mir die Patientin einmal an.“, grinste sie, nahm ihrem Mann die Arzttasche ab und begab sich dann zu der Hündin, untersuchte sie ganz genau. Nico hingegen setzte sich zu Semir und sah seinen Freund an. „Semir, ganz ehrlich gesagt, du siehst Scheiße aus.“, gab Nico von sich, doch Ben knuffte ihn kurz in die Seite. „Oh Sorry...war nicht so gemeint.“ „Schon in Ordnung...ich sehe im Moment wirklich beschissen aus.“, gab er von sich. „Wir wollten spazieren gehen. Vielleicht bringt ihn die Waldluft auf andere Gedanken.“, meinte Andrea. Nico und Elena nickten gleichzeitig. „Das denke ich auch.“, meinte Bens Freund. „Würdet ihr inzwischen auf die Kinder aufpassen?“, bat Andrea. „Klar, kein Problem.“, meinte Nico augenzwinkernd.

    Semir, Andrea und Ben gingen durch den nahe gelegenen Wald. Die frische Luft und der beruhigende Gesang der Vögel schien wirklich beruhigend auf Semir einzuwirken, denn das erste Mal, seit seinem Abenteuer umarmte er Andrea und ließ auch zu, dass man ihn berührte, ohne, dass er zu zittern anfing. „Ist das nicht herrlich hier?“, fragte Andrea und küsste ihren Mann auf die Wange. „Ja, das ist es...“, meinte Semir und atmete tief ein. Ben ging hinter ihnen her und beobachtete Semir genau. Langsam schien sich sein Partner wieder zu entspannen und die Luft immer wieder einatmete. Plötzlich raschelte etwas im Gebüsch. Alle drei blieben stehen. Andrea merkte, wie sich Semir sofort wieder verkrampfte und sich dicht an Andrea drängte. Sie nahm ihn sofort in den Arm und merkte, wie er wieder zitterte. Doch die Angst war unbegründet...ein kleiner Hase kam es dem Gebüsch, sah sofort die Menschen und verschwand wieder unter dem Gebüsch auf der anderen Seite der Schneise. „Oh man...was für ein kleines, süßes Ding.“, stieß Andrea aus und sah dann zu Semir. Auch Ben hatte dieses Verhalten von Semir bemerkt. Er legte ihm die Hand auf die Schulter. „Alles okay?“, fragte er besorgt. „Ja...klar....verdammt Ben...ich bin ein Wrack....ich erschrecke mich wenn ein Hase im Gebüsch läuft....wie soll das werden, wenn wir....wenn wir auf Streife gehen...ich...ich....“, kam klagend von Semir. Ben sah ihn fest an. „Semir....du kannst es schaffen... lass dir helfen...Weißt du, hier im Ort gibt es einen guten Psychologen hat mir Bens Opa erzählt. Sprich doch mal mit ihm.“, schlug Andrea vor, die hinzugekommen war und alles mitangehört hatte. Semir nickte. „Okay...wenn wir zurück sind...“, nahm er den Vorschlag an.

    „Frau Lenker…?“ fragte Semir. Die Frau sah ihn an. Sie hatte nun mehr Farbe im Gesicht. „Können Sie uns ein paar Fragen beantworten?“ wollte er wissen. „Ja sicher….fragen Sie…“ nickte Ingrid Lenker. „Seit wann sind Sie heute schon hier?“ fing Semir an. „Seit fünf. Heute bin ich allein und…ich musste eine Menge vorbereiten…“ erklärte sie. „Aber Sie waren eben zum ersten Mal am Container?“ wollte Ben wissen. „Ja…gestern Abend um neun hab ich den letzten Müll raus gebracht. Da war hier noch alles in Ordnung…“ erklärte sie. Semir sah zu Ben. „Dann ist der Tod zwischen gestern Abend um neun und heute um zehn eingetreten.“ murmelte er und wandte sich wieder an Lenker. „Frau Lenker…Haben Sie die Frau schon mal gesehen? Als Gast meine ich?“ harkte er nach. „Nein…ich kenne sie nicht…“ kam von Lenker. „Sie könnte ja auch mit einem Trucker gefahren sein. Sie könnte eine Anhalterin gewesen sein und der Kerl wurde zudringlich. Sie hat sich gewehrt und dann hat er sie vergewaltigt und getötet damit sie ihn nicht verraten kann. Dann musste er die Leiche loswerden, fährt hier ran und entsorgt die Leiche im Müll...“ mutmaßte Ben. Semir sah ihn an. „Auch eine Möglichkeit. An den Müllcontainern kommt jeder ran. Allerdings hab ich gesehen dass der Parkplatz Videoüberwacht wird. Aber vermutlich wird er uns nicht den Gefallen getan haben und das vor der Kamera gemacht hat. Der Container ist allerdings nicht im Erfassungsgebiet der Kamera…“ murmelte Semir nachdenklich. Ben hatte recht, es könnte ein LKW-Fahrer gewesen sein. Oder aber auch ein PKW. Nichts deutete darauf hin. „Wegener wird uns sicher bald was sagen können..“ grinste Semir. „Das riecht nach verdammt viel Arbeit..“ kam von Ben Semir grinste. „Das ist unser Leben..“ meinte er nur. Sie stiegen ins Auto und Semir startete den Motor. „Wo willst du jetzt hin?“ fragte Ben und sah ihn an. „Ich will wissen wer die Mädchen getötet hat…und deshalb werden wir nun unsere Hilfskräfte etwas aufscheuchen... Also fahren wir zur Pathologie…“ schlug Semir vor. „Der Doc ist doch eben erst losgefahren. Lass ihn doch wenigstens ankommen…“ grinste Ben. Semir nickte. „gut…er bekommt zehn Minuten Vorsprung…“ räumte er gnädig ein.

    Tatsächlich ließ Semir dem Gerichtsmediziner mehr als zwei Stunden Zeit. Sie waren erst gegen späten Nachmittag in der Pathologie. „doc?“ wissen wir schon mehr als das sie erwürgt wurde?“ wollte Semir wissen, als sie Wegener gerade beim essen störten. „Nun ja...doch... beide Frauen hatte vor ihrem Tod noch Sex...“ gab Wegener kauend bekannt. „Wir haben Spermaspuren?“ kam hoffnungsvoll von Semir. „Leider nein...der Mann hat entweder ein Kondom benutzt oder aber außerhalb von ihr ejakuliert.. Schneewittchen war bereits 11 Stunden tot als man sie fand und Rotkäppchen knappe 4 Stunden. Beide wurden mit einem Gürtel bzw. mit einer Strumpfhose erwürgt. Die Fundorte sind nicht Tatorte und damit ist die Spurensicherung außen vor..“ erklärte Wegener sachlich. Er beobachtete Ben und grinste. „Willst du auch eins? Ist mit Leberwurst belegt..“ bot er an. Ben wurde blass und drehte sich um. „Hier esse ich sicher nichts...“ gab er angewidert zurück und sah auf die Tische auf denen mit Tüchern bedeckten toten Körpern. Wegener grinste vergnügt. „Hier hab ich wenigstens meine Sandwichs allein für mich....“ meinte er nur und biss zu. Semir sah Ben an, grinste und schnappte sich eines der Brote. „Du hast mich vergessen...“ lachte er nur als er Wegeners Blick bemerkte. „Also gut...wir haben keine Papiere...also die Vermisstenkartei durchgehen, sofern sie als Vermisst gemeldet wurden. „Wie sieht es mit einem Gebissabdruck aus?“ warf Ben ein. „Sind bereits unterwegs und werden an die ansässigen Zahnärzte sowie die aus den Umliegenden Städten gesendet. Unter den Fingernägeln habe ich ein paar Hautfetzen gefunden... ich sagte ja, dass der Todeskampf einige Minuten dauerte und die Frauen haben sich beide gewehrt. Die Hautfetzen stammen sicher vom Täter, was allerdings wieder eine DNA möglich macht, wenn wir Vergleichsmaterial haben, was wieder um bedeutet, dass der Täter bereits vorbestraft und in unserer Kartei ist...was dann ja wieder eure Aufgabe ist...“ meinte Wegener nur und nahm einen Schluck Kaffee.

    tse...war ja klar, dass du jetzt aufhörst...immer wenn es spannend wird. Ist mir irgendwie zu einfach gegangen...Semir und Chris so einfach wech? Nee...das geht nicht...das geht gar nicht.

    Semir sah besorgt auf die Frau. Sie stand unter Schock das war für die Situation ganz normal. Er kannte den Anblick von Leichen und hatte sich immer noch nicht daran gewöhnt wie schlimm musste es dann für diese Frau sein, die noch nie eine Leiche gesehen hatte? Dennoch musste er ihr Fragen stellen und hoffte vernünftige Antworten zu bekommen. „Frau Lenker…?“ fragte er. Doch die Frau reagierte nicht. Semir wartete bis der Arzt kam und ging dann zu Ben. „Das arme Ding…“ meinte er nur. Semir nickte. „Das hat niemand verdient. Aber was fällt dir an ihr auf?“ wollte er wissen. Ben sah sich das Mädchen an. „sie ist tot?“ meinte er trocken. „Ja das weiß ich…aber sie trägt einen roten Mantel und hat ein rotes Käppchen auf…sieht aus wie Rotkäppchen…“ murmelte er. „Erst Schneewittchen… jetzt Rotkäppchen. Sind die Gebrüder Grimm auf Kriegspfad und bringen ihre Helden um?“ murmelte Ben nachdenklich. „Sehr witzig…wirklich…mal im Ernst…sie sieht aus wie Rotkäppchen…“ wiederholte Semir. Er sah wieder auf die tote Frau. „Wenn ich sie mir so ansehe, dann scheint sie genau wie Schneewittchen erwürgt worden zu sein…Vielleicht eine Beziehungstat…“ mutmaßte er. „Wenn du das weißt, dann brauche ich ja nur noch den Schein auszustellen.“ knurrte eine Stimme hinter ihm. „Wegener. Hey…nein, ich... das meinte ich zu Ben… Ich meine, der Junge muss ja noch lernen und…“ redete Semir sich raus. „Ja sicher…was haben wir denn hier? Whow…die ist ja echt hübsch gewesen..“ meinte Wegener nur. „Ja und tot…eine Mitarbeiterin hat sie im Müll gefunden..“ gab Semir bekannt. „Okay… wenn ich die Starre berücksichtige…dann dürfte sie seit gestern Nacht tot sein. Genaueres kann ich nach der Obduktion sagen, wenn es bis dahin nicht auch noch Hänsel und Gretel erwischt hat…“ knurrte Wegener. „Aber du hast Recht..sie wurde erwürgt…“ bestätigte er noch. Die Augen sind durch die Strangulation stark gezeichnet. Der Todeskampf hat sicher einige Minuten gedauert...“ mutmaßte Wegener weiter. „Kannst du mir sagen womit? Ich meine...ob es Hände waren oder eher etwas anderes?“ wollte Ben wissen.

    „Die Male sehen eher nach einem Seil aus...oder eine Strumpfhose...oder aber etwas anderes, was man zugezogen hat. Wenn es Hände gewesen wären, dann könnte man die Abdrücke sehen und die sind nicht da...“ erklärte der Gerichtsmediziner. „Haben die Leute irgendwelche Papiere gefunden?“ wollte Semir wissen. „Nein...hier ist nichts...nicht einmal ihre Sachen. Ich meine außer diesem Mantel hat sie nichts an...das lässt doch auf einen Sexualdelikt schließen. Der Umhang und die Kappe die sie trägt erinnern an Rotkäppchen..“ kam von Wegener. „Ja….und das ist schon die zweite Leiche aus dem Märchenbuch der Gebrüder Grimm…“ murmelte Semir nachdenklich. „Tja…Jungs..ich muss dann mal…den Bericht habt ihr spätestens morgen auf dem Tisch, wenn nicht noch mehr kommen…Dornröschen und Aschenputtel fehlen noch…“ gab Wegener mit einem Seufzer von sich. Semir sah ihn nur an. „Wenn du mir hier einen Serienkiller aufquatschen willst, lass es lieber..“ gab er von sich. „hmmm aber er ist schon merkwürdig…“ hängte er an. Wegener sah ihn an. „was ist merkwürdig?“ wollte er wissen. „Nun ja…wenn man sich die Umgebung ansieht, dann ist es sonderbar, dass es keine Spuren eines Kampfes gibt. Du sagtest doch, dass sie sicher einige Minuten um ihr Leben gekämpft hat. Keine Sachen… gar nichts… das müsste doch dafür sprechen, dass sie hier nicht umgebracht wurde…“ mutmaßte Semir. „Ganz Recht… vermutlich wurde sie hier lediglich entsorgt…“ bestätigte Wegener. „Das riecht wieder nach ganz viel Arbeit..“ stöhnte Semir gekonnt und sah Wegener an. 2In einer Stunde will ich mehr wissen. Todeszeitpunkt und ob es vielleicht Spermaspuren gibt..“ befahl er. Wegener lachte leise. „Ich bin Gerichtsmediziner und kein Zauberer..“ gab er etwas knurrend von sich. „Weißt du Doc…das ist mir eigentlich ziemlich egal..ich will diesen Killer bekommen, bevor er sich noch mehr Frauen vornimmt..“ erklärte Semir und ging zu Ben, der sich mit der Bedienung unterhielt.

    Nico sah Elena an. „Wir müssen wirklich zu diesem knorrigen und knurrenden Gregor? Man…Ben kann froh sein, dass er seinen Opa nicht so oft sieht. Das ist ein verdammt schlimmer Zeitgenosse...“ knurrte er mürrisch. Elena lachte. „Hab dich nicht so….in erster Linie ist Gregor ein sehr netter Mensch. Und er ist auch jemand, der sofort zahlt. Seine Hündin hat wohl ein Problem und ich bin die Tierärztin…ich mache Hausbesuche und er hat es ausdrücklich gewünscht.“, erklärte sie und packte die Tasche. „Ja aber….du kannst doch auch allein fahren...warum muss ich mit?“, wollte Nico wissen. „Weil ich nicht weiß, wie lange die Behandlung dauert und du Mia dann abholen musst… so einfach ist das mein Schatz...und nun komm..“ lachte Elena. Nico nahm die Tasche seiner Frau und stapfte ihr voraus. Elena schüttelte nur den Kopf. Nico mochte Gregor nicht wirklich. Manchmal dachte sie er hätte Angst vor ihm. Gregor war zwar ein Brummbär, und tat unnahbar, aber in Wirklichkeit war er herzensgut. Liebevoll wenn es um die Tiere ging und angriffslustig wenn man ihm etwas abspenstig machen wollte. Er war ein Realist durch und durch. Elena mochte den alten Mann so wie er war. Als sie vor vier Jahren mit Nico und Mia hier in das Dorf gezogen waren, war nur Gregor da, der sich für sie stark gemacht hatte. „Wir brauchen aber einen Tierarzt hier!!! Und sie will hier arbeiten!! Gebt ihr eine Chance!“, hörte sie seine Worte auf der Versammlung als sie ihre Praxis eröffnet hatte. Keiner der umstehenden Bauern wollte eine Frau als Ärztin hier haben. Doch als Elena zeigte, was in ihr steckte, war jedem klar, dass sie ihr Fach verstand. Schnell fasste sie Fuß und das Vertrauen der Bewohner.

    Nach dem Frühstück räumte Andrea mit Gregor den Tisch ab. „Dein Mann scheint ziemlich fertig. Er brauch vielleicht auch Hilfe von einem Psychologen.“, schlug er vor. Andrea nickte. „Ich weiß…aber er will nicht….er hasst diese Ärzte, die ihm mit dem Erlebten konfrontieren…und ich glaube, er würde es nicht so schaffen…“, erklärte sie. „Aber es hilft auch nicht, wenn er die Wiederholungen im Traum hat. Es gibt hier im Dorf einen Psychologen, der ihm sicher helfen würde. Ich könnte ihn ja mal einladen…so ganz unverfänglich…?“, schlug Gregor vor. Andrea sah ihn an. „Semir wird es merken, wenn er anfängt ihn auszuquetschen…“, gab sie zu bedenken. Gregor lachte leise. „Mein liebes Kind…du glaubst gar nicht, wie viele Verrückte es hier gibt. Neulich hat mir einer erzählt, er hätte einen Reiter ohne Kopf gesehen…und was deine Sorge angeht….Dr. Martin hat sehr viel Erfahrung…. Er wird schon wissen wie er es machen muss….“ erklärte Gregor und streichelte Andrea sanft das Gesicht. „Danke….ich würde mich freuen, wenn es Erfolg hätte…ich muss zu meinem Mann.“, sagte sie und drehte sich um.

    Semir saß im großen Wohnzimmer und sah sich um. Das große Regal mit alten Büchern fiel ihm ins Auge. Noch immer spürte er das Zittern in den Händen und in seinem ganzen Körper. Warum sollte er sich nicht ablenken? Hoffentlich hilft’s, dachte er nur, stand auf und griff sich das erstbeste Buch heraus. Es war eine Sammlung von alten Sagen aus der Eifel. Semir blieb vor dem Regal stehen und schlug es auf. Ein auf der Seite abgedrucktes Gemälde stach ihm sofort ins Auge. Erschrocken blickte er auf den kopflosen Mann, der auf einem Pferd saß und ein großes Schwert schwang. Neugierig aber auch von Angst getrieben, las Semir sich den Text darunter durch. „Es war in dem Jahre Vier unter der napoleonischen Herrschaft, als die Bewohner des Dorfes Lasel sich einen ewig anhaftenden Fluch der Hölle aufgeladen haben. Die Tochter des Bürgermeisters liebte einen Dragoneroffizier der französischen Armee. Jeder im Dorf sah dies mit Zorn und besonders der Vater verfluchte seine Tochter und so ersann man einen Plan. Man schrieb dem Geliebten einen gefälschten Brief, lockte ihn zu einer großen, alten Eiche im Forst. Der Liebste, vollkommen allein und ahnungslos, geriet in einen Hinterhalt der Dorfbewohner, in deren Verlauf der wütende Vater dem Buhler den Kopf von den Schultern schlug. Mit seinem Pferd wurde der Franzose in der Tropfsteinhöhle eingesperrt und der Eingang mit dem schwersten Findling für immer verschlossen. Als die Liebste merkte, was ihr Vater getan hatte, stürzte sie sich in den Weiher. Doch vorher sprach sie einen Fluch über das ganze Dorf aus. Und so erschien der Reiter, kopflos und ohne Hufschlag, zu jeder Vollmondnacht und schwang sein höllisch glühendes Schwert, holte sich die Köpfe seiner Feinde, die es wagten, durch den Wald zu wandern und nahm sie mit in seine letzte Ruhestätte. Und er rächt noch heute seine Liebe an den Menschen, die sie zerstörten. Darum merket auf...bei Vollmond meidet den Wald, du braver Wandersmann.“ Semir blätterte weiter und sein Blick erstarrte, das Bild wurde Lebendig und Sander Kalvus stieg ihm aus dem Buch entgegen. Schnell warf Semir das Buch zu und ließ es zu Boden fallen, glitt an dem Schrank nach unten und krümmte sich zusammen.

    „Okay… wir müssen wissen, wer die Tote ist. Hartmut….such bitte alles gründlich ab, vielleicht findest du eine Handtasche oder andere Sachen die uns dabei helfen. Die üblichen Spuren… du kennst dich ja aus.“ meinte Ben nur und zog Semir mit sich. „Was ist denn?“ wollte dieser wissen „Ich hab Hunger… wir haben es schon zwölf und damit Zeit für Mittag!“ erinnerte er seinen alten Freund. „Ach so….“ grinste Semir. „Gut...fahren wir zum Restaurant…“ hängte er an und fuhr kurz darauf los. Der Parkplatz war heute schnell gefunden. Semir und Ben betraten das Restaurant und kurz darauf kam schon eine Bedienung der älteren Generation zu ihnen. „Guten Tag die Herren…was darf ich bringen?“ wollte sie wissen. Ben sah sie an. „Wie wäre es mit der Speisekarte für den Anfang?“ versuchte er sie zu necken. „Selbstverständlich..“ kam nur von ihr. Sie drehte sich um und holte die Karten. „Hey…was soll das denn? Willst du sie anbaggern?“ lachte Semir leise. „Nein…ich wollte nur freundlich sein….ich entschuldige mich gleich…“ grinste Ben. Die Frau kam zurück. „Bitte schön die Herren, Darf es schon etwas zu trinken sein?“ wollte sie wissen. Sie war nach wie vor freundlich. „Ja sehr gern…eine Cola light bitte…“ bestellte Ben. „Ich bekomme die schwerere Art..“ grinste Semir. „Eine Cola light und eine Normal…kommt sofort…“ lächelte sie nun. „Sie ist mir nicht mehr böse…“ grinste Ben nur. „Was nehme ich denn…? Hmmm…“ machte Semir und blätterte die Speisekarte durch. „Ah…da….ich nehme das Blumenkohlschnitzel mit Bratkartoffeln und grünem Salat….Als Nachtisch gibt es Orangencreme mit Sahne….“ Nickte Semir und entschloss sich für das Gericht. „Hört sich gut an…das nehme ich auch..“ meinte Ben nur und legte die Karte beiseite. Die Bedienung kam mit den Getränken zurück und nahm die Essensbestellung auf. Es dauerte knappe 15 Minuten bis das Essen vor ihnen stand. Semir und Ben ließen es sich schmecken.

    Während die Gäste das Essen genossen ging Sybille Lenker nach draußen um den Müll zu entsorgen. Sie mühte sich mit den Müllbeuteln ab und stellte sie vor den Container ab. Mit einem Stöhnen hob sie den Deckel des Containers und sah hinein. Ein gellender Schrei war das Nächste, was sie ausstieß. Sofort rannten die Gäste die sie eben noch bedient hatte zu ihr. „Was ist denn los?“ wollte der ältere der Beiden wissen. „Da…drinnen…grausam... ich… es ist furchtbar.“ stammelte Sybille. Die Männer sahen in den Container. „Oh….“ stieß der jüngere der Beiden aus und der Ältere griff zum Handy. Wen er anrief bekam Sybille nicht mit, denn ihr wurde schwarz vor Augen. Bevor sie umkippen konnte griffen die Männer zu und brachten sie zurück ins Restaurant. „Gott…ist das grausam….wie grausam...das arme Ding.“ stammelte sie nur. „Frau…?“ fragte der Ältere. „Lenker…Sybille Lenker...“ kam von Sybille tonlos. „Okay…ganz ruhig. Wir sind von der Polizei….beruhigen Sie sich…“ redete der Mann auf sie ein. Sybille sah ihn an. Beruhigen? Der Typ konnte ja sehr gelassen daher reden, vermutlich sieht er jeden Tag eine Leiche aber für sie war es die erste. Gott…das Mädchen war nicht älter als 20. Wer konnte einem so jungen Ding einfach das Leben nehmen? „ich…es…ist…die erste…ich…“ stammelte sie. Der Mann nickte. „Ich weiß… der Anblick ist grausam. Aber ich brauche Ihre Hilfe….“ erklärte der Mann. „Wer sind Sie?“ wollte Sybille wissen. „Semir Gerkan…Kripo Autobahn…der junge Mann ist mein Hilfsscheriff Ben Jäger…“ lächelte er und versuchte sie aufzumuntern. „Gott..das arme Ding..“ murmelte sie und ließ offen ob sie nun die Leiche oder aber Ben meinte. „Frau Lenker… Sie müssen für heute das Restaurant schließen. Wir müssen Ihnen auch ein paar Fragen stellen..“ redete der Mann auf sie ein. Sybille nickte nur. „Sehr gut…ich werde gleich erst einmal den Arzt zu Ihnen schicken. Ihr Puls rast ja schneller als mein BMW in der Rushhour…“ lächelte er und strich ihr sanft über das Gesicht.